54 ERSTER TEIL: GEOGRAPHISCHE GÜTERLEHRE Kabeljaus bezeichnet. Allein im Bereiche des Nordatlantischen Ozeans werden jährlich 300—400 Millionen dieses durchschnittlich minde- stens 5kg schweren Tieres gefangen, und 200000 Menschen erlangen in diesem Bezirk den wesentlichen Teil ihres Lebensunterhaltes durch den Dorschfang. Der Fisch tritt gleicherweise auf der amerikanischen und europäischen Seite auf und ist in den amerikanischen Ge- wässern der bei weitem wichtigste Nutzfisch. Auch im nordöstlichen Pazifischen Ozean erscheint der Dorsch in großen Mengen und ist dort für die neuerdings von den Häfen Alaskas und Columbias aus betriebene Hochseefischerei neben Hering und Heilbutt das wichtigste Fangtier. Ü An der norwegischen Küste erstreckt sich der Kabeljaufang von Stavanger bis weit nach Norden, aber das wichtigste Fanggebiet sind die weltberühmten Dorschgründe bei den Lofot-Inseln. Dort sammeln sich in den Monaten Januar bis April etwa 15—20000 norwegische Fischer von allen Küstenplätzen, um mit Angeln und Stellnetzen den „Skrei“ zu fischen. Im Höhepunkt dieser Fangzeit, im März, treten die Dorsche auf den flachen Gründen an der Innen- seite des Vest-Fjord in so ungeheuren Schwärmen auf, daß das Wasser durch die von den Männchen ausgestoßene Milch trübe erscheint. Ein Leben von höchster Eigenart entwickelt sich dann in jenen hochnordischen stürmischen Gewässern bei langen, finsteren Nächten und kurzen Tagen angesichts der be- schneiten, hochragenden Felseninseln. Der geschäftliche Mittelpunkt für den Dorschfang ist Tromsö, daneben Trondhjem. Die gefangenen Kabeljaus kommen in getrocknetem Zustand als Stockfisch, in gesalzenem als Klipp- fisch, wenn in Fässern eingesalzen, als Laberdan in den Handel. Sie gehen vorzugsweise als Fastenspeise nach den katholischen Ländern Südeuropas. Die Lebern werden zu dem geschätzten Lebertran, die Köpfe zu Fischguano verarbeitet und die Rogen zu Köderzwecken nach dem Mittelmeer ausgeführt. Der Hauptausfuhrhafen für die norwegischen Fischereierzeugnisse, und zwar sowohl des Dorsch- wie des Heringsfanges, ist Bergen. — Ein zweites wich- tiges Fanggebiet für Dorsche sind die Küsten Islands, deren Gewässer früher fast ausschließlich von französischen Schonern befischt wurden, während sie jetzt von den Fischern verschiedener Nationen, besonders von englischen, aber auch von deutschen, aufgesucht werden. — Das dritte und zugleich größte Fanggebiet für Kabeljaus sind die Neufundland-Bänke und die nordamerikanische Küste südwärts bis zum Kap Cod. Der jährliche Gesamtertrag dieses Gebietes ist doppelt so groß wie der des norwegischen Dorschfanges. Diese Gründe werden von Amerikanern, Neufundländern, Kanadiern und Franzosen ausgebeutet. Hauptausgangshäfen sind Gloucester (Massachusetts), Lunenburg (Neu- Schottland), Halifax (Neu-Schottland), St. Johns und Canso an der Ostküste von Neufundland, für die französischen Fahrzeuge die Häfen der Bretagne und Normandie. Während die Lofotfischerei in den Winter und das Frühjahr fällt, geht der Neufundlandfang vorwiegend in den Sommermonaten, von Juni bis Oktober, vor sich. Etwa 5—6000 Fahrzeuge bergen jährlich schätzungsweise 125000 t Fische. Neben den Salz-, Dörr- und Räucherfischen kommen solche in frischem Zustand auf den Markt, und zwar selten lebend, meist in Eis verpackt. Hauptfangtiere dieses sogenannten „Frischfischfanges“, der in der Hauptsache mit Schleppnetzen geschieht, sind Schellfisch, Makrele, Scholle, Seezunge, Steinbutt, Heilbutt u. a. Als wertvolles Nahrungsmittel gerade in unserem Vaterlande geschätzt ist der Schellfisch, Er ist das wichtigste Fangtier des ‚Frischfischfanges in der