(738) 1861 Mai7 17 herauskömmt. Von Duncker bemerkte mir Camilla Essig (alias Ludmilla Assing) mit Recht, daß wenn man ein Buch geheim halten will, man es dem Duncker zum Verlag geben muß. Indes figuriere ich doch schon in der letzten Schrift von Rau-Rau — dem deutschen Say. Apropos! Betreffs Deines „Po und Rhein“ usw. erzählte mir die Hatzfeldt, die bei ihrem Schwager, General von Nostitz, die ganze preußische Generalität spricht, deren Neffe Nostitz ferner Adjutant des „schönen Wilhelm“ ist, daß in den hohen und höchsten milivo tärischen Kreisen (u. a. auch dem des Prinzen Karl Friedrich) Deine Schrift als Produkt eines preußischen Geheimgenerals betrachtet würde. Dasselbe, wie mir Assessor Friedländer (Bruder des Redakteurs der „Wiener Presse“) berichtete, fand in Wien statt. Ich selbst habe drüber mit General Pfuel gesprochen, jetzt 88, aber noch geistig frisch und sehr radikal geworden. Pfuel wußte natürlich nicht, daß wir ihm den Ehrentitel „von Höllenstein‘ beigelegt hatten. Er befindet sich übrigens in Ungnade und wird von dem Hof zu den Jakobinern, Atheisten usf. gezählt. Nun zum political business. In Berlin gibt es natürlich keine haute politique. Alles dreht sich um den Kampf mit der Polizei (nicht als ob diese sich jetzt das Geringste herausnähme; sie ist Muster von Artigkeit und Toleranz), indem man den Zedlitz, Patzke etc, von ihren Ämtern entfernt und bestraft wissen will; zweitens um den Gegensatz von z# Militär und Zivil. Dies sind die Punkte (in bürgerlichen Kreisen noch speziell die Militärvorlagen und die Steuerexemtion der Grundbesitzer), über die es zum Klappen kommen wird. (Ein Artillerieoflzier, Graf Tavernier, sagte mir, am liebsten würden sie ihre Batterien auf das Garde du Corps richten.) Es herrscht vo ein allgemeiner Auflösungsduft, und Leute von jedem Rang betrachten eine Katastrophe als unvermeidlich. In der Hauptstadt scheint man in dieser Beziehung weiter als in den Provinzen. Sonderbarer Weise herrscht auch in den militärischen Kreisen die allgemeine Überzeugung, daß es bei dem ersten Zusammenz stoß mit den crapauds zu Keilen für die Preußen kommen wird. Der Ton, der in Berlin herrscht, ist frech und frivol. Die Kammern sind verachtet. Ich selbst habe in einem Theater ein Couplet gegen Vincke unter großem Applaus absingen hören. Unter einem großen Teil des Publikums ist große Unzufriedenheit mit u der bestehenden Presse. Es wird unbedingt bei den bevorstehenden neuen Wahlen (Herbst) für die zweite Kammer das Gros der Burschen, die in der preußischen Nationalversammlung saßen, gewählt werden. Dies ist wichtig, nicht wegen jener Bursche, sondern weil „Wilhelm der Schöne“ sie für rote Republikaner ver-« sieht. Überhaupt ist der „schöne Wilhelm“, seit er König gewor-Marx-Engels-Gesamtausgabe, IH. Abt., Bd, 3 9 15