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        <title>Die Lage der Landwirtschaft in Ostpreussen</title>
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Kreditanstalt gedeckt; für die übrigen Siedler sind die ersten Jahresleistungen zum 
Kapital geschlagen worden. Wirkliche Zinsrückstände werden fast immer nach 
kurzer Verzögerung von den Siedlern bezahlt. Von einer weiteren besonderen 
Verschuldung der Siedler neben ihrer Ankaufsschuld ist der Ostpreußischen Land- 
gesellschaft nichts bekannt. Doch hat ein Teil der Siedler zur Anschaffung von 
Maschinen Personalkredit aufgenommen und ist dadurch in Verlegenheit ge- 
kommen. 
Besser stehen diejenigen Siedler, die vor dem Kriege und während der In- 
flation angesetzt wurden und nunmehr nur verhältnismäßig geringe Aufwertungs- 
zenten zu zahlen haben. 
Die Kapitalverschuldung der Siedler, besonders der jüngst angesetzten, ist 
zwar hoch, aber die Zinsbelastung ist infolge der billigen staatlichen Kredite 
auf weniger als die Hälfte dessen herabgedrückt, was für die übrige Land- 
wirtschaft in Frage kommt. Aus mehreren hundert Einzelangaben ergibt sich eine 
Belastung der in den letzten Jahren neu angesetzten Siedler von durchschnittlich 
10 bis 14 RM. je Morgen jährlich, wobei ein Unterschied bei den verschiedenen 
Sjedlungsunternehmungen nicht zu erkennen ist. Die ausgezeichnete Arbeit der 
Ostpreußischen Landgesellschaft und die Konkurrenz anderer Siedlungsunter- 
nehmungen ergänzen sich in dieser Richtung in sehr glücklicher Weise. Die ge- 
nannte Belastung darf trotz der Wirtschaftsnot als tragbar angesehen werden. 
Der familienwirtschaftliche Arbeitsbetrieb gewährt den Siedlern die sehr 
billigen eigenen Arbeitskräfte bei freilich sehr langer Arbeitszeit und qualitativ 
hochstehender Arbeitsleistung; er erspart nicht nur die verhältnismäßig hohen 
Löhne, sondern auch die drückenden sozialen Lasten. Die Preise für die Pro- 
dukte der kleinbäuerlichen Wirtschaft, Milch und Schweinefleisch, sind in den ersten 
drei Jahren nach der Stabilisierung verhältnismäßig günstig gewesen. Die außer- 
ordentlich niedrigen Schweinepeise im Frühjahr 1928 haben auch den Siedlern 
schwere Verluste gebracht, worüber allgemein geklagt wird. Seit Ende 1928 liegen 
die Preise wieder höher, Ein wiederholtes Sinken der Preise könnte auch für viele 
Siedler zu einer Katastrophe führen. 
Es ist nicht zu verkennen, daß die Siedler wie die Kleinbauern in der gegen- 
wärtigen schwierigen Zeit vor allem dadurch existenzfähig sind, daß sie über- 
mäßig viel arbeiten und in ihrer Sparsamkeit bis an die unterste Grenze der 
Lebensmöglichkeit herangehen. Es ist selbstverständlich, daß, wenn die heutigen 
wirtschaftlichen Zustände noch längere Zeit bestehen, oder wenn gar eine wesent- 
liche Verschlechterung gerade für die kleinbäuerlichen Besitzer der Provinz durch 
einen ungünstigen Handelsvertrag mit Polen eintreten sollte, dann auch den Klein- 
bauern und mit ihnen den Siedlern das Durchhulten unmöglich werden kann. Aber 
gewiß werden sie die letzten Landwirte sein, die ihre Scholle im Stich lassen. 
Der bisherige Gang der Siedlung in Ostpreußen, das ausgezeichnete Menschen- 
material, die durchaus anerkennenswerten Leistungen der Siedlungsträger und die 
heutige wirtschaftliche Lage der Siedler in Ostpreußen lassen eine Verstärkung und 
besondere Förderung der Siedlung in Ostpreußen als ein sehr geeignetes Mittel wirt- 
schaftlicher Verwendung eines Teils der in der jetzigen Krise zusammenbrechenden 
landwirtschaftlichen Betriebe erscheinen. Man wird auch mit dem bisherigen 
Siedlungsapparat und den bisherigen bewährten Arbeitsmethoden sich zufrieden 
geben können. Der Enquete-Ausschuß glaubt jedoch darauf hinweisen zu sollen, 
daß eine starke Herabsetzung der Baukosten in Erwägung gezogen werden könnte. 
Es wurde bei den Besichtigungen festgestellt, daß die zahlreichen nur in einer 
Wohnscheune angesetzten Siedler aus den Jahren 1922/23 bisher nahezu aus- 
nahmelos ihre Gehöfte mit Wohnhäusern und Ställen ausgebaut haben. einmal mit</div>
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