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        <title>Autofernstraße Berlin, Leipzig, München, Rom</title>
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Verkehr un: &amp;gt; irspolitik
Schriftenreihe des Rats-Verkehrsamtes Leipzig, Neues Rathaus
Herausgegeben von
Stadtrat Dr. Leiske

ıtofernstraße
Berlin
Leipzig
München
Rom

Ein Tagungsbericht

Leipzig
Februar 1927
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        Verkehr und Verkehrspolitik
Schriftenreihe des Rats-Verkehrsamtes Leipzig, Neues Rathaus

Leipziger

Herausgegeben von
Stadtrat Dr. Leiske

Nr. 4=Autofernstraße



Berlin

Leipzig

München

Rom

Bericht

von der Autofernstraßen-Tagung
Leipzig, Neues Rathaus,
11. Januar 1927.

Leipzig

Februar 1927
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        Vorwort des Herausgebers.

Mit diesem Beitrag werden in der Schriftenreihe die Verhandlungen
im Leipziger Rathaus vom 11. Januar 1927 über die Autofernsitra Be
Berlin— Leipzig—München— Rom (festgehalten. Das wird
sich lohnen, denn die Verhandlungen haben sich auf anerkennenswerter
Höhe bewegt; sie haben das nächst gesteckte Ziel erreicht; und manch
gesprochenes Wort verdient über den Verhandlungstag hinaus vermerkt
und in weiteren Kreisen beachtet zu werden.
Mit dem Herausgeber sind gewiß verschiedene Teilnehmer durch
den Lauf der Verhandlungen erinnert worden an die heiß umstrittene
Atmosphäre der Eisenbahnplanungen vor hundert Jahren, wie sie uns in
den streitbaren Schriften von Friedrich List aus jedem Wort entgegenströmt.
 List’s klassisch gewordene Planskizze zu einem deutschen Eisenbahn-System
 (1833) und der bekannte Autofernstraßen-Plan der Studiengesellschaft
 für Automobilstraßenbau (1926) bieten ja überhaupt mancherlei
 reizvolle Parallelen.
Friedrich List hat Leipzig einmal die „Herzkammer des deutschen
Binnen-Verkehrs“ genannt. Leipzig verdankt Fr. List die grundlegenden
Gedanken für ein sächsisches Eisenbahn-System („als Grundlage eines
allgemeinen deutschen Eisenbahn-Systems“) und für eine Eisenbahn von
Leipzig nach Dresden. Und Fr. List hat mit dieser weit vorausschauenden
 Eisenbahnpolitik in Leipzig Erfolg gehabt, wenn auch nur den Erfolg
der bahnbrechenden Idee nach Überwindung vieler, vieler Widrigkeiten.
Möchte diese gute List’sche Tradition, die in Leipzig über den ersten
Verhandlungen zur Autofernstraße Berlin—Leipzig—München—Rom geschwebt
 hat. von guter Vorbedeutung sein für Ziel und Weg!
        <pb n="6" />
        Inhalt

Vorwort des Herausgebers
Begrüßung . ..
Vortrag von Herrn Ministerialrat Dr.-Ing. Speck, Dresden .
Aussprache zum Vortrag . . ..
Richtlinien (in der vorgeschlagenen Fassung)
Aussprache zu den Richtlinien. . . .
Richtlinien (in der endgültigen Fassung)
Anwesenheitsliste

Seite
3
5
6
24
12
45
51
52

Das Stenogramm lag in der Hand des
Herrn Ad. Freytag, Stenographen
der Stadtverordneten-Versammlung.
        <pb n="7" />
        Am Vorstandstisch:

Herr Oberbürgermeister Dr. Rothe, Leipzig,
Vorsitzender.
Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck, Dresden,
Herr Stadtbaurat Hahn, Berlin.
Herr Stadtrat Dr. Konrad, München.
Herr Stadtrat Dr. Leiske., Leipzig.

Vorsitzender:
Meine sehr geehrten Herren! Auf Anregung unseres unier
Leitung des Herrn Stadtrats Dr. Leiske stehenden Verkehrsamtes
 haben wir Sie zu dieser Tagung eingeladen. Die Einladungen
waren erst auf einen kleineren Kreis beschränkt; aber als in der Presse
bekannt wurde, daß diese Tagung eingeladen sei, kamen von vielen
Seiten noch Wünsche an uns, daß auch sie an der Tagung teilnehmen
möchten, und wir glaubten, diesen Wünschen in großem Umfang entsprechen
 zu sollen. So haben wir denn eine weitaus größere Zahl von
Teilnehmern an dieser Tagung zu verzeichnen. als ursprünglich gedacht

War.
Ich begrüße Sie, meine Herren, die Sie unserer Einladung gefolgt
sind, im Namen des Rates, im Namen des Verkehrsamtes aufs herzlichste
n Leipzig und danke Ihnen, daß Sie Ihr Interesse für den Gegenstand
ınserer Tagung bekundet haben, zu uns gekommen sind und bereit sind,
an dieser für uns, für die beteiligten Städte und die beteiligten Länder
außerordentlich wichtigen Frage mitzuwirken.
Ich habe die Ehre, Vertreter der Reichsregierung, Vertreter der
&amp;gt;reußischen, der sächsischen und der bayerischen Regierung, Vertreter der
Provinzen, Vertreter der Städte, Vertreter der Automobilindustrie und
Jer Automobilklubs, Vertreter der Presse, kurzum eine große Reihe hervorragender
 Männer hier zu begrüßen. .
Da es für die Teilnehmer der Tagung uns wichtig erschien, daß
jeder einzelne weiß, welche verschiedenen Behörden, Interessengruppen
aısW. auf dieser Tagung vertreten sind, so haben wir Ihnen ein Teilnehmerverzeichnis
 drucken lassen und auf Ihren Platz gelegt, aus dem
        <pb n="8" />
        Sie das Nötige ersehen können. Ich begrüße deshalb, ohne die einzelnen
Namen nun hier zu nennen, alle die Herren, die dort verzeichnet sind, zu
dieser Tagung aufs herzlichste.
Meine Herren! Die Frage der Automobilstraßen ist in den letzten
Jahren Gegenstand der Erörterungen an vielen Stellen gewesen. EFs
besteht eine deutsche Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau, die
sich seit Jahren, auch durch Studien im Ausland, mit dieser Frage aufs
eifrigste beschäftigt hat und die das Ergebnis dieser Studien auch in
zahlreichen Schriften niedergelegt hat. Wir haben außerdem in Mailand
eine große Automobilfernstraße von Puricelli von Mailand nach den
oberitalienischen Seen entstehen sehen, und wir haben in den letzten
Monaten von der Gründung der sogenannten „Hafraba“ gehört, einer
Gesellschaft, die sich das Ziel gesetzt hat, eine Autofernstraße, die lediglich
 für schnellfahrende Autos bestimmt ist, von Hamburg über Frankfurt
nach Basel und von dort weiter über den Gotthard nach Mailand und
Genua zu bauen. Die Sachen sind also in Fluß, und auch wir in Leipzig
sind der Meinung gewesen, daß es an der Zeit sei, sich darüber klar zu
werden, wie eine zweite Nord-Süd-Straße, die nach unserem Dafürhalten
von Berlin über Leipzig nach München gehen müßte, mit Anschluß nach
Norden und nach Süden, also von München aus über den Brenner nach
Italien, gebaut und wie sie in nicht zu ferner Zeit ihrer Verwirklichung
zugeführt werden kann.
Wir wissen, daß die Meinungen darüber, in welcher Art diese
Straßen gebaut werden sollen, auseinandergehen, und wir haben Herrn
Ministerialrat Dr.-Ing. Speck gebeten, das einleitende Referat zu übernehmen,
 wobei wir uns bewußt sind, daß dabei die eine dieser Richtungen,
 die uns etwas in Gegensatz setzt zu der anderen von der
„HMafraba‘, zu Worte kommen soll. Wir haben die Absicht, durch Zusammenarbeit
 der Länder, der Provinzen, der Städte und der Automobilverbände
 möglichst bald das Ziel zu erreichen, daß in Deutschland gute
Autostraßen hergestellt werden, die den berechtigten Anforderungen der
Autoführer entsprechen können. Wir arbeiten im Interesse des Verkehrs
und im Interesse der Industrie und haben den Wunsch. daß unsere Bestrebungen
 zum Ziele führen.
Nur soviel möchte ich zur Einleitung sagen und möchte bitten, daß
wir gleich in die Sache selbst eintreten und ohne weitere Begrüßungen
sofort den Bericht des Herrn Ministerialrats Dr.-Ing. Speck zur Sache
hören. Ich bitte den Herrn Ministerialrat. uns den Bericht zu gehen

Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck. Dresden:

Meine sehr geehrten Herren! Wenn ich hier gleichzeitig Vertreter des
sächsischen Finanzministeriums bin, so darf ich sagen, daß das sächsische
"inanzministerium, wie es schon von jeher der Frage der Autostraßen Auf-
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        3 ont \ © j
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merksamkeit gewidmet hat, auch in Zukunft dieser Frage \eßhaftes In-‘eresse
 entgegenbringen und sie weiter im Auge behalten Wird. Abar ve
meine folgenden Ausführungen bitte ich, nicht vom Standpunkt d&amp;amp;&amp;amp;siel”
sischen Finanzministeriums aus auffassen zu wollen, sondern lediglich
als meine persönliche Ansicht, die ich die Ehre habe, Ihnen darzulegen,
nachdem der Herr Oberbürgermeister der Stadt Leipzig mich gebeten hat,
ainmal Ihnen die ganze Frage, über die ja viel in der Welt gesprochen
wird, aufzurollen. Es ist natürlich im Rahmen einer kurzen Stunde nicht
möglich, alles zu bringen; aber ich hoffe, daß ich Ihnen wohl das
Wesentlichste in der kurzen Zeit vortragen kann.

Meine Herren! Autostraßen, Autofernstraßen, diese Worte sind seit
zurzem in aller Munde, und die Tageszeitungen aller Gegenden Deutschlands
 bringen kurze oder längere Aufsätze und Notizen darüber. So
sollen 7 Autofernstraßen in Angriff genommen und bis 1931 fertiggestellt
werden, und zwar zwei West-Ost-Linien:
i. mit Anschluß von Brüssel, bei Aachen beginnend, über Köln, Düsseldorf—Kreiensen—Magdeburg—Berlin—Schneidemühl—Danzig—Elbing—

Königsberg mit Anschluß in der Richtung nach Petersburg und Moskau
mit einer Länge von 1200 km,
2. mit Anschluß von Frankreich über Metz, bei Saarbrücken beginnend,
 über Mainz—Frankfurt—Fulda—Erfurt—Leipzig—Dresden—
Görlitz—Liegnitz—Oppeln mit Anschluß nach Krakau, 950 km lang.
Zwei Nord-Süd-Linien:
3, Die eine verbindet Hamburg—Kreiensen—Erfurt—Koburg—Nürnberg—Ingolstadt—München
 mit Parthenkirchen, mit südlichem Anschluß
nach Italien über Innsbruck—Brenner-Paß, während im Norden Dänemark
 über Kiel—Flensburg zu erreichen ist, und
4. Wesel—Düsseldori—Köln—Coblenz—Mannheim bis Basel, mit südlichem
 Anschluß nach der Schweiz und Genua und nordwestlich nach
den Niederlanden.
Dazu treten drei Verbindungsstraßen:
5. Frankfurt—Würzburg—Nürnberzg-—Regensburg—Passau (Anschluß
ı1ach Wien),
6. Stettin—Berlin—Leipzig—Hof— Nürnberg und
7. Hannover—Kassel—Coblenz (Anschluß nach Luxemburg).
Die Gesamtlänge der sieben Straßen ist rund 5000 km. Die Baukosten
 würden etwa 2 Milliarden Mark betragen. In neuester Zeit hat
sich nun bereits für eine Linie Hamburg—Hannover—Kassel—Frankfurt—
Karlsruhe—Basel, die in der Richtung Zürich—St. Gotthard—Como—
Mailand—Genua weitergehen soll, eine Studiengesellschaft „Hafrabra“ gedildet,
 und vor wenigen Wochen hat der Provinziallandtag der Rheinprovinz
 die Autobahnstraße Köln—Düsseldorf genehmigt. Heute sind Sie,
verehrte Anwesende, vom Rate der Stadt Leipzig zur Fernstraßen-Zinleitung.


Vorgeschichte.
        <pb n="10" />
        Tagung Berlin—Leipzig—München eingeladen. Einen Namen haben wir
ür die Linie noch nicht. Aber schon, ehe es eine „Hafabra“ gab, sagte
ch mir: Wenn einmal.aus der Sache etwas werden soll, müssen wir dem
Kind einen Namen geben, und da wir nach Süddeutschland kommen,
könnten wir es vielleicht „Müleiberl“ nennen. (Heiterkeit)

. Verkehr.

Zunächst ein paar Worte über den Verkehr auf den Überlandstraßen.
 Seit einem Vierteljahrhundert hat der Kraftwagen von der Straße
Besitz ergriffen und verdrängt immer mehr und mehr die Pierdefuhrwerke,
wenn auch dieser Vorgang sich nicht so schnell abspielt, wie man bisher
anzunehmen geneigt war. Denn, wie die Verkehrszählungen ergeben
haben, beträgt der Fuhrwerksverkehr selbst im industriereichen Westfalen
 dem Gewicht nach immer noch 31,4%, in Ost- und Westpreußen
53,3% und ist im Reichsmittel auf den deutschen Staats- und Provinzialstraßen
 48,3% des Gesamtverkehrs. Wir haben heute somit überall noch
mit gemischtem Verkehr zu rechnen, und zwar mit Pferdefuhrwerk einerseits
 und mit Kraftwagen andererseits, die sich aus Krafträdern, Personenwagen
 und Lastkraftwagen zusammensetzen. Im Nahverkehr mit
kleinen Lasten werden die Pferdefuhrwerke kaum verschwinden, dagegen
die schweren Lasten auf den Lastkraftwagen übergehen. Für den Fernverkehr
 werden die Personenkraftwagen bald das Feld allein behaupten.
Mit zunehmender Geschwindigkeit und Zahl wird im Straßenverkehr
eine Trennung der tierisch und motorisch bewegten Fahrzeuge unausbleiblich
 werden, sei es nun durch Teilung des gemischten Verkehrs auf
einer Straße, dergestalt, daß jede Gattung auf gesonderte Fahrbahnstreifen
 verwiesen wird, oder durch Verweisung auf verschiedene Straßen,
wobei es nur eine Frage der Zweckmäßigkeit ist, ob man neue Autostraßen
 baut oder neue Pferdefuhrwerksstraßen, wie Herr Ministerialrat
 Vilbig von München anregte, Schließlich kommt eine Trennung in
Nah- und Fernverkehrsstraßen in Frage.
Über den Stand des Verkehrs auf den deutschen Landstraßen gibt
Ihnen die bereits im Druck befindliche erste deutsche Verkehrskarte
ein gutes und einwandfreies Bild. Sie sehen also hier die deutsche Verkehrskarte,
 die ich mir gestatten darf, hier erstmalig vorzuführen. Sie
ist hergestellt vom Deutschen Straßenbauverband und befindet sich bereits
 im Druck. Sie sehen hier ein Werk, an dem die deutschen Länder,
die Provinzen und preußischen Kreise mitgewirkt haben. Eine Erklärung
würde mich jetzt zu weit führen, aber ich bitte die Herren, doch gelegentlich
 einmal nach der Sitzung einen Blick auf diese Karte zu verwenden.
Sie sehen da den schweren und starken Verkehr im Norden der
Rheinprovinz und in Westfalen, im Freistaat Sachsen und in der Umgebung
 der großen und zum Teil auch der mittleren Städte. Sonst
herrscht durchgängig noch ein mittlerer, auf Jahre hinaus bequem zu
bewältigender Verkehr. Auf der sächsischen Karte würde man das
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        noch deutlicher sehen. Überall, auch in den verkehrsstarken Gegenden,
werden Sie die schnelle Abnahme des Verkehrs in einem Abstand von
20 km von den Städten bemerken, so daß die von uns stets behauptete
Tatsache zutrifft, daß es einen eigentlichen Fernverkehr in großem Ausmaß
 auch heute noch nicht gibt, Wenn es in Deutschland im Jahre 1920
61561 Kraftwagen einschließlich 9369 Krafträdern gab, und heute etwa
350000 Kraftwagen einschließlich rund 250000 Kraiträdern vorhanden
sind, so hat sich damit nicht etwa auch der Durchgangsverkehr ver-1‚eunfacht.
 Die Abnahme des Verkehrs zwischen zwei größeren Orten
spielt sich vielmehr wie folgt ab. (Erläuterung einer zeichnerischen Darstellung.)
 Das Verkehrsband nimmt stufenartig von den Städten auszehend
 schnell ab, es folgt dann bald eine lange, schmale Zwischenstrecke.
Diese ist maßgebend für den Durchgangsverkehr. Sie können sich das
als Wasserleitung vorstellen. Durch diese dünnsten Stellen muß der
Verkehr durchgehen. Aber auch dieses kleinste Maß gibt nicht den vollen
Fernverkehr, weil darin auch der Ortsverkehr und Seitenverkehr enthalten
 ist, so daß als Durchgangsverkehr nur etwa 80% dieser schmalen
Strecke anzunehmen sind. Steigt nun die Zahl der meist in größeren
Orten beheimateten Kraftwagen und damit der Verkehr, so wird der
zrößere Anteil dieser Verkehrssteigerung immer wieder auf den Nahverkehr
 entfallen und nur der kleinere Teil auf den Durchgangsverkehr.
Yat man also in Deutschland heute eine Autozahl von rund 550 000 Kraftfahrzeugen,
 oder etwa einen Kraftwagen auf 200 Einwohner, so wird
sich bei einem Stand von 2750000 Kraftwagen, das fünffache, oder ein
Kraftwagen auf 40 Einwohner — Belgien hat heute einen Kraftwagen auf
93 Einwohner —, der Durchgangsverkehr nicht verfünffachen, sondern
weniger zunehmen.
Besondere Verhältnisse treten ein, wenn, wie in der Rheinprovinz und
ın Westfalen, auch im Südwesten Sachsens industriereiche Städte sehr
nahe aneinander liegen, also näher als 2 X 20=40 km; dann fällt die
den Durchgangsverkehr charakterisierende schwache Zwischenstrecke
weg, und wo mehrere Städte an einer Straße liegen, erscheinen Verkehrsbänder,
 die den Eindruck des Durchgangsverkehrs machen. Tatsächlich
 überwiegt auch hier, wie die Verkehrsbänder in größerer Entiernung
 zeigen, der Nahverkehr. So beträgt die Entfernung der Stadtgrenzen
 von Düsseldorf und Köln nur 31 km; dazwischen liegen rechtsrheinisch
 noch die industriereichen Orte Opladen, Hilden und Benrath mit
dem wichtigen märkischen Hinterland. Die dort geplante Autostraße ist
demnach im wesentlichen durch den Verkehr der benachbarten Städte
und ihres Hinterlandes bedingt. Es handelt sich also nicht um eine
Durchgangsstraße, sondern um eine große Industriestraße von nur 31 km
Länge, die zwischen den Endpunkten noch mehrere Städte berührt, Ein
ähnliches Beispiel ist das südwestsächsische Industriegebiet mit Chemnitz,
 Glauchau, Reichenbach, Plauen und dem Kohlenrevier. Weitere
        <pb n="12" />
        Sondererscheinungen sind die Ausfallstraßen der Großstädte und die Aus-Mugstraßen
 in der Umgebung der Großstädte, wozu z. B. auch die von
privater Seite geplante Nur-Autostraße Wien—Semmering gehört (Luftlinie
 75 km), und bis zu einem gewissen Grade auch die Nur-Autostraße
Mailand—Oberitalienische Seen, von der später zu sprechen ist.

„ Straßennetze.

