DER MENSCH ALS TRÄGER DER WIRTSCHAFT 15 andrerseits etwa in den Naturverhältnissen liegende Hindernisse und Hemmungen der wirtschaftlichen Arbeit abzuschwächen oder zu besei- tigen verstehen, hängt im allgemeinen von der Kulturhöhe der be- treffenden Bevölkerung ab. Wie wir verschiedene Stufen in der Kultur- höhe der Menschheit — Naturvölker und Kulturvölker in verschie- dener Abstufung —- unterscheiden, so können wir auch von niedrigeren (primitiven) und höheren Wirtschaftsstufen reden. Während der Mensch auf primitiver Wirtschaftsstufe sich in der Hauptsache die von der Natur freiwillig‘ dargebrachten Güter durch Sammeln, Jagen, Fischen nur aneignet, bringt er auf höherer Stufe die Natur erst durch seine Arbeit zu deren Erzeugung. Doch gibt es zwischen beiden Wirt- schaftsstufen mannigfache Übergänge, die man auch mit besonderen Namen bezeichnet hat. Die vollkommenere Wirtschaftsstufe ist im allgemeinen die der sogenannten. Kulturvölker. Diese arbeiten planmäßiger, angestrengter und mit besseren technischen Hilfsmitteln als die Naturvölker. Sie ringen daher dem Boden auch da noch wertvolle Erträgnisse ab, wo die einfachere Arbeitsweise der Naturvölker nichts mehr zu erzeugen vermag. Im Laufe der Zeit haben die Kulturvölker immer größere Gebiete der Erdoberfläche der menschlichen Wirtschaft nutzbar ge- macht, indem sie gleichzeitig die primitiven Wirtschaftsstufen immer mehr zurückdrängten. Von den Wirtschaftsstufen zu unterscheiden ist die Wirtschafts- form, d. h. die verschiedene Art und Weise, auf die der Mensch wirt- schaftliche Werte zur Befriedigung seiner Bedürfnisse schafft. So unter- scheidet man: Sammelwirtschaft, Fischfang, Jagd, Hackbau, Gartenbau, Plantagenbau, Forstwirtschaft, ferner Viehzucht, Bergbau und Industrie. Zwischen Wirtschaftsformen und Wirtschaftsstufen bestehen gewisse Beziehungen, sofern z. B. Sammelwirtschaft, Jagd, Fischfang, häufig auch Hackbau und Gartenbau den niederen Wirtschaftsstufen, dagegen Viehzucht, Pflugbau, Plantagenwirtschäft, Industrie den höheren an- gehören. Aber scharfe Unterscheidungen gibt es in dieser Beziehung nicht, vielmehr können ‘die meisten der Wirtschaftsformen in verschie- denen Wirtschaftsstufen auftreten. So ist der Bergbau eigentlich eine Sammelwirtschaft auf höherer Wirtschaftsstufe, die moderne Hoch- seefischerei eine höher entwickelte Form des primitiven Fischfangs, ebenso treten Viehzucht, Pflug- und Hackbau in sehr verschiedenen Wirtschaftsstufen auf. Man hat auch versucht, die Wirtschaftsformen in ihrer Entwick- lung abzuleiten, freilich ohne bis jetzt zu einer allgemein anerkannten Ableitungsreihe zu gelangen. Wir geben ein von R. Lütgens auf- gestelltes Schema (siehe S. 16) in etwas abgeänderter und erweiterter Form wieder. Am schwierigsten ist die Stellung der Viehzucht zu erklären. Bis- her leitete man sie von der Jagdwirtschaft ab, aber Jagd, wenigstens in der ursprünglichen Auffassung, bedeutet Vernichtung der Tiere, Viehzucht dagegen Hege und Pflege des Viehes, zwei kaum verein. bare Gegensätze. Eher scheinen die Hackbauern die ersten Tierhalter