Pi - Erster geschichtlicher Teil Die Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft, wie wir sie bis jetzt für Deutschland kennen gelernt haben, beruhte in hohem Grade auf den besonderen geographischen und klimatischen Voraus- setzungen des Landes. Wo diese anders waren, mußte auch die Entwicklung einen anderen Gang nehmen. Es sei hier nur auf die besonderen Verhältnisse Hollands hingewiesen. Holland war nicht wie Deutschland in der Lage, in seiner Nachbarschaft über Gebiete zu verfügen, die von tiefer stehenden Völkerschaften bewohnt waren. „So findet nur ein kleiner Teil der landlosen Bevölkerung als Siedler auf deutschem und englischem Kolonisationsboden Unterkunft; zu- meist aber kommen die überschüssigen Kräfte den Gewerben zugute. Wer sich auf dem Hofe oder der Kate seines Vaters beengt fühlte, wandert in die Städte, um sein Brot in Tuchindustrie oder im Handel zu suchen ?!).“ Darin liegt neben anderen Ursachen einer der Gründe, weshalb in Holland so früh städtisches Leben, Gewerbe und Handel aufgeblüht sind. 2. Vom Beginn der Neuzeit bis etwa zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Wenn man das Mittelalter nach oben vielfach durch die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 oder durch die Reformation abschließt und dann die Neuzeit beginnen läßt, so hat diese Einteilung nicht für alle Problemstellungen den gleichen Erkenntniswert. Er ist ver- schieden, je nachdem man auf die Entwicklung der staatlichen Ver- fassung oder auf die wirtschaftlichen Zustände oder vielleicht auf den Gang der geistigen Entwicklung abhebt”). Während jedoch die Anfänge zu einer Umwandlung in den geistigen Anschauungen z. T. wesentlich früher liegen, kann man sagen, daß wirklich etwa um die genannte Zeit in Deutschland — in anderen Ländern lagen diese Verhältnisse anders — sich ein starker Wandel in den wirt- schaftlichen Verhältnissen anzubahnen beginnt, der den Nahrungs- spielraum der Volkswirschaft erheblich beeinträchtigte. Es ist schon davon die Rede gewesen, daß bereits in der zweiten Hälfte des (4. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl mancher Städte zurückge- gangen ist und ihre wirtschaftliche Lage sich verschlechtert hat. Soweit dies zutrifft, mag es sein, daß wir es hier mit dem Beginn einer Entwicklung zu tun haben, die dann vor allem im 16. Jahr- hundert wesentlich stärker auftritt. Dabei sei jedoch hervorgehoben. ') Häpke, Brügges Entwicklung zum mittelalterlichen Weltmarkt, 1908, S. 4/5. 3 Vgl. dazu Mombert, Geschichte d. Nationalökonomie, 10927, S. saff.