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        <title>Der Zirkulationsprozess des Kapitals</title>
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            <forname>Karl</forname>
            <surname>Marx</surname>
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        EIGENTUM
DES
INSTITUTS
FÜR
WELTWIETSCHAÄFT
KIEL
BIGLIOTHEK

raum
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X 3831
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        Das Kapital

Zweiter Band
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        Das Kapital
Kritik der politischen Oekonomie
von
KARL MARX

Zweiter Band
Buch II; Der Zirkulationsprozess des Kapitals

Herausgegeben von FRIEDRICH ENGELS

Volksausgabe

Besorgt von KARL KAUTSKY
unter Mitwirkung von BENEDIKT KAUTSKY

BERLIN
J. H. W. Dietz Nachfolger, G. m.b.H.
1926
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        *, &gt;
}

a7
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        Inhaltsverzeichnis.

Vorwort des Herausgebers...
Vorwort zur ersten Auflage .
Vorwort zur zweiten Auflage ..

5 w ww
210600024

Seite

IX
XXX
XLIX

Zweites Buch.
Der Zirkulationsprozeß des Kapitals.
Erster Abschnitt.
Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreislauf,
Erstes Kapitel. Der Kreislauf des Geldkapitals ......
I. Erstes Stadium: G—W rreeeeerkn 0ER EEHOE
II. Zweites Stadium: Funktion des produktiven Kapitals P .....

[II. Drittes Stadium: W’—G .... a.

IV. Der Gesamtkreislauf .. en. 2...)
Zweites Kapitel. Der Kreislauf des produktiven Kapitals

J. Einfache Reproduktion..... x eh UHUMWUFEEHE
JI. Akkumulation und Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter

EII. Geldakkumulation ..

JV. Reservefonds ......... DL EHE
Drittes Kapitel. Der Kreislauf des Warenkapitals....
Viertes Kapitel. Die drei Figuren des Kreislaufs .....

Natural-, Geld- und Kreditwirtschaft .. KERNE
Decken von Nachfrage und Zufuhr . *
Fünftes Kapitel. Die Umlaufszeit........
Sechstes Kapitel. Die Zirkulationskosten ...
I. Reine Zirkulationskosten .....
Kauf- und Verkaufszeit ......
2. Buchführung .......
3. Geld ...........
II. Aufbewahrungskosten ...
i. Vorratsbildung überhaupt ....
2, Eigentlicher Warenvorraß ........
III. Transportkosten ....

2
9
5
5

5
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3
3

7
3
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101
106
        <pb n="9" />
        Inhaltsverzeichnis
Zweiter Abschnitt.
Der Umschlag des Kapitals. Seite
Siebentes Kapitel. Umschlagszeit und Umschlagszahl.. 115
Achtes Kapitel. Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital 118
1. Die Formunterschiede ......000eer rer een en 118
II. Bestandteile, Ersatz, Reparatur, Akkumulation des fixen Kapitals 128
Neuntes Kapitel. Der Gesamtumschlag des vorge-
schossenen Kapitals. Umeschlagszyklen .... 141
Zehntes Kapitel. Theorien über fixes und zirkulierendes
Kapital. Die Physiokraten und A. Smith... 147
Elftes Kapitel. Theorien über fixes und zirkulierendes
Kapital. Ricardo..........
Zwölftes Kapitel. Die Arbeitsperiode ....
Dreizehntes Kapitel. Die Produktionszeit .
Vierzehntes Kapitel. Die Umlaufszeit.. HE. 8 Alk bb
Fünfzehntes Kapitel. Wirkung der Umschlagszeit auf
die Größe des Kapitalvorschusses ..
I. Arbeitsperiode gleich der Umlaufszeit....
II. Arbeitsperiode größer als Umlaufszeit. .
III. Arbeitsperiode kleiner als Umlaufszeit
[V. Resultate ...............
V. Wirkung von Preiswechsel....... .. OHR ER
Sechzehntes Kapitel. Der Umschlag des variablen Kapitals
I, Die Jahresrate des Mehrwerts ...............
II. Der Umschlag des variablen Einzelkapitals .... 7
111. Der Umschlag des variablen Kapitals, gesellschaftlich betrachtet
Siebzehntes Kapitel. Die Zirkulation des Mehrwarts...
I. Einfache Reproduktion .............
IH. Akkumulation und erweiterte Reproduktion .

Dritter Abschnitt.
Die Reproduktion und Zirkulation des gesellschaftlichen
Gesamtkapitals.
Achtzehntes Kapitel. Einleitung...
I. Gegenstand der Untersuchung ..
JI. Die Rolle des Geldkapitals . * 4 U uf BELMSERMRNE ER
Neunzehntes Kapitel. FrühereDarstellungen des Gegen-
standesS...........
I. Die Physiokraten ........
Li. Smiths allgemeine Gesichtspunkte ..... 2, 0.00.00. 4
2. Smiths Auflösung des Tauschwerts in v+M 2...0000000
3. Der konstante Kapitalteil...........
4. Kapital und Revenue bei A. Smith ..
5. Zusammenfassung -
III. Die Späteren s....0.000000000 000000000 ı
Zwanzigstes Kapitel. Einfache Reproduktion.............
I. Stellung der Frag® ....000000000 00er N REKEN RER R RE K ES
II. Die zwei Abteilungen der gesellschaftliiehen Produktion.

296
296
299

303
308
306
306
83183
316
321
327
831
333
338
2386
        <pb n="10" />
        VII
Seite
III. Der Umsatz zwischen beiden Abteilungen: I (v+m) gegen IIe 339
IV. Der Umsatz innerhalb Abteilung II. Notwendige Lebensmittel
A EEE
V. Die Vermittlung der Umsätze durch die Geldzirkulation..... 351
VI. Das konstante Kapital der Abteilung I............0000041.4. 360
VII. Variables Kapital und Mehrwert in beiden Abteilungen...... 363
VIII. Das konstante Kapital in beiden Abteilungen ............... 366
IX. Rückblick auf A, Smith, Storch und Ramsay ............... 370
X. Kapital und Revenue: Variables Kapital und Arbeitslohn ... 374
XI. Ersatz des fixen Kapitals .......... .... 884
i. Ersatz des Verschleiß-Wertteils in Geldform ........ .. 387
2, Ersatz des fixen Kapitals in natura ... ........... 89l
3. Resultate ............... »20.0000r1 1 399
XII. Die Reproduktion des Geldmaterials . .. 402
XII. Destutt de Tracys Reproduktionstheorie .... ..... 411
Einundzwanzigstes Kapitel. Akkumulation und erweiterte
Reproduktion ................
I. Akkumulation in Abteilung I.
1. Schatzbildung 2.0.0.0
2. Das zusätzliche konstante Kapital ......
3. Das zusätzliche variable Kapital ...........
II. Akkumulation in Abteilung II........
III. Schematische Darstellung der Akkumulation
1. Erstes Beispiel...
2. Zweites Beispiel...................
3. Umsatz von IIc bei Akkumulation .
IV. Nachträgliches ..

Inhaltesverzeichnis

.:.. 420
„0.0.0040. 428
........1x 423
426

430

431

435

439

442

447

449
Register.
Verzeichnis der zitierten Werke .
A. Werke genannter Verfasser...
B. Werke anonymer Verfasser .....0.0000000 ee
C. Veröffentlichungen offizieller und anderer Körperschaften .....
D. Zeitungen und Zeitschriften.

Namenregister .......

Sachregister

‚. 451

„. 451
452

4538

453

..... 454
459
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        Vorwort zur Volksausgabe.

Dieselben Gründe, die mich vor einem Dutzend Jahren bewogen,
den Auftrag des Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokratie
auf Herausgabe einer Volksausgabe des ersten Bandes des Marxschen
„Kapital‘‘ zu übernehmen, haben mich veranlaßt, demselben Ruf für
den zweiten und dritten Band zu folgen. Von Engels herausgegeben,
wurden diese beiden Bände jetzt frei, 30 Jahre nach seinem Tode,

Ich habe die Aufgabe übernommen trotz schwerer Bedenken,
verzögert sie doch den Abschluß einer großen Arbeit, mit der ich
schon lange beschäftigt bin. Und meine Arbeitskraft erlaubt mir
nicht mehr so intensives Schaffen wie ehedem. Endlich konnte ich
nicht mehr auf die Mithilfe der beiden Freunde rechnen, die mir bei
der Herausgabe des ersten Bandes zur Seite gestanden waren. Rja-
sanow, der das Register fertigstellte, hat sich räumlich wie politisch
So sehr von mir entfernt, daß ein Zusammenarbeiten schwer möglich
ist. Und Gustav Eckstein, eine der größten Hoffnungen der jüngeren
Generation der Marxisten, erlag im Sommer 1916 den Entbehrungen,
die der Weltkrieg ihm wie uns allen auferlegte und denen sein kran-
ker Körper nicht gewachsen war.

Glücklicherweise fand ich einen ausreichenden Helfer in meinem
Sohne Benedikt, der in ökonomischen Dingen theoretisch und auch —
als Sekretär der Wiener Arbeiterkammer — praktisch gut geschult ist,
konsequent marxistisch denkt und den zweiten und dritten Band des
„Kapital‘“ aufs gründlichste durchgeackert hat. Wir arbeiteten nach
gemeinsamem Plan zusammen, dabei ist aber immer mehr der größte
und schwierigste Teil der Arbeit auf ihn gefallen. Ich werde als Her-
ausgeber genannt, weil ich den Auftrag zur Ausgabe erhielt, sie
kontrollierte und die volle Verantwortung für sie trage. Aber an der
Arbeit des Herausgebers hat mein Sohn wohl größeren Anteil als ich.

Das Register stammt vollständig von ihm. Dessen Abfassung war
diesmal noch weniger leicht als für den ersten Band; denn dem
zweiten und dritten Band fehlen viel mehr konkrete Tatsachen, es
überwiegen dort abstrakte Gedankengänge, die für ein Sachregister
kaum zu fassen sind,

Aber auch bei der Herausgabe des Textes erwies sich unsere Auf-
gabe über Erwarten groß und schwierig. Allerdings, hätten wir
bloß eine Volksausgabe veranstalten wollen, wäre die Arbeit ge-
ringer gewesen als am ersten Band.

Wie bei diesem, sollte auch bei dem zweiten und dritten Band das
Wesen der Volksausgabe nicht dadurch erreicht werden, daß wir den
Text irgendwie „popularisierten‘. Den Ideengehalt des „Kampital‘
        <pb n="13" />
        A

Vorwort zur Volksausgabe
in dieser Weise leichter verständlich zu machen, ist bereits durch
Schriften anderer Art versucht worden; so für den ersten Band von
mir selbst. Solche Bücher können aber nur als Einführun g in das
Studium des „Kapital“ betrachtet werden, sie machen das Studium
des Originals mit seiner ganzen Tiefe und Fülle nicht überflüssig.

Die Volksausgabe soll dieses Studium jenen erleichtern, die im-
stande und gewillt sind, sich an schwere Denkprobleme heranzum achen,
dabei aber durch den äußerlichen Umstand behindert werden, daß
ihnen nicht eine akademische Bildung zuteil wurde, so daß sie mit der
Technik des Wissens, zum Beispiel mit fremden Sprachen und den

Fachausdrücken der Wissenschaft, nicht vertraut sind.

Das Marxsche „Kapital‘‘ stellt in dieser Beziehung außerordent-
lich hohe Ansprüche an seine Leser, weit mehr, als das in der soziali-
stischen Literatur in der Regel der Fall ist, und auch mehr als die
meisten Werke der bürgerlichen Oekonomie. Das Studium des „Kapi-
tal‘ trotzdem jedem intelligenten, mit unserer Literatur einigermaßen
vertrauten, in selbständigem Denken geübten Leser möglich zu
machen, war unsere erste Aufgabe bei der Herausgabe des zweiten und
dritten, ebenso wie schon des ersten Bandes, Unsere Grundsätze
waren hier wie dort die gleichen. Ich habe sie schon im Vorwort zur
Volksausgabe des ersten Bandes dargelegt.

Wir haben alle fremdsprachlichen Zitate und Ausdrücke über-
setzt und die Uebersetzung dem Original in eckiger Klammer hinzu-
gefügt. Auch alle sonstigen Einschiebungen in eckiger Klammer
stammen von uns. Nicht jeder Fachausdruck läßt sich völlig aus-
reichend deutsch wiedergeben, und bei einer Uebersetzung mag
mancher eine andere Wendung glücklicher finden als die von uns
gewählte. Wir haben daher nicht bloß die Uebersetzung, sondern
auch das Original mitgeteilt, das dem Sprachkundigen stets will-
kommen sein wird.

Kommentare haben wir ebensowenig wie im ersten Bande ge-
geben. Jeder Versuch einer Bevormundung der Leser wurde unter-
lassen. Nur hin und wieder gaben wir erläuternde Noten, wo wir .an-
nahmen, daß sie das Verständnis erleichtern würden, ohne eine be-
stimmte Auffassung zu suggerieren. Solche Noten wurden mit K.
gezeichnet, die von Engels herrührenden und als solche kenntlichen
Noten und Einschiebungen mit F. E. Die mit keinem Kennzeichen
versehenen rühren von Marx her oder von Engels, ohne als solche
kenntlich zu sein. .

Die Arbeit an Uebersetzungen und Erläuterungen, die uns hier
zufiel, war etwas geringer als beim ersten Band. Sind doch der zweite
und dritte Band nicht druckfertig von Marx hinterlassen, sondern aus
vorbereitenden Fragmenten von Engels zusammengefügt worden. Es
fehlen daher die zahlreichen Fußnoten mit ungeheurer Zitatenfülle,
die den ersten Band kennzeichnen und so reizvoll machen. Allerdings
blieben immerhin genug fremdsprachliche Zitate, die ins Deutsche zu
übertragen waren.
        <pb n="14" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XI
Dadurch, daß Engels statt Marx die Schlußredaktion vornahm,
wurden aber auch die zahlreichen Anglizismen fast ganz ausgetilgt,
die in den Marxschen Manuskripten seiner späteren Zeit und auch im
ersten Band des „Kapital“ so sehr überwucherten und einen großen
„Reinigungsprozeß‘‘ nötig machten.

Alles das nahm uns für die vorliegende Ausgabe relativ weni-
ger in Anspruch. Vergrößerte Arbeit erwuchs uns dagegen daraus,
daß es uns darum zu tun war, nicht bloß eine Volksausgabe
herzustellen. So wie die von mir veranstaltete Ausgabe des
ersten Bandes, sollte auch die der beiden letzten Bände nicht
nur mit Behelfen versehen sein, die das Studium dem nicht
akademisch Vorgebildeteten erleichterten, sondern sie sollte auch
dem wissenschaftlichen Fachmann dienen, sollte die bisher zuver-
lässigste Ausgabe des „Kapital‘‘ überhaupt darstellen.

Wir konnten dabei freilich nicht so weit gehen, wie mancher
unserer Freunde wünschte,

Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß der Text des zweiten
und dritten Bandes von Engels aus einer Reihe von Marxschen
Manuskripten hergestellt wurde, die teilweise sehr bruchstückartigen
Charakter trugen, von denen keines druckreif war.

Es sind nun Vermutungen laut geworden, Engels habe nicht
immer den Margschen Gedankengang voll erfaßt und die
Manuskripte nicht immer diesem Gedankengang entsprechend
angeordnet und redigiert. Daher sprachen manche meiner
Freunde den Wunsch aus, ich solle den von Engels fertiggestellten
Text an der Hand der Marxschen Manuskripte nachprüfen und
richtigstellen.

Dieser Anforderung konnte ich nicht entsprechen. Nehmen wir
an, es gelänge mir, die ungeheure Arbeit zu wiederholen, die Engels
fast ein Jahrzehnt lang beschäftigte, und ich käme dabei in dem
einen oder andern Punkte zu einem andern Ergebnis als Engels.
Welche Gewähr hätten die Leser, daß gerade meine Auffassung dem
Marxschen Gedankengang näher käme als die Engelssche ?

Um allen Bedenken zu genügen, wäre es notwendig, den Kri-
bikern die Möglichkeit zu geben, selbst zu urteilen. Das heißt, man
müßte sämtliche Marxschen Manuskripte, so wie sie sind, veröffent-
lichen, Das ergäbe mit großem Kraftaufwand ein ganz unleserliches
Buch, das bloß für einige Dutzend Marxforscher von Interesse wäre,
Eine wissenschaftliche Institution mit großen Hilfsmitteln und zahl-
reichen Arbeitskräften könnte diese sicher bedeutungsvolle Aufgabe
lösen. Die jüngst angekündigte, von Rjasanow besorgte Gesamt-
ausgabe der Werke von Marx und Engels des Moskauer Marx-Engels-
Instituts wird sie wohl unternehmen. Soll doch das „Kapital“ in
dieser Ausgabe allein 13 Bände umfassen.

Ich allein vermöchte eine solche Arbeit nicht zu leisten, selbst
wenn ich jünger wäre und nicht vor Abschluß meines Lebens noch
einiges andere zu schaffen gedächte.
        <pb n="15" />
        XII

Vorwort zur Volksausgabe
Für mich konnte es sich hier nur darum handeln, den Text, so
wie Engels ihn geliefert, möglichst einwandfrei zu gestalten. Auch
das kostete uns Mühe genug.

In die ersten Auflagen, deren Korrekturen Engels selbst be-
sorgte, hatten sich bereits zahlreiche Druckfehler eingeschlichen.
Weitere kamen in den folgenden Auflagen hinzu. Die Fehler waren,
soweit sie nicht bloße Buchstabenfehler bildeten, vielfach schwer zu
entdecken, da man leicht über sie hinweg las, und dabei doch sinn-
störender Natur. Auch Schreibfehler ließen sich feststellen, kein
Wunder bei dem unvollständigen Zustande des Manuskripts, das
Marx teilweise als kranker Mann schwer und schleppend hergestellt
hatte.

Nicht immer war einwandfrei festzustellen, ob ein Versehen vor-
liege oder nicht. Wo nur der geringste Zweifel möglich war, haben
wir die ursprüngliche Fassung gelassen und auf die nach unserer An-
sicht richtige in einer Einschiebung oder Note hingewiesen.

Hoffentlich ist es uns gelungen, einen von Druck- und Schreib-
fehlern reineren Text zu liefern. Alle Druckfehler aus einem so um-
fangreichen Werke auszumerzen, wird kaum je gelingen.

Besondere Schwierigkeiten bot die Nachprüfung der Zitate. Ihre
Zahl ist in den beiden späteren Bänden weit geringer als im ersten,
aber ihre Nachprüfung schwieriger; denn da, wie schon bemerkt, die
Manuskripte noch nicht für den Druck bestimmt waren, begnügte
sich Marx bei manchem von ihm angeführten Satz mit allgemeiner
Andeutung des Buches, dem er entnommen worden. Da war es keine
einfache Sache, die richtige Stelle ausfindig zu machen. Und doch
erwies sich die Nachprüfung als sehr notwendig, um so mehr, da Marx
mitunter den Inhalt des Zitats nur ungefähr wiedergab, einige Male
so verkürzt, daß ein ganz falscher Schein entstand.

Bei dieser Arbeit des Aufspürens und Nachprüfens der Zitate
wären wir wohl kaum zurecht gekommen ohne die eifrige und gewissen-
hafte Hilfe von Freunden. Fritz Adler, Oskar und Marianne Pollak,
William Stenning in London, Albert Kruse in Berlin, Fritz Brügel, der

Leiter der ausgezeichneten Bibliothek der Arbeiterkammer in Wien,
haben uns freudig und verständnisvoll bei unserer Arbeit unterstützt.
Ihnen allen sei an dieser Stelle aufs herzlichste gedankt.

Zu den schon erwähnten Schwierigkeiten gesellte sich noch eine,
die bei der Herausgabe des ersten Bandes fast gar nicht bestand. Der
zweite und dritte Band sind voll von Rechnungen und Tabellen, bei
denen Marx sich häufig irrte. Engels hat nachgerechnet, wo ihm ein
Irrtum auffiel, aber nicht jeder fiel ihm auf. Wir fühlten uns daher
verpflichtet, sämtliche Rechnungen noch einmal nachzurechnen.
Hoffentlich waren wir dabei glücklicher als unsere großen Vorgänger.

Die Schwierigkeiten bei den Rechnungen erstanden zumeist
daraus — und darum hätte uns ein Rechenkünstler nicht viel helfen
können —, daß es bei jeder Rechnung galt, die willkürlich angenomme-
nen ziffernmäßigen Voraussetzungen genau festzuhalten, auf die sie
        <pb n="16" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XI
aufgebaut war. Das war im Original nicht immer der Fall. Die Rech-
nungen wurden nicht vereinfacht dadurch, daß Marx statt mit
dezimalen, mit gemeinen. Brüchen rechnete, auch bei Prozentrech-
nungen.

Wir haben auch hier unsere Resultate nicht einfach an Stelle der
von Marx-Engels veröffentlichten gesetzt, sondern diesen gegenüber-
gestellt und damit jedem Leser die Möglichkeit gegeben, die zweifel-
haften Rechnungen selbst nachzuprüfen.

Wir glauben allerdings nicht, daß sich viele Leser diese Mühe
geben werden. Und sie werden recht haben, wenn sie darauf ver-
zichten. Diese Ueberzeugung bildete allerdings gerade keinen An-
sporn bei dieser ebenso mühseligen wie undankbaren Seite unserer
Herausgeberarbeit.

{ch bin nämlich davon überzeugt, daß Marx, wäre es ihm ver-
gönnt gewesen, die beiden letzten Bände selbst zu vollenden, dabei
einen erheblichen Teil der Rechnungen weggelassen hätte, die in
ihnen zu finden sind. Sie waren ihm wichtig zu seiner Selbstver-
ständigung, sie bezeugen die kritische und gewissenhafte Art seiner
Arbeit, bei der er sich nicht damit begnügte, neue Gedanken zu ent-
decken und auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, sondern sich angelegen
sein ließ, jeden von ihnen in alle seine Konsequenzen zu verfolgen,
ehe er ihn als richtig akzeptierte. Aber Marx hätte wohl ebensowenig
diese gesamte Forscherarbeit seinen Lesern vorgesetzt, als er alle die
Tatsachen im „Kapital‘“ verzeichnete. von denen seine theoretischen
Erwägungen ausgingen.

Es erstand die Frage, ob wir nicht die Rechnungen, soweit sie
entbehrlich sind, aus der Volksausgabe weglassen sollten. Aber da-
gegen sprach schon der eine Umstand, daß unsere Arbeit nicht nur eine
Volksausgabe, sondern auch eine für alle wissenschaftlichen Zwecke
zum mindesten ebensosehr wie die bisherigen geeignete Ausgabe
darstellen sollte. Es durfte daher nichts von dem fehlen, was in
den bisherigen Auflagen zu finden war.

Nun erwog ich, ob man sich nicht in der Weise helfen könnte,
daß man zwar nichts von dem durch Engels veröffentlichten Text
wegließ, wohl aber diejenigen Stellen durch eine besondere Art des
Satzes kennzeichnete, die der Durchschnittsleser sich schenken
könnte, der nicht zu gelehrten Zwecken, sondern nur zu allgemeiner
Aufklärung über das Wesen des Kapitalismus an das Marxsche Werk
herangeht.

Indes auch dieser Ausweg erwies sich als ungangbar. Denn bei
näherer Betrachtung fanden wir keine Stelle, die wir einfach hätten
weglassen können, ohne die theoretische Entwicklung zu stören.

Wenn Marx die beiden Bände fertiggemacht hätte, wären aller-
dings, davon bin ich überzeugt, viele der im folgenden veröffent-
lichten Ausführungen und Rechnungen beseitigt worden. Aber er
hätte sie nicht einfach weggelassen, sondern dieselben Gedanken-
gänge, die er hier breit auf vielen Seiten variierte, knapp und präzis
        <pb n="17" />
        XIV

Vorwort zur Volksausgabe
in wenigen Sätzen zusammengefaßt, Das vermochte nur Marx selbst
zu leisten, das kann kein anderer für ihn tun. Es ist Engels gar
nicht eingefallen, den Text in dieser Weise lesbarer gestalten zu
wollen. Und noch weniger durften wir es wagen.

Wir konnten daher dem Leser keine der Rechnungen ersparen.
Wir können ihm auch nicht raten, sie einfach zu überschlagen. Er
soll sich jedoch durch sie nicht abschrecken und abhalten lassen, in der
Verfolgung des Gedankengangs weiter vorzudringen. Wo die Rech-
nungen zu viele Schwierigkeiten machen, wird es zunächst genügen,
von ihren Ergebnissen Kenntnis zu nehmen und dann im Studium
des Werkes fortzufahren.

Bei allen unsern Arbeiten an dieser Ausgabe ging unser Streben
stets dahin, sie nicht nur dem Durchschnittsleser leichter lesbar,
sondern sie auch für wissenschaftliche Zwecke jeder der bisherigen
Auflagen zum mindesten ebenbürtig, womöglich überlegen zu machen.
Sollte uns dies gelungen sein, so bezieht sich das natürlich nur auf
redaktionelle Kleinigkeiten. Es verschwindet in nichts gegenüber der
angeheuren Arbeit, die Engels vor uns geleistet hat und die keiner an
seiner Stelle hätte leisten können. Wie mit dem Namen von Marx,
werden der zweite und der dritte Band des „Kapital“ auch mit dem
von Friedrich Engels dauernd verbunden bleiben. Sie bilden vielleicht
die wichtigste und fruchtbarste Verkörperung des engen Zusammen-
arbeitens unserer beiden Meister, dank dem sie so Gewaltiges ge-
schaffen haben. Und diese Bände versprechen für die Sache des
Proletariats und des Sozialismus bald die gleiche Bedeutung zu ge-
winnen, wie sie der erste Band seit Jahrzehnten schon gewonnen hat.

Als ich aufgefordert wurde, eine Volksausgabe des zweiten und
dritten Bandes des „Kapital‘‘ in derselben Weise wie vom ersten
Band zu veranstalten, fragte ich mich vor allem, ob eine solche
Ausgabe einen Zweck habe. Es lag nahe, anzunehmen, daß die beiden
Schlußbände im Gegensatz zum ersten ihre Leser nur in Kreisen
finden, die einer Volksausgabe nicht bedürfen. Und bis vor wenigen
Jahren traf dies auch zu.

In meiner bereits oben erwähnten Popularisierung des „Kapital‘‘,
die ich unter dem Titel: „Karl Marx‘ ökonomische Lehren‘ heraus-
gab, hatte ich nur den ersten Band behandeln können. Denn
diese Popularisierung arbeitete ich im Winter 1885/86 aus, fast
ein Jahrzehnt vor dem Erscheinen des dritten Bandes und unmittel-
bar nach der Herausgabe des zweiten, der für sich allein nichts
Ganzes gab, sondern als bloße Vorbereitung zur Erkenntnis des
Gesamtprozesses erschien.

Als dann der dritte Band vorlag, wurde es selbstverständlich,
daß sein Inhalt ebenso wie der des zweiten in einer Gesamtdarstellung
der ökonomischen Lehren von Marx nicht fehlen dürfe. Aber andere
Arbeiten, die Agrarfrage, die theoretische Auseinandersetzung mit
        <pb n="18" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XV

dem Revisionismus, die Herausgabe der Theorien vom Mehrwert usw.
ließen mich damals dazu nicht kommen. Ich begnügte mich damit,
in der achten Auflage von „Marx’ ökonomische Lehren‘ ein Kapitel
über „Mehrwert und Profit“ einzufügen, in dem ich das Gesetz der
Durchschnittsprofitrate zur Darstellung brachte.

Das schien mir damals zur Not zu genügen. Heute aber bedürfen
die Ausführungen meiner Marx-Popularisierung einer Ergänzung.
Heute müssen auch der zweite und dritte Band popularisiert werden,
Das hat Karl Renner sehr wohl begriffen und, um diesem Bedürfnis
zu genügen, jüngst eine gekürzte Darstellung des wesentlichen In-
halts dieser Bände mit praktischen Nutzanwendungen veröffentlicht.
(„Die Wirtschaft als Gesamtprozeß und die Sozialisierung.‘‘)

Heute ist es auch notwendig geworden, einer Elite von Arbeiter-
lesern das Studium des zweiten und dritten Bandes selbst durch eine
Volksausgabe zu erleichtern.

Das erfordert die gewandelte historische Situation.

Der erste Band des „Kapital‘“ Liegt dem Arbeiter wohl unter allen
Umständen viel näher als die folgenden. Nach der Ueberwindung der
Schwierigkeiten der Wert- und der Geldtheorie betritt der Leser ein
Gebiet, auf dem der Arbeiter mehr zu Hause ist und in dem er sich
leichter zurechtfindet als der Intellektuelle: das Gebiet des Produk-
tionsprozesses, der Werkstatt, der Fabrik, des Bergwerks.

Ganz anders der zweite und dritte Band. Deren Gebiet ist haupt-
sächlich der Markt, der Warenmarkt und Geldmarkt. Darum hat sich
der Arbeiter bisher wenig gekümmert. Die Praxis des Alltags führte
ihn nicht dorthin. Aber auch eine weiterschauende politische Praxis
setzte ihm dort bis vor kurzem nur wenige Aufgaben.

Was das Proletariat zuerst braucht, ist das Klassenbewußtsein.
Der Klassenkampf wird ihm durch die ökonomischen Verhältnisse
von selbst aufgedrängt. Aber will es in diesem Kampf Erfolge erzielen
und ihn zu einem siegreichen Abschluß führen, bedarf es der Einsicht
in die Natur der Verhältnisse, die den Klassenkampf hervorrufen,
einer Einsicht, die ihm von der bürgerlichen Wissenschaft nicht ge-
boten werden kann. Diese betrachtet das ökonomische Treiben von
einem‘ dem seinen entgegengesetzten Standpunkte aus, was sich
unter anderm darin äußert, daß sie die bestehenden ökonomischen
Verhältnisse als unabänderliche Naturverhältnisse ansieht, alles das
in den Vordergrund stellt, was sie mit jeder Art des Wirtschaftens
gemein haben, und möglichst wenig von dem sieht, was ihre besondere
Eigenart ausmacht; sowie darin, daß sie bei der Erklärung des Wirt-
schaftswesens nicht von den Vorgängen der Produktion ausgeht, son-
dern von denen des Marktes. Die eine wie die andere Betrachtungsweise
der bürgerlichen Oekonomie findet ihren tiefsten Ausdruck darin,
daß sie heute die grundlegende Erscheinung jeder Tauschwirtschaft,
den Warenwert, einmal nicht aus den besonderen gesellschaftlichen
Bedingungen der Warenproduktion zu erklären sucht, sondern aus
einem allen Wirtschaftsweisen gemeinsamen Verhalten des einzelnen
        <pb n="19" />
        Vorwort zur Volksausgabe
Menschen zu den ihm nützlichen Dingen, die er in seiner Umwelt vor-
findet. Dann aber zeigt sich der Unterschied zwischen bürgerlicher
und proletarischer Betrachtungsweise darin, daß jene den Ursprung des
Wertes nicht mehr im Bereich der Arbeit sucht, wie es noch die
klassische Oekonomie tat, sondern im Bereich des Marktes, im Bereich
von Nachfrage und Angebot sowie in dem der Konkurrenz.

Sollte das Proletariat in seinem Klassenkampf selbständig
werden, das Maximum von Kraft in ihm entfalten, dessen es fähig ist,
dann bedurfte es dazu nicht bloß eigener, selbständiger Organisationen,
sondern auch einer geistigen Selbständigkeit, eines eigenen Wissens.
Je umfassender der Bereich der Organisation und des Wissens der
Proletarier, desto ausgeprägter ihr Klassenbewußtsein, desto größer
die Aufgaben, die sie sich stellen, desto kraftvoller die Mittel, über die
sie zu ihrer Lösung verfügen.

Es ist ein Unsinn, wenn man vom Marxismus behauptet, er habe
den Klassenkampf erfunden und predige ihn. Der Klassenkampf ist
eine Tatsache, die der Theoretiker bloß konstatieren und erklären,
nicht aber hervorrufen kann. Wohl aber sind die Marxschen Theorien
das wirksamste Mittel gewesen, das Klassenbewußtsein des Prole-
bariats zu einer gewaltigen Höhe zu erheben und damit seinem
Klassenkampf siegreiche Wucht zu verleihen.

Namentlich geschah dies durch den ersten Band des „Kapital‘‘,
der dadurch welthistorische Bedeutung erlangte. Die dort ent-
wickelten Theorien der Produktion des Mehrwerts bieten die tiefste
Einsicht in das Wesen und die historischen Tendenzen des Gegen-
satzes zwischen Kapital und Arbeit.

Seit dem Weltkrieg und nicht am wenigsten durch ihn sind wir
in ein neues Stadium des proletarischen Klassenkampfes gelangt, dem
wir bereits vorher in manchem Staate, namentlich in Deutschland,
rasch entgegeneilten, dessen Kommen aber durch den Krieg und die
aus ihm hervorgehenden Notstände bedeutend beschleunigt wurde.

Heute handelt es sich für den proletarischen Klassenkampf nicht
mehr in erster Linie darum, daß in den proletarischen Massen
Klassenbewußtsein verbreitet wird. Diese Aufgabe ist im wesent-
lichen vollzogen. Allerdings nirgends in ausreichendem Maße. Viel-
fach finden wir bloß einen Klasseninstinkt, der aber in dieselbe
Richtung weist wie das Klassenbewußtsein und die Führung und
Aufklärung durch klassenbewußte Elemente gern annimmt.

So viel auch in bezug auf die Aufklärung der Massen über ihre
Klassenlage und deren Bedingungen zu tun bleibt, diese Aufgabe ist
nicht mehr die einzige und auch nicht die wichtigste, die wir zu lösen
haben. Eine zweite ersteht uns, und von Tag zu Tag wird sie mächtiger
und gewaltiger. Die Gewinnung der politischen Macht durch das
Proletariat ist nicht mehr eine Sache ferner Zukunft. Im Laufe des
letzten Jahrzehnts hat das Proletariat in den hochindustriellen
Staaten Europas so sehr an Kraft und Einfluß gewonnen, daß nicht
mehr bloß die Enthusiasten, sondern auch sehr nüchterne Politiker

XVI
        <pb n="20" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XVII
mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, binnen ‚wenigen Jahren ‚in
manchem Staate sozialistische Mehrheiten auftreten und rein sozig-
listische Regierungen ans Ruder kommen zu sehen, die imstande
sind, den Staatsapparat in den Dienst entschieden sozialistischer
Maßnahmen zu stellen. e

Eine Fortentwicklung der Gesellschaft in sozialistischem Sinne
würde aber nur unzureichende Resultate ergeben, wenn sie sich bloß
auf den Produktionsprozeß beschränken würde. Sie muß den ge-
samten wirtschaftlichen Prozeß in Angriff nehmen, auf die Vorgänge
der Zirkulation ebenso regelnd einwirken wie auf die der Produktion.

Wie wenig für das Proletariat gewonnen ist, wenn es bloß die
Produktion beherrscht, hat sich in Italien im Jahre 1920 gezeigt, als
sich dort revolutionäre Arbeiter großer Werke bemächtigten, ohne
Widerstand zu finden. Sie vermochten eine Zeitlang die Produktion
weiterzuführen, doch verstanden sie es nicht, die Zirkulation im Gang
zu halten: die Zufuhr von Rohmaterialien und Hilfsstoffen, .den
Absatz der fertiggestellten Produkte. So kam bald auch der Produk-
tionsprozeß ins Stocken, den Arbeitern gingen die Mittel aus, es
blieb ihnen nichts übrig, als sich wieder unter das alte Joch zu fügen,
das ihnen nun als Rettung erscheinen mußte.

Die Arbeiterschaft hatte damit die schwerste aller Niederlagen
erlitten, nicht durch Niederwerfung im Kampfe, die unter Um:
ständen moralisch erhebend. wirken kann, sondern durch kampfloses
Zusammenbrechen. der eigenen Maßnahmen infolge ihrer völligen
Unzulänglichkeit.

Aehnlich litt auch das bolschewistische Experiment der Ueber-
nahme der Fabriken. durch die Arbeiter in seinen Anfängen am
meisten an der völligen Vernachlässigung des Zirkulationsprozesses.
Er bildet heute noch eine der schwächsten Stellen der‘ Sowjet-
wirtschaft. .

Soll das Proletariat imstande sein, die wirtschaftlichen. Vor-
gänge und Verhältnisse seinen Interessen entsprechend zu formen,
dann muß es imstande sein, auf allen‘ wirtschaftlichen Gebieten den
Kapitalisten durch proletarische Institutionen zu ersetzen. ES
bleibt vom Kapital abhängig und wird ihm immer wieder untertan,
trotz zeitweiliger Abschüttlungsversuche, solange nicht die Funktion
des Kapitalisten im Zirkulationsprozeß ebenso wie im eigentlichen
Produktionsprozeß mit Vorteil durch gesellschaftliche Einrichtungen
ersetzbar ist. 2

. Auf das dringendste ist es also geboten, daß das Proletariat jetzt
schon diesem Prozeß nicht minder seine Aufmerksamkeit schenkt.’als
dem Produktionsprozeß. Gerade weil jener seiner alltäglichen
Praxis ferner liegt als ‘dieser, muß es ihn um so mehr studieren; muß
dahin getrachtet werden, daß mindestens alle diejenigen seiner Vor-
kämpfer, die berufen zu sein scheinen, beim sozialistischen Aufbau
wegweisend und praktisch ausführend. voranzugehen, mit: dem
Zirkulatiousprozeß des Kapitals wohl vertraut sind. Es. wird sich ja

Das Kapital. MI.
        <pb n="21" />
        X VIIL

Vorwort zur Volksausgabe
nicht darum handeln, eine völlig neue Wirtschaftsordnung aus dem
Nichts aufzubauen, sondern die bestehende Ordnung in der Richtung
des Sozialismus weiterzuentwickeln, was unmöglich ist, wenn man
diese Ordnung nicht genau kennt. Marx war für den Sozialismus
tätig, wenn er den besten Teil seines Lebens der Klarlegung des
kapitalistischen Getriebes widmete.

Glücklicherweise arbeiten auch hier die Verhältnisse im Sinne
des Sozialismus. Lange bevor das Proletariat die volle Staatsmacht
erobert, schafft es sich eigene Organisationen nicht bloß des Kampfes,
sondern auch solche wirtschaftlicher Betätigung: Genossenschaften,
gemeinwirtschaftliche Unternehmungen, Arbeiterbanken.. So wenig
diese Einrichtungen für sich allein imstande sind, das Wesen der
bestehenden Produktionsweise zu verändern, so wichtig können sie
werden als Lehranstalten, in denen Vertreter des Proletariats ge-
schult, mit den Funktionen der heutigen Kapitalisten vertraut
gemacht und .mit der Fähigkeit begabt werden, diese Funktionen,
soweit sie wirtschaftlich notwendig sind, selbst zu übernehmen, nicht
mehr im Dienst der Ausbentung, sondern der Befreiung des Prole-
barlate.
Auch die zunehmende Beherrschung großer Gemeinden bietet
zahlreiche Gelegenheiten, die Bedingungen des kapitalistischen
Zirkulationsprozesses praktisch kennenzulernen.

Besonders wichtig dafür wird aber die Wandlung des sogenannten
„neuen Mittelstandes‘‘ im Lauf des letzten Jahrzehnts. ;

Schon früh hat das Kapital begonnen, Arbeiter nicht bloß im
Produktionsprozeß, sondern auch im Zirkulationsprozeß auszubeuten..
Seine eigenen kapitalistischen Funktionen mußte es immer mehr an
Beauftragte überwälzen, je umfangreicher seine Betriebe und je
ausgedehnter der Markt. ;

Das Getriebe des Zirkulationsprozesses dehnt sich weit rascher
aus als das des Produktionsprozesses. Schon vor dem Weltkrieg
zeigte uns dementsprechend die Statistik, daß die Zahl der Ange-
stellten in den Betrieben rascher wuchs als die der industriellen Ar-
beiter. Diese Erscheinung bildete eine der Hoffnungen der Verfechter
der bestehenden Gesellschaftsordnung. Denn die Angestellten, an
Lebenshaltung und Bildung der Bourgeoisie nahestehend, oft aus
ihren Reihen hervorgehend, mit kapitalistischen Funktionen betraut,
fühlten sich lange als eine über den Arbeitern stehende privilegierte
Schicht. Sie bildeten den Hauptbestandteil dessen, was man den
„neuen Mittelstand‘ nannte. In dessen rasch anwachsenden Scharen
sah. das Kapital seine beste Schutzwehr gegen das zunehmende
Proletariat,

Indes schon vor dem Weltkrieg traten zahlreiche Anzeichen dafür
auf, daß diese Hoffnung sich nicht erfüllen werde. Es mehrten sich
die Schichten der Angestellten, die sich auf die Seite des Proletariats
schlugen. Wie so manche andere soziale Tendenz erfuhr auch diese
durch die revolutionierende Wirkung des Krieges einen gewaltigen.
        <pb n="22" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XIX
Anstoß. Mit einem Ruck erkannte die große Masse der Angestellten
ihre Solidarität mit dem industriellen Proletariat und strömte seinen
Fahnen zu. Damit wurde die Armee des proletarischen Klassenkampfes
nicht nur zahlenmäßig sehr verstärkt, sondern auch durch neue Ein-
sichten bereichert. Der Gesamtbewegung werden nun Elemente
einverleibt, die im Zirkulationsprozeß ebenso zu Hause sind wie die
industriellen Proletarier im Produktionsprozeß. Die Fähigkeit
unserer Partei, nach Eroberung der Staatsgewalt das ganze ökono-
mische Getriebe zweckmäßig und erfolgreich im Interesse des Prole-
tariats zu regeln, wird dadurch enorm gesteigert.

Aber alle die Einsichten, die die Einzelnen aus ihrer Praxis ge-
winnen, so wichtig, ja unerläßlich sie für das Verständnis des Wirt-
Schaftslebens sind, sie bleiben unzureichendes Stückwerk, wenn sie
nicht widerspruchslos vereinigt werden in einem Gesamtzusammen-
hang, in einer Theorie, die erst jeder einzelnen Erkenntnis ihr richtiges
Gewicht im Gesamtgetriebe verleiht.

Alle die praktischen Erfahrungen der Angestellten sowie der
Genossenschafter usw. in bezug auf den kapitalistischen Zirku-
lationsprozeß machen das Studium des zweiten und dritten Bandes
des „Kapital‘‘ in keiner Weise überflüssig. Doch machen sie dieses
Studium erst recht fruchtbar; denn die Theorie bleibt für diejenigen,
die sie studieren, ein toter Buchstabe, wenn ihnen die Kenntnis der
Tatsachen fehlt, auf die sie aufgebaut ist. Die Zahl derjenigen, die die
beiden letzten Bände des „Kapital“ mit Frucht zu studieren ver-
mögen, hat sich innerhalb des letzten Jahrzehnts in unsern Reihen
bedeutend vermehrt.

Gleichzeitig mit der Notwendigkeit dieses Studiums sind also
auch die Vorbedingungen gewachsen, es erfolgreich zu betreiben.

Das Studium des zweiten und dritten Bandes des „Kapital“
wird jedoch von praktischer Bedeutung nicht nur im Hinblick auf den
„Zukunftsstaat‘“, über dessen Nähe man verschiedener Meinung sein
kann und der auch nicht für alle Staaten unserer Zeit gleich nahe-
liegt. . Aber nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart er-
heischt es, namentlich seit dem Weltkriege, daß die Politiker des
Sozialismus ebenso wie seine Theoretiker über den Zirkulationsprozeß
und den Gesamtprozeß des Kapitals ebensogut Bescheid wissen wie
über den Produktionsprozeß.

Gewiß, die Grundlage des proletarischen Klassenkampfes ist der
Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit, der aus den Ver-
hältnissen. der Produktion hervorgeht. Aber die Lage der Arbeiter
hängt nicht allein von diesen Verhältnissen ab. Im Zirkulations-
Prozeß treten Erscheinungen auf, die für das Wohl und Wehe der
Arbeiter von größter Bedeutung sind und die an Gewicht nicht da-
durch verlieren, daß hier bis zu einem gewissen Grade Arbeiter und
Kapitalisten die gleichen Interessen haben.
        <pb n="23" />
        XXX

Vorwort zur Volksausgabe
So sind beide zum Beispiel in gleicher Weise daran interessiert,
daß die Zirkulation der Waren nicht stockt; denn jede derartige
Stockung bedeutet eine Krise, die von den schmerzlichsten. Er-
scheinungen begleitet ist. Ebenso sind beide daran interessiert, daß
der ruhige, stetige Verlauf der Zirkulation der Waren nicht durch
plötzliche Schwankungen in der Menge und dem Werte des Zir-
kulationsmittels, des Geldes, gestört wird.

Unter solchen Zirkulationsstörungen leidet der Arbeiter nicht
nur ebenso wie der Kapitalist, sondern oft in noch höherem Grade:
Eine Geschäftsstockung bringt nicht nur Lohnherabsetzungen, sondern
auch Arbeitslosigkeit, die furchtbarste Geißel des Arbeiters. Die
rasche, durch keine Ausdehnung der Warenzirkulation herbeigeführte
Ausgabe von Papiergeld, die „Inflation‘“, bewirkt, daß die Preise der
Waren sprunghaft steigen, während die Löhne ihnen nur langsam
folgen usw.

Die Arbeiter sind also an einer vernünftigen Wirtschaftspolitik
in bezug auf die Zirkulation ebenso interessiert wie in bezug auf die
Produktion. Aber da der Schwerpunkt des Klassengegensatzes auf
dem Gebiete der Produktion liegt, auf dem der Zirkulation vielfach
— keineswegs allgemein — eine gewisse Harmonie zwischen den
proletarischen und den kapitalistischen Interessen besteht, waren bis
zum Weltkriege für das Proletariat die Antriebe gering, sich um den
Zirkulationsprozeß eingehender zu kümmern. Man meinte, auf diesem
Gebiete sehe die Kapitalistenklasse sehon selbst nach dem Rechten.

In der Tat sorgte diese selbst für eine gesunde Währung.

Die Krisen freilich vermochte sie nicht zu beseitigen, wenigstens
nicht die großen Weltkrisen, die seit 1815 bis 1866 immer ‘wieder
ungefähr alle zehn Jahre auftraten. - Später traten sie in weniger
regelmäßigen Zeitabschnitten auf. Aber sie hörten nicht auf. Und
wir Sozialisten sagten selbst, daß diese Krisen unvermeidlich seien,
solange kapitalistisch produziert werde. Dagegen waren €8 gerade die
Kapitalisten, die hofften, die Krisen immer mehr mildern zu können
durch Unternehmerverbände, die die Produktion organisierten‘ und
jeder Ueberproduktion entgegenwirkten.

So standen die Dinge bis zum Weltkriege. Er hat die Verhält-
nisse auch auf den hier in Rede stehenden Gebieten gründlich um-
gewälzt.

Vor dem Kriege war in ganz Europa, schließlich selbst in Ruß-
land und Oesterreich eine gesunde Währung geschaffen und der letzte
Rest der aus den Zeiten des Absolutismus stammenden Geldfäl-
schungen, deren modernste Form die willkürliche Ausgabe von
Papiergeld ist, beseitigt worden.

Der Weltkrieg erzeugte bei allen Regierungen, die an ihm be-
teiligt waren, wenigstens den europäischen, den starken Drang, die
ungeheuren Kosten, die er verursachte, durch ungemessene Ausgabe
von Papiergeld zu decken. Diese Bewegung wurde bei manchen
Staaten noch nach dem Kriege fortgesetzt und bis zur Absurdität und
        <pb n="24" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XXI
zum völligen Zusammenbruch gesteigert. In jenen Tagen der Inflation
zeigte es sich deutlich, daß das Proletariat sich heute nicht einmal mehr
in der Währungspolitik auf die Kapitalistenklasse verlassen kann;
zeigte es sich auch, welche hohe praktische Bedeutung eine richtige
Geldtheorie bekommen kann, nicht bloß für die Händler, sondern
auch für die Arbeiter.

Unter dem Eindruck dieser Situation suchte ich die Marxsche
Geldtheorie zu popularisieren in einem längeren Kapitel meiner
„Sozialdemokratischen Bemerkungen zur Uebergangswirtschaft‘“,
die leider infolge der Zensurschwierigkeiten erst unmittelbar vor der
Beendigung des Krieges erschienen. Ich hatte weder so offen reden
können, wie notwendig, noch die so überraschenden Verhältnisse
nach dem Kriege in Betracht ziehen können.

Aber nicht nur das Geldwesen, auch die Krisen haben nach dem
Weltkriege ein ganz neues Gesicht bekommen. Entsprangen sie bis
dahin, soweit sie allgemeiner Natur waren, rein ökonomischen Ver-
hältnissen, die durch die Mittel kapitalistischer Politik wenig zu
beeinflussen waren, so sind wir seitdem in ein Zeitalter tollsten
Wechsels zwischen kurzatmigen Perioden der Prosperität — wirt-
schaftlichen Aufschwungs — und schwerster, lähmendster Krisen ein-
getreten, die zum weitaus größten Teil ein Produkt der Politik der
Regierungen sind, sich also vermeiden ließen, auch bei Fortdauer der
kapitalistischen Wirtschaft, wenn die Politik der Regierungen etwas
weniger von militaristischen und monopolistischen Erwägungen und
etwas mehr von ökonomischer Einsicht in die Bedürfnisse des Zirku-
lationsprozesses bestimmt würde.

Allerdings wäre eine Periode der Krisen nach dem Kriege wohl
unvermeidlich gewesen, auch bei einer vernünftigeren Politik der
Regierungen. Daß eine solche Periode zu erwarten sei, konnte man
voraussehen, wenn man mit den Gedankengängen des vorliegenden
zweiten Bandes des „Kapital‘ vertraut war.

Bei Ausbruch des Krieges trösteten sich viele über die Ver-
heerungen und Opfer, die er unvermeidlicherweise mit sich bringen
mußte, mit der Erwartung, ihm müsse eine Aera starker Prosperität,
das heißt, starker Beschäftigung der Industrie folgen. Gerade die
Vernichtung so vieler Produkte im Kriege erzeuge ein starkes Be-
dürfnis nach neuen Produkten. Und die Verrnichtung so vieler
Arbeitskräfte müsse jede Arbeitslosigkeit auf langhin ausschließen.
Man wies hin auf die Folgen des letzten großen westeuropäischen
Krieges, des deutsch-französischen von 1870/71, dem nicht nur im
siegreichen Deutschland, das eine große Kriegsentschädigung ein-
heimste, sondern. auch im besiegten Frankreich, das fünf Milliarden
Franken zu zahlen hatte, eine Aera gewaltiger industrieller Tätigkeit
folgte. Wohl erwartete man eine Krise beim Ausbruch des Krieges,
nicht aber nach dem Friedensschluß.

. Gegen diese Auffassung wendete ich mich schon im Sommer 1916
in einer Abhandlung, betitelt: „Die ökonomische Seite des Erschöp-
        <pb n="25" />
        XXI

Vorwort zur Volksausgabe
fungskrieges‘‘, deren Veröffentlichung der deutsche Zensor völlig ver-
hinderte. Sie erschien dann, abgemildert und durch einige Zensur-
striche gekürzt, im Wiener „Kampf“ (August und September). Ich
wies darauf hin, daß der deutsch-französische Krieg im Verhältnis zur
Ausdehnung des Weltmarktes nur lokaler Natur gewesen sei und nur
kurze Zeit gedauert habe. Er traf nur zwei Nationen und die nur für
ein halbes Jahr. Er hemmte nicht die Entwicklung der Produktiv-
kräfte in der Welt und nicht den internationalen Verkehr, ja nicht
einmal die Entwicklung der Produktivkräfte in Deutschland. Die
Armeen waren viel kleiner als die im Weltkriege, legten nicht auf alle
kräftigen Männer Beschlag und ihr technischer Apparat war weit
geringer, er nahm nicht die ganze Industrie in Anspruch.

Gerade darin sah ich den wichtigsten Unterschied zwischen den
früheren Kriegen und dem Weltkrieg. Gerade darin aber auch das
bedeutendste Moment, das bewirkte, daß die Krise nicht an seinem
Beginn stand, sondern an seinem Ende. Ich schrieb in dem erwähnten
Artikel:

„Wir hatten fälschlich die Krise bei Kriegsausbruch erwartet, weil man
nicht richtig von vornherein einschätzen konnte, wie sehr ein Krieg wie der
jetzige gerade durch seine ungeheure Ausdehnung und Wucht nicht nur die
Kontinuität (die unveränderte Fortführung) der Produktion unterbricht,
sondern auch die ökonomischen Gesetze der Warenproduktion für seine Dauer
außer Kraft setzt. Denn die enormen Ansprüche der Kriegführung beherrschen
nun das ganze ökonomische Leben und sind so groß, daß die Nachfrage
des Staates den entscheidenden Regulator der Produktion bildet. Nie war
das in so hohem Grade der Fall wie in dem jetzigen Kriege, nie dessen krisen.-
bildende Macht mehr eingeschränkt, aber nur für dessen Dauer.““

Um 8o mehr mußte sich die Krise nach seinem Ende zeigen, wegen
derDurchbrechung der Kontinuität der Produktion, die er herbeiführt.

Was das bedeutet, wird der Leser leicht begreifen, nachdem er
den zweiten Band des „Kapital‘‘ durchstudiert hat.

Es wird dort gezeigt, daß eine der wichtigsten Ursachen von
Krisen, von Stockungen des Zirkulationsprozesses des Kapitals, in
gelegentlichen Durchbrechungen der Proportionalität der Produktion
zu finden ist. }

Der Produktionsprozeß kann nicht ungestört vor sich gehen,
wenn nicht alle Zweige der Produktion im richtigen Verhältnis, in der
richtigen Proportion, zueinander stehen, die Produktion der Produk-
tionsmittel und die der Konsumtionsmittel, die von Gebäuden und
Maschinen und die der für sie bestimmten Roh- und Hilfsstoffe usw. ;
die Produktion der nötigen Lebensmittel für die Arbeiter und die
Produktion der nötigen Arbeiter für jeden Produktionszweig usw.

Bei einfachen Verhältnissen ohne weitgehende Arbeitsteilung ist
das wirtschaftliche Getriebe leicht übersichtlich und die Innehaltung
der richtigen Proportionalität der Produktion nicht schwierig. Um so
weniger schwierig, da in jenen einfachen Verhältnissen vielfach ein
Arbeitsbetrieb fast alles für seine Arbeiter Nötige selbst erzeugt und
diese ihre Produktionsmittel selbst besitzen.
        <pb n="26" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XXI
Dagegen wachsen die Schwierigkeiten der Innehaltung der Pro-
portionalität der Produktion innerhalb der kapitalistischen Produk-
tionsweise mit ihrer ungeheuren Arbeitsteilung, in der kaum ein
Produkt alle zu seiner Herstellung nötigen Vorgänge in dem gleichen
Betrieb durchläuft, die Produktion alle lokalen Schranken sprengt,
der Weltmarkt für sie entscheidend wird und nicht die Deckung eines
bestimmten Bedarfs, sondern das Streben nach möglichst hohem
Profit die Triebfeder der Besitzer der Produktionsmittel wird, die frei
über sie verfügen, an keinen gesellschaftlichen Plan gebunden sind.

Nur mühsam läßt sich unter diesen Umständen die unerläßliche
Proportionalität der Produktion aufrechterhalten. Immer wieder
läuft diese. Proportionalität Gefahr, durchbrochen zu werden, was
notwendigerweise zu einer Krise führen muß.

Angesichts des privaten Eigentums an den Produktionsmitteln
und des Profits als Triebfeder kann bei kapitalistischer Produktion
die Proportionalität nicht durch eine von der Gesellschaft oder dem
Staat ausgehende Regelung gesichert werden. Sie wird schließlich
immer wieder erreicht durch das Spiel von Nachfrage und Angebot
bei freier Konkurrenz, wodurch die Preise und Profite in den Produk-
tionszweigen sinken, die mehr produzieren, als der richtigen Propor-
tionalität entspricht, indes in andern Zweigen, die zu wenig produ-
zieren, die Preise und Profite steigen.

Das ist kein idealer Zustand, er bringt viele Opfer und Leiden
mit sich. Aber diese Art, dem Produktionsprozeß immer wieder die
nötige Proportionalität seiner Teile zu verschaffen, ist dort, wo nicht
sozialistische Regelung der Produktion möglich ist, die einzige, das
wirtschaftliche Getriebe in Gang zu halten, ohne dessen Funktio-
nieren. die Gesellschaft zugrunde geht. -

‚Indessen würde. auch der durch das Spiel von Nachfrage
und Angebot erzeugte, immer wieder erneute Wechsel der
Preise schwer die Proportionalität ohne die schwersten Krisen
erhalten, wenn nicht ein zweites Moment dazukäme: die Kon-
tinuität der Produktion. Das heißt, wenn sich nicht der
Produktionsprozeß von Jahr zu Jahr ungefähr in gleichem Maße
wiederholte. Dadurch wird das Verhältnis der einzelnen Produk-
tionszweige zueinander trotz des anarchischen, von keiner gesell-
schaftlichen Macht geregelten. Charakters des Wirtschaftslebens kein
zufälliges, sondern ein herkömmliches und insofern bestimmtes.
Freilich nicht genau bestimmtes. Denn ununterbrochen gehen kleine
Veränderungen vor sich, seien sie natürlicher Art, zum Beispiel gute
üder schlechte Ernten, oder technischer, etwa neue Erfindungen, oder
ökonomischer, zum Beispiel neue Eisenbahnbauten, die neue Märkte
erschließen usw., die immer wieder Verschiebungen im Verhältnis der
einzelnen Produktionszweige zueinander bedingen, wobei der Haupt-
regulator das Schwanken der Preise ist.

Immerhin sind diese Schwankungen von Jahr zu Jahr keine
erheblichen, im großen und ganzen bleibt doch die Kontinuität der
        <pb n="27" />
        XXIV

Vorwort zur Volksausgabe
Produktion gewahrt. Sonst hätten die periodischen Krisen. schon
längst Dimensionen erreicht, die den Produktionsprozeß unter dem
Kapitalismus zeitweise zu völligem Stillstand bringen müßten, ehe
noch das Proletariat die Kraft und die Fähigkeit erlangt hätte, die
Regelung des wirtschaftlichen Getriebes selbst in die Hand zu nehmen.

Von diesen ökonomischen Erwägungen ausgehend, die auf
Gedankengängen des vorliegenden Bandes des „Kapital‘“ beruhen,
kam ich zu meiner Erwartung der wahrscheinlichen Folgen des
Weltkrieges:

„Ein Krieg von der Ausdehnung des jetzigen bringt eine gewaltsame und
hochgradige Durchbrechung der Kontinuität des Produktionsprozesses mit
sich, sowohl durch die weitgehende Umschaltung der Produktionszweige wie
durch die Unterbrechung des Verkehrs‘,

Daraus mußte eine Krisensituation entstehen, die durch die
Kriegswirtschaft nur vorübergehend verhindert werden konnte.
Darüber schrieb ich 1916:

„Für immer kann der Krieg die ökonomischen Gesetze der Waren-
produktion nicht außer Kraft setzen — es sei denn, er brächte ihre Aufhebung
and Ersetzung durch sozialistische Produktion mit sich. Nach dem Kriege
werden sie wieder volle Geltung erlangen, und damit wird der krisenbildende
Charakter der Durchbrechung der Kontinuität des Produktionsprozesses in
Wirkung treten, und zwar mit um so größerer Gewalt, je länger der Krieg und
damit die Durchbrechung der Kontinuität dauert.

Hier wie auch sonst äußert sich die während des Krieges erfolgte Auf-
hebung des Wirkens der ökonomischen Gesetze durch die Bedeutung. des
ökonomischen Eingreifens der Staatsgewalt darin, daß ökonomische .Bela-
3stung und ökonomisches Unheil nicht verhindert, sondern in spätere Zeit
zurückgeschoben und dadurch vergrößert, aber freilich für den Moment
weniger fühlbar werden. Diese gefährliche Methode, die von einigen sonder-
baren Schwärmern gleichzeitig als Kriegssozialismus und als Beweis der
Kraft des Kapitalismus gepriesen wird, hat verteufelt Aehnlichkeit mit jener
Methode, die von dem Gedanken getragen wurde: Nach uns die Sintflut!

Die Durchbrechung der Kontinuität der Produktion, die durch die Ein-
stellung oder Verminderung des Verkehrs sowie durch die Eingriffe des
Staates und seines Kriegsbedarfs hervorgerufen wird, muß mit jedem Jahr,
mit jedem Monat des Krieges stärker anwachsen. An seinem Schluß werden
alle Produktionszweige vor völlig neuen, unberechenbaren Verhältnissen
stehen. Aller Halt ist ihnen genommen, den sie im Herkommen fanden. Das
Verhältnis eines jeden von ihnen zu den andern Produktionszweigen muß
zanz neu geregelt werden, wobei jeder im Dunkeln tappt. Das Eingreifen der
Staatemacht wird sich da nicht umgehen lassen, es wird unerläßlich werden
auch nach dem Kriege. Aber bei alledem werden jetzt entscheidend die Preise
werden, deren Schwankungen auf dem Weltmarkt keine Regierung dirigieren
kann.

„Je größer die Durchbrechung der Kontinuität der Produktion, je länger
sie dauert, um so wilder die Sprünge der Preise nach dem Kriege, um so ver-
heerender die Krisen, um so rascher ihre Aufeinanderfolge.

‚ Nicht alle Staaten werden diese Krisen mit gleicher Intensität zu spüren
bekommen. Sie werden am furchtbarsten dort wüten, wo die Kontinuität der
Produktion am meisten. unterbrochen war. wo der Verkehr mit dem Ausland
        <pb n="28" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XXV

am meisten stockte, die Industrie am meisten dem Kriegszweck dienstbar
gemacht wurde. .,
So besteht die Gefahr, daß der furchtbare Aderlaß, den der Krieg hervor-
ruft, durch den Frieden nicht gestillt wird, sondern weiter geht und manchen
Staat Europas industriellem Verkommen entgegenführt. Diese Gefahr kann
nur gebannt werden, wenn die Arbeiterschaft die Anschauungen aufs ener-
zischste geltend macht, die sie bis zum Kriege vertrat, und wenn es ihr gelingt,
liesen Anschauungen zum Durchbruch zu verhelfen. Je mehr Sozialismus,
lesto gesicherter die Rettung des Vaterlandes.“
Deutlicher in der Presse zu sprechen, war 1916 nicht möglich.

Wie es damals vorausgesehen wurde, ist es wirklich gekommen.
Was ich aber nicht voraussah, war, daß die Zeit der Preissprünge und
Krisen im Frieden noch so lange dauern würde. Das rührt daher,
daß die Friedenspolitik der herrschenden Klassen in fast allen Staaten
nicht von ökonomischer und schon gar nicht von marxistischer Er-
kenntnis geleitet war, sondern von einem durch den Krieg groß-
gezogenen Kultus der brutalen Gewalt, von der man wähnte, man
könnte sich, wenn man über sie verfüge, über alle ökonomischen
Gesetze hinwegsetzen; einer Gewalt, deren Träger noch verblendet
wurden durch Haß, Furcht, Mißtrauen. die der Krieg zur Sinnlosig-
keit gesteigert hatte.

So hat die Politik seit dem Friedensschluß sich nicht nur
nicht bemüht, die Proportionalität der Produktion wieder herzu-
stellen, die der Krieg durchbrochen hatte, sondern sie hat vielmehr
in verhängnisvollster Weise dahin gewirkt, die Aera der Krisen, die
dem Kriege aus ökonomischen Gründen notwendigerweise folgen
mußte, nicht zu mildern und zu verkürzen, sondern zu verschärfen
and zu verlängern.

Der Krieg hatte durch das entsetzliche Elend, das er hervorrief,
die. Klassengegensätze aufs höchste gesteigert, am meisten in den
Ländern der Besiegten, wo noch gegenseitige Vorwürfe wegen der
Schuld am Ausbruch des Krieges und an der Niederlage hinzukamen.
Das ungeheuer geschwächte ökonomische Getriebe konnte tiefgehende
Erschütterungen schwer ertragen. Die mildeste Form der Aus-
tragung der Klassengegensätze wäre im damaligen Zustande die
ökonomisch heilsamste gewesen. Sie war am ehesten erreichbar
unter den Formen der Demokratie. Der Zusammenhruch im Kriege
führte vielfach zur Demokratie.

Aber der Kultus der brutalen Gewalt, den der Krieg erzeugt
hatte, drängte anderseits oft zur Ersetzung der Demokratie durch
eine Diktatur, deren naturnotwendiges Ergebnis der Bürgerkrieg war,
der die ökonomische Verwirrung aufs höchste steigerte.

Aber auch wo es nicht zum Bürgerkrieg kam. wirkte die Politik
nach dem Kriege verderblich.

_ Die wichtigste ökonomische Aufgabe der Staatsgewalt in jedem
Lande nach Beendigung der Kriegshandlung bestand darin, ihren
Einfluß im Produktionsprozeß dazu auszunutzen, daß die Umstellung
        <pb n="29" />
        XXVI

Vorwort zur Volksausgabe
der Produktion von der Kriegsarbeit auf Friedensarbeit in einer
Weise erfolgte, die die erforderliche Proportionalität der verschiedenen
Produktionskreise wieder herstellte. Soweit der Einfluß des Staates
bei den ökonomischen Verhältnissen dazu nicht ausreichte, mußte die
möglichste Freisetzung des Wirkens von Angebot und Nachfrage
im Zirkulationsprozeß angestrebt werden.

Das gerade Gegenteil geschah.

Inmitten einer hochkapitalistischen Gesellschaft mit weit ent-
wickeltem Geldverkehr diktierte der Friedensvertrag hohe Kriegs-
entschädigungen, die sich hinter dem Namen von Reparationen ver-
bargen. Sie waren nicht bloß, wie 1871 im Frankfurter Frieden, in
Geld, sondern auch in Naturalien zu entrichten, deren Ausmaß
weder durch das Spiel von Angebot und Nachfrage noch durch ein
überlegtes Streben nach planmäßiger Wiederherstellung der Propor-
tionalität der Produktion bestimmt wurde. Sie haben vielmehr
dieser Wiederherstellung oft direkt entgegengewirkt, Kohle zum Bei-
spiel Orten entzogen, wo sie notwendig gebraucht wurde, und. Ge-
genden zugeführt, die sie nicht in vollem Ausmaß verwenden konnten.
Aus südfranzösischen Häfen wurde deutsche Reparationskohle, die
von Deutschland an Frankreich abgeliefert worden, nach deutschen
Häfen ausgeführt. Sie fand in Frankreich keine Verwendung,
indes englische Kohlengruben feierten wegen mangelnden Absatzes.
Ehedem fanden sie lohnende Beschäftigung durch die Ausfuhr nach
deutschen und französischen Häfen,

Aber auch der ungeheure Betrag der Deutschland auferlegten
Geldzahlungen zwang es, Warenmassen auf den Weltmarkt zu
werfen in höherem Maße, als es unter normalen Umständen der Fall
gewesen wäre. Auch das hat der Wiederherstellung der Propor-
tionalität entgegengewirkt.

Zu diesen krisenbildenden Momenten gesellte sich eine Reihe von
Jahren hindurch die Fortsetzung der Inflation, die im Krieg schon
begonnen hatte und in der Not der Nachkriegszeit in manchem Staat
bis zur Besinnungslosigkeit weitergeführt wurde, nicht nur wegen
der Unwilligkeit oder Unmöglichkeit, der Bevölkerung hohe Steuern
aufzuerlegen. Für viele Kapitalisten schien die Inflation paradie-
sische Zustände zu bringen. Die stete Zunahme des Papiergeides
bewirkte ein ununterbrochenes Steigen aller Preise, die Löhne
hinkten in der Regel langsam hinterdrein; so bedeutete die Inflation
eine ständige Lohnsenkung.

Aber auch, wo dies nicht der Fall war, wo die Arbeiter es ver-
standen, eine stete Anpassung der Löhne an die Preise ihrer Lebens-
mittel durchzusetzen, erschien das Regime der Inflation für viele als
vorteilhaft. Niemand häufte Geld an, das ja morgen nur noch die
Hälfte dessen wert war, was es gestern gewesen. Jeder suchte alles
Geld, das er eben eingenommen und nicht sofort für notwendige
Zwecke verausgaben mußte, in „Sachwerten‘“ irgendwelcher Art
anzulegen, die er nicht brauchte, die aber dem Geld gegenüber den
        <pb n="30" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XXVIH
Vorteil der Wertbeständigkeit hatten. Alles Produkt, das auf den
Markt kam, wurde daher sofort gekauft, um bei gestiegenen Preisen
weiter verkauft zu werden. Immer weitere Kreise der Bevölkerung
spekulierten, und zwar alle in gleicher Richtung, auf weiteres Steigen
der Preise, und. jede Spekulation glückte. Die Industrie war gut
beschäftigt, eine Aera dauernder Prosperität schien gekommen,

Aber dieser Zustand schaltete gerade das Moment aus, das in der
anarchischen Warenproduktion die Herstellung der Proportionalität
der Produktion bewirkt: den Wechsel im Steigen und Sinken der
Preise, der durch die Veränderung im Verhältnis von Nachfrage und
Angebot herbeigeführt wird. Die Inflation hemmte die Herbeiführung
der richtigen Proportionalität, ja sie hatte die Tendenz, diese Propor-
tionalität noch weiter zu verringern. Je länger die Inflation dauerte,
je rascher sie wuchs, um 8o schlimmer mußte sich die Unpropor-
tionalität gestalten, um so verheerender die Krise werden, sobald. die
Inflation ein Ende nahm, die allein es erlaubte, daß die Produktion,
wenn auch immer mühseliger, namentlich wegen mangelnder Zufuhr
von Rohstoff aus dem Auslande, noch weiter ging. Jede Inflation,
wenn nicht Vernunft sie schon früher hemmt, muß ein Ende nehmen,
sobald das Papiergeld jegliche Kaufkraft verliert. Mit dem Einstellen
der Inflation ist aber die Krise da, die anscheinend eine Folge der
Stabilisierung, der Festigung der Währung, ist, in Wirklichkeit aber
die unvermeidliche Folge der Inflation bildet.

Dazu gesellte sich nach dem Kriege noch eine hochgradige Ab-
schließung der Staaten voneinander, eine weitgehende Einschnürung
ües Verkehrs zwischen ihnen.

Schon in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege hatten sich
schutzzöllnerische Tendenzen stark bemerkbar gemacht, aber doch
nicht in einem Maße, daß sie den internationalen Verkehr fühlbar
hemmten. Und sie herrschten fast nur in Großstaaten mit einem
ausgedehnten inneren Markt. Die Kleinstaaten betrieben eine frei-
händlerische Politik.

Seit dem Friedensschluß haben sich zu den Schutzzöllen nicht
aur andere sehr störende Hemmungen des internationalen Verkehrs
gesellt. Diese Politik ist auch nicht mehr bloß auf die Großstaaten
beschränkt. Und zu den früheren Kleinstaaten hat der Friedens-
schluß.durch die Zertrümmerung Oesterreichs und die Verkleinerung
Deutschlands und Rußlands eine Reihe neuer hinzugesellt. Ihre
Herstellung bedeutet einen Fortschritt im Sinne der Demokratie,
soweit die Bestimmung ihrer Grenzen damit vereinbar war, was
keineswegs allgemein zutraf. Aber der Friedensvertrag ließ nicht nur
die Selbstbestimmung der Nationen bei der Ziehung der Grenzen der
neuen Staaten oft in hohem Maße außer acht, er traf auch nicht die
mindeste Sorge für die Freiheit des Verkehrs zwischen ihnen.

Indem die Zahl der Staatsgrenzen in Europa ungemein vermehrt
wurde, hat so der Frieden auch die Hindernisse des Verkehrs auf
unserm Erdteil enorm vergrößert: denn die meisten der Kleinstaaten.
        <pb n="31" />
        XAXVIII

Vorwort zur Volksausgabe
schwelgen heute nicht minder als die Großstaaten im Erfinden von
Mitteln, den Außenhandel zu erschweren.

Damit wird wieder ein Mittel geschaffen, der Herstellung der
Proportionalität der Produktionszweige auf dem Weltmarkt entgegen-
zuwirken und damit Krisenursachen zu erzeugen, bloß aus fehler-
hafter Politik.

Mancher meint, die Unternehmerverbände, Kartelle und Trusts,
die durch den Schutzzoll so sehr begünstigt werden, seien ein sou-
veränes Mittel, Krisen zu verhüten. Nichts weniger als das. Schon
der Augenschein bezeugt das Gegenteil. Nie waren die Unternehmer-
verbände umfassender und zahlreicher als seit dem Kriege. Die
Kriegswirtschaft selbst hat sie sehr gefördert, trotzdem folgt gerade
seitdem eine Krise der andern.

Die Unternehmerverbände sind wohl in der Lage, manchen
Krisen entgegenzuwirken: solchen, die allgemeiner Ueberproduktion
entspringen. Aber jeder dieser Verbände bezieht sich nur auf eine
einzelne Industrie, sucht nur sie allein zu organisieren, und nicht zum
Zwecke der Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft, sondern
der Erhöhung des Profits in dem betreffenden Produktionszweig.
Extraprofite über den Durchschnittsprofit hinaus vermag er aber nur
zu erzielen auf dem Wege der Durchbrechung der Proportionalität
der Produktion. Allerdings auf dem Wege nicht der Ueberproduktion,
sondern der Unterproduktion in seinem Produktionszweig, Er
schaltet die freie Konkurrenz aus, damit in seinem Produktionszweig
weniger produziert werde, als der Proportionalität entspricht, und er
dadurch höhere Preise und Profite als die normalen der freien Kon-
kurrenz erzielt. Ein Eisenkartell zum Beispiel „regelt“ die Produktion
durch eine Einschränkung der Eisenproduktion und eine weitgehende
Steigerung der Eisenpreise, die den Aufschwung der eisenverar-
beitenden Industrien hemmt und ihren Absatz erschwert.

Mit einem Wort, die durch die Schutzzölle geförderte Kartell-
wirtschaft ist nicht ein Mittel, dem Schutzzoll entspringender Hem-
mung der Proportionalität der Produktion entgegenzuwirken, sondern
vielmehr ein Mittel. deren krisenbildenden Wirkungen noch zu ver-
mehren.

Zu allen diesen Erschwerungen des Verkehrs der Waren
gesellen sich noch hochgradige Erschwerungen des Verkehrs der
Menschen. Neben freier Konkurrenz und freiem Handel ist auch die
Freizügigkeit der Arbeiter wichtig zur Herstellung der Propor-
tionalität der Produktion auf dem Weltmarkt und zur Milderung und
Ueberwindung der Krisen, die aus ihrer Verletzung entspringen.

Wo sozialistische Produktion nicht möglich ist, bieten freier
Verkehr und freier Handel — wenn allseitig durchgeführt — die
besten Bedingungen zur Entfaltung der Produktivkräfte wie der
Kräfte des Proletariats. Die Freizügigkeit des Arbeiters aber ist
notwendig nicht nur unter kapitalistischer, sondern auch. unter
sozialistischer Produktion. Auf ihr vor allem müssen wir bestehen.
        <pb n="32" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XXIX
Bis zum Kriege fand sie fast gar keine Schranken, wenigstens in
den zivilisierten Teilen Europas. Seit dem Kriege aber ist sie noch
mehr eingeschränkt als der Warenhandel. Waren zu exportieren ist
schwierig, doch nicht unmöglich gemacht. Dagegen ist die Auswan-
derung größerer Arbeitermengen gerade nach den wichtigsten
Industriestaaten so gut wie unmöglich gemacht worden.

Auf manchen Gebieten sind Hunderttausende, ja Millionen von
Arbeitskräften dem äußersten Elend preisgegeben und auf andern
stockt der industrielle Aufschwung wegen Mangels an Arbeitern. Das
ist ein entsetzlicher Zustand für die Arbeitslosen, es erschwert aber
auch ungemein die ökonomische Gesundung durch Herstellung der
Proportionalität der Produktion.

{n früheren Jahrzehnten priesen die bürgerlichen Sozialreformer
die Auswanderung als Mittel an, „die soziale Frage zu lösen‘, das
heißt, die Arbeiter mit der bestehenden Produktionsweise zu ver-
söhnen, Das hat sich als Illusion erwiesen. Damit soll jedoch nicht
gesagt sein, daß sie für die Arbeiterschaft und die Gesellschaft über-
haupt bedeutungslos sei Sie gehört zu den Mitteln der Herstellung
der Proportionalität der Produktion und damit zur Milderung und
Deberwindung der Krisen unter kapitalistischen Bedingungen.

Die Friedenspolitik der herrschenden Klassen, die die Auswan-
derung unterbindet, gehört zu den Sinnlosigkeiten, durch die sie dank
ihrer ökonomischen Unwissenheit und ihrem Kultus der brutalen

Gewalt immer wieder neue Krisen erzeugen und bestehende vertiefen
und verlängern, statt ihnen entgegenzuwirken. ;

Endlich bildet ein wichtiges Moment für die Herstellung der
Proportionalität in der Produktion die Freizügigkeit des Kredits, die
ungehemmte Abwanderung von Kapitalien aus Geschäftszweigen und
Gebieten, die Ueberfluß daran haben, in solche, die an Kapital
Mangel leiden. Auch auf diesem Gebiet@ hat die Politik der Nach-
Kriegszeit unheilvoll gewirkt. Die erste Bedingung der Kredit-
Zzewährung ist volles Vertrauen in den guten Willen und die ökono+
mischen Fähigkeiten des Kreditnehmers. Das war doppelt notwendig
nach. dem Kriege, durch dessen Verwüstungen bei fast allen Krieg:
führenden, außer Amerika, großer Kapitalmangel herbeigeführt
wurde. Um so vorsichtiger und härter.in ihren Bedingungen konnten
die Kapitalisten jener Länder sein, die überschüssiges Kapital abzu*
geben hatten. tn

e Aber die Politik der meisten europäischen. Kriegsteilnehmer,
Sieger wie Besiegte, schuf Verhältnisse, die das größte Mißtrauen
einflößen mußten. Das gilt nicht bloß von Sowjetrußland, dessen
Beherrscher glaubten, des Kapitalismus nicht mehr zu bedürfen,
sondern auch von den. kapitalistischen Nationen.

Alles das bewirkt, daß heute, acht Jahre nach dem Kriege,
Europa ärger von Krisen heimgesucht wird als je und daß ihr Ende
nicht abzusehen ist. Mit den materiellen Zerstörungen, die der Krieg
angerichtet hat, haben sie nichts zu tun. Diese Zerstörungen sind fast
        <pb n="33" />
        XXX

Vorwort zur Volksausgabe
alle wieder gutgemacht. . Aber die Proportionalität der Produktion,
die durch den Krieg durchbrochen worden, ist auch heute noch nicht
hergestellt. .

Am meisten leidet darunter das Proletariat. Und es zeigt sich
immer deutlicher, daß es heute nicht nur auf dem Gebiete der Pro-
Juktion, sondern auch auf dem der Zirkulation der Waren und der
Kapitalien die Sorge für das ökonomische Getriebe den Kapitalisten
nicht überlassen darf.

Wohl haben auf dem Gebiete der Zirkulation die Arbeiter viel-
fach die gleichen Interessen wie die Kapitalisten, insofern als beide
in gleichem Maße an dem ungestörten Ablauf des Zirkulations-
prozesses interessiert sind.

Aber schon vor dem Kriege hatten die aufkommenden Unter-
nehmerverbände versucht, für besondere Produktionszweige Extra-
profite durch Vergewaltigung der Gesetze der Zirkulation heraus-
zuschlagen. Der Weltkrieg hat das Bedürfnis und die Machtmittel
der Herren der großen kapitalistischen Monopole nach Vergewaltigung
der ökonomischen Gesetze des kapitalistischen Getriebes noch ge-
steigert.

Diese Gesetze werden nicht nur von Militaristen und Gewalt-
politikern, sondern auch von den großen Finanzmagnaten immer
mehr mit Füßen getreten, und der Widerstand innerhalb der Kapita-
listenklasse dagegen wird immer schwächer. ;

Es wird immer mehr Aufgabe des Proletariats, für die Beachtung
dieser Gesetze einzutreten, deren Verletzung die ganze Gesellschaft
aufs tiefste schädigt und nur einigen hervorragenden kapitalistischen
Machthabern und ihrem Anhang von Söldnern und Parasiten Gewinn
bringt.

So gerät das Proletariat immer mehr in die sonderbare Situation,
daß zu seinen Aufgaben nicht bloß die Ueberwindung der kapitali-
stischen Produktionsweise und ihre Ersetzung durch die sozialistische
gehört, sondern auch die Verteidigung der Gesetze dieser Produk-
tionsweise gegen ihre Vergewaltigung durch die Monopolisten des
Großkapitals, die verbündet sind mit Großagrariern, Generalen,
Bureaukraten, Professoren usw.

Um in dieser eigenartigen Situation seinen historischen Aufgaben
genügen zu können, muß das Proletariat, müssen vor allem seine
Wortführer sich mit dem kapitalistischen Zirkulationsprozeß ebenso
vertraut machen wie mit dem Produktionsprozeß. Nicht nur wegen
der sozialistischen Zukunft, der wir entgegengehen, sondern auch
wegen der kapitalistischen Gegenwart, in der wir drin stehen.

Das Studium des zweiten und dritten Bandes des „Kapital“
ist daher nicht mehr eine rein akademische Aufgabe, die nur reinem
Wissensdrang dient. Sie hat direkt praktische Bedeutung gewonnen.
Wäre die Politik der letzten Jahre in den maßgebenden Staaten von
der Erkenntnis der Gesetze des Kapitalismus geleitet gewesen, die
in den drei Bänden des „„Kapital‘‘ niedergelegt ist. wie viele Leiden
        <pb n="34" />
        Vorwort zur Volksausgabe

XXXI
wären der Menschheit erspart worden, selbst bei vollständigem
Weiterfunktionieren des Kapitalismus!

Wohl ist es ein halbes Jahrhundert her, daß diese Bände abge-

faßt wurden. Aber dennoch bieten sie auch heute noch die tiefste
Einsicht in die ökonomischen Gesetze der bestehenden Produktions-
weise. Die weitere Entwicklung des letzten halben J ahrhunderts hat
von nichtmarxistischer Seite nichts hinzugefügt — abgesehen von
Detailforschungen — als steigende Mißachtung dieser Gesetze in der
Theorie und zunehmende Vergewaltigung in der Praxis.
„Mehr als je muß jeder, der den Kapitalismus begreifen, sich in
ibm zurechtfinden und behaupten und schließlich ihn meistern will,
auf das Marxsche „Kapital‘“ zurückgehen, und weniger als je genügt
dabei heute der erste Band.

So ist zu wünschen, daß die Volksausgabe des zweiten und dritten
Bandes ein Mittel wird, den Gedankengängen, die sie in so reicher
Fülle bergen, den Zugang zu zahlreichen denkenden Köpfen des
arbeitenden Volkes zu bahnen, und daß sie dabei gleichzeitig auch die
zuverlässigste Ausgabe für den Gebrauch des Forschers ist.

Wien Oktober 1926.
Karl Kautsky.
        <pb n="35" />
        Vorwort zur ersten Auflage.

Das zweite Buch des „Kapital“ druckfertig herzustellen, und zwar
so, daß es einerseits als zusammenhängendes und möglichst abge-
schlossenes Werk, anderseits aber auch als das ausschließliche Werk
des Verfassers, nicht des Herausgebers dastand, war keine leichte
Arbeit. Die große Zahl der vorhandenen, meist fragmentarischen
[bruchstückweisen] Bearbeitungen erschwerte die Aufgabe. Höch-
stens. eine einzige (Manuskript [Handschrift] IV) war, soweit sie
ging, durchweg für den Druck redigiert; dafür aber auch der
zrößte Teil durch Redaktionen aus ‚späterer Zeit veraltet. ‘Die
Hauptmasse des Materials‘ war, wenn auch größtenteils sachlich,
so doch nicht sprachlich fertig ausgearbeitet; abgefaßt in‘. der
Sprache, worin Marx seine Auszüge anzufertigen pflegte: nach-
lässiger Stil, familiäre, oft derbhumoristische Ausdrücke und Wen-
üungen, englische‘ und französische technische Bezeichnungen, oft
zanze Sätze und selbst Seiten englisch; es ist Niederschrift der Ge-
danken in der Form, wie sie sich jedesmal im Kopf des Verfassers
entwickelten. Neben einzelnen, ausführlich dargestellten Partien
andere, gleich wichtige nur angedeutet; das Material illustrierender
Tatsachen gesammelt, aber kaum gruppiert, geschweige verarbeitet;
am Schluß der Kapitel, unter dem Drang zum nächsten zu kommen,
oft nur ein paar abgerissene Sätze als Marksteine der hier unvollendet
gelassenen. Entwicklung; endlich die bekannte, dem Verfasser selbst
manchmal unleserliche Handschrift.

Ich habe mich damit begnügt, die Manuskripte so wörtlich wie
möglich wiederzugeben, am Stil nur das zu ändern, was Marx selbst
geändert haben würde, und nur da erläuternde Zwischensätze und
Uebergänge einzuschieben, wo dies absolut nötig und der Sinn oben-
drein ganz unzweifelhaft war. Sätze, deren Deutung nur im ent-
ferntesten Zweifel zuließ, sind Lieber ganz wörtlich abgedruckt worden.
Die von mir herrührenden Umarbeitungen und Einschiebungen be-
ragen im ganzen noch keine zehn Druckseiten und sind nur for-
meller Natur.

Die bloße Aufzählung des von Marx hinterlassenen handschrift-
lichen Materials zu Buch II beweist, mit welcher Gewissenhaftigkeit
ohnegleichen, mit welcher strengen Selbstkritik er seine großen öko-
aomischen Entdeckungen bis zur äußersten Vollendung auszuarbeiten
strebte, ehe er sie veröffentlichte; eine Selbstkritik, die ihn nur selten
dazu kommen ließ, die Darstellung nach Inhalt und Form seinem
stets durch neue Studien sich erweiternden Gesichtskreis anzupassen.
Dies Material besteht nun aus folgendem.
        <pb n="36" />
        Vorwort zur ersten Auflage

XXXIII
Zuerst ein Manuskript „Zur Kritik der politischen Oekonomie‘‘,
1472 Quartseiten in 23 Heften, geschrieben August 1861 bis Juni 1863.
Es ist die Fortsetzung des 1859 in Berlin erschienenen ersten Heftes
desselben Titels, Es behandelt auf Seite L—220 (Heft I—V) und dann
wieder auf Seite 1159—1472 (Heft XIX— XXIII) die in Buch I des
„Kapital“ untersuchten Themata, von der Verwandlung von Geld in
Kapital bis zum Schluß, und ist die erste vorhandene Redaktion
dafür. Die Seiten 973—1158 (Heft XVI—XVIII) handeln von: Ka-
pital und Profit, Profitrate, Kaufmannskapital und Geldkapital, also
von Thematen, die später im Manuskript zu Buch III entwickelt sind.
Die in Buch II sowie sehr viele später in Buch III behandelten
Themata sind dagegen noch nicht besonders zusammengestellt. Sie
werden nebenbei behandelt, namentlich in dem Abschnitt, der den
Hauptkörper des Manuskripts ausmacht: Seite 220—972 (Heft
VI—XV): Theorien über den Mehrwert. Dieser Abschnitt ent-
hält eine ausführliche kritische Geschichte des Kernpunkts der pol-
tischen Oekonomie, der Mehrwertstheorie, und entwickelt daneben,
in polemischem Gegensatz zu den Vorgängern, die meisten der später
im Manuskript zu Buch II und III besonders und in logischem Zu-
sammenhang untersuchten Punkte. Ich behalte mir vor, den kriti-
schen Teil dieses Manuskripts, nach Beseitigung der zahlreichen durch
Buch II und III bereits erledigten Stellen, als Buch IV des „Kapital‘“
zu veröffentlichen.! So wertvoll dies Manuskript, so wenig war es
für die gegenwärtige Ausgabe des Buch II zu benutzen.

Das dem Datum nach jetzt folgende Manuskript ist das von
Buch III. Es ist wenigstens größtenteils 1864 und 1865 geschrieben.
Erst nachdem dies im wesentlichen fertig, ging Marx an die Aus-
arbeitung von Buch I, des 1867 gedruckten ersten Bandes. Dies
Manuskript von Buch III bearbeite ich jetzt für den Druck.

Aus der nächsten Periode [Zeitabschnitt] — nach Erscheinen
des Buch I — liegt vor für Buch II eine Sammlung von vier
Manuskripten in Folio, von Marx selbst I—IV numeriert. Davon
ist Manuskript I (150 Seiten), vermutlich von 1865 oder 1867
datierend, die erste selbständige, aber mehr oder weniger frag-
mentarische Bearbeitung von Buch II in seiner gegenwärtigen Ein-
teilung. Auch hiervon war nichts benutzbar. Manuskript III
besteht teils aus einer Zusammenstellung von Zitaten und Hin-
weisen auf Marx’ Auszugshefte — meist auf den ersten Abschnitt
des Buch IT bezüglich —, teils aus Bearbeitungen einzelner
Punkte, namentlich der Kritik der A. Smithschen Sätze über fixes
and zirkulierendes Kapital und über die Quelle des Profits; ferner
eine Darstellung des Verhältnisses der Mehrwertsrate zur Profitrate,

* Es war Engels nicht vergönnt, seine Absicht zu verwirklichen, Dach
seinem Tode fiel mir diese Aufgabe zu. Ich habe das Manuskript für den m
fertig gemacht und herausgegeben als „Theorien über den Mehrwert‘‘,
(3 Bände, Stuttgart 1905—1910.) K. Kautsky.

Das Kapital. IL
        <pb n="37" />
        XXXIV

die in Buch IIT gehört. Die Hinweise lieferten wenig neue Ausbeute,
die Ausarbeitungen waren sowohl für Buch II wie Buch III durch
spätere Redaktionen überholt, mußten also meist beiseite gelegt wer-
den. — Manuskript IV ist eine druckfertige Bearbeitung des ersten
und der ersten Kapitel des zweiten Abschnitts von Buch II, und
ist da, wo es an die Reihe kommt, auch benutzt worden. Obwohl
sich herausstellte, daß es früher abgefaßt ist als Manuskript II, so
konnte es doch, weil vollendeter in der Form, für den betreffenden
Teil des Buches mit Vorteil benutzt werden; es genügte, aus Manu-
Skript IT einige Zusätze zu machen. — Dies letztere Manuskript ist
die einzige einigermaßen fertig vorliegende Bearbeitung des Buch II
and datiert von 1870. Die gleich zu erwähnenden Notizen für die
schließliche Redaktion sagen ausdrücklich: „Die zweite Bearbeitung
muß zugrunde gelegt werden.‘‘

Nach 1870 trat wieder eine Pause ein, bedingt hauptsächlich durch

Krankheitszustände. Wie gewöhnlich füllte Marx diese Zeit durch
Studien aus; Agronomie [Landwirtschaftskunde], amerikanische und
namentlich russische ländliche Verhältnisse, Geldmarkt und Bank-
wesen, endlich Naturwissenschaften: Geologie [Erdgeschichte] und
Physiologie [Lehre von den Gesetzen des Lebens], und nament-
lich selbständige mathematische Arbeiten, bilden den Inhalt
der zahlreichen Auszugshefte aus dieser Zeit. Anfang 1877 fühlte
er sich so weit hergestellt, daß er wieder an seine eigentliche Arbeit
gehen konnte. Von Ende März 1877 datieren Hinweise und Notizen
aus obigen vier Manuskripten als Grundlage einer Neubearbeitung
von Buch II, deren Anfang in Manuskript V (56 Seiten Folio) vorliegt,
Es umfaßt die ersten vier Kapitel und ist noch wenig ausgearbeitet;
wesentliche Punkte werden in Noten unter dem Text behandelt; der
Stoff ist mehr gesammelt als gesichtet, aber es ist die letzte voll-
ständige Darstellung dieses wichtigsten Teils des ersten Abschnittes.
— Ein erster Versuch, hieraus ein druckfertiges Manuskript zu machen,
legt vor in Manuskript VI (nach Oktober 1877 und vor Juli 1878),
nur 17 Quartseiten, den größten Teil des ersten Kapitels umfassend,
ein zweiter — der letzte — in Manuskript VII, „2. Juli 1878“, nur
7 Folioseiten. .

Um diese Zeit scheint Marx sich darüber klar geworden zu sein,
daß ohne eine vollständige Revolution seines Gesundheitszustandes
er nie dahin kommen werde, eine ihm selbst genügende Bearbeitung
des zweiten und dritten Buches zu vollenden. In der Tat tragen die
Manuskripte V—VIII die Spuren gewaltsamen Ankampfs gegen
niederdrückende Krankheitszustände nur zu oft an sich. Das schwie-
rigste Stück des ersten Abschnitts war in Manuskript V neu bear-
beitet; der Rest des ersten und der ganze zweite Abschnitt (mit Aus-
nahme des siebzehnten Kapitels) boten keine bedeutenden theore-
tischen Schwierigkeiten; der dritte Abschnitt dagegen, die Repro-
duktion und Zirkulation des gesellschaftlichen Kapitals, schien ihm
einer Umarbeitung dringend bedürftig. In Manuskript II war näm-

Vorwort zur ersten Auflage
        <pb n="38" />
        Vorwort zur ersten Auflage

XXXV
lich die Reproduktion behandelt zuerst ohne Berücksichtigung der
sie vermittelnden Geldzirkulation und sodann nochmals mit Rück-
sicht auf diese, Dies sollte beseitigt und der ganze Abschnitt über-
haupt So umgearbeitet werden, daß er dem erweiterten Gesichts-
kreis des Verfassers entsprach. So entstand Manuskript VIII,
ein Heft von nur 70 Quartseiten; was Marx aber auf diesen Raum
zusammenzudrängen verstand, beweist die Vergleichung von Ab-
schnitt III im Druck nach Abzug der aus Manuskript II ein-
geschobenen Stücke.

Auch dies Manuskript ist nur eine vorläufige Behandlung des
Gegenstandes, bei der es vor allem darauf ankam, die gewonnenen
neuen Gesichtspunkte gegenüber Manuskript II festzustellen und zu
entwickeln, unter Vernachlässigung der Punkte, über die nichts Neues
Zu sagen war. Auch ein wesentliches Stück von Kapitel XVII des
Zweiten Abschnittes, das ohnehin einigermaßen in den dritten Ab-
schnitt übergreift, wird wieder hineingezogen und erweitert. Die
logische Folge wird öfters unterbrochen, die Behandlung ist stellen-
weise lückenhaft und namentlich am Schluß ganz fragmentarisch.
Aber was Marx sagen wollte, ist in dieser oder jener Weise darin
gesagt.

Das ist das Material zu Buch II, woraus, nach einer Aeußerung
von Marx zu seiner Tochter Eleanor kurz vor seinem Tode, ich „etwas
machen“ sollte. Ich habe diesen Auftrag in seinen engsten Grenzen
genommen; wo irgend möglich, habe ich meine Tätigkeit auf bloße
Auswahl zwischen den verschiedenen Redaktionen beschränkt. Und
Zwar so, daß stets die letzte vorhandene Redaktion unter Verglei-
chung der früheren zugrunde gelegt wurde. Wirkliche, das heißt
andere als bloß technische Schwierigkeiten boten dabei nur der erste
und dritte Abschnitt, diese aber auch nicht geringe. Ich habe sie
zu lösen gesucht ausschließlich im Geist des Verfassers.

Die Zitate im Text habe ich meist übersetzt bei Belegen für Tat-
Sachen oder wo, wie bei Stellen aus A. Smith, das Original jedem
Zu Gebot steht, der der Sache auf den Grund kommen will. Nur
in Kapitel X war dies nicht möglich, weil hier direkt der englische
Text kritisiert wird. — Die Zitate aus Buch I tragen die Seitenzahlen
der zweiten Auflage, der letzten, die Marx noch erlebt hat.?

Für das Buch III liegt außer der ersten Bearbeitung im Manu-
Skript: „Zur Kritik“, den erwähnten Stücken in Manuskript III und
Sinigen in Auszugsheften gelegentlich eingesprengten kurzen Noten,
Nur vor: das erwähnte Manuskript in Folio von 1864—65, ausge-
arbeitet in ungefähr derselben Vollständigkeit wie Manuskript II von
Buch II, und endlich ein Heft von 1875: Das Verhältnis der Mehr-
wertsrate zur Profitrate, mathematisch (in Gleichungen) entwickelt.

? Wir fügen in der vorliegenden Ausgabe jean AO nee
Seitenzahlen aus der Volksausgabe hinzu. Diese sind durch e:
V kenntlich gemacht. K.
        <pb n="39" />
        XXXVI

Vorwort zur ersten Auflage
Die Fertigstellung dieses Buches für den Druck schreitet rasch voran.
Soweit ich bis jetzt beurteilen kann, wird sie hauptsächlich nur tech-
nische Schwierigkeiten machen, mit Ausnahme freilich einiger sehr
wichtiger Abschnitte.

Es ist hier der Ort, eine Anklage gegen. Marx zurückzuweisen, die,
erst nur leise und vereinzelt erhoben, jetzt, nach seinem Tode, von
deutschen Katheder- und Staatssozialisten und deren Anhang als
ausgemachte Tatsache verkündet wird — die Anklage, als habe
Marx ein Plagiat [einen literarischen Diebstahl] an Rodbertus be-
gangen. Ich habe bereits an anderer Stelle das Dringendste darüber
gesagt%, kann aber erst hier die entscheidenden Belege beibringen.

Diese Anklage findet sich meines Wissens zuerst in R. Meyers
„Emanzipationskampf des vierten Standes‘, S. 43: „Aus diesen
Publikationen“ (den bisin die letzte Hälfte der dreißiger Jahre zurück-
datierenden von Rodbertus) „hat nachweisbar Marx den größten
Teil seiner Kritik geschöpift‘“. Ich darf bis auf weiteren Nachweis wohl
annehmen, daß die ganze ‚„Nachweisbarkeit‘ dieser Behauptung
darin besteht, daß Rodbertus dies Herrn Meyer versichert hat.* —
1879 tritt Rodbertus selbst auf die Bühne und schreibt an J. Zeller
(Tübinger „Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft‘“, 1879,
S. 219) mit Beziehung auf seine Schrift: „Zur Erkenntnis unserer
staatswirtschaftlichen Zustände‘‘, (1842) wie folgt: „Sie werden
finden, daß derselbe (der darin entwickelte Gedankengang) schon
ganz hübsch von Marx..... benutzt worden ist, freilich ohne mich
zu zitieren.‘ Was ihm denn auch sein posthumer Herausgeber
[Herausgeber seiner nach‘ seinem Tode erscheinenden Werke]
Th. Kozak ohne weiteres nachplappert. (Das ,,Kapital‘‘ von Rodbertus.
Berlin 1884. Einleitung, S. XV.) — Endlich, in den von R. Meyer
1881 herausgegebenen „Briefen und sozialpolitischen Aufsätzen von
Dr. Rodbertus-Jagetzow‘‘, sagt Rodbertus geradezu: „Heute finde
ich mich von [Original: bei] Schäffle und Marx geplündert, ohne
daß ich genannt werde.‘“ (Brief Nr. 60, S. 134.) Und an einer
andern Stelle nimmt Rodbertus’ Anspruch bestimmtere Gestalt an:
„Woraus der Mehrwert des Kapitalisten entspringt, habe ich in
meinem dritten sozialen Brief im wesentlichen ebenso wie Marx,
nur [viel]® kürzer und klarer gezeigt.‘ (Brief Nr. 48, S. 111.)

3 In der Vorrede zu: „Das Elend der Philosophie. Antwort auf
Proudhons Philosophie des Elends, von Karl Marx, Deutsch von E. Bern-
stein und K. Kautsky. Stuttgart 1885.“

4 Der hier zitierte Meyersche Satz findet sich in der ersten Auflage des
‚„Emanzipationskampf“‘, die 1874 erschien. In der zweiten Auflage (1882)
lautet der Satz schon weniger entschieden: „Aus diesen Publikationen hat
vielleicht auch Marx einen Teil seiner Kritik geschöpft‘“. (S. 57.) K.

5 Fehlt in der Engelsschen Ausgabe. K.
        <pb n="40" />
        Vorwort zur ersten Auflage

XXXVII
Von allen diesen. Anklagen auf Plagiat hatte Marx nie etwas
erfahren. In seinem Exemplar des „Emanzipationskampf‘““ war nur
der die Internationale betreffende Teil aufgeschnitten, das Aufschnei-
den des übrigen habe ich selbst erst nach seinem Tode besorgt. Die
Tübinger Zeitschrift sah er nie an. Die „Briefe usw.‘‘ an R. Meyer
blieben ihm ebenfalls unbekannt, und bin ich auf die Stelle von wegen
der „Plünderung‘“ erst 1884 durch die Güte des Herrn Dr.‘ Meyer
selbst aufmerksam gemacht worden. Dagegen den Brief Nr. 48
kannte Marx; Herr Meyer hatte die Gefälligkeit gehabt, das Original
der jüngsten Tochter von Marx zu schenken. Marx, dem allerdings
einiges geheimnisvolle Gemunkel über die bei Rodbertus zu suchende
geheime Quelle seiner Kritik zu Ohren gekommen war, zeigte ihn
mir mit der Bemerkung: Hier habe er endlich authentische [vom
Verfasser selbst herrührende] Auskunft darüber, was Rodbertus
selbst beanspruche; wenn er weiter nichts Vehaupte, so könne dies
ihm, Marx, schon recht sein; und daß Rodbertus seine eigene Dar-
stellung für die kürzere und klarere halte, dies Vergnügen könne er
ihm auch lassen. In der Tat hielt er durch diesen Brief von Rodbertus
die ganze Sache für erledigt. .

Er konnte dies um so eher, als ihm, wie ich positiv [bestimmt] weiß,
die ganze literarische Tätigkeit von Rodbertus unbekannt geblieben war
bisgegen 1859, wo seine eigene „Kritik der politischen Oekonomie‘* nicht
nur in den Grundzügen, sondern auch in den wichtigsten Einzelheiten
fertig war. Er begann. seine ökonomischen Studien 1843 in Paris mit
den großen Engländern und Franzosen; von den Deutschen kannte er
nur Rau und List und hatte genug an ihnen. Weder Marx noch ich
erfuhren von der Existenz von Rodbertus ein Wort, bis wir 1848 in
der „Neuen Rheinischen Zeitung‘ seine Reden als Berliner Abge-
ordneter und seine Handlungen als Minister zu kritisieren hatten.
Wir waren so unwissend, daß wir die rheinischen Abgeordneten
befrugen, wer denn dieser Rodbertus sei, der so plötzlich Minister
geworden. Aber auch diese wußten nichts von den ökonomischen
Schriften Rodbertus’ zu verraten. Daß dagegen Marx, auch ohne
Rodbertus’ Hilfe, schon damals sehr gut wußte, nicht nur woher,
sondern auch wie „der Mehrwert des Kapitalisten entspringt‘,
beweisen die „Misere de la Philosophie‘, 1847, und die 1847 in
Brüssel gehaltenen und 1849 in der „Neuen Rheinischen Zeitung‘
Nr. 264 bis 269 veröffentlichten Vorträge über Lohnarbeit und
Kapital.® Erst durch Lassalle erfuhr Marx gegen 1859, daß es auch
einen Oekonomen Rodbertus gäbe, und fand dann dessen „dritten
sozialen Brief‘ auf dem Britischen Museum.

Dies der tatsächliche Zusammenhang. Wie steht es nun mit dem
Inhalt, um den Marx den Rodbertus „geplündert‘“ haben soll?
„Woraus der Mehrwert des Kapitalisten entspringt‘, sagt Rodbertus,
ü i Titel
® Von Engels 1891 als besondere Broschüre unter dem gleichen Ti
herausgegeben. K.
        <pb n="41" />
        XXXVIII

Vorwort zur ersten Auflage
„habe ich in meinem dritten sozialen Brief ebenso wie Marx, nur
kürzer und klarer gezeigt.‘ Also das ist der Kernpunkt: die Mehr-
wertstheorie; und es ist in der Tat nicht zu sagen, was sonst Rodbertus
bei Marx als sein Eigentum allenfalls reklamieren [beanspruchen]
könnte. Rodbertus erklärt sich hier also für den wirklichen Ur-
heber der Mehrwertstheorie, die Marx ihm geplündert habe.

Und was sagt uns der dritte soziale Brief über die Entstehung des
Mehrwerts? Einfach, daß die „Rente“, wie er Bodenrente und Profit
zusammenfaßt, nicht aus einem „Wertzuschlag‘‘ auf den Wert der
Ware entstehe, sondern „infolge eines Wertabzugs, den der Arbeits-
lohn erleidet, mit andern Worten: weil der Arbeitslohn nur einen Teil
des Wertes des Produkts beträgt‘, und bei hinreichender Produk-
tivität der Arbeit „nicht äqual [gleich] dem natürlichen Tauschwert
ihres Produkts zu sein braucht, damit von diesem noch zu Kapital-
ersatz (!)und Rente übrigbleibt‘“.7? Wobei uns nicht gesagt wird, was
das für ein „natürlicher Tauschwert‘“ des Produkts ist, bei dem zu
„Kapitalersatz‘“, also doch wohl Ersatz des Rohstoffs und des Ver-
schleißes der Werkzeuge nichts übrigbleibt.

Glücklicherweise ist uns vergönnt zu konstatieren, welchen Ein-
äruck diese epochemachende [bahnbrechende] Entdeckung Rod-
bertus’ auf Marx machte. Im Manuskript: „Zur Kritik‘ usw. findet
sich in Heft X, S. 445 ff., eine „Abschweifung. Herr Rodbertus.
Eine neue Grundrententheorie‘, Nur unter diesem Gesichtspunkt
wird hier der dritte soziale Brief betrachtet. Die Rodbertussche
Mehrwertstheorie im allgemeinen wird erledigt mit der ironischen
Bemerkung: „Herr Rodbertus untersucht erst, wie es in einem Lande
aussieht, wo Grund- und Kapitalbesitz nicht geschieden sind, und
kommt dann zum wichtigen Resultat, daß die Rente (worunter er
den ganzen Mehrwert versteht) bloß gleich der unbezahlten Arbeit
oder dem Quantum von Produkten ist, worin sie sich darstellt.‘ 8

Die kapitalistische Menschheit hat nun schon verschiedliche Jahr-
hunderte lang Mehrwert produziert und ist allmählich auch dahin
gekommen, sich über dessen Entstehung Gedanken zu machen. Die
erste Ansicht war die aus der unmittelbaren kaufmännischen Praxis
entspringende: der Mehrwert entstehe aus einem Aufschlag auf den
Wert des Produkts. Sie herrschte unter den Merkantilisten, aber
schon. James Steuart sah ein, daß dabei, was der eine gewinnt, der
andere notwendig verlieren muß. Trotzdem spukt diese Ansicht
noch lange fort, namentlich unter Sozialisten; aus der klassischen
Wissenschaft wird sie aber verdrängt durch A. Smith. ;

Bei ihm heißt es, „Wealth of N ations‘, b. I, ch. VI [,,Reichtum
der Nationen‘, Buch 1, 6. Kapitel]: „Sobald Kapital (stock) sich
7? Die zitierten Stellen finden sich bei Rodbertus: „Soziale Briefe an
von Kirchmann, Dritter Brief‘, Berlin 1851, S. 87. K.

8 Vgl. Karl Marz: „Theorien über den Mehrwert.“ Stuttgart 1905,
Band II. 1. Teil, S. 167/168. S. auch Rodbertus: a. a. 0... 8. 73. K.
        <pb n="42" />
        Vorwort zur ersten Auflage

XXXIX
angehäuft hat in den Händen einzelner, werden einige darunter
es natürlicherweise anwenden, um fleißige Leute an die Arbeit
zu setzen und diesen Rohstoffe und Lebensmittel zu liefern,
um durch den Verkauf der Produkte ihrer Arbeit, oder durch
das, was ihre Arbeit dem Wert jener Rohstoffe hinzu-
gefügt hat, einen Profit zu machen.... Der Wert, den die Ar-
beiter den Rohstoffen zusetzen, löst sich hier in zwei Teile
auf, wovon der eine ihren Lohn zahlt, der andere den Profit des
Beschäftigers auf den ganzen von ihm vorgeschossenen Betrag
von Rohstoffen und Arbeitslöhnen.‘“ Und etwas weiter: „Sobald
der Boden eines Landes durchweg Privateigentum geworden, lieben
es die Grundbesitzer wie andere Leute auch, zu ernten, wo sie nicht
gesäet, und fordern Bodenrente selbst für die natürlichen Erzeug-
nisse des Bodens..... Der Arbeiter..... muß dem Grundbesitzer
einen Anteil von dem abtreten, was seine Arbeit gesammelt
oder produziert hat. Dieser Anteil, oder was dasselbe, der Preis
dieses Anteils, macht die Bodenrente aus.“

Zu dieser Stelle bemerkt Marx in dem erwähnten Manuskript:
„Zur Kritik“ usw., S. 253: „A. Smith faßt also den Mehrwert,
nämlich die Surplusarbeit [Mehrarbeit], den Veberschuß der verrich-
teten und in der Ware vergegenständlichten Arbeit über die
bezahlte Arbeit hinaus, also über die Arbeit hinaus, die ihr Aequiva-
lent im Lohn erhalten hat, als die allgemeine Kategorie
[Begriffsklasse] auf, wovon der eigentliche Profit und die Grund-
rente nur Abzweigungen.‘“®

Ferner sagt A. Smith, b. I, ch. VIII: „Sobald der Boden Privat-
eigentum geworden, verlangt der Grundbesitzer einen Anteil fast
aller Produkte, die der Arbeiter darauf erzeugen ‚oder einsammeln
kann. Seine Bodenrente macht den ersten Abzug vom Produkt
der auf den Boden verwandten Arbeit aus. Aber der Be-
bauer des Bodens hat selten die Mittel, sich bis zur Einbringung der
Ernte zu erhalten. Sein Unterhalt wird ihm gewöhnlich vorge-
schossen aus dem Kapital (stock) eines Beschäftigers, des Pächters,
der kein Interesse hätte, ihn zu beschäftigen, wenn er nicht das
Produkt seiner Arbeit mit ihm teilte, oder sein Kapital ihm
ersetzt würde samt einem Profit. Dieser Profit macht einen zweiten
Abzug von der auf den Boden verwandten Arbeit. Das Produkt
fast aller Arbeit ist demselben Abzug für Profit unterworfen. In allen
Industrien bedürfen die meisten Arbeiter eines Beschäftigers, um
ihnen bis zur Vollendung der Arbeit Rohstoff und Arbeitslohn und

Unterhalt vorzuschießen. Dieser Beschäftiger teilt mit ihnen das
Produkt ihrer Arbeit, oder den Wert, den diese den verarbeiteten
Rohstoffen zufügt. und in diesem Anteil besteht sein Profit.“

9 Karl Marx: „Theorien über den Mehrwert.‘ Band I, S. 144. Der
von Engels wiedergegebene Text deckt sich wohl sachlich, nicht immer aber
im Wortlaut mit dem von mir herausgegebenen. K.
        <pb n="43" />
        Vorwort zur ersten Auflage
Marx hierzu (Manuskript, S. 256): „Hier also bezeichnet A. Sınith
in dürren Worten Grundrente und Profit des Kapitals als bloße
Abzüge von dem Produkt des Arbeiters oder von dem Wert
seines Produkts, gleich der von ihm dem Rohstoff zugefügten Arbeit.
Dieser Abzug kann aber, wie A. Smith früher selbst auseinander-
gesetzt, nur bestehen aus dem Teil der Arbeit, den der Arbeiter den
Stoffen zusetzt über das Arbeitsquantum hinaus, welches nur seinen
Lohn zahlt oder nur ein Aequivalent für seinen Lohn liefert. — also
aus der Surplusarbeit, aus dem unbezahlten "Teil seiner Arbeit.‘“10
„Woraus der Mehrwert des Kapitalisten entspringt‘ und oben-
drein der des Grundeigentümers, hat also schon A. Smith gewußt;
Marx erkennt dies schon 1861 aufrichtig an, während Rodbertus
und der Schwarm seiner unter dem warmen Sommerregen des Staats-
Sozialismus wie Pilze emporschießenden Verehrer es total vergessen
zu haben scheint.
„Dennoch,“ fährt Marx fort, „hat Smith den Mehrwert als
solchen nicht als eigene Kategorie geschieden von den besonderen
Formen, die er in Profit und Grundrente erhält. Daher bei ihm, wie
noch mehr bei Ricardo, viel Irrtum und Mangelhaftigkeit in der
Untersuchung.“ 1! —. Dieser Satz paßt wörtlich auf Rodbertus. Seine
„Rente“ isteinfach die Summe von Bodenrente plus [vermehrt um den]
Profit; von der Bodenrente macht er sich eine total [völlig] falsche
Theorie, den Profit nimmt er unbesehen, wie er ihn bei seinen Vor-
gängern findet. — Marx’ Mehrwert dagegen ist die allgemeine
Form der ohne Aequivalent [ohne Hingabe von gleichem Wert] von
den Eignern der Produktionsmittel angeeigneten Wertsumme, die
sich nach ganz eigentümlichen, erst von Marx entdeckten Gesetzen
in die besonderen, verwandelten Formen von Profit und Boden-
rente spaltet. Diese Gesetze werden entwickelt in Buch III, wo sich
erst zeigen wird, wie viele Mittelglieder nötig sind, um vom Ver-
ständnis des Mehrwerts im allgemeinen zum Verständnis seiner Ver-
wandlung in Profit und Grundrente, also zum Verständnis der Gesetze
der ‚Verteilung des Mehrwerts innerhalb der Kapitalistenklasse. zu
kommen.

Ricardo geht schon bedeutend weiter als A. Smith. Er begründet
seine Auffassung des Mehrwerts auf eine neue, bei A. Smith zwar schon
im Keime vorhandene, aber in der Ausführung fast immer wieder
vergessene Werttheorie, die der Ausgangspunkt aller nachfolgenden
ökonomischen Wissenschaft geworden, Aus der Bestimmung des
Warenwerts durch die in den Waren realisierte Arbeitsmenge leitet
er die Verteilung des den Rohstoffen durch die Arbeit zugesetzten
Wertquantums unter Arbeiter und Kapitalisten ab, ihre Spaltung in
Arbeitslohn und Profit (das heißt hier Mehrwert). Er weist nach, daß
der Wert der Waren derselbe bleibt, wie auch das Verhältnis dieser

XL

2 Siehe Karl Marx: „Theorien über den Mehrwert,.‘“ Band I, 8.148. K.
U Karl Marz: „Theorien über den Mehrwert‘. Band I, S. 144. K.
        <pb n="44" />
        Vorwort zur ersten Auflage

beiden Teile wechsle, ein Gesetz, bei dem er nur einzelne Ausnahme-
fälle zugibt. Er stellt sogar einige Hauptgesetze über das wechsel-
seitige Verhältnis von Arbeitslohn und Mehrwert (in der Form von
Profit gefaßt), wenn auch in zu allgemeiner Fassung fest (Marx: „Das
Kapital‘, 1. Buch, Kapitel XV, A)1 und weist die Grundrente als
einen unter bestimmten Umständen abfallenden Ueberschuß über
den Profit nach. — In keinem dieser Punkte ist Rodbertus über
Ricardo hinausgegangen. Die inneren Widersprüche der Ricardoschen
Theorie, an denen seine Schule zugrunde ging, blieben ihm entweder
8anz unbekannt oder verleiteten ihn nur („Zur Erkenntnis‘ usw.,
S. 129—134) zu utopistischen Forderungen statt zu ökonomischen
Lösungen. ;

__ Die Ricardosche Lehre vom Wert und Mehrwert brauchte aber
Nicht auf Rodbertus’ „Zur Erkenntnis‘ usw. zu warten, um soziali-
Stisch ausgebeutet zu werden. Auf Seite 609 des ersten Bandes
„Kapital“ [2, Auflage, V. 8. 523] findet sich zitiert: „Die Besitzer
von überschüssigem Produkt [surplus produce] oder Kapital‘, aus
einer Schrift: „The Source and Remedy of the National Difficulties.
A Letter to Lord John Russell. London 1821.“ In dieser Schrift,
auf deren Bedeutung schon der eine Ausdruck: überschüssiges Produkt
öder Kapital hätte aufmerksam machen müssen, und die ein von Marx
aus seiner Verschollenheit gerissenes Pamphlet [Broschüre] von
40 Seiten ist, heißt es:

„Was auch dem Kapitalisten zukommen möge (vom Stand-
Punkt des Kapitalisten aus), er kann immer nur die Mehrarbeit
{Surplus labour) des Arbeiters aneignen, denn der Arbeiter muß
leben.“ (S. 23.) Wie aber der Arbeiter lebt, und wie groß daher
die vom Kapitalisten angeeignete Mehrarbeit sein kann, ist sehr
relativ. „Wenn das Kapital nicht an Wert abnimmt im Verhältnis,
wie es an Masse zunimmt, so wird der Kapitalist dem Arbeiter das
Produkt jeder Arbeitsstunde abpressen über das Minimum hinaus,
Wovon der Arbeiter leben kann..., der Kapitalist kann schließlich
dem Arbeiter sagen: du sollst kein Brot essen ...., denn man kann von
Runkelrüben und Kartoffeln leben; und dahin sind wir gekommen.‘
(S. 23, 24.) „Wenn der Arbeiter dahin gebracht werden kann, sich
von Kartoffeln zu nähren statt von Brot, so ist es unbestreitbar
richtig, daß mehr aus seiner Arbeit herausgeschlagen werden kann;
das heißt wenn, um von Brot zu leben, er genötigt war, für seine
Erhaltung und die seiner Familie die Arbeit des Montags und
Dienstags für sich zu behalten, so wird er bei Kartoffel-
Nahrung nur die Hälfte des Montags für sich erhalten; und die
andere Hälfte des Montags und der ganze Dienstag werden frei-
gesetzt entweder für den Nutzen des Staats oder für den Kapi-
balisten,“ (S. 26.) „Man bestreitet nicht (it is admitted), daß
die den Kapitalisten bezahlten Interessen, sei es in der Gestalt von

XLI

12 2, Auflage, S. 541, V. 8.458. K.
        <pb n="45" />
        XLII

Vorwort zur ersten Auflage
Rente, Geldzins oder Geschäftsprofit, bezahlt werden aus der Arbeit
anderer.‘ (S. 23.) Hier also ganz Rodbertus’ „Rente“, nur daß
statt ‚Rente‘: Interessen gesagt wird.
Marx bemerkt hierzu (Manuskript „Zur Kritik“, 8. 852):
„Dies kaum bekannte Pamphlet — erschienen zu der Zeit, wo der
„unglaubliche Schuhflicker‘“ MacCulloch anfıng von sich reden zu
machen — enthält einen wesentlichen Fortschritt über Ricardo
hinaus. Es bezeichnet direkt den Mehrwert oder „Profit“, wie es
Ricardo nennt, (oft auch Mehrprodukt, surplus produce) oder interest
[Zins], wie der Verfasser des Pamphlets es heißt, als surplus labour,
Mehrarbeit, dieArbeit, die derArbeiter gratis verrichtet, die er verrichtet
über das Quantum Arbeit hinaus, wodurch der Wert seiner Arbeitskraft
ersetzt, also ein Aequivalent für seinen Lohn produziert wird. Ganz
so wichtig wie es war, den Wert in Arbeit aufzulösen, ganz so
wichtig war es, den Mehrwert (surplus value), der sich in einem
Mehrprodukt (surplus produce) darstellt, in Mehrarbeit (surplus
labour). Dies ist in der Tat bei A. Smith schon gesagt und
bildet ein Hauptmoment in Ricardos Entwicklung. Aber
es ist bei ihnen nirgends in der absoluten Form herausgesagt und
üxiert.‘“ 13 Es heißt dann weiter, S. 859 des Manuskripts: „Im
übrigen ist der Verfasser in den ökonomischen Kategorien befangen,
wie er sie vorfindet. Ganz wie bei Ricardo das Verwechseln von Mehr-
wert und Profit zu unangenehmen Widersprüchen führt, so bei ihm,
daß er Mehrwert Kapitalinteressen tauft. Zwar steht er darin über
Ricardo, daß er erstens allen Mehrwert auf Mehrarbeit reduziert
“zurückführt] und, wenn er den Mehrwert Kapitalinteressen nennt,
zugleich hervorhebt, daß er unter interest of capital [Kapitalzins] die
allgemeine Form der Mehrarbeit versteht, im Unterschied von ihren
besonderen Formen, Rente, Geldzins und Geschäftsprofit..... Aber
er nimmt den Namen einer dieser besonderen Formen, interest,
wieder als den der allgemeinen Form. Und dies reicht hin,
damit er wieder in das ökonomische Kauderwelsch ( slang steht
im Manuskript) zurückfällt.‘ 14
Dieser letztere Passus [Absatz] sitzt unserm Rodbertus wie an-
gegossen. Auch er ist befangen in den ökonomischen Kategorien,
wie er sie vorfindet. Auch er tauft den Mehrwert mit dem Namen
einer seiner verwandelten Unterformen, den er noch dazu ganz un-
vdestimmt macht: Rente. Das Ergebnis dieser beiden Böcke ist, daß
er wieder in das ökonomische Kauderwelsch verfällt, seinen Fort-
schritt über Ricardo hinaus nicht weiter kritisch verfolgt. und statt
dessen sich verleiten läßt, seine unfertige Theorie, ehe sie noch die
Kierschalen losgeworden, zur Grundlage einer Utopie zu machen. mit

13 Siehe Karl Marx: ‚Theorien über den Mehrwert,“ Band III,
S, 281, 282. K.

MM Siehe Karl Marz: „Theorien über den Mehrwert.“ Band III,
S. 301, 302. E.
        <pb n="46" />
        Vorwort zur ersten Auflage

XLIIH
der er wie überall zu spät kommt. Das Pamphlet erschien 1821 und
antizipiert [nimmt vorweg] die Rodbertussche „Rente“ von 1842
bereits vollständig.

ITnser Pamphlet ist nur der äußere Vorposten einer ganzen Lite-
ratur, die in den zwanziger Jahren die Ricardosche Wert- und Mehr-
werttheorie im Interesse des Proletariats gegen die kapitalistische
Produktion kehrt, die Bourgeoisie mit ihren eigenen Waffen bekämpft.
Der ganze Owensche Kommunismus, soweit er ökonomisch-polemisch
auftritt, stützt sich auf Ricardo. Neben ihm aber noch eine ganze
Reihe von Schriftstellern, von denen Marx schon 1847 nur einige
zegen Proudhon („Misere de la Philosophie‘‘ S. 49) anführt: Edmonds,
Thompson, Hodgskin ete., ete. „und noch vier Seiten Etcetera“.15 Ich
reife aus dieser Unzahl von Schriften nur aufs Geratewohl eine her-
aus: „An Inquiry into the Principles of the Distribution of Wealth,
Most conducive to Human Happiness, by William Thompson; a new
edition. London 1850.‘ Diese 1822 verfaßte Schrift erschien zuerst
1824.18 Auch hier wird der von den nichtproduzierenden Klassen an-
geeignete Reichtum überall als Abzug vom Produkt des Arbeiters
bezeichnet, und das in ziemlich starken Ausdrücken. „Das bestän-
dige Streben dessen, was wir Gesellschafs nennen, bestand darin,
durch Betrug oder Beredung, durch Schrecken oder Zwang den pro-
duktiven Arbeiter zu bewegen, die Arbeit zu verrichten für den mög-
lichst kleinen Teil des Produkts seiner eigenen Arbeit.‘ (p. 28.) „,War-
um soll der Arbeiter nicht das ganze absolute Produkt seiner Arbeit
erhalten ?““ (p. 32.) „Diese Kompensation [Vergütung], die die Kapi-
balisten dem produktiven Arbeiter abnötigen unter dem Namen
Bodenrente oder Profit, wird beansprucht für den Gebrauch des
Bodens oder anderer Gegenstände. ... Da alle physischen Stoffe,
an denen oder vermittels derer der besitzlose produktive Arbeiter,
der nichts besitzt außer seiner Fähigkeit zu produzieren, diese seine
Produktionsfähigkeit geltend machen kann, im Besitz anderer sind,
deren Interessen den seinen entgegengesetzt und deren Einwilligung
eine Vorbedingung seiner Tätigkeit ist — hängt es da nicht ab, und
muß es nicht abhängen von der Gnade dieser Kapitalisten, welchen
Teil der Früchte seiner eigenen Arbeit sie ihm als Ent-
Schädigung für diese Arbeit wollen zukommen lassen? (p. 125.) ...
Im Verhältnis zur Größe des zurückbehaltenen Produkts, ob
Man dies Steuern, Profit oder Diebstahl nenne ... diese Defalka-
tionen [Abzüge]‘“ (p. 126) usw.

Ich gestehe, ich schreibe diese Zeilen nicht ohne eine gewisse
Beschämung. Daß die antikapitalistische englische Literatur der
Zwanziger und dreißiger Jahre in Deutschland so gänzlich unbekannt
ist, trotzdem Marx schon in der „Misere dela Philosophie“ direkt darauf
hingewiesen und manches davon — das Pamphlet von 1821, Raven-

1 Siehe Karl Marz: „Das Elend der Philosophie.‘“ 1885, 8.45. K.

4% In der Engelsschen Ausgabe steht 1827. K.
        <pb n="47" />
        XLIV

Vorwort zur ersten Auflage
stone, Hodgskin etec., — im ersten Band des „Kapital“ mehrfach zitiert,
das mag noch hingehen. Aber daß nicht nur der sich an Rodbertus’
Rockschöße mit Verzweiflung anklammernde Literatus vulgaris [der
Schriftsteller, der seine Aufgabe in der Verflachung wissenschaft-
licher Erkenntnisse erblickt], „der wirklich auch nichts gelernt hat‘‘,
sondern auch der Professor in Amt und Würden, der „sich mit Ge-
lehrsamkeit brüsten tut‘, seine klassische Oekonomie bis zu dem
Grad. vergessen hat, daß er Marx ernsthaft vorwirft, er habe Rod-
bertus Dinge entwendet, die schon in A. Smith und Ricardo zu lesen
stehen — das beweist, wie tief die offizielle Oekonomie heute herun ter-
gekommen ist.

Was hat dann aber Marx über den Mehrwert Neues gesagt? Wie
kommt es, daß Marx’ Mehrwertstheorie wie ein Blitz aus heiterem
Himmel eingeschlagen hat, und das in allen zivilisierten Ländern,
während die Theorien aller seiner sozialistischen Vorgänger, Rodber-
tus eingeschlossen, wirkungslos verpufften ?

Die Geschichte der Chemie kann uns das an einem Beispiel zeigen.

Noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts herrschte bekannt-
lich die phlogistische Theorie, wonach das Wesen jeder Verbrennung
darin bestand, daß sich von dem verbrennenden Körper ein anderer
hypothetischer [vorausgesetzter] Körper trenne, ein absoluter Brenn-
stoff, der mit dem Namen Phlogiston bezeichnet wurde. Diese Theorie
reichte hin, die meisten damals bekannten chemischen Erscheinungen
zuerklären, wenn auch in manchen Fällen nicht ohne Anwendung von
Gewalt. Nun stellte 1774 Priestley eine Luftart dar, „die er so rein
oder so frei von Phlogiston fand, daß gewöhnliche Luft im Vergleich
damit schon verdorben erschien“. Er nannte sie: dephlogistisierte
Luft. Kurz nachher stellte Scheele in Schweden dieselbe Luftart
dar und wies deren Vorhandensein in der Atmosphäre nach. Er
fand auch, daß sie verschwindet, wenn man einen Körper in ihr oder
in gewöhnlicher Luft verbrennt, und nannte sie daher Feuerluft. „Aus
diesen Ergebnissen zog er nun den Schluß, daß die Verbindung, die
bei der Vereinigung von Phlogiston mit einem der Bestandteile der

Luft (also bei der Verbrennung) entstehe, nichts weiter als Feuer
oder Wärme sei, welche durch das Glas entweichen.‘ 1?

Priestley wie Scheele hatten den Sauerstoff dargestellt, wußten
aber nicht, was sie unter der Hand hatten. Sie „blieben befangen
in den‘“ phlogistischen „Kategorien, wie sie sie vorfanden‘. Das
Element, das die ganze phlogistische Anschauung umstoßen und die
Chemie revolutionieren sollte, war in ihrer Hand mit Unfruchtbarkeit
geschlagen. Aber Priestley hatte seine Entdeckung gleich darauf in
Paris Lavoisier mitgeteilt, und Lavoisier untersuchte nun an der
Hand dieser neuen Tatsache die ganze phlogistische Chemie, ent-
deckte erst, daß die neue Luftart ein neues chemisches Element war.
. 17 Roscoe- Schorlemmer: Ausführliches Lehrbuch der Chemie. Braun.
schweig 1877, I, p. 13, 18.
        <pb n="48" />
        Vorwort zur ersten Auflage

XLV

daß in der Verbrennung nicht das geheimnisvolle Phlogiston aus dem
verbrennenden Körper weggeht, sondern dies neue Element sich
mit dem Körper verbindet, und stellte so die ganze Chemie, die in
ihrer phlogistischen Form auf dem Kopf gestanden, erst auf die Füße,
Und wenn er auch nicht, wie er später behauptet, den Sauerstoff
gleichzeitig mit den andern und unabhängig von ihnen dargestellt
hat, so bleibt er dennoch der eigentliche Entdecker des Sauerstoffs
gegenüber den beiden, die ihn bloß dargestellt haben, ohne auch
nur zu ahnen, was sie dargestellt hatten.

Wie Lavoisier zu Priestley und Scheele, so verhält sich Marx zu
seinen Vorgängern in der Mehrwertstheorie. Die Existenz des Pro-
duktenwertteils, den wir jetzt Mehrwert nennen, war festgestellt
lange vor Marx; ebenso war mit größerer oder geringerer Klarheit
ausgesprochen, woraus er besteht, nämlich aus dem Produkt der
Arbeit, für die der Aneigner kein Aequivalent gezahlt hat. Weiter
aber kam man nicht. Die einen — die klassischen bürgerlichen Oeko-
nomen — untersuchten höchstens das Größenverhältnis, worin das
Arbeitsprodukt verteilt wird zwischen dem Arbeiter und dem Be-
sitzer der Produktionsmittel. Die andern — die Sozialisten — fanden
diese Verteilung ungerecht und suchten nach utopistischen Mitteln,
die Ungerechtigkeit zu beseitigen. Beide blieben befangen in den
ökonomischen Kategorien, wie sie sie vorgefunden hatten.

Da trat Marx auf. Und zwar in direktem Gegensatz zu allen
seinen Vorgängern. Wo diese eine Lösung gesehen hatten, sah er
nur ein Problem. Er sah, daß hier weder dephlogistisierte Luft
vorlag noch Feuerluft, sondern Sauerstoff — daß es sich hier nicht
handelte, sei es um die bloße Konstatierung einer ökonomischen Tat-
sache, sei es um den Konflikt dieser Tatsache mit der ewigen Ge-
rechtigkeit und der wahren Moral, sondern um eine Tatsache, die
berufen war, die ganze Oekonomie umzuwälzen, und die für das Ver-
ständnis der gesamten kapitalistischen Produktion den Schlüssel bot
— für den, der ihn zu gebrauchen wußte. An der Hand dieser Tat-
sache untersuchte er die sämtlichen vorgefundenen Kategorien, wie
Lavoisier an der Hand des Sauerstoffs die vorgefundenen Kategorien
der phlogistischen Chemie untersucht hatte. Um zu wissen, was der
Mehrwert war, mußte er wissen, was der Wert war. Ricardos Wert-
theorie selbst mußte vor allem der Kritik unterworfen werden. Marx
also untersuchte die Arbeit auf ihre wertbildende Qualität und stellte
zum ersten Male fest, welche Arbeit und warum und wie sie Wert
bildet, und daß Wert überhaupt nichts ist als festgeronnene Arbeit
dieser Art — ein Punkt, den Rodbertus bis zuletzt nicht begriffen
hat. Marx untersuchte dann das Verhältnis von Ware und Geld
und wies nach, wie und warum, kraft der ihr innewohnenden Wert-
eigenschaft, die Ware und der Warenaustausch den Gegensatz von
Ware und Geld erzeugen muß; seine hierauf gegründete Geldtheorie
Ist die erste erschöpfende und jetzt stillschweigend allgemein akzep-
tierte fangenommenel. Er untersuchte die Verwandlung von Geld
        <pb n="49" />
        XLVI

Vorwort zur ersten Auflage
in Kapital und bewies, daß sie auf dem Kauf und Verkauf der Ar-
beitskraft beruhe. Indem er hier die Arbeitskraft, die wertschaffende
Eigenschaft, an die Stelle der Arbeit setzte, löste er mit einem Schlag
gine der Schwierigkeiten, an der die Ricardosche Schule zugrunde
gegangen war: die Unmöglichkeit, den gegenseitigen Austausch von
Kapital und Arbeit in Einklang zu bringen mit dem Ricardoschen
Gesetz der Wertbestimmung durch Arbeit. Indem er die Unter-
scheidung des Kapitals in konstantes und variables konstatierte
feststellte], kam er erst dahin, den Prozeß [Vorgang] der Mehrwert-
bildung in seinem wirklichen Hergang bis ins einzelnste darzustellen
und damit zu erklären — was keiner seiner Vorgänger fertig ge-
bracht; konstatierte er also einen Unterschied innerhalb des
Kapitals selbst, mit dem Rodbertus ebensowenig wie die bürger-
lichen Oekonomen imstande waren, das Geringste anzufangen, der
aber den Schlüssel zur Lösung der verwickeltsten ökonomischen
Probleme liefert, wovon hier wieder Buch II — und noch mehr,
wie sich zeigen wird, Buch III — der schlagendste Beweis.
Den Mehrwert selbst untersuchte er weiter, fand seine beiden
Formen: absoluter und relativer Mehrwert, und wies die verschiedene,
aber beidemal entscheidende Rolle nach, die sie in der geschicht-
lichen Entwicklung der kapitalistischen Produktion gespielt. Auf
Grundlage des Mehrwerts entwickelte er die erste rationelle [brauch-
bare] Theorie des Arbeitslohns, die wir haben, und gab zum ersten
Male die Grundzüge einer Geschichte der kapitalistischen Akkumula-
tion [Anhäufung von Kapital] und eine Darstellung ihrer geschicht-
lichen Tendenz.

Und Rodbertus? Nachdem er das alles gelesen, findet er darin
— wie immer Tendenzökonom! — einen „Einbruch in die Gesell-
schaft“, findet, daß er selbst bereits viel kürzer und klarer gesagt
hat, woraus der Mehrwert entsteht, und findet endlich, daß das alles
zwar auf die heutige „Kapitalform‘“ paßt, das heißt auf das Kapital,
wie es historisch besteht, nicht aber auf den „Kapitalbegriff‘‘, das
heißt die utopistische Vorstellung des Herrn Rodbertus vom Kapital.
Ganz der alte Priestley, der bis an sein Ende aufs Phlogiston
schwor und vom Sauerstoff nichts wissen wollte. Nur daß Priestley
den Sauerstoff wirklich zuerst dargestellt, während Rodbertus in
seinem Mehrwert oder vielmehr seiner „Rente‘ nur einen Gemein-
platz wieder entdeckt hatte, und daß Marx es verschmähte, im Gegen-
satz zu Lavoisiers Verfahren, zu behaupten, er sei der erste, der die
Tatsache der Existenz des Mehrwerts aufgedeckt.

Was Rodbertus sonst ökonomisch geleistet hat, steht auf dem-
selben Niveau [Höhe]. Seine Verarbeitung des Mehrwerts in eine Utopie
ist von Marx in der „Misöre de 1a Philosophie‘ schon unabsichtlich
mit kritisiert; was sonst noch darüber zu sagen, habe ich in der Vor-
rede zur deutschen Uebersetzung jener Schrift gesagt. Seine Erklä-
rung der Handelskrisen aus der Unterkonsumtion der Arbeiterklasse
findet sich bereits in Sismondis „Nouveaux Prineipes d’Eeconomie
        <pb n="50" />
        Vorwort zur ersten Auflage

XLVII
Politique‘, Buch IV, Kapitel IV.!® Nur daß Sismondi dabei stets den
Weltmarkt vor Augen hatte, während Rodbertus’ Horizont nicht
über die preußische Grenze hinausgeht. Seine Spekulationen darüber,
ob der Arbeitslohn aus Kapital oder Einkommen stamme, gehören
der Scholastik an und erledigen sich endgültig durch den dritten
Abschnitt dieses zweiten Buches des „Kapital‘‘. Seine Rententheorie
ist sein ausschließliches Eigentum geblieben und kann fortschlum-
mern, bis das sie kritisierende Manuskript von Marx erscheint. End-
lich seine Vorschläge zur Emanzipation [Befreiung] des altpreußi-
schen Grundbesitzes vom Druck des Kapitals sind wieder durchaus
utopistisch; sie vermeiden nämlich die einzige praktische Frage, um
die es sich dabei handelt — die Frage: Wie kann der altpreußische
Landjunker jahraus, jahrein sage 20000 Mark einnehmen und sage
30 000 Mark ausgeben, und doch keine Schulden machen ?

Die Ricardosche Schule scheiterte gegen 1830 am Mehrwert. Was
sie nicht lösen konnte, blieb erst recht unlösbar für ihre Nachfolgerin,
die Vulgärökonomie. Die beiden Punkte, an denen sie zugrunde ging,
waren diese:

1. Die Arbeit ist das Maß des Wertes. Nun hat aber die lebendige
Arbeit im Austausch mit dem Kapital einen geringeren Wert als die
vergegenständlichte Arbeit, gegen die sie ausgetauscht wird. Der
Arbeitslohn, der Wert eines bestimmten Quantums lebendiger Arbeit,
ist stets geringer als der Wert des Produkts, das von diesem selben
Quantum lebendiger Arbeit erzeugt wird, oder worin dieses sich dar-
stellt. Die Frage ist in dieser Fassung in der Tat unlöslich. Sie ist
von Marx richtig gestellt und damit beantwortet worden. Es ist
nicht die Arbeit, die einen Wert hat. Als wertschaffende Tätigkeit
kann sie ebensowenig einen. besonderen Wert haben, wie die Schwere
ein besonderes Gewicht, die Wärme eine besondere Temperatur, die
Elektrizität eine besondere Stromstärke. Es ist nicht die Arbeit,
die als Ware gekauft und verkauft wird, sondern die Arbeitskraft.
Sobald sie Ware wird, richtet sich ihr Wert nach der in ihr als eitem
gesellschaftlichen Produkt verkörperten Arbeit, ist er gleich der zu
ihrer Produktion und Reproduktion [Wiedererzeugung] gesellschaft-
lich nötigen Arbeit. Der Kauf und Verkauf der Arbeitskraft auf
Grund dieses ihres Wertes widerspricht also keineswegs dem
ökonomischen Wertgesetz.
18 „Durch die Konzentration der Reichtümer in den Händen einer kleinen
Zahl von Besitzern verengt sich der innere Markt immer mehr, und die In-
dustrie sieht sich immer mehr dazu genötigt ihre Absatzgebiete auf den
fremden Märkten zu suchen, wo sie von den stärksten Umwälzungen bedroht
werden. (Nämlich die Krise von 1817, die gleich darauf beschrieben wird.)
(Ainsi done, par la concentration des fortunes entre un petit nombre de
proprietaires, le marche interieur se resserre toujours plus, et l’industrie est
toujours plus reduite a chercher ses debouches dans les marches 6trangers,
oü de plus grandes r6volutions les menacent. [Engels schreibt statt
„menacent‘‘ „attendent‘‘. K.] „Nouveaux Principes‘‘, ed. 1819, I, p. 336.
        <pb n="51" />
        XLVIH

Vorwort zur ersten Auflage
2. Nach dem Ricardoschen Wertgesetz produzieren zwei Kapitale,
lie gleich viel und gleich hoch bezahlte lebendige Arbeit anwenden,
alle andern Umstände gleich gesetzt, in gleichen Zeiten Produkte
von gleichem Wert und ebenfalls Mehrwert oder Profit von gleicher
Höhe. Wenden sie aber ungleiche Mengen lebendiger Arbeit an, so
können sie nicht Mehrwert oder, wie die Ricardianer sagen, Profit
von gleicher Höhe produzieren. Nun ist aber das Gegenteil der Fall.
Tatsächlich produzieren gleiche Kapitale, einerlei wie viel oder wie
wenig lebendige Arbeit sie anwenden, in gleichen Zeiten durchschnitt-
lich gleiche Profite. Hier liegt also ein Widerspruch gegen das Wert-
gesetz vor, den schon Ricardo fand, und den seine Schule ebenfalls
zu lösen unfähig war. Auch Rodbertus konnte nicht umhin, diesen
Widerspruch zu sehen; statt ihn zu lösen, macht er ihn zu einem
ler Ausgangspunkte seiner Utopie. („Zur Erkenntnis unserer staats-
wirtschaftlichen Zustände‘, S. 131). Diesen Widerspruch hatte
Marx bereits im Manuskript „Zur Kritik‘ gelöst; die Lösung erfolgt
nach dem Plan des „Kapital“ in Buch III. Bis zu seiner Veröffent-
lichung werden noch Monate verstreichen. Die Oekonomen also, die
in Rodbertus die geheime Quelle und einen überlegenen Vorgänger
von Marx entdecken wollen, haben hier eine Gelegenheit zu zeigen,
was die Rodbertussche Oekonomie leisten kann. Wenn sie nach-
weisen, wie nicht nur ohne Verletzung des Wertgesetzes, sondern viel-
mehr auf Grundlage desselben eine gleiche Durchschnittsprofitrate
sich bilden kann und muß, dann wollen wir weiter miteinander
sprechen. Inzwischen mögen sie sich gefälligst beeilen. Die brillanten
glänzenden] Untersuchungen dieses Buch II und ihre ganz neuen
Ergebnisse auf bisher unbetretenen Gebieten sind nur Vordersätze
zum Inhalt des Buch III, das die Schlußergebnisse der Marxschen
Darstellung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses auf kapi-
balistischer Grundlage entwickelt. Wenn dieses Buch III erschienen,
wird von einem Oekonomen Rodbertus wenig mehr die Rede sein.

Das zweite und dritte Buch des „Kapital“ sollte, wie Marx mir
öfters sagte. seiner Frau gewidmet werden.
London, an Marx’ Geburtstag, 5. Mai 1885.
Friedrich Engels.
        <pb n="52" />
        Vorwort zur zweiten Auflage.

Die vorliegende zweite Auflage ist der Hauptsache nach ein wort-
getreuer Abdruck der ersten. Die Druckfehler sind verbessert, einige
stilistische Nachlässigkeiten beseitigt, einige kurze, nur Wiederholun-
gen enthaltende Absätze gestrichen worden.

Das dritte Buch, das ganz unerwartete Schwierigkeiten gemacht
hat, ist nun auch beinahe im Manuskript fertiggestellt. Bleibe ich
gesund, dann kann der Druck noch diesen Herbst beginnen.
London, 15. Juli 1893.

F. Engels.

Der bequemeren Uebersicht wegen folgt hier eine kurze Zusam-
menstellung der den einzelnen Manuskripten IL—VIII entlehnten
Stellen.
Erster Abschnitt.

Seite 3 aus Manuskript II. — Seite 4—14, Manuskript VII. —
Seite 14—17, Manuskript VI. — Seite 17—83, Manuskript V. —
Seite 83—86 Note, unter Bücherauszügen gefunden. — Seite 86 bis
Schluß, Manuskript IV; jedoch eingesprengt: Seite 93—94, Stelle
aus Manuskript VIII; Seite 98 und 104, Noten aus Manuskript II.

Zweiter Abschnitt.
Anfang, Seite 115—123, ist Schluß von Manuskript IV. — Von
hier an bis Schluß des Abschnittes Seite 295 alles aus Manuskript II.

Dritter Abschnitt.

Kapitel 18: (Seite 296—303) aus Manuskript II.

Kapitel 19: I und IT (Seite 303—331) aus Manuskript VIIL. —
III (Seite 331-—333) aus Manuskript II.

Kapitel 20: I (Seite 333—336) aus Manuskript II, nur der Schluß-
Absatz aus Manuskript VIII. — II (Seite 336-—339) im wesentlichen
aus Manuskript II. — III, IV, V (Seite 339—359) aus Manuskript
VIII. — VI, VII, VII, IX (Seite 360—373) aus Manuskript IL. —
X, XI, XII (Seite 374—411) aus Manuskript VIII. — XII (Seite
111—420) aus Manuskript II.

Kapitel 21: (Seite 420-—450) ganz aus Manuskript VIII.

Das Kapital. IL.
        <pb n="53" />
        <pb n="54" />
        Zweites Buch.

Der Zirkulationsprozeß des Kapitals.
        <pb n="55" />
        <pb n="56" />
        Erster Abschnitt,
Die
Metamorphosen [Verwandlungen]
des Kapitals und ihr Kreislauf.

Erstes Kapitel.
Der Kreislauf des Geldkapitals.

Der Kreislaufprozeß * des Kapitals!* geht vor sich in drei Stadien
[Abschnitten], die, nach der Darstellung des ersten Bandes, folgende
Reihe bilden:

ı Aus Manuskript II. F. E.

1% Ueber das Wort „Prozeß‘ vergleiche die Marxsche Bemerkung in
Buch I des „Kapital‘‘, V. S. 134, Fußnote.

Was die Bezeichnungen „Zirkulation“ und „Kreislauf‘“ anlangt, so be-
deuten sie beide, wörtlich genommen, dasselbe: eine Bewegung, die zu ihrem
Ausgangspunkt zurückkehrt. Marx unterscheidet jedoch in der Regel zwischen
Kreislauf und Zirkulation. So sagt er in Buch I, Kapitel III, 2a, 2. Aufl., S, 91,
V.8.71: „Der Kreislauf, den die Metamorphosenreihe jeder Ware [ihre Ver-
wandlung aus Warenform in Geldform und umgekehrt] beschreibt, verschlingt
Sich unentwirrbar mit den Kreisläufen anderer Waren. Der Gesamtprozeß
stellt sich dar als Warenzirkulation.‘“ Hier bezeichnet also der Kreislauf
einen einmaligen Vorgang, die Zirkulation die Gesamtheit dieser Vorgänge,

Im vorliegenden Buche ist jedoch der Unterschied zwischen Kreislauf
und Zirkulation anders gefaßt. Marx unterscheidet hier zwischen dem Kreis-
lauf des (industriellen) Kapitals und der Zirkulation der Waren. Diese be-
zeichnet hier die „Metamorphosenreihe‘ jeder Ware, der Kreislauf des Kapi-
tals dagegen umfaßt neben der Zirkulation auch die Produktion, wie im
Text ausgeführt wird. In späteren Partien dieses Buches wird für das Wort
„Zirkulation“ auch das Wort „Umlauf“ gebraucht.

Einen ganz andern Sinn hat das letztere Wort in Buch I des „Kapital“.
Marx selbst weist an einer Stelle des vorliegenden Buches darauf hin, in
Kapitel XVII, I, S. 288, wo er sagt: „Der Kreislauf des Geldes ist ....
ein ganz verschiedenes, ja selbst entgegengesetztes Phänomen zum Umlauf
des Geldes, der seine stete Entfernung vom Ausgangspunkt durch eine
Reihe von Händen ausdrückt.“ (Buch I, 2. Auflage, S. 94, V. S. 74.)

Wäre es Marx vergönnt gewesen, den zweiten und. dritten Band seines
Lebenswerkes selbst fertigzustellen, dann hätte er wohl völlige Einheitlichkeit
der Begriffsbezeichnungen hergestellt, Der aufmerksame Leser wird indes
durch stellenweisen Wechsel in der Bezeichnung des gleichen Begriffs sowie
durch gelegentliche Bezeichnung verschiedener Vorgänge mit dem gleichen
Worte nicht beirrt werden im Verständnis der klargelegrten Zusammenhänge. K.
        <pb n="57" />
        Erster Abschnitt

Erstes Stadium: Der Kapitalist erscheint auf dem Warenmarkt
und Arbeitsmarkt als Käufer; sein Geld wird in Ware umgesetzt
oder macht den Zirkulationsakt G —W durch.

Zweites Stadium: Produktive Konsumtion der gekauften Wa-
ren durch den Kapitalisten. Er wirkt als kapitalistischer Waren-
produzent; sein Kapital macht den Produktionsprozeß durch. Das
Resultat ist: Ware von mehr Wert als dem ihrer Produktionselemente.

Drittes Stadium: Der Kapitalist kehrt zum Markt zurück als
Verkäufer; seine Ware wird in Geld umgesetzt oder macht den Zir-
gulationsakt W— G durch.

Die Formel für den Kreislauf des Geldkapitals ist also:

G—W...P...W'— &amp;, wo die Punkte andeuten, daß der Zirku-
lationsprozeß unterbrochen ist, und W’ wie G’ ein durch Mehrwert
vermehrtes W und G bezeichnen.

Das erste und dritte Stadium wurden im ersten Buch nur erörtert,
soweit dies nötig für das Verständnis des zweiten Stadiums, den
Produktionsprozeß des Kapitals. Die verschiedenen Formen, worin
das Kapital in seinen verschiedenen Stadien sich kleidet und die es
bei wiederholtem Kreislauf bald annimmt, bald abstreift, blieben da-

her unberücksichtigt. Sie bilden jetzt den nächsten Gegenstand. der
Untersuchung.

Um die Formen rein aufzufassen, ist zunächst von allen Momenten
[Umständen] zu abstrahieren [abzusehen], die mit dem Formwechsel
und der Formbildung als solchen nichts zu tun haben. Daher wird
hier angenommen, nicht nur, daß die Waren zu ihren Werten ver-
kauft werden, sondern auch, daß dies unter gleichbleibenden. Um-
ständen geschieht. Es wird also auch abgesehen von den Wert-
veränderungen, die während des Kreislaufprozesses eintreten können.
I. Erstes Stadium: G—W?

G —W stellt den Umsatz einer Geldsumme in eine Summe von
Waren dar; für den Käufer Verwandlung seines Geldes in Ware, für
die Verkäufer Verwandlung ihrer Waren in Geld. Was aus diesem
Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation zugleich einen funktionell
[in seiner Funktion, seiner Wirksamkeit] bestimmten Abschnitt im
selbständigen Kreislauf eines individuellen Kapitals macht, ist zu-
nächst nicht die Form des Vorgangs, sondern sein stofflicher Gehalt,
der spezifische [besondere] Gebrauchscharakter der Waren, welche den
Platz mit dem Gelde wechseln. Es sind einerseits Produktionsmittel,
anderseits Arbeitskraft, sachliche und persönliche Faktoren der
Warenproduktion, deren besondere Art natürlich der Sorte des her-
zustellenden Artikels entsprechen muß. Nennen wir die Arbeitskraft
A, die Produktionsmittel Pm, so ist die zu kaufende Warensumme
[gleich dem Werte der Arbeitskraft A, vermehrt um den Wert
der Produktionsmittel Pm, anders ausgedrückt:] W== A + Pm, oder
* Von hier an Manuskript VII, angefangen 2. Juli 1878. F.E.
        <pb n="58" />
        Erstes Kapitel
kürzer W{p,.2 G —W, seinem Inhalt nach betrachtet, stellt sich also
dar als G—W{{A; das heißt, G—W zerfällt in G— A und G— Pm;
die Geldsumme G spaltet sich in zwei Teile, wovon der eine Arbeits-
kraft, der andere Produktionsmittel kauft. Diese beiden Reihen von
Käufen gehören ganz und gar verschiedenen Märkten an, die eine
dem eigentlichen Warenmarkt, die andere dem Arbeitsmarkt.

Außer dieser qualitativen Spaltung [Spaltung nach der Beschaf-
fenheit] der Warensumme, worin G umgesetzt wird, stellt 6 — W4{,
aber noch ein höchst charakteristisches quantitatives [mengenmäßi-
ges] Verhältnis dar.

Wir wissen, daß der Wert respektive Preis der Arbeitskraft ihrem
Inhaber, der sie als Ware feilhält, in der Form von Arbeitslohn be-
zahlt wird, das heißt als Preis einer Arbeitssumme, die Mehrarbeit
enthält; so daß, wenn zum Beispiel der Tageswert der Arbeitskraft
gleich ist 3 Mark, dem Produkt fünfstündiger Arbeit, diese Summe in
dem Kontrakt [der Vereinbaruug] zwischen Käufer und Verkäufer
figuriert [sich darstellt] als der Preis oder Lohn, sage für zehn-
stündige Arbeit. Wurde ein solcher Kontrakt zum Beispiel mit
50 Arbeitern geschlossen, so haben sie zusammen dem Käufer während
eines Tages 500 Arbeitsstunden zu liefern, wovon die Hälfte, 250 Arbeits-
stunden gleich 25 zehnstündigen Arbeitstagen, bloß aus Mehrarbeit
besteht. Quantum [Menge] wie Umfang der zukaufenden Produktions-
mittel müssen hinreichen zur Anwendung dieser Arbeitsmasse.

G—W{4, drückt also nicht nur das qualitative Verhältnis aus,
daß eine bestimmte Geldsumme, zum Beispiel 422 Pfad. Sterl.,
in einander entsprechende Produktionsmittel und Arbeitskraft um-
gesetzt wird, sondern auch ein quantitatives Verhältnis zwischen den
in Arbeitskraft A und den in Produktionsmitteln Pm ausgelegten
Teilen des Geldes, ein Verhältnis, von vornherein bestimmt durch
die Summe der von einer bestimmten Arbeiterzahl zu verausgahenden
überschüssigen Mehrarbeit.

Wenn also zum Beispiel in einer Spinnerei der Wochenlohn der
50 Arbeiter 50 Pfd. Sterl. beträgt, müssen 372 Pfd. Sterl. in Produktions-
mitteln verausgabt werden, falls dies der Wert der Produktions-
mittel, welche die Wochenarbeit von 3000 Stunden, wovon 1500 Stunden
Mehrarbeit, in Garn verwandelt.

Wie weit in verschiedenen Industriezweigen die Anwendung zu-
schüssiger Arbeit einen Wertzuschuß in der Form von Produktions:
mitteln bedingt, ist hier ganz gleichgültig. Es handelt sich nur dar-
um, daß unter allen Umständen der in Produktionsmitteln veraus-
gabte Teil des Geldes — die in G— Pm gekauften Produktions:

2 Marx schreibt W&lt;A,. Wir ziehen die Bezeichnung W{pi, vor, da
WC in der mathematischen Zeichensprache besagt, daß W kleiner ist
als A, vermehrt um Pm. Die Tatsache, daß in W sowohl A wie Pm zusammen.
gefaßt sind, wird durch das Zeichen { unzweideutiger dargestellt werden
als durch das Zeichen &lt;. K.
        <pb n="59" />
        Erster Abschnitt
mittel — hinreichen, also von vornherein darauf berechnet, in ent-
sprechender Proportion [Verhältnis] beschafft sein müssen. Oder die
Masse der Produktionsmittel muß hinreichen, um die Arbeitsmasse
zu absorbieren [aufzusaugen], um durch sie in Produkt verwandelt
zu werden. Wären nicht hinreichend Produktionsmittel vorhanden,
so wäre die überschüssige Arbeit, über die der Käufer verfügt, nicht
verwendbar; sein Verfügungsrecht darüber führte zu nichts. Wären
mehr Produktionsmittel vorhanden als verfügbare Arbeit, so blieben
sie ungesättigt mit Arbeit, würden nicht in Produkt verwandelt.
Sobald G—W{ vollzogen, verfügt der Käufer nicht nur über
die zur Produktion eines nützlichen Artikels nötigen Produktions-
mittel und Arbeitskraft. Er verfügt über eine größere Flüssigmachung
der Arbeitskraft oder größeres Quantum Arbeit, als zum Ersatz des
Wertes der Arbeitskraft nötig, und zugleich über die Produktions-
mittel, erheischt zur Verwirklichung oder Vergegenständlichung die-
ser Arbeitssumme: er verfügt also über die Faktoren der Produktion
von. Artikeln von größerem Wert als dem ihrer Produktionselemente
oder [über die Faktoren der Produktion] einer Mehrwert enthalten-
den Warenmasse. Der von ihm in Geldform vorgeschossene Wert
befindet sich also jetzt in einer Naturalform [Form von Produkten],
worin er als Mehrwert (in Gestalt von Waren) heckender Wert ver-
wirklicht werden kann. In andern Worten: er befindet sich in dem
Zustand oder der Form von produktivem Kapital, welches die
Fähigkeit hat, als Wert und Mehrwert schaffend zu fungieren.
Kapital in dieser Form heiße P.

Der Wert von P ist aber gleich Wert von A plus Pm, gleich dem in
A und Pm umgesetzten G. G ist derselbe Kapitalwert wie P, nur
in. verschiedener Existenzweise, nämlich Kapitalwert in Geldzustand
oder Geldfiorm — Geldkapital.

G—W{phns Oder seiner allgemeinen Form nach G—W, Summe
von Warenkäufen, dieser Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation
ist daher zugleich, als Stadium im Selbständigen Kreislaufprozeß des
Kapitals, Verwandlung des Kapitalwerts aus seiner Geldform in seine
produktive Form, oder kürzer Verwandlung von Geldkapital in
produktives Kapital. In der hier zunächst betrachteten Figur
des Kreislaufs erscheint also Geld als der erste Träger des Kapital-
werts, daher Geldkapital als die Form, worin das Kapital vorge-
schossen wird.

Als Geldkapital befindet es sich in einem Zustand, worin es Geld-
funktionen vollziehen kann, wie im vorliegenden Fall die Funktionen
des allgemeinen Kaufmittels und des allgemeinen Zahlungsmittels. 2%
(Letzteres, sofern die Arbeitskraft zwar zuerst gekauft, aber erst ge-
zahlt wird, nachdem sie gewirkt hat. Soweit die Produktionsmittel
nicht fertig auf dem Markt vorhanden, sondern erst zu bestellen sind.

2b Vgl. Buch I, 2. Auflage, S. 94-95, (V 74-75) und ‘2, Auflage, 8.
117-124, (V 94.100), K.
        <pb n="60" />
        Erstes Kapitel

7

wirkt das Geld bei G— Pm ebenfalls als Zahlungsmittel.) Diese Fähig-
keit entspringt nicht daraus, daß das Geldkapital Kapital, sondern
daraus, daß es Geld ist. *

Anderseits kann der Kapitalwert im Geldzustand auch nur Geld-
funktionen und keine andern verrichten. Was diese letzteren zu
Kapitalfunktionen macht, ist ihre bestimmte Rolle in der Bewegung
des Kapitals, daher auch der Zusammenhang des Stadiums, worin
sie erscheinen, mit den andern Stadien seines Kreislaufs. Zum Bei-
spiel im Fall, der uns zunächst vorliegt, wird Geld umgesetzt in
Waren, deren Verbindung die Naturalform des produktiven Kapitals
bildet, die also latent, der Möglichkeit nach, bereits das Resultat des
kapitalistischen Produktionsprozesses in sich birgt.

Ein Teil des Geldes, das in G — W{, die Funktion von Geld-
kapital verrichtet, geht durch die Vollziehung dieser Zirkulation
selbst in eine Funktion über, worin sein Kapitalcharakter verschwin-
det und sein Geldcharakter bleibt. Die Zirkulation des Geldkapitals
G zerfällt in G — Pm und G — A, Kauf von Produktionsmitteln und
Kauf von Arbeitskraft. Betrachten wir den letzteren Vorgang für sich.
G — A ist Kauf von Arbeitskraft seitens des Kapitalisten; es ist Ver-
kauf der Arbeitskraft — wir können hier sagen der Arbeit, da die
Form des Arbeitslohnes vorausgesetzt — von seiten des Arbeiters,
des Inhabers der Arbeitskraft. Was für den Käufer G—W (gleich
G— A), ist hier, wie bei jedem Kauf, für den Verkäufer (den Arbeiter)
A — G (gleich W— G), Verkauf seiner Arbeitskraft, Dies ist das erste
Zirkulationsstadium oder die erste Metamorphose der Ware (Buch I,
Kapitel III, 2a); es ist, seitens des Verkäufers der Arbeit, Verwand-
lung seiner Ware in ihre Geldfiorm. Das so erhaltene Geld veraus-
gabt der Arbeiter nach und nach in einer Summe von Waren, die
seine Bedürfnisse befriedigen, in Konsumtionsartikeln. Die Gesamt-
Zirkulation seiner Ware stellt sich also dar als A—G-—W, das heißt
erstens A —G (gleich W— G) und zweitens G—W, also in der allge-
Meinen Form der einfachen Warenzirkulation W— G —W, wo das
Geld als bloßes verschwindendes Zirkulationsmittel, als bloßer Ver-
Mittler des Umsatzes von Ware gegen Ware figuriert.

G— A ist das charakteristische Moment der Verwandlung von
Geldkapital in produktives Kapital, weil es die wesentliche Bedin-
gung, damit der in Geldform vorgeschossene Wert sich wirklich in
Kapital, in Mehrwert produzierenden Wert verwandle. G — Pm ist
nur notwendig, um die durch G — A gekaufte Arbeitsmasse zu reali-
Sleren [anzuwenden oder zu verwerten]. G—A wurde daher von
diesem Gesichtspunkt aus dargestellt in Buch I, Abschnitt II, Ver-
wandlung von Geld in Kapital. Die Sache ist hier noch von einem
andern Gesichtspunkt aus zu betrachten, mit speziellem Bezug auf
das Geldkapital als Erscheinungsform des Kapitals,

G-— A wird allgemein als charakteristisch angesehen für die
kapitalistische Produktionsweise. Aber keineswegs aus dem ange-
gebenen Grund, weil der Kauf der Arbeitskraft ein Kaufkontrakt ist,
        <pb n="61" />
        Erster Abschnitt
worin die Lieferung eines größeren Quantums Arbeit bedungen wird,
als zum Ersatz des Preises der Arbeitskraft, des Arbeitslohnes, nötig
ist; also Lieferung von Mehrarbeit, die Grandbedingung für die Kapi-
balisation des vorgeschossenen Wertes [seine Verwandlung in Kapital],
oder was dasselbe, für Produktion von Mehrwert. Sondern vielmehr
seiner Form halber, weil in der Form des Arbeitslohnes mit Geld
Arbeit gekauft wird, und dies gilt als Merkmal der Geldwirtschaft.

Hier ist es wieder nicht das Irrationelle [Vernunftwidrige, Wider-
spruchsvolle] der Form, das für charakteristisch gilt. Dies Irrationelle
wird vielmehr übersehen. Das Irrationelle besteht darin, daß die
Arbeit als wertbildendes Element selbst keinen Wert besitzen, also
auch ein bestimmtes Quantum Arbeit keinen Wert haben kann,
der sich in ihrem Preise ausdrückt, in ihrer Aequivalenz [Gleich-
wertigkeit] mit einem bestimmten Quantum Geld. Aber wir wissen,
daß der Arbeitslohn bloß eine verkleidete Form ist, eine Form,
worin zum Beispiel der Tagespreis der Arbeitskraft sich als Preis
der während eines Tages von dieser Arbeitskraft flüssig gemachten
Arbeit darstellt, so daß also etwa der in 6 Stunden Arbeit von
dieser Arbeitskraft produzierte Wert als Wert ihrer zwölfstündigen
Funktion oder Arbeit ausgedrückt wird.

G — A gilt als das Charakteristische, als die Signatur [das Kenn-
zeichen] der sogenannten Geldwirtschaft, weil die Arbeit hier als
Ware ihres Besitzers erscheint, das Geld daher als Käufer — also
wegen des Geldverhältnisses (das heißt Kauf und Verkauf von
menschlicher Tätigkeit). Nun aber erscheint das Geld schon sehr früh
als Käufer sogenannter Dienste, ohne daß G sich in Geldkapital ver-
wandelte oder der allgemeine Charakter der Wirtschaft umgewälzt
würde.

Dem Geld ist es durchaus gleichgültig, in welche Sorte von
Waren es verwandelt wird. Es ist die allgemeine Aequivalentform
aller Waren, die in ihren Preisen schon zeigen, daß sie ideell [in der
Vorstellung] eine bestimmte Geldsumme darstellen, ihre Verwand-
lung in Geld erwarten, und nur durch ihren Stellenwechsel mit Geld
die Form erhalten, worin sie in Gebrauchswerte für ihre Besitzer um-
setzbar sind. Findet sich also auf dem Markt die Arbeitskraft einmal
als Ware ihres Besitzers vor, deren Verkauf unter der Form der
Zahlung für Arbeit geschieht, in Gestalt des Arbeitslohnes, so stellt
ihr Kauf und Verkauf nichts Auffallenderes dar als der Kauf und
Verkauf jeder andern Ware. Nicht, daß die Ware Arbeitskraft käuf-
lich ist, sondern daß die Arbeitskraft als Ware erscheint, ist das
Charakteristische.

Durch G —W{p die Verwandlung von Geldkapital in produk-
tives Kapital, bewirkt der Kapitalist die Verbindung der gegen-
ständlichen und persönlichen Faktoren der Produktion, soweit diese
Faktoren aus Waren bestehen. Wird Geld zum erstenmal in produk-
tives Kapital verwandelt, oder fungiert es für seinen Besitzer zum
erstenmal als Geldkapital, so muß er erst die Produktionsmittel
        <pb n="62" />
        Erstes Kapitel

Q
kaufen, Arbeitsgebäude, Maschinen etc., ehe er die Arbeitskraft
kauft; denn sobald letztere in seine Botmäßigkeit übergeht, müssen
die Produktionsmittel da sein, um sie als Arbeitskraft anwenden zu
können.

So stellt sich die Sache von seiten des Kapitalisten dar.

Von seiten des Arbeiters : Die produktive Betätigung seinerArbeits-
kraft wird erst möglich von dem Augenblick, wo sie infolge ihres
Verkaufs in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt wird.
Sie existiert also vor dem Verkauf getrennt von den Produk-
tionsmitteln, von den gegenständlichen Bedingungen ihrer Betäti-
gung. In diesem Zustand der Trennung kann sie weder direkt ver-
wandt werden zur Produktion von Gebrauchswerten für ihren
Besitzer noch zur Produktion von Waren, von deren Verkauf dieser
leben könnte. Sobald sie aber durch ihren Verkauf in Verbindung
mit den Produktionsmitteln gesetzt ist, bildet sie einen Bestandteil
des produktiven Kapitals ihres Käufers, ebensogut wie die Produk-
tionsmittel.

Obgleich daher in dem Akt G — A Geldbesitzer und Arbeits-
kraftbesitzer sich nur als Käufer und Verkäufer zueinander ver-
halten, als Geldbesitzer und Warenbesitzer einander gegenübertreten,
sich also nach dieser Seite hin in bloßem Geldverhältnis zueinander
befinden — 80 tritt doch der Käufer von vornherein zugleich als
Besitzer der Produktionsmittel auf, welche die gegenständlichen Be-
dingungen der produktiven Verausgabung der Arbeitskraft durch
ihren Besitzer bilden. Mit andern Worten: diese Produktionsmittel
treten dem Besitzer der Arbeitskraft gegenüber als fremdes Eigentum.
Anderseits steht der Verkäufer der Arbeit ihrem Käufer gegenüber
als fremde Arbeitskraft, die in seine Botmäßigkeit übergehen, seinem
Kapital einverleibt werden muß, damit dies wirklich als produktives
Kapital sich betätige. Das Klassenverhältnis zwischen Kapitalist
and Lohnarbeiter ist also schon vorhanden, schon vorausgesetzt, in
dem Augenblick, wo beide in dem Akt G— A (A — G von seiten
des Arbeiters) sich gegenübertreten. Es ist Kauf und Verkauf, Geld-
verhältnis, aber ein Kauf und Verkauf, wo der Käufer als Kapitalist
und der Verkäufer als Lohnarbeiter vorausgesetzt wird, und dies
Verhältnis ist damit gegeben, daß die Bedingungen zur Verwirk-
lichung der Arbeitskraft — Lebensmittel und Produktionsmittel —
FO sind als fremdes Eigentum von dem Besitzer der Arbeits-

raft.

Wie diese Trennung entsteht, beschäftigt uns hier nicht. Sie
existiert, sobald G— A vollzogen wird. Was uns hier interessiert, ist:
Wenn G — A als eine Funktion des Geldkapitals erscheint oder Geld
hier als Existenzform des Kapitals, so keineswegs bloß, weil das Geld
hier auftritt als Zahlungsmittel für eine menschliche Tätigkeit, die
einen Nutzeffekt hat, für einen Dienst; also keineswegs durch die
Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Das Geld kann in dieser Form
nur verausgabt werden, weil die Arbeitskraft im Zustand der Trennung
        <pb n="63" />
        10

Erster Abschnitt
von ihren Produktionsmitteln (einschließlich der Lebensmittel als
Produktionsmittel der Arbeitskraft selbst) sich befindet, und weil
diese Trennung nur dadurch aufgehoben wird, daß die Arbeitskraft
an den Inhaber der Produktionsmittel verkauft wird; daß also auch
die Flüssigmachung der Arbeitskraft, deren Grenzen keineswegs mit
den Grenzen der zur Reproduktion [wiederholten Produktion] ihres
eigenen Preises nötigen Arbeitsmasse zusammenfallen, dem Käufer
gehört. Das Kapitalverhältnis während des Produktionsprozesses
kommt nur heraus, weil es an sich im Zirkulationsakt existiert, in
den unterschiedenen ökonomischen Grundbedingungen, worin Käu-
fer und Verkäufer sich gegenübertreten, in ihrem Klassenverhältnis.
Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur das Verhältnis gegeben ist;
es ist vielmehr das Dasein dieses Verhältnisses, das eine bloße Geld-
funktion in eine Kapitalfunktion verwandeln kann.

Bei Auffassung des Geldkapitals (wir haben mit diesem einst-
weilen nur zu tun innerhalb der bestimmten Funktion, in der es uns
hier gegenübertritt) laufen gewöhnlich zwei Irrtümer neben- oder
durcheinander, Erstens: Die Funktionen, die der Kapitalwert als
Geldkapital verrichtet, und die er eben verrichten kann, weil er sich
in Geldform befindet, werden irrtümlich aus seinem Kapitalcharakter
abgeleitet, während sie nur dem Geldzustand des Kapitalwerts
geschuldet sind, seiner Erscheinungsform als Geld. Und zweitens
umgekehrt: Der spezifische Gehalt der Geldfunktion, der sie zugleich
zu einer Kapitalfunktion macht, wird aus der Natur des Geldes
hergeleitet (Geld daher mit Kapital verwechselt), während sie gesell-
schaftliche Bedingungen voraussetzt, wie hier in Vollziehung von
G— A, die in bloßer Waren- und entsprechender Geldzirkulation
keineswegs gegeben sind.

Auch der Kauf und Verkauf von Sklaven ist seiner Form nach
Warenkauf und -verkauf. Ohne Existenz der Sklaverei kann Geld
aber nicht diese Funktion vollziehen. Ist Sklaverei da, so kann Geld
im Ankauf von Sklaven ausgelegt werden. Umgekehrt reicht Geld in
der Hand des Käufers keineswegs hin, um Sklaverei zu ermöglichen.

Daß der Verkauf der eigenen Arbeitskraft (in der Form des Ver-
kaufs der eigenen Arbeit oder des Arbeitslohnes) nicht als isolierte
[vereinzelte] Erscheinung, sondern als gesellschaftlich maßgebende
Voraussetzung der Produktion von Waren sich darstelle, daß also
das Geldkapital auf gesellschaftlicher Stufenleiter die hier betrachtete
Funktion G — W{p vollziehe — dies unterstellt historische Prozesse,
durch welche die ursprüngliche Verbindung der Produktionsmittel
mit der Arbeitskraft aufgelöst wurde; Prozesse, infolge deren die
Masse des Volkes, die Arbeiter, als Nichteigentümer und die Nicht-
arbeiter als Eigentümer dieser Produktionsmittel sich gegenüber-
stehen. Wobei es nichts zur Sache tut, ob die Verbindung vor ihrer
Zersetzung die Form besaß, daß der Arbeiter selbst als Produktions-
mittel zu den andern Produktionsmitteln gehörte, oder ob er deren
Eigner war.
        <pb n="64" />
        Erstes Kapitel

11
Der Tatbestand, der hier also dem Akt G— W{A, zugrunde
liegt, ist die Verteilung; nicht die Verteilung im gewöhnlichen Sinn
als Verteilung der Konsumtionsmittel, sondern die Verteilung der
Elemente der Produktion selbst, von denen die gegenständlichen
Faktoren auf der einen Seite konzentriert [vereinigt] sind, die Arbeits-
kraft davon isoliert [gesondert] auf der andern.

Die Produktionsmittel, der gegenständliche Teil des produktiven
Kapitals, müssen also dem Arbeiter schon als solche, als Kapital
gegenüberstehen, bevor der Akt G — A ein allgemein gesellschaft-
licher Akt werden kann.

Wir haben früher gesehen, daß die kapitalistische Produktion,
einmal etabliert [begründet], in ihrer Entwicklung nicht nur diese
Trennung reproduziert, sondern sie auf stets größeren Umfang er-
weitert, bis sie der allgemein herrschende gesellschaftliche Zustand
geworden. Die Sache bietet aber noch eine andere Seite dar. Damit
das Kapital sich bilden und sich der Produktion bemächtigen kann,
ist eine gewisse Entwicklungsstufe des Handels vorausgesetzt, also
auch der Warenzirkulation und damit der Warenproduktion; denn
es können nicht Artikel als Waren in die Zirkulation eingehen, sofern
sie‘ nicht für den Verkauf, also als Waren, produziert werden. Als
normaler, herrschender Charakter der Produktion erscheint die
Warenproduktion aber erst auf Grundlage der kapitalistischen
Produktion.

Die russischen Grundeigentümer, die infolge der sogenannten
Bauernemanzipation [Bauernbefreiung] ihre Landwirtschaft jetzt mit
Lohnarbeitern statt mit leibeigenen Zwangsarbeitern betreiben,
klagen über zweierlei: Erstens über Mangel an Geldkapital. So heißt
es zum Beispiel: Bevor man die Ernte verkauft, habe man Lohn-
arbeitern. in größerem Umfang zu zahlen, und da fehle es an der
ersten Bedingung, an Barem. Kapital in der Form von Geld muß
gerade zur Zahlung des Arbeitslohnes beständig vorhanden sein, um
die Produktion kapitalistisch zu betreiben. Doch darüber mögen
sich die Grundbesitzer trösten. Mit der Zeit pflückt man Rosen und
verfügt der industrielle Kapitalist nicht nur über sein eigenes Geld,
sondern auch über l’argent des autres [das Geld der andern].

Charakteristischer aber ist die zweite Klage, nämlich: daß, wenn
man auch Geld habe, man nicht in hinreichendem Umfang und zu
beliebiger Zeit die zu kaufenden Arbeitskräfte disponibel [verfügbar]
finde, indem der russische Landarbeiter infolge des Gemeineigentums
der Dorfgemeinde an Grund und Boden noch nicht völlig von seinen
Produktionsmitteln getrennt, daher noch kein „freier Lohnarbeiter‘“
im vollen Sinne des Wortes ist. Aber das Vorhandensein des letzteren
auf gesellschaftlicher Stufenleiter ist unerläßliche Bedingung, damit
G — W, Verwandlung von Geld in Ware, als Verwandlung von Geld.
kapital in produktives Kapital, darstellbar sei.

Es versteht sich daher von selbst, daß die Formel für den Kreis-
lauf des Geldkapitals: G — W...P...W’— G’ selbstverständliche
        <pb n="65" />
        L2

Erster Abschnitt
Form des Kapitalkreislaufs nur auf Grundlage schon entwickelter
kapitalistischer Produktion ist, weil sie das Vorhandensein der Lohn-
arbeiterklasse auf gesellschaftlicher Stufe voraussetzt. Die kapitali-
stische Produktion, wie wir gesehen, produziert nicht nur Ware und
Mehrwert; sie reproduziert, und in stets erweitertem Umfang, die
Klasse der Lohnarbeiter und verwandelt die ungeheure Majorität
Mehrheit] der unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter. G—W...
P... W’— G’, da die erste Voraussetzung seines Verlaufs das
beständige Vorhandensein der Lohnarbeiterklasse, unterstellt daher
schon das Kapital in der Form des produktiven Kapitals, und daher
die Form des Kreislaufs des produktiven Kapitals.
XL. Zweites Stadium.
Funktion des produktiven Kapitals.

Der hier betrachtete Kreislauf des Kapitals beginnt. mit dem
Zirkulationsakt G — W, der Verwandlung von Geld in Ware, Kauf.
Die Zirkulation muß also ergänzt werden durch die entgegengesetzte
Metamorphose W — G, Verwandlung von Ware in Geld, Verkauf.
Aber das unmittelbare Resultat von G—W{,, ist die Unterbrechung
der Zirkulation des in Geldform vorgeschossenen Kapitalwerts. Durch
die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital hat der
Kapitalwert eine Naturalform erhalten, worin er nicht fortzirku-
lieren kann, sondern in die Konsumtion, nämlich in die produktive
Konsumtion, eingehen muß. Der Gebrauch der Arbeitskraft, die Arbeit,
kann nur im Arbeitsprozeß realisiert [verwirklicht] werden. Der Ka-
pitalist kann den Arbeiter nicht wieder als Ware verkaufen, da dieser
nicht sein Sklave ist und jener weiter nichts gekauft hat, als die Ver-
nufzung seiner Arbeitskraft auf bestimmte Zeit. Er kann anderseits die
Arbeitskraft nur vernutzen, indem er durch sie die Produktionsmittel als
Warenbildner vernutzen läßt. Das Resultat des ersten Stadiums ist
also der Eintritt in das zweite, das produktive Stadium des Kapitals.

Die Bewegung stellt sich dar als G—W{ ..,P, wo die Punkte
andeuten, daß die Zirkulation des Kapitals unterbrochen ist, sein
Kreislaufsprozeß aber fortdauert, indem es aus der Sphäre [dem
Bereich] der Warenzirkulation in die Produktionssphäre eintritt. Das
erste Stadium, die Verwandlung von Geldkapital in produktives
Kapital, erscheint also nur als Vorläufer und Einleitungsphase [Vor-
stufe] des zweiten Stadiums, der Funktion des produktiven Kapitals.

G— Win setzt voraus, daß das Individuum [die Person], das
diesen Akt vollzieht, nicht nur über Werte in beliebiger Gebrauchsform
verfügt, sondern daß es diese Werte in Geldform besitzt, daß es Geld-
besitzer ist. Der Akt besteht aber gerade in der Weggabe des Geldes, und
jener kann nur Geldbesitzer bleiben, soweit ihm das Geld implieite2e

?c Wörtlich: mit einbegriffen. Gemeint ist wohl, daß das Geld dank
einem in den Prozeß einbegriffenen Vorgang durch den Akt der Weggabe
später wieder zurückströmt. K.
        <pb n="66" />
        Erstes Kapitel

13
durch den Akt der Weggabe selbst zuströmt. Geld kann ihm aber
nur zurückfließen durch den Verkauf von Waren. Der Akt setzt ihn
also voraus als Warenproduzenten.

G(4— A. Der Lohnarbeiter lebt nur vom Verkauf der Arbeitskraft.
Ihre Erhaltung — seine Selbsterhaltung — erfordert tägliche Konsum-
tion. Seine Zahlung muß also beständig in kürzeren Terminen [Zeit-
abschnitten] wiederholt werden, damit er die zu seiner Selbsterhaltung
nötigen Einkäufe — den Akt A-—CG-—W oder W— G—W —
wiederholen kann. Der Kapitalist muß ihm daher beständig als Geld-
kapitalist und sein Kapital als Geldkapital gegenübertreten.
Anderseits aber, damit die Masse der unmittelbaren Produzenten,
der Lohnarbeiter, den Akt A—G— W vollziehen könne, müssen
ihr die notwendigen Lebensmittel in käuflicher, das heißt in Waren-
form, beständig gegenübertreten. Dieser Zustand erheischt also
schon einen hohen Grad der Zirkulation der Produkte als Waren,
also auch des Umfangs der Warenproduktion. Sobald die Produktion
vermittels Lohnarbeit allgemein, muß die Warenproduktion die
allgemeine Form der Produktion sein. Diese als allgemein voraus-
gesetzt, bedingt ihrerseits eine stetig wachsende Teilung der gesell-
schaftlichen Arbeit, das heißt stets größere Besonderung des Produkts,
das als Ware von einem bestimmten Kapitalisten produziert wird,
stets größere Spaltung sich ergänzender Produktionsprozesse in
verselbständigte. In demselben Grad wie G-— A entwickelt sich
daher G — Pm; das heißt, in demselben Umfang trennt sich die
Produktion der Produktionsmittel von: der der Ware, deren Produk-
tionsmittel sie sind, und treten diese jedem Warenproduzenten selbst
Als Waren gegenüber, die er nicht produziert, sondern zum Behuf
seines bestimmten Produktionsprozesses kauft. Sie kommen her aus
von dem seinen vollständig getrennten, selbständig betriebenen
Produktionszweigen und gehen ein in seinen Produktionszweig als
Waren, müssen daher gekauft werden. Die sachlichen Bedingungen der
Warenproduktion treten ihm in immer größerem Umfang als Produkte
anderer Warenproduzenten, als Waren, gegenüber. In demselben
Umfang muß der Kapitalist als Geldkapitalist auftreten oder erweitert
sich der Maßstab, worauf sein Kapital als Geldkapital fungieren muß.

Anderseits: Dieselben Umstände, die die Grundbedingung der
kapitalistischen Produktion produzieren — das Dasein einer Lohn-
Arbeiterklasse — sollizitieren [drängen auf] den Uebergang aller
Warenproduktion in kapitalistische Warenproduktion. Im Umfang,
Wie diese sich entwickelt, wirkt sie zersetzend und auflösend auf jede
ältere Form der Produktion, die, vorzugsweise auf unmittelbaren
Selbstbedarf gerichtet, nur den Ueberschuß des Produkts in Ware ver-
wandelt. Sie macht den Verkauf des Produkts zum Hauptinteresse,
zunächst ohne scheinbar?2d die Produktionsweise selbst anzugreifen,

?d Das Wort „scheinbar“ ist hier in dem älteren Sinne gebraucht, in
dem es so viel bedeutet wie: „in die Augen fallend‘. K.
        <pb n="67" />
        LA

Erster Abschnitt
wie dies zum Beispiel die erste Wirkung des kapitalistischen Welt-
handels auf solche Völker war, wie Chinesen, Indier, Araber ete,
Zweitens aber, wo sie Wurzel gegriffen, zerstört sie alle Formen der
Warenproduktion, die entweder auf Selbstarbeit der Produzenten
gegründet oder bloß auf den Verkauf des überschüssigen Produkts
als Ware. Sie verallgemeinert zuerst die Warenproduktion und ver-
wandelt dann stufenweise alle Warenproduktion in kapitalistische?®,
Welches immer die gesellschaftlichen Formen der Produktion,
Arbeiter und Produktionsmittel bleiben stets ihre Faktoren. Aber
die einen und die andern sind dies nur der Möglichkeit nach im Zu-
stand ihrer Trennung voneinander, Damit überhaupt produziert
werde, müssen sie sich verbinden. Die besondere Art und Weise,
worin diese Verbindung bewerkstelligt wird, unterscheidet die ver-
zchiedenen ökonomischen Epochen [Zeitabschnitte] der Gesellschafts-
struktur [des Aufbaues der Gesellschaft]. Im vorliegenden Fall ist
die Trennung des freien Arbeiters von seinen Produktionsmitteln der
gegebene Ausgangspunkt, und wir haben gesehen, wie und unter
welchen Bedingungen beide in der Hand des Kapitalisten vereint
werden — nämlich als produktive Daseinsweise seines Kapitals. Der
wirkliche Prozeß, den die so zusammengebrachten persönlichen und
sachlichen Warenbildner miteinander eingehen, der Produktionspro-
zeß, wird daher selbst eine Funktion des Kapitals — kapitalistischer
Produktionsprozeß, dessen Natur ausführlich im ersten Buch dieser
Schrift entwickelt worden. Jeder Betrieb der Warenproduktion wird
zugleich Betrieb der Ausbeutung der Arbeitskraft; aber erst die kapi-
talistische Warenproduktion wird zu einer epochemachehden Aus-
beutungsweise, die in ihrer geschichtlichen Fortentwicklung durch
die Organisation des Arbeitsprozesses und die riesenhafte Ausbildung
der Technik die ganze ökonomische Struktur der Gesellschaft um-
wälzt und alle früheren Epochen unvergleichbar übergipfelt.
Durch die verschiedenen Rollen, die sie während des Produktions-
prozesses bei der Wertbildung, also auch in der Erzeugung von Mehr-
wert spielen, unterscheiden sich Produktionsmittel und Arbeitskraft,
soweit sie Kxistenzformen des vorgeschossenen Kapitalwerts, als kon-
stantes und variables Kapital®*, Als verschiedene Bestandteile des
produktiven Kapitals unterscheiden sie sich ferner dadurch, daß die
ersteren, im Besitz des Kapitalisten, sein Kapital bleiben auch außer-
halb des Produktionsprozesses, während bloß innerhalb desselben die
Arbeitskraft Daseinsform eines individuellen Kapitals wird. Wenn
die Arbeitskraft nur in der Hand ihres Verkäufers, des Lohnarbeiters,
Ware ist, so wird sie dagegen Kapital nur in der Hand ihres Käufers,
des Kapitalisten, dem ihr zeitweiser Gebrauch zufällt. Die Produk-
tionsmittel selbst werden nur gegenständliche Gestalten des produk-

? Bis hierher Manuskript VII. Von hier an Manuskript VI. F. E.
38 Siehe Buch I, Kapitel VI, 2. Auflage, S. 187-—201, V. S. 153—164, K.
        <pb n="68" />
        Erstes Kapitel

15
tiven Kapitals oder produktives Kapital von dem Augenblick, wo
ihnen die Arbeitskraft als persönliche Daseinsform desselben ein-
verleibbar geworden. ist. So wenig als menschliche Arbeitskraft von
Natur Kapital, so wenig sind es die Produktionsmittel. Sie erhalten
diesen spezifischen gesellschaftlichen Charakter nur unter bestimmten
geschichtlich entwickelten Bedingungen, wie nur unter solchen den
edien Metallen der des Geldes oder gar dem Geld der des Geld-
kapitals aufgeprägt wird.

Indem es fungiert, verbraucht das produktive Kapital seine eige-
nen Bestandteile, um sie in eine höherwertige Produktenmasse um-
zusetzen. Da die Arbeitskraft nur als eins seiner Organe wirkt, ist
auch der durch ihre Mehrarbeit erzeugte Ueberschuß des Produkt-
werts über den Wert seiner Bildungselemente die Frucht des Kapitals.
Die Mehrarbeit der Arbeitskraft ist die Gratisarbeit des Kapitals und
bildet daher für den Kapitalisten Mehrwert, einen Wert, der ihm
kein Aequivalent kostet. Das Produkt ist daher nicht nur Ware,
sondern mit Mehrwert befruchtete Ware. Ihr Wert ist gleich P-+M,
gleich dem Wert des in ihrer Herstellung verzehrten produktiven
Kapitals P plus dem von ihm erzeugten Mehrwert M. Unterstellen
wir, diese Ware bestehe aus 10 000 % [Pfund] Garn, in deren Her-
stellung Produktionsmittel zum Wert von 372 Pfad. Sterl. und
Arbeitskraft zum Wert von 50 Pfd. Sterl. verbraucht worden.
Während des Spinnprozesses übertrugen die Spinner den Wert der
durch ihre Arbeit verzehrten Produktionsmittel im Belauf von
372 Pfd. Sterl. auf das Garn, wie sie zugleich, entsprechend ihrer
Arbeitsausgabe, einen Neuwert von, sage 128 Pfd. Sterl. darstellten.
Die 10 000 % Garn sind daher Träger eines Wertes von 500 Pfd. Sterl.

N. Drittes Stadium: W’— GG.

Ware wird Warenkapital als unmittelbar aus dem Produktions-
prozeß selbst entsprungene funktionelle Daseinsform des bereits ver-
werteten Kapitalwerte. Würde die Warenproduktion in ihrem ganzen
gesellschaftlichen Umfang kapitalistisch betrieben, so wäre alle Ware
von Haus aus Element [Grundstoff] eines Warenkapitals, bestehe sie
nun aus Roheisen oder Brüsseler Spitzen, Schwefelsäure oder
Zigarren. Das Problem, welche Sorten des Warenheeres durch ihre
Beschaffenheit zum Kapitalrang bestimmt, welche andere zum
gemeinen Warendienst, ist eines der selbstgeschaffenen holden
Drangsale der scholastischen??* Oekonomie. ;

In seiner? Warenform muß das Kapital Warenfunktion verrichten.
Die Artikel, woraus es besteht, von Haus aus für den Markt produ-
ziert, müssen verkauft, in Geld verwandelt werden, also die Bewegung
W— G durchlaufen.

3b Auf sprachlichen Spitzfindigkeiten beruhende Haarspalterei statt
Erforschung der Tatsachen treibenden. K.

8° In der Engelsschen Ausgabe steht „einer‘. K.

Das Kapital. IL
        <pb n="69" />
        Erster Abschnitt
Die Ware des Kapitalisten bestehe aus 10000 % Baumwollen;
garn. Wurden im Spinnprozeß Produktionsmittel zum Wert von
372 Pfd. Sterl. verzehrt und ein Neuwert. von 128 Pfd. Sterl.
geschaffen, so_hat das Garn einen Wert von:500 Pfd. Sterl., welchen
es ausdrückt in seinem gleichnamigen Preise. Dieser Preis werde
realisiert durch den Verkauf W— G. Was macht diesen einfachen
Vorgang aller Warenzirkulation gleichzeitig zu einer Kapitalfunktion ?
Keine Veränderung, die sich innerhalb desselben ereignet, sei es mit
Bezug auf ihren Gebrauchscharakter, denn als Gebrauchsgegenstand
geht die Ware an den Käufer über, sei es mit Bezug auf ihren Wert,
denn dieser erleidet keinen Größen wechsel, sondern nur einen Form-
wechsel. Erst existierte er in Garn, jetzt existiert er in Geld. So
$ritt ein wesentlicher Unterschied hervor zwischen dem ersten Sta-
dium G —W*4 und dem letzten Stadium W— GG. Dort fungiert das
vorgeschossene Geld als Geldkapital, weil es sich vermittels der
Zirkulation ‘ in Waren von spezifischem Gebrauchswert umsetzt.
Hier kann die Ware nur als Kapital fungieren, sofern sie diesen
Charakter schon fertig aus dem Produktionsprozeß mitbringt, bevor
ihre Zirkulation beginnt. Während des Spinnprozesses schufen die
Spinner Garnwert zum Belauf von 128 Pfd. Sterl. Davon bilden
sage 50 Pfd. Sterl. dem Kapitalisten bloß ein Aequivalent für
seine Auslage in Arbeitskraft, und 78 Pfd. Sterl. — bei einem Aus-
beutungsgrad der Arbeitskraft von 156 °%/ — bilden Mehrwert. Der
Wert der 10000 #% Garn enthält also erstens den Wert des aufge-
zehrten produktiven Kapitals P, wovon der konstante Teil gleich
372 Pfd. Sterl., der variable gleich 50 Pfd. Sterl., ihre Summe gleich
422 Pfd. Sterl., gleich 8440 % Garn. Der Wert des produktiven
Kapitals P ist aber gleich W, dem Wert seiner Bildungselemente, die
in dem Stadium G— W dem Kapitalisten als Waren in den Händen
ihrer Verkäufer gegenüberstanden. — Zweitens aber enthält der Wert
des Garns einen Mehrwert von 78 Pfd. Sterl. gleich 1560 % Garn.
W als Wertausdruck der 10000 % Garn ist also gleich W+A4A W,
[das heißt] W plus einem Inkrement [Zuwachs] von W (gleich
78 Pfd. Sterl.), welches wir w nennen wollen, da es in der-
selben Warenform existiert wie jetzt der ursprüngliche Wert W.
Der Wert der 10000 % Garn gleich 500 Pfd. Sterl. . ist also
gleich W +w = W". Was W, als Wertausdruck der 10000 &amp;%
Garn, zu W’ macht, ist nicht seine absolute Wertgröße (500 Pfd.
Sterl.), denn sie ist wie bei allen andern W als Wertausdruck
irgendeiner andern Warensumme bestimmt durch die Größe
der in ihr vergegenständlichten Arbeit. Es ist eine relative Wert-
größe, seine Wertgröße, verglichen mit dem Wert des in seiner
Produktion aufgezehrten Kapitals P. Dieser Wert ist in ihr ent-
halten, plus dem vom produktiven Kapital gelieferten Mehrwert.
Sein Wert ist größer, überschüssig über diesen Kapitalwert, um diesen
30 In der Engeleschen Ausgabe steht W—G. K.
        <pb n="70" />
        Erstes Kapitel: '

17
Mehrwert w. Die 10 000 % Garn sind Träger des verwerteten, mit
einem Mehrwert bereicherten Kapitalwerts und sind dies als Produkt
des kapitalistischen Produktionsprozesses. W” drückt ein Wertver-
hältnis aus, das Verhältnis des Wertes des: Warenprodukts zu dem
des in seiner Produktion verausgabten Kapitals, also die Zusammen-
setzung seines Wertes aus Kapitalwert und Mehrwert. Die 10000 %
Garn sind Warenkapital, W’, nur als. verwandelte Form des produk-
tiven Kapitals P, also in einem Zusammenhang, der zunächst nur
im Kreislauf dieses individuellen Kapitals existiert, oder für den
Kapitalisten, der mit seinem Kapital Garn produziert hat. Es ist
Sozusagen nur ein inneres, kein auswärtiges Verhältnis, das die
10000 % Garn als Wertträger zu Warenkapital macht; sie tragen ihr
kapitalistisches Muttermal nicht in der absoluten Größe ihres Wertes;
sondern in seiner relativen Größe, in ihrer Wertgröße, verglichen mit
der, die das in.ihnen enthaltene produktive Kapital besaß, ehe es sich
in Ware verwandelt hatte. Werden daher die 10 000 % Garn zu ihrem
Wert von 500 Pfd. Sterl. verkauft, so ist dieser Zirkulationsakt, für sich
betrachtet, gleich W-— G, bloße Verwandlung eines gleichbleibenden
Wertes aus Warenform in Geldform. Aber als besonderes Stadium
im Kreislauf eines individuellen Kapitals ist derselbe AkKt Realisierung
des von der Ware getragenen Kapitalwerts von 422 Pfd. Sterl. plus
dem von ihr getragenen Mehrwert von 78 Pfd. Sterl., also W’— G”,
Verwandlung des Warenkapitals. aus seiner Warenform in Geld:
form. *

‚Die Funktion von W’ ist nun die alles Warenprodukts: sich in
Geld zu verwandeln, verkauft zu werden, die Zirkulationsphase W—G
durchzumachen. Solange das jetzt verwertete Kapital in der Form
des Warenkapitals verharrt, auf dem Markt festliegt, steht der Pro-
duktionsprozeß still. Es wirkt weder als Produkt- noch als Wert-
bildner. Je nach dem verschiedenen Grad der Geschwindigkeit, wo-
mit das Kapital.seine Warenform abstößt und seine Geldform an-
nimmt, oder je nach der Raschheit des Verkaufs wird derselbe
Kapitalwert in sehr ungleichem Grad als Produkt- und Wertbildner
dienen und die Stufenleiter der. Reproduktion sich ausdehnen oder
verkürzen. Es wurde im ersten Buch gezeigt, daß der Wirkungsgrad
eines gegebenen Kapitals durch Potenzen [Kräfte] des‘ Produktions-
Prozesses bedingt ist, die von seiner eigenen Wertgröße in gewissem
Grad unabhängig sind. Hier zeigt sich, daß der Zirkulationsprozeß
Neue, von der Wertgröße des Kapitals unabhängige Potenzen seines
Wirkungsgrades, seiner Expansion [Ausdehnung] und Kontraktion
([Zusammenziehung], in Bewegung setzt.

Die Warenmasse W”, als Träger des verwerteten Kapitals, muß
ferner in ihrem ganzen Umfang die Metamorphose W’— G’ durch-
Machen. Die Quantität des Verkauften wird hier wesentliche Be-
stimmung. Die einzelne Ware figuriert nur noch als integrierender
* Bis hierher Manuskript Vl. Von hier an Manuskript V. F.E.
        <pb n="71" />
        7
Erster Abschnitt
[zum Ganzen notwendig gehörender] Teil der Gesamtmasse. Die
500 Pfd. Sterl. Wert existieren in 10 000 % Garn. Gelingt es dem
Kapitalisten, nur 7440 % zu ihrem Wert von 372 Pfd. Sterl. zu ver-
kaufen, so hat er nur den Wert seines konstanten Kapitals, den
Wert der verausgabten Produktionsmittel, ersetzt; wenn 8440 % ;
so nur die Wertgröße des vorgeschossenen Gesamtkapitals. Er muß
mehr verkaufen, um Mehrwert zu realisieren [zu Geld zu machen], und
er muß alle 10 000 % Garn verkaufen, um den ganzen Mehrwert von
78 Pfd. Sterl. (gleich 1560 % Garn) zu realisieren. Er erhält also
in 500 Pfd, Sterl. Geld nur einen Gleichwert für die verkaufte Ware;
seine Transaktion [geschäftliches Vorgehen] innerhalb der Zirkulation
ist einfaches W-— G. Hätte er seinen Arbeitern 64 Pfd. Sterl. statt
50 Pfd, Sterl. Lohn gezahlt, so wäre sein Mehrwert nur 64 Pfd. Sterl.
statt 78 Pfd. Sterl. und der Ausbeutungsgrad nur 100 °/ Statt 156 °%;
aber nach wie vor bliebe der Wert seines Garns unverändert; nur
das Verhältnis seiner verschiedenen Teile wäre ein anderes; der Zirku-
lationsakt W— G wäre nach wie vor Verkauf von 10 000 % Garn für
500 Pfd, Sterl., ihren Wert,

W' = W + w (= 422 Pfd. Sterl. + 78 Pfd. Sterl.). W ist gleich
dem Wert von P oder dem produktiven Kapital, und dies gleich
dem Wert von G, das in G—W, dem Kauf der Produktionselemente,
vorgeschossen wurde; in unserm Beispiel gleich 422 Pfd, Sterl. Wird
die Warenmasse zu ihrem Wert verkauft, so [ist] W = 422 Pfd. Sterl.
und w = 78 Pfd. Sterl., dem Wert des Mehrprodukts von 1560 %
Garn. Nennen wir w, in Geld ausgedrückt, g, so ist W— GG’ =
(W + w)— (G + g), und der Kreislauf G—W...P... W’-— GG in
seiner expliziten [in seinen Einzelheiten entwickelten] Form also
G— Wim PP... (W + w) — (G + g).44

Im ersten Stadium entzieht der Kapitalist Gebrauchsartikel dem
eigentlichen Warenmarkt und dem Arbeitsmarkt; im dritten Sta-
dium wirft er Ware zurück, aber nur in einen Markt, den eigent-
lichen Warenmarkt. Wenn er aber durch seine Ware dem Markt
mehr Wert [in Geldform] wieder entzieht, als er ursprünglich hin-
einwarf, so nur, weil er größeren Warenwert hineinwirft, als er ur-
sprünglich entzog. Er warf den Wert G hinein und entzog den Gleich-
wert W; er wirft W + w hinein und entzieht den Gleichwert G + g.
G war in unserm Beispiel gleich dem Wert von 8440 % Garn; er
wirft aber 10000 % in den Markt, gibt ihm also größeren Wert,

als er ihm nahm. Anderseits hat er diesen gewachsenen Wert
nur hineingeworfen, weil er im Produktionsprozeß Mehrwert; (als

48 Der Leser darf sich nicht dadurch beirren lassen, daß das Zeichen —
ebensogut das Gegenteil von + anzeigen kann (+ ist stets das Zeichen für
plus, mehr, — kann minus, weniger, bezeichnen), als einen bloßen Verbindungs-
strich. In diesem Buche wird das Zeichen -— fast stets nur im Sinne des
Verbindungsstriches gebraucht, nur ausnahmsweise als Minuszeichen. RK.
        <pb n="72" />
        Erstes Kapitel

19
aliquoten4® Teil des Produkts, ausgedrückt in Mehrprodukt) durch
Ausbeutung der Arbeitskraft produzierte. Nur als Produkt dieses
Prozesses ist die Warenmasse Warenkapital, Träger des verwerteten
Kapitalwerts. Durch Vollziehung von W’— G’ wird sowohl der vor-
geschossene Kapitalwert realisiert wie der Mehrwert. Die Realisa-
tion beider fällt zusammen in der Reihe von Verkäufen oder auch
in dem Verkauf der gesamten Warenmasse, die W’— G’ ausdrückt,
auf einen Schlag. Aber derselbe Zirkulationsvorgang W’— G ist ver-
schieden für Kapitalwert und Mehrwert insofern, als er für jeden
von beiden ein verschiedenes Stadium ihrer Zirkulation, einen ver-
schiedenen Abschnitt in der von ihnen innerhalb der Zirkulation zu
durchlaufenden Metamorphosenreihe ausdrückt. w, der Mehrwert,
kam erst zur Welt innerhalb des Produktionsprozesses. Er tritt also
zum ersten Male auf den Warenmarkt, und zwar in Warenform; sie
ist seine erste Zirkulationsform, daher auch der Akt w—g sein erster
Zirkulationsakt oder seine erste Metamorphose, die also noch zu er-
gänzen bleibt durch den entgegengesetzten Zirkulationsakt oder die
umgekehrte Metamorphose g—w5.

Anders verhält es sich mit der Zirkulation, die der Kapitalwert
W im selben Zirkulationsakt W’— G” vollzieht, welches für ihn der Zir-
kulationsakt W—G ist, wo W = P, gleich dem ursprünglich vor-
geschossenen G. Es hat seinen ersten Zirkulationsakt als G, als Geld-
kapital, eröffnet und kehrt durch den Akt W—G zur selben Form
zurück: es hat also die beiden entgegengesetzten Phasen der Zirku-
lation 1. G—W und 2. W—6G durchlaufen und befindet sich wieder in
der Form, in der es denselben Kreislaufprozeß von neuem beginnen
kann. Was für den Mehrwert erste Verwandlung der Warenform
in Geldform, ist für den Kapitalwert Rückkehr oder Rückverwand-
lung in seine ursprüngliche Geldform.

Durch G—W{pA, wurde das Geldkapital in eine gleichwertige
Summe Waren, A und Pm, umgesetzt. Diese Waren funktionieren
nicht wieder als Waren, als Verkaufsartikel. Ihr Wert existiert jetzt
in der Hand ihres Käufers, des Kapitalisten, als Wert seines produk-
tiven Kapitals P. Und in der Funktion von P, der produktiven
Konsumtion, werden sie verwandelt in eine von den Produktions-
mitteln stofflich verschiedene Warensorte, in Garn, worin ihr Wert
nicht nur erhalten, sondern vergrößert wird, von 422 Pfd. Sterl. auf
500 Pfd. Sterl. Durch diese reale Metamorphose werden die im ersten
Stadium GC —W dem Markt entzogenen Waren ersetzt durch stofflich
4b Aliquote Teile einer Größe heißen in der Mathematik solche ihrer
Teile, durch die sie sich ohne Rest dividieren läßt. So sind zum Beispiel 2
und 3 aliquote Teile von 6. Hier bedeutet „aliquoter Teil“ nicht mehr als
einen gewissen Teil. K.

5 Dies gilt, einerlei in welcher Weise wir Kapitalwert und Mehrwert
trennen. In 10000 % Garn steckt 1560 ® = 78 Pfd. Sterl. Mehrwert, aber in
1 ® Garn = 1 Schilling steckt ebenfalls 2.496 Unzen = 1.872 Penny Mehrwert.
[In der Engelsschen Ausgabe steht 1.728 Penny. K.]
        <pb n="73" />
        20
Erster Abschnitt
und wertlich verschiedene Ware, die nun als Ware fungieren, in Geld
verwandelt und verkauft werden muß, Der Produktionsprozeß er:
scheint daher nur als Unterbrechung des Zirkulationsprozesses des
Kapitalswerts, wovon bis dahin nur die erste Phase G—W durch-
laufen ist. Er durchläuft die zweite und abschließende Phase W-—G,
nachdem W stofflich und wertlich verändert. Soweit aber der Kapi-
talwert, für sich genommen, in Betracht kommt, hat er nur eine Ver-
änderung seiner Gebrauchsform im Produktionsprozeß erlitten. Er
existierte als 422 Pfd, Sterl. Wert in A und Pm, er existiert jetzt. als
422 Pfd. Sterl. Wert von 8440 % Garn. Betrachten wir also bloß
die beiden Phasen des Zirkulationsprozesses des von seinem Mehr-
wert getrennt gedachten Kapitalwerts, so durchläuft er 1. G —W
und 2. W — G, wo das. zweite Weine veränderte Gebrauchsform,
aber denselben Wert hat wie das erste W; also G — W — G, eine
Zirkulationsform, die durch den doppelten Stellenwechsel der Ware
in entgegengesetzter Richtung, Verwandlung aus Geld in Ware, Ver-
wandlung aus Ware in Geld, notwendig die Rückkehr des als Geld
vorgeschossenen Wertes zu seiner. Geldform bedingt: seine Rückver-
wandlung in Geld. |

Derselbe Zirkulationsakt W’— G’, der für den in Geld vorge-
schossenen Kapitalwert zweite abschließende Metamorphose, Rück-
kehr zur Geldform,. ist für den gleichzeitig vom Warenkapital mit-
getragenen und durch. seinen Umsatz in Geldform mitrealisierten
Mehrwert erste Metamorphose, Verwandlung aus Warenform in Geld-
form, W— G, erste Zirkulationsphase. ;

Es ist hier also zweierlei zu bemerken. Erstens: Die schließliche
Rückverwandlung des Kapitalwerts in seine ursprüngliche Geldform
ist ‚eine Funktion des Warenkapitals. Zweitens: Diese Funktion
schließt ein die erste Formverwandlung des Mehrwerts aus seiner
ursprünglichen Warenform in Geldform. Die Geldform spielt also
hier doppelte Rolle; sie ist einerseits rückkehrende Form eines ur-
sprünglich in Geld vorgeschossenen Wertes, also Rückkehr zur Wert-
form, die den Prozeß eröffnete; sie ist anderseits erste verwandelte
Form eines Wertes, der ursprünglich in Warenform.in die Zirkulation
tritt. Werden die Waren, woraus das Warenkapital besteht, zu
ihrem Wert verkauft, wie bier vorausgesetzt, so wird W + w ver-
wandelt in das gleichwertige G + g; in dieser Form G + g (422
Pfd. Sterl. + 78 Pfad. Sterl. — 500 Pfd. Sterl.) existiert das realisierte
Warenkapital. jetzt in der Hand des Kapitalisten. Kapitalwert und
Mehrwert sind jetzt als Geld vorhanden, also in der allgemeinen
Aequivalentform.

Am Schluß des Prozesses befindet sich der Kapitalwert also
wieder in derselben Form, worin er in ihn eintrat, kann ihn also
wieder von neuem als Geldkapital eröffnen und durchlaufen. Eben
weil die Ausgangs- und Schlußform ‚des Prozesses die des Geld-

kapitals (G), wird diese Form des Kreislaufprozesses von uns als
Kreislauf des Geldkapitals bezeichnet. Nicht die Form, sondern
        <pb n="74" />
        Erstes Kapitel

21

nur die Größe des vorgeschossenen Wertes ist am Schluß ver-
ändert.

G + g sind nichts als eine Geldsumme von einer bestimmten
Größe, in unserm Fall 500 Pfad. Sterl. Aber als Resultat des Kreis-
Jaufs des Kapitals, als ‚realisiertes Warenkapital, enthält diese Geld-
summe den Kapitalwert und .den Mehrwert; und zwar sind diese
nun nicht mehr miteinander verwachsen wie im Garn; sie liegen
jetzt nebeneinander. Ihre Realisation hat jedem der beiden selb-
ständige Geldform gegeben. ?*/,s9 davon sind der Kapitalwert,
422 Pfd. Sterl., und ?%,s0 davon der Mehrwert von 78 Pfd. Sterl.
Diese durch Realisation des Warenkapitals bewirkte Trennung hat
nicht nur den formellen Gehalt, wovon wir gleich sprechen werden;
sie wird wichtig im Reproduktionsprozeß des Kapitals, je nachdem
g ganz, teilweise oder gar nicht zu G geschlagen wird, also je nachdem
es als Bestandteil des vorgeschossenen Kapitalwerts fortfungiert oder
nicht. g und G können auch ganz verschiedene Zirkulation durchlaufen.

In G ist das Kapital wieder zu seiner ursprünglichen Form G
zurückgekehrt, zu seiner Geldform; aber in einer Form, worin es
als Kapital verwirklicht ist.

Erstens ist eine quantitative Differenz da. Es war G, 422 Pfd,
Sterl.; es ist jetzt G’, 500 Pfd. Sterl., und diese Differenz aus-
gedrückt in G...G’, den quantitativ verschiedenen Extremen [dem
Anfangs- und dem Endpunkt] des Kreislaufs, dessen Bewegung
selbst nur durch die Punkte ‚.. angedeutet ist. G’ ist größer als G,
G’ minus G =M, dem Mehrwert, — Aber als Resultat dieses Kreislaufs
G...G’ existiert jetzt nur noch G’; es ist das Produkt, worin sein
Bildungsprozeß erloschen ist. .G’ existiert jetzt selbständig für sich,
unabhängig von der Bewegung, die es hervorbrachte. Sie ist ver-
gangen, es ist da an ihrer Stelle.

Aber G&amp;’ als G + g, ‚500 Pfd. Sterl. als 422 Pfd. Sterl. vorge-
schossenes Kapital plus einem Inkrement desselben von 78 Pfd,
Sterl., stellt zugleich ein qualitatives Verhältnis dar, obgleich dies
qualitative Verhältnis selbst «nur als Verhältnis der Teile einer
gleichnamigen Summe, also als quantitatives Verhältnis existiert.
G, das vorgeschossene Kapital, das jetzt wieder in seiner ursprüng-
lichen. Form (422 Pfd. Sterl.) vorhanden ist, existiert jetzt als reali-
siertes Kapital. Es hat sich nicht nur erhalten, es hat sich auch
als Kapital realisiert, indem es sich als solches unterscheidet von g

(78 Pfd. Sterl.), worauf es bezogen ist als auf seinen Zuwachs,
seine Frucht, auf ein durch es selbst gehecktes Inkrement. Es ist
als Kapital realisiert, weil als Wert, der einen Wert geheckt hat. G/
existiert als Kapitalverhältnis; G erscheint nicht mehr als bloßes
Geld, sondern es ist ausdrücklich als Geldkapital gesetzt, ausgedrückt
als Wert, der sich verwertet hat, also auch die Eigenschaft besitzt,
sich zu verwerten, mehr Wert zu hecken, als er selbst hat. G ist als
Kapital gesetzt durch sein. Verhältnis zu einem andern Teil von G,
als dem dureh es Gesetzten, aus ihm als Ursache Bewirkten, als der
        <pb n="75" />
        22

Erster Abschnitt
Folge, wovon es der Grund. So erscheint G als in sich differenzierte
[in verschiedene Teile zerfallende], sich funktionell (begrifflich) in
sich selbst unterscheidende, das Kapitalverhältnis ausdrückende
Wertsumme.

Aber dies ist nur ausgedrückt als Resultat, ohne die Vermittlung
des Prozesses, dessen Resultat es ist.

Wertteile unterscheiden sich als solche qualitativ nicht von-
einander, außer soweit sie als Werte verschiedener Artikel, konkreter
[einzelner greifbarer] Dinge auftreten, also in verschiedenen Ge-
brauchsformen, daher als Werte verschiedener Warenkörper — ein
Unterschied, der nicht aus ihnen selbst als bloßen Wertteilen ent-
springt. Im Geld ist alle Verschiedenheit der Waren ausgelöscht,
weil es eben die ihnen allen gemeinsame Aequivalentform ist. Eine
Geldsumme von 500 Pfd, Sterl. besteht aus lauter gleichnamigen
Elementen von 1 Pfd. Sterl. Da in dem einfachen Dasein dieser
Geldsumme die Vermittlung.ihrer Herkunft ausgelöscht und von der
spezifischen Differenz, welche die verschiedenen Kapitalbestandteile im
Produktionsprozeß besitzen, jede Spur verschwunden ist, so existiert
der Unterschied nur noch in der begrifflichen Form einer Haupt-
summe (englisch principal) gleich dem vorgeschossenen Kapital von
422 Pfd. Sterl. und einer überschüssigen Wertsumme von 78 Pfd.
Sterl. G” sei zum Beispiel = 110 Pfd. Sterl., wovon 100 = G, Haupt-
summe, und 10 = M, Mehrwert. Es herrscht absolute Gleichartigkeit,
also begriffliche Unterschiedslosigkeit, zwischen den beiden konsti-
tuierenden Teilen [Teilen, die zusammen das Ganze bilden] der
Summe von 110 Pfd. Sterl. Beliebige 10 Pfd. Sterl. sind immer
"1 der Gesamtsumme von 110 Pfd. Sterl., ob sie nun Yıo der vor-
geschossenen Hauptsumme von 100 Pfd. Sterl, oder der Ueberschuß
von 10 Pfd. Sterl, über dieselbe. Hauptsumme und Zuwachssumme,
Kapital und Mehrsumme sind daher ausdrückbar als Bruchteile der
Gesamtsumme; in unserm Beispiel bilden '/1 die Hauptsumme oder

das Kapital, 'ıs die Mehrsumme. Es ist daher begriffsloser Aus-
druck des Kapitalverhältnisses, worin hier am Schluß seines Pro-
zesses das realisierte Kapital in. seinem Geldausdruck erscheint.

Allerdings gilt dies auch für W” (= W + w). Aber mit dem
Unterschied, daß W’, worin W und w auch nur proportionelle [in
einem bestimmten Größenverhältnis zueinander stehende] Wert-
teile derselben homogenen [gleichartigen] Warenmasse, hinweist auf
seinen Ursprung P, dessen unmittelbares Produkt es ist, während in
G’, einer unmittelbar aus der Zirkulation herstammenden Form,
direkte Beziehung zu P verschwunden ist.

Der begriffslose Unterschied zwischen Haupt- und Zuwachs-
summe, der in G’ enthalten ist, soweit es das Resultat der Bewegung
G...G’ ausdrückt, verschwindet sofort, sobald es aktiv als Geld-
kapital wieder fungiert, also nicht umgekehrt als Geldausdruck des
verwerteten industriellen Kapitals fixiert [festgesetzt] wird. Der
Kreislauf des Geldkapitals kann nie mit G” beginnen (obgleich G”
        <pb n="76" />
        23
jetzt als G fungiert), sondern nur mit G; das heißt nie als Ausdruck
des Kapitalverhältnisses, sondern nur als Vorschußform des Kapital-
werts. Sobald die 500 Pfd, Sterl. von neuem als Kapital vorge-
schossen werden, um sich von neuem zu verwerten, sind sie Ausgangs-
punkt statt Rückkehrpunkt. Statt eines Kapitals von 422 Pfd. Sterl.,
ist jetzt eins von 500 Pfd, Sterl. vorgeschossen, mehr Geld als früher,
mehr Kapitalwert, aber das Verhältnis zwischen den zwei Bestand-
teilen ist weggefallen, ganz wie ursprünglich die Summe von 500 Pfad.
Sterl. statt der von 422 Pfd Sterl. hätte als Kapital fungieren können.

Es ist keine aktive Funktion des Geldkapitals, sich als G’ dar-
zustellen; seine eigene Darstellung als G’ ist vielmehr eine Funktion
von W’. Schon in der einfachen Warenzirkulation, 1. Wi — G,
2. G — W, 5* fungiert G erst aktiv im zweiten Akt G — W.; seine
Darstellung als G ist nur Resultat des ersten Akts, kraft dessen es
erst als verwandelte Form von Wı. auftritt. Das in G’ enthaltene
Kapitalverhältnis, die Beziehung eines seiner Teile als des Kapital-
werts auf den andern als dessen Wertinkrement, bekommt allerdings
funktionelle Bedeutung, soweit, bei beständiger Wiederholung des
Kreislaufs G...G‘, G’ sich in zwei Zirkulationen spaltet, Kapital-
zirkulation und Mehrwertzirkulation, also die beiden Teile nicht bloß
quantitativ, sondern auch qualitativ verschiedene Funktionen voll-
ziehen, G andere als g. Aber an sich betrachtet, schließt die Form
G...G’ die Konsumtion des Kapitalisten nicht ein, sondern aus-
drücklich nur die Selbstverwertung und die Akkumulation, soweit
letztere zunächst in periodischem Anwachs des stets von neuem
vorgeschossenen Geldkapitals sich ausdrückt.

Obgleich begriffslose Form des Kapitals, ist G’ = G-+ g zugleich
erst das Geldkapital in seiner realisierten Form, als Geld, welches Geld
geheckt hat. Hier ist aber zu unterscheiden von der Funktion des
Geldkapitals im ersten Stadium G — W{A. G in diesem ersten
Stadium zirkuliert als Geld. Es fungiert als Geldkapital nur deshalb,
weil es nur in seinem Geldzustand eine Geldfunktion verrichten, sich
in die ihm als Waren gegenüberstehenden Elemente von P, in A und
Pm umsetzen kann. In diesem Zirkulationsakt fungiert es nur als
Geld; aber weil dieser Akt das erste Stadium des prozessierenden [im
Kreislaufprozeß befindlichen] Kapitalwerts, ist er zugleich Funktion
des Geldkapitals, kraft der spezifischen Gebrauchsform der Waren
A und Pm, die gekauft werden. G’ dagegen, zusammengesetzt aus
G, dem Kapitalwert, und g, dem durch diesen erzeugten Mehrwert,
drückt verwerteten Kapitalwert aus, den Zweck und das Resultat,
die Funktion des gesamten Kreislaufprozesses des Kapitals. Daß

Erstes Kapitel

52 W.; bezeichnet hier nicht eine Ware größeren Wertes als Wi, sondern
eine von W; stofflich verschiedene Ware. Zuerst wird eine bestimmte Ware Wı
verkauft, was durch die Form W,; — G bezeichnet wird. Dann kauft der
Verkäufer von Wı mit dem dafür gelösten Geld eine andere Ware, W2, was
den Ausdruck findet: G-—W.. K.
        <pb n="77" />
        24

Erster Abschnitt
es dies Resultat in Geldform, als realisiertes Geldkapital ausdrückt,
entspringt nicht daraus, daß es Geldform des Kapitals, Geldkapital
ist, sondern umgekehrt daraus, daß es Geldkapital, Kapital in
Geldform ist, daß das Kapital in dieser Form den Prozeß eröffnet
hat, in Geldform vorgeschossen worden ist. Die Rückverwandlung
in die Geldform ist eine Funktion des Warenkapitals W’, wie wir
gesehen, nicht des Geldkapitals. Was aber die Differenz von G
gegenüber G betrifft, so ist sie (g) nur Geldform von w, dem Inkre-
ment von W; G’ ist nur = G + g, weil W/ = W + w war. In W'
ist also diese Differenz und das Verhältnis des Kapitalwerts zu
dem von ihm geheckten Mehrwert vorhanden und ausgedrückt,
bevor beide in G’ verwandelt, in eine Geldsumme, worin beide
Wertteile selbständig einander gegenübertreten und daher auch
zu selbständigen und voneinander verschiedenen Funktionen ver-
wendbar sind.

G’ ist nur Resultat der Realisierung von W’. Beide, W’ wie G,
sind nur verschiedene Formen, Warenform und Geldform, des ver-
werteten Kapitalwerts, beide haben dies gemein, daß sie verwerteter
Kapitalwert. Beide sind verwirklichtes Kapital,. weil hier der
Kapitalwert als solcher mitsamt dem Mehrwert als von ihm ver-
schiedener, durch ihn erhaltener Frucht existiert, obgleich dies
Verhältnis nur ausgedrückt. ist in der begriffslosen Form des Ver-
hältnisses zweier Teile einer Geldsumme oder eines Warenwerts.,
Aber als Ausdrücke des Kapitals in Beziehung zu und im Unter-
schied von dem durch es erzeugten Mehrwert, also als Ausdrücke von
verwertetem Wert, sind G’ und W’ dasselbe und drücken dasselbe
aus, nur in verschiedener Form; sie unterscheiden sich nicht als
Geldkapital und Warenkapital, sondern als Geld und Ware. Sofern
sie verwerteten Wert, als Kapital betätigtes Kapital darstellen,
drücken sie nur das Resultat der Funktion des produktiven Kapitals
aus, der einzigen Funktion, worin der Kapitalwert Wert heckt. Ihr
Gemeinsames ist, daß sie beide, Geldkapital und Warenkapital,
Existenzweisen des Kapitals sind. Das eine ist Kapital in Geldform,
das andere in Warenform. Die sie unterscheidenden spezifischen
Funktionen . können daher nichts anderes sein als Unterschiede
zwischen Geldfunktion und Warenfunktion. Das Warenkapital,
als direktes Produkt des kapitalistischen Produktionsprozesses,
erinnert an diesen seinen Ursprung und ist daher in seiner Form
rationeller [dem Kapitalbegriff entsprechend], minder begriffslos als
das Geldkapital, in dem jede Spur dieses Prozesses erloschen ist, wie
überhaupt im Geld alle besondere Gebrauchsform der Ware erlischt.
Es ist daher nur, wo G’ selbst als Warenkapital fungiert, wo es
unmittelbares Produkt eines Produktionsprozesses und nicht ver-
wandelte Form dieses Produkts ist, daß seine bizarre [wunderliche]
Form verschwindet — also in der Produktion des Geldmaterials
5b In der ersten Auflage steht „GG“. K. ;
        <pb n="78" />
        Erstes Kapitel :

25
selbst. Für Goldproduktion zum Beispiel wäre. die Formel:
G— Wim -.-P...G' (G + g), wo G’ als Warenprodukt figuriert,
weil P mehr Gold Liefert, als für die Produktionselemente des Goldes
im ersten G, dem Geldkapital, vorgeschossen war. Hier verschwindet
also das Irrationelle des Ausdrucks G...G’ (G + g), wo ein Teil
einer Geldsumme als Mutter eines andern Teils derselben Geld-
summe erscheint.

IV. Der Gesamtkreislauf.
Wir haben gesehen, daß der Zirkulationsprozeß nach Ablauf
seiner ersten Phase G — W{p, unterbrochen wird durch P, wo die
auf dem Markt gekauften Waren A und Pm nun als stoffliche und
Wertliche Bestandteile des produktiven Kapitals konsumiert werden;
das Produkt dieser Konsumtion ist eine neue Ware, W”, stofflich und
wertlich verändert. Der unterbrochene Zirkulationsprozeß, G — W,
muß ergänzt werden durch W — G. Aber als Träger dieser zweiten
und abschließenden Phase der Zirkulation erscheint W”’, eine stoff-
lich und wertlich von dem ersten W verschiedene Ware. Die Zirku-
lationsreihe stellt sich also dar als 1. G — W;; 2. W’» — G’, wo in
der zweiten Phase der ersten Ware W; eine andere von höherem
Wert und verschiedener Gebrauchsform, W’,, untergeschoben‘ ist
während der durch die Funktion von P verursachten Unterbrechung,
der Produktion von W’ aus den Elementen von W, den Daseins-
formen des produktiven Kapitals P. Die erste Erscheinungsform
dagegen, worin uns das Kapital (Buch I, Kapitel IV, 1) gegenüber-
trat, G —W— GG’ (aufgelöst: 1. G —W,; 2. W, — G’) zeigt dieselbe
Ware zweimal. Es ist beidemal dieselbe Ware, worin sich das Geld
in der ersten Phase verwandelt, und welche sich in der zweiten Phase in
mehr Geld rückverwandelt. Trotz dieser wesentlichen Verschieden-
heit haben beide Zirkulationen das gemein, daß in ihrer ersten Phase
Geld in Ware und in ihrer zweiten Ware in Geld verwandelt wird,
das in der ersten Phase verausgabte Geld also in der zweiten wieder
Zzurückfließt. Einerseits haben sie diesen Rückstrom des Geldes
Zu seinem Ausgangspunkt gemein, anderseits aber auch den Ueber-
Schuß des rückströmenden Geldes über das vorgeschossene. Inso-
fern erscheint auch G — W...W’— Gin der allgemeinen Formel
G— W— GG’ enthalten.

Es ergibt sich hier ferner, daß in den beiden der Zirkulation
angehörigen Metamorphosen G — W und W’— G’ sich jedesmal
gleich große, gleichzeitig vorhandene Wertexistenzen gegenüber-
Stehen und einander ersetzen. Die Wertveränderung gehört lediglich
der Metamorphose P, dem Produktionsprozeß, der so als reale
Metamorphose des Kapitals, gegenüber den bloß formellen Meta-
Morphosen der Zirkulation, erscheint. ;

Betrachten wir nun die Gesamtbewegung G—W...P...W’
—@, oder ihre explizite Form G -— W{£ ...P...W’' (W+w)
        <pb n="79" />
        26

Erster Abschnitt
— 6 (G + g). Das Kapital erscheint hier als ein Wert, der eine
Reihenfolge zusammenhängender, durch einander bedingter Ver-
wandlungen durchläuft, eine Reihe von Metamorphosen, die eben-
so viele Phasen oder Stadien eines Gesamtprozesses bilden. Zwei
dieser Phasen gehören der Zirkulationssphäre an, eine der Produk-
tionssphäre. In jeder dieser Phasen befindet sich der Kapitalwert
in verschiedener Gestalt, der eine verschiedene, spezielle Funktion
entspricht. Innerhalb dieser Bewegung erhält sich nicht nur der
vorgeschossene Wert, sondern er wächst, vermehrt seine Größe.
Endlich, im Schlußstadium, kehrt er zur selben Form zurück, worin
er beim Ausgang des Gesamtprozesses erschien. Dieser Gesamt-
prozeß ist daher Kreislaufprozeß.

Die beiden Formen, die. der Kapitalwert innerhalb seiner
Zirkulationsstadien annimmt, sind die von Geldkapital und
Warenkapital; seine dem Produktionsstadium angehörige Form
ist die von produktivem Kapital. Das Kapital, das im Verlauf
seines Gesamtkreislaufs diese Formen annimmt und wieder abstreift
und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist indu-
strielles Kapital — industriell hier in dem Sinn, daß es jeden
kapitalistisch betriebenen Produktionszweig umfaßt.

Geldkapital, Warenkapital, produktives Kapital bezeichnen
hier also nicht selbständige Kapitalsorten, deren Funktionen
den Inhalt gleichfalls selbständiger und voneinander getrennter
Geschäftszweige bilden. Sie bezeichnen hier nur besondere Funk-
tionsformen des industriellen Kapitals, das sie alle drei nachein-
ander annimmt.

Der Kreislauf des Kapitals geht nur normal vonstatten, so-
lange seine verschiedenen Phasen ohne Stockung ineinander über-
gehen. Stockt das Kapital in der ersten Phase G — W, so erstarrt
das Geldkapital zum Schatz; wenn in der Produktionsphase, so
liegen die Produktionsmittel funktionslos auf der einen Seite, während
die Arbeitskraft auf der andern unbeschäftigt bleibt; wenn in der
letzten Phase W’— G’, so versperren unverkäuflich anfgehäufte
Waren den Zirkulationsfluß.

Anderseits liegt es in der Natur der Sache, daß der Kreislauf
selbst die Fixierung [Festlegung] des Kapitals während bestimmter
Fristen in den einzelnen Kreisabschnitten bedingt. In jeder seiner
Phasen ist das industrielle Kapital an eine bestimmte Form gebunden,
als Geldkapital, produktives Kapital, Warenkapital. Nur nachdem
es die seiner jedesmaligen Form entsprechende Funktion vollzogen
hat, erhält es die Form, worin es eine neue Verwandlungsphase ein-
gehen kann. Um dies klarzulegen, haben wir in unserm Beispiel
angenommen, daß der Kapitalwert der im Produktionsstadium er-
zeugten Warenmasse gleich sei der Gesamtsumme des ursprünglich
als Geld vorgeschossenen Wertes, mit andern Worten, daß der ganze
als Geld vorgeschossene Kapitalwert auf einmal aus dem einen Sta-
dium in das jedesmal nächstfolgende tritt. Wir haben aber gesehen
        <pb n="80" />
        Erstes Kapitel

27
(Buch I, Kapitel VI5c), daß ein Teil des konstanten Kapitals, die
eigentlichen Arbeitsmittel (zum Beispiel Maschinen), in einer größeren
öder geringeren Anzahl von Wiederholungen derselben Produktions-
prozesse stets von neuem dienen, ihren Wert daher auch nur stück-
weise an das Produkt abgeben. Wie weit dieser Umstand den Kreis-
laufprozeß modifiziert [auf ihn abändernd einwirkt], wird sich später
zeigen. Hier genügt folgendes: In unserm Beispiel enthielt der Wert
des produktiven Kapitals gleich 422 Pfd. Sterl. nur den durchschnitt-
lich berechneten Verschleiß der Fabrikgebäude, Maschinerie etc., also
nur den Wertteil, den sie bei Verwandlung von 10600 % Baumwolle
in 10000 % Garn auf letzteres übertragen, auf das Produkt eines
wöchentlichen Spinnprozesses von 60 Stunden. In den Produktions-
mitteln, in welche sich das vorgeschossene konstante Kapital von
372 Pfd. Sterl. verwandelt, figurierten daher auch die Arbeitsmittel,
Gebäude, Maschinerie etc. so, als ob sie auf dem Markt gegen
wöchentliche Ratenzahlung [Teilzahlung] nur gemietet wären. Dies
ändert jedoch absolut nichts am Sachverhalt. Wir brauchen das in der
Woche produzierte Garnquantum von 10000 % nur mit der Anzahl der
auf eine gewisse Reihe von Jahren berechneten Wochen zu multi-
plizieren, damit der ganze Wert der gekauften und in dieser Zeit
aufgebrauchten Arbeitsmittel auf es übertragen wird. Es ist dann
klar, daß das vorgeschossene Geldkapital erst in diese Mittel ver-
wandelt, also aus dem ersten Stadium G—W herausgetreten sein
muß, bevor es als produktives Kapital P fungieren kann. Ebenso
klar ist es in unserm Beispiel, daß die dem Garn während des Pro-
duktionsprozesses einverleibte Kapitalwertsumme von 422 Pfd.
Sterl. nicht als Wertbestandteil der 10000 % Garn in die Zirku-
lationsphase W’— G’ eingehen kann, ehe es fertig ist. Das Garn kann
nicht verkauft werden, ehe es gesponnen.

