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        <title>Bevölkerungslehre</title>
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      <div>4. Kap. Bevölkerung und Wirtschaft, vornehmlich in der deutschen Geschichte I41 
Auch Justi hat diese Zusammenhänge sehr häufig betont: „Fast 
alle guten Mittel“, sagt er, „zur Wohlfahrt des Staates unterstützen 
und befördern einander wechselweise. Sie sind wie Magnete, die 
einander wechselseitig anziehen. Ein blühender Nahrungsstand be- 
fördert die Bevölkerung, weil sich die Menschen dahin wenden, wo 
es leicht ist, durch Arbeitsamkeit die Bequemlichkeiten des Lebens 
zu gewinnen. Ebenso befördert die Bevölkerung wieder einen 
blühenden Nahrungsstand. Denn je mehr Menschen beyeinander 
wohnen, desto stärker ist die Consumtion aller Waren und desto 
lebhafter die Cirkulation. Desto mehrere werden auch Waren zur 
Ausfuhr und mithin zu den Commerzien und zur Bereicherung des 
Landes gewonnen“ 1). 
» Für diese Männer bedeutet die wachsende Volkszahl, wirtschaftlich 
gesehen, nicht Reichtum, sondern steigende Reichtumsmöglichkeit; 
sie sahen vor allem an dem Beispiel Hollands und Englands, daß 
Wohlstand und Volkszahl noch ganz erheblich steigen können, wenn 
sich Gewerbe und Handel noch mehr entwickeln, sie wissen aber 
auch, daß das ohne steigende Volkszahl nicht möglich ist. Nicht 
nur deshalb, weil sonst die erforderlichen Arbeitskräfte fehlen, 
sondern weil sonst die Bevölkerung nicht dicht genug ist, um den 
nötigen Verkehr zu erzeugen, der die unerläßliche Voraussetzung 
einer Weiterbildung der Wirtschaft ist. Daß dann aber solche wirt- 
schaftlichen Wandlungen selbst wieder neue Nahrung schaffen, d. h. 
die Bevölkerungskapazität des Landes erhöhen, das war dieser Zeit 
in Fleisch und Blut übergegangen. Es erschien den ökonomischen 
Schriftstellern dieses Zeitalters als ein mangelhafter Zustand, wenn 
ein Land weniger an Bevölkerung habe, als es bei Ausnutzung seiner 
Gaben und Fähigkeiten ernähren könne. Einige von ihnen haben 
deshalb in diesem Falle sogar von Entvölkerung gesprochen. 
Chr. Wolff schreibt, daß in einem Lande zu wenig Menschen seien, 
wenn man einer größeren Anzahl Unterhalt beschaffen könnte ?). 
Bei Genovesi ist zu lesen: „Fin Land, welches seinem Umfange 
nach, dem Klima, der Güte seiner Ländereien, der Lage und dem 
Verstande der Einwohner nach, 5 Millionen Menschen ernähren kann 
und nur dritthalbe nährt, ist halb entvölkert; ernähret es eine, so 
ist es um vier Fünftheile entvölkert; enthält es deren dreie, So ist 
es um zwei Fünftheile entvölkert; hätte es aber sechse oder sieben, 
so würde es über seine Kräfte bevölkert sein“ 3). Dabei steht, wie 
lv. Justi, Grundsätze d, Polizeywissenschaft, 2. Aufl., 1759, S. 66. 
2) a. a. O., S. 209. 
3) a. a. O., S. 64.</div>
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