ZA Erster geschichtlicher Teil günstigeren Gestaltung des Nahrungsspielraumes drohen können, zu entgehen, Es handelt sich um den Nahrungsausgleich zwischen mehr oder weniger ergiebigeren Jahreszeiten. Wir hören mitunter, daß diese Völkerschaften Nahrungsmittel für die weniger ergiebige Jahreszeit, namentlich durch Räuchern, konservieren. Es ist eine heiß umstrittene Frage, in welcher Weise sich aus diesen einfachen Verhältnissen heraus eine höhere wirtschaftliche Kultur, vor allem Seßhaftigkeit und Ackerbau, also die Voraussetzungen einer größeren Volksdichte, und eines stärkeren Volkswachstums, ausgebildet haben. Auf der einen Seite finden wir häufig betont, welch große Bedeutung für den wirtschaftlichen Fortschritt der Not und dem äußeren Zwang zukommt, wie sehr der Fortschritt davon abhängt, daß die steigende Volksdichte zu intensiverer Arbeit und besserer Ausnutzung des Bodens gezwungen hat. Wir werden diesem Zusammenhang, der einen sehr richtigen und wichtigen Kern enthält, später noch öfters begegnen. Für den etsten Aufstieg aus den primitiven Zuständen trifft jedoch dieser Zusammenhang nicht zu. Es wäre sonst auch nicht zu erklären, daß und warum so zahlreiche Völkerschaften bis hinein in unsere Tage auf dieser Stufe der Sammelwirtschaft und der niederen Jäger stehen geblieben sind. Müller-Lyer hat einmal gesagt, daß es leichter zu begreifen sei, „daß das Neue aus dem Überfluß hervorquillt, als daß es aus dem verschrumpfenden Mangel entspringen sollte. Denn die Notdurft läßt das geistige Leben verkümmern und die erfinderische Tätigkeit ist deshalb bei primitiven Völkern, denen es an Not wahrlich nicht gebricht, auf ein Minimum reduziert, während sie bei den reichsten Nationen ihre höchsten Triumphe feiert!) B. Kohn?) meint, daß die bessere, gesichertere wirtschaftliche Basis zunächst eine größere Anreicherung der Bevölkerung gestattete und eine erhöhte Bevölkerungszahl und -dichte schuf. Es waren stets bestimmte natürliche Voraussetzungen erforderlich, die z. B. in Ozeanien fehlten, um eine größere Verdichtung der Bevölkerung zu ermöglichen. Müller-Lyer hat darauf hingewiesen ®), daß zuerst in den fruchtbaren chinesischen Flußebenen des Jang-tse-Kiang und des Hoang-ho, im babylonischen Zweistromland, im Nilland Ägypten und dem Gangesland der östlichen Inder die Zivilisation aufgeblüht sei. Auch Cunow hat nachdrücklich hervorgehoben, daß ein reines ‘) Phasen der Kultur, 1908, S. 306. ’) Weltgeschichte von L. M. Hartmann, ı. Bd., 1910. — E. Kohn, Urgeschichtliche Einleitung, S. 18. 3) a. a. O,, S. 260.