I. DIE KORNKAMMERN DER ERDE 27 mäßig kleinen Teil ihrer riesigen Ernte an das Ausland abgibt, arbeitet Kanada recht eigentlich für den Export. Winnipeg am gleichnamigen See, Fort William und Duluth am Oberen See, Milwaukee und Chicago am Michigansee, ferner Minneapolis und Kansas City sind die Sammelpunkte der gewaltigen Ernten. Riesige Getreideeleva- toren, deren Chicago 67, Minneapolis 65, Kansas City 37, Milwaukee 29 und Duluth 27 besitzen, bilden die Wahrzeichen dieser Städte. Mon- treal ist der größte nordamerikanische Getreideverschiffungshafen mit Elevatoren von modernster Konstruktion und gewaltigen Ausmaßen. — Die Zone des Winterweizens liegt weiter südlich in einem Gürtel, der vom Staate Kansas als dem Hauptgebiet ostwärts bis zum Atlan- tischen Ozean reicht. Auch in der südlichen Halbkugel hat der Weizen eine weite Ver- breitung. Er wird im südöstlichen Australien, in Südafrika südlich des Wendekreises und besonders in Südamerika gebaut. In Australien nimmt der Weizen etwa 85% der gesamten Getreideanbaufläche ein und steht im Export dem Werte nach an zweiter Stelle hinter der Wolle, so daß man von einer australischen Kornkammer sprechen kann. — in Südamerika liegt die Weizenzone namentlich in den fruchtbaren Ebenen der argentinischen Pampas. Dabei nimmt sie mehr die binnenländischen Striche ein, indem sie die westlich der La Plata-Mündung und des unteren Paraguay sich ausbreitende Mais- zone halbkreisförmig umfaßt. Da Argen- tinien heute nicht nur zu den ersten Weizenexportländern der Erde gehört, son- dern auch beträchtliche Mengen von Mais und Hafer ausführt, bildet es eine weitere wichtige Getreidequelle, die siüdamerika- nische Kornkammer. Von der gesamten Getreideanbaufläche der Erde entfällt auf die Weizenfelder allein ein reichliches Viertel. Daher beträgt auch die Weizenernte mehr als das Doppelte der Roggenernte, im Durchschnitt der letzten Jahre mehr als 100 Mill. t. Man darf bei der Größe der überseeischen Weizeneinfuhr nach Europa nicht vergessen, daß die europäische Land- wirtschaft fast die Hälfte der Welterzeugung — mehr als beide Amerika — hervorbringt; aber alle anderen Erdteile sind an der Weizenerzeugung ebenfalls beteiligt, zum Teil mit beträchtlichen Mengen. Daraus erklärt 68 sich auch, daß in jedem Monat des Jahres an irgendeinem Ort der Erde die Weizenernte im Gang ist, was mit dazu beiträgt, daß die Zufuhr zum Weltmarkt eine sehr stetige ist. Entsprechend der weiten Verbreitung des Weizens ist auch der Weizengenuß in allen Ländern der gemäßigten Zone ein allgemeiner. Seine schnelle Steigerung scheint zum Teil auf Kosten des Roggen- verbrauchs zu geschehen. In den letzten vierzig Jahren hat sich die Weltproduktion des Weizens ungefähr verdoppelt. Auch die Roggenesser anter den Völkern genießen in Form des Weißgehäckes viel Weizen.