In der allgemeinen Formel wird das Produkt von P betrachtet
als ein von den Elementen des produktiven Kapitals verschiedenes
materielles Ding, als ein Gegenstand, der eine vom Produktions-
prozeß abgesonderte Existenz, eine von der der Produktionselemente
verschiedene Gebrauchsform besitzt. Und wenn das Resultat des
Produktionsprozesses als, Ding auftritt, ist dies stets der Fall, selbst
wo ein Teil des Produkts wieder als Element in die erneuerte Pro-
duktion eingeht. So dient Getreide als Aussaat zu seiner eigenen Pro-
duktion; aber das Produkt besteht nur aus Getreide, hat also eine
von den mitverwandten Elementen, der Arbeitskraft, den Instru-
menten, dem Dünger, verschiedene Gestalt. Es gibt aber selbständige
Industriezweige, wo das Produkt des Produktionsprozesses kein neues
gegenständliches Produkt, keine Ware ist. Oekonomisch wichtig
davon ist nur die Kommunikationsindustrie [Verkehrsindustrie], sei
sie eigentliche Transportindustrie für Waren und Menschen, sei sie
Uebertragung bloß von Mitteilungen, Briefen, Telegrammen ete.

5c In der Engeleschen Ausgabe steht: Kapitel IV. K.
        <pb n="81" />
        28

Erster Abschnitt
A, Cuprov® sagt darüber: „Der Fabrikant kann zuerst Artikel
produzieren und dann Konsumenten dafür suchen‘ (sein Produkt,
nachdem es als fertig aus dem Produktionsprozeß ausgestoßen, geht
als von demselben getrennte Ware in die Zirkulation über). „Produk-
tion und Konsumtion erscheinen so.als zwei dem Raum und der
Zeit nach getrennte Akte. In der Transportindustrie, die keine neuen
Produkte schafft, sondern nur Menschen und Dinge versetzt, fallen
diese beiden Akte zusammen; die Dienste“ (die Ortsveränderung)
„müssen in demselben Augenblick konsumiert werden, in dem:.sie
produziert werden. Deshalb erstreckt sich der Rayon [das Gebiet],
aus dem die Eisenbahnen Kundschaft suchen können, auf höchstens
50 Werst (53 Kilometer) auf beiden Seiten.“

Das Resultat — ob Menschen oder Waren transportiert werden —
ist ihr verändertes örtliches Dasein, zum Beispiel, daß das Garn sich
jetzt in Indien befindet statt in England, wo es produziert worden.

Was aber die Transportindustrie verkauft, ist die Ortsveränderung
selbst. Der hervorgebrachte Nutzeffekt [die Leistung oder Wirkung]
ist untrennbar ‚verbunden mit dem Tranportprozeß, das heißt dem
Produktionsprozeß der Transportindustrie. Menschen und Waren
reisen mit dem Transportmittel, und sein Reisen, seine örtliche Be-
wegung, ist eben der durch es bewirkte Produktionsprozeß. Der Nutz-
effekt ist nur konsumierbar während des Produktionsprozesses; er
existiert nicht als ein von diesem Prozeß verschiedenes Gebrauchs:
ding, das erst nach seiner Produktion als Handelsartikel fungiert,
als Ware zirkuliert. Der Tauschwert dieses Nutzeffekts ist aber be-
stimmt, wie der jeder andern Ware, durch den Wert der in ihm ver-
drauchten Produktionselemente (Arbeitskraft und Produktionsmittel)
plus dem Mehrwert, den die Mehrarbeit der in der Transportindustrie
beschäftigten Arbeiter geschaffen hat. Auch in Beziehung auf seine
Konsumtion verhält sich dieser Nutzeffekt ganz wie andere Waren.
Wird er individuell konsumiert, so verschwindet sein Wert mit der
Konsumtion; wird er produktiv konsumiert, so daß er selbst ein
Produktionsstadium der im Transport befindlichen Ware, so wird
sein Wert als Zuschußwert auf die Ware selbst übertragen. Die
Formel für die Transportindustrie wäre also G—W{A ...P—06”, da
der Produktionsprozeß selbst, nicht ein von ihm trennbares Produkt,
gezahlt und konsumiert wird. Sie hat also fast genau dieselbe Form
wie die für die Produktion der edlen Metalle, nur daß G’ hier ver-
wandelte Form des während des Produktionsprozesses hervorge-
brachten Nutzeffekts, nicht Naturalform des während dieses Pro-
zesses hervorgebrachten und aus ihm ausgestoßenen Goldes oder
Silbers ist.

Das industrielle Kapital ist die einzige Daseinsweise des Kapitals,
worin nicht nur Aneignung von Mehrwert, respektive Mehrprodukt,

3 A. Cuprov: „Zel&amp;znodoroznoje chozjajstvo‘. Moskva 1875, p. 75,76.
        <pb n="82" />
        29
sondern zugleich dessen Schöpfung Funktion des Kapitals ist. Es
bedingt daher den kapitalistischen Charakter der Produktion; sein
Dasein schließt das des Klassengegensatzes von Kapitalisten und
Lohnarbeitern ein. Im Maß, wie es sich der gesellschaftlichen Pro-
duktion bemächtigt, werden Technik und gesellschaftliche Organisa-
tion. des Arbeitsprozesses umgewälzt, und damit der ökonomisch-
geschichtliche Typus [das kennzeichnende Bild] der Gesellschaft. Die
andern Arten von Kapital, die vor ihm inmitten vergangener oder
untergehender gesellschaftlicher Produktionszustände erschienen,
werden ihm nicht nur untergeordnet und im Mechanismus ihrer
Funktionen ihm entsprechend verändert, sondern bewegen sich nur
noch auf seiner Grundlage, leben und sterben, stehen und fallen daher
mit dieser ihrer Grundlage. Geldkapital und Warenkapital, soweit
sie mit ihren Funktionen als Träger eigener Geschäftszweige neben
dem industriellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesell-
schaftliche Teilung der Arbeit verselbständigte und einseitig au8s-
gebildete Existenzweisen der verschiedenen Funktionsformen, die
das industrielle Kapital innerhalb der Zirkulationssphäre bald an-
nimmt, bald abstreift.

Der Kreislauf G...G’ verschlingt sich einerseits mit der allge-
meinen. Warenzirkulation, geht aus ihr hervor und in sie ein und
bildet einen Teil von ihr. Anderseits bildet er eine eigene selbständige
Bewegung des Kapitalwerts für den individuellen Kapitalisten, eine
Bewegung, die teils innerhalb der allgemeinen Warenzirkulation vor-
geht, teils außerhalb derselben, die aber stets ihren selbständigen
Charakter bewahrt. Erstens dadurch, daß ihre beiden in der Zirku-
lationssphäre vorgehenden Phasen [Durchgangsstufen] G —W und
W’—6G” alsPhasen der Kapitalbewegung funktionell bestimmte Charak-
tere besitzen; in G—W ist W stofflich bestimmt als Arbeitskraft und
Produktionsmittel; in W’— G’ wird der Kapitalwert realisiert plusdem
Mehrwert. Zweitens umschließt P, der Produktionsprozeß, die produk-
tive Konsumtion. Drittens macht die Rückkehr des Geldes zu ihrem
Ausgangspunkt die Bewegung G ...G’ zu einer sich in sich selbst
abschließenden Kreislaufbewegung.

Einerseits bildet also jedes individuelle Kapital in seinen beiden
Zirkulationshälften G —W und W’-— G’ ein Agens [eine wirkende
Kraft] der allgemeinen Warenzirkulation, worin es entweder als Geld
öder als Ware fungiert oder verkettet ist und so selbst ein Glied
bildet in der allgemeinen Metamorphosenreihe der Warenwelt. Ander-
seits beschreibt es innerhalb der allgemeinen Zirkulation seinen eige-
nen selbständigen Kreislauf, worin die Produktionssphäre ein Durch-
gangsstadium bildet, und worin es zu seinem Ausgangspunkt in der-
selben Form zurückkehrt, in der es ihn verließ. Innerhalb seines
eigenen Kreislaufs, der seine reale Metamorphose im Produktions-
Prozeß einschließt, verändert es zugleich seine Wertgröße. Es kehrt
zurück nicht nur als Geldwert, sondern als vergrößerter, gewachsener
Geldwert.

Erstes Kapitel
        <pb n="83" />
        Erster Abschnitt

Betrachten wir schließlich G-—W...P...W’— G’ als spezielle
Form des Kreislaufprozesses des Kapitals neben den andern später
zu untersuchenden Formen, so zeichnet es sich durch folgendes aus:

1. Es erscheint als Kreislauf des Geldkapitals, weil das
industrielle Kapital in seiner Geldform, als Geldkapital, den Aus-
gangspunkt und den Rückkehrpunkt seines Gesamtprozesses bildet.
Die Formel selbst drückt aus, daß das Geld hier nicht als Geld ver-
ausgabt, sondern nur vorgeschossen wird, also nur Geldform des
Kapitals, Geldkapital, ist. Sie drückt ferner aus, daß der Tauschwert,
nicht der Gebrauchswert, der bestimmende Selbstzweck der Bewe-
yung ist. Eben weil die Geldgestalt des Wertes seine selbständige,
handgreifliche Erscheinungsform ist, drückt die Zirkulationsform
G...G’, deren Ausgangspunkt und Schlußpunkt wirkliches Geld ist,
am handgreiflichsten das Geldmachen aus, das treibende Motiv [Be-
weggrund] der kapitalistischen Produktion. Der Produktionsprozeß
erscheint nur als unvermeidliches Mittelglied, als notwendiges Uebel
zum Behuf des Geldmachens. (Alle Nationen kapitalistischer Pro-
duktionsweise werden daher periodisch von einem Schwindel er-
griffen, worin sie ohne Vermittlung des Produktionsprozesses das
Geldmachen vollziehen wollen.)

2. Das Produktionsstadium, die Funktion von P, bildet in diesem
Kreislauf die Unterbrechung der zwei Phasen der Zirkulation G—W
‚..W’— GG”, die wieder nur Vermittlung der einfachen Zirkulation
G—W-— 6’. Der Produktionsprozeß erscheint in der Form des Kreis-
laufprozesses selbst, formell und ausdrücklich als das, was er in der
kapitalistischen Produktionsweise ist, als bloßes Mittel zur Verwer-
tung des vorgeschossenen Wertes, also die Bereicherung als solche als
Selbstzweck der Produktion.

3. Weil die Reihenfolge der Phasen durch G-—W eröffnet wird,
ist das zweite Glied der Zirkulation W’—G’; also Ausgangspunkt G,
das zu verwertende Geldkapital, Schlußpunkt G’, das verwertete
Geldkapital G + g, worin G als realisiertes Kapital neben seinem
Sprößling g figuriert. Dies unterscheidet den Kreislauf G [der mit
G beginnt] von den beiden andern Kreisläufen P und W’ [dem mit
P und dem mit W’ beginnenden], und zwar in doppelter Weise. Einer-
seits durch die Geldform der beiden Extreme; Geld ist aber die selb-
ständige handgreifliche Existenzform des Wertes, der Wert des Pro-
dukts in seiner selbständigen Wertform, worin alle Spur des Ge-
brauchswerts der Waren ausgelöscht ist. Anderseits wird die Form
P...P nicht notwendig zu P. . .P’ (P+p), und in der Form W’...W’
ist überhaupt keine Wertdifferenz zwischen beiden Extremen sichtbar.
Der Formel G...G”’ ist es also charakteristisch, einerseits, daß der
Kapitalwert den Ausgangspunkt und der verwertete Kapitalwert den
Rückkehrpunkt bildet, so daß der Vorschuß des Kapitalwerts als
Mittel, der verwertete Kapitalwert als Zweck der ganzen Operation
erscheint; anderseits, daß dies Verhältnis in Geldform ausgedrückt
ist, der selbständigen Wertform, daher das Geldkapital als Geld

30
        <pb n="84" />
        31
heckendes Geld... Die Erzeugung von Mehrwert durch den Wert ist
nicht nur als Alpha und Omega [eigentlich Anfang und Ende, über-
tragen: der eigentliche Inhalt] des Prozesses ausgedrückt, sondern
ausdrücklich in der blinkenden Geldform.

4..Da G”, das realisierte Geldkapital als Resultat von W’— G”,

der ergänzenden und abschließenden Phase von G — W, sich absolut
[durchaus] in derselben Form befindet, worin es seinen ersten Kreis-
[auf eröffnet hat, kann es, sowie es aus demselben hervorgeht, den-
selben Kreislauf wieder eröffnen als vergrößertes (akkumuliertes)
Geldkapital: G’ = G + g; und es ist wenigstens nicht in der Form
von G...G' ausgedrückt, daß bei Wiederholung des Kreislaufs die
Zirkulation von g sich von der von G trennt. In seiner einmaligen
Gestalt betrachtet, formell, drückt der Kreislauf des Geldkapitals
daher nur den Verwertungs- und Akkumulationsprozeß aus. Die
Konsumtion ist darin nur als produktive Konsumtion ausgedrückt
durch G — W{A, nur diese ist eingeschlossen in diesen Kreislauf
des individuellen Kapitals. G— A ist A—G oder W— G von
seiten des Arbeiters; ist also die erste Phase der Zirkulation, die
seine individuelle Konsumtion vermittelt: A — G — W (Lebens-
mittel). Die zweite Phase G — W fällt nicht mehr in den Kreislauf
des individuellen Kapitals; aber sie ist durch ihn eingeleitet, von ihm
vorausgesetzt, da der Arbeiter, um sich stets als ausbeutungsfähiger
Stoff des Kapitalisten auf dem Markt zu befinden, vor allen Dingen
leben, also sich durch individuelle Konsumtion erhalten muß. Aber
diese Konsumtion selbst ist hier nur vorausgesetzt als Bedingung der
produktiven Konsumtion der Arbeitskraft durch das Kapital, also
auch nur soweit sich der Arbeiter durch seine individuelle Konsum-
tion als Arbeitskraft erhält und reproduziert. Die Pm, die eigent-
lichen Waren aber, die in den Kreislauf eingehen, bilden nur Speise-
material der produktiven Konsumtion. Der Akt A — G vermittelt
die individuelle Konsumtion des Arbeiters, Verwandlung der Lebens-
mittel in sein Fleisch und Blut. Allerdings muß auch der Kapitalist
da sein, also auch leben und konsumieren, um als Kapitalist zu
fungieren. Dazu brauchte er in der Tat nur als Arbeiter zu kon-
sumieren, und mehr ist daher in dieser Form des Zirkulations-
prozesses nicht vorausgesetzt. Formell ausgedrückt ist selbst das
nicht, da die Formel schließt mit G’, also einem Resultat, das sofort
wieder als vergrößertes Geldkapital fungieren kann.

In W'— GG ist der Verkauf von W’ direkt enthalten; aber
W’— G’, Verkauf von der einen Seite, ist G—W, Kauf von der
andern, und die Ware wird endgültig nur ihres Gebrauchswerts
wegen gekauft, um (von Zwischenverkäufen abgesehen) in den Kon-
sumtionsprozeß einzugehen, sei dieser nun individuell oder produktiv,
je nach der Natur des gekauften Artikels. Aber diese Konsumtion
geht nicht ein in den Kreislauf des individuellen Kapitals, dessen
Produkt W” ist; dies Produkt wird eben als zu verkaufende Ware
aus dem Kreislauf abgestoßen. Das W”’ ist ausdrücklich bestimmt zu

Das Kapital. IL

Erstes Kapitel
        <pb n="85" />
        39

Erster Abschnitt
fremder Konsumtion. Wir finden daher bei Dolmetschern des Mer-:
kantilsystems (dem die Formel G — W...P...W-— zugrunde
liegt) sehr weitläufige Predigten darüber, daß der einzelne Kapitalist
nur als Arbeiter konsumieren muß, wie die Kapitalistennation den
andern dümmeren Nationen das Verzehren ihrer Waren und über-
haupt den Konsumtionsprozeß überlassen, dagegen die produktive
Konsumtion zu ihrer Lebensaufgabe machen muß. Diese Predigten
erinnern oft der Form und dem Inhalt nach an analoge asketische
Ermahnungen [ähnliche Ermahnungen zur Fleischabtötung] der
Kirchenväter.

Der Kreislaufprozeß des Kapitals ist also Einheit von Zirku-
lation und Produktion, schließt beide ein. Sofern die beiden Phasen
G—W, W’— G’ Zirkulationsvorgänge, bildet die Zirkulation des
Kapitals Teil der allgemeinen Warenzirkulation. Aber als funktionell
bestimmte Abschnitte, Stadien im Kreislauf des Kapitals, der nicht;
nur der Zirkulationssphäre, sondern auch der Produktionssphäre
angehört, vollzieht das Kapital innerhalb der allgemeinen Waren-
zirkulation seinen eigenen Kreislauf. Die allgemeine Warenzirkulation
dient ihm im ersten Stadium dazu, die Gestalt anzunehmen, worin es
als produktives Kapital fungieren kann; im zweiten, die Waren-
{unktion ** abzustoßen, worin es seinen Kreislauf nicht erneuern kann;
und zugleich ihm die Möglichkeit zu eröffnen, seinen eigenen Kapital-
greislauf zu trennen von der Zirkulation des ihm angewachsenen
Mehrwerts.

Der Kreislauf des Geldkapitals ist daher die einseitigste, darum
schlagendste und charakteristischste Erscheinungsform des Kreis-
‘aufs des industriellen Kapitals, dessen Ziel und treibendes Motiv:
Verwertung des Wertes, Geldmachen und Akkumulation, in die Augen
springend dargestellt wird (kaufen, um teurer zu verkaufen). Dadurch,
daß die erste Phase G — W ist, tritt auch hervor die Herkunft der
Bestandteile des produktiven Kapitals aus dem Warenmarkt, wie
überhaupt die Bedingtheit des kapitalistischen Produktionsprozesses
durch die Zirkulation, den Handel. Der Kreislauf des Geldkapitals
ist nicht nur Warenproduktion; er kommt selbst nur durch die
Zirkulation zustande, er setzt sie voraus. Es liegt dies schon darin,
daß die der Zirkulation angehörige Form G als erste und reine Form
des vorgeschossenen Kapitalswerts erscheint, was in den beiden
andern Kreislaufformen nicht der Fall.

Der Kreislauf des Geldkapitals bleibt insofern stets der allge-
meine Ausdruck des industriellen Kapitals, als er stets Verwertung

des vorgeschossenen Wertes einschließt. In P...P tritt der Geld-
ausdruck des Kapitals nur als Preis der Produktionselemente hervor.

5% In der 1. Auflage stand „‚Warenform“. In der 2. Auflage wurde das
yeändert in „Warenfunktion“. K.
        <pb n="86" />
        Erstes Kapitel‘

33
also nur als.in Rechengeld ausgedrückter Wert, und wird in dieser
Form festgehalten in der Buchhaltung.

Besondere Form des Kreislaufs des industriellen Kapitals wird
G...G’, soweit neu auftretendes Kapital zuerst als Geld vorge-
schossen und in derselben Form zurückgezogen wird, sei es beim
Uebertritt aus einem. Geschäftszweig in den andern, sei es beim
Rücktritt des industriellen Kapitals aus dem Geschäft. Es schließt
dies ein die Kapitalfunktion des zuerst in Geldform vorgeschossenen
Mehrwerts und tritt am schlagendsten hervor, wenn dieser in einem
andern Geschäft fungiert als dem, woraus er herkommt. G...G
kann erster Kreislauf eines Kapitals sein; es kann letzter sein; es
kann als Form des gesellschaftlichen Gesamtkapitals gelten; es ist die
Form von Kapital, das neu angelegt wird, sei es als in Geldform neu
Akkumuliertes Kapital, sei es als altes Kapital, das ganz in Geld
verwandelt wird zur Uebertragung aus einem Produktionszweig in
den andern.

Als stets in allen Kreisläufen einbegriffene Form vollzieht das
Geldkapital diesen Kreislauf gerade für den Teil des Kapitals, der den
Mehrwert erzeugt, das variable Kapital. Die normale Form des
Vorschusses des Arbeitslohns ist Zahlung in Geld; dieser Prozeß muß
in kürzeren Terminen stets erneuert werden, weil der Arbeiter von
der Hand in den Mund lebt. Dem Arbeiter muß der Kapitalist daher
beständig als Geldkapitalist und sein Kapital als Geldkapital gegen-
übertreten. Es kann hier nicht, wie beim. Kauf der Produktions-
mittel und Verkauf der produktiven Waren, direkte oder indirekte
Ausgleichung stattfinden (so daß die größere Masse des Geldkapitals
tatsächlich nur in Form von Waren, das Geld nur in der Form des
Rechengeldes, und schließlich bar nur für Ausgleichung der Bilanzen
Äguriert). Anderseits wird ein Teil des aus dem variablen Kapital
enfspringenden Mehrwerts vom Kapitalisten verausgabt für seine
Privatkonsumtion, die dem Kleinhandel angehört und, auf welchen
Umwegen immer, bar, in der Geldform des Mehrwerts verausgabt
wird. Wie groß oder klein dieser Teil des Mehrwerts sei, ändert nichts
an der Sache. Fortwährend erscheint von neuem das variable Kapital
als im Arbeitslohn angelegtes Geldkapital (G — A) und g als Mehr-
wert, der zur Bestreitung der Privatbedürfnisse des Kapitalisten
verausgabt wird. Also G als vorgeschossener variabler Kapitalwert
und g als sein Zuwachs, beide in Geldform notwendig festgehalten,
um in solcher verausgabt zu werden.

Die Formel G— W...P...W'— G’, mit dem Resultat G’ =
G + g, schließt in ihrer Form eine Täuschung ein, trägt einen illuso-
tischen [trügerischen] Charakter, der aus dem Dasein des vorge-
schossenen und. verwerteten Wertes in seiner Aequivalentform, dem
Geld, entspringt. Der Akzent [die Betonung] iegtnicht auf Verwertung
les Wertes, sondern auf der Geldform dieses Prozesses, darauf, daß
mehr Wert in Geldform schließlich aus der Zirkulation gezogen wird, als
ihr ursprünglich vorgeschossen ward, also auf Vermehrung der dem
        <pb n="87" />
        34

Erster Abschnitt
Kapitalisten gehörigen Gold- und Silbermasse. Das sogenannte
Monetärsystem ist bloß Ausdruck der begriffslosen Form G — W —
G’, einer Bewegung, die ausschließlich in der Zirkulation verläuft
und daher die beiden Akte: 1. G— W, 2. W-— GG’ nur dadurch
erklären kann, daß W im zweiten Akt über seinen Wert verkauft
wird, daher mehr Geld der Zirkulation entzieht, als durch seinen Kauf
in sie hineingeworfen ward. Dagegen G — W...P...W’— G’, als
ausschließliche Form fixiert, liegt dem entwickelteren Merkantil-
3ystem zugrunde, wo nicht nur Warenzirkulation, sondern auch
Warenproduktion als notwendiges Element erscheint.

Der illusorische Charakter von G — W...P...W’— @ und die
ihr entsprechende illusorische Deutung ist da, sobald diese Form als
ainmalige fixiert wird, nicht als fließende, beständig sich erneuernde;
sobald sie daher nicht als eine der Formen des Kreislaufs, sondern
als seine ausschließliche gilt. Sie weist aber selbst auf andere For-
men hin.

Erstens setzt dieser ganze Kreislauf den kapitalistischen Charakter
des Produktionsprozesses selbst voraus und als Basis daher diesen
Produktionsprozeß nebst dem spezifischen, durch ihn bedingten
Gesellschaftszustand. G—W=G—W{A,; aber G—A unterstellt
den Lohnarbeiter und daher die Produktionsmittel als Teil des
produktiven Kapitals, daher den Arbeits- und Verwertungsprozeß,
den Produktionsprozeß schon als Funktion des Kapitals.

Zweitens: Wird G...G’ wiederholt, so erscheint die Rückkehr
zur Geldform ebenso verschwindend wie die Geldform im ersten
Stadium. G — W verschwindet, um P Platz zu machen. Der bestän-
dige Wiedervorschuß in Geld, ebensosehr wie seine beständige Rück-
kehr als Geld, erscheinen selbst als nur im Kreislauf verschwindende
Momente.

Drittens:

G—W...P...W—6'. G—W...P...W’—6’. G—W...P... ete.

Schon bei der zweiten Wiederholung des Kreislaufs erscheint der
Kreislauf P...W’—G6'.G-—W...P, bevor der zweite Kreislauf
von G vollendet ist, und alle ferneren Kreisläufe können so unter der
Form P...W— G— W...P betrachtet werden, so daß G — W
als erste Phase des ersten Kreislaufs nur die verschwindende Vor-
bereitung des sich stets wiederholenden Kreislaufs des produktiven
Kapitals bildet, wie dies in der Tat der Fall bei zum ersten Male in
der Form von Geldkapital angelegtem, industriellem Kapital.

Anderseits, bevor der zweite Kreislauf von P vollendet, ist der
erste Kreislauf W’— G’. G— W...P...W' (abgekürzt W’...W’)
beschrieben, der Kreislauf des Warenkapitals. So enthält die erste
Form schon die beiden andern, und es verschwindet so die Geldform,
soweit sie nicht bloßer Wertausdruck, sondern Wertausdruck in der
Aequivalentform, in Geld.
        <pb n="88" />
        Zweites Kapitel

35

Endlich“ Nehmen wir ein neu auftretendes einzelnes Kapital,
welches zum ersten Male den Kreislauf G—W...P...W’— G’ be-
schreibt, so ist G—W die Vorbereitungsphase, der Vorläufer des ersten
Produktionsprozesses, den dies einzelne Kapital durchmacht. Diese
Phase G — W ist daher nicht vorausgesetzt, sondern wird vielmehr
durch den Produktionsprozeß gesetzt oder bedingt. Aber dies gilt
nur für dies einzelne Kapital. Allgemeine Form des Kreislaufs des
industriellen Kapitals ist der Kreislauf des Geldkapitals, soweit die
kapitalistische Produktionsweise vorausgesetzt ist, also innerhalb
eines durch die kapitalistische Produktion bestimmten Gesellschafts-
zustandes. Der kapitalistische Produktionsprozeß ist daher als ein
prius [etwas Früheres, bereits Bestehendes] vorausgesetzt, wenn
nicht in dem ersten Kreislauf des Geldkapitals eines neu angelegten
industriellen Kapitals, so außerhalb desselben; das beständige Dasein
dieses Produktionsprozesses unterstellt den beständig erneuerten
Kreislauf von P...P. Innerhalb des ersten Stadiums G — W {pn tritt
diese Voraussetzung selbst schon auf, indem dies einerseits das Dasein
der Lohnarbeiterklasse voraussetzt; indem anderseits das, was erstes
Stadium G — W für den Käufer der Produktionsmittel, W’— G’
für ihren. Verkäufer ist, also in W’ das Warenkapital, somit die Ware
selbst als Resultat der kapitalistischen Produktion und damit die
Funktion des produktiven Kapitals voraussetzt.

Zweites Kapitel.
Der Kreislauf des produktiven Kapitals.
Der Kreislauf des produktiven Kapitals hat die allgemeine
Formel: P...W’— G’— W...P. Er bedeutet die periodisch [in
bestimmten Zeiträumen] erneuerte Funktion des produktiven Ka-
pitals, also die Reproduktion, oder seinen Produktionsprozeß als
Reproduktionsprozeß mit Bezug auf die Verwertung; nicht nur
Produktion, sondern periodische Reproduktion von Mehrwert; die
Funktion des in seiner produktiven Form befindlichen industriellen
Kapitals nicht als einmalige, sondern als periodisch wiederholte
Funktion, so daß der Wiederbeginn durch den Ausgangspunkt selbst
gegeben ist. Ein Teil von W’ kann unmittelbar (in gewissen Fällen,
Anlagezweigen des industriellen Kapitals) wieder als Produktions-
Mittel in denselben Arbeitsprozeß eingehen, aus dem er als Ware
herauskam; dadurch wird nur die Verwandlung seines Wertes in
Wirkliches Geld oder Geldzeichen erspart, oder sie erhält nur selb-
ständigen Ausdruck als Rechengeld. Dieser Wertteil geht nicht in die
Zirkulation ein. Es gehen so Werte in den Produktionsprozeß ein,
die nicht in den Zirkulationsprozeß eingehen. Dasselbe gilt von dem
Teil von W”, den der Kapitalist als Teil des Mehrprodukts in natura
        <pb n="89" />
        36

Erster Abschnitt
[in seinen eigenen Produkten] verzehrt. Dies ist jedoch für die kapita-
listische Produktion. unbedeutend; es kommt höchstens bei der
Agrikultur [Landwirtschaft] in Betracht.

Zweierlei springt sofort bei dieser Form in die Augen:

1. Während in der ersten Form G...G’ der Produktionsprozeß,
die Funktion von P, die Zirkulation des Geldkapitals unterbricht und
nur als Vermittler zwischen seinen beiden Phasen G —W und W’— GG
grscheint, bildet hier der gesamte Zirkulationsprozeß des industri-
allen Kapitals, seine ganze Bewegung innerhalb der Zirkulationsphase,
nur eine Unterbrechung und daher nur die Vermittlung zwischen
dem produktiven Kapital, das als erstes Extrem den Kreislauf er-
öffnet und als letztes ihn in derselben Form, also in der Form seines
Wiederbeginns, schließt. Die eigentliche Zirkulation erscheint nur
als Vermittlung der periodisch erneuerten und durch die Erneuerung
kontinuierlichen [ununterbrochen fortlaufenden] Reproduktion.

2. Die gesamte Zirkulation stellt sich dar in der entgegenge-
setzten Form von der, die sie im Kreislauf des Geldkapitals besitzt.
Sie war dort: G—W-—G (G—W. W— G), abgesehen von der Wert-
bestimmung; sie ist hier, wieder abgesehen von der Wertbestimmung,
W—G—W (W—G. G—W), also die Form der einfachen Waren-
zirkulation.
I. Einfache Reproduktion.
Betrachten wir also zunächst den zwischen den Extremen P...P
in der Zirkulationssphäre verlaufenden Prozeß W'— G’-— W.

Der Ausgangspunkt dieser Zirkulation ist das Warenkapital:
W’=W-+w=P + w. Die Funktion des Warenkapitals W’-— G”
‚die Realisierung des in ihm enthaltenen Kapitalswerts gleich P, der
jetzt als Warenbestandteil W existiert, wie des in ihm enthaltenen
Mehrwerts, der als Bestandteil derselben Warenmasse, mit dem Wert
W, existiert) wurde in der ersten Form des Kreislaufs betrachtet.
Aber dort bildete sie die zweite Phase der unterbrochenen Zirkulation
ınd die Abschlußphase des ganzen Kreislaufs, Hier bildet sie die
zweite Phase des Kreislaufs, aber die erste Phase der Zirkulation.
Der erste Kreislauf endet mit G’, und da G’ ebensowohl wie das
ursprüngliche G von neuem als Geldkapital den zweiten Kreislauf
eröffnen kann, war es zunächst nicht nötig, weiter zuzusehen, ob die in
G’ enthaltenen G und g (der Mehrwert) ihre Bahn miteinander fort-
setzen, oder ob sie verschiedene Bahnen beschreiben. Dies wäre nur
nötig geworden, hätten wir den ersten Kreislauf in seiner Erneuerung
weiter verfolgt. Dieser Punkt muß aber im Kreislauf des produktiven
Kapitals entschieden werden, da die Bestimmung schon seines ersten
Kreislaufs davon abhängt, und weil W’— G” in ihm als erste Zirku-
lationsphase erscheint, welche durch G—W zu ergänzen ist. Es hängt
von dieser Entscheidung ab, ob die Formel einfache Reproduktion
oder Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter darstellt. Je nach
ihrer Entscheidung also ändert sich der Charakter des Kreislaufs.
        <pb n="90" />
        Zweites Kapitel

37
Nehmen wir also zunächst die einfache Reproduktion des pro-
duktiven Kapitals, wobei wie im ersten Kapitel gleichbleibende
Umstände und Kauf und Verkauf der Waren zu ihrem Wert voraus-
gesetzt sind. Der ganze Mehrwert geht unter dieser Annahme in die
persönliche Konsumtion des Kapitalisten ein. Sobald die Verwandlung
des Warenkapitals W’ in Geld stattgefunden, zirkuliert der Teil der
Geldsumme, der den Kapitalwert darstellt, fort im Kreislauf des
industriellen Kapitals; der andere, der vergoldeter Mehrwert ist,
geht ein in die allgemeine Warenzirkulation, ist vom Kapitalisten
ausgehende Geldzirkulation, geht aber vor außerhalb der Zirkulation
seines individuellen Kapitals.

In unserm Beispiel hatten wir ein Warenkapital W’ von 10 000 %
Garn zum Wert von 500 Pfd. Sterl.; 422 Pfd, Sterl. davon sind der
Wert des produktiven Kapitals und setzen als Geldform von 8440 %
Garn die von W’ begonnene Kapitalzirkulation fort, während der
Mehrwert von 78 Pfd. Sterl., Geldfiorm von 1560 % Garn, dem über-
schüssigen Teil des Warenprodukts, aus dieser Zirkulation heraus-
tritt und eine getrennte Bahn innerhalb der allgemeinen Waren-
zirkulation beschreibt.
W) — — (6) — WO
wl— — lg) —

EM

g — w ist eine Reihe von Käufen vermittels des Geldes, das der
Kapitalist, sei es in eigentlichen Waren, sei es in Diensten für seine
werte Person, respektive Familie, verausgabt. Diese Käufe sind
zersplittert, finden zu verschiedenen Terminen statt. Das Geld
existiert also zeitweise in der Form eines für die laufende Konsum-
tion bestimmten Geldvorrats oder Schatzes, da in seiner Zirkulation
unterbrochenes Geld sich in Schatzform befindet. Seine Funktion als
Zirkulationsmittel, das auch seine vorübergehende Form als Schatz
einbegreift, geht nicht in die Zirkulation des Kapitals in seiner Geld-
form G ein. Das Geld wird nicht vorgeschossen, sondern verausgabt.

Wir haben vorausgesetzt, daß das vorgeschossene Gesamtkapital
stets ganz aus einer seiner Phasen in die andere übergeht, so auch hier,
daß das Warenprodukt von P den Gesamtwert des produktiven Ka-
pitals P =— 422 Pfad. Sterl. plus dem während des Produktions-
prozesses geschaffenen Mehrwert = 78 Pfd. Sterl. trägt. In
unserm Beispiel, wo wir es mit einem diskreten [aus verschiedenen
Stücken bestehenden] Warenprodukt zu tun haben, existiert der
Mehrwert in der Form von 1560 % Garn; ganz wie er auf 1 % Garn
berechnet, in der Form von 2,496 Unzen Garn existiert. Wäre dagegen
das Warenprodukt zum Beispiel eine Maschine von 500 Pfd, Sterl.
und von derselben Wertzusammensetzung, so wäre zwar ein Wertteil
dieser Maschine gleich 78 Pfd. Sterl. Mehrwert, aber diese 78 Pfd.
Sterl. existierten nur in der Gesamtmaschine; sie ist nicht in Kapital-
wert und Mehrwert teilbar, ohne sie selbst in Stücke zu zerschlagen
        <pb n="91" />
        38

Erster Abschnitt
und so mit ihrem Gebrauchswert auch ihren Wert zu vernichten. Die
beiden Wertbestandteile können also nur ideell in Bestandteilen des
Warenkörpers dargestellt werden, nicht als selbständige Elemente der
Ware W’, wie jedes Pfund Garn als trennbares, selbständiges Waren-
element der 10000 %. Im ersten Fall muß die Gesamtware, das
Warenkapital, die Maschine, ganz verkauft sein, bevor g seine be-
sondere Zirkulation eingehen kann. Dagegen wenn der Kapitalist
3440 % verkauft, würde der Verkauf der weiteren 1560 % eine voll-
ständig getrennte Zirkulation des Mehrwerts in der Form w (1560 %
Garn) — g (78 Pfd. Sterl.) — w (Konsumtionsartikel) darstellen.
Die Wertelemente jedes einzelnen Quotums [Bestandteils] des Garn-
produkts von 10000 % sind aber in Teilen des Produkts ebenso
darstellbar wie im Gesamtprodukt. Wie dieses, 10000 % Garn, sich
einteilen läßt in konstanten Kapitalwert (c), 7440 % Garn zum Wert
von 372 Pfd. Sterl., variablen Kapitalwert (v) von 1000 % Garn zu
50 Pfd. Sterl. und Mehrwert (m) von 1560 % Garn zu 78 Pfd.
Sterl., so jedes Pfund Garn in © = 11,904 Unzen zum Wert von
3,928 Pence, v. = 1,600 Unzen Garn zum Wert von 1,200 Pence, m =
2,496 Unzen Garn zum Wert von 1,872 Pence. Der Kapitalist könnte
auch bei sukzessivem [nach und nach erfolgendem] Verkauf der
10000 % die in den sukzessiven Portionen [aufeinander folgenden
Teilen] enthaltenen Mehrwertselemente sukzessive verzehren und
dadurch ebenso sukzessive die Summe von e + v realisieren. Aber
diese Operation [dieses Vorgehen] unterstellt schließlich eben-
falls, daß die ganzen 10000 % verkauft, daß also auch durch Ver-
kauf von 8440 % der Wert von c und v ersetzt wird. (Buch 1,
Kapitel VII, 2.)

Wie dem aber auch sei, durch W’— G”’ erhalten sowohl der in W*
enthaltene Kapitalwert wie der Mehrwert eine trennbare Existenz,
lie Existenz verschiedener Geldsummen; in beiden Fällen ist G
sowohl wie g wirklich verwandelte Form des Wertes, der ursprünglich
in W’ nur als Preis der Ware eigenen, nur ideellen Ausdruck besitzt.

W—g-— W ist einfache Warenzirkulation, deren erste Phase
W—g in der Zirkulation des Warenkapitals W’— G einbegriffen
ist, also in dem Kreislauf des Kapitals, deren ergänzende Phase g—w 8%
dagegen außerhalb dieses Kreislaufs fällt, als davon getrennter Vor-
gang der allgemeinen Warenzirkulation. Die Zirkulation von W und
W, von Kapital und Mehrwert, spaltet sich nach der Verwandlung
von W’in G’. Es folgt daher:

4. Indem durch W’ — G’ = W’— (G + g) das Waren-
kapital realisiert wird, wird die in W’— G’ noch gemeinsame und
von derselben Warenmasse getragene Bewegung von Kapitalwert und
Mehrwert spaltbar, indem beide jetzt selbständige Formen als Geld-
zummen besitzen.

’b In der Engelsschen Ausgabe w— g.. K.
        <pb n="92" />
        Zweites Kapitel

30
2. Findet diese Spaltung statt, indem g als Revenue [Ein-
kommen]%° des Kapitalisten verausgabt wird, während G als funk-
tionelle Form des Kapitalwerts seine durch den Kreislauf bestimmte
Bahn fortsetzt — so ist der erste Akt W’— G’ im Zusammenhang
mit den nachfolgenden Akten G — W und g — w darstellbar als
die zwei verschiedenen Zirkulationen: V — G—W und w— gg — WW;
beides, der allgemeinen Form nach, der gewöhnlichen Warenzirkula-
tion angehörige Reihen.

Uebrigens werden in der Praxis bei kontinuierlichen Warenkör-
pern, die sich nicht teilen lassen, die Wertbestandteile ideell für sich
isoliert. Zum Beispiel im Londoner Baugeschäft, das größtenteils
auf Kredit betrieben wird, erhält der Bauunternehmer Vorschüsse,
je nachdem der Bau des Hauses sich in verschiedenen Stadien be-
findet. Keines dieser Stadien ist ein Haus, sondern nur ein wirklich
Sxistierender Bestandteil eines werdenden künftigen Hauses; also
trotz seiner Wirklichkeit nur ideeller Bruchteil des ganzen Hauses,
aber dennoch wirklich genug, um als Sicherheit für zusätzlichen Vor-
schuß zu dienen. (Siehe hierüber unten Kapitel XII.)

3. Trennt sich die in, W und GG noch gemeinschaftliche
Bewegung von Kapitalwert und Mehrwert nur teilweise (so daß ein
Teil des Mehrwerts nicht als Revenue verausgabt wird) oder gar nicht,
80 geht im Kapitalwert selbst eine Veränderung vor noch innerhalb
seines Kreislaufs, vor Vollendung desselben. In unserm Beispiel
war der Wert des produktiven Kapitals gleich 422 Pfd, Sterl. Setzt
88 also G — W fort, zum Beispiel als 480 Pfd. Sterl. oder 500 Pfd.
Sterl., so durchmißt es die letzteren Stadien des Kreislaufs als ein
um 58 Pfd. Sterl. oder 78 Pfd, Sterl. größerer Wert denn der an-
fängliche war. Es kann dies zugleich verbunden sein mit Aende-
rung seiner Wertzusammensetzung.

W’ -— G’, das zweite Stadium der Zirkulation und das abschlies-
sende Stadium des Kreislaufs I (G...G’), ist in unserm Kreislauf
zweites Stadium desselben und erstes der Warenzirkulation. Soweit
die Zirkulation in Betracht kommt, muß es also ergänzt werden durch
G’— W’. Aber W’ — G’ hat nicht nur den Verwertungsprozeß (hier
die Funktion von P, das erste Stadium) bereits hinter sich, sondern
sein Resultat, das Warenprodukt W”, ist bereits realisiert. Der Ver-
Wertungsprozeß des Kapitals sowie die Realisierung des Warenpro-
dukts, worin sich der verwertete Kapitalwert darstellt, ist also be-
endet mit W’— GG.

Wir haben also einfache Reproduktion vorausgesetzt, das heißt,
daß g— w sich ganz trennt von G -— W. Da beide Zirkulationen,

%c Vergleiche über den Gebrauch des Wortes Revenue bei Marx
Buch I, Kapitel XXII, 3, 2. Aufl. S. 612-13, V. S. 526. Die Bezeichnung
Rt der englischen Oekonomie entnommen. Die Franzosen schreiben Revenu.
Doch sprechen wir das Wort, für das wir die englische Schreibart anwen-
den, meist französisch aus: Rövnü, nicht englisch: Revenjuh. K.
        <pb n="93" />
        "a

Erster Abschnitt
Ww—g-—w ebenso wie W— G — W, der allgemeinen Form nach
der Warenzirkulation angehören (und daher auch keine Wertdifferen-
zen zwischen den Extremen zeigen), so ist es leicht, wie die Vulgär-
Skonomie*“ eg tut, den kapitalistischen Produktionsprozeß aufzufassen
als bloße Produktion von Waren, Gebrauchswerten zur Konsumtion
irgendeiner Art bestimmt, die der Kapitalist nur produziert, um sie
durch Waren von anderm Gebrauchswert zu ersetzen oder sie damit
umzutauschen, wie es in der Vulgärökonomie fälschlich heißt.

W’ tritt von vornherein als Warenkapital auf, und der Zweck
les ganzen Prozesses, die Bereicherung (Verwertung), schließt eine
mit der Größe des Mehrwerts (also auch des Kapitals) wachsende
Konsumtion des Kapitalisten keineswegs aus, sondern erst recht ein,

In der Zirkulation der Revenue des Kapitalisten dient in der
Tat die produzierte Ware w (oder der ihr ideell entsprechende Bruch-
teil des Warenprodukts W’) nur dazu, sie zuerst in Geld und aus Geld
in eine Reihe anderer, der .Privatkonsumtion dienender Waren um-
zusetzen. Aber der kleine Umstand ist hierbei nicht zu übersehen,
daß w Warenwert ist, der dem Kapitalisten nichts gekostet hat, Ver-
körperung von Mehrarbeit, daher es ursprünglich als Bestandteil des
Warenkapitals W’ auf die Bühne tritt. Dies w selbst ist also schon
seiner Existenz nach gebunden an den Kreislauf des prozessierenden
Kapitalwerts, und kommt dieser ins Stocken oder wird sonstwie ge-
stört, so beschränkt sich nicht nur die Konsumtion von w, oder hört
ganz auf, sondern damit zugleich der Absatz für die Warenreihe,
die den Ersatz für w bildet. Dasselbe ist der Fall, wenn W’— G’
mißlingt oder nur ein Teil von W’ yverkäuflich ist.

„Wir sahen, daß w-— g — Ww, als Zirkulation der Revenue des
Kapitalisten, nur in die Kapitalzirkulation eingeht, solange w Wert-
teil von W’, dem Kapital in seiner Funktionsform von Warenkapital,
ist, aber sobald verselbständigt durch g — w, also in der ganzen Form
FW-— g — W, geht sie nicht in die Bewegung des vom Kapitalisten
vorgeschossenen Kapitals ein, obgleich sie aus derselben hervorgeht.
Sie hängt damit so weit zusammen, als die Existenz des Kapitals die
Existenz des Kapitalisten voraussetzt, und diese letztere ist bedingt
durch seinen Verzehr von Mehrwert.

Innerhalb der allgemeinen Zirkulation fungiert W’, zum Beispiel
Garn, nur als Ware; aber als Moment der Zirkulation des Kapitals
fungiert es als Warenkapital, eine Gestalt, die der Kapitalwert
abwechselnd annimmt und abstößt. Nach dem Verkauf des Garns an
len Kaufmann ist es aus dem Kreislaufprozeß desjenigen Kapitals,
dessen Produkt es ist, entfernt, befindet sich aber trotzdem {fort-
während als Ware im Umkreis der allgemeinen Zirkulation. Die Zir-
kulation derselben Warenmasse dauert fort, obgleich sie aufgehört
hat, ein Moment im selbständigen Kreislauf des Kamnitals des Spinners
sd Was Marx unter Vulgärökonomie verstand, sagt er in Buch I. Ka-
oitel I, 4, 2, Auflage, S. 59, V. S. 45, Note 32. K.
        <pb n="94" />
        Zweites Kapitel

41

zu bilden. Die wirkliche definitive Metamorphose der vom Kapita-
listen in die Zirkulation geworfenen Warenmasse, W — G, ihr schließ-
liches Herausfallen in die Konsumtion kann daher zeitlich und räum-
lich durchaus getrennt sein von der Metamorphose, worin diese Wa-
renmasse als sein Warenkapital fungiert. Dieselbe Metamorphose,
die in der Zirkulation des Kapitals vollzogen ist, bleibt in der Sphäre
der allgemeinen Zirkulation noch zu vollziehen,

Es ändert nichts an. der Sache, wenn das Garn wieder in den
Kreislauf eines andern industriellen Kapitals eingeht. Die allgemeine
Zirkulation umfaßt ebensosehr die Verschlingung der Kreisläufe der
verschiedenen selbständigen Bruchstücke des gesellschaftlichen Ka-
pitals, das heißt die Gesamtheit der einzelnen Kapitale, wie die
Zirkulation der nicht als Kapital auf den Markt geworfenen,
beziehungsweise der in die individuelle Konsumtion eingehenden
Werte.

Das Verhältnis zwischen dem Kreislauf des Kapitals, sofern er
Teil der allgemeinen Zirkulation und sofern er Glieder eines selb-
ständigen Kreislaufs bildet, zeigt sich ferner, wenn wir die Zirkula-
tion von G’ = G + g betrachten. G, als Geldkapital, setzt den Kreis-
lauf des Kapitals fort. g, als Revenueausgabe (g — w), geht in die
allgemeine Zirkulation ein, fliegt aber aus dem Kreislauf des Kapitals
hinaus. Nur der Teil geht in den letzteren Kreislauf ein, der als zu-
sätzliches Geldkapital fungiert. In w — g — w fungiert Geld nur
als Münze; Zweck dieser Zirkulation ist die individuelle Konsumtion
des Kapitalisten. Es charakterisiert den Kretinismus [die Beschränkt-
heit]%® der Vulgärökonomie, daß sie diese Zirkulation, dienicht in den
Kreislauf des Kapitals eingeht — die Zirkulation des als Revenue
verzehrten Teils des Wertprodukts — für den charakteristischen
Kreislauf des Kapitals ausgibt.

In der zweiten Phase, G — W, ist der Kapitalwert G = P (dem
Wert des produktiven Kapitals, das den Kreislauf des industriellen
Kapitals hier eröffnet) wieder vorhanden, entledigt vom Mehrwert,
also in derselben Wertgröße, wie in dem ersten Stadium des Kreis-
laufs des Geldkapitals G — W. Trotz der verschiedenen Stelle ist
die Funktion des Geldkapitals, worin nun das Warenkapital umge-
wandelt, dieselbe: seine Verwandlung in Pm und A, Produktions-
mittel und Arbeitskraft.

Gleichzeitig mit w — g hat also der Kapitalwert in der Funktion
des Warenkapitals W’— G”’ die Phase W — G durchlaufen und tritt
nun in die ergänzende Phase G —W{A; seine Gesamtzirkulation ist
also W— G—Wi{pa-

1. Das Geldkapital G trat in Form I (Kreislauf G...G’) als ur-
sprüngliche Form auf, worin der Kapitalwert vorgeschossen wird;

se Wörtlich Blödsinn oder Stumpfsinn. Marx bezeichnet mit dem Wort
off auch bloße Beschränktheit. eines engen Horizonts. wie zum Beispiel
„Darlamentarischen Kretinismus‘‘., K.
        <pb n="95" />
        42

Erster Abschnitt
es tritt hier [in Form II, Kreislauf P,..W’— G’— W:..P] von
vornherein auf als Teil der Geldsumme, worin das Warenkapital
in der ersten Zirkulationsphase W’— G’ sich verwandelt hat, also
von vornherein als durch Verkauf des Warenprodukts vermittelte
Verwandlung von P, dem produktiven Kapital, in Geldform. Das
Geldkapital existiert hier von vornherein als nicht ursprüngliche und
nicht schließliche Form des Kapitalwerts, da nur durch abermalige
Abstreifung der Geldform die die Phase W— G abschließende Phase
G -— W vollzogen werden kann. Der Teil von G — W, der zugleich
G — A, erscheint daher auch nicht mehr als bloßer Geldvorschuß
durch Ankauf von Arbeitskraft, sondern als Vorschuß, worin der
Arbeitskraft dieselben 1000 % Garn zum Wert von 50 Pfd. Sterl.
in Geldform vorgeschossen werden, die einen Teil des von der Arbeits-
kraft geschaffenen Warenwerts bilden. Das Geld, das dem Arbeiter
hier vorgeschossen wird, ist nur verwandelte Aequivalentform eines
Wertteils des von ihm selbst produzierten Warenwerts. Und schon
darum ist der Akt G — W, soweit er G — A, keineswegs nur Ersatz
von Ware in Geldform durch Ware in Gebrauchsform, sondern
schließt andere von der allgemeinen Warenzirkulation als solcher
unabhängige Elemente ein.

G erscheint als verwandelte Form von W’, welches selbst Produkt
der vergangenen Funktion von P, dem Produktionsprozeß, ist; die
gesamte Geldsumme G” daher als Geldausdruck vergangener Arbeit,
In unserm Beispiel: 10000 % Garn = 500 Pfd. Sterl., Produkt des
Spinnprozesses; davon 7440 % Garn = dem vorgeschossenen kon-
stanten Kapital c = 372 Pfd. Sterl.; 1000 % Garn — dem vorge-
schössenen variablen Kapital v = 50 Pfd. Sterl.; und 1560 % Garn
= dem Mehrwert m = 78 Pfd. Sterl. Wird von G’nur das ursprüng-
liche Kapital gleich 422 Pfd. Sterl. von neuem vorgeschossen, unter
sonst gleichbleibenden Verhältnissen, so erhält der Arbeiter in G— A
nur einen Teil der in dieser Woche produzierten 10 000 % Garn
(den Geldwert von 1000 % Garn) in der nächsten Woche vorge-
schossen. Als Resultat von W-— G ist das Geld stets Ausdruck
vergangener Arbeit. Soweit der ergänzende Akt G-— W sofort
auf dem Warenmarkt sich vollzieht, also G gegen existierende, auf
dem Markt befindliche Waren umgesetzt wird, ist es wieder Umsatz
vergangener Arbeit aus einer Form (Geld). in andere Form (Ware).
Aber G —W ist in der Zeit von W— G verschieden. Es kann gleich-
zeitig sein, ausnahmsweise, wenn zum Beispiel der Kapitalist, der
G — W vollzieht, und der Kapitalist, für den dieser Akt W— G ist,
sich ihre Waren wechselseitig zur selben Zeit überweisen und G dann
nur die Bilanz ausgleicht. Die Zeitdifferenz zwischen der Exekution
[Durchführung] von W— G und der von G — W kann mehr oder
minder beträchtlich sein. Obgleich als Resultat des Akts W-— G,
G vergangene Arbeit vorstellt, kann G für den Akt G — W die ver-
wandelte Form von Waren vorstellen, die noch gar nicht auf dem
Markt befindlich sind, sondern sich erst in Zukunft darauf befinden
        <pb n="96" />
        Zweites Kapitel

43

werden, da @ — W erst vorzugehen braucht, nachdem W neu produ-
ziert ist. Ebensowohl kann G Waren vorstellen, die gleichzeitig mit
dem W, dessen Geldausdruck es ist, produziert werden. Zum Beispiel
in dem Umsatz G — W (Ankauf von Produktionsmitteln) können
die Kohlen gekauft werden, ehe sie aus der Grube gehoben sind,
Soweit g als Geldakkumulation figuriert, nicht als Revenue veraus-
gabt wird, kann es Baumwolle vorstellen, die erst nächstes Jahr pro-
duziert wird. Ebenso bei der Verausgabung von Revenue des Kapi-
talisten, g — w. Ebenso der Arbeitslohn A = 50 Pfd. Sterl.; es ist
dies Geld nicht nur Geldform der vergangenen Arbeit der Arbeiter,
sondern zugleich Anweisung auf gleichzeitige oder zukünftige Arbeit,
die sich erst realisiert oder in Zukunft realisieren soll. Der Arbeiter
mag damit einen Rock kaufen, der erst in nächster Woche gemacht
wird. Namentlich ist dies der Fall mit Bezug auf die sehr große Zahl
notwendiger Lebensmittel, die beinahe unmittelbar im Augenblick
ihrer Produktion konsumiert werden müssen, sollen sie nicht ver-
derben. So erhält der Arbeiter in dem Geld, worin er seinen Arbeits-
lohn ausbezahlt. erhält, die verwandelte Form seiner eigenen
zukünftigen Arbeit oder der anderer Arbeiter. Mit einem
Teil seiner vergangenen Arbeit gibt ihm der Kapitalist An-
weisung auf seine [des Arbeiters] eigene künftige Arbeit. Es ist
seine eigene gleichzeitige oder künftige Arbeit, die den noch nicht
vorhandenen Vorrat bildet, womit ihm seine vergangene Arbeit
bezahlt wird. Hier verschwindet die Vorstellung der Vorrat-
bildung ganz.

2. In der Zirkulation W— G — W{A_ wechselt dasselbe Geld
zweimal die Stelle; der Kapitalist erhält es erst als Verkäufer und
gibt es fort als Käufer; die Verwandlung von Ware in. Geldform
dient nur dazu, sie aus Geldform wieder in Warenform zu verwandeln;
die Geldform des Kapitals, sein Dasein als Geldkapital, ist daher in
dieser Bewegung nur verschwindendes Moment; oder das Geldkapital,
soweit die Bewegung flüssig, erscheint nur als Zirkulationsmittel,
wenn es als Kaufmittel dient; als eigentliches Zahlungsmittel er-
scheint es, wenn Kapitalisten gegenseitig voneinander kaufen, daher
nur Zahlungsbilanz zu saldieren [auszugleichen] ist.

3. Die Funktion des Geldkapitals, ob es als bloßes Zirkulations-
mittel oder als Zahlungsmittel diene, vermittelt nur den Ersatz
von W durch A und Pm, das heißt den Ersatz des Garns, des
Warenprodukts, worin das produktive Kapital resultiert (nach Ab-
zug des als Revenue zu verwendenden Mehrwerts) durch seine Pro-
duktionselemente, also Rückverwandlung des Kapitalwerts aus seiner
Form als Ware in die Bildungselemente dieser Ware; sie vermittelt
also schließlich nur die Rückverwandlung des Warenkapitals in pro-
duktives Kapital.

Damit der Kreislauf sich normal vollzieht, muß W’ zu seinem
Wert und in seiner Gesamtheit verkauft werden. Ferner schließt
W— GG — W nicht nur Ersatz einer Ware durch eine andere, sondern
        <pb n="97" />
        14

Erster Abschnitt
Ersatz in denselben Wertverhältnissen ein. Es ist unsere Annahme,
daß dies hier geschieht. Tatsächlich aber variieren [verändern sich]
die Werte der Produktionsmittel; gerade der kapitalistischen Pro-
duktion ist fortwährender Wechsel der Wertverhältnisse eigen schon
durch den beständigen Wechsel in der Produktivität der Arbeit, der
die kapitalistische Produktion charakterisiert. Auf diesen später zu
erörternden Wertwechsel der Produktionsfaktoren weisen wir hier nur
hin. Die Verwandlung der Produktionselemente in Warenprodukt, von
P in W”’, geht in der Produktionssphäre vor, die Rückverwandlung von
W’ in P in der Zirkulationssphäre. Sie ist vermittelt durch die ein-
fache Warenmetamorphose. Ihr Inhalt aber ist ein Moment des Re-
produktionsprozesses als Ganzes betrachtet. W-— G — W, als. Zir-
kulationsform des Kapitals, schließt einen funktionell bestimmten
Stoffwechsel ein. Der Umsatz W — G — W bedingt ferner, daß W
gleich den Produktionselementen des Warenquantums W’, und daß
diese ihre ursprünglichen Wertverhältnisse gegeneinander behaup-
ten; es ist also unterstellt nicht nur, daß die Waren zu ihrem Werte
gekauft werden, sondern auch, daß sie während des Kreislaufs keinen
Wertwechsel erleiden; wo nicht. kann der Prozeß nicht normal ver-
laufen.

In G...G” ist G die ursprüngliche Form des Kapitalwerts, die
abgestreift wird, um wieder angenommen zu werden. In P...W’
—G'— W...P ist G nur im Prozeß angenommene Form, die schon
innerhalb desselben wieder abgestreift wird. Die Geldform erscheint
hier nur als verschwindende selbständige Wertform des Kapitals; das
Kapital als W’ ist ebenso ängstlich, sie anzunehmen, wie als G’ sie
abzustreifen, sobald es sich in sie verpuppt hat, um sich wieder in die
Form des produktiven Kapitals umzusetzen. Solange es in der Geld.-
gestalt verharrt, fungiert es nicht als Kapital und verwertet sich
daher nicht; das Kapital liegt brach. G wirkt hier als Zirkulations-
mittel, aber als Zirkulationsmittel des Kapitals. Der Schein der
Selbständigkeit, den die Geldform des Kapitalwerts in der ersten
Form seines Kreislaufs (des Geldkapitals) besitzt, verschwindet in
dieser zweiten Form, welche somit die Kritik [Prüfung ]der Form I bildet
und sie auf eine nur besondere Form reduziert [zurückführt]. Stößt
die zweite Metamorphose G — W auf Hindernisse (fehlen zum Bei-
spiel die Produktionsmittel auf dem Markt), so ist der Kreislauf, der
Fluß des Reproduktionsprozesses unterbrochen, ebensosehr als wenn
das Kapital in der Form des Warenkapitals festliegt. Der Unter-
schied ist aber der: In Geldform kann es länger ausharren als in
der vergänglichen Warenform. Es hört nicht auf, Geld zu sein, wenn
es nicht als Geldkapital fungiert; es hört aber auf, Ware zu sein und
überhaupt Gebrauchswert, wenn es zu lange in seiner Funktion als
Warenkapital aufgehalten wird. Zweitens ist es in Geldform fähig,
statt seiner ursprünglichen produktiven Kapitalform eine andere
anzunehmen, während es als W’ überhaupt nicht vom Platze
kommt.
        <pb n="98" />
        Zweites Kapitel

45
W’— G’-— W schließt nur für W’ seiner Form nach Zirkulations-
akte ein, die Momente seiner Reproduktion sind; aber die wirkliche
Reproduktion von W, worin sich W’ umsetzt, ist nötig zur Aus-
führung von W’— G’-— W; diese ist aber bedingt durch Reproduk-
tionsprozesse außerhalb des Reproduktionsprozesses des individu-
ellen in W’ dargestellten Kapitals.

[n der Form I bereitet G — W{A, nur die erste Verwandlung
von Geldkapital in produktives Kapital vor; in der Form II die Rück-
verwandlung aus Warenkapital in produktives Kapital; also, soweit
die Anlage des industriellen Kapitals dieselbe bleibt, Rückverwand-
lung des Warenkapitals in dieselben Produktionselemente, aus denen
es hervorgegangen, Es erscheint daher hier, wie in Form I, als vor-
bereitende Phase des Produktionsprozesses, aber als Rückkehr zu
demselben, Erneuerung desselben, daher als Vorläufer des Reproduk-
tionsprozesses, also auch der Wiederholung des Verwertungsprozesses.

Es ist nun wieder zu bemerken, daß G— A nicht einfacher
Warenaustausch ist, sondern Kauf einer Ware A, die der Produktion
von Mehrwert dienen soll, wie G — Pm nur eine Prozedur [ein Ver-
fahren] darstellt, die zur Ausführung dieses Zwecks stofflich uner-
läßlich ist.

Mit Vollziehung von G — W{A ist G in produktives Kapital
rückverwandelt, in P, und beginnt der Kreislauf von neuem,

Die explizite Form von P “VW. V— W...P ist also:

Wh. )\— W{A--.P
P...W' [ ; ,
w)— lg) —w

Die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital ist
Warenkauf zur Warenproduktion. Nur soweit die Konsumtion diese
produktive Konsumtion ist, fällt sie in den Kreislauf des Kapitals
selbst; ihre Bedingung ist, daß vermittels der so konsumierten
Waren Mehrwert gemacht wird. Und dies ist etwas sehr Verschiedenes
von Produktion und selbst Warenproduktion, deren Zweck die
Existenz der Produzenten ist; ein so durch Mehrwertsproduktion
bedingter Ersatz von Ware durch Ware ist etwas ganz anderes als
Produktenaustausch — nur durch Geld vermittelt — an sich ist. So
wird aber die Sache genommen von den Oekonomen zum Beweis, daß
keine Ueberproduktion möglich ist.

Außer der produktiven Konsumtion von G, das in A und Pm
verwandelt wird, enthält der Kreislauf das erste Glied von G — A,
das für den Arbeiter A — G = W — G ist. Von der Zirkulation des
Arbeiters A — G — W, die seine Konsumtion einschließt, fällt nur
das erste Glied als Resultat von G — A in den Kreislauf des Kapitals.
Der zweite Akt, nämlich 6 — W, fällt nicht in die Zirkulation des
individuellen Kapitals, obgleich sie aus derselben hervorgeht. Das
beständige Dasein der Arbeiterklasse ist aber für die Kapitalisten-
klasse nötig, daher auch die durch G — W vermittelte Konsumtion
des Arbeiters.
        <pb n="99" />
        Erster Abschnitt
Der Akt W’— G” unterstellt für die Fortsetzung des Kreislaufs
des Kapitalswerts wie für die Konsumtion des Mehrwerts durch den
Kapitalisten nur, daß W’ in Geld verwandelt, verkauft worden. Es
[Ware W’] wird natürlich nur gekauft, weil der Artikel ein Gebrauchs-
wert, also zur Konsumtion irgendeiner Art, produktiven oder indivi-
duellen, tauglich. Wenn aber W’ weiter zirkuliert, zum Beispiel in der
Hand des Kaufmanns, der das Garn gekauft hat, so berührt das
zunächst keineswegs die Fortsetzung des Kreislaufs des individuellen
Kapitals, das das Garn produziert und an den Kaufmann verkauft
hat. Der ganze Prozeß geht seinen Gang fort, und mit ihm auch die
dadurch bedingte individuelle Konsumtion von Kapitalist und Ar-
beiter. Ein Punkt, wichtig bei Betrachtung der Krisen.

Sobald W’ nämlich verkauft, in Geld verwandelt ist, kann es in
die realen Faktoren des Arbeitsprozesses und darum des Reproduk-
tionsprozesses rückverwandelt werden. Ob W’ daher vom definitiven
Konsumenten gekauft ist oder vom Kaufmann, der es wieder ver-
kaufen will, ändert unmittelbar nichts an der Sache, Der Umfang
der von der kapitalistischen Produktion erzeugten Warenmassen
wird bestimmt durch die Stufenleiter dieser Produktion und das Be-
dürfnis der beständigen Ausdehnung dieser letzteren, nicht durch
einen prädestinierten [vorausbestimmten] Kreis von Nachfrage und
Angebot, von zu befriedigenden Bedürfnissen. Die Massenproduktion
kann für ihren unmittelbaren Käufer, außer andern industriellen
Kapitalisten, nur den Großkaufmann haben. Innerhalb gewisser
Grenzen kann der Reproduktionsprozeß auf derselben oder erweiter-
ten. Stufe vorgehen, obgleich die aus ihm ausgestoßenen Waren nicht
wirklich in die individuelle oder produktive Konsumtion eingegangen
sind. Die Konsumtion der Waren ist nicht eingeschlossen in den
Kreislauf des Kapitals, aus dem sie hervorgegangen sind. Sobald das
Garn zum Beispiel verkauft ist, kann der Kreislauf des im Garn dar-
gestellten Kapitalwerts von neuem beginnen, was auch immer zu-
nächst aus dem verkauften Garn wird. Solange das Produkt verkauft
wird, geht vom Standpunkt des kapitalistischen Produzenten alles
seinen regelmäßigen Gang. Der Kreislauf des Kapitalwerts, den er
repräsentiert, wird nicht unterbrochen. Und ist dieser Prozeß
erweitert — was erweiterte produktive Konsumtion der Produktions-
mittel einschließt —, so kann diese Reproduktion des Kapitals von
erweiterter individueller Konsumtion (also Nachfrage) der Arbeiter
begleitet sein, da er durch produktive Konsumtion eingeleitet und
vermittelt ist. Es kann so die Produktion von Mehrwert und mit ihr
auch die individuelle Konsumtion des Kapitalisten wachsen, der
ganze Reproduktionsprozeß sich im blühendsten Zustand befinden
und dennoch ein großer Teil der Waren nur scheinbar in die Konsum-
tion eingegangen sein, in Wirklichkeit aber unverkauft in den Händen
von Wiederverkäufern lagern, tatsächlich sich also noch auf dem
Markt befinden. Nun folgt Warenstrom auf Warenstrom, und es tritt
endEÄich hervor. daß der frühere Strom nur scheinbar von der Kon-
        <pb n="100" />
        Zweites Kapitel

4.7
sumtion verschlungen ist. Die Warenkapitale machen sich wechsel-
seitig ihren Platz auf dem Markt streitig. Die Nachrückenden, um zu
verkaufen, verkaufen unter dem Preis. Die früheren Ströme sind
Noch nicht flüssig gemacht, während die Zahlungstermine dafür fällig
werden. Ihre Inhaber müssen sich insolvent [zahlungsunfähig erklären
Oder verkaufen zu jedem Preis, um zu zahlen. Dieser Verkauf hat
absolut nichts zu tun mit dem wirklichen Stand der Nachfrage. Er hat
nur zu tun mit der Nachfrage nach Zahlung, mit der absoluten
Notwendigkeit, Ware in Geld. zu verwandeln. Dann bricht die Krise
los. Sie wird sichtbar nicht in der unmittelbaren Abnahme der kon-
sumtiven Nachfrage, der Nachfrage für individuelle Konsumtion,
sondern in der Abnahme des Austauschs von Kapital gegen Kapital,
des Reproduktionsprozesses des Kapitals,

Wenn die Waren Pm und A, worin sich G umgesetzt, um seine
Funktion als Geldkapital, als zur Rückverwandlung in produktives
Kapital bestimmter Kapitalwert, zu vollziehen — wenn diese Waren
in verschiedenen Terminen zu kaufen oder zu zahlen sind, G — W
also eine Reihe nacheinander vorgehender Käufe und Zahlungen
vorstellt, so vollzieht ein Teil von G den Akt G — W, während. ein
anderer Teil im Geldzustand verharrt, um erst zu einer durch die
Bedingungen des Prozesses selbst bestimmten Zeitfürgleichzeitigeoder
sukzessive Akte G—W zu dienen. Er [der andere Teil von G]ist der Zirku-
lation nur zeitweilig entzogen, um am bestimmten Zeitpunkt in Aktion
zu treten, seine Funktion auszuüben. Diese Aufspeicherung desselben
[Teils von G] ist dann selbst eine durch seine Zirkulation und für die
Zirkulation. bestimmte Funktion. Sein Dasein als Kauf- und Zahlungs-
fonds[VorratfürKäufe und Zahlungen ],dieSuspension[Unterbrechung]
Seiner Bewegung, der Zustand seiner unterbrochenen Zirkulation, ist
dann ein Zustand, worin das Geld eine seiner Funktionen als Geld-
kapital. ausübt. Als Geldkapital; denn in diesem Fall ist .das zeit-
weilig in Rube verharrende Geld selbst ein Teil des Geldkapitals G
(von. G’— g%% = G), des Wertteils des Warenkapitals, der gleich ist P,
dem Wert des produktiven Kapitals, von dem der Kreislauf ausgeht.
Anderseits befindet sich alles der Zirkulation entzogene Geld in
Schatzform. Die Schatzform des Geldes wird also hier Funktion des
Geldkapitals, ganz wie in G — W die Funktion des Geldes als Kauf-
oder Zahlungsmittel zur Funktion des Geldkapitals wird, und zwar
weil der Kapitalwert hier in Geldform existiert, der Geldzustand hier
ein durch den Zusammenhang des Kreislaufs vorgeschriebener Zu-
stand des industriellen Kapitals in einem seiner Stadien ist. Aber es
bewährt sich hier wieder zugleich, daß das Geldkapital innerhalb des
Kreislaufs des industriellen Kapitals keine andern als Geldfunk-
tionen verrichtet, und diese Geldfunktionen nur durch ihren Zu-
sammenhang mit den andern Stadien dieses Kreislaufs zugleich die
Bedeutung von Kapitalfunktionen haben.
$f G’— g bedeutet hier: G/ minus g, oder G’, vermindert um g. K.
Das Kapital. IL.
        <pb n="101" />
        Erster Abschnitt
Die Darstellung von G” als Verhältnis von g zu G, als Kapital-
verhältnis, ist unmittelbar keine Funktion des Geldkapitals, sondern
des Warenkapitals W’, welches selbst wieder als Verhältnis von w und W
nur das Resultat des Produktionsprozesses ausdrückt, der darin vor-
gegangenen Selbstverwertung des Kapitalwerts.‘

Stößt der Fortgang des Zirkulationsprozesses auf Hindernisse,
so daß G durch äußere Umstände, Lage des Marktes ete., seine
Funktion G — W suspendieren [unterbrechen] muß und deswegen in
seinem Geldzustand kürzer oder länger verharrt, so ist das wieder ein
Schatzzustand des Geldes, der auch in der einfachen Warenzirkula-
tion vorkommt, sobald der Uebergang von W — G in G — W durch
äußere Umstände unterbrochen wird. Es ist unfreiwillige Schatz-
bildung. In unserm Fall hat das Geld so die Form von brachliegen-
dem, latentem [nur der Möglichkeit nach als wirksames Kapital vor-
handenem] Geldkapital®:. Doch gehen wir zunächst nicht weiter
darauf ein.

In beiden Fällen aber erscheint das Verharren des Geldkapitals
in seinem Geldzustand als Resultat unterbrochener Bewegung, sei
diese nun zweckgemäß oder zweckwidrig, freiwillig oder unfreiwillig,
{unktionsgemäß oder funktionswidrig.
N. Akkumulation und Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter.

Da die Proportionen [Verhältnisse], worin der Produktionsprozeß
erweiterbar, nicht willkürlich, sondern technisch vorgeschrieben sind,
so kann der realisierte Mehrwert, obgleich zur Kapitalisierung be-
stimmt, oft erst durch die Wiederholung verschiedener Kreisläufe zu
dem Umfang heranwachsen (muß also bis dahin aufgehäuft werden),
worin er wirklich als zuschüssiges Kapital fungieren oder in den
Kreislauf des prozessierenden Kapitalwerts eingehen kann. Der
Mehrwert erstarrt also zum Schatz und bildet in dieser Form latentes
Geldkapital. Latent, weil es, solange es in der Geldiorm verharrt,
nicht als Kapital wirken kann. So erscheint hier die Schatzbildung
als ein innerhalb des kapitalistischen Akkumulationsprozesses ein-
begriffenes, ihn begleitendes, aber zugleich wesentlich von ihm unter-
schiedenes Moment. Denn durch die Bildung von latentem Geld-
kapital wird der Reproduktionsprozeß selbst nicht erweitert. Um-
gekehrt. Latentes Geldkapital wird hier gebildet, weil der kapitalisti-
sche Produzent die Stufenleiter seiner Produktion nicht unmittelbar
erweitern kann. Verkauft er sein Mehrprodukt an einen Gold- oder
Silberproduzenten, der neues Gold oder Silber in die Zirkulation
hinein wirft, oder, was auf dasselbe hinauskommt, an einen Kaufmann.
$ Der Ausdruck „latent“ ist der physikalischen Vorstellung von latenter
Wärme entlehnt, die jetzt durch die Theorie von der Verwandlung der
Energie ziemlich beseitigt ist. Daher gebraucht Marx im dritten Abschnitt
(Spätere Redaktion) dafür den der Vorstellung von potentieller Energie
entlehnten Ausdruck: „potentielles“ oder nach Analogie der virtuellen
Geschwindigkeiten d’Alemberts: „virtuelles Kapital“. F.E.
        <pb n="102" />
        Zweites Kapitel

49
der für einen Teil des nationalen Mehrprodukts zuschüssiges Gold
oder Silber vom Ausland importiert [einführt], so bildet sein latentes
Geldkapital ein Inkrement des nationalen Gold- oder Silberschatzes.
In allen andern Fällen haben zum Beispiel die 78 Pfd. Sterl., die in
der Hand des Käufers Zirkulationsmittel waren, in der Hand des
Kapitalisten nur die Schatzform angenommen; es hat also nur andere
Verteilung des nationalen Gold- oder Silberschatzes stattgefunden.
Fungiert das Geld in den Transaktionen unseres Kapitalisten als
Zahlungsmittel (in der Art, daß die Ware erst in kürzerem oder län-
Serem Termin vom Käufer zu zahlen), so verwandelt sich das zur
Kapitalisation bestimmte Mehrprodukt nicht in Geld, sondern in
Schuldforderungen, Eigentumstitel auf ein Aequivalent, das der
Käufer vielleicht schon im Besitz, vielleicht erst in Aussicht hat. Es
geht nicht in den Reproduktionsprozeß des Kreislaufs ein, so wenig
wie Geld, das in zinstragenden Papieren etc. angelegt, obgleich es in
den Kreislauf anderer industriellen Einzelkapitale eingehen kann.
Der ganze Charakter der kapitalistischen Produktion ist be-
Stimmt durch die Verwertung des vorgeschossenen Kapitalwerts,
also in erster Instanz [Linie] durch Produktion von möglichst viel
Mehrwert; zweitens aber (siehe Buch I, Kapitel XXII) durch Pro-
duktion von Kapital, also durch Verwandlung von Mehrwert in
Kapital. Die Akkumulation oder Produktion auf erweiterter Stufen-
leiter, die als Mittel zu stets ausgedehnterer Produktion von Mehr-
Wert, daher Bereicherung des Kapitalisten, als persönlicher Zweck des
letzteren erscheint und: eingeschlossen ist in die allgemeine Tendenz
([Bewegungsrichtung] der, kapitalistischen Produktion, wird aber
weiter, wie im ersten Buch gezeigt, durch ihre Entwicklung eine Not-
wendigkeit für jeden individuellen Kapitalisten. Die stete Vergröße-
rung seines Kapitals wird Bedingung der Erhaltung desselben. Doch
haben wir nicht weiter auf das früher Entwickelte zurückzukommen.
Wir betrachteten zuerst die einfache Reproduktion, wobei unter-
Stellt wurde, daß der ganze Mehrwert als Revenue verausgabt wird.
In der Wirklichkeit muß unter normalen Verhältnissen immer ein
Teil des Mehrwerts als ‚Revenue verausgabt und ein anderer Teil
kapitalisiert werden, wobei es ganz gleichgültig, ob innerhalb be-
Stimmter Perioden produzierter Mehrwert bald ganz verzehrt, bald
Sanz kapitalisiert wird. Im Durchschnitt der Bewegung — und die
allgemeine Formel kann nur diesen darstellen — findet beides statt.
Um die Formel nicht zu komplizieren [verwickelt zu gestalten], ist es
indes besser anzunehmen, daß der ganze Mehrwert akkumuliert wird.
Die Formel P...W’'— G’— W'{m...P' drückt aus: produktives
Kapital, das auf größerer Stufenleiter und mit größerem Wert re-
Produziert wird und als angewachsenes produktives Kapital seinen
Zweiten Kreislauf beginnt oder, was dasselbe, seinen ersten Kreislauf
Srneuert. Sobald dieser zweite Kreislauf beginnt, haben wir wieder P
als Ausgangspunkt; bloß ist P ein größeres produktives Kapital, als
das erste P war. So, wenn in der Formel G. . .G’ der zweite Kreislanf
        <pb n="103" />
        50

Erster Abschnitt
mit G’ beginnt, fungiert G’ als G, als vorgeschossenes Geldkapital
von bestimmter Größe; es ist größeres Geldkapital als das, womit der
erste Kreislauf eröffnet ward, aber alle Beziehung auf sein Ange-
wachsensein. durch Kapitalisierung von Mehrwert ist verschwunden,
sobald es in der Funktion von vorgeschossenem Geldkapital auftritt.
Dieser Ursprung ist: ausgelöscht in seiner Form als Geldkapital, das
seinen Kreislauf beginnt. Ebenso mit P’, sobald es als Ausgangspunkt
eines neuen Kreislaufs fungiert. .

Vergleichen wir P,..P’ mit G...G”’ oder dem ersten Kreislauf,
80 haben sie durchaus nicht dieselbe Bedeutung. G...G’, für sich
genommen als vereinzelter Kreislauf, drückt nur aus, daß G, das
Geldkapital (oder das industrielle Kapital in seinem Kreislauf als
Geldkapital), Geld heckendes Geld, Wert heckender Wert ist, Mehr-
wert setzt. Im Kreislauf von P dagegen ist der Verwertungsprozeß
selbst. mit Ablauf des ersten Stadiums, des Produktionsprozesses,
bereits vollzogen, und nach Durchlaufen des zweiten Stadiums (des
ersten Zirkulationsstadiums) W’— G’ existieren Kapitalwert plus
Mehrwert bereits als realisiertes Geldkapital, als G’, welches als letztes
Extrem im ersten Kreislauf erschien. Daß Mehrwert produziert wor-
den, ist in der zuerst betrachteten Form von P...P dargestellt (siehe
explizite Formel Seite 45) durch w-— g — w, das in seinem zweiten
Stadium außerhalb der Kapitalzirkulation fällt und die Zirkulation
des Mehrwerts als Revenue darstellt. In dieser Form, wo sich die
ganze Bewegung in P, . ,P darstellt, also keine Wertdifferenz zwischen
den beiden Endpunkten stattfindet, ist also die Verwertung des vor-
geschossenen Wertes, die Erzeugung von Mehrwert, ebenso dargestellt
wie in G. ..G’; nur, erscheint der Akt W’-— G” als letztes Stadium in
G...G’, und als, zweites des Kreislaufs, erstes der Zirkulation in
P...P.,

In P.. .P’ drückt P”’ aus, nicht daß Mehrwert produziert, sondern
daß der produzierte Mehrwert kapitalisiert, also Kapital akkumuliert
worden ist, und daher P’, gegenüber P, aus dem ursprünglichen
Kapitalwert plus dem Wert von durch dessen Bewegung akkumu-
lertem Kapital besteht. .

G, als bloßer Schluß von G...G, sowohl wie W’, wie es inner-
halb aller dieser Kreisläufe erscheint, drücken für sich genommen
aicht die Bewegung aus, sondern ihr Resultat: die in Warenform oder
Geldform realisierte Verwertung des Kapitalwerts und daher den
Kapitalwert als G + g oder als W ++ w, als Verhältnis von Kapital-
wert zu seinem Mehrwert als seinem Abkömmling. Sie drücken dies
Resultat aus als verschiedene Zirkulationsformen des verwerteten
Kapitalwerts. Aber weder in der Form W’ noch in der Form GG ist
die stattgefundene Verwertung selbst eine Funktion, sei es des Geld-
kapitals, sei es des Warenkapitals. Als besondere, verschiedene
Formen, Daseinsweisen, die besonderen Funktionen des industriellen
Kapitals entsprechen, kann Geldkapital nur Geldfunktionen, Waren-
kapital nur Warenfunktionen vollziehen, ist ihr Unterschied von-
        <pb n="104" />
        Zweites Kapitel

51
einander nur der von Geld und Ware. Ebenso kann das industrielle
Kapital, in seiner Form als produktives Kapital, nur, aus denselben
Elementen bestehen, wie jeder andere produktbildende Arbeits-
prozeß: einerseits gegenständlichen Arbeitsbedingungen (Produk-
tionsmitteln), anderseits sich produktiv (zweckgemäß) betätigender
Arbeitskraft. Wie das industrielle Kapital innerhalb der Produktions-
sphäre nur in der dem Produktionsprozeß überhaupt, also auch dem
nichtkapitalistischen Produktionsprozeß entsprechenden Zusammen-
setzung existieren kann, so kann es in der Zirkulationssphäre nur
existieren in den beiden ihr entsprechenden Formen von Ware und
Geld. Wie aber die Summe der Produktionselemente von vornherein
dadurch sich als produktives Kapital ankündigt, daß die Arbeitskraft
fremde Arbeitskraft ist, die der Kapitalist gekauft hat von ihrem
eigenen Inhaber, ganz wie er seine Produktionsmittel von andern
Wareninhabern gekauft; wie daher auch der Produktionsprozeß
selbst als produktive Funktion des industriellen Kapitals auftritt, so
Geld und Ware als Zirkulationsformen desselben industriellen Ka-
pitals, also auch ihre Funktionen als seine Zirkulationsfunktionen,
die die Funktionen des produktiven Kapitals entweder einleiten. oder
daraus entspringen. Nur durch ihren Zusammenhang als Funktions-
formen, die das industrielle Kapital in den verschiedenen Stadien
seines Kreislaufprozesses zu verrichten hat, sind hier Geldfunktion
und Warenfunktion zugleich Funktion von Geldkapital und Waren-
kapital. Es ist also verkehrt, die das Geld als Geld und die Ware
als Ware charakterisierenden spezifischen Eigenschaften und Funk-
tionen aus ihrem Kapitalcharakter herleiten zu wollen, und ebenso
verkehrt ist es, umgekehrt die Eigenschaften des produktiven Kapi-
tals aus seiner Existenzweise in Produktionsmitteln abzuleiten.
Sobald G’ oder W’ fixiert werden als G + g, W + w, das heißt
als Verhältnis des Kapitalwerts zum Mehrwert als seinem Sprößling,
ist dies Verhältnis in beiden ausgedrückt, das eine Mal in Geldform,
das andere Mal in Warenform, was an der Sache selbst nichts ändert.
Dies Verhältnis entspringt daher weder aus Eigenschaften und Funk-
tionen, die dem Geld als solchem, noch der Ware als solcher zu-
kommen. In beiden Fällen ist die das Kapital charakterisierende
Eigenschaft, Wert heckender Wert zu sein, nur als Resultat aus-
gedrückt. W’ ist stets das Produkt der Funktion von P, und G’ ist
stets nur die im Kreislauf des industriellen Kapitals verwandelte
Form von W’. Sobald daher das realisierte Geldkapital seine beson-
dere Funktion als Geldkapital wieder beginnt, hört es auf, das in
6’ =G +g enthaltene Kapitalverhältnis auszudrücken, Wenn
G...G’ durchlaufen ist und G’ den Kreislauf von neuem beginnt,
figuriert es nicht als G’, sondern als G, selbst wenn der ganze in G“
enthaltene Mehrwert kapitalisiert wird. Der zweite Kreislauf beginnt
in unserm Fall mit einem Geldkapital von 500 Pfd. Sterl. statt wie
der erste mit 422 Pfd. Sterl. Das Geldkapital, das den Kreislauf
eröffnet, ist um 78 Pfd. Sterl. größer als vorher; dieser Unterschied
        <pb n="105" />
        52

Erster Abschnitt
existiert in der Vergleichung des einen Kreislaufs mit dem andern;
aber diese Vergleichung existiert nicht innerhalb jedes einzelnen Kreis-
laufs. Die als Geldkapital vorgeschossenen. 500 Pfd. Sterl., wovon
78 Pfd. Sterl. früher als Mehrwert existierten, spielen keine andere
Rolle als 500 Pfd, Sterl., womit ein anderer Kapitalist seinen ersten
Kreislauf eröffnet. Ebenso im Kreislauf des produktiven Kapitals.
Das vergrößerte P’ tritt beim Wiederbeginn als P auf, so gut wie
P in der einfachen Reproduktion P...P.

Im Stadium G’ — W’{£ ist die angewachsene Größe nur durch
W” angezeigt, aber nicht durch A’ und Pm’. Da W die Summe von
A und Pm, ist sehon durch W’ angezeigt, daß die Summe der in ihm
enthaltenen A und Pm größer ist als das ursprüngliche P. Zweitens
aber wäre die Bezeichnung A’ und Pm’ falsch, weil wir wissen, daß
mit dem Wachstum des Kapitals eine Aenderung seiner Wertzu-
sammensetzung verbunden ist, im Fortschritt derselben der Wert
von Pm wächst, der von A stets relativ abnimmt, oft absolut.

IN. Geldakkumulation.

Ob g, der vergoldete Mehrwert, sofort wieder dem Prozessieren-
den. Kapitalwert zugeschlagen und 80, zusammen mit dem Kapital
G, in der Größe G in den Kreislaufprozeß eingehen kann, hängt von
Umständen ab, die unabhängig sind. von dem bloßen Vorhandensein
von g. Soll g als Geldkapital in einem neben dem ersten Geschäft
anzulegenden zweiten selbständigen Geschäft dienen, so ist klar, daß
es hierzu nur anwendbar, wenn es die zu solchem Geschäft erheischte
Minimalgröße besitzt. Soll es zur Ausdehnung des ursprünglichen
Geschäfts verwandt werden, so bedingen die Verhältnisse der stoff-
lichen Faktoren von P und deren Wertverhältnisse ebenfalls eine be-
stimmte Minimalgröße für g. Alle in diesem Geschäft wirkenden
Produktionsmittel haben nicht nur ein qualitatives, sondern ein be-
stimmtes quantitatives Verhältnis zueinander, einen proportionellen
Umfang. Diese stofflichen und die von ihnen getragenen Wertver-
hältnisse der in das produktive Kapital eingehenden Faktoren be-
stimmen den Minimalumfang, den g besitzen muß, um in zuschüssige
Produktionsmittel und Arbeitskraft, oder nur in erstere, als Zuwachs
des produktiven Kapitals umsetzbar zu werden. So kann der Spinner
nicht die Zahl seiner Spindeln vermehren, ohne gleichzeitig die ent-
sprechenden Kratzen und Vorspinnstühle anzuschaffen, abgesehen
von. der vermehrten Ausgabe für Baumwolle und Arbeitslohn, die
eine solche Geschäftsausdehnung bedingt. Um diese letztere aus-
zuführen, muß also der Mehrwert schon eine ziemliche Summe aus-

machen (1 Pfd. Sterl. per Spindel Neuanschaffung wird gewöhn-
lich gerechnet). Solange g diesen Minimalumfang nicht besitzt, muß
der Kreislauf des Kapitals sich mehrmals wiederholen, bis die Summe
der sukzessive von ihm erzeugten g mit G zusammen, also in G’ —
W’{pn fungieren kann. Schon bloße Detailveränderungen, zum Bei-
spiel in der Spinnmaschinerie, soweit sie diese produktiver machen,
        <pb n="106" />
        Zweites Kapitel

53
erheischen größere Ausgaben in Spinnmaterial, Ausdehnung der Vor-
spinnmaschinerie etc. In der Zwischenzeit wird also g angehäuft,
und seine Anhäufung ist nicht seine eigene Funktion, sondern das
Resultat wiederholter P...P. Seine eigene Funktion ist sein Ver-
harren im Geldzustand, bis es aus den wiederholten Verwertungs-
kreisläufen, also von außen, Zuschuß genug erhalten hat, um die zu
seiner aktiven Funktion erheischte Minimalgröße zu erreichen, die
Größe, in der allein es wirklich als Geldkapital, im gegebenen Fall
als akkumulierter Teil des in Funktion begriffenen Geldkapitals G,
mit in die Funktion dieses letzteren eingehen kann. In der Zwischen-
zeit wird es angehäuft und existiert nur in der Form eines im Bil-
dungsprozeß, im Wachstum begriffenen Schatzes. Geldakkumulation,
Schatzbildung, erscheint hier also als ein Prozeß, der die wirkliche
Akkumulation, die Ausdehnung der Stufenleiter, worauf das indu-
strielle Kapital wirkt, vorübergehend begleitet. Vorübergehend, denn
solange der Schatz in seinem Schatzzustande verharrt, fungiert er
nicht als Kapital, nimmt nicht Teil am Verwertungsprozeß, bleibt
eine Geldsumme, die nur anwächst, weil ohne ihr Zutun vorhandenes
Geld in denselben Kasten geworfen wird.

Die Form des Schatzes ist nur die Form von nicht in Zirkulation
befindlichem Geld, von Geld, das in seiner Zirkulation unterbrochen
ist und deshalb in seiner Geldform aufbewahrt wird. Was den Prozeß
des Schatzbildens selbst betrifft, so ist er aller Warenproduktion ge-
mein und spielt als Selbstzweck eine Rolle nur in den unentwickelten
vorkapitalistischen Formen derselben. Hier aber erscheint der Schatz
als Form des Geldkapitals und die Schatzbildung als ein Prozeß, der
die Akkumulation des Kapitals vorübergehend begleitet, weil und
sofern das Geld hier als latentes Geldkapital figuriert; weil die
Schatzbildung, der Schatzzustand des in Geldform vorhandenen
Mehrwerts ein außerhalb des Kreislaufs des Kapitals vorgehendes,
funktionell bestimmtes Vorbereitungsstadium für die Verwandlung
des Mehrwerts in wirklich fungierendes Kapital ist. Es ist also laten-
tes Geldkapital durch diese seine Bestimmung, weshalb auch der Um-
fang, den es erreicht haben muß, um in den Prozeß einzutreten, durch
die jedesmalige Wertzusammensetzung des produktiven Kapitals be-
stimmt ist. Solange es aber im Schatzzustande verharrt, fungiert es
noch nicht als Geldkapital, ist noch brachliegendes Geldkapital; nicht
wie vorher in seiner Funktion unterbrochenes, sondern noch nicht
zu. seiner Funktion fähiges.

Wir nehmen hier die Geldanhäufung in ihrer ursprünglichen re-
alen Form, als wirklichen Geldschatz. Sie kann auch existieren in
der Form von bloßen Guthaben, Schuldforderungen des Kapitalisten,
der W’ verkauft hat. Was die andern Formen betrifft, wo dies latente
Geldkapital in der Zwischenzeit selbst in Gestalt von Geld heckendem
Geld. existiert, zum Beispiel als zinstragendes Depositum, [Einlage]
in einer Bank, in Wechseln oder Wertpapieren irgendeiner Art, so
gehören sie nicht hierher. Der in Geld realisierte Mehrwert verrichtet
        <pb n="107" />
        54

Erster Abschnitt
dann besondere Kapitalfunktionen außerhalb des Kreislaufs des indu-
striellen Kapitals, dem er entsprungen; Funktionen, die erstens mit
jenem Kreislauf als solchem nichts zu tun haben, zweitens aber von
den Funktionen des industriellen Kapitals. unterschiedene Kapital-
Funktionen unterstellen, die hier noch nicht entwickelt sind.

IV. Reservefonds.

In der eben betrachteten Form ist der Schatz, als welcher der Mehr-
wert existiert, Geldakkumulationsfonds, die Geldform, welche die Ka-
pitalakkumulation vorübergehend besitzt, und insofern selbst Bedin-
gung der letzteren, Dieser Akkumulationsfonds kann aber auch be-
sondere Nebendienste verrichten, das heißt in den Kreislaufprozeß
des Kapitals eingehen, ohne daß dieser die Form P. . .P’ besitzt, also
ohne daß die kapitalistische Reproduktion erweitert ist.

Verlängert sich der Prozeß W’-— G” über sein normales Maß,
ist also das Warenkapital anormal aufgehalten in seiner Verwandlung
in Geldform; oder ist, wenn letztere vollzogen, zum Beispiel der Preis
der Produktionsmittel, worin das Geldkapital umgesetzt werden muß,
gestiegen über den Stand, den er bei Beginn des Kreislaufs hatte, so
kann der als Akkumulationsfonds fungierende Schatz verwandt wer-

den, um die Stelle des Geldkapitals oder eines Teils desselben ein-
zunehmen, Der Geldakkumulationsfonds dient so als Reservefonds,
um Störungen des Kreislaufs auszugleichen.

Als solcher Reservefonds ist er verschieden von dem im Kreis-
lauf P...P betrachteten Fonds von Kauf- oder Zahlungsmitteln. Die
letzteren sind ein Teil des fungierenden Geldkapitals (also Daseins-
formen eines Teils des im Prozeß begriffenen Kapitalwerts über-
haupt), dessen Teile nur in verschiedenen Zeitterminen nacheinander
in Funktion treten. Es bildet sich in der Kontinuität [im ununter-
brochenen Ablauf] des Produktionsprozesses beständig Reservegeld-
kapital, da heute Zahlungen eingegangen, erst an einem späteren Ter-
min wieder zu machen, heute größere Warenmassen verkauft, an
späteren Tagen erst wieder größere Warenmassen zu kaufen sind;
in diesen Intervallen [Zwischenräumen] existiert also beständig ein
Teil des zirkulierenden Kapitals ®h in Geldform. Dagegen ist der Re-
servefonds nicht ein Bestandteil des fungierenden Kapitals, näher
Geldkapitals, sondern des in einem Vorstadium seiner Akkumulation
begriffenen Kapitals, des noch nicht in aktives Kapital verwandelten
Mehrwerts. Es versteht sich übrigens ganz von selbst, daß der Kapi-
talist in Nöten in keiner Weise nach den bestimmten Funktionen
des in seiner Hand befindlichen Geldes fragt, sondern anwendet, was

$h Zirkulierendes Kapital ist hier gleichbedeutend mit „in Zirkulation
befindliches‘‘ Kapital. Später (s. insbesondere das VIII. Kapitel dieses
Buches) wird das Wort in anderm Sinne gebraucht zur Bezeichnung einer
besonderen. Art von Kapital: „zirkulierendes Kapital“ im Gegensatz zum
fixen Kapital. K.
        <pb n="108" />
        55
er hat, um den Kreislaufprozeß seines Kapitals im Gang zu halten.
Zum Beispiel in unserm Beispiel G = 422 Pfd. Sterl., G’ = 500 Pfd.
Sterl. Wenn ein Teil des Kapitals von 422 Pfd. Sterl. als Fonds von
Zahlungs- und Kaufmitteln, als Geldvorrat existiert, so ist er darauf
berechnet, daß er bei gleichbleibenden Umständen ganz in den
Kreislauf eintritt, hierfür aber auch genügt. Der Reservefonds aber
ist ein Teil der 78 Pfd; Sterl. Mehrwert; er kann in den Kreislauf-
prozeß des Kapitals von-422 Pfd. Sterl. Wert eintreten, soweit dieser
Kreislauf unter Umständen vollzogen wird, die sich nicht gleich-
bleiben; denn er ist ein Teil des Akkumulationsfonds und figuriert
hier ohne Erweiterung der Stufenleiter der Reproduktion.

Der Geldakkumulationsfonds ist schon Dasein von latentem
Geldkapital; also Verwandlung von Geld in Geldkapital.

Die allgemeine Formel des Kreislaufs des produktiven Kapitals,
die einfache und Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter zusam-
menfaßt, ist:

Drittes Kapitel

4 2
P...W— GG. G— W{A...P (P’).

Ist P=P, so G in 2 gleich G’ minus g; ist P=P, so ist G
in 2 größer als G’ minus g; das heißt, g ist ganz oder teilweise in
Geldkapital verwandelt worden.

Der Kreislauf des produktiven Kapitals ist die Form, worin die
klassische Oekonomie den Kreislaufprozeß des industriellen Kapitals
betrachtet.

Drittes Kapitel.
Der Kreislauf des Warenkanitals.
Die allgemeine Formel für den Kreislauf des Warenkapitals ist:
W— G’— W...P...W.
W’ erscheint nicht nur als Produkt, sondern auch als Voraus-
setzung der beiden früheren Kreisläufe, da, was G — W für das eine
Kapital, schon W’-— G’ für das andere einschließt, sofern wenig-
stens ein Teil der Produktionsmittel selbst das Warenprodukt anderer
in ihrem Kreislauf befindlichen individuellen Kapitale ist. In unserm
Fall zum Beispiel sind Kohle, Maschinen ete. das Warenkapital des
Grubenexploiteurs [-ausbeuters], des kapitalistischen Maschinen-
bauers usw. Ferner ist schon in Kapitel I, 4, gezeigt, daß schon bei
der ersten Wiederholung von G...G’, schon ehe dieser zweite Kreis-
lauf des Geldkapitals vollendet, nicht nur der Kreislauf P...P,
sondern auch der Kreislauf W’...W’ vorausgesetzt ist.

Findet Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter statt, so ist
das Schluß-W größer als das Ausgangs-W’ und soll deshalb hier mit
W” bezeichnet werden.
        <pb n="109" />
        56

Erster Abschnitt
Der Unterschied der dritten Form®i von den zwei ersten zeigt
sich darin, erstens, daß hier die Gesamtzirkulation mit ihren zwei
entgegengesetzten Phasen den Kreislauf eröffnet, während in Form I
die Zirkulation durch den Produktionsprozeß unterbrochen wird, in
Form II die Gesamtzirkulation mit ihren zwei sich ergänzenden
Phasen nur als Vermittlung des Reproduktionsprozesses erscheint
und daher die vermittelnde Bewegung zwischen P...P bildet. Bei
G...G ist die Zirkulationsform G —W...W'—G' = G—W—G.
Bei P. ..P ist sie die umgekehrte WG. G — W=W-—— GW
In W’...W’ hat sie ebenfalls diese letztere Form.

Zweitens: In der Wiederholung der Kreisläufe I und IL, auch
wenn die Schlußpunkte G’ und P’ die Anfangspunkte des erneuerten
Kreislaufs bilden, verschwindet die Form, in der sie erzeugt waren.
G’= G + g, P’= P + p beginnt den neuen Prozeß wieder als G und
P, In Form III aber muß der Ausgangspunkt W als W’ bezeichnet
werden, auch bei Erneuerung des Kreislaufs auf derselben Stufen-
leiter, und zwar aus folgendem Grund. In Form I, sobald G” als
solches einen neuen Kreislauf eröffnet, fungiert es als Geldkapital G,
Vorschuß des zu verwertenden Kapitalwerts in Geldform. Die Größe
des vorgeschossenen Geldkapitals, angewachsen durch die im ersten
Kreislauf vollzogene Akkumulation, hat zugenommen. Aber ob
422 Pfd. Sterl. oder 500 Pfd. Sterl. die Größe des vorgeschossenen
Geldkapitals, das ändert nichts daran, daß es als bloßer Kapital-
wert erscheint. G’ existiert nicht mehr als verwertetes oder mit
Mehrwert geschwängertes Kapital, als Kapitalverhältnis. Es soll
sich ja erst im Prozeß verwerten. Dasselbe gilt für P.. .P’; P’ muß
stets als P, als Kapitalwert, der Mehrwert produzieren soll, weiter
fungieren und den Kreislauf erneuern. — Dagegen der Kreislauf des
Warenkapitals eröffnet sich nicht mit Kapitalwert, sondern mit in
Warenform vermehrtem Kapitalwert, schließt also von vornherein den
Kreislauf nicht nur des in Warenform vorhandenen Kapitalwerts,
sondern auch des Mehrwerts ein. Findet daher in dieser Form ein-
fache Reproduktion statt, so tritt ein W’ von gleicher Größe am
Schlußpunkt wie am Ausgangspunkt ein. Geht ein Teil des Mehr-
werts in den Kapitalkreislauf ein, so erscheint zwar am Schluß statt W”
[ein] W”’, ein größeres W’, aber der nun folgende Kreislauf wird wieder
eröffnet mit W’, was nur ein größeres W’ ist als im vorigen Kreis-
lauf und mit größerem akkumuliertem Kapitalwert, daher auch. mit
verhältnismäßig größerem neuerzeugtem Mehrwert seinen neuen
Kreislauf beginnt. In allen Fällen eröffnet W’ den Kreislauf stets
als ein Warenkapital, welches gleich ist Kapitalwert plus Mehrwert.

W’ als W erscheint in dem Kreislauf eines einzelnen industriellen
Kapitals nicht als Form dieses Kapitals, sondern als Form eines
andern industriellen Kapitals, soweit die Produktionsmittel dessen

$i Die Form W’,..W’. Die erste ist, wie der Leser sich erinnern wird;
die Form G...G’, die zweite P...P. K.
        <pb n="110" />
        Drittes Kapitel
Produkt sind. Der Akt G — W (das heißt G — Pm) des ersten Kapi-
tals ist für dieses zweite Kapital W’— GG.

Im Zirkulationsvorgang G — W{A, verhalten sich A und Pm
soweit identisch [gleich], als sie Waren sind in der Hand ihrer Ver-
käufer, hier der Arbeiter, die ihre Arbeitskraft, dort der Besitzer der
Produktionsmittel, die diese verkaufen. Für den Käufer, dessen Geld
hier als Geldkapital fungiert, fungieren sie nur als Waren, solange
er sie noch nicht gekauft hat, solange sie also seinem in Geldform
existierenden Kapital.als Waren anderer gegenübertreten. Pm und A
unterscheiden sich hier nur so weit, als Pm in der Hand seines Ver-
käufers gleich W’, also Kapital sein kann, wenn Pm Warenform seines
Kapitals ist, während A für den Arbeiter stets nur Ware ist und erst
Kapital wird in der Hand des Käufers, als Bestandteil von P.

W’ kann daher nie als bloßes W, als bloße Warenform des Ka-
pitalwerts einen Kreislauf eröffnen. Als Warenkapital ist es immer
ein Doppeltes. Unter dem Gesichtspunkt des Gebrauchswerts ist
es das Produkt der Funktion von P, hier Garn, dessen als Waren aus
der Zirkulation herkommende Elemente, A und Pm, nur %* als Produkt-
bildner dieses Produkts [des Garns] fungiert haben. Zweitens, unter
dem Gesichtspunkt des Wertes, ist es der Kapitalwert P plus dem in
der Funktion von P erzeugten Mehrwert m.

Nur im Kreislauf von W’ selbst kann und muß W = P — dem
Kapitalwert sich trennen von dem Teil von W’, worin Mehrwert
existiert, also das Warenprodukt, worin der Kapitalwert existiert,
von dem Mehrprodukt, worin der Mehrwert steckt, ob beide nun
tatsächlich trennbar, wie bei Garn, oder nicht, wie in der Maschine.
Sie werden jedesmal trennbar, sobald W’ in G’ verwandelt. ;

Ist das gesamte Warenprodukt trennbar in selbständige homo-
gene [gleichartige] Teilprodukte, wie zum Beispiel unsere 10 000 %
Garn, und kann daher der Akt W’— @ sich in einer Summe nach-
einander vollzogener Verkäufe darstellen, so kann der Kapitalwert
in Warenform als :W fungieren, sich von W’ lostrennen, bevor der
Mehrwert, also bevor W’ als Ganzes realisiert ist.

Von den 10000 % Garn zu 500 Pfd. Sterl. ist der Wert von
8440 % =— 422 Pfd, Sterl. = dem Kapitalwert getrennt vom Mehr-
wert. Verkauft der Kapitalist erst 8440 % Garn zu 422 Pfd. Sterl.,
So stellen diese 8440 % Garn W dar, den Kapitalwert in Warenform;
das in W‘ außerdem enthaltene Mehrprodukt von 1560 % Gamm =
Mehrwert von 78 Pfd. Sterl. zirkulierte erst später; der Kapitalist
könnte W — G — W{M vollziehen vor der Zirkulation des Mehr-
produkts w — g — W. .

Oder wenn er erst 7440 % Garn zum Wert von 372 Pfd, Sterl.
und dann 1000 % Garn zum Wert von 50 Pfd. Sterl. verkaufte,
So könnten mit dem ersten Teil von W die Produktionsmittel (der

57

$k In der Engelsschen Ausgabe steht „nun‘. K.
        <pb n="111" />
        58

Erster Abschnitt
konstante Kapitalteil ce) und mit dem zweiten Teil von W der
variable Kapitalteil v, die Arbeitskraft, ersetzt werden, und dann
wie vorher.

Finden aber solche sukzessive Verkäufe statt und. erlauben
s8. die Bedingungen des Kreislaufs, so kann der Kapitalist, statt
W’ zu trennen in ev -+m, diese Trennung auch bei aliquoten
Teilen von W’ vornehmen.

Zum Beispiel 7440 % Garn = 372 Pfd. Sterl., die als Teile von
W’ (10000 % Garn = 500 Pfd. Sterl.) den konstanten Kapitalteil
repräsentieren, sind selbst wieder zerfällbar in 5535,360 % Garn zum
Wert von 276,768 Pfd. Sterl., die bloß den konstanten Teil, den Wert
der in 7440 % Garn verbrauchten Produktionsmittel ersetzen: 744 K%
Garn zum Wert von 37,200 Pfd. Sterl., die nur das variable Kapital
ersetzen; 1160,640 % Garn zum Wert von 58,032 Pfd. Sterl., welche
als Mehrprodukt Träger des Mehrwerts sind. Von den verkauften
7440 % kann er also den in ihnen enthaltenen Kapitalwert ersetzen
durch Verkauf von 6279,360 % Garn zum Preis von 313,968 Pfd.
Sterl., und den Wert des Mehrprodukts 1160,640 % =— 58,032 Pfd.
Sterl. als Revenue verausgaben.

Ebenso kann er weiter 1000 % Garn — 50 Pfd. Sterl. = dem
variablen Kapitalwert zerfällen und demgemäß verkaufen: 744 %
Garn zu 37,200 Pfd. Sterl., konstanter Kapitalwert von 1000 % Garn;
100 % Garn zu 5,000 Pfd, Sterl., variabler Kapitalteil von ditto [dem
genannten, nämlich 1000 % Garn]; also 844 % Garn zu 42,200
Pfd. Sterl., Ersatz des in den 1000 % Garn enthaltenen Kapital-
werts; endlich 156 % Garn zum Wert von 7,800 Pfd. Sterl., die das
larin enthaltene Mehrprodukt darstellen und als solches verzehrt
werden können.

Endlich kann er die noch übrigen 1560 % Garn zum Wert von
78 Pfd. Sterl., wenn der Verkauf gelingt, in der Weise zerfällen, daß
der Verkauf von 1160,640 % Garn zu 58,032 Pfd.. Sterl. den Wert
der in den 1560 % Garn enthaltenen Produktionsmittel und. [der
Verkauf von] 156 % Garn zum Wert von 7,800 Pfd. Sterl. den
variablen Kapitalwert ersetzt®l; zusammen 1316,640 % Garn =
55,832 Pfd. Sterl., Ersatz des gesamten Kapitalwerts; endlich das
Mehrprodukt 243,360 % = 12,168 Pfd. Sterl. bleibt als Revenue zu
verausgaben.

Wie jedes im Garn existierende Element ec, v, m wieder in die-
selben Bestandteile zerlegbar ist, so auch jedes einzelne Pfund Garn
zum Wert von 1 Shilling = 12 Pence.

ce = 0,744 % Garn = 8,928 Pence
0.100 ,, 1,200
— 0.156 ,, : 1,872
% Garn — 12 Pence.

"24 yLM=

Ar

8! In der Engelsschen Ausgabe steht: „ersetzen“. K.
        <pb n="112" />
        Drittes Kapitel

59
Addieren wir die Resultate der drei obigen Teilverkäufe zu-
sammen, so kommt dasselbe Resultat heraus wie beim Verkauf der
10000 % Garn auf einen Schlag.
Wir haben an konstantem Kapital:
Beim 1. Verkauf: 5535,360 % Garn = 276,768 Pfd. Sterl.
2. 744,000 „ »„ = 37,200 „ x»
3. 2» 1160,640 „„ „ = 58,032 „ »
Zusammen 7440 % Garn == 372 Pfd. Sterl.
An variablem Kapital:
Beim 1. Verkauf: 744,000 % Garn = 387,200 Pfd. Sterl.
a 2 oe 100,000 „„ „ = 5,000 „ x»
3, ”„ 156,000 nn on = 7,800 ” 2
Zusammen 1000 % Garn = 50 Pfd. Sterl.
An Mehrwert:
Beim 1. Verkauf: 1160,640 % Garn = 58,032 Pfd. Sterl.
2. 02: 156,000 ,, „ = 7,800 „
3. % 243,360 „ „ = 12,168 , ”
Zusammen 1560  % Garn = 78 Pfd. Sterl.
Summa Summarum [Gesamtsumme]: ;
Konstantes Kapital: 7440. % Garn = 372 Pfd. Sterl.
Variables - 1000 „ „ = 50 ”
Mehrwert 1560 u „ = 78 #

Zusammen 10000 %’ Garn — 500 Pfd. Sterl.
W'’-— G” ist für sich nichts als ein Verkauf von 10 000 % Garn.
Die 10 000. X Garn sind Ware wie alles andere Garn. Den Käufer
interessiert der Preis von 1 Shilling für das Pfund oder von 500Pfd.
Sterl. für 10000 %. Läßt er sich bei dem Handel auf die Wert-
zusammensetzung ein, dann nur mit der heimtückischen Absicht,
nachzuweisen, daß das Pfund unter 1 Shilling verkauft werden könne
und der Verkäufer dabei immer noch ein gutes Geschäft machen
werde. Das Quantum aber, das er kauft, hängt von seinen Bedürf-
nissen ab; ist er zum Beispiel Webereibesitzer, dann von der Zu-
sammensetzung seines eigenen in der Weberei fungierenden Kapitals,
nicht von der des Spinners, von dem er kauft. Die Verhältnisse,
worin W’ einerseits das in ihm aufgearbeitete Kapital (respektive
dessen verschiedene Bestandteile) zu ersetzen, anderseits als Mehr-
produkt, sei es zur Verausgabung von Mehrwert, sei es zur Kapital-
akkumulation, zu dienen hat, existieren nur im Kreislauf des Kapitals,
dessen Warenform die 10 000 % Garn sind. Sie haben mit dem Ver-
kauf als solchem nichts zu tun. Hier ist außerdem unterstellt, daß W”
        <pb n="113" />
        30
Erster Abschnitt
zu seinem Wert verkauft wird, es sich also nur um seine Verwandlung
aus Warenform in Geldform handelt. Für W’, als funktionelle Form
im Kreislauf dieses einzelnen Kapitals, woraus das produktive Kapital
ersetzt werden muß, ist es natürlich entscheidend, ob und wie weit,
Preis und Wert beim Verkauf voneinander abweichen, aber damit
haben wir hier bei Betrachtung der bloßen Formunterschiede nichts
zu schaffen.

In Form I, G. ..G’, erscheint der Produktionsprozeß in der Mitte
zwischen den zwei sich ergänzenden und einander entgegengesetzten
Phasen der Zirkulation des Kapitals; er ist vergangen, bevor die
abschließende Phase W’— G” eintritt. Geld ist als Kapital vorge-
schossen, zuerst in die Produktionselemente, aus diesen in Waren-
produkt verwandelt und dies Warenprodukt wieder in Geld umge-
setzt. Es ist ein fertig abgeschlossener Geschäftszyklus [Geschäfts-
kreislauf], dessen Resultat das zu allem und jedem verwendbare
Geld. Der Neubeginn ist so nur der Möglichkeit nach gegeben. G...
P...G’ kann ebensowohl der letzte Kreislauf sein, der beim Rück-
britf£ aus dem Geschäft die Funktion eines individuellen Kapitals
abschließt, wie erster Kreislauf eines neu in Funktion tretenden
Kapitals. Die allgemeine Bewegung ist hier G...G’, von Geld zu
mehr Geld.

In Form II; P...W— G— W...P (P’) folgt der gesamte
Zirkulationsprozeß auf das erste P und geht dem zweiten vorher zer
erfolgt aber in entgegengesetzter Ordnung wie in Form I. Das erste
P ist das produktive Kapital und seine Funktion der Produktions-
prozeß, als Vorbedingung des nachfolgenden Zirkulationsprozesses.
Das abschließende P dagegen ist nicht der Produktionsprozeß; es ist

nur das Wiederdasein des industriellen Kapitals in seiner Form als
produktives Kapital. Und zwar ist es dies als Resultat der in der
letzten Zirkulationsphase vollzogenen Verwandlung des Kapital-
werts in A -+ Pm, in die subjektiven und ob jektiven Faktoren, welche
in ihrer Vereinigung die Daseinsform des produktiven Kapitals bilden.
Das Kapital, sei es P oder FP”, ist am Schluß wieder in einer Form
fertig vorhanden, worin es von neuem als produktives Kapital fun-
gieren, den Produktionsprozeß vollziehen muß. Die allgemeine Form
der Bewegung, P. . .P, ist die Form der Reproduktion und zeigt nicht,
wie G...G”, die Verwertung als Zweck des Prozesses an. Sie macht
e8 deshalb der klassischen Oekonomie um so leichter, von der be-
stimmten kapitalistischen Form des Produktionsprozesses abzusehen
and die Produktion als solche als Zweck des Prozesses darzustellen,
so daß möglichst viel und wohlfeil zu produzieren und das Produkt
gegen möglichst vielseitige andere Produkte auszutauschen sei, teils
zur Erneuerung der Produktion (G — W), teils zur Konsumtion
(g — w). Wobei denn, da G und g hier nur als verschwindendes
Zirkulationsmittel erscheinen, die Kigentümlichkeiten sowohl des
Geldes wie des Geldkapitals übersehen werden können und der ganze
Prozeß einfach und natürlich erscheint, das heißt die Natürlichkeit
        <pb n="114" />
        Drittes Kapitel

61

des flachen Rationalismus °“ besitzt. Beim Warenkapital wird ebenso
der Profit gelegentlich vergessen, und es figuriert, sobald vom Produk-
tionskreislauf als Ganzem die Rede, nur als Ware; sobald aber von
den Wertbestandteilen die Rede, als Warenkapital. Die Akkumu-
lation. erscheint natürlich in derselben Weise wie die Produktion.

In Form II, W’— G’— W...P...W’, eröffnen die zwei Phasen
des Zirkulationsprozesses den Kreislauf, und zwar in derselben Ord-
nung wie in Form IT, P.. .P; es folgt dann P, und zwar wie in Form I
mit seiner Funktion, dem Produktionsprozeß; mit dem Resultat des
letzteren, W’, schließt der Kreislauf. Wie in Form II mit P, als
bloßem Wiederdasein des produktiven Kapitals, schließt er hier mit
W’, als Wiederdasein des Warenkapitals; wie in Form II das Kapital
in seiner Schlußform P den Prozeß wieder beginnen muß als Produk-
tionsprozeß, so muß hier mit dem Wiedererscheinen des industriellen
Kapitals, in der Form von Warenkapital, der Kreislauf sich von
neuem eröffnen mit der Zirkulationsphase W’-—— G’. Beide Formen
des Kreislaufs sind unvollendet, weil sie nicht mit G’, dem in Geld
rückverwandelten verwerteten Kapitalwert abschließen. Beide
müssen. also weiter fortgesetzt werden und schließen daher die Re-
produktion ein. Der Gesamtkreislauf in Form III ist W'...W".

Was die dritte Form von den beiden ersten unterscheidet, ist,
daß nur in diesem Kreislauf der verwertete Kapitalwert, nicht der
ursprüngliche, erst zu verwertende Kapitalwert als Ausgangspunkt
seiner Verwertung erscheint. W’ als Kapitalverhältnis ist hier der
Ausgangspunkt und wirkt als solches determinierend [bestimmend]
auf den ganzen Kreislauf ein, indem es sowohl den Kreislauf des
Kapitalwerts als den des Mehrwerts schon in seiner ersten Phase ein-
schließt und der Mehrwert, wenn auch nicht in jedem einzelnen
Kreislauf, doch in ihrem Durchschnitt zum Teil als Revenue ver-
ausgabt werden, die Zirkulation w — g — w durchlaufen, zum Teil
als Element der Kapitalakkumulation fungieren muß.

{n der Form W’...W’ ist die Konsumtion des gesamten Waren-
produkts als Bedingung des normalen Verlaufs des Kreislaufs des
Kapitals selbst vorausgesetzt. Die individuelle [persönliche] Kon-
sumtion des Arbeiters und die individuelle [persönliche] Konsumtion
des nicht akkumulierten Teils des Mehrprodukts umschließt die
Zzesamte individuelle [persönliche] Konsumtion. Es geht also die
Konsumtion ihrer Gesamtheit nach — als individuelle [persönliche]
und als produktive Konsumtion — als Bedingung in den Kreislauf
Ww’ ein. Die produktive Konsumtion (worin der Sache nach die
individuelle [persönliche] Konsumtion des Arbeiters eingeschlossen,
da Arbeitskraft beständiges Produkt, innerhalb gewisser Grenzen,
der individuellen [persönlichen] Konsumtion des Arbeiters) geschieht

sm Eine Richtung der Theologie, die Wissen und Glauben zu verein-
baren sucht. Unkritisch nimmt sie die überlieferten Bibelwunder als wahr
hin, will sie aber natürlich erklären. K.
        <pb n="115" />
        52

Erster Abschnitt
durch jedes individuelle [einzelne] Kapital selbst. Die individuelle
[persönliche] Konsumtion — außer soweit zur Existenz des indivi-
duellen [einzelnen] Kapitalisten nötig — ist nur unterstellt als
gesellschaftlicher Akt, keineswegs als Akt des individuellen [einzel-
nen] Kapitalisten.%2

In den Formen I und II stellt sich die‘ Gesamtbewegung dar als
Bewegung des vorgeschossenen Kapitalwerts. In der Form III bildet
das verwertete Kapital, in Gestalt des gesamten Warenprodukts, den
Ausgangspunkt und besitzt die Form des sich bewegenden Kapitals,
Warenkapitals, Erst nach seiner Verwandlung in Geld zweigt diese
Bewegung sich ab in Kapitalbewegung und Revenuebewegung. Die
Verteilung des gesellschaftlichen Gesamtprodukts wie die besondere
Verteilung des Produkts für jedes individuelle Warenkapital, einer-
seits in individuellen Konsumtionsfonds, anderseits in Reproduk-
bionsfonds, ist in dieser Form in den Kreislauf des Kapitals einge-
schlossen.

In G...G’ ist mögliche Erweiterung des Kreislaufs einge-
schlossen, je nach dem Umfang des g, das in den erneuerten Kreis-
lauf eingeht. Ce

In P...P kann P mit demselben Wert, vielleicht mit geringerem,
den neuen Kreislauf beginnen und dennoch Reproduktion auf er-
weiterter Stufenleiter darstellen; wenn zum Beispiel Warenelemente
sich infolge gesteigerter Produktivität der Arbeit verwohlfeilern. Um-
gekehrt kann im entgegengesetzten Fall das dem Wert nach gewach-
sene produktive Kapital Reproduktion auf stofflich verengerter
Stufenleiter darstellen, wenn zum Beispiel Produktionselemente ver-
teuert. Dasselbe gilt für W’...W".

In W’....W ist Kapital in Warenform der Produktion voraus-
gesetzt; es kehrt wieder als Voraussetzung innerhalb dieses Kreis-
laufs im zweiten W. Ist dies W noch nicht produziert oder reprodu-
ziert, so ist der Kreislauf gehemmt; dies W muß reproduziert werden,
größtenteils als W’ eines andern industriellen Kapitals. In diesem
Kreislauf existiert W’ als Ausgangspunkt, Durchgangspunkt, Schluß-
punkt der Bewegung, ist daher stets da. Es ist beständige Bedingung
des Reproduktionsprozesses.

W’...W’ unterscheidet sich durch ein anderes Moment von den
Formen I und II. Alle drei Kreisläufe haben das gemein, daß die
Form, worin das Kapital seinen. Kreislaufprozeß eröffnet, auch die
Form ist, worin es ihn schließt und damit sich wieder in der Anfangs-
form befindet, worin es denselben Kreislauf neu eröffnet. Die Anfangs-
$B In diesem Absatz ist das Wort „individuell“ in zwei verschiedenen
Bedeutungen gebraucht, was zu Mißverständnissen Anlaß geben kann.
Vieleicht werden sie vermieden, wenn man das Wort „individuell“ ein-
mal mit „persönlich“ und anderseits mit „einzeln“ übersetzt. In diesem
Sinne sind. die Uebersetzungen in Klammern dem Wort beigefügt. Weiter-
hin wird der Leser selbst die entsprechende Bezeichnung ohne Mühe
änden können. K.
        <pb n="116" />
        Drittes Kapitel

63

form G,P, W’ ist stets die Form, worin der Kapitalwert (in III mit dem
ihm angewachsenen Mehrwert) vorgeschossen wird, also seine mit
Bezug auf den Kreislauf ursprüngliche Form; die Schlußform G“, P,
W” ist jedesmal verwandelte Form einer im Kreislauf vorhergehenden
funktionellen Form, die nicht die ursprüngliche Form ist.

So ist G’ in I verwandelte Form von W’, das Schluß-P in II
verwandelte Form von G (und in I und II wird diese Verwandlung
durch einen einfachen Vorgang der Warenzirkulation, durch formellen
Stellenwechsel von Ware und Geld bewirkt); in III ist W’ verwandelte
Form von P, dem produktiven Kapital. Aber hier in IIL betrifft
erstens die Verwandlung nicht nur die funktionelle Form des Kapitals,
sondern auch seine Wertgröße; zweitens aber ist die Verwandlung
das Resultat nicht eines dem Zirkulationsprozeß angehörigen bloß
formellen Stellenwechsels, sondern der wirklichen Verwandlung, welche
Gebrauchsform und Wert der Warenbestandteile des produktiven
Kapitals im Produktionsprozeß durchgemacht haben,

Die Form des Anfangsextrems G, P, W’ ist dem jedesmaligen
Kreislauf I, II, III vorausgesetzt; die im Schlußextrem wieder-
kehrende Form ist gesetzt und daher bedingt durch die Metamor-
phosenreihe des Kreislaufs selbst. W’, als Schlußpunkt eines indivi-
duellen industriellen Kapitalkreislaufs, setzt nur die nicht der Zirku-
lation angehörige Form P desselben industriellen Kapitals voraus,
dessen Produkt es ist. GG’, als Schlußpunkt in I, als verwandelte
Form von W’ (W’— G”), setzt G voraus in der Hand des Käufers, als
außerhalb des Kreislaufs G...G’ existierend und durch Verkauf von
W’ in ihn hineingezogen und zu seiner eigenen Schlußform gemacht.
So setzt in II das Schluß-P voraus A und Pm (W) als außerhalb
existierend und durch G — W ihm als Schlußform inkorporiert [ein-
verleibt]. Aber abgesehen von dem letzten Extrem setzt weder der
Kreislauf des individuellen Geldkapitals das Dasein des Geldkapitals
überhaupt, noch der Kreislauf des individuellen produktiven Kapitals
das des produktiven Kapitals in ihrem Kreislauf voraus. In I kann
G das erste Geldkapital, in II P das erste produktive Kapital sein,
das auf der geschichtlichen Bühne auftritt, aber in III

W —(G— W{A...P...W

w{E &amp;

wW —|g— WW
ist W zweimal außerhalb des Kreislaufs vorausgesetzt. Einmal im
Kreislauf W’-— G’— W4{A. Dies W, soweit es aus Pm besteht, ist
Ware in der Hand des Verkäufers; es ist selbst Warenkapital, soweit
es Produkt eines kapitalistischen Produktionsprozesses; und. selbst
wenn das nicht, erscheint es als Warenkapital in der Hand des Kauf-
manns. Das andere Mal in dem zweiten w in w — g —W, das ebenfalls
als Ware vorhanden sein muß, um gekauft werden zu können, Jeden-
falls, ob Warenkapital oder nicht, sind A. und Pm Waren so gut wie
W’ und verhalten sich zueinander als Waren. Dasselbe gilt von dem
zweiten w in w — g — w.- Soweit also W’ = W (A + Pm), hat es

Das Kapital. II.
        <pb n="117" />
        64

Erster Abschnitt
Waren zu seinen eigenen Bildungselementen und muß durch gleiche
Waren in der Zirkulation ersetzt werden; wie auch in w — g — w
das zweite w durch andere gleiche Waren in der Zirkulation zu
ersetzen ist.

Auf Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise als herr-
schender muß außerdem alle Ware in der Hand des Verkäufers
Warenkapital sein. Sie fährt fort es zu sein, in der Hand des Kauf-
manns, oder wird es in seiner Hand, wenn sie es noch nicht war. Oder
aber sie muß Ware sein — zum Beispiel eingeführte Artikel.—, welche
ursprüngliches Warenkapital ersetzt, ihm daher nur eine andere
Daseinsform gegeben hat.

Die Warenelemente A und Pm, woraus das produktive Kapital
P besteht, besitzen als Daseinsformen von P nicht dieselbe Gestalt
wie auf den verschiedenen Warenmärkten, auf denen sie zusammen-
gesucht werden. Sie sind jetzt vereinigt, und in ihrer Verbindung
können sie als produktives Kapital fungieren.

Daß nur in dieser Form III, innerhalb des Kreislaufs selbst, W
als Voraussetzung von W erscheint, kommt daher, daß der Ausgangs-
punkt das Kapital in Warenform ist. Der Kreislauf wird eröffnet
durch Umsatz von W’ (soweit es als Kapitalwert fungiert, ob durch
Zusatz von Mehrwert vergrößert oder nicht) in die Waren, die seine
Produktionselemente bilden. Dieser Umsatz aber umfaßt den ganzen
Zirkulationsprozeß W— G— W (= A + Pm) und ist dessen Re-
sultat. Hier steht also W auf beiden Extremen, aber das zweite
Extrem, das seine Form W durch G — W von außen aus dem Waren-
markt erhält, ist nicht letztes Extrem des Kreislaufs, sondern. nur
seiner zwei ersten den Zirkulationsprozeß umfassenden Stadien.
Sein Resultat ist P, dessen Funktion dann eintritt, der Produktions-
prozeß. Erst als dessen Resultat, also nicht als Resultat des Zirku-
lationsprozesses, erscheint W’ als Schluß des Kreislaufs und in der-
selben Form wie das Anfangsextrem W’. Dagegen in G...G', P...P
sind die Schlußextreme G’ und P unmittelbare Resultate des Zir-
kulationsprozesses. Hier sind also nur am Schluß das eine Mal G”,
das andere Mal P in anderer Hand vorausgesetzt. Soweit der Kreis-
lauf zwischen den Extremen vorgeht, erscheint weder Gin dem einen
Fall, noch P in dem andern — das Dasein von G, als fremdem Geld,
von P, als fremden Produktionselementen®° — als Voraussetzung
dieser Kreisläufe. W’,..W’ dagegen setzt W (= A + Pm) als
fremde Waren in fremder Hand voraus, die durch den einleitenden
Zirkulationsprozeß in den Kreislauf gezogen und in das produktive
Kapital verwandelt werden, als Resultat von dessen Funktion nun
W’ wieder Schlußform des Kreislaufs wird.

Aber eben weil der Kreislauf W’...W”’ innerhalb seiner Be-
schreibung anderes industrielles Kapital in Form von W (=A + Pm)
voraussetzt (und Pm umschließt verschiedenartige andere Kapitale,
SO In der Engelsschen Ausgabe steht: fremdem Produktionsprozeß, K.
        <pb n="118" />
        Drittes Kapitel

65
zum Beispiel in unserm Fall Maschinen, Kohlen, Oel ete.), fordert er
selbst dazu heraus, ihn zu betrachten nicht nur als allgemeine Form
des Kreislaufs, das heißt als eine gesellschaftliche Form, worunter
jedes einzelne industrielle Kapital (außer bei seiner ersten Anlage)
betrachtet werden kann, daher nicht nur als eine allen individuellen
industriellen Kapitalen gemeinsame Bewegungsform, sondern zugleich
als Bewegungsform der Summe der individuellen Kapitale, also des
Gesamtkapitals der Kapitalistenklasse, eine Bewegung, worin die
jedes individuellen industriellen Kapitals nur als eine Teilbewegung
erscheint, die mit der andern sich verschlingt und durch sie bedingt
wird. Betrachten wir zum Beispiel das jährliche Gesamt-Waren-
produkt eines Landes und analysieren [zergliedern] die Bewegung,
wodurch ein Teil desselben das produktive Kapital in allen indivi-
duellen Geschäften ersetzt, ein anderer Teil in die individuelle Kon-
sumtion der verschiedenen Klassen eingeht, so betrachten wir
W’...W’ als Bewegungsform sowohl des gesellschaftlichen Kapitals
als des von diesem erzeugten Mehrwerts respektive Mehrprodukts.
Daß das gesellschaftliche Kapital gleich der Summe der individuellen
Kapitale (eingeschlossen die Aktienkapitale respektive das Staats-
kapital, soweit Regierungen produktive Lohnarbeit in Bergwerken,
Eisenbahnen etc. anwenden, als industrielle Kapitalisten fungieren)
und daß die Gesamtbewegung des gesellschaftlichen Kapitals gleich
der algebraischen [in Buchstaben statt Zahlen ausgedrückten] Summe
der Bewegungen der individuellen Kapitale ist, schließt in keiner Weise
aus, daß diese Bewegung als Bewegung des vereinzelten individuellen
Kapitals andere Phänomene [Erscheinungen] darbietet als dieselbe
Bewegung, wenn sie unter dem Gesichtspunkt eines Teils der Gesamt-
bewegung des gesellschaftlichen Kapitals, also in ihrem Zusammen-
hang mit den Bewegungen seiner andern Teile betrachtet wird, und
daß sie zugleich Probleme löst, deren Lösung bei der Betrachtung des
Kreislaufs eines einzelnen individuellen Kapitals vorausgesetzt
werden muß, statt sich daraus zu ergeben.

W’...W” ist der einzige Kreislauf, worin der ursprünglich vor-
geschossene Kapitalwert nur einen Teil des die Bewegung eröffnen-
den Extrems bildet und die Bewegung von vornherein sich so als
Totalbewegung [Gesamtbewegung] des industriellen Kapitals an-
kündigt; sowohl des Produktteiles, der das produktive Kapital ersetzt,
als des Produktteils, der Mehrprodukt bildet und der durchschnitt-
lich teils als Revenue verausgabt wird, teils als Element der Akkumu-
lation zu dienen hat. Soweit die Verausgabung von Mehrwert als
Revenue in diesen Kreislauf eingeschlossen, soweit ist es auch die
individuelle Konsumtion. Diese letztere ist aber auch ferner dadurch
eingeschlossen, daß der Ausgangspunkt W, Ware, existiert als irgend-
ein beliebiger Gebrauchsartikel; jeder kapitalistisch produzierte Ar-
tikel ist aber Warenkapital, gleichgültig ob seine Gebrauchsform ihn
bestimmt für produktive oder für individuelle Konsumtion, oder für
beide. G...G” zeigt nur hin auf die Wertseite, die Verwertung des
        <pb n="119" />
        36

Erster Abschnitt
vorgeschossenen Kapitalwerts als Zweck des ganzen Prozesses; P. ..P
{P’) auf den Produktionsprozeß des Kapitals als Reproduktions-
prozeß mit gleichbleibender oder wachsender Größe des produktiven
Kapitals (Akkumulation); W’...W’, während es schon in seinem
Anfangsextrem sich als Gestalt der kapitalistischen Warenproduk-
tion ankündigt, umschließt produktive und individuelle Konsumtion
von vornherein; die produktive Konsumtion und die darin einge-
schlossene Verwertung erscheint nur als Zweig seiner Bewegung.
Endlich, da W’ existieren kann in Gebrauchsform, die nicht wieder
in irgendeinen Produktionsprozeß eingehen kann, so ist von vorn-
herein angezeigt, daß die verschiedenen in Produktteilen ausgedrück-
ten Wertbestandteile von W’ eine andere Stelle einnehmen müssen,
je nachdem W’...W’ als Form der Bewegung des gesellschaftlichen
Gesamtkapitals oder als selbständige Bewegung eines individuellen
industriellen Kapitals gilt. In allen diesen seinen Eigentümlichkeiten
weist dieser Kreislauf über sich selbst hinaus als vereinzelten Kreis-
lauf eines bloß individuellen Kapitals.

In Figur W’...W’ erscheint die Bewegung des Warenkapitals,
das heißt des kapitalistisch produzierten Gesamtprodukts, sowohl als
Voraussetzung des selbständigen Kreislaufs des individuellen Kapi-
tals, wie ihrerseits durch denselben bedingt. Wird diese Figur daher
in ihrer Eigentümlichkeit aufgefaßt, so genügt es nicht mehr, sich
dabei zu beruhigen, daß die Metamorphosen W’— G' und G— W
einerseits funktionell bestimmte Abschnitte in der Metamorphose des
Kapitals sind, anderseits Glieder der allgemeinen Warenzirkulation.
Es wird notwendig, die Verschlingungen der Metamorphosen eines
individuellen Kapitals mit denen anderer individuellen Kapitale und
mit dem für den individuellen Konsum bestimmten Teil des Gesamt-
produkts klarzulegen. Bei Analyse des Kreislaufs des individuellen
industriellen Kapitals legen wir daher vorzugsweise die beiden ersten
Formen zugrunde.

Als Form eines einzelnen individuellen Kapitals erscheint der
Kreislauf W’...W’ zum Beispiel in der Agrikultur, wo von Ernte
zu Ernte gerechnet wird. In Figur II wird von der Aussaat, in Figur
IIT von der Ernte ausgegangen, oder wie die Physiokraten sagen,
in der ersteren von den avances [Vorschüssen], in der®” letzteren von
den reprises [Wiedereinnahmen]. Die Bewegung des Kapitalwerts
erscheint in III von vornherein nur als Teil der Bewegung der all-
gemeinen Produktenmasse, während in I und IT die Bewegung von
W’ nur ein Moment in der Bewegung eines vereinzelten Kapitals
bildet.

In Figur III bilden auf dem Markt befindliche Waren die be-
ständige Voraussetzung des Produktions- und Reproduktionsprozes-
ses. Fixiert man daher diese Figur, so scheinen alle Elemente des
Produktionsprozesses aus der Warenzirkulation herzukommen und
SD In der Engelsschen Ausgabe steht „den“. K.
        <pb n="120" />
        Viertes Kapitel

67

nur aus Waren zu bestehen. Diese einseitige Auffassung übersicht
die von den Warenelementen unabhängigen Elemente des Produk-
bionsprozesses.

Dain W’...W’ das Gesamtprodukt (der Gesamtwert) Ausgangs-
punkt ist, so zeigt sich hier, daß (abgesehen vom auswärtigen Handel)
Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter bei sonst gleichbleibender
Produktivität nur stattfinden kann, wenn in dem zu kapitalisieren-
den Teil des Mehrprodukts die stofflichen Elemente des zusätzlichen
produktiven Kapitals bereits enthalten sind; daß also, soweit die
Produktion eines Jahres der des folgenden zur Voraussetzung dient,
oder soweit dies gleichzeitig mit dem einfachen Reproduktionsprozeß
innerhalb eines Jahres geschehen kann, Mehrprodukt sofort produ-
ziert wird in der Form, die es befähigt, als zuschüssiges Kapital zu
fungieren. Vermehrte Produktivität kann nur den Kapitalstoff ver-
mehren, ohne dessen Wert zu erhöhen; sie bildet aber damit zusätz-
liches Material für die Verwertung.

W’, ..W’ liegt dem Tableau 6&amp;conomique Quesnays zugrunde und
88 zeigt großen und richtigen Takt, daß er im Gegensatz zu G...G”
(der isoliert festgehaltenen Form des Merkantilsystems) diese Form
and nicht P...P wählte.

Viertes Kapmitel.
Die drei Figuren des Kreislauiprozesses.

Die drei Figuren können dargestellt werden, wenn Ck für den
Gesamtzirkulationsprozeß steht:

I. G—W...P...W— GG
I. P...Ck...P
IM. Ck...P (W’)

Fassen wir alle drei Formen zusammen, 80 erscheinen alle Vor-
aussetzungen des Prozesses als sein Resultat, als von ihm selbst pro-
duzierte Voraussetzung. Jedes Moment [wesentlicher Punkt] erscheint
als Ausgangspunkt, Durchgangspunkt und Punkt der Rückkehr. Der
Gesamtprozeß stellt sich dar als Einheit von Produktionsprozeß und
Zirkulationsprozeß; der Produktionsprozeß wird Vermittler des Zir-
kulationsprozesses und umgekehrt.

Allen drei Kreisläufen ist gemeinsam: Verwertung des Wertes als
bestimmender Zweck, als treibendes Motiv. In I ist das in der Form
ausgedrückt. Form II beginnt mit P, dem Verwertungsprozeß selbst,
In II beginnt der Kreislauf mit dem verwerteten Wert und schließt
mit neu verwertetem Wert, selbst wenn die Bewegung auf gleich-
bleibender Stufe wiederholt wird.

Soweit W— G für den Käufer G — W und G — W für den
Verkäufer W — G, stellt die Zirkulation des Kapitals nur die ge-
wöhnliche Warenmetamorphose dar und gelten die bei derselben
        <pb n="121" />
        38

Erster Abschnitt
(Buch I, Kapitel III, 2b, 2. Auflage, S. 97—104, V. 8. 76—82) ent-
wickelten. Gesetze über die Masse des zirkulierenden Geldes. Wird
aber nicht an dieser formellen Seite festgehalten, sondern. der reale
Zusammenhang der Metamorphosen der verschiedenen individuellen
Kapitale betrachtet, also in der Tat der Zusammenhang der Kreis-
läufe der individuellen Kapitale als der Teilbewegungen des Repro-
duktionsprozesses des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, so kann dieser
nicht aus dem bloßen Formwechsel von Geld und Ware erklärt werden.
In einem beständig rotierenden [sich drehenden] Kreis ist jeder
Punkt zugleich Ausgangspunkt und Punkt der Rückkehr. Unter-
brechen wir die Rotation [Umdrehung], so ist nicht jeder Ausgangs-
punkt Punkt der Rückkehr. So haben wir gesehen, daß nicht nur
jeder besondere Kreislauf den andern (implizite) voraussetzt, sondern
auch, daß die Wiederholung des Kreislaufs in einer Form die Beschrei-
Jung des Kreislaufs in den andern Formen einbegreift. So stellt sich
der ganze Unterschied als ein bloß formaler dar oder auch als ein
bloß subjektiver, nur für den Betrachter bestehender Unterschied.
Sofern jeder dieser Kreisläufe als besondere Form der Bewegung
betrachtet wird, worin sich verschiedene individuelle industrielle Ka-
pitale befinden, so existiert auch diese Verschiedenheit immer nur
als eine individuelle. In Wirklichkeit aber befindet sich jedes indivi-
duelle industrielle Kapital in allen dreien zugleich. Die drei Kreis-
läufe, die Reproduktionsformen der drei Gestalten des Kapitals, voll-
ziehen sich kontinuierlich nebeneinander. Ein Teil des Kapitalwerts
zum Beispiel, der jetzt als Warenkapital fungiert, verwandelt sich
in Geldkapital, aber gleichzeitig tritt ein anderer Teil aus dem Pro-
duktionsprozeß in die Zirkulation als neues Warenkapital. So wird
die Kreisform W’...W’ beständig beschrieben; ebenso die beiden
andern Formen. Die Reproduktion des Kapitals in jeder seiner For-
men und jedem seiner Stadien ist ebenso kontinuierlich wie die Me-
tamorphose dieser Formen und der sukzessive Verlauf durch die drei
Stadien. Hier ist also der gesamte Kreislauf wirkliche Einheit seiner
drei Formen.

In unserer Betrachtung wurde unterstellt, daß der Kapitalwert
seiner gesamten Wertgröße nach ganz als Geldkapital oder als pro-
duktives Kapital oder als Warenkapital auftritt. So hatten wir zum
Beispiel die 422 Pfd.. Sterl. zuerst ganz als Geldkapital, dann
ebenso ihrem ganzen Umfang nach in produktives Kapital verwandelt,
endlich als Warenkapital: Garn zum Wert von 500 Pfd. Sterl.
(worin 78 Pfd. Sterl. Mehrwert). Hier bilden die verschiedenen
Stadien ebenso viele Unterbrechungen. Solange zum Beispiel die
422 Pfd. Sterl. in Geldform verharren, das heißt, bis die Käufe
G — W (A + Pm) vollzogen, existiert und fungiert das gesamte Ka-
pital nur als Geldkapital. Sobald es in produktives Kapital ver-
wandelt, fungiert es weder als Geldkapital noch als Warenkapital.
Sein gesamter Zirkulationsprozeß ist unterbrochen, wie anderseits
sein gesamter Produktionsprozeß unterbrochen ist, sobald es in einem
        <pb n="122" />
        Viertes Kapitel

59
der beiden Zirkulationsstadien fungiert, sei es als G oder W’. So
würde sich also der Kreislauf P...P nicht nur als periodische Er-
neuerung des produktiven Kapitals darstellen, sondern ebensosehr
als Unterbrechung seiner Funktion, des Produktionsprozesses, bis der
Zirkulationsprozeß zurückgelegt; statt kontinuierlich erfolgte die Pro-
duktion ruckweise und erneuerte sich nur nach Zeitabschnitten von
zufälliger Dauer, je nachdem die beiden Stadien des Zirkulations-
prozesses rascher oder langsamer absolviert [vollzogen] werden. So
zum Beispiel bei einem chinesischen Handwerker, der bloß für Privat-
kunden arbeitet und dessen Produktionsprozeß aufhört, bis die Be-
stellung erneuert wird.

In der Tat gilt dies für jeden einzelnen in Bewegung befind-
lichen Kapitalteil, und alle Teile des Kapitals machen der Reihe nach
diese Bewegung durch. Zum Beispiel die 10 000 % Garn sind. das
Wochenprodukt eines Spinners. Diese 10 000 % Garn treten ganz
aus der Produktionssphäre hinaus in die Zirkulationssphäre; der in
ihm enthaltene Kapitalwert muß ganz in Geldkapital verwandelt
werden, und solange er in der Form von Geldkapital verharrt, kann
er nicht von neuem in den Produktionsprozeß eingehen; er muß vor-
her in die Zirkulation eintreten und in die Elemente des produktiven
Kapitals A + Pm rückverwandelt werden. Der Kreislaufprozeß des
Kapitals ist beständige Unterbrechung, Verlassen eines Stadiums,
Eintreten in das nächste; Abstreifen einer Form, Dasein in einer
andern; jedes dieser Stadien bedingt nicht nur das andere, sondern
schließt es zugleich aus.

Kontinuität ist aber das charakteristische Merkmal der kapita-
listischen Produktion und durch ihre technische Grundlage bedingt,
wenn auch nicht immer unbedingt erreichbar. Sehen wir also, wie
die Sache in der Wirklichkeit zugeht. Während zum Beispiel die
10000 % Garn als Warenkapital auf den Markt treten und ihre Ver-
wandlung in Geld (sei dies nun Zahlungsmittel, Kaufmittel oder gar
nur Rechengeld) vollziehen, tritt neue Baumwolle, Kohle etc. im
Produktionsprozeß an ihre Stelle, hat also schon aus Geldiorm und
Warenform sich wieder in. die Form des produktiven Kapitals rück-
verwandelt und beginnt ihre Funktion als solches, während zur selben
Zeit, wo die ersten 10 000 % Garn in Geld umgesetzt werden, frühere
10000 % Garn schon das zweite Stadium ihrer Zirkulation be-
schreiben und sich aus Geld in die Elemente des produktiven Kapi-
tals rückverwandeln. Alle Teile des Kapitals machen den Kreis-
laufprozeß der Reihe nach durch, befinden sich gleichzeitig in ver-
schiedenen Stadien desselben. So befindet sich das industrielle
Kapital in der Kontinuität seines Kreislaufs gleichzeitig in allen
seinen. Stadien und den ihnen entsprechenden verschiedenen Funk-
tionsformen. Für den Teil, der zum ersten Male aus Warenkapital
sich in Geld verwandelt, ist der Kreislauf W’...W’ eröffnet, während
für das industrielle Kapital als sich bewegendes Ganze der Kreis-
lauf W’...W’ durchlaufen ist. Mit der einen Hand wird Geld
        <pb n="123" />
        70

Erster Abschnitt
vorgeschossen, mit der andern eingenommen; die Eröffnung des
Kreislaufs G. . .G’ auf einem ®4 Punkt ist zugleich seine Rückkehr auf
einem andern. Das gleiche gilt für das produktive Kapital.
Der wirkliche Kreislauf des industriellen Kapitals in seiner Kon-
tinuität ist daher nicht nur Einheit von Zirkulations- und Produk-
Honsprozeß, sondern Einheit aller seiner drei Kreisläufe. Solche Ein-
heit kann er aber nur sein, sofern jeder verschiedene Teil des Kapitals
Jukzessive die einander folgenden Phasen des Kreislaufs durchmessen,
aus einer Phase, einer Funktionsform in die andere übergehen kann,
das industrielle Kapital, als Ganzes dieser Teile, sich also gleich-
zeitig in den verschiedenen Phasen und Funktionen befindet und so
alle drei Kreisläufe gleichzeitig beschreibt. Das Nacheinander jedes
Teils ist hier bedingt durch das Nebeneinander der Teile, das heißt
durch die Teilung des Kapitals. _So befindet sich in dem gegliederten
Fabriksystem das Produkt ebenso fortwährend auf den verschiede-
nen Stufen seines Bildungsprozesses wie im Uebergang aus einer
Produktionsphase in die andere. Da das individuelle industrielle Ka-
pital eine bestimmte Größe darstellt, die abhängig ist von den Mitteln
des Kapitalisten und die für jeden Industriezweig eine bestimmte
Minimalgröße hat, so müssen_bestimmte Verhältniszahlen-bei-seiner
Teilung bestehen. Die Größe des vorhandenen Kapitals bedingt den
Umfang des Produktionsprozesses, dieser den Umfang von Waren-
kapital und Geldkapital, soweit sie neben dem Produktionsprozeß
fungieren. Das Nebeneinander, wodurch die Kontinuität der Pro-
duktion bedingt wird, existiert aber nur durch die Bewegung der
Teile des Kapitals, worin sie nacheinander die verschiedenen Stadien
beschreiben. Das Nebeneinander ist selbst nur Resultat des Nach-
einander, Stockt zum Beispiel W’— G” für einen Teil, ist die Ware
unverkäuflich, so ist der Kreislauf dieses Teils unterbrochen und der
Ersatz durch seine Produktionsmittel wird nicht vollzogen; die nach-
folgenden Teile, die als. W’ aus dem Produktionsprozeß hervorgehen;
finden ihren Funktionswechsel durch ihre Vorgänger gesperrt. Dauert
lies einige Zeit fort, so wird die Produktion eingeschränkt und der
ganze Prozeß zum Stillstand gebracht. Jede Stockung des Nach-
einander bringt das Nebeneinander in Unordnung, jede Stockung in
einem Stadium bewirkt größere oder geringere Stockung im gesamten
Kreislauf nicht nur des stockenden Kapitalteils, sondern auch des
gesamten individuellen Kapitals.

Die nächste Form, worin sich der Prozeß darstellt, ist die einer
Sukzession von Phasen, so daß der Vebergang des Kapitals in eine
neue Phase durch sein Verlassen der andern bedingt ist. Jeder be-
sondere Kreislauf hat daher auch eine der Funktionsformen des Ka-
pitals zum Ausgangspunkt und Rückkehrpunkt. Anderseits ist der
Gesamtprozeß in der Tat die Einheit der drei Kreisläufe, die die
$a In der Engelsschen Ausgabe: „einen“. K.
        <pb n="124" />
        Viertes Kapitel

71

versehiedenen. Formen sind, in denen die Kontinuität des Prozesses
sich ausdrückt. Der Gesamtkreislauf stellt sich für jede Funk-
tionsform des Kapitals als ihr spezifischer Kreislauf dar, und zwar
bedingt jeder dieser Kreisläufe die Kontinuität des Gesamtprozesses;
der Zirkellauf [Kreislauf] der einen funktionellen Form bedingt den
andern. Es ist eine notwendige Bedingung für den Gesamtproduk-
tionsprozeß, besonders für das gesellschaftliche Kapital, daß er zu-
gleich Reproduktionsprozeß und daher Kreislauf jedes seiner Mo-
mente ist. Verschiedene Bruchteile des Kapitals durchlaufen sukzes-
ziv die verschiedenen Stadien und Funktionsformen. Jede Funk-
tionsform, obgleich sich stets ein anderer Teil des Kapitals darin
darstellt, durchläuft dadurch gleichzeitig mit den andern ihren eige-
nen Kreislauf. Ein Teil des Kapitals, aber ein stets wechselnder,
stets reproduziert, existiert als Warenkapital, das sich in Geld ver-
wandelt; ein anderer als Geldkapital, das sich in produktives ver-
wandelt; ein dritter als produktives Kapital, das sich in Waren-
kapital verwandelt. Das beständige Vorhandensein aller drei Formen
ist vermittelt durch den Kreislauf des Gesamtkapitals durch eben
diese drei Phasen.

Als Ganzes befindet sich das Kapital dann gleichzeitig, räumlich
nebeneinander, in seinen verschiedenen Phasen. Aber jeder Teil
geht beständig der Reihe nach aus der einen Phase, aus der einen
Funktionsform in die andere über, fungiert so der Reihe nach in allen.
Die Formen sind so fließende Formen, deren Gleichzeitigkeit durch
ihr Nacheinander vermittelt ist. Jede Form folgt der andern nach
und geht ihr vorher, so daß die Rückkehr des einen Kapitalteils zu
einer Form durch die Rückkehr des andern zu einer andern Form
bedingt ist. Jeder Teil beschreibt fortwährend seinen eigenen Umlauf,
aber es ist stets ein anderer Teil des Kapitals, der sich in dieser Form
befindet, und diese besonderen Umläufe bilden nur gleichzeitige und
sukzessive Momente des Gesamtverlaufs.

Der prozessierende Kapitalwert durchläuft immer in einer zeit-
lichen Reihenfolge seine verschiedenen Phasen, ob er nun jedesmal
ganz nur in einer Form fungiere und sich in einem bestimmten
Stadium aufhalte, um dann ganz in das nächstfolgende Stadium und
die ihm entsprechende Form überzutreten, oder ob durch Verteilung
des Kapitalwerts in die verschiedenen Formen’ und Phasen Gleich-
zeitigkeit und räumliches Nebeneinander seiner verschiedenen For-
men und Prozesse stattfindet. Im letzteren Falle ist es nur die
zeitliche Aufeinanderfolge der Phasen, wodurch ihre Gleichzeitig-
keit oder ihr räumliches Nebeneinander möglich wird. Bestimmte
Wertteile: des Kapitals machen hier sukzessive, nicht zur selben
Zeit, die Reihenfolge durch, so daß, während ein Teil ein Stadium
verläßt, der andere darin eintritt, und also erstens der gesamte
Kapitalwert, wenn auch stückweise, die ganze Reihenfolge zeitlich
Äurchläuft, und zweitens die gleichzeitige oder räumlich nebenein-
ander vorhandenen Prozesse der verschiedenen Teile des Kapitalwerts
        <pb n="125" />
        [2

Erster Abschnitt
durch die Sukzession der Prozesse des Gesamtkapitals und die jedes
seiner Teile vermittelt werden und eine gleichzeitige prozessierende
Einheit bilden.%r

Nur in der Einheit der drei Kreisläufe ist die Kontinuität des
Gesamtprozesses verwirklicht statt der oben geschilderten Unter-
brechung. Das gesellschaftliche Gesamtkapital besitzt stets diese
Kontinuität und sein Prozeß besitzt stets die Einheit der drei
Kreisläufe.

Für individuelle Kapitale wird die Kontinuität der Reproduktion
stellenweise mehr oder minder unterbrochen. Erstens sind die Wert-
massen häufig zu verschiedenen Epochen in ungleichen Portionen
[Teilen] auf die verschiedenen Stadien und Funktionsformen ver-
teilt. Zweitens können sich je nach dem Charakter der zu produ-
zierenden Ware, also je nach der besonderen Produktionssphäre, worin
das Kapital angelegt ist, diese Portionen verschieden verteilen.
Drittens kann die Kontinuität mehr oder weniger unterbrochen
werden in Produktionszweigen, die von der Jahreszeit abhängen, sei
es infolge von Naturbedingungen (Agrikultur, Heringsfang ete.), sei
es infolge konventioneller [durch Herkommen oder Vereinbarung
vestimmter] Umstände, wie zum Beispiel bei sogenannten Saison-
arbeiten. Am regelmäßigsten und uniformsten [gleichförmigsten]
verläuft der Prozeß in der Fabrik und im Bergbau. Aber diese Ver-
schiedenheit der Produktionszweige bewirkt keine Verschiedenheit
in den allgemeinen Formen des Kreislaufprozesses.

Das Kapital als sich verwertender Wert umschließt nicht nur
Klassenverhältnisse, einen bestimmten gesellschaftlichen Charakter,
der auf dem Dasein der Arbeit als Lohnarbeit ruht. Es ist eine Be-
wegung, ein Kreislaufprozeß durch verschiedene Stadien, der selbst
wieder drei verschiedene Formen des Kreislaufsprozesses einschließt.
Es kann daher nur als Bewegung und nicht als ruhendes Ding be-
griffen werden. Diejenigen, die die Verselbständigung des Wertes als
bloße Abstraktion betrachten, vergessen, daß die Bewegung des
industriellen Kapitals diese Abstraktion in actu [in Vollziehung] ist.
Der Wert durchläuft hier verschiedene Formen, verschiedene Be-
wegungen, in denen er sich erhält und zugleich verwertet, vergrößert.
Da wir es hier zunächst mit der bloßen Bewegungsform zu tun haben,
werden die Revolutionen [Umwälzungen] nicht berücksichtigt, die
der Kapitalwert in seinem Kreislaufsprozeß erleiden kann; aber es ist
klar, daß trotz aller Wertrevolutionen die kapitalistische Produktion
nur so lange existiert und. fortexistieren kann, als der Kapitalwert
verwertet wird, das heißt als verselbständigter Wert seinen Kreis-
laufprozeß beschreibt, solange also die Wertrevolutionen in irgend-
einer Art überwältigt und ausgeglichen werden. Die Bewegungen des
Kapitals erscheinen als Aktionen des einzelnen industriellen Kapita-
listen in der Weise, daß er als Waren- und Arbeitkäufer, Warenver-
sr Dieser Absatz fehlt in der 2. und den folgenden Auflaren. K.
        <pb n="126" />
        Viertes Kapitel

738
käufer und produktiver Kapitalist fungiert, durch seine Tätigkeit
also den Kreislauf vermittelt. Erleidet der gesellschaftliche Kapital-
wert eine Wertrevolution, so kann es vorkommen, daß sein indivi-
duelles Kapital ihr erliegt und untergeht, weil es die Bedingungen
dieser Wertbewegung nicht erfüllen kann. Je akuter [heftiger]
und häufiger die Wertrevolutionen werden, desto mehr macht sich
die automatische [selbsttätige], mit der Gewalt eines elementaren
Naturprozesses wirkende Bewegung des verselbständigten Wertes
geltend gegenüber der Voraussicht und Berechnung des einzelnen
Kapitalisten, desto mehr wird der Lauf der normalen Produktion
untertan der anormalen Spekulation, desto größer wird die Gefahr
für die Existenz der Einzelkapitale. Diese periodischen Wert-
revolutionen bestätigen also, was sie angeblich widerlegen sollen: die
Verselbständigung, die der Wert als Kapital erfährt und durch seine
Bewegung forterhält und verschärft.

Diese Reihenfolge der Metamorphosen des prozessierenden Ka-
pitals schließt fortwährende Vergleichung der im Kreislauf voll-
brachten Veränderung der Wertgröße des Kapitals ein mit‘ dem
ursprünglichen Wert. Wenn die Verselbständigung des Wertes gegen-
über der wertbildenden Kraft, der Arbeitskraft, im Akt G — A (Kauf
der Arbeitskraft) eingeleitet und während des Produktionsprozesses
als Ausbeutung der Arbeitskraft verwirklicht wird, so erscheint diese
Verselbständigung des Wertes nicht wieder in diesem Kreislauf, worin
Geld, Ware, Produktionselemente nur abwechselnde Formen des
prozessierenden Kapitalwerts sind und die vergangene Wertgröße
mit der gegenwärtigen veränderten des Kapitals sich vergleicht.

„Wert‘‘, sagt Bailey gegen die Verselbständigung des Wertes,
welche die kapitalistische Produktionsweise charakterisiert, und die
er als Illusion gewisser Oekonomen traktiert [behandelt], „Wert ist
ein Verhältnis zwischen gleichzeitig vorhandenen Gütern, weil nur
diese einen gegenseitigen Austausch gestatten.‘%* Dies sagt er gegen
den Vergleich von Warenwerten in verschiedenen Zeitepochen, ein Ver-
gleich, der, den Geldwert einmal für jede Epoche fixiert, nur eine Ver-
gleichung derin den verschiedenen Epochen erforderlichen Ausgabe von
Arbeit für Produktion derselben Sorte Waren bedeutet. Es entspringt
dies seinem allgemeinen Mißverständnis, wonach Tauschwert gleich-
bedeutend ist mit Wert, die Form des Wertes der Wert selbst ist,
Warenwerte also nicht mehr vergleichbar sind, sobald sie nicht aktiv
als Tauschwerte fungieren, also nicht realiter [tatsächlich] gegen-
einander ausgetauscht werden können. Er ahnt also nicht im gering-
sten, daß Wert nur als Kapitalwert oder Kapital fungiert, sofern
er in den verschiedenen Phasen seines Kreislaufs, die keineswegs

58 „Value is a relation between cotemporary commodities, because such
nly admit of being exchanged with each other.‘ [Die Herkunft und
Richtigkeit des Zitates konnte mangels näherer Angabe nicht nachgeprüft
werden. K.]
        <pb n="127" />
        {4

Erster Abschnitt
gleichzeitig sind, sondern nacheinander fallen, mit sich selbst iden-
tisch [gleich] bleibt und mit sich selbst verglichen wird. ;

Um die Formel des Kreislaufs rein zu betrachten, genügt es nicht

zu unterstellen, daß die Waren zu ihrem Wert verkauft werden,
sondern daß dies unter sonst gleichbleibenden Umständen geschieht.
Nehmen wir zum Beispiel die Form P...P, abgesehen von allen
technischen. Revolutionen innerhalb des Produktionsprozesses, die
das produktive Kapital eines bestimmten Kapitalisten entwerten
können, abgesehen ebenfalls von allem Rückschlag eines Wechsels
der Wertelemente des produktiven Kapitals auf den Wert des vor-
handenen Warenkapitals, der gesteigert oder gesenkt werden kann,
wenn Vorrat davon vorhanden. W”, die 10000 % Garn, seien zu
ihrem Wert von 500 Pfd. Sterl. verkauft; 8440 % Garn = 422 Pfd:
Sterl. ersetzen den in W”’ enthaltenen Kapitalwert. Ist aber der
Wert von Baumwolle, Kohle etc. gestiegen (da wir hier von
bloßen Preisschwankungen absehen), so reichen vielleicht diese
122 Pfd. Sterl. nicht hin, um die Elemente des produktiven Kapi-
bals ganz zu ersetzen; es ist zuschüssiges Geldkapital nötig, Geld-
kapital wird gebunden. Umgekehrt, wenn jene Preise gefallen; Geld-
kapital wird freigesetzt. Ganz normal verläuft der Prozeß nur, wenn
lie Wertverhältnisse konstant bleiben ; er verläuft faktisch [tatsächlich]
normal®*, solange sich Störungen in der Wiederholung des Kreislaufs
Ausgleichen; je größer die Störungen, um so größeres Geldkapital
muß der industrielle Kapitalist besitzen, um die Ausgleichung ab-
warten zu können; und da im Fortgang der kapitalistischen Produk:
“on sich die Stufenleiter jedes individuellen Produktionsprozesses
und mit ihm die Minimalgröße des vorzuschießenden Kapitals
erweitert, so kommt jener Umstand zu den andern, die die Funktion
des industriellen Kapitalisten mehr und mehr in ein Monopol [aus-
schließlicher Besitz] großer Geldkapitalisten, vereinzelter oder
assozlierter [vereinigter], verwandeln.

Es ist hier beiläufig zu bemerken: Tritt ein Wertwechsel der
Produktionselemente ein, so zeigt sich ein Unterschied zwischen der
Form G...G’ einerseits und P...P und W’.,.W’ anderseits. .

In G...G’, als der Formel des neu angelegten Kapitals, das
zuerst als Geldkapital auftritt, wird ein Fall im Wert der Produktions-
mittel, zum Beispiel Rohmaterialien, Hilfsstoffe ete., geringere Aus-
lage von Geldkapital erheischen als vor dem Fall, um ein Geschäft
von bestimmtem Umfang zu eröffnen, da der Umfang des Produk-
tionsprozesses (bei gleichbleibender. Entwicklung der Produktions-
kraft) von der Masse und dem Umfang der Produktionsmittel abhängt,
die eine gegebene Menge Arbeitskraft bewältigen kann; aber weder
von dem Wert dieser Produktionsmittel, noch von dem der Arbeits-
kraft (letzterer hat nur Einfluß auf die Größe der Verwertung).
Umgekehrt: Findet eine Werterhöhung in.den Produktionselementen
St In der Engelsschen Ausgabe fehlt das Wort „normal“, K.
        <pb n="128" />
        Viertes Kapitel

75

der Waren statt, welche die Elemente des produktiven Kapitals bilden,
80 ist mehr Geldkapital nötig, um ein Geschäft von gegebenem Um-
fang zu gründen. In beiden Fällen wird nur die Menge des neu
anzulegenden Geldkapitals affiziert [beeinflußt]; im ersten wird. Geld-
kapital überschüssig, im zweiten wird Geldkapital gebunden, wofern
der Zuwachs neuer individueller industrieller Kapitale in gewohnter
Weise in einem gegebenen Produktionszweig vorangeht.

Die Kreisläufe P. . .P und W’. ..W” stellen sich selbst nur so weit
als G...G dar, als die Bewegung von P und W’ zugleich Akkumu-
lation ist, also zuschüssiges g, Geld, in Geldkapital verwandelt wird.
Abgesehen hiervon, werden sie anders affiziert als G,. .G’ durch
Wertwechsel der Elemente des produktiven Kapitals; wir sehen hier
wieder ab von der Rückwirkung solches Wertwechsels auf die im
Produktionsprozeß begriffenen Bestandteile des Kapitals. Es ist hier
nicht die ursprüngliche Auslage, die direkt affiziert wird, sondern ein
in seinem Reproduktionsprozeß, nicht in seinem ersten Kreislauf,
begriffenes industrielles Kapital; also W’.. ‚W{A, der Rückumsatz
des Warenkapitals in seine Produktionselemente, soweit diese aus
Waren bestehen. Beim Wertfall (respektive Preisfall) sind drei Fälle
möglich: der Reproduktionsprozeß wird auf derselben Stufenleiter
fortgesezt; dann wird ein Teil des bisherigen Geldkapitals freigesetzt
und es findet Anhäufung von Geldkapital statt, ohne .daß wirkliche
Akkumulation (Produktion auf erweiterter Stufenleiter) oder die sie
einleitende und begleitende Verwandlung von g (Mehrwert) in Akku-
mulationsfonds stattgefunden; oder der Reproduktionsprozeß wird
auf größerer Stufenleiter erweitert, als sonst geschehen wäre, falls die
technischen Proportionen dies erlauben; oder aber es findet größere
Vorratbildung von Rohmaterialien ete. statt.

Umgekehrt beim Steigen des Werts der Ersatzelemente des Waren-
kapitals. Die Reproduktion findet dann nicht mehr in ihrem nor-
malen Umfang statt (es wird zum Beispiel kürzere Zeit gearbeitet);
oder es muß zuschüssiges Geldkapital eintreten, um sie auf ihrem
alten Umfang fortzusetzen (Bindung von Geldkapital); oder der
Akkumulations-Geldfonds, wenn vorhanden, dient ganz oder teil-
weise statt zur Erweiterung des Reproduktionsprozesses zu seinem
Betrieb auf der alten Stufenleiter. Es ist dies auch Bindung von
Geldkapital, nur daß hier das zuschüssige Geldkapital nicht von
außen her, vom Geldmarkt, sondern aus den Mitteln des industriellen
Kapitalisten selbst herkommt.

Es können aber bei P...P, W’...W’, modifizierende [verän-
dernde] Umstände stattfinden. Hat unser Baumwollspinner zum
Beispiel großen. Vorrat von Baumwolle (also großen Teil seines pro-
duktiven Kapitals in Form von Baumwollvorrat), So wird .ein Teil
seines produktiven Kapitals entwertet durch einen Fall der Baum-
wollpreise; sind letztere dagegen gestiegen, so findet Wertsteigerung
dieses Teils seines produktiven Kapitals statt. Anderseits, hat er
rroße Massen in der Form des Warenkapitals fixiert, zum Beispiel in
        <pb n="129" />
        78
Erster Abschnitt
Baumwollgarn, so wird beim Fall der Baumwolle ein Teil seines
Warenkapitals, also überhaupt seines im Kreislauf befindlichen
Kapitals, entwertet; umgekehrt beim Steigen der Baumwollpreise.
Endlich in dem Prozeß W’— G — W{rn: wenn W’-— G, Realisierung
des Warenkapitals, stattgefunden hat vor dem Wertwechsel in den
Elementen von W, so wird das Kapital nur in der im ersten. Fall
betrachteten Weise affiziert, nämlich im zweiten Zirkulationsakt
G — W{A,; wenn aber vor Vollziehung von W’— G, so bewirkt bei
sonst gleichbleibenden Umständen der Fall im Preis der Baumwolle
entsprechenden Fall im Preis des Garns, und Preissteigerung im
Preis der Baumwolle umgekehrt Preissteigerung des Garns. Die
Wirkung auf die verschiedenen im selben Produktionszweig ange-
legten Einzelkapitale kann sehr verschieden sein nach den verschie-
denen Umständen, worin sie sich befinden können. — Freisetzung
und Bindung von Geldkapital können ebenso aus Verschiedenheiten
in der Zeitdauer des Zirkulationsprozesses, also auch der Zirkulations-
geschwindigkeit, entspringen. Dies gehört jedoch in die Betrachtung
des Umschlags. Hier interessiert uns nur der reale Unterschied, der
sich mit Bezug auf Wertwechsel der Elemente des produktiven Kapi-
tals zwischen G...G’ und den beiden andern Formen des Kreislaufs-
prozesses zeigt.

In dem Zirkulationsabschnitt G — W{A wird in der Epoche
bereits entwickelter, daher vorherrschender kapitalistischer Produk-
tionsweise ein großer Teil der Waren, aus denen Pm, die Produktions-
mittel, bestehen, selbst fremdes fungierendes Warenkapital sein. Es
findet also vom Standpunkt des Verkäufers W’-— G” statt, Verwand-
lung von Warenkapital in Geldkapital. Aber es gilt dies nicht absolut.
Umgekehrt: Innerhalb seines Zirkulationsprozesses, wodas industrielle
Kapital entweder als Geld oder als Ware fungiert, durchkreuzt sich
der Kreislauf des industriellen Kapitals, sei es als Geldkapital oder
als Warenkapital, mit der Warenzirkulation der verschiedensten
sozialen Produktionsweisen, soweit letztere zugleich Warenproduk-
tion ist. Ob die Ware das Produkt der auf Sklaverei gegründeten
Produktion, oder von Bauern (Chinesen, indische Ryots)%“, oder Ge-
mein wesen (Holländisch-Ostindien), oder der Staatsproduktion (wie
solche, auf Leibeigenschaft gegründet, in früheren Epochen der
russischen Geschichte vorkommt) oder halbwilder J. ägervölker ete.:
als Waren und Geld treten sie gegenüber dem Geld und den Waren,
worin sich das industrielle Kapital darstellt, und gehen ein ebenso
sehr in den Kreislauf desselben, wie in den des vom Warenkapital
getragenen Mehrwerts, sofern letzterer als Revenue verausgabt wird,
also in beide Zirkulationszweige des Warenkapitals. Der Charakter
des Produktionsprozesses, aus dem sie herkommen, ist gleichgültig;
als Waren fungieren sie auf dem Markt, als Waren gehen sie ein in
den Kreislauf des industriellen Kapitals wie in die Zirkulation des
Su Bauern. Sprich Reiots. K.
        <pb n="130" />
        Viertes Kapitel

77

von ihm getragenen Mehrwerts. Es ist also der allseitige Charakter
ihrer Herkunft, das Dasein des Marktes als Weltmarkt, der den
Zirkulationsprozeß des industriellen Kapitals auszeichnet. Was von
fremden Waren gilt, gilt von fremdem Geld; wie das Warenkapital
ihm gegenüber nur als Ware, so fungiert dies Geld ihm gegenüber
nur als Geld; das Geld fungiert hier als Weltgeld.

Hier ist jedoch zweierlei zu bemerken:

1. Die Waren (Pm), sobald der Akt G — Pm vollendet,
hören auf, Waren zu sein, und werden eine der Daseinsweisen des
industriellen Kapitals in seiner Funktionsform als P, produktives
Kapital. Damit aber ist ihre Herkunft ausgelöscht; sie existieren nur
noch als Existenzformen des industriellen Kapitals, sind ihm einver-
leibt. Doch bleibt es dabei, daß zu ihrem Ersatz ihre Reproduktion
nötig, und insofern ist die kapitalistische Produktionsweise bedingt
durch außerhalb ihrer Entwicklungsstufe liegende Produktions-
weisen. Ihre Tendenz aber ist, alle Produktion möglichst in Waren-
produktion umzuwandeln; ihr Hauptmittel hierzu ist gerade dies
Hereinziehen derselben in ihren Zirkulationsprozeß, und die ent-
wickelte Warenproduktion selbst ist kapitalistische Warenproduk-
tion. Das Eingreifen des industriellen Kapitals befördert überall
diese Umwandlung, mit ihr aber auch die Verwandlung aller unmittel-
baren Produzenten in Lohnarbeiter.

2. Die in den Zirkulationsprozeß des industriellen Kapitals ein-
gehenden Waren (wozu auch die notwendigen Lebensmittel gehören,
in die sich das variable Kapital nach seiner Auszahlung an die Ar-
beiter behufs Reproduktion der Arbeitskraft umsetzt), welches
immer ihre Herkunft, die gesellschaftliche Form des Produktions-
Prozesses, dem sie entstammen — treten dem industriellen Kapital
selbst schon in der Form von Warenkapital gegenüber, in der Form
von Warenhandlungs- oder Kaufmannskapital; dies aber umfaßt
seiner Natur nach Waren aller Produktionsweisen.

Wie die kapitalistische Produktionsweise große Stufenleiter der
Produktion voraussetzt, so auch notwendig große Stufenleiter des
Verkaufs; also Verkauf an den Kaufmann, nicht an den einzelnen
Konsumenten. Soweit dieser Konsument selbst produktiver Kon-
sument, also industrieller Kapitalist, also soweit das industrielle
Kapital eines Produktionszweigs dem andern Zweige Produktions-
mittel liefert, findet (in Form von Bestellung etc.) auch direkter
Verkauf eines industriellen Kapitalisten an viele andere statt.
Jeder industrielle Kapitalist ist sofern direkter Verkäufer, selbst
sein Kaufmann, was er übrigens auch im Verkauf an den Kauf-
mann ist.

Der Warenhandel als Funktion des Kaufmannskapitals ist vor-
ausgesetzt und entwickelt sich immer mehr mit der Entwicklung der
kapitalistischen Produktion. Wir unterstellen ihn also gelegentlich
zur Illustration [Beleuchtung] einzelner Seiten des kapitalistischen
Zirkulationsprozesses; nehmen aber bei dessen allgemeiner Analyse
        <pb n="131" />
        78

Erster Abschnitt
direkten Verkauf ohne Zwischenkunftf des Kaufmanns an, weil letztere
verschiedene Momente der Bewegung verdeckt. ;

Man sehe Sismondi, der die Sache etwas naiv [kindlich-einfach]
darstellt:

„Der Handel wendet ein beträchtliches Kapital an, das auf den
ersten Blick keinen Teil des Kapitals zu bilden scheint, dessen Ent-
wicklungsgang wir ausführlich geschildert haben. Der Wert der
Tücher, die in den Lagerhäusern des Tuchhändlers aufgestapelt sind,
scheint zunächst völlig verschieden zu sein von dem Teil der jähr-
lichen Produktion, den der Reiche dem Armen als Lohn gibt, um ihn
zu beschäftigen. Dieses Kapital hat jedoch nur das andere ersetzt,
von dem wir gesprochen haben. Um die Entwicklung des Reichtums
klar zu begreifen, haben wir ihn bei seiner Schöpfung betrachtet und
sind. ihm bis zu seiner Konsumtion gefolgt. Da schien uns beispiels-
weise das in der Anfertigung von Tüchern angewendete Kapital stets
dasselbe zu sein; als es gegen das Einkommen des Konsumenten
ausgetauscht wurde, hat es sich nur in zwei Teile geteilt: der eine hat
dem Fabrikanten als Einkommen in der Form des Profits gedient,
der andere hat den Arbeitern als Einkommen in der Form des Lohnes
gedient, während sieneues Tuch herstellten.— Aber man fand bald, daß
es allen zum Vorteil diente, wenn sich die verschiedenen Teile dieses
Kapitals gegenseitig ersetzten und wenn die hunderttausend Taler,
die zur Bewerkstelligung des Umsatzes zwischen Fabrikanten und
Konsumenten genügten, sich zu gleichen Teilen zwischen dem Fabri-
kanten, dem Großhändler und dem Kleinhändler aufteilten. Der
erste leistete nur mit einem Drittel dasselbe wie früher mit dem
Ganzen, weil er in dem Augenblick, da seine Fabrikation vollendet
war, den Händler viel früher als Käufer fand, als er den Konsumenten
gefunden hätte. Das Kapital des Großhändlers wurde seinerseits
viel rascher durch das des Kleinhändlers ersetzt. .. Der Unterschied
zwischen den vorgeschossenen Löhnen und dem Kaufpreis, den der
letzte Konsument zahlt, muß den Profit der Kapitale ausmachen. Er
verteilt sich auf den Fabrikanten, den Kaufmann und den Klein-
händler, seit sie ihre Rollen untereinander aufgeteilt haben, und
die geleistete Arbeit war dieselbe, obgleich drei Personen und drei
Teilkapitale statt eines damit beschäftigt waren.‘ 87

$y „Le commerce emploie un capital considerable qui parait, au premier
coup d’oeil, ne point faire partie de celui dont nous avons d6tailled la marche.
La valeur des draps accumules dans les magasins du marchand-drapier semble
d’abord tout-ä-fait etrangereä cette partie de la production annuelle queleriche
donne au pauvre comme salaire pour le faire travailler. Ce capital n’a fait ce-
pendant que remplacer celui dont nous avons parle. Pour saisir avec clarte le
progr6s de Ja richesse, nous l’avons prise A sa ecr6ation, et nous l’avons suivie
jusqu’ä sa consommation. Alors le capital employ€ dans la manufacture des
draps, par exemple, nous a paru toujours le meöme; 6change contrele revenu du
consommateur, il ne s’est partage qu'en deux parties: l’une a servi de revenu
au fabricant comme vrofit, l’autre a servi de Tevenu aux ouvriers comme
        <pb n="132" />
        Viertes Kapitel

79

„Alle (die Kaufleute) wirkten indirekt an der Produktion mit;
denn diese hat die Konsumtion zum Ziel und kann erst dann als
vollendet gelten, wenn sie das Produkt in den Bereich des Konsu-
menten gebracht hat.‘ %"

Wir nehmen bei der Betrachtung der allgemeinen Formen des
Kreislaufs und überhaupt in diesem ganzen zweiten Buch, Geld als
metallisches Geld, mit Ausschluß von symbolischem Geld, bloßen
Wertzeichen, die nur Spezialität gewisser Staaten bilden, und von
Kreditgeld, das noch nicht entwickelt ist. Erstens ist das der histori-
sche Gang; Kreditgeld spielt keine oder nur unbedeutende Rolle in
der ersten Epoche der kapitalistischen Produktion. Zweitens ist die
Notwendigkeit dieses Ganges auch theoretisch dadurch bewiesen, daß
alles, was bisher Kritisches über die Zirkulation des Kreditgeldes von
Tooke und andern entwickelt worden ist, sie zwang, immer wieder
zu der Betrachtung zurückzukehren, wie sich die Sache auf Grund-
lage bloß metallischer Zirkulation darstellen würde. Man darf aber
nicht vergessen, daß das Metallgeld ebensowohl als Kaufmittel wie
als Zahlungsmittel fungieren kann. Der Vereinfachung wegen gilt
es uns im allgemeinen in diesem Buch II nur in der ersten Funktions-
form.

Der Zirkulationsprozeß des industriellen Kapitals, der nur einen
Teil seines individuellen Kreislaufprozesses bildet, ist bestimmt,
soweit er nur eine Vorgangsreihe innerhalb der allgemeinen Waren-
zikulation darstellt, durch die früher (Buch I, Kapitel III) ent-
wickelten allgemeinen Gesetze. Dieselbe Geldmasse zum Beispiel
von 500 Pfd. Sterl. setzt nacheinander um so mehr industrielle

salaire, tandis qu'ils fabriquaient de nouveau drap. — Mais on trouva bien-
töt que, pour l’avantage de tous, il valait mieux que les diverses parties de
ce capital se remplagassent l’une l’autre, et que, si cent mille 6cus suffisaient
A faire toute la eirculation entre le fabricant et le consommateur ces cent
mille 6cus se partageassent 6galement entre le fabricant, le marchand en gros et
le marchand en detail. Le premier, avec le tiers seulement, fit le meme ouvrage
qu’il aurait [In der Engelsschen Ausgabe steht „avait‘“. K.] fait avec la
totalite, parcequ’au moment oü 8a fabrication 6tait terminee [In der Engels-
schen Ausgabesteht „achevee‘. K.], iltrouvait le marchand acheteur beaucoup
plus töt qu'il n’aurait trouv6 le consommateur. Le capital du marchand en
gr0s se trouvait de son cöt6 beaucoup plus töt remplace par celui du marchand
en detail... La differönce entre les sommes des salaires avances et le prix
d’achat du dernier consommateur devait faire le profit des capitaux. Elle
se repartit entre le fabricant, le marchand et le detaillant, depuis quwils
eurent divise entre eux leurs fonetions, et Pouvrage accompli fut le möme,
quoiqu’il euf employ&amp; trois personnes et trois fractions de capitaux, au lieu
d’une. („Nouveaux Principes d’Economie Politique‘““, Livre II, chap. VIII,
6d. 1819, I, p. 139, 140. [In der Engelsschen Ausgabe steht „159, 160“, K.])“.

Aw „„Tous concouraient indirectement äla production; car celle-ci, ayant
pour: objet la consommation, ne peut ötre consideree comme accomplie que
quand elle a mis la chose produite ä portee du consommateur.““ (Ib.,p. 137. [In
der Engelsschen Ausgabe steht „157“. K.])

Das Kamnital. II.
        <pb n="133" />
        80

Erster Abschnitt
Kapitale (oder auch individuelle Kapitale in ihrer Form als Waren-
kapitale) in Zirkulation, je größer die Umlaufsgeschwindigkeit des
Geldes, je rascher also jedes einzelne Kapital die Reihe seiner Waren-
oder Geldmetamorphosen durchläuft. Dieselbe Wertmasse von
Kapital erheischt demnach um so weniger Geld zu ihrer Zirkulation,
je mehr das Geld als Zahlungsmittel fungiert, je mehr also zum Bei-
spiel bei Ersatz eines Warenkapitals durch seine Produktionsmittel
bloße Bilanzen zu zahlen sind, und je kürzer die Zahlungstermine,
zum Beispiel bei Zablung des Arbeitslohnes. Anderseits, die Ge-
schwindigkeit der Zirkulation und alle andern Umstände als gleich-
bleibend vorausgesetzt, ist die Masse des Geldes, das als Geldkapital
zirkulieren muß, bestimmt durch die Preissumme der Waren (Preis
multipliziert mit der Warenmasse), oder, Masse und Werte der Waren
gegeben, durch den Wert des Geldes selbst.

Aber die Gesetze der allgemeinen Warenzirkulation gelten nur,
soweit der Zirkulationsprozeß des Kapitals eine Reihe einfacher
Zirkulationsvorgänge, aber nicht, soweit letztere funktionell be-
stimmte Abschnitte des Kreislaufs individueller industrieller Kapitale
bilden,

Um dies klar zu machen, ist es am besten, den Zirkulations-
prozeß in seinem ununterbrochenen Zusammenhang zu betrachten,
wie er erscheint in den beiden Formen:

W —(G — W{@...P (P')
I. P...W' I G
[ — g—w
W—(G— W{A...P...W
IL. W’i— GG
W— |g—w

Als Reihe von Zirkulationsvorgängen überhaupt stellt der Zir-
kulationsprozeß (ob als W — G — W oder als G — W — G) nur die
beiden entgegengesetzten Reihen von Warenmetamorphosen dar, von
denen jede einzelne Metamorphose wieder die entgegengesetzte Meta-
morphose auf Seite der fremden Ware oder des fremden Geldes ein-
schließt, das sich ihr gegenüber befindet.

W — G von seiten des Warenbesitzers ist G — W von seiten
des Käufers; die erste Metamorphose der Ware in W— G ist die
zweite Metamorphose der als G auftretenden Ware; umgekehrt in
G—W. Was also über die Verschlingung der Warenmetamorphose

in dem einen Stadium mit der einer andern Ware im andern Stadium
gezeigt worden, gilt für die Kapitalzirkulation, soweit der Kapitalist
als Käufer und Verkäufer von Ware, sein Kapital daher als Geld
fremder Ware oder als Ware fremdem Geld gegenüber fungiert. Aber
diese Verschlingung ist nicht zugleich Ausdruck für die Metamor-
phosenverschlingung der Kapitale.

Erstens kann G — W (Pm), wie wir gesehen, eine Verschlingung
der Metamorphosen verschiedener individueller Kapitale darstellen.
Zum Beispiel das Warenkapital des Baumwollspinners, Garn, wird
        <pb n="134" />
        Viertes Kapitel

81
zum Teil ersetzt durch Kohle. Ein Teil seines Kapitals befindet sich
in Geldform und wird daraus in Warenform umgesetzt, während das
Kapital des kapitalistischen Kohlenproduzenten sich in Warenform
befindet und daher in Geldform umgesetzt wird ; derselbe Zirkulations-
akt stellt hier entgegengesetzte Metamorphosen zweier (verschiedenen
Produktionszweigen angehörigen) industriellen Kapitale dar, also
Verschlingung der Metamorphosenreihe dieser Kapitale. Wie wir
jedoch gesehen, braucht das Pm, worin G sich umsetzt, nicht
Warenkapital im kategorischen Sinn [im eigentlichen, den Grund-
begriffen entsprechenden Sinn des Wortes], das heißt keine
Funktionsform von industriellem Kapital, nicht von einem Ka-
pitalisten produziert zu sein. Es ist immer G — W auf der einen,
W — G auf der andern Seite, nicht aber immer Verschlingung von
Kapitalmetamorphosen. Ferner ist G — A, der Ankauf der Arbeits-
kraft, nie Verschlingung von Kapitalmetamorphosen, da die Arbeits-
kraft zwar Ware des Arbeiters ist, aber erst Kapital wird, sobald sie
an den Kapitalisten verkauft ist. Anderseits im Prozeß W’— G’
braucht das G’ [mit dem W’gekauft wird] nicht verwandeltes °* Waren-
kapital zu sein; es kann herstammen aus der Versilberung der Ware
Arbeitskraft (Arbeitslohn) oder eines vom selbständigen Arbeiter,
Sklaven, Leibeigenen, Gemeinwesen produzierten Produkts.

Zweitens aber gilt für die funktionell bestimmte Rolle, welche
jede innerhalb des Zirkulationsprozesses eines individuellen Kapitals
vorkommende Metamorphose spielt, keineswegs, daß sie im Kreislauf
des andern Kapitals die entsprechende entgegengesetzte Metamor-
phose darstellt, wenn wir nämlich die gesamte Produktion des Welt-
markts als kapitalistisch betrieben voraussetzen. Zum Beispiel im
Kreislauf P...P kann das G’, das W’ versilbert, auf seiten des
Käufers nur Versilberung seines Mehrwerts sein (wenn die Ware
Konsumtionsartikel ist); oder in G’—W'{A4 (wo also das Kapital
akkumuliert eingeht) kann es für den Verkäufer von Pm nur als
Ersatz seines Kapitalvorschusses eingehen oder gar nicht wieder ein-
gehen in seine Kapitalzirkulation, wenn es nämlich in die Revenue-
ausgabe abzweigt.

Wie also die verschiedenen Bestandteile des gesellschaftlichen
Gesamtkapitals, wovon die Einzelkapitale nur selbständig fungie-
rende Bestandteile sind, sich im Zirkulationsprozeß wechselseitig
ersetzen — mit Bezug auf das Kapital sowohl als den Mehrwert —,
ergibt sich nicht aus den einfachen Metamorphosenverschlingungen
der Warenzirkulation, welche die Vorgänge der Kapitalzirkulation
mit aller andern Warenzirkulation gemein haben, sondern erfordert
andere Untersuchungsweise. Man hat sich dabei bisher mit Phrasen
begnügt, die, näher analysiert, nichts enthalten als unbestimmte Vor-
stellungen, wie sie lediglich den aller Warenzirkulation angehörigen
Verschlingungen von Metamorphosen entlehnt sind.
8X In der ersten Auflage steht ‚„formelles‘‘. K.
        <pb n="135" />
        Erster Abschnitt
Natural-, Geld- und Kreditwirtschait.

Eine der handgreiflichsten Eigentümlichkeiten des Kreislauf-
prozesses des industriellen Kapitals, also auch der kapitalistischen
Produktion, ist der Umstand, daß einerseits die Bildungselemente
des produktiven Kapitals aus dem Warenmarkt herstammen und
beständig aus demselben erneuert, als Waren gekauft werden müssen;
anderseits das Produkt des Arbeitsprozesses als Ware aus ihm her-
vorgeht und beständig von neuem als Ware verkauft werden muß.
Man vergleiche zum Beispiel einen modernen Pächter von Nieder-
Schottland mit einem altmodischen kontinentalen Kleinbauern
[Kleinbauern des Festlandes]. Der erstere verkauft sein ganzes
Produkt und hat daher auch alle Elemente desselben, selbst die
Aussaat, auf dem Markt zu ersetzen, der andere verzehrt den
größten Teil seines Produkts direkt, kauft und verkauft möglichst
wenig, verfertigt Werkzeuge, Kleidung ete. soweit möglich selbst.

Man hat daraufhin Naturalwirtschaft, Geldwirtschaft und Kre-
ditwirtschaft als die drei charakteristischen ökonomischen Bewe-
gungsformen der gesellschaftlichen Produktion einander gegenüber-
gestellt.

Erstens stellen diese drei Formen keine gleichwertigen Entwick-
lungsphasen dar. Die sogenannte Kreditwirtschaft ist selbst nur eine
Form der Geldwirtschaft, soweit beide Bezeichnungen Verkehrsfunk-
tionen oder Verkehrsweisen zwischen den Produzenten selbst aus-
drücken. In der entwickelten kapitalistischen Produktion erscheint
die Geldwirtschaft nur noch als Grundlage der Kreditwirtschaft.
Geldwirtschaft und Kreditwirtschaft entsprechen so nur verschiede-
nen Entwicklungsstufen der kapitalistischen Produktion, sind aber
keineswegs verschiedene selbständige Verkehrsformen gegenüber der
Naturalwirtschaft. Mit demselben Recht könnte man die sehr ver-
schiedenen Formen der Naturalwirtschaft als gleichwertig jenen bei-
den gegenüberstellen.

Zweitens: Da man in den Kategorien: Geldwirtschaft, Kredit-
wirtschaft, nicht die Wirtschaft, das heißt den Produktionsprozeß
selbst betont und als unterscheidendes Merkmal hervorhebt, sondern
die der Wirtschaft entsprechende Verkehrsweise zwischen den ver-
schiedenen Produktionsagenten oder Produzenten, so müßte dasselbe
bei der ersten Kategorie geschehen. Statt Naturalwirtschaft also
Tauschwirtschaft, Vollständig abgeschlossene Naturalwirtschaft, zum
Beispiel der peruanische Inkastaat, fiele unter keine dieser Katego-
rien,

Drittens: Geldwirtschaft ist aller Warenproduktion gemein, und
das Produkt erscheint als Ware in den verschiedensten gesellschaft-
lichen Produktionsorganismen. Es wäre also nur der Umfang, worin
das Produkt als Handelsartikel, als Ware produziert wird, also auch

seine eigenen Bildungselemente wieder als Handelsartikel, als Waren
in die Wirtschaft, aus der es herkommt, eingehen müssen, welche
die kapitalistische Produktion charakterisierte.

19
        <pb n="136" />
        Viertes Kapitel

83

In der Tat ist die kapitalistische Produktion die Warenproduk-
tion als allgemeine Form der Produktion, aber sie ist es nur und wird
es stets mehr in ihrer Entwicklung, weil die Arbeit hier selbst als
Ware erscheint, weil der Arbeiter die Arbeit, das heißt die Funktion
seiner Arbeitskraft, verkauft, und zwar, wie wir annehmen, zu ihrem
durch ihre Reproduktionskosten bestimmten Wert. Im Umfang, wie
die Arbeit Lohnarbeit wird, wird der Produzent industrieller Kapita-
list; daher die kapitalistische Produktion (also auch die Warenpro-
duktion) erst in ihrem ganzen Umfang erscheint, wenn auch der un-
mittelbare ländliche Produzent Lohnarbeiter ist. In dem Verhältnis
zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter wird das Geldverhältnis, das
Verhältnis von Käufer und Verkäufer, ein der Produktion selbst
immanentes [notwendigerweise innewohnendes] Verhältnis. Dies Ver-
hältnis aber beruht der Grundlage nach auf dem gesellschaftlichen
Charakter der Produktion, nicht der Verkehrsweise; dieser entspringt
umgekehrt aus jenem. Es entspricht übrigens dem bürgerlichen Ho-
rizont [Gesichtskreis], wo das Geschäftcehenmachen den ganzen
Kopf einnimmt, nicht im Charakter der Produktionsweise die
Grundlage der ihr entsprechenden Verkehrsweise zu sehen, sondern
umgekehrt. ?
Decken von Nachfrage und Zufuhr.

Der Kapitalist wirft weniger Wert in der Form von Geld in die
Zirkulation hinein, als er aus ihr herauszieht, weil er mehr Wert in
der Form von Ware hineinwirft, als er ihr in Form von Ware ent-
zogen hat. Soweit er bloß als Personifikation des Kapitals fungiert
[soweit in ihm bloß das Kapital die Gestalt einer Person annimmt], als
industrieller Kapitalist, ist seine Zufuhr von Warenwert stets größer
als seine Nachfrage nach Warenwert. Deckung seiner Zufuhr und
seiner Nachfrage in dieser Beziehung wäre gleich Nichtverwertung
seines Kapitals; es hätte nicht als produktives Kapital fungiert; das
produktive Kapital hätte sich in Warenkapital verwandelt, das nicht
mit Mehrwert geschwängert; es hätte während des Produktionspro-
zesses keinen Mehrwert in Warenform aus der Arbeitskraft gezogen,
also überhaupt nicht als Kapital fungiert; er muß in der Tat „teurer
verkaufen, als er gekauft hat“, aber dies gelingt ihm eben nur, weil
er vermittels des kapitalistischen Produktionsprozesses die wohl-
feilere, weil minderwertige Ware, die er gekauft hat, in eine mehr-
wertige, also teurere, verwandelt hat. Er verkauft teurer, nicht weil
er seine Ware über ihrem Wert verkauft, sondern weil er eine Ware ver-
kauft, deren Wert höher ist als die Wertsumme ihrer Produktions-
ingredienzien [Produktionsbestandteile].

Die Rate [das Verhältnis, die Höhe], worin der Kapitalist sein
Kapital verwertet, ist um so größer, je größer die Differenz zwischen

? Bis hierher Manuskript V. — Das Folgende bis Schluß des Kapitels
ist eine in einem Heft von 1877 oder 1878 unter Bücher-Auszügen sich
befindende Note. F.E.
        <pb n="137" />
        34.

Erster Abschnitt
seiner Zufuhr und seiner Nachfrage, das heißt je größer der Ueber-
schuß des Warenwerts, den er zugeführt, über den Warenwert, den
er nachfragt. Statt des Deckens beider ist das möglichste Nicht-
decken, das Ueberdecken seiner Nachfrage durch seine Zufuhr, sein
Ziel.

Was von dem einzelnen Kapitalisten, gilt von der Kapitalisten-
klasse. .

Soweit der Kapitalist bloß das industrielle Kapital personifiziert
[verkörpert], besteht seine eigene Nachfrage nur in der N achfrage
nach Produktionsmitteln und Arbeitskraft. Seine Nachfrage nach
Pm, ihrer Wertigkeit nach betrachtet, ist kleiner als sein vorge-
schossenes Kapital [da er mit diesem außer Pm auch noch A zu
kaufen‘ hat]; er kauft Produktionsmittel zu geringerem Wert als
dem Wert seines Kapitals und daher von noch viel geringerem Wert
als dem des Warenkapitals, das er zuführt.

Was seine Nachfrage nach Arbeitskraft anbetrifft, so ist sie ihrer
Wertigkeit nach bestimmt durch das Verhältnis seines variablen Ka-
pitals zu seinem Gesamtkapital, also gleich v : C, und ist daher in
der kapitalistischen Produktion, der Proportion nach betrachtet,
wachsend kleiner als seine Nachfrage nach Produktionsmitteln. Er
ist in beständig zunehmendem Maß größerer Käufer für Pm als für A.

Sofern der Arbeiter seinen Lohn allzumeist in Lebensmittel um-
setzt, und zum allergrößten Teil in notwendige Lebensmittel, ist die
Nachfrage des Kapitalisten nach Arbeitskraft indirekt zugleich Nach-
frage nach den in den Konsum der Arbeiterklasse eingehenden Kon-
sumtionsmitteln. Aber diese Nachfrage ist gleich v und nicht ein Atom
[Stäubchen] größer (wenn der Arbeiter von seinem Lohn spart —
wir lasse alle Kreditverhältnisse hier notwendig außer Augen —,
so heißt dies, daß er einen Teil seines Lohnes in Schatz verwandelt
und pro tanto [für so viel] nicht als Nachfragender, als Käufer auf-
tritt). Die Maximalgrenze der Nachfrage des Kapitalisten ist gleichO =
© +, aber seine Zufuhr ist gleich ce + v +m; ist also die Konstitution
[Zusammensetzung] seines Warenkapitals 80 c + 20v + 20 m,
so ist seine Nachfrage gleich 80c + 20v, also der Wertigkeit
nach betrachtet !/; kleiner als seine Zufuhr, Je größer der Prozent-
satz der von ihm produzierten Masse m (die Profitrate 72), um so kleiner
wird seine Nachfrage im Verhältnis zu seiner Zufuhr. Obgleich die
Nachfrage des Kapitalisten nach Arbeitskraft und daher indirekt
nach notwendigen Lebensmitteln mit dem Fortschritt der Produk-
tion fortschreitend kleiner wird als seine N. achfrage nach Produktions-

mitteln, so ist anderseits nicht zu vergessen, daß seine Nachfrage
nach Pm stets kleiner ist als sein Kapital, tagaus tagein gerechnet,

7% Das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschossenen Gesamtkapital
bezeichnet Marx als Profitrate. Diese ist verschieden von der Mehrwert-
rate, dem Verhältnis des Mehrwerts zum, variablen Kapital. Die Beein-
fussung der individuellen Profitrate durch die Durchschnittsprofitrate kommt
hier noch nicht in Betracht. K.
        <pb n="138" />
        Viertes Kapitel‘

85

Seine Nachfrage nach Produktionsmitteln muß also immer minder-
wertig [d. h. hier, ihr Wert muß geringer] sein als das Waren-
produkt des mit gleichem Kapital und unter sonst gleichen
Umständen arbeitenden Kapitalisten, der ihm diese Produktions-
mittel liefert. Daß das viele Kapitalisten sind und nicht einer,
ändert nichts an der Sache. Gesetzt, sein Kapital sei 1000 Pfd.
Sterl., der konstante Teil desselben gleich 800 Pfd. Sterl.; so ist seine
Nachfrage an ihre [der übrigen Kapitalisten] Gesamtheit gleich
800 Pfad. Sterl.; zusammen liefern sie für je 1000 Pfd. Sterl. (wie viel
davon auf jeden einzelnen unter ihnen falle und welchen Teil auch
das auf jeden fallende Quantum von seinem Gesamtkapital bilde),
bei gleicher Profitrate, Produktionsmittel zum Werte von 1200 Pfd.
Sterl.; also seine Nachfrage deckt nur 2/;, ihrer Zufuhr, während
seine eigene Gesamtnachfrage nur gleich 4/, seiner eigenen Zufuhr
ist, der Wertgröße nach betrachtet.

Wir müssen jetzt noch beiläufig die Betrachtung des Umschlags
vorausnehmen. Gesetzt, sein Gesamtkapital sei 5000 Pfd. Sterl.,
wovon 4000 Pfd. Sterl. fix und 1000 Pfd. Sterl. zirkulierend; diese
1000 — 800 € + 200 v nach obiger Annahme. Sein zirkulierendes
Kapital muß fünfmal im Jahre umschlagen, damit sein Gesamt-
kapital einmal im Jahre umschlage; sein Warenprodukt ist dann
gleich 6000 Pfd. Sterl., also um 1000 Pfd. Sterl. größer als sein vor-
geschossenes Kapital, was wieder dasselbe Verhältnis von Mehr-
wert ergibt wie oben:

5000 C :1000 m = 100 (c +v): 20m. Dieser Umschlag ändert also
nichts am Verhältnis seiner Gesamtnachfrage zu seiner Gesamtzu-
fuhr, die erstere bleibt !/; kleiner als die letztere.

Sein fixes Kapital sei zu erneuern in 10 Jahren. Er amortisiert
[schreibt ab] also jährlich !/.0 = 400 Pfd. Sterl: Dadurch hat er [am
Ende des Jahres] nur noch Wert von 3600 Pfd. Sterl. in fixem Kapital
plus 400 Pfd. Sterl. in Geld. Soweit Reparaturen nötig und diese
nicht über das Durchschnittsmaß gehen, sind sie nichts als Kapital-
anlage, die er erst nachträglich macht. Wir können die Sache 8o
betrachten, als habe er die Reparaturkosten gleich eingerechnet bei
der Wertschätzung seines Anlagekapitals, soweit dies ins jährliche
Warenprodukt eingeht, so daß sie einbegriffen sind in dem 1/0 Amor-
tisierung. (Ist in der Tat sein Reparaturbedürfnis unter dem Durch-
schnitt, so ist das ein Schnitt für ihn, ganz wie sein Schaden, wenn
über. Dies gleicht sich aber aus für die ganze Klasse der in demselben
Industriezweig beschäftigten Kapitalisten.) J edenfalls, obgleich bei
einmaligem Umschlag seines Gesamtkapitals im Jahr seine jährliche
Nachfrage gleich 5000 Pfd. Sterl. bleibt, gleich seinem ursprüng-
lich vorgeschossenen Kapitalwert, so nimmt sie zu mit Bezug auf
den zirkulierenden Teil des Kapitals, während sie mit Bezug auf den
fixen Teil desselben beständig abnimmt.

Kommen wir nun zur Reproduktion. Gesetzt, der Kapitalist
verzehre den ganzen Mehrwert g und setze nur die ursprüngliche
        <pb n="139" />
        86

Erster Abschnitt
Kapitalgröße C wieder in produktives Kapital um. Jetzt ist die Nach-
frage des Kapitalisten gleichwertig mit seiner Zufuhr. Aber nicht
mit Bezug auf die Bewegung seines Kapitals; sondern als Kapitalist
übt er nur Nachfrage aus nach */, seiner Zufuhr (der Wertgröße nach);
1/, verzehrt er als Nichtkapitalist, nicht in seiner Funktion als Kapi-
Salist, sondern für sein Privatbedürfnis oder Vergnügen.
Seine Rechnung ist dann prozentig gerechnet:
als Kapitalist. Nachfrage = 100, Zufuhr = 120
als Lebemann u = 20, ” = —
Summa: Nachfrage = 120, Zufuhr = 120

Diese Voraussetzung ist gleich Voraussetzung der Nichtexistenz
der kapitalistischen Produktion und daher der Nichtexistenz des
industriellen Kapitalisten selbst. Denn der Kapitalismus ist schon
in der Grundlage aufgehoben durch die. Voraussetzung, daß der Ge-
nuß als treibendes Motiv wirkt, nicht die Bereicherung selbst.

Sie ist aber auch technisch unmöglich. Der Kapitalist muß nicht
nur ein Reservekapital bilden gegen Preisschwankungen und um die
günstigsten Konjunkturen für Kauf und Verkauf abwarten zu können;
er muß Kapital akkumulieren, um damit die Produktion auszudehnen
und die technischen Fortschritte seinem produktiven Organismus ein-
zuverleiben.

Um Kapital zu akkumulieren, muß er zunächst einen Teil des
Mehrwerts in Geldform, der ihm aus der Zirkulation zufloß, der
Zirkulation entziehen, als Schatz anwachsen lassen, bis dieser die
zur Ausdehnung des alten Geschäfts oder Eröffnung eines Neben-
geschäfts erforderlichen Dimensionen [Umfang] angenommen hat.
Solange die Schatzbildung dauert, vermehrt sie die N achfrage des
Kapitalisten nicht; das Geld ist immobilisiert [festgelegt]; es ent-
zieht dem Warenmarkt kein Aequivalent in Ware für das Geldäqui-
valent, das es ihm für zugeführte Ware entzogen hat.

Vom Kredit wird hier abgesehen; und zum Kredit gehört, wenn
der Kapitalist zum Beispiel das Geld, im Maß wie es sich aufhäuft,
bei einer Bank auf laufende Rechnung gegen Zinsen deponiert.

Fünftes Kapitel.
Die Umlauifszeit.?
Die Bewegung des Kapitals durch die Produktionssphäre und
die zwei Phasen der Zirkulationssphäre vollzieht sich, wie man ge-
sehen, in einer zeitlichen Reihenfolge. Die Dauer seines Aufenthalts
in der Produktionssphäre bildet seine Produktionszeit, die in der
8 Von hier an Manuskript IV. F.E.
        <pb n="140" />
        Fünftes Kapitel

RT

Zirkulationssphäre seine Zirkulations- oder Umlaufszeit. Die Gesamt-
zeit, worin es seinen Kreislauf beschreibt, ist daher gleich der Summe
von Produktionszeit und Umlaufszeit.

Die Produktionszeit umschließt natürlich die Periode des Arbeits-
prozesses, aber sie ist nicht von ihr umschlossen. Zunächst erinnert
man sich, daß ein Teil des konstanten Kapitals in Arbeitsmitteln, wie
Maschinen, Baulichkeiten usw., existiert, die bis an ihr Lebensende
in denselben stets neu wiederholten Arbeitsprozessen dienen. Periodi-
sche Unterbrechung des Arbeitsprozesses, nachts zum Beispiel, unter-
bricht zwar die Funktion dieser Arbeitsmittel, aber nicht ihren Auf-
enthalt in der Produktionsstätte. Ihr gehören sie an, nicht nur
während sie fungieren, sondern. auch während sie nicht fungieren.
Anderseits muß der Kapitalist einen bestimmten Vorrat von Roh-
material und Hilfsstoffen bereithalten, damit der Produktionsprozeß
auf vorher bestimmter Stufenleiter während kürzerer oder längerer
Abschnitte vorgehe, ohne von den Zufällen täglicher Zufuhr vom
Markt abzuhängen. Dieser Vorrat von Rohstoffen usw. wird nur
nach und nach produktiv konsumiert. Es findet daher Differenz statt
zwischen seiner Produktionszeit? und seiner Funktionszeit. Die
Produktionszeit der Produktionsmittel überhaupt umfaßt also: 1. die
Zeit, während deren sie als Produktionsmittel fungieren, also im
Produktionsprozesse dienen; 2, die Pausen, während deren der Pro-
duktionsprozeß, also auch die Funktion der ihm einverleibten Produk-
tionsmittel unterbrochen ist; 3. die Zeit, während deren sie zwar als
Bedingungen des Prozesses bereit liegen, also schon produktives
Kapital darstellen, aber noch nicht in den Produktionsprozeß einge-
gangen sind,

Die bisher betrachtete Differenz ist jedesmal Differenz zwischen
der Aufenthaltszeit des produktiven Kapitals in der Produktions-
sphäre und derjenigen im Produktionsprozeß. Aber der Produktions-
prozeß selbst kann Unterbrechungen des Arbeitsprozesses und daher
der Arbeitszeit bedingen, Zwischenräume, worin der Arbeitsgegen-
stand. der Einwirkung physischer [natürlicher] Prozesse ohne weitere
Zutat menschlicher Arbeit anheimgegeben wird. Der Produktions-
prozeß, daher die Funktion der Produktionsmittel, dauert fort in
diesem Fall, obgleich der Arbeitsprozeß und daher die Funktion der
Produktionsmittel als Arbeitsmittel unterbrochen ist. So zum Bei-
spiel das Korn, das gesät ist, der Wein, der im Keller gärt, Arbeits-
material vieler Manufakturen, wie zum Beispiel Gerbereien, das
chemischen Prozessen anheimfällt. Die Produktionszeit ist hier größer
als die Arbeitszeit. Die Differenz beider besteht in einem Ueber-
schuß der Produktionszeit über die Arbeitszeit. Dieser Ueberschuß
beruht stets darauf, daß produktives Kapital sich latent in der

? Produktionszeit hier aktiv genommen: Die Produktionszeit der Pro-
duktionsmittel ist hier die Zeit, nicht in der sie produziert werden, sondern in
der sie am Produktionesprozess eines Warenprodukts sich beteiligen. F. E.
        <pb n="141" />
        38

Erster Abschnitt
Produktionssphäre befindet, ohne im Produktionsprozeß selbst zu
fungieren, oder daß es im Produktionsprozeß fungiert, ohne sich im
Arbeitsprozeß zu befinden.

Der Teil des latenten produktiven Kapitals, der nur als Bedin-
gung für den Produktionsprozeß bereitliegt, wie Baumwolle, Kohle
usw. in der Spinnerei, wirkt weder als Produkt- noch Wertbildner.
Er ist brachliegendes Kapital, obgleich seine Brache eine Bedingung
für den ununterbrochenen Fluß des Produktionsprozesses bildet. Die
Baulichkeiten, Apparate ete., nötig, um als Behälter des produktiven
Vorrats (des latenten Kapitals) zu dienen, sind Bedingungen des
Produktionsprozesses und bilden daher Bestandteile des vorge-
schossenen produktiven Kapitals. Sie erfüllen ihre Funktion als
Bewahrer der produktiven Bestandteile im vorläufigen Stadium.
Soweit Arbeitsprozesse in diesem Stadium nötig sind, verteuern sie
las Rohmaterial etc., sind aber produktive Arbeiten und bilden
Mehrwert, weil ein Teil dieser Arbeit wie aller andern Lohnarbeit
nicht bezahlt wird. Die normalen Unterbrechungen des ganzen.
Produktionsprozesses, also die Intervalle [Zwischenräume], worin
das produktive Kapital nicht fungiert, produzieren weder Wert
noch‘ Mehrwert. Daher das Bestreben, auch nachts arbeiten zu
lassen. (Buch I, Kapitel VIII, 4.) — Die Intervalle in der Arbeits-
zeit, die der Arbeitsgegenstand während des Produktionsprozesses
selbst durchmachen muß, bilden weder Wert noch Mehrwert, aber
fördern das Produkt, bilden einen Teil in dessen Lieben, einen Prozeß,
den es durchmachen muß, Der Wert der Apparate etc. wird auf das
Produkt übertragen im Verhältnis zu der ganzen Zeit, während deren
sie fungieren; das Produkt ist durch die Arbeit selbst in dies Stadium
gesetzt, und der Gebrauch dieser Apparate ist ebensosehr Bedingung
der Produktion wie das Zerstäuben eines Teils der Baumwolle, der
nicht ins Produkt eingeht, aber doch seinen Wert auf es überträgt.
Der andere Teil des latenten Kapitals, wie die Baulichkeiten, Ma-
schinen usw., das heißt die Arbeitsmittel, deren Funktion nur durch
die regelmäßigen Pausen des Produktionsprozesses unterbrochen ist
— unregelmäßige Unterbrechungen infolge von Einschränkung der
Produktion, Krisen usw. sind reine Verluste —, setzt Wert zu, ohne in
die Produktbildung einzugehen ; der Gesamtwert, den er dem Produkt
zusetzt, ist durch seine Durchschnittsdauer bestimmt; er verliert
Wert, weil Gebrauchswert, sowohl in der Zeit, worin er fungiert, als
auch in der Zeit, worin er nicht fungiert.

Endlich der Wert des konstanten Kapitalteils, der im Produk-
tionsprozeß kontinuiert, obgleich der Arbeitsprozeß unterbrochen ist,
erscheint wieder im Resultat des Produktionsprozesses. Durch die
Arbeit selbst sind die Produktionsmittel hier unter Bedingungen
gestellt, innerhalb deren sie von selbst gewisse Naturprozesse durch-
laufen, deren Resultat ein bestimmter Nutzeffekt oder eine veränderte
Form ihres Gebrauchswerts. Die Arbeit überträgt den Wert der
Produktionsmittel immer auf das Produkt, soweit sie dieselben wirk-
        <pb n="142" />
        Fünftes Kapitel

89

lich zweckgemäß als Produktionsmittel verzehrt. Hieran wird nichts
geändert, ob die Arbeit zur Hervorbringung dieses Effekts kon-
tinuierlich vermittels der Arbeitsmittel auf den Arbeitsgegenstand
wirken muß, oder ob sie nur den Anstoß zu geben braucht, indem sie
die Produktionsmittel unter Bedingungen stellt, wodurch ohne wei-
tere Mittat der Arbeit die Produktionsmittel von selbst, infolge von
Naturprozessen, die beabsichtigte Veränderung erleiden.

Welches immer der Grund des Ueberschusses der Produktionszeit
über die Arbeitszeit —— sei es, daß Produktionsmittel nur latentes
produktives Kapital bilden, also sich noch in einer Vorstufe zum
wirklichen Produktionsprozeß befinden, oder daß innerhalb des
Produktionsprozesses durch dessen Pausen ihre eigene Funktion
unterbrochen wird, oder daß endlich der Produktionsprozeß selbst
Unterbrechungen des Arbeitsprozesse bedingt — in keinem dieser
Fälle fungieren die Produktionsmittel als _Arbeitseinsauger. Saugen
sie keine Arbeit ein, so auch keine Mehrarbeit. Es findet daher keine
Verwertung des produktiven Kapitals statt, solange es sich in dem
Teil seiner Produktionszeit befindet, der überschüssig über die Arbeits-
zeit ist, so unzertrennlich auch die Vollführung des Verwertungs-
prozesses von diesen seinen Pausen sein mag. Es ist klar, daß je mehr
Produktionszeit und Arbeitszeit sich decken, um so größer die Produk-
tivität und Verwertung eines gegebenen produktiven Kapitals in
gegebenem Zeitraum. Daher die Tendenz der kapitalistischen Pro-
duktion, den Ueberschuß der Produktionszeit über die Arbeitszeit
möglichst zu verkürzen. Obgleich aber die Produktionszeit des
Kapitals von seiner Arbeitszeit abweichen mag, so umschließt sie stets
dieselbe und ist der Ueberschuß selbst Bedingung des Produktions-
prozesses. Die Produktionszeit ist also stets die Zeit, während deren
das Kapital Gebrauchswerte produziert und sich selbst verwertet,
daher als produktives Kapital fungiert, obgleich sie Zeit einschließt,
worin es entweder latent ist oder auch produziert, ohne sich zu ver-
werten.

Innerhalb der Zirkulationssphäre haust das Kapital als Waren-
kapital und Geldkapital. Seine beiden Zirkulationsprozesse bestehen
darin, sich aus der Warenform in Geldform und aus Geldform in
Warenform zu verwandeln. Der Umstand, daß die Verwandlung der
Ware in Geld hier zugleich Realisation des der Ware einverleibten
Mehrwerts, und daß die Verwandlung des Geldes in Ware zugleich
Verwandlung oder Rückverwandlung des Kapitalwerts in die Gestalt
seiner Produktionselemente ist, ändert durchaus nichts daran, daß
diese Prozesse als Zirkulationsprozesse Prozesse der einfachen Waren-
Mmetamorphose sind. ;

Umlaufszeit und Produktionszeit schließen sich wechselseitig
aus. Während seiner Umlaufszeit fungiert das Kapital nicht als
produktives Kapital und produziert daher weder Ware noch Mehr-
wert. Betrachten wir den Kreislauf in der einfachsten Form, so daß
der gesamte Kapitalwert jedesmal auf einen Schlag aus der einen
        <pb n="143" />
        DO

Erster Abschnitt
Phase in die andere tritt, so ist handgreiflich, daß der Produktions-
prozeß unterbrochen ist, also auch die Selbstverwertung des Kapitals,
solange seine Umlaufszeit dauert, und daß je nach deren Länge die
Erneuerung des Produktionsprozesses rascher oder träger sein wird.
Durchlaufen dagegen die verschiedenen Teile des Kapitals den Kreis-
lauf nacheinander, so daß der Kreislauf des gesamten Kapitalwerts
sich sukzessive im Kreislauf seiner verschiedenen Portionen vollzieht,
so ist klar, daß, je länger der beständige Aufenthalt seiner aliquoten
Teile in der Zirkulationssphäre, um so kleiner sein beständig in der
Produktionssphäre fungierender Teil sein muß.?®* Die Expansion [Aus-
dehnung] und Kontraktion [Zusammenziehung] der Umlaufszeit
wirkt daher als negative Schranke auf die Kontraktion oder Expan-
sion der Produktionszeit oder des Umfangs, worin ein Kapital von
gegebener Größe als produktives Kapital fungiert. Je mehr die Zir-
kulationsmetamorphosen des Kapitals nur ideell sind, das heißt je
mehr die Umlaufszeit gleich Null wird oder sich Null nähert, um
so mehr fungiert das Kapital, um so größer wird seine Produk-
tivität und Selbstverwertung. Arbeitet ein Kapitalist zum Beispiel
auf Bestellung, so daß er bei Lieferung des Produkts Zahlung er-
hält, und erfolgt die Zahlung in seinen eigenen Produktionsmitteln,
30 nähert sich die Zirkulationszeit Null.
Die Umlaufszeit des, Kapitals beschränkt also überhaupt seine
Produktionszeit und daher seinen Verwertungsprozeß. Und zwar
beschränkt sie denselben im Verhältnis zu ihrer Dauer. Diese kann
aber sehr verschieden zu- oder abnehmen und daher in sehr ver-
schiedenem Grad die Produktionszeit des Kapitals beschränken. Was
aber die politische ( Oekonomie sieht, ist das, was ersch eint, nämlich
die Wirkung der Umlaufszeit auf den Verwertungsprozeß des Kapitals
überhaupt. Sie faßt diese negative Wirkung als positive auf, weil
ihre Folgen positiv sind. Sie haftet ur sö mehr an diesem Schein fest,
als er den Beweis zu liefern scheint, daß das Kapital eine von seinem
Produktionsprozeß und daher von der Ausbeutung der Arbeit unab-
hängige mystische [geheimnisvolle] Quelle der Selbstverwertung
besitzt, die ihm aus der Zirkulationssphäre zufließt. Wir werden
später sehen, wie selbst die wissenschaftliche Oekonomie sich durch
diesen Schein täuschen läßt. Er wird, wie sich ebenfalls zeigen wird,
befestigt durch verschiedene Phänomene: 1. die kapitalistische Be-
rechnungsweise des Profits, worin der negative Grund. als positiver
figuriert, indem für Kapitale in verschiedenen Anlagesphären, wo nur
die Umlaufszeit verschieden, längere Umlaufszeit als Grund der
Preiserhöhung wirkt, kurz, als einer der Gründe in der Ausgleichung
der Profite. 2. Die Umlaufszeit bildet nur ein Moment der Umschlags-
zeit; letztere aber schließt die Produktionszeit respektive Reproduk-
tionszeit ein. Was der letzteren geschuldet. scheint der Umlaufszeit

** Im Verhältnis zum Gesamtkapital, Dieses selbst muß im Gegenteil
um 8o größer sein. je länger die Zirkulationszeit, K.
        <pb n="144" />
        Fünites Kapitel

91

geschuldet. 3. Der Umsatz der Waren in variables Kapital (Arbeits-
lohn) ist bedingt durch ihre vorherige Verwandlung in Geld. Bei der
Kapitalakkumulation geht also der Umsatz in zuschüssiges variables
Kapital in der Zirkulationssphäre vor oder während der Umlaufs-
zeit. Die damit gegebene Akkumulation scheint daher der letzteren
geschuldet.
Innerhalb der Zirkulationssphäre durchläuft das Kapital — ob
in der einen oder andern Reihenfolge — die zwei entgegengesetzten
Phasen W— G und G — W. Seine Umlaufszeit zerfällt also auch
in zwei Teile, die Zeit, die es braucht, um sich aus Ware in Geld, und
die Zeit, die es braucht, um sich aus Geld in Ware zu verwandeln. Man
weiß bereits aus der Analyse der einfachen Warenzirkulation (Buch I,
Kapitel III), daß W — G, der Verkauf, der schwierigste Teil seiner
Metamorphose ist und daher unter gewöhnlichen Umständen von der
Umlaufszeit den größeren Teil bildet. Als Geld befindet sich der
Wert in seiner stets umsetzbaren Form. Als Ware muß er erst durch
Verwandlung in Geld diese Gestalt unmittelbarer Austauschbarkeit
und daher stets schlagfertiger Wirksamkeit erhalten. Indes handelt
es sich beim Zirkulationsprozeß des Kapitals in seiner Phase G — W
um seine Verwandlung in Waren, die bestimmte Elemente des pro-
duktiven Kapitals in einer gegebenen Anlage bilden, Die Produktions-
mittel sind vielleicht nicht auf dem Markt vorhanden, sondern
müssen erst produziert werden, oder sie sind von entlegenen Märkten
zu beziehen, oder es finden Ausfälle in ihrer gewöhnlichen Zufuhr statt,
Preiswechsel usw., kurz, eine Masse von Umständen, die in dem ein-
fachen Formwechsel G — W nicht erkennbar sind, aber auch für
diesen Teil der Zirkulationsphase bald mehr, bald weniger Zeit bean-
spruchen. Wie W — G und G — W zeitlich, können sie auch räum-
lich getrennt sein, Kaufmarkt und Verkaufmarkt räumlich ver-
schiedene Märkte sein; Bei Fabriken zum Beispiel sind Einkäufer
und Verkäufer sogar häufig getrennte Personen. Die Zirkulation ist
ebenso notwendig bei der Warenproduktion wie die Produktion selbst,
also die Zirkulationsagenten ebenso nötig wie die Produktionsagenten.
Der Reproduktionsprozeß schließt beide Funktionen des Kapitals
ein, also auch die Notwendigkeit der Vertretung dieser Funktionen,
sei es durch den Kapitalisten selbst, sei es durch Lohnarbeiter,
Agenten desselben. Dies ist aber ebensowenig ein Grund, die Zir-
kulationsagenten mit den Produktionsagenten zu verwechseln, als es
ein Grund ist, die Funktionen von Warenkapital und Geldkapital
mit denen von produktivem Kapital zu verwechseln. Die Zirkula-
tionsagenten müssen bezahlt werden durch die Produktionsagenten.
Wenn aber Kapitalisten, die untereinander kaufen und verkaufen,
durch diesen Akt weder Produkte noch Wert schaffen, so ändert sich
das nicht, wenn der Umfang ihres Geschäfts sie befähigt und nötigt,
diese Funktion auf andere abzuwälzen. In manchen Geschäften
werden Einkäufer und Verkäufer durch Tantieme [Anteil] am Profit
bezahlt. Die Phrase, daß sie durch die Konsumenten bezahlt
        <pb n="145" />
        92
Erster Abschnitt
werden, hilft nichts. Die Konsumenten können nur zahlen, soweit sie
sich selbst als Agenten der Produktion ein Aequivalent in Waren
produzieren oder sich solches von den Produktionsagenten aneignen,
sei es auf Rechtstitel hin (als deren Associ6s | Teilhaber] usw.), sei es
durch persönliche Dienste.

Es besteht ein Unterschied zwischen W — G und G — W, der
nichts mit der Formverschiedenheit von Ware und Geld zu tun hat,
sondern aus dem kapitalistischen Charakter der Produktion ent-
springt. An und für sich sind sowohl W—G als G-— W bloße
Uebersetzungen von gegebenem Wert aus einer Form in die andere.
Aber W’— GG” ist zugleich Realisierung des in W’ enthaltenen Mehr-
werts. Nicht so G — W. Daher ist der Verkauf wichtiger als der
Kauf, G — W ist unter normalen Bedingungen notwendiger Akt für
Verwertung des in G ausgedrückten Wertes, aber es ist nicht Reali-
sierung von Mehrwert; es ist Einleitung zu seiner Produktion, nicht
Nachtrag dazu.

Für die Zirkulation des Warenkapitals W’-— G sind bestimmte
Schranken durch die Existenzform der Waren selbst, ihr Dasein als
Gebrauchswerte gezogen. Sie sind von Natur vergänglich. Gehen
sie also innerhalb gewisser Frist nicht in die produktive oder indivi-
duelle Konsumtion ein, je nach ihrer Bestimmung, werden sie, in
andern Worten, nicht in bestimmter Zeit verkauft, so verderben sie
und verlieren mit ihrem Gebrauchswert die Eigenschaft, Träger des
Tauschwerts zu sein. Der in ihnen enthaltene Kapitalwert, respektive
der ihm angewachsene Mehrwert geht verloren. Die Gebrauchs-
werte bleiben nur Träger des perennierenden [dauernd vorhändenen]
and sich verwertenden Kapitalwerts, soweit sie beständig erneuert
ınd reproduziert, durch neue Gebrauchswerte derselben oder anderer

Art ersetzt werden. Ihr Verkauf in ibrer fertigen Warenform, also
ihr durch denselben vermitteltes Eingehen in die produktive oder
individuelle Konsumtion, ist aber die stets sich erneuernde Bedingung
ihrer Reproduktion. Sie müssen innerhalb bestimmter Zeit ihre alte
Gebrauchsform wechseln, um in einer neuen fortzuexistieren. Der
Tauschwert erhält sich nur durch diese beständige Erneuerung seines
Körpers. Die Gebrauchswerte verschiedener Waren verderben
rascher oder langsamer; es kann also mehr oder weniger Zwischenzeit
zwischen ihrer Produktion und ihrer Konsumtion verstreichen; sie
können also, ohne zugrunde zu gehen, kürzer oder länger in der
Zirkulationsphase W —. G als Warenkapital ausharren, kürzere oder
längere Umlaufszeit als Waren ertragen. Die Grenze der Umlaufszeit
des Warenkapitals durch den Verderb des Warenkörpers selbst, ist die
absolute Grenze dieses Teils der Umlaufszeit oder der Umlaufszeit,
die das Warenkapital qua [als] Warenkapital beschreiben kann. Je
vergänglicher eine Ware, je unmittelbarer nach ihrer Produktion sie
daher verzehrt, also auch verkauft werden muß, desto geringerer
Entfernung von ihrem Produktionsort ist sie fähig, desto enger also
ihre räumliche Zirkulationssphäre, desto lokalerer Natur ihr Absatz-
        <pb n="146" />
        Sechstes Kapitel‘

93
markt. Je vergänglicher daher eine Ware, je größer durch ihre phy-
sische Beschaffenheit die absolute Schranke ihrer Umlaufszeit als
Ware, desto weniger eignet sie sich zum Gegenstand der kapitalisti-
schen Produktion. Letzterer kann sie nur anheimfallen an volk-
reichen Plätzen oder im Maß, wie die lokalen Abstände durch Ent-
wicklung der Transportmittel zusammenrücken. Die Konzentration
der Produktion eines Artikels in wenigen Händen und an einem
volkreichen Platz kann aber relativ großen Markt auch für solche
Artikel schaffen, wie zum Beispiel bei großen Bierbrauereien, Milche-
reien usw.

Sechstes Kapitel.
Die Zirkulationskosten.
IL. Reine Zirkulationskosten.
1. Kauf- und Verkaufszeit.

Die Formverwandlungen des Kapitals aus Ware in Geld und aus
Geld in Ware sind zugleich Händel des Kapitalisten, Akte des Kaufs
and Verkaufs. Die Zeit, worin diese Formverwandlungen des Kapitals
sich vollziehen, sind subjektiv, vom Standpunkt des Kapitalisten,
Verkaufszeit und Kaufzeit, die Zeit, während deren er auf dem Markt
als Verkäufer und Käufer fungiert, Wie die Umlaufszeit des Kapitals
einen notwendigen Abschnitt seiner Reproduktionszeit bildet, so
bildet die Zeit, während deren der Kapitalist kauft und verkauft,
sich auf dem Markt herumtreibt, einen notwendigen Abschnitt seiner
Funktionszeit als Kapitalist, das heißt als personifiziertes Kapital.
Sie bildet Teil seiner Geschäftszeit.

(Da angenommen wurde, daß die Waren zu ihren Werten gekauft
und verkauft werden, so handelt es sich bei diesen Vorgängen nur
um die Umsetzung desselben Wertes aus einer Form in die andere, aus
Warenform in Geldform und aus Geldform in Warenform —. um
eine Zustandsänderung. Werden die Waren zu ihren Werten ver-
kauft, so bleibt die Wertgröße in der Hand sowohl des Käufers wie
des Verkäufers unverändert; nur seine Daseinsform hat sich verändert.
Werden die Waren nicht zu ihren Werten verkauft, so bleibt die
Summe der umgesetzten Werte unverändert: was auf der einen Seite
plus, ist auf der andern minus.

Die Metamorphosen W — G und G — W sind aber Händel, die
zwischen Käufer und Verkäufer vorgehen; sie brauchen Zeit, um
handelseinig zu werden, um so mehr, als hier ein Kampf vorgeht,
worin jede Seite die andere zu übervorteilen sucht und sich Geschäfts-
leute gegenüberstehen, so: „when Greek meets Greek then comes the
tug of war‘ [wenn der Grieche auf den Griechen stößt, dann kommt
es zum heftigsten Kampf]. Die Zustandsänderung kostet Zeit und
Arbeitskraft, aber nicht um Wert zu schaffen, sondern um die Um-
setzung des Wertes aus einer Form in die andere hervorzubringen,
        <pb n="147" />
        34

Erster Abschnitt
wobei der wechselseitige Versuch, bei dieser Gelegenheit ein über-
schüssiges Quantum Wert sich anzueignen, nichts ändert. Diese
Arbeit, vergrößert durch die beiderseitigen böswilligen Absichten,
schafft so wenig Wert, wie die Arbeit, die bei einem gerichtlichen
Prozeß stattfindet, die Wertgröße des streitigen Objekts vermehrt.
Es verhält sich mit dieser Arbeit — die ein notwendiges Moment des
kapitalistischen Produktionsprozesses in seiner Totalität [Vollstän-
digkeit], wo er auch die Zirkulation einschließt oder von ihr ein-
geschlossen wird — wie etwa mit der Verbrennungsarbeit eines Stoffe,
der zur Erzeugung von Wärme verwandt wird. Diese Verbrennungs-
arbeit erzeugt keine Wärme, obgleich sie ein notwendiges Moment des
Verbrennungsprozesses ist. .Um zum Beispiel Kohle als Heizmaterial
zu verbrauchen, muß ich sie mit Sauerstoff verbinden und dazu sie
aus dem festen in den gasförmigen Zustand überführen (denn im
Kohlensäuregas, dem Resultat der Verbrennung, ist die Kohle im
Gaszustand), also eine physikalische Daseinsform- oder Zustands-
veränderung bewirken. Die Lostrennung der Kohlenstoffmoleküle,*
die zu einem festen Ganzen verbunden sind, und die Zersprengung
des Kohlenstoffmoleküls selbst in seine einzelnen Atome muß der
Neuverbindung vorhergehen, und dies kostet einen gewissen Kraft-
Aufwand, der sich also nicht in Wärme verwandelt, sondern von
dieser abgeht. Sind die Warenbesitzer daher keine Kapitalisten,
sondern selbständige unmittelbare Produzenten, so ist die zu Kauf
und Verkauf verwendete Zeit ein Abzug von ihrer Arbeitszeit und
suchten sie daher stets (im Altertum wie im Mittelalter) solche Opera-
tionen auf Festtage zu verlegen.

