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        <title>Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov</title>
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            <forname>Karl</forname>
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            <forname>Friedrich</forname>
            <surname>Engels</surname>
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        MARX/ENGELS
GESAMTAUSGABE
GLIEDERUNG:

ERSTE ABTEILUNG: SÄMTLICHE WERKE UND SCHRIFTEN
MIT AUSNAHME DES «KAPITAL»

ZWEITE ABTEILUNG: DAS «KAPITAL» MIT VORARBEITEN
DRITTE ABTEILUNG: BRIEF WECHSEL
/JERTE ABTEILUNG: GENERALREGISTER
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        MARX/ENGELS
GESAMTAUSGABE
DRITTE.ABTEILUNG
BAND 3
DER BRIEFWECHSEL ZWISCHEN MARX UND ENGELS
1861—1867
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        KARL MARX
FRIEDRICH ENGELS
HISTORISCH-KRITISCHE GESAMTAUSGABE
WERKE / SCHRIFTEN / BRIEFE

IM AUFTRAGE DES
MARX-ENGELS-INSTITUTS
MOSKAU
HERAUSGEGEBEN
VON
D. RIAZANOV

MARX-ENGELS-VERLAGG.M. B. H.
BERLIN
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        KARL MARX
FRIEDRICH ENGELS
BRIEFWECHSEL

MARX/ENGELS
GESAMTAUSGABE
DRITTE ABTEILUNG
BRAND :3
DER BRIEFWECHSEL
ZWISCHEN MARX UND ENGELS 1861—1867

MARX-ENGELS-VERLAG G.M.B.H.
BERLIN 1930
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        Druck
J. B. Hirschfeld (Amo Pries), Leipzig
Einband:
Carl Einbrodt, Großbuchbinderei GC. m. b. H., Leipzig
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        EINLEITUNG ZUM DRITTEN BANDE DES
BRIEFWECHSELS ZWISCHEN MARX UND ENGELS
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        EINLEITUNG

Der vorliegende dritte Band der zwischen Marx und Engels gewech-
selten Briefe umfaßt die Jahre 1861 bis 1867.

Die Texte dieses Bandes haben in der Bernsteinschen Ausgabe viel
weniger gelitten als die des ersten und des zweiten Bandes. Zwar hatte
Bernstein auch aus diesem Zeitraum eine ganze Reihe „gleichgültiger“
Briefe von der Veröffentlichung ausgeschlossen, doch beanspruchen dies-
mal die unterdrückten Briefe und Briefstellen insgesamt nicht mehr (!)
als drei Druckbogen unserer Neuausgabe. Im Verhältnis zu den Lücken,
die wir in den beiden ersten Bänden festgestellt haben. könnte das immer-
hin ein „Fortschritt“ genannt werden,

Wenn der erste Band unserer Ausgabe 25, der zweite Band 75 Brief-
nummern mehr enthält als die entsprechenden Bände der Bernsteinschen
Edition, so haben wir bei dem vorliegenden dritten Band nur ein Mehr
von 27 Briefen, ein Brief von Frau Jenny Marx eingerechnet. Wie in den
beiden ersten Bänden handelt es sich auch hier um manche Kurzbriefe,
aber doch auch um solche, die in unserer Wiedergabe bis zu zwei Druck-
seiten einnehmen. Alle diese bisher unbekannten Briefe sind datiert, alle
bringen sie Neues, d. h. Angaben von biographischem Interesse, Und es
befinden sich darunter insbesondere auch Briefe wie der Marxsche vom
27. Juni 1867 (Nr. 1030), der für das Verständnis des „Kapital“ und
seines Entstehungsprozesses von eminenter Bedeutung ist."

Wir verzichten darauf, Eduard Bernsteins eifrige Tätigkeit als „Her-
ausgeber“, d. h. als Bearbeiter historischer Dokumente und als Zensor
der politischen Sitten, auch‘ hier näher zu illustrieren. Wenn sich im
dritten Bande des Briefwechsels diese Tätigkeit „quantitativ“ geringer
auswirkt, so steht sie doch „qualitativ“ den entsprechenden Operationen
in den früheren Bänden nicht nach.

In Briefen, in denen sich Marx und Engels über Lassalle äußern,
nahm Bernstein Streichungen und Auslassungen vor, die das Bild der
„Dinge, so wie sie sind“, völlig verändern und stellenweise auf direkte
Textfälschung hinauslaufen. In dem denkwürdigen Briefe vom 24. Ja-
*) Die Nummern der von Bernstein unterdrückten Briefe sind folgende: Marx
an Engels, Nr. 727, 729, 732, 747, 749, 774, 779, 795, 851, 857, 874, 888, 965, 1030,
1052, 1069; Engels an Marx, Nr. 731, 734, 767, 773, 781. 794. 798. 920. 1061. 1086;
Frau Jenny Marx an Engels, Nr. 917.
        <pb n="14" />
        Einleitung
nuar 1863, der die ganze furchtbare Not enthüllt, die in jenen Januar-
tagen auf Marx lastete, schrieb Marx dem Freund unter anderem, daß er
„seit der letzten Schulderklärung Lassalles keinen Wechsel in London
ziehn“ könne. Bernstein strich die Worte: „seit der letzten Schulderklä-
rung Lassalles‘, Man muß die Briefe nachlesen, die zwischen Marx und
Lassalle seit ihrer Londoner Begegnung im Sommer 1862 gewechselt wor-
den waren ”, und man muß diese Briefe mit den im Marx-Engelsschen
Briefwechsel gleichzeitig gemachten Äußerungen zusammenhalten, wenn
man die ganze Bedeutung jener. gestrichenen Worte verstehen will.
Bernstein vernichtete das einzige Zeugnis, welches das
Verhalten Lassalles gegenüber Marx und Engels in seiner ganzen, per-
sönlichen Konsequenz offenbart. Vom juristischen Standpunkt, vom
Standpunkte des Wechselrechts, war Lassalles Benehmen gegen Marx
ınd Engels durchaus einwandfrei; einwandfrei — vom Standpunkte des
Wechselrechts — war auch Lassalles letzter Akt in dieser Angelegenheit;
nur daß dieser letzte Akt, die „Schulderklärung“, Marx und Engels vom
Standpunkte des Wechselrechts kompromittierte und zugleich den einen,
Marx, der Möglichkeit beraubte, fernerhin durch Vermittlung vermögen-
der Freunde — Borkheim, Freiligrath u. a. — jene Wechseloperationen
vorzunehmen, die ihm bisweilen geholfen hatten, künftige Einnahmen in
Form von Anleihen im voraus flüssig zu machen. Lassalle hatte sich in
Jer Tat beeilt, die in seinem aus Berlin an Engels gerichteten Brief vom
8. November 1862 % enthaltene Drohung wahrzumachen. Die Lassalle
zebührende Summe war am 5. November von Engels an Freiligrath zur
Absendung übergeben worden. Verfallstag des Wechsels war der
12. November.

Wie in unserer Einleitung zum zweiten Bande des Briefwechsels schon
arwähnt worden ist, liegen für den langen Zeitraum von Ende Juli 1854
bis zur Dezembermitte 1855 von Engels’ Seite — wenn man von einer ein-
zigen Ausnahme absieht — keine Briefe vor; wir haben uns über das ver-
mutliche Verschwinden von ursprünglich existierenden größeren Engels-
Briefen aus dieser Zeit im gleichen Zusammenhange geäußert. Über-
blickt man nun die Korrespondenz, so wie sie in unserer Ausgabe vor-
zelegt wird, über eine ganze Reihe von Jahren hinweg, so kann man fest-
stellen, daß Marx im großen und ganzen der eifrigere Briefschreiber
yzewesen ist. Bis zum Jahre 1851 kann von einem svstematischen Brief-

1) F, Lassalle, Nachgelassene Briefe und Schriften. Hg. v. Gustav Mayer. Bd. II
1922) S. 399ff.
2) Dieser und eine Reihe anderer Briefe war in Mehrings Ausgabe der Lassalle-
Briefe nicht abgedruckt. Sie sind zum ersten Male von Gustav Mayer ver-
sfentlicht worden, dem ich sie zu diesem Zweck mitgeteilt habe,
        <pb n="15" />
        Einleitung

X]
wechsel zwischen den beiden Freunden nicht gesprochen werden. Erst
mit Engels’ Übersiedlung nach Manchester, im November 1851, setzt die
regelmäßige Korrespondenz ein. Stellen wir die Marxschen und die
Engelsschen Briefe aus den Jahren 1851 bis 1867 zusammen ”), so er-
gibt sich folgendes Bild. Von 1851 bis 1853 ist die Zahl der von Marx
und der von Engels herrührenden Briefe gleich: es entfallen auf jeden
115 Briefe. In den Jahren 1854 bis 1856 kommen auf Marx 93, auf
Engels 22 Briefe. Die besonderen Ursachen der starken Disproportion
in diesem Zeitraum sind bereits genannt worden. In der Zeit von 1857
bis 1859 stehen jedoch den 145 Briefen von Marx nur 84 von Engels
gegenüber, — eine fast um die Hälfte geringere Ziffer. Derselbe bedeu-
tende Unterschied ergibt sich für den nächstfolgenden Zeitraum, 1860
bis 1862. Während aus diesen Jahren 114 Marx-Briefe existieren, liegen
uns von Engels’ Seite nur 61 Briefe vor. Die Disproportion vermindert
sich in den Jahren 1863 bis 1865, sofern jetzt 81 Marxschen Briefen
54 Briefe von Engels entsprechen, und sie verschwindet schließlich fast
völlig in den Jahren 1866 und 1867, in denen auf Marx insgesamt 74,
auf Engels 65 Briefe,entfallen.

Es ist natürlich möglich, daß für den ganzen betrachteten Zeitraum
dasselbe gilt, was für die Jahre 1854—1855 als sicher angenommen wer-
den mußte, daß nämlich überhaupt viele Engels-Briefe verlorengegangen
sind. Aber allein schon die Tatsache, daß Marx im Unterschiede zu
Engels nach wie vor im Zentrum der damaligen Emigration blieb und
daß er in viel geringerem Grade als dieser von der revolutionären Arbeit
losgerissen war, erklärt den größeren Umfang, den der Briefwechsel auf
Marxens Seite annahm; die Briefe an Engels sind häufiger, da Marx über
alle mehr oder minder wichtigen Vorfälle und Ereignisse im Leben der
Londoner Emigration den Freund in Manchester informierte. Auch der
andere Umstand, daß Marx häufig rasche Geldhilfe von Engels zu erbitten
gezwungen war, ist im gleichen Zusammenhange zu nennen.

Die Korrespondenz brach ab, wenn Marx, was fast jedes Jahr der Fall
war, einige Zeit in Manchester verbrachte. Die Briefe wurden spärlich,
wenn Marx — oder auch Engels — in diesen und jenen Angelegenheiten
auf den Kontinent hinüberreiste; in dem Zeitraum, auf den sich die im
vorliegenden Bande gesammelten Briefe beziehen, geschah dies zu
mehreren Malen. Im Jahre 1861 z. B. verbrachte Marx zwei Monate —
März und April — in Holland und Deutschland. Im Frühjahr 1862
weilte er bei Engels fast einen vollen Monat und ebenso lange dann im
Winter, als Engels nach zweimonatigem Fernsein nach Manchester zu-
rückgekehrt war, Nach dem Tode seiner Mutter, im Dezember 1863,
1) Bis zum 1. Tannar 1851 haben wir von Marx einen. von Engels drei Briefe.
        <pb n="16" />
        XII

Einleitung
reiste Marx nach Trier; da er auf dem Rückweg erkrankte, mußte er
zwei Monate — Januar und Februar 1864 — bei seinen holländischen
Verwandten bleiben. Im Jahre 1865, zwischen dem 19. März und dem
LO. April, war Marx wiederum in Holland und Deutschland, und Engels
verbrachte dann selbst auch den September und den größten Teil des
Oktober auf dem Festland; unmittelbar nach seiner Rückkunft sah er
Marx zwei volle Wochen, vom 20. Oktober bis zum 3. November, bei sich
zu Gaste. Im Februar 1866 wurde Marx so schwer krank, daß der besorgte
Engels für einige Tage nach London kam. Als Marx sich vom Schlimm-
sten erholt hatte — diesmal, schreibt er, ging es um die Haut —, ver-
brachte er, auf energisches Zureden von Engels, einen Monat in dem Kur-
art Margate. Im nächsten Jahre weilte er dann wieder sechs Wochen,
vom April bis zur zweiten Maihälfte, auf dem Kontinent, hauptsächlich in
Hamburg und Hannover.

Über die materiellen Verhältnisse, unter denen Marx zu leben ge-
zwungen war, und über das Maß der materiellen Hilfe, die ihm Engels
leisten konnte, haben wir schon in der Einleitung zum zweiten Brief-
wechsel-Bande einige Angaben gemacht.

Kaum war das Buch gegen Vogt beendet, als Frau Jenny Marx an Ner-
venfieber und später an Pocken erkrankte, Sie hatte sich noch nicht erholt,
als Marx selber schwer krank wurde. Das war zu Anfang des Januar 1861.
Das Ende des gleichen Monats brachte eine neue Katastrophe: die New
York Tribune, damals Marxens hauptsächlichste Existenzquelle, stellte für
zinige Zeit den Abdruck der von ihm gelieferten Korrespondenzen ein.

Auch die New American Cyclopaedia, für die Engels — unter Marxens
Namen — besonders eifrig tätig war, geriet ins Stocken. Das Honorar
Für diese Beiträge — es war allerdings nicht besonders hoch — hatte
Marx bereits erhalten. Engels selber hatte es bei Ermen, dem Teilhaber
seines Vaters, noch nicht durchsetzen können, daß ihm — nach dem
Tode des alten Engels — ein bestimmter Anteil an den Geschäftseinnah-
men zuerkannt werde, war also noch immer Prokurist; die Ressourcen,
über die er verfügte, standen einstweilen noch keineswegs über dem
/rüheren Niveau.

Engels war in diesem Augenblick nicht in der Lage, dem Freunde
mehr als 10 £ St. zu senden, doch übernahm er die Garantie für die Ein-
Lösung eines auf 30 £ St. lautenden Wechsels, falls Freiligrath diese
Summe flüssig machen könne. Marx überließ das Geld seiner Familie
und reiste selbst illegal nach Holland und Deutschland, um seine Ange-
legenheiten in Ordnung zu bringen. In diese Zeit fällt auch sein Besuch
in Berlin. wo er mehrere Tave bei Lassalle verbrachte. Aus den litera-
        <pb n="17" />
        Einleitung

XI
rischen Plänen, die er ins Werk setzen wollte, wurde nichts, Eine größere
materielle Hilfeleistung erhielt er von seinem holländischen Onkel, der
das Vermögen seiner geizigen Mutter verwaltete und in die Auszahlung
eines Vorschusses auf das Marx dereinst zufallende Erbe einwilligte.
„Meinem Onkel — schrieb er Engels nach seiner Rückkehr — habe ich
zunächst 160 £ abgepreßt, so daß wir den größten Teil unsrer Schulden
abzahlen konnten.“ ” Da Marx aber mehrere Monate hindurch keinerlei
Einnahmen hatte, so reichte diese Summe, bzw. der noch gebliebene Rest,
nicht lange. Im Oktober 1861 begann Marx wieder mit Beiträgen für
die New York Tribune, allerdings in erheblich geringerem Maße als
früher. Er konnte auf 2 £ St. in der Woche rechnen; da er zu dieser Zeit
auch an der Wiener „Presse“ mitzuarbeiten begonnen hatte, so glaubte er
„wenigstens wieder festen Boden unter den Füßen gewonnen‘ zu haben.?)

Das erwies sich indes als Illusion. Die „Presse“ druckte sehr wenig
von ihm; seine gesamte Einnahme betrug in drei Monaten nur 6 £ St.
Die New York Tribune, die jetzt nur selten Artikel von Marx brachte
— die Einnahmen aus dieser Quelle hatten sich um das dreifache ver-
ringert —, verzichtete im April 1862 endgültig auf seine Mitarbeit. Bald
hörte auch die Arbeit für die Wiener „Presse“ auf, aus der ihm die ganze
Zeit hindurch nur sehr klägliche Beträge zugeflossen waren. In der
zweiten Hälfte des Jahres erreichte die Not im Hause Marx wiederum
einen Höhepunkt. In der ersten Jahreshälfte hatte Engels dem Freund
ungefähr 70 £ St. geschickt. Als im Juli dieses Jahres Lassalle nach
London kam, verbarg ihm Marx die schreckliche Not, in der er sich
befand; erst an dem Tag, an dem Lassalle wieder abreiste, schlug ihm
Marx jene Wechseloperation vor, von der oben die Rede gewesen ist.
Engels mußte für die Schuld an Lassalle aufkommen. Zusammen mit
anderen Summen, die Engels in der zweiten Hälfte des Jahres sandte,
machte dies 155 £ St. aus; insgesamt genommen brachte also Engels in
diesem Jahr die damals für ihn selbst außerordentliche Summe von
225 £ St. auf, d. h. fast ebensoviel, wie er in den drei Jahren von 1858
bis 1860, als Marxens Einkünfte sich zu verschlechtern begannen. dem
Freund insgesamt hatte geben können.

All diesen widrigen Umständen, Nöten, Krankheitsfällen zum Trotz
arbeitete Marx eifrig am „Kapital“. Am 28. Dezember 1862 schreibt er
an Kugelmann: „Der zweite Teil ist nun endlich fertig, das heißt bis
zum Reinschreiben in der letzten Feilung für den Druck. Es werden unge-
fähr 30 Druckbogen sein. Es ist die Fortsetzung von Heft I, erscheint
aber selbständig unter dem Titel .Das Kapital‘. und ‚Zur Kritik der voli-

1) Marx an Engels, 7. Mai 1861 (S. 16).
2) Marx an Engels, 30. Oktober 1861 (S. 42)
        <pb n="18" />
        XIV

Einleitung
tischen Ökonomie‘ nur als Untertitel. Es umfaßt in der Tat nur, was das
dritte Kapitel der ersten Abteilung bilden sollte, nämlich das Kapital im
Allgemeinen, Es ist also nicht darin eingeschlossen die Konkurrenz der
Kapitalien und das Kreditwesen.“

Weiter erklärt er Kugelmann die Gründe, wodurch die „lange Ver-
zögerung“ hervorgerufen worden sei. Vor allem habe ihm die Affäre
Vogt viel Zeit weggenommen, in zweiter Linie seine materielle Lage. „Im
Jahre 1861 verlor ich durch den amerikanischen Bürgerkrieg meine
Haupteinnahmsquelle, die ‚New York Tribune‘. Meine Mitarbeit an dem
Blatt ist bis zu diesem Augenblick suspendiert. Ich war und bin so ge-
zwungen, eine Masse Winkelarbeiten zu übernehmen, um nicht direkt mit
meiner Familie auf die Straße zu wandern. Ich hatte mich sogar ent-
schlossen, ‚Praktiker‘ zu werden, und sollte anfangs nächsten Jahres in
ain Eisenbahn-Office eintreten, Soll ich es Glück oder Unglück nennen?
Meine schlechte Handschrift war der Grund, daß ich die Stelle nicht er-
hielt. So sehen Sie, daß mir wenig Zeit und Ruhe für theoretische Ar-
beiten blieb.“ 9

Von was für „Winkelarbeiten“ Marx hier spricht, ist schwer zu sagen.
Es ist uns darüber nicht das geringste bekannt. Zu Anfang Januar 1863
war Marx ohne alle Existenzmittel. Seine Hoffnung auf die Hilfe der
deutschen „Freunde“ — sie war in dem Brief an Kugelmann ange-
deutet — erfüllte sich nicht. Marx hatte außer sich selbst noch fünf
Menschen zu ernähren.

Die einzige Zuflucht blieb die Unterstützung durch Engels. Diesem
war gerade Anfang Januar ein großer Schmerz widerfahren — der Tod
seiner Frau, Mary Burns. Die Briefe dieser Tage zeigen, daß dieses Er-
signis beinahe zu einem „Riß“ in der Freundschaft zwischen Marx und
Engels geführt hätte. Es schien Engels, daß Marx seinen Verlust frostig
aufgefaßt habe. Aber die Erklärung, die durch diesen Vorfall hervor-
zerufen wurde, bewirkte dann umgekehrt noch stärkere Befestigung ihrer
Freundschaft,

Marx zeichnete in seinem Antwortschreiben ein so wahres Bild seiner
furchtbaren Lage, daß die scheinbare Kälte, womit er die Todesnachricht
beantwortet hatte, durchaus erklärt war. „Es war von mir sehr unrecht
— erklärt er dem Freund am 24. Januar?) —, daß ich Dir den Brief
schrieb.“ „Meine Frau und Kinder werden mir bezeugen, daß ich beim
Eintreffen Deines Briefs (der früh Morgens kam) so sehr erschüttert war
als bei dem Todesfall der mir Nächsten. Als ich Dir aber Abends schrieb,
geschah es unter dem Eindruck sehr desperater Umstände.“ Er weiß sich
1) Die Neue Zeit XX/2 (1902) S, 29-—30
2) S. 119£.
        <pb n="19" />
        Einleitung

W,

in solcher Lage nur noch durch den „Zynismus“ zu helfen, Und er nennt
diesen Zustand: „das Rösten am kleinen Feuer — wobei Kopf und Herz
verzehrt werden und außerdem die kostbarste Zeit verloren geht.“ Engels
antwortet sofort, am 26. Januar !”): Nun sei der frühere Brief wettge-
macht. „Ich danke Dir für Deine Aufrichtigkeit.‘“ „Und ich bin froh,
daß ich nicht auch mit der Mary gleichzeitig meinen ältesten und besten
Freund verloren habe.“ — Die Briefe des Januar 1863 tragen das Zeichen
des Außerordentlichen., Sie sind von Männern geschrieben, die im Ange-
sicht ihrer historischen Aufgabe sonst kaum je ihre persönlichen Empfin-
dungen und Gefühle geoffenbart haben.

Engels, der nach den seit der Mitte des vorhergegangenen Jahres ge-
machten „ungewöhnlichen Anstrengungen“ ganz „ausgepumpt“ war, ent-
schloß sich, um Marx zu helfen, zu einem kommerziell höchst gewagten
Schritt. Er sandte dem Freund einen auf 100 £ St. lautenden Wechsel
der Firma, zugleich mit der Mitteilung, daß bis Ende Juni Marx auf
nichts mehr von seiner Seite — ..außer etwa Kleinigkeiten‘ — rechnen
könne. ;

Hier kam nun „der kleine“ Dronke zu Hilfe. Dieser frühere Mitarbeiter
der Neuen Rheinischen Zeitung war in dieser Zeit zu einem reichen Kauf-
mann geworden, der über ein jährliches Einkommen von gegen 1000 £ St.
verfügte, Auf Engels’ Garantie hin willigte er in eine Anleihe von
250 £ St. ein. Wenn man, was sehr wahrscheinlich, annimmt, daß der
im Januar übersandte Wechsel auf 100 £ St. ebenfalls von Engels be-
zahlt wurde, so waren es damit insgesamt 370 £ St., was Engels im
Laufe des Jahres 1863 dem Freund übersandte bzw. für ihn bezahlte.
Marx konnte so jedenfalls ohne besondere Hindernisse am „Kapital“
arbeiten.

Im selben Jahre 1863 begannen sich allerdings schon die Folgen der
übermäßigen Anstrengungen und der ständigen schlechten Ernährung be-
merkbar zu machen. Marx litt jetzt häufig und sehr stark unter Kar-
bunkeln und Furunkeln. Die Nachricht vom Tode seiner Mutter erreichte
ihn — Anfang Dezember 1863 — gerade zur Zeit eines sehr schweren
Anfalls dieser Krankheit. Mit Erlaubnis des Arztes reiste Marx nach
Trier, erkrankte jedoch auf der Rückreise, während seines Aufenthaltes
bei seinem holländischen Onkel, so sehr, daß er genötigt war, dort zwei
Monate zu bleiben; erst im Februar 1864, nach einer Abwesenheit von
fast drei Monaten, konnte er nach London zurückfahren. Die Erbschaft,
die ihm nach dem Tode seiner Mutter zufiel — ihre Höhe läßt sich schwer
bestimmen, doch war sie wohl kaum beträchtlich — verschaffte Marx die
Möglichkeit, in ein anderes Haus. unfern dem bisher bewohnten, zu über-
1) S 1921.
        <pb n="20" />
        XVI

Einleitung
siedeln.*) Das Erbe, das ihm der im Mai 1864 verstorbene Wilhelm
Wolff testamentarisch vermacht hatte — es waren ungefähr 600 £ St, —,
gab ihm dann die Freiheit, alle seine Kräfte auf die Fertigstellung des
„Kapital“ zu konzentrieren. In den Jahren 1864 und 1865 schrieb Marx
jene Teile seines Werks nieder, die Engels später als den II. und III. Band
des „Kapital“ herausgegeben hat; gleichzeitig überarbeitete er für den
Druck noch einmal das bereits fertige Manuskript des I, Bandes. Mit
dieser kolossalen theoretischen Arbeit verband er eine nach Bedeutung
und Ausmaß nicht geringere praktische Tätigkeit — die Organisation
der I. Internationale. Man kann sagen: nachdem Marx die Möglichkeit
zu ungehinderter Arbeit endlich erhalten hatte, er nun auch von dem
früheren Zwang, einen. beträchtlichen Teil seiner Arbeitszeit für Zei-
ungsartikel usw. zu verwenden, befreit war, nutzte er diese Möglichkeit
bis zum Äußersten und Letzten. Dabei untergrub er freilich seine Ge-
sundheit vollständig: schon im Frühling 1866. wie wir gesehen haben,
schwebte er in Lebensgefahr.

Es versteht sich, daß im Jahre 1864 die materielle Hilfe, die von
Engels kommen konnte, fast gleich Null war. Erst in der zweiten Hälfte
des darauffolgenden Jahres wandte sich Marx erneut um Unterstützung
an ihn. Zu dieser Zeit hatte sich die Situation für Engels gründlich ge-
ändert. Der lange Streit zwischen ihm und dem Teilhaber seines Vaters
war — im September 1864 — durch einen Kontrakt beendet, der Engels
zum Mitinhaber der Firma Ermen und Engels in Manchester machte.
Sohn eines Fabrikanten, später Angestellter und Prokurist der Firma, war
er nun selbst zum Fabrikanten geworden. Im Jahre 1866 sandte er Marx
ungefähr 240, im Jahre 1867 etwa 350 £ St. Man kann sagen, daß Marx
mit seiner Familie seit 1866 vollständig von Engels „unterhalten“ wurde.
Zwar vermochte Marx endlich das „Kapital“ fertigzustellen, doch zog er
aus ihm keinerlei — Kapital. Der Vertrag mit dem Verleger war zu
solchen Bedingungen abgeschlossen, daß 1000 Exemplare — so hoch war
die erste Auflage — kaum die Unkosten deckten (den gewöhnlichen
Aandelsprofit natürlich eingeschlossen). auf Marx also insgesamt 60 £ St.

