132 Geburtenzahl drohende Gefahr einer Übervölkerung und die sich daraus ergebenden Folgeerscheinungen Hungersnot und Armut, wenn auch nicht beseitigen, so doch erheblich zu mildern vermochten“ ?). Es liegt ja auch auf der Hand, daß da, wo nicht beträchtliche Fortschritte im Ackerbau gemacht werden und wo dem ländlichen Geburtenüberschuß nicht die Einwanderung in die Städte reibungslos die Gründung einer neuen Existenz ermöglicht, solche Schwierigkeiten auftauchen müssen. Denn schon die Teilung der ländlichen Güter im Erbgang muß sich im Hinblick auf die dadurch verursachte schwierige Lebenslage der bäuerlichen Bevölkerung als Übervölkerungserscheinung auswirken. Wir werden auch noch sehen, daß deshalb dieses Zeitalter keineswegs so restlos sein Ideal in einer schrankenlosen Volksvermehrung gesehen hat, wie man vielfach anzunehmen pflegt. Erster geschichtlicher Teil 4. Die Anschauungen über die Bevölkerung bis zum Auftreten von Robert Malthus. Die Äußerungen, die uns im Mittelalter über die Fragen von Bevölkerung und Wirtschaft begegnen, sind äußerst dürftig und keineswegs gleichartig. Einige Äußerungen liegen von Kirchenvätern und Kirchenlehrern vor. Tertullian (160 bis ca. 220) schreibt in seinem Werke „De anima“: „Der Erdkreis wird mit jedem Jahre angebauter und: kultivierter als vorher. Schon ist alles wegsam, alles erforscht, alles geschäftig; früher berüchtigte Einöden sind durch anmutige Landgüter verdrängt, Wälder durch Saatfelder gebändigt, das Wild durch Herden ersetzt, Felsen geebnet, Sümpfe ausgetrocknet, so viel Städte, wie einst nicht Hütten. Schon liegen die Inseln nicht mehr wüst und die Klippen schrecken nicht; überall Häuser, überall ein Volk, überall ein Staat, überall Leben! Am deutlichsten spricht die Menge der Menschen. Wir überlasten die Welt; kaum genügen uns die Elemente; die Bedürfnisse pressen uns und die Klagen bei allen, weil uns die Natur schon nicht mehr erhalten kann. Wahrhaftig, man muß Pest und Hungersnot, Kriege und Erdbeben für Heilmittel halten, gleichsam für ein Beschneiden der ins Kraut schießenden Menschheit“ ®. Cyprianus (ca 200 bis % Schnyder, a. a. O., S. 111. 2) Nach d. Übersetzung von Seeck, „Untergang“, a. a, O., Bd. 1, 1897, S. 411. — Es besteht dabei eine Meinungsverschiedenheit, ob sich diese Stelle auf d. ganzen Erdkreis oder nur auf Tertullians afrikanische Heimat bezieht. Vgl. dazu Th. Sommerlad. Das Wirtschaftsprogramm d. Kirche im Mittelalter, 1903, S. 53ff.