Die Dimensionen [Größenverhältnisse], die der Warenumsatz in
den Händen der Kapitalisten annimmt, können natürlich diese
keinen Wert schaffende, sondern nur Formwechsel des Wertes ver-
mittelnde Arbeit nicht in wertschaffende verwandeln. Ebensowenig
kann das Mirakel [Wunder] dieser Transsubstantiation [Verwandlung]
durch eine Transposition [Uebertragung] vorgehen, das heißt dadurch,
daß die industriellen Kapitalisten, statt selbst jene „Verbrennungs-
arbeit‘ zu vollziehen, sie zum ausschließlichen Geschäft dritter von
ihnen bezahlter Personen machen. Diese dritten Personen werden
ihnen natürlich nicht aus Liebe für ihre beaux yeux [schönen Augen]
ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Dem Rentenkollekteur
(Renteneintreiber] eines Grundbesitzers oder dem Hausknecht einer
Bank ist es ebenfalls gleichgültig, daß ihre Arbeit die Wertgröße
weder der Rente noch der zu einer andern Bank sackweise getragenen
Goldstücke um einen Deut vermehrt.) 19

9b Moleküle nennt man die kleinsten Stoffteilchen, die mechanisch nicht
mehr teilbar sind. Chemisch läßt sich das Molekül in noch kleinere Atome
telen. K.
10 Das Eingeklammerte aus einer Note am Schluß von Manuskript VIII.
F.E.
        <pb n="148" />
        Sechstes Kapitel

95

Für den Kapitalisten, der andere für sich arbeiten läßt, wird
Kauf und Verkauf eine Hauptfunktion. Da er das Produkt vieler
auf größerem gesellschaftlichen Maßstab aneignet, so hat er es auch
auf solchem zu verkaufen und später wieder aus Geld in die Pro-
duktionselemente zurückzuverwandeln. Nach wie vor schafft Kauf-
und Verkaufszeit keinen Wert. Eine Illusion kommt herein durch
die Funktion des Kaufmannskapitals. Aber, ohne hier noch näher
darauf einzugehen, ist so viel von vornherein klar: Wenn durch Tei-
lung der Arbeit eine Funktion, die an und für sich unproduktiv,
aber ein notwendiges Moment der Reproduktion ist, aus einer Neben-
verrichtung vieler in die ausschließliche Verrrichtung weniger ver-
wandelt wird, in ihr besonderes Geschäft, so verwandelt sich nicht
der Charakter der Funktion selbst. Ein Kaufmann (hier als bloßer
Agent der Formverwandlung der Waren, als bloßer Käufer und Ver-
käufer betrachtet) mag durch seine Operationen die Kauf- und Ver-
kaufszeit für viele Produzenten abkürzen. Er ist dann als eine
Maschine zu betrachten, die nutzlosen Kraftaufwand vermindert oder
Produktionszeit freisetzen hilft. *!

Wir wollen, um die Sache zu vereinfachen (da wir erst später
den Kaufmann als Kapitalisten und das Kaufmannskapital betrach-
ten), annehmen, dieser Agent zum Kaufen und Verkaufen sei ein
Mann, der seine Arbeit verkauft. Er verausgabt seine Arbeitskraft
und seine Arbeitszeit in diesen Operationen W— G und G — W.
Und er lebt daher davon, wie ein anderer zum Beispiel vom Spinnen
oder Pillendrehen. Er verrichtet eine notwendige Funktion, weil der
Reproduktionsprozeß selbst unproduktive Funktionen einschließt.
Er arbeitet so gut wie ein anderer, aber der Inhalt seiner Arbeit
schafft weder Wert noch Produkt. Er selbst gehört zu den faux
frais [unwirtschaftlichen Kosten] der Produktion. Sein Nutzen be-
steht nicht darin, eine unproduktive Funktion in eine produktive
zu verwandeln oder unproduktive Arbeit in produktive. Es wäre
u „Die Unkosten des Handels müssen, wenn sie auch notwendig sind,
dennoch als eine drückende Ausgabe betrachtet werden.‘ (Les frais de com-
merce, quoiquend&amp;cessaires, doiventötreregardes comme une depense onereuse.
Quesnay: „Analyse du Tableau Economique“, in Daire, Physiocrates, I.Partie,
Paris 1846, p. 71.) — Nach Quesnay ist der „profit‘*, den die Konkurrenz unter
den Kaufleuten hervorbringt, nämlich daß sie dieselben nötigt, „Ihr Entgelt oder
ihren Gewinn herabzusetzen ... genaugenommen nur eine Hera bm inderung
des Verlustes für den Verkäufer erster Hand oder für den kaufenden Konsu-
menten. Nun, eine Verminderung des Verlustes, den die Unkosten des Handels
verursachen, ist kein wirkliches Produkt oder eineVermehrung des Reich-
tums, hervorgebracht durch den Handel, ob man ihn an und für sich einfach
als Austausch unabhängig von den Transportkosten oder mit den Transport-
kosten zusammen betrachtet‘ (A mettre leur retribution ou leur gain au
rabais.. . n’est rigoureusement [in der Engelsschen Ausgabe „serieusement‘“ K.]
parlant qu’une privation de perte pour le vendeur de la premiere main et
pour l’acheteur-consommateur. Or, une privation de perte sur les frais du
commerce n’est pas un produit r6el ou un accroit de richesses obtenu par le

Das Kapital. I.

10
        <pb n="149" />
        36

Erster Abschnitt
ein Wunder, wenn dergleichen Verwandlung durch solche Ueber-
tragung der Funktion bewerkstelligt werden könnte. Sein Nutzen
besteht vielmehr darin, daß ein geringerer Teil der Arbeitskraft und
Arbeitszeit der Gesellschaft in dieser unproduktiven Funktion ge-
bunden wird. Noch mehr. Wir wollen annehmen, er sei bloßer Lohn-
arbeiter, meinetwegen besser bezahlter. Welches immer seine Zahlung,
als Lohnarbeiter arbeitet er einen Teil seiner Zeit umsonst. Er er-
hält vielleicht täglich das Wertprodukt von acht Arbeitsstunden und
fungiert während zehn. Die zwei Stunden Mehrarbeit, die er ver-
richtet, produzieren ebensowenig Wert wie seine acht Stunden not-
wendige Arbeit, obgleich vermittels dieser letzteren ein Teil des ge-
sellschaftlichen Produkts auf ihn übertragen wird. Erstens wird nach
wie vor, gesellschaftlich betrachtet, eine Arbeitskraft während zehn
Stunden in dieser bloßen Zirkulationsfunktion vernutzt. Sie ist für
nichts anderes verwendbar, nicht für produktive Arbeit. Zweitens
aber zahlt die Gesellschaft diese zwei Stunden Mehrarbeit nicht, ob-
gleich sie von dem Individuum, das sie verrichtet, verausgabt werden.
Die Gesellschaft eignet sich dadurch kein überschüssiges Produkt
oder Wert an. Aber die Zirkulationskosten, die er repräsentiert, ver-
mindern sich um ein Fünftel, von zehn Stunden auf acht. Die Gesell-
schaft zahlt kein Aequivalent für ein Fünftel dieser aktiven Zirku-
lationszeit, deren Agent er ist. Ist es aber der Kapitalist, der diesen
Agenten anwendet, so vermindern sich durch N ichtzahlung der zwei
Stunden die Zirkulationskosten seines Kapitals, die einen Abzug
von seiner Einnahme bilden. Für ihn ist es ein positiver Gewinn,
weil sich die negative Schranke der Verwertung seines Kapitals enger
zieht. Solange kleine selbständige Warenproduzenten einen Teil ihrer
eigenen Zeit in Kauf und Verkauf verausgaben, stellt sich dies nur
dar entweder als Zeit, verausgabt in den Intervallen ihrer produk-
tiven Funktion, oder als Abbruch an ihrer Produktionszeit.

Unter allen Umständen sind die hierauf verwandte Zeit Zirku-
lationskosten !!a, die den umgesetzten Werten nichts zuführen. Es sind
die Kosten, erforderlich, sie aus Warenform in Geldform zu über-
commerce, considere en Iui-meme simplement comme 6change, independem-
ment des frais de transport, ou envisage conjointement avec les frais de
transport). (p. 145, 146.) „Die Unkosten des Handels werden immer von den
Verkäufern der Produkte getragen, die den vollen Preis erhalten würden,
den die Käufer dafür zahlen, wenn es keine Kosten für die Vermittlung gäbe.“
(Les frais du commerce sont toujours pay€s aux depens des vendeurs des pro-
äduetions qui jouiraient de tout le prix qu’en payent les acheteurs, £’il n’y avait
point de frais interm6diaires.) (p. 163.) Die Grundbesitzer [proprietaires] und
Produzenten [produeteurs] sind „Lohnzahler‘“ [salariants], die Kaufleute
sind „Entlohnte‘“ [salaries]. (Quesnay: „Problömes 6conomiques‘‘. in Daire,
Physiocrates, I. Partie, Paris 1846, p. 164.)

18 Im Original heißt es: „Die... Zeit ist eine Zirkulationskost ... Es
ist. die Kost.“ Früher und später spricht Marx dagegen von den Zirkula-
tionskosten. Die Form „Kosten“ statt „Kost“ für die Bezeichnung von
Ausgaben ist heute die im Deutschen übliche. Die Form „Kost‘ ist ein
        <pb n="150" />
        Sechstes Kapitel

07

setzen. Soweit der kapitalistische Warenproduzent als Zirkulations-
agent erscheint, unterscheidet er sich vom unmittelbaren Waren-
produzenten nur dadurch, daß er auf größerer Stufenleiter verkauft
und kauft und daher in größerem Umfang als Zirkulationsagent fun-
ziert. Sobald der Umfang seines Geschäfts ihn aber zwingt oder
befähigt, eigene Zirkulationsagenten als Lohnarbeiter zu kaufen (din-
gen), so ist das Phänomen der Sache nach nicht verändert. Arbeits-
kraft und Arbeitszeit muß zu gewissem Grad im Zirkulationsprozeß
(soweit er bloße Formverwandlung) verausgabt werden. Aber dies
erscheint jetzt als zusätzliche Kapitalauslage; ein Teil des variablen
Kapitals muß ausgelegt werden im Ankauf dieser nur in der Zirkula-
tion Iungierenden Arbeitskräfte. Dieser Kapitalvorschuß schafft
weder Produkt noch Wert. Er vermindert pro tanto [entsprechend]
den Umfang, worin das vorgeschossene Kapital produktiv fungiert.
Es ist dasselbe, als würde ein Teil des Produkts in eine Maschine
verwandelt, welche den übrigen Teil des Produkts kauft und verkauft.
Diese Maschine verursacht einen Abzug von Produkt. Sie wirkt nicht
mit im Produktionsprozeß, obgleich sie die in der Zirkulation ver-
ausgabte Arbeitskraft etc, vermindern kann. Sie bildet bloß einen
Teil der Zirkulationskosten.
2. Buchführung.

Neben dem wirklichen Kaufen und Verkaufen wird Arbeitszeit
verausgabt in der Buchführung, in die außerdem vergegenständlichte
Arbeit eingeht, Feder, Tinte, Papier, Schreibpult, Bureaukosten. Es
wird also in dieser Funktion einerseits Arbeitskraft verausgabt, ander-
seits Arbeitsmittel. Es verhält sich hiermit ganz wie mit der Kauf-
und Verkaufszeit.

Als Einheit innerhalb seiner Kreisläufe, als prozessierender Wert,
sei es nun innerhalb der Produktionssphäre, sei es innerhalb der beiden
Phasen der Zirkulationssphäre, existiert das Kapital nur ideell in der
Gestalt des Rechengeldes, zunächst im Kopf des Warenproduzenten,
respektive kapitalistischen Warenproduzenten. Durch die Buchfüh-
rung, die auch die Preisbestimmung oder die Berechnung der Waren-
preise (Preiskalkulation) einbegreift, wird diese Bewegung fixiert und
kontrolliert. Die Bewegung der Produktion und namentlich der Ver-
wertung — wobei die Waren nur als Wertträger figurieren, als Namen
von Dingen, deren ideelles Wertdasein in Rechengeld fixiert ist —
erhält so ein symbolisches [in einer Zeichensprache abgefaßtes] Ab-
bild in der Vorstellung. Solange der einzelne Warenproduzent ent-
weder nur in seinem Kopf Buch führt (wie zum Beispiel der Bauer;
erst die kapitalistische Agrikultur produziert den Buch führenden
Pächter) oder nur nebenbei, außerhalb seiner Produktionszeit. ein

Angliziemus (englisch cost = Kosten.) Wir glauben, Marx nicht zu ver-
gewaltigen, wenn wir immer „Kosten“ an Stelle von „Kost“ setzen, wenn
diese nicht Speise bedeutet. K.
        <pb n="151" />
        38

Erster Abschnitt
Buch über seine Ausgaben, Einnahmen, Zahlungstermine usw. führt,
solange ist es handgreiflich, daß diese seine Funktion und die Arbeits-
mittel, die er etwa dabei verbraucht, wie Papier usw., zusätzlichen
Verbrauch von Arbeitszeit und Arbeitsmitteln darstellen, die not-
wendig sind, aber einen Abzug bilden sowohl an der Zeit, die er pro-
duktiv verbrauchen kann, wie an den Arbeitsmitteln, die im wirk-
lichen Produktionsprozeß fungieren, in die Produkt- und Wertbildung
eingehen‘? Die Natur der Funktion selbst verändert sich nicht, weder
durch den Umfang, den sie dadurch erhält, daß sie in der Hand des
kapitalistischen Warenproduzenten konzentriert wird und statt als
Funktion vieler kleiner Warenproduzenten als die eines Kapitalisten,
als Funktion innerhalb eines Produktionsprozesses auf großer Stufen-
leiter erscheint, noch durch ihre Losreißung von den produktiven
Funktionen, von denen sie ein Beiwerk bildete, und durch ihre Ver-
selbständigung als Funktion besonderer, ausschließlich mit ihr be-
trauter Agenten.

Die Teilung der Arbeit, die Verselbständigung einer Funktion,
macht sie nicht produkt- und wertbildend, wenn sie es nicht an sich,
also schon vor ihrer Verselbständigung ist. Legt ein Kapitalist sein
Kapital neu an, so muß er einen Teil im Ankauf eines Buchhalters
etc. und in Mitteln der Buchführung anlegen. Ist sein Kapital be-
reits in Funktion, in seinem beständigen Reproduktionsprozeß be-
griffen, so muß er einen Teil des Warenprodukts vermittels Ver-
wandlung in Geld beständig rückverwandeln in Buchhalter, Kom-
mis und dergleichen, Dieser Teil des Kapitals ist dem Produktions-
prozeß entzogen und gehört zu den Zirkulationskosten, Abzügen am
Gesamtertrag. (Eingeschlossen die Arbeitskraft selbst, die ausschließ-
lich auf diese Funktion verwendet wird.)

Es findet jedoch ein gewisser Unterschied statt zwischen den
aus der Buchführung entspringenden Kosten, respektive unproduk-
tiven Verausgabung von Arbeitszeit einerseits und denen der bloßen
Kauf- und Verkaufszeit anderseits. Die letzteren entspringen nur

12 Im Mittelalter finden wir die Buchführung für Agrikultur nur in den
Klöstern. Jedoch sah man (Buch I, Kapitel XII. 4, 2. Auflage, S. 370, V. 8.304
ün der Engelsschen Ausgabe steht bloß „Buch I, S. 343“ ; diese Zahl bezieht
sich auf die 1. Auflage des I. Buchs des „Kapital“. XK.]), daß bereits
in den uraltertümlichen indischen Gemeinwesen ein Buchhalter über die
Agrikultur figuriert. Die Buchführung ist hier zur ausschließlichen Funktion
eines Gemeindebeamten verselbständigt. Durch diese Teilung der Arbeit
werden Zeit, Mühe und Ausgaben erspart, aber die Produktion und die Buch-
führung über die Produktion bleiben ebenso verschiedene Dinge wie die
Schiffsladung und der Ladeschein. Im Buchhalter ist ein Teil der Arbeits-
kraft der Gemeinde der Produktion entzogen, und die Kosten seiner Funk-
tion. werden nicht durch seine eigene Arbeit ersetzt, sondern durch einen Ab-
zug vom Gemeindeprodukt, Wie mit dem Buchhalter der indischen Gemeinde,
verhält es sich mutatis mutandis [mit den nötigen Aenderungen] mit dem
Buchhalter des Kapitalisten. (Aus Manuskript II.)
        <pb n="152" />
        Sechstes Kapitel

99

aus der bestimmten gesellschaftlichen Form des Produktionsprozesses,
daraus, daß er Produktionsprozeß von Ware ist. Die Buchführung
als Kontrolle und ideelle Zusammenfassung des Prozesses wird um-
so notwendiger, je mehr der Prozeß auf gesellschaftlicher Stufenleiter
vorgeht und den rein individuellen Charakter verliert; also nofwen-
diger in. der kapitalistischen Produktion als in der zersplitterten. des
Handwerks- und Bauernbetriebes, notwendiger bei gemeinschaft-
licher Produktion als bei kapitalistischer. Die Kosten der Buch-
führung reduzieren sich aber mit der Konzentration der Produktion
and je mehr sie sich in gesellschaftliche Buchführung verwandelt.

Es handelt sich hier nur um den allgemeinen Charakter der
Zirkulationskosten, die aus der bloßen formellen Metamorphose ent-
springen. Es ist hier überflüssig, auf alle ihre Detailformen einzu-
gehen. Wie aber der reinen Formverwandlung des Wertes angehörige,
also aus der bestimmten gesellschaftlichen Form des Produktions-
prozesses entspringende Formen, die bei dem individuellen Waren-
produzenten nur verschwindende und kaum bemerkbare Momente
sind, neben seinen. produktiven Funktionen herlaufen oder sich mit
ihnen verschlingen — wie diese als massenhafte Zirkulationskosten
die Augen frappieren [in die Augen fallen] können, sieht man beim
bloßen Einnehmen und Ausgeben von Geld, sobald es als ausschließ-
liche Funktion von Banken ete. oder des Kassierers in individuellen
Geschäften verselbständigt und auf großer Stufenleiter konzentriert
ist. Was festzuhalten, ist, daß diese Zirkulationskosten durch die
veränderte Gestalt ihren Charakter nicht ändern.

3. Geld.
Ob ein Produkt als Ware oder nicht als Ware produziert wird,
es ist stets stoffliche Gestalt von Reichtum, Gebrauchswert, bestimmt,
in die individuelle oder produktive Konsumtion einzugehen. Als
Ware existiert sein Wert ideell im Preise, der an seiner wirklichen
Gebrauchsgestalt nichts ändert. Daß aber bestimmte Waren, wie
Gold und Silber, als Geld fungieren und als solche ausschließlich
den Zirkulationsprozeß behausen (auch als Schatz, Reserve ete.
bleiben sie, obwohl latent, in der Zirkulationssphäre), ist ein reines
Produkt der bestimmten gesellschaftlichen Form des Produktions-
prozesses, der Produktionsprozeß von Waren ist. Da auf Grundlage
der kapitalistischen Produktion Ware die allgemeine Gestalt des
Produkts wird und die größte Masse des Produkts als Ware produ-
ziert wird und daher die Geldform annehmen muß, da also die Waren-
masse, der als Ware fungierende Teil des gesellschaftlichen Reich-
tums fortwährend wächst — so nimmt hier auch der Umfang des
als Zirkulationsmittel, Zahlungsmittel, Reserve etc. fungierenden
Goldes und Silbers zu. Diese als Geld fungierenden Waren gehen
weder in die individuelle noch in die produktive Konsumtion ein.
Es ist gesellschaftliche Arbeit, in einer Form fixiert, worin sie als
bloße Zirkulationsmaschine dient. Außerdem daß ein Teil des
        <pb n="153" />
        100

Erster Abschnitt
gesellschaftlichen Reichtums in diese unproduktive Form gebannt ist,
erheischt der Verschleiß des Geldes beständigen Ersatz desselben oder
Umwandlung von mehr gesellschaftlicher Arbeit — in Produktform—
in mehr Gold und Silber. Diese Ersatzkosten sind bei kapitalistisch
entwickelten Nationen bedeutend, weil überhaupt der in Form des
Geldes gebannte Teil des Reichtums umfangreich ist. Gold und Silber
als Geldwaren bilden für die Gesellschaft Zirkulationskosten, die nur
aus der gesellschaftlichen Form der Produktion entspringen. Es sind
faux frais der Warenproduktion überhaupt, die mit der Entwicklung
der Warenproduktion, und besonders der kapitalistischen Produktion,
wachsen. Es ist ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der dem
Zirkulationsprozeß geopfert werden muß. 13
N. Aufbewahrungskosten.
Zirkulationskosten, die aus dem bloßen Formwechsel des Wertes,
aus der Zirkulation ideell betrachtet, hervorgehen, gehen nicht in
den Wert der Waren ein. Die in ihnen verausgabten Kapitalteile
bilden bloße Abzüge von dem produktiv verausgabten Kapital, so-
weit der Kapitalist betrachtet wird. Von anderer Natur sind die
Zirkulationskosten, die wir jetzt betrachten. Sie können aus Pro-
duktionsprozessen entspringen, die nur in der Zirkulation fortgesetzt
werden, deren produktiver Charakter also durch die Zirkulations-
form nur versteckt ist. Sie können anderseits, gesellschaftlich be-
irachtet, bloße Kosten, unproduktive Verausgabung, sei es lebendiger,
zei es vergegenständlichter Arbeit, sein, aber doch eben dadurch für
den individuellen Kapitalisten wertbildend wirken, einen Zusatz zum
Verkaufspreis seiner Ware bilden. Dies folgt schon daraus, daß diese
Kosten in verschiedenen Produktionssphären und stellenweise für
verschiedene individuelle Kapitale innerhalb derselben Produktions-
sphäre verschieden sind. Durch ihren Zusatz zum Preis der Ware
werden sie in dem Maß verteilt, worin sie auf die individuellen Kapi-
Salisten fallen. Aber alle Arbeit, die Wert zusetzt, kann auch Mehr-
wert zusetzen und wird auf kapitalistischer Grundlage immer Mehr-
wert zusetzen, da der Wert, den sie bildet, von ihrer eigenen Größe,
üer Mehrwert, den sie bildet, von dem Umfang abhängt, worin der

13 „Das Geld, das in einem Land zirkuliert, ist ein bestimmter Teil
des Kapitals des Landes, der produktiven Zwecken vollkommen entzogen
ist, um die Produktivität des Restes zu erleichtern oder zu steigern. Eine
gewisse Anhäufung von Reichtum ist also ebenso notwendig, wenn Gold zum
Zirkulationsmittel gemacht, wie wenn eine Maschine hergestellt werden soll,
um jede andere Produktion zu erleichtern.“ (The money circulating in a
country is a certain portion of the capital of the country, absolutely with-
drawn from productive purposes, in order to facilitate or increase the pro-
äuctiveness of the remainder. A certain amount of wealth is, therefore, as
necessary, in order to adopt gold as a circulating medium, as it is to make
a machine, in order to facilitate any other production. — „Economist‘‘, 8, Mai
1547, vol. V, p. 520 [in der Engelsschen Ausgabe steht 519. K.])
        <pb n="154" />
        Sechstes Kapitel

101
Kapitalist sie bezahlt. Kosten also, die die Ware verteuern, ohne
ihr Gebrauchswert zuzusetzen, für die Gesellschaft also zu den faux
frais der Produktion gehören, können für den individuellen Kapi-
talisten Quelle der Bereicherung bilden. Anderseits, soweit der Zu-
satz, den sie dem Preis der Ware hinzufügen, diese Zirkulations-
kosten nur gleichmäßig verteilt, hört ihr unproduktiver Charakter
äadurch nicht auf. Zum Beispiel Assekuranz-[ Versicherungs-]Gesell-
schaften verteilen die Verluste individueller Kapitalisten unter die
Kapitalistenklasse. Dies verhindert jedoch nicht, daß die so auS-
yeglichenen. Verluste nach wie vor, das gesellschaftliche Gesamt-
kapital betrachtet, Verluste sind.
1. Vorratbildung überhaupt.

Während seines Daseins als Warenkapital oder seines Aufent-
halts auf dem Markt, also solange es sich in dem Intervall befindet
zwischen dem Produktionsprozeß, aus dem es herauskommt, und dem
Konsumtionsprozeß, in den es eingeht, bildet das Produkt Waren-
vorrat. Als Ware auf dem Markt und daher in der Gestalt des
Vorrats erscheint das Warenkapital doppelt in jedem Kreislauf, ein-
mal als Warenprodukt des prozessierenden Kapitals selbst, dessen
Kreislauf betrachtet wird, das andere Mal dagegen als Warenprodukt
eines andern Kapitals, das sich auf dem Markt vorfinden muß, um
gekauft und in produktives Kapital verwandelt zu werden. Aller-
dings ist es möglich, daß dies letztere Warenkapital erst auf Bestellung
produziert wird. Dann findet Unterbrechung statt, solange bis es
produziert ist. Der Fluß des Produktions- und Reproduktionspro-
zesses erheischt jedoch, daß eine Masse Waren (Produktionsmittel)
sich beständig auf dem Markt vorfindet, also Vorrat bildet. Ebenso
umfaßt das produktive Kapital den Ankauf der Arbeitskraft, und
die Geldform ist hier nur die Wertform von Lebensmitteln, die der
Arbeiter großenteils auf dem Markt vorfinden muß. Wir gehen im
Fortgang dieses Paragraphen näher hierauf ein. Hier ist bereits dieser
Punkt gewonnen. Stellen wir uns auf den Standpunkt des prozes-
sierenden Kapitalwerts, der sich in Warenprodukt verwandelt hat
und nun verkauft oder in Geld rückverwandelt werden muß, der
also jetzt als Warenkapital auf dem Markt fungiert, so ist der Zu-
stand, worin es Vorrat bildet, ein zweckwidriger unfreiwilliger Auf-
enthalt auf dem Markt. Je rascher verkauft, desto flüssiger der Re-
produktionsprozeß. Der Aufenthalt in der Formverwandlung W’-— G’
hindert den realen Stoffwechsel, der im Kreislauf des Kapitals vor-
gehen muß, wie seine weitere Funktion als produktives Kapital. An-
derseits für G — W erscheint das beständige Vorhandensein der Ware
auf dem Markt, der Warenvorrat, als Bedingung des Flusses des
Reproduktionsprozesses wie der Anlage von neuem oder zusätz-
lchem Kapital.

Das Verharren des Warenkapitals als Warenvorratf auf dem
Markt erheischt Baulichkeiten, Magazine, Reservoirs [Behälter] der
        <pb n="155" />
        102

Waren, Warenlager, also Auslage von konstantem Kapital; ebenso
Zahlung von Arbeitskräften zur Einmagazinierung der Waren in ihre
Reservoirs. Außerdem verderben die Waren und sind schädlichen
elementaren Einflüssen ausgesetzt. Zum Schutz davor ist zusätz-
liches Kapital auszulegen, teils in Arbeitsmitteln, in gegenständlicher
Form, teils in Arbeitskraft.14

Das Dasein des Kapitals in seiner Form als Warenkapital und

daher als Warenvorrat verursacht also Kosten, die, da sie nicht der
Produktionssphäre angehören, zu den Zirkulationskosten zählen. Diese
Zirkulationskosten unterscheiden sich von den sub [unter] I aufge-
führten dadurch, daß siein gewissem Umfang in den Wert der Waren ein-
gehen, also die Ware verteuern. Unter allen Umständen sind Kapital
und Arbeitskraft, die zur Erhaltung und Aufbewahrung des Waren-
vorrats dienen, dem direkten Produktionsprozeß entzogen. Ander-
seits müssen die hier angewandten Kapitale, Arbeitskraft eingerech-
net, als Bestandteil des Kapitals, aus dem gesellschaftlichen. Pro-
dukt ersetzt werden. Ihre Auslage wirkt daher wie eine Verminderung
der Produktionskraft der Arbeit, so daß ein größeres Quantum Ka-
pital und Arbeit erheischt ist, um einen bestimmten Nutzeffekt zu
erzielen, Es sind Unkosten.

Soweit nun die durch die Bildung des Warenvorrats bedingten
Zirkulationskosten nur aus der Zeitdauer der Verwandlung vorhan-
dener Werte aus Warenform in Geldform, also nur aus der bestimm-
ten gesellschaftlichen Form des Produktionsprozesses entspringen
(nur daraus, daß das Produkt als Ware produziert wird und daher
auch die Verwandlung in Geld durchmachen muß) — teilen sie ganz
den Charakter der sub I aufgezählten Zirkulationskosten. Anderseits
wird der Wert der Waren hier nur konserviert [erhalten], respektive
vermehrt, weil der Gebrauchswert, das Produkt selbst, unter be-
stimmte gegenständliche Bedingungen versetzt wird, die Kapital-
auslage kosten, und Operationen unterworfen wird, die zusätzliche
Arbeit auf die Gebrauchswerte wirken lassen. Die Berechnung der

14 Corbet berechnet 1841 die Kosten der Weizen-Aufspeicherung für eine
Saison von 9 Monaten auf !/2"/ Verlust an Quantität, 3’ für Zins auf den
Weizenpreis, 2% für Lagermiete, 1% Schütteln und Fuhrlohn, !/2 % Ab-
lieferungsarbeit, zusammen 7% oder bei einem Weizenpreis von 50 Shilling
3 Shilling 6 Pence per Quarter, (Th. Corbet: „An Inquiry into the Causes
and Modes of the Wealth of Individuals ete. London 1841‘, p. 140.) Nach den
Aussagen von Liverpooler Kaufleuten vor der Eisenbahnkommision betrugen
die (reinen) Unkosten der Getreide-Aufspeicherung 1865 monatlich 2 Pence
per Quarter oder 9—10 Pence per Tonne. (Royal Commission on Railways.
1867. Evidence, p. 19, Nr. 331.) [Der genaue Titel dieser offiziellen Schrift
lautet: Reports from commissioners Session 1867, vol. XXXVLII ; die be-
treffende Stelle stammt aus der zweiten Abteilung des ersten Teils, der
folgenden Titel führt: Royal commission on Railways. Minutes of Evi-
dence taken before the commissioners March 1865 to May 1866. Presented
to both Houses of Parliament by command of her Majesty. London
printed 1867, K.]

Erster Abschnitt
        <pb n="156" />
        Sechstes Kapitel

103
Warenwerte, die Buchführung über diesen Prozeß, die Kauf- und
Verkaufshändel dagegen wirken nicht auf den Gebrauchswert, worin
der Warenwert existiert. Sie haben es nur mit seiner Form zu tun.
Obgleich daher in dem vorausgesetzten Fall diese Unkosten der Vor-
ratbildung (die hier unfreiwillig ist) bloß aus einem Aufenthalt der
Formverwandlung und aus der Notwendigkeit derselben entspringen,
so unterscheiden sie sich dennoch von den Unkosten sub I dadurch,
daß ihr Gegenstand selbst nicht die Formverwandlung des Wertes,
sondern die Erhaltung des Wertes ist, der in der Ware als Produkt,
Gebrauchswert existiert und daher nur durch die Erhaltung des
Produkts, des Gebrauchswerts selbst erhalten werden kann. Der
Gebrauchswert wird hier weder erhöht noch vermehrt, im Gegenteil
er nimmt ab. Aber seine Abnahme wird beschränkt und er wird
erhalten. Auch der vorgeschossene in der Ware existierende Wert
wird hier nicht erhöht. Aber neue Arbeit, vergegenständlichte und
ijebendige, wird hinzugesetzt.

Es ist nun weiter zu untersuchen, wie weit diese Unkosten aus
dem eigentümlichen Charakter der Warenproduktion überhaupt und
der Warenproduktion in ihrer allgemeinen, absoluten Form hervor-
gehen, das heißt der kapitalistischen Warenproduktion; wie weit sie
anderseits aller gesellschaftlichen Produktion gemeinsam sind und
hier nur innerhalb der kapitalistischen Produktion eine besondere
Gestalt annehmen, eine besondere Erscheinungsform,

A. Smith hat die fabelhafte Ansicht aufgestellt, daß die Vor-
ratbildung ein der kapitalistischen Produktion eigentümliches Phä-
nomen sei.® Neuere Oekonomen, zum Beispiel Lalor, behaupten um-
gekehrt, daß sie mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion
abnimmt. Sismondi betrachtet dies sogar als eine Schattenseite der
letzteren.

In der Tat existiert der Vorrat in drei Formen: in der Form des
produktiven Kapitals, in der Form des individuellen Konsumtions-
fonds und in Form des Warenvorrats oder Warenkapitals. Der
Vorrat in der einen Form nimmt relativ ab, wenn er in der andern
Form zunimmt, obgleich er seiner absoluten Größe nach in allen drei
Formen gleichzeitig wachsen mag.

Es ist von vornherein klar, daß, wo die Produktion direkt auf die
Befriedigung des Selbstbedarfs gerichtet ist und nur zum geringeren
Teil für den Austausch oder Verkauf produziert wird, also das gesell-
schaftliche Produkt gar nicht oder nur zum kleineren Teil die Form
der Ware annimmt, der Vorrat in der Form der Ware oder der
Warenvorrat nur einen geringen und verschwindenden Teil des
Reichtums bildet. Der Konsumtionsfonds ist aber hier relativ groß,
namentlich [der] der eigentlichen Lebensmittel. Man hat nur altertüm-
liche Bauernwirtschaft anzusehen. Ein überwiegender Teil des
Produkts verwandelt sich hier unmittelbar, ohne Warenvorrat zu
5 Wealth of Nations‘, book II, Introduetion.
        <pb n="157" />
        104

Erster Abschnitt
bilden — eben weil er in der Hand seines Besitzers bleibt —, in vor-
rätige Produktionsmittel oder Lebensmittel. Er nimmt nicht die
Form des Warenvorrats an und eben deswegen existiert in Gesell-
schaften, die auf solcher Produktionsweise gegründet sind, nach
A. Smith kein Vorrat. A. Smith verwechselt die Form des Vorrats
mit dem Vorrat selbst und glaubt, daß die Gesellschaft bisher von
der Hand in den Mund lebte oder sich auf den Zufall des folgenden
Tages verließ.!‘ Es ist ein kindisches Mißverständnis.

Vorrat in der Form des produktiven Kapitals existiert in der
Form von Produktionsmitteln, die sich bereits im Produktionsprozeß
befinden oder wenigstens in der Hand des Produzenten, also latent
schon im Produktionsprozeß. Man hat früher gesehen, daß mit der
Entwicklung der Produktivität der Arbeit, also auch mit der
Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise— welche die gesell-
schaftliche Produktivkraft der Arbeit mehr entwickelt als alle
[rüheren Produktionsweisen — die Masse der in der Form von
Arbeitsmitteln dem Prozeß ein für allemal einverleibten und stets
wiederholt, während längerer oder kürzerer Periode in ihm fun-
gierenden Produktionsmittel (Gebäude, Maschinen etc.) beständig
wächst, und daß ihr Wachstum sowohl Voraussetzung wie Wirkung
der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit
ist. Das nicht nur absolute, sondern relative Wachstum des Reich-
cums in dieser Form (vgl. Buch I, Kapitel XXIII, 2) charak-
terisiert vor allem die kapitalistische Produktionsweise. Die stoff-
16 Statt daß, wie A, Smith wähnt, die Vorratbildung erst entspringt aus
der Verwandlung des Produkts in Ware und des Konsumtionsvorrats in
Warenvorrat, verursacht umgekehrt dieser Formwechsel während des Ueber-
gangs aus der Produktion für den Selbstbedarf in die Warenproduktion die
heftigsten Krisen in der Oekonomie der Produzenten. In Indien erhielt sich
zum Beispiel bis auf die allerneueste Zeit „die Gewohnheit, das Getreide,
wofür in Jahren des Ueberflusses wenig zu haben war, massenhaft aufzu-
speichern“, (Return. Bengal and Orissa Famine, H. of C, 1867. I, p-230—231,
No. 75. [In der Engelsschen Ausgabe steht „No. 74“, K.]) Die durch
den amerikanischen Bürgerkrieg plötzlich gesteigerte Nachfrage nach
Baumwolle, Jute etc. veranlaßte in vielen Teilen Indiens [starke Aus-
dehnung des Anbaues von Baumwolle, daher] große Einschränkung des
des Reisbaues, Steigen der Reispreise und Verkauf der alten Reisvorräte der
Produzenten. Dazu kam noch [in der Engelsschen Ausgabe „nach‘‘, K.]
1864—66 beispiellose Ausfuhr von Reis nach Australien, Madagaskar ete,
Daher der akute Charakter der Hungersnot von 1866, die im Distrikt von
Orissa allein eine Million Menschen wegrafite, (a. a. 0. 174, 175, 213, 214 und
[Part] III: Papers relating to the Famine in Behar, p. 32, 33, wo unter den
Ursachen der Hungersnot der drain of old stock [der Abfluß alter Vorräte]
betont wird.) (Aus Manuskript II.) [Der genaue Titel dieser Schrift
lautet: „Accounts and Papers, Session 1867, vol. LI: East India; Bengal
and Orissa famine,‘““ Die angeführten Stellen stammen aus Teil I, bis auf
die letzte, die Teil III entnommen ist, der den Sondertitel führt: Papers
relating to the Famine in Behar. Die zitierte Stelle spricht übrigens nur
von einer „übermäßigen Ausfuhr in den Jahren 1864—65“. K.]
        <pb n="158" />
        Sechstes Kapitel

105
lichen Existenzformen des konstanten Kapitals, die Produktions-
mittel, bestehen aber nicht nur aus derartigen Arbeitsmitteln, sondern
auch aus Arbeitsmaterial auf den verschiedensten Stufen der Ver-
arbeitung und aus Hilfsstoffen. Mit der Stufenleiter der Produktion
und der Steigerung der Produktivkraft der Arbeit durch Koopera-
tion [planmäßige Zusammenarbeit. Vgl. Buch I, Kapitel XI],
Teilung, Maschinerie usw. wächst die Masse des Rohmaterials, der
Hilfsstoffe etc., die in den täglichen Reproduktionsprozeß eingehen.
Diese Elemente müssen in der Produktionsstätte bereitliegen. Der
Umfang dieses in der Form von produktivem Kapital existierenden
Vorrats wächst also absolut. Damit der Prozeß fließe -— ganz davon
abgesehen, ob dieser Vorrat täglich oder nur in bestimmten Terminen
erneuert werden kann —, muß stets mehr Anhäufung von Rohstoff
ete. in der Produktionsstätte bereitliegen, als zum Beispiel täglich
oder wöchentlich verbraucht wird. Die Kontinuität des Prozesses
erheischt, daß das Dasein seiner Bedingungen weder abhänge von
möglicher Unterbrechung bei täglichen Einkäufen noch davon, daß
das Warenprodukt täglich oder wöchentlich verkauft werde und
daher nur unregelmäßig in seine Produktionselemente rückver-
wandelbar sei. Indes kann offenbar das produktive Kapital in sehr
verschiedenem Umfang latent sein oder Vorrat bilden. Es macht
zum Beispiel großen Unterschied, ob der Spinner Baumwolle oder
Kohlen für drei Monate oder für einen parat [bereit] liegen haben
muß. Man sieht, daß dieser Vorrat relativ abnehmen kann, obgleich
er absolut zunimmt.

Es hängt dies von verschiedenen Bedingungen ab, die alle im
wesentlichen hinauskommen auf die größere Geschwindigkeit, Regel-
mäßigkeit und Sicherheit, womit die nötige Masse von Rohstoff stets
so zugeführt werden kann, daß nie Unterbrechung‘ entsteht. Je
weniger diese Bedingungen erfüllt sind, je geringer also Sicherheit,
Regelmäßigkeit und Geschwindigkeit der Zufuhr, desto größer muß

_der latente Teil des produktiven Kapitals, das heißt der noch seine
Verarbeitung erwartende Vorrat von Rohstoffen usw. in der Hand
des Produzenten sein. Diese Bedingungen stehen im umgekehrten
Verhältnis zur Entwicklungshöhe der kapitalistischen Produktion
und daher der Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit. Also
auch der Vorrat in dieser Form.

Indes ist das, was hier als Abnahme des Vorrats erscheint (zum
Beispiel bei Lalor), zum Teil nur Abnahme des Vorrats in der Form
des Warenkapitals oder des eigentlichen Warenvorrats, also bloß
Formwechsel desselben Vorrats. Ist zum Beispiel die Masse Kohlen,
die täglich im Lande selbst produziert wird, also Umfang und Energie
der Kohlenproduktion, groß, so braucht der Spinner kein großes
Kohlenlager, um die Kontinuität seiner Produktion zu sichern. Die
beständige sichere Erneuerung der Kohlenzufuhr macht dies über-
Aüssig. Zweitens: Die Geschwindigkeit, womit das Produkt eines
Prozesses als Produktionsmittel in einen andern Prozeß übergehen
        <pb n="159" />
        L06

Erster Abschnitt
kann, hängt ab von der Entwicklung der Transport- und Kommuni:-
kationsmittel. Die Wohlfeilheit des Transports spielt große Rolle
dabei. Der beständig erneuerte Transport zum Beispiel von Kohlen
von der Grube zur Spinnerei wäre teurer als die Versorgung mit einer
größeren Kohlenmasse für längere Zeit bei relativ wohlfeilerem
Transport. Diese beiden bisher betrachteten Umstände gehen aus
dem Produktionsprozeß selbst hervor. Drittens wirkt ein die Ent-
wicklung des Kreditsystems. Je weniger der Spinner für Erneuerung
seiner Vorräte an Baumwolle, Kohle ete. vom unmittelbaren Ver-
kauf seines Garns abhängt — und je entwickelter das Kreditsystem,
je geringer ist diese unmittelbare Abhängigkeit —, desto kleiner kann
die relative Größe dieser Vorräte sein, um eine von den Zufällen des
Garnverkaufs unabhängige kontinuierliche Garnproduktion auf ge-
gebener Stufenleiter zu sichern. Viertens aber bedürfen viele Roh-
stoffe, Halbfabrikate etc. längerer Zeitperioden zu ihrer Produktion,
und namentlich gilt dies von allen Rohstoffen, die die Agrikultur
liefert. Soll keine Unterbrechung des Produktionsprozesses statt-
finden, so muß also ein bestimmter Vorrat derselben vorhanden sein
für den ganzen Zeitabschnitt, worin Neuprodukt nicht die Stelle des
alten ersetzen kann. Nimmt dieser Vorrat ab in der Hand des indu-
striellen Kapitalisten, so beweist das nur, daß er in der Form des
Warenvorrats in der Hand des Kaufmanns zunimmt. Die Entwick-
lung der Transportmittel zum Beispiel gestattet die im Importhafen
liegende Baumwolle rasch. von Liverpool nach Manchester überzu-
führen, so daß der Fabrikant, je nach Bedarf, in relativ kleinen
Portionen seinen Baumwollvorrat erneuern kann. Aber dann liegt
dieselbe Baumwolle in um so größeren Massen als Warenvorrat in der
Hand von Kaufleuten zu Liverpool. Es ist also bloßer Formwechsel
des Vorrats, was Lalor und andere übersehen haben. Und, das gesell-
schaftliche Kapital betrachtet, befindet sich hier nach wie vor dieselbe
Produktmasse in der Form des Vorrats. Für ein einzelnes Land
nimmt der Umfang, worin zum Beispiel die für das Jahr nötige
Masse bereit sein muß, ab mit der Entwicklung der Transportmittel.
Gehen viele Dampf- und Segelschiffe zwischen Amerika und England,
30 vermehren sich die Gelegenheiten der Erneuerung des Baumwoll-
vorrats für England und nimmt also die Masse des Baumwollvorrats
ab, die durchschnittlich in England lagern muß. Ebenso wirkt die
Entwicklung des Weltmarkts und daher die Vervielfachung der
Bezugsquellen desselben Artikels. Der Artikel wird stückweise von
verschiedenen Ländern und in verschiedenen Zeitterminen zugeführt,
2. Eigentlicher Warenvorrat.

Man hat bereits gesehen: auf Grundlage der kapitalistischen Pro-
üuktion wird die Ware zur allgemeinen Form des Produkts, und je
mehr jene sich nach Umfang und Tiefe entwickelt, desto mehr. Es
existiert also — selbst bei gleichem Umfang der Produktion — ein
ungleich größerer Teil des Produkts als Ware im Vergleich, sei es zu
        <pb n="160" />
        Sechstes Kapitel

107

früheren Produktionsweisen, sei es zur kapitalistischen Produktions-
weise auf minder entwickeltem Grad. Alle Ware aber — also auch
alles Warenkapital, welches nur Ware ist, aber Ware als Daseinsform des
Kapitalwerts —, soweit sie aus ihrer Produktionssphäre nicht un-
mittelbar in die produktive oder individuelle Konsumtion eingeht,
also im Intervall auf dem Markt sich befindet, bildet ein Element des
Warenvorrats. An und für sich — bei gleichbleibendem Umfang der
Produktion — wächst daher der Warenvorrat (das heißt diese Ver-
selbständigung und Fixierung der Warenform des Produkts) mit der
kapitalistischen Produktion. Man hat bereits gesehen, daß dies nur
Formwechsel des Vorrats ist, das heißt, daß auf der einen Seite der
Vorrat in Warenform zunimmt, weil er auf der andern Seite in der
Form von direktem Produktions- oder Konsumtionsvorrat abnimmt.
Es ist nur eine veränderte gesellschaftliche Form des Vorrats. Wenn
zugleich nicht nur die relative Größe des Warenvorrats im Verhältnis
zum gesellschaftlichen Gesamtprodukt zunimmt, sondern auch seine
absolute Größe, so, weil mit der kapitalistischen Produktion die Masse
des Gesamtprodukts wächst.

Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion wird die
Stufenleiter der Produktion in stets geringerem Grad durch die
unmittelbare Nachfrage nach dem Produkt bestimmt und in stets
größerem durch den Umfang des Kapitals, worüber der individuelle
Kapitalist verfügt, durch den Verwertungstrieb seines Kapitals und
die Notwendigkeit der Kontinuität und der Ausdehnung seines
Produktionsprozesses. Damit wächst notwendig in jedem besonderen
Produktionszweig die Produktmasse, die sich als Ware auf dem
Markt befindet oder nach Absatz sucht. Es wächst die in der Form
des Warenkapitals kürzer oder länger fixierte Kapitalmasse. Es
wächst daher der Warenvorrat.

Endlich wird der größte Teil der Gesellschaft in Lohnarbeiter
verwandelt, Leute, die aus der Hand in den Mund leben, ihren Lohn
wöchentlich empfangen und täglich ausgeben, “die also ihre Lebens-
mittel als Vorrat vorfinden müssen. So sehr die einzelnen Elemente
dieses Vorrats fließen mögen, muß ein Teil derselben doch beständig
stocken, damit der Vorrat stets in Fluß bleiben kann.

Alle diese Momente gehen hervor aus der Form der Produktion
und der in ihr einbegriffenen Formverwandlung, die das Produkt im
Zirkulationsprozeß durchlaufen muß.

Welches immer die gesellschaftliche Form des Produktenvorrats,
seine Aufbewahrung erfordert Kosten: Baulichkeiten, Gefäße usw.,
welche die Behälter des Produkts bilden, ebenso Produktionsmittel und
Arbeit, mehr oder weniger je nach der Natur des Produkts, die ver-
ausgabt werden müssen zur Abwehr störender Einflüsse. Je mehr die
Vorräte gesellschaftlich konzentriert, desto relativ kleiner sind diese
Kosten. Diese Auslagen bilden stets einen Teil gesellschaftlicher
Arbeit, sei es in vergegenständlichter oder lebendiger Form — also
in der kapitalistischen Form Kapitalauslagen —, die nicht in die
        <pb n="161" />
        108

Produktbildung selbst eingehen, also Abzüge vom Produkt. Sie sind
notwendig, Unkosten des gesellschaftlichen Reichtums. Sie sind die
Erhaltungskosten des gesellschaftlichen Produkts, ob seine Existenz
als Element des Warenvorrats nun bloß der gesellschaftlichen Form
der Produktion, also der Warenform und ihrer notwendigen Form-
verwandlung entspringe, oder ob wir den Warenvorrat nur als eine
Spezialform des Produktenvorrats betrachten, der allen Gesell-
schaften gemeinsam, wenn auch nicht in der Form des Warenvorrats,
dieser dem Zirkulationsprozeß angehörigen Form des Produkten-
vorrats.

Es fragt sich nun, wie weit diese Kosten in den Wert der Waren
eingehen.

Wenn der Kapitalist sein in Produktionsmitteln und Arbeitskraft
vorgeschossenes Kapital in Produkt verwandelt hat, in eine fertige
zum Verkauf bestimmte Warenmasse, und diese bleibt unverkäuflich
lagern, so stockt nicht nur der Verwertungsprozeß seines Kapitals
während dieser Zeit, Die Ausgaben, welche die Erhaltung dieses Vor-
tats in Baulichkeiten, zusätzlicher Arbeit ete. erheischt, bilden
positiven Verlust. Der schließliche Käufer würde ihn auslachen,
wenn er sagte: Meine Ware war während sechs Monaten unverkaufbar
und ihre Erhaltung während dieser sechs Monate hat mir nicht nur
soundso viel Kapital brachgelegt, sondern außerdem x Unkosten
verursacht. Tant pis pour vous.[um so schlimmer für Euch], sagt der
Käufer. Da neben Euch steht ein anderer Verkäufer, dessen Ware
erst vorgestern fertig geworden ist. Eure Ware ist ein Ladenhüter
und wahrscheinlich mehr oder minder angenagt vom Zahn der Zeit.
Ihr müßt also wohlfeiler verkaufen als Euer Rival [Nebenbuhler]. —
Ob der Warenproduzent der wirkliche Produzent seiner Ware oder
ihr kapitalistischer Produzent, in der Tat also nur Repräsentant
ihrer wirklichen Produzenten, ändert nichts an den Lebensbedin-
gungen der Ware. Er hat seine Sache in Geld zu verwandeln. Die
Unkosten, die ihre Fixierung in ihrer Warenform ihm verursacht,
gehören zu seinen individuellen Abenteuern, die den Käufer der
Ware nichts angehen. Dieser zahlt ihm nicht die Zirkulationszeit
seiner Ware, Selbst wenn der Kapitalist seine Ware absichtlich vom
Markt zurückhält in Zeiten wirklicher oder vermuteter Wert-
revolution, so hängt es ab vom Eintreffen dieser Wertrevolution, von
der Richtigkeit oder Unrichtigkeit seiner Spekulation, ob er die
zusätzlichen Unkosten realisiert. Aber die Wertrevolution ist keine
Folge seiner Unkosten. Soweit also die Vorratbildung Zirkulations-
stockung, setzen die dadurch verursachten Kosten der Ware keinen
Wert zu. Anderseits kann kein Vorrat vorhanden sein ohne Auf-
enthalt in der Zirkulationssphäre, ohne Verharren, länger oder kürzer,
des Kapitals in seiner Warenform; also kein Vorrat ohne Zirkulations-

stockung, ganz wie kein Geld zirkulieren kann ohne Geldreserve-
bildung. Also ohne den Warenvorrat keine Warenzirkulation. Tritt
diese Notwendigkeit dem Kapitalisten nicht in W’— GG, so tritt sie

Erster Abschnitt
        <pb n="162" />
        Sechstes Kapitel

109

ihm in G — W entgegen; nicht für sein Warenkapital, aber für das
Warenkapital anderer Kapitalisten, die Produktionsmittel für ihn
und Lebensmittel für seine Arbeiter produzieren.

Ob die Vorratbildung freiwillig oder unfreiwillig, das heißt, ob der
Warenproduzent absichtlich einen Vorrat hält, oder ob seine Waren
Vorrat bilden infolge des Widerstandes, den die Umstände des
Zirkulationsprozesses selbst ihrem Verkauf entgegenstellen, scheint
an dem Wesen der Sache nichts ändern zu können. Doch ist zur
Lösung dieser Frage nützlich zu wissen, was die freiwillige von der
unfreiwilligen Vorratbildung unterscheidet. Die unfreiwillige Bildung
des Vorrats entspringt aus oder ist identisch mit einer Zirkulations-
stockung, die vom Wissen des Warenproduzenten unabhängig ist
und. seinem Willen in die Quere kommt, Was charakterisiert die
freiwillige Vorratbildung? Nach wie vor sucht der Verkäufer seine
Ware 80 rasch wie möglich loszuschlagen. Er bietet stets das Produkt
als Ware feil. Entzöge er es dem Verkauf, so bildete es nur mögliches
(Suvajsı), kein effektives (yvee#eig) Element des Warenvorrats.
Die Ware als solche ist ihm nach wie vor nur Träger ihres Tausch-
werts, und als solcher kann sie nur wirken durch und nach Abstreifung
ihrer Warenform und Annahme der Geldform.

Der Waren vorrat muß einen gewissen Umfang haben, um während
einer gegebenen Periode zu genügen für den Umfang der Nachfrage.
Es wird dabei gerechnet auf beständige Ausdehnung des Kreises der
Käufer. Um zum Beispiel während eines Tages auszureichen, muß
ein Teil der auf dem Markt befindlichen Waren beständig in der
Warenform ausharren, während der andere fließt, sich in Geld ver-
wandelt. Der Teil, der stockt, während der andere fließt, nimmt
zwar beständig ab, wie der Umfang des Vorrats selbst abnimmt, bis
er schließlich ganz verkauft ist. Die Warenstockung ist hier also
berechnet als notwendige Bedingung des Verkaufs der Ware. Der
Umfang muß ferner größer sein als der mittlere Verkauf oder der
Umfang der mittleren Nachfrage. Die Ueberschüsse über dieselben
könnten sonst nicht befriedigt werden. Anderseits muß der Vorrat
beständig erneuert werden, weil er sich beständig auflöst. Diese
Erneuerung kann in letzter Instanz nur aus der Produktion her-
kommen, aus einer Zufuhr von Ware, Ob diese vom Ausland kommt
oder nicht, ändert nichts an der Sache. Die Erneuerung hängt ab
von den Perioden, die die Waren zu ihrer Reproduktion brauchen.
Während dieser Zeit muß der Warenvorrat ausreichen. Daß er nicht
in der Hand des ursprünglichen Produzenten bleibt, sondern durch

verschiedene Reservoirs läuft, vom großen Kaufmann bis zum Detail-
verkäufer, ändert nur die Erscheinung, nicht die Sache selbst. Ge-
zellschaftlich betrachtet, befindet sich nach wie vor ein Teil des
Kapitals in der Form des Warenvorrats, solange die Ware nicht in
die produktive oder individuelle Konsumtion eingegangen ist. Der
Produzent selbst sucht einen seiner durchschnittlichen Nachfrage
entsprechenden Lagerbestand zu haben, um nicht unmittelbar von
        <pb n="163" />
        110

Erster Abschnitt
der Produktion abzuhängen, und um sich einen beständigen Kreis
von Kunden zu sichern. Den Produktionsperioden entsprechend
bilden sich Kauftermine und bildet die Ware während längerer oder
kürzerer Zeit Vorrat, bis sie durch neue Exemplare derselben Art
ersetzt werden kann. Nur durch diese Vorratbildung ist die Bestän-
digkeit und Kontinuität des Zirkulationsprozesses, und daher des
Reproduktionsprozesses, die den Zirkulationsprozeß einschließt,
gesichert.

Man muß sich erinnern: W’— G’ kann für den Produzenten von
W vollzogen sein, obgleich W sich noch auf dem Markt befindet.
Wollte der Produzent selbst seine eigene Ware auf Lager halten, bis sie
an den definitiven [endgültigen] Konsumenten verkauft ist, so müßte
er ein doppeltes Kapital in Bewegung setzen, eins als Produzent der
Ware, das andere als Kaufmann. Für die Ware selbst — betrachtet,
sei es als einzelne Ware oder als Bestandteil des gesellschaftlichen
Kapitals — ändert es nichts an der Sache, ob die Kosten der Vorrat-
bildung auf ihren Produzenten fallen oder auf eine Reihe Kaufleute
7zon A bis Z.

Soweit der Warenvorrat nichts ist als die Warenform des Vorrats,
der auf gegebener Stufenleiter der gesellschaftlichen Produktion
entweder als produktiver Vorrat (latenter Produktionsfonds) oder
als Konsumtionsfonds (Reserve von Konsumtionsmitteln) existieren
würde, wenn er nicht als Warenvorrat existierte, sind auch die
Kosten, die die Erhaltung des Vorrats erheischt, also die Kosten
der Vorratbildung — das heißt die hierauf verwandte vergegen-
ständlichte oder lebendige Arbeit — bloß transponierte [übertragene]
Kosten der Erhaltung, sei es des gesellschaftlichen Produktions-
fonds, sei es des gesellschaftlichen Konsumtionsfonds. Die Er-
höhung des Wertes der Ware, die sie verursachen, verteilt diese
Kosten nur pro ratalts [in entsprechendem Ausmaß] auf die ver-
schiedenen Waren, da dieselben für verschiedene Warensorten
verschieden sind. Nach wie vor bleiben Kosten der Vorratbildung
Abzüge von dem gesellschaftlichen Reichtum, obgleich sie eine
HExistenzbedingung desselben sind.

Nur soweit der Warenvorrat Bedingung der Warenzirkulation
und selbst eine in der Warenzirkulation notwendig entstandene Form
ist, soweit diese scheinbare Stagnation [Stockung] also Form des
Flusses selbst, ganz wie Bildung von Geldreserve Bedingung der
Geldzirkulation ist — nur soweit ist sie normal. Sobald dagegen die
in ihren Zirkulationsreservoirs verweilenden Waren der nacheilenden
Welle der Produktion nicht Platz machen, die Reservoirs also über-
füllt werden, dehnt sich der Warenvorrat aus infolge der Zirkulations-
stockung, ganz wie die Schätze wachsen, wenn die Geldzirkulation

stockt. Es ist dabei gleichgültig, ob diese Stockung in den Speichern
des industriellen Kapitalisten oder in den Lagerhäusern des Kauf-
‘6a In der 1. Auflage stand statt „pro rata“ „gleichmäßig“. K.
        <pb n="164" />
        Sechstes Kapitel

111

manns stattfindet, Der Warenvorrat ist dann nicht Bedingung des
anunterbrochenen Verkaufs, sondern Folge der Unverkäuflichkeit
der Waren. Die Kosten bleiben dieselben, aber, da sie jetzt rein aus
der Form entspringen, nämlich aus der Notwendigkeit, die Waren in
Geld zu verwandeln, und der Schwierigkeit dieser Metamorphose,
so gehen sie nicht ein in den Wert der Ware, sondern bilden Abzüge,
Wertverlust in der Realisierung des Wertes. Da die normale und die
anormale Form des Vorrats sich der Form nach nicht unterscheiden
und beides Zirkulationsstockungen sind, so können die Phänomene
verwechselt werden und um so mehr den Produktionsagenten selbst
täuschen, als für den Produzenten der Zirkulationsprozeß seines
Kapitals fließen kann, obgleich der Zirkulationsprozeß seiner Waren,
die in die Hände der Kaufleute übergegangen sind, stockt. Schwillt
der Umfang der Produktion und Konsumtion, so, bei sonst gleich-
bleibenden Umständen, der Umfang des Warenvorrats. Er wird
ebenso rasch erneuert und absorbiert [aufgesaugt], aber sein Umfang
ist größer. Der durch die Zirkulationsstockung schwellende Umfang
des Warenvorrats kann also für ein Symptom [Anzeichen] der Erwei-
terung des Reproduktionsprozesses versehen werden, namentlich,
zobald. mit der Entwicklung des Kreditsystems die wirkliche Be-
wegung mystifiziert [in täuschendes Dunkel gehüllt] werden kann.

Die Kosten der Vorratbildung bestehen: 1. aus quantitativer Ab-
nahme der Produktmasse (zum Beispiel bei Mehlvorrat); 2. Verderb
der Qualität; 3. aus der vergegenständlichten und lebendigen Arbeit,
welche die Erhaltung des Vorrats erheischt.
IN, Transportkosten.

Esistnicht nötig, hier auf alle Details der Zirkulationskosten einzu-
gehen, wie zum Beispiel Verpackung, Sortierung etc. Das allgemeine Ge-
setz ist, daß alle Zirkulationskosten, die nür aus der Form-
verwandlungderWareentspringen, dieserletzteren keinen
Wert hinzusetzen. Essind bloß Kosten zur Realisierung des Wertes
oder zu seiner Uebersetzung aus einer Form in dieandere. Das in diesen
Kosten ausgelegte Kapital (eingeschlossen die von ihm kommandierte
seiner Botmäßigkeit unterworfene] Arbeit) gehört zu den faux frais
der kapitalistischen Produktion. Der Ersatz derselben muß aus dem
Mehrprodukt geschehen und bildet, die ganze Kapitalistenklasse
betrachtet, einen Abzug vom Mehrwert oder Mehrprodukt, ganz wie
für einen Arbeiter die Zeit, die er zum Einkauf seiner Lebensmittel
braucht, verlorene Zeit ist. Die Transportkosten spielen aber eine zu
wichtige Rolle, um sie hier nicht noch kurz zu betrachten.

{innerhalb des Kreislaufs des Kapitals und der Warenmetamor-
phose, welche einen Abschnitt desselben bildet, vollzieht sich der Stoff-
wechsel der gesellschaftlichen Arbeit. Dieser Stoffwechsel mag den
Raumwechsel der Produkte bedingen, ihre wirkliche Bewegung von
einem Ort zum andern. Zirkulation von Waren kann aber stattfinden
ohne ihre physische Bewegung und Produktentransport ohne Waren-

Das Kapital. I.
        <pb n="165" />
        112

Erster Abschnitt
zirkulation und selbst ohne unmittelbaren Produktenaustausch. Ein
Haus, welches A an B verkauft, zirkuliert als Ware, aber es geht nicht
spazieren, Bewegliche Warenwerte, wie Baumwolle oder Roheisen,
hocken auf demselben Warenlager, zur selben Zeit, wo sie Dutzende
von Zirkulationsprozessen durchlaufen, gekauft und wieder verkauft
werden von den Spekulanten. !’ Was sich hier wirklich bewegt, ist der
Kigentumstitel an der Sache, nicht die Sache selbst. Anderseits
spielte zum Beispiel im Reich der Inkas die Transportindustrie eine
große Rolle, obgleich das gesellschaftliche Produkt weder als Ware
zirkulierte noch auch vermittels des Tauschhandels verteilt ward.

Wenn die Transportindustrie daher auf Grundlage der kapita-
listischen Produktion als Ursache von Zirkulationskosten erscheint,
so ändert diese besondere Erscheinungsform nichts an der Sache.

Produktmassen vermehren sich nicht durch ihren Transport.
Auch die durch ihn etwa bewirkte Veränderung ihrer natürlichen
Eigenschaften ist mit gewissen Ausnahmen kein beabsichtigter Nutz-
sffekt, sondern ein unvermeidliches Uebel. Aber der Gebrauchswert
von Dingen verwirklicht sich nur in ihrer Konsumtion, und ihre Kon-
sumtion mag ihre Ortsveränderung nötig machen, also den zusätz-
lichen Produktionsprozeß der Transportindustrie. Das in dieser
angelegte produktive Kapital setzt.also den transportierten Produk-
ten Wert zu, teils durch Wertübertragung von den Transportmitteln,
teils durch Wertzusatz vermittels der Transportarbeit. Dieser letztere
Wertzusatz zerfällt, wie bei aller kapitalistischen Produktion, in
Ersatz von Arbeitslohn und in Mehrwert.

[nnerhalb jedes Produktionsprozesses spielt die Ortsveränderung
des Arbeitsgegenstands und die dazu nötigen Arbeitsmittel und
Arbeitskräfte — Baumwolle zum Beispiel, die aus dem Kardierraum
in den Spinnraum rückt, Kohle, die aus dem Schacht auf die Ober-
Aäche gehoben wird — große Rolle. Der Uebergang des fertigen
Produkts als fertige Ware aus einer selbständigen Produktionsstätte
in die andere räumlich davon entfernte zeigt dasselbe Phänomen
nur auf größerer Stufenleiter. Auf den Transport der Produkte aus
einer Produktionsstätte in eine andere folgt noch der der fertigen
Produkte aus der Produktionssphäre in die Konsumtionssphäre.
Das Produkt ist erst fertig für die Konsumtion, sobald es diese Be-
wegung vollendet hat.

Es ist, wie früher gezeigt, allgemeines Gesetz der Warenproduk-
tion: Die Produktivität der Arbeit und ihre Wertschöpfung stehen
im umgekehrten Verhältnis. Wie von jeder andern, gilt dies von der
Transportindustrie. Je kleiner die Arbeitsmenge, tote und lebendige,
welche der Transport der Ware für gegebene Entfernung erheischt,
desto größer die Produktivkraft der Arbeit, und umgekehrt. 18

17 Storch nennt letzteres Cireulation factice [vorgetäuschte Zirkulation].

18 Ricardo zitiert Say, der es als eine Segnung des Handels betrachtet, daß
er durch die Transportkosten die Produkte verteuert oder ihren Wert erhöht.
„Der Handel“, sagt Say, „befähigt uns, eine Ware an ihrem Ursprungsort zu
        <pb n="166" />
        Sechstes Kapitel

113
Die absolute Wertgröße, welche der Transport den Waren zusetzt,
steht unter sonst gleichbleibenden Umständen im umgekehrten
Verhältnis zur Produktivkraft der Transportindustrie und im direk-
ten Verhältnis zu den zu durchlaufenden Entfernungen.

Der relative Wertteil, den die Transportkosten, unter sonst
gleichbleibenden Umständen, dem Preis der Ware zusetzen, steht
in direktem Verhältnis zu ihrer Raumgröße und ihrem Gewicht. Die
modifizierenden [abändernden] Umstände sind jedoch zahlreich. Der
Transport erheischt zum Beispiel größere oder geringere Vorsichts-
maßregeln, daher größere oder geringere Ausgabe von Arbeit und
Arbeitsmitteln, je nach der relativen Zerbrechlichkeit, Vergänglich-
keit, Explodierbarkeit des Artikels. Hier entwickeln die Eisenbahn-
magnaten [Eisenbahngewaltigen] größeres Genie in phantastischer
Speziesbildung [Artenbildung]als Botaniker oder Zoologen. Die Klassi-
fikation [Einteilung] der Güter auf englischen Eisenbahnen zum Bei-
spiel füllt Bände und beruht dem allgemeinen Prinzip nach auf der
Tendenz, die buntverschiedenen natürlichen Eigenschaften der Güter
in ebenso zahlreiche Transportgebresten und obligate [ständige] Prel-
lereivorwände umzuwandeln. „Glas, welches früher 11 Pfd. Sterl.
per erate (eine Packkiste von bestimmtem Rauminhalt) wert war,
ist jetzt infolge industrieller Fortschritte und der Abschaffung der
Glassteuer nur 2 Pfd. Sterl. wert, aber die Transportkosten stehen
30 hoch wie früher und höher bei Kanaltransport. Früher wurden Glas
und Glaswaren für Bleiarbeiten innerhalb 50 [englischen] Meilen
von Birmingham zu 10 Shilling per Tonne verführt. Jetzt ist der Trans-
portpreis auf das Dreifache erhöht unter dem Vorwand des Risikos
von wegen Zerbrechlichkeit des Artikels. Wer aber nicht zahlt, was
wirklich bricht, ist die Eisenbahndirektion.‘“ 19 Daß ferner der relative
erlangen. und sie nach einem andern Konsumtionsort zu transportieren; er
befähigt uns daher, den Wert der Ware zu vermehren um die ganze Differenz
zwischen ihrem Preise am ersten Ort und dem am zweiten.“ Ricardo bemerkt
hierzu: „Richtig, aber wie wird ihr (der Ware) der zusätzliche Wert zugefügt?
Indem man erstens den Produktionskosten die Auslagen für den Transport
and zweitens den Profit auf die Kapitalvorschüsse hinzufügt, die der Kauf-
mann geleistet hat. Die Ware ist nur aus denselben Gründen mehr wert,
aus denen jede andere Ware mehr Wert erhalten kann, weil nämlich mehr
Arbeit auf ihre Produktion und Beförderung verwendet wird, bevor Sie
vom Verbraucher gekauft wird. Das darf nicht als einer der Vorteile des
Handels bezeichnet werden.“ („True, but how is the additional value given to
it? By adding to the cost of production, first, the expenses of conveyance,
secondly, the profit on the advances of capital made by the merchant. The
commodity is only more valuable, for the same reason that every other com-
modity may become more valuable, because more labour is expended on its
production and conveyance, before it is purchased by the consumer. This
must not be mentioned as one of the advantages of commerce.“ —. Ricardo:
„Prineiples of Political Economy, chap. XIX, 3rd ed. London 1821“.
p. 309, 310.)
2 Royal Commission on Railways, p. 31, No. 630.
        <pb n="167" />
        114

Wertteil, den die Transportkosten einem Artikel zusetzen, im um-
gekehrten Verhältnis zu seinem Wert steht, wird für die Eisenbahn-
magnaten zum besonderen Grund, einen Artikel im direkten Ver-
hältnis zu seinem Wert zu besteuern. Die Klagen der Industriellen
und Kaufleute über diesen Punkt kehren auf jeder Seite der Zeugen-
aussagen des angeführten Berichts wieder.

Die kapitalistische Produktionsweise vermindert die Transport-
kosten für die einzelne Ware durch die Entwicklung der Transport-
und Kommunikationsmittel wie durch die Konzentration — die
Größe der Stufenleiter — des Transports. Sie vermehrt den Teil der
gesellschaftlichen Arbeit, lebendiger und vergegenständlichter, der im
Warentransport verausgabt wird, zuerst durch Verwandlung der
großen Mehrzahl aller Produkte in Waren und sodann durch die Er-
setzung lokaler durch entfernte Märkte.

Das Zirkulieren, das heißt tatsächliche Umlaufen der Waren im
Raum löst sich auf in den Transport der Ware. Die Transport-
industrie bildet einerseits einen selbständigen Produktionszweig und
daher eine besondere Anlagesphäre des produktiven Kapitals, Ander-
seits unterscheidet sie sich dadurch, daß sie als Fortdauer eines Pro-
luktionsprozesses innerhalb des Zirkulationsprozesses und für den
Zirkulationsprozeß erscheint.

Erster Abschnitt
        <pb n="168" />
        Zweiter Abschnitt.
Der Umschlag des Kapitals.

Siebentes Kapitel.
Umschlagszeit und Umschlagszahl.
Man hat gesehen: Die gesamte Zirkulationszeit eines gegebenen
Kapitals ist gleich der Summe seiner Umlaufszeit und seiner Pro-
duktionszeit. Es ist der Zeitabschnitt von dem Augenblick des Vor-
schusses des Kapitalwerts in einer bestimmten Form bis zur Rück-
kehr des prozessierenden Kapitalwerts in derselben Form.

Der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion ist stets
Verwertung des vorgeschossenen Wertes, ob dieser Wert nun in seiner
selbständigen Form, das heißt in der Geldform, vorgeschossen sei oder
in Ware, so daß seine Wertform im Preis der vorgeschossenen Waren
nur ideelle Selbständigkeit besitzt. In beiden Fällen durchläuft dieser
Kapitalwert während seines Kreislaufs verschiedene Existenzformen.
Seine Identität mit sich selbst wird konstatiert in den Büchern des
Kapitalisten oder in der Form des Rechengeldes.

Ob wir die Form G...G’ nehmen oder die Form P...P, beide
Formen schließen ein: 1. daß der vorgeschossene Wert als Kapital-
wert fungiert und sich verwertet hat; 2. daß er zu der Form, worin
er seinen Prozeß begann, nach Beschreibung desselben zurückgekehrt
ist. Die Verwertung des vorgeschossenen Wertes G und zugleich die
Rückkehr des Kapitals zu dieser Form (der Geläform) ist hand-
greiflich sichtbar in G...G’. Aber dasselbe findet in der zweiten
Form statt. Denn der Ausgangspunkt von P ist das Vorhandensein
der Produktionselemente, Waren von gegebenem Wert. Die Form
schließt die Verwertung dieses Werts ein (W’ und G’) und die Rück-
kehr zu der ursprünglichen Form, denn im zweiten P besitzt der vor-
geschossene Wert wieder die Form der Produktionselemente, worin
er ursprünglich vorgeschossen war.

Man hat früher gesehen: „Hat die Produktion kapitalistische
Form, so die Reproduktion. Wie in der kapitalistischen Produktions-
weise der Arbeitsprozeß nur als ein Mittel für den Verwertungsprozeß
erscheint, so die Reproduktion nur als ein Mittel, den vorgeschossenen
Wert als Kapital zu reproduzieren, das heißt als sich verwertenden
Wert.“ (Buch I, Kapitel XXI, 2. Auflage, S. 588, V. 8. 502.)

Die drei Formen: I.G...G’, II. P. ..P und III. W’...W”, unter-
scheiden sich dadurch: In Form II (P. . .P) ist die Wiedererneuerung
        <pb n="169" />
        116

Zweiter Abschnitt
des Prozesses, der KReproduktionsprozeß, als wirklich, in Form I aber
nur der Möglichkeit nach ausgedrückt. Aber beide unterscheiden
sich dadurch von Form NIT, daß der vorgeschossene Kapitalwert —
sei es als Geld, sei es in der Gestalt der stofflichen Produktions-
elemente — den Ausgangspunkt bildet und daher auch den Punkt
der Rückkehr. In G...G” ist die Rückkehr G’ = &amp; + g. Wird der
Prozeß auf derselben Stufenleiter erneuert, so bildet G wieder den
Ausgangspunkt und g geht nicht in ihn ein, sondern zeigt uns nur,
1aß G sich als Kapital verwertet und daher einen Mehrwert g erzeugt,
aber von sich abgestoßen hat. In der Form P...P bildet der in
ler Form der Produktionselemente P vorgeschossene Kapitalwert
ebenfalls den Ausgangspunkt. Die Form schließt seine Verwertung
ein. Findet einfache Reproduktion Statt, so fängt derselbe Kapital-
wert in derselben Form P seinen Prozeß von neuem an. Findet
Akkumulation statt, so eröffnet P” (der Wertgröße nach gleich G” =W")
jetzt als vergrößerter Kapitalwert den Prozeß. Aber er beginnt wieder
mit dem vorgeschossenen Kapitalwert in der anfänglichen Form,
wenn auch mit größerem Kapitalwert als vorher. Dagegen in Form III
beginnt der Kapitalwert nicht als vorgeschossener den Prozeß, son-
dern als bereits verwerteter, als der gesamte in der Form von Waren
befindliche Reichtum, wovon der vorgeschossene Kapitalwert nur ein
Teil. Die letztere Form ist wichtig für den dritten Abschnitt, wo die
Bewegung der Einzelkapitale im Zusammenhang mit der Bewegung
des gesellschaftlichen Gesamtkapitals aufgefaßt wird. Sie ist da-
gegen nicht zu benutzen für den Umschlag des Kapitals, der stets
beginnt mit dem Vorschuß von Kapitalwert, sei es in Form von Geld
oder Ware, und stets die Rückkehr des kreisenden Kapitalwerts be-
dingt in der Form, worin er vorgeschossen war. Von den Kreis-
läufen I und II ist der erstere festzuhalten, soweit hauptsächlich der
Einfluß des Umaschlags auf Mehrwertbildung ins Auge gefaßt wird;
der zweite, soweit sein Einfluß auf Produktbildung. a
So wenig die Oekonomen die verschiedenen Formen der Kreis-
läufe geschieden, so wenig haben sie dieselben mit Bezug auf den
Umschlag des Kapitals getrennt betrachtet. Gewöhnlich wird die
Form G...G’ genommen, weil sie den einzelnen Kapitalisten be-
herrscht und ihm bei seiner Rechnung dient, selbst wenn das Geld
nur in der Gestalt des Rechengeldes Ausgangspunkt bildet. Andere
gehen von der Auslage in Form der Produktionselemente aus, bis
Rückfluß erfolgt, wobei von der Form des Rückflusses, ob in Ware
oder Geld, gar nicht die Rede. Zum Beispiel: „Der ökonomische
Zyklus,. .. das heißt der ganze Verlauf der Produktion, von der Zeit,
Wo die Auslage gemacht wird, bis der Rückfluß erfolgt ist. In der
Landwirtschaft ist die Aussaat sein Anfang und die Ernte sein Ende.“
(Economie Cyecle,... the whole course of production, from the time
chat outlays are made till returns are received. In agriculture seed-
jime is its commencement, and harvesting its ending. — 8. P. New-
man: „Elements of Political Economy, Andover and New York 1835“,
        <pb n="170" />
        Siebentes Kapitel

117
p. 81 [Note].) Andere beginnen mit W’ (IIL. Form): „Die Welt
des Produktionsverkehrs kann angesehen werden als umlaufend in
ainem Kreise, den wir einen ökonomischen Zyklus nennen wollen
und worin sie je einen Umlauf vollbracht hat, sobald das Geschäft,
nach Vollzug seiner sukzessiven Transaktionen, wieder ankommt
bei dem Punkt, wovon es ausgegangen. Der Anfang kann datiert
werden von dem Punkt, wo der Kapitalist die Eingänge erhalten
hat, vermittels deren ihm sein Kapital zurückfließt; von welchem
Punkt an er von neuem dazu schreitet, seine Arbeiter anzuwerben
und ihnen ihren Unterhalt oder vielmehr die Macht, ihn anzu-
schaffen, in Arbeitslohn auszuteilen; von ihnen die Artikel fertig-
gestellt zu erhalten, in denen er macht [handelt]; diese Artikel auf
den Markt zu bringen und dort den Kreislauf dieser einen Reihe von
Bewegungen zum Abschluß zu bringen, indem er verkauft und im
Erlös der Ware eine Wiedererstattung seiner ganzen Kapitalauslage
empfängt.‘ (Th. Chalmers: „On Political Economy, 2"ded., Glasgow 19»
1832“, p. 85.)

Sobald der gesamte Kapitalwert, den ein individueller Kapita-
list in einem beliebigen Produktionszweig anlegt, den Kreislauf seiner
Bewegung beschrieben hat, befindet er sich wieder in seiner Anfangs-
form und kann nun denselben Prozeß wiederholen. Er muß ihn
wiederholen, soll der Wert sich als Kapitalwert verewigen und ver-
werten. Der einzelne Kreislauf bildet im Leben des Kapitals nur
einen Abschnitt, der sich beständig wiederholt, also eine Periode.
Am Abschluß der Periode G...G’ befindet sich das Kapital wieder
in der Form des Geldkapitals, das die Reihe der Formverwandlungen,
worin sein Reproduktions-, respektive Verwertungsprozeß einbegrif-
fen ist, von neuem durchläuft. Beim Abschluß der Periode P...P
befindet das Kapital sich wieder in der Form der Produktionselemente,
welche die Voraussetzung seines erneuerten Kreislaufs bilden. DerKreis-
lauf des Kapitals, nicht als vereinzelter Vorgang, sondern als periodi-
scher Prozeß bestimmt, heißt sein Umschlag. Die Dauer dieses Um-
schlags ist gegeben durch die Summe seiner Produktionszeit und
seiner Umlaufszeit. Diese Zeitsumme bildet die Umschlagszeit des
Kapitals. Sie mißt daher den Zwischenraum zwischen einer Kreis-
laufperiode des gesamten Kapitalwerte und der nächstfolgenden, die
Periodizität im Lebensprozeß des Kapitals, oder, wenn man will, die
Zeit der Erneuerung, Wiederholung des Verwertungs-, respektive Pro-
duktionsprozesses desselben Kapitalwerts.

Abgesehen von den individuellen Abenteuern, die für ein einzel-
nes Kapital die Umschlagszeit beschleunigen oder abkürzen mögen,
ist die Umschlagszeit der Kapitale verschieden je nach ihren ver-
schiedenen Anlagesphären.

Wie der Arbeitstag die natürliche Maßeinheit für die Funktion
der Arbeitskraft, bildet das Jahr die natürliche Maßeinheit für die

19a In der Engelsschen Ausgabe steht „London“. K.
        <pb n="171" />
        118

Umschläge des prozessierenden Kapitals. Die Naturbasis dieser Maß-
einheit liegt darin, daß die wichtigsten Erdfrüchte der gemäßigten
Zone, welche das Mutterland der kapitalistischen Produktion ist,
jährliche Produkte sind.

Nennen wir das Jahr als Maßeinheit der Umschlagszeit U, die
Umschlagszeit eines bestimmten Kapitals u, die Anzahl seiner Um-
schläge n, so ist n = ©, Beträgt also zum Beispiel die Umschlags-
zeit u 3 Monate, so n = 2 — 4; das Kapital vollzieht 4 Umschläge
im Jahr oder schlägt viermal um. Ist u = 18 Monate, son = 1 = 2
oder das Kapital legt in einem Jahr nur ?/g seiner Umschlagszeit zu-
rück. Beträgt seine Umschlagszeit mehrere J. ahre, so wird sie also
hach Vielfachen eines Jahres berechnet.

Für den Kapitalisten ist die Umschlagszeit seines Kapitals die
Zeit, während deren er sein Kapital vorschießen muß, um es zu ver-
werten und in der ursprünglichen Gestalt zurückzuerhalten.

Bevor wir den Einfluß des Umschlags auf den Produktions- und
Verwertungsprozeß näher untersuchen, sind zwei neue Formen zu
betrachten, die dem Kapital aus dem Zirkulationsprozeß anschießen
and auf die Form seines Umschlags einwirken.

Zweiter Abschnitt

Achtes Kapitel.
Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital.
I. Die Formunterschiede.

Man sah Buch I, Kapitel VI: Ein Teil des konstanten Kapitals
behält die bestimmte Gebrauchsform, worin es in den Produktionspro-
zeß eingeht, gegenüber den Produkten, zu deren Bildung es beiträgt.
Es verrichtet also während einer kürzeren oder längeren Periode in
stets wiederholten Arbeitsprozessen stets wieder dieselben Funktionen.
So zum Beispiel Arbeitsgebäude, Maschinen etc., kurz alles, was wir
unter der Bezeichnung Arbeitsmittel zusammenfassen. Dieser Teil
des konstanten Kapitals gibt Wert an das Produkt ab im Verhältnis;
worin er mit seinem eigenen Gebrauchswert seinen eigenen Tausch-
wert verliert. Diese Wertabgabe oder dies Uebergehen des Wertes
eines solchen Produktionsmittels auf das Produkt, zu dessen Bildung

es mitwirkt, wird bestimmt durch eine Durchschnittsrechnung; es
wird gemessen durch die Durchschnittsdauer seiner Funktion von
dem Augenblick, worin das Produktionsmittel in den Produktions-
prozeß eingeht, bis zu dem Augenblick, wo es ganz abgenutzt, ver-
storben ist und durch ein neues Exemplar derselben Art ersetzt. oder
teproduziert werden muß.

Das Eigentümliche dieses Teils des konstanten Kapitals — der
eigentlichen Arbeitsmittel — ist also dies:

Ein Teil des Kapitals ist in der Form von konstantem Kapital,
das heißt von Produktionsmitteln Vvorgeschossen worden, die nun als
Faktoren des Arbeitsprozesses fungieren, solange die selbständige
        <pb n="172" />
        Achtes Kapitel

119

Gebrauchsgestalt ausdauert, mit der sie in denselben eintreten, Das
fertige Produkt, also auch die Produktbildner, soweit sie in Produkt
verwandelt worden, wird aus dem Produktionsprozeß abgestoßen,
am als Ware aus der Produktionssphäre in die Zirkulationssphäre
jiberzugehen. Die Arbeitsmittel dagegen verlassen nie die Produk-
tionssphäre, nachdem sie einmal in dieselbe eingetreten sind. Ihre
Funktion bannt sie darin fest. Ein Teil des vorgeschossenen Kapital-
werts ist in diese durch die Funktion der Arbeitsmittel im Prozeß
bestimmte Form fixiert. Mit der Funktion und daher der Abnutzung
des Arbeitsmittels geht ein Teil seines Wertes auf das Produkt über,
ein anderer bleibt fixiert im Arbeitsmittel und daher im Produktions-
prozeß. Der so fixierte Wert nimmt beständig ab, bis das Arbeits-
mittel ausgedient und daher auch sein Wert sich in einer längeren
oder kürzeren Periode über eine Masse von Produkten verteilt hat,
die aus einer Reihe beständig wiederholter Arbeitsprozesse hervor-
gehen. Solange es aber noch als Arbeitsmittel wirksam ist, also nicht
durch ein neues Exemplar derselben Art ersetzt werden muß, bleibt
stets konstanter Kapitalwert in ihm fixiert, während ein anderer Teil
des ursprünglich in ihm fixierten Wertes auf das Produkt übergeht
und daher als Bestandteil des Warenvorrats zirkuliert. Je länger
das Arbeitsmittel ausdauert, je langsamer es verschleißt, desto länger
bleibt der konstante Kapitalwert in dieser Gebrauchsform fixiert.
Welches aber immer der Grad seiner Dauerhaftigkeit, die Proportion,
worin es Wert abgibt, steht immer im umgekehrten Verhältnis zu
seiner gesamten Funktionszeit. Wenn von zwei Maschinen von glei-
chem Wert die eine in fünf Jahren verschleißt, die andere in zehn, so gibt
die erste in gleichem Zeitraum doppelt so viel Wert ab wie die zweite.
Dieser im Arbeitsmittel fixierte Teil des Kapitalwerts zirkuliert
so gut wie jeder andere. Wir haben überhaupt gesehen, daß der
ganze Kapitalwert in beständiger Zirkulation begriffen und in diesem
Sinn daher alles Kapital zirkulierendes Kapital ist. Aber die Zir-
kulation des hier betrachteten Kapitalteils ist eigentümlich. Erstens
zirkuliert er nicht in seiner Gebrauchsform, sondern nur sein Wert
zirkuliert, und zwar allmählich, bruchweise, im Maß, wie er von ihm
auf das Produkt übergeht, das als Ware zirkuliert. Während seiner
ganzen Funktionsdauer bleibt ein Teil seines Wertes stets in ihm fixiert,
selbständig gegenüber den Waren, die es produzieren hilft. Durch
diese Eigentümlichkeit erhält dieser Teil des konstanten Kapitals die
Form: Fixes Kapital. Alle andern stofflichen Bestandteile des
im Produktionsprozeß vorgeschossenen Kapitals dagegen bilden im
Gegensatz dazu: Zirkulierendes oder flüssiges Kapital.
Ein Teil der Produktionsmittel — solche Hilfsstoffe nämlich, die
von den Arbeitsmitteln selbst während ihrer Funktion konsumiert
werden, wie Kohle von der Dampfmaschine, oder die nur den Vor-
gang unterstützen, wie Leuchtgas ete. — gehen nicht stofflich in
das Produkt ein. Nur ihr Wert bildet einen Teil des Produktwerts.
In seiner eigenen Zirkulation zirkuliert das Produkt ihren Wert. Dies
        <pb n="173" />
        L20

Zweiter Abschnitt
haben sie gemein mit dem fixen Kapital. Aber in jedem Arbeits-
prozeß, worin sie eingehen, werden sie ganz konsumiert und müssen
also für jeden neuen Arbeitsprozeß ganz ersetzt werden durch neue
Exemplare derselben Art. Sie bewahren nicht ihre selbständige Ge-
brauchsgestalt während ihrer Funktion. Es bleibt also auch während
ihrer Funktion kein Teil des Kapitalwerts in ihrer alten Gebrauchs-
gestalt, ihrer Naturalform fixiert. Der Umstand, daß dieser Teil der
Hilfsstoffe nicht stofflich in das Produkt, sondern nur seinem Wert
nach als Wertteil in den Produktenwert eingeht, und das damit Zu-
sammenhängende, daß die Funktion dieser Stoffe innerhalb der Pro-
Juktionssphäre festgebannt ist, hat Oekonomen wie Ramsay (bei
gleichzeitiger Verwechslung von fixem und konstantem Kapital) ver-
leitet, die Kategorie des fixen Kapitals auf sie anzuwenden.

Der Teil der Produktionsmittel, der stofflich in das Produkt
eingeht, also Rohstoff ete., erhält dadurch zum Teil Formen, worin
er später als Genußmittel in die individuelle Konsumtion eingehen
kann. Die eigentlichen Arbeitsmittel, die stofflichen Träger des fixen
Kapitals, werden nur produktiv verzehrt und können nicht in die
individuelle Konsumtion eingehen, weil sie nicht in das Produkt oder
den Gebrauchswert eingehen, den sie bilden helfen, vielmehr ihm
gegenüber ihre selbständige Gestalt bis zu ihrem völligen Verschleiß
bewahren. Eine Ausnahme bilden Transportmittel. Der Nutzeffekt,
den sie während ihrer produktiven Funktion, also während ihres
Aufenthalts in der Produktionssphäre hervorbringen, die Ortsver-
änderung, geht gleichzeitig in die individuelle Konsumtion, zum Bei-
spiel des Reisenden, ein. Er zahlt den Gebrauch dann auch, wie
er den Gebrauch anderer Konsumtionsmittel zahlt. Man hat gesehen,
daß zum Beispiel in der chemischen Fabrikation Rohmaterial und
Hilfsstoffe ineinander verschwimmen. [Vgl. Buch I, Kapitel V,
2, Auflage, S. 168, V. 8. 137.] So auch Arbeitsmittel und Hilfs-
stoff und Rohmaterial. So gehen im Ackerbau zum Beispiel die in
Bodenmeliorationen [Bodenverbesserungen] zugesetzten Stoffe zum
Teil als Produktbildner in das Pflanzenprodukt ein. Anderseits ist
ihre Wirkung über eine längere Periode, zum Beispiel 4—5 Jahre,
verteilt. Ein Teil derselben geht daher stofflich in das Produkt ein
and überträgt damit zugleich seinen Wert auf das Produkt, während
ein anderer Teil in seiner alten Gebrauchsform auch seinen Wert
fixiert. Er dauert fort als Produktionsmittel und erhält daher die
Form von fixem Kapital. Als Arbeitsvieh ist ein Ochse fixes Kapital.
Wird er gegessen, so fungiert er nicht als Arbeitsmittel, also auch
nicht als fixes Kapital.

Die Bestimmung, die einem Teil des in Produktionsmitteln aus-
gelegten Kapitalwerts den Charakter des fixen Kapitals gibt, liegt
ausschließlich in der eigentümlichen Weise, worin dieser Wert zir-
kuliert. Diese eigene Weise der Zirkulation entspringt aus der eigenen
Weise, worin das Arbeitsmittel seinen Wert an das Produkt abgibt,
oder sich als Wertbildner während des Produktionsprozesses ver-
        <pb n="174" />
        Achtes Kapitel

121
hält. Und diese selbst wieder entspringt aus der besonderen Art der
Funktion der Arbeitsmittel im Arbeitsprozeß.

Man weiß, daß derselbe Gebrauchswert, der als Produkt aus dem
einen Arbeitsprozeß herauskommt, als Produktionsmittel in den an-
dern eingeht. Nur die Funktion eines Produkts als Arbeitsmittel
im Produktionsprozeß macht es zu fixem Kapital. Soweit es dagegen
selbst erst aus einem Prozesse herauskommt, ist es keineswegs fixes
Kapital. Zum Beispiel eine Maschine, als Produkt respektive Ware
des Maschinenfabrikanten, gehört zu seinem Warenkapital. Fixes
Kapital wird sie erst in der Hand ihres Käufers, des Kapitalisten,
der sie produktiv anwendet.

Alle andern Umstände gleichgesetzt, wächst der Grad der Fixität
mit der Dauerbarkeit des Arbeitsmittels. Von dieser Dauerbarkeit
hängt nämlich die Größe der Differenz ab zwischen. dem in Arbeits-
mitteln fixierten Kapitalwert und dem Teil dieser Wertgröße, den
e8 in wiederholten Arbeitsprozessen an das Produkt abgibt. Je lang-
samer diese Wertabgabe stattfindet — und Wert wird abgegeben
vom Arbeitsmittel bei jeder Wiederholung desselben. Arbeitsprozesses
—, um 8o größer das fixierte Kapital, um so größer die Differenz
zwischen dem im Produktionsprozeß angewandten und dem in ihm
konsumierten Kapital. Sobald diese Differenz verschwunden ist, hat
das Arbeitsmittel ausgelebt und mit seinem Gebrauchswert seinen
Wert verloren. Es hat aufgehört, Wertträger zu sein. Da das Arbeits-
mittel, wie jeder andere stoffliche Träger von konstantem Kapital,
nur Wert an das Produkt abgibt in dem Maß, worin es mit seinem
Gebrauchswert seinen Wert verliert, so ist es klar, daß, je langsamer
sein Gebrauchswert verloren geht, je länger es im Produktionsprozeß
ausdauert, um so länger die Periode, worin konstanter Kapitalwert
in ihm fixiert bleibt.

Verhält sich ein Produktionsmittel, welches kein Arbeitsmittel im
eigentlichen Sinne ist, zum Beispiel Hilfsstoff, Rohmaterial, Halb-
fabrikat ete., mit Bezug auf Wertabgabe und daher auf Zirkulations-
weise seines Wertes, wie die Arbeitsmittel, so ist es ebenfalls stofflicher
Träger, Existenzform von fixem Kapital. Dies ist der Fall bei solchen
schon erwähnten Bodenmeliorationen, welche dem Boden chemische
Bestandteile zusetzen, deren Wirkung sich auf mehrere Produktions-
perioden oder Jahre erstreckt. Hier existiert noch ein Teil des Wertes
neben dem Produkt in seiner selbständigen Gestalt fort oder in Ge-
stalt von fixem Kapital, während ein anderer Wertteil an das Produkt
abgegeben ist und daher mit ihm zirkulierf. In diesem Falle geht
nicht nur ein Wertteil des fixen Kapitals in das Produkt ein, sondern
auch der Gebrauchswert, die Substanz, worin dieser Wertteil existiert,

Abgesehen von dem Grundirrtum — der Verwechslung der Kate-
gorien: fixes Kapital und zirkulierendes Kapital, mit den Kategorien:
konstantes und variables Kapital —, beruht die Konfusion [Verwir-
rung] in der bisherigen Begriffsbestimmung bei den Oekonomen zu-
nächst auf folgenden Punkten.
        <pb n="175" />
        122

Zweiter Abschnitt
Man macht bestimmte Eigenschaften, die den Arbeitsmitteln
stofflich zukommen, zu unmittelbaren Eigenschaften des fixen Kapi-
tals, zum Beispiel die physische Unbeweglichkeit etwa eines Hauses.
Es ist dann stets leicht nachzuweisen, daß andere Arbeitsmittel, die
als solche auch fixes Kapital sind, die entgegengesetzte Eigenschaft
haben, zum Beispiel die physische Beweglichkeit etwa eines Schiffes.

Oder man verwechselt die ökonomische Formbestimmtheit, die

aus der Zirkulation des Wertes hervorgeht, mit einer dinglichen Eigen-
schaft; als ob Dinge, die an sich überhaupt nicht Kapital sind, son-
dern es nur in bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen werden,
an sich und von Natur schon Kapital in einer bestimmten Form,
fixes oder zirkulierendes, sein könnten. Wir sahen Buch TI, Kapitel V,
daß die Produktionsmittel in jedem Arbeitsprozeß, einerlei unter
welchen gesellschaftlichen Bedingungen er vorgeht, sich einteilen in
Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand. Aber erst innerhalb der kapi-
talistischen Produktionsweise werden beide zu Kapital, und zwar zu
„produktivem Kapital‘, wie es im vorigen Abschnitt bestimmt. Da-
mit spiegelt sich der in der Natur des Arbeitsprozesses begründete
Unterschied von Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand wider in der
neuen Form des Unterschieds von fixem Kapital und zirkulierendem
Kapital. Erst hiermit wird ein Ding, das als Arbeitsmittel fungiert,
fixes Kapital. Kann es seinen stofflichen Eigenschaften nach auch
in andern Funktionen als der des Arbeitsmittels dienen, so ist es
fixes Kapital oder nicht, je nach Verschiedenheit seiner Funktion,
Vieh als Arbeitsvieh ist fixes Kapital; als Mastvieh ist es Rohmaterial,
das schließlich als Produkt in die Zirkulation tritt, also nicht fixes,
sondern zirkulierendes Kapital. ;

Das bloße längere Fixiertsein eines Produktionsmittels in wieder-
holten Arbeitsprozessen, die aber zusammenhängen, kontinuierlich
sind und daher eine Produktionsperiode bilden — das heißt die ge-
samte Produktionszeit, die nötig ist, um das Produkt fertigzumachen
— bedingt ganz wie fixes Kapital längeren oder kürzeren Vorschuß
für den Kapitalisten, macht aber nicht sein Kapital zu fixem Kapital.
Samen zum Beispiel ist kein fixes Kapital, sondern nur Rohmaterial,
das während ungefähr eines Jahres im Produktionsprozeß fixiert ist.
Alles Kapital, solange es als produktives Kapital fungiert, ist im
Produktionsprozeß fixiert, also auch alle Elemente des produktiven
Kapitals, welches immer ihre stoffliche Gestalt, ihre Funktion und die
Zirkulationsweise ihres Wertes. Ob je nach der Art des Produktions-
Prozesses oder dem bezweckten Nutzeffekt dies Fixiertsein länger
Oder kürzer dauert, bewirkt nicht den Unterschied von fixem und
Zirkulierendem Kapital®,

% Wegen der Schwierigkeit, die die Bestimmung des fixen und zirku-
lierenden Kapitals macht, meint Herr Lorenz Stein, diese Unterscheidung
sei nur für die leichtere Darstellung.
        <pb n="176" />
        Achtes Kapitel

123

Ein Teil der Arbeitsmittel, worin die allgemeinen Arbeitsbedin-
gungen eingeschlossen, wird entweder örtlich befestigt, sobald er als
Arbeitsmittel in den Produktionsprozeß eintritt, respektive zur pro-
duktiven Funktion bereitgemacht wird, wie zum Beispiel Maschinen,
Oder er wird von vornherein in dieser stehenden, an den Ort ge-
bundenen Form produziert, wie zum Beispiel Bodenmeliorationen,
Fabrikgebäude, Hochöfen, Kanäle, Eisenbahnen usw. Das fortwäh-
rende Gebundensein des Arbeitsmittels an den Produktionsprozeß,
innerhalb dessen es fungieren soll, ist hier zugleich durch ihre sinn-
liche Existenzweise bedingt. Anderseits kann ein Arbeitsmittel phy-
sisch beständig den Ort verändern, sich bewegen, und dennoch be-
ständig sich im Produktionsprozeß befinden, wie eine Lokomotive,
ein Schiff, Arbeitsvieh etc, Weder gibt ihm in dem einen Fall die
Unbeweglichkeit den Charakter des fixen Kapitals, noch nimmt ihm
in dem andern die Beweglichkeit diesen Charakter. Der Umstand
jedoch, daß Arbeitsmittel lokal fixiert sind, mit ihren Wurzeln im
Grund und Boden feststecken, weist diesem Teil des fixen Kapitals
eine eigene Rolle in der Oekonomie der Nationen zu, Sie können
nicht ins Ausland geschickt werden, nicht als Waren auf dem Welt-
markt zirkulieren. Die Eigentumstitel an diesem fixen Kapital kön-
nen wechseln, es kann gekauft und verkauft werden und sofern ideell
zirkulieren. Diese Eigentumstitel können sogar auf fremden Märkten
zirkulieren, zum Beispiel in der Form von Aktien. Aber durch den
Wechsel der Personen, die Eigentümer dieser Art von fixem Kapital
sind, wechselt nicht das Verhältnis des stehenden, materiell fixierten
Teils des Reichtums in einem Land zu dem beweglichen Teil des-
selben 2%,

Die eigentümliche Zirkulation des fixen Kapitals ergibt einen
eigentümlichen Umschlag. Der Wertteil, den es in seiner Natural-
form durch Abnutzung verliert, zirkuliert als Wertteil des Produkts.
Das Produkt verwandelt sich durch seine Zirkulation aus Ware in
Geld, also auch der vom Produkt zirkulierte Wertteil des Arbeits-
mittels, und. zwar tropft sein Wert aus dem Zirkulationsprozeß als
Geld nieder, in derselben Proportion, worin dies Arbeitsmittel auf-
hört Wertträger im Produktionsprozeß zu sein. Sein Wert erhält
also jetzt Doppelexistenz. Ein Teil desselben bleibt an seine dem
Produktionsprozeß angehörige Gebrauchs- oder Naturalform gebun-
den, ein anderer Teil löst sich von ihr ab als Geld, Im Verlauf seiner

Funktion nimmt der in der Naturalform existierende Wertteil des
Arbeitsmittels beständig ab, während sein in Geldform umgesetzter
Wertteil beständig zunimmt, bis es schließlich ausgelebt hat und sein
Gesamtwert, von seiner Leiche getrennt, in Geld verwandelt ist. Hier
zeigt sich die Eigentümlichkeit im Umschlag dieses Elements des pro-
duktiven Kapitals. Die Verwandlung seines Wertes in Geld gehtgleichen
Schritt mit der Geldverpuppung der Ware, die sein Wertträger ist.
2 Bis hierher Manuskript IV. — Von hier an Manuskript Il. FE.
        <pb n="177" />
        124

Zweiter Abschnitt
Aber seine Rückverwandlung aus Geldform in Gebrauchsform trennt
sich von der Rückverwandlung der Ware in ihre sonstigen Produktions-
8lemente und ist vielmehr bestimmt durch seine eigene Reproduktions-
periode, das heißt durch die Zeit, während deren das Arbeitsmittel
sich verlebt hat und durch ein anderes Exemplar derselben Art er-
setzt werden muß. Beträgt die Funktionsdauer einer Maschine, sage
zum Wert von 10000 Pfad. Sterl., zum Beispiel 10 J ahre, so
beträgt die Umschlagszeit des in ihr ursprünglich vorgeschossenen
Wertes 10 Jahre. Vor Ablauf dieser Zeit ist sie nicht zu erneuern,
sondern wirkt in ihrer Naturalform fort. Ihr Wert zirkuliert unter-
des stückweise als Wertteil der Waren, zu deren kontinuierlicher
Produktion sie dient, und wird so allmählich in Geld umgesetzt, bis
er schließlich am Ende der 10 Jahre ganz in Geld verwandelt und
aus Geld in eine Maschine rückverwandelt worden ist, also seinen
Umschlag vollzogen hat. Bis zum Eintritt dieser Reproduktions-
zeit wird ihr Wert allmählich zunächst in der Form eines Geld-
reservefonds akkumuliert.

Die übrigen Elemente des produktiven Kapitals bestehen teils
aus den in Hilfsstoffen und Rohstoffen existierenden Elementen des
konstanten Kapitals, teils aus variablem, in Arbeitskraft ausgelegtem.

Die Analyse des Arbeits- und Verwertungsprozesses (Buch I,

Kapitel V) zeigte, daß diese verschiedenen Bestandteile sich als Pro-
duktbildner und Wertbildner ganz verschieden verhalten. Der. Wert
des aus Hilfsstoffen und Rohstoffen bestehenden Teils des konstanten
Kapitals — ganz wie der Wert seines aus Arbeitsmitteln bestehenden
Teils — erscheint wieder im Wert des Produkts als nur übertragener
Wert, während die Arbeitskraft vermittels des Arbeitsprozesses dem
Produkt ein Aequivalent ihres Wertes zusetzt oder ihren Wert wirk-
lich reproduziert. Ferner: Ein Teil der Hilfsstoffe, Heizkohlen, Leucht-
gas usw., wird im Arbeitsprozeß aufgezehrt, ohne stofflich in das Pro-
dukt einzugehen, während ein anderer Teil derselben körperlich in
das Produkt eingeht und das Material seiner Substanz bildet. Alle
diese Verschiedenheiten sind jedoch gleichgültig für die Zirkulation
und daher für die Umschlagsweise. Soweit Hilfs- und Rohstoffe ganz
verzehrt werden in der Bildung ihres Produkts, übertragen sie ihren
ganzen Wert auf das Produkt. Er wird daher auch ganz durch das
Produkt zirkuliert, verwandelt sich in Geld und aus Geld zurück in
die Produktionselemente der Ware. Sein Umschlag wird nicht unter-
brochen wie der des fixen Kapitals, sondern durchläuft fortwährend
den ganzen Kreislauf seiner Formen, so daß diese Elemente des pro-
duktiven Kapitals beständig in natura erneuert werden,

Was den variablen, in Arbeitskraft ausgelegten Bestandteil des
produktiven Kapitals betrifft: Die Arbeitskraft wird für eine be-
stimmte Zeitfrist gekauft. Sobald der Kapitalist sie gekauft und
dem Produktionsprozeß einverleibt hat, bildet sie einen Bestandteil
seines Kapitals, und zwar dessen variablen Bestandteil. Sie wirkt
täglich während eines Zeitraums, worin sie nicht nur ihren ganzen
        <pb n="178" />
        Achtes Kapitel

125

Tageswert, sondern noch einen überschüssigen Mehrwert, von dem
wir hier zunächst absehen, dem Produkt zusetzt. Nachdem die
Arbeitskraft für eine Woche zum Beispiel gekauft ist und gewirkt
hat, muß der Kauf beständig in den gewohnheitsmäßigen Terminen
erneuert werden. Das Aequivalent ihres Wertes, das die Arbeitskraft
während ihrer Funktion dem Produkt zusetzt und das mit der Zir-
kulation des Produkts in Geld verwandelt wird, muß aus Geld. be-
ständig in Arbeitskraft rückverwandelt werden oder beständig den
vollständigen. Kreislauf seiner Formen beschreiben, das heißt um-
schlagen, wenn der Kreislauf der kontinuierlichen Produktion nicht
unterbrochen werden soll.

Der in Arbeitskraft vorgeschossene Wertteil des produktiven
Kapitals geht also ganz auf das Produkt über (wir sehen hier fort-
während vom Mehrwert ab), beschreibt mit ihm die beiden der Zir-
kulationssphäre angehörigen Metamorphosen und bleibt durch diese
beständige Erneuerung stets dem Produktionsprozeß einverleibt. Wie
verschieden die Arbeitskraft sich also auch sonst, mit Bezug auf die
Wertbildung, zu den kein fixes Kapital bildenden Bestandteilen
des konstanten Kapitals verhält, diese Art des Umschlags ihres
Wertes hat sie mit ihnen gemein im Gegensatz zum fixen Kapital.
Diese Bestandteile des produktiven Kapitals — die in Arbeitskraft
und in nicht fixes Kapital bildenden Produktionsmitteln ausgelegten
Wertteile desselben — stehen durch diesen ihren gemeinschaftlichen
Charakter des Umschlags dem fixen Kapital als zirkulierendes
oder flüssiges Kapital gegenüber.

Wie man früher sah, ist das Geld, welches der Kapitalist dem Ar-
beiter für den Gebrauch der Arbeitskraft zahlt, in der Tat nur die
allgemeine Aequivalentform für die notwendigen Lebensmittel des
Arbeiters. Insofern besteht das variable Kapital stofflich aus Lebens-
mitteln. Aber hier, bei Betrachtung des Umschlags, handelt es sich
um die Form. Was der Kapitalist kauft, sind nicht die Lebensmittel
des Arbeiters, sondern seine Arbeitskraft selbst. Was den variablen
Teil seines Kapitals bildet, sind nicht die Lebensmittel des Arbeiters,
sondern seine sich betätigende Arbeitskraft. Was der Kapitalist pro-
duktiv im Arbeitsprozeß konsumiert, ist die Arbeitskraft selbst und
nicht die Lebensmittel des Arbeiters. Es ist der Arbeiter selbst, der
das für seine Arbeitskraft erhaltene Geld in Lebensmittel umsetzt,
um sie in Arbeitskraft rückzuverwandeln, um sich am Leben zu er-
halten, ganz wie zum Beispiel der Kapitalist einen Teil des Mehr-
werts der Ware, die er für Geld verkauft, in Lebensmittel für sich
selbst umsetzt, ohne daß man deswegen sagen wird, daß der Käufer
seiner Ware ihn in Lebensmitteln zahlt. Selbst wenn dem Arbeiter
ein Teil seines Lohnes in Lebensmitteln, in natura, gezahlt wird, so
ist dies heutzutage eine zweite Transaktion. Er verkauft seine Arbeits-
kraft für einen bestimmten Preis und es wird dabei akkordiert [ver-
einbart], daß er einen Teil dieses Preises in Lebensmitteln erhält.
Es ändert dies nur die Form der Zahlung, aber nicht, daß das, was
        <pb n="179" />
        126

Zweiter Abschnitt
er wirklich verkauft, seine Arbeitskraft ist. Es ist eine zweite Trans-
aktion, die nicht mehr zwischen Arbeiter und Kapitalist, sondern
zwischen dem Arbeiter als Käufer von Ware und dem Kapitalisten
als Verkäufer von Ware vorgeht, während in der ersten Transaktion
der Arbeiter Verkäufer von Ware (seiner Arbeitskraft) und der Kapi-
talist ihr Käufer ist. Ganz wie wenn der Kapitalist seine Ware sich
durch Ware, zum Beispiel die Maschine, die er an die Eisenhütte
verkauft, durch Eisen ersetzen läßt. Es sind also nicht die Lebens-
mittel des Arbeiters, welche die Bestimmtheit des flüssigen Kapitals
im Gegensatz zum fixen Kapital erhalten. Es ist auch nicht seine Ar-
beitskraft, sondern es ist der in ihr ausgelegte Wertteil des produk-
tiven Kapitals, der durch die Form seines Umschlags diesen Cha-
rakter gemeinschaftlich mit einigen und im Gegensatz zu andern
Bestandteilen des konstanten Kapitalteils erhält.

Der Wert des flüssigen Kapitals — in Arbeitskraft und Produk-
tionsmitteln — ist vorgeschossen nur für die Zeit, während welcher das
Produkt fertiggemacht wird, je nach der Stufenleiter der Produktion,
welche mit dem Umfang des fixen Kapitals gegeben ist. Dieser Wert
geht ganz in das Produkt ein, kehrt also durch den Verkauf des Pro-
dukts ganz wieder aus der Zirkulation zurück und kann von neuem
vorgeschossen werden. Die Arbeitskraft und die Produktionsmittel,
worin der flüssige Kapitalbestandteil existiert, werden in dem Um-
fang, der für die Bildung und den Verkauf des fertigen Produkts
nötig ist, der Zirkulation entzogen, aber sie müssen beständig durch
Rückkauf, durch Rückverwandlung aus der Geldform in die Produk-
tionselemente, ersetzt und erneuert werden. Sie werden in geringeren
Massen als die Elemente des fixen Kapitals auf einmal dem Markt
entzogen, aber sie müssen ihm um so häufiger wieder entzogen werden,
und der Vorschuß des in ihnen ausgelegten Kapitals erneuert sich
in kürzeren Perioden. Diese beständige Erneuerung ist vermittelt
durch den beständigen Umsatz des Produkts, das ihren gesamten
Wert zirkuliert. Sie beschreiben endlich fortwährend den ganzen
Kreislauf der Metamorphosen, nicht nur ihrem Wert nach, sondern
auch in ihrer stofflichen Form; sie werden beständig rückverwandelt
aus Ware in die Produktionselemente derselben Ware.

Mit ihrem eigenen Wert setzt die Arbeitskraft dem Produkt be-
ständig Mehrwert zu, die Verkörperung unbezahlter Arbeit. Dieser
wird also ebenso beständig vom fertigen Produkt zirkuliert und in
Geld verwandelt wie dessen übrige Wertelemente. Hier jedoch, wo
es sich zunächst um den Umschlag des Kapitalwerts, nicht des gleich-
zeitig mit ihm umschlagenden Mehrwerts handelt. wird vor der Hand
von letzterem abgesehen.

Aus dem Bisherigen ergibt sich folgendes:

1. Die Formbestimmtheiten von fixem und flüssigem Kapital
entspringen nur aus dem verschiedenen Umschlag des im Produk-
tionsprozeß fungierenden Kapitalwerts oder produktiven Kapi-
tals. Diese Verschiedenheit des Umschlags entspringt ihrerseits
        <pb n="180" />
        Achtes Kapitel

127
aus der verschiedenen Weise, worin die verschiedenen Bestandteile
des produktiven Kapitals ihren Wert auf das Produkt übertragen,
aber nicht aus ihrem verschiedenen Anteil an der Produktion des
Produktwerts oder ihrem charakteristischen Verhalten im Verwer-
tungsprozeß. Die Verschiedenheit der Abgabe des Wertes an das
Produkt endlich — und daher auch die verschiedene Weise, worin
dieser Wert durch das Produkt zirkuliert und durch dessen Meta-
morphosen in seiner ursprünglichen Naturalform erneuert wird —
entspringt aus der Verschiedenheit der stofflichen Gestalten, worin
das produktive Kapital existiert und wovon ein Teil während der
Bildung des einzelnen Produkts ganz konsumiert, ein anderer nur
allmählich vernutzt wird. Es ist also nur das produktive Kapital,
das sich in fixes und flüssiges spalten kann. Dagegen existiert dieser
Gegensatz nicht für die beiden andern Daseinsweisen des industriellen
Kapitals, also weder für das Warenkapital noch für das Geldkapital
noch als Gegensatz beider gegen das produktive Kapital. Er existiert
nur für das produktive Kapital und innerhalb desselben.
Geldkapital und Warenkapital mögen noch so sehr als Kapital fun-
gieren und noch so flüssig zirkulieren, sie können erst dann flüssiges
Kapital im Gegensatz zu fixem werden, sobald sie sich in flüssige
Bestandteile des produktiven Kapitals verwandelt. Weil aber diese
beiden. Formen des Kapitals die Zirkulationssphäre behausen, hat
sich die Oekonomie seit A. Smith, wie wir sehen werden, ver-
leiten. lassen, sie mit dem flüssigen Teil des produktiven Kapitals
unter der Kategorie: zirkulierendes Kapital, zusammenzu werfen.
Sie sind in der Tat Zirkulationskapital im Gegensatz zum produk-
tiven, aber sie sind nicht zirkulierendes Kapital im Gegensatz zum
fixen.

2. Der Umschlag des fixen Kapitalbestandteils, also auch die
dazu nötige Umschlagszeit, umfaßt mehrere Umschläge der flüssigen
Kapitalbestandteile. In derselben Zeit, worin das fixe Kapital ein-
mal umschlägt, schlägt das flüssige Kapital mehrmals um. Der eine
Wertbestandteil des produktiven Kapitals erhält die Formbestimmt-
heit des fixen Kapitals nur, soweit das Produktionsmittel, worin er
existiert, nicht in dem Zeitraum abgenutzt wird, worin das Produkt
fertiggemacht und aus dem Produktionsprozeß als Ware abgestoßen
wird. Ein Teil seines Wertesmuß in der alten fortdauernden Gebrauchs-
form gebunden bleiben, während ein anderer von dem fertigen Pro-
dukt zirkuliert wird, dessen Zirkulation dagegen gleichzeitig den Ge-
samtwert der flüssigen Kapitalbestandteile zirkuliert.

3. Der im fixen Kapital ausgelegte Wertteil des produktiven
Kapitals ist ganz, auf einmal vorgeschossen worden für die ganze
Funktionsdauer desjenigen Teils der Produktionsmittel, woraus das
fixe Kapital besteht. Dieser Wert wird also auf einmal vom Kapita-
listen [in Geldform] in die Zirkulation geworfen; er wird aber der
Zirkulation nur stückweise und allmählich wieder entzogen durch die
Realisierung der Wertteile, die das fixe Kapital den Waren stückweise

Das ‚Kapital. II.
        <pb n="181" />
        128

Zweiter Abschnitt
zusetzt. Anderseits: Die Produktionsmittel selbst, worin ein Be-
standteil des produktiven Kapitals fixiert wird, werden auf einmal
der Zirkulation entzogen, um dem Produktionsprozeß für ihre ganze
Funktionsdauer einverleibt zu werden, aber sie bedürfen für dieselbe
Zeit nicht des Ersatzes durch neue Exemplare derselben Art, nicht
der Reproduktion. Sie fahren während längerer oder kürzerer Zeit
fort, zur Bildung der in. Zirkulation geworfenen Waren beizutragen,
ohne selbst der Zirkulation die Elemente ihrer eigenen Erneuerung zu
entziehen. Während dieser Zeit erheischen sie also auch ihrerseits
keine Erneuerung des Vorschusses von seiten des Kapitalisten.
Endlich: Der im fixen Kapital ausgelegte Kapitalwert durchläuft
den Kreislauf seiner Formen, während der Funktionsdauer der
Produktionsmittel, worin er existiert, nicht stofflich, sondern nur
für seinen Wert, und auch das nur teilweise und allmählich. Das heißt
ein Teil seines Wertes wird fortwährend als Wertteil der Ware
zirkuliert und in Geld verwandelt, ohne sich aus Geld in seine ur-
sprüngliche Naturalform rückzuverwandeln. Diese Rückverwandlung
des Geldes in die Naturalform des Produktionsmittels findet erst.
statt am Schluß seiner Funktionsperiode, wenn das Produktions-
mittel gänzlich verbraucht ist.

4. Die Elemente des flüssigen Kapitals sind ebenso beständig im
Produktionsprozeß — soll er kontinuierlich sein — fixiert wie die
Elemente des fixen Kapitals. Aber die so fixierten Elemente des
ersteren werden beständig in natura erneuert (die Produktionsmittel
durch neue Exemplare derselben Art, die Arbeitskraft durch stets
erneuerten Kauf), während bei den Elementen des fixen Kapitals
während ihrer Fortdauer weder sie selbst erneuert werden noch ihr
Kauf zu erneuern ist. Es befinden sich beständig Roh- und Hilfs-
stoffe im Produktionsprozeß, aber immer neue Exemplare derselben
Art, nachdem die alten in der Bildung des fertigen Produkts verzehrt
sind. Es findet sich ebenso beständig Arbeitskraft im Produktions-
prozeß, aber nur durch beständige Erneuerung ihres Kaufs und oft
mit Wechsel der Personen. Dagegen fahren dieselben identischen
Gebäude, Maschinen ete. fort, während wiederholter Umschläge
des flüssigen Kapitals in denselben wiederholten Produktionspro-
zessen zu fungieren.

MI. Bestandteile, Ersatz, Reparatur, Akkumulation
des fixen Kapitals.

In derselben Kapitalanlage haben die einzelnen Elemente des
fixen Kapitals eine verschiedene Lebenszeit, daher auch verschiedene
Umschlagszeiten. In einer Eisenbahn zum Beispiel haben Schienen,
Schwellen, Erdarbeiten, Bahnhofsgebäude, Brücken, Tunnels, Loko-
motiven und Wagen verschiedene Funktionsdauer und Reproduk-
tionszeit, also auch das in ihnen vorgeschossene Kapital verschiedene
        <pb n="182" />
        Achtes Kapitel

129

Umschlagszeiten, Während einer langen Reihe von Jahren bedürfen
die Gebäude, die Perrons, Wasserbehälter, Viadukte, Tunnels,
Bodeneinschnitte und Dämme, kurz alles, was im englischen Eisen-
bahnwesen als works of art [Kunstbauten] bezeichnet wird, keiner
Erneuerung. Die hauptsächlichsten Gegenstände des. Verschleißes
sind der Schienenweg und das Transportmaterial. (rolling stock
[roHlendes Material]).

Ursprünglich, bei der Errichtung der modernen Eisenbahnen,
war es vorherrschende Meinung, genährt durch die ausgezeichnetsten
praktischen Ingenieure, daß die Dauer einer Eisenbahn sekulär wäre
[nach Jahrhunderten zähle] und der Verschleiß der Schienen 80
durchaus unmerklich, daß er für alle finanziellen und praktischen
Zwecke außer acht zu lassen sei; 100 bis 150 Jahre wurden als Lebens-
zeit guter Schienen betrachtet. Es stellte sich aber bald heraus, daß
die Lebensdauer einer Schiene, die natürlich von der Geschwindig-
keit der Lokomotiven, dem Gewicht und der Anzahl der Züge, der
Dicke der Schienen selbst und einer Masse anderer Nebenumstände
abhängt, im Durchschnitt 20 Jahre nicht überschritt. In einzelnen
Bahnhöfen, Zentren großen Verkehrs, verschleißen die Schienen
sogar jedes Jahr. Gegen 1867 fing man an, Stahlschienen einzu-
führen, die ungefähr doppelt soviel kosteten wie Eisenschienen, dafür
aber miehr als doppelt so lange dauern. Die Lebensdauer der Holz-
schwellen währte 12 bis 15 Jahre. Bei dem Betriebsmaterial stellte
sich ein bedeutend größerer Verschleiß heraus für Güterwagen als für
Passagierwagen. Die Lebensdauer einer Lokomotive wurde 1867 auf
10 bıs 12 Jahre herechnet.

Der Verschleiß wird bewirkt erstlich durch den Gebrauch selbst.
Im allgemeinen verschleißen die Schienen im Verhältnis zur Anzahl
der Züge (R. C., No. 17645)22, Bei vermehrter Geschwindigkeit
wuchs der Verschleiß in einem höheren Verhältnis als dem des
Quadrats der Geschwindigkeit; das heißt, bei verduppelter Geschwin-
digkeit der Züge stieg der Verschleiß um mehr als das Vierfache.
(R. C., No. 17016.)

Ein fernerer Verschleiß tritt ein durch die Einwirkung von Natur-
kräften. So leiden Sehwellen nicht nur durch wirklichen Verschleiß,
sondern auch durch Fäulnis. „Die Unterhaltungskosten der Bahn
hängen nicht so sehr ab von dem Verschleiß, den der Bahnverkehr
mit sich führt, wie von der Qualität des Holzes, des Eisens und des
Mauerwerks, die der Atmosphäre ausgesetzt sind. Min: einziger
strenger Wintermonat wird dem Bahnkörper mehr Schaden fun als
ein ganzes Jahr Bahnverkehr.“ (R. P. Williams: „On the Maintenance

22 Die mit R.C. bezeichneten Zitate sind aus [dem oben, Note 14,
S. 102 schon angeführten Bericht der] Royal Commission on Railways.
Minutes of Evidence taken before the Commissioners. Presented to both
Houses of Parliament. London 1867. — Die Fragen und Antworten sind
numeriert und die Nummern hier angeführt.
        <pb n="183" />
        130

Zweiter Abschnitt
of Permanent Way.‘ Vortrag im Institute of Civil Engineers, Herbst
1867222) ;

Endlich, wie überall in der großen Industrie, spielt auch hier der
moralische Verschleiß seine Rolle: Nach Verlauf von 10 Jahren
kann man gewöhnlich dasselbe Quantum Waggons und Lokomotiven
für 30000 Pfd. Sterl. kaufen, das vorher 40000 Pfd, Sterl. kostete.
Man muß so auf dies Material eine Depretiation [Entwertung] von
25% des Marktpreises rechnen, selbst wenn keine Depretiation des
Gebrauchswerts stattfindet. (Lardner: „‚Railway Economy, [London
1850*], p. 120.)

„Röhrenbrücken werden in ihrer gegenwärtigen Form nicht
erneuert werden.‘ (Weil man jetzt bessere Formen für solche
Brücken hat.) ‚‚Gewöhnliche Reparaturen. daran, Wegnahme und
Ersatz einzelner Stücke sind nicht tunlich.‘ (W.B. Adams: „Roads
and Rails. London 1862, [p. 135, 136].) Die Arbeitsmittel wer-
den großenteils beständig umgewälzt durch den Fortschritt der
Industrie. Sie werden daher nicht in ihrer ursprünglichen Form
ersetzt, sondern. in der umgewälzten Form. MHEinerseits bildet die
Masse des fixen Kapitals, die in einer bestimmten Naturalform ange-
legt ist und innerhalb derselben eine bestimmte Durchschnittslebens-
geit auszudauern hat, einen Grund der nur allmählichen Einführung
neuer Maschinen ete. und daher ein Hindernis gegen die rasche
allgemeine Einführung der verbesserten Arbeitsmittel. Anderseits
zwingt der Konkurrenzkampf, namentlich bei entscheidenden Um-
wälzungen, die alten Arbeitsmittel vor ihrem natürlichen Lebens-
ende durch die neuen zu ersetzen. Es sind hauptsächlich Kata-
strophen, Krisen, die solche vorzeitige Erneuerung des Betriebsgeräts
auf größerer gesellschaftlicher Stufenleiter erzwingen.

Der Verschleiß (abgesehen vom moralischen) ist der Wertteil, den
das fixe Kapital allmählich durch seine Vernutzung an das Produkt
abgibt in dem Durechschnittsmaß, worin es seinen Gebrauchswert
verliert.

Zum Teil ist diese Abnutzung so, daß das fixe Kapital eine gewisse
durchschnittliche Lebenszeit besitzt; für diese wird es ganz vorge-
schossen; nach Ablauf derselben muß es ganz ersetzt werden. Für
die lebendigen Arbeitsmittel, zum Beispiel Pferde, ist die Reproduk-
tionszeit durch die Natur selbst vorgeschrieben. Ihre durchschnitt-
liche Lebenszeit als Arbeitsmittel ist durch Naturgesetze bestimmt.
Sobald dieser Termin abgelaufen, müssen die abgenutzten Exemplare

22a Der vollständige Titel des Vortrages, der übrigens nicht, wie
Marx angibt, im Herbst 1867, sondern am 20. März 1866 gehalten wurde,
lautet: „On the maintenance and renewal of permanent way“; er ist ab-
gedruckt in den „Minutes of Proceedings of the Institute of Civil Engineers,
London 1866‘, vol. XXV, p. 353—429. Die von Marx zitierten Stellen
waren nicht aufzufinden. Vielleicht zitierte er nach einem andern Bericht
über den Vortrag. K.
        <pb n="184" />
        Achtes Kapitel

131

durch neue ersetzt werden. Ein Pferd kann nicht stückweise, sondern
nur durch ein anderes Pferd ersetzt werden.

Andere Elemente des fixen Kapitals lassen periodische oder teil-
weise Erneuerung zu. Hier ist der teilweise oder periodische Ersatz
zu unterscheiden von allmählicher Ausdehnung des Geschäfts-
betriebs.

Das fixe Kapital besteht zum Teil aus gleichartigen Bestand-
teilen, die aber nicht gleich lange dauern, sondern in verschiedenen
Zeiträumen stückweise erneuert werden. So die Schienen auf Bahn-
höfen, die öfter ersetzt werden müssen als auf dem übrigen Bahn-
körper. Ebenso die Schwellen, von denen in den 50er Jahren auf den
belgischen Eisenbahnen nach Lardner 8 9/, jährlich, also im Laufe
von 12 Jahren die sämtlichen Schwellen erneuert wurden. Das Ver-
hältnis ist hier also dies: Es wird eine Summe zum Beispiel für zehn
Jahre in einer bestimmten Art des fixen Kapitals vorgeschossen.
Diese Auslage wird auf einmal gemacht. Aber ein bestimmter Teil
dieses fixen Kapitals, dessen Wert in den Wert des Produkts ein-
gegangen und mit diesem in Geld umgesetzt ist, wird in jedem Jahr
in natura ersetzt, während der andere Teil in seiner ursprünglichen
Naturalform fortexistiert. Es ist die Auslage auf einmal und die nur
stückweise Reproduktion in Naturalform, die dies Kapital als fixes
vom flüssigen Kapital unterscheidet.

Andere Stücke des fixen Kapitals bestehen aus ungleichen Be-
standteilen, die in ungleichen Zeiträumen abnutzen und daher ersetzt
werden müssen. Dies findet namentlich bei Maschinen statt. Was
wir eben bemerkt haben mit bezug auf die verschiedene Lebenszeit
der verschiedenen Bestandteile eines fixen Kapitals, gilt hier mit
Bezug auf die Lebenszeit verschiedener Bestandteile derselben Ma-
schine, die als Stück dieses fixen Kapitals figuriert.

Mit Bezug auf allmähliche Ausdehnung des Geschäfts im Lauf der
teilweisen Erneuerung bemerken wir folgendes: Obgleich, wie wir
gesehen, das fixe Kapital fortfährt, in natura im Produktionsprozesse
zu wirken, hat ein Teil seines Wertes je nach dem Durchschnitts-
verschleiß mit dem Produkt zirkuliert, ist in Geld verwandelt
worden, bildet Element des Geldreservefonds zum Ersatz des Kapitals
für den Termin seiner Reproduktion in natura. Dieser so in Geld
verwandelte Teil des fixen Kapitalwerts kann dazu dienen, das
Geschäft zu erweitern oder Verbesserungen an den Maschinen anzu-
bringen, welche deren Wirksamkeit vermehren. In kürzeren oder län-
geren Abschnitten findet so Reproduktion statt, und zwar — vom
Standpunkt der Gesellschaft betrachtet — Reproduktion auf er-
weiterter Stufenleiter; extensiv [der Ausdehnung nach], wenn das
Produktionsfeld ausgedehnt; intensiv [der Kraft nach], wenn das
Produktionsmittel wirksamer gemacht. Diese Reproduktion auf
erweiterter Stufenleiter entspringt nicht aus Akkumulation — Ver-
wandlung von Mehrwert in Kapital, — sondern aus Rückverwand-
lung des Wertes, welcher sich abgezweigt, in Geldform losgelöst hat
        <pb n="185" />
        132

Zweiter Abschnitt
vom Körper des fixen Kapitals, in neues entweder zuschüssiges oder
doch wirksameres fixes Kapital derselben Art. Es hängt natürlich
teils von der spezifischen Natur des Geschäftsbetriebs ab, wie weit
und in welchen, Dimensionen er solches allmählichen Zuschusses fähig
ist, also auch in welchen Dimensionen ein Reservefonds gesammelt
sein muß, um in dieser Weise rückangelegt werden zu können, und in
welchen Zeiträumen dies geschehen kann. Wie weit anderseits
Detailverbesserungen an vorhandener Maschinerie angebracht werden
können, hängt natürlich von der Natur der Verbesserung und der
Konstruktion der Maschine selbst ab. Wie sehr aber zum Beispiel
bei Eisenbahnanlagen dieser Punkt von vornherein ins Auge gefaßt
wird, beweist Adams: „Die ganze Konstruktion sollte sich nach dem
Prinzip richten, das im Bienenkorb herrscht — Fähigkeit unbegrenz-
ter Ausdehnung. Alle übersoliden und von vornherein symmetrischen
{gleichmäßig angeordneten] Strukturen sind. vom Vebel, im Fall der
Ausdehnung müssen sie niedergerissen werden.‘ (a. a. O. p. 123.)

Es hängt dies‘ großenteils vom verfügbaren Raum ab. Bei
einigen Gebäuden kann man Stockwerke in der Höhe zusetzen, bei
andern ist Seitenausdehnung, also mehr Boden nötig. Innerhalb der
kapitalistischen Produktion werden einerseits viele Mittel verschwen-
det, findet anderseits viel zweckwidrige Seitenausdehnung dieser
Art (zum Teil zum Schaden der Arbeitskraft) bei der allmählichen
Ausdehnung des Geschäfts statt, weil nichts nach gesellschaftlichem
Plan geschieht, sondern von den unendlich verschiedenen Umständen,
Mitteln etc. abhängt, womit der einzelne Kapitalist agiert. Hieraus
entsteht große Verschwendung der Produktivkräfte.

Diese stückweise Wiederanlage des Geldreservefonds (das heißt
des in Geld rückverwandelten Teils des fixen Kapitals) ist am leichte-
sten im Landbau. Ein räumlich gegebenes Produktionsfeld ist hier
der größten. allmählichen Absorption von Kapital fähig. Ebenso wo
natürliche Reproduktion stattfindet, wie bei der Viehzucht. ;

Das fixe Kapital verursacht besondere Erhaltungskosten. Ein
Teil der Erhaltung wird durch den Arbeitsprozeß selbst bewirkt; das
fixe Kapital verdirbt, wenn es nicht im Arbeitsprozeß fungiert. (Siehe
Buch I, Kapitel VI, 2. Aufl., S.196, V. 8.160 und Kapitel XIII, 2. Aufl.,
8.423, V.348: Verschleiß der Mas chinerie, der aus ihrem Nichtgebrauch
entspringt.) Das englische Gesetz betrachtet es daher auch ausdrücklich
als Beschädigung (waste), wenn gepachtete Grundstücke nicht nach
Landesgebrauch bebaut werden. (W. A. Holdsworth, Barrister at
Law: „The Law of. Landlord and Tenant. London 1857 ‘“, p. 96.)
Diese Erhaltung, die aus dem Gebrauch im Arbeitsprozeß hervorgeht,
ist eine Gratisnaturgabe der lebendigen Arbeit. Und zwar ist die er-
haltende Kraft der Arbeit doppelter Art. Einerseits erhält sie den
Wert der Arbeitsmaterialien, indem sie ihn auf das Produkt überträgt,
anderseits erhält sie den Wert der Arbeitsmittel, soweit sie nicht auch
diesen auf das Produkt überträgt, durch Erhaltung ihres Gebrauchs-
werts vermittels ihrer Aktion im Produktionsprozeß.
        <pb n="186" />
        Achtes Kapitel

133
Das fixe Kapital erfordert aber auch positive Arbeitsauslage zu
seiner Instandhaltung. Die Maschinerie muß von Zeit zu Zeit ge-
reinigt werden. Es handelt sich hier um zusätzliche Arbeit, ohne weiche
sie gebrauchsunfähig wird; um bloße Abwehr schädlicher elementarer
Einflüsse, die vom Produktionsprozeß unzertrennlich sind, also um
Erhaltung im werkfähigen Zustand im wörtlichsten Sinn. Die
normale. Lebenszeit des fixen Kapitals ist selbstredend darauf be-
rechnet, daß die Bedingungen erfüllt werden, unter denen es während
dieser Zeit normal fungieren kann, ganz wie man unterstellt, daß
wenn ein Mensch im Durchschnitt 30 Jahre lebt, er sich auch wäscht.
Es handelt sich hier auch nicht um Ersatz der in der Maschine ent-
haltenen Arbeit, sondern um beständige zusätzliche Arbeit, die ihr
Gebrauch nötig macht. Es handelt sich nicht um Arbeit, die die
Maschine tut, sondern die an ihr getan wird, worin sie nicht Produk-
tionsagent ist, sondern Rohmaterial. Das in dieser Arbeit ausgelegte
Kapital, obgleich es. nicht in den eigentlichen Arbeitsprozeß eingeht,
dem das Produkt seinen Ursprung verdankt, gehört zum flüssigen
Kapital. Diese Arbeit muß beständig in der Produktion verau8-
gabt, ihr Wert also auch beständig durch den Wert des Produkts
ersetzt werden. Das in ihr ausgelegte Kapital gehört zu dem Teil des
flüssigen Kapitals, der die allgemeinen Unkosten zu decken hat und
nach einer jährlichen Durchschnittsrechnung auf das Wertprodukt
zu verteilen ist. Wir haben gesehen?b, daß in der eigentlichen Indu-
strie diese Arbeit der Reinigung von den Arbeitern gratis in den
Ruhepausen und eben deswegen auch oft während des Produktions-
prozesses selbst vorgeht, wo sie die Quelle der meisten Unfälle wird.
Diese Arbeit zählt nicht im Preise des Produkts. Der Konsument
erhält sie sofern. gratis. Anderseits hat der Kapitalist so die Er-
haltungskosten seiner Maschine umsonst. Der Arbeiter zahlt in
eigener Person, und dies bildet eins der Selbsterhaltungsmysterien
des Kapitals, die der Tat nach einen juristischen Anspruch des
Arbeiters auf die Maschinerie bilden und ihn selbst vom bürgerlichen
Rechtsstandpunkt aus zu ihrem Miteigentümer machen. In ver-
schiedenen Produktionszweigen jedoch, wo die Maschinerie zu ihrer
Reinigung aus dem Produktionsprozeß entfernt werden muß und
die Reinigung daher nicht unter der Hand geschehen kann, wie zum
Beispiel bei Lokomotiven, zählt diese Erhaltungsarbeit unter den
laufenden Kosten, also als Element des flüssigen Kapitals. Eine
Lokomotive muß nach höchstens dreitägiger Arbeit in den Schuppen
gebracht und dort gereinigt werden; der Kessel muß erst abkühlen,
wenn.er ohne Schädigung ausgewaschen werden soll. (R.O., No.17823.)
Die eigentlichen Reparaturen oder Flickarbeiten erheischen Aus-
lage von Kapital und Arbeit, die nicht in dem ursprünglich vorge-

.22b Vgl. Buch I, Kapitel VIIL, 2, 2. Aufl., S. 234, V. 8. 191 und Kapitel
XIII; 4, 3. Aufl., S. 443, V. 5. 365, Note 184. Der betreffende Absatz der
Note. steht noch nicht. in der 2. Auflage. K.
        <pb n="187" />
        134

Zweiter Abschnitt
schossenen Kapital enthalten sind, also auch durch den allmählichen
Wertersatz des fixen Kapitals jedenfalls nicht immer ersetzt und
gedeckt werden können. Ist zum Beispiel der Wert des fixen Kapitals
gleich 10000 Pfd. Sterl. und seine Gesamtlebenszeit gleich 10 J ahre,
so ersetzen diese 10000 Pfd. Sterl., nach 10 Jahren ganz in Geld
verwandelt, nur den Wert des ursprünglichen Anlagekapitals, aber
sie ersetzen nicht das inzwischen in Reparaturen neu zugesetzte
Kapital, respektive Arbeit. Es ist dies ein zuschüssiger Wertbestand-
teil, der auch nicht auf einmal vorgeschossen wird, sondern je nach
Bedürfnis, und dessen verschiedene Vorschußzeiten der Natur der
Sache nach zufällig sind. Solche spätere dosenweise [stückweise]
zusätzliche Kapitalauslage in Arbeitsmitteln und Arbeitskraft er-
heischt alles fixe Kapital.

Die Beschädigungen, denen einzelne Teile der Maschinerie ete.
ausgesetzt sind, sind der Natur der Sache nach zufällig, und so sind
daher auch die dadurch ernötigten Reparaturen. Dennoch scheiden
sich aus dieser Masse zwei Sorten von Reparaturarbeiten ab, die
einen mehr oder minder festen Charakter haben und in verschiedene
Perioden der Lebenszeit des fixen Kapitals fallen — Gebresten des
Kindesalters und die viel zahlreicheren Gebresten des über die mitt-
lere Lebenszeit hinausgerückten Alters. Eine Maschine zum Beispiel
mag mit noch so vollkommener Konstruktion in den Produktions-
prozeß eintreten; bei dem wirklichen Gebrauch zeigen sich Mängel;
die durch nachträgliche Arbeit korrigiert werden müssen. Ander-
seits, je mehr sie über ihre mittlere Lebenszeit hinausgetreten, je
mehr sich also der normale Verschleiß gehäuft hat, das Material, aus
dem sie besteht, vernutzt und altersschwach geworden, desto zahl-
reicher und bedeutender werden die Reparaturarbeiten, nötig, um
die Maschine bis zu Ende ihrer durchsehnittlichen Lebensperiode in
Atem zu erhalten; ganz wie ein alter Mann, um nicht vorzeitig zu
sterben, mehr medizinische Ausgaben hat als ein jugendkräftiger.
Trotz ihres zufälligen Charakters verteilen sich also die Reparatur-
arbeiten in ungleichen Massen auf die verschiedenen Lebensperioden
des fixen Kapitals.

Hieraus sowohl, wie aus dem sonst zufälligen Charakter der
Reparaturarbeiten an der Maschine folgt:

Einerseits ist die wirkliche Ausgabe an Arbeitskraft und Arbeits-
mitteln für Reparaturarbeiten zufällig wie die Umstände selbst,
die diese Reparaturen ernötigen; der Umfang der nötigen Repara-
buren ist verschieden verteilt auf die verschiedenen Lebensperioden
des fixen Kapitals, Anderseits ist bei Schätzung der durechschnitt-
lichen Lebensperiode des fixen Kapitals unterstellt, daß es beständig
in werktätigem Zustand erhalten wird, teils durch Reinigung (wozu
auch die Reinhaltung der Lokale gehört), teils durch Reparatur, so
oft wie erheischt. Die Wertübertragung durch Verschleiß des fixen
Kapitals ist auf dessen durchschnittliche Lebensperiode berechnet,
aber diese durchschnittliche Lebensperiode selbst ist darauf berechnet,
        <pb n="188" />
        Achtes Kapitel

135
daß das zur Instandhaltung erheischte Zusatzkapital fortwährend
vorgeschossen wird.

Anderseits ist es ebenso klar, daß der durch diese zuschüssige
Ausgabe von Kapital und Arbeit zugesetzte Wert nicht in den Preis
der Waren eingehen kann gleichzeitig mit der wirklichen Ausgabe.
Ein Spinner zum Beispiel kann diese Woche sein Garn nicht teurer
verkaufen als vorige Woche, weil ihm diese Woche ein Rad gebrochen
oder ein Riemen zerrissen ist. Die allgemeinen Kosten der Spinnerei
haben sich in keiner Weise verändert durch diesen Unfall in einer
einzelnen Fabrik. Hier, wie bei aller Wertbestimmung, bestimmt der
Durchschnitt. Die Erfahrung zeigt den durchschnittlichen Umfang
solcher Unfälle und der nötigen Erhaltungs- und Reparaturarbeiten
während der durchschnittlichen Lebensperiode des in einem bestimm-
ten Geschäftszweig angelegten fixen Kapitals. Diese Durchschnitts-
ausgabe wird verteilt auf die Durchschnitts-Lebensperiode und
wird in entsprechenden aliquoten Teilen auf den Preis des Produkts
geschlagen und daher durch den Verkauf desselben ersetzt.

Das Zuschußkapital, das so ersetzt wird, gehört zum flüssigen
Kapital, obgleich die Art der Auslage unregelmäßig ist. Da es von
der höchsten Wichtigkeit ist, sofort jedes Gebresten der Maschinerie
zu kurieren, so befindet sich bei jeder größeren Fabrik ein den eigent-
lichen Fabrikarbeitern aggregiertes [angegliedertes] Personal, In-
genieur, Schreiner, Mechaniker, Schlosser usw. Ihr Lohn bildet Teil
des variablen Kapitals, und der Wert ihrer Arbeit verteilt sich auf
das Produkt. Anderseits werden die in Produktionsmitteln
erheischten Ausgaben nach jener Durchschnittsrechnung bestimmt
und bilden nach dieser Rechnung fortwährend Wertteil des Produkts,
obgleich sie faktisch in unregelmäßigen Perioden vorgeschossen
werden und also auch in unregelmäßigen Perioden in das Produkt
respektive das fixe Kapital eingehen. Dies in eigentlichen Repara-
turen ausgelegte Kapital bildet in mancher Hinsicht ein Kapital
eigener Art, das weder unter flüssiges noch fixes Kapital zu rangieren
Feinzuordnen] ist, aber als unter die laufenden Ausgaben gehörig
mehr zum ersten zählt.

Die Art der Buchführung ändert natürlich nichts an dem wirk-
lichen Zusammenhang der Dinge, worüber Buch geführt wird. Es
ist aber wichtig zu bemerken, daß es in vielen Geschäftszweigen
Gewohnheit ist, die Reparaturkosten mit dem wirklichen Verschleiß
des fixen Kapitals in folgender Art zusammenzurechnen. Das vorge-
schossene fixe Kapital sei 10 000 Pfd. Sterl., seine Lebensperiode
15 Jahre; der jährliche Verschleiß ist dann 666?/3 Pfd. Sterl.
Nun wird aber der Verschleiß auf nur 10 Jahre berechnet, das heißt
dem Preis der produzierten Waren jährlich 1000 Pfd. Sterling zu-
geschlagen für Abnutzung des fixen Kapitals, statt 666°/2 Pfd. Sterl.;
das heißt, es werden 333';3s Pfad. Sterl. für KReparaturarbeit ete.
reserviert. (Die Zahlen 10 und. 15 sind nur beispielweise genommen.)
Soriel ist also im Durchschnitt an Reparatur verausgabt worden,
        <pb n="189" />
        136

Zweiter Abschnitt
damit das fixe Kapital 15 Jahre dauert. Diese Rechnung ver-
hindert natürlich nicht, daß das fixe Kapital und das in den Re-
paraturen ausgelegte Zusatzkapital verschiedene Kategorien bilden.
Auf Grund dieser Rechnungsweise wurde zum Beispiel angenommen,
daß der niedrigste Kostenanschlag für die Erhaltung und den Ersatz
von. Dampfschiffen 15°, jährlich sei, also Reproduktionszeit gleich
62/3 Jahre. In den 60er Jahren vergütete die englische Regierung
der Peninsular and Oriental Co. dafür 16 °/ jährlich, was also einer
Reproduktionszeit von 6'/,%° Jahren gleichkommt. Bei Eisenbahnen
ist die Durchschnitts-Lebensdauer einer Lokomotive 10 Jahre, aber,
Reparaturen eingerechnet, wird der Verschleiß angenommen zu
121/22 %, was die Lebensdauer auf 8 Jahre reduziert. Bei Passagier-
und Güterwagen wird 9°%, berechnet, also eine Lebenszeit von
111/47 Jahren angenommen.

Die Gesetzgebung hat überall bei Mietkontrakten von Häusern
und andern Dingen, die für ihren Eigentümer fixes Kapital sind und
als solches vermietet werden, den Unterschied anerkannt zwischen
dem normalen Verschleiß, der durch die Zeit, den Einfluß der Ele-
mente und die normale Vernutzung selbst herbeigeführt wird, und
zwischen den gelegentlichen Reparaturen, die zur Instandhaltung
während der normalen Lebensdauer des Hauses und seiner normalen
Benutzung zeitweise erforderlich sind. In der Regel fallen die ersten
auf den Eigentümer, die zweiten auf den Mieter. Die Reparaturen
unterscheiden sich ferner in gewöhnliche und substantielle [wesent-
liche oder ausgiebige]. Die letzteren sind teilweise Erneuerung des
fixen Kapitals in seiner Naturalform und fallen ebenfalls auf den
Eigentümer, wo der Kontrakt nicht ausdrücklich das Gegenteil
sagt. So zum Beispiel nach englischem Recht:

„Ein Mieter von Jahr zu Jahr ist nur verpflichtet, die Baulich-
keiten wind- und wasserdicht zu halten, solange dies geschehen kann
ohne substantielle Reparaturen und überhaupt nur solche Repara-
turen zu besorgen, die als gewöhnliche bezeichnet werden können.
Und selbst in dieser Beziehung muß das Alter und der allgemeine
Zustand der betreffenden Teile des Gebäudes zur Zeit, als der Mieter
es übernahm, im Auge behalten werden; denn er ist nicht verpflich-
tet, weder altes und verschlissenes Material durch neues zu ersetzen,
noch die aus dem Zeitverlauf und dem regelmäßigen Gebrauch
entstehende unvermeidliche Entwertung zu ersetzen.??d‘“ (Holdsworth:
„The Law of Landlord and Tenant‘. London 1857, p. 90, 91.)

Ganz verschieden sowohl vom Ersatz des Verschleißes wie von
den Arbeiten der Erhaltung und Reparatur ist die Versicherung,
die sich auf Zerstörung durch außerordentliche Naturereignisse, Feuers-
brunst, Ueberschwemmungen ete. bezieht. Diese muß aus dem

220 In der Engelsschen Ausgabe 6%, K.
#2d In der Engelsschen Ausgabe: „gut zu machen“ (make good). K,
        <pb n="190" />
        Achtes Kapitel .

137

Mehrwert bestritten 2° werden und bildet einen Abzug von demselben.
Oder vom Standpunkt der ganzen Gesellschaft betrachtet: Es muß
eine beständige Ueberproduktion stattfinden, das heißt Produktion
auf größerer Stufenleiter, als zu einfachem Ersatz und Reproduktion
des vorhandenen Reichtums nötig — ganz abgesehen von Zunahme
der Bevölkerung —, um die Prodüktionsmittel zur Verfügung zu
haben zur Ausgleichung der außerordentlichen Zerstörung, welche
Zufälle und Naturkräfte anrichten.

In der Tat besteht nur der geringste Teil des zum Ersatz nötigen
Kapitals in dem Geldreservefonds. Der wichtigste Teil besteht in
der Ausdehnung der Produktionsleiter selbst, die teils wirkliche Er-
weiterung ist, teils zum normalen Umfang der Produktionszweige
gehört, die das fixe Kapital produzieren. So ist zum Beispiel eine
Maschinenfabrik darauf eingerichtet, daß jährlich sowohl die Fa-
briken ihrer Kundschaft erweitert werden, wie auch daß beständig
ein Teil davon ganzer oder teilweiser Reproduktion bedarf. ©.

Bei der Bestimmung des Verschleißes wie der Reparaturkosten
nach gesellschaftlichem Durchschnitt ergeben sich notwendig große
Ungleichheiten selbst für gleich große und sonst unter denselben Um-
ständen befindliche Kapitalanlagen. in demselben Produktionszweig.
In der Praxis dauert für den einen Kapitalisten die Maschine ete:
über die Durchschnittsperiode hinaus, bei dem andern nicht so lange.
Die Reparaturkosten des einen ‘sind über, die des andern unter dem
Durchschnitt usw. Der durch den Verschleiß wie durch die Repara-
turkosten bestimmte Preiszuschlag der Ware ist aber derselbe und
wird durch den Durchschnitt. bestimmt. Der eine erhält also durch
diesen Preiszusatz mehr, als er wirklich zusetzt, der andere weniger.
Dies, wie alle andern Umstände, die bei gleicher Exploitation der
Arbeitskraft den Gewinn verschiedener Kapitalisten in demselben
Geschäftszweig verschieden machen, trägt dazu bei, die Einsicht in
die wahre Natur des Mehrwerts zu erschweren.

Die Grenze zwischen eigentlicher Reparatur und Ersatz, zwischen
Erhaltungskosten und. Erneuerungskosten ist eine mehr oder weniger
fließende. Daher der ewige Streit, bei Eisenbahnen zum Beispiel, ob
gewisse Ausgaben Reparatur oder Ersatz sind, ob sie aus laufender
Ausgabe oder dem Grundkapital bestritten werden müssen. Ueber-
tragung von Reparaturausgaben auf Kapitalkonto statt auf Revenue-
konto ist das bekannte Mittel, wodurch Eisenbahndirektionen ihre
Dividenden künstlich‘ in die Höhe schrauben. Jedoch hat auch
hierfür die Erfahrung die wesentlichsten Anhaltspunkte bereits
geliefert. Die nachträglichen Arbeiten während der ersten Lebens-
periode der Eisenbahn zum Beispiel sind ‚keine Reparaturen,
sondern müssen angesehen werden als wesentlicher Bestandteil des
Bahnbaues, und sind also dem Kapitalkonto und nicht dem Erträg-
nis zu belasten, da sie nicht aus dem Verschleiß oder der normalen
22€ In der Engelsschen Ausgabe hier wieder „gutgemacht‘. K.
        <pb n="191" />
        138

Wirkung des Verkehrs herrühren, sondern der ursprünglichen und
unvermeidlichen Unvollkommenheit des Bahnbaues geschuldet sind“.
(Lardner: a. a. O., p. 40.) „Dagegen ist es die einzige richtige
Methode, die Revenue eines jeden Jahres zu belasten mit der Ent-
wertung, die notwendigerweise eingetreten ist, damit diese Revenue
verdient werden konnte, einerlei ob die Summe wirklich ausgegeben
ist oder nicht.‘ (Captain Filzmaurice, Committee of Inquiry on
Caledonian Railway, abgedrucktin „Money Market Review‘‘, 1868221.)

Praktisch unmöglich und zwecklos wird die Trennung von Er-
satz und Erhaltung des fixen Kapitals in der Landwirtschaft, wenig-
stens soweit sie noch nicht mit Dampf arbeitet. „Bei einem voll-
ständigen, jedoch nicht übertrieben starken Bestande des Gerät-
inventars (Bedarf an Acker- und sonstigen Arbeits- und Wirtschafts-
geräten aller Art) pflegt man im großen Durchschnitt die jährliche
Abnutzung und Unterhaltung des Gerätinventars nach Verschieden-
heit der vorliegenden Verhältnisse zu 15 bis 25 % vomAnschaffungs-
kapital anzuschlagen.‘‘ (Kirchhof: „Handbuch der landwirtschaft-
lichen Betriebslehre. Dessau 1852‘ %2s, S. 137.)

Bei dem Betriebsmaterial einer Eisenbahn ist Reparatur und
Ersatz gar nicht zu trennen. ‚Wir erhalten unser Betriebsmaterial
der Zahl nach aufrecht. Welche Anzahl von Lokomotiven wir auch
haben, diese Zahl erhalten wir aufrecht. Wird eine im Lauf der Zeit
unbrauchbar, so daß es vorteilhafter ist, eine neue zu bauen, so bauen
wir sie auf Kosten der Revenue, wobei wir der Revenue natürlich
den Wert der von der alten Maschine übrigen Materialien gutschreiben
‚..Es bleibt immer ziemlich viel übrig... Die Räder, die Achsen, die
Kessel ete., kurz, ein gutes Stück der alten Lokomotive bleibt übrig.‘“
(T. Gooch, Chairman of Great Western Railway Co. [Präsident der
Großen Westbahngesellschaft], R. C. No. 17327—29.) — „Reparieren
heißt erneuern; für mich existiert das Wort „Ersatz‘“ nicht; ...hat
eine Eisenbahngesellschaft einen Wagen oder eine Lokomotive ein-
mal gekauft, so sollte sie sie so reparieren, daß sie in Ewigkeit fort-
laufen können (17784). Wir rechnen 8*/, Pence für die englische Zug-
meile an Lokomotivkosten. Aus diesen 81/2, Pence erhalten wir
die Lokomotiven für immer. Wir erneuern unsere Maschinen. Wenn
Sie eine Maschine neu kaufen wollen, so geben Sie mehr Geld aus,
als nötig ist... An der alten Maschine finden sich immer ein Daar

Zweiter Abschnitt

2f Die zitierte Stelle ist einem in der Nummer vom 25. Januar 1868
— nicht, wie in der Engelsschen Ausgabe angegeben, 1867 — der „Money
Market Revicw‘“ erschienenen Artikel: „The Caledonian Railway. The
Directors Reply‘ entnommen, in dem ein Bericht des Captain Fitzmaurice
besprochen wird. Aus dem Wortlaut der Stelle, die sich auf S. 90 findet,
war nicht zu entnehmen, ob es sich um die Ansicht von Fitzmaurice
oder um die des Artikelschreibers handelt. K. .

28 In der Engelsschen Ausgabe: Berlin 1862. Weiter unten wird das Buch
noch einmal zitiert, in den bisherigen Ausgaben abermals falsch, als in
Dresden erschienen. K.
        <pb n="192" />
        Achtes Kapitel

139
Räder, ‚eine Achse oder sonst ein Stück, das brauchbar ist, und das
hilft eine Maschine wohlfeiler herstellen, die ebensogut ist wie eine
ganz neue. (17790.) Ich produziere jetzt jede Woche eine neue
Lokomotive, das heißt, die so gut wie neu ist, denn Kessel, Zylinder
oder? Gestell sind neu.“ (17823. Archibald Sturrock, Locomotive
Superintendent of Great Northern Railway [Oberaufseher des Loko-
motivwesens der Großen Nordbahngesellschaft], in R. C., 1867.)

Ebenso bei den Wagen: „Im Lauf der Zeit wird der Vorrat der
Lokomotiven und Wagen fortwährend erneuert; das eine Mal werden
neue Räder angesteckt, das andere Mal ein neues Gestell gemacht.
Die Teile, auf denen die Bewegung beruht und die dem Verschleiß
am meisten ausgesetzt sind, werden allmählich erneuert; die Maschi-
nen und Wagen können dann einer solchen Reihe von Reparaturen
unterworfen werden, daß in manchen von ihnen nicht eine Spur von
dem alten Material übrig ist.... Selbst wenn sie ganz reparaturun-
fähig werden, werden Stücke von den alten Wagen oder Lokomotiven
[in andere Wagen oder Lokomotiven] hinein verarbeitet und verschwin-
den so nie gänzlich von der Bahn. Das bewegliche Kapital ist daher
in fortwährender Reproduktion; was für den Bahnkörper zu einer
bestimmten Zeit auf einmal stattfinden muß, wenn die ganze Bahn
neu belegt wird, das findet beim Betriebsmaterial allmählich von
Jahr zu Jahr statt. Seine Existenz ist perennierend. [dauernd], es
ist in. fortwährender Verjüngung begriffen.‘ (Lardner: a. a. O.,
p. 115, 116.)

Dieser Prozeß, wie hier von Lardner bei der Eisenbahn dar-
gestellt, paßt nicht auf eine einzelne Fabrik, wohl aber als Bild der
beständigen, partiellen [teilweisen], mit der Reparatur durcheinander
laufenden Reproduktion des fixen Kapitals innerhalb eines ganzen
Industriezweiges oder überhaupt innerhalb der gesamten Produktion,
auf gesellschaftlicher Stufenleiter betrachtet.

Hier ein Hinweis, innerhalb wie weiter Grenzen geschickte Direk-
tionen mit den Begriffen Reparatur und Ersatz wirtschaften können
zur Erzielung von Dividenden. Nach dem oben zitierten Vortrag von
R. P. Williams schrieben verschiedene englische Eisenbahngesellschaf-
ten im Durchschnitt einer Reihe von Jahren für Reparatur und Erhal-
tungskosten des Bahnkörpers und der Baulichkeiten folgende Summe
auf Revenuekonto ab (per englische Meile der Bahnlänge jährlich):

London &amp; North Western ....... 370 Pfd, Sterl.
Midland. .......000.0.00000000..+04 225

London &amp; South Western . ‚. 257

Great Northern ........... .. 360
Lancashire &amp; Yorkshire ..... .. 377

South Eastern ................ 263 „
Brighton .....0..0000 24000000004 266
Manchester &amp; Sheffield .. ...... 200.

„3

ah In der Engelsschen Ausgabe heißt es „und“. K.
        <pb n="193" />
        I

Zweiter Abschnitt
Diese Differenzen rühren nur zum allergeringsten Teil von Ver-
schiedenheit der wirkliehen Auslagen her; sie stammen fast aus-
schließlich aus verschiedener Berechnungsweise, je nachdem Ausgäbe-
posten dem Kapitalkonto oder dem Revenuekonto zur Last gebracht
werden, Williams sagt geradezu: „Die geringere Belastung wird an-
genommen, weil dies für eine gute Dividende nötig ist, und die größere
Belastung wird gemacht, weil eine stärkere Revenue vorhanden ist,
die das ertragen kann.“

In gewissen Fällen wird der Verschleiß, also auch sein Ersatz,

eine praktisch verschwindende Größe, so daß allein die Reparatur-
kosten in Rechnung kommen. Was Lardner im folgenden von works
of. art bei Eisenbahnen sagt, gilt im allgemeinen für alle solche dauer-
haften Werke, Kanäle, Docks, eiserne und steinerne Brücken ete. —
„Der Verschleiß, der infolge der langsamen Wirkung der Zeit bei den
solideren Werken eintritt, wirkt fast unmerklich während kürzerer
Zeiträume ;nach Verflußeines langen Zeitraums, zum Beispiel von Jahr-
hunderten, muß er jedoch die Erneuerung, ganz oder teilweise, selbst
bei den solidesten Konstruktionen herbeiführen. Dieser unmerkliche
Verschleiß, verglichen mit dem fühlbareren bei andern Teilen der
Bahn, 1äßt sich vergleichen mit den sekulären und periodischen Un-
gleichheiten in der Bewegung der Weltkörper. Die Wirkung der Zeit
auf die massiveren Konstruktionen einer Bahn, Brücken, Tunnel,
Viadukte etc., liefert Beispiele von dem, was man einen sekulären
Verschleiß nennen kann. Die schnellere und sichtbarere Entwertung,
die in kürzeren Zeiträumen durch Reparaturen oder Ersatz gutge-
macht wird, ist den periodischen Ungleichheiten analog. In die jähr-
lichen Reparaturkosten wird auch der Ersatz des zufälligen Schadens
eingeschlossen, den die Außenseite auch der dauerhafteren Konstruk-
tionen von Zeit zu Zeit erleidet; aber auch unabhängig von diesen
Reparaturen geht das Alter nicht wirkungslos an ihnen vorbei, und
wie entfernt sie auch immer sei, die Zeit muß kommen, in der ihr
Zustand einen Neubau nötig macht. In finanzieller und ökonomischer
Beziehung mag diese Zeit allerdings viel zu entfernt sein, um sie in
praktische Rechnung zu ziehen.‘ (Lardner, a. a. O. p. 38, 39.)

Es gilt dies für alle Werke von sekulärer Dauer, bei welchen also
nicht das in ihnen vorgeschossene Kapital ihrem Verschleiß entspre-
chend allmählich zu ersetzen ist, sondern nur die jährlichen Durch-
schnittskosten der Erhaltung und Reparatur auf den Preis des Pro-
dukts zu übertragen sind.

Obgleich, wie wir gesehen, ein größerer Teil des zum Ersatz des
Verschleißes des fixen Kapitals zurückfließenden Geldes jährlich oder
3elbs$ in kürzeren Zeiträumen wieder in seine N aturalform rück-
verwandelt wird, ist dennoch für jeden einzelnen Kapitalisten ein
Amortisationsfonds nötig für den Teil des fixen Kapitals, der nur
nach Verlauf von Jahren auf einmal in seinen Reproduktionstermin
tritt und dann ganz zu ersetzen ist. Ein bedeutender Bestandteil des
fixen Kapitals. schließt durch seine Beschaffenheit die stückweise
        <pb n="194" />
        Neuntes Kapitel

141

Reproduktion aus. Außerdem, wo die Reproduktion stückweise in der
Weise geschieht, daß in kürzeren Intervallen dem entwerteten Be-
stand. neuer zugefügt wird, ist je nach dem spezifischen Charakter
des Produktionszweiges eine vorherige Geldakkumulation von größe-
rem oder geringerem Umfang nötig, bevor dieser Ersatz stattfinden
kann. Nicht jede beliebige Geldsumme reicht dazu hin, es wird eine
Geldsumme von bestimmtem Umfang dazu erheischt.

Betrachten wir dies bloß unter der Voraussetzung der einfachen
Geldzirkulation, ohne alle Rücksicht auf das später zu entwickelnde
Kreditsystem, so ist der Mechanismus der Bewegung dieser: Im ersten
Buch (Kapitel III, 3a) wurde gezeigt, daß, wenn ein Teil des in einer
Gesellschaft vorhandenen Geldes stets als Schatz brachliegt, während
ein anderer als Zirkulationsmittel, respektive als unmittelbarer Reserve-
fonds des direkt zirkulierenden Geldes fungiert, die Proportion be-
ständig wechselt, worin sich die Gesamtmasse des Geldes auf Schatz
und auf Zirkulationsmittel verteilt. In unserm Fall wird nun Geld,
das als Schatz in der Hand eines größeren Kapitalisten in größerem
Umfang aufgehäuft sein muß, beim Einkauf des fixen Kapitals auf
einmal in Zirkulation geworfen. Es verteilt sich selbst wieder in
der Gesellschaft als Zirkulationsmittel und als Schatz. Durch den
Amortisationsfonds, worin nach Maßgabe des Verschleißes des fixen
Kapitals dessen Wert zu seinem Ausgangspunkt zurückfließt, bildet
ein Teil des zirkulierenden Geldes wieder Schatz — für längere oder
kürzere Zeit — in der Hand desselben Kapitalisten, dessen Schatz
bei Ankauf des fixen Kapitals sich in Zirkulationsmittel verwandelt
und von ihm entfernt hatte. Es ist eine beständig wechselnde Ver-
teilung des in der Gesellschaft existierenden Schatzes, der abwech-
selnd als Zirkulationsmittel fungiert und dann wieder als Schatz aus
der Masse des zirkulierenden Geldes abgeschieden wird. Mit der Ent-
wicklung des Kreditwesens, welche der Entwicklung der großen Indu-
strie und der kapitalistischen Produktion notwendig parallel geht, fun-
giert dies Geld nicht als Schatz, sondern als Kapital, aber in der
Hand nicht seines Eigentümers, sondern anderer Kapitalisten, denen
es zur Verfügung gestellt ist.

Neuntes Kapitel.
Der Gesamtumschlag des vorgeschossenen
Kapitals. Umschlagszyklen.
Wir haben gesehen, daß die fixen und flüssigen Bestandteile des
produktiven Kapitals verschiedenartig und zu verschiedenen Peri-
oden umschlagen, ebenso daß die verschiedenen Bestandteile des
fixen Kapitals in demselben Geschäft je nach ihrer verschiedenen
Lebens-, daher Reproduktionszeit wieder verschiedene Umschlags-
perioden haben. (Ueber die wirkliche oder scheinbare Verschiedenheit
        <pb n="195" />
        Zweiter Abschnitt
im Umschlag verschiedener Bestandteile des flüssigen Kapitals in
demselben. Geschäft siehe am Schluß dieses Kapitels sub 6.) ;

1. Der Gesamtumschlag des vorgeschossenen Kapitals ist der
Durchschnittsumschlag seiner verschiedenen Bestandteile; Berech-
nungsmodus [Berechnungsart] weiter unten. Soweit es sich nur um
verschiedene Zeitperioden handelt, ist natürlich nichts einfacher als
ihren Durchschnitt zu ziehen; aber:

2. es findet hier nicht nur quantitativer, sondern qualitativer
Unterschied statt.

Das in den Produktionsprozeß eingehende flüssige Kapital über-
trägt seinen ganzen Wert auf das Produkt und muß daher beständig
durch den Verkauf des Produkts in natura ersetzt werden, soll der
Produktionsprozeß ohne Unterbrechung vor sich gehen. Das in den
Produktionsprozeß eingehende fixe Kapital überträgt nur [einen] Teil
seines Wertes (den Verschleiß) auf das Produkt und fährt trotz des
Verschleißes fort, im Produktionsprozeß zu fungieren ; es braucht daher
nur in kürzeren oder längeren Intervallen, jedenfalls nicht so oft wie
das flüssige Kapital, in natura ersetzt zu werden. Diese Ersatznot-
wendigkeit, der Reproduktionstermin, ist nicht nur quantitativ. ver-
schieden für die verschiedenen Bestandteile des fixen Kapitals, son-
dern, wie wir gesehen haben, ein Teil des länger dauernden, viel-
jährigen fixen Kapitals kann jährlich oder in kürzeren Intervallen
ersetzt und dem alten fixen Kapital in natura hinzugefügt werden;
bei fixem Kapital anderer Beschaffenheit kann der Ersatz nur nach
Ende seiner Lebenszeit auf einmal stattfinden.

Es ist daher nötig, die Sonderumschläge der verschiedenen Teile
des fixen Kapitals auf gleichartige Form des Umschlags zu redu-
zieren, so daß sie nur noch quantitativ, der Umschlagsdauer nach,
verschieden sind.

Diese qualitative Dieselbigkeit findet nicht statt, wenn wirP...P
— die Form des kontinuierlichen Produktionsprozesses — zum Aus-
gangspunkt nehmen. Denn bestimmte Elemente von P müssen be-
ständig in natura ersetzt werden, andere nicht. Wohl aber gibt die
Form G...G’ diese Dieselbigkeit des Umschlags. Nehmen wir zum
Beispiel eine Maschine zum Wert von 10000 Pfd. Sterl., die 10 Jahre
dauert, wovon sich also jährlich !/,9 = 1000 Pfd. Sterl. in Geld rück-
verwandelt. Diese 1000 Pfd. Sterl. haben sich im Lauf eines Jahres
aus Geldkapital in produktives Kapital und Warenkapital und aus
diesem in Geldkapital rückverwandelt. Sie sind zu ihrer ursprüng-
lichen Geldform zurückgekehrt wie das flüssige Kapital, wenn wir
es unter dieser Form betrachten, und es ist dabei gleichgültig, ob
das Geldkapital von 1000 Pfd. Sterl. wieder am Ende des Jahres
in die Naturalform einer Maschine rückverwandelt wird oder nicht.
Bei der Berechnung des Gesamtumschlags des vorgeschossenen
produktiven Kapitals fixieren wir daher alle seine Elemente in der
Geldform, so daß die Rückkehr zur Geldform den Umschlag schließt.
Wir betrachten den Wert immer als in Geld vorgeschossen, selbst

142
        <pb n="196" />
        Neuntes Kapitel

143
beim kontinuierlichen Produktionsprozeß, wo diese Geldform des
Wertes nur die des Rechengelds ist. So können wir dann den
Durchschnitt ziehen.

3, Es folgt, daß, selbst wenn der bei weitem größere Teil des vor-
geschossenen produktiven Kapitals aus fixem Kapital besteht, dessen
Reproduktions-, also auch Umschlagszeit einen vieljährigen Zyklus
umfaßt, dennoch der während des Jahres umgeschlagene Kapital-
wert infolge der wiederholten Umschläge des flüssigen Kapitals
während des Jahres größer sein kann als der Gesamtwert des vor-
geschossenen. Kapitals.

Das fixe Kapital sei gleich 80000 Pfd. Sterl., seine Reproduktions-
zeit gleich 10 Jahre, so daß 8000 Pfd. Sterl. davon jährlich zu ihrer
Geldform zurückkehren oder es !/,9 seines Umschlags vollzieht. Das
Aüssige Kapital sei gleich 20000 Pfd. Sterl. und schlage fünfmal im
Jahre um. Das Gesamtkapital ist dann gleich 100000 Pfd. Sterl.
Das umgeschlagene fixe Kapital ist gleich 8000 Pfd. Sterl.; das um-
geschlagene fAüssige Kapital gleich 5 X 20000 = 100000 Pfd. Sterl.
Also ist das während des Jahres umgeschlagene Kapital gleich
108000 Pfad. Sterl., größer um 8000 Pfd. Sterl. als das vorgeschossene
Kapital. 1-+4- des Kapitals hat umgeschlagen.

4. Der Wertumschlag des vorgeschossenen Kapitals trennt
sich also von seiner wirklichen Reproduktionszeit oder der realen
Umsehlagszeit seiner Bestandteile. Kin Kapital von 4000 Pfd.
Sterl. schlage zum Beispiel fünfmal im Jahre um, Das umgeschla-
gene Kapital ist dann 5 x 4000 = 20000 Pfd. Sterl. Was aber
am Ende jedes Umschlags zurückkehrt, um wieder von neuem vOor-
geschossen zu werden, ist das ursprünglich vorgeschossene Kapital
von 4000 Pfd. Sterl. Seine Größe wird nicht verändert durch
die Anzahl der, Umschlagsperioden, während deren es von neuem
als Kapital fungiert. (Abgesehen vom Mehrwert.)

In dem Beispiel sub 3 also ist nach der Voraussetzung am Ende
des Jahres in die Hand des Kapitalisten zurückgekehrt a) eine Wert-
summe von 20000 Pfad. Sterl, die er von neuem in den flüssigen
Bestandteilen des Kapitals auslegt, und b) eine Summe von 8000

Pfd.; Sterl., die sich durch den Verschleiß vom Wert des VvOor-
geschossenen fixen Kapitals losgelöst hat; daneben existiert nach
wie vor dasselbe fixe Kapital im Produktionsprozeß fort, aber mit
dem verminderten Wert von 72000 Pfad. Sterl. statt 80000 Pfd.
Sterl. Es bedürfte also noch neunjähriger Fortsetzung des
Produktionsprozesses, bis das vorgeschossene fixe Kapital sich aus-
gelebt und sowohl als Produktbildner wie Wertbildner ausfungiert
hat und ersetzt werden muß. Der vorgeschossene Kapitalwert hat
also einen. Zyklus?! von Umschlägen zu beschreiben, im gegebenen
Fall zum Beispiel einen Zyklus von zehn jährlichen Umschlägen —
22i Zyklus heißt wörtlich Kreis, Hier ist das Wort wohl besser als „„zu-
sammenhängende Reihe‘ zu übersetzen. K.
Das Kapital. II.
        <pb n="197" />
        144

Zweiter Abschnitt
und zwar ist dieser Zyklus bestimmt durch die Lebenszeit, daher
die Reproduktionszeit oder Umschlagszeit des angewandten fixen
Kapitals.
In demselben Maße also, worin sich mit der Entwicklung der
kapitalistischen Produktionsweise der Wertumfang und die Lebens-
dauer des angewandten fixen Kapitals entwickelt, entwickelt sich
das Leben der Industrie und des industriellen Kapitals in jeder
besonderen Anlage zu einem vieljährigen, sage im Durchschnitt zehn-
jährigen. Wenn einerseits die Entwicklung des fixen Kapitals dieses
Leben ausdehnt, so wird es anderseits abgekürzt durch die be-
ständige Umwälzung der Produktionsmittel, die ebenfalls mit der
Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise beständig zu-
nimmt. Mit ihr daher auch der Wechsel der Produktionsmittel und
die Notwendigkeit ihres beständigen Ersatzes infolge des moralischen
Verschleißes, lange bevor sie physisch ausgelebt sind. Man kann
annehmen, daß für die entscheidendsten Zweige der großen Industrie
dieser Lebenszyklus jetzt im Durchschnitt ein zehnjähriger ist. Doch
kommt es hier nicht auf die bestimmte Zahl an. Soviel ergibt sich:
Durch diesen eine. Reihe von Jahren umfassenden Zyklus von zu-
sammenhängenden Umschlägen, in welchen das Kapital durch seinen
fixen Bestandteil gebannt ist, ergibt. sich eine materielle Grundlage
der periodischen Krisen, worin das Geschäft aufeinanderfolgende
Perioden der Abspannung, mittleren Lebendigkeit, Ueberstürzung,
Krise durchmacht. Es sind zwar die Perioden, worin Kapital an-
gelegt wird, sehr verschiedene und auseinanderfallende. Indessen
bildet die Krise immer den Ausgangspunkt einer großen Neuanlage.
Also auch — die ganze Gesellschaft betrachtet — mehr oder minder
eine neue materielle Grundlage für den nächsten Umschlagszyklus22k,

5. Ueber die Berechnungsweise des Umschlags lassen wir einen
amerikanischen Oekonomen sprechen.

„In einigen Geschäftszweigen wird das ganze vorgeschossene
Kapital mehrere Male innerhalb eines Jahres umgeschlagen oder
zirkuliert; in einigen andern schlägt ein Teil mehr als einmal im
Jahr um, ein anderer Teil nicht so häufig. Es ist die Durchschnitts-
periode, die sein ganzes Kapital gebraucht, um durch seine Hand zu
passieren oder um einmal umzuschlagen,. wonach ein Kapitalist
seinen Profit berechnen muß. Angenommen, jemand. habe in einem
bestimmten Geschäft die Hälfte seines Kapitals in Gebäuden und

Maschinerie angelegt, die einmal in 10 Jahren erneuert werden,
ein Viertel in Werkzeugen ete., die in 2 Jahren erneuert werden,

2X) „Die städtische Produktion ist an den Turnus [die Reihenfolge] der
Tage gebunden, die ländliche hingegen an den Turnus der Jahre.“ {Adam
H, Müller: „Die Elemente der Staatakunst. Berlin 1809,“ III. {In der
Engelsschen Ausgabe: II. K.] 8. 178.) Dies ist die naive Vorstellung der
Romantik von Industrie und Agrikultur.
        <pb n="198" />
        Neuntes Kapitel

145

das letzte Viertel, ausgelegt in Arbeitslöhnen und Rohstoffen, wäre
zweimal im Jahre umgeschlagen. Sein ganzes Kapital sei 50000
Dollar. Dann wird seine Jahresauslage sein:
3,9% — 925000 Dollar in 10 Jahren —= 2500 Dollar in 1 Jahr
X = 12500 ” „2 ” = 6250 „ ” ”
200 — 12500 „ 1a ” = 25000 9 nn
in 1 Jahr = 33750 Dollar
Die Durchschnittszeit also, in der sein ganzes Kapital einmal um-
geschlagen wird, ist 16 Monate.... Nehmen wir einen andern Fall:
Ein Viertel des Gesamtkapitals von 50000 Dollar zirkuliert 'in
10 Jahren, ein Viertel in 1 Jahr, die übrige Hälfte zweimal in
1 Jahr. Dann wird die jährliche Auslage sein:
120 = 1250 Dollar
12500 = 12500
25000 X 2 = 50000
In 1 Jahr umgeschlagen = 63 750 Dollar.“ .
(Scrope: „Political Economy, ed. Alonzo Potter. New York 1841“,
p. 141, 142.)221
6. Wirkliche und scheinbare. Verschiedenheiten im Umschlag der
verschiedenen Teile des Kapitals, — Derselbe Scrope sagt an der-
selben Stelle: „Das Kapital, das ein Fabrikant, Landwirt oder
Kaufmann in der Zahlung von Arbeitslöhnen auslegt, zirkuliert am
schnellsten, da es vielleicht einmal in der Woche, wenn seine Leute
wöchentlich bezahlt werden, durch die wöchentlichen Einkünfte aus
seinen Verkäufen oder bezahlten Fakturen [Rechnungen Jumgeschlagen
wird. Das in Rohstoffen oder fertigen Vorräten ausgelegte zirkuliert
weniger rasch; es mag zweimal oder viermal im Jahr umschlagen,
je nach der Zeit, die zwischen dem Einkauf der einen und dem
Verkauf der andern verbraucht wird, vorausgesetzt, daß er auf
gleiche Kreditfrist kauft und verkauft. Das in Werkzeugen und
Maschinen steckende Kapital zirkuliert noch langsamer, da es im
Durchschnitt vielleicht nur einmal in 5 oder 10 Jahren umge-
schlagen, das heißt konsumiert und erneuert wird, obwohl manche
Werkzeuge schon in einer einzigen Reihe von Operationen auf-
gebraucht werden. Das in Gebäuden, zum Beispiel Fabriken, Läden,

21 Die von Marx zitierte amerikanische Ausgabe war nicht zu finden ;
in der 1. englischen Ausgabe (London 1833) ist die betreffende Stelle auf
S. 156/157 enthalten. Die Rechnung ist statt in Dollars in Pfd. Sterl.
durchgeführt (auf der Basis 1 Pfd. Sterl. == 5 Dollars); außerdem stellt
Serope in sie noch „„7' % auf 10000 Pfd. Sterl.“ —- vermutlich als
Profit — ein, so daß sich im ersten Beispiel insgesamt 7500 Pfd. Sterl.
= 37500 Dollars ergeben; erst bei Berücksichtigung dieser Summe erhält
man als Durchnittszeit für den Umschlag 16 Monate. Das zweite Beispiel
wäre entsprechend abzuändern. K.
        <pb n="199" />
        146

Zweiter Abschnitt
Lagerhäusern, Scheunen, in Straßen, Bewässerungsanlagen ‚etc.
ausgelegte Kapital scheint überhaupt kaum zu zirkulieren. Inder
Tat aber werden auch diese Anlagen vollständig ebensosehr wie die
früher erwähnten aufgebraucht, während sie zur Produktion bei-
tragen, und müssen reproduziert werden, damit der Produzent seine
Operationen fortführen kann. Nur mit dem Unterschied, daß. sie
langsamer konsumiert und reproduziert werden als die übrigen....
Das in ihnen angelegte Kapital schlägt vielleicht erst in 20 oder
50 Jahren um.‘“22m
Scrope verwechselt hier den durch Zahlungstermine und Kredit-
verhältnisse für den individuellen Kapitalisten bewirkten Unter-
schied im Fluß bestimmter Teile des Aüssigen Kapitals mit den aus
der Natur des Kapitals hervorgehenden Umschlägen. Er sagt, der
Arbeitslohn muß wöchentlich gezahlt werden, durch die wöchent-
lichen Einkünfte aus den bezahlten Verkäufen oder Fakturen.
Erstens ist hier zu bemerken, daß mit Bezug auf den Arbeitslohn
selbst Unterschiede eintreten, je nach der Länge des Zahlungs-
termins, das heißt der Länge der Zeit, wofür der Arbeiter dem Kapi-
talisten Kredit zu geben hat, also je nachdem der Zahlungstermin
des Lohnes wöchentlich, monatlich, dreimonatlich, halbjährlich usw.
Es gilt hier das früher entwickelte Gesetz: „Die notwendige Masse
des Zahlungsmittels (also des auf einen Schlag vorzuschießenden
Geldkapitals) steht im geraden 22" Verhältnis zur Länge der Zahlungs-
perioden,‘“ (Buch I, Kapitel II, 3b, 2. Aufl., 8.124, V. S. 99.)
Zweitens: In das wöchentliche Produkt geht die Gesamtheit nicht

nur des in seiner Produktion durch die Wochenarbeit zugesetzten
Neuwerts ein, sondern ebenso der Wert der im Wochenprodukt auf-
gezehrten Roh- und Hilfsstoffe. Mit dem Produkt zirkuliert dieser
in ihm enthaltene Wert. Durch den Verkauf dieses Produkts erhält
er die Geldform und muß von neuem in dieselben Produktions-
glemente umgesetzt werden. Es gilt dies ebensowohl von der Arbeits-
kraft wie von Roh- und Hilfsstoffen. Aber man hat bereits gesehen
(Kapitel VI, IT, 1), daß die Kontinuität der Produktion einen Vorrat
von Produktionsmitteln erheischt, verschieden für verschiedene
Geschäftszweige, und im selben Geschäftszweig wieder verschieden
für verschiedene Bestandteile dieses Elements des flüssigen Kapitals,

zum Beispiel für Kohle und Baumwolle, Obgleich daher diese Stoffe

beständig in natura ersetzt werden müssen, brauchen sie nicht

beständig neu gekauft zu werden. Wie oft sich der Kauf erneuert,

hängt von der Größe des angelegten Vorrats ab, wie lange er vorhält,

bis er erschöpft ist. Bei der Arbeitskraft findet solches Einlegen von

Vorrat nicht statt. Die Rückverwandlung in Geld geht für den in
Arbeit ausgelegten Kapitalteil Hand. in Hand mit der des in Hilfs-
22m Serope: „Political Economy, London 1833“, p. 155, 156. X.
%n In der Engelsschen Ausgabe steht „umgekehrten‘, Auf dieses Ver-
sehen wurde schon hingewiesen im Vorwort zu Buch I, V.S. XX. E.
        <pb n="200" />
        Zehntes Kapitel

147

und Rohstoff ausgelegten. Aber die Rückverwandlung des‘ Geldes
einerseits in Arbeitskraft, anderseits in Rohstoffe geht getrennt
vor sich wegen der besonderen Kauf- und Zahlungstermine dieser
beiden Bestandteile, von denen der eine als produktiver Vorrat
in längeren Terminen gekauft wird, der andere, die Arbeitskraft,
in kürzeren, zum Beispiel wöchentlich. Anderseits muß der Kapi-
talist neben dem Produktionsvorrat einen Vorrat fertiger Waren
halten. Abgesehen von Verkaufsschwierigkeiten etc. ist zum
Beispiel eine bestimmte Masse auf Bestellung zu produzieren.
Während der letzte Teil derselben produziert wird, wartet der schon
fertige auf dem Speicher bis zur Zeit, wo die Bestellung ganz aus-
geführt werden kann. Andere Unterschiede im Umschlag des
flüssigen Kapitals entstehen, sobald einzelne Elemente desselben
Jänger als andere in einem vorläufigen Stadium des Produktions-
prozesses (Austrocknung von Holz usw.) verharren müssen.

Das Kreditwesen, auf das Scrope hier Bezug nimmt, wie das
Handelskapital modifiziert den Umschlag für den einzelnen. Kapi-
talisten. Auf gesellschaftlicher Stufenleiter modifiziert es ihn nur,
soweit es nicht nur die Produktion, sondern auch die Konsumtion
beschleunigt.

Zehntes Kapitel.
Theorien über lixes und zirkulierendes Kapital.
Die Physiokraten und Adam Smith,

Bei Quesnay erscheint der Unterschied von fixem und zirkulieren-
dem Kapital als avances primitives [ursprüngliche oder erste Vor-
schüsse] und avances annuelles [jährliche Vorschüsse] Er stellt
diesen Unterschied richtig dar als Unterschied innerhalb des pro-
duktiven, dem unmittelbaren Produktionsprozeß einverleibten
Kapitals. Da ihm das in der Agrikultur angewandte Kapital, also
das Kapital des Pächters, als das einzig wirklich produktive gilt, so
ergeben sich diese Unterschiede auch nur für das Kapital des Päch-
ters. Hieraus ergibt sich auch die jährliche Umschlagszeit des einen
Teils des Kapitals und die mehr als jährliche (zehnjährige) des andern.
Beiläufig übertragen die Physiokraten im Lauf der Entwicklung
diese Unterschiede auch auf andere Sorten Kapital, auf das indu-
strielle Kapital überhaupt. Für die Gesellschaft bleibt der Unter-
schied zwischen jährlichen und mehrjährigen Vorschüssen So wichtig,
daß viele Oekonomen selbst nach A. Smith zu dieser Bestimmung
zurückkehren.

Der Unterschied zwischen beiden Arten von Vorschüssen ent-
steht erst, sobald vorgeschossenes Geld in die Elemente des produk-
tiven Kapitale verwandelt ist. Es ist ein Unterschied einzig und
allein innerhalb des produktiven Kapitals. Es fällt Quesnay daher
nicht ein, das Geld, sei es zu den ursprünglichen, sei es zu den
        <pb n="201" />
        148

Zweiter Abschnitt
jährlichen Vorschüssen zu rechnen. Als Vorschüsse der Produktion —
das heißt als produktives Kapital — stehen sie beide sowohl dem
Geld wie den auf dem Markt befindlichen Waren gegenüber. Ferner
reduziert sich der Unterschied dieser beiden Elemente des produk-
tiven Kapitals bei Quesnay richtig auf die verschiedene Weise,
worin sie in den Wert des fertigen Produkts eingehen, daher auf die
verschiedene Weise, worin ihr Wert mit dem Produktenwert zirku-
liert wird, und daher die verschiedene Weise ihres Ersatzes oder
ihrer Reproduktion, indem der Wert des einen jährlich ganz, der
des andern in längeren Perioden stückweise ersetzt wird 2,

Der einzige Fortschritt, den A. Smith macht, ist die Verall-
gemeinerung der Kategorien. Sie bezieht sich bei ihm nicht mehr
auf eine spezielle Form des Kapitals, das Pächterkapital, sondern
auf jede Form des produktiven Kapitals. Es folgt daher von selbst,
daß an die Stelle des der Agrikultur entnommenen Unterschiede
zwischen jährlichem und mehrjährigem Umschlag der allgemeine
Unterschied verschiedenzeitigen Umschlags tritt, so daß ein Umschlag
des fixen Kapitals stets mehr als einen Umschlag des zirkulierenden
Kapitals umfaßt, welches immer die Zeitdauer dieser Umschläge
des. zirkulierenden Kapitals sei, jährlich, mehr als jährlich oder
weniger als jährlich. So verwandeln sich bei Smith die avances
annuelles in zirkulierendes und die avances primitives in fixes
Kapital. Auf diese Verallgemeinerung der Kategorien beschränkt
sich aber sein Fortschritt. Die Ausführung fällt weit hinter Quesnay
zurück,

Gleich die roh empirische Art [die Art des bloßen Praktikers],
wie Smith die Untersuchung eröffnet, leitet die Unklarheit ein:

% Vgl. für Quesnay die „Analyse du Tableau Economique“, (Physiocrates,
ad. Daire, I. Partie, Paris 1846.) Es heißt dort zum Beispiel: „Die jährlichen
Vorschüsse bestehen in den Ausgaben, die jährlich für die Arbeit des Acker-
baues gemacht werden; diese Vorschüsse müssen von den ursprünglichen
Vorschüssen unterschieden werden, die die Grundlage für die Einrichtung
der Wirtschaft bilden“. („Les avances annuelles consistent dans les depenses
qui se font annuellement pour le travail de la culture; ces avances doivent
ötre distingudes des avances primitives, qui forment le fonds de Vetabliese-
ment de la culture.‘ p. 59.) — Bei den jüngeren Physiokraten werden die
avances schon mehrfach direkt als capital bezeichnet: „Capital ou avan-
ces‘‘, Dupont de Nemours, Maximes du Doeteur Quesnay. (Daire, I,
p. 391) [vergleiche darüber den Schluß der Note]; ferner Le Trosne
(De l’Interöt Social): „Infolge der größeren oder geringeren Haltbarkeit
der Arbeitsprodukte besitzt eine Nation einen von der jährlichen
Reproduktion unabhängigen beträchtlichen Vorrat an Reichtümern, der
ein von langer Hand angesammeltes Kapital darstellt, das ursprünglich
mit Produkten bezahlt wurde und sich stets erhält und vermehrt“,
(„Au moyen de la durge plus ou moins grande des ouvrages de main
d’oeuvre, une nation possede un fonds considerable de richesses, indepen-
dant de. sa reproduction annuelle, qui forme un capital accumule de
longue main, et originairement paye avec des productions, qui s’entretient
        <pb n="202" />
        Zehntes Kapitel

149

„Es gibt zwei verschiedene Arten, in denen ein Kapital verwendet
werden kann, um seinem Besitzer ein Einkommen oder Gewinn
zu verschaffen.“ 23%

Die Arten, worin Wert angelegt werden kann, um als Kapital
zu fungieren, um seinem Eigner einen Mehrwert abzuwerfen, sind
ebenso verschieden, ebenso mannigfach wie die Anlagesphären des
Kapitals. Es ist eine Frage nach den verschiedenen Produktions-
zweigen, worin Kapital angelegt werden kann. Die Frage, so formu-
liert, geht noch weiter. Sie schließt die Frage ein, wie Wert, auch
wenn er nicht als produktives Kapital angelegt wird, als Kapital
für seinen Eigner fungieren kann, zum Beispiel als zinstragendes
Kapital, Kaufmannskapital usw. Hier sind wir also schon himmel-
weit entfernt von dem wirklichen Gegenstand der Analyse, nämlich
von der Frage: wie die Teilung des produktiven Kapitals in seine
verschiedenen Elemente, abgesehen von ihrer verschiedenen Anlage-
sphäre, auf ihren Umschlag wirkt.

A. Smith fährt dann gleich fort: „Erstens kann es in der Er-
zeugung, Bearbeitung oder im Einkauf von Gütern und in ihrem
Wiederverkauf mit Gewinn verwendet werden.‘‘ 23 A, Smith sagt
uns hier nichts, als daß Kapital angewandt werden kann in der
Agrikultur, der Manufaktur und dem ‚Handel. Er spricht also nur
von den verschiedenen Anlagesphären des Kapitals und auch von
solchen, worin, wie im Handel, das Kapital nicht dem unmittelbaren
Produktionsprozeß einverleibt ist, also nicht als produktives Kapital
fungiert. Damit verläßt er schon die Grundlage, worauf die Physio-
kraten die Unterschiede des produktiven Kapitals und ihren Einfluß
auf den Umschlag darstellen. Ja, er nimmt sofort auch das Kauf-
mannskapnital als Beispiel in einer Frage, wo es sich ausschließlich
et s’augmente toujours.“ Daire, II, p. 928.) — Turgot braucht das Wort
capital schon regelmäßiger für avances, und identifiziert noch mehr die
avances der manufacturiers [Vorschüsse der Industriellen] mit denen der
Pächter. (Turgot: „Reflexions sur la Formation et la Distribution des Riches-
ses, 1766.) [In der Engelsschen Ausgabe wird als der Titel des oben be-
zeichneten Buches von Dupontde Nemours „Origines et Progres d’une science
nouvelle‘“ genannt. Ferner ist die Seitenzahl mit 291 statt 391 angegeben,
Dieserletztere Irrtum ist wohl die Ursache der ganzen Verwechslung. Im Marx;
scheu Manuskript stand offenbar nicht der Titel des Buches, sondern bloß:
Daire, I, p. 291. In dem Daireschen Bande sind mehrere Schriften zusam-
men abgedruckt. Die Seite 291 gehört zu der Abhandlung „Origines et Pro-
grös etc.“ Daher fügte Engels diesen Titel ein. Der zitierte Satz findet sich
aber auf Seite 391, die zu der Ausgabe Duponts de Nemours der „Maximes
du Docteur Quesnay“ gehört. Es kostete einige Mühe. diesen verzwickten
Sachverhalt festzustellen. K.]

%a There are two different ways in which a capital may be employed
so as to yield a revenue or profit to its employer.‘“ (‚Wealth of Nations,
ed. Aberdeen 1848“, b. II, ch. 1, p. 189.) ;

. 2b „First, it may be employed in raising, manufacturing, or purchas-
ing goods, and selling, them again with a profit.“
        <pb n="203" />
        150

Zweiter Abschnitt
um Differenzen des produktiven Kapitals im Produkt- und Wert-
bildungsprozeß handelt, die selbst wieder Differenzen in seinem
Umschlag und seiner Reproduktion erzeugen. .

Er fährt fort: „Das Kapital, das in dieser Weise verwendet wird,
wirft seinem Besitzer kein Einkommen oder Gewinn ab, solange es
entweder in seinem Besitz bleibt oder in derselben Form verharrt.“ 236
— Das Kapital, das in dieser Weise verwendet wird! Aber Smith
spricht von Kapital, das in der Agrikultur, in der Industrie angelegt
ist, und er sagt uns später, daß das so angelegte Kapital in fixes
und zirkulierendes zerfällt! Die Anlage des Kapitals in dieser Art
kann also das Kapital weder zu fixem noch zu zirkulierendem
machen.

Odermeinte er, daß Kapital, angewandt, um Waren zu produzieren
und diese Waren mit einem Profit zu verkaufen, nach seiner Ver-
wandlung in Waren verkauft werden und durch den Verkauf erstens
aus dem Besitz des Verkäufers in den des Käufers übergehen, zweitens
aus seiner Naturalform als Ware in seine Geldform sick umsetzen
muß, und daher dem Besitzer unnütz ist, solange es entweder in
seinem Besitz oder — für ihn — in derselben Form bleibt? Aber
dann kommt die Sache darauf hinaus: Derselbe Kapitalwert, der
früher in der Form des produktiven Kapitals fungierte, in einer
dem Produktionsprozeß angehörigen Form, fungiert jetzt als Waren-
kapital und Geldkapital, in seinen dem Zirkulationsprozeß angehö-

rigen Formen, ist also weder fixes noch flüssiges: Kapital mehr.
Und es gilt dies ebensowohl für die Wertelemente, welche durch
Roh- und Hilfsstoffe, also durch flüssiges, wie für diejenigen, welche
durch den Verbrauch der Arbeitsmittel, also durch fixes Kapital
zugefügt werden. Wir kommen auch so dem Unterschied von
fixem und flüssigem Kapital keinen Schritt näher.

Weiter: „Die Güter des Kaufmanns werfen ihm kein Einkommen
oder Gewinn ab, bis er sie für Geld verkauft, und das Geld wirft
ihm ‚ebensowenig ab, bis es wieder für Güter ausgetauscht wird,
Sein Kapital geht ununterbrochen in der einen Form von ihm und
kehrt in einer andern zu ihm zurück, und es kann nur mit Hilfe
einer solchen Zirkulation oder aufeinander folgender Tauschakte
irgendeinen Gewinn abwerfen. Derartige Kapitalien können deshalb
im eigentlichen. Sinne des Wortes zirkulierende Kapitalien genannt
werden. .‘‘23d

26 „The capital employed in this manner yields no revenue or profit
to its employer, while it either remains in his possession or continues in the
same shape.“

»d „The goods of the merchant yield. him no revenue or profit till he
sells them for money, and the money yields him as little till it is again
exchanged for goods. His capital is continually going from him in one shape,
and returning to him in another, and it is only by means of such circulation,
or Succeßsive exchanges, that it can yield him any profit. Such capitals, there-
iore, may very properly be called eirculating capitals.*
        <pb n="204" />
        Zehntes Kapitel

151

Was A. Smith hier als zirkulierendes Kapital bestimmt, ist das,
was ich Zirkulationskapital nennen will, Kapital in der dem
Zirkulationsprozeß, dem Formwechsel vermittels des Austausches
(Stoffwechsels und Händewechsels) angehörigen Form, also Waren-
kapital und Geldkapital, im Gegensatz zu seiner dem Produktions-
prozeß angehörigen Form, der des produktiven Kapitals. Es sind
dies keine besonderen Arten, worin der industrielle Kapitalist sein
Kapital teilt, sondern es sind verschiedene Formen, die derselbe
vorgeschossene Kapitalwert in seinem currieulum vitae [Lebens-
lauf] nacheinander stets von neuem annimmt und abstreift, Dies
wirft A. Smith — und das ist ein großer Rückschritt gegen. die
Physiokraten — zusammen mit den Formunterschieden, die inner-
halb der Zirkulation des Kapitalwerts, in seinem Kreislauf durch
seine sukzessiven Formen entspringen, während der Kapitalwert
sich in der Form des produktiven Kapitals befindet, und
zwar entspringen aus der verschiedenen Weise, worin die verschie-
denen Elemente des produktiven Kapitals am Wertbildungsprozeß
sich beteiligen und ihren Wert auf das Produkt übertragen. Wir
werden die Folgen dieser Grundverwechslung zwischen dem pro-
duktiven und dem in der Zirkulationssphäre befindlichen Kapital
(Warenkapital und Geldkapital) einerseits und zwischen fixem und
Aüssigem Kapital anderseits weiter unten. sehen. Der in fixem
Kapital vorgeschossene Kapitalwert wird ebensowohl durch das
Produkt zirkuliert wie der im flüssigen Kapital vorgeschossene,
und er verwandelt sich durch die Zirkulation des Warenkapitals
ebensosehr in Geldkapital wie der andere. Der Unterschied ent-
springt nur daraus, daß sein Wert bruchweise zirkuliert und daher
auch bruchweise, in kürzeren oder längeren Perioden ersetzt, in
Naturalform reproduziert werden muß.

Daß A. Smith hier unter zirkulierendem Kapital nichts versteht
als Zirkulationskapital, das heißt den Kapitalwert in seinen dem
Zirkulationsprozeß angehörigen Formen (Warenkapital und Geld-
kapital), beweist das von ihm mit besonderem Ungeschick gewählte
Beispiel. Er nimmt als Beispiel eine Kapitalart, die gar nicht dem
Produktionsprozeß angehört, sondern nur in der Zirkulationssphäre
haust, nur aus Zirkulationskapital besteht, das Kaufmannskapital.

Wie abyeschmackt es ist, mit einem Beispiel zu beginnen, worin
das Kapital überhaupt nicht als produktives Kapital figuriert, sagt
er selbst gleich darauf: „Das Kapital eines Kaufmanns ist ganz und
gar zirkulierendes Kapital.‘“ („The capital of a merchant is altogether
a circulating capital.‘“‘) Aber der Unterschied zwischen zirkulierendem
und fixem Kapital soll ja, wie uns später gesagt wird, ein aus wesent-
lichen Unterschieden innerhalb des produktiven Kapitals selbst ent-
springender sein. Einerseits hat A. Smith den physiokratischen Un-
terschied im. Kopf, anderseits die Formunterschiede, die der Kapi-
talwert in seinem Kreislauf durchmacht. Und beides geht bunt durch-
einander.
        <pb n="205" />
        152

Zweiter Abschnitt
Wie aber ein Profit entstehen soll durch den Formwechsel von
Geld und Ware, durch. bloße Verwandlung des Wertes aus einer dieser
Formen in die andere, ist absolut nicht abzusehen.. Auch wird die
Erklärung absolut unmöglich, weil er hier beginnt mit dem Kauf-
mMannskapital, das sich nur in der Zirkulationssphäre bewegt. Wir
kommen hierauf zurück; hören wir zunächst, was er über das fixe
Kapital sagt:

„Zweitens kann es (Kapital) in der Melioration von Grund und
Boden, im Ankauf nützlicher Maschinen und Werkzeuge oder in ähn-
lichen Dingen angelegt werden, die ein Einkommen oder Gewinn ab-
werfen, ohne den Besitzer zu wechseln oder irgendwie weiter zu zirku-
lieren. Solche Kapitalien können deshalb fixe Kapitalien im eigent-
lichen Sinne des Wortes genannt werden. Verschiedene Beschäf-
tigungen erfordern sehr verschiedene Größenverhältnisse zwischen
dem fixen und dem zirkulierenden Kapital, das in ihnen verwendet
wird... Jeder Handwerksmeister oder Fabrikant muß einen ge-
wissen Teil seines Kapitals in den Arbeitsmitteln seines Gewerbes
festlegen. Dieser Teil ist jedoch in manchen sehr klein und in man-
chen sehr groß... Der bei weitem größere Teil des Kapitals all dieser
Handwerker (wie Schneider, Schuster, Weber) wird jedoch entweder
in den Löhnen ihrer Arbeiter oder im Preis ihrer Rohstoffe zirkuliert
und im Preis ihres Produkts mit einem Gewinn zurückerstattet.‘ 23

Abgesehen von der kindlichen Bestimmung über die Quelle des
Profits tritt das Schwache und Konfuse gleich darin hervor: Für einen
Maschinenfabrikanten zum Beispiel ist die Maschine Produkt, das2!
als Warenkapital zirkuliert, also in A. Smiths Worten: „weitergegeben
wird, den Besitzer wechselt, weiter zirkuliert‘“ (‚is parted with,
changes masters, circulates further‘). Die Maschine wäre also
nach seiner eigenen Bestimmung kein fixes, sondern zirkulieren-
des Kapital. Diese Konfusion entspringt wieder daraus, daß Smith
den aus der verschiedenartigen Zirkulation der verschiedenen Ele-
mente des produktiven Kapitals entspringenden Unterschied. von
fixem und flüssigem Kapital verwechselt mit Formunterschieden, die
dasselbe Kapital durchläuft, soweit es innerhalb des Produktions-

%e , Secondly, it (eapital) may be employed in the improvement of land,
in the purchase of useful machines and instruments of trade, or in such
like things as yield a revenue or profit without changing masters, or cireulat-
ing any further. Such capitals, therefore, may very properly be called
üxed capitals. Different occupations require very different proportions
between the fixed and cireulating capitals employed in them... Some
part of the capital of every master artificer or manufacturer must be fixed
in. the instruments of his trade. This part, however, is very small in some,
and very great in others. . .. The far greater part of the capital of all such
master artificers however is circulated, either in the wages of their work-
man, or in the price of their materials, and repaid [in der Engelsschen
Ausgabe steht „to be repaid‘“ K.] with a profit by the price of the work.“

2sf Bei Engels „die“ K.
        <pb n="206" />
        Zehntes Kapitel

153
prozesses als produktives Kapital fungiert, dagegen innerhalb der
Zirkulationssphäre als Zirkulationskapital, das heißt als Warenkapital
oder als Geldkapital. Je nach der Stelle, die sie im Lebensprozeß des
Kapitals einnehmen, können dieselben Dinge daher bei A. Smith als
fixes Kapital fungieren (als Arbeitsmittel, Elemente des produktiven
Kapitals) und als „zirkulierendes‘‘ Kapital, Warenkapital (als Pro-
dukt, das aus der Produktionssphäre in die Zirkulationssphäre abge-
stoßen wird).

Aber A. Smith wechselt auf einmal den ganzen Einteilungs-
grund und widerspricht dem, womit er ein paar Zeilen vorher die
ganze Untersuchung eröffnet hatte. Es geschieht dies namentlich
mit dem Satz: „Es gibt zwei verschiedene Arten, in denen ein Kapital
verwendet werden kann, um seinem Besitzer ein Einkommen oder
einen Gewinn zu verschaffen‘, nämlich als zirkulierendes oder als
fixes Kapital. Danach waren dies also verschiedene Anwendungs-
weisen verschiedener voneinander unabhängiger Kapitale, wie Kapi-
tale entweder zum Beispiel in der Industrie oder in der Agrikultur an-
gewandt werden können.— Jetzt aber heißt es:,, Verschiedene Beschäf-
tigungen erfordern sehr verschiedene Größenverhältnisse zwischen
den fixen und den zirkulierenden Kapitalien, die in ihnen verwendet
werden.“ Fixes und zirkulierendes Kapital sind. jetzt nicht mehr ver-
schiedene selbständige Kapitalanlagen, sondern verschiedene Por-
tionen desselben produktiven Kapitals, die in verschiedenen Anlage-
sphären verschiedenen Anteil vom Gesamtwert dieses Kapitals bilden.
Es sind also Unterschiede, die aus der sachgemäßen Teilung des pro-
duktiven Kapitals selbst entspringen, und die daher nur mit Bezug
auf dieses gelten. Dem widerspricht aber wieder, daß das Handels-
kapital als bloß zirkulierendes Kapital dem fixen Kapital gegenüber-
gestellt wird, denn Smith selbst sagt: „Das Kapital eines Kaufmanns
ist ganz und gar zirkulierendes Kapital.‘ Es ist in der Tat ein nur
innerhalb der Zirkulationssphäre fungierendes Kapital und steht als
solches dem produktiven Kapital, dem dem Produktionsprozeß ein-
verleibten Kapital überhaupt gegenüber, kann aber eben deshalb nicht
als flüssiger (zirkulierender) Bestandteil des produktiven Kapitals
dem fixen Bestandteil des produktiven Kapitals gegenüberstehen.

Bei den Beispielen, die Smith gibt, bestimmt er als fixes Kapital
die instruments. of trade [Arbeitsmittel], als zirkulierendes Kapital
den Kapitalanteil, ausgelegt in Arbeitslöhnen und Rohstoffen, Hilfs-
stoffe eingerechnet, „im Preis des Produkts mit einem Gewinn zurück-
erstattet“ (repaid with a profit by the price of work).

Also zunächst wird nur ausgegangen von den verschiedenen Be-
standteilen des Arbeitsprozesses, Arbeitskraft (Arbeit) und Rohstoffen
auf der einen Seite, Arbeitsinstrumenten anf der andern. Diese aber
sind Kapitalbestandteile, weil eine Wertsumme, die als Kapital fun-
gieren soll, in ihnen ausgelegt ist. Sofern sind sie die stofflichen Ele-
mente,Daseinsweisendesproduk tiven, das heißt des im Produktions-
prozeß fungierenden Kapitals. Warum heißt nun der eine Teil fix?
        <pb n="207" />
        154

Zweiter Abschnitt
Weil „gewisse Teile des Kapitals in den Arbeitsmitteln festgelegt
werden müssen‘‘ (some parts of the capital must be fixed in the
instruments of trade). Aber der andere Teil ist auch fixiert in Arbeits-
lohn und Rohstoffen. Maschinen, indessen und „Werkzeuge oder
ähnliche Dinge ,.. werfen ein Einkommen oder Gewinn ab, ohne den
Besitzer zu wechseln oder irgendwie weiter zu zirkulieren. Solche
Kapitalien können daher fixe Kapitalien im eigentlichen Sinne des
Wortes genannt werden‘.

Nehmen wir zum Beispiel den Bergbau. Rohmaterial wird hier
gar nicht verwandt, indem der Arbeitsgegenstand, zum Beispiel das
Kupfer, ein Naturprodukt ist, das durch die Arbeit erst angeeignet
werden soll. Das erst anzueignende Kupfer, das Produkt des Pro-
zesses, das später als Ware, respektive Warenkapital, zirkuliert,
bildet kein Element des produktiven Kapitals. Kein Teil seines
Wertes ist darin ausgelegt. Anderseits die andern Elemente des
Produktionsprozesses, Arbeitskraft und Hilfsstoffe, wie Kohle,
Wasser usw., gehen ebensowenig stofflich in das Produkt ein. Die
Kohle wird ganz konsumiert und nur ihr Wert geht in das Produkt
ein, ganz wie ein Wertteil der Maschine ete. in das Produkt eingeht.
Endlich bleibt der Arbeiter ebenso selbständig dem Produkt, dem
Kupfer, gegenüber stehen wie die Maschine. Nur der Wert, den
er durch seine Arbeit produziert, ist jetzt Bestandteil des Kupfer-
werts. Also in diesem Beispiel wechselt, kein einziger Bestandteil
des produktiven Kapitals die Hände (masters, [die Besitzer] ), oder
wird keiner derselben weiter zirkuliert, weil keiner derselben stofflich
in das Produkt eingeht. Wo bleibt hier also das zirkulierende
Kapital? Nach A. Smiths eigener Definition bestände das ganze in
einem Kupferbergwerke zur Verwendung kommende Kapital nur
aus fixem Kapital.

Nehmen wir dagegen eine andere Industrie, die Rohstoffe an-
wendet, welche die Substanz [den grundlegenden Stoff] des Produkts
bilden, ferner Hilfsstoffe, die leiblich, nicht nur dem Werte nach wie
etwa Heizkohle, in das Produkt eingehen. Mit dem Produkt, dem
Garn zum Beispiel, wechselt auch der Rohstoff, die Baumwolle, woraus
es besteht, die Hände und geht aus dem Produktionsprozeß in den Kon-
sumtionsprozeß ein. Aber solange die Baumwolle als Element des
produktiven Kapitals fungiert, verkauft der Eigner sie nicht, sondern
bearbeitet sie, läßt Garn aus ihr machen. Er gibt sie nicht aus der
Hand. Oder, um Smiths grobfalsch-trivialen [platten] Ausdruck zu
brauchen, er macht keinen Profit, „indem es weitergegeben wird,
indem es den Besitzer wechselt oder indem es zirkuliert“ (by parting
with it, by its changing masters, or by eirculating it). Er läßt seine
Materialien ebensowenig zirkulieren wie seine Maschinen. Sie sind
fixiert im Produktionsprozeß, ganz so gut wie die Spinnmaschinen
und Fabrikgebäude. Ja, es muß ebenso beständig ein Teil des pro-
duktiven Kapitals in der Form von Kohle, Baumwolle ete. fixiert
sein wie in der von Arbeitsmitteln. Der Unterschied ist nur der. daß
        <pb n="208" />
        Zehntes Kapitel

155
die zur zum Beispiel wöchentlichen. Produktion von Garn nötige
Baumwolle, Kohle ete. beständig in der Produktion des Wochen-
produkts ganz konsumiert wird, daher durch neue Exemplare von
Baumwolle, Kohle etc. ersetzt werden muß, also diese Elemente
des produktiven Kapitals, obgleich sie der Art nach identisch bleiben,
beständig aus neuen Exemplaren derselben Art bestehen, während
dieselbe individuelle Spinnmaschine, dasselbe individuelle Fabrik-
gebäude fortfährt, ohne Ersatz durch ein neues Exemplar seiner Art
zu einer ganzen Reihe von Wochenproduktionen mitzuwirken. Als
Elemente des produktiven Kapitals sind alle seine Bestandteile be-
ständig im Produktionsprozeß fixiert, denn er kann nicht ohne sie
vorgehen. Und alle Elemente des produktiven Kapitals, fixe wie
flüssige, stehen gleichmäßig als produktives Kapital dem Zirkulations-
kapital, das heißt dem Warenkapital und Geldkapital gegenüber.

Ebenso verhält es sich mit der Arbeitskraft. Ein Teil des produk-
tiven Kapitals muß beständig in ihr fixiert sein, und es sind dieselben
identischen Arbeitskräfte wie dieselben Maschinen, die überall auf
längere Zeit von demselben Kapitalisten verwandt werden. Der
Unterschied zwischen ihnen und den Maschinen besteht hier nicht
darin, daß die Maschine ein für allemal gekauft ist (was auch nicht
der Fall, wenn sie zum Beispiel in Terminen abbezahlt wird), der
Arbeiter nicht —, sondern darin, daß die Arbeit, die dieser veraus-
gabt, ganz in den Wert des Produkts eingeht, dagegen der Wert
der Maschine nur bruchweise.,

Smith verwechselt verschiedene Bestimmungen, wenn er vom
zirkulierenden Kapital sagt im Gegensatz zum fixen: „Das Kapital,
das in dieser Weise verwendet wird, wirft seinem Besitzer kein Ein-
kommen oder Gewinn ab, solange es entweder in seinem Besitz bleibt
oder in derselben Form verharrt.‘““2%%£ Er stellt die nur formelle
Metamorphose der Ware, die das Produkt, das Warenkapital, in
der Zirkulationssphäre durchläuft, und die den Händewechsel
der Waren vermittelt, auf gleiche Stufe mit der körperlichen Meta-
morphose, welche die verschiedenen Elemente des produktiven Ka-
pitals während des Produktionsprozesses durchlaufen. Verwandlung
von Ware in Geld und von Geld in Ware, Kauf und Verkauf, wirft er
hier ohne weiteres zusammen mit Verwandlung von Produktions-
elementen in Produkt. Sein Beispiel für das zirkulierende Kapital
ist das Kaufmannskapital, das sich aus Ware in Geld, aus Geld in
Ware verwandelt — der der Warenzirkulation angehörige Formwech-
sel W— G — W. Dieser Formwechsel innerhalb der Zirkulation hat
aber für das fungierende industrielle Kapital die Bedeutung, daß die
Waren, worin das Geld rückverwandelt wird, Produktionselemente
(Arbeitsmittel und Arbeitskraft) sind, daß er also die Kontinuität

2g ‚The capital employed in this manner yields no revenue or profit
to its employer, while it either remains in his possession or continues in
the same shape.‘
        <pb n="209" />
        156

Zweiter Abschnitt
seiner Funktion vermittelt, den Produktionsprozeß als kontinuier-
lichen oder als Reproduktionsprozeß. Dieser ganze Formwechsel
geht in der Zirkulation vor; er ist es, der den wirklichen Ueber-
gang der Waren aus einer Hand in die andere vermittelt. Dagegen
die Metamorphosen, die das produktive Kapital innerhalb seines
Produktionsprozesses durchläuft, sind dem Arb eitsprozeß an-
gehörige Metamorphosen, notwendig, um die Produktionselemente
in das bezweckte Produkt zu verwandeln. A. Smith hält sich daran,
daß ein Teil der Produktionsmittel (die eigentlichen Arbeitsmittel)
im Arbeitsprozeß dient (was er fälschlich ausdrückt: „ihrem: Be-
sitzer einen Gewinn abwerfen‘“ — yield a profit to their master), indem
er seine Naturalform nicht verändert, sich nur allmählich ‚abnutzt,
während ein anderer Teil, die Materialien, sich verändert und gerade
durch seine Veränderung seine Bestimmung als Produktionsmittel
erfüllt. Dies verschiedene Verhalten der Elemente des produktiven
Kapitals im Arbeitsprozeß bildet aber nur den Ausgangspunkt des
Unterschieds zwischen fixem und nichtfixem Kapital, nicht diesen
Unterschied selbst, was sich schon daraus ergibt, daß es [das Ver-
halten] für alle Produktionsweisen, kapitalistische und nichtkapi-
balistische, gleichmäßig besteht. Diesem verschiedenen stofflichen
Verhalten entspricht aber die Wertabgabe an das Produkt, der
hinwieder der Wertersatz durch den Verkauf des Produkts ent-
spricht; und erst dies bildet jenen Unterschied. Das Kapital ist also
nicht fix, weil es in den Arbeitsmitteln fixiert ist, sondern weil ein Teil
seines in Arbeitsmitteln ausgelegten Wertes in denselben? fixiert;
bleibt, während ein anderer Teil als Wertbestandteil des Produkts
zirkuliert.

„Wenn es (das Kapital) verwendet wird, um zukünftigen Gewinn
zu verschaffen, so muß es diesen Gewinn entweder dadurch ver-
schaffen, daß es bei ihm (dem Besitzer) verbleibt oder von ihm geht.
In dem einen Fall ist es ein fixes, im andern ein zirkulierendes
Kanital.‘‘ 23i
Zunächst fällt hier auf die roh empirische, aus der Anschauungs-
weise des gewöhnlichen Kapitalisten geschöpfte Vorstellung des
Profits, die der besseren esoterischen [tieferen wissenschaftlichen]
Einsicht A. Smiths durchaus widerspricht. In dem Preis des Pro-
dukts ist der Preis sowohl der Materialien wie der Arbeitskraft
ersetzt worden, aber ebenso der von den Arbeitsinstrumenten durch
Verschleiß auf das Produkt übertragene Wertteil. Aus diesem Ersatz
entquillt in keinem Fall der Profit. Ob ein zur Produktion des
Produkts vorgeschossener Wert ganz oder stückweise, auf einmal

23h In der Engelsschen Ausgabe steht „demselben“. K.

1 „If it (the stock) is employed in procuring future profit, it must
procure this profit by staying with him (the employer), or by going from him.
In the one case it is a fixed, in the other it is a circulating capital.‘
(mn, 189.)
        <pb n="210" />
        Zehntes Kapitel

157
oder allmählich durch den Verkauf desselben ersetzt wird, kann
nur die Art und die Zeit des Ersatzes ändern; in keinem Fall aber
das beiden Gemeinschaftliche — den Wertersatz — in Schöpfung
von Mehrwert verwandeln. Es liegt hier zugrunde die gewöhnliche
Vorstellung, daß der Mehrwert, weil er erst durch den Verkauf des
Produkts, durch seine Zirkulation realisiert wird, nur aus dem Ver-
kauf, aus der Zirkulation entspringe. In der Tat ist die verschiedene
Entstehungsweise des Profits hier nur falsche Phrase dafür, daß
die verschiedenen Elemente des produktiven Kapitals verschieden
dienen, als produktive Elemente verschieden im Arbeitsprozeß
wirken. Schließlich wird der Unterschied nicht aus dem Arbeits-
respektive Verwertungsprozeß, aus der Funktion des produktiven
Kapitals selbst abgeleitet, sondern soll nur subjektiv gelten für den
einzelnen Kapitalisten, dem der eine Kapitalteil in dieser, der andere
in jener Weise nützlich sei.

Dagegen hatte Quesnay die Unterschiede aus dem Reproduktions-
prozeß und seinen Notwendigkeiten selbst hergeleitet. Damit dieser
Prozeß kontinuierlich sei, muß aus dem Wert des jährlichen Produkts
der Wert der jährlichen Vorschüsse jährlich ganz ersetzt werden,
dagegen der Wert des Anlagekapitals nur stückweise, so daß er erst
in einer Reihe von zum Beispiel zehn Jahren ganz ersetzt und daher
ganz reproduziert (durch neue Exemplare derselben Art ersetzt)
werden muß. A. Smith fällt also tief unter Quesnay zurück.

Es bleibt so bei A. Smith für die Bestimmung des fixen Kapitals
durchaus nichts übrig, als daß es Arbeitsmittel sind, die ihre Gestalt
nicht im Produktionsprozeß ändern und fortfahren, bis zu ihrer
Abnutzung in der Produktion zu dienen, gegenüber den Produkten,
zu deren Bildung sie mithelfen. Es wird vergessen, daß alle Elemente
des produktiven Kapitals beständig in ihrer Naturalform (als Arbeits-
mittel, Materialien und Arbeitskraft) dem Produkt und dem als
Ware zirkulierenden Produkt gegenüberstehen, und daß der Unter-
schied des aus Materialien und Arbeitskraft bestehenden Teils
von dem aus Arbeitsmitteln bestehenden Teil nur darin liegt, mit
Bezug auf die Arbeitskraft: daß sie stets neu gekauft wird (nicht
für ihre Dauer gekauft wird wie die Arbeitsmittel); in Bezug auf die
Materialien: daß nicht dieselben identischen, sondern stets neue
Exemplare derselben Art im Arbeitsprozeß fungieren. Es wird zu-
gleich der falsche Schein hervorgebracht, als ob der Wert des fixen
Kapitals nicht auch zirkuliere, obgleich A. Smith natürlich den Ver-
schleiß des fixen Kapitals als Teil des Produktenpreises früher
entwickelt hat.

Bei dem zirkulierenden Kapital als Gegensatz zum fixen wird
nicht. hervorgehoben, daß es diesen Gegensatz nur hat als derjenige
Bestandteil des produktiven Kapitals, der ganz aus dem Wert
des Produkts ersetzt werden und dessen Metamorphosen daher ganz
mitmachen muß, während dies bei dem fixen Kapital nicht der
Fall. Es wird vielmehr zusammengeworfen mit den Gestalten, die
        <pb n="211" />
        158

Zweiter Abschnitt
das Kapital bei seinem Uebergang aus der Produktionssphäre in die
Zirkulationssphäre annimmt, als Warenkapital und Geldkapital.
Aber beide Formen, Warenkapital und Geldkapital, sind Träger
des Wertes ebensowohl der fixen wie der flüssigen Bestandteile des
produktiven Kapitals. Beide sind Zirkulationskapital im Gegensatz
zum produktiven, aber nicht zirkulierendes (flüssiges) Kapital
im Gegensatz zum fixen.

Endlich: Durch die ganz schiefe Entwicklung vom Machen des
Profits durch das fixe Kapital, indem es im Produktionsprozeß
bleibt, durch das zirkulierende, indem es ihn verläßt und zirkuliert
wird — wird über die Dieselbigkeit der Form, die variables Kapital
und der flüssige Bestandteil des konstanten Kapitals im Umschlag
haben, der wesentliche Unterschied derselben im Verwertungs-
prozeß und der Bildung des Mehrwerts versteckt, also das ganze
Geheimnis der kapitalistischen Produktion noch mehr verdunkelt;
durch die gemeinsame Bezeichnung: zirkulierendes Kapital, wird
dieser wesentliche Unterschied aufgehoben; was dann die spätere
Oekonomie noch weiter führte, indem nicht der Gegensatz von
variablem und konstantem, sondern der von fixem und zirkulierendem
Kapital als das Wesentliche und allein Unterscheidende festgehalten
wurde. ;

Nachdem A. Smith fixes und zirkulierendes Kapital erst be-
zeichnet hat als zwei besondere Arten, Kapital anzulegen, die, jede
für sich betrachtet, einen Profit abwerfen, sagt er: „Kein fixes
Kapital kann eine Revenue ohne Hilfe eines zirkulierenden Kapitals
abwerfen. Die nützlichsten Maschinen und Arbeitsinstrumente
werden nichts ohne das zirkulierende Kapital produzieren, das die
Rohmaterialien, zu deren Bearbeitung sie verwendet werden, und
den Unterhalt der Arbeiter liefert, die sie verwenden.‘“23k

Hierkommft es heraus, was die früheren Ausdrücke: eine Revenue
abwerfen, einen Gewinn machen (yield a revenue, make a profit)
etc... bedeuten, daß nämlich beide Kapitalteile als Produktbildner
dienen.

A. Smith gibt nun folgendes Beispiel: „Der Teil des Kapitals
des Pächters, der in den landwirtschaftlichen Geräten angelegt ist,
ist ein fixes, derjenige, der in den Löhnen und dem Unterhalt seines
Arbeitsgesindes angelegt ist, ein zirkulierendes Kapital. (Hier
bezieht sich also der Unterschied von fixem und zirkulierendem
Kapital richtig nur auf die verschiedene Zirkulation, den Umschlag
verschiedener Bestandteile des produktiven Kapitals.) Er erzielt
bei dem einen einen Gewinn, indem er es in seinem eigenen Besitz

2X} No fixed capital can yield any revenue but by means of a cireulating
capital. The most useful machines and instruments of trade will produce
nothing without the cireulating capital which affords the materials they are
employed upon, and the maintenance of the workmen who employ them.“
(p. 188.)
        <pb n="212" />
        Zehntes Kapitel.

159
behält, und bei dem andern, indem er es weggibt. Der Preis oder
Wert seines Arbeitsviehs ist ein fixes Kapital (hier wieder das Rich-
tige, daß es der Wert ist, worauf sich der Unterschied bezieht, nicht
das stoffliche Element), in derselben Weise wie der der Wirtschafts-
geräte; dessen (des Arbeitsviehs) Erhaltungsmittel bilden ein zir-
kulierendes Kapital in derselben Art wie die des Gesindes. Der
Pächter erzielt seinen Profit, indem er seine Arbeitstiere behält und
ihre Unterhaltungsmittel weggibt. (Der Pächter behält das Futter
des Viehs, verkauft es nicht. Er verbraucht es als Viehfutter, während
er das Vieh selbst als Arbeitsinstrument verbraucht. Der Unter-
schied ist nur der: Das Viehfutter, das in die Erhaltung des Arbeits-
viehs eingeht, wird ganz aufgezehrt und muß beständig durch
neues Viehfutter aus dem Ackerbauprodukt oder seinem Verkauf
ersetzt werden; das Vieh selbst wird nur ersetzt im Maß, wie jedes
Stück der Reihe nach arbeitsunfähig wird.) Sowohl der Preis wie
die Erhaltungskosten des. Viehs, das gekauft und gemästet wird
nicht für die Arbeit, sondern zum Verkauf, sind ein zirkulierendes
Kapital. Der Pächter macht seinen Gewinn, indem er es weggibt.
(Jeder Warenproduzent, also auch der kapitalistische, verkauft sein
Produkt, das Resultat seines Produktionsprozesses, weswegen aber
dies Produkt weder fixen noch flüssigen Bestandteil seines produk-
tiven Kapitals bildet. Es besteht jetzt vielmehr in einer Form,
worin es aus dem Produktionsprozeß ausgestoßen ist und als Waren-
kapital fungieren muß. Das Mastvieh fungiert im Produktions-
prozeß als Rohmaterial, nicht als Instrument wie das Arbeitsvieh.
Es geht daher als Substanz in das Produkt ein, und sein ganzer Wert
geht in dasselbe ein wie der der Hilfsstoffe (sein Futter). Daher
ist es flüssiger Teil des produktiven Kapitals, nicht weil das ver-
kaufte Produkt — das Mastvieh — hier dieselbe Naturalform hat
wie der Rohstoff, das noch nicht gemästete Vieh. Dies ist zufällig.
Zugleich hätte aber Smith aus diesem Beispiel sehen können, daß es
nicht die dingliche Gestalt des Produktionselements ist, was dem
in ihm steckenden Wert die Bestimmung fix und flüssig gibt, sondern
seine Funktion innerhalb des Produktionsprozesses.) Der ganze
Wert des Saatgetreides ist ebenfalls eigentlich ein fixes Kapital,
Obgleich es zwischen dem Acker und der Scheune hin und her geht,
wechselt es niemals die Besitzer und zirkuliert deshalb nicht wirklich.
Der Pächter erzielt seinen Gewinn nicht durch seinen Verkauf,
sondern durch seine Vermehrung.‘ 231
231 „That part of the capital of the farmer which is employed in the
implements of agriculture is a fixed, that which is employed in the wages
and maintenance of his labouring servants is a circulating capital. He
makes a profit of the one by keeping it in his own possession, and of the
other by parting with it. The price or value of his labouring cattle is a
fixed. capital, in the same manner as that of the instruments of husbandry.
their maintenance is a circulating capital, in the same way as that of the
labouring servants. The farmer makes his profit by keeping the labouring

Das Kapital. II.
        <pb n="213" />
        150

Zweiter Abschnitt
Hier bricht die gänzliche Gedankenlosigkeit .der Smithschen
Distinktion [Unterscheidung] an den Tag.‘ Nach ihm wäre die Aus-
saat fixes Kapital, wenn kein change of masters [Wechsel der Besitzer]
stattfände, das heißt, wenn die Aussaat direkt aus dem jährlichen
Produkt ersetzt, von ihm abgezogen wird. Es wäre dagegen zirku-
lierendes Kapital, wenn das ganze Produkt verkauft und aus einem
Wertteil desselben fremdes Saatkorn gekauft worden. In dem einen
Fall findet change of masters [Wechsel der Besitzer] statt, in dem
andern nicht. Smith verwechselt hier wieder flüssiges Kapital und
Warenkapital. Das Produkt ist der stoffliche Träger des Waren-
kapitals. Aber natürlich nur der Teil desselben, der wirklich in
Zirkulation tritt und nicht wieder direkt in den Produktionsprozeß
eingeht, aus dem er als Produkt hervorkam.

Ob der Same direkt als Teil vom Produkt abgezogen, oder ob
das ganze Produkt verkauft und ein Teil seines Wertes im Ankauf
von fremdem Samen umgesetzt wird, in beiden Fällen findet nur
Ersatz statt und wird durch diesen Ersatz kein Profit gemacht. In
dem einen Fall tritt der Same mit dem Rest des Produkts als Ware
in Zirkulation, im andern Fall figuriert er nur in der Buchhaltung
als Wertbestandteil des vorgeschossenen Kapitals. Aber in beiden
Fällen bleibt er flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals. Er
wird ganz aufgezehrt, um das Produkt fertigzumachen, und er muß
ganz aus ihm ersetzt werden, um die Reproduktion zu ermöglichen.

„Rohmaterial und Hilfsstoffe verlieren die selbständige Gestalt,
womit sie in den Arbeitsprozeß als Gebrauchswerte eintraten.
Anders mit den eigentlichen Arbeitsmitteln. Ein Instrument, eine
Maschine, ein Fabrikgebäude, ein Gefäß usw. dienen im Arbeits-
prozeß nur, solange sie ihre ursprüngliche Gestalt bewahren und
morgen wieder in eben derselben Form in den Arbeitsprozeß eingehen
wie gestern. Wie sie während ihres Lebens, des Arbeitsprozesses,
ihre selbständige Gestalt gegenüber dem Produkt bewahren, so auch
nach ihrem Tode. Die Leichen von Maschinen, Werkstätten,
Arbeitsgebäuden existieren immer noch getrennt von den Produkten,
die sie bilden halfen.‘ („Kapital‘“, Buch I, Kapitel VI, 2. Aufl., 8.192,
V. 8. 157.)

Diese verschiedenen Weisen, worin die Produktionsmittel zur
Bildung des Produkts vernutzt werden, indem die einen dem Produkt
gegenüber ihre selbständige Gestalt bewahren, die andern sie ver-
ändern oder ganz verlieren — diesen, dem Arbeitsprozeß als solchem
angehörigen Unterschied, der daher ebenso für Arbeitsprozesse
cattle, and by parting with their maintenance. Both the price and the
maintenance of the cattle which are bought in and fattened, not for labour
but for sale, are a ecirculating capital. The farmer makes his profit by
parting with them. The whole value oftheseed, too, is properly a fixed capital.
Though itgoes backwards and forwards between theground and thegranary, it
never changes masters, and therefore it does not properly circulate. The
farmer makes his profit not by its sale, but by its increase.‘
        <pb n="214" />
        Zehntes Kapitel

161
zutrifft, die auf bloßen Selbstbedarf zum Beispiel der patriarchas
lischen Familie gerichtet sind, ohne allen Austausch, ohne Waren.
produktion —, verfälscht A. Smith, indem er 1. die hier gariz un-
gehörige Bestimmung des Profits hineinbringt, daß die eindhn. dem
Eigner Profit bringen, indem sie ihre Gestalt beibehalten,’ die
andern, indem sie sie verlieren; 2. indem er die Veränderungen
eines Teils der Produktionselemente im Arbeitsprozeß zusammen-
wirft mit dem dem Austausch der Produkte, der Warenzirkulation
angehörigen Formwechsel (Kauf und Verkauf), der zugleich den
Wechsel des Eigentums an den zirkulierenden Waren einschließt.

Der Umschlag unterstellt die Reproduktion als vermittelt durch
Zirkulation, also durch Verkauf des Produkts, durch seine Ver-
wandlung in Geld und Rückverwandlung aus Geld in seine Produk-
tionselemente.. Soweit aber ein Teil seines eigenen Produkts dem
kapitalistischen Produzenten selbst wieder direkt als Produktions-
mittel dient, erscheint der Produzent als Verkäufer desselben an
sich selbst und so figuriert die Sache in seiner Buchhaltung. Dieser
Teil der Reproduktion ist dann nicht durch Zirkulation vermittelt,
sondern unmittelbar. Der Teil des Produkts, der so wieder als
Produktionsmittel dient, ersetzt aber flüssiges Kapital, nicht fixes,
soweit 1. sein Wert ganz in das Produkt eingeht und 2, es selbst in
natura ganz durch ein neues Exemplar aus dem neuen Produkt
ersetzt worden ist.