1200 Mark! — kamen.

Im Brief vom 7. Mai 1867 äußerte sich Marx noch sehr optimistisch.
„Ich hoffe und glaube zuversichtlich, nach Jahresfrist so weit ein ge-
machter Mann zu sein, daß ich von Grund aus meine ökonomischen Ver-
hältnisse reformieren und endlich wieder auf eignen Füßen stehn kann.“ %
Eine Hoffnung, die gleichfalls zur „zerstörten Illusion“ werden sollte.
4) Seit Oktober 1856 hatte Marx das Haus Nr. 9, Grafton Terrace, Maitland
Park, Haverstock Hill, bewohnt (siehe Tafel II im zweiten Band des Briefwechsels) ;
seit April 1864 wohnte er im Hause Nr. 1, Modena Villas, Maitland Park (siehe
Tafel IV in diesem Bande). 2) S. 388
        <pb n="21" />
        Einleitung

XVII
Auch Engels war damals optimistisch gestimmt. Er erwartete, daß
Marx nach dem „Kapital“ auch noch eine Sammlung seiner Aufsätze
werde herausgeben können. „Diese ganze Wendung der Sache — schrieb
er am 27. April 1867 %” — ist mir ungeheuer erfreulich, erstens an sich
selbst, zweitens wegen Deiner speziell und Deiner Frau, und drittens,
weil es wirklich Zeit ist, daß sich dies Alles bessert. In 2 Jahren läuft
mein contract mit dem Sau-Gottfried ab, und wie sich die Sachen hier
drehen, werden wir Beide schwerlich wünschen, ihn zu. verlängern; es
wäre sogar nicht unmöglich, daß schon früher eine Trennung einträte.
Ist das der Fall, so muß ich aus dem Commerce ganz heraus; denn
jetzt noch ein eignes Geschäft anzufangen, hieße 5—6 Jahre fürchterlich
schanzen ohne nennenswertes Resultat und dann noch 5—6 Jahre schan-
zen, um die Früchte der ersten 5 Jahre einzuernten. Dabei ging ich aber
kaputt. Ich sehne mich nach nichts mehr, als nach Erlösung von diesem
hündischen Commerce, der mich mit seiner Zeitverschwendung vollstän-
dig demoralisiert. Solange ich da drin bin, bin ich zu. nichts fähig, be-
sonders seitdem ich Prinzipal bin, ist das viel schlimmer geworden, wegen
der größeren Verantwortlichkeit. Wenn es nicht wegen der vermehrten
Einkünfte wäre, möchte ich wahrhaftig lieber wieder Commis sein. Jeden-
falls kommt mein Kaufmannsleben in wenigen Jahren zu End, und dann
werden auch die Einnahmen sehr, sehr viel spärlicher fließen, und das
hat mir denn immer im Kopf gelegen, wie wir es dann mit Dir machen.
Wenn das aber so geht, wie es sich jetzt anläßt, so wird sich auch das
schon arrangieren lassen, selbst wenn nicht die Revolution dazwischen
kommt und allen Finanzprojekten ein Ende macht.“

Die Dinge sollten jedoch einen ganz anderen Verlauf nehmen.‘ Im
November 1868 schreibt Engels an Marx, daß Ermen seinen Anteil aus-
kaufen wolle. Er bittet um Mitteilung, wie hoch Marxens Schulden seien,
und welcher Summe er nach Bezahlung dieser Schulden bedürfe, um
seine Jahresausgaben decken zu können. Wahrscheinlich von der Summe
ausgehend, die er 1867 übersandt hatte, fragt er, ob dazu 350: £ St. hin-
reichen würden. Das Übereinkommen mit Ermen kam zustande, und ein
halbes Jahr später, am 1. Juli 1869, war Engels endlich von dem „hün-
dischen Commerce“ befreit, nachdem er sich und Marx vorher eine
sichere materielle Basis geschaffen hatte.

Als Marx im Jahre 1865 sich wieder einmal hatte an Engels wenden
müssen, hatte er ihm geschrieben: „Es ist wahrhaft niederschmetternd,
sein halbes Leben abhängig zu bleiben. Der einzige Gedanke, der mich
dabei aufrecht hält, ist der, daß wir zwei ein Compagniegeschäft treiben,
wo ich meine Zeit für den theoretischen und Parteiteil des business
1) 5. 386
Marx-Engels-Gesamtausgabe, IN. Abt... Bd. 3
        <pb n="22" />
        XVII

Einleitung
gebe“ ” Seit dem Jahre 1869 steht das „Compagniegeschäft“ von Marx
and Engels auf einer neuen Grundlage. Die rein kommerzielle Seite des
„business“ ist beseitigt, beide Partner befassen sich nur noch mit der
ıheoretischen und Parteiarbeit, Mit einem Unterschiede allerdings. Engels
befindet sich 1869 noch auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit und Ge-
sundheit, während Marx nur unter ungeheurer Anstrengung seiner Kräfte
mit der Parteiarbeit fertig werden kann, die bis 1873 auf seinen Schultern
liegt. Neue schwere Krankheit — im Jahre 1871 — untergräbt schließlich
die ungeheure geistige Energie und die Schaffenskraft, die ihn befähigt
hatte, in den Jahren 1861 bis 1867 die drei Bände des „Kapital“ und die
Geschichte der „Mehrwerttheorien“ zu schreiben.

In theoretischer Beziehung steht der hier vorgelegte dritte Band des
Briefwechsels im Zeichen des „Kapital“. In zahlreichen Briefen wird
die Entwicklungsgeschichte dieses Werks enthüllt und eine Reihe seiner
Hauptprobleme behandelt. An Hand dieser Briefe sind wir imstande,
die „Knotenpunkte‘“ in der Entwicklung der Marxschen Ideen zum „Ka-
pital“ mit chronologischer Genauigkeit festzustellen.

Besonders wichtig ist der Marxsche Brief vom 2. August 1862, der
gsinen gedrängten Konspekt des dritten Bandes gibt.” Ebenso der Brief
vom 6. Juli 1863, in dem Marx, anknüpfend an Quesnays „Tableau Eco-
nomique“, seine Theorie der Reproduktion darlegt.) Einen interessanten
Kommentar zum Kapitel über die Maschinerie enthält der Brief vom
28. Januar 1863.%

Ein Brief vom 27. Juni 1867 — es ist der zweite, den Marx an diesem
Tag geschrieben hat — war in der Bernsteinschen Ausgabe unterdrückt;
lie Gründe, aus denen Bernstein einen solchen Brief streichen zu müssen
geglaubt hatte, sind uns völlig unverständlich.®) Der Brief behandelt das
Thema: Mehrwert, Kostenpreis und Produktionspreis, und enthält sehr
bedeutsame methodologische Hinweise. Engels hatte am 26. Juni einiges
über die Produktion des Mehrwerts gesagt und auf einen „ganz sicher“
sofort zu erwartenden ‚vulgärökonomischen Einwand hingewiesen, ‚den
Marx gut tun werde „im voraus“ zu erledigen. Marx erklärt nun dem
Freunde, welche theoretischen Zwischenglieder nötig sind zur Lösung der
Frage: „Wie verwandelt sich der Wert der Ware in ihren
Produktionspreis?“

1) Marx an Engels, 31, Juli 1865 (S. 279)
“5, 86.
5, 148ff.
5. 122ff.
5) Das Original des Briefes trägt von Bernsteins Hand den Vermerk „Unge-
irnuckt“:
        <pb n="23" />
        Einleitung

XIX

„Die Beantwortung dieser Frage setzt voraus:

Il. Daß die Verwandlung von z. B. Tageswert der
Arbeitskraft in Lohn oder Preis der Tagesarbeit
dargestellt ist. Dies geschieht Kapitel V dieses Bandes,

Il. Daß die Verwandlung des Mehrwerts in Profit, des
Profits in Durchschnittsprofit usw. dargestellt ist. Dies
unterstellt vorherige Darstellung des Zirkulationsprozesses
des Kapitals, da der Umschlag des Kapitals usw. Rolle dabei
spielt. Diese Sache kann daher erst im 3. Buch dargestellt werden
(Band II enthält 2. und 3. Buch). Hier wird sich zeigen, woher die
Vorstellungsweise von Spießer und Vulgärökonom stammt,
nämlich daher, daß in ihrem Hirn sich immer nur die unmittelbare Er-
scheinungsform der Verhältnisse reflektiert, nicht deren in-
nerer Zusammenhang. Wäre letztres übrigens der Fall, wozu
wäre dann überhaupt eine Wissenschaft nötig?“ .

Der notwendige Fortgang der gesamten Darstellung verbiete es also,
die von Engels erwähnten „unausbleiblichen Bedenken des Spießers und
Vulgärökonomen“ im voraus, d. h. etwa schon bei der Darstellung der
Entstehung des Mehrwerts selbst, zu widerlegen: „Wollte ich nun alle
derartigen Bedenken vorweg abschneiden, so würde ich die
ganze dialektische Entwicklungsmethode verderben.“

Man sieht, wie wichtig dieser — von Bernstein als „gleichgültig“ be-
handelte — Brief für das Verständnis des dialektischen Aufbaus des
„Kapital“ und damit überhaupt für das Begreifen der Marxschen Me-
thode und der ihr entsprechenden Darstellungsweise ist.

Vom Zirkulationsprozeß handelt dann Marxens Brief vom 24. August
1867.22 Im Zusammenhang damit sind Engels’ Briefe vom 26. und
27. August 1867 %, in denen er Marx wichtige Mitteilungen aus der Praxis
der Fabrikanten macht, von besonderem Interesse,

Die Marxschen Briefe enthüllen nun noch einen weiteren Umstand,
der in der Entstehungsgeschichte des Marxschen Hauptwerks von be-
sonderer Bedeutung gewesen war. Wenn es Marx nicht gelang, das „Ka-
pital“ zu beenden, so war hier außer den genannten Widrigkeiten, außer
Krankheit und Not, noch ein anderes Hindernis wirksam — und dies
Hindernis lag in Marx selbst.

„Ich kann mich — schreibt er Engels am 31. Juli 1865 % — nicht
entschließen, irgend etwas wegzuschicken, bevor das Ganze vor mir liegt.
Whatever shortcomings they may have, das ist der Vorzug meiner
“ S, 404
S. 409ff.
S.411ff.

„4, 83,279
        <pb n="24" />
        As

Einleitung
Schriften, daß sie ein artistisches Ganzes sind, und das ist nur erreichbar
mit meiner Weise, sie nie drucken zu lassen, bevor sie ganz vor mir
liegen. Mit der Jakob Grimmschen Methode ist dies unmöglich und geht
überhaupt besser für Schriften, die kein dialektisch Gegliedertes sind.“

Die Geschichte der Wissenschaft kennt kein anderes Beispiel einer
solchen Strenge gegen sich selbst, wie sie für Marx im theoretischen
Denken Gesetz war. Erbarmungslos in der Kritik gegen jede wissen-
schaftliche Fälschung, gegen jedes gelehrte Pharisäertum, gegen jede
Vulgarisierung der Theorie, stellt Marx an seine eigene wissenschaftliche
Arbeit unerhörte Anforderungen. Er kennt hier keine Konzession. duldet
sein Kompromiß.

Man kann nun die leidenschaftliche Empörung begreifen, in die
Engels ausbrach, als Loria kurz nach dem Tode von Marx, dem dieser
in theoretischer Hinsicht nicht wenig verpflichtet war, öffentlich erklärte,
Marx habe mit den im ersten Bande des „Kapital“ gegebenen Hinweisen
auf die übrigen Teile seines Werks den Leser bewußt betrogen.

Die Folgen der Krise von 1857—1859 äußerten sich nicht nur in den
internationalen Beziehungen im allgemeinen, sondern insbesondere auch
in der internationalen Arbeiterbewegung. Namentlich
seit 1861. Schon am 11. Januar 1860 hatte Marx dem Freunde geschrieben:
„Nach meiner Ansicht ist das Größte, was jetzt in der Welt vorgeht, einer-
seits die amerikanische Sklavenbewegung, durch Browns Tod eröffnet,
andrerseits die Sklavenbewegung in Rußland . . . So ist die ‚soziale‘
Bewegung im Westen und Osten eröffnet. Dies zusammen mit dem bevor-
stehenden downbreak in Zentraleuropa wird grandios werden.“ 2)

Am 3. März (19. Februar) 1861 wurde in Rußland die Leibeigen-
schaft aufgehoben. Die damit verbundene Expropriierung der Bauern-
schaft gab der Entwicklung kapitalistischer Verhältnisse einen mächtigen
Antrieb, aber auch dem Aufschwung der revolutionären Bewegung, die
zuerst unter der Studentenschaft und dann auch in der jungen russischen
Arbeiterklasse einsetzte,

Am 4. März 1861 begann Lincoln, am 10, November des vorher-
gehenden Jahres zum Präsidenten gewählt, mit der Ausübung seiner
Pflichten, Die Südstaaten hatten bereits im Februar ihre Delegierten zum
Kongreß in Montgomery entsandt, wo die Errichtung einer neuen selb-
ständigen Union, die Sezession von den Nordstaaten zum Beschluß er-
hoben wurde. Es war der Beginn des Bürgerkriegs.

„Wie der amerikanische Unabhängigkeitskrieg des 18. Jahrhunderts
die Sturmglocke für die europäische Mittelklasse läutete, so der

1) Siehe Bd. II unserer Briefwechsel-Ausgsabe, S. 453
        <pb n="25" />
        Einleitung

YX
amerikanische Bürgerkrieg des 19. Jahrhunderts für die europäische
Arbeiterklasse.“ 27
Es ist daher nicht verwunderlich, daß der amerikanische
Bürgerkrieg im Briefwechsel Marxens und Engels’ so großen Raum
einnimmt. Er ist auch das Thema der letzten Beiträge, die Marx der
New York Tribune und der Wiener „Presse“ einsandte.

Die Hilfe und der Rat Engels’, des Fachmanns in militärischen An-
gelegenheiten, war Marx in dieser Zeit ganz besonders unentbehrlich. So
hoch er aber die Fachkenntnisse seines Freundes einschätzte, behielt er
doch die ganze Zeit über sein eigenes selbständiges Urteil. Man sieht aus
Engels’ Briefen mühelos, wie langsam sich ihm die spezifische Natur
dieses Bürgerkrieges enthüllte, wie lange und wie sehr er die militärischen
Chancen der Südstaaten überschätzte, wie wenig er bei der Beurteilung
des militärischen Verlaufs der Dinge die ökonomische und politische
Struktur berücksichtigte. Seine einseitig „fachmännische“ Auffassung
führt ihn zu sehr pessimistischen Schlüssen über den Ausgang des Krie-
ges. In mehreren Briefen, namentlich in denen vom 7. August und vom
10. September 1852, kritisiert Marx die Engelssche Ansicht der Dinge; er
führt alle Momente an, die auf den letzten Endes unausbleiblichen Sieg
der Nordstaaten hinwirken müßten, insofern diese gezwungen werden
würden, die Art ihrer Kriegführung zu ändern. „Nach meiner Ansicht
wird dies alles take another turn. Der Norden wird endlich ernsthaft
Krieg führen und zu revolutionären Mitteln greifen und die Oberherrschaft
der border slaves statesmen bei Seite werfen. Ein einziges niggerregiment
wird merkwürdig auf die südlichen Nerven wirken. Die Schwierigkeit,
die 300000 Mann zu bekommen, scheint mir rein politisch, Der Nord-
west und Neuengland wollen und werden die Regierung forcieren, ihre
bisherige diplomatische Kriegführung aufzugeben, und sie machen jetzt
terms on which the 300 000 men shall come forth. Gibt Lincoln nicht
nach (was er aber tun wird), so gibt's eine Revolution.“ ®

Lincoln gab tatsächlich nach. Das Dekret, das allen Negern vom
1. Januar 1863 ab die Freiheit zusicherte, lenkte den Krieg in der Tat
auf eine revolutionäre Bahn.

Am 10. September 1862 schreibt Marx wiederum: „Was die Yankees
angeht, so bin ich sicher nach wie vor der Ansicht, daß der Norden schließ-
lich siegt; es kann allerdings der Bürgerkrieg durch allerlei Episoden, viel-
leicht auch Waffenstillstände. durchgehn und sich in die Länge ziehn.“

1) Marx im Vorwort zur ersten Auflage des „Kapital“, 25. Juli 1867

2) 5.92

3) Marx hat später scherzhaft erklärt, daß, hätte er an der Londoner Börse, die an
den Sieg der Südstaaten glaubte, spielen können, er viel Geld gewonnen hätte. Herzen,
        <pb n="26" />
        Einleitung

Der polnische Aufstand, in erheblichem Maß durch die
zaristische Regierung selbst provoziert, die damit ein Gegengewicht gegen
die wachsende revolutionäre Bewegung im eigentlichen Rußland zu
schaffen trachtete, gab zusammen mit dem amerikanischen Bürgerkrieg
für das Lebendigwerden der internationalen Sympathien innerhalb der
europäischen Arbeiterklasse einen neuen Anstoß. Man ersieht aus den
zwischen Marx und Engels gewechselten Briefen, welche Bedeutung sie
diesem Aufstand beimaßen, den sie beide, insbesondere Marx, auf alle
Weise zu unterstützen für notwendig hielten.

Zahlreiche Äußerungen in den Briefen bis zum November 1864 be-
handeln die „neue Ära“ in Preußen: die Amnestie, den Ver-
fassungskonflikt, das Erwachen des Liberalismus, die schleswig-holstei-
nische Frage, die mit der Lassalleschen Agitation eröffnete neue Phase in
der deutschen Arbeiterbewegung.

Mit der Gründung der Internationalen Arbeiter-
Assoziation, vollzogen am 28. September 1864, beginnt in Marxens
Leben eine große Wendung. Er tritt an die Spitze einer gewaltigen inter-
nationalen Arbeiter-Organisation und muß jetzt nicht nur theoretisch,
sondern auch praktisch auf die verschiedenen Probleme und Ereignisse
des internationalen Lebens reagieren. Was die Außenpolitik der I. In-
ternationale betrifft, so bestimmte und leitete sie fast vollkommen der
Mann, der bereits in der Inaugural-Adresse auf die große Bedeutung der
außenpolitischen Fragen für die Arbeiterklasse hingewiesen hatte. Die
Marxschen Briefe aus dieser Periode, beginnend mit dem Brief vom
4. November 1864, worin er Engels über die Entstehung und Organi-
sation der I. Internationale ausführlich berichtet, sind daher außerordent-
lich bedeutsame Quellen für die Geschichte der I. Internationale, des-
gleichen der englischen Arbeiterbewegung. .

Von nicht geringerer Bedeutung sind die Marxschen und Engels-
schen Briefe von 1865 bis 1867 aber auch für die Geschichte der
sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland.
Selbst in der Verunstaltung, in der sie von Bernstein und Mehring. zum
ersten Male veröffentlicht worden waren, warfen sie völlig neues Licht
auf den Kampf zwischen den Lassalleanern mit Schweitzer an der Spitze
und den von Liebknecht geführten späteren „Eisenachern“, Sie zeigten,
wie sehr Mehring in seiner „Geschichte der deutschen Sozialdemokratie“
Unrecht hatte.

Mehring, der die von Liebknecht in taktischen wie in programmati-
schen Fragen begangenen Fehler zum Teil durchaus richtig konstatierte,
der die Illusionen der Londoner Börse teilte und trotz seiner Antipathien gegen die
Sklavenbesitzer einen bedeutenden Teil seines Geldes in Papieren der Südstaaten an-
gelegt hatte, erlitt eben darum große Verluste.

XXH
        <pb n="27" />
        Einleitung

XXIN
vertrat trotzdem die Ansicht, daß in dem historischen Kampf zwischen
Schweitzer und Liebknecht der erstere Recht gehabt habe. Daraus folgte
mit logischer Notwendigkeit der in der „Geschichte der deutschen Sozial-
demokratie‘“ bereits ausgesprochene Schluß, daß in dem Streit zwischen
Marx und Lassalle Marx Unrecht gehabt habe. Die nun unverkürzt vor-
liegenden Briefe zeigen in jedem einzelnen Falle die Unrichtigkeit der
ganzen historischen Konstruktion Mehrings, die ihn zwang, energisch für
den Revisionismus und Reformismus der Vergangenheit zu plai-
dieren, den er mit nicht geringerer Leidenschaft in der Gegenwart
bekämpfte.

Die Textherstellung im vorliegenden Bande wurde von F. P. Schiller
besorgt. Wertvolle Hilfe leisteten K. Nixdorff und K. Schmückle.

D. Riazanov
        <pb n="28" />
        <pb n="29" />
        DER BRIEFWECHSEL ZWISCHEN MARX UND ENGELS
1861— 1867
        <pb n="30" />
        <pb n="31" />
        1861

724. Marx an Engels; 1861 Januar 3.
3. Januar 1861.
Lieber Frederick,

Ich habe Deinen Brief von heute morgen verlegt und erinnere
mich daher nicht, wie viel die Übersendung der „Enthüllungen“
an Petsch kosten würde? Einen bei mir vorrätigen Teil derselben
habe ich ihm schon vorige Woche übergeben.

Siebel hat geschrieben. Er war eben von seiner Pariser Hoch-

1 zeitsreise nach Elberfeld zurückgekehrt. Hat die 6 Exemplare
verteilt, 6 neue bestellt. Es wäre gut, wenn Du ihm einige Instruk-
tionen darüber gäbst, wie er es anzuzeigen.

Toby hat einen langen Schmerzensschrei ausgestoßen im „Frei-
schütz‘“,

ıs Der ekligste Druckfehler (nicht notiert) in „Herr Vogt“ war
3 oder 4 mal „Nationalrat“ statt „Ständerat“. Ich habe das durch
Petsch ausdrücklich in der „Genfer Grenzpost“ berichtigen lassen.

Der Tod des Königs von Preußen kömmt sehr gelegen. Qu’en
dites-vous?

» Meine Frau täglich besser, obgleich noch sehr schwach. Ich
habe Sonnabend die letzte Medizinflasche geleert.

Der Borchardt muß noch gezwiebelt werden.

Salut. Dein K. M.
Die ganze family trägt mir die herzlichsten Grüße und besten

zz Neujahrswünsche an Dich auf. Mein Schreiben so kurz, weil

mein Schwager und meine Schwester hier. Sie reisen morgen
nach dem Kap der guten Hoffnung ab.

725. Engels an Marx: 1861 Januar 7.
Manchester, 7. Januar 1861.
Lieber Mohr,

Die Enthüllungen gehn heute oder morgen franko von hier an
Petsch ab. Der Kerl läßt am besten auf den Titel ein Zettelchen
kleben: London: A. Petsch &amp; Co., 1861. Damit man weiß, wo es

Marx-Engels-Gesamtausgabe., III. Abt.. Bd. 3 :

Z. 9 (Er)—10.

2
        <pb n="32" />
        (725) 1861 Jan.7
zu haben ist. Kannst Du mir Tobys Schmerzensschrei nicht be-
sorgen? An Siebel schreibe ich.

In deutschen Blättern finde ich, außer der Kölnischen, auch
nicht einmal eine Annonce — das ist doch kurios,

Unsre alten Feinde entgehn ihrem verdienten Schicksale nicht.

Der Redakteur en”) chef des selig verblichnen Straßburger Cor-
respondenten war nach der Augsburger] A[llgemeinen] Zleitung]
„ein gewisser Herr Wolfers aus Köln“ — Ehrenwolfers von
Dumonts Zeitung — kannst Du das nicht dem Biscamp stecken
lassen, daß er es der A[ugsburger] A[llgemeinen] Zleitung] mit- zo
teilt, auch daß der Kerl kein Rheinländer, sondern ein Lause-
belgier ist?

Schwanbeck am Delirium tremens krepiert, Ehren-Brügge-
mann verschollen und vergessen, und: Wolfers offen im bona-
partistischen Sold — was verlangst Du mehr?

Der König Wilhelm I. wird sich nun auch wohl ehrlich bla-
mieren. Wenn er den Berlinern. sagt, manches wäre geschehn,
was nicht recht sei, so ist damit wohl die notwendige Entlassung
Stiebers gemeint. Apropos! Vogel Greiff, ein andrer Freund,
liegt, wie die N[eue] Plreußische] Zeitung meldet, am Schlagfluß %
schwer krank darnieder. Es ist ein gutes Zeichen, wenn das Don-
nerwetter so diesen Kerlen in die Glieder fährt. Daß der Thron-
wechsel grade mit der östreichischen Revolution so schön Hand in
Hand geht, ist famos. Sogar die Wochenschrift des National-Ver-
eins erklärt jetzt, wenn Preußen sich nicht sehr eile, müsse Öst- 25
reich an die Spitze kommen in Deutschland. In Östreich geht die
Sache famos. Nichts günstiger als dieser in seiner Unentschlossen-
heit eigensinnige Esel Franz Joseph. Die Sache geht famos, sie
wird dem Herrn Bonaparte ebensogut wie dem Franzl über den
Kopf wachsen.

Die Sache in Nordamerika wird.auch heiter. Mit den Sklaven
muß es sehr eklig stehn, wenn die Southerners so gewagtes Spiel
spielen. Der geringste Freischarenputsch vom Norden könnte Alles
in Flammen setzen. Jedenfalls scheint es mit der Sklaverei, so
oder so, rasch zu Ende zu gehn, und dann ebenso auch mit der Cot- s;
tonproduetion. Wie das aber auf England reagieren wird, wird
sich dann bald zeigen. Und bei so gewaltigen Bewegungen glaubt
ein Esel wie Bonaparte auf die Dauer im Trüben fischen zu
können. ‚4%

Viele Grüße

TA

Dein F.E.

1) Im Orig. au

Z. 1 (Kannst) —2 ? 6—12 ?
        <pb n="33" />
        (726) 1861 Jan. 8
726. Marx an Engels; 1861 Januar 83.
8. Januar 1861.
Lieber Frederick,
Tobys Schmerzensschrei hatte ich selbst nur zum raschen
‚Durchsehn. Übrigens habe ich 2 copies, — wovon Du eine haben
sollst, — vorige Woche durch Petsch bestellen lassen.

Siebels jetzige Adresse: Carl Siebel jun., Barmen (Kleine
Wertherstraße, Nr. 25).

Die „Enthüllungen“ hat Petsch bereits im Buchhändler-

„ Börsenblatt angezeigt. Anderswo habe ich’s ihm verboten. aus
Rücksicht gegen Schapper.

Mit den Buchhändler-Anzeigen des „Herr Vogt“, so habe ich
sie bisher nur gesehn in „Reform“, „Publicist“, „Freischütz“
und „Grenzpost‘“. Übrigens hat Petsch unter meinen Augen an

‚ alle die bezüglichen Kerls schreiben müssen, und so wird sich das
mystere in einigen Tagen auflösen. Er meint, es hänge nicht an
den Zeitungen, sondern an den Buchhändlern, die die An-
nonce aufschöben bis nach der Weihnachts- und Neujahrszeit.
Und die Annonce geht immer nur in die Zeitungen durch die Hand

„des Buchhändlers, der den Vertrieb an Ort und Stelle hat. Mais
nous verrons!

