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Dritter Abschnitt
Die Aneignung von Mehrwert — einem Wert, der überschüssig
ist über das Aequivalent des vom Kapitalisten vorgeschossenen
Wertes —, obgleich eingeleitet durch den Kauf und Verkauf der
Arbeitskraft, ist ein innerhalb des Produktionsprozesses selbst sich
vollziehender Akt und bildet ein wesentliches Moment desselben.

Der einleitende Akt, der einen Zirkulationsakt bildet: der Kauf
und Verkauf der Arbeitskraft, beruht selbst wieder auf einer der
Distribution [Verteilung] der gesellschaftlichen Produkte Voraus-
Zegangenen und vorausgesetzten Distribution der Produktions-
elemente, nämlich der Scheidung der Arbeitskraft als Ware des
Arbeiters von den Produktionsmitteln als Eigentum von Nicht-
arbeitern.

Zugleich aber ändert diese Aneignung von Mehrwert oder diese
Scheidung der Wertproduktion in Reproduktion von vorgeschossenem
Wert und Produktion von kein Aequivalent ersetzendem Neuwert
(Mehrwert) durchaus nichts an der Substanz des Wertes selbst und
der Natur der Werfproduktion. Die Substanz des Wertes ist und
bleibt nichts außer verausgabter Arbeitskraft — Arbeit, unabhängig
von dem besonderen nützlichen Charakter dieser Arbeit — und die
Wertproduktion ist nichts als der Prozeß dieser Verausgabung. So
gibt der Leibeigene während 6 Tagen Arbeitskraft aus, arbeitet
während 6 Tagen, und es macht für die Tatsache dieser Verausgabung

als solcher keinen Unterschied, daß er zum Beispiel drei dieser Arbeits-
tage für sich auf seinem eigenen Feld und drei andere für seinen Guts-
herrn auf dessen Feld verrichtet. Seine freiwillige Arbeit für sich
und seine Zwangsarbeit für seinen Herrn sind gleichmäßig Arbeit;
soweit sie als Arbeit mit Bezug auf die von ihr geschaffenen Werte
oder auch nützlichen Produkte betrachtet wird, findet kein Unter-
schied in seiner sechstägigen Arbeit statt. Der Unterschied bezieht
sich nur auf die verschiedenen Verhältnisse, wodurch die Veraus-
gabung seiner Arbeitskraft während der beiden Hälften der sechs-
tägigen Arbeitszeit veranlaßt wird. Ebenso verhält es sich mit der
notwendigen und der Mehrarbeit des Lohnarbeiters.

Der Produktionsprozeß erlischt in der Ware. Daß in ihrer Her-
stellung Arbeitskraft verausgabt worden ist, erscheint jetzt als ding-
liche Eigenschaft der Ware, daß sie Wert besitzt; die Größe dieses
Wertes ist gemessen durch die Größe der verausgabten Arbeit; in ein
weiteres löst sich der Warenwert nicht auf und besteht aus nichts
anderm. Wenn ich eine gerade Linie von bestimmter Größe gezogen
habe, so habe ich zuerst durch die Art der Zeichnung, die nach ge-
wissen von mir unabhängigen Regeln (Gesetzen) geschieht, eine
gerade Linie ‚produziert‘ (zwar nur symbolisch, was ich vorher
weiß), Teile ich diese Linie in drei Abschnitte (die wieder einem
bestimmten Problem entsprechen mögen), so bleibt jedes dieser drei
Stücke nach wie vor gerade Linie, und die ganze Linie, deren Teile
sie sind, wird durch diese Teilung nicht in etwas von gerader Linie
Unterschiedenes, zum Beispiel eine Kurve irgend einer Art aufgelöst.