Nun gehe ich zum Straßennetz über, das hier auf der großen
Durchgangsstraßenkarte dargestellt ist. Wenn man lediglich die Verkehrskarte
 betrachtet, so werden, worauf ich im Rahmen dieses Vortrags nicht
näher eingehen kann, die deutschen Landstraßen noch lange imstande sein,
den Verkehr zu bewältigen. Sie müssen nur der Stärke und der Schwere
des Verkehrs, d. h. der Zahl und dem Gewicht der Fahrzeuge, angepaßt
werden. Die Bewältigung des Verkehrs kann aber nicht allein maßgebend
sein. Über jedes Land muß sich ein Netz von Straßen ausbreiten, die die
großen Wirtschaftsgebiete, also vor allem die größeren Städte, verdinden.
 Ferner muß mit Entwicklungsmöglichkeiten gerechnet werden,
die naturgemäß eine Verkehrszählung, die lediglich die bestehenden Verhältnisse
 getreulich darstellt, nicht erfassen kann. Neue Verkehrsmittel
und neue Verkehrswege schaffen auch neuen Verkehr, ohne den alten
dauernd zu drosseln, wie die Entwicklung der Fisenbahnen gezeigt hat.
Trotzdem darf man die Entwicklungsmöglichkeit bei der Wirtschaftslage
Deutschlands, die auf Jahre hinaus nicht rosig sein kann, nicht überschätzen,
 zumal wenn man bedenkt, daß sich daneben auch die Eisenbahn
durch Verbesserung ihres Betriebes und ihrer Betriebsmittel (Elektrifizierung,
 Einführung der Großgüterwagen), der Wasserverkehr (Ausdau
 der Wasserstraßen, der Kanäle) und der Fluzzeugverkehr mit Sicherheit
 weiterentwickeln werden.
Wie dem auch sei, auch aus der deutschen Verkehrskarte heben
sich gewisse Straßenzüge ab, die schon heute eine größere Bedeutung
 besitzen, und zwar erstens solche, die stärkeren Verkehr überhaupt
aufweisen und große Wirtschaftsgebiete verbinden, und zweitens solche,
die ohne diesen starken Verkehr als Verbindungen von wichtigen Ge-Dieten
 und Städten notwendig sind.
Davon ausgehend hat der Deutsche Straßenbauverband die bekannte
bei uns in Dresden zusammengestellte Karte der Hauptdurchgangsstraßen
Deutschlands aufgestellt, deren Netz etwa 30 000 km lang ist. Sie sehen
diese Karte dort. Der ursprüngliche Zweck war, die einzelnen deutschen
Wegebauverwaltungen zu einem einheitlichen Unterhaltungsplan zu
dringen. Entstanden ist der Gedanke in einer Sitzung der preußischen
Landesbauräte und des Vorstandes des Deutschen Straßenbauverbandes.
Es sollte vermieden werden, daß die einzelnen Verwaltungen ihre Straßen
öhne Fühlung mit dem Nachbar in Ordnung bringen und ausbauen. Aus
dieser Tuchfühlung entstand dann die planmäßig aufgestellte Reihe der
bestehenden Durchgangsstraßen. Also Ausbau der bestehenden
        <pb n="13" />
        Straßen zu einem großen Durchgangsstraßenkörper, ausgehend von
der Einzelzelle. Der Planungsausschuß der Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau
 fing am anderen Ende an. Ausgehend vom Gesamtorganismus
 plante er zunächst das bekannte Fernstraßennetz und dann
nach Auslese das Spitzennetz mit 15000 km Länge, das sich nach den
letzten Beschlüssen der Studiengesellschaft auch an die bestehenden
Straßen angliedern soll, also ebenfalls lediglich den Ausbau der bestehenden
 Straßen zum Ziele hat und so mit dem erstgenannten Netz in
Einklang gebracht werden kann. Das Netz des Straßenbauverbandes soll
übrigens nach der neuen Verkehrskarte und nach den Vorschlägen der
„Stufa‘“ überprüft werden. Damit ist die wünschenswerte Zusammenarbeit
gewährleistet. Ich glaube übrigens, daß die eingangs erwähnten Nachrichten
 vom Ausbau des ersten Teils des Spitzennetzes als Nur-Autostraßen
 bis 1931 lediglich auf einem Mißverständnis der Absichten der
„Stufa‘“ beruhen. Anders kann ich mir das nicht erklären; denn der
Straßenbauverband — der eine amtliche Vertretung der Straßenbauverwaltungen
 der Länder und Provinzen ist — müßte davon wissen, daß
bis 1931 diese 2 Milliarden ausgegeben werden sollen.

Ich komme zum Ausbau. Wie soll nun ein solches Hauptnetz von
Landstraßen dem zukünftigen Verkehr angepaßt werden? Das ist
meines Erachtens die Kardinalirage in technischer und wirtschaftlicher
Hinsicht. Es gibt zwei Möglichkeiten. Man kann die bestehenden Straßen
dem neuzeitlichen Verkehr anpassen, und man kann neue Straßen bauen,
die nur dem Kraftwagenverkehr dienen. Man kann auch beides tun oder
schließlich Mittelwege einschlagen. Wählt man die erstgenannte Art, den
Ausbau der bestehenden Straßen, so wird man den Bau von Nur-Autostraßen
 auf die schon erwähnten Sonderfälle beschränken können, aber
nicht umgekehrt. Der Nahverkehr erfordert trotz des Baues von Nur-Autostraßen
 auch die Verbesserung der bestehenden Straßen. Schließlich
 ist noch der Gedanke zu erwähnen, die bestehenden Straßen auch
als Nur-Autostraßen auszubauen und dann für den Pferdeverkehr billige
Nebenstraßen zu bauen. Im folgenden sei der Ausbau der bestehenden
 Straßen kurz als „Ausbau“ bezeichnet, und die
Straßen, die nur dem Kraftwagenverkehr dienen sollen, sollen kurz
„Nur-Autostraßen‘“ genannt werden, da die Ausdrücke „Autostraße,
 Autofernstraße‘“ nicht eindeutig und daher irreführend sind und
die Bezeichnung Autobahnstraße zwar treffend ist, aber heute noch nicht
Ohne weiteres der Allgemeinheit verständlich sein wird. Deshalb bitte
ich, den Ausdruck „Nur-Autostraße‘, um jedes Mißverständnis vermeiden
zu können, wählen zu dürfen.
Ich brauche hier in diesem Kreise nicht näher auf den Ausbauder
bestehenden Straßen einzugehen. Die Fahrbahn muß auf ihre
ganze Länge eine widerstandsfähige, staubfreie Decklage erhalten, die

Il. Der Aust

1
        <pb n="14" />
        dem jeweiligen Verkehr entsprechend mit Oberflächenbehandlung bei
schwächerem, mit dauerhafteren Decken, mit Pilaster, Beton, Bitumen
und Teer und dergleichen bei stärkerem und schwererem Verkehr zu
versehen ist. Ebenso wichtig ist aber die Anpassung der Straßenanlage
 an den gemischten Verkehr. Da sind die Krümmungen, wenn
irgend möglich, auf 300 m, mindestens auf 100 m Halbmesser zu ermäßigen.
 Starke anhaltende Steigungen sind abzumindern — ich will Sie
hier nicht mit Zahlen ermüden —, plötzliche Gefällsbrüche auszurunden,
unübersichtliche Stellen zu beseitigen, wozu ich die Beseitigung von
däusern, Abflachung von Innenböschungen, Durchhiebe in Waldstrecken
rechne. In starken Krümmungen ist die Fahrbahn zu verbreitern und das
Quergefälle der Straße, wenn mit Rücksicht auf das Piferdefuhrwerk
möglich, ganz einseitig und im übrigen das Quergefälle aller Straßen zu
vermindern, Die Fahrbahnbreite soll möglichst für 2 Vollspuren — d. h.
auf 6 m Breite —, eingerichtet werden. Davon ist mindestens eine Breite
von 5,25 m — wir nehmen in Sachsen gewöhnlich 5,50 m —, besser aber
die ganze Breite von 6 m zu befestigen. Das Bankett möchte beiderseits
nicht unter 1,50 m breit sein, In der Nähe der Großstädte ist 3- bis 4-spuriger
 Ausbau zu erwägen. Wo der Örtliche Verkehr von der bestehenden
 Straße überhaupt nicht mehr bewältigt werden kann, oder wo
sich die soeben genannten Maßnahmen nicht durchführen lassen, muß
sine neue Straße angelegt werden, mag sie nun wie in Ortschaften nur
als Gürtel-, Entlastung s- oder Umgehungsstraße oder
als vollständig neue Verkehrsanlage ausgebildet werden. Hier
kann z. B. eine Nur-Autostraße als Umgehungsstraße in Frage kommen,
vor allem bei den Ausfallsstraßen der Großstädte, in Industriegebieten,
nach Orten lebhaften Ausflugverkehrs. Auf die städtebaulichen Maßnahmen,
 Durchbrüche, Verkehrsregelung, Einbahnstraße und anderes will
ich nur hinweisen. Solche Bauten sind in ganz Deutschland schon im
Gang. In Bayern verweise ich auf die großzügige Verlegung am Zipser
Berge, in Sachsen auf die Umgehungsstraßen bei Penig, in Augustusburg,
zwischen Chemnitz und Reichenbrand und bei Wolkenstein. Finen Plan
des Ausbaues der Reitzenhainer Straße zwischen Leipzig und Chemnitz
zestatte ich mir, Ihnen vorzuführen. Ich habe diesen Plan nur einmal
ausgehängt, um zu zeigen, wie man z. B. die Straße von Leipzig nach
Chemnitz, die bekannte Reitzenhainer Straße, ausbauen kann. Sie sehen
dort rot gezeichnet einmal eine Planung als Nur-Autostraße, auf die ich
nachher zurückkomme, und dann einmal eine Ausbaustraße, mit den Verlegungen
 bei Magdeborn, Gestewitz usw., bei Penig mit 1,7 km langer Umzgehung
 der Stadt und einer großen Muldenbrücke. Da können Sie sehen,
wie man eine Straße ausbaut. Daneben ist.die Planung der Nur-Autostraße
dargestellt, die wir bei 63 km Länge auf 20 bis 25 Millionen RM geschätzt
haben. Die bestehende Straße auszubauen kostet 7,3 Millionen ohne den
Straßendeckenneubau. Solche Ausbauten haben die Straßenbauverwal-
        <pb n="15" />
        tungen aller Länder und Kreise überall geplant. Ich darf nur an die
bayerische und sächsische Denkschrift erinnern, und es sind auch in
anderen Ländern nicht nur bereits großzügige Pläne aufgestellt, sondern
auch die Mittel dafür bewilligt worden.

Nun komme ich zu der Nur-Autostraße. Der eben behandelte
„Ausbau“ wird auch nicht wesentlich abgemindert werden können,
wenn der zweite Plan, die Schaffung von Nur-Autostraßen, verwirklicht
wird. Eine gewisse Entlastung des ersten Planes wird besonders dort
eintreten, wo die Nur-Autostraßen neben den alten geführt werden
können. Da aber, wie wir in der sächsischen Denkschrift nachgewiesen
haben, das schnellste Tempo für den Ausbau das wirtschaftlichste ist,
wird sich vielfach die Entlastung durch Nur-Autostraßen überhaupt nicht
auswirken können, weil das Tempo des Baues von neuen Straßen naturgemäß
 sich auf große Zeiträume ausdehnen wird. Wenn man z. B. nur
die 5000 km ausbauen wollte, so müßte man mindestens 10 bis 20 Jahre
rechnen, während wir doch die Straße in ein paar Jahren vollkommen
in Ordnung bringen müssen. Wenn man also Nur-Autostraßen bauen
will, so wird man doch trotzdem das erste Programm daneben durch-‘ühren
 müssen.
Diese Nur-Autostraßen werden dem Schnellverkehr dienen, wenn
anders sie ihren Zweck erfüllen sollen. Sie sind einzuteilen in Straßen,
die nur dem Personenwagenverkehr dienen, und solche, die für Personenund
 Güterverkehr, also auch für Lastkraftwagen, bestimmt sind. Die
letztere Art wird wohl aus wirtschaftlichen Gründen die Regel bilden
müssen. Die Bauart der Fahrbahndecke wird die einer Straße mit dauerhafter
 Decklage sein müssen, schon um bei dem Schnellverkehr, der
meines Erachtens sich mit der Entwicklung des Motorenbaues mit der
Zeit bis auf 150 km pro Stunde steigern wird, Ausbesserungen und Neudeckungen
 zu vermeiden. Die Breite richtet sich nach dem Verkehr. Die
1-spurige Anlage ist die gegebene, da der Richtungsverkehr durchgeführt
werden muß, in jeder Richtung eine Spur für den Schnellverkehr und eine
Spur für den langsamer fahrenden Lastkraiftwagenverkehr, die zugleich
zum Überholen dient. Anfangs wird man mit 3 Spuren auskommen
Können, was aber bei größerem Verkehr verkehrsgefährlich ist. Im Rheinland
 hat man jetzt auch 4 Spuren angenommen. Die 4-spurige Straße
erfordert 12 m Fahrbahnbreite, dazu je 1,50 bis 2,50 m Bankette, also im
ganzen 15 bis 17 m Breite. Die Bankette dienen aber nicht für die Fußgänger,
 denn Fußgängerverkehr ist grundsätzlich auszuschließen, sondern
für Materialablagerung und auch für Ablagerung von Autos, die liegen
bleiben. (Heiterkeit.) Sollen Schnellbahnen etwa mit untergebracht
werden, so erhöht sich die Breite um 5 bis 6 m.
Die Grundrißgestaltung muß möglichst geradlinig sein mit guter Sicht
durch entsprechend breite, in Sehhöhe angeordnete Bermen in den Fin-IV,

 Die Nurstraße.


2
        <pb n="16" />
        schnitten. Die Krümmungshalbmesser sollen im Flachland möglichst nicht
anter 1000 m, im hügeligen Gelände nicht unter 500 m herabgehen. Als
Mindesthalbmesser bei Talkreuzungen und im Gebirge ist, aber nur ausnahms
 weise, 300 m anzusetzen. Ob bei Krümmungen unter 600 m Halbmesser
 einseitiges Quergefälle anzuwenden ist, hängt von der zugelassenen
 Geschwindigkeit ab. Um die Fluren nicht zu sehr zu zerschneiden,
wie schon bis jetzt durch die Eisenbahn, wird sich die Linie oft neben der
Fisenbahn hinziehen können. Ortschaften wird man in der Regel umgehen
müssen. Die großen Verkehrszentren muß man möglichst so verbinden,
daß von der Luftlinie nicht zu sehr abgewichen wird. Liegen zwei
wichtige Verkehrspunkte nahe aneinander, so soll die Linie in der Mitte
oder in der Nähe des wichtigeren vorbeiführen; die beiden Städte sind
dann mit besonderen Straßen an die Hauptlinie anzuschließen. Die unmittelbare
 Einführung einer Nur-Autostraße in eine Stadt wird fast niemals
möglich sein; sie soll in die Gürtelstraße einmünden. Ein Anschluß ist also
sowieso nötig, ob nun die Fernstraße in 2 oder 10 km Entfernung vorbeiführt.
 Das ist besonders für rivalisierende Städte wichtig; es kann
jede ihren Anschluß bekommen. Die Wirtschaftlichkeit wird entscheiden
müssen, ob man von der geradlinigen Führung zugunsten einzelner Wirtschaftsgebiete
 abweichen darf oder sich mit Anschlüssen begnügen kann.
Daneben ist natürlich das Gelände maßgebend. Denn auch die Ausgestalung
 des Längsschnittes der Nur-Autostraße ist wesentlich. Häufige Gejällsbrüche
 sind zu vermeiden, wenn sie lediglich mit Rücksicht auf den
Massenausgleich notwendig werden. Als zulässige Neigung ist für das
Flachland 3 %, für Hügelland vielleicht 4 % zu nehmen, für Gebirge und
Talkreuzungen wird man allenfalls eine höhere Steigung zulassen können,
doch erscheint mir der Vorschlag von 8% etwas zu reichlich. Es kann
sich da nur um Hochgebirge handeln.
Kreuzungen mit anderen Verkehrswegen in gleicher Höhe sind grundsätzlich
 als dem Wesen des Schnellverkehrs widersprechend auszuschließen.
 Feld- und Wirtschaitswege und Gemeindewege müssen unteroder
 überführt werden, wobei durch Zusammenlegung an Bauwerken
natürlich gespart werden kann. Es sind jedenfalls dieselben technischen
Maßnahmen zu treffen, wie sie bei der Anlage von Haupteisenbahnen
schon längst in Übung sind. In diesem Sinne hat sich auch der 5. Internationale
 Straßenkongreß in Mailand, der immer noch Deutschlands Mitarbeit
 entbehren muß, im September 1926 ausgesprochen,
Schließlich muß auf einer Nur-Autostraße Richtungsbetrieb herrschen.
Damit ergeben sich zwangsläufig kostspielige Anrampungen in Form einer
8 mit 4 Ohren, die ich in der Zeitschrift „Der Bauingenieur“ vom
6. August 1926, Heft 32, näher beschrieben habe. Wenn man den vorgeschlagenen
 Abzweigungshalbmesser von 25 m herabmindert, so entstehen
 die langgestreckten Bahnhöfe der Planung der Provinzialbauverwaltung
 der Rheinprovinz. Die Rheinprovinz hat auf 31 km ungefähr
        <pb n="17" />
        7 Bahnhöfe angeordnet, also sieben Stellen, wo man von der Autobahn,
ohne sie zu kreuzen, herunter kommen kann. Bei Kreuzung zweier Nur-Autostraßen
 ist die doppelte Zahl Rampen notwendig. Der 5. Internatio-2ale
 Straßenkongreß in Mailand hält zwar auch theoretisch die Kreuzung
der Fahrbahn bei Ab- und Anfahrt nach der Gegenseite für wünschenswert,
 glaubt aber, sie zulassen zu können, wenn gute Signalisierung einzerichtet
 und strengste Fahrdisziplin gehandhabt wird. Ob das möglich
und wirtschaftlich ist, wird nur die Erfahrung lehren. Die notwendigen
Nebenanlagen, Tankstellen, Betriebsbahnhöfe, Abgabe- und Wächterhäuschen,
 Signalstationen, Beleuchtung, Ausbesserungswerke, Schranken,
Sinfriedigungen usw. möchte ich nur erwähnen. Baumpflanzungen sind
wegen des Laubfalles gefährlich und daher zu vermeiden. Auf hohen
3öschungen wird man zweckmäßig doppelte Hecken pflanzen.
Die Baukosten einer Nur-Autostraße werden bei 3 Spuren zwischen
300 000 und 500000 Mark für 1 km betragen. Die Rheinprovinz rechnet
für ihre 4-spurige Straße mit 17 Millionen Mark bei 31 km Länge, das
sind rund 550 000 Mark pro km. Wir sind bei verschiedenen Planungen
in Sachsen auf etwas geringere Werte gekommen, so etwa auf 350 000
bis 400000 Mark. Wie groß die Betriebskosten sein werden, wage ich
trotz des ermutigenden Beispiels der oberitalienischen Nur-Autostraße
und der Berechnung der Rheinprovinz heute nicht zu sagen. Das muß
das weitere Studium der Frage bringen. Darüber werden vielleicht auch
die Herren, die sich näher damit beschäftigt haben, uns heute weitere
Mitteilungen machen können. Wenn man mit Abgaben von durchschnittlich
 5 Pfg. für den Wagenkilometer eines Personenwagens und 10 Pig.
tür den Wagenkilometer eines Lastkraftwagens rechnet, sollen die Ausgaben
 für Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals und die Unterhaltungskosten
 gedeckt sein. Unsichere Faktoren sind aber eben in dieser
Rechnung zum mindesten drei: 1) die staatsrechtliche Frage, ob das
Reich diese Abgaben zulassen wird, 2) die praktische Frage, ob sie der
Verkehr annehmen wird, und 3) die Höhe der verlorenen Zuschüsse und
Darlehen aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge und der verlorenen
Beiträge der öffentlichen und privaten Hand. Da kann man natürlich alle
möglichen Rechnungen aufmachen und unter Umständen auch einmal
etwas finanzieren, was sonst nicht geht. Es ist jedenfalls eine schwere
Frage — ich werde mich infolgedessen hier nicht weiter damit beschäftigen.
 (Heiterkeit.) Im günstigsten Falle halte ich die Wirtschaftlichkeit
nicht für ausgeschlossen.
Ich erinnere mich eines Einzelfalls: In der „Avus‘“ in Berlin werden
Abgaben erhoben. Da sagte mir ein Dresdner Professor, der auch in
Berlin Kolleg hält und in der Nähe von Berlin wohnt, er führe, obwohl
die Straßen in der Nähe gesperrt wären, stets in großem Bogen um die
„Avus“ herum; die Ausgabe mache er grundsätzlich nicht. Ich fürchte, daß,
wenn wir in Deutschland gute Landstraßen hekommen, die Herren Auto-5
        <pb n="18" />
        mobilisten es sich sehr überlegen werden, auf der Nur-Autostraße Abgaben
 zu zahlen, wenn sie auf den alten wieder instandgesetzten Straßen
fahren können. Nach der Erbauung der Bautzener Brücke fuhren die
Landwirte noch lange unten herum über die alte Brücke und nahmen
den Umweg und 30 m Gefälle in Kauf, nur um nicht die 20 Pig. Brückengeld
 bezahlen zu müssen.
Schließlich möchte ich Ihnen noch einige Angaben über die oberitalienische
 Nur-Autostraße machen, die mehrfach im Schrifttum und in
der Tagespresse beschrieben worden ist, so daß ich mich auf die Hauptsachen
 beschränken darf: Mailand—Gallarete—Varese, 14 m breit, 33,1 km
lang, Gallarete—Vergiate, Lainate—Como und Gallarete—Varese, 11 m
breit, 51,9 km lang. Gesamtlänge also 85 km; Bauart: Betonstraße
mit Bitumenüberzug. Die Finanzierung ist erfolgt durch ein Gesellschaftskapital
 von 50 Millionen Lire und durch die Ausschüttung von 25 Millionen
5 %iger Obligationen. Der italienische Staat gibt nur für dieses eine Unternehmen
 von 85 km Länge auf die Dauer von 50 Jahren eine Subvention
von 1,5 Millionen Lire jährlich. Nach Ablauf der 50 Jahre werden die
Straßen Staatseigentum. An Abgaben werden erhoben für einmalige
Fahrt 15 bis 26 Lire, für Hin- und Rückfahrt 22,50 bis 37,50 Lire (1 Lira
= 18 Pfg.). Dann gibt es Jahresabonnements zu 1350 bis 2250 Lire. Die
Bilanz wird von Herrn Geheimrat Otzen wie folgt angegeben: Einnahmen:
 Fahrten 5,4 Millionen Lire, Reklame, Lizenzen 1,6 Millionen, zusammen
 7 Millionen Lire. Ausgaben: Betrieb 1 Million Lire, Steuer
0,3 Millionen, Rücklage 0,2 Millionen, zusammen 1,5 Millionen Lire. Überschuß
 5,5 Millionen Lire. Kapital 84 Millionen Lire, Verzinsung 6,5 %.,
Tägliche Fahrtenzahl 750, jährliche Fahrtenzahl 270 000. Die Verwaltung
aimmt für den km 5 Pfg. durchschnittlich und hat wohl 1 Million Mark
aingenommen.

