47 einseitiger Bekämpfer der Gewerkschaften. Ich stehe den Gewerkschaften mit genau derselben Einstellung gegenüber wie den Arbeitgeberverbänden. Ich bin durchaus der Meinung, daß wir, solange wir die heutige kranke Wirtschaftsverfassung haben, auch Gewerkschaften haben werden. Neben Arbeitgeberverbänden wird es stets Arbeit— nehmerverbände geben, und es wäre ein höchst lächerliches Ansinnen, während dieses Zustandes den Gewerkschaften zu— zumuten, sich aufzulösen. Eine ganz andere Frage aber ist die, ob diese Wirtschafts⸗ verfassung gesund oder krank ist, und wie ein organischer Wirtschaftsaufbau, den wir anstreben, auszusehen hat. Und es entsteht die sehr ernste Frage, ob die deutschen Arbeiter und Angestellten nicht ein höchsteigenes Interesse, auch ein materielles Interesse, daran haben, um ihrer selbst willen mit einzutreten in die Arbeit für organische Wirtschaft, eine Arbeit, die sich nun einmal um den soviel mißverstandenen und mißbrauchten Gedanken der „Werksgemeinschaft“ gruppiert. II. Grundsätzliches zur Gewerkschaftsfrage. 1. Es darf zunächst darauf hingewiesen werden, daß von den etwa 18 Mill. betragenden, deutschen Handkräften nur ein Teil, etwa der dritte Teil, in sogenannten Spitzengewerk⸗ schaften organisiert ist. Für Ende 1925 sind nach den amt— lichen Unterlagen im „Jahrbuch der Berufsverbände“ als gewerkschaftlich organisiert nachgewiesen 4182 511 in den freien Gewerkschaften (vor dem Kriege 22, Mill., 1923 noch 8 Mill.) 582819 in den sogenannten christlichen Gewerk— schaften und 157571 in den Hirsch-Dunkerschen Gewerk— schaften. Trotz aller amtlichen Förderung) läßt sich kein ) Diese Förderung nimmt auch geldliche Gestaltung an, wie z. B. die überweisung von 6 Mill. RM durch den Reichskanzler Dr. Marx an die Gewerkschaften für das Saargebiet beweist. Zu welchem Zwecke eine solche Überweisung benutzt wird, geht aus einem Rundschreiben der Gewerkschaften an ihre Vertrauensleute im Saargebiet hervor: Päd. Mag. 12358. Bang.