Du siehst, was ich für ein Pechvogel bin. Seit vorigem Mitt-
woch (just a week ago) stellte sich mit Verkältung und Husten bei
mir ein stechender Schmerz an der Stelle der Leber ein, so daß ich

2 nicht nur beim Husten, sondern auch beim Drehen des Kadavers
von einer Seite zur andern körperliche pains fühlte. Dies schien
mir auf Entzündung zu deuten. Es war das erstemal, daß ich der-
gleichen dolor fühlte, obgleich Allen sich oft und dringend danach
erkundigt hatte. Diesmal — namentlich, da ich ohnehin eine er-

» schreckende doctorbill nebst andren bills auf dem Buckel habe —
habe ich mich selbst so far kuriert. Die Kur war einfach — Nicht-
rauchen, Casteroil, bloß Limonade trinken, wenig essen, gar nichts
Spirituoses, nichts tun, das Haus hüten (da die kalte Luft mich
gleich husten macht). Ich bin noch nicht ganz hergestellt und ge-

„ wissermaßen schwach. Du kannst übrigens einmal den Gumpert
fragen, was bei so akuten Vorfällen zu tun, sollten sie sich wieder-
holen. Den Allen werde ich fragen, sobald ich wieder ausgehe und
wieder ganz auf dem Strumpf bin.

Salut.

4

Meine Frau (die langsam vorangeht, aber noch sehr schwach)
und die Kinder lassen Dich grüßen.

7 AR

5. AR
        <pb n="34" />
        (727) 1861 Jan. 11
727. Marx an Engels; 1861 Januar 11.

11. Januar 1861.
Lieber Engels,

Gestern bekam ich einliegenden Wisch und werde so nicht län-
ger umgehn können, für die Bücher den Kommissionären 2 £ 5sh. ı
zu zahlen. Außerdem wird der transport an mein Haus auch noch
about 10 sh. kosten. Steuer ist erlassen. Ich würde Dir sicher nicht
wegen des Drecks schreiben, aber dura necessitas, indem ich ganz
blanc bin.

Umstehend Abschrift eines von H. Beta im Auftrag von u
Gottfried Kinkel über „Herr Vogt“ geschmierten Wischs.

Dein K. M.
Magazin für Literatur des Auslands. 1861. Nr. 2.
„— „Herr Vogt.“ — Von Karl Marx, In den ersten. Jahren der
„Flüchtlinge“ wurden wohl manche Sümmchen ausgegeben, um ıs
durch geheime Polizei furchtbare Geheimnisse und Verschwörun-
gen auszuspüren. Die Mühe war groß, aber die Aernte ziemlich
kläglich. Doch was die Furcht mancher Flüchtlinge vor ge-
heimer Polizei betrifft, so hat sie sehr gewüthet. Es sind Männer
davon thatsächlich wahnsinnig geworden. Andere renommierten 2
freilich auch gern mit dieser Furcht und ließen es überall laut
werden, daß fast alle Staaten Europa’s spezielle Spione gegen
sie angestellt hätten. Das war Renommage, nicht Hypochondrie.
Den Teufel selbst merkte das Völkchen nie, auch wenn er es beim
Kragen hatte. Sie essen und trinken mit ihm, hatten ihn als Freund zs
am Theetisch und merkten nicht, daß es ihm blos darauf ankam,
sie zu verrathen, nicht für 30 Silberlinge, o nein! Er ließ sich’s
sein eigenes, schweres Geld kosten, um diese Broschüre drucken
zu lassen. Zehn Jahre lang scheint dieser Herr Karl Marx gearbei-
tet und geschlichen und Briefe erwischt und kopirt zu haben, um zo
auf eigene Rechnung und zum eigenen Vergnügen endlich als der
erste unter allen Vidocq’s und Stieber’s auftreten zu können. Aller
längst vergessene Schund und Irrthum aus der Flüchtlingsschaft
von zehn Jahren her ist benutzt, kopirt, von Freunden beim Thee
ermittelt worden, um Letztere ja nicht an den Pranger zu stellen. zs
Jeder Mensch, wenn auch nicht Flüchtling, schreibt wohl ein Mal
binnen zehn Jahren privatim etwas Unsinn oder Übereilung, wobei
er auf die Diskretion von Freunden rechnet, auf Wegschwemmung
im Strome der Zeit. Wenn aber Freunde diese gelegentlichen
Schnitzel und Schnitzer sorgfältig sammeln, und mit Poesie so 4
ausschmücken, daß Staub und Schmutz dabei umherfliegen, wie
in den Broschüren des Herrn Marx, Aeußerungen einer

Nr. 757
        <pb n="35" />
        (727) 1861 Jan. 11

4

aufgeregten Stunde vor zehn Jahren” z. B. — (voilä
Godofredum) — mit fetten Lettern gedruckt werden, daß man
sieht, Herr Marx habe eine Zote, ein ekelhaftes Geschichtchen
daraus machen wollen, — so kann man eben jeden Menschen an
5 den Pranger stellen. Herr Marx ist ein Meister in konstruktiver
Denunciation. Vidocq, Ohm, Stieber, usw. sind Lämmer dagegen.
Viele werden durch diesen aufgwühlten Schmutz mit Vergnügen
waten, denn es ist meisterhafte Calummie; aber um Eine Vorsicht
bitten wir die Leser: Es giebt in der Affen-Wildniß boshafte Pa-
no viane, die in Ermangelung anderer Waffen sich des Unraths be-
dienen und damit Freunde und Feinde bombardiren. Man nehme
sich in Acht: Herr Marx praktizirt diese Art von Strategie, wobei
man die Ausgaben für Munition scheut, fast ausschließlich auf
seinen 190 Seiten. Lest, lest, aber nur dicht neben einem Becken
ı5 voll Wasser und scharfer Seife und nicht ohne Riechfläschchen!
H RR.“
Dieses ist Gottfrieds Beta (Betziche), der ehemalige Redakteur
von Druckers How do you do und Gottfrieds Lobarschkrieger in
Gartenlaube usw. Sauberes Gesindel! Welcher Stil und welcher

2 Blödsinn!

728. Marx an Engels; [1861] Januar 18.

Lieber Frederick,

Du mußt mich entschuldigen, daß ich Dir den Empfang der
3 £ 3 noch nicht angezeigt. Montag hatte ich einen Rückfall, und da
es Dienstag nicht besser ward, mußte ich wieder zu Allen meine
Zuflucht nehmen, bin also in diesem Augenblick under medical
treatment. Das Bücken, das beim Schreiben nötig ist, macht mir
Schmerzen, und so schob ich es immer auf. Du siehst, ich bin so

so geplagt wie Hiob, obgleich nicht so Gottesfürchtig.

Siebel — dessen Zeit sehr kostbar scheint, da er keine Zeile
schreibt — hat mir 2 Kölner „Anzeiger“ geschickt, die zwei kleine
meinem Buch günstige Notizen enthalten. Die Buchhändlerannonce
stand in der Alugsburger] A [llgemeinen] Zleitung], Beilage zum

3 1. Januar.

Ich wünschte, daß Du mir englisch — da ich nach Allens
Vorschrift wenigstens noch eine Woche mich allen Schreibens zu
enthalten habe —, also englisch für die Times eine kurze Kritik
der preußischen Amnestie schickst, und zwar wären folgende

« Hauptpunkte hervorzuheben:

London, 18. Januar.

1) Fon Marx unterstrichen.

Nr. 727.

7 21.25
        <pb n="36" />
        (728) 1861 Jan. 18
„. 1. Daß die Amnestie die lausigste ist, die in irgend einem Land
(Östreich nicht ausgenommen) seit 1849 erlassen ist. (mesquin,
echt preußisch.)

2. Daß der Zustand der „liberalen“ preußischen Presse daraus
zu beurteilen, daß sie diesen Dreck mit Lobsprüchen bewirft;

3. Daß Amnestie für gewisse kleine Vergehn, Widersetzlich-
keit gegen Gendarmen, Beleidigungen von Beamten etc. immer
in Preußen bei jedem neuen Regierungsantritt erlassen wurde,
md daß die vorliegende Amnestie in der Tat weiter nichts ist;

4. In der Tat sind alle Flüchtlinge — also die ganze Re- zo
volution von 1848-49 — von der Amnestie ausgeschlossen. Den
Flüchtlingen, die „von Unsern Zivilgerichten verurteilt
werden möchten“ und denen „ungehinderte Rückkehr gestat-
jet ist“ (als ob es nicht jedem immer „gesetzlich“ freistand zu-
rückzukehren), ist die Aussicht gestellt, daß das Justizministe-
rum ihretwegen „von Amts wegen Gnadenanträge“ stellen
werde. Damit ist in der Tat nichts garantiert. Diese abgeschmackte
Form ist angeblich gewählt, weil Preußen ein „Rechtsstaat“ ist,
wo der König konstitutionell keine Untersuchung niederschlagen
kann. Schöne Affenkomödie in einem Staat, wo nach ‚dem. Ge- 2
ständnis der preußischen Gerichtszeitung (in Berlin) seit 10 Jah-
ren kein Recht existiert hat, Außerdem konnten ja Contumacial-
ırteile at once. erlassen und niedergeschlagen werden. Die
„Rechts“koketterie sehr anerkennenswert, wo Stieber, Greiff, Gold-
heim immer noch frei umherlaufen, ditto Simons, Manteuffel etc. 2

5. Die Hauptsauerei ist $ 4 der Amnestie, wonach alle, „die
von Militärgerichten demnächst verurteilt werden möchten“, erst
Wilhelms „Gnade anrufen“ müssen, worauf er dann „auf den von
Unserm Militär-Justiz-Departement zu erstattenden Bericht die
weitere Entschließung treffen wird“,

Hierbei zu erwägen, daß bei der preußischen Landwehrverfas-
sung nur ganz ausnahmsweis ein preußischer Flüchtling außer
dem „Militärgericht“ steht; daß das „Anrufen der Gnade“ kate-
gorisch vorgeschrieben und für diese Erniedrigung nicht einmal
sine positive Gegenleistung versprochen ist; endlich, daß Wilhelm %
mehr als irgendein Flüchtling der „Amnestie“ bedarf, da er selbst
vom striktlegalen Standpunkt nichts in Baden etc. zu tun hatte.

Die Times wird sicher mit dem größten Vergnügen eine
solche Kritik aufnehmen. Ich würde sie gleichzeitig ihr und an-
dern Blättern zuschicken, natürlich nur drunter: „A Prussian re- 4
fugee‘“, Ich würde gleichzeitig Privatbrief an die Redaktion
schreiben. ;

Es ist das einzige Mittel, die Hunde von Preußen und den Un-
teroffizier an der Spitze zu würdigen. Dein K. M.

20
        <pb n="37" />
        (729) 1861 Jan. 22
729. Marx an Engels; [1861] Januar 22, |
22, Januar.
Lieber Frederick,
Ich habe 2 copies (eine an die. Times, eine an Standard)
s der Erklärung über die amnesty heute gleich abgeschickt.
Was sagst Du zu der Erklärung von Bucher und Konsorten?
Du siehst in der preußischen Presse, wie Gottfried sich wieder
in den Vordergrund schiebt via des Zeitungsgesindels.
Die Annonce (Buchhändler) meines Buchs ist auch in der
no Nieuen} Prleußischen] Z[eitung] erschienen. Sie ist diese Woche
wieder an alle Berliner Zeitungen geschickt. Die Hunde von
beiden Seiten wollen die Sache totschweigen.
Was meinen Zustand angeht, so hat Allen dieselbe Ansicht
wie Gumpert. Aber was es auch sein mag, so ist es ein sehr ekel-
ws hafter Zustand, zum Arbeiten unfähig machend. Dabei auch etwas
körperlich schmerzhaftes, obgleich das heute viel besser ist. Ich
mediziniere noch, und Allen kommt alle drei Tage. Er war heut
wieder da. Reiten, change of air etc. Wo mich der Schuh drückt,
kann ich ihm natürlich nicht sagen. Ich habe hin und her gedacht,
z% ob ich durch Borkheim nicht ein Geschäft mit einer loan society
machen könnte, um einigermaßen die Verhältnisse, die sich in-
folge der Krankheitsausgaben, Nichtziehbarkeit der Tribune etc.
sehr zerrüttet haben, zu ordnen. Aber, so oft ich auf dem Punkt
war, fiel mir das Herz wieder in die Hosen, da B[orkheim] Re-
2% nommist ist (bei allen seinen good qualities) und mir täglich —
soll heißen, so oft ich ihn sehe — von seinen unter Flüchtlingen
ausstehenden Geldern erzählt.
[Es ist]! mir sehr lieb, wenn. Du einen Artikel schickst, so oft
Du Zeit oder Lust hast. Ich bin immer noch incapable. Am lieb-
» sten wäre es mir, wenn Du für Sonnabend über die französischen
Rüstungen oder überhaupt über Französisches schriebst. .
Nach meiner Ansicht existiert keine Allianz zwischen Ruß-
land einerseits, Preußen und Östreich andrerseits. Bloß hat Ruß-
land, das sich immer nach zwei Seiten deckt, gewisse Verein-
barungen (auf Polen bezüglich und die Donaufürstentümer) mit
den Burschen in Warschau getroffen, ganz sicher aber auch
einen neuen Kontrakt mit Bonaparte für andre „Möglichkeiten“
abgeschlossen.
Apropos! Noch besser wäre es vielleicht, wenn Du über Schles-
„ wig-Holstein schriebst. Eine Pointe: Das Lausebenehmen der Ber-
liner Presse, die beständig herumritt auf Östreich, das Preußen
_hindre‘“ am Vorgehn gegen Dänemark. Jetzt. wo Östreich die Er-

IE

u
1) Papier beschädigt

Jr 700
        <pb n="38" />
        (729) 1861 Jan. 22
laubnis gibt, über „Fallen“ schreit, warnt, zum Frieden mahnt
etc. Sieh Volkszeitung, Kölnlischel Z leitung] ete.
Hau auf die Berliner Presse. Ich habe das früher oft in der Tri.
bune getan. Muß aber immer wiederholt werden.

Salut.
Dein

K. M.

730. Marx an Engels; 1861 Januar 29.
29, Januar 1861.
Lieber Engels,

Wenn einmal Pech sein soll, kommt es auch dick, wie Du aus zo
einliegendem Brief des Dana siehst. Einen Wechsel von 30 £, den
ich auf 2 Monate Datum am 10. Dezember zog, haben sie prote-
stiert und außerdem mir für 6 Wochen alles Korrespondieren
aufgesagt. Ich lief natürlich gestern gleich zu Freiligrath, und da-
mit er sich selbst decke, wird kaum ein andrer Ausweg übrig-
bleiben, als daß er einen Wechsel, den ich ihm auf 3 Monate auf
mich ausstelle, unterzubringen sucht. Wie ich hier weiter shift soll,
weiß ich nicht, da Steuer, Schule, Haus, grocer, Metzger, Gott und
der Teufel keinen ferneren respite mehr geben wollen. Was eine
Gemeinheit von Dana, ist, daß er in der Abrechnung auf die Kri- z
senzeit 1858—59 zurückkommt, wo nur ausnahmsweis die
Korrespondenz auf 1 Artikel per Woche herabgesetzt ward, ein
Übereinkommen, das übrigens per usum und sogar durch aus-
drücklichen Brief seit Jahren wieder aufgehoben war. Jetzt zieht
er mir alle Artikel ab, die sie während des letzten Jahrs nicht 2
gedruckt haben. Andrerseits, von seiner falschen Unterstellung
aus, das Übereinkommen von 1858—59 als noch maßgebend zu
betrachten, hätte er wieder nicht das Recht, mich für 1°» Monate
brach zu legen. Und dennoch kann ich nichts gegen die Kerle
machen, da ich ganz von ihnen abhänge. Ich weiß in der Tat nicht, 30
was ich anfangen soll, sah aber seit lange diese Krise heranrücken.

Einliegend gleichzeitig den Brief von Lassalle. In seinem jetzi-
gen Schreiben erinnert er sich gar nicht, welchen Eindruck der
Vogtsche Dreck auf ihn gemacht hatte. Übrigens besser spät zur
Einsicht kommen als gar nicht. Was seine beabsichtigte Neuauf- ss

lage der Neuen] Rhfeinischen] Zleitung] betrifft — die Hatz-
feldt, von der ich Dir ein Memoire beilege, hat über 300 000 Taler
zu verfügen —, so würde ich unter jetzigen Umständen selbst nach
diesem Strohhalm greifen, aber die Wellen in Deutschland schla-
gen noch nicht hoch genug, um unser Schiff zu tragen. Es wäre von 4
vornherein ein Abort.

Nr. 720
        <pb n="39" />
        (730) 1861 Jan. 29

N

Toby hat wieder an Borkheim geschrieben, ob er denn nie von
unsrer 90-£-Flüchtlingsgeschichte gehört habe? Deutschland ver-
achte mich, darum das allgemeine Schweigen. Selbst der große
L. Walesrode habe erklärt, auf dergleichen Gemeinheiten brauche

; Niemand zu antworten etc. En passant wäre es mir lieb, wenn Du
dem Borkheim — da er 12 £ zu „Herr Vogt“ beigetragen — auf
seinen Brief antwortetest. Er ist in diesem Punkt sehr emp-
findlich.

Bucher und Rodbertus, die auf der Deputiertenliste für Berlin

o standen, sind von den entrüsteten Kleindeutschen gestrichen
worden nach Erscheinung ihrer Erklärung. Letztre ist schlecht,
aber die Art, wie Bucher dem G. K. (Gottfried Kinkel) im letzten
„Hermann“ dient, ist gut.

Herr Kolatschek hat sich gestern Herrn Vogt zur Rezension

5 als Gratisexemplar schriftlich ausgebeten. Ist ihm geschickt wor-
den. Es ist von der Schrift verhältnismäßig viel in Petersburg und
Riga gekauft worden, dagegen in Köln — Nichts (vielleicht
6 Exemplare).

Die Geschichte, die Lassalle von Zabel erzählt, ist gut.

Salut.
Dein K.M.

Die Sau-Times hat Deine Amnestiegeschichte nicht aufgenom-
men. Ebenso nicht Standard. Bring jetzt die Sache in den Guar-
dian, aus dem, wie Du ihn herschickst, ich es durch Borkheim

% in den Sau-Hermann ete. und anderswo bringen werde.

731. Engels an Marx; [1861 Januar 31].
Lieber Marx,

Dem Borkheim ist schwer zu antworten. Die hiesigen Komis-
sionäre, welche goods für den italienischen Markt einkaufen,
» machen alle selbst dorthin, würden also in einer Ordre von
London aus einen Konkurrenten erblicken und gehörig schneiden.
Reuß, Kling &amp; Co., und A. S. Sichel sind hierfür die Haupthäuser,
werden aber kleine Ordres gar nicht annehmen. Jedenfalls
sorge dafür, daß, wer auch sich an diese Leute wendet, sich nicht
ıs auf mich bezieht, das wäre total nutzlos und könnte mich in ein
sehr lächerliches Licht stellen. Ist die Ordre irgendwie bedeutend,
und soll eine regelmäßige Verbindung eingeleitet werden, so
kommt der Käufer am besten selbst her und geht direkt zu den
Fabrikanten. Einkäufer für Londoner Häuser gibt es hier nur ein

“ Fast India Trade oder kleine Kerls, die ich nicht kenne.

NT

“1
        <pb n="40" />
        )

(731) 1861 Jan. 31
Dies Alles, was heute zu ermitteln.
Was das für Strohmachende Kerle sein sollen, weiß ich gar
nicht.
Dein F. E.
Donnerstag.

32. Marx an Engels; [1861] Januar 31.
31. Januar.
Dear Frederick,

Dankbarst erhalten Brief mit Einlage von £ 10. Ich muß jetzt
fort von Haus, um vor allem Gas und Steuern zu zahlen, da die zo
Kerls sonst den broker schicken. Mit den andern Hunden muß ich
sehn, wie ich mich zurechtsetze.

Ausführlichen Brief erhältst Du von mir, sobald ich Deinen
morgigen Brief erhalte.

Salut.
Dein

K. M.
Beiliegend Lassalles Memoire.

733. Marx an Engels; 1861 Februar 2.
London, 2. Februar 1861*.
Lieber Frederick.

In
Gestern erhielt ich folgenden Zettel von Freiligrath, der die
Dinge nicht angenehmer macht. Du mußt mir nun umgehend
schreiben, was ich tun soll?

Ich bin in der Tat so von allen Seiten gebothert, daß ich nicht
weiß, wo mir der Kopf steht, und dabei noch die Unannehmlich- 2
keit, Dich mit all den petites miseres ennuyieren zu müssen. .

Dem Dana, der juristisch unbedingt wrong ist, habe ich
geschrieben, ohne viel Aussicht auf Erfolg. Die Burschen wissen,
daß man sie braucht und daß sie ihrerseits Einen in diesem Augen-
blick nicht brauchen.

Du wolltest mir die Nazione — gewisse Mazzini-Briefe zu-
schicken? Vergessen? Du erhältst dieser Tage von mir die kon-
fiszierte Nummer des Courrier du Dimanche.,

Bucher behauptet — läßt mir durch Borkheim sagen —, daß
seine Besprechung noch in der Allglemeinen] Zleitung]
1) Briefpapier mit Kopfstempel: A. Petsch &amp; Co., Importers of Foreign Books.
78. Fenchurch Street. E. C. London.

Nr. 731.

Nr. 732.

7. 31—33
        <pb n="41" />
        {733) 1861 Febr. 2

mr
L)

erscheinen wird. Du siehst wohl, wie lumpacius Blind seinen
Namen so oft als möglich als homme d’&amp;tat ans Publikum bringt.

Die Sau-Büchergeschichte hat mich alles in allem über 4 £
gekostet. Welch sonderbares Geschick diese library hat!

Von Siebel nichts gehört? Die Verbindungen desselben schei-
nen doch äußerst gering.

Salut.

n.

Dein K. M.

Thimm erzählte Petsch vor ein paar Tagen, daß besonders

vo bösartig über „Herr Vogt“ in Manchester geschimpft werde. Braß

hat sich neue Lettern gießen lassen, expreß zu seinem Spezialver-

gnügen, um „Herr Vogt“ noch auffälliger anzeigen zu können. Ist

es bei den vielen Schwizern in Manchester nicht möglich, wenig-
stens 1 copy der ..Grenzpost‘“ dort unterzubringen?

734. Engels an Marx; 1861 Februar 4
4. Februar 1861.
Lieber Mohr,

Ich kann Dir heute bloß 2 Zeilen schreiben; will der Schneider
den Wechsel für 35 £ diskontieren, wenn ich ihn ausstelle, und
» ihn so arrangieren, daß das Geld vor Juli oder August nicht ge-
zahlt zu werden braucht, very well, so will ich ihn ausstellen. Ich
muß aber auf höchste Diskretion rechnen können, es könnte mir
meine Position kosten. Wenn Gumpert Geld eingekriegt hat (ich
habe ihn seit Freitag nicht gesehn). so kann ich es vielleicht auch

os ohne das arrangieren.
Dain

F. E.

735. Engels an Marx; 1861 Februar 6.
Manchester, 6. Februar 1861.
Lieber Mohr,

Du kannst dem Freil[igrath] schreiben, daß wir seinen Schnei-
der nicht brauchen, Gumpert hat von seinen Rechnungen soviel
Geld einbekommen, daß er mir den größten Teil des Benötigten
auf monatliche Rückzahlung mit 5 £ at a time pumpen kann; die
Sache ist also arrangiert. Freiligrath kann die £30 jeden Tag

„ haben und braucht er dann nur die Kosten auszulegen, die ich ihm
dann ebenfalls in 24 Stunden nach Aufgabe der Summe zusenden
werde. Er kann mir meinetwegen direkt drüber schreiben, Du
brauchst Dir um die ganze Angelegenheit keine weitere Sorge zu

20

U
iA
        <pb n="42" />
        (735) 1861 Febr.6
machen. Ich werde dann schon sehn, daß ich wenigstens einen Teil
der Summe aufs nächste Bilanzjahr schreiben lasse.

Hierbei die Briefe zurück. Erst nach meinem Vorigen fand ich
aus, daß Dana herausrechnet, Du habest 19 Artikel mehr gezogen
als sie gedruckt. Trotzdem ist und bleibt die Geschichte eine in-
fame Gemeinheit, und die Tribune benimmt sich dabei wie ein
echtes penny paper. Ihr Sozialismus läuft auf die lausigste Klein-
dürger-Preilsucht hinaus.

Lassalle ist eben wieder Isidor B-B. Was ist das für ein Poli-
tiker, der sich einbildet, ein Ministerium zu Mus gehauen zu 1
haben, wenn er ihm in einer solchen Lappalie Inkonsequenz nach-
weist. Der hat schöne Begriffe von parlamentarischer Regierung
und was darunter für Recht und Gerechtigkeit gilt. Der Mensch
ist nicht zu bessern. Worüber nur das pyramidale Zweibändige
wieder handeln mag. Jedenfalls ist es Alles Mögliche, daß er in ıs
re Vogt so komplett umgesattelt hat. Was sein Blättchen angeht, so
würde ich an Deiner Stelle ihm raten, eine Wochenschrift — dem
„Preuß[ischen] Wochenblatt“, der „Berliner Revue“, der
Wochenschau des National-Vereins etc., gegenüber anzufangen.
Mit den 300 000 Talern der Hatzfeldt, welche die Beiden auch z
sehr fest halten werden, und dem lukullischen Leben von Madame,
ist nicht so viel Renten-Abfall verbunden, um ein Tagblatt halten
zu können. Es würde bald Geldnot da sein. Dagegen so eine Wo-
zhenschrift kostet nicht viel und gäbe uns doch schon eine hübsche
Einnahmequelle. Natürlich müßte Llassalle] gut, d. h. englisch 2
zahlen, sonst ist’s Nichts. Auch wäre das Ding als Organ für uns
immer sehr wichtig.

Dem preußischen Unteroffizier geht der Hintere aber doch ganz
kolossal mit Grundeis. In jeder Rede spricht das Vieh von den
Irohenden Kämpfen, auf Leben und Tod. 30

Den Tribune-Artikel über die französischen Rüstungen habe
ich hier im Volunteer Journal umgearbeitet gedruckt; ich werde
noch heut abend wo möglich ein Dutzend Exemplare an alle Zei-
tungen schicken, das Ding macht vielleicht Sensation. Dir schicke
ich auch eins, da die Hunde in New York jetzt doch nicht drauf 3;
reflektieren und die Sache ohnehin sehr umgefickt ist, kann’s nicht
schaden, — Meine Broschüre erscheint nächste Woche, ich hab
nur noch eine kleine Korrektur zu lesen und die Vorrede zu
schreiben,

Der Bucher scheint sich doch ganz anständig zu benehmen.

Grüß Deine Frau und Kinder herzlich.

Dein F. E.

2

7? 9—15.

20—23 (sein). 36 (und) —37.
        <pb n="43" />
        (736) 1861 Febr. 14
736. Marx an Engels; 1861 Februar 14.

1?