Y. Kritische Berachtung
 beider
Pläne.

Ich möchte nun beide Probleme kritisch miteinander vergleichen.
Gehen wir von der Nur-Autostraße aus. Das Baukapital für den Bau von
15 000 km oder auch nur von 5000 km Nur-Autostraßen kann meines Erachtens
 in absehbarer Zeit nicht aufgebracht werden; denn bei den Kosten
von 2 Million Mark für den km beträgt es 7’ Milliarden für das große,
22 Milliarden Mark für das kleine Netz. Wohl aber kann ich mir vorstellen,
 daß ein einzelnes Unternehmen, besonders ein solches von kurzer
Länge, durchführbar sein wird, wenn sich die Wirtschaftlichkeit nachweisen
 läßt. Trotzdem wird man auch die Planungen größerer Unternaehmungen
 zunächst studieren müssen.
Aber abgesehen davon, ob die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen wird
der nicht, scheint mir die Notwendigkeit der Nur-Autostraßen auf große
Entfernungen aus Verkehrsgründen heute und auch in der nächsten Zukunft,
 soweit man da überhaupt schätzen darf, nicht vorzuliegen. Auf die
Tatsache. daß nach den Verkehrserhebungen ein Fernverkehr nicht nach-
        <pb n="19" />
        gewiesen ist, habe ich bereits hingewiesen. Sie könnten nun sagen: Ja,
die Verkehrskarte ist ja lediglich für die jetzige Zeit giltig, und es kann
später ganz anders werden. Aber ich meine, es ist ganz erklärlich, warum
es keinen eigentlichen Fernverkehr gibt. Müssen nämlich große Entfernungen
 in schnellstem Tempo zurückgelegt werden, so wird das Flugzeug
 noch mehr als heute das gegebene sein. Wer von Hamburg nach
Mailand schnell gelangen muß, wird fliegen. Sie kennen alle die gewaltige
Entwicklung dieser Verkehrsart, die zahlreichen Überlandlinien mit regelmäßigem
 Postkurs und die Entwicklungsmöglichkeit dieses Verkehrsmittels.
 Für sonstige eilige Fahrten über große Strecken wird nach wie
vor die Eisenbahn da sein, mit ihren ständigen Verbesserungen der Speiseund
 der Schlafwagen, der Zugtelephonie, der Schreibgelegenheiten, der
festen Kurse. Im D-Zug legt man große Entfernungen während der Nacht
ruhend, am Tage lesend, arbeitend oder sich auf dem Gange bewegend,
die Mahlzeit einnehmend, zurück, so daß man das Ziel ohne Ermüdung
und Zeitverlust erreicht. Der durchschnittliche tatsächliche Aktionsradius
des Kraftwagens ist viel kleiner, als seiner Leistungsfähigkeit entspricht.
Wer z, B. von Dresden nur in Berlin, ungefähr 280 km, oder sogar nur
in Leipzig, 110 km; zu tun hat, wird lieber den D-Zug benutzen. Hat er
dagegen, wie meist der Geschäftsmann, an vielen Orten seiner weiteren
Umgebung zu tun, so wird er den Kraftwagen mit größerem Vorteil benutzen,
 da er wesentlich an Zeit gewinnt und unabhängig vom Fahrplan
ist. Der Vorteil des Kraftwagens liegt also in einem Umkreis von sagen
wir 200 km, jedenfalls nicht in der schnellsten Zurücklegung großer
Strecken; zum mindesten wird nur ein Bruchteil von Kraftwagenbesitzern
regelmäßig — und darauf kommt es an, nicht zweimal oder dreimal im
Jahre — Entfernungen von mehr als 200 km zurückzulegen haben. Ich
möchte sagen: Das Auto ist für den Flächenverkehr da,
während der Zug für die Streckenzurücklegung oder punktweise Erledigung
 bei großen Entfernungen da ist. Der Ausflugsverkehr kann besondere
 Nur-Autostraßen verlangen, so z. B. Hamburg—Harz, Dresden—
Sächsische Schweiz, München—Parthenkirchen und andere mehr; aber
auch hier wird es sich oft nicht um die schnellste Erreichung eines Ziels
handeln. Noch geringer ist der Aktionsradius des Güterverkehrs auf Lastwagen.
 Die Grenze liegt nach bekannten Autoren wesentlich unter 100 km,
für hochwertige und besondere Güter, wie Lebensmittel, kann man allerdings
 auch höher kommen. Die wirtschaftliche Grenze wird aber, wenn
überhaupt, wohl nicht wesentlich über 100 km liegen. Für diesen Verkehr
werden nur ausnahmsweise Nur-Autostraßen nötig sein, und der Güterverkehr
 wird die Belastung von 10 Pig. für den Wagenkilometer nicht
gern hinnehmen. Auch stehen auf seiten der Eisenbahn wesentliche Verbesserungen
 der Verkehrsmittel, wie die Anschaffung von Großgüterwagen,
 in Aussicht. Auf die Tarifpolitik kann ich hier nicht eingehen.
Schließlich möchte ich noch auf die besonderen Verhältnisse hin-17



AutofernstraBen-Tagung Leipzig 1927.
        <pb n="20" />
        weisen, die der Nur-Autostraße Mailand—Oberitalienische Seen günstig
sind: die militärische Bedeutung — ich brauche bloß den Namen
Mussolini zu nennen —, die bestehenden schlechten Kalkstraßen, der
Reiz der Neuheit, der Ausflugverkehr aus der landschaftlich reizlosen
Fbene nach den Seen und dem Gebirge, und wie Herr Ministerialrat
Vilbig mir kürzlich mitteilte, benutzen sehr viele Großfabrikanten, die
in Mailand wohnen und ihre Villen an den Seen haben, die Straße gegen
ein Abonnement. Jedenfalls muß man bei der Bewertung der Wirtschaftlichkeit
 der Nur-Autostraße Mailand—Oberitalienische Seen sehr vorsichtig
 sein.
Nach alledem bin ich zur Überzeugung gekommen, daß
grundsätzlich der Ausbau des bestehenden
Straßennetzes nach den geschilderten modernen
 Grundsätzen in den Vordergrund zu
stellen ist, zumal er trotz der Erbauung von
Nur-Autostraßen notwendig bleibt, daß aber
für Einzelfälle, wie bei den Ausfallstraßen der
Großstädte, bei Entlastungsstraßen, Ausflugsstraßen, auch auf
zrößere Länge im engbesiedelten Industriegebiet oder sonst in
Sonderfällen, die Errichtung von Nur-Autostraßen
 zweckmäßig sein kann.
Auf jeden Fall soll man aber beide Möglichkeiten eingehend studieren,
and auch die Planung von Nur-Autostraßen wegen der Stadterweite--ungspläne
 und der Landesbebauungspläne — ich sage nicht Landesplanung,
 weil wir nicht noch neue Länder planen wollen — nicht unterlassen,
 wie wir das in Sachsen in enger Zusammenarbeit mit den Kreishauptmannschaften
 auch getan haben und weiter tun wollen.

VL Fernstraße
3erlin—Leipzig—
München

Nach diesen kritischen Betrachtungen lassen Sie mich nun kurz auf
die Fernstraße Berlin—Leipzig—München eingehen. Ich bitte von vornherein
 um Verzeihung. Wir haben natürlich in der kurzen Zeit kein Verkehrsstraßenprojekt
 hier aufstellen können. Sie werden hier nur einmal
die Planung im großen sehen, und ich bitte vor allen Dingen, mich nachher
 nicht zu sehr schlecht zu machen, wenn ich nicht alle Städte, die auf
4er Landkarte verzeichnet sind, angeschlossen habe. (Heiterkeit.)
Aus der Verkehrskarte ergibt sich, wie schon eingangs gesagt, die
Anballung des Verkehrs um die Städte. Man wird also bei der Wahl der
Linie möglichst alle bedeutenden Orte berühren müssen. Der Anschluß
möglichst vieler Städte steht nun aber offenbar in Widerspruch mit der
Forderung einer möglichst kurzen Verbindungslinie zwischen Berlin und
München. Für diese beiden Gegensätze läßt sich jedoch nicht allzu schwer
der goldene Mittelweg finden, weil unter dem Berühren oder Anschließen
der Hauptorte gerade bei Fernstraßen — seien es nun Ausbau- oder Nur-Autostraßen
 — nicht das Heranführen bis dicht an die Stadt zu verstehen
        <pb n="21" />
        ist, sondern weil es genügen wird, den Anschluß durch eine kurze Zweigstrecke
 zu schaffen. Ein Umweg oder eine Wegverlängerung von 10 oder
20 km — mehr wird das Abbiegen der Hauptstrecken oder die Länge der
Zweigstrecken nicht ausmachen — spielt dabei auf guter Straße für den
Kraftwagen keine ausschlaggebende Rolle.
In dieser Hinsicht ähnelt die Führung einer Fernstraße — ich sage
jetzt Fernstraße, weil ich in der folgenden Überlegung von beiden Arten
sprechen will — der Linienführung von Wasserstraßen, unterscheidet sich
aber wesentlich von der Trassierung der Eisenbahnen, die bis an alle
anzuschließenden Orte heranzuführen sind. Diese Notwendigkeit bedingt
oft eine beträchtliche Verlängerung des Schienenweges, die aber in Kauf
genommen werden muß, wenn die Bahn die Verkehrsbedürfnisse eines
Landesteiles erfüllen und gleichzeitig rentabel bleiben soll. Das Einflußgebiet
 einer Fernstraße ist unvergleichbar größer als das einer Eisenbahn
und kann durch Zweigstrecken nach bedeutenden Orten noch weiter ausgedehnt
 werden. Ich habe die Verhältnisse, die sich beim Anschluß einer
seitwärts gelegenen Stadt C ergeben, in einer Skizze aufzeichnen lassen,
die ich nicht näher zu erläutern brauche. Es kann auf diese Weise ein
zroßer Teil des Verkehrs der seitwärts gelegenen Stadt C, der sonst kaum
die Fernstraße benützen würde, dieser zugeführt werden und die verkehrsarmen
 Zwischenstrecken beleben. Diese Erwägungen sind z, B. die
Grundlagen für den Anschluß der Städte Magdeburg und Bamberg. Nach
diesen Betrachtungen kommt also der Lage der größeren Städte, die den
Straßen im wesentlichen den Autoverkehr geben, für die Festlegung der
Linie eine hervorragende Bedeutung zu.
In einer Karte 1: 1000000 wurde zunächst die Luftlinie der Verbindung
 Berlin—München eingezeichnet; weiterhin wurden alle Städte,
die nach der Volkszählung vom Jahre 1925 über 10 000 Einwohner haben
und im weiteren Umkreis dieser Linie liegen, durch Kreise herausgehoben,
deren Flächeninhalte der Einwohnerzahl entsprechen. (250 Einwohner
entsprechen einem qmm.) Das Kartenbild zeigt, daß ungefähr in der
Mitte der Verbindungslinie Berlin—München ein Teil der Luftlinie bei
Eger außerhalb des Reichsgebiets verläuft. Allein dadurch ergibt sich
eine Verdrückung der Linie nach Westen. Diese Verdrückung wird
weiterhin dadurch bedingt, daß die Luftlinie in gleicher Gegend das
Fichtel- und Elstergebirge durchschneidet und schließlich dadurch, daß
eine Führung der Linie dicht entlang der tschecho-slovakischen Grenze
das Einflußgebiet und damit die Freauenz und Finanzierung der Fernstraße
 nachteilig beeinflußt. Andererseits wird einer größeren Verdrückung
 dadurch Halt geboten, daß die Luftlinie dicht nörlich der
tschecho-slovakischen Grenze zwischen Zwickau und Chemnitz mitten
durch das sächsische Industriegebiet verläuft, dessen Anschluß schon an
und für sich eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Die Hauptsäule des
Industriegebietes, die Stadt Zwickau, würde demnach der erste Fest-'C
        <pb n="22" />
        punkt sein, den die Fernstraße zu berühren hätte. (Das ergibt sich bei
wirtschaftlicher Trassierung. Vom Standpunkte des Automobilismus
wird man zu anderen Ergebnissen kommen.) Von Bedeutung ist hierbei
ferner, daß der Kraftwagenverkehr Sachsens und Schlesiens als kürzeste
Verbindung nach Süddeutschland die Strecke Chemnitz—Zwickau—Hof
benutzt, Damit ergibt sich als weiterer Anschlußpunkt H of. Von Hof bis
München sind drei Linien möglich. Die Linie über Regensburg ist zwar
die kürzeste, scheidet aber aus, weil sie kein industrielles Hinterland hat,
ebenso aus dem gleichen Grunde die mittlere, ungefähr gleichlange Linie
über Bayreuth—Pegnitz—Neumarkt und Ingolstadt, der selbst bei einer
Ausbaustraße das Verbindungsstück Pegnitz—Neumarkt fehlt, das neu anzulegen
 wäre. Verdrückt man aber die Linie bis Nürnberg, das als
Industriezentrum auf jeden Fall berührt werden muß, dann ergibt sich
von selbst die dritte vorzuschlagende Möglichkeit, die südliche Fortsetzung
 der Linie bis zum Zentrum Augsburg, da hierdurch keine
merkliche Verlängerung der Linie eintritt. Damit wäre die südliche
Strecke in ihren Hauptpunkten festgelegt.
Die bedeutendsten Städte unweit Zwickaus sind Gera und Chem -
nitz und nördlich davon Leipzig, Halle und Magdeburg. Alle
diese Städte unmittelbar anzuschließen, ist nicht möglich und nach den
früheren Ausführungen auch nicht notwendig. Als Hauptlinie dürfte vom
wirtschaftlichen Standpunkt die Strecke Zwickau—Leipzig—Bitterfeld—
Berlin große Vorteile bieten. Gera, Chemnitz und Halle wären, um die
Umwege zu verkürzen, durch Ausbau möglichst je zweier Zweigstrecken
anzuschließen. Von Bitterfeld führt die kürzeste und jetzt bevorzugteste
Strecke über Wittenberg nach Potsdam und Berlin.
Nach dieser allgemeinen Festlegung der günstigsten Linienführung
sei von Berlin ausgehend jetzt der Verlauf einer Fernstraße Berlin—
München kurz besprochen. Die Linienführung der Nur-Autostraße wird
mit der Ausbaustraße im großen und ganzen gleichlaufen, natürlich nur
in großen Zügen, nicht im einzelnen. Wo größere Abweichungen eintreten
 müssen, wird dies besonders hervorgehoben werden. Der Verlauf
der eben entwickelten Hauptlinie ist im Grundriß in der Karte 1 : 450 000
durch zwei breite Bleistiftränder rechts und links der roten Straßenlinie
hervorgehoben worden. Die bedeutendsten Anschlußstrecken, soweit sie
durch Ausbau bestehender Straßen möglich sind, sind gestrichelt angegeben.
 Erwägenswerte Neubaustrecken sind punktiert. Außerdem ist
der Versuch gemacht worden, nach dem Conti-Atlas und anderen Übersichtskarten
 mit Höhenangaben ganz roh einen Längsschnitt im Maßstabe
1: 250000 aufzuzeichnen. Das unter dem Längsschnitte aufgetragene
Band zeigt die Verkehrsstärken nach der Zählung in den Jahren 1924
und 1925. Die Verzerrung im Längsschnitt ist ganz außerordentlich, nämlich
 250fach: die Straße fährt sich in Natur etwas glatter. (Heiterkeit.)

M}3
        <pb n="23" />
        Wenn wir nun die Linie Berlin— Leipzig als ersten Teil ansehen,
so verläuft sie in der Tiefebene von Berlin über Potsdam und Beelitz nach
Treuenbrietzen, führt quer durch den Fläming, erreicht bei Wittenberg
 die Elbe und im weiteren Verlauf nach Überschreiten der Mulde
die Fabrikstadt Bitterfeld. Die Strecke berührt zwischen Potsdam
ınd Bitterfeld keine bedeutende Stadt und hat auch aus der Umgebung
keinen nennenswerten Verkehr zu erwarten, sie kommt also im wesentlichen
 nur für den Fernverkehr in Frage. Technisch bestehen für den
Ausbau keine Schwierigkeiten, Für eine Nur-Autostraße kommt eine Linie
iber De ss a u — Roßlau (Elbübergang) und Belzig in Betracht, im Wettewerb
 mit einer Zweigstrecke über Zerbst nach Magdeburg, um diese
selbst und das große Wirtschaftsgebiet mit den bedeutenden Bergwerksund
 Fabrikstädten südlich und südöstlich von Magdeburg anzuschließen.
Bei dieser Führung würde sicherlich ein großer Teil des Verkehrs von
Magdeburg nach Berlin, der jetzt die Straße über Genthin und Brandenburg
 benutzt, der Nur-Autostraße zugeleitet werden und überdies von
Dessau über Cöthen, Bernburg und Aschersleben die kürzeste Verbindung
zwischen Berlin und dem Harz hergestellt. Die Verlängerung der Wegstrecke
 beträgt ungefähr 8 km, ist also annehmbar. Zu erwähnen ist noch,
daß die Strecke von Bitterfeld über Wittenberg nach Berlin den Freistaat
 Anhalt überhaupt nicht berührt. Deswegen haben wir die Dessauer
Möglichkeit einmal mit erörtert. ;
Von Bitterfeld führt die Straße in südlicher Richtung über die Kreisstadt
 Delitzsch nach Leipzig. Halle hat, wie schon erwähnt, durch Zweigstrecken
 nach Bitterfeld und Leipzig guten Anschluß. Eine Nur-Autostraße
 würde übrigens westlich von Leipzig geführt werden müssen, sc
daß also tatsächlich beide Städte, Halle wie Leipzig, durch besondere
Stichstraßen angeschlossen werden müssen.
.a) für die Strecke Le ip zig —H of sind verschiedene Linienführungen
nöglich. Eine Lösung habe ich bereits genannt: Die Linie über Borna,
Altenburg, Gößnitz, Meerane, westlich von Zwickau, Reichenbach
und Plauen, wobei die westlich dieser Linie gelegenen Fabrikstädte
Greiz, Werdau und Crimmitschau durch kurze Zweigstrecken
leicht angeschlossen werden können. Östlich ist durch das dichte und in
zutem Zustand befindliche sächsische Staatsstraßennetz das gesamte
sächsische Industriegebiet angeschlossen. Dieser Anschluß läßt sich noch
günstiger gestalten durch Ausbau der Zweigstrecken Chemnitz—Zwickau
und Chemnitz—Altenburg.
. b) Eine zweite Linienführung folgt dem Tal der Elster von Leipzig
über Pegau, Zeitz, Gera und Greiz nach Plauen. Sie bringt als Gewinn
den Anschluß von Gera mit 81400 Einwohnern und von Zeitz, einer
gewerbereichen Stadt mit 34 500 Einwohnern. Auf der anderen Seite geht
jedoch der wichtigste, für die Benutzung des mittleren Teiles der Strecke
ausschlaggebende Anschluß an das sächsische Industriegebiet zum

1. Berlin—Leipzig

2. Leipzig—Hof.

3°
        <pb n="24" />
        3. Hof—Nüärnberg.

Nürnberg— München.

größten Teil verloren. Als bedeutendste Stadt würde nur noch Plauen
ınmittelbar berührt; Reichenbach müßte schon durch eine, allerdings
&amp;lt;urze, Zweigstrecke angeschlossen werden. Das vielgewundene enge
Zlstertal, in dem bereits eine Eisenbahn verläuft, bietet eine wenig
zünstige Entwicklungsmöglichkeit für eine Nur-Autostraße. Der Anschluß
Geras läßt sich durch Ausbau einer nördlichen Zweigstrecke nach Altenburg
 und einer südlichen über Greiz herstellen. Auch Zeitz hat gute
Straßenverbindungen nach Leipzig, Altenburg und Gera.
c) Schließlich ist noch eine dritte Verbindung von Leipzig über Gera
und Schleiz nach Hof möglich. Hierbei wird das südliche Sachsen überhaupt
 nicht berührt und in Thüringen auch keine größere Stadt angeschlossen.

