DER MENSCH ALS TRÄGER DER WIRTSCHAFT I} DER MENSCH ALS TRÄGER DER WIRTSCHAFT Die der Erdoberfläche von Natur aus anhaftenden, die mensch- liche Wirtschaft fördernden oder hemmenden Eigenschaften in bezug auf Boden, Klima und Bewässerung, Pflanzen- oder Tierwelt, stellen gewisser- maßen die Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung dar. In welchem Grade diese Möglichkeiten ausgenutzt werden, hängt von dem Menschen und seiner Arbeit ab, der als wirtschaftendes Subjekt der Erdoberfläche als dem Objekt der Wirtschaft gegenübertritt. Es gibt große Gebiete, in denen diese Möglichkeiten noch lange nicht zur vollen Entfaltung gebracht sind, andere, in denen sie bis zur äußersten Grenze ausgenutzt sind, ja in denen der Mensch durch Änderung der physischen Eigenschaften der Erdoberfläche, zum Bei- spiel durch künstliche Ent- oder Bewässerung, durch Verdrängen des Urwaldes oder durch Aufforstung unbewaldeter Gebiete, die natür- lichen Grenzen seiner Wirtschaft um ein beträchtliches hinausgerückt, seinen Lebens- und Wirtschaftsraum erheblich erweitert hat. Bevölkerungsdichte. Zunächst wird der Grad der wirtschaftlichen Entwicklung eines Erdraums abhängen von der Zahl der Menschen, die auf ihm leben, von der Dichte der Bevölkerung. Gebiete, die der menschlichen Wirtschaft günstige Bedingungen bieten, locken zur Siedlung. Bald wird die natürliche Vermehrung die Bewohner dazu zwingen, immer neue Ausnutzungsmöglichkeiten ihres Lebensraumes zu erschließen, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Infolge dieser Wechselwirkung zwischen günstigen Lebensräumen und dichter Bevölkerung werden die dichtbesiedelten Erdräume im allgemeinen Gebiete intensivster Gütererzeugung und lebhaftesten Güteraustausches sein. Die Karte der Bevölkerungsdichte (8. S. 220) der Erde erweist die Richtigkeit dieses Gesetzes ohne weiteres. Dünnbesiedelte Erdräume — Australien, Afrika, große Teile Südamerikas und vor allem die polaren Regionen — sind meist Gebiete geringerer wirtschaftlicher Entfaltung nach Mannigfaltigkeit und Menge ihrer Gütererzeugung und in der Entwicklung ihres Verkehrsnetzes, Anderseits besteht auch eine bestimmte Beziehung zwischen Wirt- schaft und Bevölkerungsdichte, sofern gewisse Wirtschaftsarten eine große Zahl von Menschen voraussetzen, andere mit einer viel kleineren Zahl menschlicher Arbeitskräfte auskommen. Der Ackerbau und Hack- bau Europas und Chinas, die Industrie Mittel- und Westeuropas, der Weinbau Südwestdeutschlands, der Teebau Indiens sind nicht denkbar Ohne die Reserve an Arbeitskräften, die eine dichte Bevölkerung bietet, während in den Steppenländern Australiens und Südamerikas gewaltige Herden und große Landräume durch eine Handvoll Menschen bewirt- schaftet werden. Intensiver Bodenbau und Industrie einerseits, exten- sive Viehwirtschaft anderseits sind Gegensätze, die auch durch große und geringe Bevölkerungsdichte der betreffenden Erdräume sich kenn- zeichnen. Selbst im bestausgestatteten Lebensraum und bei stärkster Inan- spruchnahme des Güteraustausches —- z. B. von Lebensmitteln gegen Industrieprodukte -— gelangt die ständig wachsende Bevölkerung