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        <title>Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde</title>
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      <div>I. DIE VIEHWEIDEN UND FISCHGRÜNDE DER ERDE 41 
wohnheit des Fleischgenusses. Die Engländer und Deutschen mit etwa 
60 und 50 kg Fleischverbrauch pro Kopf und Jahr sind die stärksten 
Fleischesser unter den Europäern, während Spanier, Russen und Ita- 
liener nur 25—20 kg im Jahre verzehren. 
Nicht immer entsprechen Fleischverbrauch und -erzeugung einander. 
Die Westmächte Europas sind im ganzen ein Gebiet der Fleisch- 
ainfuhr, Dänemark dagegen das wichtigste Fleischausfuhrland 
Europas. Auch die Niederlande weisen noch einen beträchtlichen, 
die nordischen Staaten, Jugoslawien, Polen und Ungarn einen kleinen 
Ausfuhrüberschuß auf. Unter -den Einfuhrländern steht wie bei den 
Körnerfrüchten England obenan, das jährlich etwa 13 Mill. t, d. h. mehr 
als die Hälfte seines Bedarfes an Fleisch einführt. Deutschland hatte 
sich bis zum Kriege noch von der Einfuhr frischen Fleisches im all- 
gemeinen freigehalten, führte aber bereits große Mengen von Fleisch- 
konserven, Fett und Schmalz ein. Nach dem Kriege hatte sich die 
Einfuhr von Gefrierfleisch bei uns stark eingebürgert. Auch die übrigen 
mitteleuropäischen Staaten sowie Italien führen Vieh und Fleisch ein. 
Im ganzen ist also derjenige Teil Kuropas, den wir als den vorwiegend 
industriellen bezeichnen können, das große Zuschußgebiet des Erdteils für 
Fleisch und andere tierische Produkte. Das gegenwärtige Bild der Viehhaltung 
und Bedarfsdeckung an tierischer Nahrung in diesem Industrie-Europa zeigt 
folgende drei Hauptzüge: Die Schafzucht als Wollschafzucht ist überall stark 
zurückgegangen und in weiterem Rückgang begriffen. Dagegen vermögen alle 
Länder Industrie-Europas mit Ausnahme von England ihren im allgemeinen 
zeringen Bedarf an Schaf- und Lammfleisch noch selbst zu decken. England ist 
dazu trotz seines verhältnismäßig großen Schafbestandes nicht imstande, einmal 
weil dort die Wollschafzucht noch eine größere Rolle spielt, und sodann, weil 
die Bevölkerung für Hammelfleisch eine besondere Vorliebe hat und der Be- 
darf daher sehr groß ist. — Die Rinderzucht wird überall gefördert, soweit es 
das Klima und die Rücksicht auf die Brotversorgung irgendwie gestatten. Da 
aber die Rinderhaltung Grünfutter und Weidegang nicht ganz entbehren kann, 
konnte trotz aller Bemühungen die Steigerung des Rinderbestandes mit dem 
Wachsen der Bevölkerung wegen Mangels an Grünflächen nicht Schritt halten. — 
Der entstandene Überbedarf ‚an. Fleisch wird entweder durch Einfuhr von 
Produkten der Rinderzucht oder durch Vermehrung der Schweine- 
haltung gedeckt, die mit Hilfe konzentrierter Futtermittel ohne Weidegang 
auskommt. Den ersteren Weg beschritt im allgemeinen England, den anderen 
das übrige Industrie-Europa, das daher eine starke Einfuhr an Futtermitteln 
— Gerste, Mais, Ölkuchen — aufweist. 
Die großen außereuropäischen Weidegebiete.' Der Fehlbetrag an 
Fleisch und sonstigen tierischen Produkten in den europäischen Zuschuß- 
(ändern wird nur zum kleinen Teil durch europäische Überschußstaaten 
gedeckt, zum weitaus größeren durch überseeische Länder. Und zwar 
kommen dafür vor allem solche Gebiete in Betracht, die bei geringer 
Volksdichte über ausgedehnte Weideflächen verfügen, das sind einmal 
die weiten Grasfluren Nordamerikas, besonders die Präriegebiete, 
und sodann die Steppenländer der südlichen Halbkugel, also 
die La Plata-Länder, das Kapland und große Teile Australiens. 
Abgesehen von Britisch-Indien, dessen Büffel und Zeburinder von 
den Einwohnern auf Grund gewisser religiöser Anschauungen nur wenig 
zur Milch- und Fleischnutzung herangezogen werden, dagegen als</div>
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