Wir kommen nun zur Linie Hof — Nürnberg. Von Hof verläuft
die Linie am nordwestlichen Fuße des Fichtelgebirges entlang durch den
Frankenwald über Münchberg, Gefrees und Berneck, hier den Weißen
Main überschreitend, nach Bayreuth. Dann weiter im Tale des
Roten Mains aufwärts bis Kreußen, von dort hinüber nach dem Tale der
Pegnitz, diese bei der gleichnamigen Stadt kreuzend, über Gräfenberg
nach Nürnberg. Für die Strecke Bayreuth—Nürnberg gilt in verkehrstechnischer
 Hinsicht das gleiche wie für die Strecke Potsdam—Bitterfeld:
sie berührt auf 82,1 km keine größeren Orte und wird daher nur den
verhältnismäßig nicht starken Fernverkehr aufweisen. Für eine Nur-Autostraße
 würde ich daher auch hier eine andere Führung zur Erwägung
stellen, und zwar von Bayreuth über Forchheim nach Nürnberg, die
aoch dazu den Vorzug hätte, keine nennenswerte Streckenverlängerung
zu erfordern. Zu dem Vorschlag führt folgende Überlegung: Die etwa
60 km lange Strecke Nürnberg—Bamberg zählt zu den verkehrsreichsten
Strecken Bayerns; sie soll daher zu ihrer Hälfte, und zwar von Nürnberg
über Fürth und Erlangen bis Forchheim in die Nur-Autostraße einbezogen
werden. Von Forchheim wäre die Linie im ‚Wiesentale aufwärts über
Ebermannstadt durch die fränkische Schweiz nach Bayreuth zu
führen. Die vielleicht etwas höheren Kosten des zweiten Teiles dieser
Strecke werden ausgeglichen durch die leichter herzustellende Strecke
Nürnberg—Forchheim im Regnitztale, in dem bekanntlich bereits der
Ludwigskanal verläuft. Übrigens dürfte auch der Ausbau der jetzt beaützten
 Strecke Bayreuth—Gräfenberg—Nürnberg, die ebenfalls durch
das Bergland des fränkischen Jura führt, nicht billig sein. Durch die Zweigstrecke
 Forchheim—Bamberg würde die größte Stadt Oberfrankens und
zugleich der Hauptstapelplatz für den Obermain angeschlossen.
Nun kommt noch Nürnberg—Augsburg—München. Da
ührt die Linie im Regnitztale aufwärts über Schwabach, Roth, Weißenburg,
 Treuchtlingen, hier die Altmühl überschreitend, und Monheim
 nach Donauwörth. Jenseits der Donau geht es in der breiten
Lechniederung aufwärts nach Augsburg. Dicht südlich Augsburg biegt
        <pb n="25" />
        die Linie nach Südosten ab und führt über Mammendorf, das Südende
4es Dachauer Mooses berührend, nach Pasing und München.

Damit dürften die wesentlichsten Angaben über den Verlauf der Linie
and die Gesichtspunkte für deren wirtschaftliche Trassierung erwähnt
sein. Vom Standpunkt des Automobilismus habe ich mich zunächst nicht
weiter ausgesprochen, das wollte ich den Herren Vertretern der Autonobilverbände
 überlassen.
Betrachten wir uns einmal das Gesamtbild der Linie, so ist ganz
augenscheinlich, das Anfangs- und Endpunkt der Strecke im Netz der
jeutschen Hauptdurchgangsstraßen denkbar günstig liegen. Büscheljörmig
 führen von Berlin wie von München aus die wichtigsten Straßen
nach allen Richtungen weiter. Die Linie wird dadurch zur Verbindung
4er norddeutschen Tiefebene zwischen Berlin und dem Meere bis einschließlich
 Hamburg mit dem bayerischen Oberlande. Im Norden lassen
sich leicht die Züge von Berlin nach Hamburg, Stettin und dem
weiteren Osten bis Königsberg anschließen. Im Süden ist der Anschluß
 von München über Innsb r u ck-—Brenner-Paß nach der oberitalienischen
 Tiefebene — Verona -— und von da nach Rom gegeben.
Das Teilstück Zwickau--Nürnberg wird noch benutzt werden von allen
Kraftwagen, die aus Mittel- und Südostdeutschland nach dem deutschen
Süden fahren, soweit sie tschecho-slovakisches Gebiet vermeiden wollen.
Insbesondere aber stellt die Linie die günstigste Straßenverbindung
Mitteldeutschlands mit den österreichischen Alpenländern dar.
Die Straße verläuft durchweg westlich der Luftlinie, von der sie sich
zwischen Augsburg und Nürnberg am weitesten entfernt. Zwickau liegt
von allen berührten Städten der Luftlinie am nächsten. Die Länge der
ganzen Strecke beträgt 667 km. Im einzelnen betragen die Entfernungen
Berlin-—Leipzig 172 km, Leipzig-—Hof 150 km, Hof—Nürnberg 137 km und
Nürnberg—München 208 km. Zweifellos läßt sich eine kürzere Verbindung
aerstellen; sie würde aber die wichtigste Strecke Nürnberg—Augsburg
ausschließen und das sächsische Industriegebiet auch nicht berühren.
Gewiß lassen sich noch manche Verbesserungen im. .Grund- und
Aufriß anbringen. So werden sich vor allem durch geschickte Ausnutzung
der Flußtäler viele der im Längsschnitt jetzt vorhandenen Spitzen, die
äbrigens zur Veranschaulichung 250 fach vergrößert dargestellt worden
sind, abmildern lassen. Der Gebirgszug Fichtelgebirge—Frankenwald—
Thüringer Wald muß aber auf jeden Fall überschritten werden.
. Über die Finanzierung möchte ich nichts weiter sagen. (Heiterkeit.)
Über die Kosten möchte ich nur eine Schätzung versuchen. Nimmt man
mit Rücksicht darauf, daß große Strecken in der Tiefebene und den
Fiußtälern keine baulichen Schwierigkeiten bieten, die Gebirgsstrecken
andererseits teurer sind, als Mittelwert für 1 km Neubaukosten zunächst
Jreispuriger Nur-Autostraße 400 000 RM. an, so ergibt sich für die 667 km

%
„0
        <pb n="26" />
        lange Strecke Berlin—Leipzig—München ein Bauk ostenbetrag
von 267 Millionen RM. Das stimmt auch, glaube ich, mit den Veranschlagungen
 der „Hafraba“, die wohl zu ähnlichen Preisen kommt. Was
der Ausbau des bestehenden Straßennetzes kosten würde, ist noch
weniger zu schätzen. Aber nach den Schätzungen, die wir hier gemacht
haben, als wir eine generelle Planung des Ausbaus der Fernstraße Leipzig—Chemnitz
 aufstellten, kann ich mir denken, daß man vielleicht mit
"s dieser Summe auskommen wird.

Schluß.

Im Rahmen einer kurzen Stunde konnte ich Ihnen, meine Herren, nur
in großen Zügen das Problem der Fernstraße aufrollen, und ich bitte um
Nachsicht, wenn ich bei der Kürze der Zeit als vielbeschäftigter Beamter
 Ihnen heute nicht viel Positives bieten konnte. Ich hoffe aber,
Anregungen zur Debatte gegeben zu haben und bin gern bereit, weitere
Auskünfte auf Anfragen zu geben. Ein endgültiges Urteil kann über dieses
Problem erst gewonnen werden, wenn sich ein Ausschuß eingehend
damit befaßt und Ihnen das Ergebnis seiner Studien vorlegt.
Welche Bauweise — Nur-Autostraße oder AusbaustraßBe — auch
immer gewählt werden wird, schließlich führen alle Wege von Berlin
nach Rom. (Lebhafter Beifall.)

Vorsitzender:

Ich danke in Ihrer aller Namen und persönlich Herrn Ministerialrat
Dr.-Ing. Speck für seine ausgezeichneten Ausführungen, die uns die
Fragen, mit denen wir uns heute bei der Tagung beschäftigen wollen, in
moderner und erschöpfender Weise zur Darstellung gebracht haben.
Ich eröffne nun die Aussprache.

Herr Geh. Regierungsrat Pilug (Reichsverkehrsministerium):

Meine sehr verehrten Herren! Als Vertreter des Reichsverkehrsministeriums
 möchte ich dem Rat der Stadt Leipzig unseren verbindlichsten
 Dank für die Einladung zur heutigen Sitzung aussprechen. Wir begrüßen
 es, daß uns Gelegenheit gegeben ist, uns hier über Ihre Pläne zu
unterrichten und unserer Auffassung wenigstens in der grundsätzlichen
Frage Ausdruck zu geben. Der zahlreiche Besuch der heutigen Versammlung
 ist ein Beweis dafür, daß der Automobilverkehr und die
Straßenbaufrage weiteste Kreise interessieren. Wir werden uns alle
darin einig sein, daß das Automobil ein Wirtschaftswerkzeug geworden
st, das ganz unentbehrlich ist, daß der Automobilverkehr, der ja bei uns
im Vergleich zu anderen europäischen Ländern — von Amerika gar nicht
zu reden — sehr rückständig ist, gefördert werden muß, daß eine solche
Förderung auch zur Voraussetzung hat, daß das Straßennetz den Bedürfnissen
 neuzeitlichen Verkehrs angepaßt wird. Ich möchte glauben.
        <pb n="27" />
        laß wir auch noch darin einig sind, daß diesen Bestrebungen im Hinblick
auf die Finanznot von Reich, Ländern und Gemeinden und im Hinblick
auf die schwierige Wirtschaftslage leider enge Grenzen gezogen sind.
Zu Einzelheiten des heute zur Erörterung stehenden Planes möchte
ich nicht sprechen, nur zur grundsätzlichen Frage. Diese Versammlung
oder der Ausschuß, der sich mit den Angelegenheiten der „Beleimü‘ oder
„Müleiberl“, wie Sie das nennen wollen, zu beschäftigen hat, wird Stellung
zu nehmen haben zu der Frage, ob den Bedürfnissen des Autofernverkehrs
Rechnung getragen werden soll im Rahmen der Instandsetzung vorhandener
 Landstraßen oder durch den Bau von Nur-Autostraßen, wie
Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck sie genannt hat. Auf die Gefahr hin,
daß wir uns bei dem einen oder anderen unbeliebt machen, möchte ich:
sagen, daß das Reichsverkehrsministerium das erstere für angezeigt hält,
daß es der Auffassung ist, daß der Bau von Nur-Autostraßen nur ausnahmsweise
 unter ganz besonderen Verhältnissen in Frage kommen kann.
Die Gründe für eine derartige Stellungnahme sind eigentlich in dem
Vortrag, den Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck gehalten hat, schon
alle angegeben worden; ich kann mich deshalb darauf beschränken,
einige Gesichtspunkte ganz kurz zu unterstreichen. Ich möchte darauf
hinweisen, daß die Eigenart des Kraftfahrzeugs als des anpassungsähigsten,
 freizügigsten, beweglichsten Verkehrsmittels doch darin besteht,
 daß es unabhängig ist von einer bestimmten Linie und einem bestimmten
 Fahrplan, und daß man dieser Eigenart des Kraftfahrzeugs am
besten Rechnung trägt, wenn man dafür sorgt, daß ein weit verästeltes
Landstraßennetz für den Kraftfahrzeugverkehr zur Verfügung gestellt
wird. (Zurufe: Sehr richtig!) Wir werden in unserer Auffassung, daß
der Bau von Nur-Autobahnstraßen nur ausnahmsweise in Frage kommen
&amp;lt;ann, durch die Tatsache bestärkt, daß Nur-Autostraßen in anderen
zuropäischen Ländern nur ausnahmsweise vorkommen. Die besonderen
Gründe, die zum Bau der italienischen Straßen Anlaß gegeben haben,
sind vorhin bekannt gegeben worden. Auf die „Avus‘“ in Berlin brauche
°cCh hier nicht einzugehen im Hinblick auf ihren Doppelcharakter als Verkehrs-
 und Übungsstraße. Wir werden in unseren Bedenken ferner durch
Äußerungen aus Kraftfahrerkreisen bestärkt. In der automobilistischen
Fachpresse ist in der letzten Zeit von namhaften Herren der Auffassung
Ausdruck gegeben worden, daß dem Automobilverkehr mehr durch den
Ausbau der vorhandenen Straßen gedient werde als durch den Bau von
Nur-Autostraßen. Es wird in diesen Aufsätzen darauf hingewiesen, daß
letzten Endes die Automobilisten selbst die Kosten zu tragen hätten, und
2s wird vor allen Dingen auch die Befürchtung geäußert, daß namentlich
dann, wenn normale Landstraßen und Autobahnstraßen in den Händen
derselben Verwaltung seien, zu befürchten sei, daß die ersteren vernachlässigt
 würden und daß darunter der Automobilverkehr zu leiden habe.
Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck hat die finanzielle Frage sehr

In
        <pb n="28" />
        vorsichtig behandelt. (Heiterkeit.) Da der Herr Vertreter des Reichsfinanzministeriums
 in letzter Minute durch Erkrankung verhindert worden
 ist, an der heutigen Sitzung teilzunehmen, so möchte ich auch zu
diesem Punkt wenigstens ein paar kurze Bemerkungen machen. Es ist
vorhin schon gesagt worden, daß die Anpassung der vorhandenen Landstraßen
 an die Bedürfnisse des neuzeitlichen Verkehrs etwa 2 Milliarden
kosten wird. Sie alle, die Sie mit dem Automobilverkehr zu tun haben,
wissen, daß die Automobilsteuer erst im Mai v. J. zum Teil wesentlich
heraufgesetzt worden ist. Bei dieser Gelegenheit haben die Spitzenverbände
 der deutschen Industrie und des deutschen Handels zum Ausdruck
gebracht, daß neben dieser erhöhten Kraftfahrzeugsteuer weitere Abyaben
 nicht tragbar seien. Ich kann mir deshalb nicht recht vorstellen,
wie man etwa Autobahnstraßen in größerem Umfang durch Abgabenerhebung
 bei uns noch finanzieren könnte. Wenn vorhin Ausführungen
über die Rentabilität der italienischen Autobahnstraße gemacht worden
sind, so möchte ich bitten, bei einem Vergleich auch die steuerliche Belastung
 Deutschlands und Italiens im allgemeinen und die steuerliche Belastung
 des Kraftwagenverkehrs im besonderen zu berücksichtigen. Ich
zlaube, dieser Gesichtspunkt muß mit in Rechnung gestellt werden. Soviel
 ich unterichtet bin — ich habe keine Gelegenheit gehabt, das jetzt
noch nachzuprüfen —, ist die italienische Kraftfahrzeugsteuer niedriger
als die deutsche.
Wenn ich gegen die Nur-Autostraßen Bedenken geltend machen
mußte, so möchte ich doch nicht so weit gehen, zu sagen, die Frage solle
nicht technisch wissenschaftlich einmal untersucht werden. Das wird
unbedenklich geschehen können; ich könnte mir auch denken, daß man
daraus den Vorteil zieht, bei irgend einer Gelegenheit einmal auf Pläne,
die vielleicht in einer glücklicheren Zukunft verwirklicht werden können,
schon jetzt Rücksicht zu nehmen. Das, worauf es uns in der Hauptsache
ankommt, ist, daß das mühsam in Gang gekommene Werk der Instandsetzung
 der vorhandenen Landstraßen nicht gefährdet wird, und daß die
Bereitstellung von Mitteln für diese vordringliche Aufgabe nicht in Frage
gestellt wird. Ich kann mir durchaus denken, daß man auch im Rahmen
jes Ausbaues der vorhandenen Landstraßen den Bedürfnissen des Fernverkehrs
 Rechnung trägt; das Reichsverkehrsministerium wird gern beteit
 sein, im Rahmen seiner Zuständigkeit und des Möglichen dabei mit
71 helfen. (Lehhafter Beifall.)

Herr Geh. Oberregierungsrat Dr. Hellich
(Preußisches Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten):

Ich bitte, Ihnen kurz auseinandersetzen zu dürfen, welche Stellung
die preußische Regierung bisher zur Frage der Nur-Autostraßen eingenommen
 hat. Ich kann mich dabei um so mehr kurz fassen, als ich im
        <pb n="29" />
        wesentlichen all den Ausführungen beipflichte, die der Herr Vertreter
des Reichsverkehrsministeriums soeben gemacht hat. Auch wir können
grundsätzlich und im allgemeinen ein Bedürfnis für den Bau von Autostraßen
 nicht anerkennen. Wir glauben vielmehr, daß wir den Bedürfnissen
 des Verkehrs, auch des Automobilverkehrs, am besten gerecht
werden, wenn wir dafür sorgen, daß das vorhandene Straßennetz den
Verkehrsbedürfnissen entsprechend, natürlich auch entsprechend den Bedürfnissen
 des Automobilverkehrs, ausgebaut wird. Ich glaube, zu diesem
Standpunkt zwingt schon die Rücksicht auf die vorhandenen Geldmittel.
Sollten die doch sehr beschränkten Geldmittel, die für den Wegebau zur
Verfügung stehen, zum Bau von Autostraßen Verwendung finden, So
würde die notwendige Folge sein, daß das andere Wegenetz vernachlässigt
 würde, und ich glaube, dem können wir uns nicht aussetzen, zumal
nach den Ausführungen, die der Herr Vortragende gemacht hat über die
Größe des jetzt noch vorhandenen gemischten Verkehrs.
Wir glauben aber auch, daß, auch vom Standpunkt des Automobilverkehrs,
 ein Bedürfnis für den Bau von Nur-Autostraßen nicht gegeben
ist, weil, wie ja der Herr Vortragende auch hervorgehoben hat, ein
Durchgangsverkehr mit Automobilen noch nicht besteht. Der Verkehr
der Automobile häuft sich um die Großstädte, um die Verkehrszentren.
Da ist vielleicht die Möglichkeit und Notwendigkeit gegeben, Ausfallstraßen
 als Automobilstraßen anzulegen. Aber die ganzen Zwischenstrecken
 zwischen den großen Verkehrszentren als Autostrecken auszubauen,
 dazu können wir ein Bedürfnis nicht anerkennen.
Nun ist vorhin auf die geplante Autostraße Köln—Düsseldorf hingewiesen
 worden. Hierzu ist folgendes zu bemerken: Der grundsätzliche
Standpunkt der preußischen Regierung ist, wie gesagt, daß sie die Autostraßen
 nicht begünstigen will; aber es gibt Verhältnisse, unter denen
eine AutostraBe doch nützlich und notwendig sein kann, und bei der
Autostraße Köln—Düsseldorf hat allerdings die preußische Regierung
solche Verhältnisse als vorliegend angesehen, und zwar deshalb, weil
diese Straße in der Hauptsache eine Umgehungsstraße darstellt. Herr
Ministerialrat Dr.-Ing. Speck hat in seinem Vortrag schon hervorgehoben,
 es handelte sich bei dieser Straße darum, den Verkehr aus den
Ortschaften zwischen Köln und Düsseldorf wegzunehmen, weil der Verkehr
 in diesen Ortschaften nicht mehr erträglich war und weil immer
häufiger Unglücksfälle vorgekommen sind. Zu diesem Zweck ist die
Straße als Umgehungsstraße gebaut worden, und zwar als reine Autostraße,
 weil hier der Bau einer Straße nur für den Kraftfahrverkehr
zweckmäßig erschien.
Also unter Wahrung des Grundsatzes würde die preußische Regierung
 bereit sein, im Einzelfall zu prüfen, ob für den Bau einer Autostraße,
namentlich in den Industriebezirken, ein Bedürfnis vorhanden ist. Grundsätzlich
 steht die preußische Regierung der Frage ablehnend gegenüber,
        <pb n="30" />
        und ich möchte auch glauben, daß für eine so lange Strecke wie Berlin—
Leipzig—München ein Bedürfnis für den Bau von Nur-Autostraßen, für
die ganze Strecke wenigstens, unmöglich bejaht werden kann.
Wenn die Bestrebungen bezüglich des Ausbaues der Straßen dahin
zehen, daß die Wegeunterhaltungspilichtigen untereinander sich darüber
verständigen, welche Strecken zuerst ausgebaut werden sollen und nach
welchen Gesichtspunkten sie ausgebaut werden sollen, um den Autoverkehr
 zu fördern, so würden wir das natürlich als sehr zweckmäßig
begrüßen können. In Preußen würden als Unterhaltungspflichtige in erster
Linie die Provinzen und Kreise in Betracht kommen. Aber auch die
preußische Staatsregierung würde bereit sein, in diesem Sinne ihre Mitwirkung
 zur Verfügung zu stellen. (Bravorufe.)

Herr Ministerialdirektor Geh. Rat Dr. Klien
(Sächsisches Wirtschaftsministerium):

Meine Herren! Daß die sächsische Regierung Ihren Plänen lebhaftes
interesse entgegenbringt, brauche ich nicht besonders zu betonen. Sie
wollen das an der großen Anzahl sächsischer Regierungsvertreter aus
Dresden und Leipzig erkennen, sowie daran, daß wir Ihnen zum Einfangen
für Ihre Pläne unseren Herrn Speck zur Verfügung gestellt haben. Die
Regierung begrüßt es, daß durch die Maßnahmen der Stadt Leipzig die
Pläne der Regierung, die für die Strecke Berlin—Leipzig bei der Kreishauptmannschaft
 schon vorliegen, einen weiteren Impuls erfahren und
hofft, daß die beiderseitigen Wünsche konform gehen.
Daß Leipzig als bedeutendes Wirtschaftszentrum, als Handels-, Industrie-
 und Messestadt an der Straße liegen wird, ist selbstverständlich.
Ob freilich die Wünsche aller anderen Städte sich ebenso erfüllen lassen,
ist nicht ganz so selbstverständlich, aber ich hoffe, daß sich auch hier heiriedigende
 Lösungen finden lassen werden.
Was die Art der Ausführung anlangt, so bin ich mit dem Vorredner
der Auffassung, daß wir uns, da die Finanzen des Staates und der Gemeinde
 nicht gestatten, die Straße gleich in höchster Vollendung auszuführen,
 mit weniger Vollkommenem begnügen, aber die größere Vallkommenheit
 als Ziel im Auge behalten müssen.
Zusammenfassend darf ich feststellen, daß die Regierung Ihre Planung
m Rahmen ihrer Zuständigkeit und Mittel tatkräftig unterstützen wird.