A. Smith sagt uns nun, woraus zirkulierendes und fixes Kapital
besteht. Er zählt die Dinge, die stofflichen Elemente auf, welche
fixes Kapital, und die, welche zirkulierendes bilden, als ob diese
Bestimmtheit diesen Dingen stofflich, von Natur zukäme und nicht
vielmehr aus ihrer bestimmten Funktion innerhalb des kapitalisti-
schen Produktionsprozesses entspränge. Und doch macht er in
demselben Kapitel (Book IT, chap. I) die Bemerkung, daß, obgleich
ein gewisses Ding, wie zum Beispiel ein Wohnhaus, das für unmittel-
bare Konsumtion reserviert ist, „seinem Eigentümer ein Einkommen
liefern und ihm deshalb in der Eigenschaft eines Kapitals
dienen kann, so kann es der Allgemeinheit keines liefern, noch ihm in
der Eigenschaft eines Kapitals dienen, und das Einkommen des Volks-
ganzen kann dadurch niemals im geringsten vermehrt werden‘““.23m
Hier spricht A. Smith also klar aus, daß die Kapitaleigenschaft
den Dingen nicht als solchen und unter allen Umständen zu-
kommt, sondern eine Funktion ist, mit der sie je nach Umständen
bekleidet oder nicht bekleidet sind. Was aber vom Kapital überhaupt,
das gilt auch von seinen Unterabteilungen.

Dieselben Dinge bilden Bestandteil des flüssigen oder des
fixen Kapitals, je nachdem sie andere Funktion im Arbeitsprozeß

238m, ...may yield a revenue to its proprietor, and thereby serve in the
funetion of a capital tohim, it cannot yield any to thepublic, nor serve
in the function of a capital to it, and the revenue of the whole body of the
people can never be in the smallest degree increased by it.“ (p. 186.)
        <pb n="215" />
        162

Zweiter Abschnitt
vollziehen. Zum Beispiel ein Vieh als Arbeitsvieh (Arbeitsmittel) bildet
stoffliche Existenzweise des fixen Kapitals, dagegen als Mastvieh
(Rohmaterial) Bestandteil des zirkulierenden Kapitals des Pächters.
Anderseits kann dasselbe Ding bald als Bestandteil des produk-
tiven Kapitals fungieren, bald zum unmittelbaren Konsumtionsfonds
gehören. Ein Haus zum Beispiel, wenn als Arbeitslokal fungierend,
ist fixer Bestandteil des produktiven Kapitals; wenn als Wohnhaus,
gar keine Form des Kapitals qua Wohnhaus [soweit es Wohnhaus
ist]. Dieselben Arbeitsmittel können in vielen Fällen bald als Pro-
duktionsmittel, bald als Konsumtionsmittel fungieren.

Es war dies der eine der Irrtümer, die aus der Smithschen Auf-
fassung folgen: die Charaktere von fixzem und zirkulierendem Kapital
als den Dingen zukommende Charaktere zu fassen. Schon die Ana-
Iyse des Arbeitsprozesses („Kapital‘‘, Buch I, Kapitel V) zeigt, wie die
Bestimmungen von Arbeitsmittel, Arbeitsmaterial, Produkt wechseln
je nach der verschiedenen Rolle, die ein und dasselbe Ding im
Prozeß einnimmt. Die Bestimmungen von fixem und nichtfixem
Kapital sind aber ihrerseits aufgebaut auf die bestimmten Rollen,
welche diese Elemente im Arbeitsprozeß und daher auch im Wert-
bildungsprozeß spielen.

Zweitens aber, bei Aufzählung der Dinge, woraus fixes und zir-
kulierendes Kapital bestehen, kommt ganz zum Ausbruch, daß Smith
den nur in Bezug auf das produktive Kapital (das Kapital in seiner
produktiven Form) gültigen und Sinn habenden Unterschied von
fixen und flüssigen Bestandteilen desselben zusammenwirft mit
dem Unterschied zwischen produktivem Kapital und den dem
Kapital in seinem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen: Waren-
kapital und Geldkapital. Er sagt an derselben Stelle (p. 187, 188):
„Das zirkulierende Kapital besteht... aus den Lebensmitteln,
Rohmaterialien und Fertigfabrikaten aller Art, die sich in den
Händen der betreffenden Händler befinden, und aus dem Geld, das
zu ihrer Zirkulation und Verteilung notwendig ist‘. 22 — In der Tat,
wenn wir näher zusehen, so ist hier, im Gegensatz zum Früheren,
zirkulierendes Kapital wieder gleichgesetzt mit Warenkapital und
Geldkapital, also mit zwei Formen des Kapitals, die gar nicht dem
Produktionsprozeß angehören, die nicht zirkulierendes (flüssiges)
Kapital im Gegensatz zum fixen, sondern Zirkulationskapital im
Gegensatz zum produktiven Kapital bilden. Nur neben diesen

figurieren dann wieder die in Materialien (Rohstoff oder Halb-
labrikaten) vorgeschossenen und wirklich dem Produktionsprozeß
einverleibten Bestandteile des produktiven Kapitals. Er sagt:

„+. Der dritte und letzte von den drei Teilen, in die sich der
Gesamtvorrat der Gesellschaft naturgemäß teilt, ist das zirku-

22 „The circulating capital consists , . , of the provisions, materials, and
finished. work of all kinds that are in the hands of their respective dealers,
and of the money that is necessary for cireulating and distributing them ete.“
        <pb n="216" />
        Zehntes Kapitel

163

lierende Kapital, dessen charakteristisches Merkmal es ist, daß
es ein Einkommen nur durch Zirkulation oder Besitzwechsel abwirft.
Dieses ist ebenfalls aus vier Teilen zusammengesetzt: erstens aus
dem Geld... (Aber Geld ist nie eine Form des produktiven, des
im Produktionsprozeß fungierenden Kapitals. Es ist stets nur eine
der Formen, welche das Kapital innerhalb seines Zirkulationspro-
zesses annimmt.) — zweitens aus dem Vorrat an Lebensmitteln, die
im Besitz des Fleischers, des Viehmästers, des Pächters sind...
und aus deren Verkauf sie die Erzielung eines Gewinns erwarten...
Viertens und letztens aus dem Produkt, das zwar fertiggestellt und
vollendet, aber immer noch in der Hand. des Kaufmanns oder Fabri-
kanten ist.‘ — Und: „drittens aus den Materialien, die entweder noch
überhaupt roh oder mehr oder weniger bearbeitet sind, aus Kleidern,
Hausrat und Gebäuden, die noch nicht in diese drei Formen gebracht
sind, die aber in der Hand der Landwirte, der Fabrikanten, der
Krämer und Tuchhändler, der Holzhändler, der Zimmerer und
Tischler, der Ziegelmacher usw. verbleiben.‘ 230

Nr. 2 und 4 enthalten nichts als Produkte, die als solche aus
dem Produktionsprozeß abgestoßen sind und verkauft werden
müssen; kurz, die nun als Waren, daher respektive als Warenkapital
fungieren, also eine Form besitzen und eine Stelle im Prozeß ein-
nehmen, worin sie kein Element des produktiven Kapitals bilden,
welches immer ihre schließliche Bestimmung, das heißt, ob sie der
individuellen oder produktiven Konsumtion schließlich ihrem Zweck
(Gebrauchswert) nach anheimfallen sollen. Diese Produkte in 2
sind Nahrungsmittel, in 4 alle andern fertigen Produkte, die also
selbst wieder nur aus fertigen Arbeitsmitteln oder fertigen Genuß-
mitteln (andern als den sub 2 enthaltenen Nahrungsmitteln) bestehen.

Daß Smith dabei auch vom Kaufmann spricht, zeigt seine Kon-
fusion. Soweit der Produzent sein Produkt an den Kaufmann
verkauft hat, bildet es überhaupt keine Form seines Kapitals mehr.
Gesellschaftlich betrachtet ist es allerdings immer noch Waren-
kapital, wenn auch in anderer Hand als in der seines Produzenten;
aber eben weil Warenkapital, weder fixes noch flüssiges Kapital.

280 „,.,. The third and last of the three portions into which the general
stock of the society naturally divides itself, is the circulating capital, of
which the characteristic is, that it affords a revenue only by cireulating
or changing masters. This is composed. likewise of four parts: first, of the
money ...8secondly, of the stock of provisions which are in the possession
of the butcher, the grazier, the farmer ... and from the sale of which
they expect to derive a profit. Thirdly, of the materials, whether alto-
gether rude or more or less manufactured, of clothes, furniture, and
building which are not yet made up into any of those three shapes but
which remain in the hands of the growers, the manufacturers, the mercers
and drapers, the timber-merchants, the carpenters and joiners, the brick-
makers etc. ... Fourthly and lastly, of the work which is made up
and completed, but which is still in the hands of the merchant or manu-
facturer.“‘
        <pb n="217" />
        164

Zweiter Abschnitt
In jeder nicht auf unmittelbaren Selbstbedarf gerichteten Pro-
duktion muß das Produkt als Ware zirkulieren, das heißt verkauft
werden, nicht um daraus einen Profit zu machen, sondern damit
der Produzent überhaupt leben kann. Bei der kapitalistischen
Produktion kommt hinzu, daß mit dem Verkauf der Ware auch
der Mehrwert, der in ihr steckt, realisiert wird. Das Produkt tritt
als Ware aus dem Produktionsprozeß heraus, ist also weder fixes
noch flüssiges Element desselben.

Uebrigens hebt Smith sich hier selbst auf. Die fertigen Produkte,
welches immer ihre stoffliche Gestalt oder ihr Gebrauchswert, ihr
Nutzeffekt, sind hier alle Warenkapital, also Kapital in einer dem
Zirkulationsprozeß angehörigen Form. Als in‘ dieser Form befind-
lich, bilden sie keine Bestandteile des etwaigen‘ produktiven
Kapitals ihres Eigners; was durchaus nicht verhindert, daß, sobald
sie verkauft sind, sie in der Hand ihres Käufers Bestandteile von
produktivem Kapital werden, sei es flüssige oder fixe. Es zeigt
sich hier, daß dieselben Dinge, die zu einer Zeit als Warenkapital
im Gegensatz zum produktiven Kapital auf dem Markt auftreten
— sobald sie dem Markt entzogen sind, als flüssige oder fixe
Bestandteile des produktiven .Kapitals fungieren oder auch nicht
fungieren können.

Das Produkt des Baumwollspinners — Garn — ist die Waren-
Form seines Kapitals, Warenkapital für ihn. Es kann nicht wieder
als Bestandteil seines produktiven Kapitals fungieren, weder als
Arbeitsmaterial noch als Arbeitsmittel. Aber in der Hand des
Webers, der es kauft, wird es dem produktiven Kapital desselben
als einer seiner flüssigen Bestandteile einverleibt, Für den Spinner
ist das Garn aber Träger des Wertes eines Teils sowohl seines fixen
als seines flüssigen Kapitals (vom Mehrwert abgesehen). So ist eine
Maschine als Produkt des Maschinenfabrikanten Warenform seines
Kapitals, Warenkapital für ihn; und solange sie in dieser Form ver-
harrt, ist sie weder flüssiges noch fixes Kapital. Verkauft an einen sie
verwendenden Fabrikanten, wird sie fixer Bestandteil eines produk-
tiven Kapitals. Selbst wenn seiner Gebrauchsform nach das Produkt
teilweise wieder als Produktionsmittel in den Prozeß eingehen kann,
aus dem es herkam, wie zum Beispiel Kohle in die Kohlenproduk-
tion, so repräsentiert gerade der für den Verkauf bestimmte Teil
des Kohlenprodukts weder flüssiges noch fixes Kapital, sondern
Warenkapital. .

Anderseits kann das Produkt seiner Gebrauchsform nach durch-
aus unfähig sein, irgendein Element‘ des produktiven Kapitals zu
bilden, sei es als Arbeitsmaterial oder als Arbeitsmittel. Zum Beispiel
irgendein Lebensmittel. Nichtsdestoweniger ist es Warenkapital für
seinen Produzenten, Wertträger sowohl des fixen wie des Äüssigen
Kapitals, und des einen oder des andern, je nachdem das in seiner
Produktion angewandte Kapital ganz oder teilweise ersetzt werden
muß, seinen Wert ganz oder teilweise auf es übertragen hat. ‘
        <pb n="218" />
        Zehntes Kapitel .

165
Bei Smith figuriert in Nr. 3 das Rohmaterial (Rohstoff, Halb-
fabrikate, Hilfsstoff) einerseits nicht als ein schon dem produktiven
Kapital einverleibter Bestandteil, sondern in der Tat nur als eine be-
sondere Sorte der Gebrauchswerte, aus denen das gesellschaftliche
Produkt überhaupt besteht, der Warenmasse, neben den sub 2 und 4
aufgezählten andern stofflichen Bestandteilen, Lebensmitteln etc.
Anderseits werden sie allerdings als dem produktiven Kapital ein-
verleibt und daher auch als Elemente desselben in der Hand des
Produzenten aufgeführt. Die Konfusion zeigt sich darin, daß sie teils
als in den Händen des Produzenten fungierend äaufgefaßt werden,
in der Hand der Landwirte, der Fabrikanten usw. (in the hands of
the growers, the manufacturers ete.), anderseits als in den Händen
von Kaufleuten, Krämern, Tuchhändlern, Holzhändlern (mercers, dra-
pers, timber-merchants), wo sie bloßes Warenkapital, nicht Bestand-
teile des produktiven Kapitals.

In der Tat vergißt A. Smith hier in der Aufzählung der Elemente
des zirkulierenden Kapitals ganz den nur in Bezug auf das produk-
tive Kapital gültigen Unterschied von fixem und flüssigem Kapital.
Er stellt vielmehr Warenkapital und Geldkapital, das beißt die beiden
dem Zirkulationsprozesse angehörigen Formen des Kapitals, dem
produktiven Kapital gegenüber, aber auch dies nur bewußtlos.

Auffallend ist endlich, daß A. Smith bei Aufzählung der Bestand-
teile des zirkulierenden Kapitals die Arbeitskraft vergißt. Und zwar
geschieht dies aus doppeltem Grund.

. Man hat eben gesehen, daß abgesehen vom Geldkapital das
zirkulierende Kapital nur ein anderer Name für das Warenkapital
ist. Aber soweit die Arbeitskraft auf dem Markt zirkuliert, ist sie
nicht Kapital, keine Form .des Warenkapitals. Sie ist überhaupt
nicht Kapital; der Arbeiter ist kein Kapitalist, obgleich er eine Ware
auf den Markt bringt, nämlich seine eigene Haut. Erst sobald die
Arbeitskraft verkauft, dem Produktionsprozeß einverleibt ist — also
nachdem sie aufgehört hat, als Ware zu zirkulieren— wird sie Bestand-
teil des produktiven Kapitals: variables Kapital als Quelle des Mehr-
werts, flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals in bezug auf
den Umschlag des in ihr ausgelegten. Kapitalwerts. Da Smith hier
das flüssige Kapital mit Warenkapital verwechselt, kann er die Ar-
beitskraft nicht unterbringen unter seine Rubrik des zirkulierenden
Kapitals. Das variable Kapital tritt daher hier auf in der Form der
Waren, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, der Lebensmittel.
In dieser Form soll der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalwert zum
zirkulierenden Kapital gehören. Was dem Produktionsprozeß ein-
verleibt wird, ist die Arbeitskraft, der Arbeiter selbst, nicht die Le-
bensmittel, wodurch sich der Arbeiter erhält. Allerdings haben wir
gesehen (Buch I, Kapitel XXI), daß, gesellschaftlich betrachtet, auch
die Reproduktion des Arbeiters selbst durch seinen individuellen
Konsum zum Reproduktionsprozeß des gesellschaftlichen Kapitals
gehört. Aber dies gilt nicht für den einzelnen in sich abgeschlossenen
        <pb n="219" />
        166 Zweiter Abschnitt
Produktionsprozeß, den wir hier betrachten. Die erworbenen und
nützlichen Fähigkeiten (acquired and useful :abilities —p. 187), die
Smith unter der Rubrik des fixen Kapitals aufführt, bilden im Gegen-
teil Bestandteile des flüssigen Kapitals, sobald sie abilities des
Lohnarbeiters sind und dieser seine Arbeit mitsamt ihren abilities
verkauft hat.

Es ist ein großer Fehler Smiths, daß er den ganzen gesellschaft-
lichen Reichtum einteilt in 1. unmittelbaren Konsumtionsfonds,
2. fixes Kapital, 3. zirkulierendes Kapital. Hiernach wäre der Reich-
tum einzuteilen in 1. den Konsumtionsfonds, der keinen Teil des
fungierenden gesellschaftlichen Kapitals bildet, obgleich Teile des-
selben beständig als Kapital fungieren können, und 2. in Kapital.
Ein Teil des Reichtums fungiert hiernach als Kapital, der andere Teil
als Nichtkapital oder Konsumtionsfonds. Und es erscheint hier als eine
unumgängliche Notwendigkeit für alles Kapital, entweder fix zu sein
oder Aüssig, etwa wie es für ein Säugetier eine Naturnotwendigkeit ist,
entweder männlich zu sein oder weiblich. Wir haben aber gesehen,
daß der Gegensatz von fix und flüssig nur anwendbar ist auf die Ele-
mente des produktiven Kapitals, daß es also neben diesen noch
eine sehr bedeutende Menge Kapital — Warenkapital und Geldkapi-
tal — gibt, die sich in einer Form befinden, in der sie weder fix noch
flüssig sein kann. ;

Da mit Ausnahme des Teils der Produkte, der in Naturalform
von den einzelnen kapitalistischen Produzenten selbst direkt ohne
Verkauf oder Einkauf wieder als Produktionsmittel vernutzt wird,
die ganze Masse der gesellschaftlichen Produktion — auf kapitalisti-
scher Grundlage — als Warenkapital auf dem Markt zirkuliert, so ist
e8 klar, daß aus dem Warenkapital sowohl die fixen und flüssigen
Elemente des produktiven Kapitals wie auch alle Elemente des
Konsumtionsfonds herausgezogen werden; was in der Taf nichts
anderes heißt, als daß Produktionsmittel wie Konsumtionsmittel auf
Basis der kapitalistischen Produktion zunächst als Warenkapital auf-
treten, wenn sie auch die Bestimmung haben, später als Konsumtions-
oder Produktionsmittel zu dienen, wie die Arbeitskraft selbst als
Ware, wenn auch nicht als Warenkapital, auf dem Markt vorge-
funden wird.
Daher folgende neue Verwirrung bei A. Smith. Er sagt:
„Von diesen vier Teilen (des „zirkulierenden Kapitals“, das heißt
des Kapitals in seinen dem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen
von Warenkapital und Geldkapital — zwei Teile, die sich dadurch
in vier verwandeln, daß Smith die Bestandteile des Warenkapitals
wieder stofflich unterscheidet) werden drei — Lebensmittel, Roh-
materialien und Fertigprodukte — jährlich oder in einer kürzeren
oder längeren Periode regelmäßig aus ihm herausgezogen und ent-
weder in das fixe Kapital oder in den für die unmittelbare Konsum-
tion bestimmten Vorrat übertragen. Jedes fixe Kapital stammt ur-
sprünglich aus einem zirkulierenden und es bedarf eines solchen stän-
        <pb n="220" />
        Zehntes Kapitel

167
dig zu seiner eigenen Erhaltung. Alle nützlichen Maschinen und
Arbeitsinstrumente stammen ursprünglich von einem zirkulierenden
Kapital, das die Materialien‘ zu ihrer Herstellung und den Lebens-
unterhalt der Arbeiter liefert, die sie herstellen. Sie bedürfen auch
eines Kapitals derselben Art, um dauernd in gutem Zustand erhalten
zu werden.‘ 2%p
Mit Ausnahme stets des direkt von ihren Produzenten wieder
als Produktionsmittel verbrauchten Teils des Produkts, gilt für die
kapitalistische Produktion der allgemeine Satz: Alle Produkte kom-
men als Waren auf den Markt und zirkulieren daher für den Kapi-
listen als Warenform seines Kapitals, als Warenkapital, ob diese
Produkte nun ihrer Naturalform, ihrem Gebrauchswert nach als Ele-
mente des produktiven Kapitals (des Produktionsprozesses), als Pro-
duktionsmittel fungieren müssen oder können und daher als fixe oder
Aüssige Elemente des produktiven Kapitals, oder ob sie nur als Mittel
der individuellen, nicht der produktiven Konsumtion dienen können.
Alle Produkte werden als Waren auf den Markt geworfen; alle Pro-
duktions- und Konsumtionsmittel, alle Elemente der produktiven und
individuellen Konsumtion müssen daher durch Kauf als Waren wieder
dem Markt entzogen werden. Diese Trivialität (truism) ist natürlich
richtig. Es gilt dies daher auch sowohl für die fixen wie für die flüssi-
gen Elemente des produktiven Kapitals, für Arbeitsmittel wie für
Arbeitsmaterial in allen Formen. (Dabei ist noch vergessen, daß es
Elemente des produktiven Kapitals gibt, die von Natur vorhanden,
keine Produkte sind.) Die Maschine wird sowohl auf dem Markt
gekauft wie die Baumwolle. Aber es folgt daraus keineswegs —
dies folgt nur aus der Smithschen Verwechslung von Zirkulationskapital
mit zirkulierendem oder flüssigem, das heißt nichtfixem Kapital —,
daß jedes fixe Kapital ursprünglich aus einem flüssigen herstammt.
Und zudem hebt Smith sich selbst auf. Die Maschinen bilden als
Ware nach ihm selbst Teil von Nr. 4 des zirkulierenden Kapitals.
Daß sie aus dem zirkulierenden Kapital herstammen, heißt also nur,
daß sie als Wurenkapital fungierten, bevor sie als Maschinen fun-
gierten, daß sie aber stofflich aus sich selbst herstammen, ebenso
wie die Baumwolle als flüssiges Element des Spinnerkapitals aus der
Baumwolle auf dem Markt herstammt. Wenn aber Smith in seiner
weiteren Ausführung das fixe Kapital deswegen aus dem flüssigen.
herleitet, weil Arbeit und Rohmaterial nötig ist. um Maschinen zu
%P „‚Ofthese four parts three ——-provisions, materlals, and finished work —
are either annually or in a louger or shorter period, regularly withdrawn
from it, and placed either in the fixed capital, or in the stock reserved for
immediate consumption. Every fixed capital is both originally derived from,
and requires to be continually supported by, a cireulating capital. AN
useful machines and instruments of trade are originally derived from a cir-
culating capital, which furnishes the materials of which they are made and
the maintenance of the workmen who make them. They require, too,
a capital of the same kind to keep them in constant repair.“ (p. 188.)
        <pb n="221" />
        168

Zweiter Abschnitt
machen, so sind erstens noch Arbeitsmiftel, also fixes Kapital, nötig,
um Maschinen zu machen, und es ist zweitens ebenfalls fixes Kapital
nötig, Maschiverie etc., um Rohmaterialien zu machen, da das pro-
duktive Kapital stets Arbeitsmittel einschließt, aber nicht stets Ar-
beitsmaterial. Er selbst sagt gleich darauf: „Grund und Boden,
Bergwerke und Fischerei erfordern zu ihrer Bearbeitung sowohl
ein fixes als auch ein zirkulierendes Kapital (er gibt also zu, daß
nicht nur flüssiges, sondern auch fixes Kapital nötig zur Produktion
von Rohmaterial); und (hier neue Verkehrtheit) ihr Produkt ersetzt
nicht nur diese Kapitalien mit Profit, sondern auch alle ‚übrigen
in der Gesellschaft.“ Dies ist total verkehrt. Ihr Produkt
liefert das Rohmaterial, die Hilfsstoffe etc., für alle andern
Industriezweige. Aber ihr Wert ersetzt nicht den Wert aller andern
gesellschaftlichen Kapitale; er ersetzt nur ihren eigenen Kapital-
wert (plus Mehrwert). . Hier geht bei A. Smith wieder die Erinnerung
an die Physiokraten durch.

Gesellschaftlich betrachtet ist es richtig, daß der Teil des Waren-
kapitals, der aus Produkten besteht, die nur als Arbeitsmittel dienen
können, früher oder später — wenn sie nicht überhaupt nutzlos pro-
duziert sein sollen, nicht unverkäuflich sind — auch als Arbeits-
mittel fungieren, das heißt auf Basis der kapitalistischen Produktion,
sobald sie aufgehört haben, Waren zu sein, wirkliche, wie vorher schon
voraussichtliche Elemente des fixen Teils des gesellschaftlichen pro-
Auktiven Kapitals bilden müssen,

Hier findet ein Unterschied statt, der aus der .Naturalform des
Produkts entspringt.

Eine Spinnmaschine zum Beispiel hat keinen Gebrauchswert, wenn
sie nicht zum Spinnen vernutzt wird, also nicht als Produktionselement,
also vom kapitalistischen Standpunkt als fixer Bestandteil eines
produktiven Kapitals fungiert, Aber die Spinnmaschine ist beweg-
lich. Sie kann aus dem. Land, worin sie produziert ist, exportiert
und im fremden Land, sei es gegen Rohstoffe etc., sei es gegen Cham-
pagner, direkt oder indirekt verkauft werden. In dem. Land, worin
sie produziert wurde, hat sie dann nur als Warenkapital fungiert,
nie aber, auch nicht nach ihrem Verkauf, als fixes Kapital.

Dagegen Produkte, die durch Einverleibung mit dem Boden
lokalisiert sind und daher auch nur lokal vernutzt werden können, zum
Beispiel Fabrikgebäude, Eisenbahnen, Brücken, Tunnels, Docks usw.,
Bodenverbesserungen usw., können nicht körperlich, mit Haut und
Haaren, exportiert werden. Sie sind nicht beweglich. Entweder sind
sie nutzlos, oder sie müssen, sobald sie verkauft sind, als fixes Kapital
fungieren in dem Land, worin sie produziert sind. Für ihren kapi-
talistischen Produzenten, der auf Spekulation Fabriken baut oder

%d „Lands, mines, and fisheries, require all both a fixed and a circulating
capital to cultivate them; and their produce replaces with a profit, not
only those .capitals, but all the others in.the society.“ (p. 188.)
        <pb n="222" />
        Zehntes Kapitel

169

Ländereien verbessert, um sie zu verkaufen, sind diese Dinge Form
seines Warenkapitals, also nach A. Smith Form des zirkulierenden
Kapitals. Aber gesellschaftlich betrachtet, müssen diese Dinge —
sollen sie nicht nutzlos sein — schließlich im Land selbst in einem
durch ihre eigene Lokalität fixierten Produktionsprozeß als fixes
Kapital fungieren; woraus keineswegs folgt, daß unbewegliche Dinge
als solche ohne weiteres fixes Kapital sind; sie können als Wohn-
häuser etc. dem Konsumtionsfonds angehören und also überhaupt
nicht zum gesellschaftlichen Kapital gehören, obgleich sie ein Element
des gesellschaftlichen Reichtums bilden, wovon das Kapital nur ein
Teil. Der Produzent dieser Dinge, um uns Smithisch auszudrücken,
macht einen Profit durch ihren Verkauf. Also zirkulierendes Kapital!
Ihr Nutzanwender, ihr definitiver Käufer, kann sie nur benutzen,
indem er sie im Produktionsprozeß verwendet. Also fixes Kapital!
Eigentumstitel, an einer Eisenbahn zum Beispiel, können täglich
die Hände wechseln und ihre Besitzer durch den Verkauf dieser Titel
sogar im Auslande — so daß die Eigentumstitel exportierbar, ob-
gleich nicht die Eisenbahn selbst — einen Profit machen. Aber
nichtsdestoweniger müssen diese Dinge im Lande selbst, wo sie loka-
lisiert sind, entweder brach liegen oder als fixer Bestandteil eines
produktiven Kapitals fungieren. Ebenso kann Fabrikant A Profit
machen durch Verkauf seiner Fabrik an Fabrikant B, was aber die
Fabrik nicht hindert, nach wie vor als fixes Kapital zu fungieren,
Wenn daher die lokal fixierten, vom Boden unzertrennlichen
Arbeitsmittel, obgleich sie für ihren Produzenten als Warenkapital
fungieren mögen und keine Elemente seines fixen Kapitals bilden
(dies besteht für ihn aus den Arbeitsmitteln, die er zum Bau von
Gebäuden, Eisenbahnen etc. braucht), dennoch notwendig voraus+
sichtlich als fixes Kapital im Land selbst fungieren müssen, so folgt
daraus keineswegs umgekehrt, daß das fixe Kapital notwendig aus
unbeweglichen Dingen besteht. Ein Schiff und eine Lokomotive
wirken nur durch ihre Bewegung; und doch fungieren sie, nicht für
ihren Produzenten, aber für ihren Anwender als fixes Kapital. Ander-
seits sind Dinge, die wirklichst im Produktionsprozeß fixiert sind,
in ihm leben und sterben und ihn nie, nachdem sie in ihn eingetreten,
wieder verlassen, flüssige Bestandteile des produktiven Kapitals, Zum
Beispiel die Kohle, die zum Betrieb der Maschine im Produktionsprozeß,
das Gas, das zur Beleuchtung im Fabrikgebäude verzehrt wird. usw.
Sie sind flüssig, nicht weil sie leiblich mit dem Produkt den Produk-
tionsprozeß verlassen und als Ware zirkulieren, sondern weil ihr Wert
ganz in den Wert der Ware eingeht, den sie produzieren helfen, also
auch ganz aus dem Verkauf der Ware ersetzt werden muß. ;
In der letztzitierten Stelle A. Smiths ist noch die Phrase zu
bemerken: „Ein zirkulierendes Kapital, das. ..den Lebensunterhalt
der Arbeiter Lefert, die sie (Maschinen ete.) herstellen.“
Bei den Physiokraten figuriert der in Arbeitslohn vorgeschossene
Kapitalteil richtig unter den avances annuelles im Gegensatz zu den
        <pb n="223" />
        L70

Zweiter Abschnitt
avances primitives, Anderseits erscheint bei ihnen als Bestandteil
des vom Pächter angewandten produktiven Kapitals nicht die
Arbeitskraft selbst, sondern die den Landarbeitern gegebenen Lebens-
mittel (der Lebensunterhalt der Arbeiter, wie Smith sagt). Dies
hängt genau mit ihrer spezifischen Doktrin [ihnen eigentümlichen
Lehre] zusammen. Der Wertteil, den die Arbeit dem Produkt zusetzt
(ganz wie der Wertteil, den Rohmaterial, Arbeitsinstrumente etc.;
kurz die stofflichen Bestandteile des konstanten Kapitals dem Pro-
dukt zusetzen), ist nämlich bei ihnen nur gleich dem Wert der den
Arbeitern gezahlten und zur Erhaltung ihrer Funktion als Arbeits-
kräfte notwendig zu verzehrenden Lebensmittel. Den Unterschied
von konstantem Kapital und variablem Kapital zu entdecken, ist
ihnen durch ihre Doktrin selbst versagt. Ist es die Arbeit, welche den
Mehrwert produziert (außer der Reproduktion ihres eigenen Preises),
so produziert sie ihn in der Industrie so gut wie im Ackerbau. Da sie
ihn aber nach dem System nur in dem einen Produktionszweig, dem
Ackerbau, produziert, so entspringt er nicht aus ihr, sondern aus der
besonderen Tätigkeit (Mithilfe) der Natur in diesem Zweige. Und nur
deswegen heißt ihnen die Ackerbauarbeit produktive Arbeit im
Unterschied von den andern Arbeitsarten.

A. Smith bestimmt die Lebensmittel der Arbeiter als zirkulieren-
des Kapital im Gegensatz zum fixen

1. weil er das flüssige Kapital im Gegensatz zum fixen ver:
wechselt mit den der Zirkulationssphäre angehörigen Formen des
Kapitals, mit dem Zirkulationskapital; eine Verwechslung, die sich
nach ihm kritiklos fortgeerbt hat. Er verwechselt daher das Waren-
kapital mit dem flüssigen Bestandteil des produktiven Kapitals, und
da versteht es sich von selbst, daß, wo das gesellschaftliche Produkt
die Form der Ware annimmt, die Lebensmittel der Arbeiter wie die
der Nichtarbeiter, die Materialien wie die Arbeitsmittel selbst aus
dem Warenkapital geliefert werden müssen.

2. Aber auch die physiokratische Vorstellung läuft bei Smith
unter, obgleich sie dem esoterischen — wirklich wissenschaftlichen —
Teil seiner eigenen Entwicklung widerspricht.

Das vorgeschossene Kapital wird überhaupt umgesetzt in pro-
duktives Kapital, das heißt, es nimmt die Gestalt von Produktions:
elementen an, die selbst Produkt früherer Arbeit sind. (Darunter die
Arbeitskraft.) Nur in dieser Form kann es innerhalb des Produktions-
prozesses fungieren. Setzt man nun statt der Arbeitskraft selbst,
worin sich der variable Teil des Kapitals umgesetzt hat, die Lebens-
mittel des Arbeiters, 8o ist es klar, daß diese Lebensmittel als solche
sich in Beziehung auf Wertbildung nicht von den andern Elementen
des produktiven Kapitals unterscheiden, von den Rohmaterialien
und von den Lebensmitteln des Arbeitsviehs, womit Smith, nach
Vorgang der Physiokraten, sie daher auch in einer vorher zitierten
Stelle auf eine Stufe stellt. Die Lebensmittel können nicht selbst
ihren Wert verwerten oder ihm einen Mehrwert zusetzen. Ihr Wert
        <pb n="224" />
        Zehntes Kapitel

171
wie der der andern Elemente des produktiven Kapitals kann nur im
Wert des Produkts wieder erscheinen. Sie können ihm nicht mehr
Wert zusetzen als sie selbst besitzen. Sie unterscheiden sich, wie
Rohmaterial, Halbfabrikat ete., nur dadurch vom fixen Kapital,
das aus Arbeitsmitteln besteht, daß sie (für den Kapitalisten wenig-
stens, der sie zahlt) ganz verzehrt werden in dem Produkt, in dessen
Bildung sie eingehen, ihr Wert daher ganz ersetzt werden muß, was
bei dem fixen Kapital nur allmählich, stückweise geschieht. Der in
Arbeitskraft (respektive den Lebensmitteln des Arbeiters) vorge-
schossene Teil des produktiven Kapitals unterscheidet sich jetzt also
nur stofflich, nicht mit Bezug auf den Arbeits- und Verwertungs-
prozeß von den übrigen stoffichen Elementen des produktiven
Kapitals. Er unterscheidet sich nur als mit einem Teil der objektiven
Produktbildner (materials |Materialien] sagt Smith allgemein) in die
Kategorie des zirkulierenden Kapitals fallend, im Gegensatz zu
einem andern Teil der objektiven Produktbildner, der unter die
Kategorie des fixen Kapitals fällt.

Daß der in Arbeitslohn ausgelegte Teil des Kapitals zum flüssigen
Teil des produktiven Kapitals gehört, die Flüssigkeit gemein hat im
Gegensatz zum fixen Bestandteil des produktiven Kapitals mit
einem Teil der gegenständlichen Produktbildner, den Rohstoffen ete.,
hat absolut nichts zu tun mit der Rolle, welche dieser variable Teil
des Kapitals im Gegensatz zum konstanten im Verwertungsprozeß
spielt. Es bezieht sich nur darauf, wie dieser Teil des vorgeschossenen
Kapitalwerts aus dem Wert des Produkts vermittels der Zirkulation
ersetzt, erneuert, also reproduziert werden muß. Der Kauf und
Wiederkauf der Arbeitskraft gehört dem Zirkulationsprozeß an. Aber
erst innerhalb des Produktionsprozesses verwandelt sich der in
Arbeitskraft ausgelegte Wert (nicht für den Arbeiter, sondern für den
Kapitalisten) aus einer bestimmten, konstanten, in eine variable
Größe, und dadurch wird überhaupt erst der vorgeschossene Wert in
Kapitalwert, in Kapital, in sich verwertenden Wert verwandelt.
Dadurch aber, daß wie bei Smith nicht der in Arbeitskraft ausgelegte
Wert als flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals bestimmt
wird, sondern der in den Lebensmitteln des Arbeiters ausgelegte
Wert, wird das Begreifen des Unterschieds von variablem und kon-
stantem Kapital, also das Begreifen des kapitalistischen Produktions-
prozesses überhaupt unmöglich gemacht. Die Bestimmung dieses
Kapitalteils, variables Kapital zu sein im Gegensatz zu dem in
gegenständlichen Produktbildnern ausgelegten konstanten Kapital,
wird begraben unter der Bestimmung, daß der in Arbeitskraft aus-
gelegte Kapitalteil mit Bezug auf den Umschlag zum flüssigen Teil
des produktiven Kapitals gehört. Das Begräbnis wird vollständig
gemacht, indem an Stelle der Arbeitskraft die Lebensmittel des
Arbeiters als Element des produktiven Kapitals aufgezählt werden.
Ob der Wert der Arbeitskraft in Geld oder direkt in Lebensmitteln
vorgeschossen wird, ist gleichgültig. Obgleich natürlich das
        <pb n="225" />
        172

Zweiter Abschnitt
letztere auf Basis der kapitalistischen Produktion hur Ausnahme
sein kann. %

Dadurch, daß so die Bestimmung des zirkulierenden Kapitals
durch A, Smith als das Entscheidende für den in Arbeitskraft aus-
gelegten. Kapitalwert fixiert wurde — diese physiokratische Bestim-
mung ohne die Voraussetzung der Physiokraten —, hat Smith bei
seinen Nachfolgern glücklich die Erkenntnis des in Arbeitskraft aus-
gelegten Kapitalteils als variablen unmöglich gemacht. Die tieferen
und richtigen Entwicklungen, die er anderswo selbst gegeben, siegten
nicht, wohl aber dieser sein Verstoß. Ja, spätere Schriftsteller sind
weiter gegangen, sie haben es nicht nur zur entscheidenden Bestim-
mung des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalteils gemacht, zirku-
lierendes — im Gegensatz zu fixem — Kapital zu sein, sie haben es
zur wesentlichen Bestimmung des zirkulierenden Kapitals gemacht;
in Lebensmitteln für die Arbeiter ausgelegt zu werden. Daran schloß
sich naturgemäß die Lehre von dem aus notwendigen Lebensmitteln
bestehenden Arbeitsfonds als einer gegebenen Größe, welhee einerseits
die Grenzen des Anteils der Arbeiter am gesellschaftlichen Produkt
physisch beschränkt, anderseits aber auch im Ankauf von Arbeits-
kraft seinem [des Arbeitsfonds] ganzen Umfang nach verausgabt
werden muß.

Elftes Kapitel.
Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital.
Ricardo.
Ricardo führt den Unterschied zwischen fixem und zirkulieren-
dem Kapital nur auf, um die Ausnahmen der Wertregel darzustellen,
nämlich solche Fälle, wo die Rate des Arbeitslohnes auf die Preise
wirkt. Darauf kommen wir erst in Buch III zu sprechen.

Die ursprüngliche Unklarheit zeigt sich aber von vornherein in
der gleichgültigen Nebeneinanderstellung: „Dieser Unterschied im
Grad der Dauerhaftigkeit des fixen Kapitals und dieser Wechsel in
den Verhältnissen, worin beide Kapitalarten kombiniert sein können.‘ 25

Fragen wir nun, welches die beiden Kapitalarten sind, so hören
wir: „Auch die Verhältnisse, worin das Kapital, das die Arbeit unter-
% Wie sehr A. Smith sich selbst den Weg versperrt hat zum Verständnis
der Rolle der Arbeitskraft im Verwertungsprozeß, beweist folgender Satz,
der die Arbeit der Arbeiter nach physiokratischer Weise mit der des Arbeits-
viehs auf gleiche Stufe stellt: „Nicht nur sein (des Pächters) Arbeitsgesinde,
sondern auch sein Arbeitsvieh sind produktive Arbeiter.“ („Not only his [the
farmer’s] labouring servants but his labouring cattle are produetive labou-
rers.‘““ (B.ITI, ch.V, p.243.)

25 „This difference in the degree of durability of fixed capital, and this
variety in theproportions in which thetwo sorts of capital may be combined.“
(„„Prineiples‘‘, ch. I, p. 25.)
        <pb n="226" />
        Elftes Kapitel

halten soll, und das Kapital, das in Werkzeugen, Maschinerie und
Gebäuden angelegt ist, können verschieden kombiniert sein,‘ 2 Also
fixes Kapital gleich Arbeitsmitteln, und zirkulierendes Kapital gleich
Kapital, das in Arbeit ausgelegt ist. Kapital, das die Arbeit unter-
halten soll, ist schon ein abgeschmackter, aus A. Smith herüberge-
nommener Ausdruck. Das zirkulierende Kapital wird. hier einerseits
zusammengeworfen mit dem variablen Kapital, das heißt mit dem in
Arbeit ausgelegten Teil des produktiven Kapitals. Anderseits aber,
weil der Gegensatz nicht aus dem Verwertungsprozeß geschöpft ist —
konstantes und variables Kapital —, sondern aus dem Zirkulations-
prozeß (die alte Smithsche Konfusion), kommen doppelt falsche Be-
stimmungen heraus.

1. Die Differenzen im Grad der Dauerhaftigkeit des fixen
Kapitals und die Verschiedenheiten der Kapitalzusammensetzung aus
konstantem und variablem Kapital werden als gleichwertig gefaßt.
Der letztere Unterschied aber bestimmt den Unterschied in der Pro-
duktion des Mehrwerts; der erste dagegen, soweit der Verwertungs-
prozeß in Betracht kommt, bezieht sich nur auf die Art und Weise,
wie ein gegebener Wert vom Produktionsmittel auf das Produkt
übertragen wird; soweit der Zirkulationsprozeß in Betracht kommt,
betrifft er nur die Periode der Erneuerung des ausgelegten Kapitals,
oder anders betrachtet, die Zeit, für welche es vorgeschossen ist. Wenn
man, statt das innere Getriebe des kapitalistischen Produktionspro-
zesses zu durchschauen, sich auf den Standpunkt der fertigen Phä-
nomene stellt, so fallen diese Unterschiede in der Tat zusammen.
Bei der Verteilung des gesellschaftlichen Mehrwerts unter die in ver-
schiedenen Betriebszweigen angelegten Kapitale wirken Differenzen
in den verschiedenen Zeiträumen, wofür Kapital vorgeschossen. wird
(also zum Beispiel die verschiedene Lebensdauer bei fixem Kapital),
und verschiedene organische Zusammensetzungen des Kapitals ?* (also
auch die verschiedene Zirkulation von konstantem und variablem
Kapital) gleichmäßig mit bei Ausgleichung. der allgemeinen Profit-
rate und bei Verwandlung der Werte in Produktionspreise.

2. Vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses stehen auf der
einen Seite die Arbeitsmittel: fixes Kapital, auf der andern Seite
Arbeitsmaterial und Arbeitslohn: flüssiges Kapital. Dagegen vom
Standpunkt des Arbeits- und Verwertungsprozesses stehen auf der
einen Seite: Produktionsmittel (Arbeitsmittel und Arbeitsmaterial),
konstantes Kapital; auf der andern Seite Arbeitskraft, variables
Kapital. Für die organische Zusammensetzung des Kapitals ist es

% „Theproportions, too, in which the capital that is tosupportlabour, and
the capital that is invested in tools, machinery, and buildings, may be
variously combined.“ (l. c.)

20 Ueber den Begriff der organischen Zusammensetzung des Kapitals
vgl. Buch I des „Kapital‘“ (Kapitel XXIII, I, V. 8.548, 549. In der 2. Auf-
lage steht der darüber handelnde Passus in anderer Form im 2, Abschnitt
des Kapitel XXIII, S. 647). K.
        <pb n="227" />
        174

Zweiter Abschnitt
ganz gleichgültig, ob dasselbe Wertquantum konstantes Kapital aus
viel Arbeitsmitteln und wenig Arbeitsmaterial.oder aus viel Arbeits-
material und wenig Arbeitsmitteln besteht, während alles abhängt
vom Verhältnis des in Produktionsmitteln ausgelegten zu dem in
Arbeitskraft ausgelegien Kapital. Umgekehrt: Vom Standpunkt des
Zirkulationsprozesses, des Unterschieds von fixem und zirkulierendem
Kapital, ist es ebenso gleichgültig, in welchen Verhältnissen ein
gegebenes Wertquantum zirkulierenden Kapitals sich in Arbeits-
material und Arbeitslohn teilt. Von dem einen Standpunkt rangiert
das Arbeitsmaterial in derselben Kategorie mit den Arbeitsmitteln
im Gegensatz zu dem in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalwert. Von
dem andern Standpunkt rangiert der in Arbeitskraft ausgelegte
Kapitalteil zusammen mit dem in Arbeitsmaterial ausgelegten im
Gegensatz zu dem in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteil.
Daher erscheint bei Ricardo der in Arbeitsmaterial (Roh- und
Hilfsstoffen) ausgelegte Wertteil des Kapitals auf keiner Seite. Er
verschwindet ganz. Er paßt nämlich nicht auf die Seite des fixen
Kapitals, weil er in seiner Zirkulationsweise ganz mit dem in Arbeits-
kraft ausgelegten Kapitalteil zusammenfällt. Und er darf ander-
seits nicht auf Seite des zirkulierenden Kapitals gestellt werden,
weil damit die von A, Smith übertragene und stillschweigend durch-
laufende Gleichstellung des Gegensatzes: fixes und zirkulierendes
Kapital mit dem Gegensatz: konstantes und variables Kapital sich
selbst aufhöbe. Ricardo hat zu viel logischen Instinkt, um das nicht
zu fühlen, und daher verschwindet ihm dieser Kapitalteil ganz
und gar.
Es ist hier zu bemerken, daß der Kapitalist das in Arbeitslohn
ausgelegte Kapital in verschiedenen Terminen, in der Sprachweise
der politischen Oekonomie, vorschießt, je nachdem er diesen Lohn
zum Beispiel wöchentlich, monatlich oder dreimonatlich zahlt. In
der Tat verhält sich die Sache umgekehrt. Der Arbeiter schießt dem
Kapitalisten seine Arbeit auf eine Woche, einen Monat, drei Monate
vor, je nachdem er wöchentlich, monatlich oder dreimonatlich
bezahlt wird. Kaufte der Kapitalist die Arbeitskraft, statt sie zu
bezahlen, zahlte er also dem Arbeiter den Arbeitslohn per Tag,
Woche, Monat oder drei Monate voraus, so könnte von einem Vor-
schuß für diese Termine gesprochen werden. Da er aber zahlt, nach-
dem die Arbeit Tage, Wochen, Monate gedauert hat, statt sie zu
kaufen und zu zahlen für den Termin, den sie dauern soll, so ist das
Ganze ein kapitalistisches quid pro quo [eine kapitalistische Ver-
wechslung], und der Vorschuß, der dem Kapitalisten vom Arbeiter
in Arbeit gegeben wird, wird in einen Vorschuß verwandelt, den der
Kapitalist in Geld dem Arbeiter gibt. Es ändert durchaus nichts an
der Sache, daß der Kapitalist das Produkt selbst oder dessen Wert —
je nach der verschiedenen Zeitdauer, die seine Herstellung erfordert,
oder auch nach der verschiedenen für seine Zirkulation erforderlichen
Zeitdauer — nur in kürzeren oder längeren Terminen (zusammen mit
        <pb n="228" />
        Elftes. Kapitel

175
dem ihm einverleibten Mehrwert) aus der Zirkulation zurückerhält
oder realisiert. Was der Käufer einer Ware mit derselben anfangen
will, ist dem Verkäufer durchaus gleichgültig. Der Kapitalist erhält
eine Maschine nicht wohlfeiler, weil er ihren ganzen Wert auf
einmal vorschießen muß, während ihm derselbe Wert nur allmählich
und stückweise aus der Zirkulation zurückströmt, noch zahlt er die
Baumwolle deswegen teurer, weil ihr Wert ganz in den Wert des aus
ihr verfertigten Produkts eingeht und daher ganz und auf einmal
durch den Verkauf des Produkts ersetzt wird.

Kehren wir zu Ricardo zurück.

1. Das Charakteristische des variablen Kapitals ist, daß ein be-
stimmter, gegebener (also als solcher konstanter) Kapitalteil, eine
gegebene Wertsumme (angenommen gleich dem Wert der Arbeitskraft,
obgleich es hier gleichgültig ist, ob der Arbeitslohn gleich, größer oder
kleiner als der Wert der Arbeitskraft), ausgetauscht wird gegen einesich
verwertende, wertschaffende Kraft — die Arbeitskraft, welche nicht
nur ihren vom Kapitalisten bezahlten Wert reproduziert, sondern
zugleich einen Mehrwert produziert, einen vorher nicht vorhandenen
und durch kein Aequivalent erkauften Wert. Diese charakteristische
Eigenschaft des in Arbeitslohn ausgelegten Kapitalteils, die es als
variables Kapital von dem konstanten Kapital toto coelo [in jeder
Beziehung] unterscheidet, verschwindet, sobald der in Arbeitslohn
ausgelegte. Kapitalteil bloß vom Standpunkt des Zirkulationspro-
zesses betrachtet wird und so als zirkulierendes Kapital erscheint
gegenüber dem in Arbeitsmitteln ausgelegten fixen Kapital. Es geht
dies schon.daraus hervor, daß es dann unter einer Rubrik — der des
zirkulierenden Kapitals — zusammen mit einem Bestandteil des
konstanten Kapitals, dem in Arbeitsmaterial ausgelegten, gegenüber-
gestellt wird einem andern Bestandteil des konstanten Kapitals,
dem in Arbeitsmitteln ausgelegten. Vom Mehrwert, also gerade von
dem Umstand, der die ausgelegte Wertsumme in Kapital verwandelt,
wird dabei ganz abgesehen. Ebenso wird davon abgesehen, daß der
Wertteil, den das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital dem Produkt
zusetzt, neu produziert (also auch wirklich reproduziert ist), während
der Wertteil, den das Rohmaterial dem Produkt zusetzt, nicht neu
produziert, nicht wirklich reprodüziert, sondern nur im Produktwert
erhalten, konserviert ist und daher als Wertbestandteil des Produkts
nur wieder erscheint. Der Unterschied, wie er sich vom Gesichtspunkt
des Gegensatzes von flüssigem und fixem Kapital jetzt darstellt,
besteht nur darin: der Wert der zur Produktion einer Ware ange-
wandten Arbeitsmittel geht nur teilweise in den Wert der Ware ein
und wird daher durch den Verkauf der Ware auch nur teilweise ersetzt,
wird daher überhaupt nur stückweise und allmählich ersetzt. Ander-
seits der Wert der zur Produktion einer Ware verwandten Arbeits-
kraft und Arbeitsgegenstände (Rohstoffe etc.) geht ganz in die Ware
ein und wird daher ganz durch ihren Verkauf. ersetzt. Insofern stellt
sich mit Bezug auf den Zirkulationsprozeß der eine Teil des Kapitals

Das Kapital. II.
        <pb n="229" />
        176

Zweiter Abschnitt
als fix, der andere als flüssig oder zirkulierend dar. Es handelt sich
in beiden Fällen um eine Vebertragung gegebener, vorgeschossener
Werte auf das Produkt und um ihren Wiederersatz durch den Verkauf
des Produkts. Der Unterschied besteht; jetzt nur darin, ob die Wert-
übertragung und daher der Wertersatz stückweise und allmählich
oder auf einmal vor sich geht. Damit ist der alles entscheidende
Unterschied zwischen variablem und konstantem Kapital ausge-
löscht, also das ganze Geheimnis der Mehrwertbildung und der
kapitalistischen Produktion, die Umstände, die gewisse Werte und
die Dinge, worin sie sich darstellen, in Kapital verwandeln, ausge-
löscht. Alle Bestandteile des Kapitals unterscheiden sich :AUr Noch
durch die Zirkulationsweise (und die Zirkulation der Ware hat es
natürlich nur mit bereits vorhandenen gegebenen Werten zu tun);
und eine besondere Zirkulationsweise ist dem in Arbeitslohn ausge-
legten Kapital gemeinsam mit dem in Rohmaterialien, Halbfabri-
katen, Hilfsstoffen ausgelegten Kapitalteil im Gegensatz zu dem in
Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteil.
Man begreift daher, warum die bürgerliche politische Oekonomie
A. Smiths Konfusion der Kategorien „konstantes und variables
Kapital‘ mit den Kategorien „fixes und zirkulierendes Kapital“
instinktmäßig festhielt und kritiklos ein Jahrhundert durch von
Generation zu Generation nachplapperte. Der im Arbeitslohn aus-
gelegte Kapitalteil unterscheidet sich bei ihr gar nicht mehr won dem
in Rohstoff ausgelegten Kapitalteil und unterscheidet sich nur
formell — ob er stückweise oder ganz. durch das Produkt zirkuliert
wird — vom konstanten Kapital. Damit ist die Grundlage für das
Verständnis der wirklichen Bewegung der kapitalistischen Produktion
and daher der kapitalistischen Ausbeutung mit einem Schlage ver-
schüttet. Es handelt sich nur um das Wiedererscheinen vorgeschos-
sener Werte.

Bei Ricardo ist die unkritische Aufnahme der Smithschen Kon-
fusion störender nicht nur als bei den späteren Apologetikern?*, bei
denen die Begriffskonfusion vielmehr das Nichtstörende ist, sondern
als bei A. Smith selbst, weil Ricardo im Gegensatz zu diesem konse-
quenter und schärfer Wert und Mehrwert entwickelt, in der. Tat den
esoterischen [wissenschaftlichen] A. Smith gegen den exoterischen
[populären] A. Smith behauptet.

Bei den Physiokraten findet sich nichts von dieser Konfusion.
Der Unterschied zwischen avances annuelles und avances primitives
bezieht sich nur auf die verschiedenen Reproduktionsperioden der
verschiedenen Bestandteile des Kapitals, speziell des agrikolen Ka-
pitals, während ihre Ansichten von der Produktion des Mehrwerts
einen von diesen Unterscheidungen unabhängigen Teil ihrer Theorie
bilden, und zwar das, was sie als Pointe [Spitze, Ergebnis] der Theorie
2b Sonennt Marx Oekonomen, diesich mehr die Verteidigung, dieApologie,
des Kapitalismus als seine Erforschung angelegen sein lassen. K.
        <pb n="230" />
        Elftes Kapitel

177
herauswenden. Die Bildung des Mehrwerts wird nicht aus dem
Kapital als solchem erklärt, sondern nur einer bestimmten Produk-
tionssphäre des Kapitals, der Agrikultur, vindiziert [zuerkannt].

2. Das Wesentliche bei der Bestimmung des variablen Kapitals —
und daher für die Verwandlung irgendeiner beliebigen Wertsumme
in Kapital — ist, daß der Kapitalist eine bestimmte, gegebene (und
in diesem Sinn konstante) Wertgröße austauscht gegen wertschöpfe-
rische Kraft; eine Wertgröße gegen Wertproduktion, Selbstver-
wertung. Ob der Kapitalist den Arbeiter in Geld oder in Lebens-
mitteln zahlt, ändert an dieser wesentlichen Bestimmung nichts. Es
ändert nur die Existenzweise des von ihm vorgeschossenen Wertes,
der das eine Mal in der Form von Geld existiert, womit der Arbeiter
sich selbst auf dem Markt seine Lebensmittel kauft, das andere Mal
in der Form von Lebensmitteln, die er direkt verzehrt. Die ent-
wickelte kapitalistische Produktion unterstellt in der Tat, daß der
Arbeiter in Geld gezahlt wird, wie sie überhaupt den durch den
Zirkulationsprozeß vermittelten Produktionsprozeß, also die Geld-
wirtschaft, unterstellt. Aber die Schöpfung des Mehrwerts — daher
die Kapitalisierung der vorgeschossenen Wertsumme — entspringt
weder aus der Geldform noch aus der Naturalform des Arbeitslohns
oder des im Ankauf der Arbeitskraft ausgelegten Kapitals. Sie ent-
springt aus dem Austausch von Wert gegen wertschaffende Kraft,
aus der Umsetzung einer konstanten [gleichbleibenden] in eine
variable [veränderliche] Größe.

Die größere oder geringere Fixität der Arbeitsmittel hängt ab von
dem Grad ihrer Dauerhaftigkeit, also von einer physischen Eigen-
schaft. Je nach dem Grad ihrer Dauerhaftigkeit werden sie, unter
sonst gleichbleibenden Umständen, rascher oder langsamer ver-
schleißen, also länger oder kürzer als fixes Kapital fungieren. Aber
es ist keineswegs bloß diese physische Eigenschaft der Dauerhaftig-
keit, infolge deren sie als fixes Kapital fungieren. Der Rohstoff in
Metallfabriken ist ebenso dauerhaft wie die Maschinen, womit fabri-
ziert wird, und dauerhafter als manche Bestandteile dieser Maschinen,
Leder, Holz ete. Nichtsdestoweniger bildet das als Rohstoff
dienende Metall einen Teil des zirkulierenden Kapitals und das
vielleicht aus demselben Metall aufgebaute, fungierende Arbeits-
mittel einen Teil des fixen Kapitals. Es ist also nicht die stoffliche
physische Natur, nicht seine größere oder geringere Vergänglichkeit,
wodurch dasselbe Metall das eine Mal der Rubrik des fixen und das
andere Mal der Rubrik des zirkulierenden Kapitals untergeordnet
wird. Dieser Unterschied entspringt vielmehr aus der Rolle, die es
im Produktionsprozeß spielt, das eine Mal als Arbeitsgegenstand,
das andere Mal als Arbeitsmittel.

Die Funktion des Arbeitsmittels im Produktionsprozeß erheischt
im Durchschnitt, daß es während längerer oder kürzerer Periode stets
von neuem in wiederholten Arbeitsprozessen dient. Durch seine
Funktion ist daher eine größere oder geringere Dauerhaftigkeit seines

bh
        <pb n="231" />
        178
Stoffs vorgeschrieben. Aber die Dauerhaftigkeit des Stoffs, aus dem
es gemacht wird, macht es nicht an und für sich zum fixen Kapital.
Derselbe Stoff, wenn‘ Rohmaterial, wird zirkulierendes Kapital, und
bei den Oekonomen, die den Unterschied von Warenkapital und
produktivem Kapital mit dem Unterschied von zirkulierendem und
fixem Kapital verwechseln, ist derselbe Stoff, dieselbe Maschine
zirkulierendes Kapital als Produkt, fixes Kapital als Arbeitsmittel.
‘Obgleich nun nicht der dauerhafte Stoff, aus dem das Arbeits.
mittel gemacht‘ ist, es zum fixen. Kapital macht, so erheischt doch
seine. Rolle als Arbeitsmittel, daß es aus einem relativ dauerhaften
Material bestehe.‘ Die Dauerhaftigkeit seines Stoffs ist‘ also eine
Bedingung seiner Funktion als Arbeitsmittel, daher auch materielle
Grundlage der Zirkulationsweise,‘ die es zum fixen Kapital macht.
Unter sonst gleichbleibenden Umständen drückt die größere: oder
geringere Vergänglichkeit. seines Stoffs‘ ihm in niedrigerem oder
höherem Grad den Stempel der Fixität- auf; ist also sehr wesentlich
verwachsen mit seiner Qualität als fixes‘ Kapital, - N
Wird derin Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil nun ausschließlich
unter dem Gesichtspunkt von zirkulierendem Kapital betrachtet,
also im Gegensatz zum fixen Kapital, werden daher auch die Unter-
schiede von ‘konstantem und variablem Kapital mit den Unter:
schieden von fixem. und zirkulierendem Kapital zusammengewörfen;
80 ist es natürlich, wie die stoffliche Realität des Arbeitsmittels eine
wesentliche Grundlage seines Charakters als fixes Kapital bildet; so
nun im Gegensatz‘ zu: demselben‘ aus der ’stofflichen Realität des in
Arbeitskraft ausgelegten Kapitals seinen Charakter als zirkulierendes
Käpital herzuleiten. und ‚dann wieder das zirkulierende Kapital zu
bestimmen durch die stoffliche Realität des variablen Kapitals:
Der wirkliche Stoff des in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals ist
die Arbeit selbst, die sich betätigende,: wertschaffende Arbeitskraft,
lebendige Arbeit, die der Kapitalist gegen tote, vergegenständlichte
Arbeit austauscht und seinem Kapital einverleibt hat, wodurch erst
der in seiner Hand befindliche Wert sich in einen sich selbst ver-
wertenden Wert‘ verwandelt. Aber diese Selbstverwertungskraft
verkauff der Kapitalist nicht. Sie bildet stets nur Bestandteil seines
produktiven Kapitals, wie seine Arbeitsmittel, nie seines. Waren-
kapitals, wie zum Beispiel das fertige Produkt, das. er verkauft.
Innerhalb des Produktionsprozesses, als Bestandteile des produk-
tiven Kapitals, stehen die Arbeitsmittel der Arbeitskraft nicht als
öxes Kapital gegenüber, ebensowenig wie Arbeitsmaterial und Hilfs-
stoffe als zirkulierendes Kapital mit ihr zusammenfallen ; beiden steht
die Arbeitskraft als persönlicher Faktor gegenüber, während jene die
sachlichen Faktoren sind — dies vom Standpunkt des Arbeits-
Prozesses, Beide stehen der Arbeitskraft, dem variablen Kapital
als konstantes Kapital gegenüber —. dies vom Standpunkt des Ver-
wertungsprozesses. Oder, wenn hier von einer stofflichen Verschie-
denheit, soweit sie auf den Zirkulationsprozeß einwirkt, die Rede

Zweiter Abschnitt
        <pb n="232" />
        Elftes Kapitel

179
sein soll, ist es nur diese: aus der Natur des Wertes, der nichts. ist als
vergegenständlichte Arbeit, und aus der Natur der sich betätigenden
Arbeitskraft, die nichts ist als sich vergegenständlichende Arbeit,
folgt, daß die Arbeitskraft während ihrer Funktionsdauer beständig
Wert und Mehrwert schafft, daß das, was auf ihrer Seite sich als
Bewegung, als Wertschöpfung, sich auf Seite ihres Produkts in
ruhender Form, als geschaffener, Wert darstellt. Hat die Arbeits-
kraft gewirkt, so besteht das Kapital nicht länger aus Arbeitskraft
auf der einen Seite, aus Produktionsmitteln auf der andern. Der
Kapitalwert, der in Arbeitskraft ausgelegt war, ist jetzt Wert, der
(plus Mehrwert) dem Produkt zugesetzt worden. Um den Prozeß zu
wiederholen, muß das Produkt verkauft und mit dem aus ihm ge-
lösten Geld. beständig ‚von neuem die Arbeitskraft gekauft und dem
produktiven Kapital einverleibt werden. Dies gibt dann dem in
Arbeitskraft ausgelegten. Kapitalteil ebenso wie dem in Arbeits-
material usw. ausgelegten. den. Charakter von zirkulierendem Kapital
im, Gegensatz zu dem in den Arbeitsmitteln fixiert bleibenden
Kapital.

Wird dagegen die sekundäre und ihm mit einem Teil des kon-
stanten Kapitals (den Roh- und Hilfsstoffen) gemeinsame Bestim-
mung des zirkulierenden Kapitals zur wesentlichen Bestimmung des
in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalteils gemacht — nämlich daß der
in ihm ausgelegte Wert sich ganz auf das Produkt überträgt, in dessen
Produktion es konsumiert wird, und nicht allmählich und stückweise,
wie beim fixen Kapital, daß er daher auch ganz durch den Verkauf
des Produkts ersetzt werden muß —, so muß auch der in Arbeitslohn
ausgelegte Kapitalteil stofflich nicht aus sich betätigender Arbeits-
kraft bestehen, sondern aus den stofflichen Elementen, die der
Arbeiter mit seinem Lohn kauft, also aus dem Teil des gesellschaft-
lichen Warenkapitals, der in den Konsum des Arbeiters eingeht —
aus Lebensmitteln. Das fixe Kapital besteht dann aus den langsamer
vergänglichen und daher langsamer zu ersetzenden Arbeitsmitteln,
das in Arbeitskraft ausgelegte Kapital aus den rascher zu ersetzenden
Lebensmitteln. N

Die Grenzen der rascheren oder langsameren Vergänglichkeit ver-
wischen sich jedoch,

. „Die Nahrung und Kleidung, die der Arbeiter konsumiert, die
Gebäude, worin er arbeitet, die Werkzeuge, die bei seiner Arbeit
mitwirken, sind alle vergänglicher Natur. Es besteht aber ein ge-
waltiger Unterschied in der Zeit, während welcher diese verschiedenen
Kapitale vorhalten ; eine Dampfmaschine dauert länger als ein Schiff,
ein Schiff länger als die Kleidung des Arbeiters, die Kleidung des
Arbeiters wieder länger als die Nahrung, die er verzehrt.‘ 27 ;

27 „The food. and clothing consumed by the labourer, the buildings in
which he works, the implements with which his labour is assisted, are all
of a perishable nature. There is, however, a vast difference in the time for
        <pb n="233" />
        180

Zweiter. Abschnitt
Wobei Ricardo vergißt das Haus, worin der Arbeiter wohnt, seine
Möbel, seine Konsumtionswerkzeuge, wie Messer, Gabeln, Gefäße ete. s
die alle denselben Charakter der Dauerhaftigkeit besitzen, wie die
Arbeitsmittel. Dieselben Dinge, dieselben Klassen von Dingen er-
scheinen hier als Konsumtionsmittel, dort als Arbeitsmittel.

Der Unterschied, wie Ricardo ihn ausspricht, ist dieser: „Je nach-
dem Kapital rasch vergänglich ist und oft reproduziert werden muß,
oder je nachdem es langsam konsumiert wird, klassifiziert man es
unter das zirkulierende oder unter das fixe Kapital.‘ 28

Dazu macht er die Note: „Eine unwesentliche Einteilung, in

welcher zudem die Scheidelinie nicht ganz genau gezogen werden
kann.‘‘29

So sind wir wieder glücklich bei den Physiokraten angekommen,
wo der Unterschied zwischen avances annuelles und avances primi-
tives ein Unterschied war in der Zeit der Konsumtion und daher
auch in der verschiedenen Reproduktionszeit des angewandten Ka-
pitals. Nur, was bei ihnen ein für die gesellschaftliche Produktion
wichtiges Phänomen ausdrückt und im Tableau Economique auch
im Zusammenhang mit dem Zirkulationsprozeß dargestellt ist, wird
hier zu einer subjektiven und, wie Ricardo selbst sagt, überflüssigen
Unterscheidung.

Sobald der in Arbeit ausgelegte Kapitalteil sich nur durch seine
Reproduktionsperiode und daher seinen Zirkulationstermin von dem
in Arbeitsmitteln ’ausgelegten Kapitalteil unterscheidet, sobald. der
eine Teil aus Lebensmitteln besteht, wie der andere aus Arbeits-
mitteln, so daß die letzteren sich von den ersteren nur durch rascheren
Grad der Vergänglichkeit uuterscheiden, wie erstere ja selbst ver-
schiedene Grade der Vergänglichkeit besitzen — ist natürlich alle
Üifferentia specifica [ jedes die Art kennzeichnende Merkmal] zwischen
dem in Arbeitskraft und dem in Produktionsmitteln ausgelegten
Kapital ausgelöscht.

Dies widerspricht ganz Ricardos Lehre vom Wert sowie seiner
Profittheorie, die. tatsächlich Mehrwerttheorie ist. Er betrachtet
überhaupt den Unterschied. von fixem und zirkulierendem Kapital
nur, insoweit verschiedene Proportionen von beiden bei gleich großen
Kapitalen in verschiedenen Geschäftszweigen das Gesetz des Wertes
beeinflussen, und zwar, inwieweit eine Erhöhung oder Senkung des
Arbeitsiohns infolge dieser Umstände die Preise affiziert [beeinflußt].

which these different capitals will endure: a steam-engine will last longer
than a ship, a ship than the clothing of the labourer, and the Clothing of the
labourer longer than the food which he consumes.‘“‘ (Ricardo: a, a, O0. p. 27.)

2 „,According as capital is rapidly perishable andrequires to be frequently
reproduced, or is of slow consumption, it is classed under the heads of
circulating, or fixed capital.“ (Ricardo: a. a. 0.)

* „A division not essential, and in which the line ofdemarcation cannot
be accurately drawn.‘“ (Ricardo: a. a. 0.)
        <pb n="234" />
        Elftes: Kapitel

181
Doch selbst innerhalb dieser beschränkten Untersuchung begeht er
infolge der Verwechslung von fixem und zirkulierendem Kapital mit
konstantem und variablem die größten Irrtümer und geht in der Tat
von einer ganz falschen Basis der Untersuchung aus. Es werden also
L. soweit der in Arbeitskraft ausgelegte Wertteil des Kapitals unter
die Rubrik des zirkulierenden Kapitals zu subsumieren [zusammen-
zufassen] ist, die Bestimmungen des zirkulierenden Kapitals selbst
falsch entwickelt und speziell die Umstände, die den in Arbeit aus-
gelegten Kapitalteil unter diese Rubrik subsumieren. 2. Es findet
Verwechslung statt zwischen der Bestimmung, wonach der in Arbeit
ausgelegte Kapitalteil variabel, und derjenigen, wonach er zirku-
lierend im Gegensatz zum fixen Kapital ist.

Es ist von vornherein klar, daß die Bestimmung des in Arbeits-
kraft ausgelegten Kapitals als zirkulierend oder flüssig eine sekundäre
Bestimmung [Bestimmung von untergeordneter Bedeutung] ist,
worin seine differentia specifica im Produktionsprozeß ausgelöscht
ist; denn in dieser Bestimmung sind einerseits die in Arbeit und die
in Rohstoffen etc. ausgelegten Kapitale gleichwertig; eine Rubrik,
die einen Teil des konstanten Kapitals identifiziert mit dem variablen
Kapital, hat es nicht mit der differentia specifica des variablen
Kapitals im Gegensatz zum konstanten zu tun. Anderseits werden
zwar die in Arbeit und die in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapital-
teile einander entgegengesetzt, aber keineswegs mit Bezug darauf,
daß sie in ganz verschiedener Weise in die Produktion des Wertes
eingehen, sondern mit Bezug darauf, daß von beiden ihr gegebener
Wert auf das Produkt übertragen wird, nur in verschiedenen Zeit-
räumen.

Es handelt sich in allen diesen Fällen darum, wie ein gegebener
Wert, der im Produktionsprozeß der Ware ausgelegt wird, sei es
Arbeitslohn, Preis des Rohstoffs oder Preis der Arbeitsmittel, auf
das Produkt übertragen, daher durch das Produkt zirkuliert und
durch seinen Verkauf zu seinem Ausgangspunkt zurückgeführt oder
ersetzt wird. Der einzige Unterschied besteht hier in dem „wie“,
in der besonderen Art und Weise der Uebertragung und daher auch
der Zirkulation dieses Wertes.

Ob der in jedem Fall kontraktlich vorher bestimmte Preis der
Arbeitskraft in Geld oder Lebensmitteln gezahlt wird, ändert nichts
an. seinem Charakter, ein bestimmter gegebener Preis zu sein. Indes
ist bei dem in Geld gezahlten Arbeitslohn evident [offenbar], daß
nicht das Geld selbst in den Produktionsprozeß eingeht, in derselben
Weise, wie nicht nur der Wert, sondern auch der Stoff der Produk-
tionsmittel in den Produktionsprozeß eingeht. Werden dagegen die
Lebensmittel, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, direkt als
stoffliche Gestalt des zirkulierenden Kapitals mit den Rohstoffen etc.
unter eine Rubrik und den Arbeitsmitteln entgegen gestellt, so
gibt dies der Sache einen andern Schein. Wenn der Wert dieser
Dinge, der Produktionsmittel, im Arbeitsprozeß auf das Produkt
        <pb n="235" />
        182

Zweiter Abschnitt
übertragen. wird, so erscheint der Wert jener andern Dinge, der
Lebensmittel, in der Arbeitskraft, die sie verzehrt, wieder und wird
durch Betätigung derselben ebenfalls auf das Produkt übertragen.
Es handelt sich in allem diesem gleichmäßig um das bloße Wieder-
erscheinen der während der Produktion vorgeschossenen Werte im
Produkt. (Die Physiokraten nahmen dies ernsthaft und leugneten
daher, daß die industrielle Arbeit Mehrwert schaffe.) So in der be-
reits zitierten Stelle von Wayland: „Es kommt nicht darauf an, in
welcher Form das Kapital wieder erscheint.... die verschiedenen
Arten der Nahrung, Kleidung und Wohnung, die für das Dasein und
Wohlbefinden des Menschen nötig sind, werden auch verändert. Sie
werden im Lauf der Zeit verzehrt und ihr Wert erscheint wieder in
der neuen Kraft, die sie Körper und Geist mitteilen, und erzeugt so
neues Kapital zur Anwendung im Produktionsprozeß.““ („Elements
of Political Economy“, p. 31, 32; [zitiert in „Kapital“, Buch I,
Kapitel VI, 2. Auflage, S.197, V. S.161, Note 25.]) Die der Produktion
in Gestalt von Produktionsmitteln und Lebensmitteln vorgeschossenen
Kapitalwerte erscheinen hier glei chmäßig im Wert des Produkts
wieder. Damit ist denn die Verwandlung des kapitalistischen Produk-
tionsprozesses in ein vollständiges Mysterium glücklich vollbracht und
der Ursprung des im Produkt vorhandenen Mehrwerts . gänzlich
dem Blick entrückt.
Ferner vollendet sich damit der der bürgerlichen Oekonomie
eigentümliche Fetischismus 288 der den gesellschaftlichen, ökonomi-
sehen Charakter, welchen Dinge im gesellschaftlichen Produktions-
prozeß aufgeprägt erhalten, in einen natürlichen, aus der stofflichen
Natur dieser Dingeentspringenden Charakter verwandelt. Zum Beispiel
Arbeitsmittel sind fixes Kapital — eine scholastische Bestimmung,
die zu Widersprüchen und Konfusion führt. Ganz wie beim Arbeits-
prozeß (Buch I, Kapitel V) nachgewiesen wurde, daß es ganz von der
jedesmaligen Rolle abhängt, welche die gegenständlichen Bestandteile
in einem bestimmten Arbeitsprozeß spielen, von ihrer Funktion, ob sie
alsArbeitsmittel, Arbeitsmaterial oder Produkt f ungieren— ganz eben-
so sind Arbeitsmittel nur da fixes Kapital, wo der Produktionsprozeß
überhaupt kapitalistischer Produktionsprozeß und daher die Produk-
tionsmittel überhaupt Kapital sind, die ökonomische Bestimmtheit,
den gesellschaftlichen Charakter von Kapital besitzen; und zweitens
sind sie fixes Kapital nur, wenn sie ihren Wert in einer besonderen
Weise auf das Produkt übertragen. Wenn nicht, bleiben sie Arbeits-
mittel, ohne fixes Kapital zu sein. Ebenso Hilfsstoffe, wie Dünger,
wenn sie in derselben besonderen Art Wert abgeben wie der größte
Teil der Arbeitsmittel, werden fixes Kapital, obgleich sie keine Ar-
beitsmittel sind. Es handelt sich hier nicht um Definitionen [Be-
griffsbestimmungen], unter welchen die Dinge subsumiert werden. Es
282 Vgl. über diesen Fetischiemus „Kapital“, Buch I, Kapitel 1, 2. Aufl:
5.49, V. 8.36. EK.
        <pb n="236" />
        E}Htes Kapitel

183
handelt sich um bestimmte Funktionen, welche in bestimmten Ka-
tegorien. [Begriffsklassen] ausgedrückt werden. ;

Gilt es für eine den Lebensmitteln an sich, unter allen Umständen
zukommende Eigenschaft, in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital zu sein, so
wird es auch Charakter dieses „zirkulierenden‘“ Kapitals „die Arbeit zu
erhalten‘“‘, tosupport labour (Ricardo, a.a.0. p.25). Wären die Lebens-
mittel nicht „Kapital‘, so würden sie also nicht die Arbeitskraft
erhalten während ihr Kapitalcharakter ihnen gerade die Eigenschaft
gibt, das. Kapital zu erhalten durch fremde Arbeit.

Sind Lebensmittel an sich zirkulierendes Kapital — nachdem
dieses verwandelt in Arbeitslohn —, so ergibt sich ferner, daß die
Größe des Arbeitslohns abhängt von dem Verhältnis der Arbeiter-
zahl zu der gegebenen Masse des zirkulierenden Kapitals — ein. be-
liebter. ökonomischer Satz —, während in der Tat die Masse des
Lebensmittel, die der Arbeiter dem Markt entzieht, und die Masse
der Lebensmittel, worüber der Kapitalist zu seinem Konsum ver-
fügt, abhängt vom Verhältnis des Mehrwerts zum Preis der Arbeit.

Ricardo wie Barton? verwechselt überall das Verhältnis des
variablen Kapitals zum konstanten mit dem Verhältnis des zirku-
lierenden Kapitals zum fixen. Wir werden später sehen, wie dies
seine Untersuchung über die Profitrate verfälscht.

Ricardo setzt ferner die Unterschiede, die im Umschlag aus an-
dern Gründen entspringen als aus dem Unterschied von fixem und
zirkulierendem Kapital, mit diesem gleich: „Es ist ferner zu bemerken,
daß das zirkulierende Kapital in sehr ungleichen Zeiträumen .zir-
kulieren. oder seinem Anwender zurückfließen kann. Der von einem
Pächter zur Aussaat gekaufte Weizen ist ein fixes Kapital verglichen
mit dem von einem Bäcker zur Verwandlung in Brot gekauften
Weizen... Der eine läßt ihn im Boden und kann erst nach einem Jahr
einen Rückfluß erhalten; der andere kann ihn zu Mehl vermahlen
lassen und als Brot an seine Kunden verkaufen, so daß er innerhalb
einer Woche sein Kapital wieder frei hat, um dieselbe Operation von
neuem Oder irgendeine andere damit zu beginnen.‘ 30

Hier ist charakteristisch, daß Weizen, obgleich er als Saatkorn
nicht als Lebensmittel, sondern als Rohmaterial dient, erstens zir-
kulierendes Kapital ist, weil an sich Lebensmittel, und zweitens fixes
‚ 2 „Observations on the Circumstances which influence the Condition of
the Labouring Classes of Society. London 1817.“ . Eine einschlägige Stelle
ist zitiert in Buch I, Kapitel XXIII, 3, 2. Aufl., S. 655, 656, V.S 568, 569,
Note 79.

% „It is also to be observed that the circulating capital may cireulate,
or be returned to its employer, in very unequal times. The wheat bought
by a farmer to sow is comparatively a fixed capital to the wheat purchased
by a baker to make into loaves. One leaves it in the ground, and can obtain
no return for a year; the other can get it ground into flour, sell it as bread
to his customers, and have his capital free, to renew the same, or commence
any other employment in a week.‘ (Ricardo:.a. a. O., p. 26, 27.)
        <pb n="237" />
        184

Zweiter Abschnitt
Kapital, weil sein Rückfluß sich über ein Jahr erstreckt. Es ist aber
nicht nur der langsamere oder schnellere Rückfluß, der ein Produk-
tionsmittel zu fixem Kapital macht, sondern die bestimmte Art und
Weise der Wertabgabe an das Produkt.

Die von A. Smith angerichtete Konfusion hat zu folgenden Re-
sultaten geführt:

1. Der Unterschied zwischen fixem und flüssigem Kapital wird
verwechseltmitdem Unterschied von produktivem Kapital und Waren-
kapital. So ist zum Beispiel dieselbe Maschine zirkulierendes Kapital,
wenn sie sich als Ware auf dem Markt befindet, und fixes Kapital,
wenn sie dem Produktionsprozeß einverleibt ist. Dabei ist absolut
nicht abzusehen, warum eine bestimmte Art Kapital mehr fix oder
mehr zirkulierend sein soll als die andere.

2. Alles zirkulierende Kapital wird identifiziert mit in Arbeits-
lohn ausgelegtem oder auszulegendem Kapital. So bei J. St. Millu. a.

3. Der Unterschied zwischen variablem und konstantem Kapital,
der schon bei Barton, Ricardo u. a. mit dem von zirkulierendem
und fixem verwechselt, wird endlich ganz auf diesen reduziert, wie zum
Beispiel bei Ramsay, wo alle Produktionsmittel, Rohstoffe ete. sowohl
wie Arbeitsmittel fixes Kapital und nur das in Arbeitslohn aus-
zgelegte Kapital zirkulierendes Kapital ist. Weil aber die Reduktion in
dieser Form geschieht, wird der wirkliche Unterschied von konstantem
und variablem Kapital nicht begriffen.

4. Bei den’ neuesten englischen, besonders schottischen Oeko-
nomen, die alles vom unsäglich bornierten Standpunkt des Bankier-
kommis betrachten, wie MacLeod, Patterson u. a., verwandelt sich
der Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital in den von
money at call und money not at call (Depositengeld, das ohne Kün-
digung oder nur nach vorheriger Kündigung zurückgezogen werden
kann).

Zwölftes Kapitel.
Die Arbeitsperiode.
Nehmen wir zwei Geschäftszweige, worin gleich großer Arbeitstag,
sage zehnstündiger Arbeitsprozeß, zum Beispiel Baumwollspinnerei
und Fabrikation von Lokomotiven. In dem einen Zweig wird täglich,
wöchentlich ein bestimmtes Quantum fertiges Produkt geliefert,
Baumwollengarn; in dem andern muß der Arbeitsprozeß vielleicht
während drei Monaten wiederholt werden, um ein fertiges Produkt,
eine Lokomotive, herzustellen. In dem einen Fall ist das Produkt
diskreter Natur lergibt die Produktion des Tages oder der Woche
eine Reihe voneinander getrennter Produkte], und täglich oder
wöchentlich beginnt dieselbe Arbeit von neuem. In dem andern Fall
ist der Arbeitsprozeß kontinuierlich, erstreckt sich über eine längere
Anzahl täglicher Arbeitsprozesse, die in ihrer Verbindung, in der
        <pb n="238" />
        Zwölftes Kapitel

185
Kontinuität ihrer Operation erst nach längerer Frist ein fertiges Pro-
dukt liefern. Obgleich die Dauer des täglichen Arbeitsprozesses hier
dieselbe ist, findet ein sehr bedeutender Unterschied statt in der Dauer
des Produktionsakts, das heißt in der Dauer der wiederholten Ar-
beitsprozesse, die erheischt sind, um das Produkt fertig zu liefern, es
als Ware auf den Markt zu schicken, also es aus produktivem Kapital
in Warenkapital zu verwandeln. Der Unterschied zwischen fixem
und zirkulierendem Kapital hat hiermit nichts zu tun. Der angegebene
Unterschied würde bestehen, selbst wenn in beiden Geschäftszweigen
genau dieselben Proportionen von fixem und zirkulierendem Kapital
angewandt würden.

Diese Unterschiede in der Dauer des Produktionsakts finden statt
nicht nur zwischen verschiedenen Produktionssphären, sondern auch
innerhalb derselben Produktionssphäre, je nach dem Umfang des zu
liefernden Produkts. Ein gewöhnliches Wohnhaus wird in kürzerer
Zeit gebaut als eine größere Fabrik und erfordert daher eine geringere
Zahl kontinuierlicher Arbeitsprozesse. Wenn der Bau einer Lokomo-
tive drei Monate, kostet der eines Panzerschiffes ein oder mehrere
Jahre, Die Getreideproduktion nimmt beinahe ein Jahr in Anspruch,
die Produktion von Hornvieh mehrere Jahre, die Holzzucht kann
von 12 bis 100 Jahre umfassen, ein Landweg vielleicht in einigen Mo-
naten gebaut werden, wo eine Eisenbahn Jahre erfordert, ein ge-
wöhnlicher Teppich vielleicht eine Woche, Gobelins [französische
kunstvolle Wandteppiche] Jahre ete. Die Unterschiede in der Dauer
des Produktionsakts sind also unendlich mannigfaltig.

Der Unterschied in der Dauer des Produktionsakts muß offenbar
einen Unterschied in der Geschwindigkeit des Umschlags bei gleich
großer Kapitalauslage erzeugen, also in den Zeiträumen, für welche
ein gegebenes Kapital vorgeschossen ist. Gesetzt, die Maschinen-
spinnerei und die Lokomotivenfabrik wendeten gleich großes Kapital
an, die Teilung zwischen konstantem und variablem Kapital sei die-
zelbe, auch die zwischen den fixen und flüssigen Bestandteilen des
Kapitals, endlich sei der Arbeitstag gleich groß und seine Teilung
zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit dieselbe. Um ferner
alle aus dem Zirkulationsprozeß entspringenden und diesem Fall
äußerlichen Umstände zu beseitigen, wollen wir annehmen, daß beide,
Garn und Lokomotive, auf Bestellung fabriziert und bei Lieferung
des fertigen Produkts bezahlt werden. Nach Ende der Woche, bei
Ablieferung des fertigen Garns, erhält der Spinnfabrikant (wir sehen
hier vom Mehrwert ab) das ausgelegte zirkulierende Kapital zurück
und ebenso den Verschleiß des fixen Kapitals, der im Garnwert steckt.
Er kann also mit demselben Kapital denselben Kreislauf von neuem
wiederholen. Es hat seinen Umschlag vollbracht. Der Lokomotiv-

fabrikant dagegen muß während der 3 Monate Woche für Woche immer
neues Kapital in Arbeitslohn und Rohmaterial auslegen und erst
nach drei Monaten, nach Ablieferung der Lokomotive, befindet sich
das während dieser Zeit in einem und demselben Produktionsakt,
        <pb n="239" />
        186

Zweiter Abschnitt
zur Herstellung einer und derselben Ware, nach und nach ausgelegte
zirkulierende Kapital wieder in einer Form, worin es seinen Kreis-
lauf von neuem beginnen kann; ebenso wird ihm der Verschleiß der
Maschinerie während dieser drei Monate erst jetzt ersetzt. Die Aus-
lage des einen ist die für eine Woche, die des andern ist die Wochen-
auslage multipliziert mit 12. Alle andern Umstände gleich voraus-
gesetzt, muß der eine zwölfmal mehr zirkulierendes Kapital zur Ver-
fügung haben als der andere.

Daß die wöchentlich vorgeschossenen Kapitale gleich sind, ist
hier jedoch ein gleichgültiger Umstand. Welches immer die Größe
des vorgeschossenen Kapitals, in dem einen Fall ist es nur für eine
Woche, in dem andern für zwölf Wochen vorgeschossen, bevor von
neuem damit operiert, dieselbe Operation damit wiederholt oder eine
andersartige damit begonnen werden kann.

Der Unterschied in der Geschwindigkeit des Umschlags oder der
Zeitlänge, für welche das einzelne Kapital vorgeschossen werden muß,
bevor derselbe Kapitalwert wieder zu einem neuen Arbeits- oder Ver-
wertungsprozeß dienen kann, entspringt hier daraus:

Nehmen wir an, der Bau der Lokomotive oder irgendeiner Ma-
schine koste 100 Arbeitstage. Mit Bezug auf die in Spinnerei und
Maschinenbau beschäftigten Arbeiter bilden die 100 Arbeitstage
gleichmäßig eine diskontinuierliche (diskrete [in mehrere nicht zu-
sammenhängende Teile zerfallende]) Größe, nach der Unterstellung
aus 100 aufeinanderfolgenden, separaten ‚zehnstündigenArbeitspro-
zessen bestehend. Aber mit Bezug auf das Produkt — die Maschine —
bilden die 100 Arbeitstage eine kontinuierliche [zusammenhängende]
Größe, einen Arbeitstag von 1000 Arbeitsstunden, einen einzigen zu-
sammenhängenden Produktionsakt. Einen solchen Arbeitstag, der
durch die Aufeinanderfolge mehr oder minder zahlreicher zusammen.
hängender Arbeitstage gebildet ist, nenne ich eine Arb eitsperiode.,
Sprechen wir vom Arbeitstag, so meinen wir die Länge der Arbeits-
zeit, während deren der Arbeiter seine Arbeitskraft täglich veraus-
gaben, täglich arbeiten muß. Sprechen wir dagegen von der Arbeits-
periode, so bedeutet das die Zahl zusammenhängender. Arbeitstage,
die in einem bestimmten Geschäftszweig erheischt ist, um ein fertiges
Produkt zu liefern. Das Produkt jedes Arbeitstages ist hier nur ein
Teilprodukt, welches Tag für Tag weiter ausgeführt wird und erst

am Schluß der längeren oder kürzeren Periode der Arbeitszeit seine
fertige Gestalt erhält, ein fertiger Gebrauchswert ist. CC
Unterbrechungen, Störungen des gesellschaftlichen Produktions-
Prozesses, zum Beispiel infolge von Krisen, wirken daher sehr ver-
schieden auf Arbeitsprodukte, die diskreter Natur sind, und auf solche,
die zu ihrer Produktion eine längere, zusammenhängende Periode er-
heischen. Auf die heutige Produktion einer bestimmten Masse von
Garn, Kohle usw. folgt in dem einen Fall morgen keine neue Pro-
duktion von Garn, Kohle usw. Anders aber mit Schiffen, Gebäuden,
Eisenbahnen usw. Nicht nur die Arbeit wird unterbrochen, ein zu-
        <pb n="240" />
        Zwölftes Kapitel

187
sammenhängender Produktionsakt wird unterbrochen. Wird das Werk
nicht weitergeführt, so'sind die bereits in seiner Produktion verzehr-
ten Produktionsmittel und Arbeit nutzlos verausgabt. Selbst wenn
es wieder aufgenommen wird, hat in der Zwischenzeit stets Deterio:
ration [Entwertung] stattgefunden.

Während der ganzen Dauer der Arbeitsperiode häuft sich schicht-
weise der Wertteil, den das fixe Kapital täglich an das Produkt bis
zu dessen Reife abgibt. Und hier zeigt sich zugleich der Unterschied.
von fixem und zirkulierendem Kapital in seiner praktischen Wichtig-
keit. Das fixe Kapital ist für längere Zeitdauer dem Produktions-
prozeß vorgeschossen, es braucht nicht vor Ablauf dieser vielleicht
mehrjährigen Frist erneuert zu werden. Der Umstand, ob die Dampf-
maschine ihren Wert stückweise täglich auf Garn, das Produkt eines
diskreten Arbeitsprozesses, oder während drei Monaten auf eine Loko-
motive, das Produkt eines kontinuierlichen Produktionsakts,  ab-
gibt, ändert durchaus nichts an der Auslage des für den Ankauf der
Dampfmaschine nötigen Kapitals. In dem einen Fall strömt ihr Wert
in kleinen Dosen zurück, zum Beispiel wöchentlich, im andern in
größeren Massen; zum. Beispiel dreimonatlich. Aber in beiden
Fällen findet die Erneuerung der Dampfmaschine vielleicht erst nach
20 Jahren statt. Solange jede einzelne Periode, innerhalb deren ihr
Wert .durch Verkauf des Produkts stückweise zurückfließt, kürzer
ist als ihre eigene Existenzperiode, fährt dieselbe Maschine fort,
während mehrerer Arbeitsperioden im Produktionsprozeß zu fungieren.

Anders verhält es sich dagegen mit den zirkulierenden Bestand-
teilen des vorgeschossenen Kapitals. . Die für diese. Woche gekaufte
Arbeitskraft ist verausgabt während dieser Woche und hat sich im
Produkt vergegenständlicht. Sie muß Ende dieser Woche bezahlt
werden. Und diese Kapitalauslage in Arbeitskraft wiederholt sich
wöchentlich während der drei Monate, ohne daß die Verausgabung
dieses Kapitalteils in der einen Woche den Kapitalisten befähige, den
Ankauf der Arbeit in der nächsten Woche zu bestreiten. Es muß
wöchentlich neues zuschüssiges Kapital in Zahlung von. Arbeitskraft
verausgabt werden und, wenn wir von allen Kreditverhältnissen ab-
sehen, muß der Kapitalist fähig sein, für die Zeit von drei Monaten
Arbeitslohn auszulegen, obgleich er ihn nur in wöchentlichen Dosen
zahlt. Ebenso mit dem andern Teil des zirkulierenden Kapitals, den
Roh- und Hilfsstoffen. Eine Schicht von Arbeit nach der andern
lagert sich auf dem Produkt ab. Nicht nur der Wert der verausgabten
Arbeitskraft, sondern auch Mehrwert wird beständig während. des
Arbeitsprozesses auf das Produkt übertragen, aber auf unfertiges

Produkt, das noch nicht die Gestalt der fertigen Ware hat, also noch
nicht zirkulationsfähig ist. Dasselbe gilt von dem in Roh- und Hilfs-
stoffen schichtweise auf das Produkt übertragenen Kapitalwert,

Je nach der längeren oder kürzeren Dauer der Arbeitsperiode,
welche die spezifische Natur des Produkts oder des zu erreichenden
Nutzeffekts zu ihrer Herstellung beansprucht, ist eine beständige;
        <pb n="241" />
        188

Zweiter Abschnitt
zuschüssige Ausgabe von zirkulierendem Kapital (Arbeitslohn; Roh-
und Hilfsstoffen) erfordert, wovon kein Teil sich in einer zirkula-
tionsfähigen Form befindet und daher zur Erneuerung derselben Ope-
ration dienen könnte, jeder Teil vielmehr sukzessive als Bestandteil
des werdenden Produkts innerhalb der Produktionssphäre festgelegt,
in Form von produktivem Kapital gebunden ist. Die Umschlags-
zeit ist aber gleich der Summe der Produktionszeit und der Zirkula-
tionszeit des Kapitals. Eine Verlängerung der Produktionszeit ver-
mindert also ebensosehr die Umschlagsgeschwindigkeit wie eine Ver-
längerung der Zirkulationszeit. In dem vorliegendem Fall ist aber
Doppeltes zu bemerken:

Erstens: der verlängerte Aufenthalt in der Produktionssphäre.
Das zum Beispiel in der ersten Woche in Arbeit, Rohmaterial ete.
vorgeschossene Kapital ebenso wie die vom fixen Kapital an: das
Produkt abgegebenen Wertteile bleiben für den ganzen Termin von
drei Monaten in die Produktionssphäre gebannt und können, als einem
arst werdenden, noch unfertigen Produkt einverleibt, nicht als Ware
in die Zirkulation treten.

Zweitens: Da die für den Produktionsakt nötige Arbeitsperiode
drei Monate dauert, in der Tat nur einen zusammenhängenden Ar-
beitsprozeß bildet, so muß beständig wöchentlich eine neue Dose von
zirkulierendem. Kapital den vorhergehenden ‚zugefügt werden. Die
Masse des nacheinander vorgeschossenen zusätzlichen Kapitals wächst
also mit der Länge der Arbeitsperiode.

Wir haben unterstellt, daß in der Spinnerei und Maschinen-
fabrikation gleich große Kapitale angelegt sind, daß diese Kapitale
in gleich großen Proportionen in konstantes und variables Kapital,
ditto [desgleichen] in fixes und zirkulierendes geteilt sind, daß die
Arbeitstage gleich lang sind, kurz, daß alle Umstände dieselben sind
außer der Dauer der Arbeitsperiode. In der ersten Woche ist die
Auslage für beide gleich groß, aber das Produkt des Spinners kann
verkauft und mit dem Erlös neue Arbeitskraft und neue Roh-
stoffe ete. gekauft, kurz, die Produktion auf derselben Stufenleiter
fortgeführt werden. Der Maschinenfabrikant dagegen kann das in
der ersten Woche verausgabte zirkulierende Kapital erst nach drei
Monaten, nach Fertigstellung seines Produkts, in Geld rückverwandeln
und damit von neuem operieren. Es ist also erstens Differenz im
Rückfiuß desselben ausgelegten Kapitalquantums. Zweitens aber:
Während der drei Monate ist gleich großes produktives Kapital in

der Spinnerei und dem Maschinenbau angewandt, aber die Größe
der Kapitalauslage ist für den Spinner und den Maschinenbauer
durchaus verschieden, weil in dem einen Fall dasselbe Kapital sich
rasch erneuert und dieselbe Operation daher von neuem wiederholen
kann, in dem andern sich relativ nur langsam erneuert und daher
bis zum Termin seiner Erneuerung beständig neue Kapitalquanta
den alten hinzugefügt werden müssen. Es ist also sowohl die Zeit-
länge verschieden, worin sich bestimmte Portionen des Kapitals er-
        <pb n="242" />
        Zwölftes Kapitel

189
aeuern oder die Länge der Vorschußzeit wie auch die Masse des
Kapitals (obgleich das täglich oder wöchentlich angewandte Kapital
dasselbe ist), die je nach der Länge des Arbeitsprozesses vorgeschossen
werden muß. Der Umstand ist deswegen zu merken, weil die Länge
des Vorschusses wachsen kann wie in den im folgenden Kapitel zu
betrachtenden Fällen, ohne daß deswegen die Masse des vorzuschies-
senden Kapitals im Verhältnis zu dieser Zeitlänge wächst. Das Kapi-
tal muß länger vorgeschossen werden, und eine größere Menge Kapital
ist in der Form von produktivem Kapital gebunden.

Auf den unentwickelteren Stufen der kapitalistischen Produktion

werden Unternehmungen, die eine lange Arbeitsperiode, also große
Kapitalauslage für längere Zeit bedingen, namentlich wenn nur auf
großer Stufenleiter ausführbar, entweder gar nicht kapitalistisch be-
trieben, wie zum Beispiel Straßen, Kanäle etc. auf Gemeinde- oder
Staatskosten (in älteren Zeiten meist durch Zwangsarbeit, soweit die
Arbeitskraft in Betracht kommt). Oder solche Produkte, deren Her-
stellung eine längere Arbeitsperiode bedingt, werden nur zum gering-
sten Teil durch das Vermögen des Kapitalisten selbst fabriziert.
Zum Beispiel beim Hausbau zahlt die Privatperson, für welche das Haus
gebaut wird, portionsweise Vorschüsse an den Bauunternehmer. Sie
zahlt daher in der Tat das Haus stückweise, im Maß, wie sein Produk-
tionsprozeß vorangeht. In der entwickelten kapitalistischen Aera da-
gegen, wo einerseits massenhafte Kapitale in den Händen einzelner
konzentriert sind, anderseits neben den Einzelkapitalisten der asso-
zierte Kapitalist (Aktiengesellschaften) tritt und gleichzeitig das
Kreditwesen entwickelt ist, baut ein kapitalistischer Bauunternehmer
nur noch ausnahmsweise auf Bestellung für einzelne Privatpersonen.
Er macht ein Geschäft daraus, Häuserreihen und Stadtviertel für den
Markt zu bauen, wie einzelne Kapitalisten ein Geschäft daraus machen,
Eisenbahnen als Kontraktoren zu bauen.

Wie die kapitalistische Produktion den Häuserbau in London
umgewälzt hat, darüber geben uns die Aussagen eines Bauunter-
nehmers vor dem Bankkomitee von 1857 Auskunft. In seiner I ugend,
sagte er, wurden Häuser meistens auf Bestellung gebaut und der
Betrag während des Baues ratenweise an den Unternehmer bezahlt
bei Vollendung gewisser Stadien des Baues. Auf Spekulation wurde
nur wenig gebaut; die Unternehmer ließen sich hierauf hauptsächlich
nur ein, um ihre Arbeiter regelmäßig beschäftigt und damit zusammen
zu halten. Seit den letzten 40 Jahren hat sich das alles geändert.
Auf Bestellung wird nur noch sehr wenig gebaut. Wer ein neues
Haus braucht, sucht sich eins aus von den auf Spekulation gebauten
oder noch im Bau begriffenen. Der Unternehmer arbeitet nicht mehr
für den Kunderi, sondern für den Markt; ganz wie jeder andere In-
dustrielle ist er gezwungen, fertige Ware im Markt zu haben. Während
früher ein Unternehmer vielleicht drei oder vier Häuser gleichzeitig
auf Spekulation im Bau hatte, muß er jetzt ein ausgedehntes Grund-
stück kaufen (das heißt in kontinentaler Ausdrucksweise auf meist
        <pb n="243" />
        1:90

Zweiter Abschnitt
99 Jahre mieten), bis zu 100 oder 200 Häuser darauf errichten und
sich so auf eine Unternehmung einlassen, die sein Vermögen um das
Zwanzig- bis Fünfzigfache übersteigt. Die Fonds werden beschafft
durch Aufnahme von Hypotheken und das Geld dem Unternehmer
zur Verfügung gestellt im Maß, wie der Bau der einzelnen Häuser
fortschreitet. Kommt dann eine Krisis, die die Einzahlung der Vor-
schußraten zum Stocken bringt, so scheitert gewöhnlich die ganze
Unternehmung; im besten Fall bleiben die Häuser unvollendet bis
auf bessere Zeiten, im schlimmsten kommen sie unter den Hammer
und werden zum halben Preis losgeschlagen. Ohne Spekulationsbau,
und das auf großer Stufenleiter, kann heute kein Unternehmer mehr
vorankommen. Der Profit aus dem Bauen selbst ist äußerst gering;
sein Hauptgewinn besteht in Steigerung der Grundrente, in ge-
schickter Auswahl und Ausnutzung des Bauterrains. Auf diesem
Wege der die Nachfrage nach Häusern antizipierenden [vorweg-
nehmenden] Spekulation sind fast ganz Belgravia und Tyburnia und
die zahllosen Tausende von Villen um London gebaut worden.
(Abgekürzt aus „Report from the Select Committee on Bank Acts.
Part I, 1857“, Evidence, Fragen 5413—18, 5435—836. fin der
Engelsschen Ausgabe steht 5535—836. K.:])

Die Ausführung von Werken von bedeutend langer Arbeits-
periode und großer Stufenleiter fällt erst vollständig der kapitalisti-
schen Produktion anheim, wenn die Konzentration des Kapitals
bereits sehr bedeutend ist, anderseits die Entwicklung des Kredit-
systems dem Kapitalisten das bequeme Auskunftsmittel bietet,
fremdes statt sein eigenes Kapital vorzuschießen und daher auch zu
riskieren. Es versteht sich jedoch. von selbst, daß der Umstand, ob
das der Produktion vorgeschossene Kapital seinem Anwender gehört
oder nicht gehört, auf Umschlagsgeschwindigkeit und Umschlags-
zeit keinen Einfluß hat.

Die Umstände, welche das Produkt des einzelnen Arbeitstages
vergrößern, wie Kooperation, Teilung der Arbeit, Anwendung der
Maschinerie, verkürzen zugleich die Arbeitsperiode bei zusammen-
hängenden Produktionsakten.. So verkürzt Maschinerie die Bauzeit
von Häusern, Brücken etec.; die Mäh- und Dreschmaschine ete. ver-
kürzen die Arbeitsperiode, erheischt, um das gereifte Korn in fertige
Ware zu verwandeln. Verbesserter Schiffsbau verkürzt mit vermehrter
Geschwindigkeit die Umschlagszeit des in der Schiffahrt ausgelegten
Kapitals. Diese Verbesserungen, welche die Arbeitsperiode und
daher die Zeit verkürzen, für welche zirkulierendes Kapital vorge-
schossen werden muß, sind jedoch meist verbunden mit vermehrter
Auslage von fixem Kapital. Anderseits kann die Arbeitsperiode in
bestimmten Zweigen verkürzt werden durch bloße Ausdehnung der
Kooperation; die Fertigstellung einer Eisenbahn wird dadurch ver-
kürzt, daß große Arbeiterarmeen auf die Beine gestellt werden und
das Werk daher vielseitig im Raum angegriffen wird. Die Umschlags-
zeit wird hier. verkürzt durch Wachstum des vorgeschossenen Kapi-
        <pb n="244" />
        Zwölftes Kapitel

191
btals. Mehr Produktionsmittel und mehr Arbeitskraft müssen unter
dem Kommando des Kapitalisten vereint sein.

Wenn die Verkürzung der Arbeitsperiode daher meist mit Ver-
größerung des für die kürzere Zeit vorgeschossenen Kapitals ver-
bunden ist, so daß im Maß, wie die Vorschußzeit sich verkürzt, die
Masse, worin das Kapital vorgeschossen wird, sich vergrößert — so
ist hier zu erinnern, daß abgesehen von der vorhandenen Masse des
gesellschaftlichen Kapitals es darauf ankommt, in welchem Grade
die Produktions- und Lebensmittel respektive die Verfügung darüber
zersplittert oder in den Händen individueller Kapitalisten ver-
einigt sind, also welchen Umfang die Konzentration der Kapitale
bereits erreicht hat. Insofern der Kredit die Konzentration von
Kapital in einer Hand vermittelt, beschleunigt und steigert, trägt
er dazu bei, die Arbeitsperfode und damit die Umschlagszeit ab-
zukürzen.

In Produktionszweigen, wo die. Arbeitsperiode, sei sie nun kon-
tinuierlich oder unterbrochen, durch bestimmte Naturbedingungen
vorgeschrieben ist, kann keine Verkürzung durch die oben ange-
gebenen Mittel stattfinden. ‚Der Ausdruck: rascherer Umschlag,
kann nicht auf Kornernten angewandt werden, da nur ein Umschlag
im Jahr möglich ist. Was den Viehstand angeht, wollen wir einfach
fragen: Wie ist der Umschlag zwei- und dreijähriger Schafe und vier-
und fünfjähriger Ochsen zu beschleunigen?‘ (W. Walter Good:
„Political, Agricultural, and Commercial Fallaeies. London, 1866‘,
p- 325.)

Die Notwendigkeit, früher Geld flüssig zu haben (zum Beispiel
um fixe Leistungen, wie Steuern, Grundrente etec., zu zahlen), löst
diese Frage dadurch, daß Vieh zum Beispiel verkauft und geschlachtet
wird, bevor es das ökonomische Normalalter erreicht hat, zum großen
Schaden der Agrikultur; es bewirkt dies auch schließlich ein Steigen
der Fleischpreise. „Die Leute, welche früher hauptsächlich Vieh züch-
teten, um die Weidegründe der Midland counties [der Grafschaften in
Mittelengland] im Sommer und die Ställe der östlichen Grafschaften
im Winter damit zu versorgen... sind durch die Schwankungen und
Senkungen der Kornpreise 8o heruntergebracht worden, daß sie froh
sind, aus den hohen Preisen von Butter und Käse Vorteil ziehen zu
können; die erstere bringen sie wöchentlich auf den Markt, um
laufende Ausgaben zu decken; gegen den letzteren nehmen sie Vor-
schüsse von einem Faktor [Agenten], der den Käse abholt, sobald er
transportfähig ist, und der natürlich seinen eigenen Preis macht. Aus
diesem Grund, und da die Landwirtschaft durch die Grundsätze der
politischen Oekonomie regiert wird, werden die Kälber, die früher
von den milchwirtschaftenden Gegenden zur Aufzucht nach Süden
kamen, jetzt massen weise geopfert, oft wenn sie erst acht bis zehn
Tage alt sind, in den Schlachthäusern von Birmingham, Manchester,
Liverpool und andern benachbarten Großstädten... Wäre dagegen
das Malz unbesteuert, so hätten nicht nur die Pächter mehr Profit

Das Kanital. I.
        <pb n="245" />
        192

Zweiter Abschnitt
gemacht, und so ihr Jungvieh behalten können, bis es älter und
schwerer wurde, sondern das Malz hätte auch statt Milch zur Auf-
zucht von Kälbern gedient bei Leuten, die keine Kühe halten; und
der jetzige erschreckende Mangel an Jungvieh wäre großenteils ver-
mieden worden. Empfiehlt man diesen kleinen Leuten jetzt, die
Kälber aufzuziehen, so sagen sie: Wir wissen sehr wohl, daß die Auf-
zucht mit Milch sich lohnen würde, aber erstens müßten wir Geld
auslegen, und das können wir nicht, und zweitens müßten wir lange
warten, bis wir unser Geld wieder bekommen, während wir es in der
Milchwirtschaft sogleich zurückerhalten.‘ (Ebenda, p. 11, 12 [in
der Engelsschen Ausgabe steht 12, 13. K.])

Wenn die Verlängerung des Umschlags solche Folgen schon
bei kleineren englischen Pächtern hat, so ist leicht zu begreifen,
welche Störungen sie bei den Kleinbahern des Kontinents hervor-
rufen muß.

Entsprechend der Dauer der Arbeitsperiode, also auch der Zeit-
periode bis zur Fertigstellung der zirkulationsfähigen Ware, häuft
sich der Wertteil, den das fixe Kapital schichtweise an das Produkt
abgibt, und verzögert sich der Rückfluß dieses Wertteils. Aber diese
Verzögerung verursacht nicht erneuerte Auslage in fixem Kapital.
Die Maschine fährt fort, im Produktionsprozeß zu wirken, ob der
Ersatz ihres Verschleißes langsamer oder rascher in Geldform zurück-
strömt. Anders verhält es sich mit dem zirkulierenden Kapital. Nicht
nur muß im Verhältnis zur Dauer der Arbeitsperiode Kapital auf
längere Zeit festgelegt, es muß auch beständig neues Kapital in
Arbeitslohn, Roh- und Hilfsstoffen vorgeschossen werden.3%* Ver-
zögerter Rückfluß wirkt daher verschieden auf beide. Der Rückfluß
mag langsamer oder rascher sein, das fixe Kapital fährt fort zu wirken.
Das zirkulierende Kapital dagegen wird funktionsunfähig bei ver-
zögertem Rückfluß, wenn es in der Form von unverkauftem oder
unfertigem, noch nicht verkäuflichem Produkt festliegt und kein
Zuschußkapital vorhanden ist, um es in natura zu erneuern. —
„Während der Bauer verhungert, gedeiht sein Vieh. Es hatte ziem-
lich geregnet und das Grasfutter stand üppig. Der indische Bauer
wird verhungern neben einem fetten Ochsen. Die Vorschriften des
Aberglaubens erscheinen grausam gegenüber dem einzelnen, aber
sie sind erhaltend für die Gesellschaft; die Erhaltung des Arbeits-
viehs sichert den Fortgang des Ackerbaus und damit die Quellen
künftigen Lebensunterhalts und Reichtums. Es mag hart und
traurig lauten, aber es ist so: In Indien ist ein Mensch leichter zu

30% In der 1. Auflage folgt hier der Satz: „Es zeigt sich hier, daß die Unter-
schiede von fixem und flüssigem Kapital aus der Rolle entspringen, welche
die verschiedenen Faktoren im Arbeitsprozeß spielen, indem die einen in
wiederholten Arbeitsprozessen fortwirken, die andern beständig erneuert
werden, diese also beständig durch die Zirkulation ganz ersetzt werden
müssen, jene nicht.“ K.
        <pb n="246" />
        Zwölftes Kapitel

193
ersetzen als ein Ochse.‘“ (Accounts and Papers, Session 1867, Vol.LII,
Return, East India. Madras and Orissa Famine. No. 4, p.44. [In der
Engeisschen Ausgabe steht: p. 4. K.]) Man vergleiche hiermit den
Satz des Manava-Dharma-Sestra, chap. X, p. 862: „Hingebung des
Lebens ohne Belohnung, um einen Priester oder eine Kuh zu er-
alten... kann die Seligkeit dieser niedrig geborenen Stämme
sichern.‘ 30b

Es ist natürlich unmöglich, ein fünfjähriges Tier vor dem Ende
von fünf Jahren zu liefern. Was aber innerhalb gewisser Grenzen
möglich, das ist, durch veränderte Behandlungsweise Tiere in kür-
zerer Zeit für ihre Bestimmung fertigzumachen, Dies wurde nament-
lich geleistet durch Bakewell. Früher waren englische Schafe, wie die
französischen noch 1855, vor dem vierten oder fünften Jahre nicht
schlachtfertig. Nach Bakewells System kann schon ein einjähriges
Schaf gemästet werden und in jedem Fall ist es vor Ablauf des zweiten
Jahres vollständig ausgewachsen. Durch sorgfältige Zuchtwahl
reduzierte Bakewell, Pächter von Dishley Grange, das Knochen-
skelett der Schafe auf das zu ihrer Existenz notwendige Minimum.
Seine Schafe hießen die New Leicesters. ‚Der Züchter kann jetzt
drei Schafe auf den Markt liefern in derselben Zeit, in der er früher
eins fertigstellte, und wenn sie nicht größer sind, sind sie breiter,
runder und zeigen eine stärkere Entwicklung jener Teile, die am
meisten Fleisch geben. Fast ihr ganzes Gewicht ist pures [reines]
Fleisch.“ (Lavergne: „The Rural Economy of England etc. 1855“,
p- 20 300 )

Die Methoden, welche die Arbeitsperiode abkürzen, sind in ver-
schiedenen Industriezweigen nur in sehr verschiedenem Grad an-
wendbar und gleichen nicht die Unterschiede in der Zeitlänge der
verschiedenen Arbeitsperioden aus. Um bei unserm Beispiel zu
bleiben, so mag durch Anwendung neuer Werkzeugmaschinen die
zur Herstellung einer Lokomotive nötige Arbeitsperiode absolut
verkürzt werden. Wird aber durch verbesserte Prozesse in der Spin-
nerei das täglich oder wöchentlich gelieferte fertige Produkt ungleich
rascher vermehrt, so hat die Länge der Arbeitsperiode in der Ma-
schinenfabrikation dennoch relativ zugenommen im Vergleich mit
der Spinnerei.

30b Es war nicht festzustellen, welche Ausgabe Marx benutzt hat. In der
Ausgabe von Sir William Jones („Works‘, vol. VII und VIII) findet sich die
betreffende Stelle in Kapitel X, Absatz 62 (Band VII, p. 79); sie lautet in der
englischen Uebersetzung: „Desertion of life, without reward, for the sake of
preserving a priest or a cCOW, a woman or a child, may cause the beatitude of
these baseborne tribes (Hingabe des Lebens ohne Belohnung, um einen Priester
oder eine Kuh, eine Frau oder ein Kind zu erhalten, kann die Seligkeit dieser
niedrig geborenen Stämme bewirken).“ Die „niedrig geborenen Stämme“
sind aus den Mischungen verschiedener Kasten hervorgegangen. K.

#00 In der Engelsschen Ausgabe steht: „p. 22“, Der dort gegebene
Wortlaut der Ueberagung ist freier als der hier mitgeteilte. K.
        <pb n="247" />
        194

Zweiter Abschnitt
Dreizehntes Kapitel.
Die Produktionszeit.

Die Arbeitszeit ist immer Produktionszeit, das heißt Zeit, wäh-
rend deren das Kapital in die Produktionssphäre gebannt ist. Aber
umgekehrt ist nicht alle Zeit, während deren das Kapital sich im
Produktionsprozeß befindet, deswegen notwendig auch Arbeitszeit.

Es handelt sich hier nicht um Unterbrechungen des Arbeits-
prozesses, welche durch die Naturschranken der Arbeitskraft selbst
bedingt sind, obgleich sich gezeigt hat, wie sehr der bloße Umstand,
daß das fixe Kapital, Fabrikgebäude, Maschinerie usw., während der
Pausen des Arbeitsprozesses brachliegt, eins der Motive wurde zur
unnatürlichen Verlängerung des Arbeitsprozesses und zur Tag- und
Nachtarbeit.%4 Es handelt sich hier um eine von der Länge des
Arbeitsprozesses unabhängige, durch die Natur des Produkts und
seiner Herstellung selbst bedingte Unterbrechung, während deren
der Arbeitsgegenstand kürzer oder länger dauernden Naturprozessen
unterworfen ist, physikalische, chemische, physiologische Verän-
derungen durchmachen muß, während deren der Arbeitsprozeß ganz
oder teilweise suspendiert [eingestellt] ist.

So muß gekelterter Wein erst eine Zeitlang die Gärung durch-
machen und dann wieder eine Zeitlang liegen, um einen bestimmten
Grad der Vollkommenheit zu erreichen. In vielen Industriezweigen
muß das Produkt eine Trocknung durchmachen, wie in der Töpferei,
oder gewissen Umständen ausgesetzt sein, um seine chemische Be-
schaffenheit zu ändern, wie in der Bleicherei. Winterkorn braucht
vielleicht neun Monate zur Reife. Zwischen Saat- und Erntezeit ist
der Arbeitsprozeß fast ganz unterbrochen. In der Holzzucht, nach-
dem die Aussaat und die dabei nötigen Vorarbeiten beendet, braucht
der Same vielleicht 100 Jahre, um in fertiges Produkt verwandelt zu
werden; während dieser ganzen Zeit braucht er relatiy nur sehr
unbedeutende Einwirkung von Arbeit.

In allen diesen Fällen wird während eines großen Teils der
Produktionszeit nur stellenweise zuschüssige Arbeit zugesetzt. Das
im vorigen Kapitel beschriebene Verhältnis, wo dem bereits im
Produktionsprozeß festgelegten Kapital zuschüssiges Kapital und
Arbeit zugesetzt werden muß, findet hier nur mit längeren oder
kürzeren Unterbrechungen statt.

In allen diesen Fällen besteht also die Produktionszeit des vor-
geschossenen Kapitals aus zwei Perioden: Einer Periode, worin das
Kapital sich im Arbeitsprozeß befindet, einer zweiten Periode, worin
seine Existenzform — die von unfertigem Produkt — dem Walten
von Naturprozessen überlassen ist, ohne sich im Arbeitsprozeß zu
befinden. Ob diese beiden Zeiträume sich stellenweise durchkreuzen

30d Vgl. „Kapital“, Buch I, Kapitel VIII, 4, 2. Auflage, S. 252,
V. 8. 205, und Kapitel XIII, 3b, 2. Auflage, S. 421, V. S. 347. K.
        <pb n="248" />
        Dreizehntes Kapitel

195

und zwischeneinander schieben, ändert nichts an der Sache. Arbeits-
periode und Produktionsperiode decken sich hier nicht. Die
Produktionsperiode ist größer als die Arbeitsperiode. Aber erst
nach Zurücklegung der Produktionsperiode ist das Produkt fertig,
reif, also aus der Form von produktivem Kapital verwandelbar
in die von Warenkapital. Je nach der Länge der nicht aus Arbeits-
zeit bestehenden Produktionszeit verlängert sich also auch seine
Umschlagsperiode. Soweit die über die Arbeitszeit überschüssige
Produktionszeit nicht durch ein für allemal gegebene Naturgesetze
bestimmt ist, wie beim Reifen des Korns, dem Wuchs der Eiche usw.,
kann die Umschlagsperiode oft mehr oder minder verkürzt werden
durch künstliche Abkürzung der Produktionszeit. So durch Ein-
führung der chemischen Bleicherei statt der Wiesenbleicherei, durch
wirksamere Trockenapparate in Trocknungsprozessen. So in der
Gerberei, wo das Eindringen der Gerbsäure in die Häute nach der
alten Methode 6 bis 18 Monate wegnahm, nach der neuen, worin
die Luftpumpe angewandt wird, nur anderthalb bis zwei Monate.
(J.G. Courcelle-Seneuil: „Traite th6orique et pratique des Entreprises
industrielles etc. Paris 1857‘, 2. 6d.3%°) Das großartigste Beispiel von
künstlicher Abkürzung der durch Naturprozesse ausgefüllten bloßen
Produktionszeit liefert dieGeschichte der Eisenproduktion und nament-
lich die Verwandlung von Roheisen in Stahl in den letzten 100 Jahren,
von dem um 1780 entdeckten Puddling bis zu dem modernen Besse-
mer-Prozeß und den seitdem eingeführten neuesten Verfahrungs-
weisen. Die Produktionszeit ist enorm abgekürzt worden, aber in
demselben Maß auch die Anlage von fixem Kapital vergrößert.
Ein eigentümliches Beispiel für die Abweichung der Produktions-
zeit von der Arbeitszeit liefert die amerikanische Fabrikation von
Schuhleisten. Hier entsteht ein bedeutender Teil der Unkosten
daraus, daß. das Holz bis zu 18 Monaten zur Austrocknung lagern
muß, damit der fertige Leisten sich nachher nicht zieht, seine Form
verändert. Während dieser Zeit macht das Holz keinen andern
Arbeitsprozeß durch. Die Umschlagsperiode des angelegten Kapitals
ist daher nicht nur bestimmt durch die zur Leistenfabrikation selbst
erheischte Zeit, sondern auch durch die Zeit, während deren es im
austrocknenden Holz brachliegt. Es befindet sich 18 Monate im
Produktionsprozeß, bevor es in den eigentlichen Arbeitsprozeß ein-
treten kann. Dies Beispiel zeigt zugleich, wie die Umschlagszeiten
verschiedener Teile des zirkulierenden Gesamtkapitals verschieden
sein können infolge von Umständen, die nicht innerhalb der Zirku-
lationssphäre, sondern aus dem Produktionsprozeß entspringen.
Besonders deutlich tritt der Unterschied von Produktionszeit
and Arbeitszeit hervor in der Landwirtschaft. In unsern gemäßigten
Klimaten trägt das Land einmal jährlich Korn. Die Abkürzung oder
Verlängerung der Produktionsperiode (für Wintersaat durchschnittlich

808 Da eine nähere Angabe fehlt, war das Zitat nicht nachzuprüfen. K.
        <pb n="249" />
        196

Zweiter Abschnitt
neun Monate) ist selbst wieder vom Wechsel guter oder schlechter
Jahre abhängig, daher nicht genau vorher bestimmbar und kon-
trollierbar wie in der eigentlichen Industrie. Nur N ebenprodukte,
Milch, Käse ete., sind fortlaufend in kürzeren Perioden produzierbar
und verkaufbar. Dagegen stellt sich die Arbeitszeit wie folgt: „Die
Zahl der Arbeitstage wird in den verschiedenen Gegenden von
Deutschland mit Rücksicht auf die klimatischen und übrigen ein-
wirkenden Verhältnisse für die drei Hauptarbeitsperioden anzu-
nehmen sein: Für die Frühjahrsperiode von Mitte März oder Anfang
April bis Ende?! Mai auf 50 bis 60, für die Sommerperiode von Anfang
Juni bis Ende August auf 65 bis 80 und für die Herbstperiode von
Anfang September bis Ende Oktober oder Mitte oder Ende November
auf 55 bis 75 Arbeitstage. Für den Winter sind bloß die darin zu
verrichtenden Arbeiten, wie Dünger-, Holz-, Markt-, Baufuhren USW,,
zu bemerken.“ (F. Kirchhof: „Handbuch der landwirtschaftlichen
Betriebslehre. Dessau 1852“, S. 160.) ;

Je ungünstiger daher das Klima, desto mehr drängt sich die
Arbeitsperiode der Landwirtschaft und daher die Auslage in Kapital
und Arbeit auf kurzem Zeitraum zusammen. Zum Feispiel Rußland.
Dort ist in einigen nördlichen Gegenden Feldarbeit nur möglich
während 130 bis 150 Tagen im Jahr. Man begreift, welchen Verlust
Rußland erleiden würde, wenn 50 aus den 65 Millionen seiner euro-
päischen Bevölkerung ohne Beschäftigung blieben während der sechs
der acht Wintermonate, wo alle Feldarbeit aufhören muß. Außer
den 200 000 Bauern, die in den 10 500 Fabriken Rußlands arbeiten,
haben sich überall auf den Dörfern eigene Hausindustrien entwickelt.
So gibt es Dörfer, worin alle Bauern seit Generationen Weber, Gerber,
Schuhmacher, Schlosser, Messerschmiede ete. sind; besonders ist
dies der Fall in den Guuvernements Moskau, Wladimir, Kaluga,
Kostroma und Petersburg. Beiläufig wird diese Hausindustrie schon
mehr und mehr in den Dienst der kapitalistischen Produktion ge-
preßt; den Webern zum Beispiel Kette und Einschlag von Kaufleuten
direkt oder durch Vermittlung von Faktoren geliefert. (Abgekürzt
nach: „Accounts and Papers. Commereial Reports, Vol. LII,
Reports by H. M. Seeretaries of Embassy and Legation, on the
Manufaetures, Commerce ete. 1865“, No. 8, p.86, 87.) Man sieht hier,
wie das Auseinanderfallen von Produktionsperiode und Arbeits-

periode, welche letztere nur einen Teil der ersteren bildet, die natürliche
Grundlage der Vereinigung der Agrikultur mit ländlicher Neben-
industrie bildet, wie anderseits letztere wieder Anhaltspunkt wird
für den Kapitalisten, der sich zunächst als Kaufmann dazwischen-
drängt. Indem die kapitalistische Produktion dann später die Schei-
dung zwischen Manufaktur und Agrikultur vollzieht, wird der Land-
arbeiter immer mehr von bloß zufälliger Nebenbeschäftigung ab-
hängig und seine Lage dadurch verschlechtert. Für das Kapital, wie
50f In der Engelsschen Ausgabe steht „Mitte“. K.
        <pb n="250" />
        197
man später sehen wird, gleichen sich alle Verschiedenheiten im
Umschlag aus. Für den Arbeiter nicht.

Während in den meisten Zweigen der eigentlichen Industrie, des
Bergbaus, des Transports usw. der Betrieb ein gleichmäßiger ist,
gleichmäßige Arbeitszeit jahraus, jahrein gearbeitet wird und, von
Preisschwankungen, Geschäftsstörungen etc. als von anormalen
Unterbrechungen abgesehen, die Auslagen für das in den täglichen
Zirkulationsprozeß eingehende Kapital sich gleichmäßig verteilen,
während ebenfalls, bei sonst gleichbleibenden Marktverhältnissen,
auch der Rückfluß des zirkulierenden Kapitals oder seine Erneuerung
das Jahr hindurch in gleichmäßigen Perioden sich verteilt, findet
in den Kapitalauslagen, wo die Arbeitszeit nur einen Teil der Produk-
tionszeit bildet, im Laufe der verschiedenen Perioden des Jahres die
größte Ungleichmäßigkeit in der Auslage von zirkulierendem Kapital
statt, indes der Rückfluß nur auf einmal zu der durch Naturbedin-
gungen fixierten Zeit erfolgt. Bei gleicher Stufenleiter des Geschäfts,
das heißt bei gleicher Größe des vorgeschossenen zirkulierenden
Kapitals, muß es daher in größeren Massen auf einmal und auf längere
Zeit vorgeschossen werden als in den Geschäften mit kontinuier-
lichen Arbeitsperioden. Die Lebensdauer des fixen Kapitals unter-
scheidet sich hier auch bedeutender von der Zeit, worin es wirklich
produktiv fungiert. Mit der Differenz von Arbeitszeit und Produk-
tionszeit wird natürlich auch die Gebrauchszeit des angewandten
fixen Kapitals auf längere oder kürzere Zeit fortwährend unter-
brochen, wie zum Beispiel im Ackerbau bei Arbeitsvieh, Geräten
und Maschinen. Soweit dies fixe Kapital aus Arbeitstieren besteht,
erheischt es fortwährend dieselben oder fast dieselben Ausgaben in
Futter etc. wie während der Zeit, worin es arbeitet. Bei toten
Arbeitsmitteln verursacht auch der Nichtgebrauch eine gewisse Ent-
wertung. Es findet also überhaupt Verteuerung des Produkts statt,
indem die Wertabgabe an das Produkt sich berechnet nicht nach der
Zeit, worin das fixe Kapital fungiert, sondern nach der Zeit, worin e8
Wert verliert. In diesen Produktionszweigen bildet das Brachliegen
des fixen Kapitals, ob noch mit laufenden Kosten verbunden oder
nicht, ebenso eine Bedingung seiner normalen Anwendung wie zum
Beispiel der Verlust eines gewissen Quantums von Baumwolle bei
der Spinnerei; und ebenso zählt bei jedem Arbeitsprozeß die unter den
normalen technischen Bedingungen unproduktiv, aber unvermeid-
lich verausgabte Arbeitskraft geradeso gut wie die produktive. Jede
Verbesserung, die unproduktive Verausgabung von Arbeitsmitteln,
Rohstoff und Arbeitskraft vermindert, vermindert auch den Wert
des Produkts.

in der Landwirtschaft vereinigt sich beides, die längere Dauer
der Arbeitsperiode und die große Differenz zwischen Arbeitszeit und
Produktionszeit. Hodsgkin bemerkt darüber richtig: „Ich halte den
Unterschied in der Zeit,‘ (obgleich er hier nicht zwischen Arbeitszeit
und Produktionszeit unterscheidet) „die erforderlich ist, um die

Dreizehntes Kapitel
        <pb n="251" />
        198

Produkte der Landwirtschaft fertigzumachen, und der von andern
Arbeitszweigen für die Hauptursache der großen Abhängigkeit der
Landwirte.?% Sie können ihre Waren nicht in kürzerer Zeit zu Markte
bringen als in einem Jahr. Während dieses ganzen Zeitraums müssen
sie borgen vom Schuhmacher, Schneider, Schmied, Wagenmacher
und den verschiedenen andern Produzenten, von denen sie Produkte
brauchen, und welche Produkte in wenig Tagen oder Wochen fertig
werden. Infolge dieses natürlichen Umstands und infolge der rascheren
Reichtumsvermehrung in den andern Arbeitszweigen als in der
Landwirtschaft, sind die Grundbesitzer, die den Boden des ganzen
Reiches monopolisiert haben, obgleich sie außerdem sich das Monopol
der Gesetzgebung angeeignet haben, dennoch unfähig gewesen, sich
und ihre Diener, die Pächter, vor dem Schicksal zu retten, die ab-
hängigsten Leute inı Lande zu werden.“ (Thomas H odgskin: „Popular
Political Economy. London 1827“, p. 147, Note.)

Alle Methoden, wodurch teilweise die Ausgaben in Arbeitslohn
und Arbeitsmitteln in der Agrikultur gleichmäßiger über das ganze
Jahr verteilt werden, teilweise der Umschlag verkürzt wird, indem
verschiedenartige Produkte erzeugt und so verschiedene Ernten wäh-
rend des Jahres möglich werden, erheischen Vergrößerung des in der
Produktion vorgeschossenen, in Arbeitslohn, Dünger, Samen ete.
ausgelegten zirkulierenden Kapitals. So beim Vebergang von der
Dreifelderwirtschaft mit Brache zur Fruchtwechselwirtschaft ohne
Brache. So bei den ecultures d&amp;robees30h in Flandern. „Man
nimm$ die Wurzelgewächse in eulture derobee; dasselbe Feld
trägt zuerst Getreide, Flachs, Raps für die Bedürfnisse der
Menschen, und nach der Ernte werden Wurzelkräuter gesät
zur Erhaltung des Viehs. Dies System, wobei das Hornvieh
fortwährend im Stall bleiben kann, ergibt eine beträchliche
Anhäufung von Dünger und wird so der Angelpunkt der Wechsel-
wirtschaft. Mehr als ein Drittel der bebauten Oberfläche wird in
den Sandgegenden auf die cultures derobees verwandt; es ist gerade
so, als ob man die Ausdehnung des bebauten Landes um ein Drittel
vermehrt hätte.‘ Neben Wurzelgewächsen wird hierzu auch Klee
und andere Futterkräuter verwandt. „Der Ackerbau, so auf einen
Punkt getrieben, wo er in Gartenbau übergeht, erfordert begreiflicher-
weise ein verhältnismäßig beträchtliches Anlagekapital. In England
rechnet man 250 Franken Anlagekapital auf das Hektar. In Flandern
muß das Anlagekapital etwa 500 Franken sein, eine Ziffer, die die

Zweiter Abschnitt

308 In der Uebersetzung der Engelsschen Ausgabe wird der Satz be-
stimmter gefaßt: „Der Unterschied in der Zeit. . ‚ist... die Hauptursache‘
usw. K.

30h Culture derobee ist der Anbau von Wurzelgewächsen nach der Ernte
einer Hauptfrucht in demselben Jahre; der Name stammt daher, daß sich
der Anbau, der nur von kurzer Dauer ist, zwischen zwei Hauptkulturen ge-
wissermaßen im geheimen (A la derobee) vollzieht. K.
        <pb n="252" />
        Dreizehntes Kapitel

199
guten Landwirte nach ihren eigenen Berechnungen zweifellos selbst
für den Durchschnitt viel zu niedrig finden werden.‘ („„Essai sur
l’Economie Rurale de la Belgique par Emile de Laveleye, Brüssel
[In der Engelsschen Ausgabe, in der die Uebersetzung {iceier ist als
die hier gegebene, steht „,Paris‘‘. K.] 1863‘, p. 59, 60, 63.)

Nehmen wir schließlich die Holzzucht. — „Die Holzproduktion
unterscheidet sich von den meisten übrigen Produktionen wesentlich
dadurch, daß bei ihr die Naturkraft selbständig wirkt und bei natür-
licher Verjüngung der Menschen- und Kapitalkraft nicht bedarf.
Vebrigens ist auch selbst da, wo die Wälder künstlich verjüngt werden,
der Aufwand von Menschen- und Kapitalkraft neben dem Wirken
der Naturkräfte nur gering. Außerdem findet der Wald noch auf
Bodenarten und in Lagen Gedeihen, wo das Getreide nicht mehr
fortkommt oder dessen Produktion doch nicht mehr lohnt. Der
Waldbau erfordert aber auch zu einer regelmäßigen Wirtschaft einen
größeren Flächenraum als die Getreidekultur, indem bei kleineren
Parzellen [Bodenflächen] keine forstwirtschaftliche Schlagführung aus-
führbar ist, die Nebennutzungen meist verloren gehen, der Forstschutz
schwerer zuhandhaben istusw. Der Produktionsprozeß ist aberauch an
so lange Zeiträume gebunden, daß er über die Pläne einer Privatwirt-
schaft, einzeln sogar über die Zeit eines Menschenlebens hinausgeht.
Das für Erwerbung des Landbodens angelegte Kapital‘ (bei Gemein-
produktion fällt dieses Kapital fort ‚und ist die Frage nur, wieviel
Boden die Gemeinde für Waldproduktion dem Acker- und Weide-
boden entziehen kann) „trägt nämlich erst nach langer Zeit lohnende
Früchte und schlägt nur teilweise, vollständig aber erst bei manchen
Holzarten in Forsten bis zu 150 Jahren um. Außerdem erfordert
die nachhaltige Holzproduktion selbst einen Vorrat lebendigen Holzes,
welcher das Zehn- bis Vierzigfache der jährlichen Nutzung beträgt.
Wer daher nicht noch ein anderes Einkommen hat und bedeutende
Waldstrecken besitzt, kann keine regelmäßige Waldwirtschaft
führen.‘‘ (Kirchhof, a. a. O., 8. 58.)

Die lange Produktionszeit (die einen relativ nur geringen Um-
fang der Arbeitszeit einschließt), daher die Länge ihrer Umschlags-
perioden macht die Waldzucht zu einem ungünstigen Privat- und
daher kapitalistischen Betriebszweig, welcher letztere wesentlich
Privatbetrieb ist, auch wenn statt des einzelnen Kapitalisten der
assoziierte Kapitalist auftritt. Die Entwicklung der Kultur und
Industrie überhaupt hat sich von jeher so tätig in der Zerstörung
der Waldungen gezeigt, daß dagegen alles, was sie umgekehrt zu
deren Erhaltung und Produktion. getan hat, eine vollständig ver-
schwindende Größe ist.

Besonders bemerkenswert in dem Zitat von Kirchhof ist folgende
Stelle: „Außerdem erfordert die nachhaltige Holzproduktion selbst
einen Vorrat lebendigen Holzes, der das Zehn- bis Vierzigfache der
jährlichen Nutzung beträgt.‘ Also einmaliger Umschlag in zehn
bis vierzig und mehr Jahren,
        <pb n="253" />
        200

Zweiter Abschnitt
Ebenso bei der Viehzucht. Ein Teil der Herde (Viehvorrat)
bleibt im Produktionsprozeß, während ein anderer Teil derselben als
Jährliches Produkt verkauft wird. Nur ein Teil des Kapitals schlägt
hier jährlich um, ganz wie bei dem fixen Kapital, Maschinerie, Arbeits-
vieh etc. Obgleich dies Kapital für längere Zeit im Produktions-
prozeß fixiertes Kapital ist und so den Umschlag des Gesamtkapitals
verlängert, bildet es nicht fixes Kapital im kategorischen Sinn [im
eigentlichen Sinn des Wortes].

Was hier Vorrat genannt wird — ein bestimmtes Quantum leben-
digen Holzes oder Viehs —, befindet sich relativ im Produktions-
prozeß (zugleich als Arbeitsmittel und als Arbeitsmaterial); nach den
Naturbedingungen seiner Reproduktion, bei geregelter Wirtschaft,
muß sich stets ein bedeutender Teil in dieser Form befinden.

Aehnlich auf den Umschlag wirkt eine andere Art des Vorrats,
die nur potentielles produktives Kapital bildet, aber infolge der Natur
der Wirtschaft in größeren oder geringeren Massen angehäuft sein,
daher für längere Zeit der Produktion vorgeschossen sein muß, ob-
gleich sie nur nach und nach in den aktiven Produktionsprozeß ein-
geht. Dazu gehört zum Beispiel derDünger, bevor er aufs Feld geführt
wird, ebenso Korn, Heu etc. und solche Lebensmittelvorräte, die in
die Produktion des Viehs eingehen. ‚Ein beträchtlicher Teil des
Betriebskapitals ist in den Vorräten der Wirtschaft enthalten. Diese
können aber in ihrem Wert mehr oder weniger verlieren, sobald die
für ihre gute Erhaltung erforderlichen Vorsichtsmaßregeln nicht ge-
hörig in Anwendung gebracht werden; ja es kann durch Mangel an
Aufsicht selbst ein Teil der Produktenvorräte für die Wirtschaft

gänzlich verloren gehen. Es wird daher in dieser Beziehung vorzugs-
weise eine sorgfältige Aufsicht über die Scheunen, Futter- und Ge-
treideböden und Keller erforderlich, sowie die Vorratsräume stets ge-
hörig zu verschließen, außerdem aber reinlich zu halten, auszulüften
sind usw.; das Getreide und andere zur Aufbewahrung gebrachte
Früchte müssen von Zeit zu Zeit gehörig gewendet, Kartoffeln und
Rüben sowohl gegen Frost als gegen Wasser und Feuer geschützt
werden.“ (Kirchhof, S. 292.) „Bei Berechnung des eigenen Bedarfs,
besonders für die Viehhaltung, wobei die Verteilung nach Maßgabe
des Erzeugnisses und des Zweckes vorzunehmen ist, muß man nicht
nur auf die Deckung des Bedürfnisses, sondern außerdem auch noch
darauf Rücksicht nehmen, daß für unvorhergesehene Fälle auch noch
ein verhältnismäßiger Vorrat übrigbleibe. Sobald sich nun hierbei
ergibt, daß der Bedarf durch das eigene Erzeugnis nicht vollständig
gedeckt werden kann, so hat man zunächst in Betracht zu ziehen,
ob man nicht durch andere Erzeugnisse (Ersatzmittel) diesen Mangel
decken oder doch solche statt der fehlenden wohlfeiler anschaffen
könne. Wenn zum Beispiel sich ein Mangel an Heu herausstellen
sollte, so läßt sich dieser durch Wurzelwerk mit Strohzusatz decken.
Veberhaupt muß man hierbei den Sachwert und den Marktpreis der ver-
schiedenen Erzeugnisse stets im Auge behalten und die Bestimmungen
        <pb n="254" />
        Dreizehntes Kapitel

201
für die Konsumtion danach treffen; ist zum Beispiel der Hafer
teurer, während Erbsen und Roggen verhältnismäßig niedrig stehen,
so wird man mit Vorteil einen Teil des Hafers bei Pferden durch
Erbsen oder Roggen ersetzen und den hierdurch erübrigten Hafer
verkaufen.‘ (Ebenda, 8. 300.)

Es ist früher bei Betrachtung der Vorratbildung bereits bemerkt
worden, daß ein bestimmtes größeres oder kleineres Quantum von
potentiellem% produktivem Kapital erfordert ist, das heißt von für
die Produktion bestimmten Produktionsmitteln, die in größeren oder
kleineren Massen vorrätig sein müssen, um nach und nach in den
Produktionsprozeß einzugehen. Es ist dabei bemerkt worden, daß
bei einer gegebenen Geschäftsunternehmung oder einem Kapital-
betrieb von bestimmtem Umfang die Größe dieses Produktionsvorrats
abhängt von der größeren oder geringeren Schwierigkeit seiner Er-
hneuerung, relativer Nähe der Bezugsmärkte, Entwicklung der Trans-
port- und Kommunikationsmittel ete. Alle diese Umstände wirken
ein auf das Minmium von Kapital, das in der Form von produktivem
Vorrat vorhanden sein muß, also auf die Zeitlänge, wofür die Kapital-
vorschüsse zu machen, und auf den Umfang der auf einmal vorzu-
schießenden Kapitalmasse. Dieser Umfang, der also auch auf den
Umschlag wirkt, wird bedingt durch die längere oder kürzere Zeit, für
welche zirkulierendes Kapital in der Form von produktivem Vorrat
als bloß potentielles produktives Kapital festliegt. Anderseits, soweit
diese Stauung von größerer oder geringerer Möglichkeit des raschen
Ersatzes, von Marktverhältnissen usw. abhängt, entspringt sie selbst
wieder aus der Umlaufszeit, aus Umständen, die der Zirkulations-
sphäre angehören. „Ferner müssen alle solche Inventarienstücke
[das Inventar in der Landwirtschaft besteht aus Vieh (lebendem) oder
Geräten (totem Inventar)] oder Zutaten, wie Handarbeitsgeräte, Siebe,
Körbe, Stricke, Wagenschmiere, Nägel usw., um so mehr zum augen-
blicklichen Ersatze im Vorrat vorhanden sein, je weniger man die
Gelegenheit in der Nähe hat, solche schnell anschaffen zu können.
Endlich soll jährlich das ganze Gerätinventar im Winter sorgfältig
hachgesehen und für die hierbei sich notwendig machende Ergänzung
und Instandsetzung sofort gesorgt werden. Ob man sich nun aber
im allgemeinen größere oder kleinere Vorräte zum Bedarf des Inven-
tars halten soll, wird hauptsächlich durch die Lokalverhältnisse be-
stimmt. Wo Handwerksleute und Kaufläden nicht in der Nähe sind,
da muß man auf größere Vorräte halten als dort, wo man solche im
Orte oder doch sehr nahe findet. Wenn man aber unter sonst gleichen
Verhältnissen die bedürfenden Vorräte in größeren Mengen auf ein-
mal anschafft, gewinnt man in der Regel den Vorteil des billigen
Einkaufs, wenn man nur sonst hierzu einen geeigneten Zeitpunkt
gewählt hat; freilich entzieht man hierdurch aber auch dem

301 Hier in demselben Sinne gebraucht wie oben latent. Vgl. die
Engelssche Note 6% zu Kapitel II dieses Buches, S. 48. K.
        <pb n="255" />
        202

Zweiter Abschnitt
umlaufenden Betriebskapital eine um so größere Summe auf einmal,
welche nicht immer gut aus dem Wirtschaftsbetriebe entbehrt werden
kann.“ (Kirchhof, S. 301.)

Die Differenz von Produktions- und Arbeitszeit läßt, wie wir
gesehen, sehr verschiedene Fälle zu. Das zirkulierende Kapital kann
sich in der Produktionszeit befinden, ehe es in den eigentlichen
Arbeitsprozeß eingeht (Leistenfabrikation); oder es befindet sich in
Produktionszeit, nachdem es den eigentlichen Arbeitsprozeß durch-
gemacht hat (Wein, Saatkorn); oder die Produktionszeit wird stellen-
weise durch Arbeitszeit durchbrochen (Feldbau, Holzzucht); ein großer
Teil von zirkulationsfähigem Produkt bleibt dem aktiven Produk-
tionsprozeß einverleibt, während ein viel geringerer Teil in die jähr-
liche Zirkulation eingeht (Holz- und Viehzucht); die größere oder
geringere Zeitlänge, für welche zirkulierendes Kapital in der Form von
potentiellem produktivem Kapital, also auch die größere oder geringere
Masse, worin dies Kapital auf einmal ausgelegt werden muß, ent-
springt teils aus der Art des Produktionsprozesses (Agrikultur)
und hängt teils von der Nähe von Märkten etc., kurz, von Umständen
ab, die der Zirkulationssphäre angehören.

Man wird später sehen (Buch III), welche widersinnigen Theorien
bei MacCulloch, James Mill etc. der Versuch veranlaßt hat, die von
der Arbeitszeit abweichende Produktionszeit mit der ersteren zu
identifizieren, ein Versuch, selbst wieder entspringend aus falscher
Anwendung der Werttheorie.

Der Umschlagszyklus, den wir vorher betrachtet, ist gegeben
durch die Dauer des dem Produktionsprozeß vorgeschossenen fixen
Kapitals. Da dieser eine größere oder geringere Reihe von Jahren
umfaßt, so auch eine Reihe jährlicher, respektive während des Jahres
wiederholter Umschläge des fixen Kapitals.

In der Agrikultur entsteht ein solcher Umschlagszyklus aus dem
System der Fruchtfolge. „Die Dauer der Pachtzeit darf jedenfalls
nicht kürzer angenommen werden als die Umlaufszeit der einge-
führten Fruchtfolgeaussaat, daher bei der Dreifelderwirtschaft immer
mit 3, 6, 9 gerechnet wird. Bei angenommener Dreifelderwirtschaft
mit reiner Brache wird aber der Acker in sechs Jahren nur viermal
bebaut, und in den Baujahren mit Winter- und Sommergetreide,
und erfordert oder erlaubt es die Beschaffenheit des Bodens, auch mit
Weizen und Roggen, Gerste und Hafer gewechselt. Jede Getreideart
vervielfältigt sich nun auf demselben Boden mehr oder weniger als
die andere, jede hat einen andern Wert und wird auch für einen
andern Preis verkauft. Deshalb fällt der Ertrag des Ackers in jedem
Baujahre anders aus, auch anders in der ersten Hälfte des Umlaufs
(in den ersten drei Jahren}, anders in der zweiten. Selbst der durch-
schnittliche Ertrag in der Umlaufszeit ist nicht in der einen wie in
der andern gleich groß, indem die Fruchtbarkeit nicht allein von der
        <pb n="256" />
        Vierzehntes Kapitel

203
Güte des Bodens, sondern auch von der Jahreswitterung, sowie die
Preise von mancherlei Verhältnissen abhängen. Berechnet man nun
den Betrag des Ackers nach mittleren Fruchtjahren der ganzen Um-
laufszeit auf sechs Jahre und nach den Durchschnittspreisen der-
selben, so hat man den Gesamtertrag auf ein Jahr sowohl in der einen
als in der andern Umlaufszeit gefunden. Dies ist jedoch nicht der
Fall, wenn der Ertrag nur für die Hälfte der Umlaufszeit, also für
drei Jahre berechnet wird, indem alsdann der Gesamtertrag ungleich
ausfallen würde. Hieraus geht hervor, daß die Dauer der Pachtzeit
bei der Dreifelderwirtschaft mindestens auf sechs Jahre bestimmt
werden muß. Weit wünschenswerter aber für Pächter und Verpächter
bleibt es aber immer, wenn die Pachtzeit ein Vielfaches der Pachtzeit
(sie [so im Original!]) ausmacht, und also bei der Dreifelderwirtschaft
anstatt auf 6 auf 12, 18 und noch nıchr Jahre, bei Siebenfelder-
wirtschaft aber anstatt auf 7 auf 14, 28 Jahre gestellt ist.“ (Kirchhof,
S. 117, 118.)

(Hier steht im Manuskript: „Die englische Fruchtwechselwirt-
schaft. Hier Note zu machen.‘‘)

Vierzehntes Kapitel.
Die Umlau{fszeit.
sh

Alle bisher betrachteten Umstände, welche die Umlaufsperioden
verschiedener, in verschiedenen Geschäftszweigen angelegter Kapitale
differenzieren, daher auch die Zeiten, während deren Kapital vorge-
schossen werden muß, entspringen innerhalb des Produktions-
prozesses selbst, wie der Unterschied von fixem und flüssigem Ka-
pital, der Unterschied in den Arbeitsperioden usw. Die Umschlags-
zeit des Kapitals ist jedoch gleich der Summe seiner Produktionszeit
und seiner Umlaufs- oder Zirkulationszeit. Es versteht sich daher
von selbst, daß verschiedene Länge der Umlaufszeit die Umschlagszeit
und daher die Länge der Umschlagsperiode verschieden macht. Am
handgreiflichsten wird dies sichtbar, entweder wenn man zwei ver-
schiedene Kapitalanlagen vergleicht, worin alle andern den Umschlag
modifizierenden Umstände gleich und nur die Umlaufszeiten ver-
schieden sind, oder wenn man ein gegebenes Kapital nimmt mit
gegebener Zusammensetzung aus fixem und flüssigem Kapital, ge-
gebener Arbeitsperiode ete., und nur die Umlaufszeiten hypothetisch
varlieren [in der Annahme wechseln] läßt.

Der eine Abschnitt der Umlaufszeit — und der relativ ent-
scheidendste — besteht aus der Verkaufszeit, der Epoche, worin das
Kapital sich im Zustand von Warenkapital befindet. Je nach der
relativen Größe dieser Frist verlängert oder verkürzt sich die Um-
laufszeit und. daher die Umschlagsperiode überhaupt. Es kann auch
infolge von Aufbewahrungskosten ete. zuschüssige Auslage von
Kapital notwendig werden. Von vornherein ist klar, daß die für den
        <pb n="257" />
        204

Zweiter Abschnitt
Verkauf ihrer fertigen Waren erforderliche Zeit sehr verschieden
sein kann für die einzelnen Kapitalisten in ein und demselben
Geschäftszweig, also nicht nur für die Kapitalmassen, die in versehie-
denen Produktionszweigen angelegt sind, sondern auch für die ver-
schiedenen selbständigen Kapitale, die in der Tat nur verselb-
ständigte Stücke des in derselben Produktionssphäre angelegten Ge-
samtkapitals bilden. Unter sonst gleichbleibenden Umständen wird:
die Verkaufsperiode für dasselbe individuelle Kapital mit den allge-
meinen Schwankungen der Marktverhältnisse oder mit ihren Schwan-
kungen in dem besonderen Geschäftszweig wechseln. Hierbei halten
wir uns jetzt nicht länger auf. Wir konstatieren nur die einfache
Tatsache: Alle Umstände, welche überhaupt Verschiedenheit in den
Umschlagsperioden der in verschiedenen Geschäftszweigen angelegten
Kapitale erzeugen, haben, wenn sie individuell wirken (wenn zum
Beispiel der eine Kapitalist Gelegenheit hat, rascher zu verkaufen als
sein Konkurrent, wenn der eine mehr Methoden anwendet, welche
die Arbeitsperioden verkürzen, als der andere etc.), ebenfalls Ver-
schiedenheit im Umschlag der verschiedenen in demselben Geschäfts-
zweig hausenden Einzelkapitale zur Folge.

Eine stetig wirkende Ursache in der Differenzierung der Ver-
kaufszeit und daher der Umschlagszeit überhaupt ist die Ent-
lernung des Marktes, wo die Ware verkauft wird, von ihrem Ver-
kaufsplatz. Während der ganzen Zeit seiner Reise zum Markt
befindet sich das Kapital gebannt in den Zustand des Warenkapitals,
wenn auf Ordre [Bestellung] produziert wird, bis zum Moment der Ab-
lieferung, wenn nicht auf Ordre produziert, kommt zur Zeit der Reise
zum Markt noch die Zeit hinzu, wo die Ware sich auf dem Markt zum
Verkauf befindet. Verbesserung der Kommunikations- und Trans-.
portmittel kürzt die Wanderungsperiode der Waren absolut ab, hebt
aber nicht die aus der Wanderung entspringende relative Differenz
in der Umlaufszeit verschiedener Warenkapitale auf oder auch
verschiedener Stücke desselben Warenkapitals, die nach verschiedenen:
Märkten wandern. Die verbesserten Segelschiffe und Dampfeschiffe
zum Beispiel, welche die Reise verkürzen, verkürzen sie ebensowohl für
nahe gelegene wie ferne Häfen. Die relative Differenz bleibt, obwohl
oft vermindert, Die relativen Differenzen können aber infolge der
Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel verschoben:
werden in einer Weise, die nicht den natürlichen Entfernungen:
entspricht. Zum Beispiel eine Eisenbahn, die von dem Produktions-.
platz nach einem inländischen Hauptzentrum der Bevölkerung führt,
mag die Entfernung nach einem näher gelegenen. Punkt des Inlands,
wohin keine Eisenbahn führt, absolut oder relativ verlängern im:
Vergleich zu dem natürlich entfernteren; ebenso mag infolge desselben
Umstands die relative Entfernung der Produktionsplätze von den
größeren Absatzmärkten selbst verschoben werden, woraus sich der
Verfall alter und das Aufkommen neuer Produktionszentren mit
veränderten Transport- und Kommunikationsmitteln erklärt. (Hierzu:
        <pb n="258" />
        Vierzehntes Kapitel

205

kommt noch die größere relative Wohlfeilheit des Transports für längere
als für kürzere Distanzen [Entfernungen ].) Gleichzeitig mit der Ent-
wicklung der Transportmittel wird nicht nur die Geschwindigkeit der
Raumbewegung beschleunigt und damit die räumliche Entfernung zeit-
lich verkürzt. Es entwickelt sich nicht nur die Masse der Kommunika-
tionsmittel, so daß zum Beispiel viele Schiffe gleichzeitig nach dem.
selben Hafen abgehen, mehrere Züge gleichzeitig auf verschiedenen
Eisenbahnen zwischen denselben zwei Punkten fahren, sondern es
gehen zum Beispiel in der Woche an verschiedenen sukzessiven Tagen
Frachtschiffe von Liverpool nach Newyork uder zu verschiedenen
Tagesstunden Warenzüge von Manchester nach London. Die absolute
Geschwindigkeit — also dieser Teil der Umlaufszeit — wird durch
diesen letzteren Umstand, bei gegebener Leistung der Transport-
mittel, zwar nicht alteriert [geändert]. Aber sukzessive Quanta
Waren können in kürzer aufeinanderfolgenden Zeiträumen die Reise
antreten und so sukzessive auf den Markt kommen, ohne sich bis zur
wirklichen Versendung in größeren Massen als potentielles Waren-
kapital aufzuhäufen. Es verteilt sich daher auch der Rückfluß über
kürzere sukzessive Zeitperioden, so daß beständig ein Teil in Geld-
kapital verwandelt ist, während der andere als Warenkapital zirku-
liert. Durch diese Verteilung des Rückflusses auf mehrere sukzessive
Perioden wird die Gesamtumlaufszeit abgekürzt und daher auch der
Umschlag. Zunächst entwickelt sich die größere oder geringere
Häufigkeit, worin die Transportmittel fungieren, zum Beispiel die
Anzahl der Züge einer Eisenbahn, einerseits mit dem Grade, worin ein
Produktionsplatz mehr produziert, ein größeres Produktionszentrum
wird, und nach der Richtung auf den bereits vorhandenen Absatz-
markt hin, also nach den großen Produktions- und. Bevölkerungs-
zentren, nach Exporthäfen usw. Anderseits bewirkt aber umgekehrt
diese besondere Verkehrsleichtigkeit und der dadurch beschleunigte
Umschlag des Kapitals (soweit er von der Umlaufszeit bedingt wird)
eine beschleunigte Konzentration einerseits des Produktionszentrums,
anderseits seines Marktplatzes. Mit der so beschleunigten Konzen-
tration von Menschen- und Kapitalmassen an gegebenen Punkten
schreitet fort die Konzentration dieser Kapitalmassen in wenigen
Händen. Zugleich findet wieder Verschiebung und Deplacement
[Ortswechsel] statt infolge der mit den veränderten Kommunika-
tionsmitteln veränderten relativen Lage von Produktions- und Markt-
plätzen. Ein Produktionsplatz, der durch seine Lage an Landstraße
oder Kanal besonderen Positionsvorteil [Vorteil der Lage] besaß,
befindet sich jetzt an der Seite einer einzigen Zweigbahn, die nur in
relativ großen Intervallen fungiert, während ein anderer Punkt, der
ganz von den Hauptverkehrswegen ablag, nun am Kreuzpunkt
mehrerer Bahnen liegt. Der zweite Ort kommt auf, der erste ver:
kommt. Es wird also durch die Veränderung in den Transportmitteln
eine örtliche Verschiedenheit in der Umlaufszeit der Waren, der
Gelegenheiten einzukaufen, zu verkaufen usw. erzeugt, oder die schon
        <pb n="259" />
        206

Zweiter Abschnitt
existierende örtliche Verschiedenheit wird anders verteilt. Die
Wichtigkeit dieses Umstandes für den Umschlag des Kapitals zeigt
sich in den Streitereien der kaufmännischen und industriellen Re-
präsentanten der verschiedenen Plätze mit den HEisenbahndirek-
tionen, (Siehe zum Beispiel das oben zitierte Blaubuch des Railway
Committee.)

Alle Produktionszweige, die der Natur ihres Produkts nach
hauptsächlich auf lokalen Absatz angewiesen sind, wie Brauereien,
entwickeln sich daher in der größten Dimension in Hauptzentren der
Bevölkerung. Der raschere Umschlag des Kapitals gleicht hier zum
Teil die Verteuerung mancher Produktionsbedingungen, des Bau-
platzes etc., aus.

Wenn einerseits mit dem Fortschritt der kapitalistischen Pro-
duktion die Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel
die Umlaufszeit für ein gegebenes Quantum Waren abkürzt, so
führt derselbe Fortschritt und die mit der Entwicklung der Trans-
port- und Kommunikationsmittel gegebene Möglichkeit umge-
kehrt die Notwendigkeit herbei, für immer entferntere Märkte, mit
einem Wort, für den Weltmarkt zu arbeiten. Die Masse der auf
Reise befindlichen und nach entfernten Punkten reisenden Waren
wächst enorm und daher absolut und relativ auch der Teil des gesell-
schaftlichen Kapitals, der sich beständig für längere Fristen im
Stadium des Warenkapitals, innerhalb der Umlaufszeit befindet.
Damit wächst gleichzeitig auch der Teil des gesellschaftlichen Reich-
tums, der, statt als direktes Produktionsmittel zu dienen, in Trans-
port- und Kommunikationsmitteln und in dem für ihren Betrieb
erheischten fixen und zirkulierenden Kapital ausgelegt wird.

Die bloße relative Länge der Reise der Ware vom Produktions-
zum Absatzort bewirkt eine Differenz nicht nur in dem ersten Teil
der Umlaufszeit, der Verkaufszeit, sondern auch in dem zweiten Teil,
der Rückverwandlung des Geldes in die Elemente des produktiven
Kapitals, der Kaufzeit. Zum Beispiel die Ware wird nach Indien ge-
schickt. Dies dauert zum Beispiel vier Monate. Wirwollen dieVerkaufs-
zeit gleich Null setzen, das heißt, die Ware sei auf Bestellung gesandt
und werde bei Ablieferung an. den Agenten des Produzenten bezahlt.
Die Rücksendung des Geldes (die Form, in der es zurückgesandt wird,
ist hier gleichgültig) dauert wieder vier Monate. So dauert es im ganzen
acht Monate, bevor dasselbe Kapital wieder als produktives Kapital

fungieren, dieselbe Operation damit erneuert werden kann. Die so
hervorgebrachten Verschiedenheiten im Umschlag bilden eine der
materiellen Grundlagen der verschiedenen Kredittermine, wie denn
der überseeische Handel zum Beispiel in Venedig und Genua über-
haupt eine der Quellen des eigentlichen Kreditwesens bildet. „Die
Krisis von 1847 befähigte das Bank- und Handelsgeschäft jener Zeit,
die indische und chinesische Usance [Handelsbrauch, namentlich
übliche Wechselfrist] (für die Laufzeit von Wechseln zwischen dort
und Europa) von zehn Monaten nach Dato [Ausstellung] auf sechs
        <pb n="260" />
        Vierzehntes Kapitel

207
Monate nach Sicht [Vorlegung] zu reduzieren, und der Verlauf von
20 Jahren mit seiner Beschleunigung der Fahrt und Einrichtung
von Telegraphen macht jetzt eine fernere Reduktion nötig [von sechs
Monaten nach Sicht auf vier Monate nach Dato als ersten Schritt
zu vier Monate nach Sicht]%%, Die Reise eines Segelschiffes um
das Kap [der Guten Hoffnung] von Kalkutta nach London dauert
durchschnittlich unter 90 Tagen. Eine Usance von vier Monaten
nach Sicht würde einer Laufzeit von sage 150 Tagen gleichkommen.
Die gegenwärtige Usance von sechs Monaten nach Sicht kommt
einer Laufzeit von sage 210 Tagen gleich.‘‘ („London Economist‘“,
16. Juni 1866.) — Dagegen: „Die Brasilische Usanece steht noch
immer auf zwei und drei Monate nach Sicht, Wechsel von Antwerpen
(auf London) werden drei Monate nach Dato gezogen, und selbst
Manchester und Bradford ziehen auf London auf drei Monate und
längere Daten. Durch stillschweigende Uebereinkunft wird dem
Kaufmann so eine hinreichende Gelegenheit gegeben, seine Ware zu
realisieren zwar nicht vor, aber doch bis zu der Zeit, wo die dagegen
gezogenen Wechsel fällig werden.30! Daher ist die Usanece indischer
Wechsel nicht übermäßig. Indische Produkte, die in London meistens
auf drei Monate Ziel verkauft werden, können nicht, wenn man einige
Zeit für den Verkauf einrechnet, in viel kürzerer Zeit als fünf Monaten
realisiert werden, während andere fünf Monate durchschnittlich ver-
Dießen zwischen dem Einkauf in Indien und der Ablieferung im eng-
lischen Lagerhaus. Hier haben wir eine Periode von zehn Monaten,
während die gegen die Waren gezogenen Wechsel nicht über sieben
Monate laufen.‘ (Ebenda, 30. Juni 1866.) „Am 2. Juli1866 notifizierten
fünf große Londoner Banken, die hauptsächlich mit Indien und China
verkehren, sowie das Pariser Comptoir d’Escompte, daß vom 1. Ja-
nuar 1867 ihre Zweigbanken und Agenturen im Orient nur solche
Wechsel kaufen und verkaufen würden, die nicht über vier Monate
nach Sicht gezogen wären.‘ (Ebenda, 7. Juli 1866. [Von Marx

30k Der in eckige Klammern gesetzte Passus fehlt im englischen Original
an dieser Stelle und gibt auch keinen Sinn. Es steht dort nur: „« .. rechtfertigt
oder erheischt vielmehr eine fernere Reduktion, wie die jetzt vorgeschlagene“
(»-. .Justifies or rather renders necessary such a further reduction as is now
proposed‘‘). Von dieser vorgeschlagenen Reduktion ist im Artikel an einer frühe-
ren Stelle die Rede, wo es heißt: „Die Laufzeit von Wechseln, auf England von
Indien oder China gezogen, sollte verkürzt werden von sechs Monaten nach
Sicht auf vier Monate nach Ausstellung oder wenigstens und als erster Schritt
dazu auf vier Monate nach Sicht.“ („,...should be the shortening of the
usance of the bülls drawn on England from India or China from six months
3ight to four months date or at least and as a first step to four months sight.“‘)
Die Worte „or at least‘ hat Marx in seiner Abschrift vergessen, und so kam
ar zu der unmöglichen Angabe, daß die Reduktion der Laufzeit auf vier
Monate nach Ausstellung den ersten Schritt bilden sollte zur Reduktion auf
vier Monate nach Sicht. Der zweite Zeitraum ist ja länger als der erste. K.

51 Im englischen Original: fall due. Marx übersetzt dies mit: verfallen. K.

Das Kapital. II -
        <pb n="261" />
        208

Zweiter Abschnitt
auszugsweise wiedergegeben. K.]) Diese Herabsetzung mißglückte
jedoch und mußte wieder aufgegeben werden. (Seitdem hat: der
Suezkanal dies alles revolutioniert.) 30m
Es versteht sich, daß mit der längeren Umlaufszeit der Waren
das Risiko eines Preiswechsels auf dem Verkaufsmarkt steigt, da die
Periode wächst, innerhalb deren Preiswechse! stattfinden können.
Eine Verschiedenheit in‘ der Umlaufszeit, teils individuell
zwischen verschiedenen Einzelkapitalen desselben Geschäftszweigs,
teils zwischen verschiedenen Geschäftszweigen nach den verschiede-
nen Usancen, da wo nicht gleich bar gezahlt wird, entspringt aus-den
verschiedenen Terminen der Zahlung bei Ein- und. Verkauf. Wir
halten uns bei diesem für das Kreditwesen wichtigen Punkt hier
nicht weiter auf.
Aus dem Umfang der Lieferungskontrakte, und dieser wächst
mit Umfang und Stufenleiter der kapitalistischen Produktion, ent-
springen ebenfalls Unterschiede in der Umschlagszeit. Der Liefe-
rungskontrakt als Transaktion zwischen Käufer und Verkäufer ist
eine dem Markt, der Zirkulationssphäre, angehörige ‘Operation. : Die
hieraus entspringenden Unterschiede in der Umschlagszeit entsprin-
gen also aus der Zirkulationssphäre, schlagen aber unmittelbar auf
die Produktionssphäre zurück, und zwar abgesehen von allen Zah-
lungsterminen und Kreditverhältnissen, also auch bei barer Zahlung.
Kohle, Baumwolle, Garn usw., sind zum Beispiel diskrete Produkte.
Jeder Tag liefert sein Quantum fertiges Produkt. Uebernimmt nun
aber der Spinner oder der Grubenbesitzer Lieferungen von Produkten-
massen, welche eine, sage vier- oder sechswöchentliche Periode nach:
einanderfolgender Arbeitstage erheischen, so ist das mit Bezug auf
die Zeitlänge, wofür Kapital vorzuschießen: ist, ganz dasselbe, als ob
eine kontinuierliche Arbeitsperiode von vier oder sechs. Wochen in
diesem Arbeitsprozeß eingeführt wäre. Es wird hier natürlich vor-
ausgesetzt, daß die ganze bestellte Masse Produkt auf einmal zu
liefern. ist oder doch erst bezahlt wird, nachdem sie ganz geliefert.
So hat denn, einzeln betrachtet, jeder Tag sein bestimmtes Quan-
tum fertiges Produkt geliefert, Aber diese fertige Masse ist immer nur
ein Teil der kontraktlich zu liefernden Masse. Befindet sich in diesem
Fall der bereits fertige Teil der‘ bestellten Waren nicht weiter im
Produktionsprozeß, so liegt er doch als nur potentielles Kapital auf
dem Lagerhaus.

Kommen wir nun zur zweiten Epoche der Umlaufszeit: der Kauf-
zeit oder der Epoche, während deren das Kapital sich aus Geldform
in die Elemente des produktiven Kapitals rückverwandelt. Während
dieser Epoche muß es kürzere oder längere Zeit in seinem Zustand

„ S°m’Der in Klammern gesetzte Satz rührt wohl von Engels her. Denn das
hier benutzte Marxsche Manuskript wurde 1870 fertiggestellt. Der im No-
verbr 1869 eröffnete Suezkanal konnte damals noch keine Wirkung geübt

ahen. K-
        <pb n="262" />
        Vierzehntes Kapitel

209

als Geldkapital verharren, also ein gewisser Teil des vorgeschossenen
Gesamtkapitals sich fortwährend im Zustand des Geldkapitals be-
finden, obgleich dieser Teil aus beständig wechselnden Elementen
besteht. Es muß zum Beispiel in einem bestimmten Geschäft von dem
vorgeschossenen. Gesamtkapitaln x 100 Pfd. Sterl. in der Form von
Geldkapital vorhanden sein , so daß, während alle Bestandteile dieser
n: X 100 Pfd. Sterl. sich fortwährend in produktives Kapital ver-
wandeln, diese Summe dennoch durch den Zufluß aus der Zirkulation,
aus: dem realisierten Warenkapital sich ebenso beständig wieder er-
gänzt. Ein bestimmter Wertteil des vorgeschossenen Kapitals be-
findet sich also ständig im Zustand von Geldkapital, also in einer
nicht seiner Produktionssphäre, sondern seiner Zirkulationssphäre an-
gehörigen Form.

Man hat bereits gesehen, daß die durch Entfernung des Marktes
bewirkte Verlängerung der Zeit, in der das Kapital in die Form des
Warenkapitals gebannt ist, direkt verspäteten Rückfluß des Geldes
bewirkt, also auch die Verwandlung des Kapitals aus Geldkapital
in produktives Kapital verzögert.

Man hat ferner gesehen (Kapitel VI), wie mit Bezug auf den Ein-
kauf der Waren die Kaufzeit, die größere oder geringere Entfernung
von den Hauptbezugsquellen des Rohmaterials es nötig macht, für
längere Perioden Rohmaterial einzukaufen und in der Form von
produktivem Vorrat, latentem oder potentiellem produktivem Kapi-
tal, verwendbar zu halten, daß sie also die Masse des Kapitals, das
auf einmal vorgeschossen werden muß, und für die Zeit, für die es
vorgeschossen werden muß, bei sonst gleicher Stufenleiter der Pro-
duktion vergrößert.

Aehnlich wirken in verschiedenen Geschäftszweigen die Perioden
— kürzere oder längere —, worin größere Massen Rohmaterial auf
den Markt geworfen werden. So finden zum Beispiel in London alle
drei Monate große Wollversteigerungen statt, die den Wollmarkt be-
herrschen, während der Baumwollvorrat?" von Ernte zu Ernte im
ganzen kontinuierlich, wenn auch nicht immer gleichmäßig, erneuert
wird. Solche Perioden bestimmen die Haupteinkaufstermine dieser
Rohstoffe und wirken namentlich auch anf die spekulativen, längere
dader kürzere Vorschüsse in diesen Produktionselementen bedingenden
Einkäufe, ganz wie die Natur der produzierten Waren. auf die
spekulative, absichtliche längere oder kürzere Zurückhaltung des
Produkts in der Form von potentiellem Warenkapital wirkt. „Der
Landwirt muß also auch bis zu einem gewissen Grade Spekulant
sein und daher nach Maßgabe der Zeitverhältnisse mit dem Verkauf
seiner Produkte eilen oder zurückhalten.‘“... Folgen einige allge-
meine Regeln... „Indessen kommt doch bei dem Absatz der Pro-
dukte das meiste auf die Person, auf das Produkt selbst und auf die
Lokalität an. Wer bei Geschick und Glück (!) mit hinreichendem
sun In der Engelsschen Ausgabe steht „Baumwollmarkt“. K. ,:
        <pb n="263" />
        210

Betriebskapital versehen ist, wird nicht zu tadeln sein, wenn er seine
gewonnene Fruchternte bei ungewöhnlich niedrigem Preise einmal
ein Jahr liegen läßt; wem es dagegen an Betriebskapital oder über-
haupt (!) an Spekulationsgeist fehlt, der wird die laufenden Durch-
schnittspreise zu erreichen suchen und also absetzen müssen, sobald
und so oft er dazu Gelegenheit hat. Wolle länger als ein Jahr liegen
zu lassen, wird fast immer nur Schaden bringen, während Getreide-
firüchte und Oelsaat ein paar Jahre ohne Nachteil für die Beschaffen-
heit und Güte aufbewahrt werden können. Solche Produkte, welche
für gewöhnlich einem großen Steigen und Fallen in kurzen Zeit-
räumen unterworden sind, wie. zum Beispiel Oelsaat, Hopfen, Karden
und dergleichen läßt man mit Recht. in den Jahren liegen, wo der
Preis weit unter den Produktionspreisen steht. Am wenigsten darf man
mit dem Verkauf von solchen Gegenständen zögern, welche tägliche
Unterhaltungskosten verursachen, wie ausgemästetes Vieh, oder. die
dem Verderben unterliegen, wie Obst, Kartoffeln usw. In manchen
Gegenden hat ein Produkt zu gewissen Jahreszeiten im Durchschnitt
seinen niedrigsten, zu gewissen Zeiten dagegen seinen höchsten Preis;
so steht zum Beispiel das Getreide um Martini im Durchschnitt an
manchen Orten niedriger im Preise als zwischen Weihnachten und
Ostern. Ferner sind manche Produkte in manchen Gegenden wieder
nur zu gewissen Zeiten allein gut zu verkaufen, wie das zum Beispiel
mit der Wolle auf den Wollmärkten in solchen Gegenden der Fall ist,
wo außerdem der Wollhandel gewöhnlich stockt usw.“ (Kirchhof,
a. a. O., 8. 302.)

Bei Betrachtung der zweiten Hälfte der Umlaufszeit, worin das
Geld in die Elemente des produktiven Kapitals zurückverwandelt
wird, kommt in Betracht nicht nur dieser Umsatz selbst, für sich
genommen, nicht nur die Zeit, worin das Geld zurückfließt, je nach
der Entfernung des Marktes, auf dem das Produkt verkauft wird;
e8s kommt auch vor allem in Betracht der Umfang, worin ein Teil
des vorgeschossenen Kapitals sich beständig in Geldform, im Zu:
stand von Geldkapital befinden muß.

Abgesehen von aller Spekulation hängt der Umfang der Ein-
käufe derjenigen Waren, die beständig als produktiver Vorrat vor-
handen sein müssen, ab von den Zeiten der Erneuerung dieses Vor-
rats, also von Umständen, die wieder von Marktverhältnissen ab-
bängig, daher für verschiedene Rohstoffe ete. verschieden sind; es
muß hier also von Zeit zu Zeit Geld in größeren Mengen auf einmal
vorgeschossen werden. Es fließt, je nach dem Umschlag des Kapitals,
rascher oder langsamer, stets aber bruchweise zurück. Ein Teil davon
wird ebenso beständig wieder in kürzeren Zeiträumen ausgegeben,
nämlich der in Arbeitslohn rückverwandelte Teil. Ein anderer Teil
aber, der in Rohmaterial ete. rückzuverwandelnde, ist für längere
Zeiträume aufzuhäufen, als Reservefonds, sei es für Ankauf, sei es
für Zahlung. Er existiert daher in der Form des Geldkapitals, ob-
gleich der Umfang wechselt, worin er als solches existiert.

Zweiter Abschnitt
        <pb n="264" />
        Fünfzehntes Kapitel

211

Wir werden im nächsten Kapitel sehen, wie andere Umstände,
ob sie nun aus dem Produktions- oder Zirkulationsprozeß entspringen,
dies Vorhandensein einer bestimmten Portion des vorgeschossenen
Kapitals in Geldfiorm ernötigen. Allgemein aber ist zu bemerken,
daß die Oekonomen sehr geneigt sind zu vergessen, daß ein Teil des
im Geschäft nötigen Kapitals beständig nicht nur die drei Formen
von Geldkapital, produktivem Kapital und Warenkapital wechsel-
weise durchläuft, sondern daß verschiedene Portionen desselben be-
ständig nebeneinander diese Formen besitzen, wenn auch die relative
Größe dieser Portionen beständig wechselt. Namentlich ist es der
beständig als Geldkapital vorhandene Teil, den die Oekonomen ver-
gegsen, obgleich gerade dieser Umstand zum Verständnis der bürger-
lichen Wirtschaft sehr nötig ist und daher auch in der Praxis als
solcher sich geltend macht.

Fünfzehntes Kapitel.
Wirkung der Umschlagszeit auf die Größe
des Kapitalvorschusses.
In diesem und dem nächstfolgenden sechzehnten Kapitel be-
handeln wir den Einfluß der Umschlagszeit auf die Verwertung des
Kapitals.300

Nehmen wir das Warenkapital, welches das Produkt einer Arbeits-
periode ist, zum Beispiel von 9 Wochen. Sehen wir einstweilen ab so-
wohl von dem Wertteil des Produkts, der ihm durch den Durch-
schnittsverschleiß des fixen Kapitals zugesetzt ist, wie von dem wäh-
rend des Produktionsprozesses ihm zugesetzten Mehrwert, so ist der
Wert dieses Produkts gleich dem Wert des zu seiner Produktion vor-
geschossenen flüssigen Kapitals, das heißt des Arbeitslohnes und der in
seiner Produktion aufgezehrten Roh- und Hilfsstoffe, Dieser Wert
sei gleich 900 Pfd. Sterl., so daß die Wochenauslage 100 Pfd. Sterl.
beträgt. Die periodische Produktionszeit, welche hier mit der Arbeits-
periode zusammenfällt, beträgt also 9 Wochen. Es ist dabei gleich-
gültig, ob man annimmt, es handle sich hier um eine Arbeitsperiode
300 Ehe der Leser an dieses Kapitel herangeht, raten wir ihm, die Bemer-
kung zu lesen, die Engels dazu am Ende des Absatzes IV, S. 236 und 237
macht. Damit soll dem Leser nicht geraten werden, das vorliegende Kapitel]
einfach zu überschlagen. Es enthält ja außer den fragwürdigen Tabellen
eine Reihe sehr wichtiger Ausführungen, Der Leser zoll nur auf die Tabellen
nicht übermäßig viel Gewicht legen, Sie bieten jetzt noch Schwierigkeiten,
trotz der klärenden Arbeit, die Engels an ihnen vollzog. Marx passierte
hier nicht nur mancher Rechenfehler, sondern auch gelegentlicher Wechsel
der Voraussetzungen, auf die er seine Tabellen aufbaute. So hat er auf
Seite 220/221 das Jahr zunächst mit 50 Wochen angenommen, dann aber
mit 51 (siehe S. 221. Anm. 31%. K.
        <pb n="265" />
        212

Zweiter Abschnitt
für ein kontinuierliches Produkt oder um eine kontinuierliche Ar-
beitsperiode für ein diskretes Produkt, sofern nur das Quantum von
diskretem Produkt, welches auf einmal zu Markte geschafft wird,
9 Wochen Arbeit kostet. Die Umlaufszeit dauere 3 Wochen. Die
ganze Umschlagsperiode dauere also 12 Wochen. Nach Verlauf von
9 Wochen ist das vorgeschossene. produktive Kapital in Warenkäpital
verwandelt, aber es haust nun 3.Wochen in der Zirkulationsperiode.
Der neue Produktionstermin kann also erst wieder beginnen Anfang
der 13. Woche, und die Produktion wäre für 3 Wochen stillgesetzt
oder für ein Viertel der ganzen Umschlagsperiode. Es ist wieder
gleichgültig, ob man voraussetzt, es dauere im Durchschnitt so lange,
bis die Ware verkauft ist, oder es’sei diese Zeit durch die Entfernung
des Marktes bedingt oder durch die Zahlungstermine für die verkaufte
Ware. Während je 3 Monaten stände die Produktion 3 Wochen still;
also während des Jahres 4 X 3 = 12 Wochen = 3 Monate = 1/4 der
jährlichen Umschlagsperiode. Soll die Produktion daher kontinuier-
lich sein und Woche aus, Woche ein auf demselben Maßstab betrieben
werden, so ist nur zweierlei möglich. |
Entweder muß der Maßstab der Produktion verkürzt werden,
so daß also die 900 Pfd. Ster]l. reichen, um die Arbeit in Gang zu halten
sowohl während der Arbeitsperiode wie während der Umlaufszeit des
ersten Umschlags, Mit der 10. Woche wird dann eine zweite Ar-
beitsperiode, also‘ auch Umschlagsperiode, eröffnet, bevor die erste
Umschlagsperiode beendet ist, denn die Umschlagsperiode ist zwölf-
wöchentlich, die Arbeitsperiode neunwöchentlich. 900 Pfd. Sterl.
auf 12 Wochen verteilt, gibt 75 Pfd. Sterl. wöchentlich. Zunächst ist
klar, daß eine solche verkürzte Stufenleiter des Geschäfts veränderte
Dimensionen.des fixen Kapitals, also überhaupt eine verkürzte Ge-
schäftsanlage voraussetzt. Zweitens ist es fraglich, ob diese Verkürzung
überhaupt stattfinden kann, da der Entwicklung der Produktion in
den verschiedeneh Geschäften gemäß ein Normalminimum der Kapi-
talanlage besteht, unterhalb dessen das einzelne Geschäft konkurrenz-
unfähig wird. Dies Normalminimum selbst wächst beständig mit
der kapitalistischen Entwicklung der Produktion, ist also kein fixes.
Zwischen dem jedesmal gegebenen Normalminimum und dem sich
stets ausdehnenden Normalmaximnum finden aber zahlreiche Zwi-
schenstufen statt — eine Mitte, die sehr verschiedene Grade der
Kapitalanlage zuläßt. Innerhalb der Grenzen dieser Mitte kann da-
her auch Verkürzung stattfinden, deren Grenze das jedesmalige Nor-
malminimum selbst ist. — Bei Hemmung der Produktion, Ueber-
füllung der Märkte, Teuerung des Rohstoffs etc. findet Beschrän-
kung der normalen Auslage von zirkulierendem Kapital bei gegebener
Grundlage des fixen Kapitals statt durch Beschränkung der Arbeits-
zeit, indem zum Beispiel nur halbe Tage gearbeitet wird; wie ebenso
in Zeiten der Prosperität [des guten Geschäftsganges] auf gegebener
Grundlage des fixen Kapitals anormale Ausdehnung des zirkulierenden
Kapitals stattfindet teils durch Verlängerung der Arbeitszeit, teilsdurch
        <pb n="266" />
        Fünfzehntes Kapitel

213
Intensifikation [verstärkte Ausnutzung] derselben. Bei Geschäften,
die von vornherein auf solche Schwankungen berechnet sind, hilft man
sich teils durch die obigen Mittel, teils durch die gleichzeitige An-
wendung einer größeren Arbeiteranzahl, verbunden mit Anwendung
von Reserve-Fixkapital, zum Beispiel Reservelokomotiven bei der
Eisenbahn ete. Solche anormalen Schwankungen bleiben aber hier,
wo wir normale Verhältnisse voraussetzen, außer Betracht. ;

Um die Produktion kontinuierlich zu machen, ist also hier die
Ausgabe desselben zirkulierenden Kapitals über eine größere. Zeit-
länge. verteilt, über 12 Wochen statt über 9. In jedem gegebenen
Zeitabschnitt fungiert also ein verkürztes produktives Kapital; der
Aüssige Teil des produktiven Kapitals ist verkürzt von 100 auf 75
oder um ein Viertel. Die Gesamtsumme, um welche.das während
der Arbeitsperiode von 9 Wochen fungierende produktive Kapital
verkürzt wird, ist gleich 9 x 25 = 225 Pfd. Sterl. oder */, von
300 Pfd. Sterl. Aber das Verhältnis der Umlaufszeit zur Umschlags-
periode ist ebenfalls */,2 = */a. Es folgt daher: Soll die Produktion
nicht unterbrochen werden während der Umlaufszeit des in Waren-
kapital verwandelten produktiven Kapitals, soll sie vielmehr gleich-
mäßig %®r und kontinuierlich Woche für Woche fortgesetzt werden und
ist hierfür kein besonderes zirkulierendes Kapital gegehen, so kann
dies nur erreicht werden durch Verminderung des Produktionsbe-
triebes, durch Verkürzung des flüssigen Bestandteils des fungierenden
produktiven Kapitals. Der so für die Produktion während der Um-
laufszeit freigesetzte füssige Kapitalteil verhält sich zum vorgeschos-
senen flüssigen Gesamtkapital wie die Umlaufszeit zur Umschlags-
periode. Es gilt dies, wie bereits bemerkt, nur für Produktionszweige,
in denen der Arbeitsprozeß Woche ein, Woche aus auf derselben
Stufenleiter ausgeführt wird, wo also nicht zu verschiedenen Arbeits-
perioden wechselnde Kapitalsummen auszulegen sind, wie in der Agri-
kultur.
Nehmen wir aber. umgekehrt an, die Anlage des Geschäfts
schließe eine Verkürzung der Stufenleiter der Produktion und da-
her auch des wöchentlich vorzuschießenden flüssigen Kapitals aus,
so kann die Kontinuität der Produktion nur. erreicht werden durch
ain zuschüssiges flüssiges Kapital, im obigen Fall von 300 Pfd. Sterl.
Während der Umschlagsperiode von 12 Wochen werden sukzessive
1200 Pfd. Sterl. vorgeschossen, davon 300 der vierte Teil, wie 3 Wo-
chen von 12. Nach der Arbeitsperiode von 9 Wochen ist der Kapital-
wert von 900 Pfd. Sterl. aus der Form von produktivem Kapital in
die Form von Warenkapital verwandelt. Seine Arbeitsperiode ist
beschlossen, aber sie kann nicht mit demselben Kapital erneuert
werden. . Während der 3 Wochen, worin es die Zirkulationssphäre
behaust, als Warenkapital fungiert, befindet es sich mit Bezug auf
den: Produktionsprozeß in demselben Zustand, als wenn es überhaupt:

30p In der der Engelsschen Ausgabe steht „gleichzeitig“. K..  :-
        <pb n="267" />
        214

Zweiter Abschnitt
nicht existierte. Es wird hier von allen Kreditverhältnissen ab-
gesehen und daher unterstellt, daß der Kapitalist nur mit eigener:
Kapital wirtschaftet. Während aber das für die erste Arbeitsperiode
vorgeschossene Kapital nach vollbrachtem Produktionsprozeß sich
während 3 Wochen im Zirkulationsprozeß aufhält, fungiert ein zu-
schüssig ausgelegtes Kapital von 300 Pfd. Sterl., so daß die Kon-
tinuität der Produktion nicht unterbrochen wird.

Es ist nun hierbei folgendes zu bemerken:

i. Die Arbeitsperiode des zuerst vorgeschossenen Kapitals
von 900 Pfd. Sterl. ist beendet nach 9 Wochen und es fließt zurück
nicht vor 3 Wochen, also erst im Beginn der 13. Woche. Aber eine
neue Arbeitsperiode wird sofort wieder eröffnet mit dem zuschüssigen
Kapital von 300 Pfd. Sterl. Eben dadurch ist die Kontinuität der
Produktion hergestellt.

2. Die Funktionen des ursprünglichen Kapitals von 900 Pfd.
Sterl. und des am Schluß der ersten Arbeitsperiode von 9 Wochen
neu zugeschossenen Kapitals von 300 Pfad. Sterl., das die zweite
Arbeitsperiode nach Schluß der ersten ohne Unterbrechung eröffnet,
sind in der ersten Umschlagsperiode genau geschieden, oder können
88 wenigstens sein, während sie dagegen im Verlauf der zweiten Um-
schlagsperiode einander durchkreuzen.

Stellen wir uns die Sache sinnlich vor:

Erste Umschlagsperiode von 12 Wochen. Erste Arbeitsperiode
von 9 Wochen; der Umschlag des hierin vorgeschossenen Kapitals
wird vollendet im Anfang der 13. Woche. Während der letzten
3 Wochen fungiert das zusätzliche Kapital von 300 Pfad. Sterl. und
sröffnet die zweite Arbeitsperiode von 9 Wochen.

Zweite Umschlagsperiode. Anfangder13.Woche sind 900Pfd. Sterl.
zurückgeflossen und fähig, einen neuen Umschlag zu beginnen. Aber
die zweite Arheitsperiode ist bereits durch die zuschüssigen 300 Pfad.
Sterl. in der 10. Woche eröffnet worden; im Beginn der 13. Woche
ist durch dasselbe [Kapital] bereits ein Drittel der Arbeitsperiode voll-
endet, 300 Pfd. Sterl. aus produktivem Kapital in Produkt verwandelt.
Da nur noch 6 Wochen zur Beendigung der zweiten Arbeitsperiode

nötig, können nur zwei Drittel des zurückgeflossenen Kapitals von
900 Pfd. Sterl., nämlich nur 600 Pfad. Sterl., in den Produktions-
prozeß der zweiten Arbeitsperiode eingehen. 300 Pfd. Sterl. sind
freigesetzt von den ursprünglichen 900 Pfad. Sterl., um dieselbe Rolle
zu spielen, welche das zugeschossene Kapital von 300 Pfd. Sterl. in der
ersten Arbeitsperiode spielte. Ende der 6. Woche der zweiten Um-
schlagsperiode ist die zweite Arbeitsperiode absolviert. Das in ihr
ausgelegte Kapital von 900 Pfd. Sterl. fließt zurück nach 3 Wochen,
also Ende der 9. Woche der zweiten zwölfwöchentlichen Umschlags-
periode. Während der 3 Wochen seiner Umlaufszeit tritt ein das
freigesetzte Kapital von 300 Pfd. Sterl. Damit beginnt die dritte
Arbeitsperiode eines Kapitals von 900 Pfd. Sterl. in der 7. Woche
der zweiten Umschlagsperiode oder der 19. Jahreswoche.
        <pb n="268" />
        Fünfzehntes Kapitel

215

Dritte Umschlagsperiode. Ende der 9. Woche der zweiten Um-
schlagsperiode neuer Rückfluß [schon erwähnt 8. Zeile vorher. K.]
von 900 Pfd. Sterl. Aber die dritte Arbeitsperiode hat bereits he-
gonnen in der 7. Woche der vorigen Umschlagsperiode, und 6 Wochen
sind bereits zurückgelegt. Sie dauert also nur noch 3 Wochen. Von
den zurückgeflossenen 900 Pfd. Sterl. gehen also nur 300 Pfd. Ster]l.
in den Produktionsprozeß ein. Die vierte Arbeitsperiode füllt die
übrigen 9 Wochen dieser Umschlagsperiode aus, und so beginnt mit
der 37. Woche des Jahres gleichzeitig die vierte Umschlagsperiode
und die fünfte Arbeitsperiode.

Um den Fall für die Berechnung zu vereinfachen, wollen wir
annehmen: Arbeitsperiode 5 Wochen, Umlaufszeit 5 Wochen, also
Umschlagsperiode von 10 Wochen; das Jahr zu 50 Wochen gerechnet,
Kapitalauslage pro Woche 100 Pfd. Sterl. Die Arbeitsperiode er-
fordert also ein flüssiges Kapital von 500 Pfd. Sterl. und die Um-
laufszeit ein zuschüssiges Kapital von ferneren 500 Pfad. Sterl. Arbeits-
perioden und. Umschlagszeiten stellen sich dann wie folgt:

1. Arbeitsperiode: 1.—5. Woche (500 Pfd. Sterl. Ware),
retourniert [zurückgekehrt] Ende der 10. Woche.
Arbeitsperiode: 6.—10. Woche (500 Pfd. Sterl. Ware),
retourniert Ende der 15. Woche.

Arbeitsperiode: 11.—15. Woche (500 Pfd. Sterl. Ware).
retourniert Ende der 20. Woche.
Arbeitsperiode: 16.—20. Woche (500 Pfd. Sterl.Ware).
retourniert Ende der 25. Woche.
Arbeitsperiode: 21.—25, Woche (500 Pfd. Sterl. Ware),
retourniert Ende der 30. Woche.

Usw:

5.

Wenn die Umlaufszeit gleich Null, die Umschlagsperiode also gleich
der Arbeitsperiode, so ist die Anzahl der Umschläge gleich der Anzahl
der Arbeitsperioden im Jahr. Bei fünfwöchentlicher Arbeitsperiode
also © Wochen gleich 10, und der Wert des umgeschlagenen Kapitals
wäre gleich 500 X 10 =: 5000. In der Tabelle, wo eine Umlaufszeit
von 5 Wochen angenommen, werden jährlich ebenfalls Waren zum
Wert von 5000 Pfd. Sterl. produziert, wovon aber ein Zehntel gleich
500 Pfd. Sterl. sich stets in Gestalt von Warenkapital befindet und
erst nach 5 Wochen zurückfließt. Am Ende des Jahres hat dann das
Produkt der zehnten Arbeitsperiode (46.—50. Arbeitswoche) seine
Umschlagszeit nur zur Hälfte vollendet, indem deren Umlaufszeit
in die ersten 5 Wochen des nächsten Jahres fällt.

Wir wollen noch ein drittes Beispiel nehmen: Arbeitsperiode
6 Wochen, Umlaufszeit 3 Wochen, wöchentlicher Vorschuß im Ar-
beitsprozeß 100 Pfd. Sterl.

1. Arbeitsperiode: 1.—6. Woche. Am Ende der 6. Woche ein Waren-
kapital von 600 Pfd. Sterl.. retourniert Ende der 9. Woche.
        <pb n="269" />
        216

2 Arbeitsperiode: 7,—12, Woche. Während der 7.—9. Woche 300 Pfad.
Sterl. zuschüssiges Kapital vorgeschossen. Ende der 9. Woche
Rückfluß von 600 Pfd. Sterl. Davon 10.—12. Woche vorge-
schossen 300 Pfd. Sterl.; am Ende der 12. Woche also flüssig
300 Pfd. Sterl., in Warenkapital vorhanden 600 Pfd. Sterl.,
retourniert am Ende der 15. Woche.

3. Arbeitsperiode: 13.—18. Woche. 13.—15. Woche Vorschuß der
obigen 300 Pfd. Sterl., dann Rückfluß von 600 Pfad. Sterl.,
wovon 300 Pfd. Sterl. vorgeschossen für 16.—18. Woche. Am
Ende der 18. Woche 300 Pfd. Sterl. flüssig in Geld; 600 Pfd.
Sterl. in Warenkapital vorhanden, das Ende der 21. Woche
zurückfließt. (Siehe die eingehendere Darstellung dieses Falles
unter II weiter unten.)

Es werden also in 9 Arbeitsperioden (gleich 54 Wochen) 600 x 9
= 5400 Pfd. Sterl. Ware produziert. Am Ende der 9. Arbeitsperiode
besitzt der Kapitalist 300 Pfd. Sterl. in Geld und 600 Pfd. Sterl. in
Ware, die ihre Umlaufszeit noch nicht zurückgelegt hat.

Bei Vergleichung dieser drei Beispiele finden wir erstens, daß
nur beim zweiten Beispiel eine sukzessive Ablösung des Kapitals I
von 500 Pfd. Sterl. und des Zuschußkapitals II von ebenfalls 500 Pfd.
Sterl. stattfindet, so daß diese zwei Kapitalteile sich getrennt von-
einander bewegen, und zwar nur deswegen, weil hier die ganz aus-
nahmsweise Unterstellung gemacht ist, daß Arbeitsperiode und Um-
laufszeit zwei gleiche Hälften der Umschlagsperiode bilden. In allen
andern Fällen, welches auchimmer dieUngleichheit zwischen den beiden
Perioden der Umschlagsperiode sei, durchkreuzen sich die Bewe-

gungen der beiden Kapitale, wie in Beispiel 1 und 3, schon von der

zweiten Umschlagsperiode an. Es bildef dann das zuschüssige

Kapital II zusammen mit einem Teil des Kapitals I das in der

zweiten Umschlagsperiode fungierende Kapital, während der Rest

des Kapitals I für die ursprüngliche Funktion des Kapitals II frei-
gesetzt wird. Das während der Umlaufszeit des Warenkapitals tätige

Kapital ist hier nicht identisch mit dem ursprünglich für diesen

Zweck vorgeschossenen Kapital II, aber es ist ihm gleich an Wert

und bildet dieselbe Aliquote [Teil] des vorgeschossenen Gesamt-

kapitals.

Zweitens: Das Kapital, welches während der Arbeitsperiode fun-
giert hat, liegt während der Umlaufszeit brach. Im zweiten Beispiel
fungiert das Kapital während 5 Wochen Arbeitsperiode und liegt
brach während 5 Wochen Umlaufszeit. Die gesamte Zeit also,
während deren Kapital I hier im Verlauf des Jahres brachliegt,
beträgt ein halbes Jahr. Für diese Zeit tritt dann das Zuschuß-
kapital II ein, das also im vorliegenden Fall seinerseits auch ein
halbes Jahr brachliegt. Aber das zuschüssige Kapital, erforderlich,
um die Kontinuität der Produktion während der Umlaufszeit zu
bewirken, ist nicht bestimmt durch den Gesamtumfang, respektive
durch die Summe der Umlaufszeiten innerhalb des Jahres, sondern

Zweiter Abschnitt
        <pb n="270" />
        Fünfzehntes Kapitel

217

nur durch das Verhältnis der Umlaufszeit zur Umschlagsperiode.
(Es ist hier natürlich vorausgesetzt, daß sämtliche Umschläge unter
denselben Bedingungen vorgehen.) Es sind daher im Beispiel 2
500 Pfd. Sterl. Zusatzkapital nötig, nicht 2500 Pfd. Sterl. Es rührt
dies einfach daher, daß das Zusatzkapital ebensogut in den Umschlag
eintritt wie das ursprünglich vorgeschossene und also ganz wie
dieses durch die Zahl seiner Umschläge seine Masse ersetzt.

Drittens: Ob die Produktionszeit länger ist als die Arbeitszeit,
ändert an den hier betrachteten Umständen nichts. Es werden
dadurch allerdings die Gesamtumschlagsperioden verlängert, aber
wegen dieses verlängerten Umschlags wird kein zuschüssiges Kapital
für den Arbeitsprozeß erheischt. Das zuschüssige Kapital hat nur
den Zweck, die durch die Umlaufszeit entstehenden Lücken im
Arbeitsprozeß auszufüllen; es soll also die Produktion nur vor Stö-
rungen schützen, die aus der Umlaufszeit entspringen; Störungen,
die aus den eigenen Bedingungen der Produktion entstehen, sind auf
andere, hier nicht zu betrachtende Weise auszugleichen. Es gibt
dagegen Geschäfte, in denen nur stoßweise, auf Bestellung gearbeitet
wird, wo also zwischen den Arbeitsperioden Unterbrechungen ein-
treten können. Bei solchen fällt die Notwendigkeit des zusätzlichen
Kapitals pro tanto weg. Anderseits ist in den meisten Fällen von
Saisonarbeit [die nur zu manchen Zeiten des Jahres betrieben wird]
auch eine gewisse Grenze für die Zeit des Rückflusses gegeben. Die-
selbe Arbeit kann mit demselben Kapital nächstes Jahr nicht erneuert
werden, wenn inzwischen die Zirkulationszeit dieses Kapitals nicht
abgelaufen. Dagegen kann die Umlaufszeit auch kürzer sein als der
Abstand von einer Produktionsperiode bis zur nächsten. In diesem
Fall liegt das Kapital brach, wenn es nicht in der Zwischenzeit ander-
weitig angewandt wird.

Viertens: Das für eine Arbeitsperiode vorgeschossene Kapital,
zum. Beispiel die 600 Pfd. Sterl. im Beispiel 3, werden teils in Roh-
und Hilfsstoffen ausgelegt, in produktivem Vorrat für die Arbeits-
periode, in konstantem zirkulierendem Kapital, teils in variablem
zirkulierendem Kapital, in Zahlung der Arbeit selbst. Der in konstan-
tem zirkulierendem Kapital ausgelegte. Teil mag nicht für dieselbe
Zeitlänge in der Form von produktivem Vorrat existieren, zum Bei-
spiel das Rohmaterial nicht für die ganze Arbeitsperiode daliegen, die
Kohlen nur alle zwei Wochen beschafft, werden. Indes — da hier
Kredit noch ausgeschlossen — muß dieser Teil des Kapitals, soweit er
nicht in Form von produktivem Vorrat disponibel [verfügbar] ist, in
der Form von Geld disponibel bleiben, um nach Bedarf in produktiven
Vorrat verwandelt zu werden. Es ändert dies nichts an der Größe
des für 6 Wochen vorgeschossenen konstanten zirkulierenden Kapital-
werts, Dagegen —- abgesehen von dem Geldvorrat für unvorher-
gesehene Ausgaben, dem eigentlichen Reservefondes zur Ausgleichung
von Störungen. — wird der Arbeitslohn in kürzeren Perioden, meist
wöchentlich gezahlt. Falls. also nicht der Kapitalist den Arbeiter
        <pb n="271" />
        218

Zweiter Abschnitt
zwingt, ihm längere Vorschüsse seiner Arbeit zu machen, muß das
für Arbeitslohn nötige Kapital in Geldform vorhanden sein. Beim
Rückfluß des Kapitals muß also ein Teil in Geldform festgehalten
werden zur Zahlung der Arbeit, während der andere Teil in produk-
tiven Vorrat verwandelt werden kann.
Das Zuschußkapital teilt sich ganz ein wie das ursprüngliche.
Was es aber von Kapital I [dem ursprünglichen] unterscheidet,
ist, daß es (von Kreditverhältnissen abgesehen), um für seine
eigene Arbeitsperiode disponibel zu sein, vorgeschossen sein muß
schon während der ganzen Dauer der ersten Arbeitsperiode von
Kapital I, in die es nicht eingeht. Während dieser Zeit kann
es, teilweise wenigstens, schon in konstantes zirkulierendes Kapital
verwandelt werden, das für die ganze Umschlagsperiode vor-
geschossen ist. Wie weit es diese Form annimmt oder wie
weit es in der Form von zuschüssigem Geldkapital verharrt,
bis zum Moment, wo diese Verwandlung notwendig wird,
wird abhängen teils von den besonderen Produktionsbedingungen
bestimmter Geschäftszweige, teils von Lokalumständen, teils von
Preisschwankungen der Rohstoffe etc. Das gesellschaftliche Ge-
samtkapital betrachtet, wird sich stets ein mehr oder minder be-
deutender Teil dieses zuschüssigen Kapitals für längere Zeit im
Zustand des Geldkapitals befinden. Was dagegen den in Arbeitslohn
vorzuschießenden Teil des Kapitals II betrifft, so wird er stets erst
allmählich in Arbeitskraft verwandelt im Maß, wie kleinere Arbeits-
perioden ablaufen und bezahlt werden. Dieser Teil des Kapitals IT
ist also für die ganze Dauer der Arbeitsperiode in der Form des Geld-
kapitals vorhanden, bis er durch Verwandlung in Arbeitskraft in die
Funktion des produktiven Kapitals eingeht.

Dies Hereinkommen des zur Verwandlung der Umlaufszeit von
Kapital I in Produktionszeit erheischten Zuschußkapitals vermehrt
also nicht nur die Größe des vorgeschossenen Kapitals und die Länge
der Zeit, wofür das Gesamtkapital notwendig vorgeschossen wird,
sondern es vermehrt auch spezifisch den Teil des vorgeschossenen
Kapitals, der als Geldvorrat existiert, also sich im Zustand von Geld-
kapital befindet und die Form von potentiellem Geldkapital besitzt.

Dies findet ebenso statt — sowohl was den Vorschuß in der
Form von produktivem Vorrat wie in der Form von Geldvorrat
betrifft —, wenn die durch die Umlaufszeit erheischte Spaltung des
Kapitals in zwei Teile: Kapital für die erste Arbeitsperiode und
Ersatzkapital für die Umlaufszeit, nicht durch Vergrößerung des
ausgelegten Kapitals, sondern durch Verminderung der Stufenleiter
der Produktion hervorgebracht ist, Im Verhältnis zur Stnfenleiter
der Produktion wächst hier eher noch die Zunahme des in Geldform

gebannten Kapitals.

Was durch diese Verteilung des Kapitals in ursprünglich pro-
duktives und Zuschußkapital überhaupt erreicht ist, ist die ununter-
brochene Aufeinanderfolge der Arbeitsperioden, die beständige
        <pb n="272" />
        Fünfzehntes Kapitel

219
Funktion eines gleich großen Teils des vorgeschossenen Kapitals als
produktives Kapital. EM

Sehen wir uns Beispiel 2 an. Das. beständig im Produktions-
prozeß befindliche Kapital ist 500 Pfd. Sterl. Da die Arbeitsperiode
gleich ist 5 Wochen, arbeitet es während 50 Wochen (als Jahr änge-
nommen) zehnmal. Das Produkt beträgt daher auch, abgesehen vom
Mehrwert, 10 x 500 == 5000 Pfd. Sterl. Vom Standpunkt des
unmittelbar und ununterbrochen im Produktionsprozeß arbeitenden
Kapitals — eines Kapitalwerts von 500 Pfd. Sterl. — erscheint also
die Umlaüufszeit als gänzlich ausgelöscht.. Die Umschlagsperiode
fällt. zusammen mit der Arbeitsperiode; die Umlaufszeit. ist gleich
Null gesetzt.

Wäre dagegen das Kapital von 500 Pfd. Steri. in seiner produk-
tiven Tätigkeit regelmäßig durch die. Umlaufszeit von 5 Wochen
gehemmt, so daß es erst wieder produktionsfähig wäre nach Been-
digung der ganzen Umschlagsperiode von 10 Wochen, so hätten
wir in den 50 Jahreswochen 5 zehnwöchentliche Umschläge; darin
5 fünfwöchentliche Produktionsperioden, also zusammen 25 Produk-
tionswochen mit einem Gesamtprodukt von 5 x 500 = 2500 Pfd.
Sterl.; 5 fünfwöchentliche Umlaufszeiten, also Gesamtumlaufszeit
ebenfalls 25 Wochen. Sagen wir hier: das Kapital von 500 Pfd, Sterl.
hat fünfmal im Jahre umgeschlagen, so ist sichtbar und klar, daß
während der Hälfte jeder Umschlagsperiode dies Kapital von 500 Pfad.
Sterl. gar nicht als produktives Kapital fungiert hat und daß, alles
zusammengerechnet, es nur während eines halben Jahres fungiert
hat. während des andern Halbjahres aber gar nicht. .

In’ unserm Beispiel tritt für die: Dauer dieser 5 Umlaufszeiten
das Ersatzkapital von 500 Pfd. Sterl. ein und dadurch wird der Um-
schlag von. 2500 auf 5000 Pfd. Sterl. erhöht. Aber das vorgeschossene
Kapital ist nun auch 1000 Pfd. Sterl. statt 500 Pfd. Sterl. 5000
dividiert durch 1000 ist gleich 5. Also statt.der 10 Umschläge 5,
So wird denn auch in der Tat gerechnet. Aber indem es dann
heißt, das Kapital von 1000 Pfd. Sterl. hat fünfmal im Jahr umge-
schlagen, verschwindet in den hohlen Kapitalistenschädeln die Er-
innerung an die Umlaufszeit, und eine konfuse Vorstellung bildet
sich, als ob dies Kapital während der sukzessiven 5 Umschläge
beständig im Produktionsprozeß fungiert habe. Sagen wir aber, dies
Kapital von 1000 Pfad. Sterl, hat fünfmal umgeschlagen, so ist darin
sowohl. Umlaufszeit wie Produktionszeit eingeschlossen. In der Tat,
wären wirklich 1000 Pfad. Sterl. im Produktionsprozeß fortwährend
tätig gewesen, so müßte das Produkt unter unsern Voraussetzungen
10000 Pfd. Sterl. statt 5000 sein. Um aber 1000 Pfd. Sterl. fort-
während im Produktionsprozeß zu haben, müßten dann auch
2000 Pfd. Sterl. überhaupt vorgeschossen sein. Die Oekonomen, bei
denen überhaupt nichts Klares über den Mechanismus des Umschlags
zu finden, übersehen fortwährend dies Hauptmoment, daß stets nur
ein Teil des industriellen Kapitals tatsächlich im Produktionsprozeß
        <pb n="273" />
        220

Zweiter Abschnitt
engagiert sein kann, wenn die Produktion ununterbrochen voran-
gehen soll. Während der eine Teil sich in der Produktionsperiode,
muß stets ein anderer Teil sich in der Zirkulationsperiode befinden.
Oder mit andern Worten, der eine Teil kann nur als produktives
Kapital fungieren unter der Bedingung, daß ein anderer Teil in der
Form von Waren- oder Geldkapital der eigentlichen Produktion
entzogen bleibt. Indem dies übersehen wird, wird überhaupt die
Bedeutung und Rolle des, Geldkapitals übersehen.

Wir haben jetzt zu untersuchen, welche Verschiedenheit im Um-
schlag sich herausstellt, je nachdem die beiden Abschnitte der
Umschlagsperiode — Arbeitsperiode und Zirkulationsperiode —
einander gleich sind, oder die Arbeitsperiode größer oder kleiner als
die Zirkulationsperiode ist, und ferner, wie dies auf die Bindung von
Kapital in der Form Geldkapital wirkt.

Wir nehmen an, daß das wöchentlich vorzuschießende Kapital
in allen Fällen 100 Pfd. Sterl. und die Umschlagsperiode 9 Wochen
sei, also das für jede Umschlagsperiode vorzuschießende Kapital
gleich 900 Pfd. Sterl.
I. Arbeitsperiode gleich der Umlaufszeit. 20a -
Dieser Fall, obgleich in der Wirklichkeit nur zufällige Ausnahme,
muß als Ausgangspunkt für die Betrachtung dienen, weil hier die
Verhältnisse sich am einfachsten und handgreiflichsten darstellen.
Die zwei Kapitale (Kapital I, das für die erste Arbeitsperiode
vorgeschossen, und Zusatzkapital IT, das während der Zirkulations:
periode von Kapital I fungiert) lösen sich in ihren Bewegungen Ab,
ohne sich zu durchkreuzen. Mit Ausnahme der ersten Periode ist
daher auch jedes der beiden Kapitale nur für seine eigene Umschlags-
periode vorgeschossen. Die Umschlagsperiode sei wie in den folgen-
den Beispielen 9 Wochen, Arbeitsperiode und Umlaufsperiode. also
je 4’/a Wochen. Dann haben wir folgendes .J ahresschema:
Tabelle I. Vi
Kapital I.

Umschlagsperioden

I. 1l.— 9. Woche
IL. 10.—18.
ITT. 19.—27,

IV. 28.—36.

V. 37,—45,
VI. 40.—(54.)

Arbeitsperioden

1.-— 4'!/2, Woche
10.—18'%.
19,—22'%.
28.—31'/,
87.—40'%.
46.— 49h.

Vorschuß Ma
450 Pfd. Sterl. ! 4'/.-— 9. Woche
450» 5 18%2—18.
450. 2 22%.—27. ı ı
450 2» U /a—36. 0
450 „70 45.
450 49'/,.—(54.) 9

An
30a Das heißt, daß die Arbeitsperiode und die Umlaufszeit gleich lang
sind, nicht etwa, daß sie zusammenfallen. K.

31 Die in das zweite Umeachlagsjahr fallenden Wochen sind in Klammern
yesetzt. .
        <pb n="274" />
        Fünfzehntes Kapitel

221
Kapital IT.
Umschlagsperioden

Arbeitsperioden

Vorschuß

Zirkulations-
perioden
1. 4'.—13'/. Woche 4'2.— 9. Woche 450 Pfd. Sterl.
IT. 13'/2.—22'%. „ 18'%.—18, „ 450 „
III. 22'/2.—31'/. „22-27. „ 450 „
IV. 31'2.—40'/. „31V 2—36. „ 1450 »%
V. 40'/2.—49'%. „ 40'.—45. | 450 ©
VI. 49'/2.-(58'/2.) „ 49'2.—(54.) 450

Innerhalb der 51% * Wochen, die wir hier als Jahr annehmen, hat
Kapital I sechs volle Arbeitsperioden absolviert, also für 6 X 450
= 2700 Pfd. Sterl., und Kapital II in fünf vollen Arbeitsperioden für
5 X 450 = 2250 Pfd. Sterl. Waren produziert. Dazu hat Kapital IT
in den letzten 1!/; Wochen des Jahres (Mitte der 50. bis Ende der
51. Woche) noch für 150 Pfd. Sterl. produziert — Gesamtprodukt in
51 Wochen: 5100 Pfad. Sterl. In bezug auf unmittelbare Produktion
von Mehrwert, der nur während der Arbeitsperiode produziert wird,
hätte das Gesamtkapital von 900 Pfd. Sterl. also 5’; mal umge-
schlagen (5?/3 x 900 = 5100 Pfd. Sterl.). Aber wenn wir den wirk-
lichen Umschlag betrachten, so hat Kapital I 5%; mal umgeschlagen,
da es am Ende der 51. Woche noch 3 Wochen seiner sechsten Um-
schlagsperiode zu absolvieren hat; 5/3 X 450 = 2550 Pfd. Sterl.:
und Kapital II 5'/6 mal, da es erst 1!/, Woche seiner sechsten Um-
schlagsperiode vollendet hat, also noch 7'/» Wochen davon ins
nächste Jahr fallen; 5'/; x 450 = 2325 Pfd. Sterl.; wirklicher
Gesamtumschlag gleich 4875 Pfd. Sterl.

Betrachten wir Kapital I und Kapital II als zwei gegeneinander
ganz selbständige Kapitale. In ihren Bewegungen sind sie ganz
selbständig; diese Bewegungen ergänzen sich nur, weil ihre Arbeits-
und Zirkulationsperioden einander direkt ablösen. Sie können als
zwei ganz unabhängige, verschiedenen Kapitalisten gehörige Kapitale
betrachtet werden.

Das Kapital I hat fünf vollständige und zwei Drittel seiner
sechsten Umschlagsperiode zurückgelegt. Es befindet sich am Ende
des Jahres in der Form von Warenkapital, dem zu seiner normalen
Realisierung noch 3 Wochen erforderlich sind. Während dieser Zeit
kann es nicht in den Produktionsprozeß eingehen. Es fungiert als
Warenkapital: es zirkuliert. Von seiner letzten Umschlagsperiode
hat es nur ?/3 zurückgelegt. Dies wird so ausgedrückt: es hat nur
’/a mal umgeschlagen, nur ?/3 seines Gesamtwerts haben einen voll-
ständigen Umschlag zurückgelegt. Wir sagen: 450 Pfd. Sterl. legen
ihren Umschlag in 9 Wochen zurück, also 300 Pfad. Sterl. in 6 Wochen.

10.—13'/2. Woche
19,22%.
28.312.
37.—40'h-
46401
(55.—581%).

32 In der Engelsschen Ausgabe steht: 50. Aber die folgende Rech-
nung ist auf der Voraussetzung eines Jahres von 51 Wochen aufgebaut.
Die 52 Wochen des Jahres wurden von Marx nicht in Rechnung gezogen. K.
        <pb n="275" />
        222
Bei dieser Ausdrucksweise werden die organischen Verhältnisse
zwischen den beiden spezifisch verschiedenen Bestandteilen der
Umschlagszeit vernachlässigt. Der exakte Sinn davon, daß das
vorgeschossene Kapital von 450 Pfd. Sterl. 52/3 Umschläge gemacht,
ist nur, daß es fünf Umschläge ganz und vom sechsten nur 2/3 zurück-
gelegt hat. Dagegen hat der Ausdruck, daß das umgeschlagene
Kapital gleich 5%/; mal das vorgeschossene Kapital, also im obigen
Fall gleich 5*/3 x 450 Pfd. Sterl. = 2550 Pfd. Sterl., das Richtige, daß,
wenn dies Kapital von 450 Pfd. Sterl. nicht ergänzt wäre durch ein
anderes Kapital von 450 Pfd. Sterl., in der Tat ein Teil davon sich
im Produktionsprozeß, ein anderer im Zirkulationsprozeß befinden
müßte. Soll die Umschlagszeit in der Masse des umgeschlagenen
Kapitals ausgedrückt werden, so kann sie immer nur in einer Masse
von vorhandenem Wert. (in der Tat von fertigem Produkt) ausge-
drückt werden. Der Umstand, daß das vorgeschossene Kapital sich
nicht in einem Zustand befindet, worin es den Produktionsprozeß
von neuem eröffnen kann, drückt sich darin aus, daß nur ein Teil
davon sich im produktionsfähigen Zustand befindet, oder daß, um
sich im Zustand kontinuierlicher Produktion zu befinden, das Kapital
geteilt werden müßte in einen Teil, der sich beständig in der Produk-
tionsperiode, und einen andern Teil, der sich beständig in der Zirku-
lationsperiode befände, je nach dem Verhältnis dieser Perioden zu-
einander. Es ist dasselbe Gesetz, das die Masse des beständig fun-
gierenden produktiven Kapitals bestimmt durch das Verhältnis der
Umlaufszeit zur Umschlagszeit.
Von Kapital II sind Ende der 51. J ahreswoche, die wir hier als
Jahresschluß annehmen, vorgeschossen 150 Pfd. Sterl. in der Pro-
duktion von unfertigem Produkt. Ein fernerer Teil befindet sich in
der Form von flüssigem konstantem Kapital — Rohstoff etc. —, das
heißt in einer Form, worin es als produktives Kapital im Produk-
tionsprozeß fungieren kann. Aber ein dritter Teil befindet sich in
Geldform, nämlich zum mindesten der Betrag des Arbeitslohnes für
den Rest der Arbeitsperiode (3 Wochen), der aber erst Ende jeder
Woche gezahlt wird. Obgleich nun dieser Teil des Kapitals am An-
fang des neuen Jahres, also eines neuen Umschlagszyklus, sich nicht
in der Form von produktivem Kapital befindet, sondern in der von
Geldkapital, in der es nicht in den Produktionsprozeß eingehen kann,
80 befindet sich dennoch bei Eröffnung des neuen Umschlags flüssiges
variables Kapital, das heißt lebendige Arbeitskraft, im Produktions-
prozeß tätig. Diese Erscheinung kommt daher, daß die Arbeitskraft
zwar am Anfang der Arbeitsperiode, sage per Woche, gekauft und
verbraucht, aber erst Ende der Woche gezahlt wird. Das Geld wirkt
hier als Zahlungsmittel. Es befindet sich daher einerseits als Geld
noch in der Hand des Kapitalisten, während anderseits die Arbeits-
kraft, die Ware, worin es umgesetzt wird, sich schon im Produktions-
prozeß tätig befindet, derselbe Kapitalwert hier also doppelt er-
scheint.

Zweiter Abschnitt
        <pb n="276" />
        Fünfzehntes Kapitel

2302

Betrachten wir bloß die Arbeitsperioden, so hat
Kapital I produziert 6 X 450 = 2700 Pfd. Sterl.
H 51/3 X 450 = 2400 ‚, »

also zusammen 52/3 X 900 = 5100 Pfd. Sterl.
Das vorgeschossene Gesamtkapital von 900 Pfd. Sterl. hat also 5°/3 mal
im Jahr als produktives Kapital fungiert. Ob stets 450 Pfd. Sterl. im
Produktionsprozeß und stets 450 Pfd. Sterl. im Zirkulationsprozeß
abwechselnd, oder ob 900 Pfd. Sterl. während je 4'/, Wochen im
Produktionsprozeß und während der folgenden 4!/, Wochen im Zirku-
lationsprozeß fungieren, ist für die Produktion von Mehrwert einerlei,

Betrachten wir dagegen die Umschlagsperioden, so hat

Kapital I 5% X 450 = 2550 Pfd. Sterl.
„II 5'/s X 450 = 2325 , ”
also das Gesamtkapital 5°/12 X 900 = 4875 Pfd. Sterl.
umgeschlagen. Denn der Umschlag des Gesamtkapitals ist gleich
der Summe der von [den Kapitalen] I und II umgeschlagenen Be-
träge, dividiert durch die Summe [der Kapitale] I und IL.

Es ist zu bemerken, daß Kapital I und II, wenn sie selbständig
gegeneinander wären, doch nur verschiedene selbständige Teile des
in derselben Produktionssphäre vorgeschossenen gesellschaftlichen
Kapitals bilden würden. Bestände also das gesellschaftliche Kapital
innerhalb dieser Produktionssphäre nur aus I und II, so würde für
den Umschlag des gesellschaftlichen Kapitals in dieser Sphäre die-
selbe Rechnung gelten, die hier für die beiden Bestandteile I und II
desselben Privatkapitals gilt. Weiter ausgedehnt kann jeder in einer
besonderen Produktionssphäre angelegte Teil des gesamten Gesell-
schaftskapitals so berechnet werden. Schließlich aber ist die Um-
schlagszahl des gesamten gesellschaftlichen Kapitals gleich der
Summe des in den verschiedenen Produktionssphären umgeschla-
genen Kapitals, dividiert durch die Summe des in diesen Produktions-
sphären vorgeschossenen Kapitals.

Es ist ferner zu bemerken, daß, wie hier in demselben Privat-
geschäft die Kapitale I und II genau genommen verschiedene Um-
schlagsjahre haben (indem der Umschlagszyklus von Kapital II
4'/, Wochen später beginnt als der von Kapital I, das Jahr von I daher
4'/, Wochen früher abläuft als das von II), so auch die verschiedenen
Privatkapitale in derselben Produktionssphäre ihre Geschäfte in
ganz verschiedenen Zeitabschnitten beginnen und ihren Jahres-
umschlag daher auch zu verschiedenen Zeiten im Jahr vollenden.
Dieselbe Durchschnittsrechnung, die wir oben für I und II anwandten,
reicht auch hier aus, um die Umschlagsjahre der verschiedenen selb-
ständigen Teile des gesellschaftlichen Kapitals auf ein einheitliches
Umschlagsjahr zu reduzieren.

U. Arbeitsperlode größer als Umlaufszeit.

Es durchkreuzen sich die Arbeits- und Umschlagsperioden der

Kapitale I und II, statt einander abzulösen. Gleichzeitig findet hier
Das Kanital. ID.
        <pb n="277" />
        Zweiter Abschnitt
Freisetzung von Kapital statt, was bei dem bisher betrachteten Fall
nicht vorkam.

Es ändert dies aber nichts daran, daß nach wie vor 1. die Zahl
der Arbeitsperioden des vorgeschossenen. Gesamtkapitals gleich ist
der Summe des Wertes des J ahresprodukts beider vorgeschossenen
Kapitalteile, dividiert durch das vorgeschossene Gesamtkapital, und
2. die Umschlagszahl des Gesamtkapitals gleich ist der Summe der
beiden umgeschlagenen Beträge, dividiert durch die Summe der
beiden vorgeschossenen Kapitale, Wir müssen auch hier. beide
Kapitalteile so betrachten, als vollzögen sie voneinander ganz unab-
hängige Umschlagsbewegungen.

Wir nehmen also wieder an, daß wöchentlich 100 Pfd. Sterl. im
Arbeitsprozeß vorzuschießen sind. Die Arbeitsperiode dauere 6 Wo-
chen, beanspruche also jedesmal 600 Pfd. Sterl. Vorschuß (Kapital N),
die Zirkulationsperiode 3 Wochen; also Umschlagsperiode, wie oben,
9 Wochen. Ein Kapital II von 300 Pfd. Ster]l. trete ein während der
dreiwöchigen Zirkulationsperiode von. Kapital I. Betrachten wir
beide als voneinander unabhängige Kapitale, so stellt sich das
Schema des Jahresumschlags wie folgt:

224

Tabelle II. a
Kapital I, 600 Pfd. Sterl.

Umschlagsperioden

1: 1.— 9, Woche
II. 10.—18.,
III. 19—27. „
IV. 28,36. ,
YV. 37—45.
VI. 46.-—(54.) _

|

Arbeitsperioden

1.— 6. Woche
10.15.
19.—24.
28.33.
87.42.
46.—51.

Vorschuß

600 Pfd. Sterl
800 „
600 „
600 „
600 „
600

7.— 9. Woche
16,18.
25.27...
34.36.
43.45.
(52,—54.)

Zirkulations-
perioden

Zusatzkapital II, 300 Pfd. Ster]

Umschlagsperioden

I. 7.—15. Woche
II. 16.—24.
III. 25,33.
IV. 34.42. „
V. 43351. N

Arbeitsperioden

7.— 9. Woche
16.18,
25.27;
34.36.
43.— 45. N

| .
Vorschuß

300 Pfd. Sterl. |
300 ” ”
300: „
300 ” ; 9
300 _

| Zirkulations-
perioden
10.—15. Woche
19.24,
28,—33.
37.—42, N
46.—51_
Der Produktionsprozeß geht das ganze Jahr durch ununterbro-
chen auf derselben Stufenleiter vor sich. Die beiden Kapitale I und II
bleiben vollständig getrennt. Aber um sie so getrennt darzustellen,
mußten wir ihre wirklichen Kreuzungen und Verschlingungen zer-
reißen und dadurch auch die Umschlagszahl ändern. Nach obiger
Tabelle nämlich schlüge
        <pb n="278" />
        Fünfzehntes Kapitel

395
Kapital I 53 x 600 = 3400 Pfd. Sterl. um, und

„ 115 X 300=1500 „' ;
alsodas Gesamtkapital 5*/9 x 900 = 4900 Pfd. Sterl. ;
Dies stimmt aber nicht, weil, wie wir sehen werden, die wirklichen
Produktions- und Zirkulationsperioden nicht absolut zusammenfallen
mit denen des obigen Schemas, worin es hauptsächlich darauf an-
kam, die beiden Kapitale I und IT als voneinander unabhängige er-
scheinen zu lassen.

In Wirklichkeit hat nämlich Kapital II keine von der des Kapi-
tal I getrennte, besondere Arbeits- und Zirkulationsperiode. Die Ar-
beitsperiode ist 6 Wochen, die Zirkulationsperiode 3 Wochen. Da
Kapital II nur gleich ist 300 Pfd. Sterl., kann es nur Teil einer Ar-
beitsperiode ausfüllen. Dies ist der Fall. Ende der 6. Woche tritt ein
Produktenwert von 600 Pfd. Sterl. in Zirkulation und fließt Ende
der 9. Woche in Geld zurück. Damit tritt Anfang der 7, Woche
das Kapital IT in Tätigkeit und deckt die Bedürfnisse der nächsten
Arbeitsperiode für die 7.—9, Woche. Nun aber ist nach unserer An-
nahme Ende der 9. Woche die Arbeitsperiode nur halb abgemacht.
Es tritt also Anfang der 10. Woche das soeben zurückgeflossene
Kapital I von 600 Pfd. Sterl. wieder in Tätigkeit und füllt mit
300 Pfd. Sterl. die für die 10.—12. Woche nötigen Vorschüsse aus.
Damit ist die zweite Arbeitsperiode erledigt. Es befindet sich ein
Produktenwert von 600 Pfd. Sterl. in Zirkulation und wird Ende
der 15. Woche zurückfließen; daneben aber sind 300 Pfd. Sterl., der
Betrag des ursprünglichen Kapitals IT, freigesetzt und können in der
ersten Hälfte der folgenden Arbeitsperiode, also in der 13.—15. Woche
fungieren. Nach deren Ablauf fließen dann wieder die 600 Pfd. Sterl.
zurück; 300 Pfd. Sterl. davon reichen bis zum Schluß der ÄArbeits-
periode, 300 Pfd. Sterl. bleiben für die folgende freigesetzt.

Die Sache verläuft also wie folgt:
I. Umschlagsperiode: 1.—9. Woche.
1. Arbeitsperiode: 1.—6, Woche. Kapital I, 600 Pfd. Sterl.,
fungiert.

Zirkulationsperiode: 7.—9.Woche. Ende der.9. Woche fließen

600 Pfd. Sterl. zurück.
II. Umschlagsperiode: 7.—15. Woche.
2. Arbeitsperiode: 7.—12. Woche. .

Erste Hälfte: 7.—9. Woche, Kapital IT, 300 Pfd. Sterl., fun-
giert. Ende der 9. Woche fließen 600 Pfd. Sterl. in Geld
zurück (Kapital I).

Zweite Hälfte: 10.—12, Woche. 300 Pfd. Sterl. von Kapital I
fungieren. Die andern 300 Pfd. Sterl. von Kapital I bleiben
freigesetzt. ; :

Zirkulationsperiode: 13.—15. Woche.

Ende der 15. Woche fließen 600 Pfd. Sterl. (halb aus Kapital I,
halb aus Kapital II gebildet) in Geld zurück.

)
        <pb n="279" />
        226
IT. Umschlagsperiode: 13.—21, Woche.

3, Arbeitsperiode: 13.—18. Woche. '

Erste Hälfte: 13.—15. Woche. Die freigesetzten 300 Pfd.
Sterl. treten in Funktion. Ende der 15. Woche fließen
600 Pfd, Sterl. in Geld zurück.

Zweite Hälfte: 16.—18. Woche. Von den zurückgeflossenen
600 Pfd. Sterl. fungieren 300 Pfd, Sterl., die andern 300 Pfd.
Sterl. bleiben wieder freigesetzt.

Zirkulationsperiode: 19.—21. Woche, an deren Schluß wieder
600 Pfd. Sterl. in Geld zurückfließen; in diesen 600 Pfd.
Sterl. sind Kapital I und Kapital IT jetzt ununterscheidbar
verschmolzen,

Auf diese Weise ergeben sich acht volle Umschlagsperioden eines
Kapitals von 600 Pfd. Sterl. (I: 1.—9. Woche; II: 7.—15.; IH:
13.—21.; IV: 19.—27.; V: 25.—33.; VI: 31.—39.; VII: 37.—45.5
VIII: 43.—51. Woche) bis Ende der 51, Woche. Da aber die 49. bis
51.Woche aufdie achte Zirkulationsperiode fallen, müssen während der-
selben die 300 Pfd. Sterl. freigesetztes Kapital eintreten und die Pro-
duktion im Gang halten. Damit stellt sich der Umschlag am Ende
des Jahres wie folgt: 600 Pfd. Sterl. haben ihren Kreislauf achtmal
vollendet, macht 4800 Pfd. Sterl. Dazu kommt das Produkt der
letzten 3 Wochen (49.—51.), das aber erst ein Drittel seines Kreis-
laufs von 9 Wochen zurückgelegt hat, also in der Umschlagssumme
nur für ein Drittel seines Betrages, mit 100 Pfd. Sterl. zählt. Wenn
also das Jahresprodukt von 51 Wochen gleich 5100 Pfd. Sterl., so
ist das umgeschlagene Kapital nur 4800 + 100 — 4900 Pfd. Sterl.;
das vorgeschossene Gesamtkapital von 900 Pfd. Sterl. hat also
54/9 mal umgeschlagen, also um eine Kleinigkeit mehr als unter
Fall 1.

x

In dem vorliegenden Beispiel war ein Fall unterstellt, wo die
Arbeitszeit gleich ?/3, die Umlaufszeit gleich !/, der Umschlagsperiode,
also die Arbeitszeit ein einfaches Multipel [Vielfaches] der Umlaufs-
zeit ist. Es fragt sich, ob die oben konstatierte Freisetzung von
Kapital auch stattfindet, wenn dies nicht der Fall.

Nehmen wir Arbeitsperiode gleich 5 Wochen, Umlaufszeit gleich
4 Wochen, Kapitalvorschuß pro Woche 100 Pfd. Sterl.

[. Umschlagsperiode: 1.—9. Woche.
L. Arbeitsperiode: 1.—5. Woche. KapitalI = 500 Pfd. Sterl.
fungiert. .
Zirkulationsperiode: 6.—9, Woche. Ende der 9. Woche fließen
500 Pfd. Sterl. in Geld zurück.
II. Umschlagsperiode: 6.—14. Woche.

2. Arbeitsperiode: 6.—10. Woche.

Erster Abschnitt: 6.—9, Woche. Kapital II —400 Pfd. Sterl.
fungiert. Ende der 9, Woche fließt Kapital I = 500 Pfad.
Sterl. in Geld zurück.
        <pb n="280" />
        Fünfzehntes Kapitel

227
Zweiter Abschnitt: 10. Woche. Von den zurückgeflossenen
500 Pfd. Sterl. fungieren 100 Pfd. Sterl. Die übrigen 400 Pfd.
Sterl. bleiben freigesetzt für die folgende Arbeitsperiode.

