3. Kap. Das Altertum 39 1000“ ,.. Der Staat hat nicht eine Niederlage (Leuktra) ertragen können und ging durch seine geringe Volksmenge zugrunde“ 1). Unter solchen Voraussetzungen konnten in Sparta nicht jene Störungen im Gleichgewicht zwischen Wirtschaft und Bevölkerung aufkommen, wie in anderen griechischen Staaten und damit war es auch möglich, diese alte Ordnung so lange aufrecht zu erhalten. Wesentlich anders war es, wie wir gesehen haben, in den übrigen Teilen Griechenlands. Im Jahre 380 hatte Isokrates nicht nur aus nationalen, sondern auch aus „wirtschaftlichen und sozialen Gründen“ einen Feldzug gegen die Perser gefordert und sich des- halb in einem Schreiben an Philipp von Mazedonien gewendet. Er riet ihm, das persische Großkönigtum zu beseitigen oder doch wenigstens soviel Land von ihm abzutrennen, um neue Städte zu gründen und in ihnen diejenigen anzusiedeln, „die jetzt aus Mangel an Lebensunterhalt umherirren und ausplündern, wem sie begegnen“ 2). Hier werden uns, sagt Wilcken, die entsetzlichen wirtschaftlichen und sozialen Zustände Griechenlands enthüllt, die die Gewinnung neuen Koloniallandes gebieterisch fordern. Die zahlreichen Städte- gründungen Alexanders. des Großen haben eine Periode großer Kolonisation eingeleitet. „Durch sie wurde für jene überschüssigen Kräfte Griechenlands das lange gesuchte Ventil geöffnet.“ Im Zeitalter der Diadochen hören wir von einem Stocken der Volksvermehrung in Griechenland und vom 2. Jahrhundert ab von einer Abnahme der Bevölkerung. Zahlreiche Gründe haben dabei mitgespielt. Da war nicht nur die große Pest, die damals nach den Berichten Ammians die ganze Mittelmeerwelt ver- heerte, es war auch die zunehmende Sklavenwirtschaft, welche die Lebensmöglichkeiten der freien Bevölkerung immer mehr einengte. „Eine Konkurrenz mit der billigen Sklavenarbeit war für den freien Arbeiter unmöglich. Er mochte froh sein, wenn es ihm gelang, sein eigenes Leben zu fristen; wie hätte er daran denken können, eine Familie zu begründen und Kinder aufzuziehen“ 5). Das sind die Zu- stände, wie sie Polybius in seinen vielzitierten Worten geschildert hat: „Zu meiner Zeit litt ganz Griechenland an Kinderlosigkeit und überhaupt an Menschenmangel, wodurch die Städte sich entleerten und das Land keine Früchte mehr trug, obgleich weder ununter- brochene Kriege, noch Seuchen uns betroffen hatten. Denn die !) Politeia, 2. Buch, 2, Kapitel. ? U. Wilcken, Alexander d. Große u. die hellenistische Wirtschaft. Schmollers Jahrbuch, 45. Jahrg., S. 351. 3) Beloch, Die Bevölkerung, a. a. O., S. 408 £.