Herr Ministerialrat Vilbig
(Bayerisches Staatsministerium des Innern):

Meine sehr geehrten Herren! Die bayerische Regierung, namentlich
aber das hauptbeteiligte Staatsministerium des Innern, in dessen Namen
ich hier spreche, hat an dem vorliegenden Beratungsgegenstand selhet-
        <pb n="31" />
        verständlich das größte Interesse und begleitet die heutige Tagung mit
den besten Wünschen.
Die Autostraße, welche die Endpunkte Berlin—Rom verbinden soll,
durchquert Bayern auf die sehr große Länge von rund 400 km. Die Linie
ist ungefähr die gleiche, auf der die uralten Handelswege von Deutschland
 und Italien führten. Die gleichen Orte, die einst die Handelszüge
der Fugger und Welser sahen, der Brennerpaß, über den während des
zanzen Mittelalters und weit noch in die Neuzeit hinein bayerisches Salz,
Nürnberger Tand und Augsburger Tuche nach dem Süden und umgekehrt
wieder aus den Haupthandelsplätzen des Mittelmeers, Venedig usw., Gewürze
 und Spezereien des Orients nach Deutschland geführt wurden,
sollen künftig von der Autostraße berührt werden. auf der die modernsten
Verkehrsmittel vorbeiflitzen werden.
Meine Herren! Die bedeutungsvolle Frage, die uns heute beschäftigt,
ist eine Frage der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik auf weite Sicht. In
dieser Beziehung teile ich vollkommen die Anschauung meiner Herren
Vorredner. Auch ich bin der Meinung, daß zunächst die vorhandenen
Staatsstraßen ausgebaut werden müssen und daß nur einzelne Teilstrecken
 für eine eigene Automobilstraße in Frage kommen können. Ich
denke hier vor allem an die Durchführungs- und Umgehungsstraßen
großer Städte, an die Verbindung nahe beieinanderliegender großer
Städte oder auch an solche Straßenverbindungen, bei denen besonders
günstige Wirtschafts- und Verkehrsverhältnisse bestehen. Ich kann mir
z. B. denken, daß das Projekt einer Autostraße von München, dem Ostufer
 des Starnberger Sees entlang nach Seeshaupt mit späterer Fortsetzung
 nach Garmisch-Partenkirchen, das die Bauunternehmung Sager
&amp;amp; Wörner, München, im Benehmen mit Puricelli, dem bekannten
italienischen Straßenfachmann, ausgearbeitet und vorgelegt hat, unter
Umständen als verkehrspolitisch und volkswirtschaftlich vertretbar und
finanziell durchführbar anzusehen ist. Handelt es sich doch hier um die
Erschließung einer landschaftlich herrlichen Gegend in der Nähe einer
großen Stadt für den Ausflugsverkehr und um den Ersatz einer schon
lange angestrebten Eisenbahn in einem Gebiete, wo bisher eine große
durchgehende Straße noch nicht vorhanden ist, Ähnlich werden einzelne
Teilstrecken noch weiter sich finden lassen, auf denen in den nächsten
Jahrzehnten eine Autostraße durchführbar erscheint.
Derartige Autostraßen werden selbstverständlich von den beteiligten
Städten und sonstigen Interessenten durchgeführt und finanziert werden
müssen. Die Regierungen und die Straßenverwaltungen der einzelnen
Länder dagegen werden ihre Aufgabe darin sehen, die vorhandenen
Staatsstraßen, die im Zuge der geplanten Linie liegen und an die die Autostraßen
 anschließen, bevorzugt auszubauen. Die bayerische Staatsbauverwaltung,
 die größte einheitliche Straßenverwaltung Deutschlands, ist bisher
 schon in diesem Sinne vorgegangen und wird ihr ganz besonderes

2
        <pb n="32" />
        Augenmerk darauf richten, daß dieser bevorzugte Ausbau in noch höherem
Maß in den nächsten Jahren zur Durchführung gelangt. (Lebhafter
Beifall}

Herr Landesbaurat Präsident Dr. Wienecke
(Provinzialverwaltungen Brandenburg und Sachsen):

Meine Herren! Der Verkehr, um dessen Fürsorge die Erörterungen
der heutigen Sitzung sich drehen, liegt nordwärts Leipzigs im Gebiet der
Provinzen Sachsen und Brandenburg, und zwar abgesehen von der Durchführung
 durch Städte und Ortschaften, auf sächsischen und brandenhurgischen
 Provinzialstraßen. Wenn ich hier als Vertreter des Herrn
Landeshauptmanns der Provinz Sachsen und als Vertreter meines Herrn
Chefs, des Landesdirektors der Provinz Brandenburg, spreche, so tue
ich es als Vertreter der Verwaltungen, die heute nordwärts Leipzigs für
diesen Verkehr die praktische Arbeit und die finanzielle Fürsorge, die
Aufbringung der Mittel, ebenfalls zu leisten haben.
Meine Herren! Der Ausbau dieses Weges ist nun bisher schon aufgenommen
 worden im Sinne des Ausbaues, um dieses ‚Wort des Herrn
Vortragenden weiter zu führen, und Sie finden auf dieser Straße eine
Reihe der Ausführungen, wie sie vom Herrn Vortragenden schon erwähnt
worden sind. Abgesehen von der „Avus‘“, die durch Berlin nach Westen
hinaus geht, plant die Stadt Potsdam jetzt eine großzügige Regelung
ihrer Ausfallstraße nach Süden. In bezug auf die Trassierung im Gebiet
der Provinz Sachsen darf ich sagen — ich glaube, der Herr Vortragende
hat das noch nicht berücksichtigt —, daß südwärts Wittenberg nicht allein
lie Linienführung über Bitterfeld in Frage kommt, sondern daß die sächsische
 Provinzialverwaltung bereits eine Trennung des Verkehrs in der
Richtung Bitterfeld—Halle auf der bisherigen Straße, in der Richtung
Leipzig durch Ausbau der direkten Straße über Kempten—Düben in Anzriff
 genommen hat. Der Fahrbahnausbau im einzelnen, meine Herren,
zeigt die verschiedensten Typen. Ich erwähne das nur, um daran zu
erinnern, daß ja auch heute die große Frage, ob leichte oder schwere
Deckung, noch nicht entschieden ist.
Auf diesem Wege des Ausbaues wird weitergegangen werden. Ich
darf aber als Vertreter einer praktischen Verwaltung nicht verschweigen,
meine Herren, daß die Fürsorge der Straßenbauverwaltungen nicht allein
heute den großen Straßen gelten kann. Wie der Herr Vertreter des
Reichsverkehrsministeriums bereits ausgeführt hat, ist die Verästelung
des Automobilverkehrs eine seiner wesentlichsten Vorteile, und die Entwicklung
 der Automobile, der Art der Fahrzeuge sowohl, wie auch ihrer
Verteilung, zeigt, daß gerade die Zunahme des Automobilverkehrs durch
kleinere Fahrzeuge aller Art der Entwicklung des platten Landes und
der kleineren Ortschaften eine ganz andere Note im Verkehrsleben zu
        <pb n="33" />
        geben begonnen hat. Das Ziel praktischer Arbeit muß es hiernach sein,
an diese Straßen ebenfalls zu denken.
Das schließt natürlich nicht aus, daß man in die Ferne sehen muß.
Fs ist selbstverständlich, daß die Entwicklung, die die Eisenbahn im allgemeinen
 gehabt hat: eingleisige Nebenbahn, zweigleisige Hauptbahn,
Umgehung von Bahnhöfen, Trennung von Personen- und Güterbahnhöfen,
Viergleisebahn, für den Straßenverkehr auch kommt. Wenn die heutige
Finladung nun in dem Sinne erlassen ist, eine Zusammenarbeit aller benachbarten
 Verwaltungen in Fortführung dieser großen Verkehrspläne
und ihrer Untersuchung zu bringen, so darf ich namens des Landeshauptmanns
 der Provinz Sachsen und namens des Landesdirektors der Provinz
Brandenburg die Erklärung abgeben, daß wir die Anregung bestens bezrüßen,
 für die Einladung danken und gern dabei mitarbeiten werden.

Herr Oberregierungsrat Dr. Rappaport
(Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau, Berlin):

Meine Herren! Die Studiengesellschaft für Automobilstraßen, die ja
alle Beteiligten, die irgend mit der Frage des Kraftwagenstraßenbaues
zu tun haben, umfaßt, begrüßt diese neue für heute ergangene Anregung
aufs lebhafteste. Der Wunsch, den die Studiengesellschaft hat nach einer
möglichsten Vereinheitlichung der Studien, läßt den Wunsch aufkommen,
daß, ähnlich wie bei der schon mehrfach erwähnten „Hafraba“, auch hier
eine möglichst enge Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft oder des
Arbeitsausschusses mit der Studiengesellschaft Platz greifen möge. Der
Plan der Kraftwagenfernstraßen, der als erste Vorstudie Seitens des
Planungsausschusses der Studiengesellschaft entworfen und Ihnen allen
mitgeteilt wurde, scheint doch nicht so ganz falsch zu sein. Denn schon
bei der Straße Basel—-Hamburg wurde festgestellt, daß der Zug im
wesentlichen in dem Plan enthalten ist. Genau das gleiche gilt auch für
den heute zur Erörterung stehenden Straßenzug München—Berlin, mit
der einzigen Ausnahme, über die wohl noch zu sprechen sein wird, ob
die Straße von Nürnberg über Augsburg geführt werden soll. Aber im
übrigen enthält der Plan genau die gleiche Führung, die Herr Dr.-Ing.
Speck vorhin schon eingehend geschildert hat. Ich führe das an,
damit wir den Gesamtplan möglichst als Grundlage einer gemeinsamen
Weiterarbeit betrachten können. Denn es würde vielleicht nicht ganz
erwünscht sein, daß nun die neue Studiengruppe und die Studiengesellschaft
 neben- und womöglich gegeneinander auftreten. Ich darf also
betonen, daß auch diese neue Studien- oder Arbeitsgemeinschaft, wie sie
sich entwickeln soll, in der großen Studiengesellschaft für Automobilstraßen
 ein sehr freundliches und weitgehendes Verständnis findet.
Meine Herren! Die Streitirage, wenn ich so sagen darf: Soll man
nun neue Autobahnstraßen oder, wie Herr Dr.-Ing. Spe ck sagt, „Nur-$
        <pb n="34" />
        Autostraßen“, bauen, oder soll man die vorhandenen Straßen mehr oder
minder ausbauen und „Ausbaustraßen‘“ schaffen? ist doch letzten Endes
überhaupt kein Streitgegenstand, Denn wenn man sich einmal über die
Linienführung Klarheit verschafft hat, wird die Frage, wie der Ausbau
erfolgen soll, ob durch Belassung der heutigen Straßen, ob durch Verbreiterung
 und Verbesserung dieser Straßen, ob an gewissen Stellen
durch Umgehungsstraßen oder ob letzten Endes durch Anlage von „Nur-Autostraßen‘“,
 lediglich eine Frage der örtlichen Verkehrsbelastung sein,
weiter gar nichts. Man kann sich vorstellen, daß bei der sehr verschiedenen
 Intensität des Kraftwagenverkehrs sehr wohl der Fall, den Herr
Ministerialrat Vilbig erwähnte, eintreten kann, daß nämlich gewisse
 Straßen, die als „Nur-Autostraßen‘“ geplant sind, sich in die Gesamtführung
 des Fernstraßenzuges sehr wohl einschalten lassen. Aber
ich darf von seiten der Studiengesellschaft eines bemerken: Gegen das
Eintrittsgeld auf Teilen dieser Strecken hat die Studiengesellschaft starke
Bedenken. (Zuruf: Sehr richtig!) Wenn wir wieder anfangen, zurückzuverfallen
 in die Wegezollfröhlichkeit von vor 100 Jahren, so ist die
Arbeit des deutschen Zollvereins und alles das, was vor 100 Jahren mit
heißem, innerem Kampf errungen wurde, vergeblich gewesen. Dabei
möchte ich auch aussprechen: Es ist nicht ohne Bedenken, diese Zollzuständigkeit
 auf einzelnen mehr oder minder kurzen Strecken einzuführen.
 Meine Herren! Wenn die Wegezölle erst einmal irgendwo in
Deutschland wieder eingeführt sind, wo ist dann die Grenze, und wer
will dann bremsen? (Zuruf: Sehr richtig!) Ich kann mir sehr gut vorstellen,
 daß man z. B. bei der schon erwähnten Umgehungsstraße Köln—
Düsseldorf die Notwendigkeit als „Nur-Autostraße‘“ anerkennt, und daß
man sie ganz ortsfrei und wegefrei führt, ich kann mir vorstellen, daß
gewiß ähnliche Fälle bei der Umgehung von Leipzig oder an anderen
Stellen der neuen Straße vielleicht sich vorfinden; daß man aber, meine
Herren, an diesen Stellen einen Schlagbaum vorfindet und Eintrittsgeld
bezahlen muß, scheint mir doch nicht ohne schwere Bedenken. (Zuruf:
Sehr richtig!)
Ich wiederhole, meine Herren, die Studiengesellschaft verspricht
sehr. bereitwillige Mitarbeit bei der neuen Arbeitsgemeinschaft, unbedingtes
 Entgegenkommen bei allen Einzelplanungen: im übrigen empfehlt
 sie, in die sogenannte Streitfrage, wie die spätere Ausführung im
einzelnen erfolgen soll, heute noch gar nicht einzutreten, weil diese Frage
erst nach dem Abschluß sehr umfangreicher anderer Vorstudien aktuell
werden wird. (Lebhafter Beifall)

Herr Kommerzienrat Dr. Jodlbauer
(Industrie- und Handelskammer München):

Meine sehr verehrten Herren! An der Frage, zu deren Beratung wir
        <pb n="35" />
        hier zusammengekommen sind, hat die Wirtschaft selbstverständlich das
größte Interesse. Dieses Interesse erstreckt sich keineswegs bloß auf die
Kraftfahrindustrie. Bei der starken Ausdehnung, die das Lastkraftwesen
zu Zwecken der Güterbeförderung genommen hat, ist die Wirtschaft auch
in hohem Grade interessiert an guten Automobilstraßen um deswillen,
weil vom Zustand der Straßen die Betriebsunkosten und vor allem die
Materialabnützungskosten stark beeinflußt werden.
Die Industrie- und Handelskammer München hat schon im Oktober
vorigen Jahres sich mit der Frage der Erstellung reiner Automobilstraßen
beschäftigt. Ich war in der Sache als Referent bestellt und kann heute
zu meiner Freude konstatieren, daß das, was der Herr Referent der
heutigen Tagung, Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck, in dieser Frage
nach der grundsätzlichen Seite ausgeführt hat, sich mit der Auffassung
deckt, die bei der Industrie- und Handelskammer München und, wie ich
wohl hinzufügen darf, bei der bayerischen Wirtschaft im allgemeinen
besteht. Auch die Kreise der bayerischen Wirtschait stehen auf dem
Standpunkt, daß das ins Auge zu fassende Ziel die reinen Autostraßen
sein müssen, aus verschiedenen Gründen, auf die ich hier nicht näher
einzugehen brauche. Da aber unter den derzeitigen Verhältnissen, vor
allem bei der heutigen finanziellen Lage des Reiches und bei der Not
der Wirtschaft, sowie angesichts der allgemeinen Kapitalnot, kaum zu
hoffen ist, dieses Ziel in absehbarer Zeit zu erreichen, ist zunächst an
einen bevorzugten Ausbau der vorhandenen, die großen Verkehrs- und
Wirtschaftszentren verbindenden Straßen für die Zwecke des Autoverkehrs
 zu gehen. Dabei wird vor allem die Anfertigung eines Generallinienplanes
 ins Auge zu fassen sein, an Hand dessen der systematische
Ausbau der dafür in Betracht kommenden vorhandenen Staatsstraßen
vorzunehmen sein wird nach den Grundsätzen, die der Herr Reierent uns
vorgetragen hat.

Dabei wird bereits darauf Rücksicht zu nehmen sein, daß, wo immer
es angeht, auch eine Verbesserung der vorhandenen Straßenlinien ins
Auge gefaßt wird, daß z. B., wo es sich machen läßt, unnötige Wegkrümmungen
 durch Führung möglichst gerader Linien entfernt, enge
Stellen beseitigt und Terrainunterschiede nach Möglichkeit ausgeglichen
werden. Auch auf möglichste Ausschaltung unübersichtlicher Strecken
wird bei der Herstellung des Generalplanes Rücksicht zu nehmen sein,
Ein ganz besonderes Interesse an der Herstellung eigener Autostraßen
 scheint mir auch für die Landwirtschaft zu bestehen. Die Landwirtschaft
 hat ein Interesse daran, daß die Straßen, die dem örtlichen
Verkehr dienen, vom Automobilverkehr möglichst befreit werden. Dieses
Interesse wird in den Kreisen der Landwirtschaft rechtzeitig geweckt
werden müssen. Die Anpassung des vorhandenen Straßennetzes an die
Anforderungen des Autoverkehrs und gar erst die Erstellung eigener
Autostraßen werden umfangreiche Grunderwerbungen, Grundabtretungen,

33

Autofernstraßen-Tagung Leipzig 1927
        <pb n="36" />
        Zusammenlegungen usw. notwendig machen. Das wird, namentlich in rein
landwirtschaftlichen Gegenden mit kleinbäuerlichem Besitz — ich denke
da an unsere oberbayerischen und niederbayerischen Verhältnisse —
nicht immer leicht sein, und deshalb erscheint es mir notwendig, daß die
Kreise der Landwirtschaft schon frühzeitig für diese Frage in geeigneter
Weise interessiert werden.
Zum Schluß möchte ich ganz kurz, weil von einem der Herren Vorredner
 Zweifel geäußert wurden, ob Augsburg in die große Nord-Süd-Linie
 werde einbezogen werden können, nachdem es doch etwas zu
weit abseits liege, darauf aufmerksam machen, daß, abgesehen von der
Bedeutung Augsburgs als Industrie- und Handelsstadt, nicht wird außer
acht gelassen werden dürfen, daß eine künftige Ost-West-Linie Paris—
Wien Augsburg unter allen Umständen berühren wird, daß infolgedessen
die Einbeziehung der kleinen Strecke Augsburg—München in die Nord-Süd-Linie
 fast etwas Selbstverständliches ist, soll hier nicht wieder
doppelte Arbeit geleistet werden. Ich fasse zusammen: Die Stellung,
lie in dieser wichtigen Frage der Referent, Herr Ministerialrat Dr.-Ing.
Speck, eingenommen hat, deckt sich mit der Auffassung auch der
Wirtschaftskreise Bayerns, die den Gedanken des Baues einer durchgehenden,
 nur dem Kraitwagenverkehr dienenden Straße Berlin—Leipzig—München
 mit Fortsetzungen nach Norden und Süden als eine
dringende Verkehrsnotwendigkeit begrüßen und den ersten Schritt zur
Erreichung dieses Zieles in dem systematischen und planmäßigen Ausday
 der vorhandenen, die großen Verkehrs- und Wirtschaftszentren verbindenden
 Straßen erblicken.

Herr Geh. Regierungsrat Professor Otzen
(Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau, Berlin, und Verein
„Hafraba‘ E. V.. Hannover):

Meine Herren! Sie sehen in mir ein wenig das enfant terrible der
heutigen Tagung. (Heiterkeit.) Ich fühle mich in dieser Rolle zunächst
noch ganz wohl, denn ich habe aus den Ausführungen aller Herren Vor-‚edner
 eines entnehmen können, was Ihnen vielleicht gar nicht so sehr
aufgefallen ist. Unseren Gedanken wird eine gewisse Lebensberechtigung
schon zugestanden, und es wird zugegeben. daß man die Sache doch
mmerhin studieren sollte.
Die Autostraße, für deren Durchführung wir uns interessieren, führt
den etwas kabbalistisch anmutenden Namen „MHMafraba‘“, wobei ich zu bedenken
 bitte, daß die erste Silbe Ha durchaus nicht Hamburg heißen muß,
sondern ebensogut Hansa heißen kann. Sie können mir glauben, meine
Herren, daß mir gerade in diesem Kreise, in dem ich bisher eigentlich
nur gehört habe: „Das, was die ‚Hafraba‘ anstrebt, ist aussichtslos!“ viel
laran liegt, Ihnen mit wenigen Worten zu sagen. warum wir. die wir
        <pb n="37" />
        diese Sache vertreten und die wir uns dafür einsetzen, dennoch glauben,
daß wir nicht so ganz von Gott verlassen sind.
Verkehr, meine Herren, ist etwas, was Sie gar nicht mit Händen
greifen können. Wenn Sie den Verkehr, wie das hier ja in mustergültiger
 Weise geschehen ist, auf Grund von Verkehrszählungen und
auf Grund von Messungen und Schätzungen hernehmen und aus diesen
Voraussetzungen als Bausteinen ein Haus bauen, so werden Sie in zehn
Jahren sehen, daß diese Voraussetzungen falsch waren. Es gibt nur eine
Wechselwirkung zwischen Verkehr und Verkehrsmittel, die unabhängig
ist vom absoluten Tageswert. Billig wäre es, darauf hinzuweisen, daß
es noch keine 100 Jahre her sind, als man einem ebenso gärenden Zeitalter
 des Verkehrs gegenüberstand wie heute, nämlich zur Zeit, als die
Eisenbahn entstand. Kein Mensch, auch nicht einer, hat sich eine Vorstellung
 machen können, was die damals neugebauten Eisenbahnlinien
einst leisten könnten und wie sie richtig oder falsch angesetzt worden
sind. Das gegebene Verkehrsmittel hat den Verkehr an sich gerissen, hat
ihn geschaffen und hat ihn zu einem ungeheuerlichen, in der Welt noch
nicht wieder dagewesenen Erfolge geführt.
Wir stehen in einer ähnlichen Gärungsperiode wie unsere Vorväter in
den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts; nur daß es noch viel toller gärt.
Die Eisenbahn hat sich bei uns das Recht eines wohlwollenden Papstes
erworben, der uns unsere Verkehrsbestimmungen ruhig und sicher vorschreibt.
 Daneben sind aber zwei neue revolutionäre Dinge entstanden,
das Flugwesen und die Mobilisierung der Postkutsche; beide augenblicklich
 in Deutschland in Fesseln liegend. Wo ihre Wege hinführen
werden, meine Herren, möchte ich behaupten, weiß nicht einer von denen,
die hier anwesend sind. Wir können uns allerlei ausdenken für die nächsten
 5, auch 10 Jahre, wir bauen aber nicht eine europäische Nord-Süd-Linie
 in Gedanken an eine solche Frist. Dieser Gedanke verlangt Jahrzehnte,
 vielleicht Jahrhunderte als Basis der ‚Wertung. Hier handelt es
sich nicht um eine augenblickliche straßenbautechnische Leistung, hier
leuchtet eine Idee! Diese Idee ist nicht so sehr jung. Ich habe
vor zwei Jahren mit dem mehrfach erwähnten Herrn Puricelli in
Mailand über die Frage europäischer Straßen gesprochen. Herrn
Puricelli möchte ich Ihnen nicht weiter schildern, ich möchte Ihnen
aber seine besten Eigenschaften nicht verschweigen, nämlich seine absolute
 Einfachheit und die Stärke seines Glaubens an seine Idee! Er hat
mir damals schon gesagt: Glauben Sie doch nicht, daß ich mich hier für
das bißchen oberitalienische Seenstraße interessiere. Mich interessiert
das Europanetz; wollen Sie das in Deutschland nicht mitmachen? Damals
 gründeten wir gerade die „Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau“.
 Da waren wir noch nicht stark und frei genug für solche Pläne.
An den Gedanken, es könnte das Flugwesen in ganz kurzer Zeit alle
diese Pläne über den Haufen werfen, glaube ich nicht. Warum nicht.