Zirkulationsperiode: 11.—14, Woche. Am Ende der 14. Woche
fließen 500 Pfd. Sterl. in Geld zurück. Ä

2,

Bis zu Ende der 14. Woche (11.—14.) fungieren die oben frei-
gesetzten 400 Pfd. Sterl.; 100 Pfd. Sterl. aus den alsdann zurück-
geflossenen 500 Pfd. Sterl. komplettieren [vervollständigen] den Be-
darf für die dritte Arbeitsperiode (11.—15. Woche), so daß wiederum
400 Pfd. Sterl. für die vierte Arbeitsperiode freigesetzt werden. Das-
selbePhänomen [Erscheinung] wiederholt sich in jeder Arbeitsperiode;
bei ihrem Beginn findet sie 400 Pfd. Sterl. vor, die für die ersten
4 Wochen reichen. Ende der 4. Woche fließen 500 Pfd. Sterl. in
Geld zurück, von denen nur 100 Pfd. Sterl. für die letzte Woche
benötigt sind, die übrigen 400 Pfd. Sterl. für die nächste Arbeits-
periode freigesetzt bleiben.

Nehmen wir ferner eine Arbeitsperiode von 7 Wochen mit Ka-
pital I von 700 Pfd, Sterl., eine Umlaufszeit von 2 Wochen mit Kapi-
tal II von 200 Pfd. Sterl.

Daun dauert die erste Umschlagsperiode von 1.—9. Woche, da-
von erste Arbeitsperiode 1.—7. Woche, mit Vorschuß von 700 Pfd.
Sterl., und erste Zirkulationsperiode 8.—9, Woche. Ende der 9. Woche
fießen die 700 Pfd. Sterl. in Geld zurück.

Die zweite Umschlagsperiode, 8.—16. Woche, umschließt die
zweite Arbeitsperiode, 8.—14. Woche. Davon ist der Bedarf für
8. und 9. Woche gedeckt durch Kapital II. Ende der 9. Woche
fießen obige 700 Pfd. Sterl. zurück; davon werden verbraucht bis
Schluß der Arbeitsperiode (10.—14. Woche) 500 Pfd. Sterl. Bleiben
200 Pfd. Sterl. freigesetzt für die nächstfolgende Arbeitsperiode. Die
zweite Umlaufsperiode dauert 15.—16. Woche; Ende der 16. Woche
fließen wieder 700 Pfd. Sterl. zurück. Von nun an wiederholt sich
in jeder Arbeitsperiode dieselbe Erscheinung. Der Kapitalbedarf der
ersten beiden Wochen ist gedeckt durch die am Schluß der vorigen
Arbeitsperiode freigesetzten 200 Pfd. Sterl.; Ende der 2. Woche
fließen 700 Pfd. Sterl. zurück; die Arbeitsperiode zählt aber nur noch
5 Wochen, so daß sie nur 500 Pfd. Sterl. verbrauchen kann; es bleiben
also stets 200 Pfd. Sterl. freigesetzt für die nächste Arbeitsperiode.

Es stellt sich also heraus, daß in unserm Fall, wo die Arbeits-
periode größer angenommen als die Umlaufsperiode, unter allen Um-
ständen am Schluß einer jeden Arbeitsperiode sich ein Geldkapital
freigesetzt findet, welches von gleicher Größe ist wie das für die Zirku-
lationsperiode vorgeschossene Kapital II. In unsern drei Beispielen
war Kapital II im ersten gleich 300 Pfad. Sterl., im zweiten gleich
100 Pfd. Sterl., im dritten gleich 200 Pfd. Sterl.; dementsprechend
war das am Schluß der Arbeitsperiode freigesetzte Kapital je 300,
100, 200 Pfd. Sterl.
        <pb n="281" />
        Zweiter Abschnitt
HL Arbeitsperiode kleiner als Umlauiszeit,

Wir nehmen zunächst wieder an eine Umschlagsperiode von

9 Wochen; davon Arbeitsperiode 3 Wochen, für die disponibel Ka-

pital I gleich 300 Pfd. Sterl. Die Umlaufsperiode sei 6 Wochen.

Für diese 6 Wochen ist ein Zusatzkapital von 600 Pfd. Sterl. nötig,

das wir aber wieder in zwei Kapitale von je 300 Pfd. Sterl. einteilen

können, wovon jedes eine Arbeitsperiode ausfüllt. Wir haben dann

drei Kapitale von je 300 Pfd. Sterl., wovon immer 300 Pfd. Sterl.

in der Produktion beschäftigt sind, während 600 Pfd. Sterl. um-
laufen.

Tabelle II.
Kapital I.

Umschlagsperioden

Arbeitsperioden
EEE

Umlaufsperioden '
1. 1.— 9. Woche
I. 10.—18.
Il. *19—27. ©
IV. 28,—36.
V. 837—45.
\I. 46-—(54)

1.— 3. Woche
10.—12.
19.—21.
28.—30.
837,—39.
16,—48.

Kapital II.

4.— 9. Woche
13.—18.
22.—27.
31.—36,
40.—45.
49,—(54.)

Umschlagsperioden

Arbeitsperioden

Umlaufsperioden

A. +—12, Woche
IL B—21.
III. 22.—30.

IV. 31.—39.

V. 40.—48.
VI. 49,-—(57.)

4.— 6. Woche
18.—15.
22,— 24.
31,—38.
40.—42.
49.—51.
Kapital II.

7.—12. Woche‘
16.21.
25.—30. *
34.—89.
43,—48, &gt;
(52.—57.) ©

Umschlagsperieden

Arbeitsperioden

Umlaufsperioden

1 7.—15. Woche '
II. 16—24
UI. 25.33. „|
VI. 34—42, ” |
V 42.51. B

7.— 9. Woche
16.—18.
25.—27. !
34.—36. &gt;
423 —_ 45

10,—15. Woche
19.—24. 02
28.—33. »
837.—42, ”
46. — 51.

.

au
Wir haben hier das genaue Gegenbild von Fall I, nur mit dem
Unterschied, daß jetzt drei Kapitale einander ablösen statt zwei. Eine
Durchkreuzung oder Verschlingung der Kapitale findet nicht statt;
jedes einzelne kann bis zum Jahresschluß getrennt verfolgt werden.
Ebensowenig wie bei Fall I findet also eine Freisetzung von Kapital
am Schluß einer Arbeitsperiode statt. Kapital I ist ganz ausgelegt
Ende der 3. Woche, fließt ganz zurück Ende der 9. und tritt wieder in
        <pb n="282" />
        Fünfzehntes Kapitel

229
Funktion Anfang der 10. Woche: Aehnlich mit KapitalIIundIII. Die
regelmäßige und vollständige Ablösung schließt jede Freisetzung aus.
Der Gesamtumschlag berechnet sich folgendermaßen:
Kapital I 300 Pfd, Sterl. x 5%: = 1700 Pfd. Sterl.
xx II 300 ,, “ "1 =1600 „
„ 11300 „ 3 =1500 „
Gesamtkapital 900 Pfd. Sterl. x 51/3 = 4800 Pfd. Sterl.
Nehmen wir jetzt auch ein Beispiel, wo die Umlaufsperiode nicht
ein genaues Vielfaches der Arbeitsperiode bietet; zum Beispiel Arbeits-
periode 4 Wochen, Zirkulationsperiode 5 Wochen; die entsprechenden
Kapitalbeträge wären also Kapital I gleich 400 Pfd. Sterl., Kapital II
gleich 400 Pfd. Sterling, Kapital III gleich 100 Pfad. Sterl. Wir geben
nur die ersten drei Umschläge.
Tabelle IV.
Kapital I.

Umschlagsperioden

1 1.— 9, Woche
1. 9.—17. &amp;
I... 17.—25.

|

Umschlagsperioden

I. 5.—18. Woche
IL. 13—2L.
[I].“ 21.—29.

Arbeitsperioden

“ 1L— 4. Woche
9. 10.—12, -
17.18.—20. . " |

Kapital II.

Arbeitsperioden

5,— 8. Woche
13.14.—16.
21.22.—24.

Kapital IH.

Umlaufsperioden

5.— 9. Woche
183.—17.
21.—25,. ©

Umlaufsperioden
9.—13. Woche
17.—21.
25.—29, a

Umschlagsperioden | Arbeitsperioden | Umlaufsperioden

I. . 9.—17. Woche | ” 9. Woche — 10.—17.. Woche
I.‘ 17—25. ] 17. 18.—25.
II. 25.—33. - 95. 26.—33.
[Wir geben vorstehend die Tabelle IV so wieder, wie sie in der
Engelsschen Ausgabe steht... Aber sie ist falsch angelegt. Es muß
heißen:
Kapital I.
Umschlagsperioden

I. 1.— 9. Woche
II. 10.—18. n
LIE. 19-—927,

Arbeitsperioden

Umlaufsperioden .
1.— 4, Woche . | 5.—.9. Woche
10.—13. MB.
19.—22, 2327.
        <pb n="283" />
        "77

Umschlagsperioden
1. 5.—13. Wioche
Il. 14.—22. 5
III... 23—31.

Zweiter Abschnit
Kapital II. .

Arbeitsperioden

5.— 8. Woche | 9.—13. Woche
14.—17. ‚ 18.—23. #
23.—26. x 27.—31. 6
Kapital III.

Arbeitsperioden
I. 9.—17. Woche 9. Woche |
II. 18.—26, z 18. »
III. 27.-—35. ss 27, 5

Umlaufsperioden

10.—17. Woche
19.—26. 8
28.—35. „ K.)

Es findet hier insofern Verschlingung der Kapitale statt, als
die Arbeitsperiode von Kapital III, das keine selbständige Arbeits-
periode hat, weil es nur für eine Woche reicht, zusammenfällt
mit der ersten Arbeitswoche [der zweiten Arbeitsperiode] von
Kapital I%b, Dafür aber findet sich am Schluß der Arbeits-
periode sowohl von Kapitel I. wie von Kapital II ein dem
Kapital III gleicher Betrag von 100 Pfd. Sterl. freigesetzt. Wenn
nämlich Kapital IIT die erste Woche der zweiten und aller folgenden
Arbeitsperioden von Kapital I ausfüllt und am Schluß dieser ersten
Woche das ganze Kapital I, 400 Pfd. Sterl., zurückströmt, so bleibt
für den Rest der Arbeitsperiode von Kapital I nur eine Zeit von
3 Wochen und eine entsprechende Kapitalauslage von. 300 Pfd. Sterl.
Die so freigesetzten 100 Pfd. Sterl. genügen dann für die erste Woche
der sich unmittelbar anschließenden Arbeitsperiode von Kapital II;
am Schluß dieser Woche fließt das ganze Kapital II mit 400 Pfd.
Sterl. zurück; da aber die angebrochene Arbeitsperiode nur noch
300 Pfd. Sterl. absorbieren kann, so bleiben an deren Schluß wieder
100 Pfd. Sterl. freigesetzt, und so weiter. Es findet also Freisetzung
von Kapital am Schlusse der Arbeitsperiode statt, sobald die Um-
laufszeit nicht ein einfaches Multipel der Arbeitsperiode bildet, und
zwar ist dies freigesetzte Kapital gleich dem Kapitalteil. welcher

31b Das stimmt nicht, wenn wir die Tabelle richtig ansetzen. Die Arbeits-
periode von Kapital III fällt in die 9., die erste Arbeitswoche der zweiten
Arbeitsperiode von Kapital I in die 10. Woche des Jahres. .

Der ganze Passus scheint im Zustand großer Ermüdung geschrieben
und nicht korrigiert zu sein. Darauf deutet schon der Umstand hin, daß
in der Tabelle für den Beginn der Arbeitsperiode mehrfach zwei Zahlen
nebeneinander stehen: 9. 10., 17. 18., dann 13. 14., endlich 21. 22.

Engels bemerkt am Schluß des Kapitels selbst, er habe aus ihm manches
Unrichtige und Widerspruchsvolle ausgemerzt. Die vorliegende Tabelle
und die daran geknüpften Bemerkungen scheinen ihm dabei entgangen
zu sein. K.
        <pb n="284" />
        Fünfzehntes Kapitel

231
den Ueberschuß der Zirkulationsperiode über eine Arbeitsperiode
oder über ein Multipel von. Arbeitsperioden auszufüllen hat.

In allen untersuchten Fällen wurde angenommen, daß sowohl
Arbeitsperiode wie Umlaufszeit das ganze Jahr hindurch in dem be-
liebigen hier betrachteten Geschäft dieselben bleiben. Diese Vor-
aussetzung war nötig, wollten wir den Einfluß der Umlaufszeit auf
Umschlag und Kapitalvorschuß feststellen. Daß sie in der Wirk-
lichkeit nicht in dieser Unbedingtheit und oft gar nicht gilt, ändert
an der Sache nichts.

Wir haben in diesem ganzen Abschnitt nur die Umschläge des
zirkulierenden Kapitals betrachtet, nicht die des fixen. Aus dem ein-
fachen Grund, weil die behandelte Frage nichts mit dem fixen Kapi-
tal zu tun hat. Die im Produktionsprozeß angewandten Arbeits-
mittel etc. bilden nur fixes Kapital, soweit ihre Gebrauchszeit länger
dauert als die Umschlagsperiode des flüssigen Kapitals, soweit die
Zeit, während deren diese Arbeitsmittel fortfahren, in beständig wie-
derholten Arbeitsprozessen zu dienen, größer ist als die Umschlags-
periode des flüssigen Kapitals, also gleich n Umschlagsperioden des
flüssigen Kapitals ist. Ob die Gesamtzeit, welche durch diese n Um-
schlagsperioden des flüssigen Kapitals gebildet wird, länger oder
kürzer ist, der Teil des produktiven Kapitals, der für diese Zeit in
fixem Kapital vorgeschossen war, wird innerhalb derselben nicht von
neuem vorgeschossen. Er fährt fort, in seiner alten Gebrauchsform
zu fungieren. Der Unterschied ist nur der: je nach der verschiedenen
Länge der einzelnen Arbeitsperiode jeder Umschlagsperiode des
Aüssigen Kapitals gibt das fixe Kapital größeren oder geringeren
Teil seines Originalwerts an das Produkt dieser Arbeitsperiode ab,
und je nach der Dauer der Zirkulationszeit einer jeden Umschlags-
periode fließt dieser an das Produkt abgegebene Wertteil des fixen
Kapitals rascher oder langsamer in Geldform zurück. Die Natur des
Gegenstandes, den wir in diesem Abschnitt behandeln — der Um-
schlag des zirkulierenden Teils des produktiven Kapitals —, geht aus
der Natur dieses Kapitalteils selbst hervor. Das in einer Arbeits-
periode angewandte flüssige Kapital kann nicht in einer neuen Ar-
beitsperiode angewandt werden, bevor es seinen Umschlag vollendet,
sich in Warenkapital, aus diesem in Geldkapital und aus diesem wieder
in. produktives Kapital verwandelt hat. Um daher die erste Arbeits-
periode sofort durch eine zweite zu kontinuieren [fortzusetzen], muß
von neuem Kapital vorgeschossen und in die flüssigen Eıemente des
produktiven Kapitals verwandelt werden, und. zwar in hinreichender
Quantität, um die durch die Zirkulationsperiode des für die erste
Arbeitsperiode vorgeschossenen flüssigen Kapitals entstehende Lücke
auszufüllen. Daher der Einfluß der Länge der Arbeitsperiode des
flüssigen Kapitals auf die Betriebsstufenleiter des Arbeitsprozesses
und auf die Teilung des vorgeschossenen Kapitals, respektive auf
Zuschuß von neuen Kapitalportionen. Dies aber ist es gerade, was
wir in diesem Abschnitt zu betrachten hatten.
        <pb n="285" />
        239
Zweiter Abschnitt
IV. Resultate.

Aus der bisherigen Untersuchung ergibt sich:

A. Die verschiedenen Portionen, worin das Kapital geteilt werden
muß, damit ein Teil desselben sich beständig in der Arbeitsperiode
befinden kann, während andere Teile sich in der Zirkulationsperiode
befinden, lösen sich ab, wie verschiedene selbständige Privat-
kapitale, in zwei Fällen: 1. Wenn die Arbeitsperiode gleich der
Zirkulationsperiode, die Umschlagsperiode also in zwei gleiche Ab-
schnitte geteilt ist. 2. Wenn die Zirkulationsperiode länger ist als die
Arbeitsperiode, aber zugleich ein einfaches Multipel der Arbeits-
periode bildet, so daß eine Zirkulationsperiode gleich n Arbeits-
perioden, wo n eine ganze Zahl sein muß. In diesen Fällen wird kein
Teil des sukzessive vorgeschossenen Kapitals freigesetzt. ;

B. Dagegen in allen Fällen, wo 1.. die Zirkulationsperiode größer
als die Arbeitsperiode, ohne ein einfaches Multipel derselben zu bilden,
und 2., wo die Arbeitsperiode größer als die Zirkulationsperiode, wird
ein Teil des flüssigen Gesamtkapitals vom zweiten. Umschlag an
beständig und periodisch am Schluß jeder Arbeitsperiode freigesetzt.
Und zwar ist dieses freigesetzte Kapital gleich dem für die Zirkula-
tionsperiode vorgeschossenen Teil des Gesamtkapitals, . wenn. die
Arbeitsperiode größer als die Zirkulationsperiode, und gleich dem
Kapitalteil, welcher den Ueberschuß der Zirkulationsperiode über eine
Arbeitsperiode oder über ein Multipel von Arbeitsperioden auszufüllen

hat, wenn die Zirkulationsperiode größer ist als die Arbeitsperiode.

C, Es folgt daraus, daß für das gesellschaftliche: Gesamtkapital,
nach seinem flüssigen Teil betrachtet, die Freisetzung von Kapital
die Regel, die bloße Ablösung der sukzessive im Produktionsprozeß
fungierenden Kapitalteile die Ausnahme bilden muß. .. Denn "die
Gleichheit von Arbeitsperiode‘ und Zirkulationsperiode oder die
Gleichheit der Zirkulationsperiode mit einem einfachen Multipel der
Arbeitsperiode, diese regelmäßige Proportionalität der zwei Bestand-
teile der Umschlagsperiode hat mit der Natur der Sache durchaus
nichts zu tun und kann daher im ganzen und großen nur ausnahms-
weise stattfinden.

Ein sehr bedeutender Teil des jährlich mehrmals umschlagenden
gesellschaftlichen zirkulierenden Kapitals wird sich also während. des
jährlichen Umschlagszyklus periodisch in der Form ‚von freige-
setztem Kapital befinden.

Es ist ferner klar, daß, alle andern Umstände gleichbleibend
gesetzt, die Größe dieses freigesetzten Kapitals mit dem Umfang des
Arbeitsprozesses oder mit der Stufenleiter der Produktion, also
überhaupt mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion
wächst. In dem Falle sub B. 2, weil das vorgeschossene Gesamt-
kapital wächst; in B. 1, weil mit der Entwicklung der kapitalistischen
Produktion die Länge der Zirkulationsperiode wächst, also auch die
Umeschlagsperiode in den Fällen, wo die Arbeitsperiode ohne regel-
mäßiges Verhältnis der beiden Perioden.
        <pb n="286" />
        Fünfzehntes Kapitel

233
Im ersten Fall hatten wir zum Beispiel 100 Pfd. Sterl. wöchent-
lich auszulegen. Für sechswöchentliche Arbeitsperiode 600 Pfd, Sterl.,
für dreiwöchentliche Zirkulationsperiode 300 Pfd. Sterl., zusammen
900 Pfd. Sterl. Hier werden beständig 300 Pfd. Sterl. freigesetzt.
Werden dagegen 300 Pfd. Sterl. wöchentlich ausgelegt, so haben wir
für die Arbeitsperiode 1800 Pfd. Sterl., für die Zirkulationsperiode
900 Pfd. Sterl., also auch 900 Pfd,. Sterl. statt 300 Pfd. Sterl. perio-
disch. freigesetzt.

D. Das Gesamtkapital von zum Beispiel 900.Pfd. Sterl. muß in
zwei Teile geteilt werden, wie oben 600 Pfad. Sterl. für die Arbeits-
periode und 300 Pfd, Sterl. für die Zirkulationsperiode. Der Teil, der
wirklich im Arbeitsprozeß ausgelegt, wird dadurch um ein Drittel
vermindert, von 900 Pfd. Sterl. auf 600 .Pfd. Sterl., und daher die
Produktionsleiter um ein Drittel reduziert. Anderseits fungieren die
300 Pfd. Sterl. nur, um die Arbeitsperiode kontinuierlich zu machen,
so daß in jeder Woche des Jahres 100 Pfd. Sterl. im Arbeitsprozeß
ausgelegt werden können. ;

Abstrakt genommen, ist es dasselbe, ob 600 Pfd. Sterl. während
6 X 8 = 48 Wochen arbeiten (Produkt gleich 4800 Pfd. Sterl.), oder
ob das ganze Kapital von 900 Pfd. Sterl. während 6 Wochen im
Arbeitsprozeß ausgelegt wird und dann während der Zirkulations-
periode von 3 Wochen brachliegt; im letzteren Fall würde es im Lauf
der 48 Wochen 5; x 6 = 32 Wochen arbeiten (Produkt gleich
51/8 X 900 = 4800 Pfd. Sterl.) und 16 Wochen brachliegen.. Aber
abgesehen vom größeren Verderb. des fixen Kapitals während der
Brache von 16 Wochen und der Verteuerung der Arbeit, die während
des ganzen Jahres bezahlt werden muß, obgleich sie nur einen Teil
desselben wirkt, ist eine solche regelmäßige Unterbrechung des Pro-
duktionsprozesses. mit dem. Betrieb der modernen. großen Industrie
überhaupt unvereinbar. Diese Kontinuität ist selbst eine Produktiv-
kraft, der Arbeit.

Sehen wir uns nun das freigesetzte, in der Tat suspendierte [in
seinem Funktionieren eingestellte] Kapital näher an, so zeigt sich,
daß ein bedeutender Teil desselben stets die Form von Geldkapital
besitzen muß. Bleiben wir bei dem Beispiel: Arbeitsperiode 6 Wochen,
Zirkulationsperiode 3 Wochen, Auslage per Woche 100 Pfd.. Sterl.
In der Mitte der zweiten Arbeitsperiode, Ende der 9. Woche, fließen
500 Pfd. Sterl. zurück, von denen nur 300 Pfd. Sterl. während des
Restes der Arbeitsperiode anzulegen sind. Ende der zweiten Arbeits-
periode werden also 300 Pfd. Sterl. davon freigesetzt. In welchem
Zustand befinden sich diese 300 Pfad. Sterl.? Wir wollen annehmen.
daß !/s für Arbeitslohn, ?/s für Roh- und Hilfsstoffe auszulegen. sind.
Von den zurückgeflossenen 600 Pfd. Sterl. befinden sich also 200 Pfd.
Sterl. für Arbeitslohn in Geldform und 400 Pfd. Sterl. in der Form
von produktivem Vorrat, in der Form von Elementen des konstanten
Aüssigen produktiven Kapitals. Da aber für die zweite Hälfte der
Arbeitsperiode II nur die Hälfte dieses produktiven Vorrats erheischt
        <pb n="287" />
        234

Zweiter Abschnitt
ist, befindet sich die andere Hälfte während 3 Wochen in der Form
von überschüssigem, das heißt von über eine Arbeitsperiode über-
schüssigem produktivem Vorrat. Der Kapitalist weiß aber, daß er
von diesem Teil (gleich 400 Pfd. Sterl.) des zurückfließenden Kapitals
nur die Hälfte (gleich 200 Pfd. Sterl.) für die laufende Arbeitsperiode
braucht. Es wird also von den Marktverhältnissen abhängen, ob er
diese 200 Pfd. Sterl. sofort wieder ganz oder nur zum Teil in über-
schüssigen produktiven Vorrat verwandeln oder sie ganz oder teil-
weise in Erwartung günstigerer Marktverhältnisse als Geldkapital
festhalten wird. Anderseits versteht sich von selbst, daß der in
Arbeitslohn auszulegende Teil gleich 200 Pfd. Sterl. in Geldform
festgehalten wird. Der Kapitalist kann die Arbeitskraft nicht wie
das Rohmaterial im Warenlager deponieren, nachdem er sie gekauft
hat. Er muß sie dem Produktionsprozeß einverleiben und zahlt sie
Ende der Woche, Von dem freigesetzten Kapital von 300 Pfd. Sterl.
werden also jedenfalls diese 100 Pfd. Sterl. die Form von freigesetztem,
das heißt nicht für die Arbeitsperiode nötigem Geldkapital besitzen.
Das in Form von Geldkapital freigesetzte Kapital muß also min-
destens gleich sein dem variablen, in Arbeitslohn ausgelegten Kapital-
teil; im Maximum [höchstens] kann es das ganze freigesetzte Kapital
umfassen. In der Wirklichkeit schwankt es beständig zwischen
diesem Minimum [der niedrigsten Grenze] und Maximum. ;

Das so durch den bloßen Mechanismus der Umschlagsbewegung
freigesetzte Geldkapital (neben dem durch den sukzessiven Rückfluß
des fixen Kapitals und dem in jedem Arbeitsprozeß für variables
Kapital nötigem Geldkapital) muß eine bedeutende Rolle spielen,
sobald sich das Kreditsystem entwickelt, und muß zugleich eine der
Grundlagen desselben bilden.

Nehmen wir in unserm Beispiel an, die Zirkulationszeit verkürze
sich von 3 Wochen auf 2. Dies sei nicht normal, sondern etwa Folge
guter Geschäftszeit, verkürzter Zahlunystermine ete. Das Kapital
von 600 Pfd, Sterl., das während der Arbeitsperiode ausgelegt worden,
Sießt eine Woche früher als nötig zurück, es ist also für diese Woche
freigesetzt. Es werden ferner wie vorher in der Mitte der Arbeits-
periode 300 Pfad. Sterl. freigesetzt (Teil jener 600 Pfd. Sterl.), aber für
4 Wochen statt für 3. Es befinden sich also auf dem Geldmarkt
während einer Woche 600 Pfd. Sterl. und während 4 statt 3 Wochen
300 Pfd. Sterl. Da dies nicht nur einen Kapitalisten betrifft, sondern
viele und zu verschiedenen Perioden in verschiedenen Geschäfts-
Zweigen sich ereignet, so erscheint hiermit mehr disponibles [verfüg-
bares] Geldkapital auf dem Markt. Dauert dieser Zustand länger,
80 wird die Produktion erweitert werden, wo dies zulässig; Kapita-
listen, die mit geborgtem Kapital arbeiten, werden weniger Nach-
Irage auf dem Geldmarkt ausüben, was diesen ebensosehr erleichtert
wie vermehrtes Angebot, oder endlich die Summen, die für den
Mechanismus überschüssig geworden sind, werden definitiv [end-
gültig] auf den Geldmarkt hinausseworfen.
        <pb n="288" />
        Fünfzehntes Kapitel

235

Infolge der Kontraktion der Umlaufszeit31®1 von 3 auf 2 Wochen
und daher der Umschlagsperiode von 9 auf 8 Wochen, wird 14
des vorgeschossenen Gesamtkapitals überflüssig ; die sechswöchentliche
Arbeitsperiode kann nun mit 800 Pfd. Sterl. ebenso beständig in
Gang gehalten werden wie früher mit 900 Pfd. Sterl. Ein Wertteil
des Warenkapitals (gleich 100 Pfd. Sterl.), einmal in Geld rückver-
wandelt, verharrt daher in diesem Zustand als Geldkapital, ohne
weiter als Teil des für den Produktionsprozeß vorgeschossenen
Kapitals zu fungieren. Während die Produktion auf gleichbleibender
Stufenleiter und zu sonst gleichbleibenden. Bedingungen, wie Preisen
ete., fortgeführt wird, vermindert sich die Wertsumme des vorge-
schossenen Kapitals von 900 Pfd. Sterl. auf 800 Pfd. Sterl.; der Rest von
100 Pfad. Sterl. des ursprünglich vorgeschossenen Wertes wird ausge-
schieden in der Form von Geldkapital. Als solches tritt es in den Geld-
markt ein und bildet zuschüssigen Teil der hier fungierenden Kapitale

Man ersieht hieraus, wie eine Plethora [Ueberfülle]} von Geld-
kapital entstehen kann — und zwar nicht nur in dem Sinn, daß das
Angebot von Geldkapital größer ist als die Nachfrage; dies ist immer
nur eine relative Plethora, die zum Beispiel stattfindet in der „melan-
cholischen [trübseligen] Periode‘, welchenach Ende der Krise den neuen
Zyklus eröffnet. Sondern in dem Sinn, daß für die Betreibung des
gesamten gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses (welcher den Zir-
kulationsprozeß einschließt) ein bestimmter Teil des vorgeschossenen
Kapitalwerts überflüssig und daher in der Form von Geldkapital
ausgeschieden ist; eine Plethora, entstanden bei gleichbleibender
Stufenleiter der Produktion und gleichbleibenden Preisen durch
bloße Kontraktion der Umschlagsperiode. Es hat die Masse —
größere oder kleinere — des in Zirkulation befindlichen Geldes
hierauf nicht den geringsten Einfluß gehabt.

Nehmen wir umgekehrt an, die Zirkulationsperiode verlängere
sich, sage von 3 Wochen zu 5. Dann findet schon beim nächsten
Umschlag der Rückfluß des vorgeschossenen Kapitals um 2 Wochen
zu spät statt. Der letzte Teil des Produktionsprozesses dieser Arbeits-
periode kann nicht weitergeführt werden durch den Mechanismus
des Umschlags des vorgeschossenen Kapitals selbst. Bei längerer
Dauer dieses Zustandes könnte wie im vorigen Fall Erweiterung,
so hier Kontraktion des Produktionsprozesses — des Umfangs, auf
dem er betrieben — eintreten. Um aber den Prozeß auf derselben
Stufenleiter fortzuführen, müßte das vorgeschossene Kapital für die
ganze Dauer dieser Verlängerung der Zirkulationsperiode um %%
gleich 200 Pfd. Sterl. vermehrt werden. Dies Zusatzkapital kann nur
dem Geldmarkt entnommen werden. Gilt die Verlängerung der
Zirkulationsperiode für einen oder mehrere große Geschäftszweige,
so kann sie daher einen Druck auf den Geldmarkt herbeiführen, wenn
nicht diese Wirkung durch Gegenwirkung von anderer Seite auf-
3bi In der Engelschen Ausgabe steht „„Umschlagszeit“‘.
        <pb n="289" />
        236

Zweiter Abschnitt
gehoben wird. Auch in diesem Fall ist sichtbar und handgreiflich, daß
dieser Druck, wie vorher jene Plethora, nicht das geringste zu tun
hatte mit einer Aenderung weder in den Preisen der Waren noch in
der Masse der vorhandenen Zirkulationsmittel.

(Die Fertigstellung dieses Kapitels für den Druck hat nicht
geringe Schwierigkeiten gemacht. So sattelfest Marx als Algebraiker
war, so ungeläufig blieb ihm das Rechnen mit Zahlen, namentlich
das kaufmännische, trotzdem ein dickes Konvolut [Bündel] Hefte
existiert, worin er sämtliche kaufmännische Rechnungsarten selbst
in vielen Exempeln durchgerechnet hat. Aber Kenntnis der einzelnen
Rechnungsarten und Uebung im alltäglichen praktischen Rechnen
des Kaufmanns sind keineswegs dasselbe, und so verwickelte er sich
in den Umschlagsberechnungen derart, daß neben Unvollendetem
schließlich manches Unrichtige und Widersprechende herauskam.
Ich habe in den oben abgedruckten Tabellen nur das einfachste und
arithmetisch Richtige beibehalten, und zwar hauptsächlich aus
folgendem Grund.

Die unsicheren Resultate dieser mühsamen Rechnerei haben Marx
veranlaßt, einem — nach meiner Ansicht — tatsächlich wenig wich-
tigen Umstand eine unverdiente Wichtigkeit beizulegen. Ich meine
das, was er „Freisetzung“ von Geldkapital nennt. Der wirkliche Sach-
verhalt, unter den oben angenommenen Voraussetzungen, ist dieser:

Einerlei, welches das Größenverhältnis von Arbeitsperiode und
Umlaufszeit, — also das von Kapital I zu Kapital II —, nach Ablauf
des ersten Umschlags kehrt dem Kapitalisten in regelmäßigen Inter-
vallen von der Länge der Arbeitsperiode das für je eine Arbeitsperiode
nötige Kapital — also eine Summe gleich KapitalI-- in Geldform zurück.

Ist die Arbeitsperiode gleich 5 Wochen, Umlaufszeit gleich
4 Wochen, Kapital I gleich 500 Pfd. Sterl., so fließt jedesmal eine
Geldsumme von 500 Pfd. Sterl. zurück: Ende der 9., der 14., der 19,,
ler 24., der 29, Woche usw.

Ist die Arbeitsperiode gleich 6 Wochen, Umlaufszeit gleich3Wochen,
Kapital I gleich 600 Pfd. Sterl., so fließen je 600 Pfad. Sterl. zurück:
Ende der 9., der 15., der 21., der 27., der 33. Woche usw.

Endlich, ist die Arbeitsperiode gleich 4 Wochen, Umlaufszeit
gleich 5 Wochen, Kapital I gleich 400 Pfad. Sterl., so erfolgt Rückfluß
von. je 400 Pfd. Sterl.: Ende der 9., der 13., der 17., der 21., der
25. Woche usw.

Ob und wieviel von diesem zurückgeflossenen Geld für die
laufende Arbeitsperiode überschüssig, also freigesetzt ist, macht
keinen Unterschied. Es wird vorausgesetzt, daß die Produktion
ununterbrochen auf dem laufenden Maßstab vorangeht, und damit
dies erfolge, muß das Geld vorhanden sein, also rückfließen, ob
‚freigesetzt‘ oder nicht. Wird die Produktion unterbrochen, so
hört auch die Freisetzung auf.

Mit andern Worten: Es erfolgt allerdings Freisetzung von Geld,
also Bildung ‚von latentem, nur potentiellem Kapital in Geldform
        <pb n="290" />
        Fünfzehntes Kapitel

237
aber unter allen Umständen und nicht nur unter den im Text näher
präzisierten speziellen Bedingungen; und sie erfolgt auf größerem als
auf dem im Text angenommenen Maßstab. Mit Beziehung auf das
zirkulierende Kapital I befindet sich der industrielle Kapitalist am
Ende jedes Umschlags ganz in der Lage wie bei Errichtung des
Geschäfts: er hat es wieder ganz und auf einmal in der Hand, während
er es nur allmählich wieder in produktives Kapital verwandeln kann.

Worauf es im Text ankommt, ist der Nachweis, daß einerseits
ein beträchtlicher Teil des industriellen Kapitals stets in Geldform
vorhanden sein, anderseits ein noch beträchtlicherer zeitweilig Geld-
form annehmen muß. Dieser Nachweis wird durch diese meine zu-
sätzlichen Bemerkungen höchstens verstärkt. F. E.)
V. Wirkung von Preiswechsel.

Wir haben eben unterstellt gleichbleibende Preise, gleich-
bleibende Stufenleiter der Produktion auf der einen Seite, Kontrak-
tion oder Expansion der Zirkulationszeit auf der andern. Unterstellen
wir jetzt dagegen gleichbleibende Größe der Umschlagsperiode,
gleichbleibende Stufenleiter der Produktion, aber auf der andern
Seite Preiswechsel, das heißt Fall oder Steigen im Preis von Roh-
materialien, Hilfsstoffen und Arbeit oder der beiden ersten dieser
Elemente. Gesetzt, der Preis von Roh- und Hilfsstoffen sowie der
Arbeitslohn falle um die Hälfte. Es wäre dann also in unserm Bei-
spiel wöchentlich 50 Pfd. Sterl. statt 100 Pfd. Sterl. und für die
neun wöchentliche Umschlagsperiode 450 Pfd. Sterl. statt 900 Pfd. Sterl.
vorgeschossenes Kapital nötig, 450 Pfd. Sterl. des vorgeschossenen
Kapitalwerts werden ausgeschieden zunächst als Geldkapital, aber
der Produktionsprozeß auf derselben Stufenleiter und mit der-
selben: Umschlagsperiode und der früheren Teilung derselben werde
fortgesetzt. Auch die jährliche Produktmasse bleibt dieselbe, aber
ihr Wert ist um die Hälfte gefallen. Weder eine Beschleunigung im
Umlauf noch eine Aenderung in der Masse des zirkulierenden Geldes
hat diesen Wechsel hervorgebracht, der auch von einem Wechsel in
Angebot und Nachfrage von Geldkapital begleitet ist. Umgekehrt:
Der Fall im Wert respektive Preis der Elemente des produktiven
Kapitals um die Hälfte hätte zuerst die Wirkung, daß ein um die
Hälfte verminderter Kapitalwert für das nach wie vor auf gleicher
Stufenleiter fortgeführte Geschäft X vorgeschossen, also auch nur
die Hälfte Geld von seiten des Geschäfts X auf den Markt zu werfen
wäre, da das Geschäft X diesen Kapitalwert zunächst in der Form
von Geld, das heißt als Geldkapital vorschießt. Die in Zirkulation
geworfene Geldmasse hätte abgenommen, weil die Preise der Produk-
tionselemente gefallen. Dies wäre die erste Wirkung.

Zweitens aber: Die Hälfte des ursprünglich vorgeschossenen
Kapitalwerts von 900 Pfd. Sterl, gleich 450 Pfd. Sterl., die a) ab-
wechselnd die Form von Geldkapital, produktivem Kapital und
Warenkapital durchlief, b) sich gleichzeitig beständig nebeneinander
        <pb n="291" />
        238

Zweiter Abschnitt
zum Teil in der Form von Geldkapital, zum Teil in der von produk-
tivem Kapital und zum Teil in der von Warenkapital befand, würde
ausgeschieden aus dem Kreislauf des Geschäfts X und daher als zu-
schüssiges Geldkapital auf den Geldmarkt treten, als zuschüssiger
Bestandteil auf ihn wirken. Diese freigesetzten 450 Pfd, Sterl. Geld
wirken als Geldkapital, nicht weil sie zur Betreibung des Geschäfts X
überschüssig gewordenes Geld sind, sondern weil sie Bestandteil des
Original-Kapitalwerts sind, daher als Kapital fortwirken und nicht
als bloßes Zirkulationsmittel verausgabt werden sollen. Die nächste
Form, sie als Kapital wirken zu lassen, ist, sie als Geldkapital auf den
Geldmarkt zu werfen. Anderseits könnte auch die Stufenleiter der
Produktion (abgesehen vom fixen Kapital) verdoppelt werden. Mit
demselben vorgeschossenen Kapital von 900 Pfd. Sterl. würde dann
ein Produktionsprozeß von doppeltem Umfang betrieben.

Stiegen anderseits die Preise der flüssigen Elemente des produk-
tiven Kapitals um die Hälfte, so wären statt 100 Pfad. Sterl. wöchent-
lich 150 Pfd. Sterl. nötig, also statt 900 Pfd. Sterl. vielmehr 1350 Pfd.
Sterl. 450 Pfd. Sterl. zuschüssiges Kapital wäre nötig, um das Ge-
schäft auf derselben Stufenleiter zu betreiben, und dies würde pro
banto, je nach dem Stand des Geldmarkts, einen größeren oder gerin-
geren Druck auf ihn ausüben. Wäre alles auf ihm disponible Kapital
schon verlangt, so entstände erhöhte Konkurrenz um disponibles
Kapital. Läge ein Teil desselben brach, so würde es pro tanto in
Aktivität [Tätigkeit] gerufen.

Aber es kann auch drittens, bei gegebener Stufenleiter der Pro-
duktion, gleichbleibender Umschlagsgeschwindigkeit und gleich-
bleibendem Preise der Elemente des flüssigen produktiven Kapitals,
der Preis der Produkte des Geschäfts X fallen oder steigen. Fällt der
Preis der vom Geschäft X gelieferten Waren, so sinkt der Preis
seines Warenkapitals von 600 Pfd. Sterl., die es beständig in Zirku-
lation warf, zum Beispiel auf 500 Pfd. Sterl. Ein Sechstel vom Wert
des vorgeschossenen Kapitals fließt also nicht aus dem Zirkulations-
prozeß zurück (der im Warenkapital steckende Mehrwert bleibt
hier außer Frage); es geht in demselben verloren. Aber da der Wert

respektive Preis der Produktionselemente derselbe bleibt, reicht
dieser Rückfluß von 500 Pfd. Sterl. nur hin, um °/s des beständig im
Produktionsprozeß beschäftigten Kapitals von 600 Pfd. Sterl. zu
ersetzen. Ks müßten also 100 Pfd. Sterl. zuschüssiges Geldkapital
verausgabt werden, um die Produktion auf derselben Stufenleiter
fortzusetzen.

Umgekehrt: Stiege der Preis der Produkte des Geschäfts X, so
der Preis des Warenkapitals von 600 Pfd. Sterl. auf zum Beispiel
700 Pfd. Sterl. Ein Siebentel seines Preises gleich 100 Pfd. Sterl.
kommt nicht aus dem Produktionsprozeß her, ist nicht in ihm vorge-
schossen worden, sondern fließt aus dem Zirkulationsprozeß her. Es
sind aber nur 600 Pfd. Sterl. nötig, um die produktiven Elemente zu
ersetzen; also Freisetzung von 100 Pfad. Sterl.
        <pb n="292" />
        Fünfzehntes Kapitel

239
Die Untersuchung der Ursachen, warum im ersten Fall die Um-
Schlagsperiode sich abkürzt oder verlängert, im zweiten Fall die
Preise von Rohmaterial und Arbeit, im dritten Fall die Preise der
gelieferten Produkte steigen oder fallen, gehört nicht in den Kreis
der bisherigen Untersuchung.

Was aber wohl hierher gehört, ist dies:

IL. Fall. Gleichbleibende Stufenleiter der Produktion,
gleichbleibende Preise der Produktionselemente und
Produkte, Wechsel in der Zirkulations- und daher der

Umschlagsperiode.

Nach Voraussetzung unseres Beispiels wird durch Verkürzung
der Zirkulationsperiode !,„ weniger vorgeschossenes Gesamtkapital
nötig, das letztere daher von 900 Pfd. Sterl. auf 800 Pfd. Sterl. redu-
ziert und 100 Pfd. Sterl. Geldkapital ausgeschieden.

Das Geschäft X liefert nach wie vor dasselbe sechswöchentliche
Produkt mit demselben Wert von 600 Pfd. Sterl., und da das ganze
Jahr hindurch ununterbrochen gearbeitet wird, liefert es in 51 Wochen
dieselbe Masse Produkt zum Wert von 5100 Pfd.Sterl. Also in bezug
auf die Massen und den Preis des Produkts, den das Geschäft in die
Zirkulation wirft, besteht keine Veränderung, auch nicht in bezug
auf die Termine, in welchen es das Produkt auf den Markt wirft.
Aber es sind 100 Pfd. Sterl. ausgeschieden, weil durch Verkürzung
der Zirkulationsperiode der Prozeß mit nur 800 Pfd. Sterl. Vorschuß-
kapital gesättigt ist, statt vorher mit 900 Pfd. Sterl.. Die 100 Pfd.
Sterl. ausgeschiedenes Kapital existieren in der Form von Geld-
kapital. Sie repräsentieren aber keineswegs den Teil des vorge-
schossenen Kapitals, der beständig in der Form von Geldkapital
fungieren müßte. Unterstellen wir, von dem vorgeschossenen flüssi:
gen Kapital I gleich 600 Pfd. Sterl. würden */; beständig in Produk-
tionsmaterialien ausgelegt, gleich 480 Pfd. Sterl., und '/3 gleich
120 Pfd. Sterl. in Arbeitslohn. Also wöchentlich 80 Pfd. Sterl.
in Produktionsstoffen, 20 Pfd. Sterl. in Arbeitslohn. Kapital II
gleich 300 Pfd. Sterl. muß also ebenfalls geteilt werden in
*/; gleich 240 Pfad. Sterl. für Produktionsstoffe und !/, gleich
60 Pfd. Sterl. für Arbeitslohn. Das in Arbeitslohn ausgelegte
Kapital muß stets in Geldform vorgeschossen werden. Sobald
das Warenprodukt zum Wertbetrag von 600 Pfd. Sterl. in Geld-
form rückverwandelt, verkauft ist, können davon 480 Pfd. Sterl
in Produktionsstoffe (in produktiven Vorrat) verwandelt werden,
aber 120 Pfd. Sterl. behalten ihre Geldform, um zur Zahlung
des Arbeitslohnes für 6 Wochen zu dienen. Diese 120 Pfd. Sterl. sind
das Minimum des zurückfließenden Kapitals von 600 Pfd. Sterl.,
Welches stets in der Form von Geldkapital erneuert und ersetzt
werden und daher stets als in Geldform fungierender Teil des vor-
geschossenen Kapitals vorhanden sein muß.

Das Kapital. II.
        <pb n="293" />
        240

Zweiter Abschnitt
Wenn nun von den periodisch für 3 Wochen freigesetzten und
ebenfails in 240 Pfd. Sterl. produktiven Vorrat und 60 Pfd. Sterl.
Arbeitslohn spaltbaren 300 Pid. Sterl. durch Verkürzung der Um-
laufszeit 100 Pfd. Sterl. in der Form von Geldkapital ausgeschieden,
ganz aus.dem Mechanismus des Umschlags herausgeworfen werden —
Wo kommt das Geld für diese 100 Pfd. Ster]. Geldkapital her? Nur
zum fünften Teil bestehen sie aus periodisch innerhalb der Umschläge
freigesetztem Geldkapital: Aber *, gleich 80 Pfd. Sterl. sind bereits
ersetzt durch zuschüssigen Produktionsvorrat zu demselben Wert.
In welcher Weise wird dieser zuschüssige Produktionsvorrat in Geld
verwandelt, und wo kommt das Geld zu diesem Umsatz her?

Ist die Verkürzung der Umlaufszeit einmal eingetreten, so werden

von den obigen 600 Pfd. Sterl. statt 480 Pfd. Sterl. nur 400 Pfd. Sterl.
in Produktionsvorrat rückverwandelt. Die übrigen 80 Pfd, Sterl.
werden in ihrer Geldform festgehalten und bilden mit den obigen
20 Pfd. Sterl. für Arbeitslohn die 100 Pfd. Sterl. ausgeschiedenes
Kapital. Obgleich diese 100 Pfd. Sterl. vermittels des Kaufs der
600 Pfd. Sterl. Warenkapital aus der Zirkulation herkommen und
ihr jetzt entzogen werden, indem sie nicht wieder in Arbeitslohn und
Produktionselementen ausgelegt werden, 8o ist nicht zu vergessen,
daß sie in Geldform wieder in derselben Form sind, worin sie ursprüng-
lich in die Zirkulation geworfen wurden. Anfänglich wurden 900 Pfd,
Sterl. Geld in Produktionsvorrat und Arbeitslohn ausgelegt. Um den-
selben Produktionsprozeß auszuführen, sind jetzt nur noch 800 Pfd.
Sterl. nötig. Die hiermit in Geldform ausgeschiedenen 100 Pfad.
Sterl. bilden jetzt ein neues Anlage suchendes Geldkapital, einen
neuen Bestandteil des Geldmarkts. Sie befanden sich zwar periodisch
schon früher in der Form von freigesetztem Geldkapital und von
zuschüssigem Produktivkapital, aber diese latenten Zustände selbst
waren Bedingung für die Ausführung, weil für die Kontinuität, des
Produktionsprozesses. Jetzt sind sie nicht mehr dazu nötig und
bilden deswegen neues Geldkapital und einen Bestandteil des Geld-
markts, obgleich sie durchaus weder ein zuschüssiges Element des
vorhandenen gesellschaftlichen Geldvorrats bilden (denn sie existier-
ten beim Beginn des Geschäfts und wurden durch es in die Zirku-
lation geworfen) noch einen neuakkumulierten Schatz.

Diese 100 Pfad. Sterl. sind jetzt in der Tat der Zirkulation ent-
zogen, Soweit sie ein Teil des vorgeschossenen Geldkapitals sind, der
nicht mehr in demselben Geschäft angewandt wird. Aber diese Ent-
ziehung ist nur möglich, weil die Verwandlung des Warenkapitals
in Geld und dieses Geldes in produktives Kapital, W’— G —W, um
eine Woche beschleunigt, also auch der Umlauf des in diesem Prozeß
tätigen Geldes beschleunigt ist. Sie sind ihr entzogen, weil sie nicht
mehr zum Umschlag des Kapitals X nötig.

Es ist hier angenommen, daß das vorgeschossene Kapital seinem
Anwender gehört. Wäre es geborgt, so änderte das nichts. Mit der
Verkürzung der Umlaufszeit hätte er statt 900 Pfd. Sterl. nur noch
        <pb n="294" />
        Fünfzehntes Kapitel

241
800.Pfd. Sterl. geborgtes Kapital nötig. 100 Pfd. Sterl. dem Borger
zurückgegeben, bilden nach wie vor 100 Pfd. Sterl. neues Geldkapital,
nur in der Hand von Y statt in der Hand von X. Erhält ferner
Kapitalist X seine Produktionsstoffe zum Wert von 480 Pfd. Sterl.
auf Kredit, so daß er nur 120 Pfa. Sterl. in Geld für Arbeitslohn
selbst vorzuschießen hat, so würde er jetzt für 80 Pfd. Sterl. weniger
Produktionsstoffe auf Kredit zu beziehen haben, diese also über-
sSchüssiges Warenkapital für den Kredit gebenden Kapitalisten bilden,
während Kapitalist X 20 Pfd. Sterl. in Geld ausgeschieden hätte.
Der zuschüssige Produktionsvorrat ist jetzt reduziert um ! /s. Er

war. als */, von 300 Pfd. Sterl., dem zuschüssigen Kapital IT, gleich
240 Pfd. Sterl., er ist jetzt nur gleich 160 Pfd. Sterl., das heißt
zuschüssiger Vorrat für 2 Wochen statt für 3. Er wird jetzt alle
2 Wochen erneuert statt alle 3, aber auch nur für 2 Wochen
statt für 3. Die Einkäufe, zum Beispiel auf dem Baumwollmarkt,
wiederholen sich so häufiger und in kleineren Portionen. Dieselbe
Portion Baumwolle wird dem Markt entzogen, denn die Masse des
Produkts bleibt gleich. Aber die Entziehung verteilt sich anders
in der Zeit und über mehr Zeit. Nehmen wir zum Beispiel an,
es handle sich ursprünglich um eine Erneuerung des Produktions-
vorrats alle 3 Monate und um spätere Verkürzung der Zeit der
Erneuerung auf 2 Monate*%c; der Jahreskonsum an Baumwolle sei
1200 Ballen. Im ersten Fall werden verkauft:

1. Januar 300 Ballen, bleiben auf Lager 900 Ballen

1. April 300 ” ” »” ” 600 2

L. Juli 300 ” 5 „300

1. Oktober 300 i ” y u 0

Zi

Dagegen im zweiten Fall:

1. Januar verkauft 200, auf Lager 1000 Ballen

1. März „200, „ „800

1. Mai % 200, ,, » 600

L. Juli „ 200, ,, % 400

L. September ‚,, 200, ” 200

1. November ,, 200, &amp; 0
Also ıließt das in Baumwolle angelegte Geld erst einen Monat später
vollständig zurück, im November statt im Oktober. Wenn also
durch die Verkürzung der Umlaufszeit und damit des Umschlags
'/a des vorgeschossenen Kapitals gleich 100 Pfd. Sterl. ausgeschieden
wird in der Form von Geldkapital, und wenn diese 100 Pfd. Sterl.
sich zusammensetzen aus 20 Pfd. Sterl. periodisch überschüssigem
Geldkapital für Zahlung des Wochenlohnes und aus 80 Pfd. Sterl.,
die als periodisch überschüssiger Produktionsvorrat für eine Woche
existierten — so entspricht mit Bezug auf diese 80 Pfd. Sterl. dem

10 In der Engelsschen Ausgabe lautet der Satz: „Nehmen wir zum
Beispiel an, es handle sich um 3 Monate und um 2.“ K.
        <pb n="295" />
        242

Zweiter Abschnitt
verringerten. überschüssigen Produktionsvorrat auf Seite des Fabri-
kanten der vergrößerte Warenvorrat auf Seite des Baumwollhändlers.
Dieselbe Baumwolle liegt ebenso viel länger auf seinem Lager als
Ware, als sie kürzer auf dem Lager des Fabrikanten als Produktions-
vorrat liegt..

Bisher nahmen wir an, die Verkürzung der Umlaufszeit im Ge-
schäft X rühre daher, daß X seine Ware rascher verkauft oder bezahlt
erhält, respektive bei Kredit der Zahlungstermin verkürzt wird.
Diese Verkürzung ist also abgeleitet aus einer Verkürzung des Ver-
kaufs der Ware, der Verwandlung von Warenkapital in Geldkapital,
W’— G, der ersten Phase des Zirkulationsprozesses. Sie könnte auch
entspringen aus der zweiten Phase G—W und daher aus gleich-
zeitiger Aenderung, sei es in der Arbeitsperiode, sei es in der Umlaufs-
zeit der Kapitale Y, Z etc., die dem Kapitalisten X. die Produktions-
elemente seines flüssigen Kapitals liefern.

Zum Beispiel, wenn Baumwolle, Kohle ete. bei dem alten Trans-
port 3 Wochen auf Reisen sind von ihrem Produktions- oder Stapel-
platz bis zum Sitz der Produktionsstätte des Kapitalisten X, so muß
das Minimum des Produktionsvorrats von X bis zur Ankunft neuer
Vorräte wenigstens für 3 Wochen reichen. Solange Baumwolle und
Kohle sich auf Reisen befinden, können sie nicht als Produktions-
mittel dienen, Sie bilden jetzt vielmehr einen Arbeitsgegenstand der
Transportindustrie und des darin beschäftigten Kapitals und in

seiner Zirkulation befindliches Warenkapital für. den Kohlenprodu-
zenten oder den Baumwollenverkäufer. Bei verbessertem Transport
reduziere sich die Reise auf 2 Wochen. So kann der Produktions-
vorrat aus einem dreiwöchentlichen sich in einen zweiwöchentlichen
verwandeln, Damit wird das hierfür vorgeschossene Zuschußkapital
von 80 Pfd. Sterl. freigesetzt und. ebenso das von 20 Pfd. Sterl. für
Arbeitslohn, weil das umgeschlagene Kapital von 600 Pfd. Sterl. eine
Woche früher zurückfließt.

Anderseits, wenn zum Beispiel die Arbeitsperiode des Kapitals,
das den Rohstoff liefert, sich verkürzt (wovon Beispiele in den vorigen
Kapiteln gegeben), also auch die Möglichkeit, den Rohstoff zu er-
neuern, kann der produktive Vorraf$ sich vermindern, der Zeitraum
von einer Erneuerungsperiode bis zur andern sich verkürzen.

Wenn umgekehrt die Umlaufszeit und daher die Umschlags-
periode sich verlängert, so ist Vorschuß von zuschüssigem Kapital
nötig. Aus der Tasche des Kapitalisten selbst, wenn er zuschüssiges
Kapital besitzt. ‚Dies wird dann aber in irgendeiner Form angelegt
sein, als Teil des Geldmarkts; um es disponibel zu machen, muß es
aus der alten Form losgeschält, zum Beispiel Aktien verkauft, De-
positen entzogen werden, so daß auch hier indirekte Wirkung auf den
Geldmarkt eintritt. Oder er muß es aufnehmen. Was den für Arbeits-
lohn nötigen Teil des zuschüssigen Kapitals betrifft, so ist er unter
normalen Umständen stets als Geldkapital Vorzuschießen, und hier-
für übt der Kapitalist X seinen Anteil direkten Drucks auf den Geld-
        <pb n="296" />
        Fünfzehntes Kapitel

243
markt aus, Für den in Produktionsstoffen anzulegenden Teil ist dies
nur dann unerläßlich, wenn er sie bar zahlen muß. Kann er sie auf
Kredit erhalten, so übt dies keinen direkten Einfluß auf den Geld-
markt, da das zuschüssige Kapital dann direkt als Produktionsvorrat
und nicht in erster Instanz als Geldkapital vorgeschossen wird,
Sofern sein Kreditgeber etwa den von X erhaltenen Wechsel wieder
direkt auf den Geldmarkt wirft, ihn diskontieren läßt [vor der Verfall-
zeit verkauft] ete., würde dies indirekt, durch zweite Hand auf den
Geldmarkt wirken. Benutzt er aber diesen Wechsel, um damit zum
Beispiel eine später abzutragende Schuld zu decken, so wirkt dies
zuschüssig vorgeschossene Kapital weder direkt noch indirekt auf
den Geldmarkt.

IL. Fall. Preiswechsel der Produktionsstoffe, alle

andern Umstände unverändert.

Wir nahmen eben an, daß das Gesamtkapital von 900 Pfd. Sterl.
ausgelegt wird zu */, gleich 720 Pfd. Sterl. in Produktionsstoffen und
zu ’/, gleich 180 Pfd. Sterl. in Arbeitslohn.

Fallen die Produktionsstoffe um die Hälfte, so erfordern sie für
die sechswöchentliche Arbeitsperiode nur 240 Pfd. Sterl. statt 480 Pfd.
Sterl. und für das Zusatzkapital Nr. II nur 120 Pfd. Sterl. statt
240 Pfd. Sterl. Kapital I wird also reduziert von 600 Pfad. Sterl. auf
240 [für Produktionsstoffe] + 120 [für Arbeitslohn] == 360 Pfd. Sterl.
und Kapital II von 300 Pfd. Sterl. auf 120 [für Produktionsstoffe] + 60
[für Arbeitslohn] = 180 Pfd. Sterl. Das Gesamtkapital von 900 Pfd.
Sterl. auf 360 + 180 = 540 Pfd. Sterl. Es werden alco ausgeschieden
360 Pfd. Sterl.

Dies ausgeschiedene und jetzt unbeschäftigte, daher auf dem
Geldmarkt Anlage suchende Kapital, Geldkapital, ist nichts als ein
Stück des ursprünglich als Geldkapital vorgeschossenen Kapitals von
300 Pfd. Sterl., das durch den Preisfall der Produktionselemente,
worin es periodisch rückverwandelt, überflüssig geworden ist, soll das
Geschäft nicht erweitert, sondern auf der alten Stufenleiter fortge-
setzt werden. Wäre dieser Preisfall nicht zufälligen Umständen
geschuldet (besonders reicher Ernte, Ueberzufuhr ete.), sondern einer
Vermehrung der Produktivkraft in dem Zweig, der den Rohstoff
liefert, so wäre dies Geldkapital ein absoluter Zuschuß zum Geld-
Markt, überhaupt zu dem in der Form von Geldkapital disponiblen
Kapital, weil es keinen integrierenden [unbedingt notwendigen] Be-
standteil des bereits angewandten Kapitals mehr bildete.

IH. Fall. Preiswechselim Marktpreis des Produkts selbst.

Hier geht bei Fall des Preises ein Teil des Kapitals verloren und
muß daher durch neuen Vorschuß von Geldkapital ersetzt werden.
Dieser Verlust des Verkäufers mag wiedergewonnen werden durch
den Käufer. Direkt, wenn das Produkt nur durch zufällige Kon-
junkturen in seinem Marktpreis gefallen und nachher wieder auf
        <pb n="297" />
        244

Zweiter Abschnitt
seinen normalen Preis steigt, Indirekt, wenn der Preiswechsel durch
Wertwechsel hervorgebracht ist, der auf das alte Produkt reagiert,
und wenn dies Produkt wieder als Produktionselement in eine andere
Produktionssphäre eingeht und hier pro tanto Kapital freisetzt. In
beiden Fällen kann das für X verlorene Kapital, für dessen Ersatz
er auf den Geldmarkt drückt, von seinen Geschäftsfreunden als neues
zuschüssiges Kapital zugeführt sein. Es findet dann nur Ueber-
tragung statt.

Steigt umgekehrt der Preis des Produkts, so wird ein Kapital-
teil, der nicht vorgeschossen war, aus der Zirkulation angeeignet.
Es ist kein organischer Teil des im Produktionsprozeß vorgeschosse-
nen Kapitals und bildet daher, wenn die Produktion nicht ausge-
dehnt wird, ausgeschiedenes Geldkapital. Da hier angenommen, daß
die Preise der Elemente des Produkts gegeben waren, bevor es als
Warenkapital auf den Markt’trat, so könnte hier ein wirklicher Wert-
wechsel die Preiserhöhung verursacht haben, soweit er retroaktiv
wirkte [zurückwirkte], zum Beispiel die Rohmaterialien nachträglich
gestiegen wären. In diesem Falle gewänne der Kapitalist X an
seinem als Warenkapital zirkulierenden Produkt und an seinem
vorhandenen Produktionsvorrat. Dieser Gewinn würde ihm ein
Zuschußkapital liefern, das bei den neuen erhöhten Preisen der Pro-
duktionselemente zum Fortbetrieb seines Geschäfts jetzt nötig wird.

Oder aber die Preiserhöhung ist nur vorübergehend. Was dann
auf Seite des Kapitalisten X als zuschüssiges Kapital nötig wird,
fällt auf anderer Seite als freigesetztes aus, soweit sein Produkt ein
Produktionselement für andere Geschäftszweige bildet. Was der
eine verloren, hat der andere gewonnen.

Sechzehntes Kapitel.

Der Umschlag des variablen Kapitals.
I. Die Jahresrate des Mehrwerts.

Unterstellen wir ein zirkulierendes Kapital von 2500 Pfad. Sterl.,
und zwar */; gleich 2000 Pfd. Sterl. konstantes Kapital (Produktions-
stoffe) und !/; gleich 500 Pfd.Sterl. variables, in Arbeitslohn ausgelegtes
Kapital.

Die Umschlagsperiode sei gleich 5 Wochen, die Arbeitsperiode
gleich 4 Wochen, die Zirkulationsperiode gleich 1 Woche. Dann ist
Kapital I gleich 2000 Pfd. Sterl., bestehend aus 1600 Pfd. Sterl. kon-
stantem Kapital und 400 Pfd. Sterl. variablem Kapital; Kapital II
gleich 500 Pfd. Sterl., davon 400 Pfd. Sterl. konstant und 100 Pfd. Sterl.
variabel. In jeder Arbeitswoche wird ein Kapital von 500 Pfd.
Sterl. ausgelegt. In einem Jahr von 50 Wochen wird ein Jahres-
produkt von 50 x 500 = 25 000 Pfd. Sterl. hergestellt. Das be-
ständig in einer Arbeitsperiode angewandte Kapital I von 2000 Pfd.
Sterl. schlägt also 12'/2 mal um. 12'/2 X 2000 = 25000 Pfd. Sterl.
Von diesen 25 000 Pfd. Sterl. sind */; gleich 20000 Pfd. Sterl. konstan-
        <pb n="298" />
        Sechzehntes Kapitel

245
tes, in Produktionsmitteln ausgelegtes Kapital und !/, gleich 5000 Pfd.
Sterl. variables, in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital. Dagegen schlägt
das Gesamtkapital von 2500 Pfd. Sterl. 52° = 10 mal um.

Das während der Produktion verausgabte variable zirkulierende
Kapital kann nur von neuem im Zirkulationsprozeß dienen, soweit
das Produkt, worin sein Wert reproduziert ist, verkauft, aus Waren-
kapital in Geldkapital verwandelt ist, um von neuem in Zahlung
von Arbeitskraft ausgelegt zu werden. Aber ebenso verhält es
sich mit dem in der Produktion ausgelegten konstanten zirkulieren-
den Kapital (den Produktionsstoffen), deren Wert als Wertteil im
Produkt wieder erscheint. Was diese beiden Teile — der variable
und der konstante Teil des zirkulierenden Kapitals — gemein
haben und was sie unterscheidet vom fixen Kapital, ist nicht, daß
ihr auf das Produkt übertragener Wert durch das Warenkapital
zirkuliert wird, das heißt durch die Zirkulation des Produkts als
Ware zirkuliert. Ein Wertteil des Produkts und daher des als Ware
zirkulierenden Produkts, des Warenkapitals, besteht immer aus
dem Verschleiß des fixen Kapitals oder dem Wertteil des fixen
Kapitals, den es während der Produktion auf das Produkt über-
tragen hat. Aber der Unterschied ist: Das fixe Kapital fährt fort,
in seiner alten Gebrauchsgestalt im Produktionsprozeß zu fungieren
während eines längeren oder kürzeren Zyklus von Umschlagsperioden
des zirkulierenden. Kapitals (gleich zirkulierendem konstantem plus
zirkulierendem variablem Kapital), während jeder einzelne Umschlag
den Ersatz des gesamten aus der Produktionssphäre — in der
Gestalt von Warenkapital — in die Zirkulationssphäre eingetretenen
zirkulierenden Kapitals zur Bedingung hat. Die erste Phase der
Zirkulation W’— G' haben flüssiges konstantes und flüssiges
variables Kapital gemein. In der zweiten Phase trennen sie sich.
Das Geld, worin die Ware rückverwandelt ist, wird zu einem Teil in
Produktionsvorrat umgesetzt (zirkulierendes konstantes Kapital).
Je nach den verschiedenen Kaufterminen der Bestandteile desselben
mag ein Teil früher, der andere später aus Geld in Produktionsstoffe
umgesetzt werden, Schließlich aber geht er ganz darin auf. Ein
anderer Teil des aus dem Verkauf der Ware gelösten Geldes bleibt
liegen als Geldvorrat, um nach und nach in Zahlung der dem Produk-
btionsprozeß einverleibten Arbeitskraft verausgabt zu werden. Er
bildet das zirkulierende variable Kapital. _Nichtsdestoweniger
kommt der ganze Ersatz des einen oder andern Teils jedesmal aus
dem Umschlag des Kapitals, seiner Verwandlung in Produkt, aus
Produkt in Ware, aus Ware in Geld her. Dies ist der Grund, warum
im vorigen. Kapitel, ohne Rücksicht auf das fixe Kapital, der Um-
schlag des zirkulierenden Kapitals — konstanten und variablen —
besonders und gemeinsam behandelt worden ist.

Für die Frage, die wir jetzt zu behandeln haben, müssen wir
einen Schritt weitergehen und den variablen Teil des zirkulierenden
        <pb n="299" />
        246

Zweiter Abschnitt
Kapitals so behandeln, als ob er ausschließlich das zirkulierende
Kapital bilde, Das heißt, wir sehen ab von dem konstanten zirku-
lierenden Kapital, das zusammen mit ihm umeschlägt.

Es sind vorgeschossen 2500 Pfd. Sterl., und der Wert des
Jahresprodukts ist gleich 25 000 Pfd., Sterl. Aber der variable Teil des
zirkulierenden Kapitals ist 500 Pfd. Sterl., daher das in 25 000 Pfd.
Sterl. enthaltene variable Kapital gleich ZOO = 5000 Pfd. Sterl.
Dividieren wir die 5000 Pfd. Sterl. durch 500, so erhalten wir die
Umschlagszahl 10, ganz wie beim Gesamtkapital von 2500 Pfd. Sterl.

Diese Durchschnittsrechnung, wonach der Wert des Jahres-
produkts dividiert wird durch den Wert des vorgeschossenen
Kapitals und nicht durch den Wert des beständig in einer Arbeits-
periode angewandten Teils dieses Kapitals (also hier nicht durch
400, sondern 500, nicht durch Kapital I, sondern durch Kapital I
plus Kapital IT), ist hier, wo es sich nur um Produktion des Mehr-
werts handelt, absolut exakt [genau]. Man wird später sehen, daß
sie unter anderm Gesichtspunkt nicht ganz exakt ist, wie über-
haupt diese Durchschnittsrechnung nicht ganz exakt ist. Das heißt,
sie genügt für die praktischen Zwecke des Kapitalisten, aber sie
drückt nicht alle realen Umstände des Umschlags exakt oder an-
gemessen. aus.

Wir haben bisher von einem Wertteil des Warenkapitals ganz
abgesehen, nämlich von dem in ihm steckenden Mehrwert, der
während des Produktionsprozesses produziert und dem Produkt
einverleibt worden ist. Hierauf haben wir jetzt unser Augenmerk
zu richten.

Gesetzt, das wöchentlich ausgelegte variable Kapital von
L00 Pfd. Sterl. produziert einen Mehrwert von 100°, gleich 100 Pfad.
Sterl., so produziert das in der Umschlagsperiode von 5 Wochen
ausgelegte‘ variable Kapital von 500 Pfd. Sterl. einen Mehrwert
von 500 Pfd. Sterl., das heißt, eine Hälfte des Arbeitstages besteht
aus Mehrarbeit.

Wenn aber 500 Pfd. Sterl. variables Kapital 500 Pfd. Sterl.,
so produzieren 5000 einen Mehrwert von 10 x 500 = 5000 Pfd.
Sterl. Das vorgeschossene variable Kapital ist aber gleich 500 Pfd.
Sterl. Das Verhältnis der während des Jahres produzierten Gesamt-
masse von Mehrwert zu der Wertsumme des vorgeschossenen
variablen Kapitals nennen wir die Jahresrate des Mehrwerts.. Diese
ist also im vorliegenden Fall gleich 5° — 1000 %. Analysieren wir
diese Rate näher, so zeigt sich, daß sie gleich ist der Rate des Mehr-
werts, die das vorgeschossene variable Kapital während einer
Umschlagsperiode produziert, multipliziert mit der Anzahl der Um-
schläge des variablen Kapitals (die mit der Anzahl der Umsehläge
des ganzen zirkulierenden Kapitals zusammenfällt).

Das während einer Umschlagsperiode vorgeschossene variable
Kapital ist im vorliegenden Fall gleich 500 Pfd. Sterl.; der darin
        <pb n="300" />
        Sechzehntes Kapitel

247
erzeugte Mehrwert ebenfalls gleich 500 Pfd. Sterl. Die Rate des
Mehrwerts während einer Umschlagsperiode ist daher gleich 52m
= 100%. Diese 100% multipliziert mit 10, der Anzahl der Um-
schläge im Jahr, gibt ZW" — 1000 %.

Dies gilt für die Jahresrate des Mehrwerts. Was aber die
Masse des Mehrwerts anbetrifft, die während einer bestimmten
Umschlagsperiode erzielt wird, so ist diese Masse gleich dem Wert
des während dieser Periode vorgeschossenen variablen Kapitals,
hier gleich 500 Pfd. Sterl., multipliziert mit der Rate des Mehrwerts,
hier also 500 x % = 500 X 1 = 500 Pfd, Sterl. Wäre das vor-
geschossene Kapital gleich 1500 Pfd. Sterl. bei gleicher Rate des Mehr-
werts, so die Masse des Mehrwerts gleich 1500 x 7% = 1500Pfd. Sterl.

Das variable Kapital von 500 Pfd. Sterl., welches zehnmal im
Jahr umschlägt, innerhalb des Jahres einen Mehrwert von 5000 Pfd.
Sterl. produziert, für welches die Jahresrate des Mehrwerts also
gleich 1000 °% % ist, wollen wir Kapital A nennen.

Unterstellen wir nun, daß ein anderes variables Kapital B von
5000 Pfd. Sterl. für ein ganzes Jahr (das heißt hier für 50 Wochen)
vorgeschossen wird und daher nur einmal im Jahr umschlägt.
Wir unterstellen dabei ferner, daß Ende des Jahres das Produkt am
selben Tage bezahlt wird, wo es fertig, also das Geldkapital, worin
es verwandelt, am selben Tag zurückfließt. Die Zirkulationsperiode
ist also hier gleich Null, die Umschlagsperiode gleich der Arbeits-
periode, nämlich gleich 1 Jahr. Wie im vorigen Fall befindet sich
im Arbeitsprozeß jede Woche ein variables Kapital von 100 Pfd.
Sterl., daher in 50 Wochen von 5000 Pfd. Sterl. Die Rate des Mehr-
werts sei ferner dieselbe, gleich 100 %, das heißt, bei gleicher Länge
des Arbeitstages bestehe die Hälfte aus Mehrarbeit. Betrachten wir
5 Wochen, 80 ist das angelegte variable Kapital gleich 500 Pfd. Sterl.,
Rate des Mehrwerts gleich 100 %, die während der 5 Wochen er-
zeugte Masse des Mehrwerts also gleich 500 Pfd. Sterl. Die Masse
der Arbeitskraft, die hier exploitiert [ausgebeutet] wird, und der
Exploitationsgrad derselben sind hier nach der Voraussetzung exakt
gleich denen von Kapital A.

In je einer Woche erzeugt das angelegte variable Kapital von
100 Pfd. Sterl. einen Mehrwert von 100 Pfd. Sterl., in 50 Wochen
daher das angelegte Kapital von 50 x 100 — 5000 Pfd. Sterl.
einen Mehrwert von 5000 Pfd. Sterl. Die Masse des jährlich produ-
zierten Mehrwerts ist dieselbe wie im vorigen Fall, gleich 5000 Pfd.
Sterl., aber die Jahresrate des Mehrwerts ist durchaus verschieden,
Sie ist gleich dem während des Jahres produzierten Mehrwert,
dividiert durch das vorgeschossene variable Kapital: #0." = 100%,
während sie vorher für Kapital A gleich 1000 % war.

Bei Kapital A wie bei Kapital B haben wir wöchentlich 100 Pfd.
Sterl. variables Kapital verausgabt; der Verwertungsgrad oder die
Rate des Mehrwerts ist ebenso dieselbe, gleich 100 %, ; die Größe des
        <pb n="301" />
        Zweiter Abschnitt
variablen Kapitals ist auch dieselbe, gleich 100 Pfd. Sterl. Es wird
dieselbe Masse Arbeitskraft exploitiert, die Größe und der Grad
der Exploitation sind in beiden Fällen dieselben, die Arbeitstage
sind gleich und gleich geteilt in notwendige Arbeit und Mehrarbeit.
Die während des Jahres angewandte variable Kapitalsumme ist
gleich groß, gleich 5000 Pfad. Sterl., setzt dieselbe Masse von Arbeit
in Bewegung und extrahiert [zieht] aus der von den beiden gleichen
Kapitalen in Bewegung gesetzten Arbeitskraft dieselbe Masse Mehr-
wert, 5000 Pfd. Sterl. Dennoch ist in der J ahresrate des Mehrwerts
von A und B eine Differenz von 900 vB

Dies Phänomen sieht allerdings danach aus, als hinge die Rate
des Mehrwerts nicht nur ab von der Masse und dem Exploitations-
grad der vom variablen Kapital in Bewegung gesetzten Arbeitskraft,
sondern außerdem von aus dem Zirkulationsprozeß entspringenden
unerklärlichen Einflüssen; und. in der Tat ist dies Phänomen so
gedeutet worden und hat, wenn auch nicht in dieser seiner reinen,
sondern in seiner komplizierteren und versteckteren Form (der der
jährlichen Profitrate), eine völlige Deroute [Auflösung] in der
Ricardoschen Schule seit Anfang der 20er Jahre hervorgerufen,

Das Wunderliche des Phänomens verschwindet sofort, wenn
wir nicht nur scheinbar, sondern wirklich Kapital A und Kapital B
unter exakt dieselben Umstände stellen. Dieselben Umstände finden
nur statt, wenn das variable Kapital B in demselben Zeitraum
seinem ganzen Umfang nach zur Zahlung von Arbeitskraft ver-
ausgabt wird wie Kapital A.

Die 5000 Pfd. Sterl. Kapital B werden dann ausgelegt in fünf
Wochen, per Woche 1000 Pfd. Sterl. gibt für das Jahr eine Auslage
von 50000 Pfd. Sterl. Der Mehrwert ist dann ebenfalls unter
unserer Voraussetzung gleich 50 000 Pfd. Sterl. Das umgeschlagene
Kapital gleich 50000 Pfd. Sterl., dividiert durch das vorgeschossene
Kapital gleich 5000 Pfd. Sterl. ergibt die Anzahl der Umschläge
gleich 10. Die Rate des Mehrwerts gleich 00 = 100%, multipliziert
mit der Zahl der Umschläge gleich 10, ergibt die Jahresrate des
Mehrwerts gleich SE = 2 =1000%. Jetzt sind also die Jahres-
raten des Mehrwerts für A und B gleich, nämlich 1000 %, aber
die Massen des Mehrwerts sind: für B 50000 Pfd. Sterl., für A
5000 Pfd. Sterl; die Massen des produzierten Mehrwerts verhalten
sich jetzt wie die vorgeschossenen Kapitalwerte B und A, näm-

lich wie 5000 : 500 = 10 :1. Dafür hat aber auch Kapital B
zehnmal soviel Arbeitskraft in derselben Zeit in Bewegung gesetzt
wie Kapital A.

Es ist nur das im Arbeitsprozeß wirklich angewandte Kapital,
welches den Mehrwert erzeugt und für welches alle über den
Mehrwert gegebenen Gesetze gelten, also auch das Gesetz, daß bei
gegebener Rate die Masse des Mehrwerts durch die relative Größe
des variablen Kapitals bestimmt ist.

248
        <pb n="302" />
        Sechzehntes Kapitel

249
Der Arbeitsprozeß selbst ist gemessen durch die Zeit. ‘Länge
des Arbeitstages gegeben (wie hier, wo wir alle Umstände zwischen
Kapital A und Kapital B gleichsetzen, um die Differenz in der
Jahresrate des Mehrwerts in klares Licht zu stellen), besteht die
Arbeitswoche aus bestimmter Zahl Arbeitstage. Oder wir können
irgendeine Arbeitsperiode, zum Beispiel hier fünfwöchentliche, als
einen einzigen Arbeitstag, von 300 Stunden zum Beispiel, betrachten,
wenn der Arbeitstag gleich 10 Stunden und die Woche gleich
6 Arbeitstagen. Ferner aber müssen wir diese Zahl multiplizieren
mit der Anzahl der Arbeiter, die jeden Tag gleichzeitig in demselben
Arbeitsprozesse gemeinsam angewandt werden. Wäre diese Zahl
zum Beispiel 10, so die der Wochentage gleich 60 x 10 = 600
Stunden und eine fünfwöchentliche Arbeitsperiode gleich 600 X 5
= 3000 Stunden. Gleich große variable Kapitale sind also an-
gewandt bei gleich großer Rate des Mehrwerts und bei glei-
cher Länge des Arbeitstages, wenn gleich große Massen Arbeits-
kraft (eine Arbeitskraft vom selben Preis multipliziert mit der-
selben Anzahl) in demselben Zeittermin in Bewegung gesetzt
werden.

Kehren wir nun zu unsern ursprünglichen Beispielen zurück.
In beiden Fällen A und B werden gleich große variable Kapitale,
100 Pfd. Sterl. per Woche, während jeder Woche des Jahres an-
gewandt. Die angewandten, im Arbeitsprozeß wirklich fungierenden
variablen Kapitale sind daher gleich, aber die vorgeschossenen
variablen Kapitale sind durchaus ungleich. Sub A sind für je
5 Wochen 500 Pfd. Sterl. vorgeschossen, von denen in jeder Woche
100 Pfd. Sterl. angewandt werden. Sub B sind für die erste fünf-
wöchentliche Periode 5000 Pfd. Sterl. vorzuschießen, von denen
aber nur 100 Pfd. Sterl. pro Woche, in den 5 Wochen daher nur
500 Pfd. Sterl. gleich !/,9 des vorgeschossenen Kapitals angewandt
werden. In der zweiten fünfwöchentlichen Periode sind 4500 Pfad.
Sterl. vorzuschießen, aber nur 500 Pfd. Sterl, angewandt usw.
Das für eine bestimmte Zeitperiode vorgeschossene variable Kapital
verwandelt sich nur in angewandtes, also wirklich fungierendes
und wirkendes variables Kapital in dem Maß, wie es wirklich in die
vom Arbeitsprozeß erfüllten Abschnitte jener Zeitperiode eintritt,
im Arbeitsprozeß wirklich fungiert. In der Zwischenzeit, worin
ein Teil davon vorgeschossen wird, um erst in einem späteren
Zeitabschnitt angewandt zu werden, ist dieser Teil so gut wie nicht
vorhanden für den Arbeitsprozeß und hat daher keinen Einfluß,
weder auf Wert- noch Mehrwertbildung. Zum Beispiel beim
Kapital A von 500 Pfd. Sterl. Es ist für 5 Wochen vorgeschossen,
aber jede Woche gehen nur 100 Pfd. Sterl. davon sukzessive in
den Arbeitsprozeß ein. Inder ersten Woche wird !/s davon an-
gewandt; */, sind vorgeschossen, ohne angewandt zu werden, ob-
gleich sie für die Arbeitsprozesse der 4 folgenden Wochen vorrätig
und daher vorgeschossen sein müssen.
        <pb n="303" />
        350
Zweiter Abschnitt
Die Umstände, welche das Verhältnis zwischen dem vorge-

schossenen und angewandten variablen Kapital differenzieren, wirken
auf die Produktion von Mehrwert — bei gegebener Rate des Mehr-
werts — nur insofern und nur dadurch ein, daß sie das Quantum
variablen Kapitals differenzieren, welches in einer bestimmten
Zeitperiode, zum Beispiel in 1 Woche, 5 Wochen efc., wirklich
angewandt werden kann Das vorgeschossene variable Kapital
fungiert nur als variables Kapital, soweit wie und während der
Zeit, worin es wirklich angewandt wird, nicht während der Zeit,
worin es vorrätig vorgeschossen bleibt, ohne angewandt zu werden.
Alle Umstände aber, welche das Verhäl tnis zwischen vorgeschossenem
und angewandtem variablem Kapital differenzieren, fassen sich
zusammen in der Differenz der Umschlagsperioden (bestimmt
durch Differenz, sei es der Arbeitsperiode, sei es der Zirkulations-
periode, sei es beider). Das Gesetz der Mehrwertsproduktion ist,
daß bei gleicher Rate des Mehrwerts gleiche Massen von fun-
gierendem variablem Kapital gleiche Massen Mehrwert erzeugen.
Werden also von den Kapitalen A und B in gleichen Zeit-
abschnitten bei gleicher Mehrwertsrate gleiche Massen variables
Kapital angewandt, so müssen gie in denselben Zeiträumen gleiche
Massen Mehrwert erzeugen, wie verschieden immer das Verhältnis
dieses in bestimmtem Zeitraum angewandten variablen Kapitals
zu dem während desselben Zeitraums vorgeschossenen variablen
Kapital sei, wie verschieden daher auch das Verhältnis der erzeugten
Mehrwertmassen nicht zu dem angewandten, sondern zu dem über-
haupt vorgeschossenen variablen Kapital sei. Die Verschiedenheit
dieses Verhältnisses, statt den über die Produktion des Mehrwerts
entwickelten Gesetzen zu widersprechen, bestätigt sie vielmehr
und ist eine unerläßliche Konsequenz derselben.
Betrachten wir den ersten fünfwöchentlichen Produktionsab-
schnitt von Kapital B. Ende der 5. Woche sind 500 Pfd. Sterl.
angewandt und aufgezehrt. Das Wertprodukt ist gleich 1000 Pfd.
Sterl., also 2. — 100%. Ganz wie bei Kapital A. Daß bei
Kapital A der Mehrwert nebst dem vorgeschossenen Kapital
realisiert ist, bei B nicht, geht uns hier noch nichts an, wo es
sich nur noch um die Produktion des Mehrwerts und um sein
Verhältnis zu dem während seiner Produktion vorgeschossenen
variablen Kapital handelt. Berechnen wir dagegen das Verhältnis
des Mehrwerts in B nicht zu dem während seiner Produktion an-
gewandten und daher aufgezehrten Teil des vorgeschossenen
Kapitals von 5000 Pfd. Sterl., sondern zu diesem vorgeschossenen
Gesamtkapital selbst, so erhalten wir 000 = 4 = 10%. Alto
für Kapital B 10 % und für Kapital A 100 %; das heißt zehnmal
mehr. Würde hier gesagt: Diese Differenz in der Rate des Mehr-
werts für gleich große Kapitale, die ein gleiches Quantum Arbeit
in Bewegung gesetzt haben, und zwar Arbeit, die sich zu gleichen
        <pb n="304" />
        Sechzehntes Kapitel

251
Teilen in bezahlte und unbezahlte Arbeit scheidet, widerspricht
den Gesetzen über die Produktion des Mehrwerts — so wäre die
Antwort einfach und durch den bloßen Anblick der faktischen Ver-
hältnisse gegeben: Sub [bei] A drückt ihr die wirkliche Rate des
Mehrwerts aus, das heißt das Verhältnis des während 5 Wochen
von einem variablen Kapital von 500 Pfd. Sterl. produzierten
Mehrwerts zu diesem variablen Kapital von 500 Pfd. Sterl. Sub B
dagegen wird in einer Art gerechnet, die nichts zu tun hat weder
mit der Produktion des Mehrwerts noch mit der ihr entsprechenden
Bestimmung der Rate des Mehrwerts, Die 500 Pfd. Sterl. Mehr-
wert, die mit einem variablen Kapital von 500 Pfd. Sterl. produziert
worden sind, werden nämlich nicht berechnet mit Bezug auf die
500 Pfd. Sterl. variables Kapital, das während ihrer Produktion
vorgeschossen wird, sondern auf ein Kapital von 5000 Pfd. Sterl.,
Wovon */,0, 4500 Pfd. Sterl., mit der Produktion dieses Mehrwerts
von 500 Pfd. Sterl. gar nichts zu tun haben, vielmehr erst all-
mählich im Verlauf der folgenden 45 Wochen fungieren. sollen, also
gar nicht existieren für die Produktion der ersten 5 Wochen, um die
88 sich hier allein handelt. In diesem Fall also bildet die Differenz
in der Rate des Mehrwerts von A und B gar kein Problem.

Vergleichen wir nun die Jahresraten des Mehrwerts für die
Kapitale B und A. Für Kapital B haben wir %%m — 100%; für
Kapital A 705 = 1000 %. Aber das Verhältnis der Mehrwerts-
raten ist dasselbe wie vorher. Dort hatten wir:

Rate des Mehrwerts von Kapital B 10% j 2

Rate des Mehrwerts von Kapital A 100% und jetzt haben wir:
Jahresrate des Mehrwerts von Kapital B 100 ta
Jahresrate des Mehrwerts von Kapital A 1000 %

aber 10 % = 100 % also dasselbe Verhältnis wie oben
100% 1000 % .

Jedoch hat sich das Problem jetzt umgedreht. Die Jahresrate
des Kapitals B: 500 = 100 % bietet durchaus keine Abweichung
— &amp;uch nicht mehr den Schein einer Abweichung — von den uns
bekannten Gesetzen über die Produktion und die ihr entsprechende
Rate des Mehrwerts dar. Es sind 5000, während des Jahres vor-
geschossen und produktiv konsumiert worden, sie haben 5000m
produziert. Die Rate des Mehrwerts ist also der obige Bruch 50m
= 100 %. Die Jahresrate stimmt mit der wirklichen Rate des
Mehrwerts. Es ist also diesmal nicht, wie vorher, Kapital B, sondern
Kapital A, das die Anomalie [Abweichung] darbietet, die zu er-
klären ist.

Wir haben hier die Rate des Mehrwerts %%-" = 1000 %. Aber
wenn im ersten Fall 500m, das Produkt von 5 Wochen, berechnet
wurde auf ein vorgeschossenes Kapital von 5000 Pfd. Sterl., wovon
”0 nicht in seiner Produktion verwandt waren, so jetzt 5000m
        <pb n="305" />
        252

Zweiter Abschnitt
berechnet auf 500, das heißt nur auf !/,9 des variablen Kapitals,
das wirklich in der Produktion von 5000m verwandt worden; denn
die 5000m sind das Produkt eines während 50 Wochen produktiv
konsumierten variablen Kapitals von 5000, nicht eines während
einer einzigen fünfwöchentlichen Periode verbrauchten Kapitals von
500 Pfd. Sterl. Im ersten Fall wurde‘ der während 5 Wochen
produzierte Mehrwert berechnet auf ein Kapital, das für 50 Wochen
vorgeschossen ist, also zehnmal größer als das während der 5 Wochen
verbrauchte. Jetzt wird der während 50 Wochen produzierte
Mehrwert berechnet auf ein Kapital, das für 5 Wochen vorgeschossen,
also zehnmal kleiner ist als das während der 50 Wochen verbrauchte:
Das Kapital A von 500 Pfd. Sterl. wird nie länger als für fünf
Wochen vorgeschossen. Am Ende derselben ist es zurückgeflossen
und kann denselben Prozeß im Lauf des Jahres durch zehnmaligen
Umschlag zehnmal erneuern. Es folgt daraus zweierlei.
Erstens: Das sub A vorgeschossene Kapital ist nur fünfmal
größer als der beständig im Produktionsprozeß einer Woche an-
gewandte Kapitalteil. Kapital B dagegen, das nur einmal in
50 Wochen umschlägt, also auch für 50 Wochen vorgeschossen sein.
muß, ist 50 mal größer als der Teil desselben, der beständig in einer
Woche angewandt werden kann. Der Umschlag modifiziert daher das
Verhältnis zwischen dem für den Produktionsprozeß während des
Jahres vorgeschossenen und dem für eine bestimmte Produktions-
periode, zum Beispiel Woche, beständig anwendbaren Kapital.
Und dies gibt uns den ersten Fall, wo der Mehrwert von 5 Wochen
nicht auf das während dieser 5 Wochen angewandte Kapital be-
rechnet wird, sondern auf das während 50 Wochen angewandte
zehnmal größere.

Zweitens: Die Umschlagsperiode des Kapitals A von 5 Wo-
chen bildet nur '/0 des Jahres, das Jahr umfaßt daher 10 solcher
Umschlagsperioden, in welchen Kapital A von 500 Pfd. Sterl. stets
VON Neuem angewandt wird. Das angewandte Kapital ist hier
gleich dem für 5 Wochen vorgeschossenen Kapital, multipliziert
mit der Zahl der Umschlagsperioden inı Jahr. Das während des
Jahres angewandte Kapital ist gleich 500 x 10 — 5000 Pfd. Sterl.
Das während des Jahres vorgeschossene Kapital gleich %°° = 500Pfa.
Sterl. In der Tat, obgleich die 500 Pfd. Sterl. stets von neuem
angewandt werden, werden nie mehr als dieselben 500 Pfd. Sterl.
alle 5 Wochen vorgeschossen. Anderseits, bei Kapital B, werden
während 5 Wochen zwar nur 500 Pfd. Sterl. angewandt und für
diese 5 Wochen vorgeschossen. Aber da die Umschlagsperiode
hier gleich 50 Wochen, 80 ist das während des Jahres angewandte
Kapital gleich dem nicht für je 5 Wochen, sondern für 50 Wochen
Vorgeschossenen Kapital. Die jährlich produzierte Masse des Mehr-
werts richtet sich aber bei gegebener Rate des Mehrwerts nach
dem während des Jahres angewandten und nicht nach dem während
        <pb n="306" />
        Sechzehntes Kapitel

253
des Jahres vorgeschossenen Kapital.‘ Sie ist also für dies einmal
umschlagende Kapital von 5000 Pfd. Sterl. nicht größer als für
das zehnmal umschlagende Kapital von 500 Pfd. Sterl., und sie
ist nur deshalb so groß, weil das einmal im Jahr umschlagende
Kapital selbst zehnmal größer ist als das zehnmal im Jahr um-
schlagende.

Das während des Jahres umgeschlagene variable Kapital —
also der Teil des jährlichen Produkts oder auch der jährlichen Ver-
ausgabung, der gleich diesem Teil — ist das im Lauf des Jahres
wirklich angewandte, produktiv verzehrte variable Kapital. Es
folgt daher, daß, wenn das jährlich umgeschlagene variable Kapital
A und das jährlich umgeschlagene variable Kapital B gleich groß
und sie unter gleichen Verwertungsbedingungen angewandt sind,
die Rate des Mehrwerts also für beide dieselbe ist, auch die jährlich
produzierte Masse Mehrwert für beide dieselbe sein muß; also auch
— da die angewandten Kapitalmassen dieselben — die aufs Jahr
berechnete Rate des Mehrwerts, soweit sie ausgedrückt wird durch:

Jährlich produzierte Masse Mehrwert Oder allzemein aus-
Jährlich umgeschlagenes variables Kapital‘ 8
gedrückt: Welches immer die relative Größe der umgeschlagenen
variablen Kapitale, die Rate ihres im Jahreslauf produzierten
Mehrwerts ist bestimmt durch die Rate des Mehrwerts, wozu die
respektiven Kapitale in durchschnittlichen Perioden (zum Beispiel
im wöchentlichen oder auch Tagesdurchschnitt) gearbeitet haben.

Dies ist die einzige Konsequenz, welche aus den Gesetzen über
die Produktion des Mehrwerts und über die Bestimmung der Rate
des Mehrwerts folgt.

Sehen wir nun weiter zu, was das Verhältnis:

Jährlich umgeschlagenes Kapital (wobei wir, wie zesurt, nnr das
Vorgeschossenes Kapital &gt; 508386, nur
variable Kapital in Betracht ziehen) ausdrückt. Die Division ergibt
die Anzahl der Umschläge des in einem Jahr vorgeschossenen Kapitals.

Für Kapital A haben wir:

5000 Pfd. Sterl. jährlich umgeschlagenes Kapital . .

500 Pfd. Sterl. vorgeschossenes Kapital tür Koplial Be

5000 Pfd. Sterl. jährlich umgeschlagenes Kapital

5000 Pfd. Sterl. vorgeschossenes Kapital "

In beiden Verhältnissen drückt der Zähler aus das vorgeschos-
sene Kapital multipliziert mit der Umschlagszahl; für A 500 X 10,
für B 5000 x 1. Oder aber multipliziert mit der umgekehrten, auf
ein Jahr berechneten Umschlagszeit. Die Umschlagszeit für A ist
5 Jahr; die umgekehrte Umschlagszeit ist © Jahr, also 500 x ©
= 5000; für B 5000 X + = 5000. Der Nenner drückt aus das
umgeschlagene Kapital multipliziert mit der umgekehrten Um-
schlagszahl; für A 5000 x 1, für B 5000 x 4,
        <pb n="307" />
        254

Zweiter Abschnitt
Die respektiven Massen Arbeit (Summe der bezahlten und un-
bezahlten Arbeit), die durch die beiden jährlich. umgeschlagenen
variablen Kapitale in Bewegung gesetzt sind, sind hier gleich, weil
die umgeschlagenen Kapitale selbst gleich sind und ihre Rate der
Verwertung ebenfalls gleich.

Das Verhältnis des jährlich umgeschlagenen zum vorge-

schossenen variablen Kapital zeigt an: 1. das Verhältnis, worin das
vorzuschießende Kapital zu dem in einer bestimmten Arbeits-
periode angewandten variablen Kapital steht. Ist die Umschlags-
zahl gleich 10, wie sub A, und das Jahr zu 50 Wochen angenommen,
30 ist die Umschlagszeit gleich 5 Wochen. Für diese 5 Wochen muß
variables Kapital vorgeschossen werden, und das für 5 Wochen
vorgeschossene Kapital muß fünfmal so gTOß sein wie das während
einer Woche angewandte variable Kapital. Das heißt, nur !/; des
vorgeschossenen Kapitals (hier 500 Pfd. Stert.) kann im Lauf einer
Woche angewandt werden. Beim Kapital B dagegen, wo die Um-
schlagszahl gleich +4, ist die Umschlagszeit gleich 1 Jahr gleich
50 Wochen. Das Verhältnis des vorgeschossenen Kapitals zum
wöchentlich angewandten ist also 50 : 1. Wäre es für B dasselbe wie
für A, so müßte B wöchentlich 1000 Pfd. Sterl. anlegen statt 100. —
2. Es folgt, daß von B ein zehnmal so großes Kapital (5000 Pfd. Sterl.)
angewandt worden ist wie von A, um dieselbe Masse variables Kapital,
also auch bei gegebener Rate des Mehrwerts dieselbe Masse Arbeit
(bezahlte und unbezahlte) in Bewegung zu setzen, also auch dieselbe
Masse Mehrwert während des Jahres zu produzieren. Die wirkliche
Rate des Mehrwerts drückt nichts aus als das Verhältnis des in einem
bestimmten Zeitraum angewandten variablen Kapitals zu dem in
demselben Zeitraum produzierten Mehrwert, oder die Masse unbe-
zahlter Arbeit, die das während dieses Zeitraums angewandte variable
Kapital in Bewegung setzt. Sie hat absolut nichts zu tun mıt dem
Teil des variablen Kapitals, der vorgeschossen ist während der Zeit,
Wo er nicht angewandt wird, und daher ebensowenig zu tun mit dem
für verschiedene Kapitale durch die Umschlagsperiode modifizierten
und differenzierten: Verhältnis zwischen ihrem während ‚eines be-
stimmten Zeitraums vorgeschossenen und ihrem während desselben
Zeitraums angewandten Teil.

Es folgt vielmehr aus dem bereits Entwickelten, daß die Jahres-
rate des Mehrwerts nur in einem einzigen Fall zusammenfällt mit der
wirklichen Rate des Mehrwerts, die den Exploitationsgrad der Arbeit
ausdrückt; wenn nämlich das vorgeschossene Kapital nur einmal
im Jahr umschlägt, daher das vorgeschossene Kapital gleich ist dem
während des Jahres umgeschlagenen Kapital, daher das Verhältnis der
während des Jahres produzierten Mehrwertmasse zu dem behufs dieser
Produktion während des Jahres angewandten Kapital zusammenfällt
undidentisch istmit dem Verhältnis derwährenddesJahres produzierten
Mehrwertmasse zu dem während des Jahres vorgeschossenen Kapital.
        <pb n="308" />
        Sechzehntes Kapitel

755

A. Die Jahresrate des Mehrwerts ist gleich

Masse des während des Jahres produzierten Mehrwerts. -
——— = a m mm 2 Aber die
Vorgeschossenes variables Kapital.
Masse des während des Jahres produzierten Mehrwerts ist gleich der
wirklichen Rate des Mehrwerts, multipliziert mit dem zu seiner
Produktion angewandten variablen Kapital. Das zur Produktion
der jährlichen Mehrwertmasse angewandte Kapital ist gleich dem
vorgeschossenen Kapital, multipliziert mit der Anzahl seiner Um-
schläge, die wir n nennen wollen. Die Formel A verwandelt sich
daher in:

B. Die Jahresrate des Mehrwerts ist gleich
Wirkl.Rate des Mehrwerts x dem vorgeschoss. variablen Kapital x n

Vorgeschossenes variables Kapital.
0
Zum Beispiel für Kapital B gleich a oder 100%. Nur
wenn n gleich 1, das heißt, wenn das vorgeschossene variable Kapital
nur einmal im Jahr umschlägt, also gleich dem im Jahr angewandten
oder umgeschlagenen Kapital ist, ist die Jahresrate des Mehrwerts
gleich der wirklichen Rate des Mehrwerts.

Nennen wir die Jahresrate des Mehrwerts M’, die wirkliche Rate
des Mehrwerts m’, das vorgeschossene variable Kapital v, die Um-
schlagszahl n, so ist M’ — AS =m'n; also M’ = m’n, und nur
[dann] = m’, wenn n = 1, also M'/ = m x1= m.

Es folgt ferner: Die jährliche Rate des Mehrwerts ist immer
gleich m’n, das heißt gleich der wirklichen Rate des Mehrwerts,
produziert in einer Umschlagsperiode durch das während der Periode
verzehrte variable Kapital, multipliziert mit der Zahl der Umschläge
dieses variablen Kapitals während des Jahres, oder multipliziert
(was dasselbe ist) mit seiner auf das Jahr als Einheit berechneten
umgekehrten Umschlags zeit. (Schlägt das variable Kapital zehnmal
im Jahr um, so ist seine Umschlagszeit gleich !/,9 Jahr, seine umge-
kehrte Umschlagszeit also gleich !° = 10.)

Es folgt weiter: M'’ = m’, wenn n -— 1. M’ ist größer als m’,
wenn n größer ist als 1, das heißt, wenn das vorgeschossene Kapital
mehr als einmal im Jahr umschlägt oder das umgeschlagene Kapital
größer ist als das vorgeschossene.

Endlich M’ ist kleiner als m’, wenn n kleiner ist als 1, das heißt,
wenn. das während des Jahres umgeschlagene Kapital nur ein Teil
des vorgeschossenen Kapitals ist. die Umschlagsperiode also länger
als ein Jahr dauert.

Verweilen wir einen Augenblick bei dem letzten Fall.

Wir behalten alle Voraussetzungen unseres früheren Beispiels bei,
nur sei die Umschlagsperiode auf 55 Wochen verlängert. Der Arbeits-
prozeß erfordert wöchentlich 100 Pfd. Sterl. variables Kapital, also
5500 Pfd. Sterl, für die Umschlagsperiode, und produziert wöchentlich

Das Kanital. II. un
        <pb n="309" />
        256

Zweiter Abschnitt
100m; m” ist also wie bisher 100 %. Die Umschlagszahl n ist hier
gleich 3 = 1%, weil die Umschlagszeit 1 + 5 Jahr (das Jahr zu
50 Wochen), gleich % Jahr.
‚_—_ 100% X 5500 x 19

ET TE
kleiner als 100 %. In der Tat, wäre die Jahresrate des Mehrwerts
100%, So müßten 5500, in einem Jahre produzieren 5500 m, Während
es dazu 5 Jahre braucht. Die 5500v produzieren während des
Jahres nur 5000m, also die Jahresrate des Mehrwerts gleich
3000m
SEO FR = WO

Die Jahresrate des Mehrwerts oder die Vergleichung zwischen
dem während des Jahres produzierten Mehrwert und dem überhaupt
rorgeschossenen variablen Kapital (im Unterschied zu dem wäh-
vend des Jahres umgeschlagenen variablen Kapital), ist daher
keine bloß subjektive, sondern die wirkliche Bewegung des Kapitals
bringt selbst diese Gegeneinanderstellung hervor. Für den Besitzer
des Kapitals A ist Ende des Jahres sein vorgeschossenes variables
Kapital zurückgeflossen, gleich 500 Pfd. Sterl., und außerdem 5000 Pfad.
Sterl. Mehrwert. Nicht die Kapitalmasse, die er während des .Jahres
angewandt hat, sondern die periodisch zu ihm zurückfließt, drückt
lie Größe seines vorgeschossenen Kapitals aus. Ob das Kapital Ende
des Jahres zum Teil als Produktionsvorrat, zum Teil als Waren-
ader Geldkapital existiert und in welchem Verhältnis es in diese ver-
schiedenen Portionen geteilt ist, tut nichts zur vorliegenden. Frage.
Für den Besitzer des Kapitals B sind zurückgeflossen 5000 Pfd.
Sterl., sein vorgeschossenes Kapital, dazu 5000 Pfd. Sterl. Mehr-
wert. Für den Besitzer des Kapitals C (des zuletzt betrachteten
von 5500 Pfd. Sterl.) sind 5000 Pfd. Sterl. Mehrwert während des
Jahres produziert (5000 Pfd. Sterl. ausgelegt und Mehrwertsrate
100 %); aber sein vorgeschossenes Kapital ist noch nicht zurück-
geflossen und ebensowenig sein produzierter Mehrwert.

M’ = m’n drückt aus, daß die während einer Umschlagsperiode
für das angewandte variable Kapital gültige Rate des Mehrwerts:
Während einer Umschlagsperiode erzeugte Masse von Mehrwert a
Während einer Umschlagsperiode angewandtes variables Kapital’ Z
multiplizieren ist mit der Anzahl der Umschlagsperioden oder der
Reproduktionsperioden des vorgeschossenen variablen Kapitals, der
Anzahl der Perioden, worin es seinen Kreislauf erneuert.

Man sah bereits Buch I, Kapitel IV (Verwandlung von Geld in
Kapital) und dann Buch I, Kapitel XXI (Einfache Reproduktion),
daß der Kapitalwert überhaupt vorgeschossen ist, nicht ausgegeben,
indem dieser Wert, nachdem er die verschiedenen Phasen seines
Kreislaufs durchgemacht, wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück-
kehrt, und zwar bereichert durch Mehrwert. Dies charakterisiert
        <pb n="310" />
        Sechzehntes Kapitel

257
ihn als vorgeschossenen. Die Zeit, die verstreicht von seinem Aus:
gangspunkt bis zu seinem Rückkehrpunkt, ist die Zeit, wofür er
vorgeschossen ist. Der ganze Kreislauf, den der Kapitalwert durch-
läuft, gemessen durch die Zeit von seinem Vorschuß zu seinem
Rückfluß, bildet seinen Umschlag und die Dauer dieses Umschlags
eine Umschlagsperiode. Ist diese Periode abgelaufen, der Kreis-
lauf beendigt, so kann derselbe Kapitalwert denselben Kreislauf von
neuem beginnen, also auch von neuem sich verwerten, Mehrwert
erzeugen. Schlägt das variable Kapital, wie sub A, zehnmal im Jahr
um, so wird im Lauf des Jahres mit demselben Kapitalvorschuß
zehnmal die einer Umschlagsperiode entsprechende Masse von Mehr-
wert erzeugt.

. Man muß sich die Natur des Vorschusses vom Standpunkt der
kapitalistischen Gesellschaft klarmachen.

Kapital A, das zehnmal umschlägt während des Jahres, ist zehn-
mal während des Jahres vorgeschossen. Es ist für jede neue Um-
schlagsperiode neu vorgeschossen. Aber zugleich schießt A während
des Jahres nie mehr als denselben Kapitalwert von 500 Pfd. Sterl.
vor und verfügt in der Tat für den von uns betrachteten Produk-
bionsprozeß nie über mehr als 500 Pfd. Sterl. Sobald diese 500. Pfd;
Sterl. einen Kreislauf vollendet, läßt A sie denselben Kreislauf von
neuem beginnen; wie das Kapital seiner Natur nach den Kapital-
charakter gerade nur dadurch bewahrt, daß es stets in wiederholten
Prodüktionsprozessen als Kapital fungiert. Es wird auch nie länger
vorgeschossen als für 5 Wochen. Dauert der Umschlag länger, so
reicht es.nicht. Verkürzt er sich, so wird ein Teil überschüssig. Es
sind nicht 10 Kapitale von 500 Pfd, Sterl. vorgeschössen, sondern
ein. Kapital von 500 Pfd. Sterl. wird.in sukzessiven Zeitabschnitten
zehnmal vorgeschossen. Die Jahresrate des Mehrwerts wird daher
nicht auf ein zehnmal vorgeschossenes Kapital von 500 Pfd. Sterl.
oder auf 5000 Pfd. Sterl. berechnet, sondern auf. ein einmal vorge-
schossenes von 500 Pfd. Sterl.; ganz wie wenn 1 Taler zehnmal zirku-
liert,.er immer nur einen einzigen in Zirkulation befindlichen Taler
vorstellt, obgleich er die Funktion von 10 Talern verrichtet. Aber in
der Hand, worin er sich bei jedem Händewechsel befindet, bleibt er
nach wie vor derselbe identische Wert von 1 Taler.

Ebenso zeigt das Kapital A bei seinem jedesmaligen Rückfluß
und auch bei seinem Rückfiuß am Ende des Jahres, daß sein Be-
sitzer nur mit demselben. Kapitalwert von 500 Pfd. Sterl. operiert.
Es fließen daher in seine Hand auch jedesmal nur 500 Pfd. Sterl.
zurück. Sein vorgeschossenes Kapital ist daher nie mehr als 500 Pfd.
Sterl. Das vorgeschossene Kapital von 500 Pfd. Sterl. bildet daher
den Nenner des Bruchs, der die Jahresrate des Mehrwerts ausdrückt.
Wir hatten dafür oben die Formel: M’ = ALS = m’n. Da die
wirkliche Mehrwertsrate m’ = *, gleich der Masse des Mehrwerts

xl
        <pb n="311" />
        258

dividiert durch das sie produziert habende variable Kapital ist,
können wir in m’ n den Wert von m’, also % setzen und erhalten dann
die andere Formel: M’ = mn

Zweiter Abschnitt

Aber durch seinen zehnmaligen Umschlag und daher durch die
zehnmalige Erneuerung seines Vorschusses verrichtet das Kapital
von 500 Pfd. Sterl. die Funktion eines zehnmal größeren Kapitals,
eines Kapitals von 5000 Pfd. Sterl., ganz wie 500 Talerstücke, die
zehnmal im Jahr umlaufen, dieselbe Funktion vollziehen wie 5000,
die nur einmal umlaufen. ;
IL. Der Umschlag des variablen Einzelkapitals.

„Welches immer die gesellschaftliche Form des Produktions-
prozesses, er muß kontinuierlich [ununterbrocheu] sein oder periodisch
stets von neuem dieselben Stadien durchlaufen... In seinem stetigen
Zusammenhang und dem beständigen Fluß seiner Erneuerung be-
trachtet, ist jeder gesellschaftliche Produktionsprozeß daher zugleich
Reproduktionsprozeß... Als periodischer Zuwachs des Kapital-
werts oder periodische Frucht des Kapitals erhält der Mehrwert die
Form einer aus dem Kapital entspringenden Revenue.‘“ (Buch I,
Kapitel XXI, S. 588, 589, V. S. 501, 502.)

Wir haben 10 fünfwöchentliche Umschlagsperioden des Kapitals A;
in der ersten Umschlagsperiode werden 500 Pfd. Sterl. variables
Kapital vorgeschossen;.das heißt, jede Woche werden 100 Pfd. Sterl.
in Arbeitskraft umgesetzt, so daß am Ende der ersten Umschlags-
periode 500 Pfd. Steri. in Arbeitskraft verausgabt worden sind. Diese
500 Pfd. Sterl., ursprünglich Teil des vorgeschossenen Gesamtkapitals,
haben aufgehört, Kapital zu sein. Sie sind in Arbeitslohn wegbezahlt.
Die Arbeiter zahlen sie ihrerseits weg in. Ankauf ihrer Lebensmittel,
verzehren also Lebensmittel zum Wert von 500 Pfd. Sterl. Eine
Warenmasse zu diesem Wertbetrag ist also vernichtet (was der Ar-
beiter etwa als Geld. etc. aufspart [nicht zinstragend anlegt], ist
ebenfalls. nicht Kapital). Diese Warenmasse ist unproduktiv
verzehrt für den Arbeiter, außer soweit sie seine Arbeits-
kraft, also ein unentbehrliches Instrument des Kapitalisten,
wirkungsfähig erhält. — Zweitens aber. sind diese 500 ‘Pfd,
Sterl. für den Kapitalisten in Arbeitskraft für denselben Wert
(respektive Preis) umgesetzt. Die Arbeitskraft wird von ihm im
Arbeitsprozeß produktiv konsumiert. Am Ende der 5 Wochen ist ein
Wertprodukt da von 1000 Pfd. Sterl. Die Hälfte davon, 500 Pfd.
Sterl., ist der reproduzierte Wert des in Zahlung von Arbeitskraft
verausgabten variablen Kapitals. Die andere Hälfte, 500 Pfd. Sterl.,
ist neu produzierter Mehrwert. Aber die fünfwöchentliche Arbeits-
kraft, durch Umsatz in welche ein Teil des Kapitals sich in variables
Kapital verwandelte, ist ebenfalls verausgabt, verzehrt, wenn auch
produktiv. Die gestern tätige Arbeit ist nicht dieselbe Arbeit, die
heute tätig ist. Ihr Wert plus dem von ihr geschaffenen Mehrwert
        <pb n="312" />
        Sechzehntes Kapitel

259

existiert. jetzt als Wert eines von der Arbeitskraft selbst unter-
schiedenen Dinges, des Produkts. Dadurch jedoch, daß das Produkt
in Geld verwandelt wird, kann der Wertteil desselben, der gleich
dem Wert des vorgeschossenen variablen Kapitals ist, von neuem
gegen Arbeitskraft umgesetzt werden und daher von neuem als
variables Kapital fungieren. Der Umstand, daß mit dem nicht nur
reproduzierten, sondern auch in Geldform rückverwandelten Kapital-
wert dieselben. Arbeiter, das heißt dieselben Träger der Arbeitskraft,
beschäftigt werden, ist gleichgültig. Es ist möglich, daß der Kapita-
list in der zweiten Umschlagsperiode neue Arbeiter statt der alten
anwendet. .

Es wird also in der Tat in den 10 fünfwöchentlichen Umschlags-
perioden sukzessive ein Kapital von 5000 Pfad. Sterl. und nicht von
500 Pfd. Sterl. in Arbeitslohn verausgabt, welcher Arbeitslohn wieder
von den Arbeitern in Lebensmitteln verausgabt wird. Das so vorge-
schossene Kapital von 5000 Pfd. Sterl. ist verzehrt. Es existiert nicht
mehr. Anderseits wird Arbeitskraft zum Wert nicht von 500, sondern
von 5000 Pfd. Sterl. sukzessive dem Produktionsprozeß einverleibt und
reproduziert nicht nur ihren eigenen Wert gleich 5000 Pfd. Sterl.,
sondern produziert im Ueberschuß einen Mehrwert von 5000 Pfd.
Sterl. Das variable Kapital von 500 Pfd. Sterl., welches in der zweiten
Umschlagsperiode vorgeschossen wird, ist nicht das identische Kapi-
tal von 500 Pfd. Sterl., das in der ersten Umschlagsperiode vorge-
schossen. Dies ist verzehrt, in Arbeitslohn verausgabt. Aber es ist
ersetzt durch ein neues variahles Kapital von 500 Pfd. Sterl., welches
in der ersten Umschlagspeıiode in Warenform produziert und in
Geldform rückverwandelt wurde. Dies neue Geldkapital von 500 Pfad,
Sterl. ist also die Geldform der in der ersten Umschlagsperiode neu
produzierten Warenmasse, Der Umstand, daß sich wieder in der
Hand des Kapitalisten eine identische Geldsumme von 500 Pfd. Sterl.
befindet, das heißt, abgesehen vom Mehrwert, gerade soviel Geldkapital,
als er ursprünglich vorschoß, verdeckt den Umstand, daß er mit
einem neu produzierten Kapital operiert. (Was die andern Wert-
bestandteile des Warenkapitals angeht, welche die konstanten Kapital-
teile ersetzen, 80 ist ihr Wert nicht neu produziert, sondern nur die
Form verändert, worin dieser Wert existiert.) — Nehmen wir die
dritte Umschlagsperiode. Hier ist es augenscheinlich, daß das zum
drittenmal vorgeschossene Kapital von 500 Pfd. Sterl. ‚nicht ein
altes, sondern ein. neu produziertes Kapital ist; denn es ist die Geld-
form der in der zweiten Umschlagsperiode und nicht in der ersten
Umschlagsperiode produzierten Warenmasse, das heißt des Teiles
dieser Warenmasse, dessen Wert gleich dem Wert des vorgeschossenen
variablen Kapitals ist. Die in der ersten Umschlagsperiode produzierte
Warenmasse ist verkauft. Ihr Wertteil, der gleich dem variablen
Wertteil des vorgeschossenen Kapitals, wurde in die neue. Arbeits-
kraft der zweiten Umschlagsperiode umgesetzt und produzierte eine
neue Warenmasse, die wieder verkauft wurde und wovon ein Wertteil
        <pb n="313" />
        260

Zweiter Abschnitt
das in der dritten Umschlagsperiode vorgeschossene Kapital:von
500 Pfd, Sterl. bildet. a

Und so während der 10 Umschlagsperioden. Während der-
selben werden :alle 5 Wochen .neu. produzierte Warenmassen. (deren
Wert, soweit er variables Kapital ersetzt, ebenfalls neu produziert
ist, nicht nur wieder erscheint, wie bei dem konstanten zirkulieren-
den Kapitalteil) auf den Markt geworfen, um stets neue Arbeitskraft
dem Produktionsprozeß einzuverleiben.

Was also durch den zehnmaligen Umschlag des vorgeschossenen
variablen Kapitals: von 500 Pfad. Sterl. erreicht wird, ist nicht, daß
dies Kapital von 500 Pfd. Sterl. zehnmal produktiv konsumiert wer-
den kann, oder daß ein für 5 Wochen reichendes variables Kapital
während 50 Wochen angewandt werden kann. Es werden vielmehr
10 x 500 Pfd. Sterl. variables Kapital in den 50 Wochen angewandt,
und das Kapital von 500 Pfd. Sterl. reicht immer nur für 5 Wochen
aus und muß nach Ende der 5 Wochen durch ein neu produziertes
Kapital von.500. Pfd. Sterl. ersetzt werden. Dies findet statt ehenso-
gut für Kapital A wie für Kapital B. Aber hier beginnt der Unter-
schied. ;

Am Ende des. ersten Zeitabschnitts von 5 Wochen: ist von B
wie‘ von :A ein variables Kapital von 500 Pfd. Sterl. vorgeschossen
und verausgabt. Von B wie.von: A ist sein Wert. in Arbeitskraft
umgesetzt und ersetzt worden durch den Teil des von dieser Arbeits-
kraft neu erzeugten. Wertes des Produkts, der gleich ist dem Wert
des vorgeschossenen variablen Kapitals von 500 Pfd. Sterl. . Für B
wie für A hat die Arbeitskraft nicht nur den Wert des verausgabten
variablen Kapitals von. 500 Pfd.: Sterl. durch einen Neuwert zum
selben. Betrag ersetzt, sondern einen Mehrwert — und nach der Vor-
aussetzung von derselben. Größe — zugefügt.

Aber: bei B. befindet sich das Wertprodukt, welches das vorge:
schossene variable Kapital ersetzt und seinem Wert einen ‘Mehrwert
zufügt, nicht in der Form, worin es von neuem als produktives Kapital
respektive variables Kapital fungieren kann. Für A befindet. es sich
in. dieser Form. . Und bis zu Ende des Jahres besitzt B das in den
ersten 5 Wochen und dann sukzessive in je 5 Wochen verausgabte
variable Kapital, obgleich ersetzt durch neu produzierten Wert plus
Mehrwert, nicht in der Form, worin es von neuem als produktives
Kapital respektive. variables Kapital fungieren kann. Sein Wert ist
zwar durch einen Neuwert ersetzt, also erneuert, aber seine Wert-
form (hier die absolute Wertform, seine Geldform) ist nicht erneuert.

Für den zweiten Zeitraum von 5 Wochen (und 8o sukzessive für
je. 5 Wochen während des Jahres) müssen also ebensowohl fernere
500 .Pfd. Sterl. vorrätig sein wie für den ersten Zeitraum. Also
müssen, von. Kreditverhältnissen abgesehen, am Anfang des Jahres
5000 Pfd. Sterl.. vorrätig, als latentes vorgeschossenes Geldkapital
da sein, obgleich sie erst während des Jahres nach und nach. wirklich
verausgabt, in Arbeitskraft umgesetzt werden.
        <pb n="314" />
        Sechzehntes Kapitel

261
Bei A dagegen, weil der Kreislauf, der Umschlag. des vorgeschos-
senen Kapitals vollendet, befindet sich der Wertersatz schon. nach
Ablauf der ersten 5 Wochen in der Form, worin er neue, Arbeits-
kraft für 5 Wochen in Bewegung setzen kann: in seiner ursprüng-
lichen Geldform. 8

Sub A wie sub B wird in der zweiten Periode von 5 Wochen
neue Arbeitskraft verzehrt und ein neues Kapital von 500 Pfd. Sterl:
in. Zahlung dieser Arbeitskraft verausgabt. Die mit den ersten
500 Pfd. Sterl. bezahlten Lebensmittel der Arbeiter sind weg, in allen
Fällen ist der Wert dafür verschwunden aus der Hand des Kapita-
listen. Mit den zweiten 500 Pfd, Sterl. wird neue Arbeitskraft ge-
kauft, neue Lebensmittel dem Markt entzogen. Kurz, es wird ein
neues Kapital von 500 Pfd. Sterl. verausgabt, nicht das alte. Aber
sub A ist dies neue Kapital von 500 Pfd. Sterl. die Geldform des
neu produzierten Wertersatzes der früher verausgabten 500 Pfd. Sterl.
Sub B befindet sich dieser Wertersatz in einer Form, worin er nicht
als variables Kapital fungieren kann. Er ist da, aber nicht in der
Form von variablem Kapital. Es muß daher zur Fortsetzung des
Produktionsprozesses für die nächsten 5 Wochen ein zuschüssiges
Kapital von 500 Pfd. Sterl. in der hier unumgänglichen Geldform
vorhanden sein und vorgeschossen werden. So wird von A wie
von B während 50 Wochen gleichviel variables Kapital verausgabt;
gleichviel Arbeitskraft gezahlt und verbraucht. Aber von B muß sie
gezahlt werden mit einem vorgeschossenen Kapital gleich ihrem Ge-
samtwert, gleich 5000 Pfd. Sterl. Von A wird sie sukzessive gezahlt
durch die stets erneute Geldform des während je 5 Wochen produ-
zierten Wertersatzes des für je 5 Wochen vorgeschossenen Kapitals
von 500 Pfd. Sterl. Es wird also hier nie ein größeres Geldkapital
vorgeschossen als für 5 Wochen, das heißt, nie ein größeres als das
für die ersten 5 Wochen vorgeschossene von 500 Pfd. Sterl. Diese
500 Pfd. Sterl. reichen für das ganze Jahr. Es ist daher klar, daß bei
gleichem Exploitationsgrad der Arbeit, gleicher wirklicher Rate des
Mehrwerts, die Jahresraten von A und B- sich umgekehrt verhalten
müssen wie die Größen der variablen Geldkapitale, die vorgeschossen
werden mußten, um während des Jahres dieselbe Masse Arbeitskraft
in Bewegung zu setzen. A: 02 —1000% und B: nr = 100%.
Aber 500vr: 5000v = 1:10=100 % : 1000 %.

_ Der Unterschied entspringt aus.der Verschiedenheit der Um-
schlagsperioden, das heißt der Perioden, worin der Wertersatz des in
einem bestimmten Zeitraum angewandten variablen Kapitals von
neuem als Kapital fungieren kann, also als neues Kapital. Bei B
wie bei A findet derselbe Wertersatz für das während derselben Perio-
den angewandte variable Kapital statt. Es findet auch. derselbe Zu-
wachs von Mehrwert während derselben Perioden statt. Aber, bei
B ist alle 5 Wochen zwar ein Wertersatz von 500 Pfd, Sterl. :plus
5300 Pfd. Sterl. Mehrwert da, dieser Wertersatz bildet jedoch noch
        <pb n="315" />
        262
Zweiter Abschnitt
kein neues Kapital, weil er sich nicht in der Geldform befindet. Bei
A. ist nicht nur der alte Kapitalwert dureh einen neuen ersetzt, son-
dern er ist in seiner Geldform wieder hergestellt, daher als neues
funktionsfähiges Kapital ersetzt.

Die frühere oder spätere Verwandlung des Wertersatzes in Geld
und daher in die Form, worin das variable Kapital vorgeschossen
wird, ist offenbar ein für die Produktion des Mehrwerts selbst ganz
gleichgültiger Umstand. Diese hängt von der Größe des angewand-
ten. variablen Kapitals und dem Exploitationegrad der Arbeit ab.
Jener Umstand aber modifiziert die Größe des Geldkapitale, das vor-
geschossen werden muß, um während des Jahres ein bestimmtes
Quantum Arbeitskraft in Bewegung zu setzen, und bestimmt daher
lie Jahresrate des Mehrwerts.
II. Der Umschlag des variablen Kapitals,
gesellschaiftlich betrachtet.

Betrachten wir die Sache einen Augenblick vom gesellschaft-
lichen Standpunkt. Ein Arbeiter koste 1 Pfd. Sterl. pro Woche, der
Arbeitstag sei gleich 10 Stunden. Sub A wie sub B sind während
des Jahres 100 Arbeiter beschäftigt (100 Pfd. Sterl. per Woche für
100 Arbeiter, macht für 5 Wochen 500 Pfd. Sterl. und für 50 Wochen
5000 Pfd, Sterl.) und diese arbeiten per Woche von 6 Tagen jeder
60 Arbeitsstunden. Also 100 Arbeiter per. Woche tun 6000. Arbeits-
stunden und in 50 Wochen 300 000 Arbeitsstunden. Diese Arbeits-
kraft ist von A wie von B mit Beschlag belegt und kann also von der
Gesellschaft für nichts anderes verausgabt werden. Insoweit ist die
Sache also gesellschaftlich dieselbe bei A wie bei B. Ferner: Bei A
wie bei B erhalten die je 100 Arbeiter einen Lohn pro Jahr von
5000 Pfd. Sterl. (die 200 zusammen also 10 000 Pfd. Sterl.) und
entziehen für diese Summe der Gesellschaft Lebensmittel. Soweit
ist die Sache gesellschaftlich wieder dieselbe sub A wie sub B. Da die
Arbeiter in beiden Fällen wöchentlich bezahlt werden, entziehen sie
auch der Gesellschaft wöchentlich Lebensmittel, wofür sie ebenfalls
in beiden Fällen das: Geldäquivalent wöchentlich in Zirkulation
werfen. Aber hier beginnt der Unterschied.

Erstens: Das Geld, welches der Arbeiter sub A in Zirkulation
wirft, ist nicht nur, wie für den Arbeiter sub B, die Geldform für den
Wert seiner Arbeitskraft (in der Tat Zahlungsmittel für bereits
geleistete Arbeit); es ist, schon von der zweiten Umschlagsperiode
ach Eröffnung des Geschäfts an gerechnet, die Geldform seines
eigenen Wertprodukts (gleich Preis der Arbeitskraft plus Mehr-
wert) der ersten Umschlagsperiode, womit seine Arbeit während der
zweiten Umschlagsperiode bezahlt wird. Sub B ist dies nicht der Fall.
Mit Bezug auf den Arbeiter ist hier das Geld zwar ein Zahlungsmittel
für bereits von ihm geleistete Arbeit, aber diese geleistete Arbeit wird
nicht bezahlt mit ihrem eigenen vergoldeten Wertprodukt (der Geld-
form des von ihr selbst produzierten Wertes). Dies kann erst ein-
        <pb n="316" />
        Sechzehntes Kapitel

263

treten vom zweiten Jahr an, wo der Arbeiter sub B bezahlt wird mit
seinem vergoldeten Wertprodukt des vergangenen Jahres.

Je kürzer die Umschlagsperiode des Kapitals — in je kürzeren
Zeiträumen. daher seine Reproduktionstermine sich innerhalb des
Jahres erneuern —, um so rascher verwandelt sich der ursprünglich
in Geldform vom Kapitalisten vorgeschossene variable Teil seines
Kapitals in die Geldform des vom Arbeiter zum Ersatz dieses varla-
blen Kapitals geschaffenen Wertprodukts (das außerdem Mehrwert
einschließt); desto kürzer ist also die Zeit, wofür der Kapitalist Geld
aus seinem eigenen Fonds [Vorrat] vorschießen muß, desto kleiner ist,
im Verhältnis zu gegebenem Umfang der Produktionsleiter, das
Kapital, das er überhaupt vorschießt, und desto größer ist im Ver-
hältnis die Masse Mehrwert, die er bei gegebener Rate des Mehr-
werts während des Jahres herausschlägt, weil er um so öfter den
Arbeiter mit der Geldform seines eigenen Wertprodukts stets von
neuem kaufen und seine Arbeit in Bewegung setzen kann.

Bei gegebener Stufenleiter der Produktion verringert sich im
Verhältnis zur Kürze der Umschlagsperiode die absolute Größe des
vorgeschossenen variablen Geldkapitals (wie des zirkulierenden Ka-
pitals überhaupt) und wächst die Jahresrate des Mehrwerts. Bei
gegebener Größe des vorgeschossenen Kapitals wächst die Stufen-
leiter der Produktion, daher bei gegebener Rate des Mehrwerts die
absolute Masse des in einer Umschlagsperiode erzeugten Mehrwerts,
gleichzeitig mit der durch die Verkürzung der Reproduktionsperiodeni
bewirkten Steigerung in der Jahresrate des Mehrwerts. Es hat sich
überhaupt aus der bisherigen Untersuchung ergeben, daß je nach
den verschiedenen Größen der Umschlagsperiode Geldkapital von
sehr verschiedenem Umfang vorzuschießen ist, um dieselbe Masse
produktives zirkulierendes Kapital und dieselbe Arbeitsmasse bei
demselben Exploitationsgrad der Arbeit in Bewegung zu setzen

Zweitens — und dies hängt mit dem ersten Unterschied zu-
sammen — zahlt der Arbeiter sub B wie sub A die Lebensmittel, die
er kauft, mit dem variablen Kapital, das sich in seiner Hand in
Zirkulationsmittel verwandelt hat. Er entzieht zum Beispiel nicht
nur Weizen vom Markt, sondern ersetzt ihn auch durch ein Aequi-
valent in Geld. Da aber das Geld, womit der Arbeiter sub B seine
Lebensmittel zahlt und dem Markt entzieht, nicht die Geldform eines
von ihm während des Jahres auf den Markt geworfenen Wertprodukts
ist wie beim Arbeiter sub A, so liefert er dem Verkäufer seiner Lebens-
mittel zwar Geld, aber keine Ware — sei es Produktionsmittel, sei es
Lebensmittel —, die dieser mit dem gelösten Geld kaufen könnte,*14
was dagegen sub A der Fall ist. Es werden daher dem Markt Arbeits-
kraft, Lebensmittel für diese Arbeitskraft, fixes Kapital in der Form
der sub B angewandten Arbeitsmittel und Produktionsstoffe ent-
zogen, und zu ihrem Ersatz wird ein Aequivalent in Geld in den
31d In der Engelsschen Ausgabe steht „könne“.

X
        <pb n="317" />
        264

Zweiter Abschnitt
Markt geworfen; aber es wird während des Jahres kein Produkt in
den Markt geworfen, um die ihm entzogenen stofflichen Elemente des
produktiven Kapitals zu ersetzen. Denken wir die Gesellschaft nicht
kapitalistisch, sondern kommunistisch, so fällt zunächst das Geld-
kapital. ganz fort, also auch die Verkleidungen der Transaktionen,
lie durch es hineinkommen. Die Sache reduziert sich einfach darauf,
daß die Gesellschaft im vorans berechnen muß, wieviel Arbeit,
Produktionsmittel und Lebensmittel sie ohne irgendwelchen Ab-
bruch auf Geschäftszweige verwenden kann, die, wie Bau von Eisen-
bahnen zum Beispiel, für längere Zeit, ein Jahr oder mehr, weder
Produktionsmittel noch Lebensmittel, noch irgendeinen Nutzeffekt
liefern, aber wohl Arbeit, Produktionsmittel und Lebensmittel der
jährlichen Gesamtproduktion . entziehen. In der kapitalistischen
Gesellschaft dagegen, wo der gesellschaftliche Verstand sich immer
erst post festum [nachträglich] geltend macht, können und müssen
so beständig große Störungen eintreten. Einerseits Druck auf den
Geldmarkt, während umgekehrt die Leichtigkeit des Geldmarkts
ihrerseits solche Unternehmungen in Masse hervorruft, also gerade die
Umstände, welche später den Druck auf den Geldmarkt hervorrufen.
Der Geldmarkt wird gedrückt, da Vorschuß von Geldkapital auf
großer Stufenleiter hier beständig während langen Zeitraums nötig
ist. Ganz abgesehen davon, daß Industrielle und Kaufleute das für
den Betrieb ihres Geschäfts nötige Geldkapital in Eisenbahnspekula-
tionen etc. werfen und durch Anleihen auf dem Geldmarkt ersetzen.
— Anderseits: Druck auf das disponible produktive Kapital der Ge-
sellschaft. Da beständig Elemente des produktiven Kapitals dem
Markt entzogen werden und für dieselben nur ein Geldäquivalent
in den Markt geworfen wird, so steigt die zahlungsfähige N achfrage,
ohne aus sich selbst irgendein Element der Zufuhr zu liefern. Daher
Steigen der Preise, sowohl der Lebensmittel wie der Produktions-
stoffe. Es kommt hinzu, daß während dieser Zeit regelmäßig ge-
schwindelt wird, große Uebertragung von Kapital stattfindet. Eine
Bande von Spekulanten, Kontraktoren [Lieferanten], Ingenieuren,
Advokaten ete. bereichert sich. Sie verursachen starke konsumtive
Nachfrage auf dem Markt, daneben steigen .die Arbeitslöhne. Mit
Bezug auf Nahrungsmittel wird dadurch allerdings auch der Land-
wirtschaft ein Sporn gegeben. Da jedoch diese Nahrungsmittel nicht
plötzlich, innerhalb des Jahres zu vermehren sind, wächst ihre Ein-
fuhr, wie überhaupt die Einfuhr der exotischen [ausländischen]
Nahrungsmittel (Kaffee, Zucker, Wein etc.) und der Luxusgegen-
stände. Daher Uebereinfuhr und Spekulation in diesem Teil des
Importgeschäfts. Anderseits in den Industriezweigen, worin die
Produktion rasch vermehrt werden kann (eigentliche Manufaktur;
Bergbau etec.), bewirkt das Steigen der Preise plötzliche Ausdehnung,
der bald der Zusammenbruch folgt. Dieselbe Wirkung findet statt
auf dem Arbeitsmarkt, um große Massen der latenten relativen
Uebervölkerung und selbst der beschäftigten Arbeiter für die. neuen
        <pb n="318" />
        Sechzehntes Kapitel

265
Geschäftszweige heranzuziehen. Ueberhaupt entziehen solche Unter-
nehmungen auf großer Stufenleiter, wie Eisenbahnen, dem Arbeits-
markt ein. bestimmtes Quantum Kräfte, das nur aus gewissen Zwei-
gen, wie Landwirtschaft ete., herkommen kann, wo ausschließlich
starke: Burschen gebraucht werden. Dies findet noch statt, selbst
nachdem die neuen Unternehmungen schon stehender Betriebszweig
geworden sind und. daher die für sie nötige wandernde Arbeiterklasse
bereits gebildet ist. Sobald zum Beispiel der Eisenbahnbau momentan
auf einer größeren als der Durchschnittsstufenleiter betrieben wird.
Ein: Teil der ‚Arbeiter-Reservearmee wird absorbiert, deren Druck
den Lohn niedriger hielt. Die Löhne steigen allgemein, selbst in den
bisher gut beschäftigten Teilen des Arbeitsmarkts. Dies dauert so
lange, bis der unvermeidliche Krach die Reservearmee von Arbeitern
wieder freisetzt und die Löhne wieder auf ihr. Minimum und darunter
herabgedrückt werden.“ |
Soweit die größere oder geringere Länge der Umschlagsperiode
abhängt von der Arbeitsperiode im eigentlichen Sinn, das heißt der
Periode, nötig, um das Produkt für den Markt fertigzumachen,
beruht sie auf den jedesmal gegebenen sachlichen Produktionsbedin-
gungen der verschiedenen Kapitalanlagen, die innerhalb der Agri-
kultur mehr den Charakter von Naturbedingungen der Produktion
besitzen, in der Manufaktur und dem größten Teil der extraktiven
[auf die Gewinnung von in der Natur vorhandenen Rohstoffen, wie
Erzen, gerichteten] Industrie mit der gesellschaftlichen Entwicklung
des Produktionsprozesses selbst wechseln. en
Soweit die Länge. der Arbeitsperiode auf der Größe der Liefe-
rungen beruht (dem quantitativen. Umfang, worin das Produkt als
Ware in der Regel auf den Markt geworfen wird), hat dies konven-
tionellen [durch das Herkommen bestimmten] Charakter. Aber die
Konvention selbst. hat zur materiellen Basis die. Stufenleiter der
Produktion und ist daher nur im einzelnen betrachtet zufällig.
__ Soweit.endlich die Länge der Umschlagsperiode von der Länge
der Zirkulationsperiode abhängt, ‚ist diese zum Teil zwar bedingt
' 8 Im Manuskript ist hier die folgende Notiz für künftige Ausführung
eingeschaltet: „Widerspruch in der kapitalistischen Produktionsweise: Die
Arbeiter als Käufer von Ware sind wichtig für den Markt. Aber als Ver-
käufer ihrer Ware — der Arbeitskraft — hat die kapitalistische Gesellschaft
die Tendenz, sie auf. das Minimum des Preises zu beschränken. — Fernerer
Widerspruch: Die Epochen, worin die kapitalistische Produktion alle ihre
Potenzen [Kräfte] anstrengt, erweisen sich regelmäßig als Epochen der
Ueberproduktion, weil die Produktionspotenzen nie so weit angewandt
werden können, daß dadurch mehr Wert nicht nur produziert, sondern
realisiert werden kann; der Verkauf der Waren, die Realisation des Waren:
kapitals, also auch des Mehrwerts, ist aber begrenzt nicht durch die kon:
sumtiven Bedürfnisse der Gesellschaft überhaupt, sondern. durch die kon-
sumtiven Bedürfnisse einer Gesellschaft, wovon die große Mehrzahl stets
arm. ist und stets arm. bleiben muß. Dies gehört jedoch erst in den nächsten
Abschnitt.“ F.E.
        <pb n="319" />
        266

Zweiter Abschnitt
durch den beständigen Wechsel in den Marktkonjunkturen, . die
größere oder geringere Leichtigkeit zu verkaufen und die dieser
entspringende Notwendigkeit, das Produkt teilweise auf näheren
oder entfernteren Markt zu werfen. Abgesehen vom Umfang der
Nachfrage überhaupt, spielt die Bewegung der Preise hier eine Haupt-
rolle, indem der Verkauf bei fallenden Preisen absichtlich beschränkt
wird, während die Produktion vorangeht; umgekehrt bei steigenden
Preisen, wo Produktion und Verkauf Schritt halten oder im voraus
verkauft werden kann. Jedoch ist als eigentliche materielle Basis
zu betrachten die wirkliche Entfernung des Produktionssitzes vom
Absatzmarkt.

Es wird zum Beispiel englisches Baumwollgewebe oder Garn
nach Indien verkauft. Der Exportkaufmann zahle den englischen
Baumwollfabrikanten (der Exportkaufmann tut dies nur willig bei
gutem Stand des Geldmarkts. Sobald der Fabrikant selbst durch
Kreditoperationen sein Geldkapital ersetzt, steht’s schon schief).
Der Exporteur verkauft seine Baumwollware später auf dem indi-
schen Markt, von wo ihm sein vorgeschossenes Kapital remittiert
[zurücküberwiesen] wird. Bis zu diesem Rückfluß verhält sich die
Sache ganz wie in dem Fall, wo die Länge der Arbeitsperiode Vorschuß
von neuem Geldkapital nötig macht, um den Produktionsprozeß
auf gegebener Stufenleiter in Gang zu halten. Die Gelder®®, womit
der Fabrikant seine Arbeiter zahlt und ebenso die übrigen Blemente
seines zirkulierenden Kapitals erneuert, sind nicht die Geldform der
von ihm produzierten Garne, Dies kann erst der Fall sein, sobald der
Wert dieses Garns in Geld oder Produkt nach England zurückge-
Hossen ist. Sie sind zuschüssiges Geldkapital wie vorher. Der Unter-
schied ist nur, daß statt des Fabrikanten der Kaufmann es vor-
schießt, dem es vielleicht selbst wieder durch Kreditoperationen ver-
mittelt ist. Ebenso ist nicht, bevor dies Geld in den Markt geworfen
wird oder gleichzeitig mit ihm, ein zuschüssiges Produkt in den eng-
lischen Markt geworfen worden, das mit diesem Geld gekauft werden
and in die produktive oder individuelle Konsumtion eingehen kann.
Tritt dieser Zustand für längere Zeit und auf größerer Stufenleiter

ein, So muß er dieselben Folgen bewirken, wie vorher die verlängerte
Arbeitsperiode.

Es ist nun möglich, daß in Indien selbst wieder das Garn auf
Kredit verkauft wird. Mit diesem Kredit wird in Indien Produkt
gekauft und als Retour (Rückware] nach England geschickt oder
Wechsel für den Betrag remittiert. Verlängert sich dieser Zustand,
50 tritt ein Druck auf den indischen Geldmarkt ein, dessen Rück-
schlag auf England hier eine Krise hervorrufen mag. Die Krise
ihrerseits, selbst wenn verbunden mit Export edler Metalle nach
Indien, ruft in letzterem Lande eine neue Krise hervor wegen des

922 In der Engelsschen Ausgabe steht „Das Geldkapital‘, dann aber
zweimal mit Bezug darauf „sind‘“. K
        <pb n="320" />
        Siebzehntes Kapitel

267
Bankrotts englischer .Geschäftshäuser und ihrer indischen Zweig-
häuser, denen von den indischen Banken Kredit gegeben war. - So
entsteht eine gleichzeitige Krise sowohl auf dem Markt, gegen den,
wie auf dem Markt, für den die Handelsbilanz ist.*® Dies Phänomen
kann noch komplizierter sein. England hat zum Beispiel Silber-
barren. nach Indien geschickt, aber die englischen Gläubiger von
Indien treiben jetzt ihre Forderungen dort ein und Indien wird kurz
nachher seine Silberbarren nach England zurückzuschicken haben.

Es. ist möglich, daß der Exporthandel nach Indien und. der
Importhandel von Indien sich ungefähr ausgleichen, obgleich der
letztere (ausgenommen besondere Umstände, wie Baumwollteuerung
ete.) seinem Umfang nach durch den ersteren bestimmt und. stimuliert
[angeregt] sein wird.. Die Handelsbilanz zwischen England und Indien
kann ausgeglichen scheinen oder nur schwache Schwankungen nach
der einen oder andern Seite aufweisen. Sobald aber die Krise in
England ausbricht, zeigt sich, daß unverkaufte Baumwollwaren in
Indien lagern (sich also nicht aus Warenkapital in Geldkapital, ver-
wandelt "haben: —. Ueberproduktion nach dieser Seite) und daß
anderseits in. England nicht nur unverkaufte Vorräte indischer
Produkte liegen, sondern daß ein großer Teil der verkauften und
verzehrten Vorräte noch gar nicht bezahlt ist. Was daher als Krise
auf dem Geldmarkt erscheint, drückt.in der Tat Anomalien im Pro-
duktions- und .Reproduktionsprozeß selbst. aus.

Drittens: In bezug auf das angewandte zirkulierende Kapital
selbst (varlables wie konstantes) macht die Länge der Umschlags:
periode, soweit sie aus der Länge der Arbeitsperiode hervorgeht,
diesen Unterschied :. Bei mehreren Umschlägen während des Jahres
kann ein Element des variablen oder konstanten zirkulierenden
Kapitals durch sein eigenes Produkt geliefert werden, wie bei Kohlen-
produktion, Kleiderkonfektion etc. Im andern Fall nicht, wenigstens
nicht während des Jahres.
Die Zirkulation des Mehrwerts. .
Wir haben bisher gesehen, daß die Verschiedenheit in der Um-
schlagsperiode eine Verschiedenheit in der Jahresrate des Mehrwerts
erzeugt, selbst bei gleichbleibender Masse des jährlich erzeugten
Mehrwerts.

Aber es findet ferner notwendig Verschiedenheit statt in der
Kapitalisation des Mehrwerts, der Akkumulation, und insofern
auch in der bei: gleichbleibender Rate des Mehrwerts während des
Jahres erzeugten Mehrwertsmasse.

3b Die Handelsbilanz jst gegen jenen Markt, der mehr Werte einführt als
ausführt, und für jenen. bei dem das Gegenteil der Fall. K.
        <pb n="321" />
        268
Zweiter Abschnitt
Wir bemerken nun zunächst, daß der Kapitalist A (im Beispiel
des vorigen Kapitels) eine laufende periodische Revenue hat, also
mit Ausnahme der Umschlagsperiode bei Beginn des Geschäfts
seinen eigenen [individuellen] Verzehr innerhalb des J. ahres aus seiner
Produktion von Mehrwert bestreitet und nicht aus eigenem Fonds
vorzuschießen hat. Dies letztere findet dagegen bei B statt. Er
Bproduziert zwar während derselben Zeitabschnitte ebensoviel Mehr-
wert wie A, aber der Mehrwert ist nicht realisiert und kann daher
weder individuell verzehrt werden noch produktiv. Soweit der
individuelle Verzehr in Betracht kommt, wird der Mehrwert anti-
zipiert. Fonds dafür muß vorgeschossen werden. ;

Ein Teil des produktiven Kapitals, der schwer zu rangieren
[einzuordnen] ist, nämlich das zur Reparatur und Instandhaltung
des fixen Kapitals nötige Zuschußkapital, stellt sich jetzt auch unter
neuem Licht dar.

Bei A wird dieser Kapitalteil — ganz oder großenteils — nicht
vorgeschossen bei Beginn der Produktion. Er braucht weder .dis-
ponibel noch selbst vorhanden zu sein. Er entspringt aus dem
Geschäft selbst durch unmittelbare Verwandlung von Mehrwert in
Kapital, das heißt seine direkte Anwendung als Kapital. Ein Teil des
periodisch innerhalb des Jahres nicht nur erzeugten, sondern auch
realisierten Mehrwerts kann die für Reparatur ete. nötigen Aus-
gaben bestreiten, Ein Teil des zur Führung des Geschäfts auf seiner
ursprünglichen Stufenleiter nötigen Kapitals wird so während des
Geschäfts vom Geschäft selbst erzeugt durch Kapitalisierung eines
Teils des Mehrwerts. Dies ist für den Kapitalisten B unmöglich. Der
fragliche Kapitalteil muß bei ihm einen Teil des ursprünglich vor-
geschossenen Kapitals bilden. In beiden Fällen wird dieser Kapital-
teil in den Büchern des Kapitalisten als vorgeschossenes Kapital
figurieren, was er auch ist, da er nach unserer Annahme einen Teil
des zur Führung des Geschäfts auf gegebener Stufenleiter notwen:

digen produktiven Kapitals bildet. Aber es macht einen gewaltigen
Unterschied, aus welchem Fonds er vorgeschossen wird. Bei B ist
er wirklich Teil des ursprünglich Vvorzuschießenden oder disponibel
zu haltenden Kapitals. Bei A. dagegen ist er als Kapital angewandter
Teil des Mehrwerts. Dieser letztere Fall zeigt uns, wie nicht nur das
akkumulierte Kapital, sondern auch ein Teil des ursprünglich vorge-
schossenen. Kapitals bloß kapitalisierter Mehrwert sein kann.

Sobald die Entwicklung des Kredits dazwischenkommt, ver-
wickelt sich das Verhältnis von ursprünglich vorgeschossenem Ka-
pital und kapitalisiertem Mehrwert noch mehr. Zum Beispiel A
borgt Teil des produktiven Kapitals, womit er das Geschäft anfängt
oder während des Jahres fortführt, beim Bankier C. ‘Er hat von
vornherein kein eigenes hinreichendes Kapital für Führung des .Ge-
Schäfts. Bankier C leiht ihm eine Summe, die bloß aus bei ihm depo-
niertem Mehrwert der Industriellen D, E, F ete. besteht. ‘Vom
Standpunkt des A handelt es sich noch nicht um. akkumuliertes
        <pb n="322" />
        Siebzehntes Kapitel

269
Kapital. In der Tat aber ist für D, E, F etc. der A nichts
als ein Agent, der den von ihnen angeeigneten Mehrwert kapi-
talisiert. .

Wir haben Buch I, Kapitel XXII gesehen, daß die Akkumula-
tion, die Verwandlung von Mehrwert in Kapital, ihrem realen Gehalt
nach Reproduktionsprozeß auf erweiterter Stufenleiter ist, ob diese
Erweiterung extensiv in Gestalt der Zufügung neuer Fabriken zu
den alten oder in der intensiven Ausdehnung der bisherigen Stufen-
leiter des Betriebes sich ausdrücke.

Die Erweiterung der Produktionsleiter kann in kleineren Dosen
vor sich gehen, indem ein Teil des Mehrwerts zu Verbesserungen
angewandt wird, die entweder nur die Produktivkraft der angewand-
ten Arbeit erhöhen oder zugleich erlauben, sie intensiver auszu-
beuten. Oder auch, wo der Arbeitstag nicht gesetzlich beschränkt ist,
genügt eine zuschüssige Ausgabe von zirkulierendem Kapital (in
Produktionsstoffen und in Arbeitslohn), um die Produktionsleiter
zu erweitern, ohne Ausdehnung des fixen Kapitals, dessen tägliche
Gebrauchszeit so nur verlängert, während seine Umschlagsperiode
entsprechend verkürzt wird. Oder der kapitalisierte Mehrwert mag
bei günstigen Marktkonjunkturen Spekulationen in Rohstoff er-
tauben, Operationen, wozu das ursprünglich vorgeschossene Kapital
nicht hingereicht hätte, USW. ;

{ndes ist es klar, daß dort, wo die größere Anzahl der Umschlags-
perioden eine häufigere Realisation des Mehrwerts innerhalb des
Jahres mit sich bringt, Perioden eintreten werden, in denen. weder
der Arbeitstag zu verlängern noch Einzelverbesserungen anzu-
bringen sind, während anderseits Ausdehnung des ganzen Geschäfts
auf proportioneller Stufenleiter teils durch die ganze Anlage des
Geschäfts, die Baulichkeiten zum Beispiel, teils durch Ausdehnung
des Arbeitsfonds, wie in der Landwirtschaft, nur innerhalb
gewisser weiterer oder engerer Schranken möglich ist und zudem
einen Umfang von zuschüssigem Kapital erheischt, wie er nur
durch mehrjährige Akkumulation des Mehrwerts geliefert wer-
den kann. .

Neben der wirklichen Akkumulation oder Verwandlung des Mehr-
werts in produktives Kapital (und entsprechender Reproduktion
auf erweiterter Stufenleiter) läuft also Geldakkumulation, Zusam-
menscharren eines Teils des Mehrwerts als latentes Geldkapital, das
erst später, sobald es gewissen Umfang erreicht, als zuschüssiges
aktives Kapital fungieren. soll,

So stellt sich die Sache vom Standpunkt des einzelnen Kapita-
listen dar. Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion
entwickelt sich jedoch gleichzeitig das Kreditsystem. Das Geld-
kapital, das der Kapitalist noch nicht in seinem eigenen Geschäft
anwenden kann, wird von andern angewandt, von denen er Zinsen
dafür erhält. Es fungiert für ihn als Geldkapital im spezifischen
Sinn, als eine vom produktiven Kapital unterschiedene Sorte Kapital.
        <pb n="323" />
        270

Zweiter Abschnitt
Aber es wirkt als Kapital in anderer Hand. Es ist klar, daß mit der
häufigeren Realisation des Mehrwerts und der steigenden Stufen-
leiter, worauf er produziert wird, die Proportion wächst, worin neues
Geldkapital oder Geld als Kapital auf den Geldmarkt geworfen und
von hier aus wenigstens großenteils wieder für erweiterte Produk-
tion. absorbiert wird.
Die einfachste Form, worin sich dies zuschüssige latente Geld-
kapital darstellen kann, ist die des Schatzes. Es ist möglich, daß
dieser Schatz zuschüssiges Gold oder Silber ist, erhalten direkt. oder
indirekt im Austausch mit den edle Metalle produzierenden Ländern.
Und nur in dieser Weise wächst der Geldschatz innerhalb eines
Landes absolut. Es ist anderseits möglich — und dies ist die Mehrzahl
der Fälle —, daß dieser Schatz nichts anderes ist als der inländischen
Zirkulation entzogenes Geld, welches die Form des Schatzes in der Hand
einzelner Kapitalisten angenommen hat. Es ist ferner möglich, daß
dies latente Geldkapital bloß in Wertzeichen besteht — wir sehen
hier noch vom Kreditgeld ab — oder auch in bloßen durch legale
"gesetzlich anerkannte] Dokumente konstatierten Ansprüchen (Rechts-
titeln) der Kapitalisten auf dritte Personen. In allen diesen Fällen,
welches immer die. Daseinsform dieses zuschüssigen Geldkapitals,
repräsentiert es, soweit es Kapital in spe [zukünftiges Kapital] ist,
durchaus nichts als zuschüssige und. in Reserve gehaltene Rechts-
titel von Kapitalisten auf zukünftige zuschüssige jährliche Produktion
der Gesellschaft.
„Die Masse des wirklich akkumulierten Reichtums, nach seiner
Größe betrachtet, ... ist so durchaus, unbedeutend im Vergleich
mit den Produktivkräften der Gesellschaft, der er angehört, was
auch ihre Zivilisationsstufe sei, oder auch nur im Vergleich zu der
wirklichen Konsumtion dieser selben Gesellschaft während« nur
weniger Jahre — so unbedeutend, daß die Hauptaufmerksamkeit der
Gesetzgeber und der politischen Oekonomen gerichtet sein sollte
auf die „Produktivkräfte‘“ und ihre künftige freie Entwicklung, nicht
aber, wie bisher, auf den bloßen akkumulierten Reichtum, der das
Auge frappiert. Der bei weitem größte Teil des sogenannten akku-
mulierten Reichtums ist nur nominell und besteht nicht aus wirk-
lichen Gegenständen, Schiffen, Häusern, Baumwollenwaren, Land-
meliorationen, sondern aus bloßen Rechtstiteln, Ansprüchen auf die
künftigen jährlichen produktiven Kräfte der Gesellschaft, Rechts-
titeln, erzeugt und verewigt durch die Auskunftsmittel oder Institu-
tionen der Unsicherheit. .. Der Gebrauch solcher Artikel (Akkumu-
lationen physischer Dinge. oder wirklicher Reichtum) als bloßes
Mittel, ihren Besitzern den Reichtum anzueignen, den die zukünf-
tigen Produktivkräfte der Gesellschaft erst schaffen sollen, dieser Ge-
brauch würde ihnen durch die Naturgesetze der Verteilung ohne An-
wendung von Gewalt allmählich entzogen werden; unterstützt durch
SeNOSseNSChaftliche Arbeit (co-operative labour) würde er ihnen in
wenigen Jahren entzogen werden.‘ (William Thompson: „An In-
        <pb n="324" />
        Siebzehntes Kapitel

271

quiry into the Principles of the Distribution of Wealth. London
1850“, p. 453. — Dies Buch erschien zuerst 1824)32c,

„Es wird wenig bedacht, von den meisten nicht einmal ver-
mutet, in einem wie äußerst kleinen Verhältnis, sei es nach Masse
oder Wirkungskraft, die tatsächlichen Akkumulationen der Gesell-
schaft stehen zu den menschlichen Produktivkräften, ja selbst zu der
gewöhnlichen Konsumtion einer einzigen Menschengeneration wäh-
rend nur weniger Jahre. Der Grund ist augenscheinlich, aber die
Wirkung ist sehr schädlich. Der Reichtum, der jährlich verzehrt
wird, verschwindet mit seinem Gebrauch; er steht vor dem Auge
nur für einen Augenblick und macht Eindruck nur, während man
ihn genießt oder verbraucht. Aber der nur langsam verzehrbare Teil
des Reichtums, Möbel, Maschinen, Gebäude, von unserer Kindheit
bis zum Alter stehen sie vor unserm Auge, dauernde Denkmäler
der menschlichen Anstrengung. Kraft des Besitzes dieses fixen, dau-
ernden, nur langsam verzehrten Teils des öffentlichen Reichtums —
des Bodens und der Rohstoffe, an denen, der Werkzeuge, mit denen
gearbeitet wird, der Häuser, die während der Arbeit Obdach geben —,
kraft dieses Besitzes beherrschen die Eigentümer dieser Gegenstände
zu ihrem eigenen Vorteil die jährlichen Produktivkräfte aller wirk-
lich produktiven Arbeiter der Gesellschaft, so unbedeutend jene
Gegenstände auch sein mögen im Verhältnis zu den stets wieder-
kehrenden Produkten dieser Arbeit, Die Bevölkerung von Britannien
und Irland ist 20 Millionen; der Durchschnittsverbrauch jedes einzel-
nen, Mann, Weib und Kind, ist wahrscheinlich ungefähr 20 Pfd.
Sterl., zusammen ein Reichtum von ungefähr 400 Millionen Pfd.
Sterl., das jährlich verzehrte Arbeitsprodukt. Der Gesamtbetrag des
akkumulierten Kapitals dieser Länder übersteigt nicht nach der Ab-
schätzung 1200 Millionen oder das dreifache jährliche Arbeitsprodukt,
bei gleicher Teilung 60 Pfd. Sterl. Kapital auf den Kopf. Wir haben
es hier mehr mit dem Verhältnis zu tun als mit den mehr oder
minder genauen absoluten Beträgen dieser Schätzungssummen., Die
Zinsen dieses Gesamtkapitals würden hinreichen, um die Gesamt-
bevölkerung in ihrer gegenwärtigen Lebenshaltung ungefähr zwei
Monate in einem Jahr zu erhalten, und das gesamte akkumulierte
Kapital selbst (könnten Käufer gefunden werden) würde sie ohne
Arbeit unterhalten für ganze drei Jahre! Am Ende welcher Zeit,
ohne Häuser, Kleider oder Nahrung, sie verhungern müßten oder
aber die Sklaven werden derer, die sie während der drei Jahre unter-
halten haben. Wie drei Jahre sich verhalten zur Lebenszeit einer
gesunden Generation, sage zu 40 Jahren, so verhält sich die Größe
und Bedeutung des wirklichen Reichtums, das akkumulierte Kapital
selbst des reichsten Landes, zu ihrer Produktivkraft, zu den pro-
duktiven Kräften einer einzigen Menschengeneration, nicht zu dem,
was sie produzieren könnten unter verständigen Anordnungen gleicher

320 In der Engelsschen Ausgabe steht 1827. K.
Das Kapital. IT.
        <pb n="325" />
        272

Zweiter Abschnitt
Sicherheit und besonders bei genossenschaftlicher Arbeit, sondern
zu dem, was sie wirklich absolut produzieren unter den mangel-
haften und entmutigenden Ausfluchtsmitteln der Unsicherheit!
Und. um diese scheinbar gewaltige Masse des vorhandenen Kapitals
oder vielmehr das vermittels ihrer erworbene Kommando und Mono-
pol über die Produkte der jährlichen Arbeit in seinem gegenwärtigen
Zustand erzwungener Teilung zu erhalten und zu verewigen, soll die
ganze schauderhafte Maschinerie, die Laster, Verbrechen und Leiden
der Unsicherheit verewigt werden. Nichts kann akkumuliert werden,
ohne daß die notwendigen Bedürfnisse zuerst befriedigt sind, und
der große Strom menschlicher Neigungen fließt dem Genusse nach;
daher der verhältnismäßig unbedeutende Betrag des wirklichen Reich-
tums der Gesellschaft in jedem gegebenen Augenblick. Es ist ein
ewiger Kreislauf von Produktion und Konsumtion. In dieser un-
geheuren Masse jährlicher Produktion und Konsumtion würde die
Handvoll wirklicher Akkumulation kaum entbehrt werden; und doch
ist das Hauptaugenmerk gerichtet worden nicht auf jene Masse Pro-
duktivkraft, sondern auf diese Handvoll Akkumulation. Aber diese
Handvoll ist mit Beschlag belegt worden durch einige wenige und
verwandelt worden in das Werkzeug zur Aneignung der beständig
jährlich wiederkehrenden Produkte der Arbeit der großen Masse.%2d
Daher die entscheidende Wichtigkeit eines solchen Werkzeuges für
diese wenigen... Ungefähr ein Drittel des nationalen J ahrespro-
üdukts wird jetzt unter dem Namen öffentlicher Lasten den Produ-
zenten entzogen und unproduktiv konsumiert durch Leute, die kein
Aequivalent dafür geben, das heißt keins, was den Produzenten als
solches gilt... Das Auge der Menge blickt erstaunt auf die akkumu-
lierten Massen, besonders wenn sie in den Händen einiger wenigen
konzentriert sind. Aber die jährlich produzierten Massen, wie die
ewigen und unzählbaren Wogen eines mächtigen Stromes, rollen vorbei
und verlieren sich im vergessenen Ozean der Konsumtion. Und doch
bedingt diese ewige Konsumtion nicht allein alle Genüsse, sondern
die Existenz des ganzen Menschengeschlechts. Die Menge und Ver-
teilung dieses Jahresprodukts sollte vor allem zum Gegenstand der
Erwägung gemacht werden. Die wirkliche Akkumulation ist von
durchaus sekundärer Bedeutung und erhält auch diese Bedeutung fast
ausschließlich durch ihren Einfluß anf die Verteilung des Jahres-
produkts... Die wirkliche Akkumulation und Verteilung wird hier (in
Thompsons Schrift) stets betrachtet mit Bezug und Unterordnung zur
Produktivkraft. In fast allen andern Systemen ist die Produktivkraft
betrachtet worden mit Bezug und Unterordnung zur Akkumulation und
zur Verewigung der bestehenden Verteilungsweise. Verglichen mit der
Erhaltung dieser bestehenden Verteilungsweise wird das stets wieder-

%2d Im Original heißt es „the great majority of their fellow-creatures‘‘
(„die große Mehrheit ihrer Mitmenschen“). Die wohl von Marx herrührende
Uebersetzung ist mitunter frei. K.
        <pb n="326" />
        Siebzehntes Kapitel

273
kehrende Elend oder Wohlergehen des ganzen Menschengeschlechts
nicht eines Blickes würdig gehalten. Die Ergebnisse. der Gewalt, des
Betruges und des Zufalls verewigen, das hat man Sicherheit genannt,
und der Erhaltung dieser erlogenen Sicherheit sind alle Produktiv-
kräfte des Menschengeschlechts erbarmungslos zum Opfer gebracht
worden.‘ ({(Ibidem [im gleichen Buch], p. 440—443.) ;

Für die Reproduktion sind nur zwei normale Fälle möglich, ab-
gesehen von Störungen, welche selbst die Reproduktion auf gegebener
Stufenleiter hemmen.

Entweder es findet Reproduktion auf einfacher Stufenleiter statt.

Oder es findet Kapitalisierung von Mehrwert statt Akkumu-
lation.

I. Einfache Reproduktion.

Bei einfacher Reproduktion wird der jährlich oder mit mehreren
Umschlägen innerhalb des Jahres periodisch produzierte und realisierte
Mehrwert individuell, das heißt unproduktiv, konsumiert von seinen
Eignern, den Kapitalisten.

Der Umstand, daß der Produktenwert zum Teil aus Mehrwert
besteht, zum andern Teil aus dem Wertteil, gebildet durch das in
ihm reproduzierte variable Kapital plus dem in ihm aufgezehrten
konstanten Kapital, ändert absolut nichts weder an dem Quantum
noch dem Wert des Gesamtprodukts, welches als Warenkapital bestän-
dig in die Zirkulation eingeht und ihr ebenso beständig entzogen wird,
um der produktiven oder individuellen Konsumtion anheimzufallen,
das heißt, um als Produktionsmittel oder als Konsumtionsmittel zu
dienen. Von dem konstanten Kapitalabgesehen, wird nur die Verteilung
des jährlichen Produkts zwischen Arbeitern und Kapitalisten dadurch
affiziert.

Selbst die einfache Reproduktion unterstellt, muß daher ein Teil
des Mehrwerts beständig in Geld und nicht in Produkt existieren,
weil er sonst nicht behufs der Konsumtion aus Geld in Produkt ver-
wandelt werden kann, Diese Verwandlung des Mehrwerts aus seiner
ursprünglichen Warenform in Geld ist hier weiter zu untersuchen.
Zur Vereinfachung der Sache wird die einfachste Form des Problems
unterstellt, nämlich die ausschließliche Zirkulation von Metallgeld,
von Geld, welches wirkliches Aequivalent ist.

Nach den für die einfache Warenzirkulation entwickelten Ge-
setzen (Buch I, KapitelIII) muß die Masse des im Lande vorhandenen
Metallgeldes nicht nur hinreichen, um die Waren zu zirkulieren. Sie
muß hinreichen für die Schwankungen des Geldumlaufs, die teils
entspringen aus Fluktuationen [Schwankungen] in der Geschwindig-
keit der Zirkulation, teils aus dem Preiswechsel der Waren, teils aus
den verschiedenen und wechselnden Proportionen, worin das Geld
als: Zahlungsmittel oder als eigentliches Zirkulationsmittel fungiert.
Das Verhältnis, worin die vorhandene Geldmasse sich in Schatz und
umlaufendes‘ Geld spaltet, wechselt beständig, aber die Masse des
        <pb n="327" />
        274

Zweiter Abschnitt
Geldes ist stets gleich der Summe des als Schatz und als umlaufendes
Geld vorhandenen Geldes. Diese Geldmasse (Masse edlen Metalls)
ist ein nach und nach akkumulierter Schatz der Gesellschaft. Soweit
ein Teil dieses Schatzes sich durch Verschleiß verzehrt, muß er jähr-
lich wie jedes andere Produkt neu ersetzt werden. Dies geschieht
in der Wirklichkeit durch direkten oder indirekten Austausch eines
Teils des jährlichen Landesprodukts mit dem Produkt der Gold und
Silber produzierenden Länder. Dieser internationale Charakter der
Transaktion verhüllt indes ihren einfachen Verlauf. Um das Problem
daher auf seinen einfachsten und durchsichtigsten Ausdruck zu redu-
zieren, muß vorausgesetzt werden, daß Gold- und Silberproduktion
im Lande selbst stattfindet, also Gold- und Siüberproduktion einen
Teil der gesellschaftlichen Gesamtproduktion innerhalb jedes Landes
bildet.

Abgesehen von dem für Luxusartikel produzierten Gold oder
Silber muß das Minimum ihrer jährlichen Produktion gleich sein dem
durch die jährliche Geldzirkulation bewirkten Verschleiß der Geld-
metalle. Ferner: Wächst die Wertsumme der jährlich produzierten
und zirkulierten Warenmasse, so muß auch die jährliche Gold- und
3ilberproduktion wachsen, soweit die gewachsene Wertsumme der
zirkulierenden Waren und die für ihre Zirkulation (und entsprechende
Schatzbildung) erforderliche Geldmasse nicht kompensiert [ausge-
glichen] wird durch größere Geschwindigkeit des Geldumlaufs und
durch umfangreichere Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, das heißt
durch größere gegenseitige Saldierung der Käufe und Verkäufe ohne
Dazwischenkunft von wirklichem Geld.

Ein Teil der gesellschaftlichen Arbeitskraft und ein Teil der ge-
sellschaftlichen Produktionsmittel muß also in der Produktion von
Gold und Silber jährlich verausgabt werden.

Die Kaäpitalisten, welche die Gold- und Silberproduktion betreiben
und — wie hier bei Voraussetzung einfacher Reproduktion ange-
nommen. — nur betreiben innerhalb der Schranken des jährlichen
Durchschnittsverschleißes und des dadurch verursachten jährlichen
Durchschnittskonsums von Gold und Silber, werfen ihren Mehrwert,
den sie nach der Unterstellung jährlich konsumieren, ohne etwas da-
von zu kapitalisieren, direkt in die Zirkulation in der Geldform, die
für sie die Naturalform, nicht wie in den andern Produktionszweigen
lie verwandelte Form des Produkts ist.

Ferner: was den Arbeitslohn betrifff — die Geldform, worin das
variable Kapital vorgeschossen. wird —, so wird er hier ebenfalls er-
setzt nicht durch Verkauf des Produkts, seine Verwandlung in Geld,
sondern durch ein Produkt, dessen Naturalform von vornherein die
Geldform ist.

Endlich findet dies auch mit dem Teil des Edelmetall-Produkts
statt, der gleich dem Wert des periodisch aufgezehrten konstanten
Kapitals’ist, sowohl des konstanten zirkulierenden wie des während
des Jahres verzehrten konstanten fixen Kapitals. ©
        <pb n="328" />
        Siebzehntes Kapitel

275
Betrachten wir den Kreislauf respektive Umschlag des in der
Edelmetall-Produktion angelegten Kapitals zunächst unter der Form
G—W...P...G6’. Soweit in G — W das W nicht nur aus Arbeits-
kraft und Produktionsmitteln besteht, sondern auch aus fixem Ka-
pital, wovon nur ein Wertteil in P aufgebraucht wird, ist klar, daß
G’ — das Produkt — eine Geldsumme ist gleich dem in Arbeits-
lohn ausgelegten variablen Kapital plus dem in Produktionsmitteln
ausgelegten zirkulierenden konstanten Kapital plus dem Wertteil des
verschlissenen fixen Kapitals plus dem Mehrwert. Wäre die Summe
geringer, bei unverändertem allgemeinen Wert des Goldes, so wäre
die Minenanlage unproduktiv, oder — wenn dies allgemein der Fall —
würde in Zukunft der Wert des Goldes, verglichen mit den Waren,
deren Wert nicht verändert, steigen, das heißt, die Preise der Waren
würden fallen, es würde also in Zukunft die in G — W ausgelegte
Geldsumme kleiner sein,

Betrachten wir zunächst nur den zirkulierenden Teil des in G,
dem Ausgangspunkt von G — W...P...G’, vorgeschossenen Kapi-
tals, so wird eine bestimmte Geldsumme vorgeschossen, in Zirkulation
geworfen zur Zahlung von Arbeitskraft und zum Kauf von Produk-
tionsstoffen. Aber sie wird durch den Kreislauf dieses Kapitals der
Zirkulation nicht wieder entzogen, um von neuem hineingeworfen zu
werden. Das Produkt in seiner Naturalform ist schon Geld, es braucht
also nicht erst durch Austausch, durch einen Zirkulationsprozeß in Geld
verwandelt zu werden. Es tritt aus dem Produktionsprozeß in die
Zirkulationssphäre nicht in der Form von Warenkapital, das sich in
Geldkapital, sondern als Geldkapital, das sich in produktives Kapital
rückverwandeln, das heißt von neuem Arbeitskraft und Produktions-
stoffe kaufen soll. Die Geldform des zirkulierenden, in Arbeitskraft
und Produktionsmitteln verzehrten Kapitals wird ersetzt nicht durch
den Verkauf des Produkts, sondern durch die Naturalform des Produkts
selbst, also nicht durch Wiederentziehen seines Wertes aus der Zirkula-
tion in Geldform, sondern durch zuschüssiges, neu produziertes Geld.

Nehmen wir an, dies zirkulierende Kapital sei gleich 500 Pfd.
Sterl., die Umschlagsperiode gleich 5 Wochen, Arbeitsperiode gleich
4 Wochen, Zirkulationsperiode nur gleich 1 Woche. Es muß von
vornherein für 5 Wochen Geld teils in Produktionsvorrat vorgeschos-
sen werden, teils vorrätig sein, um nach und nach in Arbeitslohn
weggezahlt zu werden. Anfang der 6. Woche sind 400 Pfd. Sterl.
zurückgeflossen und 100 Pfd. Sterl. freigesetzt. Dies wiederholt sich
beständig. Hier, wie früher, werden während gewisser Zeit des Um-
schlags 100 Pfd. Sterl. beständig in der freigesetzten Form sich be-
finden. Aber sie bestehen aus zuschüssigem neuproduziertem Geld,
ganz wie die andern 400 Pfd. Sterl. Wir hatten hier 10 Umschläge
im Jahr, und das produzierte Jahresprodukt ist gleich 5000 Pfd.
Sterl. Gold. (Die Zirkulationsperiode entsteht hier nicht durch die
Zeit, welche die Verwandlung der Ware in Geld, sondern welche die
Verwandlung von Geld in die Produktionselemente kostet.)
        <pb n="329" />
        276
Zweiter Abschnitt
Bei jedem andern Kapital von 500 Pfd. Sterl., weiches unter
denselben Bedingungen umschlägt, ist die beständig erneuerte Geld-
form die verwandelte Form des produzierten Warenkapitals, welches
alle 4 Wochen in die Zirkulation geworfen wird und das durch seinen
Verkauf — also durch periodische Entziehung des Geldquantums,
als das es ursprünglich in den Prozeß eintrat — diese Geldform stets
von neuem wieder erhält. Hier dagegen wird in jeder Umschlags-
periode eine neue zuschüssige Geldmasse von 500 Pfad. Sterl. aus dem
Produktionsprozeß selbst in die Zirkulation geworfen, um ihr be-
ständig Produktionsstoffe und Arbeitskraft zu entziehen. Dies in
die Zirkulation geworfene Geld wird ihr durch den Kreislauf dieses
Kapitals nicht wieder entzogen, sondern noch durch beständig neu-
produzierte Goldmassen vermehrt.

Betrachten wir den variablen Teil dieses zirkulierenden Kapitals
und setzen wir ihn wie oben gleich 100 Pfd. Sterl., so wären in der
gewöhnlichen Warenproduktion diese 100 Pfd. Sterl. bei zehnmali-
gem Umschlag hinreichend, um beständig die Arbeitskraft zu zahlen.
Hier in der Goldproduktion reicht dieselbe Summe; aber die 100 Pfd.
Sterl. Rückfluß, womit die Arbeitskraft in je 5 Wochen bezahlt
wird, sind. nicht verwandelte Form ihres Produkts, sondern sind ein
Teil ihres stets erneuten Produkts selbst. Der Goldproduzent zahlt
seine Arbeiter direkt mit einem Teil des von ihnen selbst produzierten
Goldes. Die so in Arbeitskraft Jährlich ausgelegten und von den
Arbeitern in die Zirkulation geworfenen 1000 Pfd. Sterl. kehren daher
nicht durch die Zirkulation zu ihrem Ausgangspunkt zurück.

Was ferner das fixe Kapital betrifft, so erheischt es bei erster
Anlage des Geschäfts die Verausgabung eines größeren Geldkapitals,
das also in die Zirkulation geworfen wird. Wie alles fixe Kapital
fließt es nur stückweise im Lauf von Jahren zurück, Aber es fließt
zurück als unmittelbares Stück des Produkts, des Goldes, nicht durch
Verkauf des Produkts und seine dadurch vollzogene Vergoldung. Es
erhält also allmählich seine Geldform nicht durch Entziehung von
Geld aus der Zirkulation, sondern durch Anhäufen eines entsprechen-
den Teils des Produkts. Das so wieder hergestellte Geldkapital ist
nicht eine Geldsumme, allmählich der Zirkulation entzogen zur Aus-

gleichung der ursprünglich für das fixe Kapital in sie geworfenen
Geldsumme. Es ist eine zuschüssige Masse Geld.

Endlich, was den Mehrwert betrifft, so ist er ebenfalls gleich einem
Teil des neuen Goldprodukts, das in jeder neuen Umschlagsperiode
in Zirkulation geworfen wird, um nach unserer Unterstellung unpro-
duktiv verausgabt, für Lebensmittel und Luxusgegenstände weg-
gezahlt- zu werden.

Nach der Voraussetzung aber ersetzt diese ganze jährliche Gold-
produktion — wodurch beständig Arbeitskraft und Produktionsstoffe,
aber kein Geld dem Markt entzogen und beständig zuschüssiges Geld
ihm zugeführt wird — nur das während des Jahres verschlissene
Geld, hält also nur die gesellschaftliche Geldmasse vollzählie, die
        <pb n="330" />
        Siebzehntes Kapitel

277

beständig, wenn auch in wechselnden Portionen, in den zwei Formen
von Schatz und im Umlauf befindlichem Geld existiert.

Nach dem Gesetz der Warenzirkulation muß die Geldmasse
gleich sein der für die Zirkulation erheischten Geldmasse plus einem in
Schatzform befindlichen Geldquantum, welches je nach Kontraktion
oder Expansion der Zirkulation zu- oder abnimmt, namentlich aber
auch für die Bildung der nötigen Reservefonds von Zahlungsmitteln
dient. Was in Geld gezahlt werden muß — soweit keine Ausgleichung
der Zahlungen stattündet —, ist der Wert der Waren. Daß ein Teil
dieses Wertes aus Mehrwert besteht, das heißt dem Verkäufer der Waren
nichts gekostet hat, ändert absolut nichts an der Sache. Gesetzt,
die Produzenten seien alle selbständige Besitzer ihrer Produktions-
mittel, es finde also Zirkulation statt zwischen den unmittelbaren
Produzenten selbst. Abgesehen von dem konstanten Teil ihres Kapi-
tals, könnte man dann ihr jährliches Mehrprodukt zur Analogie mit
dem kapitalistischen Zustand in zwei Teile teilen: den einen a, der
bloß ihre notwendigen Lebensmittel ersetzt, den andern b, den sie
zum Teil in Luxusprodukten verzehren, zum Teil zur Erweiterung der
Produktion anwenden. Der Teil a vertritt dann das variable Kapital,
b den Mehrwert. Aber diese Einteilung bliebe ohne allen Einfluß
auf die Größe der zur Zirkulation ihres Gesamtprodukts erheischten
Geldmasse. Bei sonst gleichbleibenden Umständen wäre der Wert
der zirkulierenden Warenmasse derselbe, daher auch die für ihn er-
heischte Geldmasse. Auch müßten sie dieselben Geldreserven bei
gleicher Teilung der Umschlagsperioden haben, das heißt denselben Teil
ihres Kapitals beständig in Geldform, da nach wie vor, nach der
Unterstellung, ihre Produktion Warenproduktion wäre. Der Um-
stand also, daß ein Teil des Warenwerts aus. Mehrwert besteht, ändert
absolut nichts an der Masse des zum Betrieb des Geschäfts not-
wendigen Geldes.

Ein Gegner Tookes, der sich an die Form G — W — G hält,
Iragt ihn, wie es denn der Kapitalist anfange, um beständig der Zir-
kulation mehr Geld zu entziehen, als er in sie hineinwirft, Man ver-
stehe wohl. Es handelt sich hier nicht um die Bildung des Mehr-
werts. Diese, die das einzige Geheimnis ausmacht, versteht sich vom
kapitalistischen Standpunkt von selbst. Die angewandte Wert-
summe wäre ja nicht Kapital, wenn sie nicht mit einem Mehrwert
sich bereicherte. Da sie also der Voraussetzung nach Kapital ist,
versteht sich der Mehrwert von selbst.

Die Frage ist also nicht: Wo kommt der Mehrwert her? Sondern:
Wo kommt das Geld her, um ihn zu versilbern ?

Aber in der bürgerlichen Oekonomie versteht sich die Existenz
des Mehrwerts von selbst. Sie ist also nicht nur unterstellt, sondern
mit ihr ist auch ferner unterstellt, daß ein Teil der in die Zirkulation
geworfenen Warenmasse aus Mehrprodukt besteht, also einen Wert
darstellt, den der Kapitalist.nicht mit seinem Kapital in die Zirku-
lation warf, daß der Kapitalist. also mit seinem Produkt einen
        <pb n="331" />
        278
Ueberschuß über sein Kapital in die Zirkulation wirft und ihr diesen
Ueberschuß auch wieder entzieht.

Das Warenkapital, das der Kapitalist in die Zirkulation wirft,
ist von größerem Wert (woher das kommt, wird nicht erklärt oder
begriffen, aber c’est un fait [es ist eine Tatsache] vom Standpunkt
dieser Selbigen) als das produktive Kapital, das er in Arbeitskraft
plus Produktionsmitteln der Zirkulation entzogen hat. Unter dieser
Voraussetzung ist daher klar, warum nicht nur Kapitalist A, sondern
auch B, C, D ete. der Zirkulation durch Austausch seiner Ware beständig
mehr Wert entziehen kann als den Wert seines ursprünglich und
stets aufs neue vorgeschossenen Kapitals. A, B, C, D ete. werfen
beständig einen größeren Warenwert — diese Operation ist so viel-
zeitig wie die selbständig fungierenden Kapitale — in der Form von
Warenkapital in die Zirkulation, als sie ihr unter der Form von pro-
duktivem Kapital entziehen. Sie haben also beständig sich in eine
Wertsumme zu teilen (das heißt jeder seinerseits der Zirkulation ein pro-
duktives Kapital zu entziehen) gleich der Wertsumme ihrer respek-
tiven vorgeschossenen. produktiven Kapitale; und ebenso beständig
sich in eine Wertsumme zu teilen, die sie ebenso allseitig in Waren-
form als respektiven Ueberschuß des Warenwerts über den Wert
seiner Produktionselemente in die Zirkulation werfen.

Aber das Warenkapital, vor seiner Rückverwandlung in pro-
duktives Kapital und vor der Verausgabung des in ihm steckenden
Mehrwerts, muß versilbert werden. Wo kommt.das Geld dazu her?
Diese Frage erscheint auf den ersten Blick schwierig, und weder
Tooke noch ein anderer hat sie bisher beantwortet.

Das in der Form von Geldkapital vorgeschossene zirkulierende

Kapital von 500 Pfd. Sterl., welches immer seine Umschlagsperiode, sei
das zirkulierende Gesamtkapital der Gesellschaft, das heißt der
Kapitalistenklasse. Der Mehrwert sei 100 Pfd. Sterl. Wie kann nun
die ganze Kapitalistenklasse beständig 600 Pfd, Sterl. aus der Zirku-
lation herausziehen, wenn sie beständig nur 500 Pfd. Sterl. hinein wirft ?
. Nachdem das Geldkapital von 500 Pfd. Sterl. in produktives
Kapital verwandelt, verwandelt dieses sich innerhalb des Produk-
tionsprozesses in Warenwert von 600 Pfd. Sterl., und es befindet sich
in Zirkulation nicht nur ein Warenwert von 500 Pfd. Sterl., gleich dem
ursprünglich vorgeschossenen Geldkapital, sondern ein neuprodu-
zierter Mehrwert von 100 Pfd. Sterl.

Dieser zuschüssige Mehrwert von 100 Pfd. Sterl. ist in. Waren-
form in die Zirkulation geworfen. Darüber besteht kein Zweifel.
Aber durch dieselbe Operation ist nicht das zuschüssige Geld für die
Zirkulation dieses zuschüssigen Warenwerts gegeben.

Man muß nun die Schwierigkeit nicht durch plausible [annehm-
bar scheinende] Ausflüchte zu umgehen suchen.

Zum Beispiel: Was das konstante zirkulierende Kapital betrifft,
so ist klar, daß nicht alle es gleichzeitig auslegen. Während Kapitalist
A seine Ware verkauft, also für ihn vorgeschossenes Kapital Geld-

Zweiter Abschnitt
        <pb n="332" />
        Siebzehntes Kapitel

279
form annimmt, nimmt für den Käufer B umgekehrt sein in Geld-
form vorhandenes Kapital die Form seiner Produktionsmittel an, die
gerade A produziert. Durch denselben Akt, wodurch A seinem
produzierten Warenkapital die Geldform wiedergibt, gibt B dem
seinigen die produktive Form wieder, verwandelt es aus Geldform in
Produktionsmittel und Arbeitskraft; dieselbe Geldsumme fungiert
in dem doppelseitigen Prozeß wie in jedem einfachen Kauf W — G.
Anderseits, wenn A. das Geld wieder in Produktionsmittel verwandelt,
kauft er von C, und dieser zahlt damit B ete. So wäre dann der
Hergang erklärt. Aber:

Alle in bezug auf das Quantum des zirkulierenden Geldes bei
der Warenzirkulation (Buch I, Kapitel III) aufgestellten Gesetze
werden in keiner Art durch den kapitalistischen Charakter des
Produktionsprozesses geändert. ki

Wenn also gesagt wird, das in Geldform vorzuschießende zirku-
lierende Kapital der Gesellschaft beträgt 500 Pfad. Sterl., so ist dabei
schon in Berechnung gebracht, daß dies einerseits die Summe ist, die
gleichzeitig vorgeschossen war, daß aber anderseits diese Summe
mehr produktives Kapital in Bewegung setzt als 500 Pfd. Sterl.,
weil sie abwechselnd. als Geldfonds verschiedener produktiven Ka-
pitale dient. Diese Erklärungsweise setzt also schon das Geld als
vorhanden voraus, dessen Dasein sie erklären soll.

Es könnte ferner gesagt werden: Kapitalist A. produziert Artikel,
die Kapitalist B individuell, unproduktiv konsumiert. Das Geld von
B versilbert also das Warenkapital von A, und so dient dieselbe
Geldsumme zur Versilberung des Mehrwerts von B und des zirku-
lierenden konstanten Kapitals von A. Hieristaberdie Lösung der Frage,
die beantwortet werden soll, noch direkter unterstellt. Nämlich, wo
kriegt B dies Geld zur Bestreitung seiner Revenue her? Wie hat er
selbst diesen Mehrwertteil seines Produkts versilbert ?

Ferner könnte gesagt werden, der Teil des zirkulierenden va-
riablen Kapitals, den A seinen Arbeitern beständig vorschießt,
strömt ihm beständig aus der Zirkulation zurück, und nur ein ab-
wechselnder Teil davon liegt beständig bei ihm selbst für Zahlung
des Arbeitslohnes fest. Zwischen der Ausgabe und dem Rückstrom
verfließt jedoch eine gewisse Zeit, während deren das in Arbeits-
(ohn ausgezahlte Geld unter anderm auch zur Versilberung‘ von
Mehrwert dienen kann.‘— Aber wir wissen erstens, daß je größer
diese Zeit, um so größer auch die Masse des Geldvorrats sein muß,
die der Kapitalist A. beständig in petto [in Bereitschaft] halten muß.
Zweitens gibt der Arbeiter das Geld aus, kauft Waren damit, ver-
silbert daher den in diesen Waren steckenden Mehrwert pro tanto.
Also dient dasselbe Geld, das in der Form des variablen Kapitals
vorgeschossen wird, pro tanto auch dazu, Mehrwert zu versilbern.
Ohne hier noch tiefer auf diese Frage einzugehen, hier nur so viel:
daß die Konsumtion der ganzen Kapitalistenklasse und der von ihr
abhängigen unproduktiven Personen gleichzeitig Schritt hält mit der
        <pb n="333" />
        280

Zweiter Abschnitt
für die Arbeiterklasse, also, gleichzeitig mit dem von den Arbeitern
in Zirkulation geworfenen Geld, von den Kapitalisten Geld in die
Zirkulation geworfen werden muß, um ihren Mehrwert als Revenue
zu verausgaben, also für denselben der Zirkulation Geld entzogen
sein muß. Die eben gegebene Erklärung würde nur das so nötige
Quantum verringern, nicht beseitigen.

Endlich könnte gesagt werden: Es wird doch beständig ein
großes Quantum Geld in Zirkulation geworfen bei der ersten Anlage
des fixen Kapitals, das der Zirkulation nur allmählich, stückweise,
im Laufe von Jahren, von dem wieder entzogen wird, der es hinein-
warf. Kann diese Summe nicht hinreichen, um den Mehrwert zu
versilbern ? — Hierauf ist zu antworten, daß vielleicht in der Summe
von 500 Pfd. Sterl. (die auch Schatzbildung für nötige Reservefonds
einschließt) schon die Anwendung dieser Summe als fixes Kapital,
wenn nicht durch den, der sie hineinwarf, so doch durch jemand
anders, einbegriffen ist. Außerdem ist bei der Summe, die für Be-
schaffung der als fixes Kapital dienenden Produkte ausgegeben wird,
schon unterstellt, daß auch der in diesen Waren steckende Mehrwert
gezahlt ist, und es frägt sich eben, wo dies Geld herkommt.

Die allgemeine Antwort ist bereits gegeben: Wenn eine Waren-
masse von x X 1000 Pfd. Sterl. zu zirkulieren ist, so ändert es absolut
nichts am Quantum der zu dieser Zirkulation nötigen Geldsumme, ob
der Wert dieser Warenmasse Mehrwert enthält oder nicht, ob die
Warenmasse kapitalistisch produziert ist oder nicht. Das Problem
selbst existiert also nicht. Bei sonst gegebenen Bedingungen,
Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes etc., ist eine bestimmte Geld-
summe erheischt, um den Warenwert von x X 1000 Pfd. Sterl. zu
zirkulieren, ganz unabhängig von dem Umstand, wie viel oder wie
wenig von diesem Wert den unmittelbaren Produzenten dieser Waren
zufällt. Soweit hier ein Problem existiert, fällt es zusammen mit dem
allgemeinen Problem: woher die zur Zirkulation der Waren in einem
Lande nötige Geldsumme kommt.

Indes existiert allerdings vom Standpunkt der kapitalistischen
Produktion der Schein eines besonderen Problems. Es ist nämlich
hier der Kapitalist, weicher als der Ausgangspunkt erscheint, von. dem
das Geld in die Zirkulation geworfen wird. Das Geld, das der Arbeiter
zur Zahlung seiner Lebensmittel ausgibt, existiert vorher als Geld-
form des variablen Kapitals und wird daher ursprünglich vom
Kapitalisten in Zirkulation geworfen als Kauf- oder Zahlungsmittel
von Arbeitskraft. Außerdem wirft der Kapitalist das Geld in Zirku-
lation, das für ihn ursprünglich die Geldform seines konstanten, fixen
und flüssigen Kapitals bildet; er gibt es aus als Kauf- und Zahlungs-
mittel für Arbeitsmittel und. Produktionsstoffe. Aber über dies
hinaus erscheint der Kapitalist nicht weiter als Ausgangspunkt der in
der Zirkulation befindlichen Geldmasse. Nun aber existieren nur
zwei Ausgangspunkte: der Kapitalist und der Arbeiter. Alle dritten
Personenrubriken müssen entweder für Dienstleistungen Geld von
        <pb n="334" />
        Siebzehntes Kapitel

281
diesen beiden Klassen erhalten, oder soweit sie es ohne Gegenleistung
erhalten, sind sie Mitbesitzer des Mehrwerts in der Form von Rente,
Zins ete. Daß der Mehrwert nicht ganz in der Tasche des industriellen
Kapitalisten bleibt, sondern von ihm mit andern Personen geteilt
werden muß, hat mit der vorliegenden Frage nichts zu tun. Es fragt
sich, wie er seinen Mehrwert versilbert, nicht wie das dafür gelöste
Silber sich später verteilt. Es ist also für unsern Fall der Kapitalist
noch als einziger Besitzer des Mehrwerts zu betrachten. Was aber
den Arbeiter betrifft, so ist bereits gesagt, daß er nur sekundärer
Ausgangspunkt, der Kapitalist aber der primäre Ausgangspunkt des
vom Arbeiter in die Zirkulation geworfenen Geldes ist. Das zuerst
als variables Kapital vorgeschossene Geld vollzieht bereits seinen
zweiten Umlauf, wenn der Arbeiter es zur Zahlung von Lebensmitteln
ausgibt.

Die Kapitalistenklasse bleibt also der einzige Ausgangspunkt
der Geldzirkulation. Wenn sie zur Zahlung von Produktionsmitteln
400 Pfd. Sterl., zur Zahlung der Arbeitskraft 100 Pfd. Sterl. braucht,
80 wirft sie 500 Pfd. Sterl. in Zirkulation. Aber der in dem Produkt
steckende Mehrwert, bei Mehrwertsrate von 100 %, ist gleich einem
Wert von 100 Pfd. Sterl. Wie kann sie 600 Pfd. Sterl. aus der Zirku-
lation beständig herausziehen, wenn sie beständig nur 500 Pfd. Sterl.
hineinwirft ? Aus Nichts wird Nichts. Die Gesamtklasse der Kapita-
listen kann nichts aus der Zirkulation herausziehen, was nicht vorher
hineingeworfen war.

Es wird hier abgesehen davon, daß die Geldsumme von 400 Pfd.
Sterl. vielleicht hinreicht, um bei zehnmaligem Umschlag Produktions-
mittel zum Wert von 4000 Pfd. Sterl. und Arbeit zum Wert von
1000 Pfd. Sterl. zu zirkulieren, und die übrigen 100 Pfd. Sterl. für
die Zirkulation des Mehrwerts von 1000 Pfd. Sterl. ebenfalls genügen.
Dies Verhältnis der Geldsumme zu dem von ihr zirkulierten Waren-
wert tut nichts zur Sache. Das Problem bleibt dasselbe. Fänden
nicht verschiedene Umläufe derselben Geldstücke statt, so wären
5000 Pfd. Sterl. als Kapital in Zirkulation zu werfen und 1000 Pfd.
Sterl. wären nötig, um den Mehrwert zu versilbern. Es fragt sich, wo
dies letztere Geld herkommt, ob nun 1000 oder 100 Pfd. Sterl.
Jedenfalls ist es ein Ueberschuß über das in Zirkulation geworfene
Geldkapital.

In der Tat, so paradox [widersinnig] es auf den ersten Blick
scheint, die Kapitalistenklasse selbst wirft das Geld in Zirkulation,
das zur Realisierung des in den Waren steckenden Mehrwerts dient.
Aber nota bene [wohlgemerkt]: sie wirft es hinein nicht als vorge-
schossenes Geld, also nicht als Kapital. Sie verausgabt es als Kauf-
mittel für ihre individuelle Konsumtion. Es ist also nicht von ihr
vorgeschossen, obgleich sie der Ausgangspunkt seiner Zirkulation ist.

Nehmen wir einen einzelnen Kapitalisten, der sein Geschäft
eröffnet, zum Beispiel einen Pächter. Während des ersten Jahres
schießt er ein Geldkapital, sage von 5000 Pfd. Sterl. vor, in Zahlung
        <pb n="335" />
        282

Zweiter Abschnitt
von Produktionsmitteln (4000 Pfd. Sterl.) und von Arbeitskraft
(1000 Pfd, Sterl.). Die Mehrwertsrate sei 100 % der von ihm ange-
eignete Mehrwert gleich 1000 Pfd. Sterl. Die obigen 5000 Pfd. Sterl.
schließen alles Geld ein, was er als Geldkapital vorschießt. Aber der
Mann muß auch leben, und er nimmt kein Geld ein vor Ende des
Jahres. Sein Konsum betrage 1000 Pfd. Sterl. Diese muß er besitzen,
Er sagt zwar, daß er sich diese 1000 Pfad. Sterl. vorschießen muß
während des ersten Jahres. Doch heißt dies Vorschießen — das hier
nur subjektiven Sinn hat — weiter nichts, als daß er das erste Jahr
seine individuelle Konsumtion aus eigener Tasche statt aus der
Gratisproduktion seiner Arbeiter bestreiten muß. Er schießt dies
Geld nicht vor als Kapital. Er verausgabt es, zahlt es fort für ein
Aequivalent in Lebensmitteln, die er verzehrt. Dieser Wert ist von
ihm in Geld verausgabt, in die Zirkulation geworfen und in Waren-
werten ihr entzogen worden. Diese Warenwerte hat er verzehrt. Er
hat also aufgehört, in irgendeinem Verhältnis zu ihrem Wert zu
stehen. Das Geld, womit er ihn gezahlt, existiert als Element des
zirkulierenden Geldes. Aber den Wert dieses Geldes hat er der
Zirkulation in Produkten entzugen, und mit den Produkten, worin
er existierte, ist auch ihr Wert vernichtet. Er ist alle geworden. Am
Ende des Jahres nun wirft er in die Zirkulation einen Warenwert von
6000 Pfd. Sterl. und verkauft ihn. Damit fließt für ihn zurück: 1. sein
vorgeschossenes. Geldkapital von 5000 Pfd. Sterl.; 2. der versilberte
Mehrwert von 1000 Pfd. Sterl. Er hat 5000 Pfd. Sterl. als Kapital
vorgeschossen, in die Zirkulation geworfen, und er entzieht ihr
6000 Pfd. Sterl., 5000 Pfad. Sterl. für Kapital und 1000 Pfd. Sterl. für
Mehrwert. Die letzteren 1000 Pfd. Sterl. sind versilbert mit dem
Geld, das er selbst nicht als Kapitalist, sondern als Konsument in die
Zirkulation geworfen, nicht vorgeschossen, sondern verausgabt hat.
Sie kehren jetzt zu ihm zurück als Geldform des von ihm produ-
zierten Mehrwerts. Und von nun an wiederholt sich diese Operation
jährlich. Aber vom zweiten Jahr an sind die 1000 Pfd. Sterl., die er
verausgabt, beständig die verwandelte Form, die Geldform des von
ihm produzierten Mehrwerts. Er verausgabt sie jährlich und sie
fließen. ihm ebenso jährlich zurück.

Schlüge sein Kapital öfter im Jahre um, so änderte das nichts
an der Sache, wohl aber an der Länge der Zeit und daher an der
Größe der Summe, die er über sein vorgeschossenes Geldkapital
hinaus für seine individuelle Konsumtion in Zirkulation zu werfen
hätte.
Dies Geld wird vom Kapitalisten nicht als Kapital in Zirkulation
geworfen. Wohl aber gehört es zum Charakter des Kapitalisten, daß
er fähig ist, bis zum Rückfluß von Mehrwert von. den in seinem Be-
sitz befindlichen Mitteln zu leben.

In diesem Fall war angenommen, daß die Geldsumme, die der
Kapitalist bis zum ersten Rückfluß seines Kapitals zur Bestreitung
seiner individuellen Konsumtion in Zirkulation wirft, exakt gleich
        <pb n="336" />
        Siebzehntes Kapitel

283
ist dem von ihm produzierten und daher zu versilbernden Mehrwert.
Dies ist offenbar, mit Bezug auf den einzelnen Kapitalisten, eine
willkürliche Annahme. Aber sie muß richtig sein für die gesamte
Kapitalistenklasse bei Unterstellung einfacher Reproduktion. Sie
Adrückt nur dasselbe aus, was diese Unterstellung besagt, nämlich
daß der ganze Mehrwert, aber auch nur dieser, also kein Bruchteil
des ursprünglichen Kapitalstocks, unproduktiv verzehrt wird.

Es war oben unterstellt, daß die Gesamtproduktion an edien
Metallen (gleich 500 Pfd. Sterl. gesetzt) nur hinreicht, um den Geld-
verschleiß zu ersetzen.

Die Gold produzierenden Kapitalisten besitzen ihr ganzes Pro-
dukt in Gold, sowohl den Teil desselben, der konstantes Kapital, wie
den, der variables Kapital ersetzt, wie auch den aus Mehrwert be-
stehenden. Ein Teil des gesellschaftlichen Mehrwerts besteht also
aus Gold, nicht aus Produkt, das sich erst innerhalb der Zirkulation
vergoldet. Er besteht von vornherein aus Gold und: wird in die
Zirkulation geworfen, um ihr Produkte zu entziehen. Dasselbe gilt
hier vom Arbeitslohn, dem variablen Kapital, und vom Ersatz des
vorgeschossenen konstanten Kapitals: Wenn also ein Teil der Kapi-
talistenklasse einen Warenwert in die Zirkulation wirft, größer (um
den Mehrwert) als das von ihnen vorgeschossene Geldkapital, so
wirft ein anderer Teil der Kapitalisten einen größeren Geldwert
(größer um den Mehrwert) in die Zirkulation, als der Warenwert ist,
den sie der Zirkulation zur Produktion des Goldes beständig ent-
ziehen. Wenn ein Teil der Kapitalisten beständig mehr Geid aus der
Zirkulation auspumpt, als er einschießt, so pumpt der Gold: produ-
zierende Teil beständig mehr Geld ein, als er ihr in Produktions-
mitteln. entzieht.

Obgleich nun von diesem Produkt von 500 Pfd. Sterl. Gold ein
Teil Mehrwert der Goldproduzenten ist, so ist die ganze Summe doch
nur bestimmt zum Ersatz des für die Zirkulation der Waren nötigen
Geldes; wieviel davon den Mehrwert der Waren versilbert, wieviel
ihre andern Wertbestandteile, ist dabei gleichgültig.

Wenn man die Goldproduktion aus dem Land heraus in andere
Länder verlegt, so ändert das absolut nichts an der Sache. Ein Teil
der gesellschaftlichen Arbeitskraft und der gesellschaftlichen Produk-
tionsmittel im Land A ist in ein Produkt verwandelt, zum Beispiel
Leinwand zum Wert von 500 Pfd. Sterl., die nach dem Land B- aus-
geführt wird, um dort Gold zu kaufen. Das so im Land A. verwandte
produktive Kapital wirft ebensowenig Ware, im Unterschied von
Geld, auf den Markt des Landes A, als wenn es direkt in der Gold-
produktion verwandt wäre. Dies Produkt von A stellt sich in 500 Pfd.
Sterl. Gold dar und tritt nur als Geld in die Zirkulation des Landes A.
Der Teil des gesellschaftlichen Mehrwerts, den dies Produkt enthält,
existiert direkt in Geld und für das Land A nie anders als in der Form
von Geld. Obgleich für die Kapitalisten, welche das Gold produzieren,
nur ein Teil des Produkts Mehrwert, ein anderer den Kapitalersatz
        <pb n="337" />
        284

Zweiter Abschnitt
darstellt, so hängt dagegen die Frage, wieviel von diesem Gold,
außer dem zirkulierenden konstanten Kapital, variables Kapital
ersetzt und wieviel Mehrwert darstellt, ausschließlich ab von den
respektiven Verhältnissen, die Arbeitslohn und Mehrwert vom Wert
der zirkulierenden Waren bilden. Der Teil, der Mehrwert bildet,
verteilt sich unter die verschiedenen Mitglieder der Kapitalisten-
klasse. Obgleich er beständig für die individuelle Konsumtion von
ihnen ausgegeben und durch Verkauf neuen Produkts wieder einge-
nommen wird — gerade dieser Kauf und Verkauf macht überhaupt
nur das zur Vergoldung des Mehrwerts nötige Geld unter ihnen selbst
zirkulieren —, 80 befindet sich doch, wenn auch in wechselnden
Portionen, ein Teil des gesellschaftlichen Mehrwerts in der Form von
Geld in der Tasche der Kapitalisten, ganz wie sich ein Teil des Arbeits-
lohnes wenigstens während eines Teils der Woche in der Form von
Geld in den Taschen der Arbeiter aufhält. Und dieser Teil ist nicht
beschränkt durch den Teil des Geldprodukts, der ursprünglich den

Mehrwert der Gold produzierenden Kapitalisten bildet, sondern, wie

gesagt, durch die Proportion, worin obiges Produkt von 500 Pfad.

Sterl. sich zwischen Kapitalisten und Arbeiter überhaupt verteilt und

worin der zu zirkulierende Warenvorrat aus Mehrwert und den andern
Bestandteilen des Wertes besteht.

Indes besteht der Teil des Mehrwerts, der nicht in andern Waren
existiert, sondern. neben diesen andern Waren in Geld, nur so weit
aus einem Teil des jährlich produzierten Goldes, als ein Teil der
jährlichen Goldproduktion zur Realisierung des Mehrwerts zirkuliert.
Der andere Teil des Geldes, der sich fortwährend in wechselnden
Portionen als Geldform ihres Mehrwerts in den Händen der Kapita-
listenklasse befindet, ist nicht Element des jährlich produzierten
Goldes, sondern der früher im Land akkumulierten Geldmassen.

Nach unserer Unterstellung reicht die jährliche Goldproduktion
von 500 Pfd. Sterl. nur gerade hin, um das jährlich verschlissene Geld
zu ersetzen. Halten wir daher nur diese 500 Pfd. Sterl. im Auge und
abstrahieren wir von dem Teil der jährlich produzierten Warenmasse,
zu deren Zirkulation früher akkumuliertes Geld dient, so findet der
in Warenform produzierte Mehrwert schon deswegen Geld zu seiner
Vergoldung in der Zirkulation vor, weil auf der andern Seite Mehrwert
jährlich in der Form von Gold produziert wird. Dasselbe gilt von den
andern Teilen des Goldprodukts von 500 Pfd. Sterl., die das vorge-
schossene Geldkapital ersetzen.

Es ist hier nun zweierlei zu bemerken.

Es folgt erstens: Der von den Kapitalisten in Geld ausgegebene
Mehrwert sowohl wie das von ihnen in Geld vorgeschossene variable
und sonstige produktive Kapital ist in der Tat Produkt der Arbeiter,
nämlich der in der Goldproduktion beschäftigten Arbeiter. Sie
produzieren neu sowohl den Teil des Goldprodukts, der ihnen als
Arbeitslohn „vorgeschossen“ wird, wie den Teil des Goldprodukts,
worin sich der Mehrwert der kapitalistischen Goldproduzenten
        <pb n="338" />
        Siebzehntes Kapitel

285
unmittelbar darstellt. Was endlich den Teil des Goldprodukts
betrifft, der nur den zu seiner Produktion vorgeschossenen konstanten
Kapitalwert ersetzt, so erscheint er nur in Geldform (überhaupt in
einem Produkt) wieder durch die jährliche Arbeit der Arbeiter. Bei
Beginn des Geschäfts wurde er ursprünglich vom Kapitalisten weg-
gegeben in Geld, welches nicht neu produziert, sondern Teil der um-
laufenden gesellschaftlichen Geldmasse bildete. Soweit er dagegen
durch neues Produkt, zuschüssiges Gold, ersetzt wird, ist er das
jährliche Produkt des Arbeiters. Der Vorschuß von seiten des
Kapitalisten erscheint auch hier nur als eine Form, die daher stammt,
daß der Arbeiter weder Besitzer seiner eigenen Produktionsmittel ist
noch während der Produktion über die von andern Arbeitern pro-
duzierten Lebensmittel verfügt.

Zweitens aber, was die von diesem jährlichen Ersatz von 500 Pfd.
Sterl. unabhängig existierende, teils in Schatzform, teils in Form von
umlaufendem Geld befindliche Geldmasse betrifft, so muß es sich mit
ihr gerade so verhalten, das heißt ursprünglich verhalten haben, wie
eg sich mit diesen 500 Pfd. Sterl. noch jährlich verhält. Auf diesen
Punkt kommen wir am Schluß dieses Unterabschnitts zurück. Vor-
her noch einige andere Bemerkungen.

Man hat bei Betrachtung des Umschlags gesehen, daß, unter
sonst gleichbleibenden Umständen, mit dem Wechsel in der Größe
der Umschlagsperioden wechselnde Massen Geldkapital nötig sind,
um die Produktion auf derselben Stufenleiter auszuführen. Die
Elastizität [Anpassungsfähigkeit] der Geldzirkulation muß also groß
genug sein, um sich diesem Wechsel von Ausdehnung und Zusammen-
ziehung anzupassen.

Nimmt man ferner sonst gleichbleibende Umstände an — auch
unveränderte Größe, Intensität und Produktivität des Arbeitstages
—, aber veränderte Teilung des Wertprodukts zwischen
Arbeitslohn und. Mehrwert, so daß entweder der erstere steigt und der
letztere fällt oder umgekehrt, so wird dadurch die Masse des um-
laufenden Geldes nicht berührt. Dieser Wechsel kann vorgehen
ohne irgendwelche Expansion oder Kontraktion der im Umlauf
befindlichen Geldmasse, Betrachten wir namentlich den Fall, wo
der Arbeitslohn allgemein stiege und daher — unter den voraus-
gesetzten Bedingungen — die Rate des Mehrwerts allgemein fiele,
außerdem, ebenfalls nach Unterstellung, kein Wechsel im Wert der
zirkulierenden Warenmasse stattfinde. In diesem Fall wächst aller-
dings das Geldkapital, das als variables Kapital vorgeschossen
werden muß, also die Geldmasse, die in dieser Funktion dient. Aber
um gerade soviel, wie die zur Funktion von variablem Kapital
erforderliche Geldmasse wächst, um gerade soviel nimmt der Mehr-
wert ab, also auch die zu seiner Realisierung nötige Geldmasse, Die
Summe der zur Realisierung des Warenwerts nötigen Geldmasse
wird davon ebensowenig berührt wie dieser Warenwert selbst. Der
        <pb n="339" />
        286
Kostenpreis der Ware steigt für den einzelnen Kapitalisten, aber ihr
gesellschaftlicher Produktionspreis bleibt unverändert. e Was ver-
ändert wird, ist das Verhältnis, worin, abgesehen vom konstanten Wert-
teil, der Produktionspreis der Waren sich in Arbeitslohn und Profit teilt.
Aber, sagt man, größere Auslage von variablem Geldkapital (der
Wert des Geldes ist natürlich als gleichbleibend vorausgesetzt) heißt
soviel als größere Masse von Geldmitteln in der Hand der Arbeiter.
Hieraus folgt größere Nachfrage nach Waren von seiten der Arbeiter.
Weitere Folge ist Steigen im Preis der Waren. — Oder man sagt:
Steigt der Arbeitslohn, so erhöhen die Kapitalisten die Preise ihrer
Ware. — In beiden Fällen verursacht das allgemeine Steigen des
Arbeitslohnes Steigen der Warenpreise, Daher muß eine größere
Geldmasse nötig sein, um die Waren zu zirkulieren, ob man das
Steigen der Preise nun in der einen oder andern Weise erklärt.
Antwort auf die erste Fassung: Infolge steigenden Arbeitslohnes
wird namentlich die Nachfrage der Arbeiter nach notwendigen Le-
bensmitteln wachsen. In einem geringeren Grad wird ihre Nach-
lrage nach Luxusartikeln zunehmen oder sich Nachfrage einstellen
für Artikel, die früher nicht in den Bereich ihrer Konsumtion fielen.
Die plötzliche und auf größerer Stufenleiter gesteigerte Nachfrage
nach notwendigen Lebensmitteln wird unbedingt momentan ihren
Preis steigern. Folge davon: Ein größerer Teil des gesellschaftlichen
Kapitals wird in Produktion von notwendigen Lebensmitteln, ein
geringerer in der Produktion von Luxusmitteln verwandt, da letztere
im Preise fallen wegen des verminderten Mehrwerts und daher der
verminderten Nachfrage der Kapitalisten für dieselben. Soweit die
Arbeiter dagegen selbst Luxusmittel kaufen, wirkt die Erhöhung
ihres Lohnes — innerhalb dieses Umfanges — nicht auf Steigerung
des Preises von notwendigen Lebensmitteln, sondern deplaciert [er-
setzt] nur die Käufer von Luxuswaren. Mehr Luxuswaren als bisher
gehen ein in den Konsum der Arbeiter und verhältnismäßig weniger
in den Konsum der Kapitalisten. VoilA tout [Das ist alles]. Nach
einigen Oszillationen | Schwankungen] zirkuliert eine Warenmasse

Zweiter Abschnitt

#6 Der Kostenpreis einer Ware setzt sich zusammen aus der bei ihrer
Herstellung gemachten Aufwendung an konstantem (vernutztem) und varia-
blem Kapital. Der Produktionspreis wird gewonnen, wenn man zu dem
Kostenpreis noch die durchschnittliche Profitrate für das vorgeschossene
Kapital hinzuschlägt. Davon handelt ausführlich das Buch III des „Kapital“.

Zu bemerken ist, daß Marx hier vom „Kostenpreis‘“ spricht, während er
in Buch III den Ausdruck „Kostpreis‘“ gebraucht, der eine englische, nicht
deutsche Form darstellt. Der Engländer sagt cost price für Kostenpreis.
Ich hielte es für angezeigt, den letzteren Ausdruck statt des anglisierten
zu gebrauchen, ebenso wie etwa Mehrwert an Stelle von Surpluswert. Bei
der Herausgabe der „Theorien über den Mehrwert‘ bin ich bereits dement-
sprechend verfahren. Indessen ist der Ausdruck „Kostpreis‘“ in der marxi-
stischen Literatur schon zu sehr eingebürgert, als daß ich ihn im „Kapital“
Auszumerzen wagte. K.
        <pb n="340" />
        Siebzehntes Kapitel

287

vom selben Wert wie vorher. — Was die momentanen Oszillationen
betrifft, so werden sie kein anderes Resultat haben, als unbeschäftigtes
Geldkapital in die inländische Zirkulation zu werfen, das bisher in
speknlativen Unternehmungen an der Börse oder im Auslande Be-
schäftigung suchte.

Antwort auf die zweite Fassung: Wenn es in der Hand der kapi-
talistischen Produzenten stände, beliebig die Preise ihrer Waren zu
erhöhen, so könnten und würden sie das tun auch ohne Steigen des
Arbeitslohnes. Der Arbeitslohn würde nie steigen bei sinkenden Waren-
preisen. Die Kapitalistenklasse würde sich nie den Trades” Unions
[Gewerkschaften] widersetzen, da sie stets und unter allen Umständen
tun könnte, was sie jetzt ausnahmsweise unter bestimmten, besonderen,
sozusagen lokalen Umständen wirklich tut — nämlich jede Erhöhung
des Arbeitslohnes benutzen, um die Warenpreise in viel höherem Grad
zu erhöhen, also größeren Profit einzustecken.

Die Behauptung, daß die Kapitalisten die Preise der Luxus-
mittel erhöhen können, weil die Nachfrage danach abnimmt (infolge
der verminderten Nachfrage der Kapitalisten, deren Kaufmittel dafür
abgenommen haben), wäre eine ganz originelle Anwendung des Ge-
setzes von Nachfrage und Angebot. Soweit nicht bloß Deplacement
der Käufer dafür eintritt, Arbeiter statt Kapitalisten — und soweit
dies Deplacement stattfindet, wirkt die Nachfrage der Arbeiter nicht
auf Preissteigerung der notwendigen Lebensmittel; denn den Teil
des Lohnzuschusses, den die Arbeiter für Luxusmittel verausgaben,
können sie nicht für notwendige Lebensmittel verausgaben —,
fallen die Preise der Luxusmittel infolge der verminderten Nachfrage.
Infolgedessen wird Kapital aus ihrer Produktion zurückgezogen, bis
ihre Zufuhr auf das Maß reduziert ist, das ihrer veränderten Rolle
im gesellschaftlichen Produktionsprozeß entspricht. Mit dieser ver-
ringerten Produktion steigen sie bei sonst unverändertem Wert
wieder auf ihre normalen Preise. Solange diese Kontraktion oder
dieser Ausgleichungsprozeß stattfindet, wird ebenso beständig bei
steigenden Preisen der Lebensmittel der Produktion dieser letzteren
ebensoviel Kapital zugeführt, als dem andern Zweig der Produktion
entzogen wird, bis die Nachfrage gesättigt ist. Dann tritt wieder
Gleichgewicht ein, und das Ende des ganzen Prozesses ist, daß das
gesellschaftliche Kapital und daher auch das Geldkapital zwischen
der Produktion von notwendigen Lebensmitteln und der von Luxus-
mitteln in veränderter Proportion geteilt ist.

Der ganze Einwurf ist ein Schreckschuß der Kapitalisten und
ihrer ökonomischen Sykophanten [Schmeichler].31

Die Tatsachen, die den Vorwand zu diesem Schreckschuß liefern,
sind. dreierlei Art. .

1. Es ist ein allgemeines Gesetz der Geldzirkulation, daß, wenn die
Preissumme der zirkulierenden Waren steigt — ob diese Vermehrung
3s£ Näheres über das Wort findet man in Buch I, V.S.XLIII, Note 3. K.
Das Kapital. 0.
        <pb n="341" />
        288

‚Zweiter Abschnitt
der Preissumme nun. für dieselbe Warenmasse- oder für eine. ver-
größerte stattfindet, —, . hei sonst gleichbleibenden Umständen: die
Masse des zirkulierenden: Geldes wächst: ‚Es wird. nun die ‘Wirkung
mit der Ursache verwechselt. Der Arbeitslohn steigt (wenn auch
selten und nur ausnahmsweise verhältnismäßig) mit: dem steigenden
Preis der notwendigen Lebensmittel. ‚Sein Steigen 'ist Folge; nicht
Ursache des. Steigens der Warenpreise, . Br

2. Bei einem partiellen oder lokalen Steigen des Arbeitsiohnes
— das heißt Steigen in nur einzelnen Produktionszweigen — kann da-
durch eine lokale Preissteigerung der Produkte.dieser Zweige erfolgen.
Aber selbst dies hängt von vielen Umständen ab. Zum Beispiel; daß.der
Arbeitslohn hier nicht abnorm gedrückt und daher die Profitrate nicht
abnorm hoch war, daß der. Markt für diese Waren Sich nicht verengt
durch die Preissteigerung (also für ihre Preissteigerung nicht vor-
herige Kontraktion ihrer Zufuhr nötig ist) ete. }

3.. Bei allgemeiner Erhöhung des Arbeitslohnes steigt der Preis
der produzierten Waren in Industriezweigen, wo das variable Kapital
vorherrscht, fällt dafür aber in solchen, wo das konstante, respektive
fixe Kapital vorherrscht.

Es zeigte sich bei der einfachen Warenzirkulation (Buch:I, Ka-
pitelTIT, 2), daß, wenn auch innerhalb der Zirkulation. jedes’ bestimmten
Warenquantums seine Geldform nur verschwindend ist, doch ‘das hei
der Metamorphose einer Ware in der Hand des einen verschwindende
Geld notwendig. seinen Platz in der eines andern nimmt, also.nicht
nur in erster Instanz Waren allseitig ausgetauscht werden oder sich
ersetzen, sondern auch dieser Ersatz vermittelt. und begleitet. ist von
allseitigem Niederschlag von Geld. „Der Ersatz von Ware durch
Ware läßt zugleich in dritter Hand. die Geldware ‚hängen, Die Zir-
kulation ‚schwitzt beständig Geld aus.“ (Buch I, 8. 92, V..8. 72.)
Dasselbe identische Faktum drückt sich auf Grundlage der kapita-
listischen Warenproduktion so aus, daß beständig ein‘ Teil des Kapi-
tals in der Form von Geldkapital existiert und beständig ein ‚Teil
des: Mehrwerts sich ebenfalls in Geldform in den Händen seiner Be-

sitzer befindet. ; 2 We

Hiervon abgesehen, ist der Kreislauf des Geldes — das heißt

der Rückfluß des Geldes zu seinem Ausgangspunkt —, soweit er
ein Moment des Umschlags des Kapitals bildet, ein ganz verschiedenes,
ja selbst entgegengesetztes Phänomen zum Umlauf des Geldes®33,
% Wenn die Physiokraten noch beide Phänomene durcheinander werfen,
so sind sie doch die ersten, die den Rückfluß des Geldes zu seinem Ausgangs-
punkt als wesentliche Form der Zirkulation des Kapitals, als Form der die
Reproduktion vermittelnden Zirkulation hervorheben. „Betrachtet das
„Tableau Economique‘““ und ihr werdet sehen, daß die produktive Klasse
das Geld hergibt, mit dem ihr die andern. Klassen Produkte abkaufen,
und daß sie ihr dieses Geld zurückerstatten, indem sie im nächsten Jahr
bei ihr dieselben Einkäufe machen... Ihr geht. also-hier keinen andern
        <pb n="342" />
        Siebzehntes Kapitel

289
der seine stete Entfernung vom Ausgangspunkt durch eine Reihe von
Händen ausdrückt. (Buch I, 2. Aufl., S. 94, V. S. 74.) Dennoch schließt
beschleunigter Umschlag eo ipso [von selbst] beschleunigten Umlauf ein.

Zunächst was das variable Kapitalangeht: Schlägt zum Beispiel ein
Geldkapital von 500 Pfd. Sterl. in der Form von. variablem Kapital
zehnmal im Jahr um, 8o ist klar, daß dieser aliquote Teil der zirku-
lierenden Geldmasse seine zehnfache Wertsumme gleich 5000 Pfd.
Sterl. zirkuliert. Es läuft zehnmal im Jahr um zwischen Kapitalist
and Arbeiter. Der Arbeiter wird bezahlt und zahlt zehnmal im: Jahr
mit demselben aliquoten Teil der zirkulierenden Geldmasse. : Schlüge
bei gleicher Stufenleiter der Produktion dies variable Kapital einmal
im Jahr um, so fände nur einmaliger Umlauf von 5000 Pfd. Sterl]. statt.

Ferner: Der konstante Teil des zirkulierenden Kapitals sei gleich
1000 Pfd. Sterl. Schlägt das Kapital zehnmal um, so verkauft der
Kapitalist zehnmal im Jahr seine Ware, also auch den konstanten
zirkulierenden Teil ihres Wertes. Derselbe aliquote Teil der zirku-
kerenden Geldmasse (gleich 1000 Pfd. Sterl.) geht zehnmal im Jahr
aus der Hand seiner Besitzer in die des Kapitalisten über. . Dies
sind zehn Stellenwechsel dieses Geldes aus einer Hand in die andere
Zweitens: Der Kapitalist kauft zehnmal im Jahr Produktionsmittel;
dies «sind wieder zehn Umläufe des Geldes aus einer Hand in die
andere. Mit Geld zum Befrag von 1000 Pfd. Sterl. ist Ware für
0.000 Pfd. Sterl. vom industriellen Kapitalisten verkauft und wieder
Ware für 10 000 Pfad. Sterl. eingekauft. Durch zwanzigmaligen Um-
iauf der 1000 Pfd. Sterl. Geld ist ein Warenvorrat von 20 000 Pfd.
Sterl. zirkuliert. x

Kreislauf als den der Ausgabe, der die Reproduktion folgt, und der Repro-
duktion, der die Ausgabe folgt, ein Kreislauf, der durch die Zirkulation des
Geldes durchlaufen wird, das die Ausgabe und die Reproduktion zurücklegt.‘*
[Wörtlich durchmißt; mesurer, messen, wird auch vom Zurücklegen einer
Streckegebraucht. K.] („„Jetezles yeux surle Tableau Economique, vous verrez
que la classe productive donne l’argent avec lequel les autres classes viennent
lui acheter des productions, et qu’'elles hirendenteetargent en revenant l’annee
zuivante faire chez elle les mömes achats ..... Vous ne voyez done ici d’autre
cercle que celui de la depense suivie de la reproduction, et. de la reproduction
zuivie de la döpense; cercle qui est parcouru par la circulation de l’argent qui
mesure la depense et la reproduction.‘“ — Quesnay: „Problömes &amp;conomiques.
in Daire, Physiocrates I‘‘, p.208, 209.) —,,Diesen ständigen Vorschuß und Rück-
Auß der Kapitalien muß man die Geldzirkulation nennen, diese nützliche und
[ruchtbare Zirkulation, die alle Arbeiten der Gesellschaft belebt, die die
Bewegung und das Leben im politischen Körper erhält und die man mit
zutem Grunde mit der Blutzirkulation im tierischen. Körper vergleichen
kann.‘ („C’est cette avance et cette rentree continuelle des capitaux qui
constituent ce qu’on doit appeler la circulation de l’argent, cette eireulation
utile et feconde qui anime tous les travaux de la societe, qui entretient le
mouvement et la vie dans le corps pokitique, et qu'’on a grande raison de
sömparer ä la cireulation du sang dans le corps animal.“ — Turgot: „Röfle-
xions ete., Oeuvres 6d. Daire I“, D. 45.)
        <pb n="343" />
        290

Zweiter Abschnitt
Endlich läuft bei beschleunigtem Umschlag auch der Geldteil
rascher um, der den Mehrwert realisiert.

Dagegen schließt nicht umgekehrt ein rascherer Geldumlauf not-
wendig einen rascheren Kapitalumschlag und daher auch Geldum-
schlag ein, das heißt nicht notwendig Verkürzung und raschere Erneue-
rung des Reproduktionsprozesses.

Rascherer Geldumlauf findet jedesmal statt, sobald eine größere
Masse Transaktionen mit derselben Geldmasse vollzogen werden.
Dies kann auch bei gleichen Reproduktionsperioden des Kapitals der
Fall sein infolge veränderter technischer Veranstaltungen für den
Geldumlauf. ‘Ferner: Es kann sieh die Masse von Transaktionen
vermehren, in denen Geld umläuft, ohne wirklichen Warenumsatz
auszudrücken (Differenzgeschäfte an der Börse 3» usw.). Anderseits
können Geldumläufe ganz wegfallen. Zum Beispiel, wo der Landwirt
selbst Grundbesitzer ist, findet kein Geldumlauf statt zwischen dem
Pächter und Grundbesitzer; wo der industrielle Kapitalist selbst
Eigentümer des Kapitals, findet kein Umlauf statt zwischen ihm und
jem Kreditgeber.

Was die ursprüngliche Bildung eines Geldschatzes in einem
Lande betrifft sowie die Aneignung desselben durch wenige, 80: ist
es unnötig, hier weiter darauf einzugehen.

Die kapitalistische Produktionsweise — wie ihre Basis die Lohn-
arbeit ist, so auch die Zahlung des Arbeiters in Geld und überhaupt
die Verwandlung von Naturalleistungen in Geldleistungen — kann
sich erst in größerem Umfang und tieferer Durchbildung dort ent-
wickeln, wo im Lande eine Geldmasse, hinreichend für die Zirkula-
tion und die durch sie bedingte Schatzbildung (Reservefonds ete.)
vorhanden ist. Dies ist historische Voraussetzung, obgleich die Sache
nicht so zu verstehen, daß erst eine hinreichende Schatzmasse ge-
bildet wird und dann die kapitaliastische Produktion beginnt. Sondern
sie entwickelt sich gleichzeitig mit der Entwicklung ihrer Bedingungen
und eine dieser Bedingungen ist eine genügende Zufuhr von edlen
Metallen. Daher die vermehrte Zufuhr der edlen Metalle seit dem
16. Jahrhundert ein wesentliches Moment in der Entwicklungsge-
schichte der kapitalistischen Produktion bildet. Soweit es sich aber
um die nötige weitere Zufuhr von Geldmaterial auf der Basis der
kapitalistischen Produktionsweise handelt, so wird auf der einen Seite
Mehrwert in Produkt in die Zirkulation geworfen ohne das zu seiner
Versilberung nötige Geld und auf der andern Seite Mehrwert in Gold
Dhne vorherige Verwandlung von Produkt in Geld.

Die zuschüssigen Waren, die sich in Geld zu verwandeln haben,
finden die nötige Geldsumme vor, weil auf der andern Seite, nicht

#8 Bei Differenzgeschäften wird meist nicht auf Warenlieferung, sondern
bloß auf erwartete Preisunterschiede (Differenzen) von Waren (oder Wert-
DapDieren) spekuliert K
        <pb n="344" />
        Siebzehntes Kapitel

291

durch den Austausch, sondern durch die Produktion selbst zuschüssi-
ges Gold (und Silber) in die Zirkulation geworfen wird, das sich in
Waren zu verwandeln hat.
(Il. Akkumulation und erweiterte Reproduktion.

Soweit die Akkumulation in der Form von Reproduktion auf
erweiterter Stufenleiter stattfindet, ist es klar, daß sie kein neues
Problem mit Bezug auf die Geldzirkulation bietet.

Was zunächst das zuschüssige Geldkapital betrifft, erheischt zur
Funktion des wachsenden produktiven Kapitals, so wird es geliefert
durch den Teil des realisierten Mehrwerts, der als Geldkapital statt
als Geldform der Revenue von den Kapitalisten in Zirkulation ge-
worfen wird. Das Geld ist bereits in der Hand der Kapitalisten.
Bloß seine Anwendung ist verschieden.

Nun wird aber infolge des zuschüssigen produktiven Kapitals,
als sein Produkt, eine zuschüssige. Warenmasse in Zirkulation ge-
worfen. Mit dieser zuschüssigen Warenmasse wurde zugleich ein Teil
des zu ihrer Realisation nötigen zuschüssigen Geldes in Zirkulation
geworfen, soweit nämlich der Wert dieser Warenmasse gleich ist dem
Wert des in ihrer Produktion verzehrten produktiven Kapitals. Diese
zuschüssige Geldmasse ist gerade als zuschüssiges Geldkapital vor-
geschossen worden und fließt daher zum Kapitalisten zurück durch
den Umschlag seines Kapitals. Hier tritt wieder dieselbe Frage auf
wie oben. Wo kommt das zuschüssige Geld her, um den jetzt in
Warenform vorhandenen zuschüssigen Mehrwert zu realisieren ?

Die allgemeine Antwort ist wieder dieselbe. Die Preissumme
der zirkulierenden Warenmasse ist. vermehrt, nicht weil die Preise
einer gegebenen Warenmasse gestiegen, sondern weil die Masse der
jetzt zirkulierenden Waren größer ist als die der früher zirkulierenden
Waren, ohne daß dies durch einen Fall der Preise ausgeglichen wäre.
Das zur Zirkulation dieser größeren Warenmasse von größerem Wert
erforderte zuschüssige Geld muß beschafft werden entweder durch
erhöhte Oekonomisierung der zirkulierenden Geldmasse — sei es
durch Ausgleichung der Zahlungen ete., sei es durch Mittel, welche den
Umlauf derselben Geldstücke beschleunigen — oder aber durch Ver-
wandlung von Geld aus der Schatzform in die zirkulierende Form.
Letzteres schließt nicht nur ein, daß brachliegendes Geldkapital in
Funktion tritt als Kauf- oder Zahlungsmittel, oder auch, daß bereits
als Reservefonds fungierendes Geldkapital, während es seinem Eigner
die Funktion des Reservefonds vollzieht, für die Gesellschaft aktiv
zirkuliert (wie bei Depositen in Banken, die beständig ausgeliehen
werden), also doppelte Funktion vollzieht —, sondern auch, daß die
stagnierenden Reservefonds von Münze ökonomisiert werden.

„Damit das Geld als Münze beständig fließt, muß die Münze
beständig zu Geld gerinnen. Der beständige Umlauf der Münze ist
bedingt durch ihre beständige Stockung in größeren oder kleineren
Portionen in allseitig innerhalb der Zirkulation ebensowohl entsprin-
        <pb n="345" />
        292

Zweiter Abschnitt
genden als sie bedingenden Reservefonds von Münze, ‘deren Bildung,
Verteilung, Auflösung ‚und Wiederbildung stets wechselt, deren Da-
sein beständig verschwindet, deren Verschwinden beständig da ist.
A. Smith hat diese unaufhörliche Verwandlung der Münze in Geld
und des Geldes in Münze so ausgedrückt, daß jeder Warenbesitzer
neben ‘der ‘besonderen Ware, die er verkauft, eine gewisse, Summe
der allgemeinen Ware, . womit er kauft, stets vorrätig .haben müsse.
Wir sahen, daß in der Zirkulation W — G —W das zweite Glied
G — W sich beständig in eine Reihe Käufe zersplittert, die sich nicht
auf ‚einmal, sondern sukzessive.in der Zeit vollziehen, so daß. eine
Portion von G als Münze umläuft, während die andere als Geld ruht.
Das Geld ist hier in der Tat nur suspendierte Münze, und. die einzelnen
Bestandteile der umlaufenden Münzmasse erscheinen stets wechselnd
bald in der einen, bald in der andern Form. Diese erste Verwandlung
des  Zirkulationsmittels in Geld stellt daher ein nur technisches Mo-
ment des Geldumlaufs selbst dar.“ (Karl Marz: „Zur Kritik der Poli-
tischen Oekonomie, 1859“, S.105,106 [10. Auflage, S. 123]. — „Münze*‘
im Gegensatz zu Geld wird hier gebraucht zur Bezeichnung des Geldes
in seiner Funktion als bloßes Zirkulationsmittel im Gegensatz. zu
seinen. übrigen Funktionen.) . j
Soweit alle diese Mittel nicht hinreichen, muß zuschüssige Gold-
produktion stattfinden, oder was auf dasselbe herauskommt, ein Teil
des zuschüssigen. Produkts wird gegen Gold — das Produkt der Län:
der der Edelmetallproduktion. — direkt oder indirekt ausgetauscht.
Die ganze Summe der Arbeitskraft und der gesellschaftlichen
Produktionsmittel, die in der jährlichen Produktion von Gold und
Silber als Instrumenten der Zirkulation verausgabt. wird, bildet einen
schweren Posten der faux frais der kapitalistischen, überhaupt der
auf Warenproduktion gegründeten Produktionsweise. Sie entzieht
der gesellschaftlichen Ausnutzung eine. entsprechende Summe mög-
licher zuschüssiger Mittel der Produktion und Konsumtion,. das heißt
des wirklichen Reichtums. ‚Soweit bei gleichbleibender gegebener
Stufenleiter der Produktion oder bei gegebenem: Grad ihrer Aus-
dehnung: die Kosten, dieser teuren Zirkulationsmaschinerie vermin.
dert werden, soweit wird dadurch die Produktivkraft der gesellschaft-
lichen Arbeit gesteigert. Soweit also die mit dem Kreditwesen ‚sich
entwickelnden Aushilfsmittel diese Wirkung haben, vermehren sie
direkt den. kapitalistischen Reichtum, sei es, daß ein großer Teil des
gesellschaftlichen Produktions- und Arbeitsprozesses dadurch. ohne
alle Intervention [Vermittlung] .von wirklichem Geld vollzogen, . sei
98, daß die Funktionsfähigkeit der wirklich fungierenden.. Geldmasse
gesteigert wird.

