hier zusammengekommen sind, hat die Wirtschaft selbstverständlich das größte Interesse. Dieses Interesse erstreckt sich keineswegs bloß auf die Kraftfahrindustrie. Bei der starken Ausdehnung, die das Lastkraftwesen zu Zwecken der Güterbeförderung genommen hat, ist die Wirtschaft auch in hohem Grade interessiert an guten Automobilstraßen um deswillen, weil vom Zustand der Straßen die Betriebsunkosten und vor allem die Materialabnützungskosten stark beeinflußt werden. Die Industrie- und Handelskammer München hat schon im Oktober vorigen Jahres sich mit der Frage der Erstellung reiner Automobilstraßen beschäftigt. Ich war in der Sache als Referent bestellt und kann heute zu meiner Freude konstatieren, daß das, was der Herr Referent der heutigen Tagung, Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck, in dieser Frage nach der grundsätzlichen Seite ausgeführt hat, sich mit der Auffassung deckt, die bei der Industrie- und Handelskammer München und, wie ich wohl hinzufügen darf, bei der bayerischen Wirtschaft im allgemeinen besteht. Auch die Kreise der bayerischen Wirtschait stehen auf dem Standpunkt, daß das ins Auge zu fassende Ziel die reinen Autostraßen sein müssen, aus verschiedenen Gründen, auf die ich hier nicht näher einzugehen brauche. Da aber unter den derzeitigen Verhältnissen, vor allem bei der heutigen finanziellen Lage des Reiches und bei der Not der Wirtschaft, sowie angesichts der allgemeinen Kapitalnot, kaum zu hoffen ist, dieses Ziel in absehbarer Zeit zu erreichen, ist zunächst an einen bevorzugten Ausbau der vorhandenen, die großen Verkehrs- und Wirtschaftszentren verbindenden Straßen für die Zwecke des Autover- kehrs zu gehen. Dabei wird vor allem die Anfertigung eines General- linienplanes ins Auge zu fassen sein, an Hand dessen der systematische Ausbau der dafür in Betracht kommenden vorhandenen Staatsstraßen vorzunehmen sein wird nach den Grundsätzen, die der Herr Reierent uns vorgetragen hat. Dabei wird bereits darauf Rücksicht zu nehmen sein, daß, wo immer es angeht, auch eine Verbesserung der vorhandenen Straßenlinien ins Auge gefaßt wird, daß z. B., wo es sich machen läßt, unnötige Weg- krümmungen durch Führung möglichst gerader Linien entfernt, enge Stellen beseitigt und Terrainunterschiede nach Möglichkeit ausgeglichen werden. Auch auf möglichste Ausschaltung unübersichtlicher Strecken wird bei der Herstellung des Generalplanes Rücksicht zu nehmen sein, Ein ganz besonderes Interesse an der Herstellung eigener Auto- straßen scheint mir auch für die Landwirtschaft zu bestehen. Die Land- wirtschaft hat ein Interesse daran, daß die Straßen, die dem örtlichen Verkehr dienen, vom Automobilverkehr möglichst befreit werden. Dieses Interesse wird in den Kreisen der Landwirtschaft rechtzeitig geweckt werden müssen. Die Anpassung des vorhandenen Straßennetzes an die Anforderungen des Autoverkehrs und gar erst die Erstellung eigener Autostraßen werden umfangreiche Grunderwerbungen, Grundabtretungen, 33 Autofernstraßen-Tagung Leipzig 1927