2. Kap. Volkszahl und Volkswachstum 311 die Fruchtbarkeit ebenfalls beträchtlich zurückgegangen ist und daß der Rückgang in vorwiegend von Katholiken bewohnten Städten und Industriegebieten stärker gewesen und früher aufgetreten ist, als innerhalb der protestantischen Bevölkerung auf dem flachen Lande. Von 1000 Eheschließungen entfielen in den Jahren 1920—1926 eheliche Geburten in Ehen: evangelischen römisch-kathol. jüdischen 273 169 Preußen darunter Provinz Ostpreußen „ Brandenburg einschl. Berlin Pommern Grenzm. Posen-Westpreußen Provinz Niederschlesien „Sachsen N Schleswig-Holstein Aannover Westfalen „ Hessen-Nassau Rheinprovinz 05 266 128 223 241 222 [91 187 202 221 204 197 375 238 226 52 508 181 317 L50 277 i55 335 219 291 228 325 200 322 179 241 169 243 170 Eine weitere Beobachtung, die man ebenfalls schon seit langem gemacht hat, ist die, daß die eheliche Fruchtbarkeit in den. wohl- habenden Schichten der Bevölkerung geringer war als in den ärmeren Kreisen und dort auch zuerst und am stärksten zurück- zegangen ist. Diese Tatsache ist durch mannigfache statistische Be- obachtungen für die verschiedensten Länder zweifelfrei festgestellt worden. Auch wenn man gegen einzelne solcher statistischer Auf- stellungen manche Einwendungen mit mehr oder weniger Recht erhoben hat — denn allen derartigen Untersuchungen haften un- vermeidlich gewisse Unvollkommenheiten an — so sind doch diese Einwände. dem Kern des Problems gegenüber nicht stichhaltig; denn statistische Untersuchungen, die sich der allerverschiedensten Methoden bedienten, sind immer wieder zu grundsätzlich dem gleichen Er- zebnis gekommen *). Dieser Tatsache widerspricht es natürlich nicht, daß neuerdings der Geburtenrückgang immer mehr alle Schichten der Bevölkerung, auch die minderbemittelten, umfaßt. In dem Rückgang der Sterblichkeit im Säuglings- und Kindes- alter haben wir bereits eine Ursache des Geburtenrückganges kennen gelernt, allerdings eine Ursache, die zur vollkommenen Erklärung dieser Erscheinung keineswegs ausreicht. Es liegt nun aber der Gedanke nah, für die Erklärung des Geburtenrückganges auch an Wandlungen in der Heiratshäufigkeit und im Heiratsalter zu denken. Wenn man diesen Zusammenhängen nachgeht, dann Sn Y Eingehender darüber bei Mombert, Studien, a. a. ©