Es erledigt sich damit auch die abgeschmackte Frage, ob die
kapitalistische Produktion in ihrem jetzigen Umfang ohne das Kredit-
wesen (selbst nur von diesem Standpunkt betrachtet) möglich wäre,
das heißt mit bloß metallischer Zirkulation. Es ist dies offenbar nicht der
Fall. :: Sie hätte vielmehr Schranken gefunden an dem Umfang der
        <pb n="346" />
        Siebzehntes Kapitel

293

Edelmetallproduktion; Anderseits muß man sich. keine. mystischen
Vorstellungen machen über die produktive Kraft des Kreditwesens,
soweit es Geldkapital zur Verfügung stellt oder flüssig macht.: Die
weitere Entwicklung hierüber gehört nicht hierher. | ;
‚Es ist nun der Fall zu betrachten, wo nicht wirkliche Akkumu-
lation; das heißt unmittelbare Erweiterung der Produktionsleiter statt-
findet, sondern. ein Teil des ‚realisierten Mehrwerts für längere oder
kürzere Zeit als Geldreservefonds aufgehäuft wird, um später in pro-
duktives. Kapital verwandelt zu werden. ;

Soweit das sich so akkumulierende Geld zuschüssig, ist die Sache
selbstverständlich. Es kann nur Teil des aus den Gold produzierenden
Länder nzugeführten überschüssigen Goldes sein. Es ist dabei zu
merken; daß das nationale Produkt, wogegen dies Gold. eingeführt,
nicht länger im Lande existiert. Es ist ins Ausland weggegeben gegen
Gold.: a

Wird dagegen unterstellt, daß nach wie vor dieselbe Masse Geld
im Land,. so ist das aufgehäufte und sich aufhäufende Geld aus der
Zirkulation hergeflossen; bloß seine Funktion ist verwandelt. Aus
zirkulierendem Geld ist es.in sich allmählich bildendes latentes Geld-
kapital verwandelt. .

Das Geld, das hier aufgehäuft wird, ist die Geldform von ver-
kaufter Ware, und zwar. von dem Teile ihres. Wertes, der für ihren
Besitzer Mehrwert darstellt. (Das Kreditwesen wird hier als nicht
existierend vorausgesetzt.) Der Kapitalist, der dies Geld. aufgehäuft,
hat. pro :tanto' verkauft, ohne’ zu kaufen.

Stellt man sich diesen Vorgang partiell [als teilweisen, nicht all-
gemeinen] vor, so ist nichts daran zu erklären. Ein Teil der Kapitali-
sten: behält einen Teil des aus dem Verkauf seines Produkts gelösten
Geldes, ohne dafür Produkt.dem Markt zu entziehen. Ein anderer
Teil dagegen verwandelt, mit Ausnahme des beständig rekurrierenden
[zurückströmenden] für den Produktionsbetrieb nötigen Geldkapi-
tals, sein Geld ganz in Produkt. Ein Teil des als Träger von Mehr-
wert; auf den Markt geworfenen Produkts besteht. aus Produktions-
mitteln oder aus den realen Elementen. des variablen Kapitals, not-
wendigen‘ Lebensmitteln: Es kann also sofort zur Erweiterung der
Produktion dienen. Denn es ist keineswegs unterstellt, daß ein Teil
der Kapitalisten Geldkapital aufhäuft; während der andere seinen
Mehrwert‘ ganz verzehrt, sondern nur, daß der eine Teil seine Akku-
mulation in Geldform vollzieht, latentes Geldkapital bildet, während der
andere wirklich akkumuliert, das heißt die Produktionsleiter erweitert,
sein produktives Kapital wirklich ausdehnt..- Die vorhandene: Geld.
masse bleibt hinreichend für die Bedürfnisse der Zirkulation, selbst

wenn abwechselnd ein Teil der Kapitalisten Geld aufhäuft, während
der andere die. Produktionsleiter erweitert, und umgekehrt, Die:Geld.
aufhäufung‘ auf der einen Seite kann zudem auch ohne bares: Geld
durch.-bloße Aufhäufung von Schuldforderungen. vor sich gehen.‘
        <pb n="347" />
        294

Zweiter Abschnitt
Aber die Schwierigkeit kommt dann, wenn wir nicht partielle,
sondern allgemeine Akkumulation von Geldkapital in der Kapita-
listenklasse voraussetzen. Außer dieser Klasse gibt es nach unserer
Unterstellung — allgemeine und ausschließliche Herrschaft der kapi-
talistischen Produktion — überhaupt keine andere Klasse als die
Arbeiterklasse. Alles, was die Arbeiterklasse kauft, ist gleich der
Summe ihres Arbeitslohnes, gleich.der Summe des von der gesamten
Kapitalistenklasse vorgeschossenen variablen Kapitals. Dies Geld
strömt der letzteren zurück durch den Verkauf ihres Produkts an
die Arbeiterklasse. Ihr variables Kapital erhält dadurch wieder seine
Geldform. Die Summe des variablen Kapitals sei gleich x x 100 Pfd.
Sterl., das heißt die Summe nicht des im Jahr vorgeschossenen, sondern
angewandten variablen Kapitals; mit wieviel oder wenig Geld, je
nach Umschlagsgeschwindigkeit, dieser variable Kapitalwert während
des Jahres vorgeschossen wird, ändert an der jetzt betrachteten Frage
nichts. Mit diesen x x 100 Pfd. Sterl. Kapital kauft die Kapitalisten-
klasse eine gewisse Masse Arbeitskraft oder zahlt Lohn an eine ge-
wisse Zahl Arbeiter — erste Transaktion. Die Arbeiter kaufen mit
derselben Summe ein Quantum Waren von den Kapitalisten, damit
fließt die Summe von x x 100 Pfd. Sterl. in die Hände der Kapita-
listen zurück — zweite Transaktion. Und dies wiederholt sieh be-
ständig. Die Summe von x X 100 Pfd. Sterl. kann also nie die Ar-
beiterklasse befähigen, den Teil des Produkts zu kaufen, worin: sich
das konstante Kapital, geschweige den Teil, worin sich der Mehr-
wert der Kapitalistenklasse darstellt. Die Arbeiter können mit den
X X 100 Pfd. Sterl. immer nur einen Wertteil des gesellschaftlichen
Produkts kaufen, der gleich ist dem Wertteil, worin sich der Wert
des vorgeschossenen variablen Kapitals darstellt.

Abgesehen von dem Fall, worin diese allseitige Geldakkumula-
tion nichts ausdrückt als die Verteilung des zuschüssig eingeführten
Edelmetalls, in welcher Proportion immer, unter die verschiedenen
einzelnen Kapitalisten — wie soll da also die gesamte Kapitalisten-
klasse Geld akkumulieren ?

Sie müßten alle einen Teil ihres Produkts verkaufen, ohne wieder
zu kaufen. Daß sie alle einen bestimmten Geldfonds besitzen, den
sie als Zirkulationsmittel für ihre Konsumtion in. Zirkulation werfen
und wovon jedem wieder ein gewisser Teil aus der Zirkulation zu-
rückfließt, ist durchaus nichts Mysteriöses. Aber dieser Geldfonds
besteht dann gerade als Zirkulationsfonds durch die Versilberung des
Mehrwerts, keineswegs aber als latentes Geldkapital.

Betrachtet man die Sache, wie sie sich in der Wirklichkeit er-
eignet, so besteht das latente Geldkapital, das zu späterem Gebrauch
aufgehäuft wird:

1. Aus Depositen in Banken; und es ist eine verhältnismäßig
geringe Geldsumme, worüber die Bank Wirklich verfügt. Es ist hier
nur nominell Geldkapital aufgehäuft. Was wirklich aufgehäuft ist,
sind Geldforderungen, die nur deswegen versilberbar sind (soweit sie
        <pb n="348" />
        Siebzehntes Kapitel

295

je versilbert werden), weil ein Gleichgewicht zwischen dem zurück-
geforderten und dem eingelegten Geld stattfindet. Was sich als Geld
in den Händen der Bank befindet, ist relativ nur eine kleine Summe.

2. Aus Staatspapieren. Diese sind überhaupt kein Kapital, son-
dern bloße Schuldforderungen auf das jährliche Produkt der Nation.

3. Aus Aktien. Soweit kein Schwindel, sind sie Besitztitel auf
einer Korporation gehöriges wirkliches Kapital und Anweisung auf
den daraus jährlich fließenden Mehrwert.

In allen diesen Fällen besteht keine Aufhäufung von Geld,
sondern, was auf der einen Seite als Aufhäufung von Geldkapital,
erscheint auf der andern als beständige wirkliche Verausgabung von
Geld. Ob das Geld von dem verausgabt wird, dem es gehört, oder von
andern, seinen Schuldnern, ändert nichts an der Sache.

Auf Grundlage der kapitalistischen Produktion ist die Schatz-
bildung als solche nie Zweck, sondern Resultat entweder einer
Stockung der Zirkulation — indem größere Geldmassen als gewöhn-
lich die Schatzform annehmen — oder der durch den Umschlag
bedingten Anhäufungen, oder endlich: der Schatz ist nur Bildung
von Geldkapital, einstweilen in latenter Form, bestimmt, als produk-
tives Kapital zu fungieren.

Wenn daher auf der einen Seite ein Teil des in Geld realisierten
Mehrwerts der Zirkulation entzogen und als Schatz aufgehäuft wird,
so wird gleichzeitig beständig ein anderer Teil des Mehrwerts in
produktives Kapital verwandelt... Mit Ausnahme der Verteilung
zuschüssigen EKdelmetalls unter die Kapitalistenklasse findet die
Aufhäufung in Geldform nie gleichzeitig an allen Punkten statt.

Von dem Teil des jährlichen Produkts, der Mehrwert in Waren-
form darstellt, gilt ganz dasselbe, was von dem andern Teil des jähr-
lichen Produkts. Zu seiner Zirkulation ist eine gewisse Geldsumme
erheischt. Diese Geldsumme gehört ebensowohl der Kapitalisten-
klasse wie die jährlich produzierte Warenmasse, die Mehrwert dar-
stellt. Sie wird ursprünglich von der Kapitalistenklasse selbst in
Zirkulation geworfen. Sie verteilt sich beständig von neuem unter sie
durch die Zirkulation selbst. Wie bei der Zirkulation der Münze
überhaupt, stockt ein Teil dieser Masse an beständig wechselnden
Punkten, während ein anderer Teil beständig zirkuliert. Ob ein Teil
dieser Aufhäufung absichtlich ist, um Geldkapital zu bilden. ändert
an der Sache nichts.

Es ist hier abgesehen worden von den Abenteuern der Zirkula-
tion, wodurch ein Kapitalist ein Stück vom Mehrwert und selbst
vom Kapital des andern an sich reißt und daher eine einseitige
Akkumulation und Zentralisation sowohl für Geldkapital wie produk-
tives Kapital eintritt. So kann zum Beispiel Teil des erbeuteten
Mehrwerts, den A als Geldkapital aufhäuft, ein Stück vom Mehrwert
des B sein, das nicht zu ihm zurückfließt.
        <pb n="349" />
        Dritter Abschnitt.
Die Reproduktion und Zirkulation
des gesellschaftlichen
Gesamtkapitals.

Achtzehntes Kapitel.*
Einleitung.
I. Gegenstand der Untersuchung.

Der unmittelbare Produktionsprozeß des Kapitals ist sein Ar-
beits- und Verwertungsprozeß, der Prozeß, dessen Resultat das
Warenprodukt und dessen bestimmendes Motiv die Produktion von
Mehrwert.

Der Reproduktionsprozeß des Kapitals umfaßt ebensowohl diesen
unmittelbaren Produktionsprozeß wie die beiden Phasen des eigent-
lichen Zirkulationsprozesses, das heißt den gesamten Kreislauf, der
als periodischer Prozeß — Prozeß, der sich in bestimmten Perioden
stets von neuem wiederholt — den Umschlag des Kapitals bildet.

Ob wir nun den Kreislauf in der Form 6... .G” oder. in der Form
P...P betrachten, der unmittelbare Produktionsprozeß: -P bildet
stets selbst nur ein Glied dieses Kreislaufs. In der einen Form erscheint
er als Vermittlung des Zirkulationsprozesses, in der andern Form
erscheint der Zirkulationsprozeß als seine Vermittlung. Seine bestän-
dige Erneuerung, die beständige Wiederdarstellung des Kapitals als
produktives Kapital ist beidemal bedingt durch seine Verwandlungen
im Zirkulationsprozeß. Anderseits ist der beständig erneuerte Pro-
duktionsprozeß die Bedingung der Verwandlungen, die das Kapital
in der Zirkulationssphäre stets von neuem durchmacht, seiner. ab-
wechselnden Darstellung als Geldkapital und Warenkapital, .‘

‚Jedes einzelne Kapital bildet jedoch nur ein verselbständigtes,
sozusagen mit individuellem Leben begabtes Bruchstiück des. gesell-
schaftlichen. Gesamtkapitals, wie jeder einzelne Kapitalist nur :ein
individuelles Element der Kapitalistenklasse. Die Bewegung "des
gesellschaftlichen Kapitals besteht aus der Totalität der Bewegungen
seiner verselbständigten Bruchstücke, der Umschläge der individuellen
Kapitale. Wie die Metamorphose der einzelnen Ware ein Glied der
4 Aus Manuskript Il. FF...
        <pb n="350" />
        Achtzehntes Kapitel

297
Metamorphosenreihe der Warenwelt — der Warenzirkulation — ist,
so die Metamorphose des individuellen Kapitals, sein Umschlag, ein
Glied. im Kreislauf des yesellschaftlichen Kapitals.

. Dieser Gesamtprozeß umschließt ebensowohl die produktive
Konsumtion (den unmittelbaren Produktionsprozeß) nebst den Form-
verwandlungen (stofflich betrachtet Austauschen), die ihn vermitteln,
wie die individuelle Konsumtion mit den sie vermittelnden Form-
verwandlungen oder Austauschen. . Sie umschließt einerseits den
Umsatz von variablem Kapital in Arbeitskraft und daher die Ein:
verleibung ‚der  Arbeitskratt in den kapitalistischen Produktions:
prozeß. Hier tritt der Arbeiter als Verkäufer seiner Ware, der Arbeits-
kraft, auf und der Kapitalist als Käufer derselben. Anderseits aber
ist im Verkauf der Waren eingeschlossen der Kauf derselben durch
die Arbeiterklasse, also deren individuelle Konsumtion, Hier tritt
die. Arbeiterklasse ’als Käufer auf und die Kapitalisten als Waren-
verkäufer an die Arbeiter. ;

Die Zirkulation des Warenkapitals. schließt die Zirkulation
des Mehrwerts ein, also auch die Käufe und Verkäufe, wodurch die
Käpitalisten ihre individuelle Konsumtion, die Konsumtion des Mehr-
werts vermitteln.

Der Kreislauf der individuellen Kapitale in ihrer Zusanimen-
fassung zum gesellschaftlichen Kapital, also in seiner Totalität be:
trachtet, umfaßt also nicht nur die Zirkulation. des Kapitals, sondern
auch: die ‚allgemeine Warenzirkulation, Die: letztere kann primitiv
fin ihrer einfachsten Form} nur. aus. zwei Bestandteilen bestehen:
1. dem eigenen Kreislauf des Kapitals und 2. dem Kreislauf der Waren,
die in die individuelle Konsumtion eingehen, also der Waren, worin
der. Arbeiter seinen .Lohn und der Kapitalist seinen Mehrwert (oder
Teil seines .Mehrwerts) verausgabt. Allerdings umfaßt der Kreislauf
des Kapitals auch. die Zirkulation des Mehrwerts, soweit dieser Teil
des Warenkapitals bildet, und ebenso die Verwandlung. von variablem
Kapital in Arbeitskraft, die Zahlung des Arbeitslohnes. ‘Aber die Ver-
ausgabung dieses Mehrwerts und Arbeitslohnes in Waren bildet kein
Glied: der Kapitalzirkulation, obwohl wenigstens die Verausgabung
des: Arbeitslohnes diese Zirkulation bedingt.

Im I. Buch wurde der kapitalistische Produktionsprozeß sowohl
als vereinzelter Vorgang wie als Reproduktionsprozeß analysiert:
die Produktion des Mehrwerts und die Produktion des Kapitals selbst.
Der Form- und Stoffwechsel, den das Kapital innerhalb der Zirku-
lationssphäre durchmacht, wurde unterstellt, ohne weiter dabei zu
verweilen. Es wurde also unterstellt, daß der Kapitalist einerseits
das: Produkt zu seinem . Wert verkauft, anderseits innerhalb der
Zirkulationssphäre die sachlichen Produktionsmittel vorfindet, um
den Prozeß von:neuem zu beginnen oder kontinuierlich fortzuführen.
Der.einzige Akt innerhalb der Zirkulationssphäre, wobei wir uns dort
aufzuhalten hatten, war der Kauf und Verkauf der Arbeitskraft als
Grundbedingung der kapitalistischen Produktion.
        <pb n="351" />
        298
Dritter Abschnitt
Im ersten Abschnitt dieses II. Buches wurden die verschiedenen
Formen betrachtet, die das Kapital in seinem Kreislauf annimmt,
und die verschiedenen Formen dieses Kreislaufs. selbst. . Zu der im
I. Buch betrachteten Arbeitszeit kommt jetzt die Zirkulationszeit
hinzu.

Im zweiten Abschnitt wurde der Kreislauf als periodischer, das

heißt als Umschlag betrachtet. Es wurde einerseits gezeigt, wie die
verschiedenen Bestandteile des Kapitals (fixes und zirkulierendes}
den Kreislauf der Formen in. verschiedenen Zeiträumen. vallbringen
und in verschiedener Weise; es wurden anderseits die Umstände unter-
sucht, wodurch verschiedene Länge der Arbeitsperiode und Zirku-
lationsperiode bedingt wird. Es zeigte sich der Einfluß der Kreis-
laufsperiode und des verschiedenen Verhältnisses ihrer Bestandteile
auf den Umfang des Produktionsprozesses selbst wie auf die Jahres-
rate des Mehrwerts. In der Tat, wenn im ersten Abschnitt haupt-
sächlich betrachtet wurden die sukzessiven Formen, die das Kapital
in seinem Kreislauf beständig annimmt und abstreift, so im zweiten
Abschnitt, wie innerhalb dieses Flusses und [dieser] Sukzession von
Formen ein Kapital von gegebener Größe sich gleichzeitig, wenn auch in
wechselndem Umfang, in die verschiedenen Formen von produktivem
Kapital, Geldkapital und Warenkapital teilt, so daß sie nicht nur mit-
einander abwechseln, sondern verschiedene Teile des gesamten Kapi-
talwerts beständig in diesen verschiedenen Zuständen . sich. neben-
einander befinden und fungieren. Das Geldkapital namentlich stelite
sich dar in einer Eigentümlichkeit, die sich nicht in Buch T zeigte. Es
wurden bestimmte Gesetze gefunden, nach denen verschieden große
Bestandteile eines gegebenen Kapitals, je nach den Bedingungen des
Umschlags, beständig in der Form von Geldkapital vorgeschossen
und erneuert werden müssen, um ein produktives Kapital von gege-
benem Umfang beständig in Funktion zu halten.

Es handelte sich aber im ersten wie im zweiten Abschnitt immer
nur um ein individuelles Kapital, um die Bewegung eines verselb-
ständigten Teils des gesellschaftlichen Kapitals.

Die Kreisläufe der individuellen Kapitale verschlingen sich aber
ineinander, setzen sich voraus und bedingen einander, und bilden
gerade in dieser Verschlingung die Bewegung des gesellschaftlichen
Gesamtkapitals. Wie bei der einfachen Warenzirkulation die Gesamt-
metamorphose einer Ware als Glied der Metamorphosenreihe der
Warenwelt erschien, so jetzt die Metamorphose. des individuellen
Kapitals als Glied der Metamorphosenreihe des gesellschaftlichen
Kapitals. Wenn aber die einfache Warenzirkulation keineswegs not-
wendig die Zirkulation des Kapitals einschloß — da sie auf Grund-
iage nichtkapitalistischer Produktion vorgehen kann —, so schließt,
wie bereits bemerkt, der Kreislauf des gesellschaftlichen Gesamt-
kapitals auch die nicht in den Kreislauf des einzelnen Kapitals fallende
Warenzirkulation ein, das heißt die Zirkulation der Waren, die nicht
Kapital bilden.
        <pb n="352" />
        Achtzehntes Kapitel

299
Es ist. nun der Zirkulationsprozeß (der in seiner Gesamtheit
Form des Reproduktionsprozesses) der individuellen Kapitale als
Bestandteile des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, also der Zirku-
\ationsprozeß dieses gesellschaftlichen Gesamtkampitals zu betrachten.

N. Die Rolle des Geldkapitals.

(Obgleich das Folgende erst in den späteren Teil dieses Ab-
schnitts gehört, so wollen wir es gleich untersuchen, nämlich: das
Geldkapital als Bestandteil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals be-
trachtet.) *

Bei Betrachtung des Umschlags des individuellen Kapitals hat
sich das Geldkapital von zwei Seiten gezeigt.

Erstens: Es bildet die Form, worin jedes individuelle Kapital
auf die Bühne tritt, seinen Prozeß als Kapital eröffnet. Es erscheint
daher als primus motor [erster Antrieb], anstoßgebend dem ganzen
Prozeß.

Zweitens: Je nach der verschiedenen Länge der Umschlags-
periode und dem verschiedenen Verhältnis ihrer. beiden Bestandteile
— Arbeitsperiode und Zirkulationsperiode — ist der Bestandteil des
vorgeschossenen Kapitalwerts, der beständig in Geldform vorge-
schossen und erneuert werden muß, verschieden im Verhältnis zu dem
produktiven Kapital, das er in Bewegung setzt, das heißt im Verhältnis
zur kontinuierlichen Produktionsleiter, Welches aber immer dies Ver-
hältnis sei, unter allen Umständen ist der Teil des prozessierenden
Kapitalwerts, der beständig als produktives Kapital fungieren kann,
beschränkt durch den Teil des vorgeschossenen Kapitalwerts, der
beständig neben dem produktiven Kapital in Geldform existieren
muß. Es handelt sich hier nur um den normalen Umschlag, einen
abstrakten Durchschnitt. Es ist dabei abgesehen von zuschüssigem
Geldkapital zur Ausgleichung von Zirkulationsstockungen. ;

Zum ersten Punkt. Die Warenproduktion unterstellt die
Warenzirkulation und die Warenzirkulation unterstellt die Darstel-
lung der Ware als Geld, die Geldzirkulation; die Verdoppelung der
Ware in Ware und Geld ist ein Gesetz der Darstellung des Produkts
als Ware. Ebenso unterstellt die kapitalistische Warenproduktion —
gesellschaftlich sowohl wie individuell betrachtet — das Kapital in
Geldform oder das Geldkapital als primus motor für jedes neu be-
ginnende Geschäft und als kontinuierlichen Motor, Das zirkulierende
Kapital speziell unterstellt das in kürzeren Zeiträumen beständig
wiederholte Auftreten des Geldkapitals als Motor. Der ganze vor-
geschossene Kapitalwert, das heißt alle Bestandteile des Kapitals, die
aus Waren bestehen, Arbeitskraft, Arbeitsmittel und Produktionsstoffe
müssen beständig mit Geld gekauft und wieder gekauft werden. Was
hier für das individuelle Kapital, gilt für das gesellschaftliche Kapital,
das nur in der Form vieler individueller Kapitale fungiert. Aber
wie schon im Buch I gezeigt, folgt daraus keineswegs, daß das
        <pb n="353" />
        300
Dritter Abschnitt
Funktionsfeld des Kapitals, die Stufenleiter der Produktion, selbst
auf kapitalistischer Grundlage, ihren absoluten. Schranken nach
abhängt von dem Umfang: des fungjerenden Geldkapitals. ...

Dem Kapital sind Produktionselemente einverleibt, deren Deh-
nung innerhalb gewisser Grenzen von der Größe des vorgeschossenen
Geldkapitals unabhängig ist. Bei gleicher Zahlung der Arbeitskraft
kann sie extensiv oder intensiv stärker ausgebeutet werden. Wird das
Geldkapital mit dieser stärkeren Ausbeutung vermehrt (das heißt
der Arbeitslohn erhöht), so nicht verhältnismäßig, also pro tanto
gar. nicht.

Der produktiv ausgebeutete Naturstoff — der kein Wertelement
des: Kapitals bildet : —, Erde, Meer, Erze, Waldungen usw., wird
mit größerer Spannung derselben Anzahl von Arbeitskräften intensiv
oder extensiv stärker ausgebeutet ohne vermehrten Vorschuß von
Geldkapital. Die realen Elemente des produktiven Kapitals werden
so .vermehrt ohne Notwendigkeit eines Zuschusses von Geldkapital:
Soweit dieser nötig wird für zuschüssige Hilfsstoffe, wird das Geld-
kapital, worin der Kapitalwert vorgeschossen wird, nicht verhältnis-
mäßig zur Erweiterung der Wirksamkeit des produktiven. Kapitals
vermehrt, also pro tanto. gar nicht. .

Dieselben Arbeitsmittel, also dasselbe fixe: Kapital kann sowohl
in-der. Verlängerung seiner täglichen Gebrauchszeit: wie in der Inten-
sität seiner Anwendung wirksamer vernutzt werden ohne zuschüssige
Geldauslage für fixes Kapital. Es findet dann nur rascherer Umschlag
des fixen Kapitals Statt, aber auch die Elemente seiner Reproduktion
werden rascher geliefert.

Von dem Naturstoff abgesehen, können N aturkräfte, die nichts
kosten, als. Agenten dem Produktionsprozeß mit stärkerer oder
schwächerer Wirksamkeit einverleibt werden. Der Grad ihrer Wirk-
samkeit hängt von Methoden und wissenschaftlichen Fortschritten
ab, die dem Kapitalisten nichts kosten. -

Dasselbe gilt von der gesellschaftlichen Kombination der Ar-

beitskraft im Produktionsprozeß und von der gehäuften Geschiek-
lichkeit der individuellen Arbeiter. Carey rechnet heraus, daß der
Grundeigentümer nie genug erhält, weil ihm nicht: alles Kapital}
respektive Arbeit gezahlt wird, die seit Menschengedenken in. den
Boden gesteckt worden, um ihm seine jetzige Produktionsfähigkeit
zu geben. (Von der Produktionsfähigkeit, die ihm genommen. wird,
ist natürlich nicht die Rede.) Danach müßte der einzelne Arbeiter
bezahlt werden nach der Arbeit, die es das ganze Menschengeschlecht
gekostet hat, um aus einem Wilden einen modernen Mechaniker heraus-
zuarbeiten. Man sollte umgekehrt meinen: Berechnet man alle. un-
bezahlte, aber durch Grundeigentümer und Kapitalisten versilberte
Arbeit, die im Boden steckt, so ist das sämtliche in den Boden ge-
steckte Kapital aber und abermals mit Wucherzinsen zurückgezahlt,
also als Grundeigentum längst von der Gesellschaft aber und aber-
mals zurückgekauft worden.
        <pb n="354" />
        Achtzehntes Kapitel

301
:. :Die Erhöhung der Produktivkräfte der Arbeit, soweit sie keine
zuschüssige Auslage von: Kapitalwerten voraussetzt, erhöht zwar in
erster Instanz nur die Masse des Produkts, nicht seinen Wert, außer
soweit ‘sie befähigt, mehr konstantes Kapital mit derselben Arbeit zu
reproduzieren, also seinen Wert zu erhalten. Aber sie bildet zugleich
neuen Kapitalstoff, also die Basis vermehrter Akkumulation: des
Kapitals.

Soweit die Organisation der gesellschaftlichen Arbeit selbst, da-
her.die Erhöhung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit,
verlangt, daß auf großer Stufenleiter produziert und. daher Geld-
kapital vom Einzelkapitalisten in großen Massen vorgeschossen. wird,
ist bereits in Buch I gezeigt, daß dies zum Teil durch Zentralisation
der Kapitale in wenigen Händen geschieht, ohne daß der Umfang
der fungierenden Kapitalwerte und daher auch der. Umfang des Geld-
kapitals, worin sie vorgeschossen werden, absolut zu: wachsen braucht.
Die Größe der Einzelkapitale kann durch. Zentralisation in‘ wenigen
Händen wachsen, ohne daß ihre gesellschaftliche .Summe wächst.
Es. ist nur veränderte Teilung der Einzelkapitale.

Es ist. endlich im vorigen Abschnitt gezeigt worden, daß: Ver-
kürzung der Umschlagsperiode erlaubt, entweder mit weniger Geld-
kapital dasselbe produktive Kapital.oder mit demselben Geldkapital
mehr, produktives Kapital in Bewegung zu setzen.

Dies alles hat offenbar jedoch mit der eigentlichen Frage des
Geldkapitals nichts zu tun. Es zeigt nur, daß das vorgeschossene
Kapital — eine gegebene Wertsunme, die in ihrer freien Form, in
ihrer Wertform, aus einer gewissen Geldsumme besteht — nach seiner
Verwandlung in produktives Kapital produktive Potenzen einschließt,
deren Schranken nicht durch seine .Wertschranken gegeben sind,
sondern die innerhalb eines gewissen Spielraumes extensiv oder inten-
siv verschieden wirken können. Die Preise der Produktionselemente
— der Produktionsmittel und der Arbeitskraft — gegeben, ist die
Größe des Geldkapitals bestimmt, die nötig ist, um ein bestimmtes
Quantum dieser als Waren vorhandenen Produktionselemente zu
kaufen. . Oder die Wertgröße des vorzuschießenden Kapitals ist
bestimmt... Aber der Umfang, worin dies Kapital als Wert- und
Produktbildner wirkt, ist elastisch und variabel...

. Zum zweiten Punkt. Daß der Teil der gesellschaftlichen
Arbeit und Produktionsmittel, der jährlich zur Produktion oder zum
Ankauf von Gold** verausgabt werden muß, um verschlissene. Münze
zu ersetzen, pro tanto ein Abbruch am Umfang der gesellschaftlichen
Produktion ist, ist selbstverständlich. Was aber den Geldwert angeht,
der teils als Umlaufsmittel, teils als Schatz fungiert, so ist er einmal
da, erworben, er ist da neben der Arbeitskraft, den produzierten
Produktionsmitteln und den natürlichen Quellen des Reichtums. Er
kann nicht als Schranke derselben betrachtet werden. Durch seine
N 348. In der Engeleschen Ausgabe steht „Geld“.

KK
        <pb n="355" />
        302

Dritter Abschnitt
Verwandlung in Produktionselemente, durch Austausch mit andern
Völkern, könnte die Produktionsleiter erweitert. werden. Dies unter-
stellt jedoch, daß das Geld nach wie vor seine Rolle als Weltgeld spielt.
Je nach der Größe der Umschlagsperiode ist größere oder ge-
ringere Masse von Geldkapital nötig, um das produktive Kapital in
Bewegung zu setzen. Ebenso haben wir gesehen, daß die Teilung der
Umschlagsperiode in Arbeitszeit und Zirkulationszeit eine Vermeh-
rung des in Geldform latenten oder suspendierten Kapitals bedingt.
Soweit die Umschlagsperiode dureh die Länge der Arbeitsperiode
bestimmt wird, wird sie bestimmt, unter sonst gleichbleibenden Be-
dingungen, durch die materielle Natur des Produktionsprozesses, also
nicht durch den spezifischen gesellschaftlichen Charakter dieses Pro-
duktionsprozesses. Auf Basis der kapitalistischen Produktion jedoch
bedingen ausgedehntere. Operationen von längerer Dauer größere Vor-
schüsse von Geldkapital für längere Zeit. Die Produktion in solchen
Sphären ist also abhängig von den Grenzen, innerhalb deren der ein-
zelne Kapitalist über Geldkapital verfügt. Diese Schranke wird durch-
brochen durch Kreditwesen und damit zusammenhängende Asso-
ziation, zum Beispiel Aktiengesellschaften. Störungen im Geldmarkt
setzen daher solche Geschäfte still, während diese selben Geschäfte
ihrerseits Störungen im Geldmarkt hervorrufen.

Auf Basis gesellschaftlicher Produktion ist zu bestimmen der
Maßstab, worin diese Operationen, die während längerer Zeit Arbeits-
kraft und Produktionsmittel entziehen, ohne während dieser Zeit ein
Produkt als Nutzeffekt zu liefern, ausgeführt werden können, ohne die
Produktionszweige zu schädigen, die kontinuierlich oder mehrmals
während des Jahres nicht nur Arbeitskraft und Produktionsmittel
entziehen, sondern auch Lebensmittel und Produktionsmittel liefern.
Bei gesellschaftlicher ebenso wie bei kapitalistischer Produktion wer-
den nach wie vor die Arbeiter in Geschäftszweigen von kürzeren
Arbeitsperioden nur für kürzere Zeit Produkte entziehen, ohne Pro-
dukt wieder zu geben, während die Geschäftszweige mit langen Ar-
beitsperioden für längere Zeit fortwährend entziehen, bevor sie zu-
rückgeben. Dieser Umstand entspringt also aus den sachlichen Be-
dingungen des betreffenden Arbeitsprozesses, nicht aus seiner gesell-
schaftlichen Form. Das Geldkapital fällt bei gesellschaftlicher Pro-
duktion fort. Die Gesellschaft verteilt Arbeitskraft und Produktions-
mittel in die verschiedenen Geschäftszweige. Die Produzenten mö-
gen meinetwegen papierene Anweisungen erhalten, wofür sie den ge-
sellschaftlichen Konsumtionsvorräten ein ihrer Arbeitskraft ent-

sprechendes Quantum entziehen. Diese Anweisungen sind kein
Geld, Sie zirkulieren nicht.

Man sieht, daß, soweit das Bedürfnis für Geldkapital aus der
Länge der Arbeitsperiode entspringt, dies durch zwei Umstände be-
dingt wird: Erstens, daß überhaupt Geld die Form ist, worin jedes
individuelle Kapital (vom Kredit abgesehen) auftreten muß, um sich
in produktives Kapital zu verwandeln; dies geht hervor aus dem
        <pb n="356" />
        Neunzehntes Kapitel

303

Wesen der kapitalistischen Produktion, überhaupt der Warenpro-
duktion. — Zweitens, die Größe des nötigen Geldvorschusses ent-
springt aus dem Umstand, daß während längerer Zeit beständig Ar-
beitskraft und Produktionsmittel der Gesellschaft entzogen werden,
ohne daß ihr während dieser Zeit ein in Geld rückverwandelbares
Produkt zurückgegeben wird. Der erste Umstand, daß das vorzu-
schießende Kapital in Geldform vorgeschossen werden muß, wird
nicht aufgehoben durch die Form dieses Geldes selbst, ob es Metall-
geld, Kreditgeld, Wertzeichen etc. Der zweite Umstand wird in
keiner Weise dadurch affiziert, durch welches Geldmedium [als Geld
dienendes Mittel] oder durch welche Form der Produktion Arbeit,
Lebensmittel und Produktionsmittel entzogen werden, ohne ein
Aeaquivalent in die Zirkulation zurückzuwerfen.

Neunzehntes Kapitel. ®
Frühere Darstellungen des Gegenstandes.
I]. Die Physiokraten. ;

Quesnays Tableau &amp;conomique zeigt in wenigen großen Zügen,
wie ein dem Wert nach bestimmtes Jahresergebnis der nationalen
Produktion sich so durch die Zirkulation verteilt, daß unter sonst
gleichbleibenden Umständen dessen einfache Reproduktion vor-
gehen kann, das heißt Reproduktion auf derselben Stufenleiter.
Den Ausgangspunkt der Produktionsperiode bildet sachgemäß die
letztjährige Ernte. Die zahllosen individuellen Zirkulationsakte sind
sofort zusammengefaßt in ihrer charakteristisch -gesellschaftlichen
Massenbewegung — der Zirkulation zwischen großen, funktionell be-
stimmten. ökonomischen Gesellschaftsklassen. Was uns hier interes-
siert: Ein Teil des Gesamtprodukts — wie jeder andere Teil des-
selben als Gebrauchsgegenstand neues Resultat der verflossenen
Jahresarbeit — ist zugleich nur Träger von altem, in selber Natural-
form wieder erscheinendem Kapitalwert. Er zirkuliert nicht, sondern
verbleibt in den Händen seiner Produzenten, der Pächterklasse, um
dort seinen Kapitaldienst wieder zu beginnen. In diesen konstanten
Kapitalteil des Jahresprodukts schließt Quesnay auch ungehörige
Elemente ein, aber er trifft die Hauptsache, dank den Schranken
seines Horizonts, worin Agrikultur die einzige Mehrwert produzierende
Anlagesphäre der menschlichen Arbeit ist, also dem kapitalisti-
schen Standpunkt gemäß die allein wirklich produktive. Der ökono-
mische Reproduktionsprozeß, was immer sein spezifisch gesellschaft-
licher Charakter, verschlingt sich auf diesem Gebiet (der Agrikultur)
stets mit einem natürlichen Reproduktionsprozeß. Die handgreif-
lichen Bedingungen des letzteren klären auf über die des ersteren
und halten Gedankenwirren fern, welche nur das Blendwerk der Zir-
kulation hervorruft.

3 Hier beginnt Manuskript VIIL. F.E.
Das Kapital. Ik.
        <pb n="357" />
        304
Dritter Abschnitt
Die Etiquette [Aufschrift] eines Systems unterscheidet sich von
der anderer Artikel unter anderm dadurch, daß sie nicht nur den Käufer
prellt, sondern oft auch den Verkäufer. Quesnay selbst und seinenäch-
sten Schüler glaubten an ihr feudales Aushängeschild. So bis zur
Stunde unsere Schulgelehrten. In der Tat aber ist das physiokratische
System die erste systematische Fassung der kapitalistischen Produk-
tion. Der Repräsentant des industriellen Kapitals — die Pächterklasse
— leitet die ganze ökonomische Bewegung. Der Ackerbau wird
kapitalistisch betrieben, das heißt als Unternehmung des kapitali-
stischen Pächters auf großer Stufenleiter; der unmittelbare Bebauer
des Bodens ist Lohnarbeiter. Die Produktion erzeugt nicht nur die
Gebrauchsartikel, sondern auch ihren Wert ; ihr treibendes Motiv
aber ist Gewinnung von Mehrwert, dessen Geburtsstätte die Pro-
duktions-, nicht die Zirkulationssphäre. Unter den drei Klassen, die
als Träger des durch die Zirkulation vermittelten gesellschaftlichen
Reproduktionsprozesses figurieren, unterscheidet sich der unmittel-
bare Ausbeuter der „produktiven‘“ Arbeit, der Produzent des Mehr-
werts, der kapitalistische Pächter, von dessen bloßen Aneignern,

Der kapitalistische Charakter des Physiokratischen Systems rief
schon während seiner Blüteperiode die Opposition hervor einerseits
von Linguet und Mably, anderseits der Verteidiger des freien kleinen
Grundbesitzes.
A. Smiths Rückschritt® in [der] Analyse des Reproduktionspro-
ze8ses ist um so auffallender, als er sonst nicht nur richtige Analysen
Quesnays weiter verarbeitet, zum Beispiel dessen „@vances primitives‘
und „avances annuelles‘“‘ verallgemeinert in „fixes‘* und „„zirkulieren-
des‘ Kapital,® sondern stellenweise ganz und gar in physiokratische
Irrtümer zurückfällt. Um zum Beispiel nachzuweisen, daß der Pächter
größeren Wert produziert als irgendeine andere Kapitalistensorte,
sagt er: „Kein gleiches Kapital setzt eine größere Menge produktiver
Arbeit in Bewegung als das des Pächters. Nicht nur sein Arbeits-
gesinde, auch sein Arbeitsvieh besteht aus produktiven Arbeitern.‘
(Angenehmes Kompliment für das Arbeitsgesinde!) „Im Ackerbau
arbeitet auch die Natur neben dem Menschen, und obgleich ihre
Arbeit keine Auslage kostet, so hat ihr Produkt doch

% „Kapital“, Band I, 2. Auflage, S. 612, YV. 8, 526, Note 32,

7 Auch hierbei hatten ihm einige Physiokraten den Weg bereitet, vor
allem Turgot. Dieser gebraucht schon häufßger als Quesnay und die übrigen
Physiokraten das Wort Kapital für avances und identifiziert noch mehr die
avanıces oder capitaux der Manufakturisten mit denen der Pächter. Zum
Beispiel: „Wie sie (die Manufaktur-Unternehmer) müssen sie (die Pächter,
das heißt die kapitalistischen Pächter) außer der Rückerstattung ihrer
Kapitalien empfangen usw.“ („Comme eux [les entrepreneurs-manufactu-
riers], ils [les fermiers, das heißt die kapitalistischen Pächter] doivent re-
cueillir, outre la rentree de leurs Capitaux etc.“ — Turgot: „„Oeuvres, ed.
Daire. Paris 1844.“ Tome. I, p. 40.)
        <pb n="358" />
        Neunzehntes Kapitel

305
seinen Wert, ebensogut wie das der kostspieligsten Ar-
beiter. Die wichtigsten Operationen des Ackerbaues scheinen dar-
auf gerichtet, die Fruchtbarkeit der Natur nicht so sehr zu vermehren
— obgleich sie das auch tun -— als sie auf die Produktion der dem
Menschen nützlichsten Pflanzen hinzulenken. Ein mit Dornen und
Ranken überwachsenes Feld liefert oft genug eine ebenso große Menge
Pflanzenwuchs wie das bestbebaute Weinstück oder Kornfeld. :Be-
pflanzung und Kultur wirken oft mehr zur Regulierung als zur Be-
lebung der aktiven Fruchtbarkeit der Natur; und nachdem jene alle
ihre Arbeit erschöpft, bleibt für diese stets noch ein großes Stück
Werk zu tun. Die Arbeiter und das Arbeitsvieh (!), die im Ackerbau
beschäftigt werden, bewirken also nicht nur, wie die Arbeiter in den
Manufakturen, die Reproduktion eines Wertes, der gleich ist ihrer
eigenen Konsumtion und ?* dem sie beschäftigenden Kapital nebst
dem Profit des Kapitalisten, sondern. die eines weit größeren Wertes.
Ueber das Kapital des Pächters und all seinen Profit hinaus be-
wirken sie auch noch regelmäßig die Reproduktion der Rente des
Grundbesitzers. Die Rente? kann betrachtet werden als das Produkt
der Naturkräfte, deren Gebrauch der Grundbesitzer dem Pächter
leiht. Sie ist größer oder geringer, je nach dem angenommenen Höhe-
grad dieser Kräfte, in andern Worten, je nach der angenommenen
natürlichen oder künstlich bewirkten Fruchtbarkeit des Bodens. Sie
ist das Werk der Natur, welches übrigbleibt nach Abzug oder Ersatz
alles dessen, was als Menschenwerk betrachtet werden kann. Sie ist
selten weniger als ein Viertel und oft mehr als ein Drittel des Ge-
samtprodukts. Keine gleiche Menge produktiver Arbeit, angewandt
in der Manufaktur, kann je eine so große Reproduktion bewirken.
In der Manufaktur tut die Natur nichts, der Mensch alles; und
die Reproduktion muß immer proportionell sein der Stärke der Agen-
ten [hier so viel wie „Arbeitskräfte‘“], die sie durchführen. Daher setzt
das im Ackerbau angelegte Kapital nicht nur eine größere Menge
produktiver Arbeit in Bewegung als irgendwelches gleich große in der
Manufaktur angewandte Kapital, sondern es fügt auch, im Verhältnis
zu der von ihm beschäftigten Menge produktiver Arbeit, dem Jahres-
produkt des Bodens und der Arbeit eines Landes, dem wirklichen
Reichtum und Einkommen seiner Bewohner einen. weit größeren
Wert hinzu als jenes.“ (B. II, ch. 5, p. 242.)

A. Smith sagt B. II, ch. 1: „Der ganze Wert der Aussaat ist
ebenfalls im eigentlichen Sinn ein fixes Kapital.‘ Hier also Kapital
gleich Kapitalwert; er existiert in „fixer‘ Form. ;,Obgleich die Aus-
saat zwischen dem Acker und der Scheune hin und her geht, wechselt
sie doch nie den Eigentümer und zirkuliert daher nicht wirklich,
Der Pächter macht seinen Profit nicht durch ihren Verkauf, sondern.
durch ihren Zuwachs.‘ (p. 186.) Die Borniertheit liegt hier darin,
8m Bei Smith heißt es hier „or, oder“, nicht „und“. K.
87b Bei Smith: ‚Diese Rente, this rent“. K.
        <pb n="359" />
        306

Dritter Abschnitt
daß Smith nicht; wie schon Quesnay, Wiedererscheinung des Wertes
von konstantem Kapital in erneuter Form, also wichtiges Moment
des Reproduktionsprozesses sieht, sondern nur eine Illustration mehr,
nnd noch dazu eine falsche, für seine Differenz von zirkulierendem
und fixem Kapital. — In der Smithschen Uebersetzung von „avances
primitives‘“ und „avances annuelles‘“ in „fixed capital‘ und „cireula-
ting capital“ besteht der Fortschritt in dem Wort „Kapital“, dessen
Begriff verallgemeinert wird, unabhängig von der besonderen Rück-
sicht auf die „agrikole‘‘ Anwendungssphäre der Physiokraten; der
Rückschritt darin, daß „fix‘“ und „Zirkulierend“‘ als die entscheiden-
den Unterschiede aufgefaßt und festgehalten werden.
N. Adam Smith,
1. Smiths allgemeine Gesichtspunkte.

A. Smith sagt B. I, ch. 6, p. 42: „In jeder Gesellschaft löst sich
der Preis jeder Ware schließlich auf in einen oder den andern dieser
drei Teile (Arbeitslohn, Profit, Bodenrente), oder in alle drei; und
in jeder fortgeschrittenen Gesellschaft gehen sie alle drei mehr oder
weniger als Bestandteile in den Preis des weitaus größten Teils der
Ware ein;‘3% oder, wie es weiter heißt, [ch. 6.] p. 63: „Arbeitslohn,
Profit und Bodenrente sind die drei Urquellen alles Einkommens
3owohl wie alles Tauschwerts.“ Wir werden weiter unten diese
Lehre A, Smiths über die „Bestandteile des Preises der Waren“
respektive „alles Tauschwerts‘‘ näher untersuchen. — Weiter heißt
e8: „Da dies gilt mit Bezug auf jede besondere Ware einzeln genommen,
muß es auch gelten für alle Waren in ihrer Gesamtheit, wie sie das
ganze jährliche Produkt des Bodens und der Arbeit eines jeden
Landes ausmachen. Der gesamte Preis oder Tauschwert
dieses jährlichen Produkts muß sich auflösen in dieselben drei
Teile und verteilt werden unter die verschiedenen Bewohner des
Landes entweder als Lohn ihrer Arbeit oder als Profit ihres Kapi-
bals oder als Rente ihres Grundbesitzes.‘“‘ (B. IT, ch. 2, p. 190.)

Nachdem A. Smith so den Preis sowohl aller Waren einzeln ge-
nommen, wie „den ganzen Preis oder Tauschwert... des jährlichen
Produkts des Bodens und der Arbeit eines jeden Landes“ aufgelöst
hat in drei Quellen von Revenuen für Lohnarbeiter, Kapitalist
8 Damit der Leser sich nicht täusche über die Phrase: „Der Preis des
weitaus größten Teils der Waren“, zeigt folgendes, wie A. Smith selbst diese
Bezeichnung erklärt: Zum Beispiel in den Preis von Seefisch geht keine
Rente ein, sondern nur Arbeitslohn und Profit; in den Preis von Scotch
pebbles [schottische Kiesel] geht nur Arbeitslohn ein, nämlich: „In einigen
Teilen von Schottland machen arme Leute es sich zum Geschäft, am See-
strand die bunten Steinchen zu sammeln, die unter dem Namen schottische
Kiesel bekannt sind. Der Preis, den ihnen die Steinschneider dafür zahlen,
besteht nur aus ihrem Arbeitslohn, da weder Bodenrente noch Profit irgend.-
einen Teil davon ausmacht.‘
        <pb n="360" />
        Neunzehntes Kapitel

307
und Grundeigentümer, in Arbeitslohn, Profit und Bodenrente, muß
er doch auf einem Umwege ein viertes Element hereinschmuggeln,
nämlich das Element des Kapitals. .Dies geschieht durch die Dis-
tinktion zwischen Roh- und Reineinkommen: „Das Brutto-HEin-
kommen sämtlicher Einwohner des großen Landes begreift in sich das
gesamte Jahresprodukt ihres Bodens und ihrer Arbeit, das
Netto-Einkommen den Teil, der ihnen zur Verfügung bleibt nach
Abzug der Erhaltungskosten erstens ihres fixen und zweitens
ihres flüssigen Kapitals, oder den Teil, den sie, ohne ihr Kapital
anzugreifen, in ihren Konsumtionsvorrat stellen oder zu ihrem Unter-
halt, Komfort und Vergnügen verausgaben können. Ihr wirklicher
Reichtum steht ebenfalls im Verhältnis nicht zu ihrem Brutto-,
sondern. zu ihrem Netto-Einkommen.‘“ (Ibidem, p. 190.)
Wir bemerken hierzu:
L. A. Smith behandelt hier ausdrücklich nur die einfache Re-
produktion, nicht die auf erweiterter Stufenleiter oder die Akkumula-
tion; er spricht nur von den Ausgaben für Erhaltung (maintaining)
des fungierenden Kapitals. Die „Netto‘“-Revenue ist gleich dem
Teil des jährlichen Produkts, sei es der Gesellschaft, sei es des indivi-
duellen Kapitalisten, der in den „Konsumtionsfonds‘‘ eingehen kann,
aber der Umfang dieses Fonds darf nicht das fungierende Kapital
angreifen (encroach upon capital). Ein Wertteil des individuellen
wie des gesellschaftlichen Produkts löst sich also weder in Arbeits-
lohn noch in Profit®%®* oder Bodenrente auf, sondern in Kapital.

2. A. Smith flüchtet aus seiner eigenen Theorie vermittels
eines Wortspiels, der Unterscheidung zwischen gross und net revenue,
Roh- und Reineinkommen. Der individuelle Kapitalist wie die ganze
Kapitalistenklasse oder die sogenannte Nation nimmt ein an Stelle
des in der Produktion verbrauchten Kapitals ein Warenprodukt,
dessen Wert — darstellbar in proportionellen Teilen dieses Produkts
selbst — einerseits den aufgewandten Kapitalwert ersetzt, daher
Einkommen bildet und noch wörtlicher Revenue (revenu, Partizip von
revenir, wiederkommen), aber nota bene [wohlgemerkt] Kapital-
Revenue oder Kapitaleinnahme, anderseits Wertbestandteile, die „„ver-
teilt werden unter die verschiedenen Bewohner des Landes entweder
als Lohn ihrer Arbeit oder als Profit ihres Kapitals oder als Rente
ihres Grundbesitzes““ — was man im gewöhnlichen Leben unter
Einkommen versteht. Der Wert des ganzen Produkts, sei es für
den individuellen Kapitalisten, sei es für das ganze Land, bildet
danach Einkommen für irgend jemand, aber einerseits Kapital-
einkommen, anderseits von diesem verschiedene „Revenue‘. Was
also bei der Analyse des Wertes der Ware in seine Bestandteile ent-
fernt wird, wird durch eine Hintertür — die Zweideutigkeit des Wortes

88% In allen bisherigen Auflagen steht „Profit-“. — Trotz dieser Ueber-
einstimmung ist der Bindestrich zweifellos falsch. K.
        <pb n="361" />
        308
Dritter Abschnitt
„Revenue“ wieder eingeführt.?b Es können aber nur solche Wertbe-
standteile des Produkts „eingenommen“ werden, die bereits in ihm
existieren. Wenn Kapital als Revenue einkommen soll, so muß
Kapital vorher verausgabt worden sein.

A. Smith sagt ferner: „Die niedrigste gewöhnliche Profitrate
muß immer etwas mehr ausmachen als das, was hinreicht zur Ent-
schädigung für die gelegentlichen Verluste, denen jede Kapitalver-
wendung ausgesetzt ist. Es ist dieser Ueberschuß allein, der den
reinen oder Nettoprofit darstellt.“ (Welcher Kapitalist versteht unter
Profit notwendige Kapitalauslagen ?) „Was man Bruttoprofit nennt;
umfaßt häufig nicht nur diesen Ueberschuß, sondern auch den für
3olche außergewöhnliche Verluste zurückbehaltenen Teil.“ (B. I, ch. 9,
pP. 72.) Dies heißt aber weiter nichts, als daß ein Teil des Mehrwerts,
betrachtet als Teil des Bruttoprofits, einen Assekuranzfonds für die
Produktion bilden muß. Diesen Assekuranzfonds schafft ein Teil der
Surplus-[Mehr-] Arbeit, dieinsofern Kapitaldirekt produziert, das heißt
den für die Reproduktion bestimmten Fonds. Was die Auslage für die
„Erhaltung“ des fixen Kapitals ete. angeht (siehe die oben zitierten
Stellen), so bildet der Ersatz des konsumierten fixen Kapitals durch
neues keine neue Kapitalauslage, sondern ist nur die Erneuerung des
alten Kapitalwerts in neuer Form. Was aber die Reparatur des
fixen Kapitals. betrifft, die A. Smith ebenfalls zu den Erhaltungs-
kosten rechnet; so gehören ihre [der Reparatur] Kosten ®° mit zum
Preise des vorgeschossenen Kapitals, Daß der Kapitalist, statt diesen
auf einmal anlegen zu müssen, ihn erst allmählich und je nach Bedürf-
nis während der Funktion des Kapitals anlegt und aus schon ein-

gesfecktem Profit anlegen kann, ändert nichts an der Quelle dieres
Profits..‘. Der Wertbestandteil, woraus er entspringt, beweist nur,
daß der Arbeiter Surplusarbeit liefert, wie für den Assekuranzfonds,
so für den Reparaturfonds.34

A. Smith erzähltunsnun, daß vonder N etto-Revenue, das heißt der
Revenue im spezifischen Sinne, das ganze fixe Kapital auszusch ließen,
aber auch der ganze Teil des zirkulierenden Kapitals, den die Er-
haltung und die Reparatur des fixen Kapitals wie seine Erneuerung
erheischt, in der Tat alles Kapital, das sich nicht in einer für den
Konsumtionsfonds bestimmten Naturalform. befindet.

38% Ueber einen andern Doppelsinn des Wortes Revenue vergleiche
Kapital, Buch I, 2. Aufl., 8. 612, V. S. 526, Note 33. K.

6 In der Engelsschen Ausgabe steht: „So gehört seine Kost“ usw. K.

34 In der 1. Auflage folgt hier folgender Absatz, der in den späteren
Auflagen fehlt: „A. Smiths Erklärung des fixen Kapitals kommt in der Tat
darauf hinaus, daß es der Teil des vorgeschossenen industriellen Kapitals ist,
der im Produktionsprozeß fixiert ist oder, wie er p. 187 sagt: „Einkommen
oder Profit liefert, ohne zu zirkulieren oder den Eigentümer zu wechseln“,
oder nach p. 185 der Teil, der „in seinem (des Verwenders) Besitz bleibt oder
in derselben Form verharrt.“ K.
        <pb n="362" />
        Neunzehntes Kapitel

309
„Die ganze Auslage für Erhaltung des fixen Kapitals muß offen-
bar von der Netto-Revenue der Gesellschaft ausgeschlossen werden.
Weder die Rohstoffe, mit denen ihre nützlichen. Maschinen und In-
dustriewerkzeuge [profitbringenden Gebände usw.] in Stand gehalten
werden müssen, noch das Produkt der zur Umwandlung dieser Roh-
stoffe in die verlangte Gestalt erforderlichen Arbeit kann je einen
Teil dieser Revenue bilden. Der Preis dieser Arbeit kann allerdings
einen Teil jener Revenue bilden, da die so beschäftigten Arbeiter den
ganzen Wert ihres Lohnes in ihrem unmittelbaren Konsumtionsvorrat
anlegen können.‘ Aber bei andern ArtenArbeit geht sowohl der Preis‘
(das heißt der für diese Arbeit bezahlte Lohn) „wie das Produkt“
{worin sich diese Arbeit verkörpert) „in diesen Konsumtionsvorrat
ain, der Preis in den der Arbeiter, das Produkt in den anderer Leute,
deren Unterhalt, Komfort und Vergnügen durch die Arbeit dieser
Arbeiter erhöht wird.‘ (B. II, ch. 2, p. 190, 191.) .

A. Smith stößt hier auf eine sehr wichtige Unterscheidung. zwi-
schen den Arbeitern, die in der Produktion von Produktionsmit-
teln, und denen, die in der unmittelbaren Produktion von Kon-
sumtionsmitteln wirken. Der Wert des Warenprodukts der erste-
ren enthält einen Bestandteil gleich der Summe der Arbeitslöhne, das
heißt dem Wert des im Ankauf von Arbeitskraft angelegten Kapital-
teils; dieser Wertteil existiert körperlich als eine gewisse Quote der
yon diesen Arbeitern produzierten Produktionsmittel. Das für ihren
Arbeitslohn erhaltene Geld bildet für sie Revenue, aber weder für
sie selbst noch für andere hat ihre Arbeit Produkte hergestellt, die
konsumabel sind. Diese Produkte bilden also selbst kein Element des
Teils des jährlichen Produkts, der bestimmt ist, den gesellschaft-
lichen Konsumtionsfonds zu liefern, worin allein „„Netto-Revenue‘“
realisierbar ist. A. Smith vergißt hier zuzusetzen, daß, was für die
Arbeitslöhne [gilt], ebenso gültig ist für den Wertbestandteil der Pro-
duktionsmittel, der als Mehrwert unter den Kategorien von Profit und
Rente die Revenue (in erster Hand) des industriellen Kapitalisten
bildet. Auch diese Wertbestandteile existieren in Produktionsmitteln,
Nicht-Konsumablem ; erst nach ihrer Versilberung können sie ein ihrem
Preis gemäßes Quantum der von der zweiten Sorte Arbeiter produ-
zierten Konsumtionsmittel heben und in den individuellen. Konsum-
tionsfonds ihrer Besitzer übertragen. Um so mehr aber hätte
A. Smith sehen müssen, daß der Wertteil der jährlich erzeugten Pro-
duktionsmittel, welcher gleich ist dem Wert der innerhalb dieser Pro-
duktionssphäre fungierenden Produktionsmittel — der Produktions-
mittel, womit Produktionsmittel gemacht werden —, also ein Wert-
teil gleich dem Wert des hier angewandten konstanten Kapitals,
absolut ausgeschlossen ist, nicht nur durch die Naturalform, worin
er existiert, sondern durch seine Kapitalfunktion, von jedem Revenue
bildenden Wertbestandteil.

Mit Bezug auf die zweite Sorte Arbeiter — die unmittelbar
Konsumtionsmittel produzieren — sind A. Smiths Bestimmungen
        <pb n="363" />
        310

Dritter Abschnitt
nicht ganz exakt, Er sagt nämlich, daß in diesen Arten Arbeit beide,
der Preis der Arbeit und das Produkt, eingehen in (go to) den un-
mittelbaren Konsumtionsfonds; „der Preis (das heißt das als
Arbeitslohn erhaltene Geld) in den Konsumtionsstock [Konsum-
tionsvorrat] der Arbeiter und das Produkt in den anderer
Leute (that of other people), deren Unterhalt, Komfort und
Vergnügen erhöht werden durch die Arbeit dieser Arbeiter.“ Aber
der Arbeiter kann nicht leben von dem „Preis“ seiner Arbeit, dem
Geld, worin sein Arbeitslohn ausgezahlt wird; er realisiert dies
Geld, indem er damit Kunsumtionsmittel kauft; diese können
zum Teil aus Warensorten bestehen, die er selbst produziert hat,
Anderseits kann sein eigenes Produkt ein solches sein, welches nur in
die Konsumtion der Arbeitsausbeuter eingeht,
Nachdem A. Smith das fixe Kapital so gänzlich ausgeschlossen
von der „Netto-Revenue‘“ eines Landes, fährt er fort:
„Obgleich so die ganze Auslage für Erhaltung des fixen Kapitals
notwendig von der Netto-Revenue der Gesellschaft ausgeschlossen
ist, So ist doch nicht dasselbe der Fall mit der Auslage für Erhaltung
des zirkulierenden Kapitals. Von den vier Teilen, woraus dies letztere
Kapital besteht: Geld , Lebensmittel, Rohstoffe und fertige Produkte,
werden die drei letzteren, wie schon gesagt, regelmäßig aus ihm her-
ausgenommen und entweder in das fixe Kapital der Gesellschaft ver-
setzt Oder aber in den für unmittelbare Konsumtion bestimmten
Vorrat. Derjenige Teil der konsumierbaren Artikel, der nicht zur
Erhaltung des ersteren‘‘ (des fixen Kapitals) ‚verwandt wird, geht allzu-
mal in den letzteren [ein]‘“ (den für unmittelbare Konsumtion bestimm-
ten Vorrat) „und bildet einen Teil des Netto-Einkommens der Ge-
sellschaft. Die Erhaltung dieser drei Teile des zirkulierenden Kapitals
verringert daher die Netto-Revenue der Gesellschaft um keinen
andern Teil des Jahresprodukts außer demjenigen, der nötig ist zur
Erhaltung des fixen Kapitals.“ (B. II, ch. 2, p. 192.)

Dies ist nur die Tautologie%e, daß der Teil des zirkulierenden
Kapitals, der nicht für die Produktion von Produktionsmitteln dient,
eingeht in die von Konsumtionsmitteln, also in den Teil des jährlichen
Produkts, der bestimmt ist, den Konsumtionsfonds der Gesellschaft
zu bilden. Aber wichtig ist, was gleich darauf folgt:

„Das zirkulierende Kapital einer Gesellschaft ist in dieser Be-
ziehung verschieden von dem eines einzelnen. Das eines einzelnen
ist gänzlich ausgeschlossen von seiner N etto-Revenue und kann nie
einen Teil derselben bilden; sie kann ausschließlich nur aus seinem
se Tautologie ist die Wiederholung einer Voraussetzung mit andern
Worten, so daß der Schein eines neuen Gedankens entsteht. Die Tautologie
hier ist folgende: Alles produktive Kapital dient der Produktion entweder
von Produktionsmitteln oder von Konsumtionsmitteln. Es bedeutet daher
den gleichen Gedanken, ob ich von einem produktiven Kapital sage, es diene
nicht der Produktion von Produktionsmitteln, oder ob ich sage, es diene
der Produktion von Konsumtionsmitteln. K.
        <pb n="364" />
        Neunzehntes Kapitel

311
Profit bestehen. Aber obwohl das zirkulierende Kapital jedes ein-
zelnen einen Teil des zirkulierenden Kapitals der Gesellschaft aus-
macht, zu der er gehört, so ist es doch deshalb keineswegs unbedingt
ausgeschlossen von der Netto-Revenue der Gesellschaft und kann
einen Teil davon bilden. Obgleich die sämtlichen Waren im Laden
eines Kleinhändlers durchaus nicht in den für seine eigene unmittel-
bare Konsumtion bestimmten Vorrat gestellt werden dürfen, so
können sie doch in den Konsumtionsfonds anderer Leute gehören, die
vermittels einer durch andere Fonds erzielten Revenue ihm ihren
Wert samt seinem Profit regelmäßig ersetzen, ohne daß daraus eine
Verminderung weder seines noch ihres Kapitals entsteht.‘ (Ibidem.)

Wir hören hier also:

1. Wie das fixe Kapital und das zu dessen Reproduktion (Funk-
tion vergißt er) und Erhaltung nötige zirkulierende Kapital, so ist
auch das in der Produktion von Konsumtionsmitteln tätige zirku-
lierende Kapital jedes individuellen Kapitalisten total ausgeschlossen
von seiner Netto-Revenue, die nur in seinen Profiten bestehen kann.
Also ist der sein Kapital ersetzende Teil seines Warenprodukts nicht
auflösbar in Wertbestandteile, die Revenue für ihn bilden.

2. Das zirkulierende Kapital jedes individuellen Kapitalisten
bildet einen Teil des zirkulierenden Kapitals der Gesellschaft, ganz
wie jedes individuelle fixe Kapital.

3. Das zirkulierende Kapital der Gesellschaft, obgleich nur die
Summe der individuellen zirkulierenden Kapitale, besitzt einen vom
zirkulierenden Kapital jedes individuellen Kapitalisten verschiedenen
Charakter. Das letztere kann niemals einen Teil seiner Revenue
bilden; ein Stück des ersten (nämlich das aus Konsumtionsmitteln
bestehende) kann dagegen zugleich einen Teil der Revenue der
Gesellschaft bilden, oder, wie er vorhin sagte, es muß nicht not-
wendig die Netto-Revenue der Gesellschaft um einen Teil des Jahres-
produkts verringern. In der Tat besteht das, was A. Smith hier
zirkulierendes Kapital nennt, in dem jährlich produzierten Waren-
kapital, welches die Konsumtionsmittel produzierenden Kapitalisten
jährlich in Zirkulation werfen. Dies ihr ganzes jährliches Waren-
produkt besteht aus konsumierbaren Artikeln und bildet daher
den Fonds, worin sich die Netto-Revenuen (inklusive der Arbeits-
löhne) der Gesellschaft realisieren oder verausgaben. Statt die Waren
im Laden des Kleinhändlers als Beispiel zu wählen, hätte A. Smith
die in den Warenlagern der industriellen Kapitalisten lagernden
Gütermassen wählen müssen,

Hätte A. Smith nun die Gedankenblöcke zusammengefaßt, die
sich ihm aufgedrungen, vorher bei Betrachtung der Reproduktion
dessen, was er fixes, jetzt bei der dessen, was er zirkulierendes Kapital
nennt, so wäre er zu folgendem Resultat gekommen:

I. Das gesellschaftliche Jahresprodukt besteht aus zwei Abtei-
lungen; die erste umfaßt die Produktionsmittel, die zweite die
Konsumtionsmittel; beide sind getrennt zu behandeln.
        <pb n="365" />
        312

Dritter Abschnitt
IT. Der Gesamtwert des aus Produktionsmitteln bestehenden
Teils des Jahresprodukts verteilt sich wie folgt: Ein Wertteil ist
nur der Wert der in der Herstellung dieser Produktionsmittel ver-
zehrten Produktionsmittel, also nur in erneuter Form wieder-
erscheinender Kapitalwert; ein zweiter Teil ist gleich dem Wert des
in Arbeitskraft ausgelegten Kapitals oder gleich der Summe der
Arbeitslöhne, ausgezahlt von den Kapitalisten dieser Produktions-
sphäre. Ein dritter Wertteil endlich bildet die Quelle der Profite
inklusive [einschließlich der] Bodenrenten der industriellen Kapi-
talisten dieser Kategorie.

Der erste Bestandteil, nach A. Smith der reproduzierte fixe
Kapitalteil sämtlicher in dieser ersten Abteilung beschäftigten indi-
viduellen Kapitale, ist „offenbar ausgeschlossen und kann nie einen
Teil bilden von der Netto-Revenue‘‘, sei es des individuellen Kapi-
talisten, sei es der Gesellschaft, Er fungiert stets als Kapital, nie
als Revenue. Sofern unterscheidet sich das „fixe Kapital‘‘ jedes indi-
viduellen Kapitalisten in nichts von dem fixen Kapital der Gesell-
schaft. Aber die andern Wertteile des in Produktionsmitteln be-
stehenden jährlichen Produkts der Gesellschaft — Wertteile, die
also auch existieren in aliquoten Teilen dieser Gesamtmasse. von
Produktionsmitteln -— bilden zwar zugleich Revenuen für alle
in dieser Produktion beteiligten Agenten, Löhne für die
Arbeiter, Profite und Renten für die Kapitalisten. Aber sie bilden
nicht Revenue, sondern Kapital für die Gesellschaft, obgleich
das jährliche Produkt der Gesellschaft nur aus der Summe der
Produkte der ihr angehörenden individuellen Kapitalisten besteht.
Sie können meist schon ihrer Natur nach nur fungieren als Produk-
tionsmittel und selbst die, die nötigenfalls als Konsumtionsmittel
fungieren könnten, sind bestimmt, als Roh- oder Hilfsmaterial neuer
Produktion zu dienen. Sie fungieren als solches — also als Kapital —
aber nicht in den Händen ihrer Erzeuger, sondern in denen ihrer
Verwender, nämlich: ;

HT. der Kapitalisten der zweiten Abteilung, der unmittelbaren
Produzenten von Konsumtionsmitteln. Sie ersetzen diesen das
in der Produktion der Konsumtionsmittel verbrauchte Kapital
(soweit letzteres nicht in Arbeitskraft umgesetzt, also in der Summe
der Arbeitslöhne für die Arbeiter dieser zweiten Abteilung besteht),
während dies verbrauchte Kapital, das sich nun in der Form von
Konsumtionsmitteln in den Händen der sie produzierenden Kapita-
listen befindet, seinerseits — also vom gesellschaftlichen Standpunkt
— den Konsumtionsfonds bildet, worin die Kapitalisten
und Arbeiter der ersten Abteilung ihre Revenue reali-
sieren,

Hätte A. Smith die Analyse soweit verfolgt, es fehlte nur noch
wenig an der Auflösung des ganzen Problems. Er war der Sache
nah auf dem Sprung, da er bereits bemerkt hatte, daß bestimmte
Wertteile einer Sorte (Produktionsmittel) der Warenkapitale, aus
        <pb n="366" />
        Neunzehntes Kapitel

313
denen das jährliche Gesamtprodukt der Gesellschaft besteht, zwar
Revenue für die in ihrer Produktion beschäftigten individuellen
Arbeiter und Kapitalisten bilden, aber keinen Bestandteil der
Revenue der Gesellschaft, während ein Wertteil der andern Sorte
(Konsumtionsmittel) zwar Kapitalwert für ihre individuellen Eigner,
die in dieser Anlagesphäre beschäftigten Kapitalisten bildet, aber
dennoch nur einen Teil der gesellschaftlichen Revenue.

Soviel geht aber schon aus dem Bisherigen hervor:.

Erstens: Obgleich das gesellschaftliche Kapital nur gleich der
Summe der individuellen Kapitale und daher auch das jährliche
Warenprodukt (oder Warenkapital) der Gesellschaft gleich. der
Summe der Warenprodukte dieser individuellen Kapitale, obgleich
daher die Analyse des Warenwerts in seine Bestandteile, die für
jedes individuelle Warenkapital gilt, auch für das der ganzen Ge-
sellschaft gelten muß und im Endresultat wirklich gilt, so ist die
Erscheinungsform, worin sie sich im gesamten gesellschaftlichen
Reproduktionsprozeß darstellen, eine verschiedene.

Zweitens: Selbst auf dem Boden der einfachen Reproduktion
findet nicht nur Produktion von Arbeitslohn (variablem Kapital)
und Mehrwert statt, sondern direkte Produktion von neuem kon-
stantem Kapitalwert, obgleich der Arbeitstag nur aus zwei Teilen
besteht, dem einen, worin der Arbeiter das variable Kapital ersetzt,
in der Tat ein Aequivalent für den Ankauf seiner Arbeitskraft
produziert, und dem zweiten, worin er Mehrwert produziert (Proüt,
Rente etc.). — Nämlich die tägliche Arbeit, die in der Reproduktion
der Produktionsmittel verausgabt wird — und deren Wert in Arbeits-
lohn und Mehrwert zerfällt —, realisiert sich in neuen Produktions-
mitteln, die den in der Produktion der Konsumtionsmittel veraus-
gabten konstanten Kapitalteil ersetzen,

Die Hauptschwierigkeiten, wovon im Bisherigen schon der größte
Teil gelöst, bieten sich bei der Betrachtung nicht der Akkumulation,
sondern der einfachen Reproduktion. Daher wird sowohl bei
A. Smith (Book II) wie früher bei Quesnay (Tableau €conomique)
von der einfachen Reproduktion ausgegangen, sobald es sich um die
Bewegung des jährlichen Produkts der Gesellschaft und seine durch
die Zirkulation vermittelte Reproduktion handelt.

2. Smiths Auflösung des Tauschwerts in v + m.

A, Smiths Dogma, daß der Preis oder Tauschwert (exchangeable
valıe) jeder einzelnen Ware — also auch aller Waren zusammen,
aus denen das jährliche Produkt der Gesellschaft besteht (er setzt
überall mit Recht kapitalistische Produktion voraus) — sich zu-
sammensetzt ;aus den drei Bestandteilen (component parts) oder
sich ‚auflöst in (resolves itself into): Arbeitslohn, Profit. und Rente,
kann darauf reduziert werden, daß der Warenwert gleich v -+ m, das
heißt gleich dem Wert des vorgeschossenen varlablen Kapitals plus
        <pb n="367" />
        Dritter Abschnitt
dem Mehrwert. Und zwar können wir diese Reduktion von Profit
und Rente auf eine gemeinsame Einheit, die wir m nennen, vornehmen
mit ausdrücklicher Erlaubnis A. Smiths, wie die nachfolgenden
Zitate zeigen, in denen wir zunächst alle Nebenpunkte vernach-
lässigen, also namentlich alle scheinbare oder wirkliche Abweichung
von dem Dogma, daß der Warenwert ausschließlich aus den Ele-
menten bestehe, die wir als v + m bezeichnen.

In der Manufaktur: „Der Wert, den die Arbeiter den Materialien
hinzufügen, löst sich auf ... in zwei Teile, wovon der eine ihren
Arbeitslohn bezahlt, der andere den Profit ihres Beschäftigers auf
das ganze von ihm in Material und Lohn vorgeschossene Kapital.““
‚Buch I, ch. 6, p. 41.) — „Obgleich der Manufakturist“ (der Manu-
fakturarbeiter) „seinen Lohn von seinem Meister vorgeschossen
erhält, kostet er diesen doch in Wirklichkeit nichts, da in der Regel
der Wert dieses Lohnes, zusammen mit einem Profit, wiedererstattet
(restored)% wird in dem vermehrten Wert des Gegenstandes, auf den
seine Arbeit verwandt worden.‘ (B. II, ch. 3, p. 221.) Der Teil
des Kapitals (stock), der ausgelegt wird „im Unterhalt produktiver
Arbeiter%s, ., nachdem er ihm (dem Beschäftiger) in der Funktion
eines Kapitals gedient hat... bildet eine Revenue für sie‘ (die
Arbeiter). (B. II, ch. 3, p. 223.)

A, Smith im eben zitierten Kapitel sagt ausdrücklich: „Das
ganze Jahresprodukt des Bodens und der Arbeit jedes Landes ...
spaltet sich von selbst (naturally) in zwei Teile. Einer derselben, und
oft der größte, ist an erster Stelle bestimmt, ein Kapital zu ersetzen
und die Lebensmittel, Rohstoffe und fertigen Produkte zu erneuern,
die aus einem Kapital entnommen worden; der andere ist bestimmt,
eine Revenue zu bilden, sei es für den Eigentümer dieses Kapitals
als sein Kapitalprofit, sei es für jemand anders als Rente seines
Grundbesitzes.‘“ (p. 222.) Nur ein Teil des Kapitals, wie wir
vorhin von A, Smith gehört, bildet zugleich Revenue für jemand,
nämlich der im Ankauf von produktiver Arbeit angelegte. Dieser
— das variable Kapital — verrichtet zuerst in der Hand des Be-
schäftigers und für ihn „die Funktion eines Kapitals‘, und sodann
„bildet er eine Revenue‘“ für den produktiven Arbeiter selbst. Der
Kapitalist verwandelt einen Teil seines Kapitalwerts in Arbeits-
kraft und eben dadurch in variables Kapital; nur durch diese Ver-
wandlung fungiert nicht nur dieser Teil des Kapitals, sondern sein
Gesamtkapital als industrielles Kapital. Der Arbeiter — der Ver-

käufer der Arbeitskraft — erhält in Form des Arbeitslohnes den
Wert derselben. In seinen Händen ist die Arbeitskraft nur ver-
käufliche Ware, Ware, von deren Verkauf er lebt, die daher die

$8f In der Engelsschen Ausgabe steht „festgehalten (reserved)‘“‘, Wahr-
scheinlich hatte sich Marx beim Abschreiben des Satzes verschrieben. K.

%£ In der Engelsschen Ausgabe steht „Arbeit“. Aber Smith spricht hier
von „hands“, und eine Zeile später wird gesprochen von einer „Revenue für
sie, die Arbeiter“. K.

314
        <pb n="368" />
        Neunzehntes Kapitel

315

einzige Quelle seiner Revenue bildet; als variables Kapital fungiert
die Arbeitskraft nur in den Händen ihres Käufers, des Kapitalisten,
und den Kaufpreis selbst schießt der Kapitalist nur scheinbar vor,
da sein Wert ihm vorher bereits durch den Arbeiter geliefert ist.

Nachdem uns A. Smith so gezeigt, daß der Wert des Produkts
in der Manufaktur gleich ist v -+ m (wo m gleich Profit des Kapi-
talisten), sagt er uns, daß in der Agrikultur die Arbeiter außer ‚der
Reproduktion eines Wertes, der gleich ist ihrer eigenen Konsumtion
und dem sie beschäftigenden“‘‘ (variablen) „Kapital nebst dem Profit
des Kapitalisten‘‘ — außerdem „über das Kapital des Pächters und
all seinen Profit hinaus auch noch regelmäßig die Reproduktion
der Rente des Grundbesitzers bewirken.‘ (B. II, ch. 5, p. 243.)
Daß die Rente in die Hände des Grundbesitzers geht, ist für die Frage,
die wir betrachten, ganz gleichgültig. Bevor sie in seine Hände
geht, muß sie in den Händen .des Pächters sich befinden, das heißt in
denen des’ industriellen Kapitalisten. Sie muß einen Wertbestand-
teil des Produkts bilden, bevor sie Revenue für irgendwen wird.
Rente wie Profit sind also bei A. Smith selbst nur Bestandteile
des Mehrwerts, die der produktive Arbeiter beständig reproduziert
zugleich mit seinem eigenen Arbeitslohn, das heißt mit dem Wert des
variablen Kapitals. Rente wie Profit sind also Teile des Mehrwerts m,
und somit löst sich bei A. Smith der Preis aller Waren auf in v + m.

Das Dogma, daß der Preis aller Waren (also auch des jährlichen
Warenprodukts) sich auflöst in Arbeitslohn plus Profit plus Grund-
rente, nimmt in dem zwischendurch laufenden esoterischen Teil von
Smiths Werk selbst die Form an, daß der Wert jeder Ware, also
auch des jährlichen Warenprodukts der Gesellschaft, gleich ist
v + m, gleich dem in Arbeitskraft ausgelegten und vom Arbeiter
stets reproduzierten Kapitalwert plus dem von den Arbeitern durch
ihre Arbeit zugesetzten Mehrwert.

Dies Endergebnis bei A. Smith offenbart uns zugleich — siehe
weiter unten — die Quelle seiner einseitigen Analyse der Bestand-
teile, worin der Warenwert zerfällbar. Mit der Größenbestimmung
jedes einzelnen dieser Bestandteile und der Grenze ihrer Wert-
summe hat aber der Umstand nichts zu tun, daß sie zugleich ver-
schiedene Revenuequellen für verschiedene in der Produktion fun-
gierende Klassen bilden.

Wenn A. Smith sagt: „Arbeitslohn, Profit und Bodenrente sind
die drei Urquellen alles Einkommens sowohl wie alles Tauschwerts,
jede andere Revenue ist in letzter Instanz von einer derselben ab-
geleitet“ (B. I, ch. 6. p. 48), so sind hier allerlei Quidproquo | Ver-
wechselungen] zusammengehäuft.

1. Alle nicht direkt in der Reproduktion, mit oder ohne Arbeit,
figurierenden Gesellschaftsglieder können ihren Anteil am jährlichen
Warenprodukt — also ihre Konsumtionsmittel — in erster Hand
nur beziehen aus den Händen der Klassen, denen das Produkt
in erster Hand zufällt — produktiven Arbeitern, industriellen
        <pb n="369" />
        316

Dritter Abschnitt
Kapitalisten und Grundbesitzern. Insofern sind ihre Revenuen materia-
Eiter [in ihrer stofflichen Gestalt] abgeleitet von Arbeitslohn (der pro-
duktiven Arbeiter), Profit und Bodenrente und erscheinen daher jenen
Originalrevenuen gegenüber als abgeleitete. .Anderseits jedoch be-
ziehen die Empfänger dieser in diesem Sinn abgeleiteten Reve-
nuen dieselben vermittels ihrer gesellschaftlichen Funktion als
König, Pfaff, Professor, Hure, Kriegsknecht ete., und sie können
also diese ihre Funktionen als die Originalquellen ihrer Revenue
betrachten.

2. — und hier kulminiert [erreicht seinen 'Höhepunkt] der
närrische Schnitzer A. Smiths: Nachdem er damit begonnen hat,
die Wertbestandteile der Ware und die Summe des Wertprodukts,
das in ihnen verkörpert ist, richtig zu bestimmen und dann nach-
zuweisen, wie diese Bestandteile ebenso viele verschiedene Revenue-
quellen bilden®; nachdem er so aus dem Wert die Revenuen ab-
geleitet hat, verfährt er dann — und das bleibt ihm die vorherr-
schende Vorstellung — umgekehrt und läßt die Revenuen, aus
„Bestandteilen‘‘ (component parts), zu „Urquellen alles Tausch-
werts‘“ werden, womit der Vulgärökonomie Tür und Tor weit ge-
öffnet war. (Siehe unsern Roscher.)
3. Der konstante Kapitalteil.

Sehen wir nun, wie A. Smith den konstanten Wertteil des Kapi-
tals aus dem Warenwert wegzuhexen. sucht, ;

„In dem Preis des Korns zum Beispiel zahlt ein Teil die Rente
des Grundbesitzers.‘ Der Ursprung dieses Wertbestandteils hat eben-
sowenig mit dem Umstand zu schaffen, daß er dem Grundbesitzer
gezahlt wird und für ihn Revenue unter der Form der Rente bildet,
wie der Ursprung der andern Wertbestandteile damit zu schaffen
hat, daß sie als Profit und Arbeitslohn Revenuequellen bilden.

„Bin anderer Teil zahlt den Lohn und Unterhalt der Arbeiter“
(und des Arbeitsviehs! setzt er hinzu), „die in seiner Produktion
beschäftigt waren, und der dritte Teil zahlt den Profit des Pächters.
Diese drei Teile scheinen (seem, in der Tat scheinen sie). ent-
weder unmittelbar oder in letzter Instanz den ganzen Preis des
Korns auszumachen.‘‘49 Dieser ganze Preis, das heißt seine Größen-

39 Ich gebe diesen Satz wörtlich, wie er im Manuskript steht, obwohl er
in seinem jetzigen Zusammenhang sowohl dem Vorhergehenden wie dem
unmittelbar Folgenden zu widersprechen scheint. Dieser scheinbare Wider-
spruch löst sich weiter unten in Nr. 4: Kapital und Revenue bei A. Smith.

F.E.

‘0 Wir sehen hier ganz davon ab, daß Adam besonders unglücklich in
seinem Beispiel war. Der Wert des Korns wird nur dadurch in Arbeitslohn,
Profit und Rente aufgelöst, daß die vom Arbeitsvieh verzehrten Nahrungs-
mittel als Lohn des Arbeitsviehs und das Arbeitesvieh als Lohnarbeiter dar-
gestellt wird, daher seinerseits der Lohnarbeiter auch als Arbeitsvieh. (Zu-
satz aus Manuskript II.)
        <pb n="370" />
        Neunzehntes Kapitel

317
bestimmung, ist absolut unabhängig von seiner Verteilung unter
drei Sorten von Personen. ‚Ein vierter Teil mag notwendig scheinen,
um das Kapital des Pächters zu ersetzen oder um den Verschleiß
seines Arbeitsviehs und seiner andern Ackergeräte zu ersetzen.
Aber es muß in Betracht gezogen werden, daß der Preis irgend
welchen Ackergeräts, zum Beispiel eines Arbeitspferdes, selbst wieder
aus obigen drei Teilen sich zusammensetzt: der Rente des Bodens,
auf dem es gezüchtet, der Arbeit der Pflege und Züchtung und dem
Profit des Pächters, der beides, die Rente dieses Bodens und den
Lohn dieser Arbeit, vorschießt. Obwohl daher der Preis des Korns
sowohl den Preis wie die Unterhaltungskosten des Pferdes ersetzen
mag, so löst sich doch der ganze Preis immer noch unmittelbar oder
in letzter Instanz auf in dieselben drei Teile: Bodenrente, Arbeit
(er meint Arbeitslohn) und Profit.“ (B. I, ch. 6, p. 42).

Das ist wörtlich alles, was A. Smith zur Begründung seiner er-
staunlichen Doktrin [Lehre] vorbringt. Sein Beweis besteht einfach
in der Wiederholung derselben Behauptung. Er gibt beispielsweise
zu, daß der Preis des Korns nicht nur besteht aus v + m, sondern
ebenfalls aus dem Preis der in der Kornproduktion verzehrten
Produktionsmittel, also aus einem Kapitalwert, den der Pächter
nicht in Arbeitskraft angelegt hat. Aber, sagt er, die Preise aller
dieser Produktionsmittel selbst zerfallen, wie der Kornpreis, auch in
r + m; nur vergißt A. Smith hinzuzusetzen: außerdem in den Preis
der in ihrer eigenen Erzeugung verzehrten Produktionsmittel. Er
verweist von einem Produktionszweig auf den andern und von dem
andern wieder auf einen dritten. Daß der ganze Preis der Waren sich
„unmittelbar“ oder „in letzter Instanz‘ (ultimately) in v + m auf-
löst, wäre nur dann keine hohle Ausflucht, wenn nachgewiesen
worden, daß die Warenprodukte, deren Preis sich unmittelbar auf-
löst in ce (Preis verzehrter Produktionsmittel) + v + m, schließlich
kompensiert werden durch Warenprodukte, welche jene ‚„verzehrten
Produktionsmittel‘‘ ihrem ganzen Umfang nach ersetzen und die
ihrerseits dagegen hergestellt werden durch bloße Auslage von varia-
blem, das heißt in Arbeitskraft ausgelegtem Kapital. Der Preis der
letzteren wäre dann unmittelbar gleich v + m. Daher auch der Preis
der ersteren, © + v -+- m, wo 6 als konstanter Kapitalteil figuriert,
schließlich auflösbar in v -+ m. A. Smith glaubte selbst nicht, solchen
Nachweis geliefert zu haben durch sein Beispiel mit den Scotch
pebbles-Sammlern, die aber nach ihm 1. keinen Mehrwert irgend-
einer Art liefern, sondern nur ihren eigenen Arbeitslohn produzieren;
2. keine Produktionsmittel anwenden (wohl doch auch in Form von
Körben, Säcken und andern Gefäßen zum Wegtragen der Steinchen).

Wir haben bereits vorhin gesehen, daß A. Smith selbst seine
eigene Theorie später über den Haufen wirft, ohne sich indes seiner
Widersprüche bewußt zu werden, Ihre Quelle ist jedoch zu suchen
gerade in seinen wissenschaftlichen Ausgangspunkten. Das in Arbeit
umgesetzte Kapital produziert einen größeren Wert als seinen eigenen.
        <pb n="371" />
        318

Wie? Indem, sagt A. Smith, die Arbeiter während des Produktions-
prozesses den von ihnen bearbeiteten Dingen einen Wert einprägen,
der außer dem Aequivalent für ihren eigenen Kaufpreis einen nicht
ihnen, sondern ihren Anwendern zufallenden Mehrwert bildet (Profit
und Rente). Das ist aber auch alles, was sie leisten und leisten
können. Was von der industriellen Arbeit eines Tages, das gilt von
der durch die ganze Kapitalistenklasse während eines Jahres in
Bewegung gesetzten Arbeit. Die Gesamtmasse des jährlichen
gesellschaftlichen Wertprodukts kann daher nur zerfällbar sein in
v + m, in ein Aequivalent, wodurch die Arbeiter den in ihrem
eigenen Kaufpreis verausgabten Kapitalwert ersetzen, und in den
zusätzlichen Wert, den sie darüber hinaus ihrem Anwender liefern
müssen. Diese beiden Wertelemente der Waren aber bilden zu-
gleich Revenuequellen für die verschiedenen in der Reproduktion
beteiligten Klassen: das erste den Arbeitslohn, die Revenue der
Arbeiter, das zweite den Mehrwert, wovon der industrielle Kapi-
Salist einen Teil in Form des Profits für sich behält, einen andern
abtritt als Rente, die Revenue des Grundeigentümers. Wo sollte also
ein weiterer Wertbestandteil herkommen, da das jährliche Wert-
produkt keine andern Elemente enthält außer v + m? Wir stehen
hier auf dem Boden der einfachen Reproduktion. Da die ganze
jährliche Arbeitssumme sich auflöst in Arbeit, nötig zur Reproduk-
tion des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalwerts, und in Arbeit,
nötig zur Schöpfung eines Mehrwerts, wo sollte da überhaupt noch
die Arbeit zur Produktion eines nicht in Arbeitskraft ausgelegten
Kapitalwerts herkommen ?

Die Sache liegt folgendermaßen:

1. A. Smith bestimmt den Wert einer Ware durch die Masse
Arbeit, die der Lohnarbeiter dem Arbeitsgegenstand zusetzt (adds).
Er sagt wörtlich: „den Materialien“, da er von Manufaktur handelt,
die selbst schon Arbeitsprodukte verarbeitet; dies ändert aber nichts
an der Sache. Der Wert, den der Arbeiter einem Dinge zusetzt
(und dies „adds‘ ist der Ausdruck Adams), ist ganz unabhängig
davon, ob dieser Gegenstand, dem Wert zugesetzt wird, vor diesem
Zusatz schon selbst Wert hat oder nicht. Der Arbeiter schafft also
in Warenform ein Wertprodukt; dies ist nach A. Smith einesteils
Aequivalent seines Arbeitslohnes, und dieser Teil ist also bestimmt
durch den Wertumfang seines Arbeitslohnes; je nachdem dieser
größer oder kleiner, hat er mehr Arbeit zuzusetzen, um einen Wert
gleich dem seines Arbeitslohns zu produzieren oder zu reproduzieren.
Andernteils aber setzt der Arbeiter über die so gezogene Grenze
hinaus weitere Arbeit zu, die Mehrwert für den ihn beschäftigenden
Kapitalisten bildet. Ob dieser Mehrwert ganz in den Händen des
Kapitalisten bleibt oder stückweise an dritte Personen von ihm
abzutreten ist, ändert absolut nichts weder an der qualitativen
(daß es überhaupt Mehrwert ist) noch an der quantitativen (der

Dritter Abschnitt
        <pb n="372" />
        Neunzehntes Kapitel

319
Größen-) Bestimmung des vom Lohnarbeiter zugesetzten Mehr-
werts. Es ist Wert wie jeder andere Wertteil des Produkts, unter-
scheidet sich aber dadurch, daß der Arbeiter kein Aequivalent
dafür erhalten hat noch nachher erhält, dieser Wert vielmehr vom
Kapitalisten ohne Aequivalent angeeignet wird. Der Gesamtwert
der Ware ist bestimmt durch das Quantum Arbeit, das der Arbeiter
in ihrer Produktion verausgabt hat; ein Teil dieses Gesamtwerts
ist dadurch bestimmt, daß er gleich dem Wert des Arbeitslohnes ist,
also Aequivalent für denselben. Der zweite Teil, der Mehrwert,
ist daher notwendig ebenfalls bestimmt, nämlich gleich dem
Gesamtwert. des Produkts minus dem Wertteil desselben, der
Aequivalent des Arbeitslohnes ist, also gleich dem Ueberschuß
des in Herstellung der Ware geschaffenen Wertprodukts über den
darin enthaltenen Wertteil, der gleich dem Aequivalent für seinen
Arbeitslohn.

2. Was für die Ware, produziert in einem einzelnen industriellen
Geschäft durch jeden einzelnen Arbeiter, gilt vom Jahresprodukt
aller Geschäftszweige zusammen. Was von der Tagesarbeit eines
individuellen produktiven Arbeiters, gilt von der durch die ganze
produktive Arbeiterklasse flüssig gemachten Jahresarbeit. Sie
„fixiert“ (Smithscher Ausdruck) im Jahresprodukt einen Gesamt-
wert, bestimmt durch das Quantum der verausgabten Jahresarbeit,
und dieser Gesamtwert zerfällt in einen Teil, bestimmt durch das-
jenige Stück der Jahresarbeit, worin die Arbeiterklasse ein Aequi-
valent ihres Jahreslohnes schafft, in der Tat diesen Lohn selbst, und in
einen andern Teil, bestimmt durch die zusätzliche Jahresarbeit;
worin der Arbeiter einen Mehrwert für die Kapitalistenklasse
schafft. Das im Jahresprodukt enthaltene jährliche Wertprodukt
besteht also nur aus zwei Elementen, dem Aequivalent des von
der Arbeiterklasse erhaltenen Jahreslohnes und dem jährlich für
die Kapitalistenklasse gelieferten Mehrwert. Der Jahreslohn bildet
aber die Revenue der Arbeiterklasse, die Jahressumme des Mehr-
werts die Revenue der Kapitalistenklasse; beide stellen also (und
dieser Gesichtspunkt ist richtig bei Darstellung der einfachen
Reproduktion) die relativen Anteile am jährlichen Konsumtions-
fonds dar und realisieren sich in ihm. Und so bleibt nirgends Platz
für den konstanten Kapitalwert, für die Reproduktion des in Form
von Produktionsmitteln fungierenden Kapitals. Daß aber alle
Teile des Warenwerts, die als Revenue fungieren, zusammenfallen
mit dem für den gesellschaftlichen Konsumtionsfonds bestimmten
jährlichen Arbeitsprodukt, sagt A. Smith ausdrücklich in der Ein-
leitung seines Werkes: „Worin die Revenue des Volkes überhaupt
bestanden hat, oder was die Natur des Fonds war, welcher, ., ihre
jährliche Konsumtion geliefert hat (supplied), dies zu erklären ist
der Zweck dieser vier ersten Bücher,“ (p. 12.) Und gleich im ersten
Satz der Einleitung heißt es: „Die jährliche Arbeit jeder Nation
ist der Funds, welcher sie ursprünglich versieht mit all den Lebens-

Das Kapital. 17.
        <pb n="373" />
        320

Dritter Abschnitt
mitteln *°*, die‘ sie im Lauf des Jahres verzehrt und die stets bestehen
entweder aus dem unmittelbaren Produkt dieser Arbeit oder in
den mit diesem Produkt von andern Nationen gekauften Gegen-
ständen.‘““ (p. 11.)

Der erste Fehler A. Smiths besteht nun darin, daß er den
jährlichen Produktenwert gleichsetzt dem jährlichen Wert-
produkt. Das letztere ist nur Produkt der Arbeit des vergan-
genen Jahres; der erstere schließt außerdem alle Wertelemente ein,
die zur Herstellung des Jahresprodukts verbraucht, aber im vor-
hergehenden und zum Teil in noch früher verflossenen
Jahren produziert wurden: Produktionsmittel, deren Wert
nur wieder erscheint — die, was ihren Wert betrifft, weder
produziert noch reproduziert worden sind durch während des
letzten Jahres verausgabte Arbeit. Durch diese Verwechselung mani-
puliert [befördert] A. Smith den konstanten Wertteil des Jahres-
produkts hinweg. Die Verwechselung selbst beruht auf einem andern
[rrtum in seiner Fundamentalauffassung: er unterscheidet nicht
den zwiespältigen Charakter der Arbeit selbst: der Arbeit, soweit sie
als Verausgabung von Arbeitskraft Wert und soweit sie als konkrete,
nützliche Arbeit Gebrauchsgegenstände (Gebrauchswert) schafft,
Die Gesamtsumme der jährlich hergestellten Waren, also das ganze
J ahresprodukt, ist Produkt der im letzten Jahr. wirkenden
nützlichen Arbeit; nur dadurch, daß gesellschaftlich angewandte
Arbeit in einem vielverzweigten System nützlicher Arbeitsarten
verausgabt wurde, sind alle diese Waren da; nur dadurch ist. in
ihrem Gesamtwert der Wert der in ihrer Produktion verzehrten
Produktionsmittel erhalten, in neuer Naturalform wieder erscheinend:
Das gesamte Jahresprodukt ist also Resultat der während des
Jahres verausgabten nützlichen Arbeit; aber vom jährlichen
Produktenwert ist nur ein Teil während des Jahres geschaffen
worden; dieser Teil ist das jährliche Wertprodukt, worin sich
die Summe der während des Jahres selbst flüssig gemachten Arbeit
darstellt.

Wenn also A. Smith in der soeben zitierten Stelle sagt: „Die
jährliche Arbeit jeder Nation ist der Fonds, welcher sie ursprünglich
versieht mit all den Lebensmitteln, die sie im Lauf des Jahres
verzehrt etc.‘, so stellt er sich einseitig auf den Standpunkt der
bloß nützlichen Arbeit, die allerdings alle diese Lebensmittel in
ihre verzehrbare Form gebracht hat. Er vergißt aber dabei, daß
dies unmöglich war ohne Mithilfe der aus früheren Jahren über-
lieferten Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstände, und daß daher die
„Jährliche Arbeit“, soweit sie Wert bildete, keineswegs den ganzen
Wert- des durch sie fertiggestellten Produkts geschaffen hat, daß
das Wertprodukt kleiner ist als der Produktenwert.

40a Wörtlich bei Smith: mit allen den notwendigen Lebensmitteln und
Gegenständen der Annehmlichkeit ( Necessaries and conveniences of life). K.
        <pb n="374" />
        Neunzehntes Kapitel

321
Wenn man A, Smith keinen Vorwurf machen kann, in dieser
Analyse nur so weit gegangen zu sein als alle seine Nachfolger
(obgleich sich ein Ansatz zum Richtigen schon bei den Physiokraten
vorfand), so verläuft er sich dagegen weiter in einem Chaos, und
zwar hauptsächlich weil seine „esoterische‘‘ Auffassung des Waren-
werts überhaupt fortwährend durchkreuzt wird von exoterischen,
die in der Breite bei ihm vorwiegen, während sein wissenschaftlicher
Instinkt von Zeit zu Zeit den esoterischen Standpunkt wieder
erscheinen läßt.

4. Kapital und Revenue bei A. Smith.

Der Wertteil jeder Ware (und daher auch des Jahresprodukts),
der nur ein Aequivalent des Arbeitslohnes bildet, ist gleich dem
vom Kapitalisten im Arbeitslohn vorgeschossenen Kapital, das
heißt gleich dem variablen Bestandteil seines vorgeschossenen
Gesamtkapitals. Diesen Bestandteil des vorgeschossenen Kapital-
werts erhält der Kapitalist wieder durch einen neu produzierten
Wertbestandteil der von den Lohnarbeitern gelieferten Ware. Ob
das variable Kapital vorgeschossen wird in dem Sinn, daß der Kapi-
talist in Geld den dem Arbeiter zufallenden Anteil eines Produkts
zahlt, das noch nicht zum Verkauf fertig, oder das zwar fertig, aber
noch nicht vom Kapitalisten verkauft ist, oder ober ihn mit Geld
zahlt, das er bereits erhalten durch Verkauf der vom Arbeiter
gelieferten Ware, oder ob er durch Kredit dies Geld antizipiert
hat — in allen diesen Fällen verausgabt der Kapitalist variables
Kapital, das als Geld den Arbeitern zufließt, und besitzt er ander:
seits das Aequivalent dieses Kapitalwerts in dem Wertteil seiner
Waren, wodurch der Arbeiter den ihm selbst zufallenden Anteil
an dem Gesamtwert derselben neu produziert, wodurch er in andern
Worten den Wert seines eigenen Arbeitslohnes produziert hat. Statt
ihm‘ diesen Wertteil in der Naturalform seines eigenen Produkts
zu geben, zahlt ihm der Kapitalist selben in Geld aus. Für den
Kapitalisten besteht also jetzt der variable Bestandteil seines vor-
geschossenen Kapitalwerts in Warenform, während der Arbeiter
das Aequivalent für seine verkaufte Arbeitskraft in Geldform
erhalten hat.

Während also der durch Ankauf der Arbeitskraft in variables
Kapital umgesetzte Teil des vom Kapitalisten vorgeschossenen
Kapitals innerhalb des Produktionsprozesses selbst als sich be-
tätigende Arbeitskraft fungiert und durch die Verausgabung dieser
Kraft als Neuwert in Warenform von neuem produziert, das heißt
reproduziert wird — also Reproduktion, das heißt Neuproduktion
von vorgeschossenem Kapitalwert! —, verausgabt der Arbeiter‘ den
Wert respektive Preis seiner verkauften Arbeitskraft in Lebens-
mitteln, in Mitteln der Reproduktion seiner Arbeitskraft. Eine dem
variablen Kapital gleiche Geldsumme bildet seine Einnahme, daher
        <pb n="375" />
        322

Dritter Abschnitt
seine Revenue, die nur so lange dauert, als er seine Arbeitskraft an
den Kapitalisten verkaufen kann.

Die Ware des Lohnarbeiters — seine Arbeitskraft selbst —
fungiert nur als Ware, soweit sie dem Kapital des Kapitalisten
einverleibt wird, als Kapital fungiert; anderseits fungiert das als
Geldkapital im Ankauf von Arbeitskraft verausgabte Kapital des
Kapitalisten als Revenue in der Hand des Verkäufers der Arbeits-
kraft, des Lohnarbeiters.

Es verschlingen sich hier verschiedene Zirkulations- und Produk-
tionsprozesse, die A. Smith nicht auseinander hält.

Erstens: Dem Zirkulationsprozeß angehörige Akte: Der
Arbeiter verkauft seine Ware — die Arbeitskraft — an den Kapi-
talisten; das Geld, womit der Kapitalist sie kauft, ist für ihn zur
Verwertung angelegtes Geld, also Geldkapital; es ist nicht verausgabt,
sondern vorgeschossen. (Dies ist der wirkliche Sinn des „Vor-
schusses‘ — avance der Physiokraten —, ganz unabhängig davon,
wo der Kapitalist das Geld selbst hernimmt. Vorgeschossen ist
für den Kapitalisten jeder Wert, den er zum Zweck des Produk-
tionsprozesses zahlt, ob dies nun vorher oder post festum [hinter-
üdrein] geschehe; er ist dem Produktionsprozeß selbst vorgeschossen.)
Hier ereignet sich nur, was bei jedem Warenverkauf: der Verkäufer
gibt einen Gebrauchswert fort (hier die Arbeitskraft) und erhält
dessen Wert (realisiert dessen Preis) in Geld; der Käufer gibt sein
Geld weg und erhält dafür die Ware selbst — hier die Arbeitskraft.

Zweitens: Im Produktionsprozeß bildet jetzt die gekaufte
Arbeitskraft einen Teil des fungierenden Kapitals, und der Arbeiter
selbst fungiert hier nur als eine besondere Naturalform dieses Kapi-
tals, unterschieden von den in der Naturalform von Produktions-
mitteln bestehenden Elementen desselben. Während des Prozesses
setzt der Arbeiter den von ihm in Produkt verwandelten Produk-
tionsmitteln einen Wert zu durch Verausgabung seiner Arbeits-
kraft gleich dem Wert seiner Arbeitskraft (abgesehen vom Mehrwert);
er reproduziert also für den Kapitalisten in Warenform den von
letzterem ihm in Arbeitslohn vorgeschossenen oder vorzuschießenden
Teil seines Kapitals; produziert ihm ein Aequivalent des letzteren;
er produziert also für den Kapitalisten das Kapital, das dieser von
neuem im Ankauf von Arbeitskraft „vorschießen‘‘ kann.

Drittens: Bei Verkauf der Ware ersetzt also ein Teil ihres
Verkaufspreises dem Kapitalisten das von ihm vorgeschossene
variable Kapital, befähigt daher sowohl ihn, von neuem Arbeitskraft
zu kaufen, wie den Arbeiter, sie von neuem zu verkaufen.

Bei allen Warenkäufen und -verkäufen — soweit nur diese
Transaktionen selbst betrachtet werden — ist es vollständig gleich-
gültig, was in der Hand des Verkäufers aus dem für seine Ware
gelösten Geld. und was in der Hand des Käufers aus dem von ihm
gekauften Gebrauchsartikel wird. Es ist also, soweit der bloße
Zirkulationsprozeß in Betracht kommt, auch völlig gleichgültig,
        <pb n="376" />
        Neunzehntes Kapitel

323

daß die vom Kapitalisten gekaufte Arbeitskraft für ihn Kapital-
wert reproduziert, und daß anderseits das als Kaufpreis der Arbeits-
kraft gelöste Geld für den Arbeiter Revenue bildet. Die Wert-
größe des Handelsartikels des Arbeiters, seiner Arbeitskraft, wird
weder dadurch affiziert, daß sie „Revenue‘“ für ihn bildet, noch
dadurch, daß der Gebrauch seines Handelsartikels durch den Käufer
diesem Käufer Kapitalwert reproduziert.

Weil der Wert der Arbeitskraft — das heißt der adäquate
[angemessene] Verkaufspreis dieser Ware — durch die zu ihrer
Reproduktion nötige Arbeitsmenge bestimmt ist, diese Arbeitsmenge
selbst aber hier bestimmt ist durch die zur Produktion der nötigen
Lebensmittel des Arbeiters, also zur Erhaltung seines Lebens er-
heischte Arbeitsmenge, wird der Arbeitslohn zur Revenue, wovon
der Arbeiter zu leben hat.

Es ist total falsch, was A. Smith sagt (p. 223): „Der Teil des
Kapitals, der angelegt wird im Unterhalt produktiver Arbeit...
nachdem er ihm‘ (dem Kapitalisten) „in der Funktion eines
Kapitals gedient hat. .., bildet eine Revenue für sie‘‘ (die Arbeiter).
Das Geld, womit der Kapitalist die von ihm gekaufte Arbeitskraft
zahlt, „dient ihm in der Funktion eines Kapitals‘, soweit er dadurch
die Arbeitskraft den dinglichen Bestandteilen seines Kapitals ein-
verleibt und damit überhaupt sein Kapital erst in den Stand setzt,
als produktives Kapital zu fungieren. Unterscheiden wir: Die
Arbeitskraft ist Ware, nicht Kapital, in der Hand des Arbeiters,
und sie konstituiert für ihn eine Revenue, soweit er deren Verkauf
beständig wiederholen kann; sie fungiert als Kapital nach dem
Verkauf in der Hand des Kapitalisten, während des Produktions-
prozesses selbst. Was hier zweimal dient, ist die Arbeitskraft; als
Ware, die zu ihrem Wert verkauft wird, in der Hand des Arbeiters;
als Wert- und Gebrauchswert produzierende Kraft in der Hand
des Kapitalisten, der sie gekauft hat. Aber das Geld, was der Arbeiter
vom Kapitalisten erhält, erhält er erst, nachdem er ihm den Gebrauch
seiner Arbeitskraft gegeben hat, nachdem selbe bereits im Wert
des Arbeitsprodukts realisiert ist. Der Kapitalist hat diesen Wert
in seiner Hand, bevor er ihn zahlt. Es ist also nicht das Geld, das
zweimal fungiert: erst als Geldform des variablen Kapitals, dann
als Arbeitslohn. Sondern es ist die Arbeitskraft, die zweimal fungiert
hat: erst als Ware beim Verkauf der Arbeitskraft (das Geld wirkt
bei Stipulierung [Festsetzung] des zu zahlenden Lohnes bloß als
ideeles Wertmaß, wobei es noch gar nicht in der Hand des Kapi-
talisten zu sein braucht); zweitens im Produktionsprozeß, wo sie
als Kapital, das heißt als Gebrauchswert und Wert schaffendes
Element in der Hand des Kapitalisten fungiert. Sie hat bereits
in Warenform das dem Arbeiter zu zahlende Aequivalent geliefert,
bevor der Kapitalist es dem Arbeiter in Geldform zahlt. Der Arbeiter
schafft also selbst den Zahlungsfonds, aus dem ihn der Kapitalist
zahlt. Aber das ist nicht alles.
        <pb n="377" />
        324

Dritter Abschnitt
Das Geld, das der Arbeiter erhält, wird von ihm verausgabt, um
seine Arbeitskraft zu erhalten, also — Kapitalistenklasse und
Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit betrachtet — um dem Kapi-
balisten das Werkzeug zu erhalten, wodurch er allein Kapitalist
bleiben kann.

Der beständige Kauf und Verkauf der Arbeitskraft verewigt also
einerseits die Arbeitskraft als Element des Kapitals, wodurch es
als Schöpfer von Waren, Gebrauchsartikeln, die einen Wert haben,
erscheint, wodurch ferner der Kapitalteil, der die Arbeitskraft
kauft, durch ihr eigenes Produkt beständig hergestellt; wird, der
Arbeiter selbst also beständig den Kapitalfonds schafft, aus dem
er bezahlt wird. Anderseits wird der beständige Verkauf der
Arbeitskraft zur stets sich erneuernden Lebenserhaltungsquelle des
Arbeiters, und erscheint also seine Arbeitskraft als das Vermögen,
wodurch er die Revenue bezieht, von der er lebt. Revenue bedeutet 140?
hier nichts als durch. beständig wiederholten Verkauf einer Ware
(der Arbeitskraft) bewirkte Aneignung von Werten, wobei letztere
selbst nur zur beständigen Reproduktion der zu verkaufenden Ware
dienen. Und sofern hat A. Smith recht zu sagen, daß der Wertteil
des vom Arbeiter selbst geschaffenen Produkts, wofür ihm der
Kapitalist ein Aequivalent in Form des Arbeitslohnes zahlt, Quelle
von Revenue für den Arbeiter wird. Dies ändert aber ebensowenig
an der Natur oder Größe dieses Wertteils der Ware, als es am Wert
der Produktionsmittel ändert, daß sie als Kapitalwerte fungieren,
oder an der Natur und Größe einer geraden Linie, daß sie als Basis
eines Dreiecks oder als Durchmesser einer Ellipse fungiert. Der
Wert der Arbeitskraft bleibt gerade so unabhängig bestimmt wie
der jener Produktionsmittel. Weder besteht dieser Wertanteil der
Ware aus Revenue als einem ihn konstituierenden selbständigen
Faktor, noch löst sich dieser Wertteil auf in Revenue. Weil dieser
vom Arbeiter beständig reproduzierte Neuwert für ihn Quelle von
Revenue bildet, bildet nicht umgekehrt seine Revenue einen
Bestandteil des von ihm produzierten Neuwerts. Die Größe
des ihm bezahlten Anteils an dem von ihm geschaffenen Neu-
wert bestimmt den Wertumfang seiner Revenue, nicht umgekehrt.
Daß dieser Teil des Neuwerts für ihn Revenue bildet, zeigt bloß,
was aus ihm wird, den Charakter seiner Anwendung und hat mit
seiner Bildung so wenig zu schaffen wie mit jeder andern Wert-
bildung. Nehme ich jede Woche zehn Taler ein, so ändert der Um-
stand dieser wöchentlichen Einnahme nichts, weder an der Wert-
natur der zehn Taler noch an ihrer Wertgröße. Wie bei jeder
andern Ware ist bei der Arbeitskraft ihr Wert bestimmt durch
die zu ihrer Reproduktion notwendige Arbeitsmenge; daß diese
Arbeitsmenge durch den Wert der notwendigen Lebensmittel des
Arbeiters bestimmt, also gleich ist der zur Reproduktion seiner
40b In der Engelsschen Ausgabe steht „meint“. K.
        <pb n="378" />
        Neunzehntes Kapitel

325

Lebenusbedingungen selbst notwendigen Arbeit, ist dieser Ware
(der Arbeitskraft) eigentümlich, aber nicht eigentümlicher, als daß
der Wert von Lastvieh durch den Wert der zu seiner Erhaltung
notwendigen Lebensmittel bestimmt ist, also durch die Masse
menschlicher Arbeit, nötig, um letztere zu produzieren.

Es ist aber die Kategorie „Revenue‘‘, die hier das ganze Unheil
bei A. Smith anrichtet. Die verschiedenen Sorten von Revenuen
bilden bei ihm die „component parts‘, die Bestandteile des jähr-
lich ‚produzierten, neu hergestellten Warenwerts, während um-
gekehrt die zwei Teile, worin dieser Warenwert für den Kapi-
talisten zerfällt — das Aequivalent seines bei Ankauf der Arbeit
in Geldiorm vorgeschossenen variablen Kapitals und der andere
Wertteil, der ihm auch gehört, ihm aber nichts gekostet hat, der
Mehrwert —, Revenuequellen bilden. Das Aequivalent des variablen
Kapitals wird von neuem in Arbeitskraft vorgeschossen und bildet
sofern eine Revenue für den Arbeiter in Form seines Arbeitslohns;
der. andere Teil — der Mehrwert —, da er dem Kapitalisten keinen
Kapitalvorschuß zu ersetzen hat, kann von ihm in Konsumtions-
mitteln (notwendigen und Luxus-) verausgabt, als Revenue ver-
zehrt werden, statt Kapitalwert irgendeiner Art. zu bilden. Die
Voraussetzung dieser Revenue ist der Warenwert selbst, und seine
Bestandteile unterscheiden sich für den Kapitalisten nur, soweit
sie entweder Aequivalent für oder Ueberschuß über den von
ihm vorgeschossenen variablen Kapitalwert bilden. Beide bestehen
aus nichts als [aus] während der Warenproduktion verausgabter, in
Arbeit flüssig gemachter Arbeitskrait. Sie bestehen aus Ausgabe,
nicht aus Einkommen oder Revenue — aus Arbeitsausgabe.

Nach diesem Quidproquo, wo die Revenue die Quelle von
Warenwert wird statt der Warenwert die Quelle von Revenue,
erscheint nun der Warenwert als „zusammengesetzt‘“ aus den ver-
schiedenen Sorten Revenuen; sie sind unabhängig voneinander
bestimmt, und durch die Addition des Wertumfangs dieser Revenuen
wird der Gesamtwert der Ware bestimmt. Aber nun fragt es sich,
wie wird der Wert jeder dieser Revenuen bestimmt, aus denen der
Warenwert entspringen soll? Bei dem Arbeitslohn geschieht dies,
denn der Arbeitslohn ist der Wert seiner Ware, der Arbeitskraft,
und dieser bestimmbar (wie der jeder andern Ware) durch die zur
Reproduktion dieser Ware nötige Arbeit. Aber der Mehrwert oder
bei A. Smith vielmehr seine beiden Formen, Profit und Grundrente,
wie sind sie bestimmbar? Hier bleibts bei leerem Geschwätz. Bald
stellt A. Smith Arbeitslohn und Mehrwert (respektive Arbeitslohn
und Profit) als Bestandteile dar, aus denen der Warenwert respektive
Preis sich zusammensetzt, bald, und oft, fast im selben Atemzug, als
Teile, worin sich der Warenpreis „auflöst‘‘ (resolves itself), was aber
umgekehrt heißt, daß der Warenwert das zuerst Gegebene ist, und
daß verschiedene Teile dieses gegebenen Wertes verschiedenen im
Produktionsprozeß beteiligten Personen in der Form verschiedener
        <pb n="379" />
        326

Dritter Abschnitt
Revenuen zufallen. Dies ist keineswegs identisch mit der Zusammen-
setzung des Wertes aus diesen drei „Bestandteilen.“ Wenn ich die
Größe dreier verschiedener gerader Linien selbständig bestimme und
dann aus diesen drei Linien als „Bestandteilen“ eine vierte gerade
Linie bilde, die gleich der Größe ihrer Summe ist, so ist das keines-
wegs dieselbe Prozedur, als wenn ich anderseits eine gegebene gerade
Linie vor mir habe und diese zu irgendwelchem Behuf in drei ver-
schiedene Teile teile, gewissermaßen „auflöse‘“, Die Größe der Linie
im ersten Fall wechselt durchweg mit der Größe der drei Linien, deren
Summe sie bildet; die Größe der drei Linienteile im letzten Fall ist
von vornherein dadurch begrenzt, daß sie Teile einer Linie von ge-
gebener Größe bilden.
In der Tat aber, soweit wir an dem Richtigen von A. Smiths
Darstellung festhalten, daß der im jährlichen Warenprodukt der
Gesellschaft (wie in jeder einzelnen Ware, oder wie im Tages-,
Wochenprodukt ete.) enthaltene, durch die Jahresarbeit neu
geschaffene Wert gleich ist dem Wert des vorgeschossenen.
variablen Kapitals (also dem wieder zu Ankauf von Arbeitskraft
bestimmten Wertteil) plus dem Mehrwert, den der Kapitalist reali-
sieren kann — bei einfacher Reproduktion und sonst gleichbleibenden
Umständen —- in Mitteln seiner individuellen Konsumtion, wenn wir
ferner daran festhalten, daß A. Smith zusammenwirft die Arbeit,
Soweit sie Wert schafft, Verausgabung von Arbeitskraft ist — und
die Arbeit, soweit sie Gebrauchswert schafft, das heißt in nützlicher,
zweckmäßiger Form verausgabt wird —, 80 kommt die ganze Vor-
stellung darauf hinaus: Der Wert jeder Ware ist. das’Produkt der Ar-
beit, also auch der Wert des Produkts der Jahresarbeit oder der Wert
des jährlichen gesellschaftlichen Warenprodukts. Da alle Arbeit aber
sich auflöst in 1. notwendige Arbeitszeit, worin. der Arbeiter bloß ein
Aequivalent reproduziert für das in Ankauf seiner Arbeitskraft vor-
geschossene Kapital, und 2. Mehrarbeit, wodurch er einen Wert für
den Kapitalisten liefert, wofür dieser kein Aequivalent zahlt, also
Mehrwert, so kann sich aller Warenwert nur in diese zwei ver-
schiedenen Bestandteile auflösen und bildet also schließlich als
Arbeitslohn die Revenue der Arbeiterklasse, als Mehrwert die der
Kapitalistenklasse. Was aber den konstanten Kapitalwert angeht,
das heißt den Wert der in der Produktion des Jahresprodukts auf-
gezehrten Produktionsmittel, so kann zwar nicht gesagt werden
(außer der Phrase, daß der Kapitalist dem Käufer ihn anrechnet bei
Verkauf seiner Ware), wie dieser Wert in den Wert des neuen Pro-
dukts hineinkommt, aber schließlich — ultimately — kann dieser
Wertteil, da die Produktionsmittel selbst Produkt der Arbeit sind,
doch selbst wieder nur bestehen aus Aequivalent des. variablen
Kapitals und aus Mehrwert, aus Produkt von notwendiger Arbeit
und von Mehrarbeit. Wenn die Werte dieser Produktionsmittel in
der Hand ihrer Anwender als Kapitalwerte fungieren, so hindert
das nicht, daß sie „ursprünglich‘, und wenn man ihnen auf den
        <pb n="380" />
        Neunzehntes Kapitel

327

Grund geht, in einer andern Hand — wenn auch früher — in dieselben
beiden Werte zerfällbar waren, also in zwei verschiedene Revenue-
quellen.

Ein richtiger Punkt hierin ist: daß in der Bewegung des gesell-
schaftlichen Kapitals — das heißt der Gesamtheit der individuellen
Kapitale — die Sache sich anders darstellt, als sie sich für jedes
individuelle Kapital, besonders betrachtet, also vom Standpunkt
jedes einzelnen Kapitalisten darstellt. Für letzteren löst sich der
Warenwert auf 1. in ein konstantes Element (viertes, wie Smith
sagt) und 2. in die Summe von Arbeitslohn und Mehrwert, respektive
Arbeitslohn, Profit und Grundrente. Vom gesellschaftlichen Stand-
punkt aus verschwindet dagegen Smiths viertes Element, der kon-
stante Kapitalwert. 40°

5. Zusammenfassung.

_ Die abgeschmackte Formel, daß die drei Revenuen, Arbeits-
lohn, Profit, Rente, drei „Bestandteile“ des Warenwerts bilden, ent-
springt bei A. Smith aus der plausibleren [annehmbareren], daß der
Warenwert resolves itself, sich auflöst in diese drei Bestandteile.
Auch dies ist falsch, selbst, vorausgesetzt der Warenwert sei nur
teilbar in das Aequivalent der verbrauchten Arbeitskraft und den
von letzterer geschaffenen Mehrwert. Aber der Irrtum ruht hier
wieder auf einer tieferen, wahren Grundlage. Die kapitalistische
Produktion beruht darauf, daß der produktive Arbeiter seine eigene
Arbeitskraft als seine Ware dem Kapitalisten verkauft, in dessen
Händen sie dann bloß als ein Element seines produktiven Kapitals
fungiert. Diese der Zirkulation angehörige Transaktion — Verkauf
und Kauf der Arbeitskraft — leitet nicht nur den Produktionsprozeß
ein, sondern. bestimmt implizite seinen spezifischen Charakter. Die
Produktion eines Gebrauchswerts und selbst die einer Ware (denn
diese kann auch seitens unabhängiger produktiver Arbeiter vorgehen)
ist hier nur Mittel für die Produktion von absolutem und relativem
Mehrwert für den Kapitalisten. Wir haben daher bei Analyse des
Produktionsprozesses gesehen, wie die Produktion von absolutem
und relativem Mehrwert 1. die Dauer des täglichen Arbeitsprozesses,
2. die ganze gesellschaftliche und technische Gestaltung des kapitali-
stischen Produktionsprozesses bestimmt. Innerhalb dieses selbst
verwirklicht sich die Unterscheidung zwischen bloßer Erhaltung von
Wert (des konstanten Kapitalwerts), wirklicher Reproduktion von
vorgeschossenem Wert (Aequivalent der Arbeitskraft) und Produk-
tion. von Mehrwert, das heißt von Wert, wofür der Kapitalist kein
Aequivalent weder vorher vorgeschossen hat noch post festum [nach-
bräglich] vorschießt.

400 Inwiefern dies für die der individuellen Konsumtion dienenden Pro-
dukte gilt, wird unten ausgeführt, s. 20. Kapitel, VII, S. 363, 364, inwie-
weit für das Gesamtwertprodukt, ebendort S, 365. K.
        <pb n="381" />
        328

Dritter Abschnitt
Die Aneignung von Mehrwert — einem Wert, der überschüssig
ist über das Aequivalent des vom Kapitalisten vorgeschossenen
Wertes —, obgleich eingeleitet durch den Kauf und Verkauf der
Arbeitskraft, ist ein innerhalb des Produktionsprozesses selbst sich
vollziehender Akt und bildet ein wesentliches Moment desselben.

Der einleitende Akt, der einen Zirkulationsakt bildet: der Kauf
und Verkauf der Arbeitskraft, beruht selbst wieder auf einer der
Distribution [Verteilung] der gesellschaftlichen Produkte Voraus-
Zegangenen und vorausgesetzten Distribution der Produktions-
elemente, nämlich der Scheidung der Arbeitskraft als Ware des
Arbeiters von den Produktionsmitteln als Eigentum von Nicht-
arbeitern.

Zugleich aber ändert diese Aneignung von Mehrwert oder diese
Scheidung der Wertproduktion in Reproduktion von vorgeschossenem
Wert und Produktion von kein Aequivalent ersetzendem Neuwert
(Mehrwert) durchaus nichts an der Substanz des Wertes selbst und
der Natur der Werfproduktion. Die Substanz des Wertes ist und
bleibt nichts außer verausgabter Arbeitskraft — Arbeit, unabhängig
von dem besonderen nützlichen Charakter dieser Arbeit — und die
Wertproduktion ist nichts als der Prozeß dieser Verausgabung. So
gibt der Leibeigene während 6 Tagen Arbeitskraft aus, arbeitet
während 6 Tagen, und es macht für die Tatsache dieser Verausgabung

als solcher keinen Unterschied, daß er zum Beispiel drei dieser Arbeits-
tage für sich auf seinem eigenen Feld und drei andere für seinen Guts-
herrn auf dessen Feld verrichtet. Seine freiwillige Arbeit für sich
und seine Zwangsarbeit für seinen Herrn sind gleichmäßig Arbeit;
soweit sie als Arbeit mit Bezug auf die von ihr geschaffenen Werte
oder auch nützlichen Produkte betrachtet wird, findet kein Unter-
schied in seiner sechstägigen Arbeit statt. Der Unterschied bezieht
sich nur auf die verschiedenen Verhältnisse, wodurch die Veraus-
gabung seiner Arbeitskraft während der beiden Hälften der sechs-
tägigen Arbeitszeit veranlaßt wird. Ebenso verhält es sich mit der
notwendigen und der Mehrarbeit des Lohnarbeiters.

Der Produktionsprozeß erlischt in der Ware. Daß in ihrer Her-
stellung Arbeitskraft verausgabt worden ist, erscheint jetzt als ding-
liche Eigenschaft der Ware, daß sie Wert besitzt; die Größe dieses
Wertes ist gemessen durch die Größe der verausgabten Arbeit; in ein
weiteres löst sich der Warenwert nicht auf und besteht aus nichts
anderm. Wenn ich eine gerade Linie von bestimmter Größe gezogen
habe, so habe ich zuerst durch die Art der Zeichnung, die nach ge-
wissen von mir unabhängigen Regeln (Gesetzen) geschieht, eine
gerade Linie ‚produziert‘ (zwar nur symbolisch, was ich vorher
weiß), Teile ich diese Linie in drei Abschnitte (die wieder einem
bestimmten Problem entsprechen mögen), so bleibt jedes dieser drei
Stücke nach wie vor gerade Linie, und die ganze Linie, deren Teile
sie sind, wird durch diese Teilung nicht in etwas von gerader Linie
Unterschiedenes, zum Beispiel eine Kurve irgend einer Art aufgelöst.
        <pb n="382" />
        Neunzehntes Kapitel

329
Ebensowenig kann ich die Linie von gegebener Größe so teilen, daß
die Summe dieser Teile größer als die ungeteilte Linie selbst wird;
die Größe der ungeteilten Linie ist also auch nicht bestimmt durch
beliebig bestimmte Größen der Teillinien. Umgekehrt, die relativen
Größen der letzteren sind von vornherein begrenzt durch die Grenzen
der Linie, deren Teile sie sind.

Die vom Kapitalisten. hergestellte Ware unterscheidet sich so-
weit in nichts von der durch einen selbständigen Arbeiter oder von
Arbeitergemeinden. oder von Sklaven hergestellten Ware. Jedoch
gehört in unserm Fall das ganze Arbeitsprodukt wie sein ganzer
Wert dem Kapitalisten. Wie jeder andere Produzent hat er die Ware
erst durch den Verkauf in Geld zu verwandeln, um weiter damit
manipulieren [verfahren] zu können; er muß sie in die Form von
allgemeinem Aequivalent umsetzen.

Betrachten wir das Warenprodukt, bevor es in Geld verwandelt
wird. Es gehört ganz dem Kapitalisten. Es ist anderseits als nütz-
liches Arbeitsprodukt — als Gebrauchswert — ganz und gar das
Produkt des vergangenen Arbeitsprozesses; nicht so sein Wert. Ein
Teil dieses Wertes ist nur in neuer Form wiedererscheinender Wert
der in der Produktion der Ware verausgabten Produktionsmittel;
dieser Wert ist nicht produziert worden während des Produktions-
prozesses dieser Ware; denn diesen Wert besassen die Produktions-
mittel vor dem Produktionsprozeß, unabhängig von ihm; als seine
Träger gingen sie ein in diesen Prozeß; was sich erneuert und ver-
ändert hat, ist nur seine Erscheinungsform. Dieser Teil des Waren-
werts bildet für den Kapitalisten ein Aequivalent für der. während
der Warenproduktion verzehrten Teil seines vorgeschossenen kon-
stanten Kapitalwerts. Er existierte vorher in der Form von Produk-
tionsmittel; er existiert jetzt als Bestandteil des Werts der neu
produzierten Ware. Sobald letztere versilbert ist, muß dieser nun
in Geld existierende Wert wieder verwandelt werden in Produktions-
mittel, in seine ursprüngliche durch den Produktionsprozeß und
seine Funktion in selbem bestimmte Form. Am Wertcharakter
einer Ware wird nichts geändert durch die Kapitalfunktion dieses
Werts.

Ein zweiter Wertteil der Ware ist der Wert der Arbeitskraft,
die der Lohnarbeiter an den Kapitalisten verkauft. Er ist bestimmt
wie der Wert der Produktionsmittel, unabhängig von dem Produk-
tionsprozeß, in den die Arbeitskraft eingehen soll, und wird fixiert
in einem Zirkulationsakt, dem Kauf und Verkauf der Arbeitskraft,
bevor diese in den Produktionsprozeß eingeht. Durch seine Funktion
— die Verausgabung seiner Arbeitskraft — produziert der Lohn-
arbeiter einen Warenwert gleich dem Wert, den ihm der Kapitalist
für den Gebrauch seiner Arbeitskraft zu zahlen hat. Er gibt dem
Kapitalisten diesen Wert in. Ware, der zahlt ihm denselben in Geld.
Daß dieser Teil des Warenwerts für den Kapitalisten nur ein Aequi-
valent für sein im Arbeitslohn vorzuschießendes variables Kapital
        <pb n="383" />
        330

Dritter Abschnitt
ist, ändert durchaus nichts an der Tatsache, daß er ein während des
Produktionsprozesses neugeschaffener Warenwert ist, der aus gar
nichts anderm besteht als woraus der Mehrwert — nämlich aus ver-
flossener Verausgabung von Arbeitskraft. Ebensowenig wird diese
Tatsache dadurch affiziert [beeinflußt], daß der vom Kapitalisten in
Form von Lohn an den Arbeiter gezahlte Wert der Arbeitskraft für
den Arbeiter die Form von Revenue annimmt, und daß hierdurch
nicht nur die Arbeitskraft fortwährend reproduziert wird, sondern
auch die Klasse der Lohnarbeiter als solche und damit die Grundlage
der gesamten kapitalistischen Produktion.

Die Summe dieser beiden Wertteile macht aber nicht den ganzen
Warenwert aus. Es bleibt ein Ueberschuß über beide: der Mehrwert.
Dieser ist ebenso wie der Wertteil, der das in Arbeitslohn vorgeschos-
sene variable Kapital ersetzt, ein während des Produktionsprozesses
vom Arbeiter neugeschaffener Wert — festgeronnene Arbeit. Nur
kostet er dem Eigner des ganzen Produkts, dem Kapitalisten, nichts.
Dieser letztere Umstand erlaubt in der Tat dem Kapitalisten, ihn
ganz als Revenue zu verzehren, falls er nicht Teile davon an andere
Anteilhaber abzutreten hat — wie Bodenrenteanden Grundeigentümer,
in welchem Fall dann diese Teile die Revenue solcher dritten Personen
bilden. Dieser selbe Umstand war auch das treibende Motiv, wes-
wegen unser Kapitalist sich überhaupt mit der Warenproduktion
befaßt hat. Aber weder seine ursprüngliche wohlmeinende Absicht,
Mehrwert zu ergattern; noch die nachträgliche Verausgabung des-
selben als Revenue durch ihn und andere affızieren den Mehrwert als
solchen. Sie ändern nichts daran, daß er festgeronnene unbezahlte
Arbeit ist, und ebenfalls nichts an seiner Größe, die durch ganz

andere Bedingungen bestimmt wird.

Wollte aber einmal A. Smith, wie er’ es tut, schon bei Betrach-
tung des Warenwerts sich damit beschäftigen, welche Rolle ver:
schiedenen Teilen desselben. im Gesamtreproduktionsprozeß zufällt,
So war klar, daß, wenn besondere Teile als Revenue fungieren, andere
ebenso beständig als Kapital fungieren — und deswegen nach seiner
Logik auch als konstituierende Teile des Warenwerts oder Teile,
worin dieser sich auflöst, hätten bezeichnet werden müssen.

A. Smith identifiziert Warenproduktion überhaupt mit kapita-
listischer Warenproduktion; die Produktionsmittel sind von vorn-
herein „Kapital“, die Arbeit von vornherein Lohnarbeit und daher
ist „die Zahl der nützlichen und produktiven Arbeiter überall...
im Verhältnis zu der Größe des zu ihrer Beschäftigung angewandten
Kapitals‘‘ („to the quantity of capital stock which is employedin setting
them to work.‘ — „Introduetion“ Einleitung], p. 12). Mit einem Wort,
die verschiedenen Faktoren des Arbeitsprozesses — gegenständliche
und persönliche — erscheinen von vornherein in den Charaktermasken
der kapitalistischen Produktionsperiode. Die Analyse des Wären:
werts fällt daher auch unmittelbar zusammen mit der Rücksicht,
wieweit dieser Wert einerseits bloßes Aequivalent für ”ausgelegtes
        <pb n="384" />
        Neunzehntes Kapitel

331

Kapital, wieweit er494 anderseits „freien‘‘, keinen vorgeschossenen
Kapitalwert ersetzenden Wert bildet oder Mehrwert. Die von diesem
Standpunkt aus miteinander verglichenen Stücke des Warenwerts
verwandeln sich so unter der Hand in seine selbständigen „Bestand-
teile‘ und schließlich in „Quellen des Wertes‘. Eine fernere Konse-
quenz ist die Komposition des Warenwerts aus oder abwechselnd
seine „Auflösung in‘ Revenuen verschiedener Sorten, so daß die
Revenuen nicht aus Warenwert, sondern der Warenwert aus ‚,Re-
venuen“ besteht. So wenig es aber an der Natur eines Warenwerts qua
[als] Warenwert oder des Geldes qua Geld ändert, daß sie als Kapital-
wert fungieren, so wenig an einem Warenwert, daß er später als Re-
venue für diesen oder jenen fungiert. Die Ware, mit der A. Smith
es zu tun hat, ist von vornherein Warenkapital (das, außer dem in
der Produktion der Ware verzehrten Kapitalwert, den Mehrwert ein-
schließt), also die kapitalistisch produzierte Ware, das Resultat des
kapitalistischen Produktionsprozesses. Dieser hätte also vorher ana-
lysiert werden müssen, also auch der in ihm eingeschlossene Ver-
wertungs- und Wertbildungsprozeß. Da dessen Voraussetzung selbst
wieder die Warenzirkulation ist, so erheischt seine Darstellung also
auch eine davon unabhängige und vorhergehende Analyse der Ware.
Selbst soweit A. Smith „esoterisch‘‘ vorübergehend das Richtige trifft,
nimmt er stets auf die Wertproduktion nur Rücksicht bei Gelegenheit
der Warenanalyse, das heißt der Analyse des Warenkapitals.

HI. Die Späteren.*

Ricardo reproduziert ziemlich wörtlich A. Smiths Theorie: „Man
muß darüber einverstanden sein, daß alle Produkte eines Landes
konsumiert werden, aber es macht den denkbar größten Unterschied,
ob sie konsumiert werden durch solche, die einen andern Wert repro-
duzieren, oder durch solche, die dies nicht tun. Wenn wir sagen,
Revenue wird aufgespart. und zum Kapital geschlagen, so meinen
wir damit, daß der zum Kapital geschlagene Teil der Revenue durch
produktive Arbeiter konsumiert wird statt durch unproduktive.“‘
(„Principles‘*, ch. VIII, p. 163, Note.)

In der Tat hat Ricardo A. Smiths Theorie über die Auflösung
des Warenpreises in Arbeitslohn und Mehrwert (oder variables Kapi-
tal und Mehrwert) völlig akzeptiert. Worüber er mit ihm streitet
ist 1. über die Bestandteile des Mehrwerts: er eliminiert [scheidet
aus] die Grundrente als notwendiges Element desselben; 2. Ricardo
zerfällt den Warenpreis in diese Bestandteile. Die Wertgröße ist
also das Prius [das ursprünglich Vorhandene]. Die Summe der Be-
standteile ist als gegebene Größe vorausgesetzt, von ihr wird aus-
gegangen, nicht wie A. Smith oft umgekehrt und im Gegensatz zu

40d In der Engelsschen Ausgabe steht „es“. K.
41 Von hier an bis Ende des Kapitels Zusatz aus Manuskript II. F.E.
        <pb n="385" />
        332

Dritter Abschnitt
seiner eigenen tieferen Einsicht tut, die Wertgröße der Ware post
festum durch Addition der Bestandteile hervorgebracht.

Ramsay bemerkt gegen Ricardo: „Ricardo vergißt, daß das ganze
Produkt nicht nur zwischen Arbeitslohn und Profit sich verteilt,
sondern daß auch ein Teil nötig ist zum Ersatz des fixen Kapitals,‘ 410
{„An Essay on the Distribution of Wealth. Edinburgh 1836“, p. 174,
Note.) Ramsay versteht unter fixem Kapital dasselbe, was ich unter
konstantem verstehe: „Fixes Kapital existiert in einer Form, in der
68 zwar zur Herstellung der in Arbeit begriffenen Ware beiträgt,
aber nicht zum Unterhalt der Arbeiter.“ (p. 5941b.)

A. Smith sträubte sich gegen die notwendige Konsequenz seiner
Auflösung des Warenwerts, also auch des Wertes des gesellschaftlichen
Jahresprodukts, in Arbeitslohn und Mehrwert, also in bloße Revenue:
die Konsequenz, daß alsdann das ganze Jahresprodukt verzehrt wer-
den könne. Es sind nie die originellen Denker, welche die absurden
Konsequenzen ziehen. Sie überlassen das den Says und MacCullochs.

Say macht sich die Sache in der Tat leicht genug. Was für den
einen Kapitalvorschuß, ist für den andern Revenue und Nettopro-
dukt oder war es; der Unterschied zwischen Brutto- und Nettopro-
dukt ist rein subjektiv, und „so hat sich der Gesamtwert aller Produkte
in der Gesellschaft als Revenue verteilt‘. (Say: „Traite d’Economie
Politique1817“, TT, p. 69.) „Der Gesamtwert eines jeden Produkts setzt
sich zusammen aus den Profiten der Grundbesitzer, der Kapitalisten
und der Gewerbfleißigen“ (der Arbeitslohn figuriert, hier als profits
des industrieux, Profite der Gewerbfleißigen!), „die zu seiner Her-
stellung beigetragen haben. Dies macht, daß die Revenue der Ge-

sellschaft gleich ist dem produzierten Bruttowert, nicht wie die
Sekte der Oekonomisten‘ (die Physiokraten) „meinten, nur gleich
jem Nettoprodukt des Bodens.“ (p. 63.)

Diese Entdeckung Says hat unter anderem auch Proudhon sich
angeeignet.

Storch, der ebenfalls A. Smiths Doktrin im Prinzip akzeptiert,
findet jedoch, daß Says Nutzanwendung nicht haltbar ist. „Wenn
man zugibt, daß die Revenue einer Nation ihrem Bruttoprodukt
gleich ist, das heißt kein Kapital“ (soll heißen kein konstantes Kapital)
„in Abzug zu bringen ist, so muß man auch zugeben, daß diese Nation
den ganzen Wert ihres jährlichen Produkts unproduktiv verzehren
kann, ohne ihrer zukünftigen Revenue den geringsten Abbruch zu
tun [p. 147.1]... Die Produkte, die das“ (konstante) „Kapital einer
Nation ausmachen, sind nicht konsumabel.““ (Storch: „Considerations
zur la nature du revenu national. Paris 1824‘, p. 150.)

. 412 Wörtlich lautet der Satz bei Ramsay: „Ricardo. . . scheint immer nur
anzunehmen, daß das ganze Produkt sich zwischen Arbeitelohn und Profit
verteilt, und er vergißt den Teil, der nötig ist zum Ersatz des fixen Kapitals.“

K.
41b In der Engelsschen Ausgabe steht „53“. K.
        <pb n="386" />
        Zwanzigstes Kapitel

333
Wie aber die Existenz dieses konstanten Kapitalteils mit der
von ihm angenommenen Smithschen Preisanalyse stimmt, wonach
der Warenwert nur Arbeitslohn und Mehrwert, aber keinen kon-
stanten Kapitalteil enthält, hat Storch vergessen zu sagen. Es wird
ihm nur vermittels Say klar, daß diese Preisanalyse zu absurden
Resultaten führt, und sein eigenes letztes Wort hierüber lautet: „daß
es unmöglich ist, den notwendigen Preis in seine einfachsten Ele-
mente aufzulösen‘‘. („Cours d’Economie Politique, Petersbourg 1815“,
IT, p. 141.

Siemondi, der sich besonders mit dem Verhältnis von Kapital
und Revenue zu schaffen und in der Tat die besondere Fassung
dieses Verhältnisses zur differentia specifica seiner ‚„„Nouveaux Prin-
cipes‘“ macht, hat nicht ein wissenschaftliches Wort gesagt, nicht ein
Atom zur Klärung des Problems beigetragen.

Barton, Ramsay und Cherbuliez machen Versuche, über die
Smithsche Fassung hinauszugehen. Sie scheitern, weil sie von vorn-
herein das Problem einseitig stellen, indem sie den Unterschied von
konstantem und variablem Kapitalwert nicht klar abschälen von dem
Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital.

Auch John Stuart Mill reproduziert mit gewohnter Wichtig-
tuerei die von A. Smith auf seine Nachfolger vererbte Doktrin.

_ Regultat: Die Smithsche Gedankenwirre existiert fort. bis zur
Stunde, und sein Dogma bildet einen orthodoxen Glaubensartikel
der politischen Oekonomie.,

Zwanzigstes Kapitel.
Einfache Reproduktion.
I Stellung der Frage.

Betrachten? wir die jährliche Funktion des gesellschaftlichen
Kapitals — also des Gesamtkapitals, wovon die individuellen Kapi-
tale nur Bruchstücke bilden, deren Bewegung sowohl ihre individu-
elle Bewegung ist wie gleichzeitig integrierendes Glied der Bewegung
des Gesamtkapitals — in ihrem Resultat, das heißt betrachten wir das
Warenprodukt, welches die Gesellschaft während des Jahres liefert, so
muß sich zeigen, wie der Reproduktionsprozeß des gesellschaftlichen
Kapitals vonstatten geht, welche Charaktere diesen Reproduktions-
prozeß vom Reproduktionsprozeß eines individuellen Kapitals unter-
scheiden und welche Charaktere beiden gemeinsam sind. Das Jahres-
produkt umschließt sowohl die Teile des gesellschaftlichen Produkts,
welche Kapital ersetzen, die gesellschaftliche Reproduktion, wie die
Teile, welche dem Konsumtionsfonds anheimfallen, durch Arbeiter und
Kapitalisten verzehrt werden, also sowohl die produktive wie die in-
dividuelle Konsumtion. Sie umschließt ebensowohl die Reproduktion
42 Aus Manuskript II. F.E.
        <pb n="387" />
        334

Dritter Abschnitt
(das heißt Erhaltung) der Kapitalistenklasse und der Arbeiterklasse,
daher auch die Reproduktion des kapitalistischen Charakters des
gesamten Produktionsprozesses.

Es ist offenbar die Zirkulationsfigur W’— { EZ „sFr W
die wir zu analysieren haben, und zwar spielt die Konsumtion not-
wendig eine Rolle darin; denn der Ausgangspunkt W’= W + Ww, das
Warenkapital, schließt sowohl den konstanten und variablen Kapi-
talwert ein wie den Mehrwert. Seine Bewegung umfaßt daher eben-
sowohl die individuelle Konsumtion wie die produktive. Bei den
Kreisläufen G — W...P...W’—G’ und P...W’— 6’—W...P ist
die Bewegung des Kapitals Ausgangs- und Endpunkt: was zwar
auch die Konsumtion einschließt, da die Ware, das Produkt, ver-
kauft werden muß. Dies aber als geschehen vorausgesetzt, ist es
gleichgültig für die Bewegung des Einzelkapitals, was weiter aus dieser
Ware wird. Dagegen sind bei der Bewegung von W’...W’ die Be-
dingungen der gesellschaftlichen Reproduktion gerade daraus er-
kennbar, daß nachgewiesen werden muß, was aus jedem Wertteil
dieses Gesamtprodukts W’ wird. Der gesamte Reproduktionsprozeß
schließt hier den durch die Zirkulation vermittelten Konsumtions-
prozeß ebensosehr ein wie den Reproduktionsprozeß des Kapitals
selbst.

Und zwar ist der Reproduktionsprozeß für unsern vorliegenden
Zweck zu betrachten vom Standpunkt sowohl des Wert- wie des
Stoffersatzes der einzelnen Bestandteile von W’. Wir können uns
jetzt nicht mehr begnügen, wie bei Analyse des Produktenwerts des
einzelnen Kapitals, mit der Voraus setzung, daß der einzelne Ka-
pitalist die Bestandteile seines Kapitals durch Verkauf seines Waren-
produkts erst in Geld’ umsetzen und dann durch Wiederkauf der
Produktionselemente auf dem Warenmarkt .in produktives Kapital
rückverwandeln kann. Jene Produktionselemente, soweit sie sach-
licher Natur, bilden ebensowohl einen Bestandteil des gesellschaft-
lichen Kapitals wie das individuelle fertige Produkt, das sich gegen

sie austauscht und sich durch sie ersetzt. Anderseits bildet die Be-
wegung des Teils des gesellschaftlichen Warenprodukts, das vom
Arbeiter in Verausgabung seines Arbeitslohnes und vom Kapitalisten
in Verausgabung des Mehrwerts verzehrt wird, nicht nur ein integrie-
rendes Glied der Bewegung des Gesamtprodukts, sondern sie ver-
schlingt sich mit der Bewegung der individuellen Kapitale, und ihr
Vorgang kann daher nicht dadurch erklärt werden, daß man ihn
einfach voraussetzt.

Die Frage, wie sie unmittelbar vorliegt, ist die: Wie wird das
in der Produktion verzehrte Kapital seinem Wert nach aus dem
jährlichen Produkt ersetzt, und wie verschlingt sich die Bewegung
dieses Ersatzes mit der Konsumtion des Mehrwerts durch die Kapi-
talisten und des Arbeitslohnes durch die Arbeiter? Es handelt sich
also zunächst um die Reproduktion auf einfacher Stufenleiter. Ferner
        <pb n="388" />
        Zwanzigstes Kapitel

335
wird unterstellt nicht nur, daß die Produkte ihrem Wert nach sich
austauschen, sondern auch daß keine Wertrevolution in den Bestand-
teilen des produktiven Kapitals vorgehe. Soweit die Preise von den
Werten abweichen, kann dieser Umstand übrigens auf die Bewegung
des gesellschaftlichen Kapitals keinen Einfluß ausüben. Es tauschen
sich nach wie vor im ganzen dieselben Massen Produkte aus, ob-
gleich die einzelnen Kapitalisten dabei in Wertverhältnissen beteiligt
sind, die nicht mehr proportionell wären ihren respektiven Vorschüs-
sen und den von jedem von ihnen einzeln produzierten Mehrwert-
massen. Was aber Wertrevolutionen angeht, so ändern sie nichts
an den Verhältnissen zwischen den Wertbestandteilen des jährlichen
Gesamtprodukts, soweit sie allgemein und gleichmäßig verteilt sind.
Soweit sie dagegen partiell und nicht gleichmäßig verteilt sind, stellen
sie Störungen dar, die erstens als solche nur verstanden werden
können, soweit sie als Abweichungen von gleichbleibenden Wert-
verhältnissen betrachtet werden: zweitens aber, wenn das Gesetz
nachgewiesen, wonach ein Wertteil des jährlichen Produkts kon-
stantes, ein anderer variables Kapital ersetzt, so würde eine Revo-
lution, sei es im Wert des konstanten, sei es des variablen Kapitals,
an diesem Gesetz nichts ändern. Sie würde nur die relative Größe der
Wertteile ändern, die in der einen oder andern Qualität fungieren, weil
an die Stelle der ursprünglichen Werte andere Werte getreten wären.

Solange wir die Wertproduktion und den Produktenwert des
Kapitals individuell betrachteten, war die Naturalform des Waren-
produkts für die Analyse ganz gleichgültig, ob sie zum Beispiel aus
Maschinen bestand oder aus Korn oder aus Spiegeln. Es war dies
immer Beispiel, und. jeder beliebige Produktionszweig konnte gleich-
mäßig zur Illustration dienen. Womit wir es zu tun hatten, war der
unmittelbare Produktionsprozeß selbst, der auf jedem Punkt als Prozeß
eines individuellen Kapitals sich darstellt. Soweit dieReproduktion des
Kapitals in Betracht kam, genügte es zu unterstellen, daß innerhalb
der Zirkulationssphäre der Teil des Warenprodukts, welcher Kapital-
wert darstellt, die Gelegenheit findet, sich in seine Produktionselemente
und daher in seine Gestalt als produktives Kapital rückzuverwandeln,
ganz wie es genügte zu unterstellen, daß Arbeiter und Kapitalist
auf dem Markte die Waren vorfinden, worin sie Arbeitslohn und
Mehrwert verausgaben, Diese nur formelle Manier der Darstellung
genügt nicht mehr bei Betrachtung des gesellschaftlichen Gesamt-
kapitals und seines Produktenwerts. Die Rückverwandlung eines
Teils des Produktenwerts in Kapital, das Eingehen eines andern
Teils in die individuelle Konsumtion der Kapitalisten- wie der Ar-
beiterklasse bildet eine Bewegung innerhalb des Produktenwerts
selbst, worin das Gesamtkapital resultiert hat, und diese Bewegung
ist nicht nur Wertersatz, sondern Stoffersatz, und ist daher ebenso-
sehr bedingt durch das gegenseitige Verhältnis der Wertbestandteile
des gesellschaftlichen Produkts wie durch ihren Gebrauchswert, ihre
stoffliche Gestalt.

Das Kapital. II.
        <pb n="389" />
        336
Dritter Abschnitt
Die einfache Reproduktion auf gleichbleibender Stufenleiter er-
scheint insoweit als eine Abstraktion, als einerseits auf kapitalistischer
Basis Abwesenheit aller Akkumulation oder [aller] Reproduktion auf
erweiterter Stufenleiter eine befremdliche Annahme ist, anderseits
die Verhältnisse, worin produziert wird, nicht absolut gleichbleiben
{und dies ist vorausgesetzt) in verschiedenen J ahren. Die Voraus-
setzung ist, daß ein gesellschaftliches Kapital von gegebenem Wert,
wie im vorigen Jahr so in diesem, dieselbe Masse Warenwerte wieder
liefert und dasselbe Quantum Bedürfnisse befriedigt, obgleich die
Formen der Waren sich im Reproduktionsprozeß ändern mögen. In-
des, soweit Akkumulation stattfindet, bildet die einfache Reproduk-
tion stets einen Teil derselben, kann also für sich betrachtet werden
und ist ein realer Faktor der Akkumulation. Der Wert des jährlichen
Produkts kann abnehmen, obgleich die Masse der Gebrauchswerte
gleichbleibt; der Wert; kann derselbe bleiben, obgleich die Masse der
Gebrauchswerte abnimmt; Wertmasse und Masse der reproduzierten
Gebrauchswerte können gleichzeitig abnehmen. Alles dies kommt
darauf hinaus, daß die Reproduktion entweder unter günstigeren Um-
ständen als vorher stattfindet oder unter ersch werenden, welche letztere
in eine unvollkommene Reproduktion — mangelhafte — resultieren
können. Alles dies kann nur die quantitative Seite der verschiedenen

Elemente der Reproduktion berühren, nicht aber die Rolle, die sie
als reproduzierendes Kapital oder als reproduzierte Revenue in dem
Gesamtprozeß spielen.
N. Die zwei Abteilungen der gesellschaftlichen Produktion.‘

Das Gesamtprodukt, also auch die Gesamtproduktion der Ge-
sellschaft zerfällt in zwei große Abteilungen:

I. Produktionsmittel, Waren, welche eine Form besitzen,
worin sie in die produktive Konsumtion eingehen müssen oder
wenigstens eingehen können.

II. Konsumtionsmittel, Waren, welche eine Form besitzen,
worin sie in die individuelle Konsumtion der Kapitalisten- und
Arbeiterklasse eingehen.

In jeder dieser Abteilungen bilden sämtliche verschiedene ihr an-
gehörige Produktionszweige einen einzigen großen Produktionszweig,
die einen den der Produktionsmittel, die andern den der Konsumtions-
mittel. Das in jedem der beiden Produktionszweige angewandte ge-
samte Kapital bildet eine besondere große Abteilung des gesellschaft-
lichen Kapitals. :

{n jeder Abteilung zerfällt das Kapital in zwei Bestandteile:

I. Variables Kapital. Dies, dem Wert nach betrachtet,
ist gleich dem Wert der in diesem Produktionszweig angewandten
‘ Aus Manuskript VIII. F.E.
4% Im wesentlichen aus Manuskript II. Das Schema aus Manu-
skript YIII. F.E.
        <pb n="390" />
        Zwanzigstes Kapitel

337
gesellschaftlichen Arbeitskraft, also gleich der Summe der dafür ge-
zahlten Arbeitslöhne, Dem Stoff nach betrachtet, besteht es aus der
sich betätigenden Arbeitskraft selbst, das heißt aus der von diesem
Kapitalwert in Bewegung gesetzten lebendigen Arbeit. '

2. Konstantes Kapital, das heißt den Wert aller zur Produk-
tion in diesem Zweig angewandten Produktionsmittel. Diese zerfallen
ihrerseits wieder in fixes Kapital: Maschinen, Arbeitswerkzeuge,
Baulichkeiten, Arbeitsvieh efec., und in zirkulierendes konstantes
Kapital: Produktionsmaterialien, wie Roh- und Hilfsstoffe, Halb-
fabrikate ete.

Der Wert des mit Hilfe dieses Kapitals in jeder der beiden Ab-
teilungen erzeugten gesamten Jahresprodukts zerfällt in einen Wert-
teil, der das in der Produktion aufgezehrte und seinem Wert nach
auf das Produkt nur übertragene konstante Kapital c darstellt, und
in den durch die gesamte Jahresarbeit zugesetzten Wertteil. Dieser
lefztere zerfällt wieder in den Ersatz des vorgeschossenen variablen
Kapitals v und in den Ueberschuß darüber, der den Mehrwert m
bildet. Wie der Wert jeder einzelnen Ware, so zerfällt also auch
der des gesamten Jahresprodukts jeder Abteilung in © + v + m.

Der Wertteil c, der das in der Produktion verzehrte konstante
Kapital darstellt, deckt sich nicht mit dem Wert des in der Produk-
tion angewandten konstanten Kapitals. Die Produktionsstoffe
sind zwar ganz verzehrt und ihr Wert ist daher ganz auf das Produkt
übertragen. Aber nur ein Teil des angewandten fixen Kapitals ist
ganz verzehrt, sein Wert daher auf das Produkt übergesangen. Ein
anderer Teil des fixen Kapitals, Maschinen, Gebäude etc. existiert
und fungiert fort, nach wie vor, wenn auch mit durch den Jahres-
verschleiß vermindertem Wert. Dieser fortfungierende Teil des fixen
Kapitals existiert nicht für uns, wenn wir den Produktenwert be-
trachten. Er bildet einen von diesem neuproduzierten Warenwert
unabhängigen, neben ihm vorhandenen Teil des Kapitalwerts. Dies
zeigte sich bereits bei Betrachtung des Produktenwerts eines Einzel-
kapitals (Buch I, Kapitel VI, 2. Aufl., 8.192. V. S. 156,157). Hier müssen
wir jedoch vorläufig von der dort angewandten Betrachtungsweise
abstrahieren. Wir sahen bei Betrachtung des Produktenwerts des
Einzelkapitals, daß der dem fixen Kapital durch Verschleiß entzogene
Wert sich auf das während der Verschleißzeit erzeugte Warenpro-
dukt überträgt, einerlei ob ein Teil dieses fixen Kapitals während
dieser Zeit in natura aus diesem übertragenen Wert ersetzt wird oder
nicht. Dagegen sind wir hier, bei Betrachtung des gesellschaftlichen
Gesamtprodukts und seines Wertes, genötigt, wenigstens vorläufig
von dem durch Verschleiß von fixem Kapital während des Jahres
auf das Jahresprodukt übertragenen Wertteil zu abstrahieren, so-
weit dies fixe Kapital nicht während des Jahres auch wieder in natura
ersetzt worden ist. In einem späteren Abschnitt dieses Kapitels
werden wir dann diesen Punkt getrennt erörtern.
        <pb n="391" />
        338

Dritter Abschnitt
Für unsere Untersuchung der einfachen Reproduktion wollen wir
folgendes Schema zugrunde legen, worin c gleich konstantes Kapital,
Y gleich variables Kapital, m gleich Mehrwert ist und das Verwertungs-
verhältnis “zu 100 % angenommen wird. Die Zahlen mögen Millio-
nen Mark, Franken oder Pfund Sterling bedeuten.

[. Produktion von Produktionsmitteln:

Kapital ..... 40006 + 1000v = 5000,
Warenprodukt 4000e + 10007 + 1000m = 6000,
existierend in Produktionsmitteln.

II. Produktion von Konsumtionsmitteln:

Kapital ..... 20000 + 500v = 2500,
Warenprodukt 20000 + 500 + 500m — 3000,
existierend in Konsumtionsmitteln.

Rekapituliert, jährliches Gesamtwarenprodukt:

I. 4000c + 10007 + 1000m = 6000 Produktionsmittel,
IT, 200006 + 500v-+- 500m == 3000 Konsumtionsmittel.

Gesamtwert gleich 9000, wovon das in seiner Naturalform fort-
[ungierende fixe Kapital nach der Voraussetzung ausgeschlossen ist.

Wenn wir nun die auf Grundlage einfacher Reproduktion, wo
also der ganze Mehrwert unproduktiv konsumiert wird, notwendigen
Umsätze untersuchen und dabei zunächst die sie vermittelnde Geld-
zirkulation. unbeachtet lassen, so ergeben sich uns von vornherein
drei große Anhaltspunkte.

4. Die 500v, Arbeitslohn der Arbeiter, und die 500m, Mehrwert
der Kapitalisten der Abteilung II, müssen in Konsumtionsmitteln
verausgabt werden. Aber ihr Wert existiert in den Konsumtions-
mitteln zum Wert von 1000, die in den Händen der Kapitalisten,
Abteilung IT, die vorgeschossenen 500, ersetzen und die 500m reprä-
sentieren. Arbeitslohn und Mehrwert der Abteilung II werden also
innerhalb Abteilung II gegen Produkt von II umgesetzt. Damit
verschwinden aus dem Gesamtprodukt (5007 + 500m) II gleich 1000
in Konsumtionsmitteln.

2, Die 1000v + 1000m der Abteilung I müssen ebenfalls in Kon-
sumtionsmitteln verausgabt werden, also in Produkt von Abteilu ng II.
Sie müssen sich also austauschen gegen den von diesem Produkt noch
übrigen, dem Belauf nach gleichen konstanten Kapitalteil 2000.
Dafür erhält Abteilung IT einen gleichen Betrag von Produktions-
mitteln, Produkt von I, worin der Wert der 10007 -+- 1000m von I
verkörpert. Damit verschwinden aus der Rechnung 2000 ITe und
{1000v + 1000m) I,

3. Es bleiben noch 4000 Ic. ‘ Diese bestehen in Produktions-
mitteln, die nur in Abteilung I vernutzt werden können, zum Er-
satz ihres verzehrten konstanten Kapitals dienen und daher durch
gegenseitigen Austausch zwischen den einzelnen Kapitalisten von I
        <pb n="392" />
        Zwanzigstes Kapitel

339

ebenso ihre Erledigung finden, wie die (5007 + 500m) II durch Aus-
tausch zwischen den Arbeitern und Kapitalisten, respektive zwischen
den einzelnen Kapitalisten von II.

Dies einstweilen nur zum besseren Verständnis des Nachfolgenden.

Il. Der Umsatz zwischen den beiden Abteilungen:
I (v + m) gegen He.
Wir beginnen mit dem großen Austausch zwischen beiden Klas-
sen. (1000v + 1000m) I — diese Werte, die in den Händen ihrer
Produzenten in der Naturalform von Produktionsmitteln bestehen,
tauschen sich aus gegen 2000 IIe, gegen Werte, die unter der Natural-
form von Konsumtionsmitteln bestehen. Die Kapitalistenklasse IT
hat dadurch ihr konstantes Kapital gleich 2000 aus der Form von
Konsumtionsmitteln wieder in die von Produktionsmitteln der Kon-
sumtionsmittel umgesetzt, in eine Form, worin es von neuem als
Faktor des Arbeitsprozesses und für die Verwertung als konstanter
Kapitalwert fungieren kann. Anderseits ist dadurch das Aequivalent
für die Arbeitskraft in I (1000 I) und der Mehrwert der Kapitalisten
I (1000 Im) realisiert in Konsumtionsmitteln; beide sind aus ihrer
Naturalform von Produktionsmitteln umgesetzt in eine Naturalform,
worin sie als Revenue verzehrt werden können.

Dieser wechselseitige Umsatz kommt aber zustande durch eine
Geldzirkulation, die ihn ebensosehr vermittelt wie sie sein Verständ-
nis erschwert, die aber entscheidend wichtig ist, weil der variable
Kapitalteil immer von neuem in Geldform auftreten muß, als Geld-
kapital, das sich aus Geldform in Arbeitskraft umsetzt. Das variable
Kapital muß in allen auf der ganzen Peripherie [Umkreis] der Gesell-
schaft gleichzeitig nebeneinander betriebenen Geschäftszweigen, einer-
lei, ob sie der Kategorie Loder II angehören, in Geldform vorgeschossen
werden. Der Kapitalist kauft die Arbeitskraft, ehe sie in den Produk-
tionsprozeß eintritt, zahlt sie aber erst in verabredeten Terminen,
nachdem sie schon vorausgabt ist in der Produktion von Gebrauchs-
wert. Wie der übrige Wertteil des Produkts, gehört ihm auch der
Teil desselben, der nur ein Aequivalent für das in Zahlung der
Arbeitskraft verausgabte Geld ist, der den variablen Kapitalwert
repräsentierende Wertteil des Produkts. In diesem Wertteil selbst
hat der Arbeiter ihm das Aequivalent für seinen Arbeitslohn bereits
geliefert. Es ist aber die Rückverwandlung der Ware in Geld, ihr
Verkauf, die dem Kapitalisten sein. variables Kapital wieder herstellt
als Geldkapital, das er von neuem in Ankauf der Arbeitskraft vor-
schießen kann.

In Abteilung I hat der Gesamtkapitalist also 1000 Pfd. Sterl.
(ich sage Pfd. Sterl., bloß um zu bezeichnen, daß es Wert in Geld-
form ist) gleich 1000v an die Arbeiter gezahlt für den bereits als
45 Von hier an wieder Manuskript VIII. F.E.
        <pb n="393" />
        340

Dritter Abschnitt
v-Teil existierenden Wertteil des Produkts I, das heißt der von ihnen
produzierten Produktionsmittel. Die Arbeiter kaufen mit diesen
1000 Pfd. Sterl. für selben Wert Konsumtionsmittel von den Kapita-
listen II und verwandeln so eine Hälfte des konstanten Kapitals II
in Geld; die Kapitalisten IT ihrerseits kaufen mit diesen 1000 Pfd.
Sterl. Produktionsmittel zum Wert von 1000 von den Kapitalisten I;
damit ist für diese letzteren der variable Kapitalwert gleich 1000-,
der als Teil ihres Produkts in der Naturalform von Produktions-
mitteln bestand, wieder in Geld verwandelt und kann jetzt.in der
Hand der Kapitalisten I von neuem als Geldkapital fungieren, das
in Arbeitskraft, also in das wesentlichste Element des produktiven
Kapitals, umgesetzt wird. Auf diesem Weg strömt ihnen ihr variables
Kapital in Geldform zurück infolge der Realisation eines Teils ihres
Warenkapitals.

Was aber das Geld betrifft, das nötig ist für den Umsatz des
m-Teils des Warenkapitals I gegen die zweite Hälfte des konstanten
Kapitalteils II, so kann es auf verschiedene Weise vorgeschossen
werden. In der Wirklichkeit umschließt diese Zirkulation eine zahl-
lose’ Masse einzelner Käufe und Verkäufe der Kapitalindividuen
beider Kategorien, wobei aber unter allen Umständen das Geld von
diesen Kapitalisten herrühren muß, da wir bereits mit der von den
Arbeitern in Zirkulation geworfenen Geldmasse abgerechnet. Es
kann bald ein Kapitalist der Kategorie II aus seinem neben dem
produktiven Kapital vorhandenen Geldkapital sich Produktions-
mittel bei Kapitalisten der Kategorie I kaufen, bald umgekehrt ein
Kapitalist der Kategorie I aus für persönliche Ausgabe, nicht Kapital-
ausgabe, bestimmten Geldfonds Konsumtionsmittel bei Kapitali-
sten der Kategorie II kaufen. Gewisse Geldvorräte — sei es für
Kapitalvorschuß, sei es für Verausgabung von Revenue — müssen,
wie schon oben in Abschnitt I und IT gezeigt, unter allen Umständen
neben dem produktiven Kapital in den Händen des Kapitalisten als
vorhanden vorausgesetzt werden. Unterstellen wir — die Proportion
ist dabei ganz gleichgültig für unsern Zweck —, die Hälfte des Geldes
werde von den Kapitalisten IT für den Ersatz ihres konstanten Kapi-
fals im Ankauf von Produktionsmitteln vorgeschossen, die andere
Hälfte von den Kapitalisten I für Konsumtion verausgabt, so: Ab-
teilung II schießt 500 Pfd. Sterl. vor und kauft damit von I Produk-
bionsmittel, hat damit (inklusive der obigen, von den Arbeitern I
herrührenden 1000 Pfad. Sterl.) °/4 ihres konstanten Kapitals in natura

ersetzt; Abteilung I kauft mit den so erhaltenen 500 Pfd. Sterl.
Konsumtionsmittel von II und hat damit für die Hälfte des aus m
bestehenden Teils ihres Warenkapitals die Zirkulation w — Z— WW
beschrieben, dies ihr Produkt realisiert in Konsumtionsfonds. Durch
diesen zweiten Prozeß kehren die 500 Pfd. Sterl. in die Hände von II
zurück als Geldkapital, das es neben seinem produktiven Kapital
besitzt. Anderseits antizipiert I für die Hälfte des noch als Produkt
bei ihm lagernden Teils m seines Warenkapitals — vor dem Verkauf
        <pb n="394" />
        Zwanzigstes Kapitel

341
desselben — Geldausgabe zum Betrag von 500 Pfd. Sterl. für Ankauf
von Konsumtionsmitteln II. Mit denselben 500 Pfd. Sterl. kauft II
Produktionsmittel von I und hat damit sein ganzes konstantes Ka-
pital (1000 + 500 + 500 = 2000) in natura ersetzt, während I seinen
ganzen Mehrwert in Konsumtionsmitteln realisiert hat. Im ganzen
hätte ein Umsatz von Waren zum Belauf von 4000 Pfd. Sterl. statt-
gefunden mit einer Geldzirkulation von 2000 Pfd. Sterl., eine Größe
der letzteren, die nur herauskommt, weil das gesamte Jahresprodukt
als auf einmal in wenigen großen Quoten umgesetzt dargestellt
wird, Das Wichtige hierbei ist nur der Umstand, daß IL nicht nur
sein in Form von Konsumtionsmitteln reproduziertes konstantes
Kapital wieder in die Form von Produktionsmitteln umgesetzt [hat],
sondern außerdem die 500 Pfd. Sterl., die es im Ankauf von Produk-
tionsmitteln der Zirkulation vorgeschossen, ihm. zurückkehren, und
daß ebenso I nicht nur sein variables Kapital, das es in Form von
Produktionsmitteln reproduziert, wieder in Geldform besitzt, als
Geldkapital, das von neuem direkt in Arbeitskraft umsetzbar ist,
sondern daß ihm außerdem die 500 Pfd. Sterl. zurückströmen, die es
vor Verkauf des Mehrwertteils seines Kapitals, antizipierend im
Ankauf von Konsumtionsmitteln verausgabt. Sie strömen ihm aber
zurück nicht durch die stattgehabte Verausgabung, sondern durch
den nachfolgenden Verkauf eines seinen halben Mehrwert tragenden
Teils seines Warenprodukts.

In beiden Fällen wird. nicht nur das konstante Kapital von 1I
wieder umgesetzt aus der Produktform in die Naturalform von
Produktionsmitteln, worin es allein als Kapital fungieren kann, und
ebenso wird nicht nur der variable Kapitalteil von I in Geldform
und der Mehrwertteil der Produktionsmittel I in konsumable, als
Revenue verzehrbare Form umgesetzt. Sondern außerdem strömen
an II die 500 Pfd. Sterl. Geldkapital zurück, die es im Ankauf von
Produktionsmitteln vorgeschossen, bevor es den entsprechenden, sie
kompensierenden Wertteil des konstanten Kapitals — vorhanden
in Form von Konsumtionsmitteln — verkauft hat, und ferner an I
die 500 Pfd. Sterl., die es im Ankauf von Konsumtionsmitteln anti-
cipando [im voraus] verausgabt hat. Wenn an II das auf Rechnung
des konstanten Teils seines Warenprodukts vorgeschossene und an I
das auf Rechnung eines Mehrwertteils seines Warenprodukts vorge-
schossene Geld zurückströmt, so nur, weil die eine Klasse Kapitalisten
außer dem in Warenform II existierenden konstanten Kapital, die
andere außer dem in‘ Warenform I existierenden Mehrwert noch je
500 Pfd. Sterl. Geld in Zirkulation geworfen. Sie haben sich schließlich
wechselseitig vollständig bezahlt durch den Austausch ihrer respektiven
Warenäquivalente. Das Geld, das sie über die Wertbeträge ihrer
Waren hinaus in Zirkulation geworfen, als Mittel dieses Waren-
umsatzes, kehrt jedem von ihnen aus der Zirkulation zurück, pro
rata der Quote [im Verhältnis zu dem Anteil] davon, die jedes von
beiden in Zirkulation geworfen, Sie sind dadurch um keinen Deut
        <pb n="395" />
        Dritter Abschnitt
reicher geworden. II besaß ein konstantes Kapital gleich 2000
in Form von Konsumtionsmitteln plus 500 in Geld; es besitzt
jetzt 2000 in Produktionsmitteln und 500 in Geld. wie vorher; ebenso
I besitzt wie vorher einen Mehrwert von 1000 (aus Waren, Produk-
tionsmitteln, jetzt verwandelt in Konsumtionsfonds) plus 500 in
Geld wie vorher. — Es folgt allgemein: Von dem Geld, das die
industriellen Kapitalisten in Zirkulation werfen zur Vermittlung
ihrer eigenen Warenzirkulation, sei es nun auf Konto des konstanten
Wertteils der Ware oder des in den Waren existierenden Mehrwerts,
soweit er als Revenue verausgabt wird, kehrt so viel zurück in die
Hände der respektiven Kapitalisten, als sie für die Geldzirkulation
vorgeschossen.

Was die Rückverwandlung des variablen Kapitals der Klasse I
in Geldform betrifft, so existiert es für die Kapitalisten I, nachdem
sie. es in Arbeitslohn ausgelegt haben, zunächst in der Warenform,
worin es ihnen die Arbeiter geliefert haben. Sie haben es in Geldform
diesen letzteren als den Preis ihrer Arbeitskraft ausgezahlt. Sie
haben sofern den Wertbestandteil ihres Warenprodukts bezahlt, der
zleich diesem in Geld ausgelegten variablen Kapital. Dafür sind sie
Eigner auch dieses Teils des Warenprodukts. Aber der von ihnen
angewandte Teil der Arbeiterklasse ist kein Käufer der von ihm
selbst: produzierten Produktionsmittel ; er ist Käufer der von II
produzierten Konsumtionsmittel. Das bei der Zahlung der Arbeits-
kraft in Geld vorgeschossene variable Kapital kehrt also nicht direkt
an die Kapitalisten I zurück. Es geht durch die Käufe der Arbeiter
über in die Hände der kapitalistischen Produzenten der dem Ar-
beiterkreis notwendigen und überhaupt zugänglichen Waren, also
in die Hände der Kapitalisten IT, und erst indem diese das Geld zum
Ankauf von Produktionsmitteln verwenden — erst auf diesem Um-
weg kehrt es zurück in die Hände der Kapitalisten I.

Es ergibt sich, daß bei einfacher Reproduktion die Wertsumme
v + m des Warenkapitals I (also auch ein. entsprechender propor-
tioneller Teil des Gesamtwarenprodukts I) gleich sein muß dem eben-
falls als proportioneller Teil des gesamten Warenprodukts der Klasse
II ausgeschiedenen konstanten Kapital IIe, oder I w+m = IIe.

342

IV. Der Umsatz innerhalb Abteilung II. Notwendige Lebensmittel
und Luxusmittel.

Vom Wert des Warenprodukts der Abteilung II sind nun noch
zu untersuchen die Bestandteile v + m. Ihre Betrachtung hat nichts
zu tun mit der wichtigsten Frage, die uns hier beschäftigt: inwiefern
nämlich die Zerfällung des Wertes jedes individuellen kapitalistischen
Warenprodukts in 6 + v + m, wenn auch durch verschiedene Er-
scheinungsform vermittelt, ebenfalls gilt für den Wert des jährlichen
Gesamtprodukts. Diese Frage wird gelöst durch den Umsatz von
[ iv + m) gegen IIs einerseits, durch die für später vorbehaltene Unter-
        <pb n="396" />
        Zwanzigstes Kapitel

343
suchung der Reproduktion von Ice im jährlichen Warenprodukt I
anderseits. Da II (v + m in der Naturalform von Konsumtionsartikeln
existiert, da das den Arbeitern in Zahlung der Arbeitskraft vorge-
schossene variable Kapital von selben im ganzen und großen in
Konsumtionsmitteln verausgabt werden muß und da der Wertteil m
der Waren bei Voraussetzung der einfachen Reproduktion faktisch
in Konsumtionsmitteln als Revenue verausgabt wird, so ist prima
facie [auf den ersten Blick] klar, daß die Arbeiter II mit dem von den
Kapitalisten II erhaltenen Arbeitslohn einen Teil ihres eigenen. Pro-
dukts — entsprechend dem Umfang des als Arbeitslohn erhaltenen
Geldwerts — wiederkaufen. Dadurch verwandelt die Kapitalisten-
klasse II ihr in Zahlung der Arbeitskraft vorgeschossenes Geldkapital
zurück in Geldform; es ist ganz dasselbe, als hätten sie die Arbeiter
in bloßen Wertmarken gezahlt. Sobald die Arbeiter diese Wert-
marken realisieren durch Kauf eines Teils des von ihnen produzierten
und den Kapitalisten gehörigen Warenprodukts, würden diese Wert-
marken in die Hände der Kapitalisten zurückkehren, bloß daß hier
die Marke Wert nicht nur vorstellt, sondern in ihrer goldenen oder
silbernen Leiblichkeit besitzt. Diese Sorte Rückfluß des in Geldform
vorgeschossenen variablen Kapitals durch den Prozeß, worin die
Arbeiterklasse als Käufer und die Kapitalistenklasse als Verkäufer
erscheint, werden wir später näher untersuchen. Hier aber handelt
es sich um einen andern Punkt, der bei diesem Rückfluß des variablen
Kapitals zu seinem Ausgangspunkt zu erörtern ist. .

Die Kategorie II der jährlichen Warenproduktion besteht aus
den mannigfaltigsten Industriezweigen, die aber — mit Bezug auf
ihre Produkte — in zwei große Unterabteilungen zerfällt werden
können:

a) Konsumtionsmittel, die in den Konsum der Arbeiterklasse
eingehen. und, soweit sie notwendige Lebensmittel, wenn auch oft
der Qualität und dem Wert nach verschieden von denen der Arbeiter,
auch einen Teil der Konsumtion der Kapitalistenklasse bilden. Diese
ganze Unterabteilung können wir für unsern Zweck zusammenfassen
unter der Rubrik: Notwendige Konsumtionsmittel, wobei es ganz
gleichgültig, ob ein solches Produkt, wie zum Beispiel Tabak, vom
physiologischen Standpunkt aus ein notwendiges Konsumtionsmittel
ist oder nicht; genug, daß es gewohnheitsmäßig ein solches.

b) Luxus-Konsumtionsmittel, die nur in den Konsum der Ka-
pitalistenklasse eingehen, also nur gegen verausgabten Mehrwert
umgesetzt werden können, der dem Arbeiter nie zufällt.

Bei der ersten Rubrik ist klar, daß das in der Produktion der ihr
angehörigen Warensorten vorgeschossene variable Kapital in Geld-
form direkt zurückfließen muß an den Teil der Kapitalistenklasse II
(also an die Kapitalisten IIa), welche diese notwendigen Lebensmittel
produziert. Sie verkaufen sie an ihre eigenen Arbeiter zum Betrag
des diesen in Arbeitslohn ausgezahlten variablen Kapitals. Dieser
Rückfluß ist direkt mit Bezug auf diese ganze Unterabteilung a der
        <pb n="397" />
        344

Dritter Abschnitt
Kapitalistenklasse II, so zahlreich auch die Transaktionen zwischen
den Kapitalisten der verschiedenen beteiligten Industriezweige sein
mögen, wodurch dies rückfließende variable Kapital pro rata ver-
teilt wird. Es sind Zirkulationsprozesse, deren Zirkulationsmittel
direkt geliefert werden durch das von den Arbeitern ausgegebene
Geld.
Anders verhält es sich aber mit Unterabteilung IIb. Der ganze
Teil des Wertprodukts, mit dem wir es hier zu tun haben, IIb (y + m)
besteht unter der Naturalform von Luxusartikeln, das heißt Artikeln,
die die Arbeiterklasse ebensowenig kaufen kann wie den unter Form
von Produktionsmitteln bestehenden Warenwert Iv, obgleich diese
Luxusmittel wie jene Produktionsmittel Produkte dieser Arbeiter.
Der Rückfluß, wodurch das in dieser Unterabteilung vorgeschossene
variable Kapital den kapitalistischen Produzenten in seiner Geld-
{orm wiederkehrt, kann also nicht direkt, sondern muß vermittelt
sein, ähnlich wie sub Iv.

Nehmen wir zum Beispiel an wie oben für die gesamte Klasse II:
v gleich 500, m gleich 500; aber das variable Kapital und der ihm
entsprechende Mehrwert seien verteilt wie folgt:

Unterabteilung a, notwendige Lebensmittel: v gleich 400, m
gleich 400; also eine Warenmasse in notwendigen Konsumtionsmitteln
zum Wert von 400v + 400m — 800, oder IIa (400v + 400m).

Unterabteilung b: Luxusmittel zum Wert von 100+ + 100m

200, oder IIb (100v + 100m).

Die Arbeiter von IIb haben in Zahlung für ihre Arbeitskraft 100
erhalten in Geld, sage 100 Pfd. Sterl.; sie kaufen damit von den
Kapitalisten IIa Konsumtionsmittel zum Betrag von 100. Diese
Kapitalistenklasse kauft damit für 100 der Ware IIb, womit den
Kapitalisten IIb ihr variables Kapital in Geldform zurückströmt.

In ITa existieren bereits 400v wieder in Geldform in der Hand
der Kapitalisten durch Austausch mit ihren eigenen Arbeitern; von
dem den Mehrwert darstellenden Teil ihres Produkts ist außerdem
der vierte Teil an die Arbeiter IIb abgetreten und dafür IIb (100+)
in Luxuswaren bezogen worden.

Wenn wir nun gleiche verhältnismäßige Teilung der Revenue-
ausgabe in notwendige Lebensmittel und Luxusmittel bei den
Kapitalisten IIa und IIb voraussetzen — annehmen, daß beide je
*/s in notwendigen Lebensmitteln, %; in Luxusmitteln ausgeben, so
werden die Kapitalisten der Unterklasse ITIa ihre Mehrwertsrevenue
von 400m auslegen zu *%/s in ihren eigenen Produkten, notwendigen
Lebensmitteln, also 240, und zu ?/; gleich 160 in Luxusmitteln. Die
Kapitalisten der Unterklasse IIb werden ihren Mehrwert gleich 100m

ebenso verteilen: 3/ gleich 60 auf notwendige und ?/; gleich 40 auf
Luxusmittel; diese letzteren innerhalb ihrer eigenen Unterklasse
produziert und umgesetzt.

Die 160 Luxusmittel, die (ITa)m erhält, fließen den Kapitalisten
ITa zu wie folgt: Von den (IIa) 400m wurden, wie wir sahen, 100 in
        <pb n="398" />
        hr

N
n

1

Zwanzigstes Kapitel

345
Form von notwendigen Lebensmitteln ausgetauscht gegen gleichen
Betrag von (IIb)-, die in Luxusmitteln existieren, und weitere 60 in
notwendigen Lebensmitteln gegen (IIb) 60m in Luxusmitteln.. Die
Gesamtrechnung steht dann so:
Ila: 400v + 400m; IIb: 1007 + 100m.

f

1}

1. 400, (IIa) werden aufgegessen von den Arbeitern IIa, von
deren Produkt (notwendigen Lebensmitteln) sie einen Teil bilden;
die Arbeiter kaufen sie von den kapitalistischen Produzenten ihrer
eigenen Abteilung. Diesen kehrt damit 400 Pfd. Sterl. Geld zurück,
ihr selbigen Arbeitern in Arbeitslohn gezahlter variabler Kapitalwert
von 400, womit sie Arbeitskraft von neuem kaufen können.

2. Ein Teil der 400m (a), gleich den 100 (b), also !/4 des Mehr-
werts (a), wird realisiert in Luxusartikeln wie folgt: Die Arbeiter (b)
erhielten von den Kapitalisten ihrer Abteilung (b) in Arbeitslohn
100 Pfd. Sterl.; sie kaufen damit !/4 von m (a), das heißt Waren, die
in notwendigen Lebensmitteln bestehen; die Kapitalisten von a kaufen
mit diesem Geld zum selben Wertbelauf Luxusartikel gleich 100 (b),
das heißt eine Hälfte der ganzen Luxusproduktion. Damit kehrt den
Kapitalisten b ihr variables Kapital in Geldform zurück und sie können
durch Erneuerung des Ankaufs der Arbeitskraft ihre Reproduktion
von neuem beginnen, da das ganze konstante Kapital der Gesamt-
klasse II schon ersetzt ist durch den Austausch von I + m) gegen ITe.
Die Arbeitskraft der Luxusarbeiter ist also nur dadurch neu verkäuf-
lich, daß der als Aequivalent für ihren Arbeitslohn geschaffene Teil
ihres eigenen Produkts, von den Kapitalisten IIa in ihren Konsum-
tionsfonds gezogen, vermöbelt wird. (Dasselbe gilt für den Verkauf
der Arbeitskraft sub I, da das IIce, wogegen sich I (v + m) austauscht,
sowohl aus Luxusmitteln wie notwendigen Lebensmitteln besteht
und, was durch I (v + m) erneuert wird, sowohl die Produktionsmittel
der Luxus- wie der notwendigen Lebensmittel ausmacht.)

3, Wir kommen zum Austausch zwischen a und b, soweit er nur
Austausch der Kapitalisten der beiden Unterabteilungen. Durch das
Bisherige ist erledigt das variable Kapital (400v) und ein Teil des
Mehrwerts (100m) in a und das variable Kapital (100v) in b. Wir
nahmen ferner an als Durchschnittsverhältnis der kapitalistischen
Revenue-Ausgabe in beiden Klassen ?/; für Luxus und */s für not-
wendige Lebensbedürfnisse. Außer den bereits für Luxus aus-
gegebenen 100 entfällt daher auf die ganze Unterklasse a noch 60
für Luxus und im selben Verhältnis, das heißt 40, auf b.

(Ila)m wird also verteilt auf 240 für Lebensmittel und 160 für
Luxusmittel gleich 240 + 160 = 400m (IIa).

(IIb)m verteilt sich in 60 für Lebensmittel und 40 für Luxus:
60 + 40 = 100m (ITb). Die letzten 40 konsumiert diese Klasse aus
ihrem eigenen Produkt (?/s ihres Mehrwerts); die 60 für Lebensmittel
erhält sie dadurch, daß sie 60 ihres Mehrprodukts für 60m (a) aus-
tauscht.
        <pb n="399" />
        Dritter Abschnitt
Wir haben also für die ganze Kapitalistenklasse II (wobei v + m
bei Unterabteilung a in notwendigen Lebensmitteln existiert, bei b
in Luxusmitteln):
11a (400v + 400m) +IIb (100 4+- 100m) = 1000; durch die Be-
wegung so realisiert: 500, (a -+ b) (realisiert in 400, (a) und 100m (a) )
+500m (@ + b) (realisiert in 300m (a) + 100v (b) + 100m (b)) = 1000.
Für a und b, jedes für sich betrachtet, erhalten wir die Reali-
sation:
) a N 800
a ea "A —.
400+ (a) 240m (a) + 100v (b) + 60m (b) ;
DHL mn RL 200
100m (a) 60m (a) + 40m (b) °C
1000
Halten wir der Einfachheit halber dasselbe Verhältnis zwischen
variablem und konstantem Kapital fest (was beiläufig durchaus
nicht nötig), so kommt auf 400v (a) ein konstantes Kapital von
1600 und auf 1007 (b) ein konstantes Kapital von 400, und wir
haben für II folgende zwei Abteilungen a und b:
IIa) 16000 + 400v + 400m = 2400
IIb) 4000 + 100v + 100m = 600
und zusammen:

346

2000c + 500vr + 500m = 3000.

Dementsprechend sind von den 2000 IIe in Konsumtionsmitteln,
die ausgetauscht werden gegen 2000 I iv + m), 1600 umgesetzt in Pro-
duktionsmittel von notwendigen Lebensmitteln und 400 in Produk-
tionsmittel von Luxusmitteln.

Die 2000 I (v + m) würden also selbst zerfallen in (800v -+ 800m)
I für IIa gleich 1600 Produktionsmittel notwendiger Lebensmittel
und (200v + 200m) I für IIb gleich 400 Produktionsmittel für
Luxusmittel.
Ein bedeutender Teil nicht nur der eigentlichen Arbeitsmittel,
sondern auch der Roh- und Hilfsstoffe ete. für beide Abteilungen ist
gleichartig. Was aber die Umsetzungen der verschiedenen Wertteile
des gesamten Produkts I iv + m) betrifft, so wäre diese Teilung ganz
gleichgültig. Sowohl die obigen 800 Iv wie 200 Iv werden dadurch
realisiert, daß der Arbeitslohn in Konsumtionsmitteln 1000 IIe ver-
ausgabt wird, also das für selben vorgeschosgene Geldkapital gleich-
mäßig sich bei der Rückkehr verteilt unter die kapitalistischen
Produzenten I, ihnen pro rata ihr vorgeschossenes variables Kapital
wieder in Geld ersetzt; anderseits, was die Realisation der 1000 Im
betrifft, so werden auch hier die Kapitalisten gleichmäßig (propor-
tionell zur Größe ihres m) aus der gesamten zweiten Hälfte von IIe
gleich 1000, 600 IIa und 400 IIb in Konsumtionsmitteln ziehen.
        <pb n="400" />
        6%

mM
bh

.{)

1

N
3
3

Zwanzigstes Kapitel

347
Also diejenigen, welche das konstante Kapital von ITa ersetzen:

480 (3/5 %%) aus 6000 (IIa) und 320 (?/5) aus 400« (IIb) = 800

Diejenigen, die das konstante Kapital von IIb ersetzen:

120 (*/s) aus 600e (IIa) und 80 (?/s) aus 400e (IIb) = 200
Summa = 1000.

Was hier willkürlich ist, sowohl für I wie für IT, ist das Verhält-
nis des variablen Kapitals zum konstanten, wie die Dieselbigkeit
dieses Verhältnisses für I und II und für ihre Unterabteilungen. Was
diese Dieselbigkeit angeht, so ist sie nur der Vereinfachung wegen
hier angenommen, und die Annahme verschiedener Verhältnisse
würde absolut nichts ändern an den Bedingungen des Problems und
an seiner Lösung. Was sich aber als notwendiges Resultat ergibt bei
Voraussetzung einfacher Reproduktion, ist:

1. Daß das unter Naturalform von Produktionsmitteln geschaf-
fene neue Wertprodukt der Jahresarbeit (zerfällbar in v + m) gleich
sei dem konstanten Kapitalwert ce des durch den andern Teil der
Jahresarbeit hergestellten Produktenwerts, reproduziert in Form
von Konsumtionsmitteln. Wäre es geringer als IIc, so könnte II
sein konstantes Kapital nicht ganz ersetzen; wäre es größer, so bliebe
ein Ueberschuß unbenutzt liegen. In beiden Fällen wäre die Voraus-
setzung: einfache Reproduktion, verletzt.

2. Daß bei dem unter Form von Konsumtionsmitteln reprodu-
zierten Jahresprodukt das in Geldform vorgeschossene variable
Kapital v von dessen Empfängern, soweit sie Luxusarbeiter sind,
nur realisierbar ist in .dem Teil der notwendigen Lebensmittel, der
den kapitalistischen Produzenten derselben ihren Mehrwert prima
facie verkörpert: daß also das v, ausgelegt in der Luxusproduktion,
gleich ist einem seinem Wertumfang entsprechenden Teil von. m,
produziert unter der Form von notwendigen Lebensmitteln, also
kleiner sein muß als dieses gesamte m -— nämlich [nur gleich] (IIa)m —
und daß nur durch die Realisierung jenes v in diesem Teil von m
den kapitalistischen Produzenten der Luxusartikel ihr vorgeschosse-
nes variables Kapital in Geldform zurückkehrt. Es ist dies ein ganz
analoges Phänomen wie die Realisierung von I (v + m) in IIc, nur daß
im zweiten Fall (IIb)v sich realisiert in einem ihm dem Wertumfang
nach gleichen Teil von (IIa)m. Diese Verhältnisse bleiben. qualitativ
maßgebend bei jeder Verteilung des jährlichen Gesamtprodukts,
soweit es in den Prozeß der jährlichen durch Zirkulation vermittelten
Reproduktion wirklich eingeht. I v+m) kann nur realisiert werden
in IIe, wie IIo in seiner Funktion als Bestandteil des produktiven
Kapitals nur erneubar durch diese Realisation; ebenso ist (IIb)v nur
realisierbar in einem Teil von (IIa)m, und (IIb)- nur so wieder rück-
verwandelbar in seine Form als Geldkapital. Selbstredend gilt dies
nur, soweit alles dies wirklich ein Resultat des Reproduktionsprozesses

„458 9% von 800. Ebenso später !/s von 800. Und dann bei IIb %s
ebenso wie ?% von 200. K.
        <pb n="401" />
        348

Dritter Abschnitt
selbst ist, also soweit nicht zum Beispiel die Kapitalisten IIb Geld-
kapital für v. durch Kredit anderweitig aufnehmen. Quantitativ
dagegen können die Umsetzungen der verschiedenen "Teile des
Jahresprodukts nur so proportionell stattfinden wie oben darge-
Stellt, soweit Stufenleiter und Wertverhältnisse der Produktion
stationär [unverändert] bleiben und soweit diese strengen Verhält-
nisse nicht alteriert werden durch den auswärtigen Handel.
Wenn man nun nach A. Smithscher Weise sagte, I (v + m) lösen sich
auf in ILe, und IIe löst sich auf in I v+m), oder, wie er öfter und
noch abgeschmackter zu sagen pflegt, I iv + m bilden Bestandteile des
Preises (respektive Wertes, er sagt value in exchange [Tauschwert]) von
TTc, und IT: bildet den ganzen Bestandteil des Wertes I v +m), so könnte
und müßte man ebenfalls sagen, (IIb), löst sich auf in (ILa)m, oder
{Ila)m in (IIb)-, oder (IIb)v bildet einen Bestandteil des Mehrwerts
IIa, und vice versa [umgekehrt]: der Mehrwert löste sich so auf in
Arbeitslohn, respektive variables Kapital, und das variable Kapital
bildete einen „Bestandteil“ des Mehrwerts. Diese Abgeschmackt-.
heit findet sich soweit in der Tat bei A. Smith, da bei ihm der Arbeits-
lohn bestimmt ist durch den Wert der notwendigen Lebensmittel,
diese Warenwerte dahingegen wieder durch den Wert des in ihnen
enthaltenen Arbeitslohnes (variablen Kapitals) und Mehrwerts. Er
ist so absorbiert [gefangengenommen] durch die Bruchstücke, worin
das Wertprodukt eines Arbeitstages auf kapitalistischer Basis zer-
fällbar — nämlich in v + m —, daß er ganz darüber vergißt, daß es
beim einfachen Warenaustausch ganz gleichgültig, ob die in verschie-
dener Naturalform existierenden Aequivalente aus bezahlter oder un-
bezahlter Arbeit bestehen, da sie in beiden Fällen gleich viel Arbeit
zu ihrer Produktion kosten, und daß es ebenso‘ gleichgültig ist, ob
die Ware des A ein Produktionsmittel und die des B ein Konsumtions-
mittel, ob nach dem Verkauf die eine Ware als Kapitalbestandteil
zu fungieren hat, die andere dagegen in den Konsumtionsfonds eingeht
und secundum [nach der Ansicht von] Adam als Revenue verzehrt
wird. Der Gebrauch, den der individuelle Käufer von seiner Ware
macht, fällt nicht in den Warenaustausch, in die Zirkulationssphäre,
und berührt nicht den Wert der Ware. Dies wird in keiner Weise
dadurch anders, daß bei Analyse der Zirkulation des jährlichen gesell-
schaftlichen Gesamtprodukts die bestimmte Gebrauchsbestimmung,
las Moment der Konsumtion der verschiedenen Bestandteile jenes
Produkts in Betracht kommen muß.

Bei obig konstatierter Umsetzung von (IIb)-, gegen einen gleich-
wertigen Teil von (IIa)m und bei den weiteren Umsetzungen zwischen
(ITa)m und (IIb)m ist keineswegs vorausgesetzt, daß, seien es die
einzelnen Kapitalisten von IIa und IIb, seien es ihre respektiven
Gesamtheiten, sie im selben. Verhältnis ihren Mehrwert zwischen not-
wendigen Konsumtionsgegenständen und Luxusmitteln teilen. Einer
mag mehr in dieser Konsumtion, ein anderer mehr in jener veraus-
zaben. Auf dem Boden der einfachen Reproduktion ist nur voraus-
        <pb n="402" />
        7.

7

n

Zwanzigstes Kapitel

349
gesetzt, daß eine Wertsumme gleich dem ganzen Mehrwert in Kon-
sumtionsfonds realisiert wird. Die Grenzen sind also gegeben. Inner-
halb jeder Abteilung mag der eine mehr in a, der andere mehr in b
leisten; dies kann sich aber wechselseitig kompensieren, so daß die
Kapitalistenklasse a und b, als ganze genommen, sich je im selben
Verhältnis an beiden beteiligen. Die Wertverhältnisse — der pro-
portionelle Anteil am Gesamtwert des Produkts II für die zwei Sorten
Produzenten a und h, also auch ein bestimmtes quantitatives Verhält-
nis zwischen den Produktionszweigen, welche jene Produkte liefern —
sind aber notwendig gegeben in jedem konkreten Fall; nur das Ver-
hältnis, das beispielsweise figuriert, ist ein hypothetisches; wird ein
anderes angenommen, so ändert dies nichts an den qualitativen Mo-
menten; nur die quantitativen Bestimmungen würden sich ändern.
Tritt aber durch irgendwelche Umstände eine wirkliche Veränderung
in der proportionellen Größe von a und b ein, so würden sich auch die
Bedingungen der einfachen Reproduktion entsprechend ändern.

Aus dem Umstand, daß (IIb)v realisiert wird. in einem äquiva-
lenten Teil von (IIa)m, folgt, daß im Verhältnis, wie der Luxusteil
des jährlichen Produkts wächst, wie also ein steigendes Quotum der
Arbeitskraft absorbiert wird in der Luxusproduktion — daß im
selben Verhältnis die Rückverwandlung des in (IIb)v vorgeschossenen
variablen Kapitals in Geldkapital, das von neuem als Geldform des
variablen Kapitals fungiert, und damit die Existenz und Reproduktion
des in IIb beschäftigten Teils der Arbeiterklasse — ihre Zufuhr not-
wendiger Konsumtionsmittel — bedingt wird durch die Verschwen-
dung der Kapitalistenklasse, den Umsatz eines hedeutenden Teils
ihres Mehrwerts in Luxusartikel.

‚Jede Krise vermindert die Luxuskonsumtion momentan; sie ver-
langsamt, verzögert die Rückverwandlung des (IIb), in Geldkapital,
läßt sie nur teilweise zu und wirft damit einen Teil der Luxusarbeiter
aufs Pflaster, während sie anderseits den Verkauf der notwendigen
Konsumtionsmittel eben dadurch auch ins Stocken bringt und. ver-
ringert. Ganz abgesehen von den gleichzeitig abgedankten, unpro-
duktiven Arbeitern, die für ihre Dienste einen Teil der Luxusausgabe
der Kapitalisten empfangen 15 (diese Arbeiter selbst sind pro tanto
Luxusartikel) und die sich sehr stark beteiligen namentlich auch an
der Konsumtion notwendiger Lebensmittel etc. Umgekehrt in der
Properitätsperiode und namentlich während der Zeit ihrer Schwindel-
blüte — wo schon aus andern Gründen der relative, in Waren aus-
gedrückte Wert des Geldes fällt (ohne wirkliche sonstige Wertrevolu-
tion), also der Preis der Waren unabhängig von ihrem eigenen Wert
steigt. Nicht nur steigt die Konsumtion notwendiger Lebensmittel;
die Arbeiterklasse (in die nun ihre ganze Reservearmee aktiv

45b In der 1. Auflage lautet der Satz: „...die für ihre Dienste einen
Teil der Ausgabe der Kapitalisten in Luxus bilden.“ K.
        <pb n="403" />
        350.

Dritter Abschnitt
eingetreten) nimmt auch momentan Anteil an der Konsumtion ihr
sonst unzugänglicher Luxusartikel, außerdem auch an der Klasse der
notwendigen Konsumtionsartikel, die sonst zum größten Teil „not-
wendige‘“‘ Konsumtionsmittel nur für die Kapitalistenklasse bildet,
was seinerseits eine Steigerung der Preise hervorruft.

Es ist eine reine Tautologie, zu sagen, daß die Krisen aus Mangel
an zahlungsfähiger Konsumtion oder an zahlungsfähigen Konsumen-
ten hervorgehen, Andere Konsumarten als zahlende kennt, das ka-
pitalistische System nicht, ausgenommen die sub forma pauperis [in
Gestalt des Almosenempfängers] oder die des „Spitzbuben‘. Daß
Waren unverkäuflich sind, heißt nichts, als daß sich keine zahlungs-
fähigen Käufer für sie fanden, also Konsumenten (sei es nun, daß die
Waren in letzter Instanz zum Behuf produktiver oder individueller
Konsumtion gekauft werden). Will man aber dieser Tautologie einen
Schein tieferer Begründung dadurch geben, daß man sagt, die Ar-
beiterklasse erhalte einen zu geringen Teil ihres eigenen Produkts
und dem Uebelstand werde mithin abgeholfen, sobald sie größeren
Anteil davon empfängt, ihr Arbeitslohn folglich wächst, so ist nur
zu bemerken, daß die Krisen jedesmal gerade vorbereitet werden
durch eine Periode, worin der Arbeitslohn allgemein steigt und die
Arbeiterklasse realiter größeren Anteil an dem für die Konsumtion
bestimmten Teil des jährlichen Produkts erhält. Jene Periode müßte
— von dem Gesichtspunkt. dieser Ritter vom gesunden und „ein-
fachen‘‘ (!) Menschenverstand — umgekehrt die Krise entfernen. Es
scheint also, daß die kapitalistische Produktion vom guten oder bösen
Willen unabhängige Bedingungen einschließt, die jene relative Pro-
sperität der Arbeiterklasse nur momentan zulassen, und zwar immer
nur als Sturmvogel einer Krise, 4%

Man sah vorhin, wie das proportionelle Verhältnis zwischen der
Produktion notwendiger Konsumtionsmittel und der Produktion von
Luxus die Teilung von II w + m zwischen IIa und ITIb bedingte — also
auch die von IIe zwischen (IIa)e und (IIb)e. Sie greift also den Cha-
rakter und die quantitativen Verhältnisse der Produktion bis an die
Wurzel an und ist ein wesentlich bestimmendes Moment ihrer Ge-
samtgestaltung.

Die einfache Reproduktion ist der Sache nach auf die Konsum-
tion als Zweck gerichtet, obgleich die Ergatterung von Mehrwert als
treibendes Motiv der individuellen Kapitalisten erscheint; aber der
Mehrwert — welches immer seine proportionelle Größe — soll
schließlich hier dienen nur für die individuelle Konsumtion des
Kapitalisten.

Soweit die einfache Reproduktion Teil und bedeutendster Teil
auch jeder jährlichen Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter,
bleibt dies Motiv in Begleitung von und im Gegensatz zu dem Motiv

‘ Ad notam für etwaige Anhänger der Rodbertusschen Krisentheorie.
FF. E.
        <pb n="404" />
        EL

Zwanzigstes Kapitel

351
der Bereicherung als solcher. Die Sache erscheint in Wirklichkeit
verwickelter, weil Teilnehmer (partners) an der Beute — dem Mehr-
wert des Kapitalisten — als von ihm unabhängige Konsumenten
auftreten.

V. Die Vermittlung der Umsätze durch die Geldzirkulation.

Soweit bisher entwickelt, verlief die Zirkulation zwischen den
verschiedenen Klassen von Produzenten nach folgendem Schema:

1. Zwischen Klasse I und Klasse II:

I. 4000c + 1000v + 1000m
na, &gt;
II 000000040000 ,20006. .. . + 500v + 500m,

Abgemacht ist also die Zirkulation von IIc= 2000, das um-
gesetzt ist gegen I (1000v + 1000m).

Es bleibt — da wir 4000 Ic einstweilen beiseite lassen — noch
die Zirkulation von v + m innerhalb Klasse II. Nun teilen sich
IL v + m) zwischen die Unterklassen IIa und IIb wie folgt:

2. II. 5007 + 500m = a (4007 + 400m) + b (100v + 100m). ;

Die 400 (a) zirkulieren innerhalb ihrer eigenen Unterklasse; die
damit bezahlten Arbeiter kaufen dafür von ihnen selbst produzierte
notwendige Lebensmittel von ihren Anwendern, den Kapitalisten IIa.

Da die Kapitalisten beider Unterklassen ihren Mehrwert je zu
3/5 in Produkten von IIa (notwendigen Lebensmitteln) und zu */s in
Produkten von IIb (Luxusmitteln) verausgaben, so werden 3/5 des
Mehrwerts a, also 240, innerhalb der Unterklasse ITa selbst verzehrt;
ebenso ?/, des Mehrwerts b (der in Luxusmitteln produziert und vor-
handen ist) innerhalb der Unterklasse IIb:

Es bleiben zwischen IIa und IIb also noch auszutauschen:

auf Seite IIa: 160m,
auf Seite IIb: 100v + 60m.

Diese gehen ineinander auf. Die Arbeiter IIb kaufen für ihre
in Geldliohn erhaltenen 100 von IIa notwendige Lebensmittel im
Betrag von 100. Die Kapitalisten IIb kaufen zum Betrag von
3/; ihres Mehrwerts gleich 60 ebenfalls ihre notwendigen Lebensmittel
von IIa. Die Kapitalisten ITa erhalten damit das nötige Geld, um
die oben angenommenen */, ihres Mehrwerts gleich 160m in den von
IIb produzierten Luxuswaren anzulegen (100, die in den Händen
der Kapitalisten IIb als den gezahlten Arbeitslohn ersetzendes Pro-
dukt lagern, und 60m). Das Schema hierfür ist also:

3. ITa, (4007) + (240m) + 160m

A
Dass.0.0000000401 100v + 60m + (40m),
wo die eingeklammerten Posten diejenigen sind, die nur innerhalb
ihrer eigenen Unterklasse zirkulieren und verzehrt werden. ;

Der direkte Rückfluß des in variablem Kapital vorgeschossenen

Geldkapitals, der nur stattfindet für die Kapitalistenabteilung IIa,
Das Kapital. II. a8
        <pb n="405" />
        352

Dritter Abschnitt
die notwendige Lebensmittel produziert, ist nur eine durch spezielle
Bedingungen modifizierte Erscheinung des früher erwähnten allge-
meinen Gesetzes, daß den Warenproduzenten, die der Zirkulation
Geld vorschießen, selbes zurückkehrt bei normalem Verlauf der Wa-
renzirkulation. Woraus beiläufig folgt, daß, wenn hinter dem Waren-
produzenten überhaupt ein Geldkapitalist steht, der wieder dem
industriellen Kapitalisten Geläkapital (in dem strengsten Sinne des
Wortes, also Kapitalwert in Geldform) vorschießt, der eigentliche
Rückflußpunkt dieses Geldes die Tasche dieses Geldkapitalisten ist.
In dieser Weise, obgleich das Geld durch alle Hände mehr oder weni-
ger zirkuliert, gehört die Masse des zirkulierenden Geldes der in Form
von Banken ete. organisierten und konzentrierten Abteilung des
Geldkapitals; die Art, wie diese ihr Kapital vorschießt, bedingt den
beständigen finalen [schließlichen] Rückfluß in Geldform zu ihr, ob-
gleich dies wieder vermittelt ist durch die Rückverwandlung des indu-
Striellen Kapitals in Geldkapital.

Zur Warenzirkulation ist immer zweierlei nötig: Waren, die in
Zirkulation geworfen werden, und Geld, das in Zirkulation geworfen
wird. „Der Zirkulationsprozeß erlischt... nicht, wie der unmittel-
bare Produktenaustausch, in dem Stellen- oder Händewechsel der
Gebrauchswerte. Das Geld verschwindet nicht, weil es schließlich
aus der Metamorphosenreihe einer Ware herausfällt. Es schlägt im-
mer nieder auf eine durch die Waren geräumte Zirkulationsstelle‘“
etc. (Buch I, Kapitel III, 2. Aufl., S. 92, V. 8. 72.)

Zum Beispiel in der Zirkulation zwischen ITe und I v + m) nahmen
wir an, daß für diese Zirkulation 500 Pfd. Sterl, in Geld von II vorge-
schossen werden. Bei der unendlichen Zahl Zirkulationsprozesse, worin
sich die Zirkulation zwischen großen gesellschaftlichen Gruppen von
Produzenten auflöst, wird bald einer aus dieser, bald einer aus jener
Gruppe zuerst als Käufer auftreten — also Geld in Zirkulation wer-
fen. Es ist das; ganz abgesehen von individuellen Umständen, schon
bedingt durch die Verschiedenheit der Produktionsperioden und da-
her der Umschläge der verschiedenen Warenkapitale. Also II kauft,
mit 500 Pfd. Sterl. zum selben Wertbetrag Produktionsmittel von 1,
dieses aber kauft von IT Konsumtionsmittel für 500 Pfd. Sterl.; das
Geld fließt also zurück zu II; letzteres wird in keiner Weise bereichert

durch diesen Rückfluß., Es warf erst für 500 Pfd. Sterl. Geld in Zir-
kulation und zog zum selben Wertbetrag Waren aus ihr heraus, es
verkauft dann für 500 Pfd. Sterl. Waren und zieht zum selben Wert-
betrag Geld aus ihr heraus; so fließen die 500 Pfd. Sterl. zurück.
In der Tat hat II so in Zirkulation geworfen für 500 Pfd. Sterl.
Geld. und für 500 Pfd. Sterl. Waren gleich 1000 Pfd. Sterl.; es zieht
aus der Zirkulation heraus für 500 Pfd. Sterl. Waren und für 500 Pfd.
Sterl. Geld, Die Zirkulation braucht für den Umsatz von 500 Pfd.
Sterl. Waren (I) und 500 Pfd. Sterl. Waren (II) nur 500 Pfd. Sterl.
Geld; wer das Geld also vorgeschossen beim Kauf fremder Ware,
erhält es wieder beim Verkauf eigener. Hätte daher I zuerst von IT
        <pb n="406" />
        353
gekauft Ware für 500 Pfd. Sterl. und später an II verkauft Ware
für 500 Pfad. Sterl., so würden die 500 Pfd. Sterl. zu I statt zu II
zurückkehren.

In Klasse I kehrt das in Arbeitslohn angelegte Geld, das heißt
das in Geldform vorgeschossene variable Kapital in dieser Form nicht
direkt, sondern indirekt zurück, auf einem Umweg. In II dagegen
kehren die 500 Pfd. Sterl. Arbeitslohn direkt von den Arbeitern an
die Kapitalisten zurück, wie diese Rückkehr immer direkt ist, wo
Kauf und Verkauf zwischen denselben Personen sich so wiederholt,
daß sie abwechselnd einander als Käufer und Verkäufer von Waren
beständig gegenübertreten. Der Kapitalist IT zahlt die Arbeitskraft
in. Geld; er verleibt dadurch die Arbeitskraft seinem Kapital ein und
tritt nur durch diesen Zirkulationsvorgang, der für ihn nur Verwand-
lung von Geläkapital in produktives Kapital ist, als industrieller
Kapitalist dem Arbeiter als seinem Lohnarbeiter gegenüber. Dann
aber tritt der Arbeiter, der in erster Instanz Verkäufer, Händler in
eigener Arbeitskraft war, in zweiter Instanz als. Käufer, als Geld-
besitzer, dem Kapitalisten als dem Warenverkäufer gegenüber; da-
mit fließt diesem das in Arbeitlohn ausgelegte Geld zurück. Soweit
der Verkauf dieser Waren nicht Prellerei ete. einschließt, sondern
Aequivalente in Ware und Geld ausgetauscht werden, ist derselbe
nicht ein Prozeß, wodurch der Kapitalist sich bereichert. Er. zahlt
den Arbeiter nicht zweimal, erst in Geld und dann in Ware; sein
Geld kehrt zu ihm zurück, sobald der Arbeiter es in Ware bei ihm
auslöst.

Das in variables Kapital verwandelte Geldkapital — also das
in Arbeitslohn vorgeschossene Geld — spielt aber eine Hauptrolle
in der Geldzirkulation selbst, weil —- da die Arbeiterklasse von der
Hand in den Mund leben muß, also den industriellen Kapitalisten
keine langen Kredite geben kann — auf zahllosen örtlich verschiede-
nen Punkten der Gesellschaft gleichzeitig variables Kapital in Geld
vorgeschossen werden muß in gewissen kurzen Terminen, wie Woche
ete. — in relativ rasch sich wiederholenden Zeitabschnitten (je
kürzer diese Abschnitte, desto kleiner kann relativ die durch diesen
Kanal auf einmal in Zirkulation geworfene gesamte Geldsumme sein)
— welches auch immer die verschiedenen Umschlagsperioden der
Kapitale in verschiedenen Industriezweigen sein mögen. In jedem
Land kapitalistischer Produktion bildet das so vorgeschossene Geld-
kapital einen proportionell entscheidenden Anteil an der Gesamt-
zirkulation, um so mehr, da dasselbe Geld — vor seinem Rückfluß
zum Ausgangspunkt — in den mannigfachsten Kanälen sich umtreibt
und als Zirkulationsmittel für eine Unzahl anderer Geschäfte fungiert.

Zwanzigstes Kapitel

Betrachten wir jetzt die Zirkulation zwischen I iv +» und ITe von
einem andern Gesichtspunkt aus.

Die Kapitalisten I schießen 1000 Pfd. Sterl. in Zahlung von
Arbeitslohn vor, womit die Arbeiter für 1000 Pfd. Sterl. Lebensmittel
        <pb n="407" />
        354

Dritter Abschnitt
kaufen von den Kapitalisten II und diese wieder für dasselbe Geld
Produktionsmittel von den Kapitalisten I. Letzteren ist ihr variables
Kapital in Geldform nun zurückgekehrt, während die Kapitalisten II
die Hälfte ihres konstanten Kapitals aus der Form von Warenkapital
in produktives Kapital rückverwandelt haben. Die Kapitalisten II
schießen. weitere 500 Pfd. Sterl. Geld vor, um Produktionsmittel bei
I zu heben; die Kapitalisten I verausgaben das Geld in Konsum-
tionsmitteln von II; diese 500 Pfd. Sterl. fließen so den Kapitalisten II
zurück; sie schießen sie von neuem vor, um das letzte Viertel ihres
in Ware verwandelten konstanten Kapitals rückzuverwandeln in
seine produktive Naturalform. Dies Geld. strömt wieder zu I zurück
und hebt von neuem bei II Konsumtionsmittel zu gleichem Betrage;
damit fließen die 500 Pfd. Sterl. zurück an II; dessen Kapitalisten
sind jetzt wie vorhin im Besitz von 500 Pfd. Sterl. Geld und 2000 Pfd.
Sterl. konstantem Kapital, das aber aus der Form von Warenkapital
in produktives Kapital neu umgesetzt worden ist. Mit 1500 Pfd.
Sterl. Geld ist eine Warenmasse von 5000 Pfd. Sterl. zirkuliert
worden; nämlich 1. I zahlt an die Arbeiter 1000 Pfd. Sterl. für Arbeits-
kraft zum gleichen Wertbelauf; 2. die Arbeiter kaufen mit selben
1000 Pfd. Sterl. Lebensmittel von IT; 3. II kauft mit demselben Geld
Produktionsmittel von I, dem damit 1000 Pfd. Sterl. variables Ka-
pital in Geldform wieder hergestellt ist; 4. II kauft mit 500 Pfd.
Sterl. Produktionsmittel von I; 5. I kauft mit selben 500 Pfd. Sterl.
Konsumtionsmittel von II; 6. II kauft mit selben 500 Pfd. Sterl.
Produktionsmittel von I; 7. I kauft mit selben 500 Pfd. Sterl. Lebens-
mittel von II. An II sind 500 Pfd. Sterl. zurückgeflossen, die es
außer seinen 2000 Pfd. Sterl. in Ware in Zirkulation warf und für
die es der Zirkulation kein Aequivalent in Ware entzogen.4?
Die Umsetzung verläuft also wie folgt:

1. I zahlt 1000 Pfad. Sterl. Geld für Arbeitskraft, also für Ware
gleich 1000 Pfd. Ster].

2. Die Arbeiter kaufen mit ihrem Arbeitslohn zum Geldbetrag
von 1000 Pfd. Sterl. Konsumtionsmittel von II; also Ware gleich
1000 Pfd. Sterl.
3. II kauft für die von den Arbeitern gelösten 1000 Pfd. Sterl.
zum selben Wert Produktionsmittel von I; also Ware gleich 1000 Pfd.
Sterl.

Damit sind 1000 Pfd. Sterl. Geld als Geldform des variablen
Kapitals an I zurückgeflossen.

4. II kauft für 500 Pfd. Sterl. Produktionsmittel von I; also
Ware gleich 500 Pfd. Sterl.

‘7 Die Darstellung weicht hier etwas ab von der oben (3. 340) gegebenen.
Dort warf auch I eine unabhängige Summe von 500 in die Zirkulation. Hier
liefert II allein das zuschüssige Geldmaterial für die Zirkulation. Dies
ändert jedoch. nichts am Schlußergebnis. F.E.
        <pb n="408" />
        355

5. I kauft für selbe 500 Pfd. Sterl. Konsumtionsmittel von II;
also Ware gleich 500 Pfd. Sterl. ;

6. II kauft für selbe 500 Pfd. Sterl. Produktionsmittel von I;
also Ware gleich 500 Pfd. Sterl.

7. I kauft für selbe 500 Pfd., Sterl. Konsumtionsmittel von IT;
also Ware gleich 500 Pfd. Sterl,

Summe des umgesetzten Warenwerts [inbegriffen die Ware
Arbeitskraft] gleich 5000 Pfd. Sterl.

Die 500 Pfd. Sterl., die II im Kauf vorgeschoössen, sind zu ihm
zurückgekehrt.

Resultat ist:

1. I besitzt variables Kapital in Geldform zum Belauf von 1000
Pfd. Sterl., die es ursprünglich der Zirkulation vorschoß; es hat
außerdem verausgabt für seine individuelle Konsumtion 1000 Pfd,
Sterl. — in seinem eigenen Warenprodukt; das heißt, es hat das Geld
verausgabt, das es für den Verkauf von Produktionsmitteln zum Wert-
betrag von 1000 Pfd. Sterl. einnahm.

Anderseits ist die Naturalform, worin sich das in Geldform exi-
stierende variable Kapital umsetzen muß — das heißt die Arbeits-
kraft —, durch den Konsum erhalten, reproduziert und wieder
vorhanden als derjenige einzige Handelsartikel ihrer Besitzer, den
diese verkaufen müssen, wenn sie leben wollen. Es ist also auch
reproduziert das Verhältnis von Lohnarbeitern und Kapitalisten.

2. Das konstante Kapital von II ist in natura ersetzt, und die
von selbem II der Zirkulation vorgeschossenen 500 Pfd. Sterl. sind
ihm rückgekehrt.

Für die Arbeiter I ist die Zirkulation die einfache von W— G—W
1 2
W (Arbeitskraft) — G (1000 Pfad. Sterl., Geldfiorm des variablen

Zwanzigstes Kapitel

3
Kapitals I)—W (notwendige Lebensmittel zum Betrage von 1000 Pfd.
Sterl.); diese 1000 Pfd. Sterl. versilbern bis zum selben Wertbetrag
das in Form von Ware — Lebensmitteln — existierende konstante
Kapital IL.

Für die Kapitalisten II ist der Prozeß: W — G, Verwandlung
eines. Teils ihres Warenprodukts in Geldform, woraus es rückver-
wandelt wird in Bestandteile des produktiven Kapitals — nämlich
in einen Teil der ihnen notwendigen Produktionsmittel.

Bei dem Vorschuß von G (500 Pfd. Sterl.), den die Kapitalisten II
machen zum Ankauf der andern Teile der Produktionsmittel, ist die
Geldform des noch in Warenform (Konsumtionsmitteln) existieren-
den Teils von IIe antizipiert; im Akt G — W, wo II mit G kauft
und W von I verkauft wird, verwandelt sich das Geld (II) in einen
Teil des produktiven Kapitals, . während W (I) den Akt W—G
durchmacht, sich in Geld verwandelt, das aber keinen Bestandteil
des Kapitalwerts für I vorstellt, sondern versilberten Mehrwert, der
nur in: Konsumtionsmitteln: verausgabt wird. e
        <pb n="409" />
        356

Dritter Abschnitt
In der Zirkulation G —W...P...W’-— G' ist der erste Akt
G — W des einen Kapitalisten der letzte W’— G' eines andern. (oder
Teil davon); ob dies W, wodurch G in produktives Kapital umgesetzt
wird, für den Verkäufer von W (der also dies W in Geld umsetzt)
konstanten Kapitalbestandteil, variablen Kapitalbestandteil oder
Mehrwert vorstellt, ist für die Warenzirkulation selbst durchaus
gleichgültig.

Was die Klasse I in bezug auf den Bestandteil v + m ihres
Warenprodukts angeht, so zieht sie mehr Geld aus der Zirkulation
heraus, als sie hineingeworfen hat. Erstens kehren ihr die 1000 Pfd.
Sterl. variables Kapital zurück; zweitens verkauft sie (siehe oben,
Umsetzung Nr. 4) für 500 Pfad. Sterl. Produktionsmittel; damit ist
die Hälfte ihres Mehrwerts versilbert; dann (Umsetzung Nr. 6) ver-
kauft sie wieder für 500 Pfd. Sterl. Produktionsmittel, die zweite
Hälfte ihres Mehrwerts, und damit ist der ganze Mehrwert in Geld-
form der Zirkulation entzogen worden; also sukzessive: 1. variables
Kapital in Geld rückverwandelt gleich 1000 Pfd. Sterl.; 2. die Hälfte
des Mehrwerts versilbert gleich 500 Pfd. Sterl.; 3. die andere Hälfte
des Mehrwerts gleich 500 Pfad. Sterl.; also Summa: 10007 + 1000m
versilbert gleich 2000 Pfd. Sterl. Obgleich I (abgesehen von den
später zu betrachtenden Umsätzen, die die Reproduktion von Ice ver-
mitteln) nur 1000 Pfd. Sterl. in Zirkulation warf, hat es ihr doppelt
soviel entzogen. Natürlich verschwindet das versilberte (in G ver-
wandelte) m sofort wieder in andere Hand {II) dadurch, daß dies
Geld in Konsumtionsmitteln vermöbelt wird. Die Kapitalisten von
[haben nur soviel in Geld entzogen, als sie an Wert in Ware hinein-
warfen; daß dieser Wert Mehrwertist, das heißt den Kapitalisten nichts
kostet, ändert absolut nichts am Wert dieser Waren selbst, ist also,

soweit es sich um Wertumsatz in der Warenzirkulation handelt, voll-
ständig gleichgültig. Die Versilberung des Mehrwerts ist natürlich
verschwindend wie alle andern Formen, die das vorgeschossene Ka-
pital in seinen Umsetzungen durchläuft. Sie dauert gerade nur so
jange wie der Zwischenraum zwischen Verwandlung der Ware I in
Geld und der darauffolgenden Verwandlung des Geldes I in Ware II.

Wären die Umschläge kürzer angenommen — oder, vom Stand-
punkt einfacher Warenzirkulation aus betrachtet, die Anzahl der
Umläufe des zirkulierenden Geldes rascher —, SO wäre noch weniger
Geld hinreichend, um die umgesetzten Warenwerte zu zirkulieren;
die Summe ist stets bestimmt — wenn die Anzahl der Sukzessiven
Umsätze gegeben — durch. die Preissumme respektive Wertsumme
der zirkulierenden Waren. Welche Proportion dieser Wertsumme
aus Mehrwert einerseits und Kapitalwert anderseits besteht, ist da-
vei durchaus gleichgültig.

Würde in unserm Beispiel der Arbeitelohn bei I viermal des
Jahres ausgezahlt, so 4 x 250 = 1000. Es würden also 250 Pfd.
Sterl. in Geld hinreichen für die Zirkulation Ivy — 14AITe und für die
Zirkulation zwischen dem variablen Kapital Iv und der Arbeitskraft I.
        <pb n="410" />
        Zwanzigstea Kapitel

357

Ebenso wären, wenn die Zirkulation zwischen Im und ITe in vier Um-
schlägen erfolgt, nur 250 Pfd. Sterl. dazu nötig, also im ganzen eine
Geldsumme respektive ein Geldkapital von 500 Pfd. Sterl. für Zir-
kulation von Waren zum Betrag von 5000 Pfd. Sterl. Der Mehrwert
würde dann statt zweimal sukzessive zur Hälfte jetzt viermal suk-
zessive zu *!/, versilbert.

Wenn statt II in Umsetzung Nr. 4 I als Käufer auftritt, also
500 Pfd. Sterl. Geld in Konsumtionsmitteln vom selben Wert-
umfang verausgabt, so kauft dann II in Umsetzung Nr. 5 Produk-
tionsmittel mit denselben 500 Pfd. Sterl.; [in Umsetzung] 6:
I kauft Konsumtionsmittel mit selben 500 Pfad. Sterl.; [in Um-
setzung] 7: II kauft mit selben 500 Pfd. Sterl. Produktions-
mittel; die 500 Pfd. Sterl. kehren also schließlich zu I wie vor-
hin zu IX zurück. Der Mehrwert wird hier versilbert durch von
seinen kapitalistischen Produzenten selbst in ihrer Privatkonsumtion
verausgabtes Geld, das antizipierte Revenue vorstellt, antizipierte
Einnahme aus dem in der noch zu verkaufenden Ware steckenden
Mehrwert. Die Versilberung des Mehrwerts findet nicht statt durch
den Rückfluß der 500 Pfd. Sterl.; denn neben den 1000 Pfd, Sterl.
in Ware Iv hat I am Schluß von Umsetzung Nr. 4 500 Pfd. Sterl.
in Geld in die Zirkulation geworfen, und dies war zuschüssig, nicht
— goviel wir wissen — Erlös verkaufter Ware. Fließt dies Geld
an I zurück, so hat I damit nur sein zuschüssiges Geld zurückerhalten,
nicht seinen Mehrwert versilbert. Die Versilberung des Mehrwerts
von I findet nur statt durch den Verkauf der Waren Im, worin er
steckt, und dauert jedesmal nur so lange, als das durch Verkauf der
Ware eingelöste Geld nicht von neuem in Konsumtionsmitteln ver-
ausgabt ist.

X kauft mit zuschüssigem Geld (500 Pfd. Sterl.) von II Kon-
sumtionsmittel; dies Geld ist verausgabt von I, es hat dafür Aequiva-
Jent in Ware II; das Geld fließt zum ersten Male zurück dadurch,
daß II von I für 500 Pfd. Sterl. Ware kauft; es fließt also zurück
als Aequivalent der von I verkauften Ware, aber diese Ware kostet
I nichts, bildet also Mehrwert für I, und so versilbert das von
ihm selbst in Zirkulation geworfene Geld seinen eigenen
Mehrwert; ebenso bei seinem zweiten Kauf (Nr. 6) hat I sein Aequi-
valent in Ware II erhalten. Gesetzt, II kaufe nun nicht (Nr. 7)
Produktionsmittel von I, so hätte I in der Tat für 1000 Pfd. Sterl.
Konsumtionsmittel gezahlt — seinen ganzen Mehrwert als Revenue
verzehrt —, nämlich 500 in seinen Waren I (Produktionsmitteln) und
500 in Geld; es hätte dagegen noch für 500 Pfd. Sterl. in seinen
Waren I (Produktionsmitteln) auf Lager und wäre dagegen 500 Pfd.
Sterl. in Geld losgeworden.

Dahingegen hätte II drei Viertel seines konstanten Kapitals aus
der Form von Warenkapital in produktives Kapital rückverwandelt,
ein Viertel dagegen in der Form von Geldkapital (500 Pfad. Sterl.),
in der Tat von brachliegendem Geld oder seine Funktion unter-
        <pb n="411" />
        358

brechendem und abwartendem Geld. Dauerte diese Situation länger,
so müßte II die Stufenleiter der ‚Reproduktion um ein Viertel redu-
zieren, — Die 500 in Produktionsmitteln aber, die I auf dem Hals
hat, sind nicht in Warenform existierender Mehrwert; sie sind an der
Stelle der vorgeschossenen 500 Pfd. Sterl. Geld da, die I besaß neben
seinem Mehrwert von 1000 Pfd. Sterl. in Warenform. Als Geld ‘be-
finden sie sich in stets realisierbarer Form; als Ware sind sie momentan
unverkäuflich. Soviel ist klar, daß einfache Reproduktion — wo
jedes Element des produktiven Kapitals in IE wie in I ersetzt werden
muß — hier nur möglich bleibt, wenn die 500 Goldvögel. zurück-
kehren zu I, das sie zuerst ausfliegen. ließ.

Gibt ein Kapitalist (hier haben wir nur noch industrielle Kapi-
talisten vor uns, zugleich Repräsentanten aller andern) Geld aus in
Konsumtionsmitteln, so ist es für ihn alle geworden, den Weg alles
Fleisches gegangen. Fließt es wieder zu ihm zurück, so kann das
nur geschehen, soweit er es für Waren — also durch sein Wäarenkapital
— aus.der Zirkulation herausfischt. Wie der Wert seines ganzen
jährlichen Warenprodukts (das für ihn gleich Warenkapital), so ist
der jedes Elements desselben, das heißt der Wert jeder einzelnen Ware,
für ihn zerfällbar in konstanten Kapitalwert, variablen Kapitalwert
und Mehrwert. Die Versilberung jeder einzelnen der* Waren {die als
Elemente das Warenprodukt bilden) ist also zugleich Versilberung
eines gewissen Quotums des im ganzen Warenprodukt steckenden
Mehrwerts. Es ist also im gegebenen Fall wörtlich richtig, daß der
Kapitalist selbst das Geld in die Zirkulation warf — und zwar bei
Verausgabung desselben in Konsumtionsmitteln —, womit sein Mehr-
wert versilbert, alias [anders ausgedrückt] realisiert wurde. Es han-
delt sich dabei natürlich nicht um identische Geldstücke, sondern um
einen Betrag in klingendem Geld, gleich dem (oder gleicher Teil
von‘ dem), den er zur Bestreitung persönlicher Bedürfnisse in die

Zirkulation geworfen. ;
In der Praxis geschieht dies in doppelter Weise: Ist das Geschäft
erst innerhalb des laufenden Jahres eröffnet worden, so dauert es
zute Weile, im besten Fall einige Monate, bevor der Kapitalist aus
der Geschäftseinnahme selbst Geld für seinen: persönlichen Konsum
ausgeben kann. Er suspendiert [unterbricht] deswegen keinen Augen-
plick seine Konsumtion. Er schießt sich selbst (ob aus eigener oder
per Kredit aus fremder Tasche, ist hier ganz gleichgültiger Umstand)
Geld auf erst. zu ergatternden Mehrwert vor, damit aber auch zir-
kulierendes Medium [Mittel] zur Realisation später zu realisierenden
Mehrwerts.. Ist das Geschäft dagegen schon länger im regelmäßigen
Gang, so verteilen sich Zahlungen und. Einnahmen auf verschiedene
Termine während des Jahres. Eines aber geht ununterbrochen fort,
die Konsumtion des Kapitalisten, die antizipiert [vorweggenommen]
und; deren Umfang berechnet wird nach gewisser. Proportion zu der
gewohnten oder veranschlagten. Einnahme. Mit. jeder Portion‘ ver-
kaufter Ware wird auch ein Teil des jährlich zu.machenden Mehrwerts

Dritter Abschnitt
        <pb n="412" />
        Zwanzigstes Kapitel

359
realisiert. Würde aber während des ganzen Jahres nur so viel der
produzierten Ware verkauft, wie nötig, um die in ihr enthaltenen
konstanten und variablen Kapitalwerte zu ersetzen, oder fielen die
Preise so, daß beim Verkauf des ganzen jährlichen Warenprodukts
nur der in ihm enthaltene vorgeschossene Kapitalwert realisiert würde,
so träte der antizipatorische Charakter des auf künftigen Mehrwert
hin verausgabten Geldes klar hervor. Macht unser Kapitalist Fallite

[Bankerott], so untersuchen seine Gläubiger und das Gericht, ob
seine antizipierten Privatausgaben in richtiger Proportion zum Um-
fang seines Geschäfts und der selbem gewöhnlich oder normal ent-
sprechenden Mehrwerteinnahme stehen.

