(747) 1861 Juli 12 37 Um kurz das Große zusammenzufassen, war dies der wahre Verlauf der Sache: Am 15. Juni hatte Gottfried und Co., wie ich schon berichtet, eine Sondersitzung auf eigne Faust gehalten, worin sie die ihnen selbst angenehmen Beschlüsse faßten. Am 5 18. Juni fand außerordentliche Sitzung unter Heintzmann statt ”, wo die große Streitfrage nicht auf der Tagesordnung war, indem immer noch das Antwortschreiben von Koburg abgewartet wurde. Endlich am 6. Juli fand die entscheidende Sitzung statt, die Antwort von dem Orakel zu Koburg having meanwhile arrived. o Die ganze Streitkraft beider Parteien war zugegen, auch die von Gottfried bar eingekauften 35 Mitglieder des Bundes deutscher Männer. Vor dem Sitzungstag hatten jedoch schon bedeutende Agitationen stattgefunden. So z. B. war der „Bund deutscher Männer“ von Heintzmann et Cons. haranguiert und informiert ss worden über Gottfrieds Umtriebe. Der Präsident dieses Bundes, ein shipagent Namens Schmidt (Hannoveraner), war natürlich auf die „patriotische‘““ Seite übergetreten. Heintzmann — by the by — verfolgt natürlich das doppelte Interesse: einerseits der preußischen Regierung angenehm aufzu- z fallen, und zweitens womöglich sich hac via für die kommende Industrieausstellung irgendein wichtiges trustive Amt von besag- ter Regierung zu erschnappen. Der Kerl, wie ich höre, soll in echter grober königlich preußischer Elberfelder Prokuratorma- nier sein Präsidentamt versehn haben. Dies allerdings dem melo- % 5 dramatischen Gottfried gegenüber das Richtige. Also nach Eröffnung der Sitzung (am 6. Juli) ließ Heintzmann die Protokolle vom 8. und 18. Juni verlesen. Weder Kinkel noch Zerffi wagten auch nur anzutragen, daß ihr Protokoll vom 15. ver- lesen werde. Sie geben so also die Illegalität der von ihnen heim- zo lich veranstalteten Sitzung zu. Dann verlas Heintzmann den Brief von Koburg. Das Orakel von dort schrieb: Ausstoßen aus dem Verein könne allerdings nur der Coburg Senat; dagegen aussto- ßen aus comit& (um das es sich bei Zerffi handle) sei Lokalsache, also in London zu entscheiden. s Nun traf es sich aber, daß am 8. Juli überhaupt neue Beamten- wahlen des Londoner National-Vereins. Daher angenommen der Antrag von Schmidt, zur Tagesordnung überzugehn und durch die Neuwahlen selbst die Sache zu entscheiden. Gottfried hielt sehr lange Rede und betrug sich überhaupt in x melodramatisch aufgeregtester Weise. Die paar Haare, die er auf dem Kopf hat, sträubten sich beständig gegen Himmel. Gottfried war abwechselnd bitter und drohend und suchte sogar stellenweis das ihm so ganz fremde Gebiet der Ironie, Während er sprach, fortwährend der größte Tumult. Zischen. Namentlich häufig auch 1) Im Orig. stand Ur. 747