14. Februar 1861.
Lieber Frederick,
Du mußt mich sehr entschuldigen, daß ich Dir auf Deinen sehr
5 liebenswürdigen Brief nicht gleich geantwortet habe. Du wirst
unterdes schon Schreiben von Philister Freiligrath erhalten haben.

Ich hatte und habe noch eine Unmasse Rennereien. Ich be-
zwecke nämlich nach Holland zu gehn, um meine hiesigen An-
gelegenheiten, die sonst mir über den Kopf wachsen, in Ordnung

vo zu bringen. Dazu bedarf ich zweierlei, Paß und Geld, und beides
werde ich wohl d’une maniere ou d’une autre hier auftreiben.
(Vielleicht muß ich bis Aachen.)

Dem Lassalle habe ich noch nicht geschrieben. Die Geschichte

mit einer Wochenschrift wäre wohl die beste, aber doch andrer-

ıs seits, wie viel riskiert man bei der Taktlosigkeit unsres Freundes,
wenn er an Ort und Stelle sitzt, die Hauptredaktion führt und so
in der Lage ist, uns alle hineinzureiten! Er natürlich würde die
Sache gleich als Parteiorgan betonen, und so würde man für alle
Dummpheiten mitverantwortlich und sich die Position in Deutsch-
land verderben, bevor man sie wieder gewonnen hat. Dies ist
sehr ernstlich zu überlegen.

Die Conspiration de silence der deutschen Presse schadet dem
Verkauf von „Herr Vogt‘ wesentlich. Der erste glückliche An-
lauf ist dadurch zum stand-still gebracht. Die Allglemeine]
Zeitlung] scheint beinahe entschlossen, auch Buchers Kritik
nicht zu bringen. Wenigstens wird sich das jetzt in ein paar
Tagen entscheiden, da sie viel länger nicht hinausschieben kann,
wenn sie überhaupt drucken will. Kolatschek ist sicher.

Meine Frau empfiehlt Dir HansIbeles von Johanna Mockel

z zu lesen, worin Willich als Wildemann ” figuriert etc., die Frau
von Brüning als Platonina und Lause-Kinkel als Don Juan. Ich
selbst weiß von dem Zeug nur, was meine Frau mir davon er-
zählt hat. Sie sagt, das Buch liefre den vollen Beweis, daß Jo-
hanna Mockel aus Liebesgram sich zum Fenster hinausgeschmis-

z sen. (Übrigens — by the by — ist meine Frau noch lange nicht
wieder Gesichtglatt und wird das wohl noch eine längere Frist
dauern.) Jedenfalls gut von dem Pfaffen Kinkel, daß er aus den
Confessions der toten Mockel Geld macht, sie an Cotta verkauft,
um es mit der ihm nunmehr schon Kind geliefert habenden Minna

u Werner zu verzehren. Die Pfaffen sind die allerklügsten Leute.
Allerdings war Johanna Mockel bitteres Fleisch, und auch ihr
Atem war sauer trotz aller Musikschwärmerei.

20

ı) Im Orig. Wildmann

BP. 29-—42 —
        <pb n="44" />
        (736) 1861 Febr. 14
Die Nazione erhalten. Sehr gut. Ditto das Volunteer Jour-
nal. Nicht jedoch Deine Broschüre.

Vogt wird dem Vincke nie verzeihn, daß letztrer ihn ganz aus-
sticht. Übrigens blamieren sich die Saupreußen in every respect.
Die lumpacii bitten erst den Bonaparte, seine Interventionen bei
Ga&amp;ta zu verlängern; zweitens haben sich die Schufte jetzt mit
Bonaparte und Rußland für die Fortdauer der französischen
Intervention in Syrien erklärt. Östreich und, natürlich for ap-
pearance’s sake, auch Palmerst[on] dagegen. Und nun die Wirt-
schaft im Innern! Das Lausepack muß kaputt gehn. aM

Der Wilhelm Liebknecht ist von seiner amerikanischen Zei-
tung auch fast aufs Trockne gesetzt. Eins der Blätter, wofür er
schrieb, wurde sacked in New Orleans.

Salut, Dein K. M.

737. Marx an Engels; 1861 Februar 27.

27. Februar 1861.
Lieber Engels,

Morgen reise ich ab, jedoch mit einem nicht auf mich, son-
dern auf Bühring ” ausgestellten Paß für Holland. Es machte
anormen trouble, sowohl das, wie so viel Geld aufzutreiben, daß zo
ich überhaupt fort konnte. Ganz kleine Abschlagssumme an die
dringendsten Gläubiger gezahlt; bei andern (z. B. grocer) mich
auf die amerikanische Krise bezogen und Ausstand erhalten, je-
doch nur unter der Bedingung, daß meine Frau während meiner
Abwesenheit wöchentlich zahlt; Außerdem hat sie nächste 2:
Woche Steuer von 2 £ 18 sh. zu zahlen. ;

Notabene. Den Brief meiner Frau (about 8 Tage alt), worin
sie Dir für den Wein dankt, hast Du wohl erhalten? Sie ist etwas
beunruhigt darüber, daß er vielleicht in falsche Hände gefallen.
Auch die Kinder für den Wein sehr verpflichtet. Sie scheinen zo
von väterlicher Seite Trinklustig.

Ich gehe wahrscheinlich auch nach Berlin — ohne Paß, um
zu sehn, ob die Geschichte mit einem Wochenblatt (Apropos!
Wilhelm I. heißt zu Berlin „Der schöne Wilhelm“) geht,
und um mir überhaupt den Dreck anzusehn.

Sau-Blind hat in der letzten Nummer des Hermann einen Brief
Mazzinis an ihn veröffentlicht. Dieser zudringliche Molch hat
Ml[azzini] offenbar überredet, daß er der Repräsentant der deut-
schen Emigration. Er überschmeißt denselben Hermann mit
*) [Fußnote von Marx:] Bühring — stellte ehmals das Proletariat Faucher vor,
seine free-trade Proletarier — ein wahres Erfindungsgenie, jedoch kein Geschäfts-
mann, daher immer geprellt, während andre seine Erfindungen ausbeuten.
        <pb n="45" />
        (737) 1861 Febr. 27

X

Seichbeuteleien — patriotischen — über Schleswig-Holstein, rich-
tet in derselben Angelegenheit Briefe mit seiner Namensunter-
schrift an den Globe usw. Hat durch Bronner — mit diesem
und Schaible bildet er den „Verein für Freiheit und Einheit“ —
;so viel Geld von einem Bradforder Kaufmann herausgepreßt,
daß er ein kleines Saublättchen in Hamburg — „Nordstern““ —
stiften konnte, um sich wichtig zu machen im Norden, während er
im Süden durch Vermittlung Schaibles sich als der „eiserne Blind“
im „Stuttgarter Beobachter“ (eine Art Süddeutsche Volkszeitung)
„ verschreien läßt. Alle diese Tätigkeit entwickelt der Molch, um
einerseits seine Schande in „Herr Vogt“ zu überschreien, andrer-
seits Hecker secundus zu werden. Le pauvre here.
Die Kölner haben schön mit meiner Bibliothek gewirtschaftet.
Den ganzen Fourier" gestohlen, ditto Goethe, ditto Herder,
ı ditto Voltaire und, was mir das Scheußlichste, die Econo-
mistes du 18 si&amp;cle (ganz neu, kosteten mir an 500 frs.)
und viele Bände der griechischen Klassiker, viele einzelne Bände
von andren Werken. Sollte ich nach Köln kommen, so werde ich
mit Nationalvereinler Bürgers ein Wort darüber sprechen. He-
% gels Phänomenologie und Logik ditto.
Ich habe bei den vielen Saulaufereien in den letzten 14 Tagen
_— es gehörte wirklich Geschick dazu, um den gänzlichen Auf-
bruch des Hauses zu verhindern — gar keine Zeitungen gelesen,
nicht einmal die Tribune über die American Crisis, Dagegen
Abends zur Erholung Appians römische Bürgerkriege im griechi-
schen Originaltext, Sehr wertvolles Buch. Der Kerl ist Agypter
von Haus aus. Schlosser sagt, er habe „keine Seele“, wahrschein-
lich weil er in diesen Bürgerkriegen der materiellen Grundlage
auf den Grund geht. Spartacus erscheint als der famoseste Kerl,
„den die ganze antike Geschichte aufzuweisen hat. Großer Gene-
ral (kein Garibaldi), nobler Charakter, real representative. des
antiken Proletariats. Pompejus reiner Scheißkerl; erst durch
Eskamotage der Erfolge von Lucullus (gegen Mithridat), dann
der Erfolge von Sertorius (Spanien) usw. als „young man“ von
Sulla usw. in falschen Ruf gekommen. Der römische Odilon
Barrot als General. Sobald er Caesar gegenüber zeigen soll, was
an ihm — Lauskerl. Caesar machte die allergrößten militärischen
Fehler, absichtlich toll, um den Philister, der ihm gegenüberstand,
zu dekontenancieren. Ein ordinärer römischer General, etwa
‚„ Crassus, würde ihn sechsmal während des Kampfes in Epirus ver-
nichtet haben. Aber mit Pompejus war alles möglich. Shakespeare
in seinem „Love’s Labour Lost“ scheint eine Ahnung davon gehabt
zu haben, was P[ompejus] wirklich war,
Salut. Dein K. M.
1) Im Orig. Fourrier

»5
        <pb n="46" />
        (737) 1861 Febr. 27
Ich schreibe Dir von Holland. Du weißt, ohne daß ich Dir es
schreibe, wie dankbar ich Dir für die außerordentlichen Freund-
schaftsbeweise.

738. Marx an Engels; 1861 Mai 7.
7. Mai 1861.
Lieber Frederick,

Habes confitentem reum. Aber die circonstances att&amp;nuantes
neines Dir nicht Schreibens folgende: D’abord weißt Du, daß
ich den größten Teil meiner Zeit in Berlin in Lassalles Haus zu-
brachte, und hier war es mir unm6 glich, Dir zu schreiben, 10
ohne Lassalle den Brief zu kommunizieren, und that did not serve
my purpose. Später war ich beständig en route, von Berlin nach
Elberfeld, Köln, Trier, Aachen, Bommel, Rotterdam und Amster-
Jam. Endlich war mein ursprünglicher Plan, wie ich auch meiner
Frau geschrieben hatte, von Rotterdam nach Hull und von Hull z
nach Manchester zu reisen, um Dir dort ausführlichen
mündlichen Bericht abzustatten. Dies ward vereitelt durch
meinen Vetter Jacques Philips. Als ich nämlich von Rotterdam
abreisen wollte, erklärte er mir, er würde einen Tag später nach
London kommen, and he was as good as his word. So mußte zo
ich natürlich direkt nach London, um ihm dort die honneurs zu
machen. Er ist erst vorgestern von hier abgereist.

Ich hoffe nun jedenfalls, daß Du Pfingsten ein paar Tage her-
kömmst. In Elberfeld hörte ich, Du wollest Deine Familie Pfing-
sten besuchen. Selbst in diesem Falle kannst Du es so einrichten, 25
1aß Du wenigstens ein paar Tage bei uns zubringst.

Ich habe Dir viel zu erzählen, was sich mündlich besser als
schriftlich macht. Außerdem verdenken es Dir meine Damen,
xenn Du London immer links liegen läßt.

Zunächst also zu dem business. Meinem Onkel habe ich zu- zo
nächst 160 £ abgepreßt, so daß wir den größten Teil unsrer
Schulden abzahlen konnten. Meine Mutter, bei der von barem
Geld nicht die Rede ist, die aber rasch ihrer Auflösung entgegen-
zeht, hat einige frühere Schuldscheine, die ich ihr ausgestelit,
vernichtet. Das war ein ganz angenehmes Resultat der zwei Tage, 35
lie ich bei ihr zubrachte. Ich selbst sprach gar nicht mit ihr von
money matters, sondern sie nahm in diesem Punkt die Initiative.

Ferner habe ich mir in Berlin die Wege geöffnet, um im Notfall
mit der „Wiener Presse‘ anknüpfen zu können, was bei den jetzi-
gen amerikanischen Zuständen wohl unerläßlich werden wird. 4
Endlich habe ich via Lassalle vorbereitet, daß der zweite Teil
meiner politischen Ökonomie bei Brockhaus statt bei Duncker

7

"or,
        <pb n="47" />
        (738) 1861 Mai7

17
herauskömmt. Von Duncker bemerkte mir Camilla Essig (alias
Ludmilla Assing) mit Recht, daß wenn man ein Buch geheim
halten will, man es dem Duncker zum Verlag geben muß. Indes
figuriere ich doch schon in der letzten Schrift von Rau-Rau — dem
deutschen Say.

Apropos! Betreffs Deines „Po und Rhein“ usw. erzählte mir die
Hatzfeldt, die bei ihrem Schwager, General von Nostitz, die ganze
preußische Generalität spricht, deren Neffe Nostitz ferner Adjutant
des „schönen Wilhelm“ ist, daß in den hohen und höchsten mili-

vo tärischen Kreisen (u. a. auch dem des Prinzen Karl Friedrich)
Deine Schrift als Produkt eines preußischen Geheimgenerals be-
trachtet würde. Dasselbe, wie mir Assessor Friedländer (Bruder
des Redakteurs der „Wiener Presse“) berichtete, fand in Wien
statt. Ich selbst habe drüber mit General Pfuel gesprochen, jetzt
88, aber noch geistig frisch und sehr radikal geworden. Pfuel
wußte natürlich nicht, daß wir ihm den Ehrentitel „von Höllen-
stein‘ beigelegt hatten. Er befindet sich übrigens in Ungnade und
wird von dem Hof zu den Jakobinern, Atheisten usf. gezählt.

Nun zum political business.

In Berlin gibt es natürlich keine haute politique. Alles dreht
sich um den Kampf mit der Polizei (nicht als ob diese sich jetzt
das Geringste herausnähme; sie ist Muster von Artigkeit und To-
leranz), indem man den Zedlitz, Patzke etc, von ihren Ämtern
entfernt und bestraft wissen will; zweitens um den Gegensatz von

z# Militär und Zivil. Dies sind die Punkte (in bürgerlichen Kreisen
noch speziell die Militärvorlagen und die Steuerexemtion der
Grundbesitzer), über die es zum Klappen kommen wird. (Ein
Artillerieoflzier, Graf Tavernier, sagte mir, am liebsten würden
sie ihre Batterien auf das Garde du Corps richten.) Es herrscht

vo ein allgemeiner Auflösungsduft, und Leute von jedem Rang be-
trachten eine Katastrophe als unvermeidlich. In der Hauptstadt
scheint man in dieser Beziehung weiter als in den Provinzen.
Sonderbarer Weise herrscht auch in den militärischen Kreisen
die allgemeine Überzeugung, daß es bei dem ersten Zusammen-

z stoß mit den crapauds zu Keilen für die Preußen kommen wird.
Der Ton, der in Berlin herrscht, ist frech und frivol. Die Kam-
mern sind verachtet. Ich selbst habe in einem Theater ein Couplet
gegen Vincke unter großem Applaus absingen hören. Unter
einem großen Teil des Publikums ist große Unzufriedenheit mit

u der bestehenden Presse. Es wird unbedingt bei den bevorstehen-
den neuen Wahlen (Herbst) für die zweite Kammer das Gros der
Burschen, die in der preußischen Nationalversammlung saßen,
gewählt werden. Dies ist wichtig, nicht wegen jener Bursche, son-
dern weil „Wilhelm der Schöne“ sie für rote Republikaner ver-

« sieht. Überhaupt ist der „schöne Wilhelm“, seit er König gewor-

Marx-Engels-Gesamtausgabe, IH. Abt., Bd, 3 9

15
        <pb n="48" />
        (738) 1861 Mai?
Jen, vom spectre rouge verfolgt. Er betrachtet seine „liberale“
Popularität als Falle, die ihm die Umsturzpartei gelegt.

Unter diesen Umständen nun wäre es in der Tat ganz zeit-
zemäß, wenn wir nächstes Jahr eine Zeitung in Berlin heraus-
geben könnten, so widrig mir persönlich der Platz ist. 20—30 000 5
Taler wären in Verbindung mit Lassalle etc. zusammenzubringen.
But hic jacet. Lassalle machte mir direkt den Vorschlag. Zu-
gleich vertraute er mir an, daß er neben mir Redakteur en chef
sein müsse. Und Engels? fragte ich ihn. „Nun, wenn 3 nicht zu
viel sind, so kann ja auch Engels Redakteur en chef sein. Nur 10
dürftet ihr zwei nicht mehr Stimmen haben als ich, da ich sonst
jedesmals überstimmt würde.“ Als Gründe, warum er mit an die
Spitze treten müsse, gab er an: 1. daß er der bürgerlichen Partei
in der allgemeinen Meinung näher stehe und daher leichter Geld
beibringen könne; 2. daß er seine „theoretischen Studien“ und 165
'heoretische Ruhe aufopfern müsse, und davon müsse er doch
atwas haben etc. Indes, fügte er hinzu, wenn Ihr nicht wollt, „so
würde ich nach wie vor bereit sein, dem Blatt pekuniär und lite-
rarisch behülflich zu sein; es wäre dies ein Vorteil für mich;
ich hätte den Nutzen des Blatts ohne die Verantwortlichkeit usw.“ 20
Dies natürlich sentimentale Redensarten. Lassalle, geblendet
Jurch das Ansehn, das er in gewissen Gelehrtenkreisen durch sei-
nen Heraklit und in einem andren Kreis von Schmarotzern durch
zuten Wein und Küche hat, weiß natürlich nicht, daß er im großen
Publikum verrufen ist. Außerdem seine Rechthaberei; sein 2

Stecken im „spekulativen Begriff‘“ (der Bursche träumt sogar von
einer neuen hegelschen: Philosophie auf der 2ten Potenz, die er
schreiben will), seine Infektion mit altem französischem Libe-
ralismus, seine breitspurige Feder, Zudringlichkeit, Taktlosigkeit
usw. Lassalle könnte als einer der Redakteure, unter strenger 30
Disziplin, Dienste leiten. Sonst nur hblamieren. Aber Du siehst,
ich war in großer Verlegenheit bei der großen Freundschaft, die
er mir bewies, mit der Sprache herauszurücken. Ich hielt mich
also in allgemeiner Unbestimmtheit, sagte, daß ich nichts ent-
scheiden könne ohne vorherige Besprechung mit Dir und lupus.
(Das war Hauptgrund, warum ich Dir nicht aus Berlin schrieb,
Ja ich in Berlin keine Antwort von Dir über diesen Punkt haben
wollte.) Entschieden wir uns negativ, so wollten die Gräfin und
Lassalle eine Reise für ein Jahr nach dem Orient oder nach Italien
antreten. But here’s the rub. Er erwartet nun Antwort von mir, 4
Jie ich nicht länger aufschieben kann. Der Bursche ist furchtbar
pathetisch, und so blieb mir nichts übrig, als eine beständige Iro-
nie ihm entgegenzustellen, die seine Eigenliebe um so mehr ver-
letzte, als dadurch die Gräfin, der er sich als Universalgenie impo-
niert hat, bedenkliche Emanzipationsgelüste von diesem Buddha

Z. 41 (Der) —45 —
        <pb n="49" />
        <pb n="50" />
        Tafel I

Karl Marx
zu Anfang der sechziger Jahre
        <pb n="51" />
        (738) 1861 Mai7

19

bekam. Sonderbarer Weise hat sich die Hatzfeldt in gewissen Mo-
menten von ihm einen jüdelnden Ton angehört und eingepaukt.
Qu’en dis-tu?

Lupi Bedenken mit Bezug auf die preußische Polizei sind quite

; out of the place. Die einzige Schwierigkeit, die noch vorhanden
ist, kann höchstens die treffen, die früher den Fahneneid geleistet.
Assessor Friedländer sagt mir, daß lupus still the most popular
man in Breslau ist und in einem andern schlesischen Distrikt,
dessen Name ich vergessen. Elsner ist Lump geworden in der
Schlesischen Zeitung wie Stein in der Breslauer. Jedoch hat sich
jetzt wieder in Breslau eine weitergehende demokratische Partei
gebildet. Der einliegende Ausschnitt aus der „Preußischen Ge-
richtszeitung“ ist auf mein Betreiben von ihrem Redakteur, dem
Stadtrichter Hiersemenzel, hineingesetzt worden. Actuarius Stein,
ıs aus Zürich zurückgekehrt nach Berlin, 1äßt lupum bestens grüßen.

Über meine Verhandlungen mit der preußischen Regierung
resp. Polizei im nächsten Brief.

Apropos! Ich habe zum Präsent für Dich von Lassalle einen
schönen Militäratlas, den Du selbst abholen kommen mußt.

Salut an Dich, Lupus, Gumpert.

Dein K. M.

739. Marx an Engels; 1861 Mai 10.
10. Mai 1861.
Lieber Frederick,

»; Einliegend d’abord ein Photograph. Lupus und Gumpert er-
halten jeder ditto 1, sobald ich mehr Abzüge habe. Ich ließ das
Zeug machen, teils für meinen Rotterdam Vetter, teils in exchange
für in Deutschland und Holland erhaltne Photographs. Zweitens
ein Ausschnitt über „Herr Vogt“ aus einer Düsseldorfer Zeitung.

ıo Endlich lege ich eine zwar schon veraltete Free Press bei, da
Du und lupus die Parlamentsverhandlungen über die Afghani-
stanaffäre vielleicht nicht so genau verfolgt habt. Es war der
größte check, den Pam seit 1848 erlebt hat.

Was Du über das Berliner Zeitungsprojekt sagst, ist absolut

ss meine Ansicht, und hatte ich die Hauptpunkte darin, mutatis mu-
tandis, dem Lazarus schon angedeutet. Ich hatte mich — da ich
in Berlin ihm schon positiv erklärt hatte, daß ich ohne Dich und
lupus nichts derart unternehmen würde — jedoch positiv ver-
pflichtet, Euch die Sache „ernscht und objektiv“ vorzutragen und

“ somit salvavi animam meam.

Apropos! Lassalle-Lazarus. Lepsius hat in seinem großen
Werk über Ägypten nachgewiesen, daß der Auszug der Juden aus
DA

DB mm 1—3 7

Al mm Ch
        <pb n="52" />
        20

(739) 1861 Mai 10
Ägypten nichts andres ist als die Geschichte, die Manetho er-
zählt, von der Vertreibung „des Volks der Aussätz igen“ aus
Ägypten, an deren Spitze sich ein ägyptischer Priester Namens
Moses stellte. Lazarus, der Aussätzige, ist also der Urtyp des
Juden und Lazarus-Lassalle. Nur ist unsrem Lazarus der Aussatz
ins Hirn geschlagen. Seine Krankheit war ursprünglich schlecht
kurierte sekundäre Syphilis. Daraus entwickelte sich Knochen-
fraß in einem seiner Beine, und hiervon ist etwas zurückgeblieben,
wie sein Arzt Frerich” (ich weiß nicht, wie sich dieser be-
rühmte Professor schreibt) sagt, Neuralgie oder something of the 10
sort in einem seiner Beine. Zu seinem eignen Leibesschaden lebt
unser Lazarus nun so luxuriös wie sein Gegenbild, der reiche
Mann, und das halte ich für ein Haupthindernis seiner Kur. Er hat
sich überhaupt zu sehr vervornehmt und würde es für einen Raub
halten, z. B. in eine Bierkneipe zu gehn. Sonderbarer Weise hat zs
er mich wenigstens viermal gefragt, wen ich unter Jakob Wiesen-
riesler im „Vogt“ verstehe. Indes bei seiner wirklich „objektiv“
gewordnen Eitelkeit war dies nur usus naturae. Sein neues juri-
stisches Urwerk (Dharma) wird er uns allen schicken.

{n Berlin besuchte ich auch Friedrich Köppen. Ich fand ganz zo
den Alten in ihm. Nur ist er dicker geworden und „greulich“. Die
zweimal, die ich allein mit ihm durchkneipte, waren eine wahre
Wohltat für mich. Er hat mir seine zwei Bände Buddha, eine be-
deutende Schrift, geschenkt. Von ihm erfuhr ich denn auch, wie
der Lause-Zabel et Co. sich in Besitz der Nat[ional]-Zeitlung] ge- z
setzt. Zunächst wurde dies Blatt 1848 auf gleich ganz ausgezahlte
Aktien (aber ohne eigentlichen Kontrakt, in a loose way) gegrün-
det. Mügge, Köppen u. a. liefen herum zu diesem Zweck. Ruten-
berg trat ein als Hauptredakteur, mit und unter ihm Zabel, end-
lich der Jude Wolff als Geschäftsführer. Das Blatt hob sich bald z
durch seine Weißbierphilistermäßigung und seine Dienstnahme
bei der parlamentarischen Linken. Rutenberg ward von seinen
sociis hinausbuxiert unter dem richtigen oder falschen Vorwand,
daß er zu konservative Richtung einschlage und von Hansemann
Trinkgelder erhalte. Zabel brachte einen friseur hinein, der für ss
ihn schrieb, während Zabel durch Unterhaltungen mit den Weiß-
bierphilistern in den verschiednen Kneipen für wachsende Popu-
larität sorgte, Der coup d’e&amp;tat (Manteuffels) und die verschiednen
Gewaltstreiche gegen die Presse, die in ihrer gröbsten Form bis
Ende 1850 fortdauerten, gaben einen willkommenen Vorwand, «0
keine Aktiengesellschaft zusammenzuberufen, Unterdes nahm
las Blatt, das erst mit der völligen Unterdrückung der revolu-
vionären Presse und mit dem Aufkommen des Regime Hinckel-

5

1) Richtig: Frerichs

ZZ — 4—19.

9643 —
        <pb n="53" />
        (739) 1861 Mai l0

7

dey-Stieber seine wahren Existenzbedingungen gefunden hatte, zu
vor dem Philister. Es ward ein Geschäft, und about 1852 wurde
ein Teil der Aktionäre zudringlich und verlangte Rechenschafts-
ablege, Generalversammlung usw. Die Widerhaarigsten wurden
5; nun von Jud Wolff und cand. theol. Zabel bei Seite genommen. Es
ward ihnen im Vertrauen eröffnet, daß, um das Blatt nicht zu rui-
nieren, Todesschweigen über seine Finanzen allerreligiöst beob-
achtet werden müsse, indem es in der Tat bankerott sei. (In der
Tat war die Aktie, ursprünglich 25 Taler, damals schon 100
0 wert.) Also es nur nicht d’une mani&amp;ere ou d’une autre aus seinem
schüchternen finanziellen Versteck herausziehn. Indes, aus be-
sondrer Rücksicht, wolle man ihnen (nämlich den bösartigsten
Aktionären) ausnahmsweise ihren Einsatz gegen Austausch
ihrer Aktien zurückzahlen. So wurden die Gefährlichsten abge-
funden. Die Farce wiederholte sich mehrmal. Die Mehrzahl der
so im Vertrauen Abgekauften erhielt jedoch — je nach dem Grad
ihres passiven Widerstandes — nur von 40 bis herab auf 5%
des ursprünglichen Einsatzes. Ein ganz beträchtlicher Teil libe-
raler Schlappschwänze hat bis zu diesem Augenblick noch keinen

% farthing erhalten und es ebensowenig zu einer Rechenschafts-
ablege bringen können. Aus Furcht vor der Kreuzzeitung schwei-
gen sie. Durch diese Escroquerie also sind Jud Wolff und cand.
theol. Zabel zu „überflüssiges Geld“ besitzenden Großwürden-
trägern des liberalismus vulgaris geworden. Schade, daß ich die
Geschichte nicht früher kannte!

