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        <title>Die Lage der Landwirtschaft in Ostpreussen</title>
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Dergegenwärtige Baugeldbedarf setzt sich zusammen: 
a) aus dem Bedarf für die Beendigung der in der Nachkriegszeit bereits 
begonnenen, aber wegen Mangels an Baugeld noch nicht beendeten genossenschaft- 
lichen Meliorationsvorhaben; 
b) aus dem Bedarf der durch Genossenschaftsbildung und Entwurfsbe- 
arbeitung zum Baubeginn für 1929 endgültig vorbereiteten genossenschaftlichen 
Meliorationsvorhaben. 
Der Bedarf zu a) und b) wird zusammen auf 35 000 000 RM. geschätzt. 
Der alljährliche Baugeldbedarf beziffert sich nach dem Maße des 
Arbeitsfortschrittes der letzten Jahre auf durchschnittlich 15 000 000 RM., wovon 
10 000 000 bis 12 000 000 RM. darlehnsweise und 2 000 000 bis 3 000 000 RM. als 
verlorene Baukostenzuschüsse zu beschaffen wären. Es sei noch besonders darauf 
hingewiesen, daß der gegenwärtige Stand der staatlichen Kulturbauverwaltung 
sowie der Kreisbauverwaltung es durchaus erlauben würde, auch erheblich größere 
Beträge zu verbauen. 
Welche arbeitsmarktpolitischen Auswirkungen die Durchführung eines 
Meliorationsprogramms hat, welches einen jährlichen Kapitalbedarf von 
15.000 000 RM. vorsieht, geht aus folgender Berechnung hervor: Wird bei einem 
jährlichen Baugeldbedarf von 15 000 000 RM. angenommen, daß hiervon etwa die 
Hälfte für Baustoffe, Maschinen und Geräte und die andere Hälfte für unmittel- 
bare Arbeitslöhne zu verausgaben sind, so können, wenn der Durchschnittsarbeits- 
lohn für einen Mann jährlich 1500 RM. beträgt, alljährlich 5000 Arbeiter auf rund 
30 Jahre hinaus mit Meliorationsarbeiten voll beschäftigt werden. Von den 
7,5 Millionen RM., die von dem jährlichen Baugeldbedarf von 15000 000 RM. für 
die Beschaffung von Baustoffen und Maschinen (Dränröhren, Bauhölzer, Zement, 
Ziegel, Kies, Kalk und Sand, Pumpenanlagen, Motoren u. a. m.) benötigt werden, 
antfällt ebenfalls ein erheblicher Teil auf Arbeitslöhne sowie auf Bahn- und 
Wasserfrachten. 
Es ist nicht anzunehmen, daß eine Verstärkung der Meliorationstätigkeit 
an dem Mangel an Arbeitskräften scheitern würde. Die hauptsächlich auszu- 
führenden Dränagen werden überwiegend im Spätherbst ausgeführt, also zu einem 
Zeitpunkt, in dem die Landwirtschaft erhebliche Arbeitskräfte abstößt. Außer- 
dem dürften durch das Darniederliegen der Schichauer Werft einheimische Arbeits- 
kräfte für Meliorationsarbeiten frei werden. 
Eine Meliorationstätigkeit in der Provinz Ostpreußen mit einem jährlichen 
Baugeldaufwand von rund 15000 000 RM. würde sonach, ganz abgesehen von 
ihrem bedeutsamen Hauptzwecke, die Bodenkultur zu heben und die Volkser- 
nährung weitgehend aus eigener Scholle sicherzustellen, die Arbeitslosigkeit in 
Ostpreußen erheblich vermindern und Industrie, Handel und Verkehr außer- 
ordentlich beleben. 
Aus Reichs- und Staatsmitteln sind in den letzten Jahren für Ostpreußen 
folgende Beträge für die Gewährung von Meliorationsdarlehen an öffentlich-recht- 
lich Meliorationsverbände bereitgestellt worden: 
1913 
1924 , 
925 . . 
1926 . . . 
1927 
60000 M 
136 000 RM 
1115200 
1028800 
176500</div>
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