(739) 1861 Mai 10 sterialität eines ministeriellen Huissier — mit seinen Eselskinnbacken auf die unten kauernden Philister losdiszipliniert. In jeder andren Versammlung hätte diese unaussprechliche species von personifizierter Bedientenfrechheit schon Ohrfeigen erhalten. So ekelhaft sonst in Berlin, namentlich in den Theatern, das Vorherrschen der Uniform (Apropos! Um die königliche Familie zu insultieren, brachte mich die Hatzfeldt gleich in den ersten Tagen in eine Loge dicht neben die des „schönen Wilhelm“ und Kons. Drei Stunden Ballett. Dies die einzige Aufführung an dem Abend. Auch eine Berliner Gegend), so sehr freut man sich, wenn man % unter dieser geduckten bureaukratischen Schuljugend hie und da einen Kerl in Uniform entdeckt, der doch wenigstens den Kopf zradhält und knapp aufsitzt. Vincke sprach grade, was er überhaupt bei keiner einzigen Sitzung unterläßt. Ich habe den Kerl noch idealisiert. Hätte ich ihn früher sprechen gehört, so wäre das % Porträt ganz anders ausgefallen. In einem schlechten Lustspiel von Freytag‘), das ich in Berlin sah, benamst Die Journalisten, kommt ein dicker Hamburger Philister und Weinmerchant, genannt Piepenbrink”, vor. Vincke ist der Abklatsch dieses Piepenbrink”. Widerlichstes hamburgisch-westfälisches 20 Patois, rasch hintereinander gekaute Worte, kein Satz richtig konstruiert oder ganz ausgeführt. Und dies ist der Mirabeau von der Hasenheide! Die einzig wenigstens anständig aussehenden Figuren in diesem Pygmäenstall sind Waldeck auf der einen Seite, auf Jer andern Wagener“) und Don Quichote von Blankenburg. 25 {n Elberfeld Siebel besucht. Bei ihm zu Nacht gegessen in Barmen. Schöne junge Frau, singt gut, bewundert ihren Karl, gefiel mir gewissermaßen. Siebel der Alte. Sein Hauptumgang ein liberaler Journalist (früher Münsterkorrespondent der Neuen] Rhleinischen] Zleitung]), Poeten, Musiker und Maler, Der Beste zo davon schien mir Seel zu sein. Siebel brachte mich in die Barmer „California“, fade Burschen. Sie brachten mir einen Toast. Ich ließ durch Siebel erklären, ich sei heiser, so daß er für mich mit zinigen faden Späßen, die jedoch am right place waren, antwortete. Siebel sagt, daß sein Vater ihm alles nachmacht, Verse- 6 machen und Trinken, so daß es heißt: Der Stamm fällt nicht weit vom Apfel. I In Köln Schneider II und Dr. Klein besucht. Unverändert; eher noch weiter entwickelt. Ein paar Stunden mit ihnen gekneipt. Sah in einer Kneipe auch incognito ‚Stuhlgang Königswinter (Wolf- x gang Müller). Frau Daniels besucht. Nicht den Narren und Natio-AZ 1) Im Orig. Freitag 2) Im Orig. Piepenpriek 3) Im Orig. Wagner