AR
        <pb n="38" />
        meine Herren? Der Verkehrshorizont der Menschheit liegt auf der Erde,
und wenn ich in eine dritte Dimension hinausgehe, so habe ich auch die
Lasten dieser dritten Dimension zu tragen. Drei typische Verkehrsmittelsorten
 haben wir. Die schienengebundene, schnellfahrende Wagengruppe
der Eisenbahn und die nicht schienengebundenen Kraftwagen, die individuell
 charakterisiert sind, die überallhin fahren können, auf guten und
schlechten Wegen. Wenn wir dann übergehen zu den Flugzeugen, so
verlassen wir das Erdgebundene. Das Flugzeug hat keine andere Führung
 außer der Sicht, es wird nicht von Haus zu Haus fahren können; es
braucht die Vermittlung aller möglichen zentralen Stellen. Das individuelle
 Bewegungsmittel wird wahrscheinlich der Kraftwagen bleiben.
Und nun handelt es sich darum: was kann man dem Kraftwagen, dem
besten Verkehrsmittel der Welt bieten? Sie wollen ihm bieten, daß er
überall da, wo jetzt Straßen sind, auch wirklich gut fahren kann. Sehr
richtig! Ich möchte die Stelle wissen, an der seitens des von mir vertretenen
 Vereins auch nur ein einziges Mal davon gesprochen worden
wäre, daß diese Aufgabe nicht an allererste Stelle zu stellen sei. Denn
ohne ein absolut tadellos durchgearbeitetes
Länderstraßennetz, das je nach dem örtlichen Verkehr
 einzurichten ist, ist ja überhaupt eine sogenannte
 Autostraße undenkbar. Denn die die Autostraße benutzenden
 Fahrzeuge müssen sie verlassen und beliebig vor jedes Haus
fahren können, das sie erreichen wollen. Die beiden Dinge stören sich
nicht. Die Autostraße will die finanziellen Kreise der Straßenunterhaltung
und des Straßenumbaues nicht stören. Sie will auch in keiner Weise in
ihre inneren finanziellen Betriebsfiragen eingreifen. Wenn wir uns, wie
Herr Dr. Rappaport sagt, davor fürchten sollten, für eine Benutzung
der Straße irgendwo eine Fahrkarte zu nehmen, so müssen wir uns doch
wirklich mal die Frage vorlegen: Warum fürchten wir uns nicht davor,
eine Eisenbahnfahrkarte zu nehmen? Warum kaufen wir uns eine Briefmarke,
 wenn wir einen Brief schreiben wollen? Letzten Endes gewöhnen
 wir uns doch daran, unsere Steuern zu zahlen. Ich fahre heute
mit dem Piferdewagen auf der Straße umsonst, aber ich bezahle trotzdem
 meinen Wegezoll im Rahmen meiner allgemeinen Steuern. Die
Sorge, daß dieses Übergangsstadium irgendeiner Wegezollerhebung einen
Rückfall in die alten traurigen, zerrissenen politischen Verhältnisse einleiten
 könnte, scheint mir schon deswegen verkehrt, weil gerade das Autostraßennetzsystem
 meiner Ansicht nach die beste Grundlage für die Vereinheitlichung
 des Straßenbauwesens in Deutschland
 überhaupt sein könnte. Denn wir dürfen nicht vergessen, daß
wir eine solche Einheitlichkeit nicht haben, sondern nur auf Wegen, wie
as heute hier versucht wird, zu schaffen suchen.
Deshalb, meine Herren, weil wir an diese Zukunftsgedanken glauben,
halten wir es für unsere Pilicht und haben es für unsere Pflicht ee-
        <pb n="39" />
        halten, unser Projekt mit allem Nachdruck zu verfolgen. Ich gebe zu,
daß es mir richtiger scheint, diese Nord-Süd-Straße durch die Rheinebene
zu legen, als über Berlin—München; das ist aber Geschmackssache. Ein
solches Projekt überhaupt einmal zu studieren, über dieses Projekt
Sicheres aussagen zu können, das ist das Wichtigste an der Geschichte.
Ich bin von allen möglichen Seiten angegriffen worden, in Tagesund
 Automobilzeitungen. Diplom-Ingenieure Soundso schreiben große
Artikel, die die Autostraßen grundsätzlich verurteilen. Sie wissen aber
nichts von der Sache; das ist der schlimme Gegensatz zwischen Journalistik
 und Sachlichkeit! Ich freue mich, daß die große Mehrzahl der
Herren Vorredner sich nicht auf diesen Standpunkt gestellt hat, trotzdem
sie innerlich ablehnend eingestellt sind; daß sie nicht gesagt haben: man
soll die Sachen gar nicht mehr verfolgen. :Es werden sich überraschende
Resultate ergeben, wenn Sie ernsthaft die Sache verfolgen, wenn ich
auch nicht überzeugt bin, daß von heute auf morgen Autostraßen, 12 m
breit, wie ’ein Strich mit dem Lineal von Norden nach Süden Deutschlands
 gezogen, gebaut werden. Erhebliche Teile werden aber entstehen,
davon bin ich heute überzeugt, und diese erheblichen Teile, die gebaut
werden, werden den Beweis erbringen, daß sie nötig und gut sind, und
sie werden auch der Automobilindustrie zeigen, daß ihre Befürchtungen
von Motorzüchtungen usw. gar nicht so schlimm sind, wie das augenblicklich
 scheint. Denn durch alle Erörterungen weht hindurch die allerdings
 ungeheuer bedauerliche Tatsache unserer wirtschaftlichen Depression.
 Wenn die wirtschaftliche Depression nicht da wäre, würden
wir an ganz andere Wünsche denken. (Zuruf: Sehr richtig!) Aber man
kann einen großen Gedanken nicht deshalb totschlagen, weil es uns
augenblicklich schlecht geht.
Sie werden nach diesen Ausführungen in gewissem Sinne in mir
einen starken Idealisten, vielleicht Utopisten sehen. Ich kann mir das
gefallen lassen. Bei meinem Beruf als Professor bin ich ja in dieser Beziehung
 immun. (Heiterkeit.) Ich kann es über mich ergehen lassen und
werde weiteres über mich ergehen lassen. Ich habe aber den Auftrag
seitens meines Vorstandes, Ihnen, Herr Oberbürgermeister, unsere
wärmste Beglückwünschung auszusprechen, daß heute überhaupt mal
wieder über so etwas gesprochen wird, was eine Idee, ein großer
Gedanke ist, der Deutschland verbindet von Nord nach Süd. Wenn
mal nicht jeder glaubt, alles muß an seinem Zipfel zu Ende sein, und
er muß nur dafür sorgen, daß sein Etat gerade noch balanciert. Wir
werden uns im Laufe der Jahre schon noch allerlei Schwanzfedern ausreißen
 lassen müssen (Heiterkeit), aber trotzdem unsere Sache durchzuführen
 wissen. Denn ein so weltverlorener Professor bin ich nicht:
ich habe mich genügend in der Welt umgesehen.
Dieser Begrüßung, die ich hier namens des Vereins „Mafraba‘“ der zu
gründenden Arbeitsgemeinschaft überbringe, möchte ich den Wunsch an-AP
        <pb n="40" />
        fügen, daß sie recht schnell vorwärtskommen möchte. Ich weiß, meine
Herren, Sie haben größere Schwierigkeiten als wir, denn wir sind Privatmänner
 und Sie sind ungefähr 50 Behörden. (Heiterkeit.) Das ist ein
kleiner Unterschied. Aber es wird im höchsten Maße Wertvolles geschaffen
 sein, wenn dereinst die Linien Rom—Berlin—Nordsee und Rom—
Basel—Nordsee nebeneinander bestehen werden und wenn all die kleinen
Bedenken, über die wir heute stolpern, wegen Wegezoll oder nicht zureichender
 Mittel, längst, längst vergessen sein werden und man sich
freuen wird, daß man dem Automobil, diesem noch längst nicht vollgenutzten,
 wundervollen Verkehrsmittel, endlich die freie Bahn für seine
Tüchtigkeit geschaffen haben wird. (Starker Beifall.)

Herr Stadtbaurat Professor Dr.-Ing. Heilmann
(Magistrat Halle a. S.):

Meine Herren! Wenn ich mir zu sprechen erlaube, tue ich es nicht
ohne ein gewisses Befangen; denn Sie könnten natürlich jetzt erwarten,
daß ich in Bekämpfung der Ausführungen des Herrn Ministerialrats
Dr.-Ing. Speck versuchen würde, Sie zu überzeugen, daß die Fernstraße
 München-—Berlin nicht über Leipzig, sondern über Halle zu
gehen hat. (Heiterkeit.) Ich könnte das um so leichter tun, meine Herren.
als ich z. B. an die Ausführungen des Herrn Landesbaurats Dr. Wie -
necke anschließen und sagen könnte: die Straße Berlin—Halle ist in
Ordnung und kann ohne weiteres dem Automobilfernverkehr zur Verfügung
 gestellt werden. Auch liegt Halle an den geplanten Kraftwagendurchgangsstraßen
 Frankfurt—Erfurt—Berlin und Dresden—Hamburg.
Ich unterliege aber dieser Versuchung nicht, meine Herren. Ich tue
es deswegen nicht, weil ich mir dann einen Vorwurf machen müßte, der
darin liegt, daß man sagen könnte: Es ist unsachlich, eine Straße
nach ganz bestimmten Festhaltepunkten, z. B. Zwickau oder Leipzig,
untersuchen zu wollen. Man muß ein solches Projekt, meine Herren,
vollkommen objektiv, frei von allen örtlichen Interessen, von allen
sonstigen Interessen, die ganz bestimmte Kreise haben könnten, untersuchen.
 Man muß an die Arbeit herantreten mit der Frage des Bedürfnisses.
 Sehen Sie vor allem auf dieses Bild. Hier liegt ein Bedürfnis
vor, natürlich ein Bedürfnis auf weiteste Sicht abgestellt. Dann kann
man erst mit der Arbeit beginnen. Es ist mir nach einer soichen rein
objektiven Prüfung völlig gleichgültig — ich versichere Sie das —,
ob das Ergebnis der Untersuchungen lauten wird: München—Leipzig—
Berlin oder: München—Halle—Berlin oder: München—-NN—Berlin. Durch
eine solche objektive Untersuchung werden Sie aber Gelegenheit haben,
das zu schaffen, was im Interesse des großen Gedankens notwendig ist.
Und Leipzig gebührt ja auf jeden Fall das Verdienst, zu diesem großen
Gedanken heute aufgerufen zu haben.
        <pb n="41" />
        Wenn wir aber schon, meine Herren, — gestatten Sie mir, das noch
zu sagen — von der Frage der Kraftwagen-Fernstraßen und der Kraitwagenbahnen
 hier gesprochen haben, so haben beide Städte, Leipzig,
die alte Messe- und Handelsstadt, und Halle, der Mittelpunkt des mitteldeutschen
 Industriebezirks, auf jeden Fall Veranlassung, in der Frage von
Autobahnstraßen Hand in Hand zu gehen. Denn für mich ist es klar, daß
der Aktionsradius des Kraitwagens zweifellos innerhalb der Strecke
liegen wird, die als Entfernung zwischen Halle und Leipzig gemessen
werden kann. Das sind 31 km. Hier sind zwei wichtige Wirtschaftsmittelpunkte.
 Diese werden sehr wohl selbst ohne Rücksicht auf die
Fernstraße Berlin—Rom den Gedanken einer Kraftwagenbahn erwägen
müssen, und ich darf den Herren vom Rat der Stadt Leipzig sagen,
daß wir uns nach der Richtung bereits in Halle beschäftigt haben. Ich
habe mir erlaubt, das mitzuteilen, weil in einem solchen Kreis, wo Wirtschaftspolitiker
 und auch die Automobilinteressenten vertreten sind,
diese Frage ein gewisses Interesse auslösen wird. Eine solche Autobahn
Halle—Leipzig wird dann auch die geeignete Zubringerstraße zur Fernstraße
 Berlin—München sein. (Bravorufe.)

Herr Hofrat Kell (Handelskammer Leipzig):

Meine Herren! Die Handelskammer Leipzig begrüßt es mit wärmstem
Dank, daß der Rat die Versammlung heute zusammenberufen hat. Sieben
Handelskammern haben sich beteiligt, um bei den heutigen Ideengängen
ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen. Und, meine Herren, wenn auf
der einen Seite die verantwortlichen Stellen des Reichsverkehrsministeriums
 und das Ministerium für Landwirtschaft und Domänen von
Preußen mit scharfer Zurückhaltung den Vortrag und die heutigen Gedanken
 hörten, so müssen wir es auf der anderen Seite dankbar begrüßen,
 wenn das sächsische Ministerium sich in wärmster Weise den
Ideen schon jetzt hingibt, und wir denken an die Worte zurück, welche
Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck vor einiger Zeit ausgesprochen hat:
„Deutschland kann sich den Luxus schlechter Straßen nicht mehr leisten“
Meine Herren! Es ist eine reine Frage der Wirtschaft, wieweit die
Mittel aufgebracht werden können, um dieses brennendste Bedürfnis der
Öffentlichkeit zu befriedigen und ferner, auf welche Schultern diese
Lasten seitens des Staates und der Wirtschaft gelegt werden müssen.
Meine Herren! Es ist wohl klar, daß die großen Strecken durch den
Luftverkehr bewältigt werden müssen, aber andererseits wird es eine
Frage der wirtschaftlichen Verhältnisse sein, wie man rasch vorwärts
kommt, so daß der Geschäftsmann sich selbst weitgehend ausnutzen
kann und daß alle die Ideengänge, die Herr Geheimrat Otzen durch
jahrelanges Studium sorgfältig vorbereitet hat und die er uns heute mit
einem gewissen Optimismus vortrug, sich nach und nach verwirklichen.

f
        <pb n="42" />
        Meine Herren! Man braucht kein Columbus zu sein und nicht ins Düstere
hinauszufahren, aber man braucht auch nicht an die Ideen zu denken, wie
sie so scharf unserem Geheimrat Thieme in Leipzig entgegengetreten
sind, als er das Völkerschlachtdenkmal bauen wollte und man ihn zwei
Jahre ohne Erfolg hin- und herschickte, Er hat nun die 6 Millionen gesammelt,
 weil seine Absicht ein großer und richtiger Gedanke war, aus
der Zeit geboren. Und so wird es auch hier sein. Die Straßenbauidee
wird sich durchsetzen, ob in dieser Form, wie es jetzt gedacht ist, oder
in einer andern Form, wird die Zeit erweisen. Aber es werden sich die
Ideen so ineinander verflechten, daß die Möglichkeiten der Finanzierung
zeschaffen werden, und dazu ruft die Handelskammer den maßgebenden
Stellen, die sich damit beschäftigen. ein herzliches ‚Glück auf“ zı.

Herr Oberbürgermeister Dr. Gruber (Stadtrat Ingolstadt):

Meine sehr verehrten Herren! Ich will mich ganz kurz fassen, aber
sowohl im Auftrage meines eigenen Stadtrats als auch der sämtlichen
Städte und Bezirke der großen Verkehrsinteressenten-Gemeinschaft auf
der Strecke zwischen Weißenburg-—Ingolstadt—München, möchte ich mit
Rücksicht auf die Äußerungen, die heute gefallen sind, nicht versäumen,
auf einen Punkt hier hinzuweisen, ohne irgendwie dabei in eine Polemik,
vielleicht gegen unsere Nachbarstadt Augsburg, einzutreten. Bisher ist
es, wie ja die Automobilisten wissen, üblich, von Nürnberg über Ingolstadt
 nach München zu fahren, auf einer in den letzten Jahren sehr schön
und modern ausgebauten Straße, die gleichzeitig durch eines der schönsten
 Gebiete im südlichen Bayern führt, durch das herrliche Juragebiet
und Altmühltal, und weiter den großen Vorzug hat, daß sie die kürzeste
Verbindungsstrecke zwischen Nürnberg und München darstellt.
Nun sind heute sowohl vom Herrn Referenten, Herrn Ministerialrat
Dr.-Ing. Speck, als auch von Herrn Kommerzienrat Dr. Jodlbauer
Äußerungen dahin gefallen, als wenn man bei dem künftigen Ausbau der
großen Nord-Süd-Autofernstraße überhaupt an die bisherige große Hauptverbindungsstraße
 zwischen Nürnberg und München über Ingolstadt gar
nicht mehr denken und auf einmal eine ganz neue Straße von Weißendurg
 über Treuchtlingen nach Augsburg allein bauen wollte. Meine sehr
verehrten Herren! Wer die Verhältnisse in diesem Interessentenkreis
kennt, der weiß, daß erstens einmal gerade die Strecke von Weißenburg
 über Treuchtlingen—Donauwörth nach Augsburg zu einem landschaftlich
 leider außerordentlich eintönigen Gebiet gehört und zweitens
bisher eine auch nur einigermaßen annehmbare Straße für den Autoverkehr
 auf dieser Strecke und in dieser Gegend nicht zu finden ist. Ich
möchte deshalb bitten, insbesondere den Herrn Vertreter des Reichsverkehrsministeriums
 und die beiden Herren Vertreter unseres bayemischen
 Staatsministeriums des Innern und auch die Herren der Studien-
        <pb n="43" />
        zesellschaft — und in dem Falle darf ich hier besonders an eine Äußerung
les Herrn Oberregierungsrats Dr. Rappaport von vorhin erinnern,
der auf die Karte, die er soeben in Händen hat, hingewiesen hat —, daß
bei der Weiterbearbeitung dieser Fragen die bisherige Strecke unter
keinen Umständen ausgeschlossen werden darf. Es ist wohl möglich,
vielleicht die beiden Strecken Weißenburg—Augsburg und Weißenburg—
Ingolstadt—München im Laufe der Zeit auszubauen, aber, meine sehr
verehrten Herren, es dürfte nicht so gemacht werden, daß man die bisherige
 große Verbindungsstraße zwischen Nürnberg—München über
Ingolstadt auf einmal. vollständig auf der Seite liegen läßt, und nur deshalb,
 um besondere Wünsche vielleicht in die Wirklichkeit umzusetzen.
und auf einmal eine ganz neue Verbindungsstraße zwischen Nürnberg,
Weißenburg und Augsburg herstellt. Meine sehr verehrten Herren! Das
würde den Interessen aller Beteiligten, die auf diesem großen Gebiet
liegen und zweitens auch dem Interesse der Automobilisten absolut nicht
Genüge leisten. Ich darf deshalb nochmals im Namen meiner Stadt sowohl
 als aller hinter mir stehenden Interessentenkreise, Städte und Bezirke
 der dortigen Gegend an die maßgebenden Persönlichkeiten dieser
Versammlung die Bitte richten, diese Anregung bei der Weiterberatung
des großen Proiektes stets im Auge zu behalten.

fMerr Stadtoberbaurat Puchner (Stadtrat Bamberg):

{m Namen des Stadtrats Bamberg möchte ich zunächst die Gelegenheit
 benutzen, dem Rat der Stadt Leipzig den besten Dank auszusprechen
ür die Einladung. Die Stadt Bamberg ist gern der Aufforderung nachgekommen,
 weil ja auch Bamberg im Zuge der Strecke Berlin—München
liegt. Leider ist unsere Freude dadurch etwas getrübt, daß wir aus den
Ausführungen des Herrn Ministerialrats Dr.-Ing. Speck entnehmen
mußten, daß die Autofernstraße nicht über Bamberg, sondern etwas
weiter östlich vorbeiführen soll. Es wurde zwar darauf hingewiesen,
daß die Städte, die abseits liegen, sehr gut durch Stichstraßen angeschlossen
 werden können, aber uns in Bamberg ist auch die Hand lieber
wie der kleine Finger. Ich möchte aber nicht weniger objektiv sein, wie
der Herr Kollege von Halle und möchte konstatieren, daß in derartig
zroßen Sachen kleine Interessen nicht ausschlaggebend sein können (Leb-“afte
 Zurufe: Sehr richtig! — Bravorufe!), daß sie aber gewürdigt werden
 müssen. Ich möchte darauf hinweisen, daß der Zweck der heutigen
Tagung nicht der ist, eine endgültige Straßenführung festzulegen, sondern
 nur die Untersuchung über die beste Straße einzuleiten, und ich
möchte die Bitte aussprechen, daß die Frage, ob nicht auch die etwas
seitlich gelegene, westliche Linie, etwa durch das Saale-Main- und Regnitztal,
 als Verbindung zwischen Leipzig und Nürnberg hergestellt werden
 könnte. Das mag vom Arbeitsausschuß geprüft werden, und ich bitte,
        <pb n="44" />
        daß den Vertretern der dabei interessierten Städte, zu denen auch Bamberg
 gehört, Gelegenheit gegeben wird, ihre Interessen zu vertreten.
Was dann das Ergebnis der Beratungen sein wird, darüber wird der Arbeitsausschuß,
 der heute eingesetzt wird, Beschluß zu fassen haben. In
liesem Sinne nochmals Dank für die Einladung und die Bitte, daß dem
Arbeitsausschuß auch die entsprechenden Interessentengruppen angezliedert
 werden.

