EEE 4. Kap. Bevölkerung und Wirtschaft, vornehmlich in der deutschen Geschichte 71 vor allem in den Städten, eine ganz andere Teuerungspolitik möglich, als zuvor. Freilich waren trotzdem solche Notstände nicht ganz zu vermeiden, sie lasteten noch schwer genug auf der Bevölkerung; nur, daß man jetzt weniger von Hungersnöten, als von Teuerungen reden kann, weil jetzt das Wesentliche in den gewaltigen Preissteigerungen und Preisschwankungen, namentlich beim Korn, lag. In den Jahren 1433—1437 schwankten in Nürnberg die Preise für einen Sümmer Korn zwischen 15 und 35 Pfund, in Würzburg im Jahre 1437 zwischen 5 und 18 Pfund %. Freilich fehlen dann bei solch hohen Preisen der Bevölkerung in der Regel die Mittel, das‘ Getreide zu kaufen. „Gelangten Kornvorräte in das von der Hungersnot heimgesuchte Gebiet, so geschah dies in der Regel erst, wenn sie bereits einen derartigen Umfang angenommen hatte und die Getreidepreise derart gestiegen waren, daß die Bevölkerung außerstande war, das angelangte Korn zu erwerben ?. Erst mit der Vervollkommnung des Straßen- und Verkehtswesens ist es, wie wir noch sehen werden, gelungen, derartige verheerende Preisschwankungen zu bekämpfen. Wichtiger jedoch für die Beziehungen zwischen Volkszahl und Nahrungsspielraum als diese Milderung vorübergehender Notstände war die Tatsache, daß die Entwicklung von Gewerbe und Handel und das Wachstum der Städte den Nahrungsspielraum der deutschen Volkswirtschaft erweitern mußte. Zwar fehlen auch für diese Zeit alle brauchbaren Möglichkeiten, uns ein zahlenmäßiges Bild von dem damaligen Wachstum der Bevölkerung zu machen, aber es gibt doch immerhin wichtige Symptome, aus denen wir auf ein solches Wachstum der Bevölkerung schließen können. Erst vom Ausgange des 17. Jahrhunderts ab liegen für einzelne deutsche Staaten leidlich brauchbare Zählungen vor. Während Kötzschke die Einwohnerzahl des Reiches einschließlich der östlichen Kolonisationsgebiete für die Mitte des ıı. Jahrhunderts noch mit 5 bis 6 Millionen und für die Mitte des ı2. Jahrhunderts mit 7 bis 8 Millionen angenommen hatte, wird die Volkszahl von ihm für das Jahr 1500 mit mehr als ız Millionen angenommen. Das würde etwa einer Dichte von 20 Einwohnern auf den Quadratkilometer entsprechen ®), Häpke hat dazu bemerkt: „Will man nicht überhaupt ziffernmäßige Vorstellungen ablehnen, so wird man etwa auf ) P. Meyer, a. a. O,, S. 30/31. ? Kulischer, a. a. O., S. 162. 3) Deutsche Wirtschaftsgeschichte, a. a. O.