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Dritter Abschnitt
jährlichen Reproduktion vorgeht, also auch ein Mißverständnis über
die tatsächliche Grundlage des teilweise Richtigen), sobald sie allge-
mein aufgestellt wird.

Wir stellen jetzt die tatsächlichen Verhältnisse zusammen, wor-
auf die teilweise Richtigkeit dieser Vorstellung beruht, wobei sich
zugleich die falsche Auffassung dieser Verhältnisse zeigen wird.

1. Das variable Kapital fungiert als Kapital in der Hand des
Kapitalisten und fungiert als Revenue in der Hand des Lohnarbeiters.

Das variable Kapital existiert zunächst in der Hand des Kapi-
talisten als Geldkapital; es fungiert als Geldkapital, indem er
damit Arbeitskraft kauft. Solange es in seiner Hand in Geldform
verharrt, ist es nichts als in Geldform existierender gegebener Wert,
also eine konstante und keine variable Größe. Es ist nur potentiell
variables Kapital — eben durch seine Umsatzfähigkeit in Arbeits-
kraft. Wirkliches variables Kapital wird es nur nach Abstreifung
seiner Geldform, nachdem es in Arbeitskraft umgesetzt worden und
diese als Bestandteil des produktiven Kapitals im kapitalistischen
Prozeß fungiert.

Das Geld, das zuerst als Geldform des variablen Kapitals für
den Kapitalisten fungierte, fungiert nun in der Hand des Arbeiters
als Geldform seines Arbeitslohnes, den er in Lebensmittel umsetzt,
also als Geldform der Revenue, die er aus dem stets wiederholten
Verkauf seiner Arbeitskraft bezieht.

Hier haben wir nun die einfache Tatsache, daß das Geld des
Käufers, hier des Kapitalisten, aus seiner Hand in die Hand des Ver-
käufers, hier des Verkäufers der Arbeitskraft, des Arbeiters, geht.
Es ist nicht das variable Kapital, das doppelt fungiert, als Kapital
für den Kapitalisten und als Revenue für den Arbeiter, sondern es
ist dasselbe Geld, das erst in der Hand des Kapitalisten als Geld-
[orm seines variablen Kapitals, daher als potentielles variables Kapi-
tal existiert und das, sobald der Kapitalist es umgesetzt in Arbeits-
kraft, in der Hand des Arbeiters als Aequivalent für verkaufte Ar-
beitskraft dient. Daß aber dasselbe Geld in der Hand des Verkäufers
einer andern Nutzanwendung dient als in der Hand des Käufers, ist
allem Kauf und Verkauf von Waren angehöriges Phänomen.

Apologetische Oekonomen stellen die Sache falsch dar, wie sich
am besten zeigt, wenn wir nur den Zirkulationsakt G — A (gleich
GG — W), Umsatz von Geld in Arbeitskraft auf Seite des kapitalisti-
schen Käufers, A — G (gleich W— G), Umsatz der Ware Arbeitskraft
in Geld auf Seite des Verkäufers, des Arbeiters, ausschließlich im
Auge halten, ohne uns vorläufig um das weiter Folgende zu bekümmern.
Sie sagen: dasselbe Geld realisiert hier zwei Kapitale; der Käufer

— Kapitalist — setzt sein Geldkapital in lebendige Arbeitskraft um,
die er seinem produktiven Kapital einverleibt; anderseits der Ver-
käufer — Arbeiter — setzt seine Ware — die Arbeitskraft — in Geld
um, das er als Revenue verausgabt, wodurch er eben befähigt wird,
seine Arbeitskraft stets von neuem wieder zu verkaufen und so zu