Herr Stadtrat Dr. Leiske, Leipzig:

Meine sehr geehrten Herren! Die Aussprache hat sich im wesentlichen
 in dem Rahmen bewegt, den wir im voraus vermutet haben.
Wir haben wiederum in unserem Rathaus einen hervorragend
gründlichen Vortrag von Herrn Ministerialrat Dr.-Ing. Speck gehört,
und wir haben es auch vom Vorstandstisch begrüßt, daß uns Herr Geheimrat
 Professor Otzen Gelegenheit gegeben hat, den gegenteiligen,
der ich möchte sagen den anderen Standpunkt kennen zu lernen. Da-:über
 habe ich mich besonders gefreut, weil der persönliche Gedankenaustausch
 gewiß sachdienlicher sein wird als die Diskussion gegensinander
 in den Fachzeitschriften.
Der Herr Vertreter von Bamberg hat ganz recht gehabt, wenn er
soeben feststellte, daß der Streckenplan, den Herr Ministerialrat Dr.-Ing.
Speck uns vorgeschlagen hat, ja nur ein vorläufiger Gedanke, nur ein
persönlicher Gedanke des Herrn Vortragenden ist und daß es gerade
aoch der eingehenden Arbeit im Arbeitsausschuß bedürfen wird. um
liesen Streckenplan endgültig zur Reife zu bringen.
Meine Herren! Wir haben uns im engeren Kreise der hier vorsitzenden
 Stadtverwaltungen Berlin, München und Leipzig der Mühe
unterzogen, einige Richtlinien vorzuschlagen, von denen ich annehmen
darf, daß sie auf den Plätzen verteilt worden sind. In einer Atmosphäre,
die immerhin so viel Gegensätzlichkeiten aufgedeckt hat, ist es wohl
nicht ganz ohne Schwierigkeit, vom Vorstandstisch aus zu Richtlinien
zu gelangen, von denen man eine recht einmütige. hoffentlich sogar einstimmige
 Annahme erwarten möchte.

Richtlinien.

I. Autofernstraßen sind auch in Deutschland als eine durch
den wachsenden Autoverkehr gegebene Notwendigkeit anzusehen.

IH. Den auftretenden Verkehrsbedürfnissen der nächsten
Zukunft wird eine Fernstraße im Rahmen des Staatsstraßensystems
 Rechnung tragen können. Die Ausgestaltung zur
reinen durchgehenden Autofernstraße wird von der Entwickung
 der künftigen Verkehrsbedürfnisse abhängen.
        <pb n="45" />
        il. Eine Verbindung Berlin—Leipzig—München-—Rom
st als ein notwendiger und wesentlicher Bestandteil eines künftigen
 deutschen bzw. internationalen Autofernstraßennetzes
anzusehen.
IV. Die notwendigen Vorbereitungsarbeiten sind schon
jetzt in Angriff zu nehmen und raschestens durchzuführen.
Zu diesem Zwecke ist eine Arbeitsgemeinschaft unter
Heranziehung der interessierten Kreise zu bilden.
V. Die Arbeitsgemeinschaft hat einen engeren Arbeitszusschuß.

Derselbe setzt sich zusammen aus
a) je einem Vertreter der Städte Berlin, Leipzig und
München,
je einem Vertreter des Reichsverkehrsministeriums
und der beteiligten Länderregierungen von Preußen,
Sachsen, Thüringen und Bayern.
Der Ausschuß hat das Recht, je nach Fall und Bedarf auch
außerhalbstehende Kreise nach eigenem Ermessen zur Mitarbeit
 heranzuziehen.
Seine Aufgabe besteht in
i. Aufstellung eines Streckenplanes,
?. Aufstellung eines Bau- und Finanzplanes für die Fernstraße
 im Rahmen der Staatsstraßensysteme,
3. Aufstellung eines Bau- und Finanzplanes für die Fernstraße
 als (neue) Autobahnstraße.
Der Arbeitsausschuß wird die ihm obliegenden Aufgaben
länderweise vorbereiten,
VL. Zum Vorort der Arbeitsgemeinschaft wird München
Stadtverwaltung) als der natürliche Mittelpunkt der Autoternstraße
 Berlin—Leipzig—München—Rom bestimmt.

3)

Ich möchte mir erlauben, noch einige wenige erläuternde Bemerkungen
 zu diesen Richtlinien zu machen. In den Vordergrund haben wir
bei der Redaktion der Richtlinien den Grundgedanken des großen Durchzangsverkehrs,
 ich möchte sagen des kontinental gesehenen Durchgangsverkehrs,
 gestellt und stellen müssen. In dieser Beziehung bin ich sehr
dankbar, daß mir besonders im Rathaus zu München die Anregung Zuteil
 wurde, die Strecke Berlin—Leipzig—München nicht in München
anden zu lassen, sondern den Fernstraßengedanken von vornherein auf
B3erlin—Rom abzustellen.
Sodann die Methodik, die verkehrspolitische und straßenbaupolitische
 Methodik, die zu dem gemeinsamen Ziele führen soll. Wir haben,
wie die Herren aus den Richtlinien ersehen werden, nicht für gut be-
        <pb n="46" />
        junden, uns für das eine oder das andere System mit einem glatten Ja
oder Nein, das jeweils das Gegenteil ausschließen würde, zu entscheiden.
Wir sehen das Hauptziel zunächst in der Sanierung des Staatsstraßensystems,
 das ja auch Herr Ministerialrat Dr.-Ing. S peck in den Vordergrund
 geschoben hat. Aber wir möchten doch meinen, daß die Verkehrslage
 und besonders die noch nicht sichtbare Verkehrslage der Zukunft,
vielleicht einer nahen Zukunft, es ratsam erscheinen läßt, auch das
Problem der Autobahnstraße oder, wie hier gesagt worden ist, der Nur-Autostraße
 einer gleichzeitigen und sehr gründlichen Erwägung mit zu
ınterziehen. Dabei war es mir persönlich sehr interessant zu beobachten,
daß, je mehr nach Süden ich den Plan für die heutige Tagung in die Ratnäuser
 tragen konnte, man um so mehr geneigt war, sich der Autobahnstraße,
 dem Gedanken der Nur-Autostraße zu öffnen. Ich weiß nicht, ob
das etwa die nachbarliche Nähe des Herrn Puricelli im Süden des.
Reichs vermocht hat.
Dann ein kurzes Wort über die Organisation. Fs besteht nicht die
Absicht — ich spreche da gewiß auch im Sinne meiner Kollegen aus
Berlin und München —, die Organisation groß aufzuziehen. Wir denken
uns als Dach über den Gesamtbestrebungen für die neue Fernstraße eine
Arbeitsgemeinschaft im weitesten Umfange, eine Arbeitsgemeinschaft,
an der wir teilnehmen sehen wollen neben der Viermillionen-Stadt Berlin,
neben den Siebenhunderttausend-Städten München und Leipzig, auch die
kleinen und kleinsten Landgemeinden, und wir denken uns als einziges
Organ dieser Arbeitsgemeinschaft einen Arbeitsausschuß, dessen Zusammensetzung
 im einzelnen wir Ihnen unter Ziff. V. der Richtlinien vorschlagen.

Dieser Arbeitsausschuß, meine. Herren, soll nicht in die Planungsarbeiten
 der Länder und Länderbezirke unmittelbar eingreifen, sondern
sr wird zu seiner eigenen Arbeit der länderweisen Vorarbeit bedürfen.
Jeshalb glaubten wir auch richtig zu verfahren, ihn möglichst eng zusammenzusetzen
 aus je einem Vertreter der Städte Berlin, Leipzig,
München und je einem Vertreter des Reichsverkehrsministeriums und
der beteiligten Länderregierungen von Preußen, Sachsen, Thüringen und
Bayern. Der Arbeitsausschuß soll ausdrücklich das Recht erhalten, ie
nach Fall und Bedarf auch außerhalbstehende Kreise, insbesondere
auch die Kreise der Automobilklubs und des Kraftfahrwesens überhaupt.
zur Mitarbeit heranzuziehen.
Und dann noch ein kurzes Wort über die Wahl des Vorortes, Wir
werden uns auf einen gemeinsamen Vorort verständigen müssen. Wir
schlagen Ihnen als Vorort München vor, und zwar deshalb, weil wir
glauben, daß München, wenn wir an dem kontinentalen Gedanken der
Fernstraße Berlin—Rom festhalten, für diese Fernstrecke in der Tat der
natürliche Mittelpunkt ist und weil wir auch besonderes Vertrauen zu der
weiteren Initiative im Münchner Rathaus haben.
        <pb n="47" />
        {ch möchte Sie bitten, von diesen Bemerkungen Kenntnis zu nehmen
und möchte wünschen, daß sie zu einer möglichst einstimmigen Annahme
unserer Richtlinien führen,

Herr Kommerzienrat Maser
(Industrie- und Handelskammer Nürnberg):

Meine Herren! Bei dem Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft und
eines engeren Arbeitsausschusses vermisse ich die Vertreter der Wirtschaft,
 die ja doch ein wesentliches Interesse an dem Bau der Automobilstraße
 haben, und ich möchte Ihnen vorschlagen, daß Sie in den Ausschuß
auch einen Vertreter der Industrie- und Handelskammer berufen, vielleicht
 aus den Städten Berlin und Leipzig und einen bayerischen.
Vorsitzender:

Meine Herren! Wir werden uns natürlich freuen, wenn wir die
Erfahrungen der Wirtschaftskreise in diesem Arbeitsausschuß nutzbar
machen können, Die Frage ist nur, ob der Arbeitsausschuß, wenn er erweitert
 wird, schließlich auch noch auf weitere Kreise sich ausdehnen
muß (Zurufe: Sehr richtig!) und einen Umfang erhält, der ihn nur sehr
schwer arbeitsfähig macht. Wir haben uns deshalb auf das Nötigste beschränkt,
 auf die drei größten Städte zusammen mit Reich und Ländern,
und es ist ganz selbstverständlich, daß dieser Ausschuß nicht arbeiten
kann ohne die Wirtschaftskreise, die in den Handelskammern vertreten
sind, nicht arbeiten kann ohne die Kreise der Automobilindustrie und
des Automobilsports, ferner nicht arbeiten kann ohne die Städte, die von
der Straße berührt werden und daß die alle, wenn erst einmal die Plaaungen
 vorliegen, zu den Sitzungen herangezogen werden müssen. Aber
es empfiehlt sich nach meinem Dafürhalten doch sehr, diesen Arbeitsausschuß
 ganz klein zu machen (Lebhafte Zurufe: Sehr richtig!), um ihn
aktionsfähig zu gestalten. Für mich war bloß die eine Frage, ob bei der
Gestaltung des Wegebauwesens in Preußen, — das, was uns vorhin
Herr Präsident Dr. Wienecke gesagt hat — eine einzige Vertretung
von Preußen das richtige ist, oder ob, da die Provinzen die Träger des
Straßenbaues sind, nicht für Preußen noch ein Vertreter für die Provinzen
zu erwählen wäre, weil der preußische Staat von sich aus gar nicht
allein ohne die Provinzen etwas wird machen können. Aber das kann
ich nicht so ohne weiteres beurteilen, ob nach dieser Richtung vielleicht
noch die Zuwahl eines Herrn erwünscht wäre. Im übrigen würde ich
dringend bitten, den Arbeitsausschuß so klein wie möglich zu gestalten.
(Bravorufe.) Ist der Herr Vertreter von Nürnberg vielleicht damit zuirieden,
 daß er seine Anregung nicht weiter verfolgt?
        <pb n="48" />
        Herr Provinzialbaura t Müller-Steinfahrt
(Provinzialverwaltung Sachsen):

Die Provinz Sachsen würde es begrüßen, wenn sie auch in dem
engeren Ausschuß mit vertreten wäre, da sie ja mit einer ziemlich erheblichen
 Strecke an der großen Autofernstraße beteiligt ist.

Vorsitzender:
Dann würden wir als Konsequenz aber auch einen Vertreter der
Provinz Brandenburg bitten müssen, in den Arbeitsausschuß mit einzutreten.
 (Zuruf des Herrn Vertreters der Provinz Brandenburg: Wir würden
bereit sein!) Ich würde es dann dahin ergänzen, daß je ein Vertreter
der Provinzen Brandenburg und Sachsen dem Arbeitsausschuß angehören,
 weil diese Provinzen die Träger des Wegebaues sind. Ich bitte
aber, nun nicht etwa weitere Konsequenzen daran zu knüpfen.
Herr Kommerzienrat Haberland
(Industrie- und Handelskammer Berlin):
Wir sind mit den Anregungen des Vorstandes einverstanden über die
ursprüngliche Zusammensetzung des Arbeitsausschusses und haben unsererseits
 nicht den Anspruch erhoben, in dieser vorbereitenden Kommission
 tätig zu sein, wenngleich ich persönlich auf dem Standpunkt
stehe, daß eigentlich die Zahlstelle auch mitreden müßte. Wenn wir das
zurückgestellt haben, so haben wir das in der Erwägung getan, den Apparat
 nicht zu erschweren. Wenn nun die Vertreter der Provinzen noch
hineinkommen sollen, muß ich allerdings sagen, daß man den Handels-&amp;lt;ammern,
 die die Zahlenden sein sollen, auch das Recht geben muß, mit
zu raten. Ich möchte also bitten, es bei der ursprünglichen Anregung zu
belassen und den Kreis nicht zu erweitern.

Herr Kreishauptmann Dr. Marcus
(Kreishauptmannschaft Leipzig):

Meine Herren! Ich möchte bitten, die preußischen Provinzen nicht
anders zu behandeln als die Kreishauptmannschaft Leipzig.
Ich sehe vollständig ein, daß das Bestreben berechtigt ist, den Ausschuß
 so engbegrenzt wie möglich zu gestalten, damit er voll arbeitsfähig
 ist. Meiner Ansicht nach sind nur diese beiden Möglichkeiten voraanden:
 entweder einen Ausschuß — und dann möglichst klein —,
der einen weiteren Ausschuß, der einen Unterausschuß bilden
Müßte, Dann könnten natürlich im größeren Ausschuß auch andere Verdaände,
 preußische Provinzen, ‚Wirtschaftsverbände und Kreishauptmannschaften
 vertreten sein. Wenn wir aber auf eine solche Gliederung
        <pb n="49" />
        nicht zukommen, sondern nur einen Ausschuß bilden, dann muß er
im Interesse der praktischen Arbeit so klein wie möglich sein,
Wenn nun die preußischen Provinzen hineingenommen werden, so
würden auch andere mit gleichem Rechte denselben Anspruch erheben
können, m. E. insbesondere die Kreishauptmannschaft Leipzig, die an der
ganzen Frage sehr stark beteiligt ist. Deshalb möchte ich bitten — nicht
aus Eifersucht gegen die preußischen Provinzen, sondern aus grundsätzlichen
 Erwägungen und im Interesse der praktischen Arbeit —, die
preußischen Provinzen dann nicht zu berücksichtigen, wenn auch die
Kreishauptmannschaften und die Wirtschaftsverbände keine Berücksichtigung
 finden.
Vorsitzender:

Nach diesen Ausführungen möchte ich allerdings meinen Vorschlag,
die beiden preußischen Provinzen betreffend, zurückziehen. Ich bin der
Meinung, es ist das Vernünitigste, wir bleiben dabei, daß nur Reich,
Preußen, Sachsen und Bayern und drei Städte den Arbeitsausschuß bilden,
damit nicht weitere Konsequenzen gezogen werden, und ich bitte die
beiden Herren Vertreter, damit einverstanden zu sein.
Wird das Wort weiter gewünscht? — Das scheint nicht der Fall zu
sein. Dann irage ich Sie, meine Herren, ob Sie den Richtlinien, wie sie
Ihnen vorgelegt worden sind, unter Einsetzung eines engeren Arbeitsausschusses,
 so wie er vorgeschlagen wird, Ihre Zustimmung erteilen
wollen.

Herr Geh. Regierungsrat Pflug (Reichsverkehrsministerium):
Darf ich eine kurze Frage stellen. Das Wort „Autofernstraßen‘‘ soll
nach dem, was der Herr Berichterstatter ausgeführt hat, doch wohl nur
bedeuten eine dem Autofernverkehr dienende Straße? (Vorsitzender:
Jawohl)

Herr Dr. Brandt (Automobilclub von Deutschland, Berlin):

Meine Herren! Als Vertreter des Automobilclubs von Deutschland
bringen wir ja dieser Frage besonderes Interesse entgegen. Bei uns werden
 ja auch keinerlei irgendwie wirtschaftliche oder sonstige Interessen
vertreten, weder die irgend eines Unternehmens, das Straßenbaumaterial
liefert, noch irgend einer bestimmten Stadt oder bestimmten Gegend.
Ich habe aber trotzdem Veranlassung, eine Frage zu stellen. Es soll
nämlich hier eine Arbeitsgemeinschaft gebildet werden unter Heranziehung
 der interessierten Kreise. Nun würde ich dankbar sein für die
Beantwortung meiner Frage: Welches sind die interessierten Kreise, die
zur Arbeitsgemeinschaft herangezogen werden sollen? Darüber ist hier
nämlich nichts gesagt.
        <pb n="50" />
        Herr Stadtrat Dr. Leiske, Leipzig: ;
Meine Herren! Ich kann die Auskunit gern erteilen. Wir haben uns
den Begriff der Arbeitsgemeinschaft im weitesten Sinne gedacht. Wir
wollten uns nicht beschränken auf die kommunalen Verbände, auf die
Stadtkreise und Landkreise, sondern wir würden es sehr begrüßen,
wenn derselbe Kreis, den wir heute spitzenmäßig geladen haben, sich
auch in allen seinen Gliedern und Organisationen an dieser Arbeitsvremeinschaft
 beteilizen möchte.

Merr Stadtbaurat Professor Dr.-Ing. Heilmann
(Magistrat Halle a. S.):

Ich möchte die Anfrage stellen, ob der Herr Vertreter der Stadt
Leipzig, der in diesem engeren Arbeitsausschuß vertreten ist, die Aufgabe
 hat, die Straße unter allen Umständen in Richtung München—
Leipzig—Berlin führen zu lassen. (Heiterkeit.) Wenn das der Fall wäre,
müßte ich meine Zustimmung zu diesen Richtlinien versagen.
Herr Stadtrat Dr. Leiske, Leipzig:
Ich bin gern bereit, dem Herrn Kollegen Heilmann eine beruhigende
 Erklärung abzugeben. Wir werden bei der Beratung der Fernstraße
 innerhalb Sachsens und innerhalb der Provinz Sachsen selbstverständlich
 die beiden Städte Leipzig und Halle als eine — ich bitte mich
nicht mißzuverstehen! — im Sinne der Fernstraße Berlin—Rom einheitliche
 Gemeinschaft betrachten müssen.

