388 Zweiter systematisch-theoretischer Teil ist, ob Großgrund- oder ob Kleinbesitz vorherrscht. Hier muß ein Punkt kommen, an dem es mit keinen wirtschaftlich erträglichen Mitteln mehr gelingt, auf dem heimischen Boden eine Besserung in dem fehlenden Gleichgewicht zwischen Boden und Arbeit herbei- zuführen. Wo dieses fehlende Gleichgewicht nicht mehr hergestellt werden kann, da können verschiedene Wirkungen eintreten, in deren Vor- kommen sich im Laufe der geschichtlichen , Entwicklung wichtige Wandlungen vollzogen haben. Dem primitivsten Ausweg begegnen wir bei Völkern niederer Wirtschaftsstufen, wenn es ihnen nicht gelingt, sich in den Besitz neuen Bodens zu setzen. Auf dieser Stufe treten dann in schärfster Form die repressiven Hemmnisse von Malthus ein; Hunger und Not schrauben die Volkszahl auf die Größe des Nahrungsspielraumes zurück. Der zweite Weg, den wir in der Vergangenheit so häufig angetroffen haben, namentlich bei den Griechen und Germanen in der Frühzeit ihrer Geschichte, ist die Besitznahme neuen Landes, entweder durch den ganzen Stamm oder durch Teile desselben, für welche die alte Heimat keine Er- nährungsmöglichkeiten mehr bietet. Einer solchen Besitznahme begegnen wir bis tief hinein in unsere Tage dort, wo europäische Staaten Kolonien erworben haben, die zur Siedelung für europäische Auswanderer geeignet waren und die Möglichkeit boten, einen Teil des heimischen Volkszuwachses bei sich aufzunehmen. Auch die ganze Auswanderung als solche, auch in von der Heimat politisch unab- hängige Gebiete, gehört in den Rahmen dieser Mittel. Der dritte Weg ist dann der oben geschilderte Austausch von Boden gegen Arbeit auf dem Wege des internationalen Warenverkehrs. Die ersten Wege, die man namentlich in älteren Zeiten einschlug, bewirkten immer wieder, daß die Volkszahl eines Landes nicht über den innen- bedingten Teil des Nahrungsspielraumes hinauswuchs; der moderne Austausch von Boden gegen Arbeit, der erst in den letzten Menschen- altern einen so großen Umfang annahm, machte es dagegen möglich, dem Zuwachs an Bevölkerung in der eigenen Heimat Unterhalt und Fortkommen zu gewähren. Ohne diese besondere Art des inter- nationalen Warenaustausches wäre ein solches Wachstum der Volks- zahl, wie wir es kennen gelernt haben, in den europäischen Staaten unmöglich gewesen. Die Tatsache, daß somit zu dem innenbedingten Teil des Nahrungsspielraumes in steigendem Umfang Lebens- und Unterhaltsmöglichkeiten hinzukamen, die von fremdem Boden und aus fremden Ländern stammten, hat zu diesem Volkswachstum die unentbehrliche Voraussetzung gegeben. Allerdings ist mit diesem