Gewinn oder Verlust durch Wanderungen in der Provinz Ostpreußen von 1905 bis 1910 und von 1919 bis 19257). Gewinn (+) oder Verlust (—) durch Wanderungen vom 1. Dezember 1905 | vom 8. Oktober 1919 bis 1. Dezember 1910 bis 16. Juni 1925 männlich ' weiblich |zusammer männlich ' weiblich | zusammen Ostpreußen (einschl. Stadt Reg.- Bez, West-* Tand preußen) | + 7168 + 8766 + 15020| + 7499 —52461 | — 63807 !— 115768 | — 70 918 4. 7718 + 15212 '47 —157865 insgesamt | — 45298 | — 54541 |— 99839| — 63419 | - rac"4 | — 142 6538 Der Wanderungsverlust Ostpreußens ist von 99839 in dem Zeitabechnitt 1905/10 auf 142 653 im Zeitabschnitt 1919/25 gestiegen. Daß dieser Verlust aus- schließlich auf das Konto des flachen Landes entfällt, ist aus vorstehender Tabelle jeutlich zu ersehen, denn die ostpreußischen Städte weisen in den genannten Zeit- -äumen einen fast unveränderten Wanderungsgewinn von 15,9 bzw. 15,2 Tausend auf. Setzt man diese Wanderungsbilanz in Beziehung zu der Geburtenstatistik, so läßt sich der tatsächliche Abwanderungsverlust Ostpreußens berechnen. Der gesamte Geburtenüberschuß Ostpreußens ist von 137 880 in den Jahren 1905/10 auf 170 702 in den Jahren 1919/25 gestiegen. Diese Steigerung des Ge- urtenplus von 32 800 war aber nicht in der Lage, die Steigerung des Wanderungs- verlustes, welcher 42 900 ausmacht, auszugleichen. Das flache Land hat hierbei unter Berücksichtigung des Geburtenüberschusses 1905/10 einen Verlust von 10500 zu verzeichnen, 1919/25 dagegen von 28700. Dagegen haben die ost- preußischen Städte in den genannten Zeiträumen ihren Bevölkerungsgewinn aus Wanderung und Geburtenüberschuß von 48,4 auf 56,7 Tausend gesteigert. Stadt ınd Land zusammengenommen, ergibt sich also in dem Zeitraum 1919/25 gegen 1905/10 ein um 10 000 Köpfe geringerer Bevölkerungszuwachs. Die amtliche Wanderungsstatistik gibt leider keinen Aufschluß über Alters- und Berufsgliederung der Abwandernden. Es ist daher nicht möglich, beispiels- weise die wichtige Frage zu beantworten, inwieweit der Provinz durch den Umstand Verluste entstehen, daß sie jahraus, jahrein einen Bevölkerungsnachwuchs groß- ziehen muß, der dann großenteils, wenn er arbeitsfähig geworden ist, abwandert, zo daß sie für diese Leistung keine Gegenleistung erhält, da die Arbeit der Ab- wandernden anderen Gebieten zugute kommt. Zur Frage der Berufsgliederung muß auf die jüngst erfolgte Verwaltungs- orhebung des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen hingewiesen werden. Die Landwirtschaftskammer Königsberg macht hierzu folgende Angaben: „Nach Verwaltungserhebungen des Oberpräsidenten belief sich die Abwande- *) Zu diesen Zahlen bemerkt das Preußische Statistische Landesamt: „Hinsichtlich des Wanderungsergebnisses für den Zeitraum von 1919 bis 1925 ist zu vemerken, daß die Zählung vom 8. Oktober 1919, die vorwiegend dazu bestimmt war, die Jnterlagen zur Sicherung der Volksernährung zu liefern, wahrscheinlich überhöhte Bevölkerungs- zahlen ergeben hat. Diese Überhöhung der Anfangsbevölkerung mußte sich naturgemäß in der Wanderungsbilanz für 1919 bis 1925 in einem zu hohen Wanderverlust auswirken. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß im Jahre 1919 noch eine Anzahl deutscher Militärpersonen in Kriegsgefangenschaft war, die wiederum einen scheinbaren Wanderverlust ergaben. Ihre Zahl betrug nach amtlicher Schätzung 600000 Mann, wovon 62% oder rund 872000 Mann auf ”reußen entfallen sein dürften. Inwieweit die beiden Faktoren sich im Endergebnis aus- zeglichen haben, läßt sich nur schwer sagen, zumal die Verhältnisse in den einzelnen Provinzen sehr verschieden sein dürften.“