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Dritter Abschnitt
eingetreten) nimmt auch momentan Anteil an der Konsumtion ihr
sonst unzugänglicher Luxusartikel, außerdem auch an der Klasse der
notwendigen Konsumtionsartikel, die sonst zum größten Teil „not-
wendige‘“‘ Konsumtionsmittel nur für die Kapitalistenklasse bildet,
was seinerseits eine Steigerung der Preise hervorruft.

Es ist eine reine Tautologie, zu sagen, daß die Krisen aus Mangel
an zahlungsfähiger Konsumtion oder an zahlungsfähigen Konsumen-
ten hervorgehen, Andere Konsumarten als zahlende kennt, das ka-
pitalistische System nicht, ausgenommen die sub forma pauperis [in
Gestalt des Almosenempfängers] oder die des „Spitzbuben‘. Daß
Waren unverkäuflich sind, heißt nichts, als daß sich keine zahlungs-
fähigen Käufer für sie fanden, also Konsumenten (sei es nun, daß die
Waren in letzter Instanz zum Behuf produktiver oder individueller
Konsumtion gekauft werden). Will man aber dieser Tautologie einen
Schein tieferer Begründung dadurch geben, daß man sagt, die Ar-
beiterklasse erhalte einen zu geringen Teil ihres eigenen Produkts
und dem Uebelstand werde mithin abgeholfen, sobald sie größeren
Anteil davon empfängt, ihr Arbeitslohn folglich wächst, so ist nur
zu bemerken, daß die Krisen jedesmal gerade vorbereitet werden
durch eine Periode, worin der Arbeitslohn allgemein steigt und die
Arbeiterklasse realiter größeren Anteil an dem für die Konsumtion
bestimmten Teil des jährlichen Produkts erhält. Jene Periode müßte
— von dem Gesichtspunkt. dieser Ritter vom gesunden und „ein-
fachen‘‘ (!) Menschenverstand — umgekehrt die Krise entfernen. Es
scheint also, daß die kapitalistische Produktion vom guten oder bösen
Willen unabhängige Bedingungen einschließt, die jene relative Pro-
sperität der Arbeiterklasse nur momentan zulassen, und zwar immer
nur als Sturmvogel einer Krise, 4%

Man sah vorhin, wie das proportionelle Verhältnis zwischen der
Produktion notwendiger Konsumtionsmittel und der Produktion von
Luxus die Teilung von II w + m zwischen IIa und ITIb bedingte — also
auch die von IIe zwischen (IIa)e und (IIb)e. Sie greift also den Cha-
rakter und die quantitativen Verhältnisse der Produktion bis an die
Wurzel an und ist ein wesentlich bestimmendes Moment ihrer Ge-
samtgestaltung.

Die einfache Reproduktion ist der Sache nach auf die Konsum-
tion als Zweck gerichtet, obgleich die Ergatterung von Mehrwert als
treibendes Motiv der individuellen Kapitalisten erscheint; aber der
Mehrwert — welches immer seine proportionelle Größe — soll
schließlich hier dienen nur für die individuelle Konsumtion des
Kapitalisten.

Soweit die einfache Reproduktion Teil und bedeutendster Teil
auch jeder jährlichen Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter,
bleibt dies Motiv in Begleitung von und im Gegensatz zu dem Motiv

‘ Ad notam für etwaige Anhänger der Rodbertusschen Krisentheorie.
FF. E.