— 19 — sunden, sozial kräftigen Mittelstandes: aus den verarmten Überbleib- seln der durch Verlust der Kriegsanleihen und mündelsicherer Papiere verarmten Schichten und aus emporstrebenden Schichten, Deutschland kann für viele Jahre froh sein, wenn es seine Einwohner einigermaßen ernähren und kleiden kann. Meine Auffassung finde ich bei J. M. Keynes bestätigt, der die Geburtenbeschränkung für- Europa für zweckmäßig hält, Man kann rechnen, daß das deutsche Volk vom seinem ‘Einkommen etwa 3% zur Tilgung seiner Kriegsverbindlichkeiten abgeben muß; das bedeutet, vorausgeselzt gleiche Leistungs- und Absatzfähigkeit wie vor dem Kriege, etwa 3/s—71 Stunde Arbeit je Kopf je Tag. Wir klimmen einen sehr steilen Berg hinan; ‘die Bergführer fehlen zurzeit. Mit harter Arbeit allein wird der Gipfel nicht erreicht. Wir können uns nur dem Ziele nähern, wenn wir aus unserer reichen Volkskraft führende Talente am Aufstiege stützen, und nicht, wie beim alten. Regime, Höflingen und Schmeichlern Gehör leihen. Im Gegen- teil müssen wir die Persönlichkeit zu schätzen, die Wahrheitsliebe an- zuerkennen, das „Negative“ in das „Positive“ zu wandeln lernen. Für jeden Menschen ist es schwer, schließlich zu der Erkenntnis zu kom- men, daß cr unter den Millionen nichts Besonderes vorstellt, nicht unerseizbar ist; für ein Volk, das früher an überragenden Denkern und Dichtern reich war, ist es noch viel schwerer, .sich mit der Tatsache abzufinden, daß es an gul durchgebildeten Dutzendmenschen und tüch- Ligsten Volkskräften reich ist, daß aber deren Entwickelung und ‚beste Verwertung für die Volksgemeinschaft nur bei Änderung des Systems, nämlich bei richtiger Auswahl und Ausbildung der besten. jungen Kräfte zu Führern möglich ist. Bei uns kommen meist Männer im besten Schaffensalter noch nicht auf den richtigen Posten, sondern erst dann, wenn sie durch Spezialarbeit stark verbraucht sind. Es fehlen uns Eaton und ähnliche Erziehungsstätten des Charakters, der Horizont- Ausbildung. “ Die deutsche Industrie. Die’ deutsche Industrie steht bekanntlich selır. schweren Aufgaben gegenüber und arbeitet fieberhaft, um ihre Irüher anerkannte Welt- bedeutung allmählich wiederzugewinnen. Nur ‚einiges weniges kann Ich an Anregungen und Auffassungen bringen. Das Gebiet ist zu groß, die zu lösenden Probleme und die notwendigen Reformen sind zu um- fangreich. Pflichtgemäß, doch ungern weise ich auf” Tatsachen hin oder .zitiere Urteile, deren Beachtung beim Wiederaufbau. Deutschlands In, E, nötig ist, ; Der Nachwuchs von Beamten wird. von der Regierung durch Kxa- Nina und sonstwie gefördert, die Erziehung von. Führern aus der Mitte ler Ingenieure, Chemiker und anderer Techniker wird yon der Industrie hingegen viel zu wenig ins Auge gefaßt. Der-Spezialist kann gar nicht den Überblick gewinnen, den ein großes Unternehmen erfordert; wenn Sr seine besten Jahre in einem Betriebe verbracht und nur gewisse Ge- Mirnnartien ausgebildet hat Die Volge fet daß "diem. „Teitenden Posten