Rutenberg ist als ausdrücklich garantiertes Inventariumstück
von Manteuffel an Schwerin abgetreten worden. Er schneidet jetzt
mit der Schere die „Staatszeitung‘“ zurecht, ein Blatt, das kein
Mensch mehr liest. So eine Art London Gazette. Bruno, dem es

% verflucht schlecht gegangen sein soll, bot sich umsonst dem jetzi-
gen Ministerium an — nämlich seine Mitarbeit an der offiziösen
„Preußischen Zeitung“ fortzusetzen. Er ist jetzt Hauptmitarbeiter
an des Kreuzzeitungs-Wagener ” Staatslexikon. Im übrigen
farmer in Rixdorf oder wie das Nest heißt,

#5 Ich wohnte einmal einer Sitzung der zweiten Kammer von der
Journalistenloge aus bei. Ich hatte ditto Sommer 1848 einer Sit-
zung der preußischen Vereinbarer beigewohnt. Quantum muta-
tum ab illis! Obgleich die sicher auch keine Titanen waren! Ein
enger Sitzungsraum. Spärliche Zuschauerlogen. Die Kerls sitzen

vo auf Bänken (die „Herren“ dagegen auf Sesseln), ein sonderbares
Mixtum von Beamten- und Schulstube. Eine belgische Kammer ist
im Vergleich damit imposant. Simson oder Samson, wie der Präsi-
dent heißt, rächt sich für die Fußtritte, die er von Manteuffel er-
halten, indem er nun — mit der ganzen grotesken brutalen Magi-

1) Im Orig. Wagner

fm
1 —— 20
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        (739) 1861 Mai 10
sterialität eines ministeriellen Huissier — mit seinen Eselskinn-
backen auf die unten kauernden Philister losdiszipliniert. In jeder
andren Versammlung hätte diese unaussprechliche species von
personifizierter Bedientenfrechheit schon Ohrfeigen erhalten. So
ekelhaft sonst in Berlin, namentlich in den Theatern, das Vor-
herrschen der Uniform (Apropos! Um die königliche Familie zu
insultieren, brachte mich die Hatzfeldt gleich in den ersten Tagen
in eine Loge dicht neben die des „schönen Wilhelm“ und Kons.
Drei Stunden Ballett. Dies die einzige Aufführung an dem Abend.
Auch eine Berliner Gegend), so sehr freut man sich, wenn man %
unter dieser geduckten bureaukratischen Schuljugend hie und da
einen Kerl in Uniform entdeckt, der doch wenigstens den Kopf
zradhält und knapp aufsitzt. Vincke sprach grade, was er über-
haupt bei keiner einzigen Sitzung unterläßt. Ich habe den Kerl
noch idealisiert. Hätte ich ihn früher sprechen gehört, so wäre das %
Porträt ganz anders ausgefallen. In einem schlechten Lustspiel
von Freytag‘), das ich in Berlin sah, benamst Die Journa-
listen, kommt ein dicker Hamburger Philister und Weinmer-
chant, genannt Piepenbrink”, vor. Vincke ist der Abklatsch
dieses Piepenbrink”. Widerlichstes hamburgisch-westfälisches 20
Patois, rasch hintereinander gekaute Worte, kein Satz richtig kon-
struiert oder ganz ausgeführt. Und dies ist der Mirabeau von der
Hasenheide! Die einzig wenigstens anständig aussehenden Figu-
ren in diesem Pygmäenstall sind Waldeck auf der einen Seite, auf
Jer andern Wagener“) und Don Quichote von Blankenburg. 25

{n Elberfeld Siebel besucht. Bei ihm zu Nacht gegessen in Bar-
men. Schöne junge Frau, singt gut, bewundert ihren Karl, gefiel
mir gewissermaßen. Siebel der Alte. Sein Hauptumgang ein
liberaler Journalist (früher Münsterkorrespondent der Neuen]
Rhleinischen] Zleitung]), Poeten, Musiker und Maler, Der Beste zo
davon schien mir Seel zu sein. Siebel brachte mich in die Barmer
„California“, fade Burschen. Sie brachten mir einen Toast. Ich
ließ durch Siebel erklären, ich sei heiser, so daß er für mich mit
zinigen faden Späßen, die jedoch am right place waren, antwor-
tete. Siebel sagt, daß sein Vater ihm alles nachmacht, Verse- 6
machen und Trinken, so daß es heißt: Der Stamm fällt nicht weit
vom Apfel. I

In Köln Schneider II und Dr. Klein besucht. Unverändert; eher
noch weiter entwickelt. Ein paar Stunden mit ihnen gekneipt. Sah
in einer Kneipe auch incognito ‚Stuhlgang Königswinter (Wolf- x
gang Müller). Frau Daniels besucht. Nicht den Narren und Natio-

AZ

1) Im Orig. Freitag
2) Im Orig. Piepenpriek
3) Im Orig. Wagner
        <pb n="55" />
        (739) 1861 Mai 10

23

nalvereinler Bürgers. Doch hierüber später. Ich bin so ins Schwät-
zen gekommen, daß ich noch immer nicht bei der Hauptsache bin.
Also nächstens.

Totus tuus.

740. Marx an Engels; 1861 Mai 16.
16. Mai 1361.
Dear Frederick,
Den Gumpert habe ich verfehlt. Erst war ich um 5 Uhr Nach-
mittags in Euston Square, wo ich bis 6 wartete, Später’ ging ich

o nach London Bridge station about 8 o’clock. Jedesmal ohne ihn
abzufassen.

Du bist wohl so gut und schreibst uns, wann Du kommst.

In Bezug auf Dein eignes Verhältnis mit Preußen will ich Dir
vor allem die Ansicht der bedeutendsten Juristen, die ich in Berlin

ıs gesprochen, mitteilen. Alles hängt davon ab, ob Du einberufen
warst oder nicht. Im letztern Fall gehört Dein case als Land-
wehrmann zu dem der gewöhnlichen Zivilgerichte. Es scheint
übrigens, daß die Preußen nur von Deiner Elberfelder Geschichte,
nicht von der Badensischen offiziell Notiz nehmen.

„Ich weiß nicht, ob Du die Augsburger] A [Ilgemeine] Z[eitung]
vom 19. April dieses Jahres gelesen. Darin heißt es wörtlich am
Schlusse der Pariser Korrespondenz:

„Zur Warnung für die Buchhändler wurde „Herr Vogt von
Karl Marx“ auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt, was das

® Erscheinen einer französischen, sehr verkürzten Verarbeitung,
die sich im Drucke befindet, unmöglich macht.“

Ich wollte Dir heut einen weitern Reisebericht abstatten, er-
halte aber soeben Besuch von Herrn Bühring, so daß ich diese Zei;
len abschicken muß.

zo Salut. -
)

ein

K.M..

741. Marx an Engels; 1861 Juni. 9,
9, Juni 1861.
Lieber Frederick,

„Ich habe das-Schreiben.so lang aufgeschoben, weil Weber ‚(der
Pfälzer Uhrmacher) mir einen“ Bericht. über die. Londoner
National-Vereins-Sitzung, worin. Kinkel- so- Sonderliches. erlebt,
und der Weber. als hospitant beiwohnte, versprochen ‘hatte Erst
heut erhalte ich von. ihm das Einliegende. + Aus dem. letzten Her-

f
S— IL,
        <pb n="56" />
        (741) 1861 Juni 9
mann wirst Du gesehn haben, um was es sich handelt, Die defini-
tive Sitzung ist auf nächsten Sonnabend über 8 Tage vertagt. In der
Zwischenzeit ist Juch, mit den supplies dazu von einem deutschen
Citykaufmann ausgerüstet, nach Koburg, um zu bewirken, daß der
Jortige Zentralausschuß des National-Vereins den Zerffi (also
implicite Kinkel) ausstößt, Es ist gottvoll, daß Gottfried das
ganze liberale Bürgertum in der City durch seine Speichelleckerei
vor den Engländern in fanatische Wut versetzt hat. — Auch von
Bonn sind Briefe angelangt, worin dem Gottfried „mit Prügeln“
bei seiner Rückkehr gedroht wird. Das Geheimnis, warum Zerffi ze
(der direkt wohl im Auftrag) und Gottfried für Mac Donald auf-
treten: Gottfried hat eine englische Anstellung als Vorleser bei
dem Kensington Museum, der brave Zerffi bei einer Ashley
(Shaftesbury) Institution. Die einzigen allies des Gottfried sind
die Knoten der „unpolitischen‘“ Gesang- und sonstiger Kneip- z
vereine, Letztre hat Gottfried (wohl mit englischem Geld) in der
letzten Woche massenhaft in den National-Verein eingekauft. (Es
kann nämlich jeder Mitglied des Sauvereins werden, der eine
Karte bei Trübner löst, mit minimum contribution von 3 sh.). Ditto
hat Gottfried eine Privatversammlung gehalten mit seinen Anhän- 2
gern und Deputation an Heintzmann geschickt, der solle (wegen
Verletzung von Gottfrieds Würde) freiwillig seine Präsidenten-
stelle niederlegen oder man werde einen Antrag zu diesem Zweck
stellen. — By the by muß ich nicht vergessen, daß, als der Skan-
Jal im Gang war, mein Freund Rheinländer in den Verein trat 25
(nach Verabredung mit mir) und ein halbhundert Mitglieder
(meist Kommis) aus seinem Islington Gesangverein hineinbrachte,
die den Hauptskandal gegen Gottfried erhoben. — Rheinländer
sagt mir, daß die deutsche Citykaufmannschaft sich noch nie so
fanatisch an einer politischen Sache beteiligt hat. Es wäre unbe- z
zahlbar, wenn Gottfried gezwungen würde, wegen Kriecherei gegen
sine fremde Regierung aus dem Nationalverein auszutreten. Damit
wäre seine Position beim deutschen middleclassgesindel am Ende,
und was ist er ohne die? Gottfried fühlt, daß es sich hier für ihn
um Stehn oder Fallen handelt, und ist daher in seiner Weise tätig. z
Was ihn noch besonders kränkt, daß er jetzt überall hört: „Das
‚Volk‘ und ‚Marx‘ hätten doch Recht gegen ihn gehabt“. Bei einem
Bekannten des Druckers Hirschfeld äußerte er: „Die Schwefel-
bande stecke als unsichtbarer Leiter hinter der ganzen Geschichte.“
[st es nicht schön, daß wir, die keinen Finger rühren, von unsern 4
Feinden mit so mystischer „Tatkraft‘““ ausgestattet werden?

Die zweite Einlage, die ich Dir schicke (und zurück bitte, da
ich antworten muß) ist Brief von der Hatzfeldt. Ich werde mir die
als Privatkorrespondent halten in Berlin, da sie ungleich mehr
politischen Verstand (abgesehn von ihren guten resourcen) hat als 45

Z. 8 (Auch)—14.
        <pb n="57" />
        (741) 1861 Juni9

25

„der das systematische Prinzip seines Gehns in sich selbst
tragende Schritt“. (Lassalle, Band II, p. 545.) (Apropos! Du
und lupus habt doch das L[assalle]sche opus erhalten?) Um Dir
zwei Passus in ihrem Brief aufzuklären, folgendes: In der Blan-
5 quiaffäre habe ich ihr einen Brief von Brüssel (von Denonville)
zukommen lassen. Es handelt sich zunächst um Geld für den
Druck eines von D{enonville] ausgehenden Pamphlets über den —
infamen — Blanquiprozeß. (Debatten etc. und Raisonnement
drüber.) Blanqui selbst hat durch D{[enonville] sich bei mir und
0 der parti proletaire allemand (in partibus) für die Sympathie sehr
warm bedanken lassen. Ich halte es für sehr gut, daß wir mit der
entschieden revolutionären Partei in Frankreich wieder direkte
Verbindungen haben.
Zweiter Punkt: In dem Brief an Ll[assalle], worin ich ihm an-
ws kündete, daß es mit der Zeitung fürs nächste nichts sei, habe ich,
um die Pille zu versüßen, geschrieben, ich käme vielleicht doch
den Winter nach Berlin.

Die Beurteilung der Berliner offiziellen Demokratie durch die
Hatzfeldt ist ganz richtig. Mit dem eigentlichen Volk kommt sie

% natürlich nicht zusammen und kennt natürlich auch den Ton in den
Kneipen nicht, der besser ist.

Besten Dank für den Brief über Amerika. Sollte was wichtiges vor-
fallen (militärisch), so schreibst Du mir wohl immer Deine Ansicht
darüber. Nach dem Bild, das ich mir von General Scott — Jetzt

% zudem 76 Jahre alt — aus dem mexikanischen Krieg (sieh Rip-
ley) gemacht, erwarte ich die größten blunders von ihm, falls der
alte Esel nicht von andern kontrolliert wird. Vor allem Langsam-
keit und Entschlußlosigkeit. Übrigens sehe ich aus den in der
Tribune mitgeteilten Tatsachen, daß der Norden jetzt offen von

zo Sklavenkrieg und Vernichtung der Sklaverei spricht.

Lord Montagu brachte gestern, wie er schon vorher angekün-
digt, in dem Commons auf Anlaß der Schleswig-Holsteiner Affäre
Palmerstons Londoner Protokoll (über die dänische Erbfolge)
von 1850 vor etc. Der Alte griff zu seinem gewöhnlichen Mittel.

zz Montagu hatte kaum mit seiner Rede begonnen, als ihm durch
einen vorher angeordneten count out des Hauses ein Ende mit
Schrecken gemacht wurde.

Ich habe Sonnabend 2 £ Steuern zu zahlen, und es ist mir lieb,
wenn Du mir sie schickst. Anfang Juli bekomme ich

owieder einiges Geld. Daß das Mitgebrachte schon zu Ende
ist, wird Dich nicht wundern, da zu den Schulden, wegen der ich
abreiste, nun beinahe noch 4 Monate — worin keine Einnahme —
hinzukommen, die Schule nebst Doktor allein an 40 £ aufaßen.

Wie ist das mit dem L. Simon, worüber auch einiges am Schluß
des Briefes der Hatzfeldt? War Simon in der Landwehr? Jeden-
        <pb n="58" />
        (741) 1861 Juni9
falls hast Du doch mehr gesündigt als Ludwig (der nirgendwo im
Felde etc.). Ich verstehe die Sache nicht. Gruß an Lupus. —
Dein K.M.
742. Marx an Engels; 1861 Juni 10.
10. Juni 1861.
Lieber Frederic,

Ich habe heute Brief von Wien erhalten. Friedländer verlangt
zunächst von mir 2 Artikel, 1 über die Geschichte in Amerika (wo
ich den ganzen Dreck kurz für 1 oder 2 Leiter politisch und mili-
tärisch zusammenfassen soll) und 1 über die Lage von England.
Später will er mir dann (i. e. nach Empfang dieser Artikel) seine
nähern Vorschläge machen, und zwar soll ich 1 £ für jeden Arti-
kel, 10 sh. für bloße Korrespondenz erhalten. Dies ist gut bezahlt
nach deutschem Maßstab, und ich muß auf die Sache eingehn, car
il faut vivre. Da ich die 2 Probeartikel gern diese Woche schon z
wegsende, so mußt Du mir den militärischen Teil über Amerika
zurechtmachen. Ich verarbeite das dann ins Politische hinein.

Ich habe seit einer Woche ernsthaft mit meinem Buche be-
gonnen. Von Lassalle noch nichts weiter gehört, nur schreibt mir
sein Vetter Friedländer aus Berlin (Lassalle weiß nichts und soll zo
nichts wissen von der Transaktion mit der Presse) folgendes:

„J. Lassalle beschäftigt sich seit seiner Rückkehr aus Breslau
teils mit Regelung Ihrer Indigenats-Angelegenheit, deren befrie-
digende[r] Lösung er nach meiner Meinung durch seinen allzu
großen Eifer und durch seine zu viel beweisende[n] Eingaben Ab- 25
bruch tut, teils füllt er seine Zeit mit Durch- und Vorlesen der
zahlreich eingehenden Dankschreiben von Professoren und: Ge-
heimräten für sein so schönes, so interessantes und so
geistreiches etc. Buch. Diese Briefe geben ihm die beste Ge-
legenheit; Konversation über sein „vortreffliches“. Buch zu machen zo
und so zu beweisen, daß er-ohne jede-Empfindung für solche kleine
Reizmittel ist und nichts weniger kennt’ als Eitelkeit.. Der-armen
Gräfin, welche mit einer bösen Grippe kämpft, wird es immer
ächwerer, ihre offizielle Rolle des Opponenten durchzuführen, und
auch ich fange an, des Sekundierens dabei müde zu werden.“ .- 3

So weit Friedländer.

Über die hiesigen Vorgänge im sog. Nationalverein und Kin-
kels Durchfall dabei schreibe ich Morgen, da ich heute gleich-
zeitig nach Berlin und Wien noch‘ schreiben muß... u

Salut. Gruß än lupus. 0... 2044 4 40

Cavour’s” death? Qu’en-pensez-vous? "Esel Garibaldi..hat sich
blamiert durch Eintrachtsbrief an die Yankees.:...... +4

Dein. KM.

Z. 20 (Lassalle)—21 (Preasse) 90 (Diese) —32.
        <pb n="59" />
        (743) 1861 Juni 12

7

743. Engels an Marx; 1861 Juni 12.
Manchester, 12. Juni 1861.
Lieber Mohr,
Leider hab’ ich keine Zeitungen gesammelt über den amerika-
5 nischen Krieg, und auch sind viele Orte auf der Karte nicht zu
finden. Die Hauptsache ist die:

Der Süden hatte sich im Stillen schon seit Jahren, besonders
aber seit der Präsidentschafts-Wahlaufregung gerüstet, durch den
Verrat von Buchanans Ministern noch im letzten Moment Geld und

vo Waffen en masse erhalten. Bis 4. März war daher der Norden ganz
lahm gelegt. Auch bis zum Fall von Sumter tat Linc[oln] nichts
oder konnte nichts tun, als die paar Linientruppen (im Ganzen
18000 Mann, meist gegen die Indianer im Westen zersplittert)
etwas mehr zu konzentrieren und in Stand zu setzen. Jetzt endlich,
5 nach dem Angriff auf Sumter, war der Norden erregt genug, um
alle oppositionellen Stürme zum Schweigen zu bringen und damit
eine kräftige militärische Aktion möglich zu machen. 75 000 Mann
wurden aufgeboten, die jetzt auf den Beinen sein mögen, aber die
zehnfache Zahl scheint sich angeboten zu haben, und es mögen
% auch bis 100 000 Mann jetzt auf den Beinen sein, wenn auch noch
lange nicht konzentriert. Ein weiteres Aufgebot Lincolns wird
täglich erwartet und wird weniger Zeit erfordern, da Alles jetzt
besser präpariert ist. Die 75000 Mann, oder vielmehr der Teil
von ihnen, der in der Gegend von Washington, am Ohio gegenüber
z5 Kentucky, und in St. Louis (Missouri) steht (also ungerechnet die
Reserven in Ohio und Pennsylvanien), sind hinreichend gewesen,
vor der Hand das Gleichgewicht zwischen den Kräften des Nor-
dens und Südens an der Linie des Potomac herzustellen und sogar
für den Augenblick die Offensive des Nordens auf kurze Entfer-
zo Nung zu gestatten.

Der erste Zielpunkt sowohl des Südens wie des Nordens war
Washington. Die Offensive des Südens dahin war weitaus zu
schwach; über Richmond. hinaus scheint die Hauptkraft schon
nicht mehr zu einem rechtzeitigen Stoß stark genug gewesen zu

; sein. Das einzige, was erreicht wurde, war, eine mobile Kolonne
nach Harper’s Ferry am Potomac, oberhalb Washington, zu sen-
den. Diese Position” ist zu einer Offensive gegen den Norden
(Maryland und Pennsylvanien) ‚vortrefflich geeignet, sie liegt am
Einfluß des Shenandoah, eines bedeutenden Flusses, in den Poto-

w mac, ist. taktisch von großer Stärke und beherrscht beide Flüsse
vollkommen. Das Bundeszeughaus scheint nicht ohne Absicht von
einer eine künftige Sezession voraussehende[n] und begünstigen-

1) Vor Position gestrichen starke.
        <pb n="60" />
        (743) 1861 Juni 12
de[n] Regierung dorthin gelegt. Die Besetzung von Harper’s Ferry
anterbricht die Beherrschung der Potomaclinie durch die Unions-
iruppen an einer empfindlichen Stelle und gibt den südlichen
Truppen, für den Fall, daß sie in Masse bis an diese Linie vor-
dringen sollten, sogleich die vollständige Beherrschung beider

er.

Von der Behauptung Washingtons durch den Norden hing das
Geschick von Maryland und Delaware ab; vom Süden abge-
schnitten, von Unionstruppen besetzt, verfielen sie sofort der
Union. Zweiter Erfolg des Nordens.

Die Wiedereroberung Missouris durch die Deutschen von
St. Louis war der dritte Erfolg, und von enormer Wichtigkeit, da
der Besitz von St. Louis den Mississippi absperrt. Inwiefern die
Neutralität Kentuckys dem Norden oder Süden günstig ist, wird
wohl von Umständen und Ereignissen abhängen. Jedenfalls be- 1
schränkt sie vor der Hand den Kriegsschauplatz auf ” das west-
licher gelegne Gebiet.

Resultat: Also nach allen Vorbereitungen des Südens hat er
weiter nichts erreicht, als daß der Norden, mit nur 1 Monatlichen
Vorbereitung, ihm bereits die Landeshauptstadt und drei Sklaven- z
staaten aberobert hat, und ein vierter Sklavenstaat nicht zu seze-
dieren wagt; daß am Potomac die südliche Offensive zum Stehen
gekommen ist und der Norden bereits über diesen Fluß hinaus-
gerückt ist, bis jetzt ohne Widerstand zu finden. Für jeden Mann
mehr, den der Süden jetzt noch stellen kann, wird der Norden drei %
bis vier stellen. Die sezedierten Staaten haben ca. 7'/, Millionen
Einwohner, wovon über 3 Millionen Sklaven; 1 Million Weiße
muß mindestens wegen Bewachung der Sklaven abgerechnet wer-
den, sodaß kaum 2“; Millionen bleiben als für den Krieg dispo-
nible Bevölkerungsmasse. Wenn von diesen 10° aufgeboten wer- z
den — das stärkste, was wohl je defensiv aufgeboten worden ist —,
gibt es höchstens 250 000 Mann. Soviel kommen aber sicher nicht
zusammen. Die Schweiz, mit etwa gleicher Bevölkerung — etwas
über 2 Millionen —, hat ca. 160 000 Milizen auf dem Papier.
Dagegen zählt der Norden, die freien Staaten allein gerechnet, an %
20 Millionen, die alle disponibel sind, mit Ausnahme etwa von
Kalifornien, Utah und den äußersten westlichen Territorien.
Sagen wir 17 Millionen disponible Bevölkerung, und nehmen wir
nicht 10° davon, sondern nur den dritten Teil, 3*/,°/, als disponibel
zum Angriffskrieg, so gibt das über 500 000 Mann, mehr als hin- #
reichend, den Süden, selhst bei der äußersten Anstrengung, zu er-
drücken. Was das Verhältnis Mann gegen Mann betrifft, so ist
keine Frage, daß die Leute des Nordens denen des Südens phy-
1) Hier gestrichen: Virginien und Carolina.
        <pb n="61" />
        (743) 1861 Juni 12

29

sisch und moralisch bedeutend überlegen sind. Die Rauflust des
Southerners ist bedeutend mit feiger Meuchelmörderei gemischt.
Jeder geht bewaffnet, aber nur, um beim Streit seinen Geg-
nereherniedermachen zu können, als dieser den

s Angriff erwartet. Das ist durchschnittl... [Der weitere Teil
des Briefes fehlt.)

744. Marx an Engeis; 1861 Julı A
1. Juli 1861.
Lieber Frederic,

vo Ich war sehr froh, den lupus hier zu sehn; so die ganze family.
Trotz seiner Gicht sah der Alte ganz jugendlich drein. Er über-
lieferte gleich Deinen Brief und £ 2, die der taxgatherer sofort
erhielt, Ich erwartete heute Morgen einigen supply von Deutsch-
land, ist aber noch nichts arriviert. Da ich vorläufig noch ganz

ıs ohne revenue und dennoch „in a continual course of consumption“
(daraus erklären einige Ökonomen den „Profit“, den sie nicht aus
den Produktionskosten, sondern Konsumtionskosten ableiten), so
alle Manchester Zufuhr sehr erfreulich.

Schreib mir gefälligst gleich, was Du von den Bewegungen

z (militärisch) in Virginien denkst? Die blunders von Milizoffizie-
ren — Brigade-General Pierce, seines Zeugs ein „Schneider“ aus
dem Staat Massachusetts — werden sich natürlich auf beiden
Seiten oft genug wiederholen. Ist Washington noch bedroht?
Glaubst Du, daß die Southernersstellung bei Manassas Junction

zs offensiv? Oder sind die Kerls nicht vielmehr auf der Retirade be-
griffen? In Missouri scheint die Niederlage der Southerners ent-
schieden, und taucht da jetzt auch auf der schreckliche „colonel
Boernstein‘“. Aus einem Privatbrief an Weber ergibt sich, daß
„colonel Willich“ an der Spitze eines corps von Cincinnati. Ins
zo Feld scheint er noch nicht gerückt zu sein.

Bei dem nähern Studium dieser amerikanischen Affäre hat sich
mir ergeben, daß der Konflikt zwischen Süd und Nord — nachdem
der letztre seit 50 Jahren von einer Konzession zur andern sich de-
gradiert hatte — endlich (abgesehn von den schamlosen neuen

ss Forderungen der „chivalry‘“) zum Klappen gekommen durch das
Gewicht, das die außerordentliche Entwicklung der North Western
States in die Wagschale geworfen. Diese Bevölkrung, reich mit
deutschen und englischen frischen Bestandteilen gemischt, außer-
dem wesentlich selfworking farmers, war natürlich nicht so ein-

vw schüchtrungslustig wie die gentlemen von Wallstreet und die Quä-
ker von Boston. Nach dem letzten Zensus (1860) ist sie gewachsen
von 1850-—1860 um 67 p. c. und betrug 1860 7870 869, während
        <pb n="62" />
        "nn

(744) 1861 Juli 1
die gesamte freie Bevölkerung der sezedierten slavestates nach
demselben Zensus about fünf Millionen; Diese North Western
States lieferten sowohl den bulk der Regierungspartei wie den
Präsidenten 1860. Auch war es grade dieser Teil des Nordens, der
zuerst dezidiert gegen jede Anerkennung der Selbständigkeit einer
Southern Confederacy. Natürlich können sie des Mississippi un-
tern Teil und Mündungen nicht fremden Staaten anheimgeben.
Es war auch dieser North Western [States] Bevölkrung, die in der
Kansasaffäre (von der eigentlich der jetzige Krieg zu datieren)
handgemein wurde mit den Border Ruffians.

