16 — hervorgehoben werden, die bei anderen Völkern selbstverständlich sind“, sag! der „Deutsche“ mit Recht. Die Stagnation unseres Wirtschaftslebens hängt auf das allerengste mit dem Mißtrauen zusammen, das man unserer politischen Begabung und Betätigung leider im Auslande entgegenbringt. @& Der „Rheinische Beobachter“ hat aus. Napoleons Lebenserinnerungen folgendes zitiert: „Gegen Deutschland habe ich vor allem den Blick gewandt, Zwiespalt brauchte ich nicht zu stiften unter ihnen, denn die Einigkeit war aus ihrer Mitte längst gewichen. Nur meine Netze brauchte ich zu stellen, und sie liefen uns wie scheues Wild von selbst hinein. Untereinander haben sie sich erwürgt und glaubten, damit endlich ihre Pflicht zu tum. Leicht- gläubiger ist kein Volk gewesen und törichter kein anderes auf Erden. Die törichte Mißgunst, womit sie sich untereinander angefeindet, habe ‘ich zu meinem Gewinste wohl gehegt; immer haben sie mehr Erbitterung gepgenein- ander als gegen den wahren Feind gezeigt.“ Nach Prof. Dr. H. Vaihinger sei aus dem Briefwechsel des Deutschen David Friedrich Strauss und des Franzosen Ernst Renan die Warnung an uns Deutsche wiedergegeben: „Wissenschaft, Wohlstand und Schönheit, sie mögen euch immerhin laben: Aber der Übermut ist der gefähr- lichste Freund dieser Gaben!“ und aus den viel zu wenig gelesenen Scho- penhauerschen „Aphorismen zur Lebensweisheit‘ die Feststellung her- vorgehoben: daß Übermut und Überhebung das Unklügste sei, daß ihre Folgen für ihren Besitzer zunehmende Verblendung, ja Verdummung sind, und daß man sich dadurch Schwierigkeiten und Feinde schafft. Deutschland mit etwa 60 Millionen Einwohnern steht, der Bevöl- kerung nach, an siebenter Stelle unter den Nationen des Weltalles, kann sich an Ausdehnung nicht mit dem englischen Imperium (445), China 428), Rußland (131),. Nordamerika ohne Kanada (118) und kaum mit Frankreich (mit Kolonien 97 Mill. Einwohnern) vergleichen. Nur die Qualität seiner Kopf- und Handarbeiter kann. einiger- maßen einen Ausgleich gegenüber diesen größeren Reichen (mit viel reicheren Hilfsquellen) schaffen. Auf dem europäischen Kontinente ist Frankreich gegenwärtig die erste Vormacht. Ob es seine Kolonial- macht erhalten und besser organisieren kann, sicht dahin. Die Fölgen seiner Politik gegen die farbigen Rassen Afrikas werden in erster Linie Frankreich selbst, dann aber auch ganz Europa treffen. Loucheur ist der Ansicht, daß in Frankreich die landwirtschaltliche Erzeugung so gesteigert werden kann, daß es seinen gesamten Bedarf an Getreide, Zucker und Fleisch nicht nur decken, sondern noch einen Überschuß exportieren wird. England sieht einer ständigen Steigerung des Unabhängigkeits- und Selbständigkeitsgefühles in Kanada, Australien, Südafrika und auch Indien entgegen, die nicht aufzuhalten ist. Die Ausstellung in Wemb- ley hat noch einmal das Imperium in seiner ganzen Größe gezeigt; ob solche einheitliche Illustrierung in 30, 20 oder vielleicht sogar 10 Jahren möglich sein würde, bleibt fraglich. Die österreichischen Nachfolgestaaten einschl. Polens bieten, ebensu wie Rußland, größtenteils kein Bild, das einen schnellen Aufschwung verspricht. Auf die anderen europäischen Länder kann ich hier nicht eingehen.