Mit Bezug auf die ganze Kapitalistenklasse erscheint aber der
Satz, daß sie das Geld zur Realisation ihres Melhrwerts (respektive
auch zur Zirkulation ihres Kapitals, konstanten und variablen) selbst
in die Zirkulation werfen muß, nicht nur nicht paradox, sondern als
notwendige Bedingung des ganzen Mechanismus; denn hier gibt es
nur zwei Klassen: die Arbeiterklasse, die nur über ihre Arbeitskraft
verfügt; die Kapitalistenklasse, die im Monopolbesitz der gesellschaft-
Eehen Produktionsmittel wie des Geldes ist. Das Paradoxe läge
darin, wenn die Arbeiterklasse in erster Instanz das zur Realisation
des in den Waren steckenden Mehrwerts notwendige Geld aus eigenen
Mitteln vorschösse. Der einzelne Kapitalist verrichtet diesen Vorschuß
aber immer nur in der Form, daß er als Käufer agiert, Geld ver-
ausgabt im Ankauf von Konsumtionsmitteln oder Geld vor-
schießt im Ankauf von Elementen seines produktiven Kapitals,
sei es von Arbeitskraft, sei es von Produktionsmitteln/ Er gibt das
Geld immer nur weg gegen ein Aequivalent. Er schießt der Zirku-
lation nur Geld vor in derselben Art, wie er ihr Ware vorschießt. Er
agiert beidemal als Ausgangspunkt ihrer Zirkulation.

Der wirkliche Hergang wird durch zwei Umstände verdunkelt:

1. Die Erscheinung des Handelskapitals (dessen erste Form
immer Geld, da der Kaufmann als solcher kein „Produkt“ oder
„Ware‘‘ herstellt) und des Geldkapitals als Gegenstandes deı
Manipulation einer besonderen Sorte von Kapitalisten in dem Zir-
kulationsprozeß des industriellen Kapitals.

2. Die Spaltung des Mehrwerts — der in erster Hand immer
in Hand des industriellen Kapitalisten sich befinden muß — in ver-
schiedene Kategorien, als deren Träger neben dem industriellen Ka-
pitalisten. der Grundbesitzer (für Bodenrente), der Wucherer (für
Zins) etc. erscheinen, ditto die Regierung und ihre Beamten, Ren-
tiers etc. Diese Burschen erscheinen als Käufer gegenüber dem indu-
striellen Kapitalisten und insoweit als Versilberer seiner Waren; pro
parte [ihrem Anteil entsprechend] werfen auch sie.., Geld‘ in die Zir-
kulation und er erhält es von ihnen. Wobei stets vergessen wird,
aus welcher Quelle sie es ursprünglich erhielten und. stets wieder von
neuem erhalten.
        <pb n="413" />
        Dritter Abschnitt
VI. Das konstante Kapital der Abteilung 1.*% '

Es bleibt noch zu untersuchen das konstante Kapital der Ab-
teilung I gleich 4000 Ice. Dieser Wert ist gleich dem im Warenpro-
dukt I wiedererscheinenden Wert der in der Produktion dieserWaren-
masse verzehrten Produktionsmittel. Dieser wiedererscheinende Wert;
der nicht in dem Produktionsprozeß I produziert [wurde]; sondern
das Jahr vorher als konstanter Wert in ihn eintrat, als gegebener
Wert seiner Produktionsmittel, existiert jetzt in dem ganzen‘ Teil
der Warenmasse I, die nicht von der Kategorie II absorbiert ist,
und zwar ist der Wert dieser Warenmasse, die so in der Hand der
Kapitalisten I bleibt, gleich ?/, des Wertes ihres ganzen jährlichen
Warenprodukts. Bei dem einzelnen Kapitalisten, der ein besonderes
Produktionsmittel produziert, konnten wir sagen: Er verkauft sein
Warenprodukt, er verwandelt es in Geld. Indem er es in Geld ver-
wandelt, hat er auch den konstanten Wertteil seines Produkts in
Geld rückverwandelt. Mit diesem in Geld verwandelten Wertteil
kauft er dann von andern Warenverkäufern seine Produktionsmittel
wieder ein oder verwandelt den konstanten Wertteil seines Produkts
in eine Naturalform, worin er von neuem als produktives konstantes
Kapital fungieren kann. Jetzt dagegen wird diese Voraussetzung
unmöglich. Die Kapitalistenklasse I umschließt die Gesamtheit der
Kapitalisten, die Produktionsmittel produzieren. Außerdem ist das
Warenprodukt von 4000, das in ihrer Hand geblieben, ein Teil des
gesellschaftlichen Produkts, der gegen keinen andern auszutauschen
ist, denn es existiert kein anderer solcher Teil des Jahresprodukts
mehr. Mit Ausnahme dieser 4000 ist bereits über den ganzen Rest
disponiert; ein Teil ist durch den gesellschaftlichen Konsumtions-
fonds absorbiert und ein anderer Teil hat das konstante Kapital der

Abteilung II zu ersetzen, die bereits alles ausgetauscht hat, worüber
sie im Austausch mit Abteilung I verfügen kann.

Die Schwierigkeit löst sich sehr einfach, wenn man erwägt, daß
das ganze Warenprodukt I seiner Naturalform nach aus Produktions-
mitteln besteht, das heißt aus den stofflichen Elementen des konstan-
ten Kapitals selbst. Es zeigt sich hier dasselbe Phänomen wie vorhin
sub IT, nur unter einem andern Aspekt [Gesichtspunkt]. Sub II
bestand das ganze Warenprodukt in Konsumtionsmitteln; ein Teil
desselben, gemessen durch den in diesem Warenprodukt enthaltenen
Arbeitslohn plus Mehrwert, konnte daher von seinen eigenen Produ-
zenten verzehrt werden. Hier sub I besteht das ganze Warenprodukt
ans Produktionsmitteln, Baulichkeiten, Maschinerie, Gefäßen, Roh-
und Hilfsstoffen ete. Ein Teil derselben, derjenige, welcher das in dieser
Sphäre angewandte konstante Kapital ersetzt, kann daher in seiner
Naturalform sofort von neuem als Bestandteil des produktiven Kapi-
tals fungieren. Soweit er in Zirkulation tritt, zirkuliert er innerhalb
der Klasse I. Sub II wird ein Teil des Warenprodukts in natura

360

a
% Von hier an aus Manuskript Il. F.E.
        <pb n="414" />
        Zwanzigstes Kapitel

361

von seinen eigenen Produzenten individuell, sub I dagegen wird ein
Teil des Produkts in natura von seinen kapitalistischen Produzenten
produktiv konsumiert.

In dem Teil des Warenprodukts I gleich 4000e, erscheint der
in dieser Kategorie konsumierte konstante Kapitalwert wieder, und
zwar in einer Naturalform, worin er sofort wieder als produktives
konstantes Kapital fungieren kann. Sub II geht der Teil des Waren-
produkts von 3000, dessen Wert ‚gleich ‚Arbeitslohn plus Mehrwert
(gleich 1000), direkt in die individuelle Konsumtion der Kapitalisten
und Arbeiter von II ein, während dagegen der konstante Kapital-
wert dieses Warenprodukts (gleich 2000) nicht wieder in die produk-
tive Konsumtion der Kapitalisten II eingehen kann, sondern durch
Austausch mit I zu ersetzen ist.

Sub I dagegen geht der Teil seines Warenprodukts von 6000,
dessen Wert gleich Arbeitslohn plus Mehrwert (gleich 2000), nicht
in die individuelle Konsumtion seiner Produzenten ein und kann es
auch seiner Naturalform nach nicht. Er muß vielmehr erst mit II
ausgetauscht werden. Der konstante Wertteil dieses Produkts gleich
4000 befindet sich umgekehrt in einer Naturalform, worin er — die
ganze Kapitalistenklasse I betrachtet — direkt wieder als deren kon:
stantes Kapital fungieren kann. In andern Worten: Das ganze Pro-
dukt der Abteilung I besteht aus Gebrauchswerten, die ihrer Natural-
form nach — bei kapitalistischer Produktionsweise — nur als Ele-
mente des konstanten Kapitals dienen können. Von diesem Produkt
zum Wert von 6000 ersetzt also !/3 (2000) das konstante Kapital
der Abteilung II und die übrigen %; das konstante Kapital der
Abteilung I.

Das konstante Kapital I besteht in einer Masse verschiedener
Kapitalgruppen, die in den verschiedenen Produktionszweigen von
Produktionsmitteln angelegt sind, so viel in Eisenhütten, 8o viel
in Kohlengruben etc. Jede dieser Kapitalgruppen oder jedes dieser
gesellschaftlichen Gruppenkapitale setzt sich wieder zusammen aus
einer größeren oder geringeren Masse selbständig fungierender Einzel-
kapitale. Erstens zerfällt das Kapital der Gesellschaft, zum Beispiel
7500 (was Millionen usw, bedeuten kann) in verschiedene Kapital-
gruppen; das gesellschaftliche Kapital von 7500 ist zerfällt in besondere
Teile, wovon jeder in einem besonderen Produktionszweig angelegt; der
in jedem besonderen Produktionszweig angelegte Teil des gesellschaft-
lichen Kapitalwerts besteht der Naturalform nach teils in den Pro-
duktionsmitteln jeder besönderen Produktionssphäre, teils aus der
für ihren Betrieb nötigen und entsprechend qualifizierten Arbeits-
kraft, verschieden modifiziert durch die Teilung der Arbeit, je nach
der spezifischen Arbeitsart4®*, die sie in jeder einzelnen Produktions-

483 So in der 1. Auflage, In der .2. und den folgenden Auflagen
stand „Arbeitskraft“. Wir haben die Lesart der 1. Auflage wiederher-
gestellt, die uns sinngemäß erschien. K.
        <pb n="415" />
        362

Dritter Abschnitt
sphäre zu leisten hat. Der in jedem besonderen Produktionszweig an-
gelegte Teil des gesellschaftlichen Kapitals besteht wieder aus der
Summe der in ihm angelegten selbständig fungierenden Einzel-
kapitale. Dies gilt selbstredend für beide Abteilungen, für I
wie für IL .

Was nun sub I den in Form seines Warenprodukts wieder-
erscheinenden konstanten Kapitalwert angeht, so geht er zum Teil in
die, besondere Produktionssphäre (oder selbst in den individuellen
Geschäftsbetrieb), woraus er als Produkt herauskommt, auch wieder
als Produktionsmittelein, zum Beispiel Korn in die Kornproduktion 25h,
Kohle in die Kohlenproduktion, Eisen in Form von Maschinen in die
Eisenproduktion usw.

Soweit jedoch die Teilprodukte, woraus der konstante Kapital-

wert von I besteht, nicht wieder direkt in ihre besondere oder indivi-
duelle Produktionssphäre eingehen, wechseln sie nur den Platz. Sie
gehen in Naturalform ein in eine andere Produktionssphäre der Ab-
teilung I, während. das Produkt anderer Produktionssphären der Ab-
teilung I sie in natura ersetzt. Es ist bloßer Stellenwechsel dieser
Produkte. Sie gehen alle wieder ein als Faktoren, die konstantes
Kapital in I ersetzen, nur statt in einer Gruppe von I in einer andern.
Soweit hier Austausch zwischen den einzelnen Kapitalisten von I
stattfindet, ist es Austausch einer Naturalform von konstantem Ka-
pital gegen eine andere Naturalform von konstantem Kapital, einer
Sorte Produktionsmittel gegen andere Sorten Produktionsmittel. Es
ist Austausch der verschiedenen individuellen konstanten Kapital-
teile von I untereinander. Die Produkte werden, soweit sie nicht
direkt als Produktionsmittel in ihren eigenen Produktionszweigen
dienen, aus ihrer Produktionsstätte in eine andere entfernt und er-
setzen sich so wechselseitig. . In andern Worten (ähnlich wie sub II
für den Mehrwert geschehen): Jeder Kapitalist sub I zieht im Ver-
hältnis, worin er Miteigentümer an diesem konstanten Kapital von
4000, die ihm nötigen entsprechenden Produktionsmittel aus dieser
Warenmasse heraus. Wäre die Produktion gesellschaftlich, statt ka-
bitalistisch, so ist klar, daß diese Produkte der Abteilung I unter die
Produktionszweige dieser Abteilung, zum Behuf der Reproduktion,
nicht minder beständig wieder als Produktionsmittel verteilt würden,
ein Teil direkt in der Produktionssphäre bliebe, wo er als Produkt
herauskam, ein anderer Teil dagegen nach andern Produktionsstätten
entfernt würde, und so ein beständiges Hin und Her zwischen den
verschiedenen Produktionsstätten dieser Abteilung stattfände.

Anka
4b Die Kornproduktion rechnet Marx sonst nicht zu I, der Produktion
von Produktionsmitteln, sondern zu II, der Produktion von Konsumtions-
mitteln. (Vgl. unten S. 448.) Doch kann man Korn wohl als .Produk-
tionsmittel betrachten, zum Beispiel für den Müller oder für den Viehhalter,
etwa in der Form von Hafer oder Gerste. K.
        <pb n="416" />
        Zwanzigstes Kapitel

363
VII. Variables Kapital und Mehrwert in beiden Abteilungen. .
Der Gesamtwert der jährlich produzierten Konsumtionsmittel
ist also gleich dem während des Jahres reproduzierten variablen
Kapitalwert II plus dem neuproduzierten Mehrwert II (das heißt
gleich dem sub II während des Jahres produzierten Wert) plus dem
während des Jahres reproduzierten variablen Kapitalwert I und dem
neuproduzierten Mehrwert I (also plus dem sub I während des Jahrse
produzierten Wert).

Unter Voraussetzung einfacher Reproduktion ist also der Gesamt-
wert der jährlich produzierten Konsumtionsmittel gleich dem jähr-
lichen. Wertprodukt, das heißt gleich dem ganzen durch die gesell-
schaftliche Arbeit während des Jahres produzierten Wert, und muß
es sein, da bei einfacher Reproduktion dieser ganze Wert verzehrt
wird.

Der totale gesellschaftliche Arbeitstag zerfällt in zwei Teile: 1.
notwendige Arbeit; sie schafft im Lauf des Jahres einen Wert von
1500v; 2. Mehrarbeit; sie schafft einen. zuschüssigen Wert oder Mehr-
wert von 1500m, Die Summe dieser Werte von #8 3000 ist gleich dem
Wert der jährlich produzierten Konsumtionsmittel von 3000. Der
Totalwert der während des Jahres produzierten Konsumtionsmittel
ist also gleich dem Totalwert, den der totale gesellschaftliche Arbeits-
tag während des Jahres produziert, gleich dem Wert des gesellschaft-
lichen variablen Kapitals plus dem gesellschaftlichen Mehrwert, gleich
dem totalen jährlichen Neuprodukt.

Aber wir wissen, daß, obgleich diese beiden Wertgrößen sich
decken, deswegen keineswegs der Totalwert der Waren II, der Kon-
sumtionsmittel, in dieser Abteilung der gesellschaftlichen Produktion
produziert worden ist. Sie decken sich, weil der sub II wieder-
erscheinende konstante Kapitalwert gleich ist dem sub I neuprodu-
zierten Wert (variablem Kapitalwert plus Mehrwert); daher I (v + m
den Teil des Produkts von II kaufen kann, der für seine Produzenten
(in Abteilung II) konstanten Kapitalwert darstellt. Es zeigt sich
daher, warum, obgleich für die Kapitalisten II der Wert ihres Pro-
dukts zerfällt in ce + v +m, gesellschaftlich betrachtet der Wert
dieses Produkts zerfällbar ist in v + m. Dies ist nämlich nur der
Fall, weil IIc hier gleich I + m und diese beiden Bestandteile des
gesellschaftlichen Produkts durch ihren Austausch ihre Naturalfor-
men miteinander austauschen, daher nach diesem Umsatz IIc wieder
in Produktionsmitteln. I vw + m dagegen in Konsumtionsmitteln exi-
stiert.

Und es ist dieser Umstand, der A. Smith veranlaßt hat, zu be-
haupten, der Wert des jährlichen Produkts löse sich in v + m auf.
Es gilt dies 1. nur für den aus Konsumtionsmitteln bestehenden Teil
des jährlichen Produkts, und 2. gilt es nicht in dem Sinn, daß dieser
Totalwert in II produziert wird und sein Produktenwert daher gleich
486 In der Engelsschen Ausgabe steht statt „von“ ein =. K.,
        <pb n="417" />
        Dritter Abschnitt
ist dem sub II vorgeschossenen variablen Kapitalwert plus dem sub II
produzierten Mehrwert. Sondern nur in dem Sinn, daß IT (+ v + m =
AH w+m +Iw+m oder weil IIc=1w + m).

Es folgt ferner:

Obgleich der gesellschaftliche Arbeitstag (das heißt die während
des ganzen Jahres von der gesamten Arbeiterklasse verausgabte Arbeit)
wie jeder individuelle Arbeitstag nur in zwei Teile zerfällt, nämlich
in notwendige Arbeit plus Mehrarbeit, obgleich daher der von diesem
Arbeitstag produzierte Wert ebenfalls nur in zwei Teile zerfällt, näm-
lich in den variablen Kapitalwert, das heißt den Wertteil, womit der
Arbeiter seine eigenen Reproduktionsmittel kauft, und den Mehrwert,
den der Kapitalist zu seiner eigenen individuellen Konsumtion ver-
ausgaben kann — 80 wird dennoch, gesellschaftlich betrachtet, ein
Teil des gesellschaftlichen Arbeitstages ausschließlich verausgabt in
Produktion von frischem konstantem Kapital, nämlich von
Produkten, die ausschließlich bestimmt sind, im Arbeitsprozeß als
Produktionsmittel und daher in dem ihn begleitenden Verwertungs-
prozeß als konstantes Kapital zu fungieren. Nach unserer Voraus-
setzung stellt sich der ganze gesellschaftliche Arbeitstag dar in einem
Geldwert von 3000, wovon nur !/3 gleich 1000 in der Abteilung IT
produziert wird, welche Konsumtionsmittel produziert, das heißt die

Waren, worin sich der gesamte variable Kapitalwert und der ge-
3amte Mehrwert der Gesellschaft schließlich realisiert. Nach dieser
Voraussetzung werden also ?/s des gesellschaftlichen Arbeitstages in
der Produktion von neuem konstantem Kapital verwandt. Obgleich
vom Standpunkt der individuellen Kapitalisten und Arbeiter der
Abteilung I diese */z des gesellschaftlichen Arbeitstages bloß zur Pro-
duktion von variablem Kapitalwert plus Mehrwert dienen, ganz wie
das letzte Drittel des gesellschaftlichen Arbeitstages in Abteilung II,
30 produzieren dennoch diese ?/3 des gesellschaftlichen Arbeitstages,
gesellschaftlich betrachtet — und ebenso dem Gebrauchswert des Pro-
dukts nach betrachtet —, nur Ersatz von im Prozeß der produktiven
Konsumtion begriffenem oder aufgezehrtem konstantem Kapital.
Auch individuell betrachtet, produzieren diese */s des Arbeitstages
zwar einen Totalwert, der nur gleich dem variablen Kapitalwert plus
dem Mehrwert für seinen Produzenten, aber sie produzieren keine
Gebrauchswerte solcher Art, daß Arbeitslohn oder Mehrwert darin
verausgabt werden können; ihr Produkt ist ein Produktionsmittel.
Zunächst ist zu bemerken, daß kein Teil des gesellschaftlichen
Arbeitstages, sei es sub I oder sub 11, dazu dient, den Wert des in
diesen zwei großen Produktionssphären angewandten, in ihnen fun-
gierenden konstanten Kapitals zu produzieren. Sie produzieren nur
zusätzlichen Wert, 2000 I tw +m + 1000 IT 6 + m), Zusätzlich zu dem
[bereits vorhandenen] konstanten Kapitalwert gleich 4000 Ic +- 2000
JH. Der Neuwert, der in der Form von Produktionsmitteln produziert
wurde, ist noch nicht konstantes Kapital. Er hat nur die Bestim-
mung, künftig als solches zu fungieren.

364
        <pb n="418" />
        Zwanzigstes Kapitel

365
Das gesamte Produkt von II — die Konsumtionsmittel — ist
seinem Gebrauchswert nach, konkret, in seiner Naturalform betrach-
tet, Produkt des von II geleisteten Drittels des gesellschaftlichen
Arbeitstages, es ist Produkt der Arbeiten in ihrer konkreten Form als
Weberarbeit, Bäckerarbeit usw., die in dieser Abteilung verwandt
worden, dieser Arbeit, soweit sie als das subjektive Element des
Arbeitsprozesses fungiert. Was dagegen den konstanten Wertteil
dieses Produkts II angeht, so erscheint er nur wieder in einem neuen
Gebrauchswert, in einer neuen Naturalform, der Form von Konsum-
tionsmitteln, während er früher in der Form von Produktionsmitteln
bestand. Sein Wert ist durch den Arbeitsprozeß von seiner alten
Naturalform auf seine neue Naturalform übertragen worden. Aber
der Wert dieser ?/s des Produktenwerts [von II] gleich 2000 ist nicht
in dem diesjährigen Verwertungsprozeß von II produziert worden.

Ganz wie vom Standpunkt des Arbeitsprozesses betrachtet, das
Produkt II das Resultat neufungierender lebendiger Arbeit und
ihr gegebener, vorausgesetzter Produktionsmittel ist, in denen sie
sich als in ihren gegenständlichen Bedingungen verwirklicht, so ist
vom Standpunkt des Verwertungsprozesses der Produktenwert II
gleich 3000 zusammengesetzt aus dem durch das neuzugesetzte !/;
des gesellschaftlichen Arbeitstages produzierten Neuwert (5007 +
500m = 1000) und aus einem konstanten Wert, worin %/s eines
vergangenen, vor dem hier betrachteten Produktionsprozeß II ver-
flossenen gesellschaftlichen Arbeitstages vergegenständlicht sind.
Dieser Wertteil des Produkts II stellt sich dar in einem Teil des
Produkts selbst. Es existiert in einem Quantum Konsumtions-
mittel zum Wert von 2000 gleich ?/3 eines gesellschaftlichen Arbeits-
tages. Es ist dies die neue Gebrauchsform, worin er wiedererscheint.
Der Austausch von einem Teil der Konsumtionsmittel gleich 2000 IIc
gegen Produktionsmittel I gleich I (1000v -- 1000m), ist also in
der Tat Austausch von */, Gesamtarbeitstag, die keinen Teil der
diesjährigen Arbeit bilden, sondern vor diesem Jahr verflossen sind,
mit */3 des diesjährigen, in diesem Jahr neuzugesetzten Arbeitstages,
?/3 des gesellschaftlichen Arbeitstages dieses Jahres könnten nicht
in der Produktion von konstantem Kapital verwandt werden und
doch zugleich variablen Kapitalwert plus Mehrwert für ihre eigenen
Produzenten bilden, wenn sie sich nicht mit einem Wertteil der
jährlich konsumierten Konsumtionsmittel auszutauschen hätten,
worin */3 eines vor diesem Jahr, nicht. innerhalb desselben ver-
ausgabten und realisierten Arbeitstages steckten. Es ist Austausch
von ?/, Arbeitstag dieses Jahres gegen ®/3 Arbeitstag, die vor diesem
Jahr verausgabt worden, Austausch zwischen diesjähriger und
vorjähriger Arbeitszeit. Dies also erklärt uns das Rätsel, warum
das Wertprodukt des ganzen gesellschaftlichen Arbeitstages sich
auflösen kann. in variablen Kapitalwert plus Mehrwert, obgleich
?/, dieses Arbeitstages nicht verausgabt worden in der Produktion
von Gegenständen, worin variables Kapital oder Mehrwert sich
        <pb n="419" />
        366

Dritter Abschnitt
realisieren können, sondern vielmehr in der Produktion von Produk-
tionsmitteln zum Ersatz des während des Jahres verbrauchten
Kapitals. Es erklärt sich einfach daraus, daß ?/; des Produktenwerts
IL, worin Kapitalisten und Arbeiter I den von ihnen produzierten
variablen Kapitalwert plus Mehrwert realisieren (und die 2/9 des
gesamten jährlichen Produktenwerts ausmachen), dem Wert nach
betrachtet, das Produkt von ?/3 eines vor diesem Jahr vergangenen
gesellschaftlichen Arbeitstages sind.

Die Summe des gesellschaftlichen Produkts I und II, Produk-
tionsmittel und Konsumtionsmittel, sind zwar ihrem Gebrauchswert
nach, konkret, in ihrer Naturalform betrachtet, das Produkt der
diesjährigen Arbeit, aber nur soweit diese Arbeit selbst als nützliche,
konkrete Arbeit, nicht soweit sie als Verausgabung von Arbeitskraft,
als wertbildende Arbeit betrachtet wird. Und auch das erste nur
in dem Sinn, daß die Produktionsmittel nur durch die ihnen zu-
gesetzte, mit ihnen hantierende lebendige Arbeit sich in neues
Produkt, in das diesjährige Produkt verwandelt haben. Dagegen
hätte sich aber auch umgekehrt die diesjährige Arbeit ohne von ihr
anabhängige Produktionsmittel, ohne Arbeitsmittel und Produk-
tionsstoffe, nicht in Produkt verwandeln können.
VIH. Das konstante Kapital in beiden Abteilungen,

Was den Gesamtproduktenwert von 9000 angeht und die
Kategorien, worin er zerfällt wird, so bietet dessen Analyse keine
größere Schwierigkeit als die des Produktenwerts eines Einzel-
kapitals, sie ist vielmehr identisch damit.

In dem ganzen gesellschaftlichen Jahresprodukt sind hier drei
einjährige gesellschaftliche Arbeitstage enthalten. Der Wertausdruck
jedes dieser Arbeitstage ist gleich 3000; daher der Wertausdruck
des Totalprodukts gleich 3 x 3000 = 9000.

Ferner ist von dieser Arbeitszeit vor dem einjährigen Produk-
tionsprozeß, dessen Produkt wir analysieren, vorgegangen: In
Abteilung I */s Arbeitstag (Wertprodukt 4000) und in Abteilung
IT */3 Arbeitstag (Wertprodukt 2000). Zusammen zwei gesellschaft-
liche Arbeitstage, deren Wertprodukt gleich 6000. Daher figurieren
1000 Ic + 2000 IIce = 6000e als der im ganzen Produktenwert
der Gesellschaft wiedererscheinende Wert der Produktionsmittel
oder konstante Kapitalwert.

Ferner ist von dem neuzugesetzten gesellschaftlichen Jahres-
arbeitstag in Abteilung I */s notwendige Arbeit oder Arbeit, die
üen Wert des variablen Kapitals 1000 Iv ersetzt und den Preis
der sub I angewandten Arbeit zahlt. Ebenso in IT ist 1/3 des gesell-
schaftlichen Arbeitstages notwendige Arbeit mit einem Wertbetrag
von 500. Also 1000 Iv + 500 IIvy = 1500, der Wertausdruck des
halben gesellschaftlichen Arbeitstages, ist der Wertausdruck der
aus notwendiger Arbeit bestehenden ersten Hälfte des in diesem
Jahr zugesetzten Gesamtarbeitstages.
        <pb n="420" />
        Zwanzigstes Kapitel

367
Endlich sub I ist !/3 Gesamtarbeitstag, Wertprodukt gleich 1000,
Mehrarbeit; sub II ist */s Arbeitstag, Wertprodukt gleich 500,
Mehrarbeit; sie machen zusammen die andere Hälfte des zugesetzten
Gesamtarbeitstags aus. Daher der produzierte Gesamtmehrwert
gleich 1000 Im + 500 IIm = 1500m,

Also:

Konstanter Kapitalteil des gesellschaftlichen Produktenwerts (6):
Zwei vor dem Produktionsprozeß verausgabte Arbeitstage,
Wertausdruck gleich 6000.

Während. des Jahres verausgabte notwendige Arbeit (v):

Ein halber in der Jahresproduktion verausgabter Arbeitstag,
Wertausdruck gleich 1500.

Während des Jahres verausgabte Mehrarbeit (m):

Ein halber in der Jahresproduktion verausgabter Arbeitstag,
Wertausdruck gleich 1500.

Wertprodukt der Jahresarbeit (v + m) gleich 3000.
Gesamt-Produktenwert (ce + v + m) gleich 9000.

Die Schwierigkeit besteht also nicht in der Analyse des gesell-
schaftlichen Produktenwerts selbst. Sie entspringt bei Vergleichung
der Wertbestandteile des gesellschaftlichen Produkts mit seinen
sachlichen Bestandteilen.

Der konstante, nur wiedererscheinende Wertteil ist gleich
dem Wert des Teils dieses Produkts, der aus Produktionsmitteln
besteht, und ist verkörpert in diesem Teil.

Das neue Wertprodukt des Jahres gleich v + m ist gleich dem
Wert des Teils dieses Produkts, das aus Konsumtionsmitteln
besteht, und ist verkörpert in ihm.

Aber, mit hier gleichgültigen Ausnahmen, sind Produktions-
mittel und Konsumtionsmittel total verschiedene Sorten von Waren,
Produkte von ganz verschiedener Natural- oder Gebrauchsform, also
auch Produkte total verschiedener konkreter Arbeitsarten. Die Arbeit,
welche Maschinen zur Produktion von Lebensmitteln anwendet,
ist ganz verschieden von der Arbeit, welche Maschinen macht. Der
ganze jährliche Gesamtarbeitstag, dessen Wertausdruck gleich 3000,
scheint verausgabt in der Produktion von Konsumtionsmitteln
gleich 3000, in denen kein konstanter Wertteil wiedererscheint,
da diese 3000 = 1500v + 1500m sich nur in variablen Kapitalwert
plus Mehrwert auflösen. Anderseits erscheint der konstante
Kapitalwert gleich 6000 wieder in einer von den Konsumtions-
mitteln ganz verschiedenen Produktenart, den Produktionsmitteln,
während doch kein Teil des gesellschaftlichen Arbeitstages in der
Produktion dieser neuen Produkte verausgabt scheint; dieser ganze
Arbeitstag scheint vielmehr nur aus den Arbeitsweisen zu bestehen,
die nicht in Produktionsmitteln, sondern in Konsumtionsmitteln
resultieren. Das Geheimnis ist bereits gelöst. Das Wertprodukt
der Jahresarbeit ist gleich dem Produktenwert der Abteilung IL,
dem Totalwert der neuproduzierten Konsumtionsmittel. Aber

Das Kanital. Il. 27
        <pb n="421" />
        368

Dritter Abschnitt
dieser Produktenwert ist größer um */s als der innerhalb der Produk-
tion von Konsumtionsmitteln (Abteilung II) verausgabte Teil der
Jahresarbeit. Nur 1/3 der Jahresarbeit ist in ihrer Produktion
verausgabt. °/s dieser Jahresarbeit sind in der Produktion von
Produktionsmitteln verausgabt, also in Abteilung I. Das während
dieser Zeit sub I erzeugte Wertprodukt, gleich dem sub I produzierten
variablen Kapitalwert plus Mehrwert, ist gleich dem sub II in Kon-
sumtionsmitteln wiedererscheinenden konstanten Kapitalwert von II.
Sie können sich daher wechselseitig austauschen und in natura er-
setzen. Der Totalwert der Konsumtionsmittel II ist daher gleich der
Summe des neuen Wertprodukts sub I + IT, oder II + v + m =—
Liv +m + II v+m), also gleich der Summe des von der J. ahresarbeit
in Form von v + m produzierten Neuwerts.

Anderseits ist der Totalwert der Produktionsmittel (I) gleich
der Summe des in der Form von Produktionsmitteln (I) und des in
der Form von Konsumtionsmitteln (II) wiedererscheinenden kon-
stanten Kapitalwerts, also gleich der Summe des im Totalprodukt
der Gesellschaft wiedererscheinenden konstanten Kapitalwerts. Die-
ser Totalwert ist gleich dem Wertausdruck von 4/3 vor dem Produk-
tionsprozeß sub I und ?/; vor dem Produktionsprozeß sub II ver-
gangenen Arbeitstagen, also zusammen von zwei Gesamtarbeitstagen.

Die Schwierigkeit kommt also bei dem gesellschaftlichen Jahres-
produkt daher, daß der konstante Wertteil in einer ganz andern Pro-
duktenart — Produktionsmitteln — sich darstellt als der diesem kon-
stanten Wertteil zugesetzte Neuwert v + m, der sich in Konsum-
tionsmitteln darstellt, So hat es den Schein, als fänden sich — dem
Wert nach betrachtet — ?%/3 der aufgezehrten Produktenmasse in
einer neuen Form wieder, als N, euprodukt, ohne daß irgendeine Ar-
beit von der Gesellschaft in ihrer Produktion verausgabt wäre. Dies
findet bei dem Einzelkapital nicht statt. Jeder individuelle Kapitalist
wendet eine bestimmte konkrete Arbeitsart an, welche die ihr eigentüm-
lichen Produktionsmittel in ein Produkt verwandelt. Zum Beispiel der
Kapitalist sei Maschinenbauer, das während des Jahres verausgabte
konstante Kapital gleich 6000e, das variable gleich 1500v, der Mehr-
wert gleich 1500m; das Produkt gleich 9000, wir wollen sagen ein Pro-

dukt von 18 Maschinen, wovon jede gleich 500. Das ganze Produkt
besteht hier in derselben Form, der von Maschinen. (Produziert er
mehrere Sorten, so wird jede für sich berechnet.) Das ganze Waren-
produkt ist Produkt der während des Jahres im Maschinenbau ver-
ausgabten Arbeit, Kombination derselben konkreten Arbeitsart mit
denselben Produktionsmitteln. Die verschiedenen Teile des Produk-
tenwertes stellen sich daher in derselben Naturalform dar: in 12 Ma-
schinen stecken. 6000c, in 3 Maschinen 1500v-, in 3 Maschinen 1500m.
Es ist hier klar, daß der Wert der 12 Maschinen gleich 6000« ist,
nicht weil in diesen 12 Maschinen bloß vor dem Maschinenbau ver-
gangene und nicht in ihm verausgabte Arbeit verkörpert. Der Wert
der Produktionsmittel für 18 Maschinen hat sich nicht von selbst in
        <pb n="422" />
        LP
1

Zwanzigstes Kapitel

369
12 Maschinen verwandelt, aber der Wert dieser 12 Maschinen (der
selbst aus 4000e + 1000v + 1000m besteht) ist gleich dem Totalwert
des in den 18 Maschinen enthaltenen konstanten Kapitalwerts. Der
Maschinenbauer muß daher von den 18 Maschinen 12 verkaufen, um
sein verausgabtes konstantes Kapital, das er zur Reproduktion von
18 neuen Maschinen nötig hat, zu ersetzen. Dagegen wäre die Sache
unerklärlich, wenn, obgleich die angewandte Arbeit bloß aus Ma-
schinenbau besteht, als ihr Resultat sich ergäben: einerseits 6 Ma-
schinen gleich 1500v + 1500m, anderseits Eisen, Kupfer, Schrauben,
Riemen etc. zum Wertbetrag von 6000e, das heißt die Produktions-
mittel der Maschinen in ihrer Naturalform, die der einzelne Maschinen
bauende Kapitalist bekanntlich nicht. selbst produziert, sondern sich
durch den Zirkulationsprozeß ersetzen muß. Und dennoch scheint
auf den ersten Blick sich die Reproduktion des gesellschaftlichen
Jahresprodukts in so widersinniger Weise zu vollziehn.

Das Produkt des individuellen Kapitals, das heißt jedes selb-
ständig fungierenden, mit eigenem Leben begabten Bruchstücks des
gesellschaftlichen Kapitals, hat irgendeine beliebige Naturalform.
Die einzige Bedingung ist, daß es wirklich eine Gebrauchsform hat,
einen Gebrauchswert, der es zu einem zirkulationsfähigen Glied der
Warenwelt stempelt. Es ist ganz gleichgültig und zufällig, ob es als
Produktionsmittel wieder in denselben Produktionsprozeß eingehen
kann, aus dem es als Produkt herauskommt, also ob der Teil seines
Produktenwerts, worin sich der konstante Kapitalteil darstellt, eine
Naturalform besitzt, worin er tatsächlich wieder als konstantes
Kapital fungieren kann. Wenn nicht, wird dieser Teil des Produkten-
werts durch Verkauf und Einkauf wieder in die Form seiner sach-
lichen Produktionselemente verwandelt und dadurch das konstante
Kapital in seiner funktionsfähigen Naturalform reproduziert.

Anders verhält es sich mit dem Produkt des gesellschaftlichen
Gesamtkapitals. Alle sachlichen Elemente der Reproduktion müssen
in ihrer Naturalform Teile dieses Produkts selbst bilden.‘ Der auf-
gezehrte konstante Kapitalteil kann durch die Gesamtproduktion
nur ersetzt werden, soweit im Produkt der gesamte wiedererschei-
nende konstante Kapitalteil in der Naturalform neuer Produktions-
mittel wiedererscheint, die wirklich als konstantes Kapital fungieren
können. Einfache Reproduktion vorausgesetzt, muß daher der Wert
des Teils .des Produkts, der aus Produktionsmitteln besteht, gleich
dem konstanten Wertteil des gesellschaftlichen Kapitals sein.

Ferner: Individuell betrachtet, produziert der Kapitalist in
seinem Produktenwert durch die neuzugesetzte Arbeit nur sein
variables Kapital plus Mehrwert, während der konstante Wertteil
durch den konkreten Charakter der neuzugesetzten Arbeit auf das
Produkt übertragen ist.

Gesellschaftlich betrachtet, produziert der Teil des gesellschaft-
lichen Arbeitstages, der Produktionsmittel produziert, ihnen daher
sowohl Neuwert zusetzt als. den Wert der in ihrer Produktion
        <pb n="423" />
        370

Dritter Abschnitt
verzehrten Produktionsmittel auf sie überträgt, nichts als neues kon-
stantes Kapital, bestimmt, das in der Form der alten Produktions-
mittel aufgezehrte zu ersetzen, sowohl das sub I wie sub II konsu-
mierte konstante Kapital. Er produziert nur Produkt, bestimmt, der
produktiven Konsumtion anheimzufallen. Der ganze Wert dieses
Produkts ist also nur Wert, der als konstantes Kapital von neuem
fungieren, der nur konstantes Kapital in seiner Naturalform zurück-
kaufen kann, der sich daher, gesellschaftlich betrachtet, weder in
variables Kapital noch in Mehrwert auflöst. — Anderseits produziert
der Teil des gesellschaftlichen Arbeitstages, der Konsumtionsmittel
produziert, keinen Teil des gesellschaftlichen Ersatzkapitals. Er
produziert nur Produkte, die in ihrer Naturalform bestimmt sind,
den Wert des variablen Kapitals und den Mehrwert sub I und II zu
realisieren.

Wenn man von gesellschaftlicher Betrachtungsweise spricht,
also das gesellschaftliche Gesamtprodukt betrachtet, welches sowohl
die Reproduktion des gesellschaftlichen Kapitals wie die individuelle
Konsumtion einschließt, so muß man nicht in die von Proudhon der
bürgerlichen Oekonomie nachgemachte Manier verfallen und die
Sache so betrachten, als wenn eine Gesellschaft kapitalistischer
Produtionsweise en bloc, als Totalität [als Gesamtheit] betrachtet,
diesen ihren spezifischen historisch ökonomischen Charakter verlöre.
Umgekehrt. Man hat es dann mit dem Gesamtkapitalisten zu tun.
Das Gesamtkapital erscheint als das Aktienkapital aller einzelnen
Kapitalisten zusammen. Diese Aktiengesellschaft hat das mit vielen
andern. Aktiengesellschaften gemein, daß jeder weiß, was er hinein-
setzt, aber nicht, was er herauszieht.

IX. Rückblick auf A. Smith, Storch und Ramsay.

Der Gesamtwert des gesellschaftlichen Produkts beträgt 9000
= 60000 + 1500v + 1500m, mit andern Worten: 6000 reproduzieren
den Wert der Produktionsmittel und 3000 den Wert der Konsum-
tionsmittel. Der Wert der gesellschaftlichen Revenue (vy + m) be-
trägt also nur !/3 des Gesamtproduktenwerts, und nur zum Wert-
betrag dieses Drittels kann die Gesamtheit der Konsumenten, Ar-
beiter wie Kapitalisten, Waren, Produkte, dem gesellschaftlichen
Gesamtprodukt entziehen und ihrem Konsumtionsfonds einverleiben.
Dagegen sind 6000 gleich ”/s des Produktenwerts Wert des konstanten
Kapitals, das in natura ersetzt werden muß. Produktionsmittel zu
diesem Betrag müssen also dem Produktionsfonds wieder einverleibt
werden. Dies ist es, was Storch als notwendig einsieht, ohne es be-
weisen zu können: „Es ist klar, daß der Wert des jährlichen Produkts
sich in Kapitalien und in Profite teilt, und daß jeder dieser Teile des
Wertes des jährlichen Produkts regelmäßig die Produkte kauft, deren
die Nation bedarf, um ihr Kapital zu erhalten wie um ihren Konsum-
tionsfonds zu erneuern [p. 134, 135]... Die Produkte, die das
        <pb n="424" />
        66

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Zwanzigstes Kapitel

371
Kapital einer Nation bilden, sind nicht konsumierbar.‘ 1484
(Storch: „Considerations sur la nature du revenu national. Paris
1824“, p. 150.)

A. Smith jedoch hat dieses fabelhafte Dogma aufgestellt, das
ihm bis heute geglaubt wird, nicht nur in der bereits erwähnten Form,
wonach der gesamte gesellschaftliche Produktenwert sich in Revenue
auflöst, in Arbeitslohn plus Mehrwert, oder wie er es ausdrückt, in
Arbeitslohn plus Profit (Zins) plus Grundrente. Sondern auch in der
noch populäreren Form, daß die Konsumenten in letzter Instanz
(ultimately) den ganzen Produktenwert den Produzenten zahlen
müssen. Dies ist bis heute einer der bestbeglaubigten Gemeinplätze
der vielmehr ewigen Wahrheiten der sogenannten Wissenschaft der
politischen Oekonomie. Dies wird in folgender plausiblen Weise ver-
anschaulicht. Nimm irgendeinen Artikel, zum Beispiel leinene
Hemden. Erst hat der Spinner von Leinengarn dem Flachsbauer den
ganzen Wert des Flachses zu zahlen, also Flachssamen, Düngemittel,
Arbeitsviehfutter etc., nebst dem Wertteil, den das fixe Kapital des
Flachsbauers, wie Baulichkeiten, Ackergeräte usw., an dies Produkt
abgibt; den in der Produktion des Flachses gezahlten Arbeitslohn;
den Mehrwert (Profit, Grundrente), der im Flachs steckt; endlich die
Frachtkosten des Flachses von seiner Produktionsstätte zur Spinne-
rei. Dann hat der Weber dem Spinner des Leinengarns nicht nur
diesen Preis des Flachses zurückzuerstatten, sondern auch den Wert-
teil der Maschinerie, Baulichkeiten ete., kurz des fixen Kapitals, der
auf den Flachs übertragen wird, ferner alle während des Spinn-
prozesses verzehrten Hilfsstoffe, Arbeitslohn der Spinner, Mehrwert
ete., und. so geht’s weiter mit dem Bleicher, den Transportkosten
der fertigen Leinwand, endlich dem Hemdenfabrikanten, der den
ganzen Preis aller früheren Produzenten bezahlt hat, die ihm nur sein
Rohmaterial geliefert haben. In seiner Hand findet nun fernerer
Wertzusatz statt, durch Wert teils des konstanten Kapitals, das in
der Form von Arbeitsmitteln, Hilfsstoffen etc. in der Hemden-
fabrikation verzehrt wird, teils durch die darin verausgabte Arbeit,
die den Wert des Arbeitslohnes der Hemdenmacher plus dem Mehrwert
des Hemdenfabrikanten zusetzt. Dies ganze Hemdenprodukt koste
nun schließlich 100 Pfd. Sterl., und dies sei der Anteil am ganzen
jährlichen Produktenwert, den die Gesellschaft in Hemden veraus-
gabt. Die Konsumenten der Hemden zahlen die 100 Pfd. Sterl.,
also den Wert aller in den Hemden enthaltenen Produktionsmittel
wie den Arbeitslohn pls Mehrwert des Flachsbauers. Spinners,

48d ]] est clair que la valeur du produit annuel se distribue partie en
zapitaux et partie en profits, et que chacune de ces portions [in der Engels-
schen Ausgabe „parties“. K.] de la valeur du produit annuel va reguliere-
ment acheter les produits dont la nation a besoin, tant pour entretenir son
z3apital que pour renouveler [in der Engelsschen Ausgabe „remplacer‘‘. K.]
son fonds consommable. .. les produits qui constituent le capital d’une
nation, ne sont vDoint consommables.‘“
        <pb n="425" />
        372
Webers, Bleichers, Hemdenfabrikanten sowie sämtlicher Transpor-
teure, Dies ist vollständig richtig. Es ist in der Tat das, was jedes
Kind sieht. Aber dann heißt es weiter: So verhält es sich mit dem
Wert aller andern Waren. Es sollte heißen: So verhält es sich mit
dem Wert aller Konsumtionsmittel, mit dem Wert des gesell-
schaftlichen Produktenteils, der in den Konsumtionsfonds eingeht,
also mit dem Teil des gesellschaftlichen Produktenwerts, der als
Revenue verausgabt werden kann. Die Wertsumme aller dieser
Waren ist allerdings gleich dem Wert aller in ihnen aufgezehrten
Produktionsmittel (konstanten Kapitalteile) plus dem Wert, den die
letzt zugefügte Arbeit geschaffen hat (Arbeitslohn plus Mehrwert).
Die Gesamtheit der Konsumenten kann also diese ganze Wertsumme
zahlen, weil zwar der Wert jeder einzelnen Ware aus ec +v+-m
besteht, aber die Wertsumme aller in den Konsumtionsfonds ein-
gehenden Waren zusammengenommen dem Maximum nach nur
gleich sein kann dem Teil des gesellschaftlichen Produktenwerts, der
sich in v + m auflöst, das heißt gleich dem Wert, den die während
des Jahres verausgabte Arbeit den vorgefundenen Produktions-
mitteln — dem konstanten Kapitalwert — zugesetzt hat. Was aber
den konstanten Kapitalwert angeht, so haben wir gesehen, daß er
aus der gesellschaftlichen Produktenmasse auf doppelte Weise ersetzt
wird. Erstens durch Austausch der Kapitalisten II, die Konsumtions-
mittel produzieren, mit den Kapitalisten I, welche die Produktions-
mi£tel dafür produzieren. Und hier ist die Quelle der Phrase, daß,
was für den einen Kapital, für den andern Revenue ist. Aber so
verhält sich die Sache nicht. Die 2000 ITe, die in Konsumtionsmitteln
zum Wert von 2000 existieren, bilden für die Kapitalistenklasse II
konstanten Kapitalwert. Sie können ihn also nicht selbst konsu-
mieren, obgleich das Produkt nach seiner Naturalform konsumiert
werden muß, Anderseits sind 2000 I v + m) der von der Kapitalisten-
und Arbeiterklasse I produzierte Arbeitslohn plus Mehrwert. Sie
existieren in der Naturalform von Produktionsmitteln, von Dingen,
in denen ihr eigener Wert nicht konsumiert werden kann. Wir haben
hier also eine Wertsumme von 4000, von denen vor wie nach dem
Austausch die Hälfte nur konstantes Kapital ersetzt und die Hälfte
nur Revenue bildet. — Zweitens aber wird das konstante Kapital
der Abteilung I in natura ersetzt, teils durch Austausch unter den
Kapitalisten I, teils durch Ersatz in natura in jedem einzelnen Geschäft.
Die Phrase, daß der ganze jährliche Produktenwert schließlich
von den Konsumenten bezahlt werden muß, wäre nur dann richtig,
Wenn man unter Konsumenten zwei ganz verschiedene Sorten ein-
begriffe, individuelle Konsumenten und produktive Konsumenten.
Aber daß ein Teil des Produkts produktiv konsumiert werden muß,
heißt ja weiter nichts, als daß er als Kapital fungieren muß und
nicht als Revenue verzehrt werden kann.
Wenn wir den Wert des Gesamtprodukts gleich 9000 einteilen
in 6000c + 1500v + 1500m und die 3000 w + m) nur in ihrer Eigen-

Dritter Abschnitt
        <pb n="426" />
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Zwanzigstes Kapitel

373
schaft als Revenue betrachten, so scheint umgekehrt das variable
Kapital zu verschwinden und das Kapital, gesellschaftlich betrachtet,
nur aus konstantem Kapital zu bestehen. Denn was ursprünglich
als 1500 v erschien, hat sich in einen Teil der gesellschaftlichen Reve-
nue, in Arbeitslohn, Revenue der Arbeiterklasse, aufgelöst, und sein
Kapitalcharakter ist damit verschwunden. In der Tat wird diese
Folgerung von Ramsay gezogen. Nach ihm besteht, gesellschaftlich
betrachtet, das Kapital nur aus fixem Kapital, aber unter fixem
Kapital versteht er konstantes Kapital, die in Produktionsmitteln
bestehende Wertmasse, seien diese Produktionsmittel nun Arbeits-
mittel oder Arbeitsmaterial, wie Rohstoff, Halbfabrikat, Hilfsstoff
etc. Er nennt das variable Kapital zirkulierendes: „Das zirkulie-
rende Kapital besteht ausschließlich aus Lebensmitteln und andern
notwendigen Dingen, die den Arbeitern vor der Vollendung des
Produkts ihrer Arbeit vorgeschossen werden... Lediglich das fixe
Kapital, nicht das zirkulierende, ist eigentlich eine Quelle des natio-
nalen Reichtums... Das zirkulierende Kapital ist keine unmittelbar
wirkende Kraft in der Produktion, es ist für sie überhaupt nicht
wesentlich, sondern nur ein Aushilfsmittel, das durch die beklagens-
werte Armut der Masse der Bevölkerung notwendig gemacht worden
ist... Das fixe Kapital allein stellt vom Gesichtspunkt der Nation
aus ein Element der Produktionskosten dar.‘ %e (Ramsay, 1. c., p. 23
bis 26 passım [an mehreren Stellen]). Ramsay erklärt fixes Kapital,
worunter er konstantes versteht, näher wie folgt: „Solange ein Teil
des Produkts jener Arbeit (nämlich der Arbeit, die auf die Produktion
einer Ware verwendet worden ist) als fixes Kapital existiert, das
heißt in einer Form, in der es, obgleich es zur Herstellung einer
künftigen Ware mithilft, keine Arbeiter erhält.‘%f (p. 59.)

Hier sieht man wieder das Unheil, das A. Smith angerichtet,
indem der Unterschied von konstantem und variablem Kapital bei
ihm ertränkt ist in dem Unterschied von fixem und zirkulierendem
Kapital. Das konstante Kapital Ramsays besteht aus Arbeitsmitteln,
sein zirkulierendes aus Lebensmitteln; beide sind Waren von gege-
benem Wert; die einen können so wenig einen Mehrwert produzieren
wie die andern.

48e „Cireulating capital consists exclusively [in der Engelsschen Aus-
gabe „only“. K.] of subsistence and other necessaries advanced to the
workmen, previous to the completion of the produce of their labour...
Fixed capital... alone, not circulating, is properly speaking a source of
national wealth . . . Cireulating capital is not an immediate agent in pro-
Auction, nor even [,,‚even‘“ fehlt in der Engelsschen Ausgabe. K.] essential
io it at all, but merely a convenience rendered necessary by the deplorable
poverty of the mass of the people... Fixed capital alone constitutes an
alement of cost of production in a national point of view.“

42! The length of time during which any portion of the product of that
labour (nämlich labour bestowed on any commodity) has existed as fixed
capital; that is in a form in which, though assisting to raise-the future
commodity, it does not maintain labourers.“
        <pb n="427" />
        374
X. Kapital und Revenue: Variables Kapital und Arbeitslohn.“
Die ganze jährliche Reproduktion, das ganze Produkt dieses
Jahres ist Produkt der diesjährigen nützlichen Arbeit. Aber der
Wert dieses Gesamtprodukts ist größer als der Wertteil desselben,
worin sich die Jahresarbeit als während dieses Jahres verausgabte
Arbeitskraft verkörpert. Das Wertprodukt dieses J ahres, der
während desselben in Warenform neugeschaffene Wert, ist kleiner
als der Produkten wert, der Gesamtwert der während des ganzen
Jahres hergestellten Warenmasse. Die Differenz, die wir erhalten,
wenn wir vom Gesamtwert des jährlichen Produkts den Wert ab-
ziehen, der ihm durch die laufende Jahresarbeit zugesetzt wurde, ist
nicht wirklich reproduzierter Wert, sondern nur in neuer Daseins-
form wiedererscheinender Wert; Wert, auf das J ahresprodukt
übertragen von vor ihm existierendem Wert, der je nach der Dauer
der konstanten Kapitalbestandteile, die im diesjährigen gesellschaft-
lichen Arbeitsprozeß mitgewirkt, von früherem oder späterem Datum
sein kann, der von dem Wert eines Produktionsmittels herrühren
kann, welches im vorigen Jahr oder in einer Reihe früherer Jahre zur
Welt kam. Es ist unter allen Umständen Wert, übertragen von
vorjährigen Produktionsmitteln auf das Produkt des laufenden
Jahres.
Nehmen wir unser Schema, so haben wir nach Umsatz der bis-
her betrachteten Elemente zwischen I und II und innerhalb II:
I. 4000ec + 10007 + 1000m (letztere 2000 realisiert in Konsum-
tionsmitteln IIc) = 6000.
IT. 20006 (reproduziert durch Umsatz mit I iv + m)) + 5007 + 500m
3000.
Wertsumme gleich 9000.
Während des Jahres neuproduzierter Wert steckt nur in den
v und m. Die Summe des Wertprodukts dieses Jahres ist also gleich
der Summe der v + m =20001I tv +m) + 100011 tv + m = 3000. Alle
übrigen Wertteile des Produktenwerts dieses Jahres sind nur über-
bragener Wert, vom Wert früherer, in der jährlichen Produktion ver-
zehrter Produktionsmittel. Außer dem Wert von 3000 hat die laufende
Jahresarbeit nichts an Wert produziert; es ist ihr ganzes jährliches
Wertprodukt.
Nun aber ersetzen, wie wir sahen, die 2000 I + m der Klasse
IT ihre 2000 ITe in Naturalform von Produktionsmitteln. Zwei Drittel
der Jahresarbeit, verausgabt in Kategorie I, haben also neuproduziert
das konstante Kapital II, sowohl seinen ganzen Wert wie seine
Naturalform. Gesellschaftlich betrachtet, haben also zwei Drittel der
während des Jahres verausgabten Arbeit neuen konstanten Kapital-
wert geschaffen, realisiert in der der Abteilung II angemessenen Na-
turalform. Der größere Teil der gesellschaftlichen Jahresarbeit ist
also verausgabt worden in Produktion von neuem konstantem Kapital
%2 Von hier an Manuskript VIII F.E.
        <pb n="428" />
        Zwanzigstes Kapitel

375

in Produktionsmitteln existierendem Kapitalwert) zum Krsatz
des in der Produktion von Konsumtionsmitteln verausgabten kon-
stanten Kapitalwerts. Was hier die kapitalistische Gesellschaft vom
Wilden unterscheidet, ist nicht, wie Senior®® meint, daß es das Privi-
legium [Vorrecht] und die Eigenheit des Wilden sei, seine Arbeit zu
verausgaben in gewisser Zeit, die ihm keine in Revenue, das heißt in
Konsumtionsmittelauflösbare (umsetzbare) Früchte erschafft. sondern
der Unterschied besteht darin:

a) Die kapitalistische Gesellschaft verwendet mehr ihrer dispo-
niblen Jahresarbeit in Produktion von Produktionsmitteln (ergo [also]
von konstantem Kapital), die weder unter der Form von Arbeitslohn
noch von Mehrwert in Revenue auflösbar sind. sondern nur als Kapi-
tal fungieren können.

b) Wenn der Wilde Bogen, Pfeile, Steinhämmer, Aexte, Körbe
etc. macht, so weiß er ganz genau, daß er die so verwandte Zeit
nicht auf Herstellung von Konsumtionsmitteln verwendet hat, daß
er also seinen Bedarf an Produktionsmitteln gedeckt hat und weiter
nichts. Außerdem begeht der Wilde eine schwere ökonomische Sünde
Aurch seine völlige Gleichgültigkeit gegen Zeitaufwand und verwendet
zum Beispiel manchmal, wie Tyler erzählt, einen ganzen Monat zur
Verfertigung eines Pfeiles.51 .

Die laufende Vorstellung, wodurch ein Teil der politischen. Oeko-
nomen sich die theoretische Schwierigkeit, das heißt das Verständ-
nis des realen Zusammenhangs, vom Hals zu schaffen sucht — daß,
was für den einen Kapital, für den andern Revenue ist, und umge-
kehrt —, ist teilweise richtig und wird ganz falsch (enthält also ein
völliges Mißverständnis des ganzen Umsetzungsyrozesses, der mit der

50, Wenn der Wilde Bogen fabriziert, so übt er eine Industrie aus, aber
er praktiziert nicht die Abstinenz.‘‘ (Senior: ‚Prineipes fondamentaux de
’Economie Politique‘“ trad. Arrivabene, Paris 1836, p. 342). [In der Engels-
schen Ausgabe stand 308; Marx beging dies Versehen deshalb, weil er das
Zitat aus dem I. Buch des „Kapital“ entnahm, wo unmittelbar nach-
einander zwei Zitate von Senior sich finden, das eine von Seite 308,
das zweite von Seite 342; siehe Anmerkungen 41 und 42 auf Seite 619
der 2. Aufl., V. Seite 532 des I. Buches des „Kapital“, K.] — „Je mehr die
Gesellschaft fortschreitet, desto mehr Abstinenz erfordert sie.‘‘ (Ibidem,
p. 342. [Dieser Satz findet sich nicht im Wortlaut, wohl aber dem Sinn nach
bei Senior. Die betreffende Stelle lautet: „Der erste Schritt nach vorwärts,
den der soziale Mensch tat, geschah, als er sich aus einem Jäger oder
Fischer in einen Hirten verwandelte. Dazu bedurfte es der Ausübung
von Abstinenz. Der Uebergang vom Gewerbe des Hirten zu dem des
Ackerbauers erheischt noch mehr Abstinenz oder eine größere Anwendung
von Kapitalien. Und eine noch größere Anwendung ist notwendig für
das Gedeihen von Handel und Industrie. K.] — Vgl. „Das Kapital“,
Buch I, Kapitel XXII, 3, S. 619, V. S. 532.

51 E, B. Tyler: „Forschungen über die Urgeschichte der Menschheit.“
Uebersetzt von H. Müller. Leipzig, ohne Datum. 8. 240.
        <pb n="429" />
        376

Dritter Abschnitt
jährlichen Reproduktion vorgeht, also auch ein Mißverständnis über
die tatsächliche Grundlage des teilweise Richtigen), sobald sie allge-
mein aufgestellt wird.

Wir stellen jetzt die tatsächlichen Verhältnisse zusammen, wor-
auf die teilweise Richtigkeit dieser Vorstellung beruht, wobei sich
zugleich die falsche Auffassung dieser Verhältnisse zeigen wird.

1. Das variable Kapital fungiert als Kapital in der Hand des
Kapitalisten und fungiert als Revenue in der Hand des Lohnarbeiters.

Das variable Kapital existiert zunächst in der Hand des Kapi-
talisten als Geldkapital; es fungiert als Geldkapital, indem er
damit Arbeitskraft kauft. Solange es in seiner Hand in Geldform
verharrt, ist es nichts als in Geldform existierender gegebener Wert,
also eine konstante und keine variable Größe. Es ist nur potentiell
variables Kapital — eben durch seine Umsatzfähigkeit in Arbeits-
kraft. Wirkliches variables Kapital wird es nur nach Abstreifung
seiner Geldform, nachdem es in Arbeitskraft umgesetzt worden und
diese als Bestandteil des produktiven Kapitals im kapitalistischen
Prozeß fungiert.

Das Geld, das zuerst als Geldform des variablen Kapitals für
den Kapitalisten fungierte, fungiert nun in der Hand des Arbeiters
als Geldform seines Arbeitslohnes, den er in Lebensmittel umsetzt,
also als Geldform der Revenue, die er aus dem stets wiederholten
Verkauf seiner Arbeitskraft bezieht.

Hier haben wir nun die einfache Tatsache, daß das Geld des
Käufers, hier des Kapitalisten, aus seiner Hand in die Hand des Ver-
käufers, hier des Verkäufers der Arbeitskraft, des Arbeiters, geht.
Es ist nicht das variable Kapital, das doppelt fungiert, als Kapital
für den Kapitalisten und als Revenue für den Arbeiter, sondern es
ist dasselbe Geld, das erst in der Hand des Kapitalisten als Geld-
[orm seines variablen Kapitals, daher als potentielles variables Kapi-
tal existiert und das, sobald der Kapitalist es umgesetzt in Arbeits-
kraft, in der Hand des Arbeiters als Aequivalent für verkaufte Ar-
beitskraft dient. Daß aber dasselbe Geld in der Hand des Verkäufers
einer andern Nutzanwendung dient als in der Hand des Käufers, ist
allem Kauf und Verkauf von Waren angehöriges Phänomen.

Apologetische Oekonomen stellen die Sache falsch dar, wie sich
am besten zeigt, wenn wir nur den Zirkulationsakt G — A (gleich
GG — W), Umsatz von Geld in Arbeitskraft auf Seite des kapitalisti-
schen Käufers, A — G (gleich W— G), Umsatz der Ware Arbeitskraft
in Geld auf Seite des Verkäufers, des Arbeiters, ausschließlich im
Auge halten, ohne uns vorläufig um das weiter Folgende zu bekümmern.
Sie sagen: dasselbe Geld realisiert hier zwei Kapitale; der Käufer

— Kapitalist — setzt sein Geldkapital in lebendige Arbeitskraft um,
die er seinem produktiven Kapital einverleibt; anderseits der Ver-
käufer — Arbeiter — setzt seine Ware — die Arbeitskraft — in Geld
um, das er als Revenue verausgabt, wodurch er eben befähigt wird,
seine Arbeitskraft stets von neuem wieder zu verkaufen und so zu
        <pb n="430" />
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Zwanzigstes Kapitel

377

erhalten; seine Arbeitskraft ist also selbst sein Kapital in Warenform,
woraus ihm beständig seine Revenue quillt. In der Tat ist die Arbeits-
kraft sein Vermögen (stets sich erneuerndes, reproduktives), nicht
sein Kapital. Sie ist die einzige Ware, die er beständig verkaufen
kann und muß, um zu leben, und die als Kapital (variables) nur erst
in der Hand des Käufers, des Kapitalisten, wirkt. Daß ein Mann
beständig gezwungen ist, stets wieder von neuem seine Arbeitskraft,
das heißt sich selbst, an eine dritte Person zu verkaufen, beweist
nach jenen Oekonomen, daß er ein Kapitalist ist, weil er beständig
„Ware‘‘ (sich selbst) zu verkaufen hat. In diesem Sinn wird auch
der Sklave Kapitalist, obgleich er von einer dritten Person ein für
allemal als Ware verkauft wird; denn die Natur dieser Ware — des
Arbeitssklaven — bringt es mit sich, daß ihr Käufer sie nicht nur
jeden Tag von neuem arbeiten läßt, sondern ihr auch die Lebens-
mittel gibt, vermöge deren sie stets von neuem wieder arbeiten kann.
(Vergleiche hierüber Sismondi und Say in den Briefen an Malthus.)

2. In dem Umsatz von 1000 Iv + 1000 Im gegen 2000 IIe wird
also das, was konstantes Kapital für die einen (2000 IIe), variables
Kapital und Mehrwert, also überhaupt Revenue, für die andern, und
das, was variables Kapital und Mehrwert (2000 Ivy +), also überhaupt
Revenue für die einen, wird konstantes Kapital für die andern.

Betrachten wir zunächst den Umsatz von Iv gegen IIc, und zwar
zuerst vom Standpunkt des Arbeiters.

Der Gesamtarbeiter von I hat seine Arbeitskraft verkauft an
den Gesamtkapitalisten von I für 1000; er erhält ‚diesen Wert in
Geld ausgezahlt in der Form des Arbeitslohnes. Mit diesem Geld
kauft er von II Konsumtionsmittel zum selben Wertbetrag. Der
Kapitalist IL steht ihm nur als Warenverkäufer und als nichts anderes
gegenüber, auch wenn der Arbeiter von seinem eigenen Kapitalisten
kauft, wie zum Beispiel oben (S. 345) im Umsatz der 500 IL-.
Die Zirkulationsform, die seine Ware, die Arbeitskraft, durchmacht,
ist die der einfachen, auf bloße Befriedigung von Bedürfnissen, auf
Konsumtion gerichtete Warenzirkulation W (Arbeitskraft) — G —W
(Konsumtionsmittel, Ware II). Resultat dieses Zirkulationsvorganges
ist: daß der Arbeiter sich als Arbeitskraft für den Kapitalisten I
erhalten hat, und um sich weiter als solche zu erhalten, muß er stets
von neuem den Prozeß A (W) — G — W wiederholen. Sein Arbeits-
lohn realisiert sich in Konsumtionsmitteln, er wird als Revenue ver-
ausgabt und, die Arbeiterklasse im ganzen genommen, wieder be-
ständig als Revenue verausgabt.

Betrachten wir nun denselben Umsatz Iv gegen IIc vom Stand-
punkt des Kapitalisten. Das ganze Warenprodukt von II besteht
aus Konsumtionsmitteln, also aus Dingen, bestimmt, in die jährliche
Konsumtion einzugehen, also zur Realisierung von Revenue zu dienen
für irgend jemand, im hier betrachteten Fall für den Gesamtarbeiter I.
Für den Gesamtkapitalisten II aber ist ein Teil seines Warenprodukts,
gleich 2000, jetzt die in Ware verwandelte Form des konstanten
        <pb n="431" />
        378

Dritter Abschnitt
Kapitalwerts seines produktiven Kapitals, welches aus dieser Waren-
form wieder rückverwandelt werden muß in die Naturalform, worin es
von neuem als konstanter Teil des produktiven Kapitals wirken kann.
Was Kapitalist IT bis jetzt erreicht hat, ist, daß er die Hälfte (gleich
1000) seines in Warenform (Konsumtionsmitteln) reproduzierten kon-
stanten Kapitalwerts durch den Verkauf an den Arbeiter I in Geld-
form rückverwandelt hat. Es ist also auch nicht das variable Kapital
Lv, das sich umgesetzt hat in diese erste Hälfte des konstanten Kapi-
talwerts IIe, sondern das Geld, das für I als Geldkapital fungierte
im Umsatz gegen Arbeitskraft, war so in den Besitz des Verkäufers
der Arbeitskraft gekommen, für den es kein Kapital, sondern Revenue
in Geldform darstellt, das heißt verausgabt wird als Kaufmittel von
Konsumtionsmitteln. Das Geld gleich 1000, das den Kapitalisten II
von den Arbeitern I zugeflossen, kann anderseits nicht als konstantes
Element des produktiven Kapitals II fungieren. Es ist nur noch die
Geldform seines Warenkapitals, noch umzusetzen in fixe oder zir-
kulierende Bestandteile von konstantem Kapital. IT kauft also mit
dem von den Arbeitern I, den Käufern seiner Ware, gelösten Geld
für 1000 Produktionsmittel von I. Damit ist der konstante Kapital-
wert IT zur Hälfte des Gesamtbetrages erneuert in der Naturalform,
worin es wieder als Element des produktiven Kapitals IT fungieren
kann. Die Zirkulationsform war dabei W — G — W: Konsumtions-
mittel zum Wert von 1000 — Geld gleich 1000 — Produktionsmittel
zum Wert von 1000.

Aber W— G — W ist hier Kapitalbewegung. W, verkauft an
die Arbeiter, verwandelt sich in G, und dies G wird umgesetzt in
Produktionsmittel; es ist Rückverwandlung aus Ware in die stoff-
lichen Bildungselemente dieser Ware. Anderseits, wie Kapitalist II
gegen I nur als Warenkäufer®1*, fungiert Kapitalist I gegen II hier
hur als Warenverkäufer. I hat ursprünglich mit 1000 Geld, bestimmt,
als variables Kapital zu fungieren, Arbeitskraft zum Wert von 1000
gekauft; er hat also ein Aequivalent für seine in Geldform weggegebe-
nen 1000, erhalten; das Geld gehört jetzt dem Arbeiter, der es ver-
ausgabt in Käufen von II; I kann dies Geld, das so in die Kasse
von IT geflossen, nur rückerhalten, indem er es durch Verkauf von
Waren zum selben Wertbetrag wieder herausfischt.

Erst hatte I eine bestimmte Geldsumme von 1000, bestimmt,
als variabler Kapitalteil zu fungieren; sie fungiert als solcher durch
ihren Umsatz in Arbeitskraft zum selben Wertbetrag. Der Arbeiter
hat ihm aber als Resultat des Produktionsprozesses geliefert eine
Warenmasse (Produktionsmittel) zum Wert von 6000, wovon 1, oder
1000 ihrem Wert nach ein Aequivalent des in Geld vorgeschossenen
variablen Kapitalteils.. So wenig wie früher in seiner Geldform, fun-
giert der variable Kapitalwert jetzt in seiner Warenform als variables

a So in der I. und 2, Auflage. In den späteren Auflagen steht
„Warenverkäufer‘“. Jedenfalls ein Druckfehler. K.
        <pb n="432" />
        Zwanzigstes Kapitel

379

Kapital; dies kann er nur nach erfolgtem Umsatz in lebendige Arbeits-
kraft und nur, solange diese im Produktionsprozeß fungiert. Als Geld
war der variable Kapitalwert nur potentielles variables Kapital. Aber
er befand sich in einer Form, worin er direkt in Arbeitskraft umsetz-
bar. Als Ware ist dieser selbe variable Kapitalwert nur noch poten-
tieller Geldwert; er wird erst wieder in der ursprünglichen Geldform
hergestellt durch den Verkauf der Ware, hier also dadurch, daß II
für 1000 Ware kauft von I. Die Zirkulationsbewegung ist hier: 1000 v
(Geld) — Arbeitskraft zum Wert von 1000 — 1000 in Ware (Aequiva-
lent des variablen Kapitals) — 1000, (Geld); also G — W... W—G
(gleich G— A...W — G). Der zwischen W...W fallende Pro-
duktionsprozeß selbst gehört der Zirkulationssphäre nicht an; er er-
scheint nicht im Umsatz der verschiedenen Elemente der jährlichen
Reproduktion gegeneinander, obgleich dieser Umsatz die Reproduk-
tion aller Elemente des produktiven Kapitals einschließt, sowohl
seiner konstanten wie des variablen Elements, der Arbeitskraft. Alle
Träger dieses Umsatzes erscheinen nur als Käufer und Verkäufer
oder als beides; die Arbeiter erscheinen darin nur als Warenkäufer,
die Kapitalisten abwechselnd als Käufer und Verkäufer, und inner-
halb bestimmter Grenzen nur einseitig als Warenkäufer oder ein-
seitig als Warenverkäufer, 919

Resultat: Daß I den variablen Wertteil seines Kapitals wieder
in der Geldform besitzt, woraus allein er direkt in Arbeitskraft um-
setzbar ist, das heißt ihn wieder besitzt in der einzigen Form, worin
er wirklich als variables Element seines produktiven Kapitals vor-
geschossen werden kann. Anderseits, um wieder als Warenkäufer
auftreten zu können, muß der Arbeiter jetzt vorher wieder als Waren-
verkäufer, als Verkäufer seiner Arbeitskraft auftreten,

Mit Bezug auf das variable Kapital der Kategorie II (500 IL-)
tritt der Zirkulationsprozeß zwischen Kapitalisten und Arbeitern der-
selben Produktionsklasse in unvermittelter Form auf, sofern wir ihn
betrachten als vorgehend zwischen dem Gesamtkapitalisten II und
dem Gesamtarbeiter II.

Der Gesamtkapitalist II schießt 500, vor im Ankauf von Ar-
beitskraft zum selben Wertbetrag; der Gesamtkapitalist ist hier Käu-
fer, der Gesamtarbeiter Verkäufer. Dann tritt der Arbeiter mit dem
für seine Arbeitskraft gelösten Geld als Käufer eines Teils der von
ihm selbst produzierten Waren auf. Hier ist der Kapitalist also Ver-
käufer, Der Arbeiter hat dem Kapitalisten das ihm im Ankauf seiner
Arbeitskraft gezahlte Geld ersetzt durch einen Teil des produzierten
Warenkapitals II, nämlich 500, in Ware; der Kapitalist besitzt jetzt
in Warenform dasselbe v, das er vor dem Umsatz in Arbeitskraft in
Geldform besaß; der Arbeiter anderseits hat den Wert seiner Arbeits-
kraft in Geld realisiert und realisiert dies Geld jetzt wieder, indem

51b In der Engelsschen Ausgabe steht: „nur als einseitig Warenkäufer
der als einseitiz Warenverkäufer‘“‘. K.
        <pb n="433" />
        Dritter Abschnitt
er es zur Bestreitung seiner Konsumtion als Revenue verausgabt in
Ankauf eines Teils der von ihm selbst produzierten Konsumtions-
mittel. Es ist dies Austausch der Revenue des Arbeiters in Geld
gegen den von ihm selbst in Warenform reproduzierten Warenbe-
standteil 500, des Kapitalisten. So kehrt dies Geld zum Kapitalisten
IT als Geldform seines variablen Kapitals zurück. Aequivalenter
Revennewert in Geldform ersetzt hier variablen Kapitalwert in Wa-
renform.

Der Kapitalist bereichert sich nicht dadurch, daß er das Geld,
das er dem Arbeiter bei Ankauf der Arbeitskraft zahlt, ihm wieder
entzieht durch Verkauf einer äquivalenten Warenmasse an den Ar-
beiter. Er würde den Arbeiter in der Tat zweimal zahlen, wenn er
‘hm erst 500 zahlte im Ankauf seiner Arbeitskraft und ihm außerdem
noch die Warenmasse im Wert von 500 umsonst gäbe, die er den Ar-
beiter hat produzieren lassen. Umgekehrt, produzierte ihm der Ar-
beiter weiter nichts als ein Aequivalent in Ware von 500 für den
Preis seiner Arbeitskraft von 500, so wäre der Kapitalist nach der
Operation gerade auf demselben Punkt wie vor derselben. Aber der
Arbeiter hat ein Produkt von 3000 reproduziert; er hat den kon-
stanten Wertteil des Produkts, das heißt den Wert der darin ver-
brauchten Produktionsmittel gleich 2000 erhalten durch ihre Ver-
wandlung in neues Produkt; er hat diesem gegebenen Wert außerdem
einen Wert von 1000 ww + m) zugefügt. (Die Vorstellung, als wenn der
Kapitalist sich bereichere in dem Sinn, daß er Mehrwert gewinne
durch. den Rückfluß der 500 in Geld, entwickelt Destutt de Tracy,
worüber des breitern Abschnitt XIII dieses Kapitels.)

Durch den Kauf der Konsumtionsmittel zum Wert von 500
seitens des Arbeiters II kehrt dem Kapitalisten II der Wert von
500 II-, den er eben noch in Ware besaß, wieder zurück in Geld, in
der Form, worin er ihn ursprünglich vorschoß. Unmittelbares Resul-
tat der Transaktion, wie bei jedem andern Warenverkauf, ist der
Umsatz gegebenen Wertes aus Warenform in Geldform. Auch der
dadurch vermittelte Rückfluß des Geldes zu seinem Ausgangspunkt
ist nichts Spezifisches. Hätte Kapitalist II für 500 in Geld Ware von
Kapitalist I gekauft und dann seinerseits Ware zum Betrag von 500

an I verkauft, so wären ihm ebenfalls 500 in Geld zurückgeströmt.
Die 500 Geld hätten nur zum Umsatz einer Warenmasse von 1000
gedient und wären nach dem früheren allgemeinen Gesetz an den
zurückgeflossen, der das Geld zum Umsatz dieser Warenmasse in
Zirkulation geworfen.

Aber die 500 Geld, die zu Kapitalist II zurückgeflossen, sind zu-
gleich erneutes potentielles variables Kapital in Geldform. Warum
dies? Geld, also auch Geldkapital, ist potentielles variables Kapital
nur weil und sofern es umsetzbar in Arbeitskraft. Die Rückkehr der
500 Pfd. Sterl. Geld zu Kapitalist IT ist begleitet von der Rückkehr
der Arbeitskraft II auf den Markt. Die Rückkehr beider auf ent-
gegengesetzten Polen — also auch.die Wiedererscheinung der 500

230
        <pb n="434" />
        Zwanzigstes Kapitel 381
Geld nicht nur als Geld, sondern auch als variables Kapital in Geld-
iorm — ist bedingt durch ein und dieselbe Prozedur [Verfahren]. Das
Geld gleich 500 Sießt an Kapitalist II zurück, weil er an Arbeiter II
Konsumtionsmittel zum Betrag von 500 verkauft hat, also weil der
Arbeiter seinen Arbeitslohn verausgabt, dadurch sich nebst Familie
und damit auch seine Arbeitskraft erhalten hat. Um weiterzuleben und
weiter als Warenkäufer auftreten zu können, muß er von neuem seine
Arbeitskraft verkaufen. Die Rückkehr der 500 in Geld zum Kapita-
listen II ist also gleichzeitig Rückkehr, respektive Verbleiben, der
Arbeitskraft als durch die 500 Geld kaufbare Ware und damit
Rückkehr der 500 Geld als potentielles variables Kapital.

Mit Bezug auf die Luxusmittel produzierende Kategorie IIb
verhält es sich mit ihrem v — (IIb)v — dann wie mit Iv. Das Geld,
das den Kapitalisten IIb ihr variables Kapital in Geldform erneuert,
strömt ihnen zu auf dem Umweg durch die Hand der Kapitalisten ITIa.
Aber dennoch macht es einen Unterschied, ob die Arbeiter ihre Lebens-
mittel direkt von den kapitalistischen Produzenten kaufen, denen
sie ihre Arbeitskraft verkaufen, oder ob sie von einer andern Kategorie
Kapitalisten kaufen, vermittels deren den ersteren das Geld nur auf
einem Umweg zurückströmt. Da die Arbeiterklasse von der Hand in
den Mund lebt, kauft sie, solange sie kaufen kann. Anders beim Ka-
pitalisten, zum Beispiel bei dem Umsatz von 1000 IIe gegen 1000 I-.
Der Kapitalist lebt nicht von der Hand in den Mund. Möglichste
Verwertung seines Kapitals ist sein treibendes Motiv. Treten daher
Umstände irgendeiner Art ein, die es dem Kapitalisten II vorteil-
hafter erscheinen lassen, statt unmittelbar sein konstantes Kapital
zu erneuern, es teilweise wenigstens in Geldform längere Zeit fest-
zuhalten, so verzögert sich der Rückfiuß der 1000 IIe (in Geld) zu I,
also auch die Wiederherstellung von 1000, in Geldfiorm, und Kapita-
list I kann nur auf derselben Stufenleiter fortarbeiten, wenn er Re-
servegeld zur Verfügung hat, wie überhaupt Reservekapital in Geld
nötig ist, um ununterbrochen, ohne Rücksicht auf rascheren oder lang-
sameren Rückfluß des variablen Kapitalwerts in Geld, fortarbeiten
zu können.

Hat man den Umsatz der verschiedenen Elemente der laufenden
jährlichen Reproduktion zu untersuchen, so auch das Resultat der
vergangenen Jahresarbeit, der Arbeit des bereits zum Abschluß ge-
kommenen Jahres. Der Produktionsprozeß, der in diesem jährlichen
Produkt resultierte, liegt hinter uns, ist vergangen, aufgegangen in
seinem Produkt, um so mehr also auch der Zirkulationsprozeß, der dem
Produktionsprozeß vorhergeht oder ihm parallel läuft, der Umsatz
von potentiellem in wirkliches variables Kapital, das heißt der Kauf
und Verkauf von Arbeitskraft. Der Arbeitsmarkt bildet keinen Teil
mehr des Warenmarktes, den man hier vor sich hat. Der Arbeiter
hat hier bereits nicht nur seine Arbeitskraft verkauft, sondern außer
dem Mehrwert ein Aequivalent des Preises seiner Arbeitskraft in Ware
geliefert; er hat anderseits seinen Arbeitslohn in der Tasche und
        <pb n="435" />
        382

Dritter Abschnitt
figuriert während des Umsatzes nur als Käufer von Ware (Konsum-
tionsmitteln). Anderseits muß aber das jährliche Produkt alle Elemente
der Reproduktion enthalten, alle Elemente des produktiven Kapitals
wieder herstellen, vor allem also sein wichtigstes Element, das variable
Kapital. Und wir haben in der Tat gesehen, daß mit Bezug auf
variables Kapital als Resultat des Umsatzes sich darstellt: als Waren-
käufer, durch Verausgabung seines Arbeitslohnes und. durch den Kon-
sum der gekauften Ware erhält und reproduziert der Arbeiter seine
Arbeitskraft als die einzige Ware, die er zu verkaufen hat: wie das
in Ankauf dieser Arbeitskraft vom Kapitalisten vorgeschossene Geld
zu diesem zurückkehrt, kehrt auch die Arbeitskraft, als gegen es
umsetzbare Ware, auf den Arbeitsmarkt zurück; als Resultat, hier
speziell bei 1000 I-, erhalten wir: 1000v in Geld auf seiten der Ka-
pitalisten IL — demgegenüber: Arbeitskraft zum Wert von 1000 auf
seiten. der Arbeiter I, so daß der ganze Reproduktionsprozeß I von
neuem beginnen kann. Dies ist das eine Resultat des Umsatzpro-
ZEI8LES.

Anderseits hat die Verausgabung des Arbeitslohnes der Arbeiter I
Konsumtionsmittel zum Belauf von 1000c von II gehoben, diese
somit aus Warenform in Geldform verwandelt; aus dieser Geldform
hat IL sie rückverwandelt in die Naturalform seines konstanten Ka-
pitals, durch Kauf von Waren im Betrag von 1000v von I, dem da-
durch sein variabler Kapitalwert wieder in Geldform rückfließt.

Das variable Kapital I macht drei Verwandlungen durch, die
im Umsatz des jährlichen Produkts gar nicht oder nur andeutungs-
weise erscheinen.

1. Die erste Form, 1000 Iv in Geld, das in Arbeitskraft zum
selben Wertbetrag umgesetzt wird. Dieser Umsatz erscheint nicht
selbst im Warenumsatz zwischen I und II, aber sein Resultat er-
scheint darin, daß die Arbeiterklasse I mit 1000 Geld dem Warenver-
käufer IT gegenübertritt, ganz wie die Arbeiterklasse II mit 500 Geld
dem Warenverkäufer von 500 IIv in Warenform.

2. Die zweite Form, die einzige, worin das variable Kapital wirk-
lich varliert, als variables fungiert, wo wertschöpferische Kraft an
Stelle von dafür eingetauschtem, gegebenem Wert erscheint, gehört
ausschließlich dem Produktionsprozeß an, der hinter uns liegt.

3. Die dritte Form, worin das variable Kapital sich als solches
bewährt hat im Resultat des Produktionsprozesses, ist das jährliche
Wertprodukt, also bei I gleich 1000v + 1000m = 2000 I w+m. An
Stelle seines ursprünglichen Wertes von 1000 in Geld ist ein doppelt so
großer Wert von 2000 in Ware getreten. Der variable Kapitalwert
von 1000 in Ware bildet daher auch nur die Hälfte des durch das
variable Kapital als Element des produktiven Kapitals geschaffenen
Wertprodukts. Die 1000 Iv in Ware sind exaktes Aequivalent des
in 1000, Geld von I ursprünglich vorgeschossenen, seiner Bestim-
mung nach variablen Teils des Gesamtkapitals; in Warenform sind
sie aber nur potentiell Geld (werden es wirklich erst dureh ihren Ver-
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kauf), also noch weniger direkt variables Geldkapital. Schließlich
werden sie dies durch den Verkauf der Ware 1000 Iv an IIe und durch
das baldige Wiedererscheinen der Arbeitskraft als käuflicher Ware,
als Material, worin sich 1000, Geld umsetzen kann.

Während aller. dieser Wandlungen hält Kapitalist I beständig
das variable Kapital in seiner Hand: 1. anfänglich als Geldkapital;
2. sodann. als Element seines produktiven Kapitals; 3. noch später
als Wertteil seines Warenkapitals, also in Warenwert; 4. endlich
wieder in Geld, dem die Arbeitskraft, worin es umsetzbar, wieder
gegenübersteht. Während des Arbeitsprozesses hat der Kapitalist
das variable Kapital in seiner Hand als sich betätigende, Wert schaf-
fende Arbeitskraft, aber nicht als Wert von gegebener Größe; da er
jedoch den Arbeiter stets nur zahlt, nachdem seine Kraft schon. be-
stimmte kürzere oder längere Zeit gewirkt hat, so hat er auch den
von ihr geschaffenen Ersatzwert für sie selbst plus Mehrwert bereits
in seiner Hand, bevor er zahlt.

Da das variable Kapital stets in irgendeiner Form
in der Hand des Kapitalisten bleibt, kann in keiner
Weise gesagt werden, daß es sich in Revenue für irgend
jemand umsetzt. 1000 Iv in Ware setzt sich vielmehr um in Geld
durch seinen Verkauf an II, dem es die Hälfte seines konstanten
Kapitals in natura ersetzt.

Was sich in Revenue auflöst, ist nicht.das variable Kapital I,
1000 in Geld; dies Geld hat aufgehört, als Geldform des variablen
Kapitals I zu fungieren, sobald es in Arbeitskraft umgesetzt ist, wie
das Geld jedes andern Warenverkäufers aufgehört hat, irgend ihm
Gehöriges zu repräsentieren, sobald er es in Ware eines Verkäufers
umgesetzt hat. Die Umsätze, die das als Arbeitslohn bezogene Geld
in der Hand der Arbeiterklasse durchmacht, sind keine Umsätze des
variablen Kapitals, sondern des in Geld verwandelten Wertes ihrer
Arbeitskraft; ganz ebenso wie der Umsatz des vom Arbeiter geschaf-
fenen Wertprodukts (2000 I + =) nur der Umsatz einer den Kapita-
listen gehörigen Ware ist, der den Arbeiter nichts angeht. Der
Kapitalist aber — und noch mehr sein theoretischer Dolmetscher,
der politische Oekonom — kann sich nur schwer der Einbildung
entschlagen, daß das dem Arbeiter ausgezahlte Geld immer noch
sein, des Kapitalisten Geld ist. Ist der Kapitalist Goldproduzent, so
erscheint direkt der variable Wertteil — das heißt das Aequivalent
in Ware, das ihm den Kaufpreis der Arbeit ersetzt — selbst in Geld-
form, kann also auch ohne den Umweg eines Rückflusses von neuem
als variables Geldkapital fungieren. Was aber den Arbeiter in II
betrifft — soweit wir absehen vom Luxusarbeiter —, so existiert 500v
selbst in Waren, die für die Konsumtion des Arbeiters bestimmt
sind, die er, als Gesamtarbeiter betrachtet, direkt wieder kauft
von demselben Gesamtkapitalisten, an den er seine Arbeitskraft ver-
kauft hat. Der variable Wertteil des Kapitals II besteht seiner
Naturalform nach in Konsumtionsmitteln, größtenteils bestimmt für

Das Kapital. I.

Zwanzigstes Kapitel

a
        <pb n="437" />
        384

Dritter Abschnitt
den Verzehr der Arbeiterklasse. Aber es ist nicht das variable Kapital,
das in dieser Form vom Arbeiter verausgabt wird; es ist der Arbeits-
lohn, das Geld des Arbeiters, das gerade durch seine Realisation in
diesen Konsumtionsmitteln das variable Kapital 500 IIv für den
Kapitalisten wieder in seiner Geldiorm herstellt. Das variable
Kapital II ist reproduziert in Konsumtionsmitteln, wie das konstante
Kapital 2000 IIc; so wenig wie das eine löst sich das andere in Revenue
auf. Was sich in Revenue auflöst, ist in beiden Fällen der Arbeitslohn.

Daß aber durch die Verausgabung des Arbeitslohnes als Revenue
im einen Fall 1000 ITe, ebenso auf diesem Umweg 1000 I, und ditto
500 II-, also konstantes Kapital und variables (bei diesem teils durch
direkten, teils durch indirekten Rückfluß) wieder als Geldkapital
hergestellt wird, ist eine wichtige Tatsache im Umsatz des jährlichen
Produkts.

XI. Ersatz des fixen Kapitals,

Eine große Schwierigkeit bei Darstellung der Umsätze der jähr-
lichen Reproduktion ist die folgende. Nehmen wir die einfachste
Form, worin sich die Sache darstellt, so haben wir:

(I.) 4000ec + 10007 + 1000m +

(IT.) 2000 + 5007 + 500m = 9000,
was sich schließlich auflöst in:

1000 Ic + 2000 ITe + 1000 Iv + 500 IIv + 1000 Im + 500 IIm = 6000 €
4 1500v + 1500m = 9000. Ein Wertteil des konstanten Kapitals,
soweit dies nämlich besteht aus eigentlichen Arbeitsmitteln (als
distinkte [gesonderte] Abteilung der Produktionsmittel), ist über-
tragen von den Arbeitsmitteln auf das Arbeitsprodukt (die Ware);
diese Arbeitsmittel fahren fort, als Elemente des produktiven Kapitals
zu fungieren, und zwar in ihrer alten Naturalform; es ist ihr Verschleiß,
der Wertverlust, den sie nach und nach erleiden während ihrer in
bestimmter Periode fortdauernden Funktion, der als Wertelement
üer vermittels derselben produzierten Waren wiedererscheint, vom
Arbeitsinstrument auf das Arbeitsprodukt übertragen wird. Mit
Bezug auf die jährliche Reproduktion kommen hier also von vorn-
herein nur solche Bestandteile des fixen Kapitals in Betracht, deren
Leben länger als ein Jahr währt. Sterben sie ganz ab innerhalb des
Jahres, so sind sie auch ganz durch die jährliche Reproduktion zu
ersetzen und zu erneuern, und der in Frage kommende Punkt betrifft
sie daher von vornherein nicht. Bei Maschinen und andern länger
währenden Formen des fixen Kapitals kann es vorkommen — und
kommt häufiger vor —, daß gewisse Teilorgane derselben innerhalb
des Jahres mit Haut und Haar zu ersetzen sind, obgleich der ganze
Gebäude- oder Maschinenkörper langlebig. Diese Teilorgane fallen
in dieselbe Kategorie der innerhalb des Jahres zu ersetzenden Ele-
mente des fixen Kapitals.

Dies Wertelement der Waren ist in keiner Weise zu verwechseln
mit den Reparaturkosten. Wird die Ware verkauft, so wird dies
        <pb n="438" />
        Zwanzigstes Kapitel

385
Wertelement versilbert, in Geld verwandelt wie die andern; nach
seiner Verwandlung in Geld aber erscheint sein Unterschied von den
andern Wertelementen. Die in der Produktion der Waren verzehrten
Rohmaterialien und Hilfsstoffe müssen in natura ersetzt werden,
damit die Reproduktion der Waren beginne (überhaupt der Produk-
tionsprozeß der Waren ein kontinuierlicher sei); die in ihnen veraus-
gabte Arbeitskraft muß ebenso durch frische Arbeitskraft ersetzt
werden. Das aus der Ware gelöste Geld muß also beständig in diese
Elemente des produktiven Kapitals wieder umgesetzt werden, aus
Geldform in Warenform. Es ändert nichts an der Sache, daß zum
Beispiel Rohmaterial und Hilfsstoffe in gewissen Terminen in größerer
Masse — so daß sie Produktionsvorräte bilden — gekauft werden,
daß also während gewisser Frist diese Produktionsmittel nicht neu-
gekauft zu werden brauchen, also auch — solange sie vorhalten —
das aus dem Warenverkauf eingehende Geld — soweit es für diesen
Zweck dient — sich ansammeln kann, und dieser Teil des konstanten
Kapitals daher zeitweilig als in seiner aktiven Funktion suspendiertes
Geldkapital erscheint. Es ist kein Revenuekapital; es ist produktives
Kapital, das in Geldform suspendiert ist. Die Erneuerung der
Produktionsmittel muß beständig stattfinden, obgleich die Form
dieser Erneuerung — mit Bezug auf die Zirkulation — verschieden
zgein kann. Der Neukauf, die Zirkulationsoperation, wodurch sie
erneuert, ersetzt werden, kann in längeren Terminen vorgehen: dann
große Geldanlage auf einmal, kompensiert durch entsprechenden
Produktionsvorrat; oder in kurz aufeinanderfolgenden Terminen:
dann rasch aufeinanderfolgende kleinere Dosen von Geldausgabe,
kleine Produktionsvorräte. Dies ändert nichts an der Sache selbst.
Ebenso mit der Arbeitskraft. Wo die Produktion kontinuierlich auf
selber Stufenleiter das Jahr durch ausgeführt: beständiger Ersatz
der aufgezehrten Arbeitskraft durch neue; wo die Arbeit saisonmäßig
oder verschiedene Portionen Arbeit in verschiedenen Perioden, wie
in der Agrikultur, angewandt werden: dementsprechender Ankauf
vald kleinerer, bald größerer Masse Arbeitskraft. Dagegen wird das
aus dem Warenverkauf gelöste Geld, soweit es den Warenwertteil
vergoldet, der gleich ist dem Verschleiß von fixem Kapital, nicht
wieder rückverwandelt in den Bestandteil des produktiven Kapitals,
dessen Wertverlust es ersetzt. Es schlägt nieder neben dem produk-
tiven Kapital und verharrt in seiner Geldform. Dieser Geldnieder-
schlag wiederholt sich, bis die aus einer größeren oder geringeren
Anzahl von Jahren bestehende Reproduktionsepoche abgelanfen ist,
während deren das fixe Element des konstanten Kapitals unter
seiner alten Naturalform fortfährt, im Produktionsprozeß zu fungieren.
Sobald das fixe Element, Baulichkeiten, Maschinerie ete. ausgelebt
hat, nicht länger im Produktionsprozeß fungieren kann, existiert
sein Wert neben ihm, vollständig ersetzt in Geld — der Summe der
Geldniederschläge, der Werte, die vom fixen Kapital allmählich über-
tragen worden auf die Waren. in deren Produktion es mitgewirkt. und
„
        <pb n="439" />
        386

Dritter Abschnitt
die durch den Verkauf der Waren in Geldform übergegangen. Dies
Geld dient dann dazu, das fixe Kapital (oder Elemente desselben, da
die verschiedenen Elemente desselben verschiedene Lebensdauer
haben) in natura zu ersetzen und so diesen Bestandteil des produk-
tiven Kapitals wirklich zu erneuern. Dies Geld ist also Geldform
eines Teils des konstanten Kapitalwerts, des fixen Teils desselben.
Diese Schatzbildung ist also selbst ein Element des kapitalistischen
Reproduktionsprozesses, Reproduktion und Aufspeicherung — in
Geldform — des Werts des fixen Kapitals oder seiner einzelnen
Elemente, bis zu der Zeit, wo das fixe Kapital ausgelebt und folglich
seinen ganzen Wert an die produzierten Waren abgegeben hat und
nun in natura ersetzt werden muß. Dies Geld verliert aber nur seine
Schatzform und tritt daher erst aktiv wieder ein in den durch die
Zirkulation vermittelten Reproduktionsprozeß des Kapitals, sobald
es rückverwandelt wird in neue Elemente des fixen Kapitals, um die
abgestorbenen zu ersetzen.

So wenig wie die einfache Warenzirkulation identisch ist mit
bloßem Produktenaustausch, so wenig kann sich der Umsatz des
jährlichen Warenprodukts in bloßen unvermittelten, gegenseitigen
Austausch seiner verschiedenen Bestandteile auflösen. Das Geld
spielt eine spezifische Rolle darin, die namentlich auch in der Weise
der Reproduktion des fixen Kapitalswerts sich ausdrückt. (Es ist
nachher zu untersuchen, wie sich das anders darstellen würde, vor-
ausgesetzt die Produktion sei gemeinsam und besitze nicht die Form
der Warenproduktion.)

Kehren wir nun zu dem Grundschema zurück, so hatten wir für
Klasse II: 20006 + 500v + 500m. Die sämtlichen im Lauf des Jahres
produzierten Konsumtionsmittel sind hier gleich Wert von 3000, und
jedes der verschiedenen Warenelemente, woraus die Warensumme
besteht, zerfällt seinem Wert nach in ?%c + !/ev + 1/,m, oder pro-
zentig in 66°’/3c + 16%sv + 16%/gm. Die verschiedenen Warensorten
der Klasse II mögen konstantes Kapital in verschiedener Propor-
tion enthalten; ebenso mag der fixe Teil des konstanten Kapitals
bei ihnen verschieden sein; ebenso die Lebensdauer der fixen Kapital-
teile, also auch der jährliche Verschleiß oder der Wertteil, den sie
pro rata übertragen auf die Waren, in deren Produktion sie beteiligt
sind. Dies ist hier gleichgültig. Mit Bezug auf den gesellschaftlichen
Reproduktionsprozeß handelt es sich nur um den Umsatz zwischen
den Klassen II und I. II und I treten sich hier nur in ihren gesell-
schaftlichen Massenverhältnissen gegenüber; die proportionelle
Größe des Wertteils c des Warenprodukts II (in der jetzt behandelten
Frage allein maßgebend) ist daher das Durchschnittsverhältnis, wenn
alle Produktionszweige, die unter II subsumiert sind, zusammenge-
faßt werden.

Jede der Warensorten (und es sind zum großen Teil dieselben
Warensorten), deren Gesamtwert rubriziert ist unter: 2000v + 500v
+ 500m, ist so gleichmäßig dem Wert nach gleich 66?/; %o + 16?/;%-r
        <pb n="440" />
        Zwanzigetes Kapitel

387

+ 16?/3 %m. Dies gilt sowohl von je 100 der unter ce als unter v
als unter m figurierenden Waren.

Die Waren, worin die 2000c verkörpert sind, sind dem Wert nach
wieder zerfällbar in:

1. 13331/3e + 3331/av + 3331/sm = 2000e,
ebenso 500v in:

2. 3331/s0 + 831/sv + 831/3m = 500,
endlich 500m in:

3 333'/s0 + 831/37 + 831/3m = 500m.

Addieren wir nun in 1, 2 und 3 die c zusammen, so haben wir
13331/sc + 3331/se + 3331/sc = 2000. Ebenso 333!/sy + 881/sy +
83'/3v = 500, und desgleichen unter m; die Gesamtaddition ergibt
den Totalwert von 3000 wie oben.

Der ganze in der Warenmasse II zum Wert von 3000 enthaltene
konstante Kapitalwert ist also enthalten in 2000ec, und weder 500v
noch 500m enthalten ein Atom davon. Dasselbe gilt für v und m
ihrerseits.

In andern Worten: Das ganze Quotum der Warenmasse II, das
konstanten Kapitalwert darstellt und daher wieder umsetzbar ist,
sei es in dessen Natural-, sei es in dessen Geldform — existiert in
20000. Alles auf den Umsatz des konstanten Wertes der Waren I]
Bezügliche ist also beschränkt auf die Bewegung von 2000 IIe,
und dieser Umsatz kann nur vorgehen mit I (1000v + 1000m).

Ebenso ist für Klasse I alles auf den Umsatz des ihr angehörigen
konstanten Kapitalwerts Bezügliche zu beschränken auf die Betrach-
tung von 4000 TIe.

i. Ersatz des Verschleiß-Wertteils in Geldform.

Nehmen wir nun zunächst:

I. 4000e + 10007 + 1000m

an

I. 0.0.0.0... 200006 + 5007 + 500m,

so würde der Umsatz der Waren 2000 IIc gegen Waren vom selben
Wert I (10007 + 1000m) voraussetzen, daß 2000 IIe sich allzusamt
in natura wieder umgesetzt in die von I produzierten Naturalbestand-
teile des konstanten Kapitals IL; aber der Warenwert von 2000, worin
letzteres existiert, enthält ein Element für Wertverlust von fixem
Kapital, das nicht sofort in natura zu ersetzen, sondern in Geld zu
verwandeln, das als Totalsumme nach und nach sich anhäuft, bis der
Termin der Erneuerung des fixen Kapitals in seiner Naturalform
fällig geworden. Jedes Jahr ist das Todesjahr für fixes Kapital, das
in diesem oder jenem Einzelgeschäft oder auch diesem oder jenem
Industriezweig zu ersetzen; im selben individuellen Kapital ist dieser
oder jener Teil des fixen Kapitals (da dessen Teile von verschiedener
Lebensdauer) zu ersetzen. Betrachten wir die jährliche Reproduktion
— wenn auch auf einfacher Stufenleiter, das heißt abstrahierend von
aller Akkumulation —, So beginnen wir nicht ab ovo [mit dem Ur-
sprung]: es ist ein Jahr im Fluß vieler, es ist nicht das erste Geburts-
        <pb n="441" />
        388

Dritter Abschnitt
jahr der kapitalistischen Produktion. Die verschiedenen Kapitale,
die in den mannigfachen Produktionszweigen der Klasse IT angelegt,
sind also von verschiedenem Lebensalter, und wie jährlich in diesen
Produktionszweigen fungierende Personen sterben, so erreichen jähr-
lich Massen fixer Kapitale in diesem Jahr ihr Lebensende und müssen
aus akkumuliertem Geldfonds in natura erneuert werden. Sofern ist
im Umsatz 2000 IIc gegen 2000 I + m der Umsatz von 2000 IIc aus
seiner Warenform (als Konsumtionsmittel) in Naturalelemente ein-
geschlossen, die nicht nur aus Roh- und Hilfsmaterialien, sondern
ebenso aus Naturalelementen des fixen Kapitals, Maschinen, Werk-
zeugen, Baulichkeiten ete. bestehen. Der Verschleiß, der im Wert
von 2000 IIe in Geld zu ersetzen, ist daher durchaus nicht ent-
sprechend dem Umfang des fungierenden fixen Kapitals, da jährlich
ein Teil desselben in natura ersetzt werden muß, was aber voraus-
setzt, daß in früheren Jahren das zu diesem Umsatz nötige Geld sich
aufgehäuft in den Händen von Kapitalisten der Klasse II. Eben
diese Voraussetzung gilt aber für das laufende Jahr ebensowohl, wie
sie für die früheren angenommen wird.

In dem Umsatz zwischen I (1000v + 1000m) und 2000 IIe ist
zunächst zu bemerken, daß die Wertsumme I (r + m) kein konstantes
Wertelement enthält, also auch kein Wertelement für zu ersetzenden
Verschleiß, das heißt für Wert, der von fixem Bestandteil des kon-
stanten Kapitals auf die Waren übertragen worden, in deren Natural-
form v + m existieren. Dies Element existiert dagegen in IIe, und
es ist gerade ein Teil dieses dem fixen Kapital geschuldeten. Wert-
elements, der nicht unmittelbar aus Geldform in Naturalform sich
zu verwandeln, sondern zunächst in Geldform zu verharren hat.
Es drängt sich daher sofort bei dem Umsatz von I (1000v + 1000m)
gegen 2000 II. die Schwierigkeit auf, daß die Produktionsmittel I,
in deren Naturalform die 2000 (y + m existieren, zu ihrem ganzen
Wertbetrag von 2000 gegen Aequivalent in Konsumtionsmitteln IL
umzusetzen sind, dahingegen anderseits die Konsumtionsmittel 2000
ILIe nicht zu ihrem vollen Wertbetrag in die Produktionsmittel I
(1000v + 1000m) umgesetzt werden können, weil ein aliquoter Teil
ihres Werts — gleich dem zu ersetzenden Verschleiß oder Wertver-
lust des fixen Kapitals — sich zunächst in Geld niederschlagen muß,
das innerhalb der laufenden jährlichen Reproduktionsperiode, die
allein betrachtet wird, nicht wieder als Zirkulationsmittel fungiert.
Das Geld aber, wodurch das Verschleißelement versilbert wird, das
im Warenwert 2000 ITe steckt, dies Geld kann nur von I herkommen,
da IT sich nicht selbst zu bezahlen hat, sondern sich bezahlt eben
durch Verkauf seiner Ware, und da der Voraussetzung nach I ıv + m
die ganze Warensumme 2000 IIe kauft; die Klasse I muß also durch
diesen Kauf jenen Verschleiß für II versilbern. Aber nach dem früher
entwickelten Gesetz kehrt der Zirkulation vorgeschossenes Geld an
den kapitalistischen Produzenten zurück, der später gleiches Quan-
tum in Ware in die Zirkulation wirft. I kann beim Ankauf von IIec
        <pb n="442" />
        Zwanzigstes Kapitel

389
offenbar nicht für 2000 Waren und überdem noch eine überschüssige
Geldsumme ein für allemal (ohne daß selbe durch die Operation des
Umsatzes zu ihm zurückkehrt) an II geben. Es würde sonst die
Warenmasse IIe über ihrem Wert kaufen. Wenn II in der Tat
I (1000 + 1000m) im Umsatz für seine 2000e eintauscht, so hat es
weiter nichts von I zu fordern, und das während dieses Umsatzes
zirkulierende Geld kehrt zurück zu I oder zu II, abhängig davon, wer
von beiden es in Zirkulation geworfen, das heißt, wer von beiden zu-
erst als Käufer aufgetreten ist. Zugleich hätte in diesem Fall IT sein
Warenkapital dem ganzen Wertumfang nach in die Naturalform von
Produktionsmitteln rückverwandelt, während die Voraussetzung ist,
daß es einen aliquoten Teil desselben nach ihrem Verkauf nicht
während der laufenden jährlichen Reproduktionsperiode aus Geld
wieder rückverwandelt in die Naturalform fixer Bestandteile seines
konstanten Kapitals. Es könnte also an II nur dann eine Bilanz in
Geld zufließen, wenn II zwar für 2000 an I verkaufte, aber für weniger
als 2000 von I kaufte, zum Beispiel nur 1800; dann hätte I den Saldo
gutzumachen durch 200 in Geld, das nicht zu ihm zurückflösse, weil
es dies der Zirkulation vorgeschossene Geld ihr nicht wieder entzogen
hätte durch Hineinwurf von Waren gleich 200 in die Zirkulation. In
diesem Fall hätten wir einen Geldfonds für II auf Rechnung seines
Verschleißes an fixem Kapital; wir hätten aber auf der andern Seite,
auf I, eine Ueberproduktion von Produktionsmitteln zum Belauf von
200, und damit wäre die ganze Basis des Schemas zerronnen, nämlich
Reproduktion auf gleichbleibender Stufenleiter, wo also völlige Pro-
portionalität zwischen den verschiedenen Produktionssystemen vor-
ausgesetzt ist, Die eine Schwierigkeit wäre nur beseitigt durch eine
viel unangenehmere.

Da. dies Problem eigene Schwierigkeiten bietet und bisher über-
haupt nicht von den politischen Oekonomen behandelt worden ist,
so wollen wir der Reihe nach alle möglichen (wenigstens scheinbar
möglichen) Lösungen oder vielmehr Stellungen des Problems selbst
betrachten.

Zunächst hatten wir soeben unterstellt, daß II an I verkauft
2000, aber nur kauft für 1800 Waren von I. In dem’ Warenwert
2000 IIe steckte 200 für Verschleißersatz, der in Geld aufzuschatzen;
so zerfiele der Wert 2000 IIe in 1800, die auszutauschen gegen Produk-
tionsmittel I, und in 200 Verschleißersatz, die in Geld (nach dem
Verkauf der 2000c an I) festzuhalten. Oder mit Bezug auf seinen
Wert wäre 2000 IIc = 1800« -+ 2000 (d), wo d gleich dechet (Ver-
schleiß),

Wir hätten dann zu betrachten
den Umsatz I. 1000v + 1000m

IL. 1800c + 200e (dA).

I kauft mit 1000 Pfd. Sterl., welche den Arbeitern in Zahlung ihrer

Arbeitskraft in Arbeitslohn zugeflossen, für 1000 IILc Konsumtions-
        <pb n="443" />
        390

Dritter Abschnitt
mittel; II kauft mit selben 1000 Pfd. Sterl. für 1000 I+ Produktions:
mittel. Den Kapitalisten I fließt damit ihr variables Kapital in Geld.
form zurück und können sie damit nächstes. Jahr Arbeitskraft zum
selben Wertbetrag kaufen, das heißt den variablen Teil ihres pro-
duktiven Kapitals in natura ersetzen. — II kauft ferner mit vorge-
schossenen. 400 Pfd. Sterl. Produktionsmittel Im und Im kauft mit
denselben 400 Pfd. Sterl. Konsumtionsmittel IIe. Die von II der
Zirkulation vorgeschossenen 400 Pfd. Sterl. sind so an die Kapita-
listen II zurückgekehrt, aber nur als Aequivalent für verkaufte Ware.
[ kauft für vorgeschossene 400 Pfd. Sterl. Konsumtionsmittel; IE
kauft von I für 400 Pfd. Sterl. Produktionsmittel, womit diese
100 Pfd. Sterl. zu I zurückströmen. Die Rechnung bis dahin ist nun
folgende:

{I wirft in Zirkulation 1000v + 800m in Ware, wirft ferner in
Zirkulation in Geld: 1000 Pfd. Sterl. in Arbeitslohn und 400 Pfd.
Sterl. zum Umsatz mit II. Nach vollendetem Umsatz hat I: 1000+ in
Geld, 800m umgesetzt in 800 IIe (Konsumtionsmittel) und 400 Pfd.
Sterl. in Geld.

. 11 wirft in Zirkulation 1800e in Ware (Konsumtionsmittel) und
400. Pfad. Sterl. in Geld; nach vollendetem Umsatz hat es: 1800 in
Ware I (Produktionsmittel) und 400 Pfd. Sterl. in Geld.

Wir haben jetzt noch auf Seite I 200m (in Produktionsmitteln),
auf Seite II 200e (d) (in Konsumtionsmitteln).

Nach der Voraussetzung kauft I mit 200 Pfad. Sterl. die Kon-
sumtionsmittel II« (d) zum Wertbetrag von 200; diese 200 Pfd. Sterl.
aber hält IT fest, da 200e (d) Verschleiß repräsentiert, also nicht direkt
wieder in Produktionsmittel umzusetzen ist. Also 200 Im sind unver-
kaufbar; */,9 des zu ersetzenden Mehrwerts I ist unrealisierbar, nicht
aus seiner Naturalform von Produktionsmitteln umsetzbar in die von
Konsumtionsmitteln. +

Dies widerspricht nicht nur der Voraussetzung der Reproduktion
auf einfacher Stufenleiter; es ist an und für sich keine Hypothese,
um die Versilberung von 200e (d) zu erklären; es heißt vielmehr, daß
sie nicht erklärlich ist. Da nicht nachzuweisen, wie 200e (d}) zu ver-
silbern sei, wird unterstellt, daß I die Gefälligkeit hat, es zu versilbern,
gerade weil I nicht imstande, seinen eigenen Rest von 200m zu
versilbern. Dies als eine normale Operation des Umsatzmechanismus
aufzufassen, ist ganz dasselbe, als. unterstellte man, daß jährlich
200. Pfd, Sterl. vom Himmel. regnen. um regelmäßig die 200e (d)
zu versilbern.

Die Abgeschmacktheit solcher Hypothese springt jedoch nicht
unmittelbar ins Auge, wenn Im, statt wie hier in seiner primitiven
Daseinsweise aufzutreten — nämlich als Bestandteil des Wertes von
Produktionsmitteln, also als Bestandteil des Wertes von Waren, die
ihre kapitalistischen Produzenten durch Verkauf in Geld realisieren
müssen: —, in der Hand der Anteilhaber. der Kapitalisten erscheint,
zum Beispiel als Grundrente. in der Hand von Grundeigentümern
        <pb n="444" />
        391
oder als Zins in der Hand von Geldverleihern. Ist aber der Teil des
Mehrwerts der Waren, den der industrielle Kapitalist als Grund-
rente. oder Zins an andere Miteigentümer des Mehrwerts abzutreten
hat, auf die Dauer nicht realisierbar durch den Verkauf der Waren
selbst, so hat es auch mit der Zahlung von Rente oder Zins ein Ende
und können daher Grundeigentümer oder Zinsbezieher durch deren
Verausgabung nicht als dei ex machina [rettende Götter] dienen zu
beliebiger Versilberung bestimmter Teile der jährlichen Reproduk-
tion. Ebenso verhält es sich mit den Ausgaben sämtlicher so-
genannten unproduktiven Arbeiter, Staatsbeamte, Aerzte, Advo-
katen ete., und was sonst in der Form des „großen Publikums‘ den
politischen Oekonomen ‚„‚Dienste“‘‘ leistet, um von ihnen Unerklärtes
zu erklären.

Ebensowenig ist damit geholfen, wenn statt des direkten Um-
satzes zwischen I und II — zwischen den zwei großen Abteilungen
der kapitalistischen Produzenten selbst — der Kaufmann. als Ver-
mittler beigezogen wird und mit seinem ‚Geld‘ über alle Schwierig-
keiten weghilft. Im gegebenen Fall zum Beispiel muß 200 Im schließ-
lich und endgültig abgesetzt werden an die industriellen Kapitalisten
von II. Es mag durch die Hände einer Reihe von Kaufleuten laufen,
der letzte befindet sich — gemäß der Hypothese — in demselben
Fall gegenüber II, worin sich die kapitalistischen Produzenten von I
bei Beginn befanden, das heißt, sie können die 200 Im nicht verkaufen
an II, und die festgerittene Kaufsumme kann denselben Prozeß mit
I nicht erneuern.

Man sieht hier, wie, abgesehen von unserm eigentlichen Zweck,
die Betrachtung des Reproduktionsprozesses in seiner Fundamental-
form — worin alle verdunkelnden Zwischenschieber beseitigt —
durchaus nötig ist, um die falschen Ausflüchte loszuwerden, die den
Schein ‚„„‚wissenschaftlicher‘‘ Erklärung liefern, wenn der gesellschaft-
liche Reproduktionsprozeß sofort in seiner verwickelten konkreten
Form zum Gegenstand der Analyse gemacht wird.

Das Gesetz, daß beim normalen Verlauf der Reproduktion (sei es
auf einfacher, sei es auf erweiterter Stufenleiter) das von den 5° kapita-
listischen. Produzenten der Zirkulation vorgeschossene Geld zu seinem
Ausgangspunkt zurückkehren muß (wobei es gleichgültig, ob das
Geld ihnen gehört oder gepumpt ist), schließt also ein für allemal die
Hypothese aus, daß 200 IIc (d) versilbert werde durch von I vorge-
schossenes Geld.

Zwanzigstes Kapitel

2. Ersatz des fixen Kapitals in natura.

Nach Beseitigung der eben betrachteten Hypothese bleiben nur
noch solche Möglichkeiten, die außer dem Ersatz des Verschleiß-
teils in Geld auch noch die Vollziehung des Ersatzes des gänzlich
abgestorbenen fixen Kapitals in natura einschließen.

516 In der Engelsschen Ausgabe: „dem“. K.
        <pb n="445" />
        ‘92

Dritter Abschnitt
Wir hatten vorhin vorausgesetzt:

a) daß 1000 Pfd. Sterl., gezahlt in Arbeitslohn von I, von den
Arbeitern verausgabt werden in ITc zum selben Wertbetrag, das heißt,
daß sie damit Konsumtionsmittel kaufen.

Daß hier die 1000 Pfd. Sterl. von I vorgeschossen werden in Geld,
ist nur Konstatierung von Tatsache. Der Arbeitslohn ist in Geld
auszuzahlen von den respektiven kapitalistischen Produzenten; dies
Geld wird dann von den Arbeitern in Lebensmitteln verausgabt und
dient den Verkäufern der Lebensmittel ihrerseits wieder als Zirkula-
tionsmittel bei Umsatz ihres konstanten Kapitals aus Warenkapital
in produktives Kapital. Es läuft zwar durch viele Kanäle durch
‘Krämer, Hausbesitzer, Steuereinnehmer, unproduktive Arbeiter, wie
Aerzte etc., die der Arbeiter selbst braucht) und fließt daher nur
zum Teil direkt aus den Händen der Arbeiter I in die der Kapita-
listenklasse II. Der Fluß mag mehr oder minder stocken, daher neue
Geldreserve nötig sein auf seiten der Kapitalisten. Alles dies kommt
bei dieser Fundamentalform nicht in Betracht.

b) War vorausgesetzt, daß einmal I weitere 400 Pfd. Sterl. in

Geld vorschießt zum Ankauf von II, das ihm zurückfließt, wie ein
anderes Mal II 400 Pfd. Sterl. vorschießt zum Ankauf von I, die ihm
rückfließen. Diese Voraussetzung muß gemacht werden, da umge-
kehrt die Annahme willkürlich wäre, daß einseitig die Kapitalisten-
klasse I oder aber die Kapitalistenklasse II das zum Warenumsatz
nötige Geld der Zirkulation vorschießt. Da nun im vorigen Unter-
abschnitt 1. gezeigt wurde, daß die Hypothese als abgeschmackt ver-
werflich, wonach I zuschüssiges Geld in die Zirkulation würfe, um
200 ILe (d) zu versilbern, so bliebe offenbar nur die scheinbar noch
abgeschmacktere Hypothese übrig, daß II selbst das Geld in die Zir-
kulation wirft, womit der Wertbestandteil Ware versilbert wird,
welcher den Verschleiß von fixem Kapital zu ersetzen hat. Zum Beispiel
der Wertteil, den die Spinnmäschine des Herrn X in der Produktion
verliert, erscheint als Wertteil des Nähgarns wieder; was seine Spinn-
maschine auf der einen Seite an Wert oder Verschleiß einbüßt, soll
sich auf der andern Seite als Geld bei ihm aufsammeln. X möge nun
zum Beispiel für 200 Pfad. Sterl. Baumwolle kaufen von Y und so der
Zirkulation 200 Pfd. Sterl. in Geld vorschießen; Y kauft von ihm
mit denselben 200 Pfd. Sterl. Garn, und diese 200 Pfd. Sterl. dienen
nun dem X als Fonds zum Ersatz von Verschleiß der Spinnmaschine.
Dies käme nur darauf hinaus, daß X, abgesehen von seiner Produktion
und deren Produkt und dessen Verkauf, 200 Pfd. Sterl. in petto hält,
um sich selbst für den Wertverlust der Spinnmaschine zu zahlen, das
heißt, daß er außer dem Wertverlust seiner Spinnmaschine von
200 Pfad. Sterl. noch andere 200 Pfd. Sterl. in Geld jährlich aus seiner
Tasche zusetzen muß, um schließlich imstande zu sein, eine neue
Spinnmaschine zu kaufen.

Die Abgeschmacktheit ist aber nur scheinbar. Die Klasse II be-

steht aus Kapitalisten, deren fixes Kapital sich in ganz verschiedenen
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Zwanzigstes Kapitel

Terminen seiner Reproduktion befindet. Für die einen ist es bei dem
Termin angelangt, wo es ganz in natura zu ersetzen ist. Für die an-
dern befindet es sich mehr oder minder entfernt von diesem Stadium;
allen Gliedern der letzteren Abteilung ist das gemein, daß ihr fixes
Kapital nicht wirklich reproduziert, das heißt nicht in natura er-
neuert oder durch neues Exemplar derselben Art ersetzt wird,
sondern daß sein Wert sukzessive in Geld angesammelt wird. Der
erstere Teil befindet sich ganz (respektive teilweise, was hier gleich-
gültig) in derselben Situation wie bei Errichtung seines Geschäfts,
wo er mit einem Geldkapital auf den Markt trat, um dies einer-
seits in (fixes und zirkulierendes) konstantes Kapital zu verwandeln,
anderseits aber in Arbeitskraft, in variables Kapital. Wie damals
hat er jetzt dies Geldkapital wieder der Zirkulation vorzuschießen,
also den Wert des konstanten fixen Kapitals ebensogut wie den
des [konstanten Teils des] zirkulierenden und den des variablen
Kapitals.

Wenn also vorausgesetzt wird, daß von den 400 Pfd. Sterl., die
die Kapitalistenklasse II zum Umsatz mit I in Zirkulation wirft, die
Hälfte von solchen Kapitalisten in II herrührt, die nicht nur durch
ihre Waren ihre zum zirkulierenden Kapital gehörenden Produktions-
mittel, sondern auch durch ihr Geld ihr fixes Kapital in natura er-
neuern müssen, während die andere Hälfte der Kapitalisten II mit
ihrem Geld nur den zirkulierenden Teil ihres konstanten Kapitals
in natura ersetzt, nicht aber ihr fixes Kapital in natura erneuert,
so liegt durchaus nichts Widerspruchsvolles darin, daß die zurück-
Aießenden 400 Pfd. Sterl. (zurückfließend, sobald I dafür Konsum-
tionsmittel kauft) sich nun verschieden verteilen zwischen diesen
zwei Abteilungen von II. Sie fließen zurück zur Klasse II, aber sie
fließen nicht in dieselben Hände zurück, sondern verteilen sich ver-
schieden innerhalb dieser Klasse, gehen von einem Teil derselben auf
den andern über.

Der eine Teil von II hat, außer dem durch seine Waren schließ-
lich gedeckten Teil von Produktionsmitteln, 200 Pfd. Sterl. Geld um-
gesetzt in neue fixe Kapitalelemente in natura. Sein so verausgabtes
Geld — wie beim Anfang des Geschäfts — fließt ihm erst sukzessive
in Reihen von Jahren aus der Zirkulation zurück als Verschleiß-
wertbestandteil der mit diesem fixen Kapital zu produzierenden
Waren.

Der andere Teil von II hat dagegen für 200 Pfd. Sterl. keine
Waren von I bezogen, sondern dieser zahlt ihn mit dem Geld,
womit der erste Teil von II fixe Kapitalelemente gekauft. Der
eine Teil von II besitzt seinen fixen Kapitalwert wieder in erneuter
Naturalform, der andere ist noch damit beschäftigt, ihn in Geld-
form anzusammeln zum späteren Ersatz seines fixen Kapitals
in natura,

Der Status, von dem wir auszugehen haben nach den früheren
Umsetzungen, ist der Rest der beiderseits umzusetzenden Waren: bei
        <pb n="447" />
        394

Dritter Abschnitt
I — 400m, bei II — 400c.5 Wir nehmen an, daß IT 400 in Geld vor-
sehießt zum Umsatz dieser Waren zum Betrag von 800. Eine Hälfte
der 400 (gleich 200) muß unter allen Umständen ausgelegt werden
von dem Teil von ITe, der 200 in Geld als Verschleißwert aufgehäuft
und der diesen jetzt wieder rückzuwandeln hat in die Naturalform
seines fixen Kapitals.

Ganz wie konstanter Kapitalwert, variabler Kapitalwert und
Mehrwert — worin der Wert des Warenkapitals von II wie von I
zerfällbar — in besonderen proportionellen Quoten der Waren IL,
respektive I, selbst darstellbar sind, so innerhalb des konstanten Ka-
pitalwerts selbst wieder der Wertteil, der noch nicht in die Natural-
form des fixen Kapitals umzusetzen, sondern einstweilen noch in Geld-
form allmählich aufzuschatzen ist. Ein bestimmtes Quantum Waren
IT (in unserm Fall also die Hälfte des Restes gleich 200) ist hier nur
noch Träger dieses Verschleißwerts, der sich durch den Umsatz in
Geld niederzuschlagen hat. (Der erste Teil der Kapitalisten II, der
fixes Kapital in natura erneuert, mag mit dem Verschleißteil der
Warenmasse, von der hier nur noch der Rest figuriert, einen Teil
3eines Verschleißwerts bereits so realisiert haben: bleibt aber 200
Geld so noch für ihn zu realisieren.)

Was nun die zweite Hälfte (gleich 200) der von II bei dieser
Restoperation in Zirkulation geworfenen 400 Pfd. Sterl. betrifft, so
kauft sie von I zirkulierende Bestandteile des konstanten Kapitals.
Ein Teil dieser 200 Pfd. Sterl. mag von beiden Teilen von II oder
our von dem in Zirkulation geworfen werden, der den fixen Wert-
bestandteil nicht in natura erneuert.

Mit den 400 Pfd. Sterl. werden also von I herausgehoben:
1. Waren zum Belauf von 200 Pfd. Sterl., die nur aus Elementen des
fixen Kapitals bestehen; 2. Waren zum Belauf von 200 Pfd. Sterl.,
die nur Naturalelemente des zirkulierenden Teils des konstanten
Kapitals von II ersetzen. I hat num sein ganzes jährliches Waren-
produkt, soweit dies an II zu verkaufen ist, verkauft: der Wert eines
Fünftels davon aber, 400 Pfd. Sterl., existiert jetzt in seiner Hand
unter Geldform. Dies Geld ist aber versilberter Mehrwert, der als
Revenue in Konsumtionsmitteln verausgabt werden. muß. I kauft
also mit den 400 den ganzen Warenwert von II gleich 400. Das
Geld fließt also zu II zurück, indem es dessen Ware hebt.

Wir wollen nun drei Fälle annehmen: Wir nennen dabei den Teil
der Kapitalisten IT, der fixes Kapital in natura ersetzt: „Teil 1‘, und
denjenigen, der Verschleißwert von fixem Kapital in Geldform auf-
speichert: „Teil 2“, Die drei Fälle sind folgende: a) daß von den 400,
die in Waren sub IT noch als Rest bestehen, ein Quotum für Teil 1
und Teil 2 (sage je !/„) gewisse Quota zirkulierender Teile des kon-

52 Die Zahlen stimmen wieder nicht mit der früheren Annahme. Dies
ist indes gleichgültig, da es nur auf die Verhältnisse ankommt. F.E.
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Zwanzigstes Kapitel

395

stanten Kapitals zu ersetzen hat; b) daß Teil 1 bereits seine ganze
Ware verkauft, also Teil 2 noch 400 zu verkaufen hat; c) daß Teil 2
alles verkauft hat außer den 200, die Verschleißwert tragen.

Wir erhalten dann folgende Teilungen:

a) Von dem Warenwert gleich 400e, den II noch in Händen hat,
besitzt Teil 1 100 und Teil 2 300; von diesen 300 repräsentieren
200 den Verschleiß. In diesem Fall hat von den 400 Pfd. Sterl.
Geld, die I jetzt zurückschickt, um die Waren II zu heben, Teil 1
ursprünglich ausgelegt 300, nämlich 200 in Geld, wofür es fixe Kapi-
talelemente in natura aus I gezogen, und 100 in Geld zur Vermittlung
seines Warenaustausches mit I; dagegen hat Teil 2 von den 400 nur
'/,, also 100, vorgeschossen, ebenfalls zur Vermittlung seines Waren-
umsatzes mit I.

Von den 400 Geld hat Teil 1 also 300 vorgeschossen und Teil 2
100.

Es fließen aber zurück von diesen 400:

An Teil 1: 100, also nur !/3 des von ihm vorgeschossenen Geldes.
Er besitzt aber für die andern ?/; erneuertes fixes Kapital zum Wert
von 200. Für dieses fixe Kapitalelement zum Wert von 200 hat er
Geld an I gegeben, aber keine nachträgliche Ware. Er tritt mit
Bezug auf sie gegenüber I nur als Käufer auf, nicht nachträglich
wieder als Verkäufer. Dies Geld kann daher nicht an Teil 1 zurück-
fließen; sonst hätte er die fixen Kapitalelemente von I geschenkt
erhalten. — Mit Bezug auf das letzte Drittel des von ihm vorgeschos-
senen Geldes trat Teil 1 erst als Käufer auf von zirkulierenden Be-
standteilen seines konstanten Kapitals. Mit demselben Geld kauft I
von ihm den Rest seiner Ware zum Wert von 100. Das Geld fließt
also zu ihm (Teil 1 von II) zurück, weil er als Warenverkäufer auf-
tritt, gleich nachdem er vorher als Käufer aufgetreten. Flösse es
nicht zurück, so hätte II (Teil 1) an I für Waren zum Belauf von 100
erst 100 in Geld und dann noch obendrein 100 in Ware gegeben, ihm
also seine Ware geschenkt.

Dagegen fließt an Teil 2, der 100 in Geld ausgelegt, 300 in Geld
zurück: 100, weil er erst als Käufer 100 Geld in Zirkulation warf
und diese als Verkäufer zurückerhält; 200, weil er nur als Verkäufer
von Waren zum Wertbetrag von 200 fungiert, nicht aber als Käufer.
Das Geld kann also nicht an I zurückfließen. Der fixe Kapitalver-
schleiß ist also saldiert durch das von II (Teil 1) im Ankauf von fixen
Kapitalelementen in Zirkulation geworfene Geld; aber es kommt in
die Hand von Teil 2 nicht als das Geld des Teil 1, sondern als der
Klasse I gehörendes Geld.

. b) Unter dieser Voraussetzung verteilt sich der Rest von IIe
so, daß Teil 1 200 in Geld und Teil 2 400 in Waren besitzt.

Teil 1 hat seine Ware alle verkauft, aber 200 in Geld sind ver-
wandelte Form des fixen Bestandteils seines konstanten Kapitals,
den er in natura zu erneuern hat. Er tritt also hier nur als Käufer
auf und erhält statt seines Geldes Ware I in Naturalelementen des
        <pb n="449" />
        396

Dritter Abschnitt
fixen Kapitals zum selben Wertbetrag. Teil 2 hat als Maximum (wenn
für den Warenumsatz zwischen I und II kein Geld von I vorge-
schossen wird) nur 200 Pfd. Sterl. in Zirkulation zu werfen, da
er für die Hälfte seines Warenwerts nur Verkäufer an I, nicht
Käufer von I ist.

Es retournieren ihm aus der Zirkulation 400 Pfd. Sterl.: 200,
weil er sie vorgeschossen als Käufer und sie zurückerhält als Verkäufer
von 200 Ware; 200, weil er Ware zum Wert von 200 an I verkauft,
ühne dafür Warenäquivalent von I wieder herauszuziehen.

c) Teil 1 besitzt 200 in Geld und 200e in Ware, Teil 2 200e (d) in
Waren.

Teil 2 hat unter dieser Voraussetzung nichts in Geld vorzu-
schießen, weil er 1 gegenüber überhaupt nicht mehr als Känufer,
sondern nur als Verkäufer fungiert, also abzuwarten hat. bis von ihm
gekauft wird.

Teil 1 schießt 400 Pfd. Sterl. in Geld vor, 200 zum gegenseitigen
Warenumsatz mit I, 200 als bloßer Käufer von I. Mit diesen letzteren
200 Pfad. Sterl. kauft er die fixen Kapitalelemente.

I kauft mit 200 Pfd. Sterl. Geld für 200 Ware von Teil 1, dem
damit seine für diesen Warenumsatz vorgeschossenen 200 Pfd. Sterl.
Geld zurückfließen; und I kauft mit den andern 200 Pfd. Sterl. — die
er ebenfalls von Teil 1 erhalten — für 200 Waren von Teil 2, dem
damit sein fixer Kapitalverschleiß in Geld niederschlägt.

Die Sache würde in keiner Weise verändert unter der Voraus-
setzung, daß im Fall c statt II (Teil 1) Klasse I die 200 Geld zum
Umsatz der existierenden Waren vorschießt. Kauft I dann zuerst
für 200 Ware von II, Teil 2 — es ist vorausgesetzt, daß dieser nur
noch diesen Warenrest zu verkaufen hat —, so kehren die 200 Pfad.
Sterl. nicht an I zurück, da II, Teil 2, nicht wieder als Käufer auf-
ritt; aber IT, Teil 1, hat dann für 200 Pfd. Sterl. Geld, um zu kaufen,
und ditto noch 200 Waren umzusetzen, also im ganzen 400 einzu-
tauschen von I. 200 Pfd. Sterl. Geld kehren dann zu I zurück von 1,
Teil 1. Legt I sie wieder aus, um die 200 Ware zu kaufen von HI,
Teil 1, so kehren sie ihm zurück, sobald IT, Teil 1, die zweite Hälfte
der 400 Ware von I löst. Teil 1 (II) hat 200 Pfd. Sterl. Geld als
bloßer Käufer von Elementen des fixen Kapitals ausgelegt; sie kehren
ihm daher nicht zurück, sondern dienen dazu, die 200° Restwaren
von II, Teil 2, zu versilbern, während an I das für Warenumsatz
ausgelegte Geld, 200 Pfad. Sterl., zurückgeflossen nicht via [auf dem
Weg über] IT, Teil 2, sondern via II, Teil 1. Für seine Ware von 400
ist ihm Warenäquivalent zum Belauf von 400 zurückgekehrt; die für
den Umsatz der 800 Ware von ihm vorgeschossenen 200 Pfd. Sterl.
Geld sind ihm ditto zurückgekehrt — und 80 ist alles in Ordnung.
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Zwanzigstes Kapitel

397
Die Schwierigkeit, die sich ergab bei der Umsetzung:
I. 1000 7 + 1000m | , .
A m, WUrde Teduziert auf die Schwierigkeit bei Um-
I. 2000
setzung der Reste:
TI. .0.........400m
IL (1) 200 Geld + 200c Ware + (2) 2000 Ware, oder, um die Sache
noch klarer zu machen:
I. 200m + 200m.
IX. (1) 200 Geld -+ 200c Ware + (2) 200c Ware.

Da in II, Teil 1, 2000 Ware sich umgesetzt gegen 200 Im (Ware),
und da alles Geld, was bei diesem Umsatz von 400 Waren zwischen
I und II zirkuliert, zurückfließt zu dem, der es vorgeschossen hat,
I oder IT, so ist dies Geld, als Element des Umsatzes zwischen I und II,
in der Tat kein Element des Problems, das uns hier beschäftigt. Oder
anders dargestellt: Unterstellen wir, daß in dem Umsatz zwischen
200 Im (Ware) und 200 IL«(Ware von II, Teil 1) das Geld als Zahlungs-
mittel fungiert, nicht als Kaufmittel und daher auch nicht als „Zirku-
lationsmittel‘‘ im engsten Sinn, 8o ist klar, da die Waren 200 Im und
200 ITe (Teil 1) von gleichem Wertbetrag [sind], daß Produktionsmittel
vom Wert von 200 sich austauschen gegen Konsumtionsmittel zum
Wert von 200, daß das Geld hier nur ideell fungiert und kein Geld zur
Zahlung von Bilanz von dieser oder jener Seite wirklich in Zirkula-
tion zu werfen ist. Das Problem tritt also erst rein hervor, wenn wir
die Ware 200 Im und ihr Aequivalent, die Ware 200 IIe (Teil 1) auf
beiden Seiten I und II wegstreichen.

Nach Beseitigung dieser beiden Warenbeträge von gleichem Wert
(I und IT), die sich wechselseitig saldieren, bleibt also der Rest des
Umsatzes, worin das Problem rein hervortritt, nämlich:

I. 200m Ware.
IL. (1) 200c Geld + (2) 200c Ware.

Hier ist klar: II, Teil 1, kauft mit 200 Geld die Bestandteile
seines fixen Kapitals 200 Im; damit ist das fixe Kapital von II, Teil 1,
in natura erneuert und der Mehrwert von I, im Wert von 200, ist
aus Warenform (Produktionsmitteln, und zwar Elementen von fixem
Kapital) in Geldform verwandelt. Mit diesem Geld kauft I Konsum-
tionsmittel von IT, Teil 2, und das Resultat ist für II, daß für Teil 1
ein fixer Bestandteil seines konstanten Kapitals in natura erneuert
ist, und daß für Teil 2 ein anderer Bestandteil (welcher Verschleiß von
fixem Kapital ersetzt) in Geld niedergeschlagen; und dies dauert
jährlich fort, bis auch dieser Bestandteil in natura zu erneuern,

Die Vorbedingung ist hier offenbar, daß dieser fixe Bestandteil
des konstanten Kapitals II, der seinem ganzen Wert nach in Geld
rückverwandelt und daher jedes Jahr in natura zu erneuern ist (Teil1),
gleich sei dem Jahresverschleiß des andern fixen Bestandteils des
konstanten Kapitals II, der noch in seiner alten Naturalform fort-
fungiert, und dessen Verschleiß. der Wertverlust, den es auf die Waren
        <pb n="451" />
        398

Dritter Abschnitt
überträgt, in deren Produktion er wirkt, zunächst in Geld. zu ersetzen
ist. Ein solches Gleichgewicht erschiene danach als Gesetz der Re-
produktion auf gleichbleibender Stufenleiter; was in andern Worten
heißt, daß in der die Produktionsmittel produzierenden Klasse I die
proportionelle Teilung der Arbeit unverändert bleiben muß, soweit
sie einerseits zirkulierende und anderseits fixe Bestandteile des kon-
stanten Kapitals der Abteilung II Liefert.

Bevor wir dies näher untersuchen, ist erst zu sehen, wie die Sache
sich stellt, wenn der Restbetrag von IIe (1) nicht gleich dem Rest
von ITe (2); er kann größer sein oder kleiner. Setzen wir nachein-
ander beide Fälle.
Erster Fall.
{. 200m.
{I. (1) 220e (in Geld) + (2) 200c (in Ware).

‚Hier kauft IIe (1) mit 200 Pfd. Sterl. Geld die Waren 200 Im
und I kauft mit demselben Geld die Waren 200 ITe (2), also den
Bestandteil des fixen Kapitals, der in Geld niederzuschlagen ist; dieser
ist damit versilbert. Aber 20 IIc (1) in Geld ist nicht rückverwandel-
bar in fixes Kapital in. natura..

Diesem Uebelstand scheint abhelfbar, indem wir den Rest von
[m statt auf 200 auf 220 setzen, so daß von den 2000 I statt 1800 nur
1780 durch früheren Umsatz erledigt sind. In diesem Fall also:

I. 220m.
IT. (1) 220e (in Geld) + (2) 2000 (in Ware).

JTo, Teil 1, kauft mit 220 Pfd. Sterl. Geld die 220 Im und I
kauft sodann mit 200 Pfd. Sterl. die 200 ITc (2) in Ware. Aber dann
bleiben 20 Pfd. Sterl, in Geld auf Seite von I, ein Stück Mehrwert,
das es nur in Geld festhalten, nicht in Konsumtionsmitteln veraus-
gaben kann. Die Schwierigkeit ist damit nur verlegt, von IIe (Teil 1)
auf Im.

Nehmen wir nun anderseits an, IIe, Teil 1, sei kleiner als IIe
(Teil 2), also:

Zweiter Fall.
I. 200m (in Ware).
IT. (1) 1800 (in Geld) + (2) 200° (in Ware).

IT (Teil 1) kauft für 180 Pfd. Sterl. Geld Waren 180 Im; I kauft
mit diesem Geld Waren zum gleichen Wert von II (Teil 2), also
180 ITc (2); es bleiben 20 Im unverkaufbar auf einer Seite und ebenso
20 Ile (2) auf der andern: Waren zum Wert von 40 unverwandelbar
in Geld.

Es würde uns nichts nutzen, den Rest I gleich 180 zu setzen; es
würde dann zwar kein Ueberschuß in I bleiben, aber nach wie vor
ein Ueberschuß von 20 in IIe (Teil 2) unverkaufbar, nicht in Geld
verwandelbar.

Im ersten Fall, wo II (1) größer als II (2), bleibt auf Seite von
IEe (1) ein Ueberschuß in Geld, nicht rückverwandelbar in fixes
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Zwanzigstes Kapitel

Kapital, oder wenn der Rest Im gleich IIe (1) gesetzt wird, derselbe
UVeberschuß in Geld auf Seite von Im, nicht verwandelbar in Konsum-
tionsmittel.

Im zweiten Fall, wo ITIe (1) kleiner als IIc (2), bleibt ein Defizit
in Geld auf Seite von 200 Im und IIe (2) und gleicher Ueberschuß von
Ware auf beiden Seiten, oder wenn der Rest Im gleich IIc (2) gesetzt
wird, ein Defizit in Geld und Ueberschuß in Ware auf Seite von II« (2):

Setzen wir die Reste Im stets gleich II (1) — da die Aufträge die
Produktion bestimmen und es an der Reproduktion nichts ändert,
wenn‘ dies Jahr mehr fixe Kapitalbestandteile, nächstes mehr zir-
kulierende Kapitalbestandteile des konstanten Kapitals II und I'produ«
ziert werden —, So wäre im ersten Fall Im rückverwandelbar in Konsum.
tionsmittel, nur wenn I damit einen Teil des Mehrwerts von II kaufte,
dieser also, statt verzehrt zu werden, von I als Geld aufgehäuft würde;
im zweiten Fall wäre nur abzuhelfen, wenn I selbst das Geld ausgäbe,
also die von uns verworfene Hypothese. ,

Ist II. (1) größer als ITc (2), so ist Einfuhr fremder Ware nötig
zur Realisierung des Geldüberschusses von Im. Ist IIe (1) kleiner
als IIe (2), so umgekehrt Ausfuhr von Ware II (Konsumtionsmittel)
zur Realisierung des Verschleißteils IIc in Produktionsmitteln. ' In
beiden Fällen ist also auswärtiger Handel nötig. .

Gesetzt auch, es sei für Betrachtung der Reproduktion auf
gleichbleibender Stufenleiter anzunehmen, daß die Produktivität aller
Industriezweige, also auch die proportionellen Wertverhältnisse ihrer
Warenprodukte konstant bleiben, so würden dennoch die beiden letzt-
erwähntem Fälle, wo IIc (1) größer oder kleiner als IIe (2), immer
Interesse bieten für die Produktion auf erweiterter Stufenleiter, wo
sie unbedingt eintreten können.
3. Resultate. |

Mit Bezug auf den Ersatz des fixen Kapitals ist allgemein zu
bemerken:

Wenn — alle andern Umstände, also nicht nur die Stufenleiter
der Produktion, sondern namentlich auch die Produktivität der Ar-
beit als gleichbleibend vorausgesetzt — ein größerer Teil des fixen
Elements von ILe abstirbt als das Jahr vorher, also auch ein größerer
Teil in natura zu erneuern ist, so muß der Teil des fixen Kapitals,
der erst auf dem Weg seines Absterbens und bis zu seinem Todes-
termin einstweilen in Geld zu ersetzen ist, in derselben Proportion
abnehmen, da nach der Voraussetzung die Summe (auch die Wert-
summe) des in II fungierenden fixen Kapitalteils dieselbe bleibt. Es
führt dies aber folgende Umstände mit sich. Erstens: Besteht ein
größerer Teil des Warenkapitals I aus Elementen des fixen Kapitals
von ILe, so ein um so viel geringerer Teil aus zirkulierenden Bestand-
teilen von IIc, da die Gesamtproduktion von I für IIe unverändert
bleibt. Wächst ein Teil derselben, so nimmt der andere ab und um-
gekehrt. Anderseits bleibt aber auch die Gesamtproduktion der

Das Kanital. IT.
        <pb n="453" />
        Dritter Abschnitt
Klasse II von derselben Größe. Wie ist dies aber möglich bei Ab-
nahme ihrer Rohstoffe, Halbfabrikate, Hilfsstoffe (das heißt der zir-
kulierenden Elemente des konstanten Kapitals II)? Zweitens: Ein
größerer Teil des unter Geldform wieder hergestellten fixen Kapitals
[Te strömt zu I, um aus Geldform in Naturalform rückverwandelt zu
werden. Es strömt also an I mehr Geld zu, außer dem zwischen
Fund IT zum bloßen Warenumsatz zirkulierenden Geld; mehr Geld,
das nicht wechselseitigen Warenumsatz vermittelt, sondern nur ein-
zeitig in Funktion von Kaufmittel auftritt. Zugleich aber hätte die
Warenmasse von ITe, die Träger des Wertersatzes von Verschleiß ist,
proportionell abgenommen, also die Warenmasse IT, die nicht gegen
Ware von I, sondern nur gegen Geld von I umgesetzt werden muß.
Es wäre mehr Geld von II an I als bloßes Kaufmittel zugeströmt
und es wäre weniger Ware von II da, welcher gegenüber I als
bloßer Käufer zu fungieren hätte. Ein größerer Teil von Im —
denn I, ist bereits in Ware II umgesetzt — wäre also nicht in
Ware II umsetzbar, sondern festhaftend in Geldform.

Der umgekehrte Fall, wo in einem Jahr die Reproduktion der
Sterbefälle des fixen Kapitals II geringer und dagegen der Ver-
schleißteil größer, braucht hiernach nicht weiter durchgegangen zu
werden.

Und so wäre Krise da — Produktionskrise — trotz Reproduktion
auf gleichbleibender Stufenleiter.

Mit einem Wort: Wird bei einfacher Reproduktion und gleich-
bleibenden Umständen, also namentlich gleichbleibender Produktiv-
kraft, Gesamtgröße und Intensität der Arbeit — nicht eine konstante
Proportion vorausgesetzt zwischen absterbendem (zu erneuerndem)
und in alter Naturalform fortwirkendem (bloß für Ersatz seines Ver-
schleißes den Produkten Wert zusetzendem) fixem Kapital —, 8o
bliebe in einem Fall die Masse von zu reproduzierenden zirkulierenden
Bestandteilen dieselbe, aber die Masse von zu reproduzierenden fixen
Bestandteilen wäre gewachsen; es müßte also die Gesamtproduktion I
wachsen oder es wäre, selbst abgesehen von den Geldverhältnissen,
Defizit der Reproduktion da.

Im andern Fall: Nähme die proportionelle Größe des in natura
zu reproduzierenden fixen Kapitals II ab, also im selben Verhältnis
der nur noch in Geld zu ersetzende Bestandteil des fixen Kapitals II
zu, So bliebe die Masse der von I reproduzierten zirkulierenden Be-
standteile des konstanten Kapitals II unverändert, die des zu repro-
duzierenden fixen dagegen hätte abgenommen. Also entweder Ab-
nahme der Gesamtproduktion I oder aber Ueberschuß (wie vorher
Defizit) und nicht zu versilbernder Ueberschuß.

Dieselbe Arbeit kann zwar im ersten Fall mit zunehmender Pro-
duktivität, Ausdehnung oder Intensität, größeres Produkt liefern,
und so wäre das Defizit im ersten Fall zu decken; solcher Wechsel
würde aber nicht ohne Deplacierung von Arbeit und Kapital aus
einem Produktionszweig von I in den andern stattgreifen und jede

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Zwanzigstes Kapitel

401
solche Deplacierung würde momentane Störungen hervorrufen.
Zweitens aber würde (soweit Ausdehnung und Intensivierung der
Arbeit zunehmen) I mehr Wert gegen weniger Wert von II auszu-
tauschen haben, also eine Depreciation [Entwertung] des Produkts
von I stattünden.

Umgekehrt im zweiten Fall, wo I seine Produktion kontrahieren
muß, was Krise für die darin beschäftigten Arbeiter und Kapitalisten
bedeutet, oder Ueberschuß liefert, was wieder Krise. An und für
sich sind solche Ueberschüsse kein Uebel, sondern ein Vorteil: sind
aber Uebel in der kapitalistischen Produktion.

Der auswärtige Handel könnte in beiden Fällen aushelfen, im
ersten Fall, um die in Geldform festgehaltene Ware I in Konsum-
tionsmittel umzusetzen, im zweiten Fall, um den Ueberschuß in Ware
abzusetzen. Aber der auswärtige Handel, soweit er nicht bloß Ele-
mente (auch dem Wert nach) ersetzt, verlegt nur die Widersprüche
auf ausgedehntere Sphäre, eröffnet ihnen größeren Spielkreis.

Ist die kapitalistische Form der Reproduktion einmal beseitigt,
so kommt die Sache darauf hinaus, daß die Größe des absterbenden
und daher in natura zu ersetzenden Teils des fixen Kapitals (hier
des in der Erzeugung der Konsumtionsmittel fungierenden) in ver-
schiedenen sukzessiven Jahren wechselt. Ist er in einem Jahr sehr
groß (über die Durchschnittssterblichkeit, wie bei den Menschen), so
im folgenden sicher um so geringer. Die zur jährlichen Produktion
der Konsumtionsmittel nötige Masse von Rohstoffen, Halbfabrikaten
und Hilfsstoffen — sonst gleichbleibende Umstände vorausgesetzt —
nimmt deswegen nicht ab; die Gesamtproduktion der Produktions-
mittel müßte also im einen Fall zunehmen, im andern abnehmen.
Diesem kann nur abgeholfen werden durch fortwährende relative
Ueberproduktion; einerseits ein gewisses Quantum fixes Kapital, das
mehr produziert wird, als direkt nötig ist; anderseits und namentlich
Vorrat von Rohstoff etc., der über die unmittelbaren jährlichen Be-
dürfnisse hinausgeht (dies gilt ganz besonders von Lebensmitteln).
Solche Art Ueberproduktion ist gleich mit Kontrolle der Gesell-
schaft über die gegenständlichen Mittel ihrer eigenen Reproduktion.
Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft aber ist sie ein anarchi-
sches Element.

Dies Beispiel vom fixen Kapital — bei gleichbleibender Stufen-
leiter der Reproduktion — ist schlagend. Mißverhältnis in der Pro-
duktion von fixem und zirkulierendem Kapital ist einer der Lieb-
lingsgründe der Oekonomen, um die Krisen zu erklären. Daß solches
Mißverhältnis bei bloßer Erhaltung des fixen Kapitals entspringen
kann und muß — ist ihnen etwas Neues; daß sie entspringen kann
und muß bei Voraussetzung einer idealen Normalproduktion, bei ein-
facher Reproduktion des bereits fungierenden gesellschaftlichen Ka-
pitals.
        <pb n="455" />
        Dritter. Abschnitt

XI. Die Reproduktion des Geldmaterials. ES

Es ist. bisher‘ ein Moment ganz außer ;acht gelassen worden,
nämlich die jährliche Reproduktion von Gold und Silber. Als bloßes
Material zu Luxusartikeln,: Vergoldung etc., wären sie hier ebenso-
wenig speziell zu erwähnen wie irgendwelche andern Produkte. Da-
gegen spielen sie wichtige Rolle als Geldmaterial und daher poten-
tialiter [der Möglichkeit nach] Geld. Als Geldmaterial nehmen wir
hier der Vereinfachung wegen nur Gold. „+4

Die gesamte jährliche Goldproduktion betrug nach älteren Au-
gaben 8— 900 000 % gleich rund 1100 oder 1250 Millionen Mark.

Nach: Soetbeer® dagegen nur 170 675 Kilogramm im Wert von rund
476 Millionen Mark im Durchschnitt der Jahre 1871—75.' Davon
lieferten: Australien rund 167, Vereinigte Staaten 166, Rußland. 93
Millionen Mark. Der Rest verteilt sich. auf verschiedene Länder in
Beträgen von weniger als je 10 Millionen Mark. Die jährliche Silber-
produktion während derselben Periode betrug etwas unter 2 Millio-
nen Kilogramm im Wert von 3541/, Millionen Mark; davon lieferten
in runder Zahl Mexiko 108, die Vereinigten Staaten 102, Südamerika
67, Deutschland 26 Millionen usw. 1

Von den Ländern vorherrschender kapitalistischer Produktion
sihd nur die Vereinigten Staaten Gold- und Silberproduzenten ; die
europäischen kapitalistischen Länder erhalten fast alle ihr Gold und
bei weitem den größten Teil ihres Silbers von Australien, Vereinigten
Staaten, Mexiko, Südamerika und Rußland. : s

Wir verlegen aber die Goldminen in das Land der kapitalisti-
schen Produktion, dessen jährliche Reproduktion wir hier analysieren,
und zwar. aus folgendem Grund:

Kapitalistische Produktion existiert überhaupt nicht ohne aus:
wärtigen Handel. Wird aber normale jährliche Reproduktion auf
einer gegebenen Stufenleiter unterstellt, so ist damit auch unterstellt;
daß der auswärtige Handel nur durch Artikel von anderer Gebrauchs-
oder. Naturalform einheimische Artikel ersetzt, ohne die Wertver-
hältnisse zu affizieren, also auch nicht die Wertverhältnisse, worin
die zwei Kategorien: Produktionsmittel und Konsumtionsmittel, sich
gegeneinander umsetzen, und ebensowenig die Verhältnisse von kon-
stantem Kapital, variablem Kapital und Mehrwert, worin der Wert
des Produkts. jeder dieser Kategorien zerfällbar. Die Hereinziehung
des auswärtigen Handels bei Analyse des jährlich reproduzierten Pro-
duktenwerts kann also nur verwirren, ohne irgendein neues Moment
sei es des Problems, sei es seiner Lösung, zu liefern. Es ist also ganz
davon zu abstrahieren; also ist hier auch das Gold als direktes

492

58 Ad. Soetbeer: „Edelmetall-Produktion. Gotha 1879.“ [Der vollständige
Titel der Soetbeerschen Schrift lautet: „Edelmetallproduktion und Wert:
verhältnis zwischen Gold und Silber seit der Entdeckung Amerikas bis zur
Gegenwart. Ergänzungsheft 57 zu Petermanns Mitteilungen. Gotha 1879.“
Die angeführten Zahlen finden sich auf S. 112. K.]
        <pb n="456" />
        Ay
8
ji

r

Zwanzigstes Kapitel

403
Element der jährlichen Reproduktion nicht als. von.außen . durch
Austausch eingeführtes Warenelement zu behandeln.

Die Produktion von Gold gehört wie die Metallproduktion über-
haupt zur Klasse I, der Kategorie, die die Produktion von Produk-
tionsmitteln umfaßt. Wir wollen annehmen, das jährliche Gold-
produkt sei gleich 30 (der Bequemlichkeit wegen, tatsächlich viel zu
hoch gefaßt gegen die Zahlen unseres Schemas); es sei dieser Wert
zerfällbar in 20c° + 5, + 5m; 206 ist auszutauschen gegen andere Ele-
mente von Ic und dies ist später zu betrachten; aber die 5v. + 5m (I)
sind umzusetzen gegen Elementevon IIe, das heißt Konsumtionsmittel.

Was die 5 betrifft, so beginnt zunächst jedes Gold produzierende
Geschäft damit, die Arbeitskraft zu. kaufen, nicht. mit selbst produ-
ziertem Gold, sondern mit einem Quotum des im Lande vorrätigen
Geldes. Die Arbeiter beziehen für diese 5, Konsumtionsmittel aus II
heraus und dies kauft mit diesem Geld Produktionsmittel: von I:
Sage, II kaufe von I für 2.Gold als Warenmaterial -ete. (Bestand:
teil seines konstanten Kapitals), so fließen 27 zurück zu den Gold-
produzenten I in. Geld, das der Zirkulation: schon früher angehörte.
Wenn II weiter nichts an Material. von I kauft, so kauft I von IT;
indem es sein Gold als Geld in die Zirkulation wirft, da Gold jede
Ware kaufen kann. Der Unterschied ist nur, daß I hier nicht als Ver-
käufer, sondern nur als Käufer auftritt. Die Goldgräber von I können
ihre Ware stets absetzen, sie befindet sich stets in unmittelbar aus-
tauschbarer Form.

Nehmen wir an, ein Garnspinner habe 5v an seine Arbeiter be-
zahlt, diese liefern ihm — abgesehen vom Mehrwert — dafür ein
Gespinst in Produkt gleich 5; die Arbeiter kaufen für 5 von IIe,
dies kauft für 5 in Geld Garn von I, und so fließt 5v zurück in Geld
an den Garnspinner. In dem supponierten [angenommenen] Fall
dagegen schießt Ig (wie wir die Goldproduzenten bezeichnen wollen)
57 an seine Arbeiter in Geld. vor, das schon früher der Zirkulation
angehörte; diese geben das Geld aus in Lebensmitteln; es kehren aber
von den 5 nur 2 aus. II zu Ig zurück. Aber Ig kann ganz so gut wie
der Garnspinner den Reproduktionsprozeß von neuem beginnen; denn
seine Arbeiter haben ihm in Gold 5 geliefert, wovon es 2 verkauft
hat, 3 in Gold besitzt, also nur zu münzen * oder in Banknoten zu
verwandeln hat, damit direkt, ohne weitere Vermittlung von II, sein
ganzes variables Kapital wieder in Geldform in seiner Hand sei.

Schon bei diesem ersten Prozeß der jährlichen Reproduktion ist
aber eine Veränderung in der Masse der wirklich oder virtuell #2 der
* „Eine beträchtliche Menge von Naturgold (gold.bullion) ... . wird
von den Goldgräbern direkt in die Münze von San Francisco gebracht.‘ —
Reports o£ H. M. Secretaries of Embassy and Legation. 1879. Part IIT,
p. 337. N

” 54a Virtuell heißt dem Vermögen nach vorhanden, aber noch nicht in
Wirkung getreten. Vgl. die Engelssche Fußnote zu Seite 48 über latentes,
Dotentielles. virtuelles Kapital, K.
        <pb n="457" />
        04

Dritter Abschnitt
Zirkulation angehörigen Geldmasse vorgegangen. Wir haben an-
genommen, IIe habe 2, (Ig) als Material gekauft, 3 sei vonI g inner-
halb IT wieder ausgelegt als Geldform des variablen Kapitals. Es
sind also aus der mittels der neuen Geldproduktion gelieferten Geld-
masse 3 innerhalb IT geblieben und nicht zurückgeströmt zu I. Nach
der Voraussetzung hat II seinen Bedarf in Goldmaterial befriedigt.
Die 3 bleiben als Goldschatz in seinen Händen, Da sie keine Elemente
seines konstanten Kapitals bilden können, und da ferner II schon
vorher hinreichendes Geldkapital zum Ankauf der Arbeitskraft hatte;
da ferner, mit Ausnahme des Verschleißelements, dies zuschüssige
3g keine Funktion zu verrichten hat innerhalb IIc, gegen einen Teil
wovon es ausgefauscht (es könnte nur dazu dienen, das Verschleiß-
element pro tanto zu decken, wenn IIe (1) kleiner als IIe (2), was
zufällig); anderseits aber, eben mit Ausnahme des Verschleißelements;
das ganze Warenprodukt IIc gegen Produktionsmittel I tv + m) um-
zusetzen ist — so muß dies Geld ganz aus IIc übertragen werden in
UIm, ob dies nun in notwendigen Lebensmitteln oder in Luxusmitteln
existiere, und dagegen entsprechender Warenwert übertragen werden
aus IIm in IIe. Resultat: Ein Teil des Mehrwerts wird als Geldschatz
aufgespeichert.

Beim zweiten Reproduktionsjahr, wenn dieselbe Proportion des
jährlich produzierten Goldes fortfährt, als Material vernutzt zu werden,
wird wieder 2 an Ig zurückfließen und 3 in natura ersetzt, das heißt,
wieder in II als Schatz freigesetzt sein, usw.

Mit Bezug auf das variable Kapital überhaupt: Der Kapitalist
Ig hat wie jeder andere dies Kapital beständig in Geld zum Ankauf
der Arbeit vorzuschießen. Mit Bezug auf dies v hat nicht er, sondern
seine Arbeiter zu kaufen von II; es kann also nie der Fall eintreten,
daß er als Käufer auftritt, also Gold ohne die Initiative [Anregung]
des II in selbes wirft. Soweit aber II von ihm Material kauft, sein
konstantes Kapital IIce in Goldmaterial umsetzen muß, fließt ihm
Teil von (Ig)v von II zurück auf dieselbe Weise wie den andern Ka-
pitalisten von I; und soweit dies nicht der Fall, ersetzt er sein v in
Gold direkt aus seinem Produkt. In dem Verhältnis aber, worin
ihm das als Geld vorgeschossene v nicht von II zurückfließt, wird
in II ein Teil der schon vorhandenen Zirkulation (von I ihm zu-
geflossenes und nicht an I retourniertes Geld) in Schatz verwandelt
und dafür ein Teil seines Mehrwerts nicht in Konsumtionsmittel ver-
ausgabt. Da beständig neue Goldminen in Angriff genommen oder
alte wieder eröffnet werden, so bildet eine bestimmte Proportion des
von Ig.in v auszulegenden Geldes stets Teil der vor der neuen Gold-
produktion vorhandenen Geldmasse, die von Ig vermittels ihrer
Arbeiter in IT hineingeworfen wird, und, soweit sie nicht aus II zu Ig
zurückgekehrt, bildet sie dort Element der Schatzbildung.

Was aber (Ig)m angeht, so kann Ig hier stets als Käufer auf-
treten; es wirft sein m als Gold in die Zirkulation und zieht dafür
Konsumtionsmittel IIc heraus; hier wird das Gold zum Teil als
        <pb n="458" />
        Y

}

Zwanzigstes Kapitel

405
Material vernutzt, fungiert daher als wirkliches Element des konstanten
Bestandteils c des produktiven Kapitals; und soweit dies nicht der
Fall, wird es wieder Element der Schatzbildung als in Geld verharren.-
der Teil von IIm. Es zeigt sich — auch abgesehen von dem später
zu betrachtenden 1c°—, wie selbst bei einfacher Reproduktion, wenn
hier auch Akkumulation im eigentlichen Sinn des Wortes, das heißt
Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter, ausgeschlossen, dagegen
Geldaufspeicherung oder Schatzbildung notwendig eingeschlossen ist.
Und da sich dies jährlich neu wiederholt, so erklärt sich damit die
Voraussetzung, von welcher bei Betrachtung der kapitalistischen Pro-
duktion ausgegangen wird: daß sich bei Beginn der Reproduktion
eine dem Warenumsatz entsprechende Masse von Geldmitteln in den
Händen der Kapitalistenklassen I und II befindet. Solche Aufspeiche-
rung findet statt selbst nach Abzug des durch Verschleiß des zirku-
lierenden Geldes verlorengehenden Goldes.

Es versteht sich von selbst, daß je fortgeschrittener das Lebens-
alter der kapitalistischen Produktion, um so größer die allerseits auf-
gehäufte Geldmasse, um so kleiner also die Proportion, die die jähr-
liche neue Goldproduktion dieser Masse zufügt, obgleich dieser Zu-
schuß seiner absoluten Quantität nach bedeutend sein kann. Im
allgemeinen wollen wir nur noch einmal zurückkommen auf den gegen
Tooke gemachten Einwurf: Wie ist es möglich, daß jeder Kapitalist
in Geld einen Mehrwert aus dem jährlichen Produkt herauszieht, das
heißt mehr Geld herauszieht aus der Zirkulation, als er hineinwirft,
da in letzter Instanz die Kapitalistenklasse selbst als die Quelle be-
trachtet werden muß, die überhaunt das Geld in die Zirkulation
wirft 7

Wir bemerken hierauf unter Zusammenfassung des schon früher
(Kapitel XVII) Entwickelten:

1. Die einzige hier erforderliche Voraussetzung: daß überhaupt
Geld genug vorhanden sei, um die verschiedenen Elemente der jähr-
lichen Reproduktionsmasse umzusetzen — wird in keiner Weise da-
durch berührt, daß ein Teil des Warenwerts aus Mehrwert besteht.
Gesetzt, die ganze Produktion gehöre den Arbeitern selbst, ihre
Mehrarbeit sei also nur Mehrarbeit für sie selbst, nicht für die Kapi-
talisten, so wäre die Masse des zirkulierenden Warenwerts dieselbe
und erheischte bei sonst gleichbleibenden Umständen dieselbe Geld-
masse zu ihrer Zirkulation. Es fragt sich also in beiden Fällen nur:
Wo kommt das Geld her, um diesen Gesamtwarenwert umzusetzen ?
— Und in keiner Weise: Wo kommt das Geld zur Versilberung des
Mehrwerts her?

Allerdings, um noch einmal darauf zurückzukommen, besteht
jede einzelne Ware aus e -—- v7 + m, und es ist also zur Zirkulation

55 Die Untersuchung über den Austausch von neuproduziertem Gold
innerhalb des konstanten Kapitals der Abteilung I findet sich im Manu-
skripf nicht. F.E.
        <pb n="459" />
        106

Dritter Abschnitt
der gesamten Warenmasse einerseits eine bestimmte Geldsumme nötig
zur Zirkulation des Kapitals c + v und anderseits eine andere Geld-
summe zur Zirkulation der Revenue der Kapitalisten, des Mehrwerts
m. Wie für die einzelnen Kapitalisten, so für die ganze Klasse :ist
das Geld, worin sie Kapital vorschießt, verschieden von dem Geld,
worin sie Revenue verausgabt. Woher kommt dies letztere Geld?
Einfach daher, daß von der in der Hand der Kapitalistenklasse be-
findlichen Geldmasse, also im ganzen und großen von der innerhalb
der Gesellschaft befindlichen gesamten Geldmasse ein Teil die Be-
venue der Kapitalisten zirkuliert. Man sah schon oben, wie jeder ein
neues Geschäft einrichtende Kapitalist das Geld, das er zu seiner
Erhaltung in Konsumtionsmitteln verausgabt, wieder zurückfischt
als zur Versilberung seines Mehrwerts dienendes Geld, sobald das Ge-
schäft einmal im Gang. Aber allgemein gesprochen kommt die ganze
Schwierigkeit aus zwei Quellen her.

Erstens: Betrachten wir bloß die Zirkulation und den Umschlag
des Kapitals, also auch den Kapitalisten nur als Personifikation des
Kapitals — nicht als kapitalistischen Konsumenten und Lebemann —,
so sehen wir ihn zwar beständig Mehrwert in die Zirkulation werfen
als Bestandteil seines Warenkapitals, aber wir sehen nie das Geld
als Form der Revenue in seiner Hand; wir sehen ihn nie Geld zum
Verzehr des Mehrwerts in die Zirkulation werfen.

Zweitens: Wirft die Kapitalistenklasse eine gewisse Geldsumme
in Gestalt von Revenue in Zirkulation, so scheint es, als zahle sie
ein Aequivalent für diesen Teil des jährlichen Gesamtprodukts und
höre dieser somit auf, Mehrwert darzustellen. Das Mehrprodukt aber,
worin sich der Mehrwert darstellt, kostet der Kapitalistenklasse nichts.
Als Klasse besitzt und genießt sie es umsonst, und daran kann die
Geldzirkulation nichts ändern. Die Veränderung, die diese vermittelt;
besteht einfach darin, daß jeder Kapitalist, statt sein Mehrprodukt
in natura zu verzehren, was meist gar nicht angeht, Waren aller
Art zum Belauf des von ihm angeeigneten Mehrwerts aus dem Ge-
samtbetrag®* des jährlichen gesellschaftlichen Mehrprodukts heraus-
zieht und sich aneignet. Aber der Mechanimus der Zirkulation hat
gezeigt, daß, wenn die Kapitalistenklasse Geld zur Verausgabung von
Revenue in die Zirkulation hineinwirft, sie selbiges Geld auch wieder

der Zirkulation entzieht und also denselben Prozeß stets von neuem
beginnen kann, daß sie also, als Kapitalistenklasse betrachtet, nach
wie vor im Besitz dieser zur Versilberung des Mehrwerts nötigen Geld-
summe bleibt. Wenn also nicht nur der Mehrwert in Form von Waren
vom Kapitalisten für seinen Konsumtionsfonds dem Warenmarkt ent-
zogen wird, sondern zugleich das Geld, womit er diese Waren kauft, an
ihn zurückfließt, so hat er offenbar die Waren ohne Aequivalent der
Zirkulation entzogen. Sie kosten ihm nichts, obgleich er sie mit Geld
zahlt. Wenn ich mit einem Pfund Sterling Waren kaufe und mir der

°%282 In der Engelsschen Ausgabe steht: „Gesamtstock“. K. 2
        <pb n="460" />
        4;
5
Ss
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N
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{-

Zwanzigstes Kapitel

407
Verkäufer der Ware das Pfund zurückgibt für Mehrprodukt, das mich
nichts gekostet hat, habe ich offenbar die Waren umsonst erhalten.
Die beständige Wiederholung dieser Operation ändert nichts daran,
daß ich beständig Waren entziehe und beständig im Besitz des
Pfundes bleibe, obgleich ich mich desselben zum Bezug der
Waren vorübergehend entäußere. Der Kapitalist erhält beständig
dies Geld zurück als Versilberung von Mehrwert, der ihm nichts
gekostet hat.

Wir sahen, daß bei A. Smith der gesamte gesellschaftliche Produk:
tenwert sich auflöst in Revenue, in v + m, daß also der konstante
Kapitalwert gleich Null gesetzt wird. Es folgt daher notwendig, daß
das zur Zirkulation der jährlichen Revenue erforderliche Geld auch
hinreichend ist zur Zirkulation des gesamten jährlichen Produkts,
daß also in unserm Fall das zur Zirkulation der Konsumtionsmittel
zum Wert von 3000 nötige Geld hinreicht zur Zirkulation des ge:
samten Jahresprodukts zum Wert von 9000. Dies ist in der Tat
A. Smiths Ansicht, und sie wird von Th. Tooke wiederholt. Diese
falsche Vorstellung vom Verhältnis der zur Versilberung der Revenue
erforderlichen Geldmasse zur Geldmasse, welche das gesamte gesell-
schaftliche Produkt zirkuliert, ist ein notwendiges Resultat der nicht
begriffenen, gedankenlos vorgestellten Art und Weise, wie die ver-
schiedenen stofflichen und Wertelemente des jährlichen Gesamt-
produkts sich reproduzieren und jährlich ersetzt werden. Sie ist
daher bereits widerlegt,

Hören wir Smith und Tooke selbst.

_ Smith sagt B. II, ch. 2: „Die Zirkulation jedes Landes kann
in zwei Teile geschieden werden: die Zirkulation der Händler unter-
einander und die Zirkulation zwischen Händlern und Konsumenten.
Wenn auch dieselben Geldstücke, Papier oder Metall, bald in der
einen, bald in der andern Zirkulation verwandt werden mögen, so
gehen doch beide fortwährend gleichzeitig nebeneinander vor, und
jede von beiden bedarf daher einer bestimmten Geldmasse dieser
oder jener Art, um in Gang zu bleiben. Der Wert der zwischen den
verschiedenen Händlern zirkulierten Waren kann nie den Wert der
zwischen den Händlern und den Konsumenten zirkulierten Waren
übersteigen; denn was die Händler auch immer kaufen, muß doch
schließlich an die Konsumenten verkauft werden. Da die Zirkulation
zwischen den Händlern en gros geschieht, erfordert sie im allgemeinen
eine ziemlich große Summe für jeden einzelnen Umsatz. Die Zirku-
lation‘ zwischen Händlern und Konsumenten dagegen geschieht
meist en detail und erfordert oft nur sehr kleine Geldbeträge; ein
Schilling oder selbst ein halber Penny genügt manchmal. Aber kleine
Summen zirkulieren weit rascher als große... Obgleich die jähr-
üichen. Käufe aller Konsumenten daher denen aller Händler an Wert
mindestens‘“ (dies „mindestens“ ist gut!) „gleich sind, so können sie
doch in der Regel mit einer weit geringeren Geldmasse erledigt
werden‘. usw.
        <pb n="461" />
        ‚08

Dritter Abschnitt
Zu dieser Stelle Adams bemerkt Th. Tooke („An Inquiry into
the Currency Prineiple. London 1844“, p. 34 bis 36 passim): „Es
kann kein Zweifel bestehen, daß dieser hier gemachte Unterschied
der Sache nach richtig ist... Der Austausch zwischen Händlern und
Konsumenten schließt auch die Zahlung des Arbeitslohnes ein, der
die Haupteinnahme (the principal means) der Konsumenten aus-
macht... Alle Umsätze von Händler zu Händler, das heißt alle
Verkäufe: vom Produzenten oder Importeur an, durch alle Abstu-
lungen von Zwischenprozessen der Manufaktur usw. bis herab zum
Detailhändler oder Exportkaufmann, sind auflösbar in Bewegungen
von Kapitalübertragung. Kapitalübertragungen setzen aber nicht
notwendig voraus und führen in der Tat auch nicht wirklich mit
sich in der großen Masse der Umsätze eine wirkliche Abtretung
von Banknoten oder Münze — ich meine eine materielle, nicht
fingierte Abtretung — zur Zeit der Vebertragung ... Der Gesamt-
betrag der Umsätze zwischen Händlern und Händlern muß in letzter
Instanz bestimmt und begrenzt sein durch den Betrag der Umsätze
zwischen Händlern und Konsumenten.“

Stände der letzte Satz vereinzelt, so könnte man glauben, Tooke
konstatiere bloß, daß ein Verhältnis stattfinde zwischen den Um-
sätzen von Händler zu Händler und denen von Händler zu Kon-
sument, in andern Worten, zwischen dem Wert der jährlichen
Gesamtrevenue und dem Wert des Kapitals, womit sie produziert
wird. Dies ist jedoch nicht der Fall. Er bekennt sich ausdrücklich
zur Auffassung A. Smiths. Eine besondere Kritik seiner Zirku-
lationstheorie ist daher überflüssig.

2. Jedes industrielle Kapital wirft bei seinem Beginn auf einmal
Geld in Zirkulation für seinen ganzen fixen Bestandteil, den es nur
allmählich in einer Reihe von Jahren durch Verkauf seines jährlichen
Produkts wieder herauszieht. Es wirft also zunächst mehr Geld in
die Zirkulation hinein, als es ihr entzieht. Dies wiederholt sich
jedesmal bei Erneuerung des Gesamtkapitals in natura; es wiederholt
sich jedes Jahr für eine bestimmte Anzahl Geschäfte, deren fixes
Kapital in natura zu erneuern; es wiederholt sich stückweis bei
jeder Reparatur, bei jeder nur bruchweisen Erneuerung des fixen
Kapitals. Wird also von der einen Seite der Zirkulation mehr Geld
entzogen als hineingeworfen, so von der andern Seite umgekehrt.

In allen Industriezweigen, deren Produktionsperiode (als ver-
schieden von der Arbeitsperiode) längere Zeit umfaßt, wird während
derselben von den kapitalistischen Produzenten beständig Geld in
die Zirkulation geworfen, teils in Zahlung der angewandten Arbeits-
kraft, teils in Ankauf der zu verbrauchenden Produktionsmittel; e8
werden so Produktionsmittel direkt, Konsumtionsmittel teils indirekt
durch die ihren Arbeitslohn verausgabenden Arbeiter, . teils direkt
durch die ihren Verzehr keineswegs suspendierenden Kapitalisten
selbst, dem Warenmarkt entzogen, ohne daß diese Kapitalisten
zunächst gleichzeitig ein Aequivalent in Waren in den Markt würfen.
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Zwanzigstes Kapitel

Während dieser Periode dient das von ihnen in Zirkulation geworfene
Geld zur Versilberung von Warenwert, inklusive des darin enthaltenen
Mehrwerts. Sehr bedeutend wird dies Moment in entwickelter
kapitalistischer Produktion bei langatmigen Unternehmungen, aus-
geführt von Aktiengesellschaften ete., wie Anlage von Eisenbahnen,
Kanälen, Docks, großen städtischen Bauten, Eisenschiffsbau,
Drainierung von Land auf großem Umfang ete.

3. Während die andern Kapitalisten, abgesehen von der Auslage
in fixem Kapital, mehr Geld aus der Zirkulation herausziehen, als sie
beim Kauf der Arbeitskraft und der zirkulierenden Elemente hinein-
geworfen, wird von den Gold und Silber produzierenden Kapitalisten,
abgesehen von dem Edelmetall, das als Rohstoff dient, nur Geld in die
Zirkulation geworfen, während ihr nur Waren entzogen werden.
Das konstante Kapital, mit Ausnahme des Verschleißteils, der
größere Teil des variablen und der ganze Mehrwert mit Ausnahme
des etwa in ihren eigenen Händen sich aufhäufenden Schatzes wird
als Geld in die Zirkulation geworfen.

4. Einerseits zirkulieren zwar allerlei Dinge als Waren, die nicht
innerhalb des Jahres produziert worden, Grundstücke, Häuser etec.,
ferner Produkte, deren Produktionsperiode sich über mehr als ein
Jahr erstreckt, Vieh, Holz, Wein usw. Für diese und andere Phäno-
mene ist es wichtig, festzuhalten, daß außer der für die unmittelbare
Zirkulation erheischten Geldsumme sich stets ein gewisses Quantum
in latentem, nicht fungierendem Zustand vorfindet, das bei gegebenem
Anstoß in Funktion treten kann. Auch zirkuliert der Wert solcher
Produkte oft stückweise und allmählich, wie der Wert von Häusern
in der Miete einer Reihe von Jahren.

Anderseits werden nicht alle Bewegungen des Reproduktions-
prozesses durch Geldzirkulation vermittelt. Der gesamte Produk-
tionsprozeß, sobald seine Elemente einmal angeschafft, ist davon
ausgeschlossen. Ferner alles Produkt, das der Produzent direkt
selbst wieder konsumiert — sei es individuell, sei es produktiv, wozu
auch Naturalverpflegung ländlicher Arbeiter gehört.

Die Geldmasse also, welche das jährliche Produkt zirkuliert, ist
in der Gesellschaft vorhanden, nach und nach akkumuliert worden.
Sie gehört nicht zum Wertprodukt dieses Jahres, mit Ausnahme
etwa des Ersatzgoldes für verschlissene Münzen.

Es ist bei dieser Darstellung vorausgesetzt exklusive [ausschließ-
liche] Zirkulation von Edelmetallgeld und bei dieser wieder die ein-
fachste Form barer Käufe und Verkäufe, obwohl auf Basis bloßer
Metallzirkulation das Geld auch als Zahlungsmittel fungieren kann
und historisch wirklich so fungiert hat und auf dieser Basis ein
Kreditwesen und bestimmte Seiten seines Mechanismus sich ent-
wickelt haben.

Diese Voraussetzung wird gemacht nicht bloß aus methodischen
Rücksichten, deren Gewicht sich schon darin zeigt, daß sowohl
Tooke und seine Schule wie ihre Gegner in ihren Kontroversen
        <pb n="463" />
        E10

Dritter Abschnitt
[Streitigkeiten] beständig gezwungen waren, bei Erörterung der Bank-
hotenzirkulation wieder rückzugreifen zur Hypothese rein metallischer
Zirkulation. Sie waren gezwungen, dies post festum zu tun, taten
es aber dann sehr oberflächlich, und zwar notwendig, weil der Aus-
gangspunkt so nur die Rolle eines Inzidenzpunktes [Nebenpunktes]
in der Analyse [zergliedernden Untersuchung] spielt.

Aber die einfachste Betrachtung der in ihrer naturwüchsi gen
Form dargestellten Geldzirkulation — und diese ist hier immanentes
Moment des jährlichen Reproduktionsprozesses — zeigt: ©

a) Entwickelte kapitalistische Produktion vorausgesetzt, also
Herrschaft des Lohnarbeitssystems, spielt offenbar das Geldkapital
eine Hauptrolle, soweit es die Form ist, in der das variable Kapital
vorgeschossen wird, Im Maß, wie sich das Lohnarbeitssystem ent-
wickelt, verwandelt sich alles Produkt in Ware, muß daher auch
— mit einigen wichtigen Ausnahmen — allzusamt die Verwand-
lung in Geld als eine Phase seiner Bewegung durchlaufen. "Die Masse
des zirkulierenden Geldes muß zu dieser Versilberung .der Waren
hinreichen, und der größte Teil dieser Masse wird geliefert in. Form
des Arbeitslohnes, des Geldes, das als Geldform des variablen Kapitals
in‘ Zahlung der Arbeitskraft von industriellen‘ Kapitalisten: vor-
geschossen, in den Händen der Arbeiter — seiner großen Masse nach
— nur als Zirkulationsmittel (Kaufmittel) fungiert. Es ist dies ganz
im Gegensatz zur Naturalwirtschaft, wie sie vorwiegt auf Basis jedes
Hörigkeitssystems (Leibeigenschaft eingeschlossen) und noch mehr
auf. der mehr oder weniger primitiver ‚Gemeinwesen, ob diese nun

nit Hörigkeits- oder Sklavereiverhältnissen versetzt seien oder nicht.

Im Sklavensystem spielt das Geldkapital, das im Ankauf der
Arbeitskraft ausgelegt wird, die Rolle von Geldform des fixen
Kapitals, das nur allmählich ersetzt wird, nach Ablauf der aktiven
Lebensperiode des Sklaven. Bei den Athenern wird daher der
Gewinn, den ein Sklavenbesitzer direkt dureh industrielle Verwen-
Jung seines Sklaven oder indirekt durch Vermietung desselben
an andere industrielle Verwender (zum Beispiel für Bergwerksarbeit)
zieht, auch nur betrachtet als Zins (nebst Amortisation) des vor-
geschossenen. Geldkapitals, ganz wie in der. kapitalistischen Produk-
tion der industrielle Kapitalist ein Stück des Mehrwerts plus dem
Verschleiß des fixen Kapitals als Zins und Ersatz seines fixen Kapi-
tals in Rechnung setzt; wie dies auch Regel ist bei den fixes Kapital
‚Häuser, Maschinen etc.) vermietenden Kapitalisten. Bloße Haus-
Sklaven, sei es, daß sie zur Leistung notwendiger Dienste .oder bloß
zur Luxusparade dienen, kommen hier nicht in Betracht, sie ent-
sprechen unserer dienenden Klasse. Aber auch das Sklavensystem
— sofern es in Agrikultur, Manufaktur, Schiffsbetrieb ete. die
herrschende Form der produktiven Arbeit ist, wie in den entwickelten
Staaten Griechenlands und in Rom — behält ein Element der Natural-
wirtschaft bei. Der Sklavenmarkt selbst erhält beständig Zufuhr
seiner Arbeitskraft-Ware durch Krieg, Seeraub ete., und dieser
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Zwanzigstes Kapitel

411
Raub’ ist seinerseits nicht, durch einen Zirkulationsprozeß vermittelt,
sondern Naturalaneignung fremder. Arbeitskraft durch direkten
physischen Zwang. Selbst in. den. Vereinigten Staaten, nachdem das
Zwischengebiet zwischen den Lohnarbeits-Staaten des Nordens und
den Sklaven-Staaten des Südens sich in ein Sklavenzuchtgebiet für
den Süden verwandelt, wo also der auf den Sklavenmarkt geworfene
Sklave selbst ein Element der jährlichen Reproduktion geworden, ge-
nügte das für längere Zeit nicht, sondern wurde noch möglichst lange
afrikanischer Sklavenhandel zur Füllung.des Marktes fortgetrieben.

b) Die auf Basis der kapitalistischen Produktion sich natur-
wüchsig . vollziehenden Ab- und Rückströmungen des Geldes bei
Umsatz des jährlichen Produkts; die einmaligen Vorschüsse von
fixen Kapitalen ihrem ganzen Wertumfang nach und das sukzessive,
über jahrelange Perioden sich verbreitende Herausziehen ihres Wertes
aus der Zirkulation, also ihre allmähliche Rekonstitution in Geld-
form durch jährliche Schatzbildung, eine Schatzbildung, ihrem
Wesen nach total verschieden. von der. ihr parallel gehenden, auf
jährlich neuer Geldproduktion beruhenden Schatzbildung; die ver-
schiedene Länge der Zeit, worin je nach der Länge der Produktions-
perioden der Waren Geld vorgeschossen, also auch vorher schon
stets von neuem aufgeschatzt werden muß, bevor es durch Verkauf
der Ware aus der Zirkulation zurückgezogen werden kann; die ver-
schiedene Länge der Vorschußzeit, die schon allein aus der ver-
schiedenen Entfernung des Produktionsortes vom Absatzmarkt ent-
steht; ebenso die Verschiedenheit in Größe und Periode des Rück-
flusses je nach dem Stand respektive der relativen Größe der Produk-
tionsvorräte in verschiedenen Geschäften und bei den verschiedenen
einzelnen Kapitalisten desselben Geschäftszweiges, also die Termine
der Einkäufe von Elementen des konstanten Kapitals — alles das
während des Reproduktionsjahres: alle diese verschiedenen Momente
der naturwüchsigen Bewegung brauchen sich bloß durch Erfahrung
bemerklich und auffallend gemacht zu haben, um planmäßig sowohl
zu den mechanischen Hilfsmitteln des Kreditsystems den Anlaß zu
geben, wie auch zu der wirklichen Auffischung der vorhandenen
verleihbaren Kapitale.

Es kommt hierzu noch der Unterschied der Geschäfte, deren
Produktion unter sonst normalen Verhältnissen kontinuierlich auf
derselben Stufenleiter vor sich geht, und solcher, die in verschiedenen
Perioden des Jahres Arbeitskraft in verschiedenem Umfang anwenden,
wie die Landwirtschaft.
XII. Destutt de Tracys Reproduktionstheorie.*
Als Beispiel der konfusen und zugleich renommistischen [auf-
schneiderischen] Gedankenlosigkeit politischer Oekonomen bei. Be-
trachtung der gesellschaftlichen Reproduktion diene der große
56 Ans Manuskript II. F.E.
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        412

Dritter Abschnitt
Logiker Destutt de Tracy (vgl. Buch I, 2. Aufl., 8.147, V. 8. 119,
Note 30), den selbst Ricardo ernsthaft nahm und a very distinguished
writer [einen hervorragenden Schriftsteller] nennt. („Principles‘‘,
ch. XX, p. 333.)

Dieser distinguierte [hervorragende] Schriftsteller gibt folgende
Aufschlüsse über den gesamten gesellschaftlichen Reproduktions-
und Zirkulationsprozeß:

„Man wird mich fragen, wie diese Industrieunternehmer so
große Profite machen und von wem sie sie ziehen können. Ich ant-
worte, daß sie dies tun, indem sie alles, was sie produzieren, teurer
verkaufen, als es ihnen zu produzieren gekostet, und daß sie es
verkaufen:
i. aneinander für den ganzen Teil ihrer Konsumtion, bestimmt
zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, welche sie bezahlen mit einem
Teil ihrer Profite;

2, an die Lohnarbeiter, sowohl an die, welche sie besolden, wie
an die, welche die müßigen Kapitalisten besolden ; von welchen Lohn-
arbeitern sie auf diesem Wege ihren ganzen Lohn zurückerhalten,
ausgenommen etwa deren kleine Ersparnisse;

3. an die müßigen Kapitalisten, welche sie bezahlen mit dem Teil
ihrer Revenue, den sie nicht schon abgegeben haben an die von ihnen
direkt beschäftigten Lohnarbeiter, so daß die ganze Rente, welche sie
ihnen jährlich zahlen, ihnen auf dem einen oder andern dieser Wege
wieder zurückfließt.‘“ (Destutt de Tracy: „„Traite de la volonte et de
ses effets. Paris 1826‘ 56* y, 239.)

Also die Kapitalisten bereichern sich erstens, indem sie im Um-
satz des Teils des Mehrwerts, den sie ihrer Privatkonsumtion widmen
oder als Revenue verzehren, sich alle wechselseitig übervorteilen.
Also, wenn dieser Teil ihres Mehrwerts, respektive ihrer Profite, gleich
100 Pfad. Sterl. ist, so werden aus diesen 400 Pfad. Sterl. etwa 500 Pfd.
Sterl. dadurch, daß jeder Beteiligte der 400 Pfd. Sterl. dem andern
seinen Teil um 25 % zu teuer verkauft. Da alle dasselbe tun, so ist
das Resultat dasselbe, als hätten sie sich wechselseitig zum richtigen
Wert verkauft. Nur brauchen sie zur Zirkulation eines Warenwerts
von 400 Pfd, Sterl. eine Geldmasse von 500 Pfd. Sterl., und dies
scheint eher eine Methode, sich zu verarmen, als sich zu bereichern,
indem sie einen großen Teil ihres Gesamtvermögens in der nutzlosen
Form von Zirkulationsmitteln unproduktiv aufbewahren müssen.

Das Ganze kommt darauf hinaus, daß die Kapitalisten 56 trotz
56% In der Engelsschen Ausgabe steht „1821“. Eine solche Ausgabe
existiert nicht, wohl aber Ausgaben von 1815, 1818, 1823 (diese unter dem
Titel „Traite d‘Economie politique“) und 1826. Marx dürfte die Ausgabe
von 1826 benutzt haben, da er nach ihr auch im Buch I zitiert; auch stim-
men die zitierten Seitenzahlen mit denen dieser Ausgabe überein. Im Briti-
schen Museum war sie nicht aufzufinden, sondern nur die von 1823, deren
Seitenzahlen übrigens mit denen der Ausgabe von 1826 übereinstimmen. K.

56b In der Engelsschen Ausgabe steht „Kapitalistenklasse“. K.
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Zwanzigstes Kapitel

413

der allseitigen nominellen [nur der Benennung nach erfolgten] Preis-
erhöhung ihrer Waren nur einen Warenstock von 400 Pfd. Sterl.
Wert unter sich zu ihrer Privatkonsumtion zu verteilen haben, daß
sie aber sich das wechselseitige Vergnügen machen, 400 Pfd. Sterl.
Warenwert zu zirkulieren mit einer Geldmasse, die für 500 Pfd. Sterl:
Warenwert erheischt ist.

Ganz abgesehen davon, daß hier „ein Teil ihrer Profite‘‘ und
also überhaupt ein Warenvorrat, worin Profit sich darstellt, unter-
stellt ist. Destutt will uns aber gerade erklären, wo dieser Profit
herkommt. Die Geldmasse, die nötig ist, um ihn zu zirkulieren, ist
eine ganz untergeordnete Frage. Die Warenmasse, worin der Profit
3ich darstellt, scheint davon herzustammen, daß die Kapitalisten
liese Warenmasse nicht nur einander verkaufen, was bereits sehr
schön und tief ist, sondern sich alle einander zu teuer verkaufen.
Wir kennen jetzt also eine Quelle der Bereicherung der Kapitalisten.
Sie kommt hinaus auf das Geheimnis des „Entspektor Bräsig‘, daß
lie große Armut von der großen pauvrete herkommt.

2. Dieselben Kapitalisten verkaufen ferner „an die Lohnarbeiter,
sowohl an die, welche sie selbst besolden, wie an die, welche die
müßigen Kapitalisten besolden; von welchen Lohnarbeitern sie auf
diese Weise ihren ganzen Lohn zurückerhalten, ausgenommen deren
kleine Ersparnisse‘‘,

Der Rückfluß des Geldkapitals, in Form von welchem die Kapitali-
sten den Lohn dem Arbeiter vorgeschossen haben, zu den Kapitalisten
macht nach Herrn Destutt die zweite Quelle der Bereicherung solcher
Kamnitalisten aus.

Wenn also die Kapitalistenklasse zum Beispiel 100 Pfd. Sterl.
den Arbeitern in Lohn gezahlt und dann dieselben Arbeiter von der-
selben Kapitalistenklasse Ware zum selben Wert von 100 Pfd. Sterl. kau-
fen, und daher die Summe von 100 Pfd. Sterl., welche die Kapitalisten
als Käufer von Arbeitskraft vorgeschossen, ihnen beim Verkauf von
Waren zu 100 Pfd. Sterl. an die Arbeiter zurückfließt, so bereichern
sich dadurch die Kapitalisten. Es scheint, vom Standpunkt des ge-
wöhnlichen Menschenverstandes, daß die Kapitalisten sich vermittels
dieser Prozedur wieder im Besitz von 100 Pfd. Sterl. befinden, die
sie vor der Prozedur besaßen. Bei Beginn der Prozedur besitzen sie
100 Pfd, Sterl. Geld, sie kaufen für diese 100 Pfd. Sterl. Arbeitskraft.
Für diese 100 Pfd. Sterl. Geld produziert die gekaufte Arbeit Waren
von einem Wert, soviel wir bis jetzt wissen, von 100 Pfd. Sterl. Durch
Verkauf der 100 Pfd. Sterl. Waren an die Arbeiter erhalten die Kapi-
talisten 100 Pfd. Sterl. Geld zurück. Die Kapitalisten besitzen also
wieder 100 Pfd. Sterl. Geld, die Arbeiter aber für 100 Pfd. Sterl. Ware,
die sie selbst produziert haben. Wie sich die Kapitalisten dabei be-
reichern sollen, ist nicht abzusehen. Wenn die 100 Pfd. Sterl. Geld
ihnen nicht zurückflössen, so hätten sie den Arbeitern erstens 100 Pfd.
Sterl. Geld für ihre Arbeit zahlen und zweitens ihnen das Produkt
dieser Arbeit, für 100 Pfd. Sterl. Konsumtionsmittel. umsonst geben
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        414
Dritter Abschnitt
müssen, Der Rückfluß könnte also höchstens erklären, warum die
Kapitalisten durch die Operation nicht ärmer, keineswegs aber, war-
um sie dadurch. reicher geworden. ;

. Eine andere Frage ist allerdings, wie die Kapitalisten die 100 Pfd.
Sterl. Geld besitzen, und warum die Arbeiter, statt selbst für eigene
Rechnung Waren zu produzieren, gezwungen sind, ihre Arbeitskraft
gegen diese 100 Pfd. Sterl. auszutauschen. Aber dies ist etwas, was
sich für einen Denker vom Kaliber [der Beschaffenheit] Destutts
von selbst versteht.

Destutt ist selbst nicht ganz befriedigt mit dieser Lösung. Er
hatte uns ja nicht gesagt, daß man sich dadurch bereichert, daß
man eine Geldsumme von 100 Pfd. Sterl. ausgibt und dann
eine Geldsumme von 100 Pfd. Sterl. wieder einnimmt, also nicht
durch den Rückfluß von 100 Pfd., Sterl. Geld, der ja nur zeigt,
warum die 100 Pifd. Sterl. Geld nicht verlorengehen. Er hatte
uns gesagt, daß die Kapitalisten sich bereichern, „indem sie
alles, was sie produzieren, teurer verkaufen, als es ihnen zu kaufen
gekostet hat“, N

Also müssen sich auch die Kapitalisten in ihrer Transaktion mit
den Arbeitern dadurch bereichern, daß sie denselben zu teuer. ver-
kaufen. Vortrefflich! „Sie zahlen Arbeitslohn... und alles das
fießt ihnen zurück durch die Ausgaben aller dieser Leute, die ihnen‘
(die Produkte) ‚teurer bezahlen, als sie ihnen‘ (den Kapitalisten)
„vermittels dieses Arbeitslohnes gekostet haben.‘ (p. 240.) Also
die Kapitalisten zahlen 100 Pfd. Sterl. Lohn an die Arbeiter, und
dann verkaufen sie den Arbeitern ihr eigenes Produkt zu 120 Pfd.
Sterl., so daß ihnen nicht nur die100 Pfd. Sterl. zurückfließen, sondern
noch 20 Pfd. Sterl. gewonnen. werden? Dies ist unmöglich. Die Ar-
beiter können nur mit dem Geld zahlen, das sie in Form von Arbeits-
lohn erhalten haben. Wenn sie 100 Pfd. Sterl. Lohn von den Kapi-
talisten erhalten, können sie nur für 100 Pfd. Sterl. kaufen und nicht
für 120 Pfd. Sterl. Also auf diese Weise ginge die Sache nicht. Es
gibt aber noch einen andern Weg. Die Arbeiter kaufen von den
Kapitalisten Ware für 100 Pfd. Sterl., erhalten aber in der Tat
nur Ware zum Wert von 80 Pfd. Sterl. Sie sind daher un-
bedingt um 20 Pfd. Sterl. gepreilt. Und der Kapitalist hat sich
unbedingt um 20 Pfd. Sterl. bereichert, weil er die Arbeitskraft
batsächlich 20% unter ihrem Wert gezahlt oder einen Abzug
vom nominellen Arbeitslohn zum Belauf von 20 % auf einem
Umweg gemacht hat.

Die Kapitalistenklasse würde dasselbe Ziel erreichen, wenn sie
von vornherein den Arbeitern nur 80 Pfd. Sterl. Lohn zahlte und ihnen
hinterher für diese 80 Pfd, Sterl. Geld in der Tat 80 Pfd. Sterl. Waren-
wert lieferte. Dies scheint — die ganze Klasse betrachtet — der nor-
male Weg, da nach Herrn Destutt selbst die Arbeiterklasse „genügen“
den Lohn“ (p. 219) erhalten muß, da dieser Lohn wenigstens hin-
reichen muß, um ihre Existenz und Werktätigkeit zu erhalten, „sich
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Zwanzigstes Kapitel

415
den knappsten Lebensunterhalt 5° zu verschaffen‘. (p. 180.) Erhalten
die Arbeiter nicht diese hinreichenden Löhne, so ist dies nach dem-
selben Destutt „der Tod der Industrie‘ (p. 208), also, wie es scheint,
kein Bereicherungsmittel für die Kapitalisten. Welches aber immer die
Höhe der Löhne sei, welche die Kapitalistenklasse der Arbeiterklasse
zahlt, so haben sie einen bestimmten Wert, zum Beispiel 80 Pfd.
Sterl. Zahlt also die Kapitalistenklasse 80 Pfd. Sterl. an die Arbeiter,
so hat sie ihnen 80 Pfd. Sterl. Warenwert für diese 80 Pfd. Sterl. zu
lefern, und der Rückfluß der 80 Pfd. Sterl. bereichert sie nicht.
Zahlt sie ihnen in Geld 100 Pfd. Sterl. und verkauft ihnen für
100 Pfd. Sterl. einen Warenwert für 80 Pfd. Sterl., so zahlte sie ihnen in
Geld 25 % mehr als ihren normalen Lohn und lieferte ihnen dafür in
Waren 25 % weniger.

Mit ahdern Worten: Der Fonds, woher die Kapitalistenklasse
überhaupt ihren Profit zieht, würde gebildet durch Abzug vom nor-
malen Arbeitslohn, durch Zahlung der Arbeitskraft unter ihrem Wert,
das heißt unter dem Wert der Lebensmittel, die zu ihrer normalen
Reproduktion als Lohnarbeiter notwendig sind. Würde also der nor-
male Arbeitslohn gezahlt, was nach Destutt geschehen soll, so exi-
stierte kein Fonds von Profit, weder für die Industriellen noch für die
müßigen Kapitalisten.

Herr Destutt hätte also das ganze Geheimnis, wie sich die Kapi-
talistenklasse bereichert, darauf reduzieren müssen: durch Abzug am
Arbeitslohn. Die andern Fonds des Mehrwerts, wovon er sub 1 und
sub 3 spricht, existierten dann nicht.

In allen Ländern also, wo der Geldlohn der Arbeiter reduziert
ist auf den Wert der zu ihrer Subsistenz [Erhaltung] als Klassenötigen
Konsumtionsmittel, existierte kein Konsumtionsfonds und kein Ak-
kumulationsfonds für die Kapitalisten, also auch kein Existenzfonds
der Kapitalistenklasse, also auch keine Kapitalistenklasse. Und zwar
wäre dies nach Destutt der Fall in allen reichen entwickelten Ländern
alter Zivilisation, denn hier „in unsern altgewurzelten Gesellschaften
ist der Fonds, aus dem der Lohn bestritten wird... eine heinahe
konstante Größe“. (p. 202.)

Auch beim Abbruch am Lohn kommt die Bereicherung der Kapi-
talisten nicht daher, daß sie erst dem Arbeiter 100 Pfd. Sterl. in Geld
zahlen und ihm nachher 80 Pfad. Sterl. in Waren für diese 100 Pfd.
Sterl. Geld liefern — also in der Tat 80 Pfd. Sterl. Ware durch die
um 25 % zu große Geldsumme von 100 Pfd. Sterl. zirkulieren, son-
dern daher, daß der Kapitalist vom Produkt des Arbeiters sich
außer dem Mehrwert — dem Teil des Produkts, worin sich Mehr-
wert darstellt — auch noch 25 % von dem Teil des Produkts aneig-
net, das dem Arbeiter in der‘ Form von Arbeitslohn anheimfallen
aollte. In der albernen Weise, wie Destutt die Sache auffaßt. würde

56c Marx schrieb: „die genaueste Subsistenz‘, Bei Destutt de Tracy
steht: „Ja subsistance la plus striete.‘“ X.
Das Kanital. II.
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        Dritter Abschnitt
die Kapitalistenklasse absolut nichts gewinnen. Sie zahlt 100 Pifd.
Sterl. für Arbeitslohn und gibt dem Arbeiter für diese 100 Pfd. Sterl.
Yon seinem eigenen Produkt 80 Pfd, Sterl. Warenwert zurück. Aber
bei der nächsten Operation muß sie wieder für dieselbe Prozedur
100 Pfd. Sterl. vorschießen. Sie macht sich also nur das nutzlose
Vergnügen, 100 Pfd. Sterl. Geld vorzuschießen und 80 Pifd. Sterl.
Ware dafür zu liefern, statt 80 Pfd. Sterl. Geld vorzuschießen und
80 Pfd. Sterl. Ware dafür zu liefern. Das heißt, sie schießt beständig
nutzlos ein um 25 % zu großes Geldkapital für die Zirkulation ihres
variablen Kapitals vor, was eine ganz eigentümliche Methode der
Bereicherung ist.

3. Die Kapitalistenklasse verkauft endlich „an die müßigen
Kapitalisten, welche sie bezahlen mit dem Teil ihrer Revenue, den sie
nicht schon abgegeben haben an die von ihnen direkt beschäftigten
Lohnarbeiter, sodaß die ganze Rente, welche sie jenen (den Müßigen)
jährlich zahlt, ihr auf dem einen oder andern dieser Wege wieder
zurückfließt‘‘.

Wir haben vorher gesehen, daß die industriellen Kapitalisten
„mit einem Teil ihrer Profite den ganzen Teil ihrer Konsumtion,
bestimmt zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, bezahlen‘. Gesetzt
also, ihre Profite seien gleich 200 Pfd. Sterl. 100 Pfd. Sterl. zum Bei-
spiel verzehren sie für ihre individuelle Konsumtion. Aber die andere
Hälfte gleich 100 Pfd. Sterl. gehört nicht ihnen, sondern den müßigen
Kapitalisten, das heißt den Grundrentlern und den auf Zins leihenden
Kapitalisten. Sie haben also 100 Pfd. Sterl. Geld an diese Gesell-
schaft zu zahlen. Wir wollen nun sagen, von diesem Geld brauchen
diese letzteren 80 Pfd. Sterl. zu ihrer eigenen Konsumtion und 20 Pfd.
Sterl. zum Kauf von Bedienten ete. Sie kaufen also mit den 80 Pfad.
Sterl. Konsumtionsmittel von den industriellen Kapitalisten. Damit
strömen diesen, während sich für 80 Pfd. Sterl. Produkt von ihnen
entfernt, 80 Pfd. Sterl. Geld zurück oder */, von den 100 Pfd. Ster].,
die sie an die müßigen Kapitalisten unter den Namen Rente, Zins
etc. gezahlt haben. Ferner die Bedientenklasse, die direkten Lohn-
arbeiter der müßigen Kapitalisten haben von ihren Herrschaften
20 Pfd. Sterl. erhalten. Sie kaufen damit ebenfalls von den indu-
striellen Kapitalisten für 20 Pfd. Sterl. Konsumtionsmittel. Damit
strömen, diesen, während sich für 20 Pfd. Sterl. Produkt von ihnen
entfernt, 20 Pfd. Sterl. Geld zurück oder das letzte Fünftel von den
100 Pfd. Sterl. Geld, die sie an die müßigen Kapitalisten als Rente,
Zins etc. gezahlt haben.

Am Ende der Transaktion sind den industriellen Kapitalisten
die 100 Pfd. Sterl. Geld, die sie zur Zahlung von Rente, Zins etc.
an die müßigen Kapitalisten abgetreten, zurückgeströmt, während
die Hälfte ihres Mehrprodukts gleich 100 Pfd. Sterl. aus ihren Händen
in den Konsumtionsfonds der müßigen Kapitalisten übergegangen ist.

Es ist also für die Frage, um die es sich hier handelt, offenbar
ganz überflüssig, die Teilung der 100 Pfd. Sterl. zwischen den

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Zwanzigstes Kapitel

417
müßigen Kapitalisten und ihren direkten Lohnarbeitern irgendwie
ins Spiel zu bringen. Die Sache ist einfach: Ihre Renten, Zinsen,
kurz der Anteil, der ihnen vom Mehrwert gleich 200 Pfad. Sterl.
zukommt, wird ihnen von den industriellen Kapitalisten in Geld
gezahlt, in 100 Pfd. Sterl. Mit diesen 100 Pfd. Sterl. kaufen sie
direkt oder indirekt Konsumtionsmittel von den industriellen Kapi-
talisten. Sie zahlen ihnen also zurück 100 Pfd. Sterl. Geld und
entziehen ihnen für 100 Pfad. Sterl. Konsumtionsmittel.

Damit hat der Rückfluß der von den industriellen Kapitalisten
an die müßigen Kapitalisten. gezahlten 100 Pfd. Sterl. Geld statt-
gefunden. Ist dieser Geldrückfluß, wie Destutt schwärmt, ein Mittel
der Bereicherung für die industriellen Kapitalisten? Vor der Trans-
aktion hatten sie eine Wertsumme von 200 Pfd. Sterl.: 100 Pfd. Sterl.
in Geld und 100 Pfd. Sterl. in Konsumtionsmitteln. Nach der
Transaktion besitzen sie nur die Hälfte der ursprünglichen Wert-
summe. Sie haben wieder die 100 Pfd. Sterl. in Geld, aber sie haben
verloren die 100 Pfd. Sterl. in Konsumtionsmitteln, die in die Hände
der müßigen Kapitalisten übergegangen sind. Sie sind also um
100 Pfd. Sterl. ärmer statt um 100 Pfd. Sterl. reicher. Hätten sie
statt des Umwegs, erst 100 Pfd. Sterl. Geld zu zahlen und dann
diese 100 Pfd. Sterl. Geld zurückzuerhalten in Zahlung von 100 Pfd.
Sterl. Konsumtionsmittel, direkt Rente, Zins ete. in der Natural-
Form ihres Produkts gezahlt, so strömten ihnen keine 100 Pfd. Sterl.
Geld. aus der Zirkulation zurück, weil sie keine 100 Pfd. Sterl. Geld
in sie hineingeworfen hätten. Auf dem Weg der Naturalzahlung
hätte sich die Sache einfach so dargestellt, daß sie von dem
Mehrprodukt zum Wert von 200 Pfd. Sterl. die Hälfte für
sich behalten und die andere Hälfte ohne Aequivalent an die
müßigen Kapitalisten weggegeben. Selbst Destutt hätte dies nicht
für ein Mittel der Bereicherung zu erklären sich versucht fühlen
können.

Das Land und das Kapital, das die industriellen Kapita-
listen von den müssigen Kapitalisten geliehen und wofür sie ihnen
einen Teil des Mehrwerts in Form von Grundrente, Zins ete. zu
zahlen haben, war ihnen natürlich profitlich, denn es war eine der
Bedingungen der Produktion sowohl des Produkts überhaupt wie
des Teils des Produkts, der Mehrprodukt bildet oder worin sich der
Mehrwert darstellt. Dieser Profit fließt aus der Benutzung des ge-
liehenen Landes und Kapitals, aber nicht aus dem Preis, der dafür
bezahlt wird. Dieser Preis konstituiert vielmehr einen Abzug davon.
Oder es müßte behauptet werden, die industriellen Kapitalisten
würden nicht reicher, sondern ärmer, wenn sie die andere Hälfte
des Mehrwerts für sich selber behalten könnten statt sie wegzugeben.
Aber zu solcher Konfusion führt es, wenn man Zirkulationser-
scheinungen, wie Geldrückfiuß, zusammenwirft mit der Verteilung
des Produkts, welche durch solche Zirkulationsphänomene nur ver-
mittelt is%.
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        E18

Dritter Abschnitt
Und doch ist derselbe Destutt so pfiffig zu bemerken: „Woher
kommen die Revenuen dieser müßigen Leute? Kommen sie nicht
aus der Rente, die ihnen aus ihrem Profit diejenigen zahlen, die die
Kapitale der ersteren arbeiten machen, das heißt diejenigen, die mit
den Fonds der ersteren eine Arbeit besolden, die mehr produziert
als sie kostet, in einem Worte, die Industriellen? Auf diese muß
man also immer zurückgehen, um die Quelle alles Reichtums zu
finden. Sie sind es, die in Wirklichkeit die von den ersteren be-
schäftigten Lohnarbeiter ernähren.‘ (p. 246.)

Also jetzt ist die Zahlung dieser Rente ete. Abbruch an dem
Profit der Industriellen. Vorhin war es Mittel für sie, sich zu be-
reichern.

Aber ein Trost ist unserm Destutt doch geblieben. Diese braven
[Industriellen treiben es mit den müßigen Kapitalisten 5%, wie sie es
untereinander und gegen die Arbeiter getrieben haben. Sie ver-
kaufen ihnen alle Waren zu teuer, zum Beispiel um 20 %. Nun ist
zweierlei möglich. Die Müßigen haben außer den 100 Pfd, Sterl.,
die sie jährlich von den Industriellen erhalten, noch andere Geld-
mittel oder sie haben sie nicht. Im ersten Fall verkaufen die Indu-
striellen ihnen Ware und Werte von 100 Pfd. Sterl. zum Preis sage
von 120. Pfd, Sterl. Es strömen ihnen also beim. Verkauf ihrer Waren
hicht nur die 100 Pfd. Sterl. zurück, die sie an die Müßigen gezahlt,
sondern außerdem noch 20 Pfd. Sterl., die wirklich Neuwert für sie
bilden, Wie steht nun die Rechnung? Sie haben für 100 Pfd. Sterl;
Ware umsonst weggegeben, denn die 100 Pfd. Sterl. Geld, womit sie
zum Teil bezahlt, waren ihr eigenes Geld. Ihre eigene Ware ist ihnen
also mit ihrem eigenen Geld bezahlt worden. Also 100 Pfd. Sterl.
Verlust. Aber sie haben außerdem 20 Pfd. Sterl. für Ueberschuß
des Preises über den Wert erhalten. Also 20 Pfd, Sterl. Gewinn; dazu
100 Pfd. Sterl. Verlust macht 80 Pfd. Sterl. Verlust, wird nie ein Plus,
bleibt immer ein Minus. Die an den Müßigen verübte Prellerei hat
den Verlust der Industriellen vermindert, aber deswegen nicht Ver-
lust von Reichtum für sie in Bereicherungsmittel verwandelt. Diese
Methode kann aber auf die Länge nicht gehen, da die Müßigen

unmöglich jährlich 120 Pfd. Sterl. Geld zahlen können, wenn sie

Jährlich nur 100 Pfd. Sterl. Geld einnehmen. 0

Also die andere Methode: Die Industriellen verkaufen Waren
von 80 Pfd. Sterl. Wert für die 100 Pfd. Sterl. Geld, die sie den
Müßigen bezahlt haben. In diesem Fall geben sie vor wie nach
30 Pfd. Sterl. umsonst weg in der Form.von Rente, Zins etc.
Durch diese Prellerei haben sie den Tribut an die Müßigen vermindert,
aber er existiert nach wie vor, und die Müßigen sind imstande, nach
derselben Theorie, wonach die Preise von dem guten Willen der Ver-
käufer abhängen, künftig 120 Pfd. Sterl. Rente, Zins ete. für ihr
Land und Kapital zu verlangen, statt wie bisher 100 Pfd. Sterl.: .
56d In der Engelsschen Ausxabe steht „Industriellen“. K. .
        <pb n="472" />
        Zwanzigstes Kapitel

419
Diese glänzende Entwicklung ist ganz des tiefen Denkers würdig,

der auf der einen Seite dem A. Smith abschreibt, daß „Arbeit die
Quelle alles Reichtums ist“ (p. 242), daß die industriellen Kapitalisten
„ihr Kapital anwenden, um Arbeit zu bezahlen, die es mit Profit re-
produziert“ (p. 246), und auf der andern Seite schließt, daß diese
industriellen Kapitalisten „alle übrigen Menschen ernähren, allein das
öffentliche Vermögen vermehren und alle unsere Mittel des Genusses
schaffen“ (p. 242), daß nicht die Kapitalisten von den Arbeitern, son-
dern die Arbeiter von den Kapitalisten ernährt werden, und zwar aus
dem brillanten Grund, weil das Geld, womit die Arbeiter bezahlt wer-
den, nicht in ihrer Hand bleibt, sondern beständig zu den Kapitalisten
zurückkehrt in Zahlung der von den Arbeitern produzierten Waren.
„Sie [die Arbeiter] empfangen nur mit einer Hand und geben mit der
andern zurück. Ihre Konsumtion muß also angesehen werden als
erzeugt durch diejenigen, die sie besolden.‘ (p. 235.)

Nach dieser erschöpfenden Darstellung der gesellschaftlichen Re-
produktion und Konsumtion, wie sie vermittelt ist durch die Geld-
zirkulation, fährt Destutt fort: „Das ist es, was dies perpetuum
mobile des Reichtums vervollständigt, eine Bewegung, die obwohl
schlecht verstanden‘ (mal connu — sicher!) „mit Recht Zirkulation
genannt worden ist; denn sie ist in der Tat ein Kreislauf und kommt
immer zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Dieser Punkt ist derjenige;
wo die Produktion sich vollzieht.‘“ (p. 239, 240.5%)

Destutt, that very distinguished writer [dieser hervorragende
Schriftsteller], membre de l’Institut de France et de la Societe Philo-
sophique de Philadelphie [Mitglied des Institut de France und der
philosophischen Gesellschaft von Philadelphia] und in der Tat gewisser-
maßen ein Lumen [eine Leuchte] unter den Vulgärökonomen, ersucht
den Leser schließlich, die wundervolle Klarheit zu bewundern, womit
er den Verlauf des gesellschaftlichen Prozesses dargestellt, den Licht-
strom, den er über den Gegenstand ausgegossen, und ist sogar herab-
lassend. genug, dem Leser mitzuteilen, wo all dies Licht herkommt.
Dies muß im Original gegeben werden:

„Man bemerkt, wie ich hoffe, wie sehr diese Methode, die Kon-
sumtion unserer Reichtümer zu betrachten, übereinstimmt mit
allem, was wir über ihre Produktion und ihre Verteilung gesagt
haben, und welche Klarheit sie zugleich über die ganze
Bewegung der Gesellschaft verbreitet. Woher kommt
diese Uebereinstimmung und diese Klarheit? Daher, daß
wir die Wahrheit gefunden haben. Das erinnert an die Wirkung
der Spiegel, in denen sich die Gegenstände deutlich und in ihren
richtigen Größenverhältnissen abzeichnen, wenn man auf dem rich-
tigen Beobachtungspunkt steht, und wo alles verschwommen und

566 Eine Vorrichtung, die ohne Kraftzufuhr von außen ständig in Be-
wegung bleibt. K.
56f In der Engelsschen Ausgabe steht „139, 140°. K.
        <pb n="473" />
        420

Dritter Abschnitt
verzerrt erscheint, wenn man sich zu nahe oder zu weit entfernt
befindet.“ (p. 242, 243.)

Das ist der bürgerliche Stumpfsinn in seiner ganzen glückstrah-
lenden Selbstgefälligkeit!5e

Einundzwanzigstes Kapitel.”
Akkumulation und erweiterte Reproduktion.
Es wurde im Buch I gezeigt, wie die Akkumulation für den
einzelnen Kapitalisten verläuft. Durch die Versilberung des Waren-
kapitals wird auch das Mehrprodukt versilbert, in dem sich der
Mehrwert darstellt. Diesen so in Geld verwandelten Mehrwert
rückverwandelt der Kapitalist in zuschüssige Naturalelemente seines
produktiven Kapitals. Im nächsten Kreislauf der Produktion liefert;
das vergrößerte Kapital ein vergrößertes Produkt. Was aber beim
individuellen Kapital, muß auch erscheinen in der jährlichen Gesamt-
reproduktion, ganz wie wir gesehen bei Betrachtung der einfachen
Reproduktion, daß der sukzessive Niederschlag — beim individuellen
Kapital — seiner verbrauchten fixen Bestandteile in Geld, das auf-
geschatzt wird, sich auch in der jährlichen gesellschaftlichen Repro-
duktion ausdrückt.

Wenn ein individuelles Kapital gleich 4006 +- 100v ist, der jähr-
liche Mehrwert gleich 100, so ist das Warenprodukt gleich 400c + 100 +
+ 100m. Diese 600 werden in Geld verwandelt. Von diesem Geld
werden wieder 4000 umgesetzt in Naturalform von konstantem
Kapital, 100, in Arbeitskraft und — falls der gesamte Mehrwert
akkumuliert wird — außerdem 100m verwandelt in zuschüssiges
konstantes Kapital, durch Umsatz in Naturalelemente des produk-
tiven Kapitals.°* Es ist dabei unterstellt: 1. daß diese Summe unter

68 „On remarquera, j’espöre combien cette maniere de considerer la
consommation. de nos richesses est concordante avec tout ce que LOUS avon8S
dit &amp; propos de leur production et de leur distribution, et en möme temps
quelle clart$ elle r6pand sur toute la marche de la 8soeci6t6.
D’oü vient cet accord et cette iucidit6? De ce que nous avons rencontre
la vörite. Cela rappelle l’effet de ces miroirs 0ü les objets se peignent nette-
ment et dans leurs justes proportions, quand on est plac6 dans leur vrai
point-de-vue, et ol tout parait confus et desuni, auand on est trop pr6s
du trop loin.‘‘

Volla le cretinisme bourgeois dans toute sa beatitude!

57 Von hier bis zum Schluß Manuskript VIII. F.E.

57% Marx sieht hier ah von zuschüssiger Arbeitskraft, die auch zu den
„Naturalelementen‘‘ des produktiven Kapitals gehört. Später weist er
ausdrücklich darauf hin, auf S. 429, wo er sagt: „Das andere Element
des produktiven Kapitals, die zusätzliche Arbeitskraft, also das
zusätzliche variable Kapital, lassen wir einstweilen außer acht.“ K.
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Einundzwanzigstes Kapitel

421
den gegebenen technischen Bedingungen genügend ist, sel es zur
Ausdehnung des fungierenden konstanten Kapitals, sei es zur Anlage
eines neuen industriellen Geschäfts. Es kann aber auch sein, daß die
Verwandlung von Mehrwert in Geld und die Aufschatzung dieses
Geldes für viel längere Zeit nötig ist, bevor dieser Prozeß statthaben,
also wirkliche Akkumulation, Erweiterung der Produktion eintreten
kann. 2. Es ist vorausgesetzt, daß in der Tat schon vorher Produktion
auf erweiterter Stufenleiter eingetreten; denn um das Geld (den in
Geld aufgeschatzten Mehrwert) in Elemente des produktiven Kapi-
tals verwandeln zu können, müssen diese Elemente als Waren auf
dem Markte kaufbar sein; es macht dabei auch keinen Unterschied,
wenn sie nicht als fertige Waren gekauft, sondern auf Bestellung
angefertigt werden. Bezahlt werden sie erst, nachdem sie da sind und
jedenfalls nachdem mit Bezug auf sie wirkliche Reproduktion auf
erweiterter Stufenleiter, Ausdehnung der bisher normalen Produktion,
bereits stattgefunden hat. Sie mußten potentiell, das heißt in ihren
Elementen da sein, da es doch nur des Anstoßes der Bestellung, das
heißt eines dem Dasein der Ware vorausgehenden Kaufs derselben
und ihres antizipierten Verkaufs bedarf, damit ihre Produktion
wirklich stattfinde. Das Geld auf der einen Seite ruft dann die er-
weiterte Reproduktion auf der andern ins Leben, weil deren Möglich-
keit ohne das Geld da ist; denn Geld an sich selbst ist kein Element
der wirklichen Reproduktion,

Wenn Kapitalist A zum Beispiel während eines Jahres oder
einer größeren Anzahl von Jahren die sukzessive von ihm produzierten
Mengen von Warenprodukt verkauft, so verwandelt er auch damit
den Teil des Warenprodukts, der Träger des Mehrwerts ist — das
Mehrprodukt —, also den von ihm in Warenform produzierten Mehr-
wert selbst sukzessive in Geld, speichert dies nach und nach auf und
bildet sich so potentielles neues Geldkapital; potentiell wegen seiner
Fähigkeit und Bestimmung, in Elemente von produktivem Kapital
umgesetzt zu werden. Tatsächlich aber vollzieht er nur einfache
Schatzbildung, die kein Element der wirklichen Reproduktion ist.
Seine Tätigkeit besteht dabei zunächst nur im sukzessiven Entziehen
von zirkulierendem Geld aus der Zirkulation, wobei natürlich nicht
ausgeschlossen ist, daß das zirkulierende Geld, das er so unter Schloß
und Riegel sperrt, eben selbst noch — vor seinem Eintritt in die
Zirkulation — Teil eines andern Schatzes war. Dieser Schatz des A,
der potentiell neues Geldkapital ist, ist kein zusätzlicher gesell-
schaftlicher Reichtum, ebensowenig wie wenn es in Konsumtions-
mitteln verausgabt würde. Aber,Geld, das dem Umlauf entzogen,
also vorher in ihm vorhanden war, mag vorher schon einmal als
Schatzbestandteil gelagert haben oder Geldform von Arbeitslohn
gewesen sein, Produktionsmittel oder andere Ware versilbert, kon-
stante Kapitalteile oder Revenue eines Kapitalisten zirkuliert haben.
Es ist ebensowenig neuer Reichtum, als Geld, vom Standpunkt der
einfachen Warenzirkulation aus betrachtet, Träger nicht nur seines
        <pb n="475" />
        Dritter Abschnitt
vorhandenen, sondern seines zehnfachen Wertes ist, weil es zehnmal
im Tag umgeschlagen, zehn verschiedene Warenwerte realisiert hat.
Die Waren sind ohne es da, und es selbst bleibt, was es ist (oder wird
noch geringer durch Verschleiß) in einem Umschlag oder in zehn.
Nur in der Goldproduktion — soweit das Goldprodukt Mehrprodukt
enthält, Träger von Mehrwert — ist neuer Reichtum (potentielles
Geld) geschaffen, und nur soweit das ganze neue Geldprodukt in
Zirkulation tritt, vermehrt es das Geldmaterial potentieller neuer
Geldkapitale.,

Obgleich kein zuschüssiger neuer gesellschaftlicher Reichtum,
stellt dieser in Geldform aufgeschatzte Mehrwert neues potentielles
Geldkapital vor wegen der Funktion, für die es aufgespeichert wird.
(Wir werden später sehen, daß neues Geldkapital auch auf anderm Weg
als durch allmähliche Vergoldung von Mehrwert entspringen kann.)

Geld wird der Zirkulation entzogen und als Schatz aufgespeichert
durch Verkauf der Ware ohne nachfolgenden Kauf. Wird diese
Operation also als allgemein vor sich gehend aufgefaßt, so scheint
nicht abzusehen, wo die Käufer herkommen sollen, da in diesem
Prozeß — und er muß allgemein aufgefaßt werden, indem jedes
individuelle Kapital sich in Akkumulationsprozedur befinden kann

jeder verkaufen will, um aufzuschatzen, keiner kaufen.

Stellte man sich den Zirkulationsprozeß zwischen den ver-
schiedenen Teilen der jährlichen Reproduktion als in gerader Linie
verlaufend vor — was falsch, da er mit wenigen Ausnahmen allzumal
aus gegeneinander rückläufigen Bewegungen besteht —, So müßte
man mit dem Gold- (respektive Silber-) Produzenten beginnen, der
kauft, ohne zu verkaufen, und voraussetzen, daß alle andern an ihn
verkaufen. Dann ginge das gesamte jährliche gesellschaftliche
Mehrprodukt (der Träger des gesamten Mehrwerts) an ihn über und
sämtliche andern Kapitalisten verteilten pro rata unter sich sein von
Natur in Geld existierendes Mehrprodukt, die Naturalvergoldung
seines Mehrwerts; denn der Teil des Produkts des Goldproduzenten,
der sein fungierendes Kapital zu ersetzen hat, ist schon gebunden
und darüber verfügt. Der in Gold produzierte Mehrwert des Gold-
produzenten wäre dann der einzige Fonds, aus dem alle übrigen
Kapitalisten die Materie für Vergoldung ihres jährlichen Mehr-
produkts ziehen. Er müßte also der Wertgröße nach gleich sein dem
ganzen gesellschaftlichen jährlichen Mehrwert, der erst in die Form
von Schatz sich verpuppen muß. So abgeschmackt diese Voraus-
3etzungen, so hülfen sie zu weiter nichts, als die Möglichkeit einer
allgemeinen gleichzeitigen Schatzbildung zu erklären, womit die
Reproduktion selbst, außer auf Seite der Goldproduzenten, um keinen
Schritt weiter wäre.

Bevor wir diese scheinbare Schwierigkeit lösen, ist zu unterschei-
den: Akkumulation in Abteilung I (Produktion von Produktions-
mitteln) und in Abteilung II (Produktion von Konsumtionsmitteln).
Wir beginnen mit I.

422
        <pb n="476" />
        HI

Einundzwanzigstes Kapitel
I. Akkumulation in Abteilung I.
1l. Schatzbildung.

Es ist klar, daß sowohl die Kapitalanlagen in den zahlreichen
Industriezweigen, woraus Klasse I besteht, wie die verschiedenen
individuellen Kapitalanlagen innerhalb jedes dieser Industriezweige je
nach ihrem Lebensalter, das heißt ihrer schon verflossenen Funktions-
dauer, ganz abgesehen von ihrem Umfang, technischen Bedingungen,
Marktverhältnissen usw., sich auf verschiedenen Stufen des Prozesses
der sukzessiven Verwandlung von Mehrwert in potentielles Geld-
kapital befinden, ob dies Geldkapital nun zur Erweiterung ihres
fungierenden Kapitals dienen soll oder zur Anlage neuer industri-
eller Geschäfte — den zwei Formen der Erweiterung der Produktion.
Ein Teil der Kapitalisten verwandelt daher beständig sein zu ent-
sprechender Größe angewachsenes potentielles Geldkapital in produk-
tives Kapital, das heißt, kauft mit dem durch Vergoldung von Mehr-
wert aufgeschatzten Geld Produktionsmittel, zuschüssige Elemente
von konstantem Kapital, während ein anderer Teil noch beschäftigt
ist mit der Aufschatzung seines potentiellen Geldkapitals. Kapi-
talisten, diesen beiden Kategorien angehörig, treten sich also gegen-
über, die einen als Käufer, die andern als Verkäufer, und jeder der
beiden in dieser exklusiven Rolle.

A. verkaufe zum Beispiel 600 (gleich 4000 + 100v + 100m) an B
(der mehr als einen Käufer repräsentieren mag). Er hat für 600 Waren
verkauft gegen 600 in Geld, wovon 100 Mehrwert darstellen, die er
der Zirkulation entzieht, sie aufschatzt als Geld; aber diese 100 Geld
sind nur die Geldform des Mehrprodukts, das der Träger eines Wertes
von 100 war. Die Schatzbildung ist überhaupt keine Produktion,
also von vornherein auch kein Inkrement der Produktion. Die
Aktion des Kapitalisten dabei besteht nur darin, daß er das durch
Verkauf des Mehrprodukts von 100 ergatterte Geld der Zirkulation
entzieht, festhält und mit Beschlag belegt. Diese Operation findet
nicht nur statt auf seiten des A, sondern auf zahlreichen Punkten der
Zirkulationsperipherie von andern A’, A”, A’’, Kapitalisten, die
alle ebenso emsig an dieser Sorte Schatzbildung arbeiten. Diese
zahlreichen Punkte, wo Geld der Zirkulation entzogen wird und sich
in zahlreichen individuellen Schätzen respektive potentiellen Geld-
kapitalen aufhäuft, scheinen ebenso viele Hindernisse der Zirku-
lation, weil sie das Geld immobilisieren und es seiner Zirkulations-
fähigkeit für längere oder kürzere Zeit berauben. Es ist aber zu
erwägen, daß bei einfacher Warenzirkulation, lange bevor diese auf
kapitalistischer Warenproduktion begründet wird, Schatzbildung
stattfindet; das in der Gesellschaft vorhandene Geldquantum ist
immer größer als der in aktiver Zirkulation befindliche Teil desselben,
obgleich dieser je nach Umständen anschwillt oder abnimmt. Diese
selben Schätze und dieselbe Schatzbildung finden wir hier wieder,
aber jetzt als ein dem kapitalistischen Produktionsprozeß immanentes

Moment.

423
        <pb n="477" />
        „D4

Dritter Abschnitt
Man begreift das Vergnügen, wenn innerhalb des Kreditwesens
alle diese potentiellen Kapitale durch ihre Konzentration in Händen
von Banken usw. zu disponiblem Kapital, „loanable capital‘‘ [ver-
leihbarem Kapital], Geldkapital werden, und zwar nicht mehr zu
passivem und als Zukunftsmusik, sondern zu aktivem, wucherndem
(hier wuchern im Sinn des Wachsens).

A vollbringt diese Schatzbildung aber nur, sofern er — mit
Bezug auf sein Mehrprodukt — nur als Verkäufer, nicht hinten-
nach als Käufer auftritt. Seine sukzessive Produktion von Mehr-
produkt — dem Träger seines zu vergoldenden Mehrwerts — ist
also die Voraussetzung seiner Schatzbildung. Im gegebenen Fall,
wo die Zirkulation nur innerhalb Kategorie I betrachtet wird, ist
die Naturalform des Mehrprodukts . wie die des Gesamtprodukts,
von dem es einen Teil bildet, Naturalform eines Elements des
konstanten Kapitals I, das heißt gehört in die Kategorie der Produk-
tionsmittel von Produktionsmitteln. Was daraus wird, das heißt, zu
welcher Funktion es dient in der Hand der Käufer B, B’, B” etc.,
werden wir gleich sehen.

Was aber hier zunächst festzuhalten, ist dies: Obgleich A Geld.
für seinen Mehrwert der Zirkulation entzieht und es aufschatzt,
wirft er anderseits Ware in sie hinein, ohne ihr57® andere Ware dafür
zu entziehen, wodurch B, B’, B” etc. ihrerseits befähigt werden,
Geld hineinzuwerfen und dafür nur Ware ihr zu entziehen. Im
gegebenen Fall geht diese Ware, ihrer Naturalform wie ihrer Be-
stimmung nach, als fixes oder flüssiges Element in das konstante
Kapital von B, B’ ete. ein. Ueber letzteres mehr, sobald wir es mit
dem Käufer des Mehrprodukts, dem B, B’ ete., zu schaffen haben
werden.