Eine nähere Ansicht der Sezessionsbewegungsgeschichte er-
gibt, daß Sezession, Verfassung (Montgomery), Kongreß ibid.
usw. alles usurpations. Nirgendwo ließen sie das Volk en masse
abstimmen. Über diese „Usurpation“ — in der es sich nicht nur
um die Sezession vom Norden handelt, sondern um Befestigung 16
und Zuspitzung der Oligarchie der 300 000 slavelords im Süden
gegen die 5 Millionen whites — sehr charakteristische Artikel
'hrer Zeit erschienen in den südlichen papers. ;

Und nun zur großen Politik — Kinkel und Nationalverein in
London. Du erinnerst Dich noch, daß vorigen Samstag vor 8 Tagen z
Heintzmann die Sitzung aufgeschoben hatte (und dies im Her-
mann angezeigt), weil Juch nach Koburg geschickt there to move
a placitum patrum. Gleichzeitig hatte great Heintzmann eine
außerordentliche Sitzung für den Dienstag zur Feier der Schlacht
bei Waterloo etc. anberaumt: %

Der schlaue Gottfried jedoch, zusammen mit Zerffi, erließen
zeheime Zirkulare an ihre Leut (sieh den letzten Hermann) zu
siner Sitzung am Sonnabend. Gottfried und seine Leut’, die nun
das Feld frei hatten, hielten in der Tat hinter dem Rücken der
andern ihre Sitzung. Gottfried (als einer der Vicepräsidenten des 3
National-Vereins, präsidierte und Zerffi (als Comitemitglied des-
selben National-Vereins) sekretarisierte. Es versteht sich, daß
in dieser Sitzung dem Gottfried und Zerfii gefällige Beschlüsse
mit Bezug auf die Mac Donald Geschichte usw. gefaßt wurden.
Am folgenden Dienstag nun ließ Heintzmann das Protokoll vor- ss
lesen der letzten Sitzung, in der er präsidiert hatte, und tat, als
wisse er gar nicht, daß Gottfried und Konsorten in der Zwischen-
zeit eine Sitzung abgehalten. Auch trugen die anwesenden Gott-
fried und Zerffi nicht auf die Verlesung des bezüglichen Proto-
kolls an, nahmen überhaupt mit keinem Wort Bezug auf die von «
ihnen selbst arrangierte Sitzung. Wohl aber schrieb Gottfried den
folgenden Tag an Juch mit dem Ersuchen, das in dem Brief von
ihm eingelegte Protokoll über die Gottfriedsitzung im Hermann
abzudrucken. Er bezog sich sogar drohend auf ein Abkommen,
das er beim Überlassen des Hermann mit Juch getroffen. Letztrer «

10

zZ. 20—47
        <pb n="63" />
        (744) 1861 Julil

31

sagte jedoch, „quod non“ (sieh letzten Hermann). Vorgestern
nun muß der Skandal in der Sitzung des National-Vereins in Seyds
Hotel zur Sprache gekommen sein. Ich habe jedoch noch keinen
Bericht darüber erhalten.

5 Du hast davon eine Art Probe von dem „Machiavellismus Gotto-
fredi Magni‘“, Du wirst ferner aus dem letzten Hermann, Sitzung
des National-Vereins, ersehn, daß Blind — so voll von kleinen
Ränken wie ein Hund von Flöhen — den „Dralle‘“ gekeilt,. um
sich ein Dankvotum als Schleswig-Holstein-Retter zu erhaschen.

1 Dies jedoch capped by Heintzmann, der Dralles motion gar nicht
zur Abstimmung kommen ließ. Derselbe summus Blind ließ durch
einen Zwischenträger anfragen bei Weber etc., ob er bei dem zu
Ehren der Juniinsurrektion von dem deutschen Kommunisten-
verein und Franzosenvereinen zusammen gehaltnen Meeting „als

ız Sprecher auftreten“ solle? Erhielt aber zur Antwort: Wenn er
Keile erhalten wolle — ja.

Ad vocem Lassalles Werk:
Lupus hat mir sein Exemplar geschenkt zu folgender Ver-
fügung: daß Du es nämlich schickst an meinen Vetter unter der
zo Adresse: „A. Philips, Advokaat. Keizergracht by de Wester-
markt. L. L. 267. Amsterdam.“. Du mußt natürlich L[as-
salle]s Zueignung an lupum auskratzen. Mein Vetter interessiert
sich für theoretische Jurisprudenz.
Du selbst, um einen Schmack zu bekommen — sowohl von

z% dem, was abgeschmackt als was gut ist in L[assalle]s Buch, lies
einstweilen Vorrede von Band I und von Band II Abschnitt XLI,
beginnend p. 517.

Salut.
Dein

K. M.

745. Engels an Marx; 1861 Juli 3

3. Juli 1861.
Lieber Mohr,

Deine Fragen über den Stand der Dinge in Virginien sind leich-
ter gestellt als beantwortet. Ob Washington noch bedroht? Un-
;; mittelbar nicht, sonst hätten die Southerners nicht soviel Terrain
geräumt; aber man weiß ja nicht, in welchem Verhältnis die Streit-
kräfte stehn. Sollte der erste Hauptangriff der Nlortherners] ent-
schieden zurückgewiesen werden, so ist nicht zu sagen, was pas-
siert, da man nicht weiß, wo sie wieder zum Stehn kommen. Indes
“ ist doch 3 : 1, daß der Potomac auch dann ein hinreichendes Hin-

dernis sein würde.

FE

SO.

31 (Du) —22.
        <pb n="64" />
        (745) 1861 Juli3

Stellung bei Manassas Junction — bedingt durch die Not-
wendigkeit der Southerners, ihre Verbindung mit Nordwestvirgi-
nien durch die Eisenbahn nach Paris und Straßburg zu erhalten.
Geht Manassas Junction verloren, so ist ihre nächste Eisenbahn-
kommunikation mit Westvirginien (jenseits der Berge) die von
Richmond über Gordonsville auf Staunton — 80 Meilen süd-
licher; sie verlieren die Chance, ihre Reserven in erster Linie un-
mittelbar hinter der Aufstellung rasch von Westen nach Osten etc.
je nach Bedürfnis zu befördern, und was in Westvirginien ist,
kann abgeschnitten oder weitab gedrängt werden. Dies die Be- ıo
deutung der Position — ob sie taktisch von irgend welcher Bedeu-
tung, kann ich nicht sagen, die Karten lassen gar nichts schließen.
Überhaupt wird sich der Krieg in Westvirginien zunächst um die
Eisenbahnknoten drehn.

Die Geschichte bei Big Bethel hat nichts zu bedeuten; taktisch 6
greulich mismanaged; mit solchen Freiwilligen einen nächtlichen
Angriff, und gar noch in getrennten Kolonnen, zu machen, konnte
aur in Konfusion, gegenseitigem Totschießen und Davonlaufen
endigen.

Dagegen scheint Zerlei im Norden schlecht gemacht zu wer- z
den: 1. es scheinen die Massen neugebildeter und vollständig
mobiler Korps gar nicht herangezogen zu werden, man läßt sie
4—8500 Meilen vom Kampfplatz ruhig stehn, während sie am
Potomac unbezahlbar wären — und 2. Brave old Scott scheint
wieder kolossale Umzingelungspläne zu haben, die zu nichts als 25
zu kolossaler Truppenzersplitterung führen; in wieweit dies zu
Niederlagen führen kann, bei der Bummelwirtschaft und den un-
bekannten Helden des Südens nicht zu bestimmen.

Was ist das mit dem Nichtabstimmen über die Sezession? Hier
stand überall in den Blättern, daß Volksabstimmungen die Kon- z
ventsbeschlüsse in jedem Staat ratifiziert hätten. Laß mich wissen,
wie’s mit il capitano chi’l gran Sepolcro libero di Cristo, Gof-
iredo il Magnanimo in der Affaire weiter gegangen.

Inliegend SL 62 585, fünf Pfund Liverpool, 12. Mai 1860.

Ich will sehn, ob ich nicht gegen Ende der Woche weiteres 35
schicken kann.

Wie ist’s Lupus auf der preußischen Gesandtschaft gegangen?

Viele Grüße an die ladies
Dein F. E.

Z. 31 (Laß) —33.
        <pb n="65" />
        (746) 1861 Juli5
746. Marx an Engels; 1861 Juli 5.

33

5, Juli 1861.
Lieber Engels,

Den Brief nebst Einlage von £ 5.dankbarst erhalten.

Seit 3 Tagen habe ich eine eklige Augenentzündung, die mich
in allem Schreiben und Lesen hindert. Doch denke ich geht das in
ein paar Tagen vorüber.

Lupus fand die größten Hindernisse bei Alberts. (Dieser,
nebenbei bemerkt, ist das Faktotum des Bernstorff. Dabei Haupt-

o polizeiagent und Haupthurenkuppler für die vornehmeren preu-
Bischen Reisenden.) Setzte es aber mit der ihm eigenen Grob-
heit schließlich durch, daß Alberts auf den Schweizer Paß einen
langen Wisch setzte, daß lupus verbannt, zu dem und dem Zweck,
von der Amnestie Gebrauch machend etc., nach Wiesbaden gehe

ss etc. Ursprünglich, sagte er ihm, wegen seines 10jährigen Aufent-
halts im Ausland — dies ist also die allgemein ausgeteilte Parole
— habe er sein preußisches Bürgerrecht verloren. Er solle sich
also als Engländer naturalisieren lassen und auf einen englischen
Paß reisen.

»„ Zedlitz, by the by, sagte noch kurz vor seinem Abtritt dem
Lassalle: Ich hätte republikanische, mindestens antiroyalistische
Gesinnung, und es sei ein für allemal ihr Prinzip, Niemanden
von dieser couleur zu renaturalisieren. Sie wollten in meinem case
kein praecedens zulassen. Winter, des Zedlitz Nachfolger, sagte

% dem Ll[assalle]l, er könne die Entscheidung seines Vorgängers
nicht umwerfen. Endlich Schwerin, den Lassalle ebenfalls be-
lästigte, um ihn los zu werden, sagte, er werde die Sache dem Ber-
liner Magistrat überweisen — was er jedoch nicht tun wird.
Während der Kammerverhandlung über die Flüchtlingsangelegen-

2 heit klatschten Vincke et Cons. Beifall, lauten, bei der Erklärung
Schwerins, die Regierung werde sich stets vorbehalten, in jedem
besondern Fall nach Belieben zu entscheiden.

Was die Sezessionsgeschichte betrifft, so ist die Angelegenheit
in den englischen Blättern ganz falsch dargestellt worden. Außer

; Südcarolina war überall der stärkste Widerstand gegen die Sezes-
sion.

Erstens: Borderslavestates. Im Winter 1861 wurde
eine Borderstate Convention gehalten. Zu dieser waren eingeladen
Virginia, Kentucky, Arkansas, Maryland, .Delaware, Tennessee

% und North Carolina. Zu diesem Zweck wieder Conventions, in
diesen einzelnen Staaten gehalten, um Delegates zu der General
Convention zu schicken.

Delaware verweigerte sich, auch nur eine Konvention
zu diesem Zweck zusammenzuberufen,

Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 3
        <pb n="66" />
        LE

(746) 1861 Juli5
Tennessee ditto. Seine demokratische Legislature nahm
es durch coup de main aus der Union heraus. Allerdings spä-
ter election held, um diesen invalid act zu ratifizieren. Diese fand
unter einem reign of Terrorism statt. Mehr als */s stimmte gar
nicht. Von dem Rest */s gegen Sezession, u. a. ganz East Tennessee,
las in diesem Augenblick gegen die Sezession waffnet.

Kentucky. 100000 für das Union ticket: nur ein paar Tau-
send für Sezession.

Maryland erklärte sich für die Union, wie es auch jetzt zu
members of Congress 6 Unionmen gewählt hat. 16
North Carolina und sogar Arkansas wählten Union
Delegates, das erstre sogar mit starker Majorität. Später terrori-

slert.

Virginia. Das Volk wählte eine Union Convention (der
Majorität nach). Teil dieser Kerls ließ sich kaufen. In der Höhe zs
des Südfiebers — Fall von Sumter — eine Ordinance of seces-
3ion passed secretly by 88 to 55. Alle andern Schritte —
während die Ordinance noch geheim gehalten wurde — zur cap-
ture des Federal Navy Yard at Norfolk und der Federal Armory
at Harper’s Ferry im Geheimen. Wurden den Federal authorities 20
verraten bevor ihrer execution. Allianz mit Jeff[erson] Davis’
Government im Geheimen geschlossen und große Massen von
Confederate troops plötzlich ins Land geworfen. Unter deren Pro-
;ektion (echt bonapartistisch) nun für Sezession gewählt. Den-
noch 50000 Union votes, trotz des systematic terrorism. North 2%
Western Virginia nun, wie Du weißt, sich offen von der Sezession
getrennt.

Zweitens: Gulfstates. Eigentliche Volksabstimmung
[and nur in einigen Staaten statt. In den meisten usurpierten die
Conventions, gewählt, um über das Verhalten der Süd- &amp;
staaten zu Lincolns Wahl zu beschließen (— sie formierten später
auf dem Montgomery-Kongreß ihre Delegates —), die Macht,
aicht nur die.Sezession zu beschließen, sondern auch die Konstitu-
tion, Jefflerson] Davis etc. anzuerkennen. Wie es dabei herging,
wirst Du aus den mehr unten folgenden Auszügen aus südameri- 35
sanischen Blättern sehn.

Texas, wo nach Südcarolina die größte slave party und
terrorism, dennoch 11 000 Stimmen für die Union.

Alabama. Das Volk weder abgestimmt über Sezession, noch
lie neue Konstitution etc. Die hier gewählte Konvention passed «
die Ordinance of Secession mit 61 gegen 39 Stimmen. Die 39
von den Northern Counties, fast nur von Weißen bevölkert, reprä-
sentierten aber mehr free men als die 61; nach der United
States’ Constitution nämlich wählt jeder Sklavenhalter
zugleich für */s seiner Sklaven.
        <pb n="67" />
        (746) 1861 Juli 5

35

Louisiana. Wurden mehr Unionvotes als Secessionsvotes
bei der Wahl für die Delegaten zur Konvention gegeben. Aber die
Delegates liefen über.

Der Westen von Carolina, Osten von Tennessee, Norden von

5 Alabama und Georgia, Bergdistrikte sehr verschiedner Interessen
von denen der südlichen swamps.

Der 2te Dezembercharakter des ganzen Sezessionsmanövers
(die Kerls daher auch gezwungen, den Krieg zu provozieren, um
unter dem Schrei „The North against the South‘ die Bewegung in

vo Gang zu halten), den Du aus den nachfolgenden Exzerpten siehst,
noch dadurch offenbar, daß die Verräter in Buchanans Admini-
stration, die an der Spitze der Bewegung standen —- Kriegsmini-
ster Floyd, Marineminister Toucey, Finanzminister Cobb, Mini-
ster des Innern Thompson —, zusammen mit den Hauptsenatoren

ıs des Südens, auf das Tiefste involviert waren in den auf viele Mil-
lionen sich belaufenden dilapidations, die im Laufe des
Dezember 1860 der Kongreß (Repräsentantenhaus) einem Com-
mittee zur Inquiry übergeben hatte. Für Teil dieser Kerls wenig-
stens galt es, sich vom Zuchthaus zu retten. Daher sie die willig-

z sten Werkzeuge der 300 000 slave holder Oligarchie. Daß letztre
durch ihre Konzentration, Stellung und Mittel fähig, für den
Augenblick jede Opposition to put down, selbstverständlich. In
einem Teil der „poor whites‘“ fanden sie den mob, der ihnen die
Zuaven ersetzte.

# Georgia „The Griffin Union“: „It is mere mockery
for the same men who made the Constitution in Montgomery to
come back to Georgia und ratify it under the name of a state con-
vention.“ „The Macon Journal“: „The State Conventions
‚+. called for another purpose .. . assume that they are the people,

zo and under such an assumption of power can appoint delegates to
a General Convention without consulting the people. All the
acts of the Congress of their Confederacy are
passed in secret session with closed doors, and
what is done is kept from the people.“ „The Augusta Chro-

snicle and Sentinel“ (größtes Georgia-paper): „The
whole movement for secession, and the formation of
a new Government, so far at least as Georgia is concerned (und
Georgia der volksreichste der Sklavenstaaten), proceed on only
a quasi consent of the people, and was pushed through,

wo under circumstances of great excitement and frenzy — by a
fictitious majority. With all the appliances brought to bear
etc., the election of the 4th of January showed a falling off of nearly
3000, and an absolute majority of elected deputies of 79. But,
upon assembling, by wheedling, coaxing, buying, and all the

« arts of deception, the convention showed a majority of 31 (against

a*
        <pb n="68" />
        36

Union) ... The Georgia Convention and the Confe-
derate Congress have gone forward in their work, as none
can deny, without authority from the people.“

Alabama. „The Mobile Advertiser“: „The Conven-
tion has adopted the permanent Constitution in behalf of the State
&gt;f Alabama. ... The great fact stands forth that the delegates
were not chosen for any such purpose.“ „The North Alaba-
mian‘“; „The Convention made haste to usurp the prerogative,
and ratify the Constitution. ... It is a remarkable fact, that the
substantial, physical force of the country, the hardfısted, hand- ı0
working men, expected to do .all the fighting when the country
calls, were from the beginning opposed to the
Irdinance of Secession.“

Mississippi. Ähnliche Klagen über Usurpation in „Jack-
son Mississippian“ und „Vicksburg Whig“. 15

Louisiana. „New Orleans True Delta“: „Here se-
zession succeeded only by suppressing the election returns.
‚.. the government has been changed into despotism.“ In
der State Convention von Louisiana (New Orleans) vom
22. März 1861 sagt old Rosalins (einer der Hauptpoliticians 20
der United States): „The Mongomery instrument . . . did not in-
augurate a government of the people, but an odious and un-
mitigated oligarchy. The people had not been permitted
to act in the matter.“

In Louisville, Kentucky, sagt 16. März 1861 Senator 2
Guthrie (Proslaveryman, Finanzminister unter Pierce): das
ganze movement sei ein „plot“ und „usurpation‘“. U. a.: „In
Alabama a majority of the popular vote was cast against going
out, but a small majority of the delegates were for secession, they
took Alabama out, and refused the people to have any voice in the zo
matter. The vote of Louisiana, too, was against secession, but the
delegates suppressed it etc.“
Dein K. M.

7/47. Marx an Engels; 1861 Juli 12.

12. Juli 1861. %
Lieber Engels,
Den letzten Brief nebst Einlage oder vielmehr die Einlage
ohne Brief dankbarst erhalten.
Die große Tragikomödie mit Gottfried Kinkel ist zu einem
würdigen Schluß gekommen und poor Gottfried aufs Haupt ge- 4
schlagen worden.

Sr
        <pb n="69" />
        (747) 1861 Juli 12

37

Um kurz das Große zusammenzufassen, war dies der wahre
Verlauf der Sache: Am 15. Juni hatte Gottfried und Co., wie ich
schon berichtet, eine Sondersitzung auf eigne Faust gehalten,
worin sie die ihnen selbst angenehmen Beschlüsse faßten. Am

5 18. Juni fand außerordentliche Sitzung unter Heintzmann statt ”,
wo die große Streitfrage nicht auf der Tagesordnung war, indem
immer noch das Antwortschreiben von Koburg abgewartet wurde.

Endlich am 6. Juli fand die entscheidende Sitzung statt, die
Antwort von dem Orakel zu Koburg having meanwhile arrived.

o Die ganze Streitkraft beider Parteien war zugegen, auch die von
Gottfried bar eingekauften 35 Mitglieder des Bundes deutscher
Männer. Vor dem Sitzungstag hatten jedoch schon bedeutende
Agitationen stattgefunden. So z. B. war der „Bund deutscher
Männer“ von Heintzmann et Cons. haranguiert und informiert

ss worden über Gottfrieds Umtriebe. Der Präsident dieses Bundes,
ein shipagent Namens Schmidt (Hannoveraner), war natürlich
auf die „patriotische‘““ Seite übergetreten.

Heintzmann — by the by — verfolgt natürlich das doppelte
Interesse: einerseits der preußischen Regierung angenehm aufzu-

z fallen, und zweitens womöglich sich hac via für die kommende
Industrieausstellung irgendein wichtiges trustive Amt von besag-
ter Regierung zu erschnappen. Der Kerl, wie ich höre, soll in
echter grober königlich preußischer Elberfelder Prokuratorma-
nier sein Präsidentamt versehn haben. Dies allerdings dem melo-

% 5 dramatischen Gottfried gegenüber das Richtige.

Also nach Eröffnung der Sitzung (am 6. Juli) ließ Heintzmann
die Protokolle vom 8. und 18. Juni verlesen. Weder Kinkel noch
Zerffi wagten auch nur anzutragen, daß ihr Protokoll vom 15. ver-
lesen werde. Sie geben so also die Illegalität der von ihnen heim-

zo lich veranstalteten Sitzung zu. Dann verlas Heintzmann den Brief
von Koburg. Das Orakel von dort schrieb: Ausstoßen aus dem
Verein könne allerdings nur der Coburg Senat; dagegen aussto-
ßen aus comit&amp; (um das es sich bei Zerffi handle) sei Lokalsache,
also in London zu entscheiden.

s Nun traf es sich aber, daß am 8. Juli überhaupt neue Beamten-
wahlen des Londoner National-Vereins. Daher angenommen der
Antrag von Schmidt, zur Tagesordnung überzugehn und durch die
Neuwahlen selbst die Sache zu entscheiden.

Gottfried hielt sehr lange Rede und betrug sich überhaupt in

x melodramatisch aufgeregtester Weise. Die paar Haare, die er auf
dem Kopf hat, sträubten sich beständig gegen Himmel. Gottfried
war abwechselnd bitter und drohend und suchte sogar stellenweis
das ihm so ganz fremde Gebiet der Ironie, Während er sprach,
fortwährend der größte Tumult. Zischen. Namentlich häufig auch
1) Im Orig. stand

Ur. 747
        <pb n="70" />
        38_

der Ruf: „Gottfried“, was ihn immer schmerzlich chokiert. Das
Sonderbarste soll gewesen sein, daß Gottfried im Fortgang der
Debatte, auch nachdem er nicht mehr am Wort, beständig auf-
sprang, um zu unterbrechen; dann aber Heintzmann mit drohend
erhobnem Arm — durch bloßen Gestus — ihn wieder auf seinen
Sessel zurückwarf.

In der Wahl Gottfried und seine ganze Bande völlig geschlagen.
Bei der Präsidentenwahl hatte Heintzmann 133, Gottfried 5 Stim-
men. Also selbst die von ihm gekauften Kerls stimmten größten-
ieils gegen ihn. Sobald dies Resultat proklamiert, soll er in x
„würdevollster‘““ Weise sich als eine Synthese von „sterbendem
Fechter““ und „gehangnem Christus“ exhibiert haben. Hat Gott-
iried das um „sein liebes Deutschland“ verdient?

Zwischenher hat aber Molch Blind — der natürlich als „Repu-
blikaner“ kein Mitglied des National-Vereins — durch Kriecherei, 15
Mogelei und Anstellerei aller Art es dahin gebracht, daß ihm in
den beiden Sitzungen des National-Vereins vom 15. Juni und
8. Juli Hochs als dem tapfren und patriotischen Vorkämpfer
Schleswig-Holsteins gebracht wurden.

So viel über diesen Froschmäuslerkrieg. Du wirst gesehn haben, z0
daß selbst der Kladderadatsch ein paar Späße gegen den edlen
Dichter gebracht.

Salut!
Dein

K.M.

7/48. Marxan Engels; 1861 Juli 20.
20. Juli 1861.
Lieber Engels,

Ich glaube nicht, daß Du Dich an die preußische Gesandtschaft
zu London wegen eines „Führungsattestes‘‘ wenden kannst, ohne
den Kerls ein sehr kompromittierendes Dokument Deinerseits in 30
lie Hand zu spielen.

Weder nach preußischem noch internationalem Recht ist die
preußische Gesandtschaft eine Aufsichtsbehörde, die testimonia,
sel es über die Führung von Ausländern oder Preußen, auszu-
stellen hat. Nur soweit sie Pässe ausstellt, hat sie darauf zu sehn, 35
ob einer entweder notorisch durch gerichtliches Urteil oder durch
rumor publicus als Verbrecher konstatiert ist. Im Übrigen ist sie
supposed to know nothing über private individuals. Was sie weiß,
weiß sie per abusum als Moucharderieinstitution. Ein Führungs-
attest von ihr also gleich einem Führungsattest von der gesetz- 4
widrig (und daher offiziell nicht existierenden) ge-
heimen politischen Polizei sub auspieiis des Gesandt-

Nr. 547
        <pb n="71" />
        (748) 1861 Juli20

39

schaftsschreibers Alberts. Du kannst aber eine solche Behörde
nicht anerkennen, und der Polizeidirektor in Barmen würde in
große Verlegenheit kommen, wenn Du ihn ersuchtest, Dir den
Paragraph des Preußischen Gesetzbuchs anzugeben, wonach die

; Preußische Gesandtschaft in London dergleichen Attribute besitzt.

Anders verhält es sich mit dem preußischen Consul in Man-
chester, Die Consuls sind kommerzielle, nicht politische Reprä-
sentanten ihres Staats. Sie sind also supposed, die Kaufmann-
schaft ihres Orts, und namentlich die ihrer eignen Nationalität

9 angehörige, zu kennen. Sie können also ein Attest darüber geben,
daß X. X. in Manchester seit 10 Jahren als respektabler Kauf-
mann lebt und bekannt ist. Ein andres Zeugnis zu verlangen hat
die preußische Regierung überhaupt nicht das Recht und wird sie
sich hüten, offiziell zu beanspruchen. Das aber kann sie ver-

5 langen, da Du durch das Gesuch der Renaturalisation mit for-
eigners auf einer Stufe stehst, von denen bei ihrer Naturalisation
in Preußen dergleichen Zeugnisse etc. beansprucht werden können.

Irgend ein Zeugnis über Deine politische Führung hat
die preußische Regierung eben so wenig das Recht zu fordern,

% als etwa ein von Dir selbst ausgefertigtes politisches Glau-
bensbekenntnis.

Von Wien habe ich noch nichts weiter gehört, eben so wenig
von Dana, obgleich letztrer mir die Tribune wöchentlich zu-
schickt.

% Brockhaus will sich erst definitiv entscheiden, nachdem ihm
das Manuskript zugeschickt ist. Dies ist keineswegs angenehme
Bedingung, da er das Manuskript dort seinen Eseln von literari-
schen Ratgebern zur Beurteilung vorlegen wird. Ich komme übri-
gens nicht so rasch voran, als ich wünschte, da viel häuslicher

% trouble.

Hast Du irgend etwas von Lassalles Buch gelesen? Hast Du das
Buch meinem Vetter geschickt? Letztres mir wichtig, da ich der
bons offices dieses Jünglings sehr bedarf.

