Zwanzigstes Kapitel

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wird unterstellt nicht nur, daß die Produkte ihrem Wert nach sich
austauschen, sondern auch daß keine Wertrevolution in den Bestand-
teilen des produktiven Kapitals vorgehe. Soweit die Preise von den
Werten abweichen, kann dieser Umstand übrigens auf die Bewegung
des gesellschaftlichen Kapitals keinen Einfluß ausüben. Es tauschen
sich nach wie vor im ganzen dieselben Massen Produkte aus, ob-
gleich die einzelnen Kapitalisten dabei in Wertverhältnissen beteiligt
sind, die nicht mehr proportionell wären ihren respektiven Vorschüs-
sen und den von jedem von ihnen einzeln produzierten Mehrwert-
massen. Was aber Wertrevolutionen angeht, so ändern sie nichts
an den Verhältnissen zwischen den Wertbestandteilen des jährlichen
Gesamtprodukts, soweit sie allgemein und gleichmäßig verteilt sind.
Soweit sie dagegen partiell und nicht gleichmäßig verteilt sind, stellen
sie Störungen dar, die erstens als solche nur verstanden werden
können, soweit sie als Abweichungen von gleichbleibenden Wert-
verhältnissen betrachtet werden: zweitens aber, wenn das Gesetz
nachgewiesen, wonach ein Wertteil des jährlichen Produkts kon-
stantes, ein anderer variables Kapital ersetzt, so würde eine Revo-
lution, sei es im Wert des konstanten, sei es des variablen Kapitals,
an diesem Gesetz nichts ändern. Sie würde nur die relative Größe der
Wertteile ändern, die in der einen oder andern Qualität fungieren, weil
an die Stelle der ursprünglichen Werte andere Werte getreten wären.

Solange wir die Wertproduktion und den Produktenwert des
Kapitals individuell betrachteten, war die Naturalform des Waren-
produkts für die Analyse ganz gleichgültig, ob sie zum Beispiel aus
Maschinen bestand oder aus Korn oder aus Spiegeln. Es war dies
immer Beispiel, und. jeder beliebige Produktionszweig konnte gleich-
mäßig zur Illustration dienen. Womit wir es zu tun hatten, war der
unmittelbare Produktionsprozeß selbst, der auf jedem Punkt als Prozeß
eines individuellen Kapitals sich darstellt. Soweit dieReproduktion des
Kapitals in Betracht kam, genügte es zu unterstellen, daß innerhalb
der Zirkulationssphäre der Teil des Warenprodukts, welcher Kapital-
wert darstellt, die Gelegenheit findet, sich in seine Produktionselemente
und daher in seine Gestalt als produktives Kapital rückzuverwandeln,
ganz wie es genügte zu unterstellen, daß Arbeiter und Kapitalist
auf dem Markte die Waren vorfinden, worin sie Arbeitslohn und
Mehrwert verausgaben, Diese nur formelle Manier der Darstellung
genügt nicht mehr bei Betrachtung des gesellschaftlichen Gesamt-
kapitals und seines Produktenwerts. Die Rückverwandlung eines
Teils des Produktenwerts in Kapital, das Eingehen eines andern
Teils in die individuelle Konsumtion der Kapitalisten- wie der Ar-
beiterklasse bildet eine Bewegung innerhalb des Produktenwerts
selbst, worin das Gesamtkapital resultiert hat, und diese Bewegung
ist nicht nur Wertersatz, sondern Stoffersatz, und ist daher ebenso-
sehr bedingt durch das gegenseitige Verhältnis der Wertbestandteile
des gesellschaftlichen Produkts wie durch ihren Gebrauchswert, ihre
stoffliche Gestalt.

Das Kapital. II.