4. Kap. Bevölkerung und Wirtschaft, vornehmlich in der deutschen Geschichte 79 Daß dabei auch Wandlungen in den Beziehungen zwischen Be- völkerung und Wirtschaft mitgespielt haben, hat Häpke betont, wenn er das große Beharrungsvermögen der mittelalterlichen Wirt- schaft namentlich darauf zurückführte, daß damals der Nahrungs- spielraum über manche Mängel, z. B. Hungersnöte und sonstige Härten, hinweghalf, „da die Betroffenen durch Neusiedelungen sich ihnen entziehen konnten“!). An sich besteht, wie leicht einzusehen ist, kein Widerspruch darin, daß in einer Zeit, in der sich in einem Lande die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtern, in denen das wirtschaftliche Leben allenthalben schwieriger wird, Unternehmungs- geist und.wirtschaftlich rationales Denken eine Verstärkung erfahren. Konnten wir doch auch in der Nachkriegszeit der Gegenwart ähn- liche Beobachtungen machen. Das Gesagte wird vor allem deutlich, wenn wir nachher sehen werden, nach welchen Richtungen hin sich dieser steigende Unternehmungsgeist und Erwerbssinn ausgewirkt hat. Aus der zahlenmäßigen Entwicklung der Bevölkerung in dieser Periode läßt sich kein Schluß auf die Entwicklung des Nahrungs- spielraumes ziehen. Einmal kann — wie bereits hervorgehoben — auch bei sinkendem Nahrungsspielraum die Volkszahl steigen und dann können wir uns kein genaueres Bild davon machen, in welchem Ausmaße die Volkszahl im 16. Jahrhundert gestiegen ist. Es spricht sehr vieles dafür, daß dies in großem Umfange der Fall war, da wir gerade in dieser Zeit von einem beträchtlichen Wachs- um der städtischen Bevölkerung hören. Wenn aber die Volkszahl wirklich stark gestiegen ist, so muß eine eingetretene Verschlechter- ung in den wirtschaftlichen Verhältnissen den Nahrungsspielraum der Bevölkerung noch mehr eingeengt haben. Wir kommen damit zu der keineswegs einfachen Frage, welche Symptome sich in dieser Zeit für eine Verengerung des Nahrungsspielraumes feststellen lassen, Wir wissen zunächst, daß in dieser Zeit aus Deutschland ein ziemlich großer Kapitalexport stattgefunden hat. Es sei z. B. an die großen Anleihen erinnert, die in dieser Periode die großen deutschen Kaufhäuser an die Könige von Spanien, Portugal und Frankreich gegeben haben. Ein solcher Kapitalexport in einem derartigen Ausmaß findet aber nicht statt, wenn das wirtschaftliche Leben des eigenen Landes sich entsprechend nach oben entwickelt. Man müßte denn gerade annehmen, daß in dieser Zeit — wofür aber gar keine Anhaltspunkte vorliegen — die Kapitalbildung in Deutschland so groß gewesen sei, daß das vorhandene und neu- ) Häpke, Wirtschaftsgeschichte, 1924, S. 40.