Lassalle und die Gräfin sind in einem Bad bei Frankfurt a. M.

% Ein Polenemissarius — der mir zugleich von Schily ein ganzes
Paket noch nicht durchgelesener Brief von J. Ph. Becker brachte
— war bei mir. Hat mich nicht wieder besucht, da der klare Wein,
den ich ihm über die schlechten Aussichten irgend einer conspiracy
in Preußen in diesem Moment einschenkte, wohl nicht geschmeckt

“ hat. Du erhältst die Beckerschen Schriftstücke, sobald ich. sie
durchgelesen; ditto ein Schreiben L[assalle]s an mich, sobald ich
es beantwortet habe,

Nichts von lupus gehört?

Salut.
(a

x

K.M.
        <pb n="72" />
        (749) 1861 Aug.3
749. Marx an Engels; 1861 August 3.
3. August 1861.

Lieber Frederick,

In aller Eile zeige ich Dir den Empfang der £ 5 dankbarst an.

Ein Saublättchen ist mir gestern zugeschickt worden mit dem %
Titel „Thusnelda“ — von Kinkel und Zerffi gegen Heintzmann
at Cons. Etwas kreuzdumm schulbubenartigeres mir selten zu Ge-
sicht gekommen.

Ehren-Heinrich Bürgers hat nationalvereinliche Rede im GCür-
zenich gehalten und alles zitterte vor Wollust, als er den Namen zo
les edlen Gothaers aushauchte.,

Der Schöne Wilhelm scheint rein verrückt. Der Bengel studiert
Foliobände über die Krönung von Friedrich I.

Heb mir die Thusnelda, die ich mitschicke, auf.

Einliegend auch ein Beitrag zum counting out of the House 16

the occasion of the Danish Question.

Salut.

In

Dein

M.K.

750. Marx an Engels; 1861 September 28.
28. September 1861. ze
Dear Frederick,

Unser Kleinstes hatte seit meiner Rückkehr Gelbsucht. Sein
Zustand war schon seit lange nicht befriedigend. Seit gestern ist
Jas Gelbe aus den Augen verschwunden und sind alle Zeichen der
Wiedergenesung eingetreten. %

Ich habe diese und vorvorige Woche je einen Artikel an die
Tribune geschickt. In zwei Wochen wird sich zeigen (einst-
weilen fahre ich mit einem Artikel per Woche fort), ob die Sache
in dieser Art vorangehn kann.

Die Wiener Presse, wie ich aus dem Times-Corre-z
spondent von gestern ersehe, hat endlich ‚eine Schwenkung
gegen Schmerling gemacht, und so wird es jetzt vielleicht möglich,
mit dem Blatt anzubinden.

Kolatscheks „Stimmen der Zeit“, in der Nummer, die kommen-
den Montag in London ankommt (Kolatschek hat das nämlich zs
dem Borkheim geschrieben). bringt eine eigne Beilage über „Herr
Vogt“.

Besten Dank für die Manchester „Cuardians‘“ (mir nament-
lich jetzt sehr nützlich) und die British Association publication.

Anfang dieser Woche kam hier an — in Garibaldi officer Uni- 4
form, von Schily empfohlen, ein junger Offizier Namens E. Os-

Nr. 749, Z. 22—25.
        <pb n="73" />
        (750) 1861 Sept. 28 an

An

wald”, War früher preußischer Leutnant, trat als Freiwilliger bei
Garibaldi ein, wurde unter Medici zum Leutnant befördert. Nach
der Auflösung der G{aribaldi]schen Armee ging er nach Paris,
wo er, um sich durchzuhelfen, als Arbeiter in eine Fabrik eintrat.

5 Jetzt hier, um nach Amerika zu gehn, dort an dem Kampf teilzu-
nehmen. Was er braucht, sind die Speditionsgelder. Von hier
geht wöchentlich ein Segelschiff nach New York, kostet nur 6 £ St.
5 £ will Borkheim für sich und ein paar Bekannte stellen. Es
gälte also noch in Manchester durch einige liberale Philister (Bor-

0 chardt etc.) eine kleine Summe zu Stande zu bringen, teils um das
Überfahrtsgeld herauszubringen. In den 6 £ sind aber die Lebens-
mittel nicht eingeschlossen. Borkheim wandte sich d’abord an
Kinkel, um von den Revolutionsgeldern die Reisemittel für Os-
wald ” aufzubringen. Aber Gottfried sagte: quod non. (Es war

16 dem Borkheim von Zürich aus gelungen, auf diese Weise dem
Anneke die Reisegelder nach Amerika zu schaffen.) Die Ameri-
kanische Gesandtschaft gibt auch keinen farthing. Oswald ” scheint
mir ein vorzüglicher junger Mann, dabei durchaus anspruchslos.
Wäre er einmal in New York, so wird ihm meine Rekommandation

z an Dana sehr nützlich sein. Jedoch müßte die Sache rasch ins
Werk gesetzt werden, da der Londoner Aufenthalt bloß faux frais
de production.

Oswald” sagte, daß Türr auch militärisch keinen Pfifferling
wert sei, Reiner Intrigant. Es waren hauptsächlich Empfehlungen

2% eines dem Garibaldi befreundeten Italieners, mit dem Türr früher
zusammen, namentlich aber seine Rolle als „representative of
Hungary“, wegen deren ihn G[aribaldi] hielt. Wo er ihn irgend-
wie selbständig militärisch verwendet, soll er unzufrieden mit ihm
gewesen sein. Auch Rüstow soll sehr wenig oder gar keinen An-

z teil an der Sache gehabt haben. Er hatte offiziell die Charge als
„Geschichtschreiber“ des Kriegs. Von Garibaldi, sagt Olswald],
daß er wesentlich Guerillaführer, aber mit einer größern Armee
und auf einem größern Terrain nicht zu wirtschaften wisse. Seine
strategischen Ratgeber seien Cosenz und Medici.

Wann gehst Du nach Deutschland?
Besten Gruß von der ganzen Familie. Gruß an lupus, Gumpert
Dein K.M.
Meyens Probenummer von der „Berliner Reform“ gesehn.
Reine oder vielmehr schmutzige Scheiße.

o Apropos! Soeben erhalte ich einen Brief meiner Nichte,
wonach August Philips zu Amsterdam immer noch nicht den
Lassalle erhalten hat. Willst Du nachsehn, ob er vom Büreau fort-
geschickt worden ist?

75) Im Orig. Osswald

5

Z. 6 (Von)-—22.

41—44
        <pb n="74" />
        (751) 1861 Okt. 30
751. Marx an Engels; 1861 Oktober 30.
30. Oktober 1861,
Lieber Engels,

Endlich haben sich die Verhältnisse so weit cleared, daß ich
wenigstens wieder festen Boden unter den Füßen gewonnen habe
and nicht mehr rein in der Luft schwebe. Du weißt, daß ich kurz
nach der Rückkehr von Manchester wieder anfıng, sobald ich den
Augenblick günstig hielt, an die Tribune zu schreiben, einmal
wöchentlich. Mit vergangner Woche hatte ich ihnen 6 Artikel ge-
schickt. Mit der letzten Post kamen denn auch die 2 ersten x
Artikel gedruckt zurück, der erste (3 Spalten lange über die eng-
lischen Urteile über United States) in prominent place und an der
Spitze des Journals besonders referred to. Diese Sache ist also
so weit in Ordnung, und damit sind 2 £ per Woche gesichert.

Zweitens hatte ich, wie du weißt, schon von Manchester aus 25
an die Wiener „Presse“ um „Auskunft“ geschrieben. Vor 3 Wo-
chen ungefähr erhielt ich Antwort, die mir politisch ganz ge-
nügend war. (Das Blatt hat seinen Schmerlingstandpunkt in der
Zwischenzeit modifiziert.) Zugleich verlangte Friedländer (seines
Eigentümers Zang wegen) 2 Probeartikel. Die habe ich nun ge- 20
liefert und erhielt gestern Morgen Antwort, 1. daß die Artikel
mit zugehöriger Reklame an der Spitze des Blatts erschienen,
2. daß ich von November an regelmäßig engagiert bin, 1 £ per
Artikel, 10 sh. per Korrespondenz.

Wegen der Tribune werde ich mit dem Wechselziehn erst einen 2
Weg finden müssen, da es schwerlich ferner durch Freiligrath
gehn wird,

Sonst ist mit diesem doppelten Engagement die Aussicht ge-
sichert, dem gehetzten Leben meiner Familie während des letzten
Jahrs ein Ende zu machen, auch das Buch jetzt zu End zu bringen. zo
Obgleich ich durch Dich befähigt war, die dringendsten Schufte
Anfang September zu befriedigen, so blieb die Hetze doch un-
erträglich genug und ging während Oktober wieder crescendo. Ich
schreibe mit diesem Brief gleichzeitig an meine Alte, um zu sehn,
&gt;»b etwas aus ihr herauszupressen. Ebenso versuche ich, ob es mir z
gelingt, bei einer loan society einiges aufzutreiben. Es kömmt
mir natürlich nun alles darauf an, einige Ordnung in die Affären
zu bringen, bis die Summen von New York und Wien worth draw-
ing sind, vor allem Ruhe zum Arbeiten während der Zwischen-
zeit, die noch verfließen muß, zu haben. Wir haben in der mean 40
time alles nicht Nagelfeste versetzt, und was mir noch fataler,
meine Frau ist ernsthaft unwohl. Den bloßen Druck der gegenwär-
tigen Plackereien ertrug sie tapfer, aber die gänzliche Aussichts-
        <pb n="75" />
        (751) 1861 Okt. 30

43

losigkeit schlug sie nieder. Die günstigen Nachrichten von Wien
und New York haben unterdes schon eine günstige Reaktion her-
vorgebracht.
Mit Kolatscheks „Stimmen der Zeit“ hatte Borkheim sich
s und mich sonderbar getäuscht. Die Nr. 39 brachte allerdings
einen Bogenlangen Beitrag „K. Vogt und K. Marx“, aber geschrie-
ben vom „Gemeinsten der Gemeinen“ — Studiosus Abt, Genfer
Angedenkens. Nachdem er auf den ersten 2 Seiten den eigent-
lichen Inhalt meiner Schrift anerkannt hat, schimpft er auf den
o andern 14 Seiten auf das Tollste und Gemeinste von wegen der
„Bürstenheimer“ gegen mich und namentlich gegen Schily und
Imandt. Am Schluß erklärt er: wenn ich nicht widerrufe, werde
er mich „an der einzig verwundbaren Stelle, die ihm bekannt sei“,
fassen und in einer Weise kompromittieren, „die ich bereuen
ıs werde“. Natürlich nehme ich nicht die geringste Notiz von dem
Lumpazius. Herr Kolatschek muß aber durch ganz eigne Ge-
schichten in der Hand dieses Abt sein, da er, wie Abt sagt, seit
Januar schon seinen Wisch hatte und bis September verweigert
hatte, ihn zu drucken.
2% Salut.
Dein

K.M.

Vergiß nicht, mir möglich ausführlichst über den status quo
in Manchester zu berichten.

752. Marx an Engels; 1861 November 6.
6. November 1861.
Lieber Frederick,
Du entschuldigst, wenn ich nicht früher den Empfang der 5£
angezeigt, ditto des Weins. Für beides besten Dank. Ich war
grade in diesen Tagen sehr beschäftigt und hatte außerdem viel

so häuslichen bother.

Die Tribune hat wieder einen Artikel von mir an der Spitze
ihres Blatts als „most interesting“ angezeigt. Sonderbare Manier
dieser Yankees, ihren eignen correspondents testimonia zu er-
teilen.

% Von meiner Alten erhielt ich gestern Antwort. Nichts als „zärt-
liche“ Redensarten, but no cash. Außerdem teilt sie mir mit, was
ich längst wußte, daß sie 75 J ahr alt ist und manche Gebresten
des Alters fühlt.

Ich habe bisher auch vergeblich versucht, einen loan hier

x aufzutreiben. Die Bürgen, die ich stellen konnte, waren, wie
mir übrigens vorher schwante, nicht respektabel genug. Manche

Z. 36 (Außerdem) —41 —
        <pb n="76" />
        1A
(752) 1861 Nov. 5
Kerls hatten in der Art mehr Glück. Z. B. lumpacius Beta erhielt
in einer loan Gesellschaft 50 £ auf die Bürgschaft des Herrn —
Edgar Bauer!

Die russische Wirtschaft in Polen ist nicht übel. Nicht minder
hübsch die gests und exploits des schönen Wilhelm.

Du wirst vielleicht aus den deutschen oder auch aus einigen
englischen Blättern ersehn haben, mit welcher konsequenten Zu-
dringlichkeit Bürger und Staatsmann Blind sich zum deutschen
Mazzini — „entfaltet“.

Apropos! Von Holland erhielt ich während Deiner Ab- ı
wesenheit avis, daß die Bücher von Lassalle nicht bei meinem
Vetter eingetroffen. Du bist wohl so gut Dich darüber zu erkunden.

Schreib bald, da in dieser für mich noch sehr krisenvollen
Zwischenperiode Deine Briefe besondres Bedürfnis.

Du kannst gelegentlich einmal mir einen Bericht über die Arm- 1
strongkontroverse für die „Presse“ schreiben?

Salut.
Dein K.M.

(53. Marx an Engels; [1861] November 18.
18. November.
Lieber Engels,

Iterum Crispinus!

Also die Affären stehn jetzt so.

Am 9. November zog ich 16 £ St. auf Tribune für 8 damals
abgesandte Artikel. Von diesen 16 £ zahlte ich je 3 £ Abschlags- 2:
zahlung an Metzger, Bäcker, Teagrocer, Oilman, Milkman und
Greengrocer. Für 10 sh. kaufte ich Kohlen, die Morgen am Ende
sind. Deine 5 £ gingen größten Teils hin zur Rückzahlung für
kleine bare Pumpereien. So bin ich also blank, abgesehn von den
Forderungen von landlord, Schule, Schuster und den für den %
Winter unentbehrlichen Beschaffungen für die Familie. An die
Presse schreibe ich beinahe täglich. Mit Presse und Tri-
une zusammen könnte ich durchshiften. Aber bei dem stets wie-
der von neuem akkumulierten Defizit (zwar keine Milliarde) und
dem Ausfall der Einnahme von einem ganzen Jahr wird auch das 2
antunlich.

Für den Augenblick kömmt noch eine Fatalität hinzu.

Du weißt, daß ich Petsch und Co. 25£ St. vorgeschossen für
den Druck von „Vogt“, die sie mir nach der Verabredung aus dem
sale der copies vor aller andern Abrechnung zurückzuzahlen. 4
Außerdem schulden sie mir mehrere £. St. für „Hinter den Cou-
lissen‘““, „Communistenprozeß“, „18. Brumaire“ ete.

Z.— 1—8! 10—12.
        <pb n="77" />
        {753) 1861 Nov. 18

45

Andrerseits nahm ich von den Burschen für 10 £ 9 sh. Zei-
a und Bücher, schon um einige Sicherheit in der Hand zu
aben.

Nun hat Koller (der eine Associe) Krakeel mit Petsch be-

‚kommen. Der letztre ist im Augenblick nicht im Geschäft. Zwi-
schen beiden schwebt Prozeß wegen Auflösung der Firma.

Lumpacius Koller, den ich wegen meiner Forderung trat,
schickt mir statt dessen Klage vor dem county-court wegen der
10£ 9 sh. zu. Ich war bei Zimmermann. Er sagt, da meine Klage

Vor einem superior court an 30—60 £ kosten würde, sei es besser,
wenn ich meine Forderung in Form der Gegenrechnung bei dem
county-court, vor den mich Koller geladen, geltend mache. Er
selbst fungiert auch nicht bei county-courts. Ich muß also zu
diesem Behuf diese Woche noch (und möglichst bald) zu einem

z englischen solicitor gehn, was ich ohne cash nicht kann,

Wäre ich dieser Lauseverhältnisse los und sähe meine Familie
nicht erpreßt durch miserable Plackereien, mit welchem Jubel
hätte das von mir so lang und oft in der Tribune vordozierte Fiasko
des dezembristischen Finanzsystems mich nicht erfüllt!

» Wilhelm der Schöne und der Schöne Wilhelm erklärt also in
Schlesien grade heraus: „Wählen Sie Demokraten, so brechen
wir.“ „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten.“

Salut.
Dein

K. M.

754. Marx an Engels; [1861] November 20.
20. November.
Lieber Engels,
In aller Eile erfolgt hier die Anzeige vom Empfang der £ 5
und den vorgestern eingetroffenen Manchester Guardians.
„Ich gehe jetzt direkt zu einem Solicitor. Meine Frau ist nervös
sehr angegriffen, und ich fürchte, die Sache nimmt schlimmen Aus-
gang, wenn der struggle noch lange.
Salut.
Dein

K. M.

Manchester, 27. November 1861.
Lieber Mohr,
Sind diese Yankees denn ganz verrückt, daß sie den tollen
Streich mit den confederate Commissioners ausführen? Das fact,

R

"in in
        <pb n="78" />
        (755) 1861 Nov. 27
daß auch hier im Kanal ein Kriegsschiff auf den mailsteamer war-
tete, beweißt, daß von Washington aus allgemeine Instruktionen
gegeben waren. Politische Gefangne auf einem fremden Schiff”
gewaltsam zu nehmen, ist doch der klarste casus belli, den es geben
kann. Die Kerle müssen ja rein närrisch sein, sich einen Krieg mit
England auf den Pelz zu laden. Wenn der Krieg wirklich los-
bricht, so kannst Du Deine Briefe nach New York via Deutschland
oder Havre schicken unter Kuvert an eine Mittelsperson, wirst
Dich aber in Acht nehmen müssen, daß Du nicht den enemies der
queen Vorschub leistest. 1

Über Bakunins Durchbrennen hab’ ich mich sehr gefreut. Der
arme Teufel mag höllisch mitgenommen worden sein. Auf diese
Weise eine Reise um die Welt zu machen!

Monsieur Bonaparte scheint auch kein Geld zu kriegen, und
Fould ziemlich am Ende seines Witzes zu sein. Wie das dort gehn ı5
wird, soll mich wundern.

Hübsch geht’s in Rußland und Polen, und im braven Preußen
wird nun auch wohl endlich eine Krisis eintreten, wenn die Wahl-
männer nicht wieder sich einschüchtern lassen. Aber der Beutel,
der Beutel! Der wird das bißchen „Fortschritt“ doch wohl noch ®
etwas zusammenhalten. In Köln wird ja sogar von einer Kandi-
datur des braven Heinrich Bürgers gemunkelt.

Die Varnhagenschen Tagebücher müssen ganz interessant sein.
Der Kerl ist aber doch ein ganz schäbig feiger Lauskerl gewesen.
Die Kreuzzeitung hatte einen ganz witzigen Artikel über das Ding, 25
natürlich auch voll Gift und Galle.

Am 1. Dezember schick’ ich Dir wieder fünf.

Viele Grüße.

16

Dein

F.E.

756. Engels an Marx; [1861 Dezember 2].
/Z 07595, Newcastle on Tyne, 14. August 1860.
Lieber Mohr,

Öbiges die No. des inliegenden Fünfers, der erst heute abgehn
kann, weil der 1. Dezember auf einen Sonntag fiel. Ich registriere
wıeder nicht, 8

{ch habe endlich dieser Tage im Lassalle gelesen. Die Ge-
schichte mit der Rückwirkung ist sehr plausibel, aber nicht stich-
haltig, wie sich z. B. bei der Ehescheidungsgesetzgebung zeigt, wo
man sich auch sagen kann, wie mancher Berliner Philister in der
Tat sagte: Hätte ich das gewußt, daß man mir die Scheidung so 4o
a Korr. aus Kriegsschiff

A

93.24
        <pb n="79" />
        (756) 1861 Dez. 2

47

erschweren würde, so hätte ich nicht geheiratet. Übrigens ist es
doch ein starker Aberglaube von dem Kerl, noch an „die Rechts-
idee“, das absolute Recht zu glauben. Seine Einwendungen gegen
die Hegelsche Rechtsphilosophie sind großenteils sehr richtig,
5 aber mit seiner neuen Philosophie des Geistes ist er doch noch
nicht recht in den Fluß gekommen; selbst vom philosophischen
Standpunkte müßte er doch so weit sein, nur den Prozeß, nicht
dessen bloßes momentanes Resultat, als das Absolute zu fassen,
und da könnte doch keine andre Rechtsidee herauskommen als
vo eben der historische Prozeß selbst. Hübsch ist auch der Stil. Die
„händeringende Verzweiflung der Widersprüche“ etc. Dann die
Vorrede. Reiner Ephraim Gescheit. Viel weiter werd’ ich übrigens
wohl nicht kommen, es sei denn, daß ich finde, es als einen Kursus
des römischen Rechts benutzen zu können, in welchem Fall ich es
ıs durchlesen werde. Wie man übrigens Spaß daran finden kann,
einen so einfachen und au fond wenig bedeutenden Gedanken nun
durch das ganze Corpus juris durchzuhetzen und auf jeden ein-
zelnen Punkt anzuwenden — als ob er dadurch fetter würde — das
ist mehr, als ich begreifen kann. Noch schöner aber ist die Be-
x hauptung, als ob diese wild goose chase, auf der „Fülle des Kon-
kreten“ herum, die Probe auf sein Exempel sei und es ihm jetzt
also gar nicht mehr fehlen könnte.
In Berlin wird es jetzt hübsch werden. Der matte „Fortschritts“-
demokratismus des neuen Kämmerleins wird dem schönen Wil-
z5 helm doch schon zu rot sein, und bis März wird wohl schon eine
gelinde chronische Krisis da sein. Ich bin begierig, wie das wird.
Wenn die Kerle in der Kammer nur nicht zu feig sind, so kriegen
sie den Schönen schließlich doch unter, aber ich hab kein Fiduz
auf dies Demokratengezücht.
Hoffentlich geht es Deiner Frau besser. Grüß sie und die Mäd-
chen herzlich.
Dein F. E.

757. Marx an Engels; [1861] Dezember 5.
5. Dezember.
Lieber Engels,
Nicht früher Anzeige gemacht, weil von großem trouble heim-
gesucht. Meine Frau ist sehr leidend. Ich schreibe Dir heut Abend,
da ich heut am Tag Artikel zu fabrizieren,

Salut.
Dein

K. M.

7. 11 (Dann) —12 (Gescheit)
        <pb n="80" />
        (758) 1861 Dez. 9
758. Marx an Engels; 1861 Dezember 9.

Lieber Engels,

Aus meinem pertinacious Schweigen kannst Du sehn, mit wel-
;hem Sträuben ich Dir überhaupt schreibe. Bei den großen An-
strengungen — selbst über Deine Kräfte —, die Du für mich
machst, ist es mir natürlich ekelhaft. Dich fortwährend mit Hiobs-
posten zu langweilen.

Mit dem letzten Geld, das Du mir schicktest, bezahlte ich, ein
Pfund zupumpend, die Schulrechnung, um sie im Januar nicht ze
doppelt zu haben. Metzger und Epicier haben mich gezwungen,
ihnen Wechsel, der eine für 10, der andre für 12 £ St., für Ja-
nuar 9, auszustellen. Obgleich ich nicht wußte, wovon sie zahlen,
konnte ich mich keiner Klage aussetzen, ohne daß mir das ganze
Aaus über dem Kopf zusammenbricht. Dem Landlord schulde ich z
135, und am Januar 21 £. Ditto green grocer, Bäcker, Zeitungs-
nann, Milchmann und alle den Canaillen, die ich bei meiner
Rückkehr von Manchester mit Abschlagszahlungen beschwichtigt
hatte, endlich dem Tallyman, da der Eintritt des Winters Anschaf-
"ung von Kleidungsstücken, den nötigsten, für den Winter gebot, %
also sie auf Pump geholt werden mußten.

Was ich einzunehmen habe Ende des Monats, wird sich auf
30 £ höchstens belaufen, da die Lauskerls von der „Presse“ einen
Teil meiner Artikel nicht drucken. Ich muß mich natürlich erst
daran gewöhnen, innerhalb der „Grenzen der deutschen Vernunft“ 2;
zu handeln. (Nebenbei aber machen sie in ihrem Blatt großes
Wesen von meinen Beiträgen.)

Was ich zu zahlen habe (Pfandhauszinsen etc. einbegriffen),
beläuft sich auf 100 £. Es ist merkwürdig, wie der Ausfall aller
Einnahme, zusammen mit nie ganz abgetragenen Schulden, trotz
aller Detailhülfe immer wieder den alten Dreck aufschwemmt.

Ich habe heute an Dronke geschrieben, weil er mir noch
Geld schuldet. Doch nur leise daran erinnernd, nicht tretend; ich
habe mir die Freiheit genommen, ihm zu sagen, daß, wenn er mir
einen Vorschuß machen kann, Du wohl für die Rückzahlung ihm 35
dürgen wirst.

Bin ich aus dieser Scheiße heraus, so kann ich mit New York
ınd Wien wieder wenigstens vegetieren.

Meine Frau hatte gefährliche Nervenzustände, und Dr. Allen
war sehr erschrocken während einiger Tage. Er weiß oder ahnt 4
vielmehr, wo der Schuh drückt, ist aber zu delikat, um Unge-

höriges zu sagen. Die arme Frau ist noch sehr leidend. Bei der
Schwungkraft ihrer Natur zweifle ich aber nicht, daß bei der
ersten günstigen Wendung sie wieder in Ordnung kommt.

9, Dezember 1861.
        <pb n="81" />
        (758) 1861 Dez. 9

40

Krieg, wie ich vom ersten Tag in der „Presse“ erklärt, wird
nicht mit Amerika, und ich bedaure nur, daß ich nicht die Mittel
hatte, die Eselhaftigkeit der von Reuter und Times beherrschten
Börse während dieser Narrenperiode zu exploitieren.

Mit Deinen strictures on Itzig (der mir von Florenz geschrieben,
mit Garibaldi „eine sehr interessante Zusammenkunft hatte“
etc.) einverstanden. Der 2% Band ist interessanter, schon wegen
der lateinischen Zitate. Der Ideologismus geht durch, und die
dialektische Methode wird falsch angewandt. Hegel hat nie

„o die Subsumtion einer Masse von „Cases“ under a general prin-
ciple Dialektik genannt.

Meine Schrift geht voran, aber langsam. Es war in der Tat
nicht möglich, solche theoretische Sachen unter diesen Zuständen
rasch abzufertigen. Es wird indes viel populärer und die Methode

ı5 viel mehr versteckt als in Teil I.

Salut.
Dein

K. M.

759. Marx an Engels; 1861 Dezember 13.
13. Dezember 1861.
Lieber Frederick,

Meinen besten Dank für Deinen Brief.

Dronke schickte in compensation für frühere Leistung um-
gehend £ 5 und kam gestern persönlich hier an, wo er eine Zu-
sammenkunft mit einem seiner Direktoren hatte.

»; Er will versuchen, die Wechsel zu diskontieren. Ich habe ihm
gleich gesagt, daß Hauptbedingung, daß sie nicht vor Verfall zir-
kuliert werden.