Herr Regierungspräsident Grützner (Regierung Merseburg):

Ich möchte noch auf einen Punkt mir hinzuweisen erlauben, der bisher
 unerwähnt geblieben ist. Der Gesamtsiedlungsausschuß für den
Mitteldeutschen Industriebezirk, dessen Tätigkeit über den Regierungsbezirk
 Merseburg hinaus auch den Freistaat Anhalt mit umfaßt ıumd der
mit den Freistaaten Sachsen und Thüringen in einer Arbeitsgemeinschaft
steht, hat sich in den letzten Wochen vor Weihnachten 1926 mit dem
Problem der Durchgangsstraßen eingehend beschäftigt. In einer von der
Landesplanung der Kreishauptmannschaft Leipzig einberufenen Sitzung,
an der ich als Vorsitzender des Gesamtsiedlungsausschusses und der
Geschäftsführer desselben in Leipzig teilnahmen, bei der auch die Stadt
Leipzig und die in Frage kommenden Automobilindustrien vertreten
waren, hat eine eingehende Erörterung über die künftige Feststellung
einer AusfallstraBe von Leipzig nach Berlin stattgefunden. Hierbei ist
die Strecke Leipzig—Düben—Wittenberg—Berlin als die kürzeste bezeichnet
 worden. Die Stadt Halle wird von dieser Linie nicht berührt.
Auch die vorhandene Straße Leipzig—Bitterfeld—Berlin berührt Halle
        <pb n="51" />
        nicht, so daß Halle, wenn von dort aus diese Strecke erreicht werden
soll, auf das Zubringerstück Halle—Bitterfeld angewiesen ist.
Vorsitzender:

Ich glaube, daß der Herr Vertreter von Halle trotz dieser Erklärung
für die Richtlinien wird stimmen können, weil wir uns heute hier auf eine
Straße nicht festlegen wollen. (Zuruf des Herrn Stadtbaurats Dr.-Ing.
Heilmann: Ich beziehe mich auf.die Erklärung des Herrn Stadtrats
Dr. Leiske!)
Ich frage nun nochmals, ob Sie sich zu den Richtlinien, die Ihnen
vorgeschlagen sind, und zu der Festsetzung des engeren Arbeitsausschusses,
 So, wie er vorgeschlagen worden ist, entschließen wollen. —
Ich bitte die Herren, die dagegen sind, die Hand zu erheben. Zu Nr. I
heißt es: Autofernstraßen sind auch in Deutschland usw.; bleibt da das
Wort bestehen oder soll das abgeändert werden?

Herr Geh. Regierungsrat Pilug (Reichsverkehrsministerium):
Ich hatte vorgeschlagen, dahin zu interpretieren: „Dem Autofernzerkehr
 dienende Straßen.“

Vorsitzender:
Nun irage ich, ob Sie mit dieser Abänderung den Richtlinien beistimmen
 wollen. — Einstimmig.
Fin Schlußwort will noch sprechen Herr Regierungsrat Dr. Rohn
vom Tiroler Landesverkehrsamt. Innsbruck.

‚Herr Regierungsrat Dr. Rohn
(Tiroler Landesverkehrsamt, Innsbruck):

Als Vertreter des Tiroler Landesverkehrsamtes habe ich heute die
Fhre, in dieser illustren Versammlung als einziger Deutscher zu sprechen,
jer nicht zum Deutschen Reich gehört. Ich möchte dem Stadtrat in
Leipzig unseren verbindlichsten Dank aussprechen, daß er uns die Möglichkeit
 gegeben hat, diesen interessanten Ausführungen, wenn auch nur
zuhörend, folgen zu dürfen, die heute hier gemacht worden sind. Wir in
Tirol, als das für die heute besprochene Verbindung in Betracht
kommende Durchgangsland, bringen der heute behandelten Frage das
allergrößte Interesse entgegen, wie Sie ohne weiteres begreifen werden.
Als das erste Mal die Pläne einer Autobahnstraße auftauchten, haben
wir diese Bestrebungen in Tirol mit einer gewissen Besorgnis verfolgt,
weil wir die Befürchtung hatten, wenn das zunächst allein erörterte
Projekt einer Verbindung von Hamburg—Köln—Basel—Mailand allein
verwirklicht würde, dann Tirol dadurch von einem internationalen Ver-&amp;lt;ehr.
 in den es seit Jahrhunderten eingeschaltet ist, ausgeschaltet werden

\untofernstraßen-Tagung Leinzig 1927.
        <pb n="52" />
        könnte. Wir haben uns deshalb als erste mit der Stadt München in Verbindung
 gesetzt und, wie bereits auch hier mitgeteilt worden ist, gemeinsam
 mit der Stadt München einen Ausschuß eingesetzt, und ich
glaube, es ist zum großen Teil auch der Einwirkung dieses Ausschusses
zu danken, daß heute in einem wesentlich größeren Kreise die Frage hier
erörtert wird. Wir begrüßen das Ergebnis der heutigen Versammlung
aufs wärmste.
Ich möchte nur dabei noch einem Wunsche Ausdruck geben, der in
mir aufgetaucht ist, als ich die Ausführungen des Herrn Professors Otzen
nörte. Ich habe bisher in Herrn Professor Otzen einen Gegner unserer
eigenen Bestrebungen erblickt; heute aber möchte ich mit dem Wunsche
schließen, daß der heute eingesetzte Ausschuß das Projekt, welches eine
Wegeführung über Tirol vorsieht, mit dem gleichen Optinismus.
 und mit der gleichen Begeisterung verfolgen möge,
wie Herr Professor Otzen das Projekt des internationalen Straßennetzes
 im allgemeinen vertritt. Das möchte ich dem heute gewählten
Ausschuß als unseren Wunsch mitgeben. (Starker Beifall.)
Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck, Dresden:

Ich wollte nur eine kurze Bemerkung machen, daß die ganze Sache
bereits bedeutend weiter ist, als Sie heute glauben. Ich habe vor einigen
Tagen aus der Nähe von Breitenbrunn in Tirol einen begeisterten Brief
bekommen und bereits das erste Landangebot. (Heiterkeit.) Es hat mir
ein Hotel — ich kann auch den Namen nennen — in Bad Dreikirchen
auf 21/2, km Strecke in der Nähe des Hotels unentgeltlich das Land
schon abgetreten (Heiterkeit), so daß die Gesellschaft heute sogar schon
zlückliche Landbesitzerin ist.

Vorsitzender:

Wir sind am Ende unserer Tagung. Ich habe die Freude, feststellen
zu können namens des Rates der Stadt Leipzig, daß das Ziel, das wir
uns heute mit der Besprechung gesetzt hatten, erreicht worden ist. Wir
haben durch die Ausführungen, die die einzelnen Herren Redner zur
Sache gemacht haben über die Wege, die zu einer Nord-Süd-Straße für
den Autoverkehr dienen, wesentlich neues gehört und haben diese Fragen
zrheblich gefördert. Ich danke deshalb allen Herren, die auf unsere Einladung
 zu der Tagung erschienen sind, dafür aufs herzlichste und danke
besonders allen Herren, die zur Sache selbst sich geäußert haben.
Ich schließe die Tagung mit der Bitte, daß die Versammlungsteilnehmer
 dem Rat die Freude machen, noch unten im Ratskeller ein
aäinfaches Mittagessen mit uns einzunehmen und mit der Hoffnung, daß
der Ausschuß, der nun eingesetzt ist, seine Arbeit bald beginnt und zu
3äinem guten Ende recht schnell führen möge. (Starker Beifall.)
        <pb n="53" />
        Richtlinien
(in der endgültigen Fassung)

1. Dem Autofernverkehr dienende Straßen sind auch in Deutschland
als eine durch den wachsenden Autoverkehr gegebene Notwendigkeit
anzusehen.
IL Den auftretenden Verkehrsbedürfnissen der nächsten Zukunit
wird eine Fernstraße im Rahmen des StaatsstraBensystems Rechnung
tragen können. Die Ausgestaltung zur reinen durchgehenden Autoiernstraße
 wird von der Entwicklung der künftigen Verkehrsbedürinisse abhängen.

Il. Eine Verbindung Berlin—Leipzig-—München—Rom ist als ein
notwendiger und wesentlicher Bestandteil eines künitigen deutschen bzw.
Internationalen Autofernstraßennetzes anzusehen.
IV. Die notwendigen Vorbereitungsarbeiten sind schon jetzt in Anzriff
 zu nehmen und raschestens durchzuführen.
Zu diesem Zwecke ist eine Arbeitsgemeinschaft unter Heranziehung
interessierten Kreise zu bilden.
V. Die Arbeitsgemeinschaft hat einen engeren Arbeitsausschuß,
Derselbe setzt sich zusammen aus
a) je einem Vertreter der Städte Berlin, Leipzig und München,
b) je einem Vertreter des Reichsverkehrsministeriums und der
beteiligten Länderregierungen von Preußen, Sachsen, Thüringen
und Bayern.
Der Ausschuß hat das Recht, je nach Fall und Bedarf auch außerhalbstehende
 Kreise nach eigenem Ermessen zur Mitarbeit heranzuziehen,
Seine Aufgabe besteht in
1. Aufstellung eines Streckenplanes,
2. Aufstellung eines Bau- und Finanzplanes für die Fernstraße im
Rahmen der Staatsstraßensysteme,
Aufstellung eines Bau- und Finanzplanes für die Fernstraße als
(neue) Autobahnstraße,
Der Arbeitsausschuß wird die ihm obliegenden Aufgaben länderweise
vorbereiten,
VL Zum Vorort der Arbeitsgemeinschait wird München (Stadtverwaltung)
 als der natürliche Mittelpunkt. der Autofernstraße Berlin—
Leipzig—München—Rom bestimmt.

3.
        <pb n="54" />
        Anwesenheitsliste.
Deutsches Reich
Reichsverkehrsministerium:
Herr Geh. Regierungsrat Pflug.
Dberpostdirektion Leipzig:
Herr Oberpostrat Schramm.

Land Preußen
Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten:
Herr Geh, Oberregierungsrat Dr. Hellich.
Ministerium für Volkswohlfahrt:
Herr Regierungsbaurat Borchart.
Landesdirektor der Provinz Brandenburg:
Herr Landesbaurat Präsident Dr. Wienecke.
Landeshauptmann der Provinz Sachsen:
Herr Provinzialbaurat Müller-Steinfahrt.
Regierung Merseburg:
Herr Regierungspräsident Grützner.
Gesamtsiedlungsausschuß für den engeren mitteldeutschen Industriebezirk
 Merseburg:
Herr Regierungs- und Baurat Fisch,
Herr Dr. Rosenberger.
Landkreis Bitterfeld:
Herr Landrat Stammer,
Herr Kreisbaumeister Dorius.

Land Sachsen
Wirtschaftsministerium:
Herr Ministerialdirektor Geh. Rat Dr. Klien
Herr Oberregierungsrat Dr. Hünefeld.
Finanzministerium:
Herr Ministerialrat Dr.-Ing. Speck.

Ministerium des Innern:
Herr Ministerialrat Dr. Schettler.

Wr.
        <pb n="55" />
        Kreishauptmannschaft Leipzig:
Herr Kreishauptmann Dr. Marcus,
Herr Geh. Regierungsrat Dr.’ Dietrich,
Herr Oberregierungsbaurat Dr. Mackows ky,
Herr Regierungsbaurat Ludwig.
Polizeipräsidium Leipzig:
Herr Oberregierungsrat Schubart,
Herr Regierungsrat Dr. Ebbecke.

Straßen- und Wasserbauamt Leipzig:
Herr Oberregierungsbaurat Creß,
Herr Regierungsbaudirektor Dr. Schober.

Land Thüringen
Thüringisches Ministerium für Inneres und Wirtschaft:
Herr Ministerialrat Schumann.

Land Bayern
Staatsministerium des Innern:
Herr Ministerialrat Vilbig,
Herr Ministerialrat Kohlndorfer.

Desterreich
Tiroler Landesverkehrsamt, Innsbruck:
Herr Regierungsrat Dr. Rohn.

Deutscher Landkreistag
Herr Landrat Dr. Baron v. Stempel- Kolberg,
Herr Oberhürgermeister Dr. Heymann.

Reichsstädtebund E. V.
Herr Ohberbürgermeister Dr. Belian, M.d. R. W.R., Eilenburg.

Magistrat Berlin:
Herr Stadtbaurat Hahn,
Herr Magistratsoberbaurat L Öösc hmann,
Herr Magistratsbaurat Dösc her
Magistrat Halle:
Herr Stadtbaurat Professor Dr.-Ing. Heilmann.
Rat der Stadt Leipzig:
Herr Oberbürgermeister Dr. Rothe,
Herr Stadtrat Dr. Leiske.

4
        <pb n="56" />
        Herr Stadtbaurat Peters,
Merr Stadtbaurat Ritter,
Merr Stadtrat Vogel,
Merr Stadtrat Ackermann
Yerr Stadtrat Frank.

Stadtrat Nürnberg:
Herr Stadtrat Weigel.
Stadtrat Augsburg:
Herr Stadtrat Seufert.
Stadtrat München:
Herr Stadtrat Dr. Konrad,
Herr Geheimrat Woerner (als Sachverständiger).
Stadtrat Ingolstadt:
Herr Oberbürgermeister Dr. Gruber,
Merr Stadtbaurat Dr. Schwähl,
Herr Architekt Proebst.
Stadtrat Eichstätt:
Herr Bürgermeister Betz.
Stadtrat Bamberg:
Herr Stadtoberbaurat Puchner.
Stadtrat Kronach:
Herr Bürgermeister Schmidt.

Stadtrat Marktredwitz:
Herr Bürgermeister Dr. Hirschmann.
Stadtrat Wunsiedel:
Herr Bürgermeister Schippel.
Stadtrat Hof:
Herr Oberbürgermeister Dr. Buhl.
Stadtrat Plauen:
Herr Oberbürgermeister Lehmann.
Herr Stadtrat Dr. Mücke.
Stadtrat Reichenbach:
Herr Oberbürgermeister Dr. Kühn,
Herr Stadtrat Schüller.
Stadtrat Zwickau:
Herr Stadtbaurat Ebersbach.
Magistrat Torgau:
Herr Bürgermeister Goedecke.

"4
        <pb n="57" />
        Handelskammern
Industrie- und Handelskammer Berlin:
Herr Kommerzienrat Haberland,
Herr Rechtsanwalt Michalke, Syndikus.

Handelskammer Leipzig:
Herr Hofrat Kell,
Herr Syndikus Dr. Uhlieg.

Industrie- und Handelskammer Halle a. S.:
Herr Vizepräsident Generaldirektor Dr. Traus.
Herr Syndikus Dr. Pfahl.
Industrie- und Handelskammer Nürnberg:
Herr Kommerzienrat Maser.
Industrie- und Handelskammer Augsburg:
Herr Syndikus Dr. Meier.
Industrie- und Handelskammer München:
Herr Kommerzienrat Dr. Jodilbauer.
Industrie- und Handelskammer für Oberfranken, Bayreuth:
Herr Koch.
Handelskammer Hof:
Herr Heinisch.
Herr Kolb.

Leipziger Meßamt
Herr Konsul Dr. Brauer.

Herr Dr. Albert Müller (Baumesse)

Automobil-Clubs
Automobilclub von Deutschland, Berlin:
Merr Dr. Brandt,
Herr Generalsekretär v. Elert.

Leipziger Automobil-Club:
Herr Generaldirektor Köllmann,
Herr Rechtsanwalt Zimmermann.
Herr Baumeister Bastänier.
Bayerischer Automobil-Club, München:
Herr Graf Almeida.
Allgemeiner Deutscher Automobil-Club, München:
Herr Rechtsanwalt Herrmann- Leipzig,
Herr Dr. Krü ger - Dresden.

5m
        <pb n="58" />
        Allgemeiner Deutscher Automobil-Club, Bezirk Leipzig, Leipzig:
Herr Reinhardt,
Herr Konsul Schmidt-Mammitzsch.
Allgemeiner Deutscher Automobil-Club, Bezirk Zwickau, Plauen:
Aerr Dipl.-Ing. Herzner.

Interessenverband Deutscher Kraftfahrer, Leipzig:
Herr Präsident Lauber.

Deutscher Motorradfahrer-Verband:
Herr Cetti.

Verkehr
Sächsischer Verkehrsverband:
Herr Dr. Schulze.

Verkehrsverein Leipzig:
Herr Professor Dr. Roth, Vors.,
Herr Stadtverordn. Schmidt, Mitgl. d. Vorst.,
Herr Direktor Richter.

Verkehrsverein Wurzen:
Herr Geschäftsführer Schiemann.

Verkehrsverein Gera:
Herr Oberbaurat Luthardt,
Herr Stadtrat Dr. Fischer - Werdau
Herr Fabrikant Schlund - Meerane,
Herr Syndikus Dr. Settekorn.

Nordfränkischer Verkehrsverband Bamberg:
Herr Weber.
Fremdenverkehrsverband München und Bayerische Alpen, München:
Herr Direktor Dr. Schwink.
Handelsgremium Selb-Rehau:
Herr Hentschel.

Bayerischer Industriellen-Verband, Ortsgruppe Marktredwitz:
Herr Syndikus Dr. Bienlein,
Herr Christian Henk.
Kraftverkehr Freistaat Sachsen A.-G., Dresden:
Herr Geh. Baurat Köpcke,
Herr Stadtbaurat a. D. Fleck.
Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden:
Herr Regierungsbaurat Krüger.

un
        <pb n="59" />
        Straßenbauwesen
Deutscher Straßenbauverband, Berlin:
Merr Präsident Euting.

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Ode WE
zB in } Pa
HD Li

Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau, Berlin:
Herr Baurat Dr.-Ing. Riepert,
Herr Geh. Regierungsrat Professor Otzen,
Herr Oberregierungsrat Dr. Rappaport.
Verein „Hafraba“ E, V. (Verein zur Vorbereitung der Autostraße
Hamburg-Frankfurt-Basel), Hannover:
Herr Geh. Regierungsrat Professor Otzen.
Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße A.-G. (Avus), Charlottenburg:

Herr Direktor von Lengerke.

Presse

Vertreter der Leipziger Tagespresse, von Wolff’s Telegr.-Büro,
jer Telegraphen-Union und der Korrespondenzen zahlreicher
zroßer Tageszeitungen;
erner Schriftleitung der Zeitschrift „Verkehrstechnik“ (Berlin).

Ferner

ine Reihe von besonders interessierten Persönlichkeiten aus
Leipzig und anderen Städten.

4
        <pb n="60" />
        Leipziger

Verkehr und Verkehrspolitik
Schriftenreihe des Rats-Verkehrsamtes Leipzig, Neues Rathaus

Herausgegeben von
Stadtrat Dr. Leiske

Nr. 1 (Aug. 1926): Weigel, P., Direktor des Statistischen Amtes,
Der Leipziger Verkehr im Jahre 1925. — 753 5.
Nr. 2 (Okt. 1926): Leiske, Dr. W., Stadtrat, Leipziger Fremdenverkehrspolitik
 1927. — 965

Nr. 3 (Jan. 19927):

Nr. 4 (Febr. 1927)

Köhler, Dr. Raimund, Vorstand des Leipziger
Meßamts, und Pröpper, Dr. Kurt, Leiter der
Statistischen Abteilung des Meßamts,
Leipziger Messeverkehr 1926. — 60 5.

Autofernstraße Berlin Leipzig--München — Rom,
Bericht von der Autofernstraßen-Tagung Leipzig,
Neues Rathaus, 11. Januar 1927. — 57 5.
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ich möchte Sie bitten, von diesen Bemerkungen Kenntnis zu nehmen
und möchte wünschen, daß sie zu einer möglichst einstimmigen Annahme
unserer Richtlinien führen.

Herr Kommerzienrat Maser
(Industrie- und Handelskammer Nürnberg):

Meine Herren! Bei dem Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft und
eines engeren Arbeitsausschusses vermisse ich die Vertreter der Wirtschaft,
 die ja doch ein wesentliches Interesse an dem Bau der Automobilstraße
 haben, und ich möchte Ihnen vorschlagen, daß Sie in den Ausschuß
auch einen Vertreter der Industrie- und Handelskammer berufen, vielleicht
 aus den Städten Berlin und Leipzig und einen bayerischen.

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Vorsitzender:

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Meine Herren! Wir werden uns natürlich freuen, wenn wir die
Erfahrungen der Wirtschaftskreise in diesem Arbeitsausschuß nutzbar
machen können. Die Frage ist nur, ob der Arbeitsausschuß, wenn er erweitert
 wird, schließlich auch noch auf weitere Kreise sich ausdehnen
muß (Zurufe: Sehr richtig!) und einen Umfang erhält, der ihn nur sehr
schwer arbeitsfähig macht. Wir haben uns deshalb auf das Nötigste beschränkt,
 auf die drei größten Städte zusammen mit Reich und Ländern,
und es ist ganz selbstverständlich, daß dieser Ausschuß nicht arbeiten
kann ohne die Wirtschaftskreise, die in den Handelskammern vertreten
sind, nicht arbeiten kann ohne die Kreise der Automobilindustrie und
des Automobilsports, ferner nicht arbeiten kann ohne die Städte, die von
der Straße berührt werden und daß die alle, wenn erst einmal die Planungen
 vorliegen, zu den Sitzungen herangezogen werden müssen. Aber
es empfiehlt sich nach meinem Dafürhalten doch sehr, diesen Arbeitsausschuß
 ganz klein zu machen (Lebhafte Zurufe: Sehr richtig !), um ihn
aktionsfähig zu gestalten. Für mich war bloß die eine Frage, ob bei der
Gestaltung des Wegebauwesens in Preußen, — das, was uns vorhin
Herr Präsident Dr. Wienecke gesagt hat — eine einzige Vertretung
von Preußen das richtige ist, oder ob, da die Provinzen die Träger des
Straßenbaues sind, nicht für Preußen noch ein Vertreter für die Provinzen
zu erwählen wäre, weil der preußische Staat von sich aus gar nicht
allein ohne die Provinzen etwas wird machen können. Aber das kann
ich nicht so ohne weiteres beurteilen, ob nach dieser Richtung vielleicht
noch die Zuwahl eines Herrn erwünscht wäre. Im übrigen würde ich
dringend bitten, den Arbeitsausschuß so klein wie möglich zu gestalten.
(Bravorufe.) Ist der Herr Vertreter von Nürnberg vielleicht damit zufrieden,
 daß er seine Anregung nicht weiter verfolgt?

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  </text>
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