Bemerken wir hier nebenbei: Wie vorher, bei Betrachtung der
einfachen Reproduktion, finden wir hier wieder, daß der Umsatz der
verschiedenen Bestandteile des jährlichen Produkts, das heißt ihre
Zirkulation (die zugleich Reproduktion des Kapitals, und zwar seine
Wiederherstellung in seinen verschiedenen Bestimmtheiten, kon-
stantes, variables, fixes, zirkulierendes, Geldkapital, Warenkapital
umfassen muß) keineswegs bloßen Kauf von Ware voraussetzt,
der sich durch nachfolgenden Verkauf, oder Verkauf, der sich durch
nachfolgenden Kauf ergänzt, sodaß tatsächlich nur Umsatz von
Ware gegen Ware stattfände, wie die politische Oekonomie, nament-
lich die Freihandelsschule seit den Physiokraten und Adam Smith
annimmt. Wir wissen, daß das fixe Kapital, nachdem die Auslage
dafür einmal gemacht, während seiner ganzen Funktionszeit nicht
erneuert wird, sondern in der alten Form fortwirkt, während sein
Wert sich allmählich in Geld niederschlägt. Wir sahen nun, daß die
periodische Erneuerung des fixen Kapitals IIe (welcher gesamte
57b In der Engelsschen Ausgabe steht „ihre“. K.
        <pb n="478" />
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Einundzwanzigstes Kapitel

425
Kapitalwert IIe sich umsetzt in Elemente zum Wert von I wv +m))
voraussetzt einerseits bloßen Kauf des fixen Teils von IIo, der
sich aus Geldform in Naturalform rückverwandelt, und welchem
entspricht bloßer Verkauf von Im; anderseits voraussetzt bloßen
Verkauf von seiten IIc, Verkauf des fixen (Verschleiß-) Wertteils
desselben, der sich in Geld niederschlägt, und welchem entspricht
bloßer Kauf von Im. Damit sich hier der Umsatz normal vollziehe,
ist vorauszusetzen, daß bloßer Kauf seitens IIc dem Wertumfang
nach gleich sei dem bloßen Verkauf seitens IIe, und ebenso, daß der
bloße Verkauf von Im an IIe, Teil 1, gleich sei seinem bloßen Kauf
von IIec, Teil 2. (S. 397). Sonst wird die einfache Reproduktion
gestört; bloßer Kauf hier muß gedeckt werden durch bloßen Ver-
kauf dort. Ebenso ist hier vorauszusetzen, daß der bloße Verkauf
des schatzbildenden Teils A, A’, A” von Im im Gleichgewicht stehe
mit dem bloßen Kauf des Teils B, B’, B” in Im, der seinen Schatz
in Elemente von zusätzlichem produktivem Kapital verwandelt.

Soweit das Gleichgewicht dadurch hergestellt wird, daß der
Käufer nachher und für den gleichen Wertbetrag als Verkäufer
auftritt und umgekehrt, findet Rückfluß des Geldes statt an die
Seite, die es beim Kauf vorgeschossen, die zuerst verkauft hat, ehe
sie wieder kaufte. Das wirkliche Gleichgewicht mit Bezug auf den
Warenumsatz selbst, den Umsatz der verschiedenen Teile des
jährlichen Produkts, ist aber bedingt durch gleichen Wertbetrag
der gegeneinander umgesetzten Waren.

Soweit aber bloß einseitige Umsätze stattfinden, Masse bloßer
Käufe einerseits, Masse bloßer Verkäufe anderseits — und wir
haben gesehen, daß der normale Umsatz des jährlichen Produkts
auf kapitalistischer Grundlage diese einseitigen Metamorphosen
bedingt —, ist das Gleichgewicht nur vorhanden unter der An-
nahme, daß der Wertbetrag der einseitigen Käufe und der Wert-
betrag der einseitigen Verkäufe sich decken. Die Tatsache, daß die
Warenproduktion die allgemeine Form der kapitalistischen Pro-
duktion ist, schließt bereits die Rolle ein, die das Geld nicht nur
als Zirkulationsmittel, sondern als Geldkapital in derselben spielt,
und erzeugt gewisse dieser Produktionsweise eigentümliche Be-
dingungen des normalen Umsatzes, also des normalen Verlaufs der
Reproduktion, sei es auf einfacher, sei es auf erweiterter Stufenleiter,
die in ebenso viele Bedingungen des anormalen Verlaufs, Möglich-
keiten von Krisen umschlagen, da das Gleichgewicht — bei der
naturwüchsigen Gestaltung dieser Produktion — selbst ein Zufall ist.

Wir haben ebenso gesehen, daß bei dem Umsatz von I, gegen
entsprechenden Wertbetrag von IIc zwar für IIc schließlich Ersatz
von Ware II durch gleichen Wertbetrag von Ware I stattfindet,
daß also seitens des Gesamtkapitalisten II hier Verkauf der eigenen
Ware nachträglich sich ergänzt durch Kauf von Ware I zum selben
Wertbetrag. Dieser Ersatz findet statt; es findet aber nicht statt
ein Austausch seitens der Kamnitalisten I und IT in diesem Umsatz
        <pb n="479" />
        126

Dritter Abschnitt
ihrer wechselseitigen Waren, IIc verkauft seine Ware an die Arbeiter-
klasse von I, diese tritt ihm einseitig als Warenkänufer, es tritt ihr
einseitig als Warenverkäufer gegenüber; mit dem hierdurch gelösten
Geld. tritt IIe einseitig als Warenkäufer dem Gesamtkapitalisten I
gegenüber, dieser ihm bis zum Betrag von Iv einseitig als Waren-
verkäufer. Nur durch diesen Warenverkauf reproduziert I schließlich
sein variables Kapital wieder in Form von Geldkapital. Tritt das
Kapital von I dem von II einseitig als Warenverkäufer bis zum
Betrag von Iv gegenüber, so seiner Arbeiterklasse gegenüber als
Warenkäufer im Ankauf ihrer Arbeitskraft; und tritt die Arbeiter-
klasse I dem Kapitalisten II einseitig als Warenkäufer gegenüber
(nämlich als Käufer von Lebensmitteln), so dem Kapitalisten I ein-
zeitig als Warenverkäufer, nämlich als Verkäufer ihrer Arbeitskraft.

Das fortwährende Angebot der Arbeitskraft von seiten der
Arbeiterklasse in I, die Rückverwandlung eines Teils des Waren-
kapitals I in Geldform des variablen Kapitals, der Ersatz eines
Teils des Warenkapitals II durch Naturalelemente des konstanten
Kapitals IIc — alle diese notwendigen Voraussetzungen bedingen
sich wechselseitig, werden aber vermittelt durch einen sehr kom-
plizierten Prozeß, der drei unabhängig voneinander vorgehende,
aber sich miteinander verschlingende Zirkulationsprozesse ein-
schließt. Die Kompliziertheit des Prozesses selbst bietet ebenso-
viel Anlässe zu anormalem Verlauf.
2. Das zusätzliche konstante Kapital.

Das Mehrprodukt, der Träger des Mehrwerts, kostet den An-
eignern desselben, den Kapitalisten I, nichts. Sie haben in keinerlei
Art Geld oder Waren vorzuschießen, um es zu erhalten. Vorschuß
(avance) ist schon bei den Physiokraten die allgemeine Form von
Wert, verwirklicht in Elementen von produktivem Kapital. Was
sie also vorschießen, ist nichts als ihr konstantes und variables
Kapital. Der Arbeiter erhält ihnen nicht nur durch seine Arbeit
ihr konstantes Kapital; er ersetzt ihnen nicht nur den variablen
Kapitalwert durch einen entsprechenden neugeschaffenen Wert-
teil in Form von Ware; durch seine Mehrarbeit liefert er ihnen
außerdem einen in Form von Mehrprodukt existierenden Mehrwert.
Durch den sukzessiven Verkauf dieses Mehrprodukts bilden sie den
Schatz, zuschüssiges potentielles Geldkapital. Im hier betrachteten
Fall besteht dies Mehrprodukt von vornherein aus Produktions-
mitteln von Produktionsmitteln. Erst in der Hand von B, B’, B”
ste. (I) fungiert dies Mehrprodukt als zuschüssiges konstantes
Kapital; aber es ist dies virtualiter schon, bevor es verkauft wird,
schon in der Hand der Schatzbildner A, A’, A” (I). Wenn wir bloß
den Wertumfang der Reproduktion seitens I betrachten, so befinden
wir uns noch innerhalb der Grenzen der einfachen Reproduktion,
denn kein zusätzliches Kapital ist in Bewegung gesetzt worden, um
dies virtualiter zuschüssige konstante Kapital (das Mehrprodukt)
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Einundzwanzigstes Kapitel

427
zu schaffen, auch keine größere Mehrarbeit als die auf Grundlage
der einfachen Reproduktion verausgabte. Der Unterschied liegt
hier nur in der Form der angewandten Mehrarbeit, der konkreten
Natur ihrer besonderen nützlichen Weise. Sie ist verausgabt worden
in Produktionsmitteln für Ice statt für IIe, in Produktionsmitteln
für Produktionsmittel statt in Produktionsmitteln für Konsum-
tionsmittel. Bei der einfachen Reproduktion wurde vorausgesetzt,
daß der ganze Mehrwert I verausgabt wird als Revenue, also in
Waren II; er bestand also nur aus solchen Produktionsmitteln, die
das konstante Kapital IIe in seiner Naturalform wieder zu ersetzen
haben. Damit also der Uebergang von der einfachen zur erweiterten
Reproduktion vor sich gehe, muß die Produktion in Abteilung I im-
stande sein, weniger Elemente des konstanten Kapitals für II, aber
um ebensoviel mehr für I herzustellen. Erleichtert wird dieser Ueber-
gang, der sich nicht immer ohne Schwierigkeiten vollziehen wird,
Jurch die Tatsache, daß eine Anzahl Produkte von I als Produk-
tionsmittel in beiden Abteilungen dienen können.

Es folgt also, daß — bloß dem Wertumfang nach betrachtet
— innerhalb der einfachen Reproduktion das materielle Substrat
Idie materielle Grundlage] der erweiterten Reproduktion produziert
wird. Es ist einfach direkt in Produktion von Produktionsmitteln,
n Schöpfung von virtuellem zuschüssigem Kapital I verausgabte
Mehrarbeit der Arbeiterklasse I. Die Bildung von virtuellem zu-
zätzlichem Geldkapital seitens A, A, A” (I) — durch sukzessiven
Verkauf ihres Mehrprodukts, das ohne alle kapitalistische Geld-
ausgabe gebildet — ist also hier die bloße Geldform von zuschüssig
produzierten Produktionsmittel I.

Produktion von virtuellem zusätzlichem Kapital drückt also
in unserm Fall (denn wie wir sehen werden, kann es sich auch ganz
anders bilden) nichts aus als ein Phänomen des Produktionsprozesses
selbst, Produktion, in einer bestimmten Form, von Elementen
des produktiven Kapitals.

Produktion auf großer Stufenleiter von zuschüssigem virtuellem
Geldkapital — auf zahlreichen Punkten der Zirkulationsperipherie
— ist also nichts als Resultat und Ausdruck vielseitiger Produktion
von virtuell zusätzlichem produktivem Kapital, dessen Entstehung
selbst keine zusätzlichen Geldausgaben seitens der industriellen
Kapitalisten voraussetzt.

Die sukzessive Verwandlung dieses virtuell zusätzlichen produk-
tiven Kapitals in virtuelles Geldkapital (Schatz) seitens A, A’, A”
spec. (I), die durch den sukzessiven Verkauf ihres Mehrprodukts
bedingt ist — also durch wiederholten einseitigen Warenverkauf
&gt;hne ergänzenden Kauf —, vollzieht sich in wiederholter Entziehung
von Geld aus der Zirkulation und ihr entsprechende Schatzbildung.
Diese Schatzbildung — ausgenommen den Fall; wo der Goldprodu-
zent der Käufer — unterstellt in keiner Weise zusätzlichen Edelmetall-
Reichtum, sondern nur veränderte Funktion von bisher umlaufendem
        <pb n="481" />
        428

Dritter Abschnitt
Geld. Eben fungierte es als Zirkulationsmittel, jetzt fungiert es als
Schatz, als sich bildendes, virtuell neues Geldkapital. Bildung von zu-
zätzlichem Geldkapital und Masse des in einem Lande befindlichen edlen
Metalls stehen also in keiner ursächlichen Verbindung miteinander.

Es folgt daher ferner: Je größer das bereits in einem Lande
fungierende produktive Kapital (eingerechnet die ihm inkorporierte
[einverleibte] Arbeitskraft, die Erzeugerin’ des Mehrprodukts), je
entwickelter die Produktivkraft der Arbeit und damit auch die tech-
nischen Mittel rascher Ausweitung der Produktion von Produktions-
mitteln — je größer daher auch die Masse des Mehrprodukts nach
seinem Wert wie nach der Masse der Gebrauchswerte, worin er sich
darstellt — desto größer ist

1. das virtuell zusätzliche produktive Kapital in der Form von
Mehrprodukt in der Hand von A, A’, A” ete. und

2. die Masse dieses in Geld verwandelten Mehrprodukts, also
ües virtuell zuschüssigen Geldkapitals in den Händen von A, A’,
A”, Wenn also Fullarton zum Beispiel nichts von der Ueberproduk-
tion im gewöhnlichen Sinn wissen will, wohl aber von Ueberproduk-
tion von Kapital, nämlich Geldkapital, so beweist dies wieder, wie
absolut wenig selbst die besten bürgerlichen Oekonomen vom Mecha-
nismus ihres Systems verstehen.

Wenn das Mehrprodukt, direkt produziert und angeeignet durch
die Kapitalisten A, A’, A’ (I), die reale Basis der Kapitalakkumu-
lation, das heißt der erweiterten Reproduktion ist, obgleich es
aktuell erst in dieser Eigenschaft fungiert in den Händen von B, B’,
3” ete. (I) — 8o ist es dagegen in seiner Geldverpuppung — als
Schatz und bloß sich nach und nach bildendes virtuelles Geld-
kapital — absolut unproduktiv, läuft dem Produktionsprozeß in
dieser Form parallel, liegt aber außerhalb desselben. Es ist ein Blei-
gewicht (dead weight) der kapitalistischen Produktion. Die Sucht,
diesen als virtuelles Geldkapital sich aufschatzenden Mehrwert
sowohl zum Profit wie zur Revenue brauchbar zu machen, findet
im Kreditsystem und in den „Papierchens‘‘ das Ziel ihres Strebens.
Das Geldkapital erhält. dadurch in einer andern Form den enormsten
Einfluß auf den Verlauf und die gewaltige Entwicklung des kapi-
btalistischen Produktionssystems.

Das in virtuelles Geldkapital umgesetzte Mehrprodukt wird
seiner Masse nach um so größer sein, je größer die Gesamtsumme
des bereits fungierenden Kapitals war, aus dessen Funktion es hervor-
gegangen. Bei der absoluten Vergrößerung des Umfangs des jährlich
reproduzierten virtuellen Geldkapitals ist aber auch dessen Seg-
mentation [Abtrennung] leichter, so daß es rascher in einem beson-
deren Geschäft angelegt wird, sei es in der Hand desselben Kapitali-
listen, sei es in andern Händen (zum Beispiel Familiengliedern, bei
Erbteilungen etc.). Segmentation von Geldkapital bedeutet5?° hier,
570 In der Engelsschen Ausgabe steht „meint“. K.
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Einundzwanzigstes Kapitel

429
daß es ganz vom Stammkapital losgetrennt wird, um als neues Geld-
kapital in einem neuen selbständigen Geschäft angelegt zu werden.

Wenn die Verkäufer des Mehrprodukts A, A’, A” ete. (I) selbes
erhalten haben als direktes Ergebnis des Produktionsprozesses, der
außer dem auch bei einfacher Reproduktion erheischten Vorschuß
in konstantem und variablem Kapital keine weiteren Zirkulations-
akte voraussetzt, wenn sie ferner damit die reale Basis der Reproduk-
tion auf erweiterter Stufenleiter liefern, in der Tat virtuell zusätz-
liches Kapital fabrizieren, so verhalten sich dagegen die B, B’, B”
ete. (I) verschieden, 1. Erst in ihrer Hand wird das Mehrprodukt
der A, A’, A” ete. aktuell fungieren als zusätzliches konstantes
Kapital (das andere Element des produktiven Kapitals, die zusätz-
liche Arbeitskraft, also das zusätzliche variable Kapital, lassen wir
einstweilen außer acht); 2. damit es in ihre Hände komme, ist ein
Zirkulationsakt erforderlich, sie haben das Mehrprodukt zu kaufen.

Ad 1 ist hier zu bemerken, daß ein großer Teil des Mehrprodukts
(virtuell zusätzlichen konstanten Kapitals), produziert durch A, A’,
A” (I), zwar in diesem Jahr produziert wird, aber erst im nächsten
Jahr oder noch später aktuell in den Händen von B, B’, B” (I) als
industrielles Kapital fungieren kann; ad 2 fragt sich, wo kommt
las zu dem Zirkulationsprozeß nötige Geld her?

Soweit die Produkte, die B, B’, B” ete. (I) produzieren, selbst
wieder in natura in ihren Prozeß eingehen, versteht es sich von selbst,
daß pro tanto ein Teil ihres eigenen Mehrprodukts direkt (ohne
Zirkulationsvermittlung) übertragen wird in ihr produktives Kapital
and hier eingeht als zuschüssiges Element des konstanten Kapitals.
Pro tanto sind sie aber auch keine Vergolder des Mehrprodukts von
A, A’ ete. (I). Hiervon abgesehen, wo kommt das Geld her? Wir
wissen, daß sie ihren Schatz gebildet wie A, A’ ete., durch Verkauf
ihrer respektiven Mehrprodukte, und nun ans Ziel gelangt sind, wo
ihr als Schatz aufgehäuftes, nur virtuelles Geldkapital nun effektiv
als zusätzliches Geldkapital fungieren soll. Aber damit drehen wir
uns nur im Zirkel. Die Frage ist immer noch, wo das Geld herkomme,
das die B’s (I) früher der Zirkulation entzogen und aufgehäuft?

Wir wissen jedoch schon aus der Betrachtung. der einfachen
Reproduktion, daß sich eine gewisse Geldmasse in den Händen der
Kapitalisten Lund II befinden muß, um ihr Mehrprodukt umzusetzen.
Dort kehrte das Geld, das nur zur Verausgabung als Revenue in Kon-
sumtionsmitteln diente, zu den Kapitalisten zurück im Maß, wie sie
es vorgeschossen zum Umsatz ihrer respektiven Waren; hier erscheint
dasselbe Geld wieder, aber mit veränderter Funktion. Die A’s und die
B’s (I) Eefern sich abwechselnd das Geld zur Verwandlung von Mehr-
produkt in zusätzliches virtuelles Geldkapital und werfen abwechselnd
das neugebildete Geldkapital als Kaufmittel in die Zirkulation zurück,

Das einzige, was hierbei vorausgesetzt, ist, daß die im Land be-
findliche Geldmasse (Umlaufsgeschwindigkeit etc. als gleich gesetzt)
hinreicht sowohl für aktive Zirkulation wie für Reserveschatz — also
        <pb n="483" />
        Dritter Abschnitt

dieselbe Voraussetzung, die, wie wir sahen, auch bei einfacher Waren-
zirkulation erfüllt sein muß. Nur die Funktion der Schätze ist hier
verschieden. Auch muß die vorhandene Geldmasse größer sein:
L. weil bei der kapitalistischen Produktion alles Produkt (mit Aus-
nahme des neuproduzierten Edelmetalls und der vom Produzenten
selbst verbrauchten wenigen Produkte) als Ware produziert wird,
also Geldverpuppung durchmachen muß; 2, weil auf kapitalistischer
Basis die Masse des Warenkapitals und dessen Wertumfang nicht
nur absolut größer ist, sondern mit ungleich größerer Geschwindig-
keit wächst; 3. ein immer ausgedehnteres variables Kapital sich stets
in Geldkapital umsetzen muß; 4. weil mit der Erweiterung der
Produktion die Bildung neuer Geldkapitale Schritt hält, also auch
das Material ihrer Schatzform da sein muß. — Gilt dies schlechthin
für die erste Phase der kapitalistischen Produktion, wo auch das
Kreditsystem von vorzugsweise metallischer Zirkulation begleitet ist,
so gilt es selbst so weit für die entwickelste Phase des Kreditsystems,
als dessen Basis die Metallzirkulation bleibt. Einerseits kann hier
die zuschüssige Produktion der edlen Metalle, soweit sie abwechselnd
reichlich oder spärlich, störende Einflüsse auf die Warenpreise aus-
üben, nicht nur in längeren, sondern innerhalb sehr kurzer Perioden;
anderseits ist der ganze Kreditmechanismus beständig damit be-
schäftigt, die wirkliche Metallzirkulation durch allerhand Operationen,
Methoden, technische Einrichtungen, auf ein relativ .stets abneh-
mendes Minimum zu beschränken — womit auch die Künstlichkeit
der ganzen Maschinerie und die Chancen für Störungen ihres nor-
malen Ganges im selben Verhältnis zunehmen. ;

Es können die verschiedenen B, B’, B” etc. (I), deren virtuelles
neues Geldkapital als aktives in Operation tritt, wechselseitig ihre
Produkte (Teile ihres Mehrprodukts) voneinander zu kaufen und
aneinander zu verkaufen haben. Pro tanto fließt das der Zirku-
lation des Mehrprodukts vorgeschossene Geld — bei normalem Ver-
lauf — an die verschiedenen B’s zurück in derselben Proportion,
worin sie solches zur Zirkulation ihrer respektiven Waren vorge-
schossen haben. Zirkuliert das Geld als Zahlungsmittel, so sind
hier nur Bilanzen zu zahlen, soweit sich die wechselseitigen Käufe
und Verkäufe nicht decken. Es ist aber wichtig, überall, wie es hier
geschieht, zunächst die metallische Zirkulation in ihrer einfachsten,
ursprünglichsten Form vorauszusetzen, weil sich damit Fluß und
Rückfiuß, Ausgleichung von Bilanzen, kurz alle Momente, die im
Kreditsystem als bewußt geregelte Verläufe erscheinen, als unabhän-
gig vom Kreditsystem vorhanden darstellen, die Sache in natur-
wüchsiger Form erscheint, statt in der späteren reflektierten.

3. Das zusätzliche variable Kapital.

Jetzt haben wir, da es sich bisher nur um zusätzliches könstantes
Kapital gehandelt, uns zu wenden zur Betrachtung des zusätzlichen
variablen Kapitals.

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Einundzwanzigstes Kapitel

431
Es ist in Buch I [2. Aufl., S. 653, V. 8. 566 ff.] weitläufig aus-
einandergesetzt, wie Arbeitskraft auf Basis der kapitalistischen Pro-
duktion immer vorrätig ist und wie, wenn nötig, ohne Vergrößerung der
beschäftigten Anzahl Arbeiter oder Masse Arbeitskraft mehr Arbeit
Aüssig gemacht werden kann. Es ist daher vor der Hand nicht nötig,
weiter hierauf einzugehen, vielmehr anzunehmen, daß der in variables
Kapital verwandelbare Teil des neugebildeten Geldkapitals immer die
Arbeitskraft vorfindet, worin es sich verwandeln soll. Es ist eben-
falls in Buch I [2. Aufl., 5.622, V. S.534 ff.] auseinandergesetzt worden,
wie ein gegebenes Kapital ohne Akkumulation innerhalb gewisser
Grenzen seinen Produktionsumfang erweitern kann. Hier aber handelt
es sich um Kapitalakkumulation im spezifischen Sinn, so daß die
Erweiterung der Produktion bedingt ist durch Verwandlung von Mehr-
wert in zuschüssiges Kapital, also auch durch erweiterte Kapital-
basis der Produktion.

Der Goldproduzent kann einen Teil seines goldenen Mehrwerts
als virtuelles Geldkapital akkumulieren ; sobald es den nötigen Um-
fang erreicht, kann er es direkt in neues variables Kapital umsetzen,
ohne daß er dazu erst sein Mehrprodukt verkaufen muß; ebenso kann
er es umsetzen. in Elemente des konstanten Kapitals. Doch muß
er im letzteren Fall diese sachlichen Elemente seines konstanten Ka-
pitals vorfinden; sei es, wie bei der bisherigen Darstellung angenom-
men wurde, daß jeder Produzent auf Lager arbeitet und dann seine
fertige Ware’auf den Markt bringt, sei es, daß er auf Bestellung ar-
beitet. Die reale Erweiterung der Produktion, das heißt das Mehr-
produkt, ist in beiden Fällen vorausgesetzt, das eine Mal als wirklich
vorhanden, das andere Mal als virtuell vorhanden, lieferbar.
Il. Akkumulation in Abteilung Il.

Wir haben bisher vorausgesetzt, daß die A, A’, A’ (I) ihr Mehr-
produkt verkaufen an die B, B’, B” etc., die derselben Abteilung I
angehören. Gesetzt aber, A (I) vergolde sein Mehrprodukt durch
Verkauf an einen B aus Abteilung II. Dies kann nur dadurch ge-
schehen, daß, nachdem A (I) an B (II) Produktionsmittel verkauft,
er nicht hinterher Konsumtionsmittel kauft, also nur durch ein-
seitigen Verkauf seinerseits. Sofern nun IIc aus Form von Waren-
kapital in die Naturalform von produktivem konstantem Kapital nur
umsetzbar dadurch, daß nicht nur Iv, sondern auch wenigstens ein
Teil von Im sich umsetzt gegen einen Teil von IIe, welches IIc in Form
von Konsumtionsmitteln existiert, nun aber A sein Im dadurch ver-
goldet, daß dieser Umsatz nicht vollzogen wird, unser A. vielmehr
das im Verkauf seines Im von II gelöste Geld der Zirkulation entzieht,
statt es in Kauf von Konsumtionsmitteln IIc umzusetzen — so findet
zwar auf Seite des A (I) Bildung von zusätzlichem virtuellem Geld-
kapital statt; aber auf der andern Seite liegt ein dem Wertumfang
nach gleicher Teil des konstanten Kapitals von B (II) fest in der Form
von Warenkapital, ohne sich in die Naturalform von produktivem

Das Kanital. II.
        <pb n="485" />
        432

Dritter Abschnitt
konstantem Kapital umsetzen zu können. In andern Worten: Ein
Teil der Waren des B (II), und zwar prima facie ein Teil, ohne
dessen Verkauf er sein konstantes Kapital nicht ganz in produktive
Form rückverwandeln kann, ist unverkäuflich geworden; mit Be-
zug auf ihn finde$ daher Ueberproduktion statt, welche ebenfalls mit
Bezug auf ihn die Reproduktion — selbst auf gleichbleibender Stufen-
leiter — hemmt.

In diesem Fall ist also das zusätzliche virtuelle Geldkapital auf
zeiten von A (I) zwar vergoldete Form von Mehrprodukt (Mehrwert);
aber Mehrprodukt (Mehrwert) als solches betrachtet ist hier Phäno-
men einfacher Reproduktion, noch nicht Reproduktion auf erweiter-
ter Stufenleiter. Iwv+ m, wo dies jedenfalls von einem Teil von m
gilt, muß sich umsetzen schließlich gegen ITc, damit die Reproduktion
von IIe auf gleichbleibender Stufenleiter vor sich gehe. A (I), durch
den Verkauf seines Mehrprodukts an B (IT), hat diesem einen ent-
sprechenden Wertteil konstanten Kapitals in Naturalform geliefert,
aber zugleich durch Entziehung des Geldes aus der Zirkulation —
durch unterlassene Vervollständigung seines Verkaufs mittels nach-
folgendem Kauf — einen dem Wert nach gleichen Warenteil des B (IT)
unverkäuflich gemacht. Fassen wir also die gesamte gesellschaftliche
Reproduktion ins Auge — die gleichmäßig die Kapitalisten I und II
ımschließt —, so drückt die Verwandlung des Mehrprodukts von A (I)
in virtuelles Geldkapital die Nichtrückverwandelbarkeit eines dem
Wertumfang nach gleichen Warenkapitals von B (IT) in produktives
(konstantes) Kapital aus; also nicht virtuell Produktion auf erweiter-
ler Stufenleiter, sondern Hemmung der einfachen Reproduktion, also
Defizit in der einfachen Reproduktion. Da die Bildung und der Ver-
kauf des Mehrprodukts von A (I) selbst normale Phänomene der ein-
fachen Reproduktion sind, so haben wir hier auf Grundlage schon
der einfachen Reproduktion folgende einander bedingende Phäno-

mene: Bildung von virtuell zuschüssigem Geldkapital bei Klasse I
(daher Unterkonsumtion vom Standpunkt von IT); Festsetzung von
Warenvorräten bei Klasse IT, die nicht rückverwandelbar in produk-
tives Kapital (also relative Ueberproduktion bei II); überschüssiges
Geldkapital bei I und Defizit in der Reproduktion bei II.

Ohne bei diesem Punkt länger zu verweilen, bemerken wir nur:
Es ist bei Darstellung der einfachen Reproduktion vorausgesetzt
worden, daß der ganze Mehrwert I und II als Revenue verausgabt
wird. In der Tat aber wird ein Teil des Mehrwerts als Revenue ver-
ausgabt, ein anderer Teil in Kapital verwandelt. Wirkliche Akkumu-
lation findet nur unter dieser Voraussetzung statt. Daß die Akku-
mulation sich auf Kosten der Konsumtion vollziehe, ist — so all-
gemein gefaßt — selbst eine Illusion, die dem Wesen der kapitalisti-
schen Produktion widerspricht, indem sie voraussetzt, daß ihr Zweck
aınd treibendes Motiv die Konsumtion sei, hicht aber die Ergatterung
von Mehrwert und seine Kapitalisation, das heißt Akkumulation.
        <pb n="486" />
        Einundzwanzigstes Kapitel

433
Betrachten wir nun die Akkumulation in Abteilung II etwas
näher.

Die erste Schwierigkeit mit Bezug auf IIc, das heißt seine Rück-
verwandlung aus einem Bestandteil des Warenkapitals II in die
Naturalform von konstantem Kapital II, betrifft die einfache Repro-
Juktion. Nehmen wir das frühere Schema:

(1000v + 1000m) I setzen sich um gegen
2000 IIe.
Wird nun zum Beispiel die Hälfte des Mehrprodukts I, also *9° m oder
500 Im wieder selbst als konstantes Kapital der Abteilung I einver-
leibt, so kann dieser in I rückbehaltene Teil des Mehrprodukts keinen
Teil von IIe ersetzen. Statt in Konsumtionsmittel umgesetzt zu
werden (und hier in dieser Abteilung der Zirkulation zwischen I und II
findet — im Unterschied von dem durch die Arbeiter I vermittelten
Ersatz von 1000 IIe durch 1000 Iv— wirklicher wechselseitiger Aus-
tausch, also doppelseitiger Stellenwechsel der Waren statt), soll es
als zusätzliches Produktionsmittel in I selbst dienen. Es kann diese
Funktion nicht gleichzeitig in I und II verrichten. Der Kapitalist
kann den Wert seines Mehrprodukts nicht in Konsumtionsmittel ver-
ausgaben und gleichzeitig das Mehrprodukt selbst produktiv kon-
sumieren, das heißt seinem produktiven Kapital einverleiben. Statt
2000 I iv + =) sind. also nur 1500, nämlich (1000, + 500m) I umsetzbar
in 2000 IIe; es sind also 500 IIe aus ihrer Warenform nicht rückver-
wandelbar in produktives (konstantes) Kapital II. Es. fände also
in IT eine Ueberproduktion statt, ihrem Umfang nach genau ent-
sprechend dem Umfang der in I vorgegangenen Erweiterung der Pro-
üduktion. Die Ueberproduktion von II würde vielleicht so sehr auf I
reagieren [zurückwirken], daß selbst der Rückfluß der von den Ar-
beitern I in Konsumtionsmitteln II verausgabten 1000 nur teilweise
stattfände, diese 1000 also nicht in Form von variablem Geldkapital
in die Hände der Kapitalisten I zurückkehrten. Diese letzteren fänden
sich so gehemmt selbst in der Reproduktion auf gleichbleibender
Stufenleiter, und zwar durch den bloßen Versuch, sie zu erweitern.
Und dabei ist zu erwägen, daß in I tatsächlich nur einfache Re-
produktion stattgefunden und daß nur die Elemente, wie sie sich im
Schema finden, zum Behuf einer Erweiterung in der Zukunft. sage
im nächsten Jahr, verschieden gruppiert sind.

Man könnte diese Schwierigkeit zu umgehen versuchen — so:
die 500 II, die auf Lager der Kapitalisten liegen und die nicht un-
mittelbar in produktives Kapital umsetzbar sind, sind soweit ent-
fernt, Ueberproduktion zu sein, daß sie umgekehrt ein notwendiges
Element der Reproduktion darstellen, welches wir bisher vernachlässigt
haben. Man sah, daß Geldvorrat sich an vielen Punkten aufhäufen,
also der Zirkulation entzogen werden muß, teils um die Bildung von
neuem Geldkapital innerhalb I selbst zu ermöglichen, teils um den
Wert des sich allmählich verzehrenden fixen Kapitals transitoriech

va
        <pb n="487" />
        134

Dritter Abschnitt
[vorübergehend] festzuhalten. Da aber bei der Darstellung des Sche-
mas alles Geld und alle Waren sich von vornherein ausschließlich in
den Händen der Kapitalisten I und II befinden, weder Kaufmann
noch Geldhändler noch Bankier noch bloß konsumierende und nicht
direkt in der Warenproduktion beteiligte Klassen hier existieren —
so ist ebenfalls die beständige Bildung von Warenlagern hier in den
Händen ihrer respektiven Produzenten selbst unentbehrlich, um die
Maschinerie der Reproduktion in Gang zu halten. Die 500 IIe, die
auf Lager der Kapitalisten II liegen, stellen also den Warenvorrat
an Konsumtionsmitteln dar, der die Kontinuität des in die Repro-
duktion eingeschlossenen Konsumtionsprozesses vermittelt, hier also
den Uebergang eines Jahres ins andere. Der Konsumtionsfonds, der
hier noch in den Händen seiner Verkäufer und zugleich Produzenten
befindlich ist, kann nicht dieses Jahr auf Null herabsinken, um näch-
stes Jahr mit Null zu beginnen, so wenig dies beim Uebergang vom heuti-
gen Tag zum folgenden der Fall sein kann. Da beständige Neubildung
solcher Warenlager, wenn auch in wechselndem Umfang, statthaben
muß, so müssen unsere kapitalistischen Produzenten II ein Geld-
reservekapital haben, das sie befähigt, mit ihrem Produktionsprozeß
fortzufahren, obgleich ein Teil ihres produktiven Kapitals vorüber-
gehend festliegt in Warenform. Sie verbinden ja der Voraussetzung
nach das ganze Kaufmannsgeschäft mit dem Produktionsgeschäft;
sie müssen also auch über das zusätzliche Geldkapital verfügen, das
bei Verselbständigung der einzelnen Funktionen des Reproduktions-
Prozesses unter verschiedene Sorten von Kapitalisten sich in den
Händen der Kaufleute befindet.

Es ist hierauf zu erwidern: 1. solche Vorratbildung und ihre
Notwendigkeit gilt für alle Kapitalisten, sowohl I wie II. Als bloße
Warenverkäufer betrachtet, unterscheiden sie sich nur dadurch, daß
sie Waren verschiedener Sorten verkaufen. Der Vorrat in Waren II
unterstellt einen früheren Vorrat in Waren I. Vernachlässigen wir
diesen Vorrat auf der einen Seite, so müssen wir es auch auf der
andern, Ziehen wir ihn aber auf beiden Seiten in Betracht, so wird
am Problem nichts geändert. — 2. Wie dies Jahr auf Seite II mit
einem Warenvorrat für nächstes abschließt, so hat es begonnen mit
einem Warenvorrat auf derselben Seite, überliefert vom vorigen Jahr.
Bei Analyse der jährlichen Reproduktion — auf ihren abstraktesten
Ausdruck reduziert — müssen wir ihn also beidemal streichen. Indem
wir diesem Jahr seine ganze Produktion lassen, also auch das, was es
als Warenvorrat an nächstes Jahr abgibt, nehmen wir ihm aber auch
anderseits den Warenvorrat, den es vom vorigen Jahr bekommen, und
haben damit in der Tat das Gesamtprodukt eines Durchschnitts-
jahres als Gegenstand der Analyse vor uns. — 3. Der einfache Um-
stand, daß die Schwierigkeit, die umgangen werden soll, uns nicht
aufstieß bei Betrachtung der einfachen Reproduktion, beweist,
daß es sich um ein spezifisches Phänomen handelt, das nur
der verschiedenen Gruppierung (mit Bezug auf Reproduktion)
        <pb n="488" />
        a

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Einundzwanzigstes Kapitel

435
üer Elemente I geschuldet ist, einer veränderten Gruppierung,
öhne welche überhaupt keine Reproduktion auf erweiterter
Stufenleiter stattfinden könnte.

(ll. Schematische Darstellung der Akkumulation.
Wir betrachten nun die Reproduktion nach folgendem Schema:
. I. 4000c + 1000v + 1000m = 6000

Schema 2) 17° 1500e + 376v + 376m = 2252 } Summa == 8252,
Man bemerkt zunächst, daß die Gesamtsumme des jährlichen gesell-
schaftlichen Produkts gleich 8252 kleiner ist als im ersten Schema,
wo sie gleich 9000 war. Wir könnten ebensogut eine viel größere
Summe nehmen, sie meinetwegen verzehnfachen. Eine kleinere Sum-
me als in Schema I ist gewählt, gerade um augenfällig zu machen,
daß die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter (die hier nur als
mit größerer Kapitalanlage betriebene Produktion gefaßt wird) mit
der absoluten Größe des Produkts nichts zu tun hat, daß sie für eine
gegebene Warenmasse nur ein verschiedenes Arrangement [Grup-
pierung] oder verschiedene Funktionsbestimmung der verschiedenen
Elemente des gegebenen Produkts voraussetzt, dem Wertumfang
nach also zunächst nur einfache Reproduktion ist. Nicht die Quanti-
tät, sondern die qualitative Bestimmung der gegebenen Elemente
der einfachen Reproduktion ändert sich, und diese Aenderung ist
die materielle Voraussetzung der später folgenden Reproduktion auf
erweiterter Stufenleiter.®

Wir könnten das Schema verschieden darstellen bei verschiede-
nen Verhältnissen zwischen variablem und konstantem Kapital: zum
Beispiel so:
a I. 40000 -+ 8757 + 875m = 5750
Schema b) 17 17500 + 3767 + 376m = 2502 } Summa = 8252,
So erschiene es als arrangiert für Reproduktion auf einfacher Stufen-
leiter, so daß der Mehrwert ganz als Revenue verausgabt und nicht
akkumuliert würde. In beiden Fällen, unter a wie unter b, haben
wir ein jährliches Produkt vom selben Wertumfang, nur das
eine Mal sub b mit solcher Funktionsgruppierung seiner Elemente,
daß die Reproduktion auf derselben Stufenleiter wieder beginnt, wäh-
rend sie sub a die materielle Basis der Reproduktion auf erweiterter
Stufenleiter- bildet. Sü@b b nämlich setzen sich (875v + 875m)
[= 1750 Iiv + m ohne UÜeberschuß um gegen 1750 ITIe, während sub

‚. 58 Dies macht ein für allemal ein Ende dem Zwist über die Akkumu-
iation des Kapitals zwischen Jamer Mill und S. Bailey, der in Buch I
(Kapitel XXIT, 5, 2. Aufl., S. 634, V, S. 546, Note 65) von anderm Stand-
punkt erörtert wurde, nämlich dem Streit über die Ausdehnbarkeit der
Wirkung des industriellen Kapitals bei gleichbleibender Größe desselben.
Hierauf später zurückzukommen.
        <pb n="489" />
        Dritter Abschnitt
a (1000v + 1000m) I = 2000 I tv + = im Umsatz mit 1500 IIe einen
Ueberschuß von 500 Im für die Akkumulation bei Klasse I übrig
lassen.

Nun zur näheren Analyse des Schemas a. Unterstellen wir, daß
sowohl in I wie in II eine Hälfte des Mehrwerts, statt als Revenue
ausgegeben zu werden, akkumuliert, das heißt in Element von zu-
schüssigem Kapital verwandelt wird. Da die Hälfte von 1000 Im
= 500 in einer oder der andern Form akkumuliert, als zuschüssiges
Geldkapital angelegt, das heißt in zuschüssiges produktives Kapital
verwandelt werden soll, so werden nur (10007 + 500m) I als Revenue
verausgabt. Als normale Größe von IIe figuriert daher hier auch nur
1500. Der Umsatz zwischen 1500 I ( + =) und 1500 ITI« ist nicht weiter
zu untersuchen, da er als Prozeß der einfachen Reproduktion bereits
dargestell6; ebensowenig kommt 4000 Ie in Betracht, da sein Be-
arrangement [Neugruppierung] für die neubeginnende Reproduktion
(die diesmal auf erweiterter Stufenleiter stattfindet) ebenfalls als Pro-
zeß der einfachen Reproduktion erörtert wurde.

Was also hier allein zu untersuchen bleibt, ist: 500 Im und
\376v + 376m) II, soweit einerseits die inneren Verhältnisse sowohl
von I wie von II in Betracht kommen, anderseits die Bewegung
zwischen den beiden. Da vorausgesetzt ist, daß in II ebenfalls die
Hälfte des Mehrwerts akkumuliert werden soll, so sind hier in Kapital
zu verwandeln 188, davon */, in variables gleich 47, sage der runderen
Zahl wegen 48; bleibt in konstantes zu verwandeln 140.

Wir stoßen hier auf ein neues Problem, dessen bloße Existenz
der allgemein angenommenen ® Einsicht, daß Waren einer Art sich
gegen Waren anderer Art, ditto Waren gegen Geld und dasselbige
Geld wieder gegen Ware anderer Art auszutauschen pflegt, wunder-

lich erscheinen muß. Die 140 IIm können nur dadurch in produktives
Kapital verwandelt werden, daß sie ersetzt werden durch einen Teil
der Waren Im zum selben Wertbetrag. Es versteht sich von selbst,
daß der mit IIm umzusetzende Teil von Im aus Produktionsmitteln
bestehen muß, die entweder sowohl in die Produktion von I wie in
die von II oder aber ausschließlich nur in die von II eingehen können.
Dieser Ersatz kann nur geschehen durch einseitigen Kauf seitens II,
da das ganze noch zu betrachtende Mehrprodukt 500 Im zur Akku-
mulation innerhalb I dienen soll, also nicht ausgetauscht werden kann
gegen Waren II in andern Worten, von I nicht gleichzeitig akkumu-
liert und aufgegessen werden kann. II m@8 140 Im also mit barem
Geld kaufen, ohne daß dies Geld zu ihm zurückflösse durch nach-
folgenden Verkauf seiner Ware an I. Und zwar ist dies ein beständig,
bei jeder jährlichen Neuproduktion, soweit sie Reproduktion auf er-
weiterter Stufenleiter, sich wiederholender Prozeß. Wo springt dafür
die Geldquelle in II?

136

588 Marx schreibt „laufenden‘. Er dachte wohl an „current“, das
&gt;bensowohl ‚laufend‘ heißen kann wie „gang und gäbe‘, K.
        <pb n="490" />
        Einundzwanzigstes Kapitel

437
IT scheint im Gegenteil für die die wirkliche Akkumulation be-
gleitende und bei kapitalistischer Produktion sie bedingende Bildung
von neuem Geldkapital, die faktisch zunächst als einfache Schatz-
bildung sich darstellt, ein durchaus unergiebiges Feld.

Zunächst haben wir 376 IIv; das Geldkapital von 376, vorge-
schossen in Arbeitskraft, kehrt durch.den Ankauf in Waren II be-
ständig als variables Kapital in Geldform zu dem Kapitalisten II
zurück. Diese beständig sich wiederholende Entfernung von und
Rückkehr zum Ausgangspunkt — der Tasche des Kapitalisten —
vermehrt das in diesem Kreislauf sich herumtreibende Geld in keiner
Weise, Dies also ist keine Quelle von Geldakkumulation; dies Geld
kann dieser Zirkulation auch nicht entzogen werden, um aufgeschatz-
tes. virtuell neues Geld zu bilden.

Aber halt! Ist hier nicht ein Profitchen zu machen ?

Wir müssen nicht vergessen, daß die Klasse II den Vorzug vor
Klasse I besitzt, daß die Arbeiter, die sie anwenden, die von ihnen
selbst produzierten Waren von ihr wieder zu kaufen haben. Klasse II
ist Käufer der Arbeitskraft und zugleich Verkäufer von Waren an
die Besitzer der von ihr angewandten Arbeitskraft. Klasse IT kann
also:
A., und. das hat sie mit den Kapitalisten der Klasse I gemein,
einfach den Lohn unter seine normale Durchschnittshöhe herab-
drücken. Dadurch wird ein Teil des als Geldform des variablen
Kapitals fungierenden Geldes freigesetzt, und dies könnte bei be-
ständiger Wiederholung desselben Prozesses eine normale Quelle der
Schatzbildung, also auch der Bildung von virtuell zuschüssigem Geld-
kapital in Klasse II werden. Mit zufälligem Schwindelprofit haben
wir es natürlich hier, wo es sich um normale Kapitalbildung handelt,
nicht zu schaffen. Es darf aber nicht vergessen werden, daß der
wirklich gezahlte normale Arbeitslohn (der ceteris paribus [unter sonst
gleichen Umständen] die Größe des variablen Kapitals bestimmt)
keineswegs aus Güte der Kapitalisten gezahlt wird, sondern unter
gegebenen Verhältnissen gezahlt werden muß. Damit ist diese Er-
klärungsweise beseitigt. Wenn wir 376v als das von Klasse II zu
veransgabende variable Kapital voraussetzen, dürfen wir, um ein neu
aufstoßendes Problem zu erklären, nicht plötzlich die Hypothese
unterschieben, daß sie etwa nur 350, vorschießt und nicht 376v.

2. Anderseits aber hat die Klasse IT, als Gesamtheit betrachtet,
wie gesagt den Vorzug vor Klasse I, daß sie zugleich Käufer der
Arbeitskraft und ebenso Wiederverkäufer ihrer Ware an ihre eigenen
Arbeiter ist. Und wie dies ausgebeutet werden — wie nominell der
normale Arbeitslohn gezahlt werden, in der Tat aber ein Teil davon
ohne entsprechendes Warenäquivalent wieder zurückgeschnappt,
alias zurückgestohlen werden kann, wie diese teils vermittels des
Trucksystems, teils vermittels Fälschung (wenn auch vielleicht legal
nicht faßbarer) des zirkulierenden Mediums fertiggebracht werden
kann —, davon liegen in jedem industriellen Land die handgreiflichsten
        <pb n="491" />
        438

Dritter Abschnitt
Data vor, Zum Beispiel in England und in den Vereinigten Staaten.
(Bei dieser Gelegenheit dies an artigen Exempeln [Beispielen]
etwas auszuspinnen.) Es ist dies dieselbe Operation wie sub 2,
nur verkleidet und auf einem Umweg exekutiert [ausgeführt]. Sie
ist also hier ebensosehr zurückzuweisen wie jene. Es handelt sich
hier um wirklich, nicht nominell gezahlten Arbeitslohn.

Man sieht, bei der objektiven Analyse des kapitalistischen Me-
chanismus sind gewisse demselben noch extraordinär [außer den ge-
wöhnlichen] anklebende Schandflecken nicht als Ausflüchte zur Be-
seitigung theoretischer Schwierigkeiten zu verwerten. Aber sonder-
barerweise schreit die große Mehrzahl meiner bürgerlichen Kritiker,
als ob ich zum Beispiel in Buch I des „Kapital“ durch die Annahme,
daß der Kapitalist den wirklichen Wert der Arbeitskraft zahlt, was
er großenteils nicht tut, selbigen Kapitalisten ein Unrecht angetan
hätte! (Hier kann Schäffle mit der mir beigelegten Großmut zitiert
werden.)

Mit 376 IIv ist also zu dem erwähnten Zweck nichts anzustellen.

Aber noch bedenklicher scheint es mit dem 376 IIm zu stehen.
Hier stehen sich nur Kapitalisten derselben Klasse gegenüber, die
die von ihnen produzierten Konsumtionsmittel wechselseitig anein-
ander verkaufen und voneinander kaufen. Das zu diesem Umsatz
nötige Geld fungiert nur als Zirkulationsmittel und muß bei normalem
Verlauf zu den Beteiligten zurückfließen. in dem Maß, wie sie es der
Zirkulation vorgeschossen haben, um stets von neuem dieselbe Bahn
zu‘ durchlaufen.

Entziehung dieses Geldes aus der Zirkulation zur Bildung von
virtuell zusätzlichem Geldkapital scheint nur auf zweierlei Weg mög-
lich. Entweder ein Teil der Kapitalisten II beschwindelt den andern
und bringt so Geldraub zuwege. Zur Bildung von neuem Geldkapital
ist, wie wir wissen, keine vorläufige Erweiterung des umlaufenden

Mediums nötig; es ist nichts nötig, als daß das Geld von gewissen
Seiten her der Zirkulation entzogen und als Schatz aufgespeichert
wird. Daß das Geld gestohlen sein kann und daher Bildung von
zusätzlichem Geldkapital unter einem Teil der Kapitalisten IL ver-
bunden sein kann mit positivem Geldverlust eines andern Teils,
würde nichts zur Sache tun. Der beschwindelte Teil der Kapitalisten
II würde etwas weniger flott leben müssen, das wäre aber auch alles.

Oder aber, ein in notwendigen Lebensmitteln sich darstellender
Teil von IIm wird direkt in neues variables Kapital innerhalb Ab-
teilung II verwandelt. Wie dies geschieht, wird am Schluß dieses
Kapitels (unter Nr. IV) untersucht werden.

1. Erstes Beispiel,
A. Schema einfacher Reproduktion.
I. 4000e + 10007 + 1000m = 6000
IT. 20006 -L&amp; 500% -L 500m — 6000] Summa == 9000,
        <pb n="492" />
        Einundzwanzigstes Kapitel

439
B. Ausgangsschema für Akkumulation auf erweiterter
Stufenleiter.
I. 4000c + 10007 + 1000m == 6000

U, 15000 + 750v + 750m = 3000} Summa = 9000.

Angenommen, daß in Schema B die Hälfte des Mehrwerts von
I akkumuliert wird, also 500, so erhalten wir zunächst (10007 + 500m)
I oder 1500 I iv + m) zu ersetzen durch 1500 IIe; es bleibt dann in I:
1000c + 500m, welche letztere zu akkumulieren. Die Ersetzung von
‘1000, + 500m) I durch 1500 IIe ist ein Prozeß der einfachen Repro-
duktion und schon bei letzterer erläutert.

Nehmen wir an, daß von den 500 Im 400 in konstantes Kapital zu
verwandeln, 100 in variables. Der Umsatz innerhalb I der 400m, die so
kapitalisiert werden sollen, ist bereits erörtert; sie können also ohne wei-
teres annexiert [zugefügt] werden an Ic, und wir erhalten dann für I:

4400c + 1000v + 100m (die in 100, umzusetzen sind).

Seinerseits kauft II zum Zweck der Akkumulation von I die
100 Im (in Produktionsmitteln existierend), die nun zuschüssiges kon-
stantes Kapital von II bilden, während die 100 Geld, die es dafür
zahlt, in Geldform des zuschüssigen variablen Kapitals von I ver-
wandelt werden. Wir haben dann für I ein Kapital von 44000 + 1100+
(die letzteren in Geld) = 5500.

IT hat jetzt für konstantes Kapital 1600c; es muß zu deren Be-
arbeitung weitere 50v in Geld für Ankauf neuer Arbeitskraft zu-
schießen, so daß sein variables Kapital von 750 auf 800 wächst. Diese
Ausdehnung des konstanten .wie variablen Kapitals von II um zu-
sammen 150 wird bestritten aus seinem Mehrwert; von den 750 IIm
bleiben also nur 600m als Konsumtionsfonds der Kapitalisten II, deren
Jahresprodukt sich nun verteilt wie folgt: ;

; II. 1600c + 800v -- 600m (Konsumtionsfonds) = 3000.
Die in Konsumtionsmitteln produzierten 150m, die hier in (100e + 50v)
IL umgesetzt, gehen in ihrer Naturalform ganz in die Konsumtion
der Arbeiter ein: 100 werden verzehrt von den Arbeitern I (100 I)
und 50 von den Arbeitern II (50 IIv), wie oben auseinandergesetzt.
In der Tat muß in II, wo sein Gesamtprodukt in einer für die Akku:
mulation nötigen Form zubereitet wird, ein um 150 größerer Teil
des Mehrwerts in Form von notwendigen Konsumtionsmitteln re-
produziert werden. Beginnt wirklich die Reproduktion auf erweiter-
ter Stufenleiter, so fließen die 100 variables Geldkapital von I durch
die Hände seiner Arbeiterklasse zurück an II, welches dagegen
100m in Warenvorrat an I überträgt und zugleich 50 in Warenvorrat
an seine eigene Arbeiterklasse, . ; ;

Das zum Zweck der Akkumulation veränderte Arrangement steht
nun wie folgt: “

I. 4400e0 + 1100v + 500 Konsumtionsfonds = 6000

IT. 1600c + 8007 + 600 Konsumtionsfonds —= 3000 )

Summa = 9000 wie oben.
        <pb n="493" />
        420

Dritter Abschnitt
Davon sind Kapital:

T. 44000 + 1100 (Geld)

IT. 1600c + 800v (Geld)
während die Produktion begann mit:
I. 40000 + 10007 = 5000 |
IL. 1500c + 750v = 2250 f

Geht die wirkliche Akkumulation nun auf dieser Basis vor sich,
das heißt, wird mit diesem vermehrten Kapital nun wirklich produ-
ziert, so erhalten wir am Ende des nächsten Jahres:

I. 44000 + 1100v + 1100m = 6600| _ 9800
IT. 16000 + 8007 + 800m = 3200 f .

Es werde nun sub I in derselben Proportion fortakkumuliert;
also 550m als Revenue verausgabt, 550m akkumuliert. Zunächst
werden dann 1100 I, ersetzt durch 1100 II. 58%, ferner sind noch 550 Im
zu realisieren in einem gleichen Betrag von Waren II, also zusammen
1650 I vw +m. Aber das zu ersetzende konstante Kapital von IT ist
nur gleich 1600, die übrigen 50 müssen also ergänzt werden aus 800 Ilm.
Wenn wir hier zunächst von Geld absehen, so haben wir als Resultat
dieser Transaktion:

I. 4400e + 550m (welche zu kapitalisieren sind), daneben in Kon-
sumtionsfonds der Kapitalisten und Arbeiter 1650 w + m), realisiert
in Waren IIe.

IT. 1650c (nämlich 50 zugefügt nach Obigem aus IIm) + 800v

750m (Konsumtionsfonds der Kapitalisten).

Wenn aber das alte Verhältnis von v zu € in II bleibt, so müssen
für 50c weitere 25, ausgelegt werden; diese sind zu nehmen von den
750m; wir erhalten also:

IL. 1650c + 825v + 725m.

Sub I ist zu kapitalisieren 550m; wenn das frühere Verhältnis
bleibt, so bilden davon 440 konstantes Kapital und 110 variables
Kapital. Diese 110 sind eventuell zu schöpfen aus 725 IIm, das heißt
Konsumtionsmittel zum Wert von 110 werden von den Arbeitern I
verzehrt statt von Kapitalisten II, diese letzteren also gezwungen,
diese 110m, die sie nicht verzehren können, zu kapitalisieren. Dies
läßt von den 725 IIm übrig 615 IIm. Wenn aber 8o IT diese 110 in
zusätzliches konstantes Kapital verwandelt, so braucht es ein ferneres
zusätzliches variables Kapital von 55; dies muß wieder von seinem
Mehrwert gestellt werden; abgezogen von 615 IIm läßt es übrig 560
für Konsumtion der Kapitalisten II und wir erhalten nun nach Voll-
ziehung aller aktuellen und potentiellen Uebertragungen an Kapi-
talwert:

TI. (44000 + 440ec) + (1100v + 110v) = 4840c°c + 1210v = 6050
IT. (1600e + 50c + 110c) + (800v + 25v + 55v)

= 1760c + 880v =— 2640

8690

58b In der Engelsschen Ausgabe steht Ice, K.
        <pb n="494" />
        Einundzwanzigstes Kapitel

441
Soll die Sache normal abgehen, so muß die Akkumulation in II
sich rascher vollziehen als in I, weil der Teil von Iw+ m), der in Waren
ITc umzusetzen ist, sonst rascher wächst als IIc, gegen das allein
er sieh umsetzen kann.

Wird die Reproduktion auf dieser Grundlage und bei sonst gleich-
bleibenden Umständen fortgesetzt, so erhalten wir am Schluß des
folgenden Jahres:

I. 4840c + 1210vy + 1210m = sa0 — 10780
IT. 1760c + 880v + 880m = 3520f 7 )

Bei gleichbleibender Teilungsrate des Mehrwerts ist zunächst
als Revenue zu verausgaben von I: 1210v und die Hälfte von m
gleich 605, zusammen gleich 1815. Dieser Konsumtionsfonds ist
wieder größer um 55 als IIc. Die 55 sind abzuziehn von 880m, bleiben
825. 55 IIm in IIc verwandelt, setzt ferneren Abzug von IIm voraus
für entsprechendes variables Kapital gleich 27*/,; bleibt zu verzehren
[für die Kapitalisten von II] 797!/2 IIm.

Es sind jetzt zu kapitalisieren in I 605m, davon konstant 484
und variabel 121; letztere sind abzuziehen von IIm, das jetzt noch
gleich 797*/,, bleibt°° 676'/, IIm. II verwandelt also weitere 121 in
konstantes Kapital und braucht dafür weiteres variables Kapital
gleich 60'/,; dies geht ebenfalls von 676!/, ab; bleiben 616 [für die
Kapitalisten von II] zu verzehren.

Wir haben dann an Kapital:

I. Konstant 4840 -+ 484 = 5324.
Variabel 1210 + 121 = 13831.
Konstant 1760 + 55 + 121 = 1936.
Variabel 880 + 27!» + 601/2 = 968.
Zusammen: I. 5324c + 1331v = 6655| _ 9559
IT. 19360 + 968v = 29041 7
und Ende des Jahres an Produkt:
I. 5324c + 1331vy + 1331m = 7986 | __ 11858
IT. 1936c + 9687 + 968m = 3872 f )

Mit Wiederholung derselben Rechnung und Abrundung der Brüche
erhalten wir am Schluß des folgenden Jahres ein Produkt von%81:
I. 5856c + 1464v + 1464m = 8784 l — 13043
II. 2129c + 1065v + 1065m =— 4259f — *

LE.

sc Marx schreibt hier und auch weiter unten „läßt“. Er dachte hier
wohl an das englische „leave“, das ‚lassen‘ und „übrig lassen“ bedeutet. K.
58d Die Ziffern in den nachfolgenden zwei Tabellen und in dem daran
anschließenden Absatz sind nach unserer Durchrechnung gegeben: in der
Engelsschen Ausgabe lauten diese Ausführungen:
i. 58560 -+ 1464, + 1464m = 8784
II. 21290 + 1065y + 1065m = 200} = 1300
Und am Schlusse des nächstfolgenden Jahres:
I. 64420 + 1610, + 1610m = 9662
IT. 23420 + 1172y + 1172m = 4086} = 14508
Im Verlauf von vierjähriger Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter ist
        <pb n="495" />
        142

Dritter Abschnitt
Und am Schlusse des nächstfolgenden Jahres:

I. 64420 + 16107 + 1610m = 04 — 14346
IL. 2342ec + 1171v + 1171m = 4684 )

Im Verlauf von vierjähriger Reproduktion auf erweiterter Stufen-
leiter. ist das Gesamtkapital von I und II gestiegen von 5500c +
1750v = 7250 auf 8784c + 2781v = 11565, also im Verhältnis von
100:160. Der Gesamtmehrwert war ursprünglich 1750, er ist 2781.
Der verzehrte Mehrwert war anfangs 500 für I und 600 für II, zusammen
gleich 1100; er war im letzten Jahr 732 für I und 746 für II, zusammen
gleich 1478. Er ist also gewachsen im Verhältnis von 100 : 134.

2. Zweites Beispiel.

Nehmen wir nun das jährliche Produkt von 9000, das sich all-
zusamt als Warenkapital in der Hand der industriellen Kapita-
listenklasse befindet, in einer Form, wo das allgemeine Durchschnitts-
verhältnis des variablen und konstanten Kapitals das von 1 : 5 ist.
Es setzt dies voraus: schon bedeutende Entwicklung der kapita-
listischen Produktion und dementsprechend der Produktivkraft
der gesellschaftlichen Arbeit; bedeutende schon vorhergegangene
Erweiterung der Produktionsleiter; endlich Entwicklung aller der
Umstände, die eine relative Uebervölkerung in der Arbeiterklasse
produzieren. Das Jahresprodukt wird sich dann, nach Abrundung
der Brüche, verteilen wie folgt:

I. 5000c + 1000vy + 1000m = 2000 | — 9000
II. 1430c + 285v + 285m = 2000] )

Gesetzt jetzt, die Kapitalistenklasse I konsumiere den halben
Mehrwert gleich 500 und akkumuliere die andere Hälfte. Dann
wären (1000, -+ 500m) I = 1500 umzusetzen in 1500 IIce. Da hier IIe
nur gleich 1430, so ist vom Mehrwert 70 zuzusetzen; dies von 285
IIm abgezogen, bleibt 215 IIm. Wir erhalten also:

I. 50000 + 500m (zu kapitalisieren) + 1500 iv + m) in Konsum-
tionsfonds der Kapitalisten und. Arbeiter.

II. 1430c + 70m (zu kapitalisieren) + 285v + 215m.

Da hier 70 IIm direkt annexiert werden an IIe, so ist erheischt,
am dies zuschüssige konstante Kapital in Bewegung zu setzen, ein
variables Kapital von © = 14; diese 14 gehen also weiter ab von
215 IIm; bleibt 201 IIm, und wir haben:

IL (1430e + 70c) + (285v + 14,) + 201m.

Der Umsatz von 1500 I iv +'4Am) gegen 1500 IIe ist ein Prozeß
der einfachen Reproduktion ®* und sofern abgemacht. Indes sind
das Gesamtkapital von I und II gestiegen von 54000 -+ 1750v = 7150 auf
8784c + 2782, = 11566, also im Verhältnis von 100: 160. Der Gesamtmehr-
wert war ursprünglich 1750, er ist 2782. Der verzehrte Mehrwert war anfangs
500 für I und 535 für II, zusammen gleich 1085; er war im letzten Jahr 732
für I und 958 für II; zusammen gleich 1690. Er ist also gewachsen im Ver-
hältnis von 100 : 163. K.

586 In der Engelsschen Ausgabe steht „Akkumulation“. K.
        <pb n="496" />
        Einundzwanzigstes Kapitel

443
hier noch einige Eigentümlichkeiten zu bemerken, die daraus ent-
stehen, daß bei der akkumulierenden Reproduktion I v+*'2m) nicht
durch IIc allein ersetzt wird, sondern durch IIe plus einem Teil von Ilm.

Daß, Akkumulation vorausgesetzt, I m + 53% größer ist als IIc und
nicht gleich IIc, wie in der einfachen Reproduktion, versteht sich
von selbst; denn 1. inkorporiert I einen Teil seines Mehrprodukts
in sein eigenes produktives Kapital und verwandelt davon %/% in
konstantes Kapital, kann diese °/ also nicht gleichzeitig ersetzen
durch Konsumtionsmittel II; 2. I hat aus seinem Mehrprodukt für
das zur Akkumulation innerhalb II nötige konstante Kapital den
Stoff zu liefern, ganz wie IL an I den Stoff zu liefern hat für das
variable Kapital, das den von I selbst als konstantes Mehrkapital
angewandten Teil seines Mehrprodukts in Bewegung setzen soll.
Wir wissen: das wirkliche variable Kapital besteht aus Arbeitskraft,
also auch das zusätzliche. Es ist nicht der Kapitalist I, der etwa
von II notwendige Lebensmittel auf Vorrat kauft oder aufhäuft
für die von ihm zu verwendende zusätzliche Arbeitskraft, wie es der
Sklavenhalter tun mußte. Es sind die Arbeiter selbst, die mit II
handeln. Dies verhindert aber nicht, daß vom Standpunkt des
Kapitalisten aus die Konsumtionsmittel zuschüssiger Arbeitskraft
nur Produktions- und Erhaltungsmittel seiner eventuell zuschüssigen
Arbeitskraft, also die Naturalform seines variablen Kapitals sind.
Seine eigene nächste Operation, hier die von I, besteht nur darin,
daß er das nötige neue Geldkapital aufspeichert, das zum Kauf zu-
schüssiger Arbeitskraft nötig. Sobald er diese inkorporiert, wird
das Geld Kaufmittel der Waren II für diese Arbeitskraft, muß also
ihre Konsumtionsmittel vorfinden.

Nebenbei. Der Herr Kapitalist, wie seine Presse, ist oft unzu-
frieden mit der Art, wie die Arbeitskraft ihr Geld verausgabt, und
mit den Waren II, worin sie selbes realisiert. Bei dieser Gelegenheit
philosophiert, kulturschwatzt und philanthropisiert er [macht er
in Menschenliebe], wie zum Beispiel Herr Drummond, englischer
Gesandtschaftssekretär in Washington: „The Nation‘ (ein Blatt)
habe letzten Oktober 1879 einen interessanten Artikel gebracht,
worin es unter anderm heiße: „Die Arbeiter haben in der Kultur
nicht Schritt gehalten mit dem Fortschritt der Erfindungen; es sind
ihnen Massen von Gegenständen zugänglich geworden, die sie nicht
zu gebrauchen wissen und für die sie also keinen Markt schaffen.“
(Jeder Kapitalist wünscht natürlich, daß der Arbeiter seine Ware
kaufen soll.) „Es liegt kein Grund vor, warum der Arbeiter sich nicht
ebensoviel Komforts [Bequemlichkeiten] wünschen sollte, wie der
Geistliche, Advokat und Arzt, der denselben Betrag erwirbt wie er.“
(Diese Sorte Advokaten, Geistliche und. Aerzte müssen es in der Tat
bei dem Wunsch vieler Komfortsa bewenden 588 lassen!) .‚Aber er tut

58% In der Engelsschen Ausgabe steht bloß „(v + m)‘ ohne „I“. K.
588 In der Engelsschen Ausgabe steht „gewähren‘. K.
        <pb n="497" />
        LE
Dritter Abschnitt
es nicht. Die Frage ist noch immer, wie er als Konsument durch ein
rationelles und gesundes Verfahren höher zu stellen ist; keine leichte
Frage, da sein ganzer Ehrgeiz nicht über eine Verkürzung seiner
Arbeitsstunden hinausgeht, und der Demagog ihn hierzu vielmehr
aufreizt als zur Erhebung seiner Lage durch Verbesserung seiner
geistigen und moralischen Fähigkeiten,“ (Reports of H. M.’s Seere-
taries of Embassy and Legation on the Manufaetures, Commerce
ste. of the Countries in which they reside. London 1879, p. 404.)
Lange Arbeitsstunden scheinen. das Geheimnis des rationellen
und gesunden Verfahrens, welches die Lage des Arbeiters durch Ver-
besserung seiner geistigen. und moralischen Fähigkeit heben und ihn
zu einem rationellen Konsumenten machen soll. Um ein rationeller
Konsument der Ware der Kapitalisten zu werden, muß er vor allem
— aber der Demagog hindert ihn daran! — damit beginnen, seine
eigene Arbeitskraft irrationell und gesundheitswidrig von seinem
eigenen Kapitalisten konsumieren zu lassen. Was der Kapitalist
unter rationellem Konsum versteht, zeigt sich dort, wo er so herab-
lassend ist, sich direkt in den Konsumtionshandel seiner Arbeiter
sinzulassen — im Trucksystem, wovon auch das Wohnungsliefern
an die Arbeiter, so daß sein Kapitalist zugleich sein Hausvermieter,
sin Zweig unter vielen ist.
Derselbe Drummond, dessen schöne Seele für die kapitalisti-
schen Hebungsversuche der Arbeiterklasse schwärmt, erzählt in
demselben Bericht unter anderm über die Baumwollmusterfabriken
der Lowell und Lawrence Mills. Die Kost- und Logierhäuser für die
Fabrikmädchen gehören der Aktiengesellschaft, die die Fabrik-
besitzerin ist; die Vorsteherinnen dieser Häuser stehen im Dienst
lieser selben Gesellschaft, die ihnen Verhaltungsregeln vorschreibt;
kein Mädchen darf nach 10 Uhr nachts nach Hause kommen. Aber
nun die Perle: Eine Spezialpolizei der Gesellschaft patrouilliert
[streift] die Gegend ab, um die Vebertretung dieser Hausordnung
zu verhindern. Nach 10 Uhr abends wird kein Mädchen weder aus-
noch eingelassen. Kein Mädchen darf anderswo logieren als auf dem
der Gesellschaft gehörigen Terrain, auf dem jedes Haus ihr ungefähr
10 Dollar Wochenmiete einbringt; und nun sehen wir in. voller Glorie
den rationellen Konsumenten: „Da sich jedoch das allgegenwärtige
Piano in vielen der besten Logierhäuser für Arbeiterinnen vorfindet,
spielt Musik, Gesang und Tanz eine bedeutende Rolle, wenigstens bei
denen, die nach zehnstündiger stetiger Arbeit am Webstuhl mehr
Abwechselung nach der Monotonie [Eintönigkeit] nötig haben als
wirkliches Ausruhen.‘“ (p. 412.) Das Hauptgeheimnis aber, wie aus dem
Arbeiter ein rationeller Konsument zu machen, kommt erst. Herr
Drummond besucht die Messerwarenfabrik von Turners Falls
(Connecticut River), und Herr Oakman, der Schatzmeister der Aktien-
gesellschaft, nachdem er ihm erzählt, daß namentlich die amerika-
nische Tischmesserware die englische in der Qualität schlägt, fährt
(ort: „Auch in den Preisen werden wir England schlagen: wir sind
        <pb n="498" />
        Einundzwanzigstes Kapitel

445
ihm voraus in der Qualität schon jetzt, das ist anerkannt; aber wir
müssen niedrigere Preise haben, und die bekommen wir, sowie wir
unsern Stahl wohlfeiler erhalten und unsere Arbeit herunter-
gebracht haben!‘ (p. 427.) Herabsetzung des Arbeitslohnes und
lange Arbeitsstunden, das ist der Kern des rationellen und gesunden
Verfahrens, das den Arbeiter erheben soll zur Würde eines rationellen
Konsumenten, damit er einen Markt schaffe für die Masse von
Gegenständen, die die Kultur und der Fortschritt der Erfindung
ihm zugänglich gemacht haben.

Wie also I das zusätzliche konstante Kapital von II aus seinem
Mehrprodukt zu liefern hat, so liefert II in diesem Sinn das zuschüs-
sige variable Kapital für I. II akkumuliert für I und für sich selbst,
soweit das variable Kapital in Betracht kommt, indem es einen
größeren Teil seiner Gesamtproduktion, also auch namentlich seines
Mehrprodukts, in Form von notwendigen Konsumtionsmitteln re-
produziert.

Ct +m muß bei Produktion auf wachsender Kapitalbasis sein
gleich ITc plus dem Teil des Mehrprodukts, der als Kapital wieder
inkorporiert wird, plus dem zuschüssigen Teil von konstantem Kapi-
tal, nötig zur Erweiterung der Produktion in II; und das Minimum
dieser Erweiterung ist das, ohne welches die wirkliche Akkumulation,
das heißt die wirkliche Produktionsausdehnung in I selbst nicht aus-
führbar ist.

Kommen wir nun zu dem oben zuletzt betrachteten Fall zurück,
so hat er die Eigentümlichkeit, daß IIc kleiner als Iıv +! m, als der in
Konsumtionsmitteln als Revenue verausgabte Teil des Produkts von
I, so daß, um die 1500 I iv + m) umzusetzen, sofort ein Teil des Mehr-
produkts II gleich 70 dadurch realisiert wird. Was IIe gleich 1430
betrifft, so muß es bei sonst gleichbleibenden Umständen ersetzt
werden aus I (v + m) zum selben Wertbetrag, damit einfache Reproduk-
tion in IT stattfinden könne, und ist insoweit hier nicht weiter zu be-
trachten. Anders mit den ergänzenden 70 IIm. Was für I bloßer Er-
satz von Revenue durch Konsumtionsmittel, bloß auf die Konsum-
tion gerichteter Warenaustausch, ist für II hier nicht — wie inner-
halb der einfachen Reproduktion — bloße Rückverwandlung seines
konstanten Kapitals aus der Form von Warenkapital in seine Natural-
form, sondern direkter Akkumulationsprozeß, Verwandlung eines
Teils seines Mehrprodukts aus der Form von Konsumtionsmitteln

in die von konstantem Kapital. Kauft I mit 70 Pfd. Sterl. Geld
(Geldreserve zum Umsatz von Mehrwert) die 70 IIm, und kauft II
nicht dafür 70 Im, sondern akkumuliert die 70 Pfd. Sterl. als Geldkapi-
tal, so ist letzteres zwar immer Ausdruck von zuschüssigem Produkt
(eben des Mehrprodukts von II, wovon es Aliquote), obgleich nicht
von einem in die Produktion wieder eingehenden Produkt; aber dann
wäre diese Geldakkumulation auf Seite II zugleich Ausdruck von
        <pb n="499" />
        Dritter Abschnitt
unverkaufbaren 70 Im in Produktionsmitteln. Es fände also relative
Ueberproduktion in I statt entsprechend. dieser gleichzeitigen Nicht-
erweiterung der Reproduktion auf Seite II.

Aber abgesehen hiervon: Während der Zeit, worin die 70 Geld,
die von I kamen, noch nicht oder nur teilweise durch Ankauf von
70 Im seitens II zu.I zurückgekehrt, figuriert 70 in Geld ganz oder teil-
weise als zusätzliches virtuelles Geldkapital in der Hand von II. Dies
gilt von jedem Umsatz zwischen I und II, bevor wechselseitige Er-
setzung der beiderseitigen Waren den Rückfluß des Geldes zu seinem
Ausgangspunkt bewirkt hat. Aber das Geld, bei normalem Verlauf der
Dinge, figuriert hier nur vorübergehend in dieser Rolle. Im Kredit-
system nun, wo jedes momentan zusätzlich freigesetzte Geld sofort
aktiy als zusätzliches Geläkapital fungieren soll, kann solches nur
vorübergehend freie Geldkapital festgeritten werden, zum Beispiel
zu neuen Unternehmungen sub I dienen, während es daselbst noch
festliegendes Zusatzprodukt in andern Unternehmungen flüssig zu
machen hätte. Es ist ferner zu bemerken, daß die Annexation [Ein-
fügung] von 70 Im an das konstante Kapital II zugleich Erweiterung
des variablen Kapitals II erheischt zum Betrag von 14. Dies setzt
voraus — ähnlich wie in I bei direkter Inkorporation von Mehrpro-
dukt Im in Kapital Ic —, daß die Reproduktion in IT schon vor sich
geht mit der Tendenz auf fernere Kapitalisation, daß sie also Er-
weiterung des Teils des Mehrprodukts einschließt, der aus notwendigen
Lebensmitteln besteht.

146

Das Produkt von 9000 im zweiten Beispiel muß zum Zweck der
Reproduktion, wie wir sahen, folgende Verteilung annehmen, wenn
500 Im kapitalisiert werden soll. Wir ziehen dabei bloß die Waren in
Betracht und vernachlässigen die Geldzirkulation.

I. 50000 + 500m (zu kapitalisieren) + 1500 tv + m» Konsumtions-
fonds = 7000 in Waren.

IL. 15000 + 299v + 201m = 2000 in Waren.

Gesamtsumme 9000 in Warenprodukt, ;

Die Kapitalisation geht nun vor sich wie folgt:

In I teilen sich die 500m, die kapitalisiert werden, in 5/4 gleich 417
und !/s gleich 83,58h, Die 83, entziehen einen gleichen Betrag von IIm, der
Elemente des konstanten Kapitals kauft, also zu IIc geschlagen wird.
Eine Vermehrung von IIe« um 83 bedingt eine Vermehrung von II-
um ?!/, von 83 gleich 17°% Wir haben also nach dem Umsatz:

I. (5000e + 417m)e58* + (10007 + 83m) v = 54170 +- 10837 = 6500

IT. (1500c + 83m)e + (299v + 17m)v = 1583ec + 3167 = 1899
Zusammen = 8399
°h Genau gerechnet 416’/3c und 83'/3,. K.
51 Genau gerechnet 16%. K.
58 In der Engelsschen Ausgabe fehlt dieses „c‘ von der 2. Auflage an. K.
        <pb n="500" />
        Einundzwanzigstes Kapitel

AA7

- Das Kapital I ist gewachsen von 6000 auf 6500, also um !/;2, in
IT von 1715 auf 1899, also um nicht ganz !/.
Die Reproduktion auf dieser Grundlage im zweiten Jahr ergibt
am Jahresschluß an Kapital:
I. (5417e + 452m)e + (10887 +4- 90m)r = 58690 + 11787 = 7042.
IL: (15830 + 42m + 90m)e + (3167 + 8m + 18m)y = 17150 + 3427
— 2057
und am Ende des dritten Jahres an Produkt:
I. 5869e + 1173837 + 1173m,
IL. 1715c + 342v + 342m.

Akkumuliert hier I wie bisher die Hälfte des Mehrwerts, so
ergibt I (v + 4m) 11737 + 587 ham) = 1760, ist also größer als das ge-
samte 1715 IIe, und zwar um 45. Diese müssen also wieder durch
Uebernahme eines gleichen Betrages von Produktionsmitteln auf IIe
ausgeglichen werden. IIc wächst also um 45, was einen Zuwachs von
*/s gleich 9 in IIv bedingt. Ferner teilen sich die kapitalisierten 587 Im
zu °/g und */s in 4890 und 98; diese 98 bedingen in II einen neuen Zu-
schlag zum konstanten Kapital von 98 und dieser wieder eine Ver-
mehrung des variablen Kapitals von II um !/, gleich 20. Wir haben
dann:

I. (5869c + 489m)e + (1173v + 98m)v = 63580 +1271v =7629
{T. (17150 + 45m + 98 m)e + (342 v + 9m + 20m) v = 18580 3717 = 2229
Totalkapital — 9858

In drei Jahren wachsender Reproduktion ist also das Gesamt-
kapital von I gewachsen von 6000 auf 7629, das von II von 1715 auf
2229, das gesellschaftliche Gesamtkapital von 7715 auf 9858.

3. Umsatz von IIc bei Akkumulation.

'Im Austausch von I (v + m) mit IIe finden also verschiedene Fälle
statt.

Bei der einfachen Reproduktion müssen beide gleich sein und
einander ersetzen, da sonst, wie oben gesehen, die einfache Reproduk-
tion nicht ohne Störung vor sich gehen kann.

Bei der Akkumulation kommt vor allem die Akkumulationsrate
in Betracht. In den bisherigen Fällen nahmen wir an, daß die Ak-
kumulationsrate in I gleich !/zm I war, und ebenfalls, daß sie in den
verschiedenen Jahren konstant blieb. Wir ließen nur die Porportion
wechseln, nach welcher dies akkumulierte Kapital sich in variables
und konstantes teilt. Dabei ergaben sich drei Fälle:

„ d. I6w+'4m) == ITe, welches also kleiner ist als I wv+m, Dies muß
immer sein, sonst akkumulierte I nicht.

3. I v+Y.m) ist größer als IIce, In diesem Fall wird der Ersatz
dadurch bewirkt, daß zu IIe ein entsprechender Teil von IIm hinzu-
gefügt wird, so daß diese Summe gleich ist I v + “m. Hier ist der Umsatz
für II nicht einfache Reproduktion seines konstanten Kapitals, sondern

Das Kanital. MI.

20
        <pb n="501" />
        148

Dritter Abschnitt
schon Akkumulation, Vermehrung desselben um den Teil seines Mehr-
produkts, den es austauscht gegen Produktionsmittel I; diese Ver-
mehrung schließt zugleich ein, daß II außerdem sein variables Kapi-
tal aus seinem eigenen Mehrprodukt entsprechend. vergrößert.

3. I v+’hAm) ist kleiner als IIc. In diesem Fall hat IT durch den Um-
satz sein .konstantes Kapital nicht vollständig reproduziert, muß also
das Defizit durch Kauf von I ersetzen. Dies ernötigt aber keine wei-
tere Akkumulation von variablem Kapital II, da sein konstantes
Kapital der Größe nach durch diese Operation erst vollständig repro-
duziert wird. Anderseits hat durch diesen Umsatz der Teil der
Kapitalisten von I, der nur zusätzliches Geldkapital aufhäuft, schon
einen Teil dieser Sorte Akkumulation vollbracht.

_ Die Voraussetzung der einfachen Reproduktion, daß I tv + m =
IT. sei, ist nicht nur unverträglich mit der kapitalistischen Produk-
tion, was übrigens nicht ausschließt, daß im industriellen Zyklus von
10 bis 11 Jahren ein Jahr oft geringere Gesamtproduktion hat als das
vorhergehende, also nicht einmal einfache Reproduktion stattfindet
im Verhältnis zum vorhergehenden Jahr. Sondern auch, bei dem
natürlichen jährlichen Wachstum der Bevölkerung könnte einfache
Reproduktion nur insofern stattfinden, als von den 1500, die den
Gesamtmehrwert repräsentieren, eine entsprechend größere Zahl un-
produktiver Dienstleute mitzehrten. Akkumulation von Kapital,
also wirkliche kapitalistische Produktion, wäre dagegen hierbei un-
möglich. Die Tatsache der kapitalistischen Akkumulation schließt
demnach aus, daß IIc = I (v + m). Dennoch könnte selbst bei kapitali-
stischer Akkumulation der Fall eintreten, daß infolge des Ganges
der in der früheren Reihe von Produktionsperioden vollzogenen Ak-
kumulationsprozesse IIe nicht nur gleich, sondern selbst größer würde
als I v+m. Dies wäre eine Ueberproduktion in II und nur auszu-
gleichen durch einen großen Krach, infolge dessen Kapital von II
auf I sich übertrüge. — Es ändert auch nichts an dem Verhältnis von
I v+m) zu IIe, wenn ein Teil des konstanten Kapitals von II sich selbst
reproduziert, wie zum Beispiel in der Agrikultur die Anwendung von
selbst erzeugtem Samen. Dieser Teil von IIe kommt mit Bezug auf
den Umsatz zwischen I und IL ebensowenig in Betracht, wie Is dabei
in Betracht koınmt. Es ändert auch nichts an der Sache, wenn ein
Teil der Produkte von II seinerseits fähig ist, als Produktionsmittel
in 1 einzugehen. Sie werden gedeckt durch einen Teil der von I ge-
lieferten Produktionsmittel, und dieser Teil ist von vornherein auf
beiden Seiten in Abzug zu bringen, wenn wir den Austausch zwischen
den beiden großen Klassen der gesellschaftlichen Produktion, den
Produzenten von Produktionsmitteln und den Produzenten von Kon-
sumtionsmitteln, rein und ungetrübt untersuchen. wollen.
Also bei kapitalistischer Produktion kann I w+m nicht gleich IIs
sein oder beide können sich nicht im Umsatz gegeneinander decken.
Dagegen kann, wenn I ® der Teil von Im ist, der als Revenue von den
        <pb n="502" />
        Einundzwanzigstes Kapitel

449
Kapitalisten I ausgegeben wird, Iw +) gleich, größer oder kleiner
sein als IIe; Is+7) muß aber immer kleiner sein als IT + m), und zwar
um 80 viel kleiner, als der Teil von IIm [beträgt], den die Kapitalisten-
klasse II unter allen Umständen selbst verzehren muß.

Es ist zu bemerken, daß bei dieser Darstellung der Akkumula-
tion der Wert des konstanten Kapitals, sofern es Wertteil des Waren-
kapitals ist, zu dessen Produktion es mitwirkt, nicht exakt dargestellt
ist. Der fixe Teil des neuakkumulierten konstanten Kapitals geht
nur allmählich und periodisch, je nach der Natur dieser fixen Elemente
verschieden, in das Warenkapital ein; dies besteht daher da, wo
Rohstoff und Halbfabrikat ete. massenhaft in die Warenproduktion
eingeht, zum größeren Teil aus Ersatz der zirkulierenden konstanten
Bestandteile und des variablen Kapitals. (Des Umschlags der zirku-
lierenden Bestandteile wegen kann doch so verfahren werden; es ist
damit angenommen, daß innerhalb des Jahres der zirkulierende Teil
zusammen mit dem an ihn abgegebenen Wertteil des fixen Kapitals
80 oft umschlägt, daß die Gesamtsumme der gelieferten Waren gleich
dem Wert des gesamten in die jährliche Produktion eingehenden Ka-
pitals.) Wo aber für den Maschinenbetrieb nur Hilfsstoffe eingehen,
kein Rohmaterial, muß das Arbeitselement gleich v als größerer Be-
standteil in Warenkapital wiedererscheinen. Während in der Profit-
rate der Mehrwert berechnet wird auf das Gesamtkapital, unabhängig
davon, ob die fixen Bestandteile viel oder wenig Wert periodisch an
das Produkt abgeben, ist für den Wert jedes periodisch erzeugten
Warenkapitals der fixe Teil des konstanten Kapitals nur so weit mit
einzurechnen, als er durch Verbrauch im Durchschnitt Wert an das
Produkt selbst abgibt.

IV. Nachträgliches.

Die ursprüngliche Geldquelle für II ist v + m der Goldproduk-,
tion I, ausgetauscht gegen einen Teil von IIc; nur soweit der Gold-
produzent Mehrwert aufhäuft oder in Produktionsmittel I verwandelt,
also seine Produktion ausdehnt, geht sein v + m nicht in II ein;
anderseits, soweit Akkumulation von Geld seitens des Goldpro-
duzenten selbst schließlich zur erweiterten Reproduktion führt, geht
ein nicht als Revenue ausgegebener Teil des Mehrwerts der Gold-
produktion für zuschüssiges variables Kapital des Goldproduzenten
in II ein, fördert hier neue Schatzbildung oder gibt neue Mittel, von I
zu kaufen, ohne direkt wieder an es zu verkaufen. Von dem aus diesem
Iiv + m) der Goldproduktion stammenden Geld geht der Teil des Goldes
ab, den gewisse Produktionszweige von II als Rohmaterial etc.,
kurz als Ersatzelement ihres konstanten Kapitals brauchen. Element
zur vorläufigen — zum Zweck künftiger erweiterter Reproduktion
erfolgenden — Schatzbildung im Umsatz zwischen I und II ist: für
I nur, wenn ein Teil von Im an IT einseitig, ohne Gegenkauf verkauft
wird und hier für zusätzliches konstantes Kapital II dient; für II,

29*
        <pb n="503" />
        450

Dritter Abschnitt
wenn dasselbe der Fall ist seitens I für zuschüssiges variables Kapital;
ferner, wenn ein Teil des von I als Revenue ausgegebenen Mehrwertes
nicht gedeckt wird durch IIe, also damit ein Teil von IIm gekauft und
dadurch in Geld verwandelt wird. Ist Ivy + größer als ITc, so braucht
ILIo zu seiner einfachen Reproduktion nicht durch Ware aus I zu er-
setzen, was I von IIm weggezehrt hat. Es fragt sich, wie weit inner-
halb des Austausches der Kapitalisten II unter sich — ein Austausch,
der nur aus gegenseitigem Austausch von IIm bestehen kann — Schatz-
bildung stattfinden kann. Wir wissen, daß innerhalb II direkte Ak-
kumulation dadurch stattfindet, daß ein Teil von IIm direkt in variables
Kapital (gerade wie in I ein Teil von Im direkt in konstantes Kapital)
verwandelt wird. Bei den verschiedenen Altersklassen der Akkumula-
tion innerhalb der verschiedenen Geschäftszweige von II und. inner-
halb jedes einzelnen Geschäftszweiges für die einzelnen Kapitalisten
erklärt sich die Sache mutatis mutandis ganz wie sub I. Die einen
befinden sich noch im Stadium der Schatzbildung, verkaufen, ohne zu
kaufen, die andern auf dem Punkt wirklicher Erweiterung der Re-
produktion kaufen, ohne zu verkaufen. Das zuschüssige variable
Geldkapital wird zwar zunächst ausgelegt in zuschüssiger. Arbeits-
kraft; diese kauft aber Lebensmittel von den schatzbildenden In-
habern der zuschüssigen in den Arbeiterkonsum eingehenden, Kon-
sumtionsmittel, Von letzteren kehrt pro rata ihrer Schatzbildung das
Geld nicht an seinen Ausgangspunkt zurück, sie häufen es auf.
        <pb n="504" />
        Verzeichnis
aller im zweiten Band des „Kapital“ zitierten Werke.

A. Werke genannter Verlasser.
Adams, W. B. Roads and Rails. Lon- Kauisky, Karl. Sozialdemokratische
don 1862. S.130, 132. Bemerkungen zur Uebergangswirt-
Barton, John. Observations on the schaft. Leipzig 1918. S. XXI
Circumstances which influence the Wirchhof. Handbuch der landwirt-
Condition of the Labouring Classes schaftlichen Betriebslehre. Dessau
of Society. London 1817. S. 183. 1852. S. 138, 196, 199, 200, 201. 202.
Chalmers, Thomas. On Political Eco. 203, 209-210.
nomy. 2nded, Glasgow 1832. S. 117. Cardner. Railway Economy. London
Corbet, Thomas. An Inquiry into the 1850. 8. 130, 131, 138, 139, 140.
Causes and Modesofthe WealthofIn. Laveleye, Emile de. Essais sur l’Eco-
dividualsete. London 1841. S. 102n. nomie Rurale dela Belgique. Brüssel
Courcelle-Seneuil, J. @. Traite theori. 1863. S. 199.
que et pratique des Entreprises in. Lavergne, L. de. The Rural Economy
dustrielles etc. 26me 6d. Paris 1857. of England ete. 1855. 8. 193,
S. 195, Marx, Karl. Lohnarbeit und Kapital
Destutt de Tracy, A.L.C. Traite de la in „Neue Rheinische Zeitung‘.
' Volonte et de ses Effets. Paris 1826. (Nr. 264-269). Köln1849. Von Engels
S. 411-420. als Broschüre 1891 veröffentlicht.
Dupont de Nemours, P. 8. Origines et S, XXXVIIL.
Progres d’une science nouvelle. Misere dela Philosophie. Paris 1847,
(Maximes du Doecteur Quesnay ?) Debersetzt unter dem Titel: Das
Physiocrates, 6d. Daire. Paris 1846. Elend der Philosophie. Deutsch
S. 148-149 n. von E. Bernstein und. K. Kautsky.
Good, W. Walter, Political, Agricultu- Stuttgart 1885, 8. XXXVI,
ral, and Commercial Fallacies. Lon- XXXVII, XL, XLVI.
don 1866. S. 191, 192. Theorien. über den Mehrwert.
Hodgskin, Thomas. Popular Political Herausgegeben von Karl Kautsky.
Economy. London 1827. 8.197.198. Stuttgart 1905-1910, S. XXX,
Holdsworih, W. A. The Law of Land. XXXVII-XL, XLII, 286 nn:
lord .and Tenant. London 1857. Zur Kritik der politischen Oeko-
S. 132, 136... nomie. Berlin 1859. SS, XXXHI.
Kautsky, Karl. Karl Marx’ ökono. XXXWVII.
mische Lehren. Stuttgart 1886. Meyer, R. Briefe und sozialpolitische
SS. XIV. Aufsätze von Dr. Rodbertus-Ja-
Die ökonomische Seite des Er- getzow. Berlin 1880/81. S.XXXVI.
schöpfungskrieges. ‚ Der Kampf“. DerEmanzipationskampf des vierten
August/September1916. S. XXI bis Standes. Berlin 1872/74, 2. Auflage
XXI, XXIV bis XXV. 1882. S. XXXVI.
        <pb n="505" />
        452

Müller, Adam, Die Elemente
der Staatskunst. Berlin 1809.
S. 144n.

Newman, S. P. Elements of Political
Economy. Andover and New York.
1835. 8. 116.

Quesnay, F. Problömes 6conomiques.
Ed. Daire. Paris 1846. -S. 95-96 n,
288-89 n. „HR

- Tableau 6conomique. Ed. Daire,
Paris 1846, 8.67, 95n, 148n, 180,
288 n, 303, 313.

Maximes du Docteur Quesnay. Her-
ausgegeben vonDupontde Nemours,
Physiocrates, ed. Daire. Paris 1846.
S. 148-149n.

Ramsay,@. An Essay on the Distri:
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Renner, Karl. Die Wirtschaft als Ge.
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Berlin 1925. S. XV.

Ricardo, David. The Principles of
Political Economy. 3rd ed. London
1826. S.113n, 172, 178, 179, 180,
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unter Meyer.) .

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Brandenburg und Friedland 1842,
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1819. S. XLVI-XLVII, 78-79, 333.

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rency Prineiple. London 1844. 8.408.

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        <pb n="506" />
        AT

m

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113, 129, 133. 206.

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— 16, Juni 1866, S. 207,

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— 7. Juli 1866, S. 207-208.

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Neue RheinischeZeitung, Köln 1848/49,
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        <pb n="507" />
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Irrivabene, Uebersetzer der Werke
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S. 435 n.

Bakewell, Robert, Agrarwissenschafter,
1725-1795. Erfinder eines Viehmast-
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Barton,John, englischer Oekonom. Ver-
wechselt den Unterschied zwischen
Gxem und zirkulierendem Kapital
mit dem zwischen konstantem und
variablem, S. 183-184, 333.

Bernstein, Eduard, deutscher Sozialist,
geb. 1850. Uebersetzer des „Elends
der Philosophie‘, S, XXXVIn.

Bessemer, Sir Henry, englischer Tech.
niker, 1813-1898. Das von ihm er-
fundene Verfahren der Stahlerzeu-
gung, S. 195.

Carey, H. C., amerikanischer Oeko-
nom, 1793-1879. Ueber Boden-
ertrag, S. 300.

Ohalmers, Thomas, englischer Theo-
logeund Oekonom, 1780-1847. Ueber
den Kreislauf des Kapitals, S. 117.

OÜherbuliez, Antoine Elisge, Schweizer
Oekonom, 1797-1869. Verwechselt
den Unterschied zwischen konstan-
tem und variablem Kapital mit dem
zwischen fixem und zirkulierendem,
S_. 338.

Dorbet, Thomas. Kosten der Weizen-
aufspeicherung, S. 102m.

Towreelle-Seneuil, J.G., französischer
Oekonom, 1813-1892. Abkürzung
der Produktionszeit infolge techni-
scher Neuerungen, S. 195.

Äuprov, Alexander Twanowitsch, russi-
scher Nationalökonom, 1842-1908.
In der Transportindustrie fallen
Produktion zeitlich zusammen, 8.28.

Daire, Herausgeber der Schriften der
Physiokraten, S. 95n, 148-149n,
288-289 n.

'estutt de Tracy, Antoine Lowis Claude,
französischer Philosoph und Natio-
nalökonom, 1754-1836. Ueber Ent-
stehung des Profits und Reproduk-
tion. des Kapitals, S. 380, 411-420.

Drummond, englischer Gesandschafts-
sekretär in Washington. Ueber
amerikanische Geschäftsmethoden,
S. 443-445,

Dupont de Nemours, Pierre Samuel,
französischer Nationalökonom,1739-
1817. Setzt Vorschüsse gleich
Kapital, S. 148-149 n.

Edmonds, Ueber Mehrwert, S. XL.

üngels, Friedrich, 1820-1895. Als Her-
ausgeber des II. und III. Bandes des

„Kapital“, S. X-XIV; Vorwort zur
ersten Auflage, S. XXXII-XLVIII;
Unmöglichkeit, die „Theorien über

den Mehrwert‘ herauszugeben,

3. XXXIIIn; Herausgeber von

„Lohnarbeit und Kapital‘,

S. XXXVII; Vorwort zur zweiten

Auflage, S. XLIX, Noten S. XLIV,

3, 4, 14, 48, 83, 86, 87, 94, 123, 236-

237, 265, 296, 303,316, 331,333,336,

339, 350, 354, 360,374, 405. 411. 420.
        <pb n="508" />
        Namenregister.

Fiüzmaurice. Revenue und Entwer-
tung bei Eisenbahnen, S. 138.

Fullarton, John, englischer Oekonom,
1780-1849, WVeberproduktion an
Geldkapital, S. 428.

Gooch, Sir Daniel, 1818-1889. Vor-
sitzender der englischen Westbahn,
S. 138.

Good, W. Walter. Umschlag in der
Landwirtschaft, S. 191-192.

Hodgskin, Thomas, englischer Sozial-
reformer und Nationalökonom,
1787-1869. Verwendet Ricardosche
Anschauungen im Interesse des
Proletariats, SS. XLIII- XLIV;
Unterschied zwischen Arbeits-
und Produktionszeit, 8. 197-
198,

Holdsworth, W. A. Verschleiß gepach-
teter Grundstücke, S. 132; wesent-
liche und gewöhnliche Reparaturen,
S. 136.

Jones, Sir William, Herausgeber des
Manava-Dharma-Sestra, S. 193 n.
Kautsky, Karl. Vorwort, S.IX-XXXI;
Uebersetzer von „Misere de la Philo-
sophie‘“, SS. XXXVI; Noten
8; XXX, XXXV, XXXVI,
XXXVII, XXXVIN, XXXIX, XL,
XLI, XLII, XLI1H, XLVII, 3, 5, 6,
12, 13, 14, 15, 16, 18, 19, 23, 24,
27, 32, 38, 39, 40, 41, 47, 54, 56, 57,
58, 61, 62, 64, 66, 70, 72, 73, 74, 76,
79, 81, 84, 90, 94, 95, 96, 97, 98,
100, 102, 104, 110, 117, 130, 1383,
136, 137, 138, 1389, 143, 145, 146,
148-149, 152, 156, 173, 176, 182,
192, 193, 194, 195, 196, 198, 201,
207, 208, 209, 211, 213, 220, 221,
229-230, 235, 241, 263, 266, 267,
271, 272, 286, 287, 290, 301, 305,
307, 308, 310, 314, 320, 324, 327,
331, 332, 347, 349, 361, 362, 363,
371, 375, 378, 379, 391, 402, 403,
406, 415, 418, 419, 420, 424, 428,

436, 440, 441-442, 443, 446.

Kirchhof. Abnutzung des landwirt-
schaftlichen Inventars, S. 138; Zahl
der Arbeitstage in der Landwirt-
schaft, S. 196; Holzproduktion,

3. 199; Vorratbildung in der Land-

wirtschaft. S. 200-202: Fruchtfolge

455
und Pachtzeit, S. 202-203; Ver-
zaufszeiten, S. 209-210.

Kirchmann, Julius von. Philosoph und
Jurist, 1802-1884. Adressat von
Rodbertus’ ‚Sozialen Briefen‘,
3, XXXVIN.

Kozak, Th. Herausgeber der Schriften
Rodbertus’, S. XXXVI. »
Lalor, John, englischer Oekonom. Vor-

ratbildung, S. 103, 105, 106.

Lardner, Dionysius, englischer Natur-
wissenschaftler, 1793-1859. Ver-
schleiß bei Eisenbahnen, S. 130,
131, 138, 139, 140.

Lassalle, Ferdinand, 1825-1864. Macht
Marx auf Rodbertus aufmerksam,
3. XXXVII.

Laveleye, Emile Lowis Viktor de, belgi-
scher Nationalökonom, 1822-1892.
Flandrische Landwirtschaft, S. 198-
L99.

avergne, Leonce Lowis Gabriel Guil-
haud de, französischer Agronom und
Nationalökonom, 1809-1880. Eng-
lische Viehzucht, S. 193.

avotsier, Antoine Laurent, französi-
scher Naturwissenschaftler, 1743-
1794. Entdeckung des Sauerstoffes.
3. XLIV-XLV, XLVI. .

"inguet, Nicolas, französischer Schrift-
steller, 1736-1794. Gegner der Phy-
siokraten, S. 304,

List, Friedrich, deutscher National-
ökonom, 1789-1846. Marx’ Stellung
zu ihm, S. XXXVII. ;

Mably, Gabriel Bonnotde, französischer
Philosoph, Vorläufer:des Kommu:«
nismus, 1709-1785. Gegner der
Physiokraten, S. 304.:

Tac Culloch, John Ramsay, englischer
Oekonom, 1789-1864; Der „„unglaub-
liche Schuhflicker‘, S. XLII; Ar-
beitszeit und Produktionszeit, S.202;
Jahresprodukt und Revenue, S. 332.

Mac Leod, Henry Dunning, englischer
Oekonom, 1821-1902. . Setzt den
Unterschied. zwischen fixem und
zirkulierendem Kapital gleich mit
dem zwischen money at call und

money not at call, S. 184.

Halthus, . Thomas Robert, englischer
Theologe und MNationalökonem.
        <pb n="509" />
        156

1766-1834. Umsatz der Arbeits-
kraft in Geld, S. 377.

Marz-Aveling, Eleanor, Marx’ Tochter,
1855-1897, S, XXXYV.

Marz, Jenny, Marx’ Frau, 1814-1881.
Widmung des II. und III. Bandes
des „Kapital“, S. XLVYII.

Marz, Karl, 1818-1883. Erwähnt in
den Noten 8. 3, 5, 39, 40, 41, 48, 84,
36-97, 130, 145, 149, 193, 207, 208,
211,221, 272, 362, 415, 420, 436,441.

Meyer, Hermann Rudolf, deutscher
Nationalökonom und Sozialpoliti-
ker, 1839-1899. Marx’ angebliches
Plagiat an Rodbertus, S. XXXVI-
XXXVIL

Müll, James, englischer Philosoph und
Nationalökonom, 1773-1836. Ar-
beitszeitund Produktionszeit, S. 202;
Akkumulation des Kapitals, S.435n.

Mill, John Stuart, englischer Philosoph
und Nationalökonom, 1806-1873.
[dentifiziertzirkulierendes mit varia-
blem Kapital, S. 184, 333,

Müller, Adam Heinrich, romantischer
Schriftsteller, 1779-1829. Kreislauf
in Industrie und Landwirtschaft,
S. 144 nn.

Müller, H., Uebersetzer des urge-
schichtlichen Werkes von E.B.
Tyler. S. 375 n. ;

Newman, Samuel Philipps, amerika-
nischer Nationalökonom, 1796-1842.
Kreislauf des Kapitals, S, 116-117.

Dakman, amerikanischer Industrieller.
8, 444.

Owen, Robert, utopischer Sozialist,
1771-1858. Uebernimmt ökonomi-
sche Anschauungen Ricardos,
8, XLIIL.

Datterson. Setzt den Unterschied
zwischen fixem und zirkulierendem
Kapital gleich mit dem zwischen
money at call und money not at
call, S. 184.

Potter, Alonzo, Herausgeber der „Poli-
tical Economy“ von Scrope. S, 145,

Priestley, Joseph, englischer Chemiker,
1733.1804. Entdeckung des Sauer-

Stoffes, S, XLIV-XLV, XLVI.

Proudhon, Pierre Joseph, französischer
Sozialist, 1809-1865. Marx’ „Misere

Register.
de la Philosophie‘ gegen ihn gerich-
bet, S. XXXVI.n, XLIII: Revenue
and Bruttoprodukt, S. 332; gesell-
schaftliches Gesamtprodukt und
kapitalistische Produktionsweise,
S. 370.

Buesnay, Dr. Francois, Arztund Natio-
nalökonom, Begründer der physio-
kratischen Schule, 1694-1774, Legt
dem Tableau 6conomique Kreislauf
les Warenkapitals zugrunde, S. 67;
Kaufmannsprofit, S. 95-96 n; avan-
bes annuelles und avances primi-
tives gleich fixes und zirkulierendes
Kapital, S. 147-148; Unterschied
aus dem Reproduktionsprozeß ab-
geleitet, S. 157; Rückfluß des Geldes
und Zirkulation . des Kapitals,
S. 288.289 n; Reproduktion ‚des
Gesellschaftskapitals, S. 303-306;
einfache Reproduktion als Aus-
gangspunkt, S. 313. :

Ramsay, George, englischer Philosoph
und Nationalökonom. Teil der
Hilfsstoffe gleich fixes Kapital,
S. 120; Unterschied zwischen fixem
und zirkulierendem Kapital gleich
dem zwischen konstantem und varia-
blem, S. 184, 332, 333, 373.

%au, Karl Heinrich, deutscher Natio-
nalökonom, 1792-1870. Marx’ Stel-
Jung zu ihm, S. XXXVII.

zavenstone, Piercy, englischer Natio-
nalökonom. Seine antikapitalisti-
sche Stellung, S. XLIH-XLIV.

tenner, Karl, sozialdemokratischer

Schriftsteller. AlsPopularisator des

II. und III. Bandes des „Kapital“.

S. XV.

vicardo, David, englischer National-
ökonom, 1772-1823. Seine Wert-
und Mehrwerttheorie, seine Schule
and ihre Auflösung, Marx’ Stellung
dazu, S. XL-XLVIII; Einfluß der
Transportkosten‘ auf den‘ Waren-
wert, S. 112-113 n; fixes und zirku-
lierendes Kapital, S. 172-184; Ein-
fluß des Umschlags auf Mehrwert-
bildung und Stellung der Ricardo-
schen Schule zu diesem Problem,
S. 248; gesellschaftliche Reproduk-
tion, Auflösung des Warenwerts in
        <pb n="510" />
        ‚e&amp;

Namenregister.
Arbeitslohn und Mehrwert, S. 331-
333; seine Stellung zu Destutt de
Tracy, S. 412. .

Rodbertus-Jagetzow, Karl, deutscher
Staateasozialist, 1805-1875. Marx’
angebliches Plagiat an seiner Mehr-

werttheorie, S, XXXVI-XXXVIII,
XL; Krisentheorie, S. 350 n.

Roscher, Wühelm, deutscher National-
5ökonom, 1817-1894. Revenue als

Quelle des Tauschwerts, S. 316.

Roscoe, Sir Henry Enfield, englischer
Chemiker, 1833-1915. S. XLIV.

Russell, Lord John, englischer Staats-
mann, 1792-1878. Adressat einer
anonymen antikapitalistischen Bro-
achüre, S. XLI.

Say, Jean Baptiste, französischer Na-
tionalökonom, 1767-1832. Handel
and Transportkosten, S. 112-113 n;
Revenue und gesellschaftliches Ge-
samtprodukt, S. 332-333; Verkauf
der Arbeitskraft, S. 377.

Schäffle, Albert Eberhard Friedrich,
deutscher Nationalökonom, 1831—
1903. Von Rodbertus als Plagiator
bezeichnet, S. XXXVI; Verkauf
der Arbeitskraft zu ihrem Wert als
Marxsche „Großmut‘* bezeichnet,
S. 438.

Scheele, Karl Wilhelm, schwedischer
Chemiker, 1742-1786. Entdeckung
des Sauerstoffes, S. XLIV-XLV.

Schorlemmer, Carl, Chemiker, Engels’
Freund, 1834-1892, S. XLIV.

Secrope, George P., englischer Natur-
forscher und —Nationalökonom,
1797-1876. Umschlag des Kapitals,
S. 144-146; Kreditwesen, S. 147.

Senior, Wüliam Nassau, englischer
Nationalökonom, 1790-1864. Ab-
stinenz und Industrie, S. 375.

Sismondi, Jean Charles Leonard Si-
monde de, französischer National-
ökonom und Historiker, 1773-1842,
Krisentheorie, S. XLVI-XLVII;
Rolle des Kaufmannskapitals,
S. 78-79; Vorratbildung, S. 103;
Kapital und Revenue, S. 333; Ver-
kauf der Arbeitskraft, S. 377.

Smith, Adam, englischer Nationalöko-
nom, 1723-1790. Mehrwerttheorie,

457
S. XXXVIL-XLII; Vorratbildung,
S. 103-104; fixes und zirkulierendes
Kapital, S. 127, 147-172, 173, 174,
176, 184; Verwandlung von Geld in
Münze und umgekehrt, S. 292; ge-
zellschaftlicher Reproduktionspro-
zeß, Auflösung des Preises .in
v+m, Kapital! und Revenue,
S. 304-333; variables Kapital ein
Bestandteil des Mehrwerts, S. 348;
Wert des jährlichen Produktes
gleich v + m, S. 363; Konsumenten
zahlen den ganzen Produktenwert,
S. 370-373; das zur Zirkulation der
jährlichen Revenue erforderliche
Geld reicht zur Zirkulation des
gesamten Jahresproduktes hin,
S. 407, 408; von Destutt de Tracy
plagiiert, S. 419; Freihandelsschule,
S. 424.

Yoetbeer, Georg Adolf, deutscher Na-
tionalökonom, 1814-1892. Statistik
der Edelmetallproduktion, S. 402,

Ytein, Lorenz von, deutscher National.
Ökonom, 1815-1890. Fixes und zir-
kulierendes. Kapital, S. 122 n.

Steuart, James, englischer Oekonom,
1712-1780. Mehrwerttheorie, 58.
XXXVIL.

Storch, Heinrich, deutsch-russischer
Nationalökonom, 1766-1835. Zir-
kulation infolge von Spekulationen,
S. 112 n; gesellschaftliches Brutto-
and Nettoprodukt, S. 332-333; ge-
sellschaftliches Kapital und Kon-
Ssumtionsfonde, S. 370-371.

Sturrock, Archibald, englischer Eisen-
bahnbeamter. S. 139.

Thompson, William, englischer Oeko-
nom, 1785-1833. Verwendet Ricar-
dosche Anschauungen im Interesse
des Proletariats, S. XLIII; Verhält-
nis der Akkumulation zu den Pro-
duktivkräften, S. 270-273.

Tooke, Thomas, englischer National-
ökonom, 1774-1858. Zirkulation
äes Kreditgeldes, S. 79; Kapitalist
entzieht der Zirkulation mehr Geld,
als er hineinwirft, S. 277, 278,
405; Zirkulation der Händler unter-
einander und zwischen Händlern
und Konsumenten, S. 407-409.
        <pb n="511" />
        158

Trosne, Guilleaume Francois Le, iran-
zösischer Physiokrat, 1728-1780.
Avances gleich Kapital, S. 148.
149n.

Turgot, Anne- Robert J acques, französi-
scher Physiokrat, 1727-1781. Avan-
bes gleich Kapital, S. 149 n; Geld:
zirkulation und Kapitalzirkulation,
8. 289 n; Avances mit Kapital bei
Pächtern und bei Manufakturisten
identifiziert, S. 304 n.

Register.
Pyler, E. B. Pfeilherstellung des
Wilden ohne Rücksicht auf Zeitauf-
wand, S. 375,

Wayland, Francis, amerikanischer
ODekonom, 1796-1865. Wiederer-
scheinen. des Kapitals durch Wert-
übertragung, S. 182.

Williams, R. P. Verschleiß bei Eisen-
bahnen, S, 129-130, 139, 140.

Zeller, J.S., Herausgeber der Schriften
Rodbertus. S, XXXVI.
        <pb n="512" />
        Sachregister

Advokat: Bereicherung durch Speku-
lationen, S. 264; leistet Dienste,
S. 391; verdient so viel wie Ar-
beiter, S. 443.

Afrika: Sklavenhandel für die Ver-
einigten Staaten, S. 411.

Agrikultur (siehe Landwirtschaft).

Akkumulation: im Kreislauf des Geld.
kapitals eingeschlossen, S. 23; von
Schatzbildung begleitet, S. 48, 53,
36; Goldschatz, S. 48-49; von Geld,
S. 52, 54, 269: Kapitalisation des
Mehrwerte, S. 267; mehrerer Jahre,
S. 269; akkumnulierter Reichtum
gleich Produktivkräfte (Thompson),
S. 270-273; schafft kein neues
Problem der Geldzirkulation, S.291;
teils in Geld, teils in Erweiterung der
Produktion, 58.293; Produktiv.
kräfte ihre Basis, S. 301; Ver
wandlung des Mehrwerts in produk
tives Kapital, S. 420; setzt Ausdeh-.
nung der Produktion voraus, S. 421:
Aenderung der konkreten Verwen-
dung der Mehrarbeit, S. 427 3 die
Triebfeder der kapitalistischen Pro-
duktion, 58.432; Funktionsände-
rung der Elemente der einfachen
Reproduktion, 8.435; Geldquelle
für sie, S. 436; eine Abteilung akku-
muliert für die andere, S. 445.

Aktien: Teil des gesellschaftlichen
Kapitals, S. 65; als Eigentumstitel
auf fixes Kapital, S. 123; Verkauf
drückt auf Geldmarkt, S. 242; Teil
des latenten Geldkapitals, S. 295,

Aktiengesellschaften: im Häuserbau,
S. 189; Beziehungen zum Kredit-
wesen, S. 302; kapitalistische Ge-
sellschaft als Aktiengesellschaft,
8.370; für langatmige Unterneh-
mungen, 5. 409.

Altertum: Kauf und Verkauf an Fest-
tagen, S. 94.

Amerika: Kapitalüberfluß nach Welt-
krieg, S. XXIX; Bürgerkrieg und
indischer Baumwollanbau, S. 104 n:
Baumwolltransport nach England,
S. 106; _Schuhleistenfabrikation,
S. 195; Gold- und Silberproduktion
in Südamerika und den Vereinigten
Staaten, S. 402; Sklaverei, S. 411;
Herabdrückung des Arbeitslohns.
3. 438, 444-445.

Lmortisation: des fixen Kapitals, 8.85:
durch Aufhäufung und Verausga-
bung des Amortisationsfonds ergibt
sich eine ständig wechselnde Pro-
portion zwischen Schatz und in Zir-
kulation befindlichem Geld, 8.141;
des in Sklaven investierten Kapi:
tals. S. 410.

Anarchie: im Kapitalismus, S. 401,

Angebot (siehe Nachfrage).

Antwerpen: Wechselfristen, S. 207.

4pologetiker: S. 176, 376.

Iraber: auf Selbstbedarf gerichtete
Produktion durch Welthandel zer-
stört, S. 14.

irbeit: wertbildende Qualität, S.XLV;
und Arbeitskraft, S. XLVI; besitzt
keinen Wert, S. 8; Art der Ver-
bindung mit den Produktionsmit-
teln. unterscheidet gesellschaftliche
Epochen, S. 14; unproduktive des
kaufmännischen Agenten, S. 95; Ver-
hältnis von Mehrwert zu ihrem Preis
auf Verteilung der Lebensmittel
Zwischen Kapitalisten und Arbeiter
von Einfluß, S. 183; in Industrie-
zweigen, wo Produktion unter-
brochen, zählt unproduktive, aber
unvermeidlich ausgegebene, wie pro-

duktive, S. 197; Verminderung der
        <pb n="513" />
        160

unproduktiven vermindert Wert,
8.197; durch unbezahlte Grund-
eigentum von der Gesellschaft zu-
rückgekauft, S. 300; bei Smith fehlt
Unterscheidung des zwiespältigen
Charakters, S. 320; notwendige und
Mehrarbeit, S, 363; Austausch zwi-
schen diesjähriger und vergangener,
S. 365; Ausdehnung, Produktivität
und Intensität S. 400. .
Arbeiter: I. Band des „Kapital“ liegt
ihm näher als II. und JI1., S. XV;
hät mit Kapitalisten im Zirkulations-
prozeß gewisse gemeinsame Inter.
essen, S. XIX; nicht Eigentümer der
Produktionsmittel, S. 10; selbst Pro.
duktionsmittel, 5.10; freie statt leib-
eigene in Rußland, S. 11; tägliche
Konsumtion Voraussetzung des Ver.
kaufs der Arbeitskraft, S. 13; kauf
männischer, S.95;wird zumMiteigen-
tümer der Maschinen, S. 133; mit
Arbeitsvieh auf eine Stufe gestellt,
S. 172n ; werden zum Teil mit eigenen
inGeld verwandelten Wertprodukten
gezahlt, 5.262; Reservearmee, 5.265;
Ausgangspunkt der Geldzirkulation,
S. 280; nicht Besitzer der Produk-
tionsmittel, S. 285; Geschicklichkeit
kostet den Kapitalisten nichts,
8.300; Arbeitergemeinden als Waren:
Produzenten, S. 329; in den Luxus.
industrien, S. 349; unproduktive.
3. 391, 392.

Arbeitsfonds: als gegebene Größe,
S. 172; Ausdehnung in der Land-
wirtschaft, S. 269.

Arbeitskraft: und Arbeit, S. XLVI:
Verhältnis zu Produktionsmitteln,
8S.5-6; Kauf durch Klassenscheidung
bedingt, S.9; Verkauf als gesell-
schaftliche Erscheinung; S. 10; täg.
liche Konsumtion des Arbeiters
Voraussetzung ihres Verkaufs, 8.13:
nur unter bestimmten gesellschaft.
lichenBedingungen Kapital, 8.14,15 f
für Buchführung, S. 97; für Vorrat-
bildung, S. 100; von Smith in. der

Aufzählung vergessen, 8. 165; Geld-
kapital verwandelt sich nur all-
mählich in sie, S. 218; ihre Rolle im
Zirkulations- und -Produktionspro-

Register.
zeß, S. 322; Kauf und Verkauf be-
ruht auf Verteilung der Produktions-
elemente, S. 328; ihr Wert Teil des
Warenwerts, S. 329.330; ihr Ver-
kauf und Revenue, S. 376.
Lrbeitslohn : durch Geldentwertung ge-
senkt, S. XXV; Rente ein Abzug
(Rodbertus), S.XXXVIII; Ver-
hältnis zum Mehrwert (Ricardo),
S. XL; Preis der Arbeitskraft, 8,8;
in Geld gezahlt, S. 8, 33; Anweisung
auf eigene künftige Arbeit des Ar-
beiters, S, 43; zusammen mit Roh-
Stoffen im wesentlichen zirkulieren-
des Kapital, S. 153; seine Wirkung
auf Preise (Ricardo), S. 172-173;
gleich zirkulierendes Kapital, S. 174;
Vorschuss, S. 174; seine Höhe durch
Verhältnis der Arbeiterzahl zum
gegebenen zirkulierenden Kapital
bestimmt, S. 183; gleich zirkulieren-
des Kapital, S. 184; Geldkapital
verwandelt sich nur allmählich
in Arbeitskraft, S. 218; allgemeine
Steigerung gefolgt von Senkung in-
folge Eisenbahnspekulation, S. 265;
in der ‘ Goldproduktion, S. 274;
Steigerung der Warenpreise, S. 287;
als‘ Bestandteil des Preises bei
Smith, S. 306, 317; variables Ka-
pitalund Revenue,S. 321-322 ;Krisen
in einer Zeit vorbereitet, in der'er
steigt, S. 350; in der Geldzirkulation
spielt das als Arbeitslohn vorge-
schossene Geld eine Hauptrolle,
S. 353; sein Rückfluß Quelle des
Profits (Destutt de Tracy), S. 413;
reicht für Lebensunterhalt des
Arbeiters aus, S, 414; keine Quelle
für Geldakkumulation, S. 437; Her-
abdrückung in den Vereinigten
Staaten und England, S. 437-438,
445; falsche Verwendung, 8. 443.
Arbeitsmarkt: durch Eisenbahnspeku-
Jation beeinflußt, S. 264. ;
Arbeitsmaterial (siehe Rohstoffe).
Arbeitsmittel: ein Teil dient in hinter-
einanderfolgenden Produktionspro-
zessen, S.27; ihre Wertabgabe,
S. 118; ein Teil des vorgeschossenen
Kapitals ist in der durch ihre
Fuuktion im Produktionanrazeß
        <pb n="514" />
        Sachregister.
bestimmte Form fixiert, S. 119; derin
ihnen fixierte Kapitalteil zirkuliert,
S. 119; Rolle ihrer Dauerhaftigkeit,
S. 121; Rolle der lokal fixierten,
8. 123; im wesentlichen - gleich
fxes Kapital, S. 153; von Ricardo
als fixes Kapital dem Arbeitslohn
als zirkulierendes gegenübergestellt,
S. 172-173.

Arbeitsperiode (siehe auch Arbeitszeit):
Aufeinanderfolge von zusammen.
hängenden Arbeitstagen, 58.186;
bei längerer Arbeitsperiode bleibt
das vorgeschossene Kapital länger
in der. Produktionsphäre gebannt
und es müssen ständig neue Vor:
schüsse geleistet werden, 5S. 188:
durch Kooperation, Arbeitsteilung,
Entwicklung der Maschine verkürzt,
S. 190; Auseinanderfallen von Pro-
duktions- und Arbeitsperiode na.
türliche Grundlage der Landwirt-
schaft und Nebenindustrie, S. 196;
lange Arbeitsperiode und große
Differenz zwischen Arbeitszeit und
Produktionszeit in der Landwirt-
schaft, S. 197; Oekonomen suchen
sie mit Produktionszeit zu identi
fizieren, S. 202; kann mit Produk.
tionszeit zusammenfallen, S. 211;
bei Ungleichheit gegenüber der Um-
laufszeit Freisetzung von Kapital,
wenn nicht beide einfache Multipla
voneinander, S. 224, 230,232; von
sachlichen Pro duktionsbedingungen
abhängig, S. 265.

Arbeitsprodukt: Abzüge, S. XLIII.
Arbeitsprogeß: Teil der Produktions-
zeit, 5.87; Suspendierung infolge

natürlicher Vorgänge, S. 87, 194;

Rolle der Produktionsmittel, S. 160

—161; diskret und kontinuierlich,

8. 184.

Arbeitstag: gesellschaftlicher, S. 363,
Arbeitsteilung: durch Warenproduk-
tion bedingt, S. 13; macht eine un-
produktive Funktion nicht produk-
tiv, S. 97; erhöht Produktivkraft,

8.105 ;verkürztArbeitsperiode,S.190

Arbeitsvieh (siehe Vieh). :.
Arbeitszeit (siehe auch Arbeitsperiode):
unter Umständen kleiner als Pro-

461

duktionszeit, S. 87; je mehr sie sich
mit Produktionszeit deckt, um so
größer Produktivität des Kapitals,
8.89; Tendenz, Ueberschuß der
Produktionszeit herabzudrücken,
8.89; in der Landwirtschaft, S. 196;
Verkürzung infolge Rohstoffteue-
tung, S. 212; bei Prosperität
Ausdehnung oder Intensifikation,
5. 212-213; Verkürzung, 8. 444.
Arzt: leistet Dienste, S, 391-392; ver-
dient so viel wie Arbeiter, S. 443.
Askese: dem Kapitalieten von den
Merkantilisten empfohlen, S. 32.
Assekuranz (siehe Versicherung).
Athen: Sklaverei, S. 410.
Australien: Reiseinfuhr aus Indien,
S. 104 n; Goldproduktion, S. 402.
Avances (siehe Vorschüsse).
Banken: Gelddeponierung, S. 86; Ge-
schäft mit China, S. 207; Rückfluß
des Geldes, S. 352; konzentrieren
Potentielles Kapital, S. 424.
Bau (siehe Häuserbau).
Bauern: chinesische, indische (Ryots),
S. 76, Kleinbauern des Kontinents,
8.82; keine Buchführung, S. 97, 99;
Vorratbildung, S. 103; kleine kon-
tinentale Bauern durch Verlänge-
rung des Umschlags beeinflußt,
S. 192; indischer Bauer, S, 192.
Bauernbefreiung: Rußland, S. 11.
Baumwolle: amerikanischer Bürger-
krieg veranlaßt stärkeren Anbau
in Indien, S. 104 n; Vorrat in Eng-
land, S. 106; Verkauf aufs ganze
Jahr verteilt im Gegensatz zu Woll-
auktionen, S. 209; englische Ge-
webe oder Garne nach Indien ex-
portiert, S. 266; Fabriken in den
Vereinigten Staaten, S. 444.
Beamte: Anteil am Mehrwert, S. 359;
leisten Dienste, S. 391.

Bediente: der müßigen Kapitalisten.
S. 4168.

Behar, Landschaft im nördlichen Bri-
tisch-Indien; Hungersnot, S. 104 n.

Belgravia: durch Spekulationsbauten
entstandene Viertel von London,
S. 190. Eye

Bengalen, Landschaft i. nördlichen Bri-
tisch-Indien: Hungersnot, S. 104 n_
        <pb n="515" />
        162
Bergbau: Kontinuität wenig unter
brochen, 8.72; seine Rolle bei
Smith in der Ersetzung des gesell.
schaftlichen Kapitals, S. 168,
Ausdehnung infolge Spekulationen.
S, 264; Sklavenbetrieb, S. 410.

Bevölkerung: Zuwachs und Repro-
duktion, S, 137, 448 ; relative Ueber-
völkerung, 8. 264.

Birmingham: Glastransport, S. 113;
Schlachthäuser, S. 191.

Bleicherei: S. 194; Abkürzung der Pro-
duktionszeit durch moderne Ver-
fahren, S. 195.

Boden: seine Rolle bei Smith in deı
Ersetzung des gesellschaftlichen Ka:
pitals, S. 168; ihm einverleibte Pro:
dukte können nicht exportiert wer-
den, S. 168; müssen im Land als
fixes Kapital dienen, S. 169.

Bodenmeliorationen: .fixes Kapital
8. 120,

Bradford, Sitz der englischen Woll-
weberei: Wechselfristen, S. 207.

Brasilien: Wechselfristen, S. 207.

Brauereien: in großem Umfang nur
in großen Städten möglich, S. 93;
Einfluß der Transportmittel auf
Absatz, S. 206.

Buchführung: erfordert Arbeitskraft
und Arbeitsmittel, S. 97; des Päch-
ters, S. 97; im Mittelalter in der
Landwirtschaft nur in Klöstern,
S.98n; in uralten indischen Ge-
meinwesen, S. 98n; um so notwen-
diger, je mehr Produktionsprozeß
gesellschaftlich, S. 99; über Repa-

raturkosten, S. 135.

Bürgerkrieg: als Folge der Diktatur,
S. XXV; amerikanischer, S. 104 n

Chemie (siehe auch Industrie, chemi
sche): chemische Prozesse unter.
brechen Arbeitsprozeß, 8. 87.

Ohina, Chinesen: auf Selbstbedarf ge-
richtete Produktion durch Welt-
handel zerstört, S. 14; Handwerker
arbeiten auf Bestellung, S. 69; Pro-
dukt der Bauern tritt in den Kreis-
lauf des Kapitals ein, S. 76; Wech-
selfristen, S. 206, 207,

Culture derobee: in Flandern, 8. 198.

Demagog: hetztdenArbeiterauf. S. 444.

Register,
Depositen: als Schatzform, S. 53; zins-
tragende, S. 86; Entziehung drückt
auf Geldmarkt, S. 242; Teil des la-
tenten Geldkapitals, S. 291, 294-295,

Deutschland: Klassenkampf, S. XVI;
deutsch-französischer Krieg 1870/71,
S.XXI; Reparationskohle, S.XXVI;
durch Weltkrieg verkleinert,
S. XXVII; Arbeitsperiode im Ge-
treidebau, 8.196; Silberproduktion,
8. 402.

Dienste: mit Geld gekauft, S. 8; An-
spruch auf Produkt, S. 92; abge-
leitetes Einkommen, 5S.280; aus
dem Mehrwert gezahlt, S. 391.

Differenzgeschäfte: S. 290.

Dishley Grange, Mustergut Bakewells:
S. 193.

Docks: langatmige Unternehmung,
S. 409.

Dorfgemeinde, russische: S, 11.
Drainage: langatmige Unternehmung,
S. 409. »

Dreifelderwirtschaft: S. 198.

Edelmetall (siehe Gold.)

Eisen: Abkürzung der Produktions-
zeit (Bessemer- Statt Puddling-
prozeß), S. 195; als Produktions-
mittel, S. 362,

Wisenbahnen: führen Produktionsver-
schiebungen herbei, .S. XXI;
Berechnung der Transportkosten,
S. 113; verschiedene Lebensdauer
der Elemente des fixen Kapitals,
S.128-129; Grenze zwischen ReparTa-
tur und Ersatz unmöglich zu ziehen,
S. 138-141; Einfluß auf Umschlag,
S. 205; Einfluß der Spekulation auf
Geld- und Arbeitsmarkt, S. 264-265;

langatmige Unternehmung, 8. 409.

England: durch deutsche Reparations-
lieferungen geschädigt, S. XXVI;
Baumwollvorrat, S. 106; indische
und chinesische ‘. Wechselfristen,
8.206; Baumwollgarn: und Gewebe-
export nach Indien, 5S. 266-267;
jährliches Arbeitsprodukt und ak-
kumulierter Reichtum (Thompson),
S. 271; Herabdrückung des Arbeits-
lohnes, S. 438. ,

Ernie (siehe auch Getreide): Einduß
guter und schlechter Ernten auf
        <pb n="516" />
        Sachregister.
geseilschaftlichen Produktionspro-
zeß, S. XXIII; Ausgangspunkt der
Betrachtung im Tableau &amp;cono-
mique, 5. 303.

Ersatz: Grenze zwischen Reparatur und
Ersatz fließend, S. 137; in Land-
wirtechaft und Eisenbahn unmöglich
zu ziehen, S. 138-141.

Europa: nach dem Krieg von Krisen
erschöpft, S. XXIX; überseeische
Wechselfristen, S. 207.

Fabrik: Arbeiter findet sich leichter
zurecht als Intellektueller, S. XV;
Kontinuität wenig unterbrochen.
8. 72.

Fetischismus: S. 182,

Fischerei: ihre Rolle bei Smith in der
Ersetzung des gesellschaftlichen Ka-
pitals, S. 168.

Flandern: Culture derobee, S. 198.

Frais Jjaux: Kauftätigkeit, 8. 95; Er-
haltung der umlaufenden Masse
Goldes und Silbers, 5.100; Zirkula-
tionskosten S. 111: Goldproduktion
in der kapitalistischen Produktion,
S. 292.

Frankfurt: Frieden 1871, setzt Kriegs-
entschädigung fest, S. XXVI.

Frankreich: deutsch - französischer
Krieg 1870/71, S. XXI; deutsche
Reparationslieferungen, S.XXVI.

Freihandelsschule: vor dem Krieg Klein-
staaten freihändlerisch, S. XXVII;
verwechselt Kapitalzirkulation mit
Warenaustausch, S. 424.

Fruchtfolge: 8. 202.

Fruchtwechselwirtschaft: S. 198.

Geistlicher: verdient so viel wie Ar-
beiter, S. 443,

Geld: Theorie bietet dem Arbeiter
Schwierigkeiten, S. XV; übermäßi-
ge Papiergeldausgabe nach dem
Weltkrieg, S.XX-XXI; Entwer-
tung senkt Löhne und erhöht Preise,
S. XXVI; Form des Arbeitslohnes,
S. 8; allgemeine Aequivalentform,
S. 8; mit Geldkapital verwechselt,
S. 10; notwendig zur Zahlung des
Arbeitslohnes, S. 33; notwendig zur
Zahlung der Privatkonsumtion des
Kapitalisten, S. 33; Weltgeld, 8.77;
Metallgeld und Kaufmannskapital,
Das Kanital. IT.

463
8.79; Menge und Zirkulationsge-
schwindigkeit, 8.80; Ersatz des
Materials faux frais, S. 99-100; Auf-
häufung während der Abnützung
des fixen Kapitals, S. 123; fixes Ka-
pital auf einmal vorgeschossen, nur
stückweise zurückerhalten, S. 128;
durch Aufhäufung und Veraus-
gabung des Amortisationsfonds er-
gibt sich eine ständig wechselnde
Proportion zwischen Schatz und
in Zirkulation befindlichem Geld,
8.140-141; Unterschied im Umschlag
zu dem des produktiven Kapitals,
3. 146-147; von Physiokraten bei Be-
trachtung des Umschlags ausge-
schlossen, S. 147; Teil des zirku-
lierenden Kapitals, S. 162, 163;
money at call und money not at call
gleichgesetzt mit fixem und zirku-
lierendem Kapital, S. 184; als Geld-
kapital in der Kaufzeit erforderlich,
S. 208-209; Zuschußkapital muß in
Geldform vorhanden sein, S. 218; bei
Preisfall Abnahme der zirkulieren-
den Menge, S. 237; freigesetztes Ka-
pital kein zuschüssiges Element des
Geldvorrats, S. 240; Akkumulation,
3. 269; Verwandlung des Mehrwerts
aus Ware, S, 273; Masse des um-
laufenden Geldes, 8.273; Ersatz
üdes Verschleißes, S. 274; in. der
Goldproduktion Naturalform des
Mehrwerts und Lohns, S. 274; Vor-
handensein des Mehrwerts ändert
nichts an den Gesetzen der Geld-
zirkulation, 5.277; Frage nach
seiner Herkunft zur Zirkulation
Aes Mehrwerts nur Scheinproblem,
S. 278-280; Kapitalist Ausgangs-
punkt der Zirkulation, S. 280; von
der Kapitalistenklasse zur Reali-
sierung des Mehrwerts in Zirkulation
geworfen,und zwaralsKaufmittel für
individuelle Konsumtion, 5S. 281;
Mehrwert besteht zum Teil in Geld,
S. 284; umlaufende Masse durch
Wechsel der Verteilung des Wert-
produkts nicht beeinflußt, S. 285;
Steigerung der zirkulierenden Masse
infolge Preiserhöhung, S. 288; Kreis-
lauf und Umlauf entgegengesetzte
        <pb n="517" />
        64
Phänomene, S. 288-289; Schatz Vor-
aussetzung der kapitalistischen Pro-
duktionsweise, S. 290; Akkumula-
tion und erweiterte Reproduktion
schaffen kein neues Problem der Zir-
kulation, S. 291; Oekonomisierung
derzirkulierendenMasse, S, 291; Auf.
häufung von Reservefonds, S. 293;
Aufhäufung des Schatzesin Geldform
nie an allen Punkten gleichzeitig,
S. 295; Zirkulation im gesellschaft.
lichen Umsatz, S. 339, 351; Rück.
Auß, S, 341, 351-353; in seiner Zir-
kulation spielt das als Arbeitslohn
vorgeschossene Geld eineHauptrolle,
S. 353; Verkürzung des Umlaufe
bedingt Verringerung der zirku-.
lierenden Masse, S. 356; das von
Kapitalisten selbst in Zirkulation
geworfene versilbert den eigenen
Mehrwert, S. 357; Ansammlung für
Ersatz des fixen Kapitals, S. 385:
Mehrwert in Geld aufgeschatzt,
S; 404; Masse wächst mit Alter der
kapitalistischen Produktion, 8.405;
Zirkulation ändert nichts an Klas-
8enverhältnissen, S. 406; Zirkula-
tion. zwischen Händlern und Kon-
sumenten, S. 407; bei Beginn eines
Geschäfts große Massen in die Zir-
kulation geworfen, S.408; seine
naturwüchsigen Bewegungen Grund.
lage des Kreditsystems, S. 411; das
vorhandene Quantum stets größer
als das in Zirkulation befindliche,
S, 423; Kapitalisten liefern es sich
gegenseitig zur Verwandlung von
Mehrprodukt in zusätzliches Geld.
kapital, S, 429; Quelle für Akku.
mulation, S. 436; Geldraub, 8.438,

Geldfälschung: zur Herabdrückung des
Arbeitslohnes, 8. 437.

Geldhändler: nicht in Betrachtung ein-
bezogen, S. 434.

Feldkapital: Kreislauf, S. 3; erstes
Stadium, 8.4; G-—W funktionell
bestimmter Abschnitt durch Ver-
wandlung in Arbeitskraft und Pro-
duktionsmittel, S.4; Kapital in Geld-
form, 8. 6-7; mit Geld verwechselt,
S. 10; G’.als Abschluß des Kreis-
laufs,  S. 20-21; Kreislauf beginnt

Register,
stets mit G, nie mit G’, S. 22-23;
Kreislauf G—G” schließt Akkumu-
lation, nicht nur Konsumtion ein,
S. 23; Kreislauf verschlingt sich mit
Warenzirkulation, S. 29; Produk-
tionsprozeß scheinbar ein unver-
meidliches Mittelglied, S. 30; Geld-
form des Mehrwerts charakteri-
stisch für seinen Kreislauf, S. 31; in
seinem Kreislauf nur produktive,
nicht individuelle Konsumtion ein-
geschlossen, S. 31; sein Kreislauf
Charakteristische Form für neu auf-
tretende Kapitale, S. 33; sein illu-
sorischer Charakter, S. 34; Geldaus-
druck vergangener Arbeit, S.42;
Schatz als seine Funktion, 8.47;
latentes, S. 48, 53; durch Wert-
wechsel gebunden und freigesetzt,
S. 74-75; desgleichen infolge ver-
änderter Geschwindigkeit des Zir-
kulationsprozesses, S. 76; Qualitäts-
unterschiede im Umschlag zwischen
fixem und zirkulierendem Kapital
nur in seinem Kreislauf in quanti-
tative umzuwandeln, S. 142; in.der
Kaufzeit erforderlich; . 5.209; für
Arbeitslohn verwandelt es sich nur
allmählich in Arbeitskraft, S. 218;
seine Bedeutung übersehen, S. 220;
freigesetztes Kapital zum großen
Teil in Form von Geldkapital,
8.233; Plethora infolge Kontraktion
der Umschlagszeit, S. 235; Bildung
bei Preisfall, S. 238; fällt bei kom-
munistischer Organisation der Ge-
sellschaft fort, S. 264; Akkumu-
lation und Kreditsystem, .S. 269;
latentes, S, 294; Rolle im gesell-
schaftlichen Reproduktionsprozeß,
S. 299; Stufenleiter der kapitalisti-
schen Produktion hängt nicht ab
vom Umfang des fungierenden Geld-
kapitals, S. 299-300; Zentralisation,
S. 301; bei Betrachtung der gesell-
schaftlichen Produktion auszuschal-
ten, S. 302; industrielles Kapital,
8.352; Handelskapital, S. 359; vari-
ables Kapital, S. 376; Suspendierung
fürErsatz des fixen Kapitals, S. 385;
Form, in der variables‘ Kapital
Vorgeschossen. 8. 410: in der Sıla.
        <pb n="518" />
        Sachregister.
verei Geldform des fixen Kapitals,
S. 410; potentielles, S. 421; Bildung
von zusätzlichem steht in keinem
ursächlichen Zusammenhang mit
Edelmetallvorrat, S.428; Ueber.
produktion bei Fullarton, S. 428;
Unproduktivität des aufgeschatzten
als Wurzel des Kreditsystems,
S. 428; Segmentation, S. 428; Kapi-
talisten liefern sich gegenseitig Geld
zur Verwandlung von Mehrprodukt
in zusätzliches, S. 429; Arbeitslohn
keine Quelle, S. 437; Festlegung des
. virtuellen im Kreditsystem, S. 446:
Geldmarkt: dem Arbeiter fremd, S.XV;
Druck infolge Verlängerung des
Umechlags, S. 235, 242; Druck bei
Preissteigerung, S. 238; Einfluß
der Eisenbahnspekulation, 8.264;
scheinbare Krise drückt Anomalien
des Produktionsprozesses aus, 5.267 ;
Einfluß ausgedehnter Operationen,
8, 302,
Geldwirtschaft: im Gegensatz zur Nat.
ral- und Kreditwirtschaft, 8.82.
Gemeinde: als Ausführerin. großer Ar-
beiten auf unentwickelter Stufe der
kapitalistischen Produktion, S. 189.
Gemeineigentum: an Grund und Boden,
S. 11.

Gemeinwesen, primitive: ihre Grund:
lage Naturalwirtschaft, S. 410.

Genua: Kredittermine, S. 206. ;

Gerberei: Arbeitsprozeß unterbrochen.

S. 87; Abkürzung der Produktions-
zeit durch moderne Verfahren, 8.195.

Gesamtprozeß: Einheit von Zirkula-
tions- und Produktionsprozeß, S. 67;
stets kontinuierlich, Prozeß des indi-
viduellen Kapitalisten stellenweise
unterbrochen, S. 72; umschließt
produktive wie individuelle Kon-
sumtion nebst den entsprechenden
Formverwandlungen (Austauschen),
8.297.

Gesellschaft: Verkauf der Arbeits.
kraft als gesellschaftliche Erschei.
nung, S. 10; Epochen durch Art der
Verbindung zwischen Arbeit und
Produktionsmitteln unterschieden,
S. 14; gesellschaftliches Kapital
schließt Aktien- und Staatskapital

465

ein, S. 65; Verschwendung von Pro-
Juktionskräften, da Erweiterung
der Produktion nicht nach ihrem
Plan erfolgt, S. 132; Reichtum von
Smith eingeteilt in Konsumtions-
fonds, fixes und zirkulierendes Ka-
pital, S. 166; alle Kapitale nach
Smith durch Produkte von Grund
and Boden, Bergwerken und Fische-
rei ersetzt, S. 168; bei kommuni-
3tischer Organisation Fortfall des
Geldkapitals, S. 264; bei kommu-
nistischer Organisation Voraus-
derechnung, bei kapitalistischer
Störungen, S. 264; Grundeigentum
durch unbezahlte Arbeit von ihr
zurückgekauft, S. 300; gesellschaft-
liche Produktion, S. 302, 386; Ka-
pital und Revenue, S. 312-313; kon-
stantes Kapital, S. 326-327; gesell-
schaftliche und kapitalistische Pro-
duktion, S. 362; Unterschiede in der
individuellen und gesellschaftlichen
Betrachtung der Produktion, 5.364;
kapitalistische Gesellschaft als Ak-
tiengesellschaft, S. 370; Kontrolle
über die Produktion, S. 401.
Getreide: Aussaat und Produkt, 8. 27;
Arbeitsprozeß unterbrochen, 8. 87;
Aufspeicherung in Indien, S.104'n;
bei Smith fixes Kapital, S. 159; Win:
terkorn, S. 194; Anbau in Deutsch.
land und Rußland, S. 196; als Pro-
duktionsmittel, S. 362.
Gewerkschaften: Rolle bei Lohner-
höhungen, 8. 287. .
7old: Akkumulation und Goldschatz,
8.48.49; im Kapitalismus nimmt
die Masse des als Zirkulationsmittel,
Schatz ete. dienenden Goldes zu-
S. 99; dieses ist unproduktiv, S. 99;
seine Erhaltung faux frais, S. 100;
Export,S.266; akkumulierterSchatz,
S. 270; Zufuhr im 16. Jahrhun-
dert, S. 290; Ersetzung in .der
Zirkulation Vermehrung des gesell-
schaftlichen Reichtums, S. 292; ka.
pitalistische Produktion nur mit
metallischer Zirkulation unmöglich,
S. 292; jährliche “Reproduktion,
8. 402; relativer Zuwachs bei ent-
wickelter kapitalistischer Wirtschaft
        <pb n="519" />
        166

immer kleiner, S. 405; Goldzirkula-
tion, S. 409; Vorrat steht in keinem
ursächlichen Zusammenhang mit
Bildung von zusätzlichem Geldkapi-
tal, S. 428; Metallzirkulation als
Grundlage des Kreditsystems, S.430.

Goldproduktion: ihre Formel, 8.25;
ähnlich wie die der Transportindu-
strie, S. 28; Gold Naturalform des
Mehrwerts und Lohns, S. 274; Kreis-
lauf des Kapitals, S. 275; faux fraie
der kapitalistischen Produktion,
S. 292; variables Kapital, S. 383; in
verschiedenen Ländern, S. 402; ge.
hört zur Abteilung I, S. 403; varia
bles Kapital, S. 404; Rolle in der
Schatzbildung, S. 449.

Griechenland: Sklaverei, S. 410,

Grundbesitz: in Rußland, Bauernbefrei
ung, S. 11; Anteil am Mehrwert.
S. 359,

Grundeigentum: von Gesellschaft durch
unbezahlte Arbeit zurückgekauft.
S. 300.

Arundrente: Rodbertus’ Theorie,
S. XXXVIII; Grundlage der Kon-
sumtion von müßigen Kapitalisten.
S, 416.

Grundstücke: Pacht, S. 132; Zirku:
Jation, S. 409.

Guthaben : S. 53.

Handel: Vorbedingung für kapitalisti-
sche Produktion, S. 11, 32; auswär-
tiger, S. 67; unproduktiv (Physio-
kraten), S. 95; überseeischer, S. 206:
auswärtiger, S. 399, 401, 402.

Handelsbilang: englisch-indische, 5.267.

Handelskapital (siehe Kaufmannskapi-
tal).

Handwerk: chinesischer Handwerker
arbeitet auf Bestellung, S. 69; ge-
ringe Bedeutung der Buchführung,
S. 99.

Hausbesitzer: von Arbeiter bezahlt,
S. 392; Kapitalist als Hausbesitzer.
S. 444,

Häuser, Häuserbau: in London, 8. 39;
Unterschied zwischen gelegentlichen
und substantiellen Reparaturen,
8.136; Vorschüsse an Bauunterneh-
men, S, 189; in London, S, 189;
Spekulationsbauten für den Markt,

Register.
S. 189; Geldbeschaffung durch Hy-
potheken, S. 190; städtische, S.409;
Zirkulation, S. 409; Zins und Er-
satz, S. 410,

Hausindustrie: in Rußland, unterliegt
kapitalistischen Einflüssen, S. 196;
Auseinanderfallen von Produktions-
und Arbeitsperiode natürliche
Grundlage der Landwirtschaft mit
Hausindustrie,S.196 ;fürKapitalAn-
haltspunkt zum Eindringen, S. 196.

Heringsfang: Saisongewerbe, S. 72.

Hilfsstoffe: ihre Stellung zu fixem und
zirkulierendem Kapital, S. 119-120.

Holländisch-Ostindien: S. 76. .

Holz: Produktion, S. 194, 199; Zir-
kulation, S. 409.

Hörigkeit: beruht auf Naturalwirt-
schaft, S. 410.

Hypotheken: zur Geldbeschaffung für
Spekulationsbauten, S. 190.

Inder, Indien: auf Selbstbedarf ge-
richtete Produktion durch Welt-
handel zerstört, S. 14; Ryots, Hol-
ländisch-Ostindien, Produkt tritt in
den Kreislauf des Kapitals ein, S.76;
Buchführung in uralten Gemeinden,
S. 98n; Krisen infolge Formver-
wandlung des Vorrats, S. 104n;
Hungersnot bei großem Viehstand,
5.192; Vorschriften des indischen
Gesetzes, S. 193; englisch-indische
Wechselfristen, S. 206, 207; Import
englischer Baumwollgarne und
Baumwollgewebe, S. 266-267. .

Industrie: chemische, Roh- und Hilfs-
stoffe, S. 120; Landwirtschaft von
ihr abhängig (Hodgskin), S. 197 bis
198; in der extraktiven Arbeits-
periode von der gesellschaftlichen
Entwicklung abhängig, S. 265.

Inkastaat: vollständige Naturalwirt-
schaft, S. 82; Transport, aber keine
Warenzirkulation, S. 112.

Irland: jährliches Arbeitsprodukt und
akkumulierter Reichtum (Thomp-
son), S. 271.

Malien: Besetzung der Fabriken im
Jahre 1920, S. XVII.

Jägervölker, halbwilde: ihr Produkt
tritt in den Kreislauf des Kapitals
ein. SS. 76.
        <pb n="520" />
        Sachregister.
Jute: vermehrter Anbau infolge
des amerikanischen Bürgerkrieges,
S. 104 n.

Kaffee: Einfuhr während Spekula-
tionen, S. 264.

Kalkutta: Fahrtdauer, 8. 207.

Kaluga: Hausindustrie, S. 196.

Kandle: langatmige Unternehmungen,
S. 409.

Kap der Guten Hoffnung: Fahrtdauer,
S. 207.

Kapital: Surplusprodukt, S. XLI;
unter bestimmten gesellschaftlichen
Bedingungen Arbeitskraft und Pro-
duktionsmittel, S. 15; Verwertung
schließt wachsenden Konsum des
Kapitalisten ein, S.40; kann in Geld-
form länger ausharren als in Waren-
form, S, 44; Minimalgröße des neu
anzulegenden Kapitals von tech.
nischen Vorbedingungen abhängig,
8. 52; Ersatz seiner Elemente durch
gsukzessiven Verkauf der Produkte,
S. 58; gesellschaftliches, S. 65; be-
findet sich gleichzeitig und neben.
einander in den verschiedenen Pha-
sen des Kreislaufs, S. 71; kann nur
als Bewegung begriffen werden, S. 72;
durch Kreditwesen Geld in Kapital
verwandelt, S. 141; gleich Vor-
schüsse, S. 148.149n; Eigenschaft
kommt den Dingen nicht als solchen,

sondern nur unter bestimmten Um-
ständen zu (Smith), S. 161; alle Ka-
pitale der Gesellschaft nach Smith
durch die Produkte von Grund und
Boden, Bergwerken und Fischerei er-
setzt, S. 168; Unternehmungen mit
großem Aufwand auf unentwickelter
Stufe des Kapitalismus auf Ge.
meinde- oder Staatskosten oder mit
Zwangsarbeit gebaut, S, 189; vor.
geschossenes wächst meist gleich.
zeitig mit fixem, S. 190; Konzen-
tration durch Kredit gefördert,
S. 191; dringt in Hausindustrie ein,
S. 196; als Waldzerstörer, S. 199;
Konzentration infolge besserer
Transportmittel, S. 205; Oekono-
men übersehen seinen Formwechsel,
S. 211; Einfluß des Umachlags auf
seine Verwertung, S. 211; Normal-

467

minimum der Anlage, S. 212; bei
Zuschüssen Kontinuität nicht unter-
brochen, S. 214; Durchkreuzung des
ursprünglichen und des zuschüssigen
Teils, S. 214; Größe des Zusatzes
durch Verhältnis von Umlaufszeit zur
Umeschlagszeit bestimmt, S. 216-217;
Masse durch Zahl der Umschläge er-
setzt, S. 217; muß in Geldform vor-
handen sein, S. 217-218; Umschlag
des Gesamtkapitals gleich Summe
dervonKapitalIundII umgeschlage-
nen Beträge dividiert durch I + II,
S. 223; Umschlagszahl des gesell-
schaftlichen Gesamtkapitals gleich
Summe des in den verschiedenen
Produktionssphären umgeschlage-
nen, dividiert durch Summe des
vorgeschossenen, S. 223; bei Un-
gleichheit der Arbeits- und Zir-
kulationsperiode Freisetzung, wenn
nicht die beiden Perioden einfache
Multipla voneinander, S. 224, 230,
232; Freisetzung die Regel, S. 232;
Größe des freigesetzten wächst
mit kapitalistischer Entwicklung,
S. 232; Ireigesetztes zum großen
Teil Form von Geldkapital, S. 2838;
Grundlage des Kreditsystems, S.234:
bei Preiswechsel Bindung oder Frei-
setzung, S. 238; freigesetztes kein
zuschüssiges Element des Geld.
vorrats, S. 240; Natur des Vor-
schusses, S. 257; in Abteilung A des
gesellschaftlichen Kapitals Arbeiter
mit eigenem in Geld verwandelten
Wertprodukt bezahlt, sub B nicht.
S. 262; Teil des ursprünglich vor-
geschossenen kann kapitalisierter
Mehrwert sein, S. 268; Avances,
8S.304n; und Revenue in der gesell-
schaftlichen Produktion, S. 312-313;
Erscheinungsform der Bestandteile
des individuellen, verschieden von
dem der Gesellschaft, 5S. 313;
Verwandlung von potentiellem in
Produktionsmittel, S. 423; Konzen-
tration des potentiellen, S. 424; dis-
ponibles, S. 424,
Kapital, fixes: Umschlag, S. 85; Wert
bleibt während der Funktionsdauer
in ihm fixiert, S, 119; Teil des
        <pb n="521" />
        168
konstanten, S.119; seine Eigenschaft
gilenurfürArbeitsprozeß, S.120-121;
Fixität wächst mit Dauerhaftigkeit
der Arbeitsmittel, S. 121; Ver.
wechslung mit konstantem, S. 121
—122; 'stoffliche Eigenschaften
zu seinen Eigenschaften gemacht,
5.122; Rolle der lokal fixierten
Arbeitsmittel, S. 123; neben den
Arbeitsmitteln häuft sich infolge der
eigentümlichen Zirkulation Geld
auf, S. 123-124; Formbestimmtheit
entspringt nur dem produktiven,
nur aus Umschlag, nicht aus Ver.
wertungsprozeß, 58. 126-127, 156:
auf einmal in Geld vorgeschossen,
nur stückweise Zzurückerhalten,
S. 127-128; verschiedene Lebens-
dauerder Elemente bei Eisenbahnen,
S. 128-129; verschiedener Ersatz
(stückweise und auf einmal), S. 131;
erweiterte Reproduktion im Lauf
der Erneuerung, S. 131; seine Er-
haltung durch Arbeitsprozeß, 8.132;
seine Instandhaltung, S. 133; das
darin angelegte Kapital gehört zum
zirkulierenden, 5.133; Repara-
turen verteilen sich verschieden auf
seine Lebenszeit, S. 134; das in
Reparaturen angelegte Kapital eher
zirkulierend. als fix, S. 135; quali-
Stative Unterschiede gegenüber dem
zirkulierenden in quantitative um-
zuwandeln, nur im Kreislauf des
Geldkapitals möglich, S. 142; trotz
langsamen Umschlags des fixen
kann infolge des raschen Umschlags
des zirkulierenden das im Lauf des
Jahres umgeschlagene Kapital
größer als das vorgeschossene sein,
S. 143; Zusammenhang zwischen
seinem Lebenszyklus und Krisen,
S. 144; Physiokraten, S. 147; bei
Smith einziger Fortschritt Verall
gemeinerung der Kategorien, S. 148
im wesentlichen gleich Arbeits.
mittel, S. 153; mit konstantem ver-
wechselt, 5.158; Teildesgesellschaft-
lichen Reichtums (Smith), S. 166;
stammt aus zirkulierendem, S. 167;
besondere Rolle des dem Boden ein-
verleibten Kapitals. SS. 168.169:

Register.
Ricardo führt Unterschied zu zir-
kulierendem nur auf verschiedene
Dauerhaftigkeit zurück, S. 172, 177;
Smithsche Konfusion von späteren
Oekonomen übernommen, S. 176;
Unterschied zum zirkulierenden bei
Ricardo „un wesentliche Einteilung“
S. 180; gleich produktives Kapital,
S. 184; gleich konstantes Kapital
S. 184; gleich money not at call,
S. 184; praktischer Unterschied zu
zirkulierendem, S. 187; wächst meist
gleichzeitig mit vorgeschossenem,
S. 190; Wirkung verzögerten Rück-
Ausses, S. 192; Beschränkung der
Produktion, S. 212; Zuschußkapital
für Reparaturen, S. 268; von der
Nettorevenue auszuschließen, 8.308
—309; seine Reproduktion, .S. 384;
Krise bei einfacher Reproduktion
infolge Verschiebung in seinem Er-
satz, S. 400; relative Ueberpro-
duktion, S. 401; Geld zu seinem
Ankauf auf einmal in Zirkulation
geworfen, S. 408-409; seine Rolle
in der Akkumulation, S, 449.

Kapital, flüssiges (siehe Kapital, zirku-
lierendes).

Kapital, industrielles: Geld-, Waren-
und produktives Kapital, seine drei
verschiedenen Formen, S. 26; schließt
Klassengegensatz zwischen Kapita-
listen und Arbeiter ein, S. 29; wälzt
Gesellschaft um, S. 29; ordnet sich
Geld- und Warenkapital unter 8.29;
befindet sich gleichzeitig in allen
drei Kreislaufstadien, S. 68; Teilung
in bestimmten Verhältnissen durch
Kontinuität bedingt, S. 70; Unter-
schied zwischen jährlichen und ur-
sprünglichen Vorschüssen von spä-
teren  Physiokraten darauf über-
tragen, S. 147; Pächterkapital sein
Repräsentant, S. 304; Geld- und
industrielles Kapital, S. 352.

Kapital, konstantes: dient zum Teil in
wiederholten Arbeitsprozessen;S.27;
fixes Kapital bildet einen Teil von
ihm, S. 119; verwechselt mit fixem
Kapital, S. 121-122, 158, 184; zirku-
lierendes mit variablem zusammen-
gehörig, S. 125: durch identisches
        <pb n="522" />
        Sachregister. ;
Verhalten des variablen Kapitals
und der zirkulierenden Teile des kon-
stanten Kapitals im Umschlag der
Unterschied in der Verwertung ver.
steckt, S. 158, 175; verschiedene Zir-
kulation des variablen und konstan.
ten zirkulierenden Kapitals, S. 245;
neues bei einfacher Reproduktion
produziert, S.313, 364; in der gesell-
schaftlichen Produktion, S.326-327;
in beiden Abteilungen der gesell-
schaftlichen Produktion, S. 337; in
Abteilung I, S. 360.

Kapital, produktives: schafft Wert und
Mehrwert, S.6; seine Funktion,
5.12; seine Formel, S. 35: sein
Kreislauf bedeutet Reproduktion,
S. 35; in seinem Kreislauf G nur ver-
schwindende Form, S. 44; seine ex-
plizite Formel, S. 45; seine Eigen-
schaften nicht aus seiner Existenz
in Produktionsmitteln abzuleiten,
S, 51; P’ wird beim Wiederbeginn
des Kreislaufs zu P, S. 52; sein Kreis-
lauf erscheint der klassischen Oeko-
nomie als charakteristischer des
industriellen Kapitals, S. 55; Ver-
wandlung in Warenkapital nicht nur
Resultat des Stellenwechsels, son-
lern wirkliche Verwandlung. von
Wert und Gebrauchswert in der
Produktion, S. 63; Entwertung oder
Höherbewertung durch Wertwechsel,
5. 75-76; latentes bildet brachliegen-
les Kapital, S. 87-88; Produktivität
wächst, je mehr sich Arbeits- und
Produktionszeit decken, S. 89; als
Vorrat, S. 103; Transportindustrie
eigene Anlagesphäre,. S. 114; fixes
und zirkulierendes Kapital ent-
springen nur aus ihm, S. 127, 153;
Unterschied im Umschlag zu dem des
Geldes, S, 146-147; Smith verwech-
selt seine Teilung mit Anlagesphären
des Kapitals, S. 149; gleich fixes Ka-
pital, S. 184; Vorrat potentiell pro-

duktives Kapital, S. 200-201; Masse
des fungierenden bestimmt durch
Verhältnis der Umlaufezeit zur Um-
schlagszeit, S. 222; Akkumulation
durch Verwandlung von Mehrwert in
produktives Kapital bewerkstelligt,

469
S. 420; je größer es ist, desto größer
das Mehrprodukt, S. 428. ;
Kapital, variables: verwechselt mit
zirkulierendem, S, 121-122, 158,
184; mit zirkulierendem konstanten
zusammengehörig, 5S.125;. durch
;dentisches Verhalten des variablen
and der zirkulierenden Teile des
constanten Kapitals im Umschlag
ler Unterschied in der Verwertung
verdeckt, S. 158, 175; seine Rolle
verwischt, S. 170; bei Ricardo gleich
zirkulierendes Kapital, S. 172:173;
verschiedene Zirkulation des varia-
blen und konstanten zirkulierenden
Kapitals, S, 245; nur das im Arbeits-
prozeß wirklich angewandte produ-
ziert Mehrwert, S. 248; und Arbeits-
lohn, S. 321-322; als Teil des jähr-
ich geschaffenen Wertes, S. 326; in
beiden Abteilungen der gesellschaft.
lichen Produktion, S. 336; als Geld-
kapital, S. 376; setzt sich nicht in
Revenue um, S. 383; in der Gold-
produktion, S. 404; in der Form von
Geldkapital vorgeschossen, S. 410.
Kapital, zirkulierendes: Umschlag, 5.85;
alle stofflichen Bestandteile außer
den Arbeitsmitteln, S. 119; Hilfs-
stoffe, S. 120; verwechselt mit varia-
blem, S. 121-122, 158; variables mit
zirkulierendem konstanten zusam-
nengehörig, S. 125; sein Vorschuß
in kürzeren Zeitabständen, 8.126;
Formbestimmtheit entspringt : nur
dem produktiven Kapital, nur aus
Umschlag, nicht aus Verwertungs-
prozeß, S. 126-127, 153; mit Zirku-
lationskapital verwechselt, S. 127;
seine Elemente im kontinuierlichen
Produktionsprozeß fixiert wie fixes,
jedoch stets neue Exemplare : der-
selben Gattung, S. 128; das zur
Instandhaltung des fixen Kapitals
angelegte Kapital gehört zum zirku-
üerenden, S. 133 ; das in Reparaturen
angelegte Kapitaleher zirkulierendes
als fixes, S. 135; qualitativer Unter-
schied im Umschlag gegenüber dem
fixen inquantitativen umzuwandeln,
dies nur im Kreislauf des Geld-
kapitals möglich, S. 142; trotz des
        <pb n="523" />
        470
langsamen Umschlags desfixen Kapi
tals kann infolge des raschen Um-
schlags des zirkulierenden das im
Laufe des Jahres umgeschlagene
Kapitalgrößerals das vorgeschossene
sein, S.143; Physiokraten, S.147; bei
Smith einziger Fortschritt Verall-
gemeinerung der Kategorien, S.148.:
Kaufmannskapital als Beispiel,
S. 149-150; von Smith mit Zirkula-
tionskapital verwechselt, S. 151; im
wesentlichen gleich Arbeitslöhnen
plus Rohstoffe, S. 153; durch iden.
tisches Verhalten des variablen und
der zirkulierenden Teile des kon-
stanten Kapitals im Umschlag Un.
berschied in der Verwertung ver
deckt, S. 158; Geld ein Teil, S. 162,
163; Teil des gesellschaftlichen
Reichtums bei Smith, S. 166; Quelle
des fixen, S. 167; Lebensmittel des
Arbeiters, S. 170; mit ihnen gleich
gestellt, S. 172; Ricardo führt Un-
terschied zu fixem auf verschiedene
Dauerhaftigkeit zurück, S. 172,
177; gleich Arbeitslohn bei Ricardo,
S. 172.173; gleich variables Kapital
bei Ricardo, S. 173; diese fallen vom
Standpunkt der fertigen Phänomene
zusammen, 5. 173; bei Ricardo ver
schwinden Arbeitsmaterialien ganz,
S. 174; Smithsche Konfusion von
späteren Oekonomen übernommen,
3.176; Unterschied zu fixem bei
Ricardo „un wesentlicheEinteilung“‘,
S. 180; Verhältnis der Arbeiterzahl
zu gegebenem zirkulierenden Ka-
pital bestimmt Lohnhöhe, S. 183;
gleich Warenkapital, S. 184; gleich
Arbeitslohn, S. 184; gleich money at
call, S. 184; praktischer Unterschied
zu fixem, 5.187; Wirkung verzöger-
ten Kapitalrückflusses, S. 192; un-
gleichmäßige Verteilung der Auslage,
S. 197; Methode, Kapitalauslagen
gleichmäßig über das ganze Jahr zu
verteilen, erfordert größeres zirku-
lierendes Kapital, S. 198; Fehlen
führt zur Einschränkung der Produk-
tion, S. 212; falls Verkürzung der
Kapitalanlage unmöglich, Zuschuß
notwendig, S. 213: verschiedene

Register,
Zirkulation des variablen und kon-
stanten Teils, S. 245.
Kapitalismus: Profitstreben und Pri-
vateigentum an Produktionsmitteln,
S. XXIII; kapitalistische Produk-
tion zersetzt auf Selbstbedarf
gerichtete, S. 13; Kapitalistische
Warenproduktion wird ‚allgemeine
Form der Warenproduktion, 8. 14;
kapitalistische Produktion über-
gipfelt alle früheren Epochen, S. 14;
in der kapitalistischen Produktion
jede Ware Warenkapital, S. 64; auf
unentwickelter Stufe große Arbeiten
auf öffentliche Kosten oder mit
Zwangsarbeit ausgeführt, 5S. 189;
bei kapitalistischer Organisation Stö-
rungen, bei kommunistischer Vor-
ausberechnung, S. 264; Bildung des
Goldschatzes im 16. Jahrhundert,
S. 290; gesellschaftliche und kapita-
listische Produktion, S. 362; kapi-
talistische Gesellschaft als Aktien-
gesellschaft, S. 370; Ueberschüsse
Uebel der kapitalistischen Produk-
tion, 5.401; anarchische Elemente,
S.401; Gleichgewicht der kapita-
listischen Produktion, Zufall, S. 425;
Akkumulation ihre Triebfeder,
8. 432,
Kapitalist: hat mit Arbeiter im Zirku-
lationsprozeß gewisse gemeinsame
Interessen, S.XIX;. Geldentwer-
tung vorteilhaft für manche Kapi-
talisten, S. XXVI; Regierungen als
Kapitalisten, S.65; jeder indu-
strielle Kapitalist Kaufmann, S. 77;
Kauf und Verkauf seine Haupt-
tätigkeit, S. 95; Ausgangspunkt der
Geldzirkulation, S. 280; Industri-
eller teilt Mehrwert mit andern Per-
sonen, S, 281; wirft Geld zur Reali-
sierung des Mehrwerts in Zirku-
lation, und zwar als Kaufmittel für
individuelle Konsumtion, S. 281;
Mehrwert befindet sich zuerst in der
Hand des Industriellen, S. 359; ver-
kaufen aneinander über den Wert
(Destutt de Tracy), S. 412; machen
Profit durch Rückfluß des Arbeits-
lohnes (Destutt de Tracy), S. 413;
Verkauf an müßigye ale Proftauelle
        <pb n="524" />
        Sachregister.
(Destutt de Tracy), S. 416; als
Häuservermieter, S. 444.

Kauf: Teil der Umlaufszeit, S. 91;
dauert gewöhnlich kürzer als Ver-
kauf, S. 91; Tantieme der Ein-
käufer, S.91; Kaufzeit schafft
keinen Wert, S. 94; Funktion wird
jurch Uebertragung an Kaufmann
nicht produktiv, S. 95; Kauftätig-
keit gehört zu den faux Irais, S, 95;
Kaufzeit erfordert Geld als Geld-
kapital, S. 208-209; Kauftermine
und Spekulation, S. 209,

Kaufmann: einziger Käufer für Massen-
produktion, 5. 46; beim Verkauf an
ihn geht Zirkulation des einzelnen
Kapitalisten scheinbar ungestört
weiter, S.46; jeder industrielle
Kapitalist Kaufmann, 5.77; Kaufs-
und Verkaufsfunktion wird durch
Uebertragung an ihn nicht produk-
tiv, 5.95; Arbeit seiner Agenten
kann, obwohl unproduktiv, Mehr
arbeit sein, S. 96; dringt in Hausin
dustrie ein, 5.196; Vermittler, S.391.

Kaufmannskapital: umfaßt Waren aller
Produktionsweisen, 5.77; seine Rolle
bei Sismondi, 5.78; Metallgeld, 8.79;
modifiziert Umschlag,S.147; Beispiel
bei Smith für zirkulierendes Kapital,
S. 149; Gegensatz zu Geldkapital,
S. 359.

Kirchenväter: predigen Askese, S. 32,

Klassen: Klassenkampf dem Prole-
tariat durch ökonomische Verhält-
nisse aufgedrängt, S.XV, XVI; durch
Weltkrieg in ein neues Stadium ge-
bracht, S.XVI; ihre Scheidung Vor-
aussetzung des Kaufes der Arbeits.
kraft, S. 9; Gegensatz zwischen Ar-
beiter und Kapitalisten im Dasein
des industriellen Kapitals einge-
schlossen, 5.29; Zirkulation zwischen
ihnenimTableau &amp;conomique, S. 303.

Kleinhandel: vermittelt Konsumtion
des Kapitalisten, S. 33.

Klöster: im Mittelalter Buchführung
in der Landwirtschaft nur in den
Klöstern, S. 98 n.

Kommunikation (siehe Transport).

Kommunismus: Owen stützt sich auf
Ricardo, S.XLIII: bei kommu-

471

nistischer Organisation der Gesell-
schaft fällt Geldkapital fort, S. 264;
bei kommunistischer Organisation
Vorausberechnung, S. 264.

Konjunktur: beeinflußt Umlaufszeit,
S. 266.

Konsumtion: tägliche des Arbeiters
Voraussetzung des Verkaufs der
Arbeitskraft, S.13; im Kreislauf des
Geldkapitals erscheint nur produk-
tive, S. 31; des Kapitalisten durch
Geld vermittelt, S. 833; Verwertung
des Kapitals schließt wachsende
Konsumtion des Kapitalisten ein,
S. 40; produktive, S. 45, 61; indi-
viduelle und produktive vom Kreis-
lauf des Warenkapitals umschlossen,
S. 61, 66; durch Ortsveränderung be-
dingt, S. 112; mangelnde Konsum-
kraft und relative Ueberproduktion
als Krisenursachen, S. 265 n; indi-
viduele und produktive, 8.268;
Geld als Kaufmittel für individuelle
von Kapitalistenklasse in Zirkula-
tion. geworfen, S. 281; Krise und
Luxus, S, 349; Erklärung der Krisen
aus Mangel an zahlungsfähiger Kon-
sumtion eine Tautologie, S. 350;
Konsumenten zahlen nach Smith
den gesamten Produktenwert, 8.371:
Ueberproduktion und Unterkon-
sumtion, S, 432,

Konsumtionsfonds: und Vorrat, S. 103,
110; Teil des gesellschaftlichen
Reichtums bei Smith, S. 166; für
Kapitalismus notwendig, S. 434..

Konsumtionsmittel: Produktion, S. 309.
311; bilden Kapital für Kapitalisten,
aber Revenue für Gesellschaft,
35. 312-313; und Produktionsmittel,
S. 336; Austausch von I (v+m)
gegen IIc, S. 339; notwendige und
Luxus, S, 343; ihr Wert gleich jähr-
lichem Wertprodukt, 8, 363.

Kontinwität: durch Kriegunterbrochen,
S.XXII, XXIV ; hält Proportionali-
tät aufrecht, S. XXIII; charak.
teristisches Merkmal der kapitalisti-

schen Produktion, 5.69; bedingt

gewisse Verhältnisse in der Teilung

des industriellen Kapitals, S. 70;

für individuelle Kapitale und
        <pb n="525" />
        472
bestimmte Produktionszweigeunter-
brochen, S. 72; Vorratbildung Be.
dingung, S. 105; 110; durch Kapital-
zuschuß hergestellt, S. 214; eine
Produktivkraft der Arbeit, S. 233,

Kontrolle: der Gesellschaft über die
Produktion, S, 401.

Konzentration: ' des Kapitals durch
Kredit gefördert, verkürzt Um-
schlag, S. 191; der. Produktion und
damit des Kapitals infolge besserer
Transportmittel, S. 205; des poten-
tiellen Kapitals, S. 424.

Kooperation: erhöht Produktivkraft,
S. 105; verkürzt Arbeitsperiode,
S. 190.

Korn (siehe Getreide).

Kostenpreis: S. 286.

Kostroma: Hausindustrie, S. 196.

Kredit, Kreditsystem, Kreditwesen: Frei-
zügigkeit fördert Proportionalität,
8... XXIX; aus Betrachtung aus-
geschlossen, S. 86; Einfluß auf Vor.
ratbildung, S. 106; Schatz in Ka-
pital verwandelt, S. 141; modifiziert
Umschlag, S. 147; fördert Konzen-
bration des Kapitals und verkürzt
Umschlag, S. 191; Verschiedenheit
des Umschlags materielle Grund.
lage der Kredittermine, S. 206; frei
yesetztes Kapital seine Grundlage,
S. 234; akkumuliertes Geldkapital,
S. 269; Voraussetzung der kapita
listischen Produktion, S. 292; er.
möglicht ausgedehnte Operationen,
5.302; naturwüchsige Geldbewegung

seine Basis, S. 411; Konzentration
des potentiellen Kapitals, 8. 424;
Unproduktivität des aufgeschatzten
Geldkapitals seine Wurzel, S. 428:
metallische Zirkulation seine Grund.
lage, S. 430; als Krisenursache,
S. 430; macht freigesetztes .Geld-
kapital aktiv, S. 446.

Kreditwirtschaft: nur eine Form der
Geldwirtschaft, S. 82.

Kreislauf: Zirkulation, Umlauf, S. 3n;
des Geldkapitals, S.3; Gesamtkreis-
lauf, S, 25; Stockungen, S. 26; des
Geldkapitals verschlingt sich mit
Warenzirkulation, S. 29; Einheit
von Zirkulation und Produktion.

Register,
S. 32; Verschlingungen der Kreis-
läufe, S. 34; des Geldkapitals durch
kapitalistischeProduktionsweiseund
Lohnarbeiterschaft bedingt, S.34,35;
des produktiven Kapitals bedeutet
Reproduktion, S. 35; desgesellschaft-
lichen Kapitals in der Form des
Kreislaufs des Warenkapitals zu be-
trachten, S. 65; sein Prozeß kann
nur als Bewegung begriffen werden,
S. 72; Einfluß von Wertschwankun-
gen, S. 74; Gesamtzeit gleich Um-
laufszeit plus Produktionszeit, 8.87;
von Oekonomen nicht getrennt be-
trachtet, S. 116; als periodischer
Prozeß heißt Umschlag, 8.117; qua-
litativer Unterschied des fixen und
zirkulierenden Kapitalsim Umschlag
nur im Kreislauf des Geldkapitals in
quantitatives umzuwandeln, S. 142;
des Geldesim Gegensatz zum Umlauf,
S. 288-289; der individuellen. Ka-
pitale und des Gesamtkapitals,
8.297; periodisch als ‘Umschlag
betrachtet, S. 298.

Krieg: Weltkrieg hat Klassenkampf in
ein neues Stadium gebracht, S. XVI;
übermäßige : Papiergeldausgabe,
S. XX-XXI; Krisen, S. XXI-XXII,
XXIV; deutsch-französischer von
1870/71, S. XXI; Kriegsentschädi-
gung als Krisenursache, S. XXVI;
als Sklavenlieferant, S. 410.

Krisen: infolge Zirkulationsstörungen,
S. XX; nach dem Weltkriege,
S. XXI-XXII, XXIV-XXV; durch
Geldentwertunggesteigert, S.XXVI;
durch Kartelle und Trusts nicht be-
seitigt, S. XXVIII; Theorie von
Rodbertus und Sismondi, S. XLVI
—XLVII; infolge Stockungen des
Kreislaufs,, auch wenn Kaufmann
Waren abnimmt, S. 46-47; Wert-
verluste, S. 88; Folge der Formver-
wandlung des Vorrats in Indien,
S. 104 n; Zusammenhang mit dem
Lebenszyklus des fixen Kapitals,
S. 144; Wirkung auf Arbeitspro-
dukte, S. 186; Häuserbau, S. 190;
von 1847 beeinflußt englisch-indi-
sche und chinesische Wechselfristen,
S. 206: melancholieche Periode
        <pb n="526" />
        Sachregister.

erzeugt relative Plethora an Geld.
kapital, S. 235; Eisenbahnspekula-
tion, S. 264-265; relative Ueber-
produktion im Verhältnis zur Kon-
sumkraft Ursache, S. 265n; schein.
bare des Geldmarktes drückt Ano-
malien des Produktionsprozesses
aus, S. 267; vermindert Luxus-
konsum, S. 349; ihre Erklärung aus
Mangel an zahlungsfähigem Konsum
eine Tautologie, S. 350; in einer
Zeit vorbereitet, in der der Arbeits-
lohn steigt, S. 350; bei einfacher
Reproduktion infolge Verschiebung
im Ersatz des fixen Kapitals, S.400;
Oekonomie über Krisen, 8. 401;
Kreditsystem als Krisenursache,
8.430; Ueberproduktionund Krisen,

„8. 448,

CLandarbeiter: in Rußland, S. 11; ihre
Lage durch Scheidung von Land.
wirtschaft und Manufaktur ver-
schlechtert, S. 196; Naturalverpfle-
gung, S, 409,

Landwirtschaft: verzehrt Mehrprodukt
teilweise in natura, S. 36; Physio-
kraten, S. 66; Kontinuität unter-
brochen, S. 72; kapitalistische, S.97;
im Mittelalter Buchführung nur in
Klöstern, S. 98n; Rohstoffvorrat,
S. 103-104; Scheidung zwischen Re-
paraturundErsatzunmöglich, 8.138;
Auseinanderfallen von Produktions-
und Arbeitsperiode bildet natürliche
Grundlage der Landwirtschaft mit
Nebenindustrie, S, 196; Scheidung
von Manufaktur, S. 196; hat lange
Arbeitsperioden und große Differenz
zwischen Arbeits- und Produktions-
zeit, S.197; deshalb nach Hodgskin
von der Industrie abhängig, S. 197
bis 198; Culture d6robee, Dreifelder-
wirtschaft, Fruchtwechselwirtschaft,
S. 198; Umschlagszyklus, Frucht-
folge, S, 202; Zusammenhang mit
Pachtzeit, S. 203; Einfluß der Eisen-
bahnspekulation, S. 264; Arbeits-
perioden von der Natur abhängig,
3.265; Ausdehnung des Arbeits-

fonds, S. 269; bei den Physiokraten,
8. 303; verschiedener Arbeitsauf-
wand zu verschiedenen Jahres-

473
zeiten, S. 385, 411; Sklaverei, S.410;
Produkt geht als Rohstoff wieder in
die Produktion ein, S. 448.

ebensmittel: des Arbeiters als zirku.
lierendes Kapital, S. 170; mit zir-
kulierendem Kapital gleichgestellt,
S. 172; Masse, die Arbeiter und Ka-
pitalist dem Markt entziehen, hängt
ab vom Verhältnis des Mehrwerts
zum Preis der Arbeit, S. 183; ver-
mehrte Einfuhr als Folge von Eisen-
bahnspekulation, SS, 264; relative
Ueberproduktion, S. 401.

Leibeigene: in Rußland (siehe dieses),
S. 11, 76; Mehrarbeit, S. 328; Teil
des Hörigkeitssystems, S. 410:

Liverpool: Baumwollhafen, 8. 106;
Schlachthäuser, S. 191; Transport,
S. 205. #

Lohn (siehe Arbeitslohn). ;

Lohnarbeit: durch allgemeine Waren-
produktion bedingt, 8. 13. “a

Lohnarbeiter (siehe Arbeiter). C

London: Baugeschäft, S. 39, 189, 190;
Transport, S. 205; Banken, S. 207;

Wollauktionen, S. 209. ;

Iuxus: Einfuhr infolge Spekulation,
S. 264; Verschiebung des Konsums
zwischen Arbeiter und Kapitalisten,
S. 286; Konsumtionsmittel, S. 343;
durch Krisen Konsum vermindert,
8. 349.

Madagaskar: Reiseinfuhr aus Indien,
S. 104n.

Madras, Landschaft im südöstlichen
Indien: Hungersnot, S. 193.
Manchester: Baumwollverbrauchszen-
trum, S. 106; Schlachthäuser, S. 191;
Transport, S. 205; Wechselfristen,

S. 207.

Yanufaktur: Scheidung von Landwirt-
schaft, S. 196; Ausdehnung infolge
Spekulation, S. 264; Arbeitsperiode
von gesellschaftlicher Entwicklung
abhängig, S. 265; Sklavenbetrieb,
S. 410.

Markt: heutige bürgerliche Oekonomie
sucht Ursprung des Wertes. in
seinem Bereich, S. XVI; Wirkung
der Entfernung auf Umschlag, S. 204,

Maschine: Reinigung während. der
Ruhepausen Quelle von Unfällen,
        <pb n="527" />
        474
S. 133; Arbeiter wird zum Miteigen:
tümer, 5.133; ihre Entwicklung
verkürzt Arbeitsperiode, S. 190; als
Produktionsmittel in der Eisenpro-
duktion, S, 362; Auflösung des Pro-
duktenwertes, S. 368-369; Teiler-
satz, S. 384; Zins und Ersatz bei
Vermietung, S. 410.

Mehrarbeit: Quelle des Profits des
Kapitalisten (Pamphlet von 1821),
S. XLI; des kaufmännischen Agen.
ten, S. 96; und notwendige Arbeit,
S. 363; Akkumulation gleich Aende-
rung der konkreten Verwendung der
Mehrarbeit, S. 427,

Mehrprodukt: Vorhandensein der stoff.
lichen Elemente des zusätzlichen
produktiven Kapitals im Mehrpro
dukt Vorbedingung der Reproduk-
tion auf erweiterter Stufenleiter,
S. 67; durch sukzessiven Verkauf
Schatz gebildet, S. 426 ; desto größer.
je größer produktives Kapital,
S. 428; Kapitalisten liefern sich
gegenseitig Geld zu seiner Ver
wandlung in zusätzliches Geld
kapital, S. 429.

Mehrwert: Marxsche Theorie an:
gebliches Plagiat an Rodbertus,
S. XXXVI—XLVIII; Aufschlag
auf den Wert (Merkantilisten‘
S. XXXVIII; Verwandlung in
Profit und Grundrente (Smith),
S.XXXIX; Verhältnis zum Arbeits.

lohn (Ricardo), S.XLI; Ricardos
Theorie als Grundlage der Bekämp
fung der Bourgeoisie, S. XLIII; Ver
hältnis zu Wert, S.XLV, XLVI.
macht Ware zum Warenkapital,S.16;
Zirkulation, S. 19, 21; erscheint im
Kreislauf des Geldkapitals in Geld.
form, S. 31; Zirkulation trennt sich
von der Zirkulation des Waren:
produkts, S. 37; an Kreislauf des
Kapitalsgebunden, S. 40; allgemeine
Tendenz der kapitalistischen Pro-
duktion, S. 49; teils verzehrt, teils
kapitalisiert, S. 49; im Verkauf re-
alisiert, S. 92; Rolle der Natur in
seiner Produktion, S. 170; Geheimnis
seiner Produktion bei politischer
Oekonomie verschüttet. S. 176: sein

Register.
Verhältnis zum Preis der Arbeit
auf Verteilung der Lebensmittel
zwischen Arbeiter und Kapitalisten
von Einfluß, S. 183; Rolle beim
Umschlag, SS. 246; dJahresrate
gleich Rate multipliziert mit der
Zahl der Umschläge, S. 246; nur
durch das im Arbeitsprozeß wirk-
lich angewandte variable Kapital
produziert, S. 248; Jahresratedurch
durchschnittliche Rate bestimmt,
S. 253; Teil des ursprünglich vor-
geschossenen Kapitals kann kapi-
talisierter Mehrwert sein, S. 268;
einfache Reproduktion bei unpro-
duktiver Verzehrung, S. 273; Ver-
wandlung aus Ware in Geld, 8.273;
in der Goldproduktion, S. 274; sein
Vorhandensein ändert nichts an
den Gesetzen der Geldzirkulation,
S.277; Frage nach der Herkunft des
Geldes zu seiner Zirkulation nur
Scheinproblem, 58. 278-280; . vom
industriellen Kapitalisten mit an-
dern Personen geteilt; S. 281; Ka-
Pitalistenklasse wirft Geld zur Rea-
lisation in die Zirkulation, S. 281;
besteht zum Teil in Geld, S. 284;
als Teil des jährlich geschaffenen
Wertes, S. 326; absoluter und rela-
tiver, S. 327; Ueberschuß über den
Wert der Produktionsmittel und
der Arbeitskraft, S. 330; durch das
vom Kapitalisten selbst in Zirku-
lation geworfene Geld versilbert,
S. 357; in verschiedene Kategorien
gespalten, S. 359; in Geld aufge-
schatzt, S. 404; kostet die Kapita-
listenklasse nichts, S. 406; zur Ak-
kumulation in produktives Kapital
verwandelt, S. 420.

Werkantilsystem: Mehrwert ein Wert-
aufschlag, S.XXXVIII; predigt
Askese, S. 32; legt Warenproduk
tion seiner Betrachtung zugrunde,
S..34; Kreislauf des Geldkapitals
Grundlage ihrer Betrachtung,
S. 67,

Mexiko: Silberproduktion, S. 402.

Miete: Reparaturen, S. 136; zirkuliert
Häuserwert, S. 409; enthält Zins
und Ersatz. S. 410.
        <pb n="528" />
        Sachregister.

Mülchereien: in großem Umfang nur in
großen Städten möglich, S. 93.

Mittelalter: Verlegung der Märkte auf
Festtage, S. 94; Buchführung in der
Landwirtschaft nur in Klöstern,
S. 98n.

Monetärsystem: Ausdruck des Kreis-
laufs des Geldkapitals, S. 34.

Money at call und money not at call
(siehe Geld}.

Monopol: durch Störungen gestärkt,
S. 74.

Moskau: Hausindustrie, S. 196.

Nachfrage: zusammen mit Angebot als
Ursache des Wertes angesehen,
S. XVI; nach Zahlung, S.47; des
Kapitalisten stets kleiner als seine
Zufuhr, 8.83; nach Produktionsmit-
teln kleiner als Größe des Kapitals,
S. 84; nach Arbeitskraft sinkt rela-
tiv im Lauf der Entwicklung, S. 84;
Vorrat muß für ihre Deckung aus-
reichen, S. 109.

Nachtarbeit: bezweckt Brachliegen des
produktiven Kapitals abzukürzen,
5. 88, 194,

Natur: ihre Hilfe in der Mehrwerts-
produktion, S. 170; bedingt Unter-
brechungen des Arbeitsprozesses,
S. 194; beeinflußt in der Landwirt-
schaft Arbeitsperiode, S. 265; Kräfte
kosten dem Kapitalisten nichts,
S. 300.

Naturalwirtschaft: im Gegensatz zur
Geldwirtschaft, S. 82; Naturalver-
pflegung ländlicher Arbeiter, 8. 409;
Grundlage der Hörigkeit und Skla-
verei, S. 410,

Nebenindustrie (siehe Hausindustrie).

New- York: Transport, S. 205,

Oekonomie, Oekonomen: bürgerliche
schaltet besondere gesellschaftliche
Bedingungen der Warenproduktion
aus der Betrachtung aus, S. XV;
Gegensatz zwischen heutiger und
klassischer in der Erforschung des
Wertursprungs, S. XVI; scholasti-
sche, S. 15; angebliche Unmöglich-
keit der Ueberproduktion, S. 45;
klassische betrachtet Kreislauf des
produktiven Kapitals als charak-
teristischen Kreislauf des industriel-

475

ten Kapitals, S. 55; klassische sieht
Produktion als Zweck des kapita-
listischen Prozesses an, S. 60; über
Wert, S. 73; politischesieht Umlaufs-
zeit als von der Produktion unab-
hängige Quelle der Verwertung des
Kapitals an, S.90; haben Kreisläufe
nicht getrennt betrachtet, S. 116;
ihre Konfusion bei Betrachtung des
fxen und zirkulierenden Kapitals,
S. 121-122; verwechselt zirkulieren-
des Kapital und Zirkulationskapital,
8.127; noch nach Smith Unterschied
zwischen jährlichem und mehr-
jährigem Umschlag, S. 147; spätere
Oekonomen setzen Gegensatz zwi-
schen fixem und zirkulierendem Ka-
pital gleich mit dem zwischen kon-
stantem und variablem als das We-
sentliche fest, S. 158 ; Lohnvorschuß,
S. 174; übernimmt Smithsche Kon-
fusion bezüglich des. fixen und zir-
kulierenden Kapitals, S. 176; Ge-
heimnis der Mehrwertproduktion
verschüttet, S. 176; suchen Arbeits-
und Produktionszeit zu identifizie-
ren, 5.202; übersehen Formwechsel
des Kapitals, S. 211; Produktions-
kräfte und Akkumulation, S. 270;
Mehrwert als selbstverständlich
betrachtet, S. 277; übernimmt
Smithsche Gedankenwirre, S. 333;
Kapital und Revenue, 5.375; Apo-
logeten, S.376; Verkäufer derArbeits-
kraft Kapitalist, S. 377; theore-
tischer Dolmetscher desKapitalisten,
5. 383; Ersatz des fixen Kapitals,
3. 389; über Dienste, S. 391; Kon-
fusion, S. 411; hält Kapitalzirku-
lation füreinfachen Warenaustausch,
5. 424; verstehen nichts vom kapi-
talistischen Mechanismus, S. 428,

Desterreich: durch Weltkrieg zertrüm-
mert, S. XXVII.

Drient; Wechselfristen, S. 207.

Drissa, Landschaft im nördlichen
Britisch-Indien: Hungersnot, S.104n,
193.

Dacht, Pächter: in Niederschottland,
S. 82; Buchführung, S. 97; Kapital
und jährliche und ursprüngliche Vor-
Schüsse, S. 147; kleiner englischer
        <pb n="529" />
        176
Pächter durch Verlängerung‘ des
Umschlags beeinflußt, S. 192; Zu.
sammenhang zwischen Umschlags.
zyklus und Pachtzeit, S. 203; Reprä
sentant des industriellen Kapitals,
8. 304, ;

Patriarchalische Familie: 8. 161.

Pauper: nicht zahlender Konsument,
8. 8350.

Peiersburg: Hausindustrie, S. 196.

Peru: Inkastaat, S. 82.

Physiokraten: Vorschüsse, S. 66, 176,
180; Handel unproduktiv, S. 95n;
über fixes und zirkulierendes Ka-
pital, S. 147; übertragen jährliche
und ursprüngliche Vorschüsse auf
industrielles Kapital, S. 147; Ein.
Auß auf Smith, S. 168, 169-170, 172;
Rolle der Natur, S. 170; leugnen
Mehrwertbildung in. der Industrie,
S. 182; zum Problem des Geld:
kreislaufsund-umlaufs, S.288-289n;
Rolle der Landwirtschaft, S. 303:
Vertreter des ersten kapitalistischen
Systems, S. 304; Einfluß auf Smith,
S. 304-305, 321; Vorschüsse, S. 322:
Brutto- und Nettoprodukt, 8. 332;
Warenumsatz, S. 424: Vorschüsse.
S. 426.

Plethora: von Geldkapital infolgeKon.
traktion der Umschlagszeit, S. 235.

Preis: Regulator der Proportionalität,
8. XXIII; Preissprünge nach dem
Krieg, S. XXIV-XXV ; durch Geld.
entwertung erhöht, S. XXVI; Ein-
Auß des Arbeitslohnes bei Ricardo,
S. 172; Wirkung von Preiswechsel
auf Geldzirkulation und Produktion,
S. 237-238, 243-244; Bewegung be-
einflußt Umlaufszeit, S. 266; Er-

höhung führt zur Steigerung der zir-
kulierenden Geldmasse, S. 287-288;
von Smith in Lohn, Profit und Rente
aufgelöst, S. 306, 317.

Produktion (siehe auch Warenproduk-
tion): muß vom Sozialismus zugleich
mit. Zirkulation geregelt werden,
S. XVII; kapitalistische zerstört
jede auf Selbstbedarf gerichtete,
S. 13; kapitalistische durch Handel
bedingt, S. 32; diskrete und aus
einem Stück bestehende. S. 37:

' Register.
kapitalistische von der Vulgäröko-
nomie als Produktion von Ge-
brauchswerten aufgefaßt, S.40; zur
Mehrwerterzielung etwas anderes
als die zur Sicherung der. Existenz
des Produzenten, S.45; kapita-
listische kein einfacher Produkten-
austausch, S. 45; kKapitalistische
durch Kontinuität charakterisiert,
S. 69; kapitalistische erfordert eher
Buchführung als Handwerks- oder
Bauernbetriebe, S. 99; noch größer
Bedeutung der Buchführung für ge-
meinschaftliche, S. 99; Ausdehnung
bedingt Vergrößerung der Roh-
materialvorräte, S. 105; gemäßigte
Zone Mutterland der Kkapitalisti-
schen, S. 118; auf Erweiterung ge-
richtet, S. 137; Unterschiede in der
Dauer des Produktionsaktes er-
zeugen. Unterschiede im Umschlag,
8. 184-185; bei längerer Arbeits-
periode bleibt vorgeschossenes Ka-
pital länger in ihre Sphäre gebannt,
S. 188; in Industriezweigen, wo sie
unterbrochen, zählt unproduktive,
aber unvermeidlich ausgegebene Ar-
beit so gut wie produktive, S. 197;
Konzentration infolge besserer Trans-
portmittel, S. 205; Verringerung
infolge mangelnden zirkulierenden
Kapitals, S. 213; bei Preisfall Ver-
mehrung, S. 238; Wirkung des Preis-
wechsels, S. 243-244; Ansprüche auf
künftige, S. 270; kapitalistische mit
rein metallischer Zirkulation un-
möglich, S.292; Stufenleiter der kapi-
talistischen hängt nicht ab vom Um-
fang des fungierenden Geldkapitals,
S. 299-300; elastische Produktions-

elemente, 5.300; sachliche Bedingun-
gen der gesellschaftlichen und ihre
Form, S. 302; Wirkungen ausgedehn-
ter. Operationen längere Dauer auf
den Geldmarkt, S.302; bei Betrach-
tung der gesellschaftlichen entfällt
Geldkapital, S. 302; von Produk-
tions- und Konsumtionsmitteln,
8.309; von neuem konstanten Kapital
bei einfacher Reproduktion, S.313;
bei Smith jährliches Wertprodukt
gleich jährlichem Produktenwert.
        <pb n="530" />
        Sachregister.
8.320; Kauf und Verkauf derArbeits-
kraft beruht auf Verteilung der Pro.
duktionselemente, S. 328; gesell.
schaftlicheund kapitalistische, 5.362:
Unterschied in der individuellen
und gesellschaftlichen Betrachtung,
S. 364; Konsumenten zahlen nach
Smith den gesamten Produkten wert
S. 371; jährliches Wertprodukt klei:
ner als jährlicher Produktenwert,
S. 374; gesellschaftliche, S. 386;
Ueberschüsse Uebel der kapita-
listischen, S. 401; relative Ueber-
produktion von fixem Kapital und
Lebensmitteln, S. 401; ihre Aus-
dehnung Vorbedingung der Akku-
mulation, S. 421; Gleichgewicht der
kapitalistischen Zufall, S. 425; Akku-
mulation ihre Triebfeder, S. 432,
Produktionsmittel : kapitalistisches Pri-
vateigentum, S. XXIII; Verhältnis
zur Arbeitskraft, S. 5-6; Arbeiter
Nichteigentümer, S.10; Art der
Verbindung mit Arbeit unterschei-
det gesellschaftliche Epochen, S. 14;
nur unter bestimmten gesellechaft-
lichen Bedingungen Kapital, S. 15;
Arbeiter nicht ihr Besitzer, S. 285;
Produktion, 5.309, 311; bilden
Revenue für Arbeiter und Kapi-
talisten, aber Kapital für Gesell
schaft, S. 312-313; ihr Wert er-
scheint im Produkt wieder, S. 329;
und Konsumtionsmittel, 5.336; Aus-
tausch von 1 (v--m) gegen IIe, S. 339;
stoffliche Elemente des konstanten
Kapitals, S. 360; in der Produktion
von Produktionsmitteln, S. 362; Ver:
wandlung von potentiellem Kapital
in Produktionsmittel, S.423; manche
dienen in beiden Abteilungen.
S. 427.
Produktionspreis: S. 286.
Produktionsprozeß: für Arbeiter leich-
ter. faßlich, S. XV; während des
Warenverkaufs stillgelegt, 5.17;
als Unterbrechung des Zirkulations:
Prozesses, S, 20; scheinbar entbehr-
lich‘ für Geldmachen, S. 30; nur
Mittel zur Verwertung des Kapitals,
S. 30; vermittelt Zirkulationsprozeß
und umgekehrt, 8.67: bedingt

477

Unterbrechung : des Arbeitsprozes-
ses, S. 87; je mehr er gesellschaft-
lichen Charakter annimmt, um so
notwendiger Buchführung, 5S. 99;
Anomalien erscheinen als Krisen
des Geldmarktes, 8. 267.
Produktionsweise: nicht sie, sondern
Verkehrsweise für den bürgerlichen
Horizont maßgebend, 8.83; Schatz
Voraussetzung der kapitalistischen
Produktionsweise, S. 290.
Produktionszeit: Gesamtzeit des Kreis-
laufs gleich Umlaufszeit plus Produk-
tionszeit, S. 87; Differenz gegenüber
Funktionszeit, 8.87; unter Um-
ständen größer als Arbeitszeit, S.87;
je mehr sie sich mit. der Arbeitszeit
deckt, um so größer Produktivität
des Kapitals, S. 89; Tendenz, Ueber-
schuß über die Arbeitszeit herabzu-
drücken, S. 89; steht in umgekehr-
tem Verhältnis zur Zirkulationszeit,
3. 90; Abkürzung durch moderne
Verfahren, S. 195; Auseinanderfal-
len von Produktionszeit und Ar
beitsperiode bildet natürliche Grund-
lage der Landwirtschaft mit Neben-
industrie, S. 196; große Differenz
zwischen ihr und Arbeitszeit in der
Landwirtschaft, S. 197; Oekonomen
suchen sie mit Arbeitsperiode zu
identifizieren, 5.202 ; Arbeitsperiode.
S, 211. . ;

Produktivkraft: durch Kooperation,
Arbeitsteilung ete. erhöht, S. 105;
Verschwendung, da . Erweiterung
der Produktion nicht nach gesell-
schaftlichem Plan erfolgt, S. 182;
Kontinuität eine Produktivkraft,
8.233; akkumulierter Reichtum
Thompson), S. 270-273; Basis der
Akkumulation, S. 301,

Profit: Triebfeder der kapitalistischen
Produktion, S. XXIII; Abzug vom
Arbeitsprodukt(Smith), S. XXXIX;
seine Realisation mit seiner Ent-
stehung gleichgesetzt, S. 157; als
Bestandteil des Preises bei Smith,
S. 306, 317; Kapitalisten machen
Profit durch wechselseitigen Ver-
kauf aneinander, durch Rückfluß
des Arbeitslohnes und durch Verkauf
        <pb n="531" />
        478
an müßige Kapitalisten (Destutt
de Tracy), S. 412-416.

Profitrate: S. 84.

Proportionalität: durch Krieg durch.
brochen, S. XXIII; Schwierigkeiten
der Aufrechterhaltung im Kapitalis-
mus, S, XXIII; durch Kontinuität
erhalten, S. XXIII; durch Repara-
tionen gestört, S.XXVI; durch
Freizügigkeit der Arbeiter gefördert,
S. XXVIII; durch Freizügigkeit des
Kredits gefördert, S. XXIX.

Prosperität: durch Inflation scheinbar
herbeigeführt, S. XXVII; führt zur
Ausdehnung oder Intensifikation
der Arbeitszeit, S. 212-213; Eisen.
bahnspekulation, S. 264-265; Pro-
sperität und Schwindelblüte, 5.349

Prozeß; Definition, S.3n; des gesell.
schaftlichen Gesamtkapitals kon.
tinuierlich, für individuelles Kapita:
stellenweise unterbrochen, S. 72.

Rationalismus: S, 61.

Regierung: als industrieller Kapitalist
S. 65; Anteil am Mehrwert, 5.359

Reis: Ausfuhr aus Indien, S. 104n.

Rente (8. auch Grundrente): bei Rodber
tus gleich Profit plus Bodenrente.
ein Wertabzug vom Arbeitslohn,
S. XXXVIII; Preisabzug (Smith).
S,.XXXIX; Motiv für Spekulations:
bauten, S, 190; Teil des Mehrwerts,
S. 281, 390-391; als Bestandteil des
Preises bei Smith, S. 306, 317; An.
teil am Mehrwert, S. 359.

Beparaturen : und fixes Kapital, S. 85:
verteilen sich verschieden auf die
Lebenszeit des fixen Kapitals, 5.134:
Durchschnittsausgaben auf die Zeit
und den Preis der produzierten
Waren verteilt, 5.135; das in ihnen
angelegte Kapital eher zirkulieren.
des als fixes, S. 135; Unterschied
zwischen gelegentlichen und sub-
stantiellen bei vermieteten Häusern,
8.136; Grenze gegen Ersatz fließend,
S. 137; in Landwirtschaft und bei
Eisenbahnen unmöglich zu ziehen,
S. 137-141; können aus Mehrwert
bestritten werden, S. 268.

Keproduktion: der Arbeitskraft, S. 10;
im Kreislauf des produktiven Kapi-

Register.
tals eingeschlossen, S.35; Zirku-
lation ihre Vermittlung, S. 36; ein-
fache Verzehrung des Mehrwerts,
S.37; Unterbrechung, S.44; auf
erweiterter Stufenleiter nur mög-
lich, wenn im Mehrprodukt schon
stoffliche Elemente des zusätzlichen
produktiven Kapitals enthalten,
8. 67; erweiterte im Lauf der Er-
neuerung des fixen. Kapitals, 5.131;
Verschwendung von Produktivkräf-
ten, da Erweiterung nicht nach ge-
sellschaftlichem Plan erfolgt, S.132;
einfache bei unproduktiver Ver-
zehrung des Mehrwerts, S. 273; er-
weiterte schafft kein neues Problem
der Geldzirkulation, S. 291; Rolle
des Geldkapitals in der gesellschaft-
lichen Reproduktion, S. 299; Tableau
6conomique, Abbild der gleich-
bleibenden Stufenleiter, S. 303; bei
einfacher Produktion von neuem
konstanten Kapital, S. 313; des
gesellschaftlichen Kapitals, S. 333;
einfache, W-W, Ausgangspunkt der
Betrachtung, S. 334; Wert- und
Stoffersatz Gegenstand der Be-
trachtung, S. 334; des fixen Ka-
pitals, S. 384; Krise bei einfacher
infolge Verschiebung im Ersatz des
fixen Kapitals, 5.400; auch bei ein-
facher Schatzbildung notwendig,
8.405; innerhalb der einfachen das
materielle Substrat des erweiterten
produziert, S. 427, bei Akkumula-
tion Funktionsänderung der Ele-
mente der einfachen, 8. 435.

Reservefonds: Schatz dient als solcher,
S.54, 291; Teil des realisierten
Mehrwerts, 5. 293.

Reservekapital: zur Ausgleichung von
Preisschwankungen, S. 86; von Ge-
schäftsschwankungen, S. 212-213;
zur ununterbrochenen Fortführung
des Geschäfts notwendig, 5. 381.

Revenue: des Kapitalisten, S. 39; ihr
Kreislauf erscheint der Vulgärökono-
mie als charakteristischer Kreislauf
des Kapitals, 5.41; Bruttound Netto,
8.307; und Kapital für einzelnen und
Gesellschaft, S. 312-313; und Wert
bei Smith. S. 315-216. 325: Wert
        <pb n="532" />
        Sachregister.
der Arbeitskraft als Revenue des
Arbeiters, S.324; und Verkauf der
Arbeitskraft, S.376; variables Kapi-
tal setzt sich nicht in Revenue um,
S. 383,

Rohstoffe: für Objekte derindividuellen
Konsumtion, S. 120; gehören mit
Arbeitslöhnen zu zirkulierendem
Kapital, S. 153; von Ricardo bei
Betrachtung des zirkulierenden und
fxen Kapitals ausgeschieden, S. 174;
Rohstoffteuerung führt zur Arbeits-
zeitverkürzung, S.212.

Rom: Sklaverei, S.410.

EBomanltik: Landwirtschaft und Indu-
strie, S.144n.

Rußland: Lostrennung von Kleinstaaten
nach dem Weltkrieg, S. XXVII;
Sowjetherrschaft flößt kapitalisti-
schen Staaten Mißtrauen ein,
S.XXIX; Bauernbefreiung, S. 11;
auf Leibeigenschaft begründete
Staatsproduktion, ihr Produkt tritt
in den Kreislauf des Kapitals ein,
S. 76; Getreidebau, S. 196; Haus.
industrie, S. 196; Goldproduktion,
S. 402.

Ryots, indische Bauern (siehe Indien).

Saisonarbeit: S. 72, 217.

Schatz: als Funktion des Geldkapitals,
S. 47; begleitet Akkumulation, 5.48,
53, 86; in vorkapitalistischer Zeit
Selbstzweck, in kapitalistischer la-
tentes Geldkapital, S. 53; dient bei
Störungen des Kreislaufs als Re-
servefonds, S. 54; durch Aufhäu-.
fung und Verausgabung des Amor
tisationsfonds ergibt sich eine stän-
dig wechselnde Proportion zwischen
ihm und in Zirkulation befind.
Kehem Geld, S. 140-141; Amortisa-
tionsfonds. durch Kreditwesen in
Kapital verwandelt, S. 141; latentes
Geldkapital, S. 270; Verhältnis zu
zirkulierendem Geld schwankend,
S. 273; Voraussetzung der kapita-
listischen Produktionsweise, S. 290,
291; Schatzbildung im Kapitalis-
mus, 8.295; Aufhäufung nie an
allen Punkten gleichzeitig, S. 295;
Schatzbildung beim Ersatz des

fixen Kapitals, S. 386; auch bei
Das Kapital. 1.

479

einfacher Reproduktion notwendig,
S. 405; Aufspeicherung von poten-
tiellem Geldkapital zur Akkumu-
lation, S. 421; ein Teil der Kapita-
listen I schatzt auf, der andere ver-
wandelt potentielles Kapital in Pro-
duktionsmittel, S.423; bei ein-
facher Warenproduktion, S. 423;
Unproduktivität des aufgeschatzten
Geldkapitals Wurzel des Kredit-
systems, S. 428; Goldproduktion,
S. 449.

Schiff: Bau als langatmige Unter-
nehmung, S, 409; Betrieb mit Skla-
ven, S. 410.

Scholastik: in der Oekonomie, S. 15, 182.

Schottland, Nieder-: Pachtsystem, 8.82,

Seeraub; verschafft Sklavenzufuhr,
S. 410.

Selbstbedarf: kapitalistische Produk-
tion zersetzt jede auf ihn gerichtete,
5.13; Konsumtionsfondsgroß, S.103;
Arbeitsprozeß der patriarchalischen
Familie, S. 161; in jeder nicht auf
ihn gerichteten Produktion muß das
Produkt als Ware zirkulieren, 8.164.

Silber (siehe auch Gold): Barren, S.267:
Produktion, S. 402.

Sklaven: Kauf und Verkauf setzt
Sklaverei als gesellschaftliche Er-
acheinung voraus, S. 10; Produkt
tritt in. den Kreislauf des Kapitals
ein, S. 76; als Warenproduzenten,
S. 329; im Altertum, S.410; in den
Vereinigten Staaten, S. 410: Skla-
venhalter, S. 443.

Spekulation: nützt Wertrevolutionen
aus, 5,73; Häuserbau, 5.190; Kauf-
termine, S. 209: Eisenbahnbau.
S. 264,

Spitzbube: nicht zahlenderKonsument,
S. 350.

Staatskapital: Teil des gesellschaft-
lichen Kapitals, S. 65.

Staatespapiere: Teil des latenten Geld-
kapitals, S. 295,

Staateproduktion: in Rußland, ihr Pro-
dukt tritt in den Kreislauf des Ka-
pitals ein, S. 76; bei großen Ar-
beiten auf unentwickelter Stufe der
kapitalistischen Produktion, S. 189.

Yüdamerika (siehe Amerika).
        <pb n="533" />
        480

Suezkanal: revolutioniert Verkehr mit
Asien, S. 208,

Sykophanten: S. 287.

Tabak: als notwendiges Konsumtions:
mittel, S. 343.

Tableau Eeconomique: legt W-W zu.
grunde, S. 67; jährliche und ur
sprüngliche Vorschüsse, 58. 148n,
180; Kreislauf des Geldes, S.288n;
Abbild der Reproduktion auf gleich-
bleibender Stufenleiter, S. 303, 313;
Ernte als Ausgangspunkt, S. 303;
Zirkulation zwischen den Klassen.
S. 303.

Tauschwert: und Wert, 8. 73.

Tauschwirtschaft: statt Naturalwirt.
schaft, S. 82.

Transport: Formel der Transport- und
Kommunikationsindustrie, S.27-28:
Unterschied zur Zirkulation, S.111
—112; setzt Wert zu, S.112; Ortsver-
änderung Voraussetzung für Kon-
sum, S. 112; eigene Anlagesphäre
des produktiven Kapitals, S. 114;
Wirkung der Verbesserung auf Um-
schlag, S. 242.

Transportkosten: Einfluß auf Vorrat.
bildung, S. 106; Berechnung durch
Eisenbahnen, 8. 113.

Trucksystem: in den Vereinigten Staa-
ten und England, S. 437, 444,

Tyburnia: durch Spekulationsbauten
entstandenes Viertel von London.
S. 190.

Veberproduktion (siehe auch Produk:
tion): ihre Möglichkeit von den
Oekonomen geleugnet, S. 45; für
außerordentliche Fälle, S.137; Kri-
sen, S.265un; relative von fixem Ka-
pital. und Lebensmitteln, S. 401;
von Geldkapital bei Fullarton, 5.428;
und Unterkonsumtion, S. 432: und
Krach, S. 448.

Uebervölkerung (siehe Bevölkerung).

Umlauf: Zirkulation, Kreislauf, S. 3,
des Geldes im Gegensatz zu Kreis.
lauf, S. 288-289.

’mlaufszeit: Gesamtzeit des Kreislaufes
gleich Umlaufszeit plus Produk-
tionszeit, S. 87; steht in umgekehr-
tem Verhältnis zur Produktionszeit,
S. 90: wird von der mwvolitischen

Register,
Oekonomie als von der Produktion
unabhängige Quelle der Verwertung
des Kapitals angesehen, S. 90; zer-
fällt in W-G und G-W, 8.91; Ver-
kauf dauert gewöhnlich länger als
Einkauf, S. 91; Verderblichkeit der
Waren ihre Grenze, S.92; schafft
keinen Wert, 8. 94; Wirkung auf
Umschlag, S. 203 ; Verkaufszeit wich-
tigster Teil, S. 203; Wirkung neuer
Verkehrsmittel, S.205; Umschlags-
zeit, Zirkulationsperiode, S. 211-212;
Verhältnis zur Umschlagsperiode be-
stimmt Größe des Zusatzkapitals,
8.216-217; Verhältnis zurUmschlags-
periode bestimmt Masse des fungie-
renden produktiven Kapitals, S. 222;
bei Ungleichheit gegenüber Arbeits-
periode Freisetzung von Kapital,
wenn nicht beide einfache Multipla
voneinander, S. 224, 230, 232; Ver-
kürzung setzt Kapital frei, S. 234
—235; von Marktkonjunkturen,
Preisbewegungen, Entfernung des
Absatzmarktes abhängig, S. 266.
"mschlag: Wirkung auf Profitrate,
S. 85; Kreislauf als periodischer
Prozeß des Kapitals, S. 117; das
Jahr natürliche Maßeinheit, S. 117
bis 118; fixes und zirkulierendes Ka-
pital entspringen nur aus Umschlag,
S. 127; qualitative Unterschiede
zwischen fixem und zirkulierendem
Kapital in quantitative umzuwan-
deln, dies nur bei Kreislauf des Geld-
kapitals möglich, S. 142; trotz lang-
sameren Umschlags des fixen Ka-
pitals kann infolge raschen Um-
schlags des zirkulierenden Kapitals
das im Lauf des Jahres umge-
schlagene Kapital größer als das vor-
geschossene sein, S. 143; Zyklus von
Umschlägen, S. 143; seine Berech-
nung, S. 144; Unterschied zwischen
dem produktiven Kapital und Geld,
S. 146; durch Handelskapital und
Kreditwesen modifiziert, :S. 147;
Unterschied zwischen jährlichem
und mehrjährigem Umschlag noch
bei Oekonomen nach Smith, 8.147;
durch identisches Verhalten des
variablen Kapitals und der zirku-
        <pb n="534" />
        Sachregister.
lerenden Teile des konstanten Kapi
tals Verschiedenheit in der Verwer-
bung verdeckt, S. 158; Wirkung von
Unterschieden in der Dauer des Pro.
duktionsaktes durch Kredit verkürzt,
S. 191; Verkürzung natürlicher Vor-
gänge unmöglich, S. 191; Wirkung
seiner Verlängerung auf englischen
kleinen Pächter und kontinentalen
Kleinbauern, 8. 192; verschiedene
Wirkung seiner Verzögerung auf
fixes und zirkulierendes Kapital,
S. 192; Einfluß verbesserter Züch-
tungsmethoden, S. 193; Zyklus in
der Landwirtschaft, 8.202; Zu.
sammenhang mit Pachtzeit, S 203;
Wirkung der Umlaufszeit, S. 203;
Wirkung der Entfernung des Mark-
tes und neuer Verkehrsmittel, S. 204
—205; Verschiedenheit materielle
Grundlage der Kredittermine, 5. 206;
durch Lieferungskontrakte verän.
dert, S. 208; sein Einfluß auf Ver.
wertung des Kapitals, S. 211; Um:
schlagszeit, Umlaufsperiode, Zirku-
Jationsperiode, S. 211-212; Verhält-
nis von Umlaufszeit zur Umlaufs.
periode bestimmt Größe des Zusatz-
kapitals, S.217; Masse des Kapitals
durch Zahl der Umschläge ersetzt,
8.217; Verhältnis zur Umlaufszeit
bestimmt Masse des fungierenden
produktiven Kapitals, S. 222; des
Gesamtkapitals gleich Summe der
von den Kapitalen I + II umgeschla-
genen Beträge dividiert durch I + II,
S. 223; des gesellschaftlichen Gesamt-
kapitals gleich Summe. des in den
verschiedenen Produktionssphären
umgeschlagenen Kapitals dividiert
durch Summe des vorgeschossenen
Kapitals, S. 223; Verlängerung
drückt auf Geldmarkt, S.235; Ver-
kürzung setzt Kapital frei, S. 235;
Wirkung derTransportverbesserung,
S,. 242; für variables und konstantes
zirkulierendes Kapital verschieden,
8.245; Rolle des Mehrwerts, 8.246;
Jahresratedes Mehrwertsgleich Rate
des Mehrwerts multipliziert mit Zahl
der Umschläge, 5.246; periodischer
Kreislauf, S. 298.

481

Unkosten: mit deren Hilfe der Ge-
brauchswert erhalten wird, gehen
in den Wert der Ware ein,
8. 102; für die Vorratbildung nicht
wertvermehrend, 58. 108,

Unterkonsumltion: Krisen, S. 350; Ueber-
produktion, S. 432.

Denedig: Kredittermine, S. 206.

Verderblichkeit: Grenze der Umlaufs-
zeit, S.92; Produktion verderb.
licher Waren kann nur an. volks-
reichen Plätzen oder bei hoher Ent-
wicklung der Transportmittel kapi-
balistisch betrieben werden, S. 93.

Vereinigte Staaten von Amerika (siehe
Amerika}.

Verkauf: Teil der Umlaufszeit, S. 91;
dauert gewöhnlich länger als Kauf,
S, 91; Tantieme des Verkäufers,
S. 91; wichtiger als Kauf, da Mehr-
wert realisiert, S. 92; Verkaufszeit
schafft keinen Wert, S. 94; Ueber-
tragung an Kaufmann nicht produk-
tiv, S. 95; Verkaufszeit wichtigster
Teil der Umlaufszeit, S, 203-204.

Verkehrsmittel (siehe Transportmittel).

Verkehrsweise: für bürgerlichen Hori-
zont maßgebend, S. 83.

Verschleiß: bei Eisenbahnen, 58. 129.

Verschwendung: von Produktivkräften,
5.132; der Kapitalistenklasse, S. 349.

Versicherung: Gesellschaften verteilen
Verluste gleichmäßig, S. 101; bei
Häusern, S. 136.

Vieh: fixes Kapital, S. 120; je nach
Bestimmung fixes oder zirkulieren-
des Kapital, 5.122, 159; mit Arbeiter
auf eine Stufe gestellt, S.172n; vor-
zeitiger Verkauf, S. 191; in Indien
währendHungersnot geschont, 5.192;
Einfluß verbesserter Züchtungs-

methoden auf Umschlag, S. 193;
Zucht, S. 200; Zirkulation, S, 409.

"”orrat; existiert als produktives Ka-
pital, individueller Konsumtions-
fonds und als Warenvorrat, S, 103;
Formverwandlung als Krisenursache
in Indien, S.104n; Vergrößerung an
Rohmaterialien durch Ausdehnung
der Produktion bedingt, 5.105;
durch Sicherheit der Zufuhr ver-
ringert, S.105:; Einfluß der Trans-
        <pb n="535" />
        „32

portkosten und des Kreditsystems,
8.106; wächst mit Entwicklung deı
kapitalistischen Produktion, S.107;
muß für Deckung der durchschnitt-
lichen Nachfrage ausreichen, 8, 109:
produktiver und Konsumtionsfonds,
5.110; Rolleim Umschlag, S.146-147;
potentielles produktives Kapital.
S. 200-201.

Vorratbildung: unfreiwilliger Aufent-
halt der Ware auf dem Markt, S.101;
erfordert Magazine ete. und Ar.
beitskraft, S. 101-102; verschiede
ner Charakter in verschiedenen
Produktionsweisen, 5S. 103; Ver-
schiebung, S. 105-106; Bedingung
der Kontinuität des Zirkulations.
prozesses, S. 105, 110; kostet Ab.
züge vom gesellschaftlichen Reich.
tum, S. 110; Unkosten für Stockun-
gen faux frais, S.111; in den beiden
Abteilungen, S. 434.

Vorschüsse: in der Betrachtung des
Kreislaufs, S. 66; jährliche und
ursprüngliche, 8.147; gelten bei
Quesnay nur für das Pächterkapi-
tal, S. 147; von andern Physio-
kraten auf das industrielle Kapital
übertragen, S. 147,148-149n; Unter-
schied zwischen jährlichem und
Mmehrjährigem Zuschlag noch bei
Dekonomen nach Smith, 8.147; Geld
von der Betrachtung ausgeschlossen,
S. 147; bei längerer Arbeitsperiode
ständig neue Vorschüsse notwendig,
S. 188; Avances gleich Kapital,
S. 304n; zum Kauf der Arbeits.

kraft, S.322; bei den Physiokraten.
S. 426.

Vulgärökonomie: faßt kapitalistische
Produktion als Produktion von Ge-
brauchswerten auf, S. 40; bezeich-
net Zirkulation der Revenue ale
Charakteristischen Kreislauf des Ka-
pitals, S.41; Revenuen als Quellen
des Tauschwerts, S.316; Destutt de
Tracy eine ihrer Leuchten, S. 419.

Wald: Kapital als Waldzerstörer,
S. 199,

Ware: wird durch Mehrwert zum
Warenkapital, S. 16; in der kapi-
talistischen Produktion jede Ware

Register.
Warenkapital, S.64; allgemeine Ge-

stalt des Produkts, S, 99; in jeder

—_ nicht auf Selbstbedarf gerichteten
Produktion muß Produkt als Ware
zirkulieren, S. 164; Verwandlung
des Mehrwerts in Geld. 8.273;
Warenlager und Konsumtionsfonds,
S. 434.

Warenkapital: mit Mehrwert versehene
Ware, 8. 16; seine Formel, 8, 55;
beginnt seinen Kreislauf als ver-
wertetes Kapital, S. 56, 61; Kreis-
lauf schließt Reproduktion ein,
S. 61; Kreislauf setzt Waren außer-
halb des individuellen Warenkapi-
tals voraus, S, 63-64; in der kapi-
talistischen Produktion jede Ware
Warenkapital, S.64; sein Kreislauf
die Form, in der Kreislauf des gesell-
schaftlichen Kapitals zu betrachten,
8.65; Kreislauf umschließt produk-
tive und individuelle Konsum-
tion, S.66; Entwertung oder Höher-
bewertung durch Wertwechsel, S. 75
—76; gleich zirkulierendes Kapital,
S. 184; Anteil am Gesamtkapital
wächst, S. 206; sein Kreislauf Aus-
gangspunkt der Betrachtung der
gesellschaftlichen — Reproduktion,
8. 334. i

Warenproduktion: Besondere Bedin-
gungen von bürgerlicher Oekonomie
nicht in Betracht gezogen, S. XV;
Voraussetzung der Lohnarbeit, be-
dingt Arbeitsteilung, S, 13; kapi-
talistische wird ihre allgemeine
Form, S. 14; kapitalistische über-
gipfelt alle früheren, S.14; kapita-
listische kreuzt sich mit andern Pro-
duktionsweisen, S. 76; Tendenz der
kapitalistischen Umwandlung aller

Produktion in Warenproduktion,

8. 77; Schatzbildung bei einfacher

Warenproduktion, 8. 423.

Warenvorrat (siehe Vorrat).

Warenzirkulation: verschlingt sich mit
dem Kreislauf des Geldkapitals,

S. 29; trennt sich von Mehrwert-

zirkulation, S. 37.

Washingion: S. 443,

Wechsel: als Schatzform, 8.53; Wech-
selfristen im englisch-indischen und
        <pb n="536" />
        Sachregister.
chinesischen Geschäft durch Krise
von 1847 beeinflußt, S. 206; Dis-
kontierung, 8. 243,

Wein: Arbeitsprozeß unterbrochen,
8. 87, 194; Einfuhr durch Spekula-
tion gefördert, S. 264; Zirkulation,
S. 409.

Weltgeld: dient auf dem Weltmarkt,
8. 77.

Welthandel: zerstört auf Selbstbedarf
gerichtete Produktion, S. 14.

Weltmarkt: berücksichtigt nicht den
Charakter der Produktionsweise,
5.77; Einfluß besserer Transport-
mittel, S. 206.

Wert: Theorie bietet dem Arbeiter
Schwierigkeiten, S. XV; sein Ur-
sprung von heutiger bürgerlicher
Oekonomie nicht mehr in der Arbeit,
sondern auf dem Markt gesucht,
S. XVI; Verhältnis zum Mehrwert,
S. XLV ; ständiger Wechsel der kapi-
balistischen Produktion eigen, S. 44;
Wertrevolutionen als Wirkung des
verselbständigten Wertes, S. 72-73;
Verhältnis zwischen gleichzeitig vor-
handenen Gütern (Bailey), S. 73;
Verhältnis zum Tauschwert, 8. 73:
Bindung und Freisetzung von Geld.
kapital durch Wertwechsel, 8.7 4-75;
Einfluß von Wertwechsel auf Ent-

wertung oder Höherbewertung des
Waren- und produktiven Kapi-
tals, S. 75-76; von Apparaten ete.
auch während Unterbrechungen der
Arbeitszeit übertragen, S.88; durch
Kaufs- und Verkaufszeit nicht ver-
mehrt, S. 94; Unkosten, mit deren
Hilfe Gebrauchswert erhalten wird,

gehen in den der Ware ein, S. 102;
WertabgabederArbeitsmittel, S.118;
Wiedererscheinenvorhandener Werte,

5.182; durch Verminderung unpro-

duktiver Arbeit vermindert, 8.197;

von Smith in v +m aufgelöst, 8.313;

und Revenue bei Smith, S. 315-316,

325; Revenuen Urquellen des Wertes

(Smith), S. 316; der jährlich geschaf-

fene Wert gleich variables Kapital

plus Mehrwert, S. 326; Auflösung,

8.329.330; Wertgröße bestimmt bei

Ricardo die Revenuen, S. 331; Wert-

483

marken, S. 343; Kapitalisten ver-
kaufen aneinander über den Wert
(Destutt de Tracy), S. 412.
Wertpapiere: als Schatzform, 8.53.
Wertprodukt: Wechsel der Verteilung
berührt Geldumlauf nicht, S.285; bei
Smith jährliches Wertprodukt gleich
jährlicher Produktenwert, S. 320;
gleich den jährlichen produzierten
Konsumtionsmitteln, S. 363; kleiner
als jährlicher Produktenwert, 8.374.

Wilde: Produktion von Produktions-
mitteln, S. 375.

Wladimir: Hausindustrie, S. 196.

Wolle: Londoner Auktionen, 8. 209.

Wucherer: Anteil am Mehrwert, S.359.

Eins: für ausgeliehenes brachliegen-
les Geldkapital, S. 269; Teil des
Mehrwerts, S. 281, 359, 390-391; für
vermietete Häuser, Maschinen ete.
5.410; für das in Sklaven investierte
Kapital, S. 410; an müßige Kapi-
salisten gezahlt, S. 416.

Zirkulation: muß vom Sozialismus
ebenso geregelt werden wie Produk-
tion, S. XVII; Verminderung von
Störungen für Arbeiter und Kapi-
salisten gleich wichtig, S. XX; Pro-
letariat muß für Aufrechterhaltung
ihrer Gesetze eintreten, S. XXX;
Kreislauf, Umlauf, S.3n; löst neue
Kräfte des Kapitals aus, S.17; des
Mehrwerts, S. 19, 21; Verschlingung
ler Kreisläufe, S. 41; beim Verkauf
an Kaufmann scheinbar ungestört,
3. 46; Geschwindigkeit und Geld-
menge, S.80; Unterschied zu Trans-
vort, S. 111-112; verschieden für
rariablesund konstantes zirkulieren-
des Kapital, S. 245; des Mehr-
werts und Geldes, S. 277-280; Ka-
ditalist der Ausgangspunkt der
Geldzirkulation, 8. 280; Akkumu-
lation und erweiterte Reproduktion
schaffen kein neues Problem der
Seldzirkulation, 8. 291; kapitali-
stische Produktion mit rein metalli-

scher Zirkulation unmöglich, S. 292 3
zwischen. den Klassen im Tableau
Sconomique, S. 303; des Geldes im
gesellschaftlichen Umsatz, S. 339,
351; in der Geldzirkulation spielt
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das als Arbeitslohn vorgeschossene
Geld eine Hauptrolle, S. 353; Ver-
kürzung der Geldzirkulation be-
dingt Verringerung der zirkulieren-
den Geldmasse, S. 356; das vom Ka:
pitalisten selbst in Zirkulation ge
worfene Geld versilbert den eigenen
Mehrwert, S.357; bei Beginn eines
Geschäfts große Geldsummen in Zir-
kulation geworfen, S. 408; Metall-
zirkulation, S. 409, 430.
Zirkulationskapital: mit zirkulierendem
verwechselt, 5.127; von Smith mit
zirkulierendem verwechselt, S. 151,
Zirkulationskosten: S. 93; zum Teil
wertvermehrend, 5.100; infolge Vor-
ratbildung, S. 102; solche, die nur
aus der Formverwandlung der Ware
entspringen, sind nicht wertver-
mehrend, S. 111.
Zirkulationsperiode (siehe Umlaufezeit).
Zirkulationsprozeß: schafft gewisse ge-
meinsame Interessen zwischen Ka.

Register.
pitalisten und Arbeiter, S. XIX;
durch Produktionsprozeß unterbro-
chen, S. 20, 25; unterbricht Re-
produktion, S. 36; vermittelt Pro-
duktionsprozeß und umgekehrt,
5.67; Aenderungen in der Ge-
schwindigkeit binden oder setzen
Geldkapital frei, S. 76; Vorratbil-
dung Bedingung der Kontinuität.
S. 110.

Zirkulationszeit (siehe Umlaufszeit).

Zone, gemäßigte: als Mutterland
der kapitalistischen Produktion,
8. 118.

Zucker: Einfuhr durch Spekulation ge-
fördert, S. 264.

Zufuhr: des Kapitalisten stets größer
als seine Nachfrage, S. 83; Sicher-
heit verringert Vorräte, S. 105,

Zwangsarbeit: bei großen Arbeiten auf
unentwickelter Stufe der kapita-
listischen Produktion, S. 189; des
Leibeigenen, S. 328.
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zehntes Kapitel

243
&lt;t aus. Für den in Produktionsstoffen anzulegenden Teil ist dies
dann unerläßlich, wenn er sie bar zahlen muß. Kann er sie auf
lt erhalten, so übt dies keinen direkten Einfluß auf den Geld-
zt, da das zuschüssige Kapital dann direkt als Produktionsvorrat
Nicht in erster Instanz als Geldkapital vorgeschossen wird.
fn sein Kreditgeber etwa den von X erhaltenen Wechsel wieder
it auf den Geldmarkt wirft, ihn diskontieren läßt [vor der Verfall-
verkauft] ete., würde dies indirekt, durch zweite Hand auf den
markt wirken. Benutzt er aber diesen Wechsel, um damit zum
Piel eine später abzutragende Schuld zu decken, so wirkt dies
hüssig vorgeschossene Kapital weder direkt noch indirekt auf
Geldmarkt.

IL Fall. Preiswechsel der Produktionsstoffe, alle

andern Umstände unverändert.
Wir nahmen eben an, daß das Gesamtkapital von 900 Pfd. Sterl.
jelegt wird zu */; gleich 720 Pfd. Sterl. in Produktionsstoffen und
/, gleich 180 Pfd. Sterl. in Arbeitslohn.

Fallen die Produktionsstoffe um die Hälfte, so erfordern sie für
;echswöchentliche Arbeitsperiode nur 240 Pfd, Sterl. statt 480 Pfd.
1. und für das Zusatzkapital Nr. II nur 120 Pfd. Sterl. statt
Pfd. Sterl. Kapital I wird also reduziert von 600 Pfd. Sterl. auf
[für Produktionsstoffe] - 120 [für Arbeitslohn] = 360 Pfd. Sterl.
KapitalII von 300 Pfd. Sterl. auf 120 [für Produktionsstoffe] + 60
Arbeitslohn] = 180 Pfd. Sterl. Das Gesamtkapital von 900 Pfd.
"l. auf 360 + 180 = 540 Pfd. Sterl. Es werden also ausgeschieden

Pfd. Sterl.
Dies ausgeschiedene und jetzt unbeschäftigte, daher auf dem
imarkt Anlage suchende Kapital, Geldkapital, ist nichts als ein
k des ursprünglich als Geldkapital vorgeschossenen Kapitals von
‚Pfd. Sterl., das durch den Preisfall der Produktionselemente,
An es periodisch rückverwandelt, überflüssig geworden ist, soll das
Schäft nicht erweitert, sondern auf der alten Stufenleiter fortge-
Et werden. Wäre dieser Preisfall nicht zufälligen Umständen
Chuldet (besonders reicher Ernte, Ueberzufuhr ete.), sondern einer
(Mehrung der Produktivkraft in dem Zweig, der den Rohstoff
ert, so wäre dies Geldkapital ein absoluter Zuschuß zum Geld-
kt, überhaupt zu dem in der Form von Geldkapital disponiblen
Pital, weil es keinen integrierenden [unbedingt notwendigen] Be-
Ndteil des bereits angewandten Kapitals mehr bildete.

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Fall. Preiswechselim Marktpreis des Produkts selbst.
;_ Hier geht bei Fall des Preises ein Teil des Kapitals verloren und
/ß daher durch neuen Vorschuß von Geldkapital ersetzt werden.
Üser Verlust des Verkäufers mag wiedergewonnen werden durch
Käufer. Direkt, wenn das Produkt nur durch zufällige Kon-
ıkturen in seinem Marktpreis gefallen und nachher wieder auf

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