Neunzehntes Kapitel

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Ebensowenig kann ich die Linie von gegebener Größe so teilen, daß
die Summe dieser Teile größer als die ungeteilte Linie selbst wird;
die Größe der ungeteilten Linie ist also auch nicht bestimmt durch
beliebig bestimmte Größen der Teillinien. Umgekehrt, die relativen
Größen der letzteren sind von vornherein begrenzt durch die Grenzen
der Linie, deren Teile sie sind.

Die vom Kapitalisten. hergestellte Ware unterscheidet sich so-
weit in nichts von der durch einen selbständigen Arbeiter oder von
Arbeitergemeinden. oder von Sklaven hergestellten Ware. Jedoch
gehört in unserm Fall das ganze Arbeitsprodukt wie sein ganzer
Wert dem Kapitalisten. Wie jeder andere Produzent hat er die Ware
erst durch den Verkauf in Geld zu verwandeln, um weiter damit
manipulieren [verfahren] zu können; er muß sie in die Form von
allgemeinem Aequivalent umsetzen.

Betrachten wir das Warenprodukt, bevor es in Geld verwandelt
wird. Es gehört ganz dem Kapitalisten. Es ist anderseits als nütz-
liches Arbeitsprodukt — als Gebrauchswert — ganz und gar das
Produkt des vergangenen Arbeitsprozesses; nicht so sein Wert. Ein
Teil dieses Wertes ist nur in neuer Form wiedererscheinender Wert
der in der Produktion der Ware verausgabten Produktionsmittel;
dieser Wert ist nicht produziert worden während des Produktions-
prozesses dieser Ware; denn diesen Wert besassen die Produktions-
mittel vor dem Produktionsprozeß, unabhängig von ihm; als seine
Träger gingen sie ein in diesen Prozeß; was sich erneuert und ver-
ändert hat, ist nur seine Erscheinungsform. Dieser Teil des Waren-
werts bildet für den Kapitalisten ein Aequivalent für der. während
der Warenproduktion verzehrten Teil seines vorgeschossenen kon-
stanten Kapitalwerts. Er existierte vorher in der Form von Produk-
tionsmittel; er existiert jetzt als Bestandteil des Werts der neu
produzierten Ware. Sobald letztere versilbert ist, muß dieser nun
in Geld existierende Wert wieder verwandelt werden in Produktions-
mittel, in seine ursprüngliche durch den Produktionsprozeß und
seine Funktion in selbem bestimmte Form. Am Wertcharakter
einer Ware wird nichts geändert durch die Kapitalfunktion dieses
Werts.

Ein zweiter Wertteil der Ware ist der Wert der Arbeitskraft,
die der Lohnarbeiter an den Kapitalisten verkauft. Er ist bestimmt
wie der Wert der Produktionsmittel, unabhängig von dem Produk-
tionsprozeß, in den die Arbeitskraft eingehen soll, und wird fixiert
in einem Zirkulationsakt, dem Kauf und Verkauf der Arbeitskraft,
bevor diese in den Produktionsprozeß eingeht. Durch seine Funktion
— die Verausgabung seiner Arbeitskraft — produziert der Lohn-
arbeiter einen Warenwert gleich dem Wert, den ihm der Kapitalist
für den Gebrauch seiner Arbeitskraft zu zahlen hat. Er gibt dem
Kapitalisten diesen Wert in. Ware, der zahlt ihm denselben in Geld.
Daß dieser Teil des Warenwerts für den Kapitalisten nur ein Aequi-
valent für sein im Arbeitslohn vorzuschießendes variables Kapital