74 Erster geschichtlicher Teil 19. Jahrhundert ist überhaupt seßhafter als das 15. und 16. und es ist ein Irrtum, etwa das Umgekehrte anzunehmen“ !). Es liegen auch eine ganze Reihe anderer Arbeiten vor, die den Umfang dieser Wanderbewegung nach den Städten in der damaligen Zeit quellenmäßig belegen ?). Von besonderem Interesse sind die An- gaben, die z. B. Doren über die städtische und ländliche Herkunft der Mitglieder der Kölner Kaufmannsgilde macht, die in ganz erheb- lichem Umfang vom Lande stammten ®). Püschel*) hebt die be- trächtliche Verschiebung hervor, die sich damals in Deutschland voll- zogen hat und meint dazu, daß der gewaltige Überfluß an Menschen, den die ostdeutsche Kolonisation voraussetzt, sich jetzt im Innern Deutschlands in einem starken Anwachsen der Städte gezeigt habe. „Wo diese dünn gesät waren, wurden neue gegründet, die bereits bestehenden wurden oft in ganz kurzer Zeit um ein erhebliches er- weitert, so stark meist, daß sie dann mehrere Jahrhunderte durch in ihrer äußeren Entwicklung stillstanden.“‘ Below meint zu dieser Frage: „Die Städte jener Zeit haben eine starke Einwanderung; jeden Augenblick erscheinen neue Personen in der Stadt .. . aller- dings war in jener Periode des schnellen Wachstums der Bevölkerung die Vervollständigung durch Einwanderer etwas ganz selbstverständ- liches, von den Zunftmitgliedern hatten viele ihren Geburtsort aus- wärts 5). Es lagen ja auch genug Gründe vor, solch starke Einwanderung herbeizuführen. Daß wir trotz der Pest im 14. und 15. Jahrhundert mit einer erheblichen Zunahme der Bevölkerung auf dem Lande rechnen müssen, ist bereits hervorgehoben worden. Wanderungen vom Lande nach der Stadt bedeuteten zunächst für den Hörigen die Erringung persönlicher Freiheit.“ „Stadtluft macht frei.“ Der Zuwanderer verbesserte also seine soziale Stellung. Wir müssen auch daran denken, daß mit wachsender Volkszahl sich auf dem ') E. Eulenburg, Die Frequenz d. deutschen Universitäten, 1904, S. 42. ?) Vgl. dazu A. Knieke, Die Einwanderung i. d. westfälischen Städten bis 1400, 1893. — C. Schu6, Einwanderung in Emmerich, vornehmlich im 15. Jahr- hundert. Festgabe f, Finke, 1904. — H. Bungers, Beiträge z, mittelalterlichen Topographie, Rechtsgeschichte u. Sozialstatistik d. Stadt Köln, 1897. — E. Otto, Die Bevölkerung d. Stadt Butzbach während d. Mittelalters, 1893. — K. Bücher. Die Bevölkerung d. Stadt Frankfurt a. M. im 14. u. IS. Jahrhundert, 1886. 3) Doren, Untersuchungen z. Geschichte d. Kaufmannsgilden d. Mittelalters, 1893, Anhang 3. 4) A. Püschel, Das Anwachsen d. deutschen Städte i. d. Zeit d. mittelalter- lichen Kolonialbewegung, 1910, S. 9. 5) Below, Probleme, a. a. O., S. 283.