Der Hund Koller hat ein andres Manöver angewandt. Er hat
die Sache nicht beim County Court vorgehn lassen, sondern an

; den Sheriff Court gebracht und seine Klage auf 20 £ erhöht —
nämlich, daß ich verpflichtet gewesen sei, sämtliche Kosten des
Vogts mitzutragen. Dies nämlich als reply auf meine Gegen-
forderung.

Mein Advokat, Sydney Herbert, hat formaliter eine Gegen-

ss klage am selben Court einzureichen für nötig erachtet. Die
ganze Schwierigkeit dreht sich darum, daß mein agreement mit
Petsch nicht schriftlich gemacht wurde.

Meine Frau befindet sich besser.

Salut.
Dein

K. M.

Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 3
        <pb n="82" />
        (760) 1861 Dez. 19
760. Marx an Engels; 1861 Dezember 19.
19, Dezember 1861.
Lieber Engels,

Du weißt, wie die Geschichte mit D[ronke] kam. Ich schrieb
ihm nicht wegen des Wechsels, sondern schrieb, um ihn zu treten. :
Ich mußte ihn natürlich bei-der Gelegenheit von der Krise unter-
richten, in der ich mich befand, die er, wie jeder andre, in F olge
der amerikanischen Affaire natürlich finden mußte und fand. In
Folge dieser Mitteilung kam er zu mir, und so fand sich das
Arrangement, 1. an das ich nicht einmal gedacht haben würde, 16
hätte es nicht ausdrücklich in Deinem Brief gehießen, Du
würdest die Wechsel akzeptieren, wenn ich sie durch Fr leiligrath]
„oder irgend Jemand“ diskontiert erhalten könnte. So viel. um
len Schein der Indiskretion von mir abzuwälzen.

Mit Frleiligrath] ist es, wie ich vorher wußte, Nichts. Erz
hatte nur den Schneider, und den hatte er schon verloren zur Zeit
der Affaire mit der Tribune, in Folge davon, daß zwei seiner
Kommis, auf seine Empfehlung, an 70 £ Kleidungsstücke er-
hielten und durchbrannten, ohne sie zu zahlen. Zudem waren
meine relations to Flreiligrath] so changed. daß er nur ungern z%
selbst die Wechsel auf die Tribune wieder diskontieren ließ
bei Bischoffsheim. Aber abgesehn vom Willen, kann er nicht,
so weniger, als der latente Bankrott seiner Bank court par les rues
de Londres,

Ich habe, gleichzeitig mit diesem Brief an Dich, Dronke in- zz
formiert, daß ich aus Mißverständnis die transactions mit ihm
eingegangen und sie folglich als non avenues zu betrachten bitte.
Zugleich habe ich ihm geschrieben, daß, wenn er die Wechsel auf
meine Person diskontieren kann, without any intervention of
other persons, die Sache mir angenehm wäre. Ich mußte ihm das z
schreiben, weil ich keinen Ausweg sehe und in der Tat in der
höchsten Gefahr schwebe. Seine Adresse, worauf Private zu
schreiben, ist: 49, Oldhall Street, Liverpool. Nach dem, was
Dronke sagte (ich glaube aber, daß er in Newcastle und noch gar
nicht in Liverpool) würde er bloß mit seinem eignen banker die 3
Sache zu arrangieren suchen.

Ich konnte leider nicht verhindern, meine Frau mit dem Inhalt
Deines Briefs, soweit er auf die Wechseltransaktion bezüglich,
bekannt zu machen. Und solche Nachrichten führen jedesmal eine
Art Paroxysmus herbei.

Was den Krieg mit Amerika betrifft, so kann es mög-
licherweise Pam gelingen, ihn herbeizuführen, aber nicht
leicht. Er muß einen pretext haben, und es scheint mir nicht,
daß Lincoln den geben wird. Ein Teil des Kabinetts,

af

Z. 4—14. 32 (Seine) —36.
        <pb n="83" />
        (760) 1861 Dez. 19
Milner Gibson, Gladstone, plus ou moins Lewis, kann nicht so
befooled werden wie John Russell.
An und für sich betrachtet, haben die Amerikaner nach dem
bei ihnen gültigen englischen Seerecht weder materie 11
s noch formell gefehlt. As to the question of material right,
haben die englischen crownlawyers selbst in diesem Sinn ent-
schieden. Sie haben daher, da Pam einen pretext wollte, sich auf
einen error in forma, eine technicality; a legal quibble
berufen. Aber auch dies falsch. Nach dem englischen Seerecht
uw zweierlei zu unterscheiden. Ob a neutral ship belligerent
goods and persons carries, oder contraban d of war, be-
stehe das letztre in Sachen oder Personen. Im letztern Fall das
Schiff mit cargo und Personen to be seized and brought into a
port for adjudication. Im ersten Fall — wenn kein Zweifel,
u daß die goods (was bei Personen an und für sich unmöglich)
nicht übergegangen in den Besitz der Neutralen, die belli-
gerent goods oder Personen konfiszierbar on the high sea, wäh-
rend das Schiff etc. frei ausgeht. Diese Jurisprudenz — von den
authorities abgesehn — hat England fortwährend geltend ge-
z macht, wie ich mich durch Nachsehn in Cobbet’s Register über
den ganzen Krakeel mit den Neutralen seit 1793 überzeugt.
Andrerseits, da die English crownlawyers die Frage auf einen
error in forma beschränkt, den Yankees also das Recht zu-
gestanden haben, jedes englische Schiff, das belligerents führt,
zu konfiszieren und in einen Hafen for adjudication zu schleppen,
so können die Yankees sehr leicht — und sie werden es nach
meiner Ansicht tun — erklären, sie seien mit dieser Konzession
zufrieden, würden künftig die Form bei der Konfiszierung etc.
nicht verletzen und for the nonce Mason und Slidell ausliefern.
2 Wenn Pam absolut Krieg will, so kann er ihn natürlich herbei-
führen. Nach meiner Ansicht ist das nicht sein Zweck.
Handeln die Amerikaner in der von mir supponierten Weise, so
wird Pam dem stupiden John Bull den neuen Beweis geliefert
haben, daß er „the truly English minister‘“. Der Kerl wird sich
z dann alles erlauben können. Er wird die Gelegenheit benutzen,
um
1. den Yankees die Anerkennung der Pariser Deklaration über
die Rechte der Neutralen etc. aufzunötigen;
2, unter diesem Vorwand, was er bisher nicht gewagt
what, das englische Parlament zur Sanktion der von Clarendon,
in seinem (Pams) Auftrag, hinter dem Rücken der Krone und
ohne Vorwissen des Parlaments, unterschriebnen Resignation auf
das old English maritime law aufzufordern und zu bestimmen.
Pam ist alt, und die Russen haben seit Catherine II. die zu
« Paris erlassne Deklaration durchzusetzen gesucht. Es fehlt ihnen

51
        <pb n="84" />
        52

(760) 1861 Dez, 19
noch zweierlei: die Sanktion des englischen Par-
laments, der Beitritt der United States. Beides
wird bei dieser Gelegenheit erreicht werden. Der Kriegsspektakel
scheint mir nur theatralisches Zubehör, um dem stupiden John
Bull die definitive Resignation auf seine eignen maritime laws
zu Gunsten Rußlands als einen durch den pluck des „truly Eng-
lish minister‘“ über die Yankees davongetragnen Sieg darzu-
stellen.

Nebengründe für den Kriegsspektakel wären: Ablenkung von
Polen (da selbst Burschen wie Cunningham von Brighton in öf- x
fentlichen Meetings die stoppage des further payment der Dutch.
Russian loan verlangen) und Ablenkung von Dänemark, wo
Rußland in diesem Augenblick damit beschäftigt ist, den von
ihm selbst eingesetzten heir presumptive, den Glücksburg, bei
Seite zu schieben.

Es ist, of course, möglich, daß die Yankees nicht nachgeben,
und dann ist Pam durch seine bisherigen Vorbereitungen und
Rodomontaden zum Krieg gezwungen. Indes möchte ich 100
zegen 1 dagegen wetten.

Salut.
Dein

20
K. M.

761. Marx an Engels; 1861 Dezember 27.
27. Dezember 1861.
Lieber Engels,

Beim Beginn der „Mahnungen“ von der Außenwelt schrieb 2;
ich, — da ich vermeiden wollte, Dir immer auf dem Pelz zu
sitzen — außer an meine Mutter und Verwandte, auch an Siebel.
Dieser Jüngling, wie ich aus seinem Brief sehe, hat nun wieder
an Dich geschrieben. Betrachte die Sache als non avenue.

Es ist mir sehr unangenehm, daß Du meinetwegen dem Dronke z
einen Schuldschein auszustellen hattest. Er hatte ursprünglich in
minder lästiger Form und für längere terms die Sache abzumachen
versprochen.

Ich weiß noch nicht, wie ich ganz über die Krise wegschiffe.
Unter allen Umständen, da es sonst platterdings unmöglich, 35
schreibe ich dem landlord, daß er jetzt nicht gezahlt werden
xann, daß ich ihm Wechsel ausstellen will ete.

Der Prozeß kommt auch noch in die Quere. Da der streitige
Punkt sich um partnership herumdreht, hält mein lawyer — soll
ich nicht zur Zahlung der £ 20 verurteilt werden — es für nötig, x
die Sache vom Sheriff’s court weg an ein superior court zu bringen.
Ich bin für Januar 3. an den Sheriff’s court zitiert. Der Fehler

7 om 44)
        <pb n="85" />
        (761) 1861 Dez. 27

53

war, daß ich keinen schriftlichen Kontrakt mit A. Petsch
gemacht. An dem superior court, meint Sydney, mein Advokat,
wäre ich ziemlich sicher.
Die lausige „Presse“ druckt kaum die Hälfte meiner Artikel.
5 Es sind Esel. Es soll mich wundern, wie sie zahlen werden, ob
ich die einzelnen Artikel auf „Spekulation“ zu schreiben oder
wie.
Einstweilen vorläufig Glück zum neuen Jahr! Wenn es dem
alten gleicht, so wünsche ich es, was mich betrifft, zum Teufel,
no Salut.

Dein K. M.
        <pb n="86" />
        1862

762. Marx an Engels; 1862 Februar 25.
25. Februar 1862.
Lieber Engels,

Mein langes Schweigen stammt nicht „von innen“ her, sondern %
aus dem Dreck von Verhältnissen, mit denen ich Dich nicht lang-
weilen und quälen wollte,

Du weißt, daß ich Neujahrstag nur einen Teil der Schuld
settlen konnte, die damals schon nicht mehr aufschiebbar schien
(wie z. B. mein Landlord, dem ich Ende nächsten Monats ein 10
ganzes Jahr schulde). Die Hauptsumme ging weg für Schulden,
worauf Wechsel ausgestellt waren.

Die Wiener Presse, wie unter den jetzigen deutschen
Lauseverhältnissen vorherzusehn, ist nicht die Kuh, die sie sein
sollte. Angeblich erhalte ich 1 £ per article. Da die Kerls aber z
von 4 Artikeln vielleicht nur 1 drucken und oft keinen, so
kommt verdammt wenig heraus außer Zeitverlust und Ärger, daß
ich auf die Spekulation schreiben muß, ob oder ob nicht besagter
\rtikel das Imprimatur einer gnädigen Redaktion erhält.

In dem Prozeß mit Koller mußte ich nachgeben, aus dem z
Hauptgrund, weil ich, sobald der solieitor 30 £ Vorschuß
brauchte, da die Sache an einen superior court ging, sie natürlich

nicht leisten konnte. Ich hatte 5 £ zu zahlen dem solicitor für
ihn und den von ihm zugezogenen counsel, Mit Koller ein Ver-
ständnis einzugehn, wonach ich ihm 18 £ St., monatlich 2 £ zu %
zahlen; die ersten 2 .£ zahlte ich ihm den letzten Januar, die fol-
genden 2 £ habe ich Ende Februar zu zahlen, weiß aber noch nicht
wovon.

Während der letzten 2 Monate hat die Presse so wenig von
mir gedruckt, daß mein Guthaben an sie kaum nennenswert. 20
Was die Situation noch pleasanter macht, ist, daß Jennychen

seit beinahe 2 Monaten unter ärztlicher Kur steht. Das Kind hat
zusehends abgenommen. Jenny ist jetzt schon so weit, daß sie den
ganzen Druck und die Schmiere unsrer Verhältnisse fühlt, und
das, glaube ich, ist ein Hauptgrund ihres physischen Leidens. 3;
(Apropos! Allen hat gestern Wein für sie verordnet, und es
ist mir daher lieb, wenn Du einige Flaschen herüberschickst.)
        <pb n="87" />
        (762) 1862 Febr. 25
Sie war z. B. hinter unsrem Rücken bei Mrs. Young, um zu sehn
— ob sie sich für das Theater engagieren könne.

Take all in all, so ist es in der Tat nicht worth while, solch
ein Lauseleben zu führen.

Was die Urquhartblätter betrifft, habe ich sie bis jetzt nicht
zusammenbekommen können. Schreib mir, von welc her
Nummer an, so wird Collet das Nötige tun. Einliegend eine
Denunziation des Kerls gegen Bakunin, den ich nicht gesehn habe.
Er lebt bei Herzen.

9 Hast Du nicht nachgeforscht, ob das Lassallesche Opus in der
Tat an August Philips abgesandt worden?
Salut.

55

Dein

K. M.

763. Engels an Marx; 1862 Februar 28.
Manchester, 28. Februar 1862.
Lieber Mohr,

Ich schicke heute eine Kiste an Dich ab, carriage paid, ent-
haltend:

8 Flaschen Bordeaux,

4 Flaschen 1846er alten Rheinwein,

2 Flaschen Sherry.

Port habe ich keinen, der für den Fall paßt. Ich hoffe, er wird
Jenny gut tun. Das arme Kind! Übrigens denke ich, die Sache
hat nichts zu bedeuten. Sie ist stark gewachsen, und mit Pflege

x und Bewegung wird sie wohl wieder zu Kräften kommen,

Die zwei Pfund für den Koller schaffe ich Dir morgen oder
Montag.

Ich verbrauche in diesem Jahr mehr als mein Einkommen. Die
Krisis affziert uns sehr, wir haben gar keine Aufträge und werden

z von nächster Woche an bloß halbe Zeit arbeiten lassen. Dabei
muß ich dem Dronke in 4 Wochen die £ 50 anschaffen und im
Lauf der nächsten Woche ein J ahr Miete in meiner Wohnung
zahlen; ich ziehe aus; die verdammte Sara hat mir heute Morgen
das Geld aus der Rocktasche gestohlen. Adressiere also nichts

mehr nach Thorncliffe Grove. Ich lebe jetzt fast ganz bei der
Mary, um möglichst wenig Geld auszugeben; leider kann ich ohne
lodgings nicht abkommen, sonst zög’ ich ganz zu ihr. Ich habe
noch keine neue Wohnung und muß gehn, mir eine suchen. Schreib
bald wieder, wie es geht. Was macht die Tribune? |

Willst Du einen militärischen Artikel über Amerika für die
Presse?

7 10—
        <pb n="88" />
        6

(763) 1862 Febr, 28
Die Nummern der Free Press, die mir fehlen, sind Oktober—
Februar 1861/62.
Grüße Deine Frau und die Mädchen bestens
Dein’ F. E.

764. Marx an Engels; 1862 März 3.

3. März 1862,
Lieber Engels,

Ich schicke meine Frau heut auf ein loan office, um zu sehn,
was da zu machen, denn ich habe saugroben Brief von meinem
landlord erhalten, und wenn der Kerl mir einen broker ins Haus zo
setzt ”, verklagt mich Gott und die Welt.

Der Wein ist noch nicht angekommen.

Es wäre mir lieb, wenn Du mir diese Woche (bis Freitag
Morgen) einen englischen Artikel über den amerikanischen
Krieg liefertest. Du kannst ganz ungeniert schreiben. Die ıs
Tribune druckt es als letter of a Foreign Officer. Notabene:
Die Tribune haßt den Mac Clellan, der mit der demokratischen
Partei im Bund steht und, solange er commander in chief of
all the armies war, nicht nur am Potomac (wo dies vielleicht be-
rechtigt), sondern auf allen Kriegstheatern, namentlich im zo
Westen jede Aktion durch direkte Intervention ver-
hinderte, (Er auch die Seele der höchst infamen Intrige gegen
Fremont.) Ferner hat dieser Mac, aus esprit de corps und Haß
gegen die civilians, alle Verräter in der Armee beschützt, z. B.
Oberst Maynard und General Stone. Die Verhaftung des letztren 2
erfolgte einen oder 2 Tage, nachdem Clellan als commander in
chief der gesamten Armeen abgesetzt war. Ditto wurde der scham-
lose Washington, „representative‘“ des New York Herald,

als spy verhaftet wider M’Clellans Willen und nachdem er den
Tag vorher den ganzen staff von M’C[lellan] mit Champagnerfrüh- 3
stück bewirtet.

Du wirst Dich erinnern, daß ich Dir von Anfang an sagte, daß
as mit den Handelserwartungen auf China nichts sei. Der letzte
Trade of Board-Bericht bestätigt dies:

1860 1861

China . ., 2872 045 3114154
Aongkong. . 2445991 __ 1733967
Total 5318036 4848121
1) Im Orig, setzen
        <pb n="89" />
        (764) 1862 März 3

57

Also die Gesamtausfuhr abgenommen. Mehr direkt, weniger
über Hongkong. Unterdes haben sich die Russen wieder einer sehr
schönen Insel gegenüber Korea bemächtigt. Nimm dazu ihre
neuen „occupations“ in Java und die Herrschaft des Northern
Pacific ist ihnen gesichert. Wie sehr die ganze englische Presse
russifiziert durch Pams Einfluß, beweist ihr tiefes Schwei-
gen über den progress Rußlands in dieser Gegend, ditto ihr pas-
sives Verhalten vis-ä-vis von Polen,

Apropos! Sei so gut, mich endlich wissen zu lassen, was

o aus dem für meinen Vetter Philips bestimmten Lassalle geworden,
da ich an besagten Vetter in Ermanglung dieser Wissenschaft
nicht schreiben kann.

Salut.
Dein

K. M.

765. Engels an Marx; 1862 März 5.
Manchester, 5. März 1862.
Lieber Mohr,
Inliegend Post Office Order £ 2, Camden Town.
Das Buch ist längst abgegangen, nämlich am 9. Oktober, in
% einem Paket an unsern Agenten E. Schröder in Amsterdam, wel-
ches dem Ballen No. 118 für B. ter Haar und Sohn ebendaselbst
beigeschlossen war. Dem Schr[öder] habe ich damals noch ein
paar Zeilen beigelegt, ihn bittend, das Ding zu besorgen. Alles
war richtig adressiert an deinen Vetter, der sich also nur an
gs Schröder wenden kann, falls er es noch nicht haben sollte.

Den Artikel sollst Du haben. Die Renommisten im Süden krie-
gen jetzt famose Keile. Am erfreulichsten ist der Empfang, den
die Kanonenboote auf dem Tennesseefluß bis nach Florence,
Alabama (hier fangen die Muschelsümpfe an, die die Schiffbar-

z keit unterbrechen), überall gefunden haben. Also auch in West-
Tennessee, in der Ebene, entschiedne Majorität für die Union.
15000 Gefangne, dabei der beste General der Konföderierten,
Johnston, der Bull Run durch seine rasche Konzentration nach
dem Zentrum entschied, ist kein Spaß.

1 Ich werde heute Abend Lupus sehn. Wenn er mir Einiges bis
1. Juli vorschießen kann, so besorge ich’s Dir. Ich selbst bin au
sec his dahin. Wenn in Amerika ein Friede oder sonstiger Ab-
schluß zu Stande kommt, so kann es dahin kommen, daß mein
ganzes Einkommen vom 1. Juli 1861-62 sich auf £ 100 redu-

w ziert, ich also in Schulden gerate. Wir haben einen Haufen Ware
und können nichts verkaufen, und sitzen wir fest damit, bis die
Sache in Amerika in Ordnung kommt, so verlieren wir möglicher

7 9—12.

10.75
        <pb n="90" />
        58__

Weise allen Profit, der bis Ende Dezember gemacht wurde. Ich
denke indes, die Keilerei dauert noch fort, ich sehe nicht ein, wie
die Kerls Frieden machen können.

Was ist das für eine russische Insel bei Korea? Und was sind
las für Okkupationen in Java? (Query Japan?) Je n’en sais rien.
Wie ist’s mit den Free Presses?

Übrigens hat nach Deiner Angabe der Handel nach China sich
doch bedeutend vermehrt. Vor 10 Jahren, soviel ich mich erinnere,
war’s 1—3 Millionen abwechselnd.

Wie geht’s Jennychen? Grüße sie, Deine Frau und Laura mw
herzlich.
Dein F, E.
766. Marx an Engels; 1862 März 6.

Lieber Frederick.

6. März 1862.
TA
Besten Dank für die Post Office Ordre und den Wein. Der Hund
von Koller, der ein 1.0. U. von mir besitzt. hatte mich gestern
schon getreten.

Es liegen hierbei die 3 letzten Free Press. Den Collet selbst
habe ich noch nicht gesehn. Er wird sicher auch die übrigen No’s z0
besorgen können.

In dem Brief an Dich war Japan für Java gelesen. Die facts
selbst habe ich aus verschiednen Nummern der Tribune, die
offizielle russische Berichte und Berichte von amerikanischen Kon-
suln brachte — alle unterdrückt in der englischen Presse. Die #s
Nummern selbst habe ich Urquhart zugeschickt und noch nicht
zurückerhalten. Ich hatte sie vorher benutzt zu einem article in
der Presse über den Fortschritt der Russen in Asien. Die Esel
haben das jedoch nicht gedruckt. Nun kennst Du mein schlechtes
Namensgedächtnis. Ich kann Dir also augenblicklich die Namen z%
nicht nennen. Die erste Insel liegt grade in der Mitte zwischen
dem südwestlichen Ende von Japan und dem Festland von Korea.
Sie besitzt großen Hafen, nach dem amerikanischen Bericht fähig,
sin Sebastopol No. II zu werden. Was die andern direkt zu Japan
gehörigen Inseln betrifft, so befindet sich, wenn ich nicht irre, Jeso %
darunter. Ich werde jedoch sehn. daß ich die Dokumente wieder
sekomme.

Der chinesische Handel, verglichen mit seinem status bis 1852,
ist allerdings gewachsen, aber durchaus nicht verhältnismäßig wie
alle Märkte seit den kalifornisch-australischen Entdeckungen. «
Außerdem ist auch in den früheren Reports Hongkong als eng-
lische Besitzung von China getrennt. so daß die Ausfuhr unter der

7. 19-21.
        <pb n="91" />
        (766) 1862 März 6

ZL

Rubrik „China“ immer (seit den 40er J ahren) kleiner als die Ge-
samtausfuhr. Endlich der Zuwachs seit 1859 wieder auf seine da-
malige Größe reduziert 18061.

Der Board of Trade-Bericht für 1861 zeigt, schon infolge der

5 amerikanischen Krise, große Veränderung in der Rangordnung,
den die verschiedenen Märkte einnehmen für den englischen Ex-
port. Indien an der Spitze für 17 923 767 £ (Ceylon und Singa-
pore eingeschlossen. Indien allein 16412 020).

Zweiter Markt Deutschland, sonst der 4te. 1860:

vo 13491523 £. 1861: 12937073 £. (Nicht eingeschlossen, was

über Holland geht und in kleinerem Maß über Belgien.) In An-

betracht dieser ökonomischen Wichtigkeit Deutschlands für Eng-

land, wie könnten wir unter andern Verhältnissen dem groben
John Bull diplomatisch gegenübertreten!

5. Frankreich dieses Jahr der 5te Markt. 1860: 5249980 £.
1861: 8896 282 £. Jedoch ist die Schweiz hierin eingeschlossen.
Dagegen ist England jetzt der erste Mar kt für Frankreich.

Von der Gesamtausfuhr von £ 125115133 (1861) kommt
£ 42260970 auf englische „Possessions‘““ und „Colonies‘“, Rech-

% net man dazu, was England sonst nach Asien, Afrika und Amerika
ausführt, so bleiben höchstens 23 bis 24 p.c. für seine Ausfuhr
nach den europäischen Staaten. Geht Rußland in dem Sturmschritt
der letzten 10 Jahre in Asien vor, bis es alle seine efforts auf In-
dien konzentriert, so ist es aus mit dem Weltmarkt John Bulls, und

» dies Ende wird noch beschleunigt durch die Schutzzollpolitik der

Vereinigten Staaten, die sie jetzt, schon aus revenge gegen John,
sicher nicht so bald aufgeben werden. Außerdem entdeckt John
Bull mit Schrecken, daß seine Hauptkolonien in Nordamerika
und Australia grade in demselben Maß Protektionisten werden,
»o wie John Bull freetrader wird. Die selbstgefällige, brutale Dumm-
heit, womit John Pams „spirited policy“ in Asien und Amerika
bewundert, wird ihm verdammt zu kosten kommen.
Daß die Southerners bis Juli 1862 Frieden geschlossen haben,
scheint mir nicht sehr probable. Wenn die Northerners 1. die
ı border states gesichert haben — und um die handelte es sich in
der Tat von Anfang an —, 2. den Mississippi bis New Orleans
und Texas, wird wohl eine 2te Periode des Kriegs beginnen, worin
die Northerners sich nicht sehr militärisch anstrengen, sondern
durch Quarantäne der Gulfstates diese schließlich zur freiwilli-
/o gen re-annexation treiben werden.
Das Benehmen Bulls während dieses Kriegs ist wohl das scham-
loste, was je vorgekommen.
Das Mexican Blue Book übertrifft mit Bezug auf Brutali-
tät englischer Seite alles, was die Geschichte kennt. Menschikoff”
1) Im Orig. Mentschikoff
        <pb n="92" />
        50.

(766) 1862 März 6
erscheint als ein gentleman, verglichen mit Sir C. Lennox
W yke. Diese Canaille entwickelt nicht nur den unbändigsten zele
in der Ausführung der geheimen Instruktionen Pams, sondern
sucht sich durch Lümmelei auch dafür zu rächen, daß der mexi-
kanische Minister des Auswärtigen (jetzt abgegangen), Seßor
Zamacona, ein ehmaliger Journalist, in dem diplomatischen De-
peschenwechsel ihm beständig überlegen ist. Was den Stil des
Kerls angeht, so hier ein paar Proben aus seinen Depeschen an
Zamacona, „The arbitrary act of stopping all payments for the
space af two years in depriving the parties interested of their x
money for that spaceof time, which is a dead loss
&gt;f so much value to them.“ „A starving man may justify,
in his own eyes, the fact of stealing a loaf on the ground that im-
perious necessity impelled him there to; but such an argument
2annot, in a moral point of view, justify his violation of the law, x
which remains as positive, apart from all sentimenta-
lity, as if the crime had not had an excuse. If he was ac-
iually starving, he should have first asked the baker to
assuage his hunger, but doing so (starving?) of his own
free will, without permission, is acting exactly as the Mexi- %
can government has done towards its creditors on the
present occasion.“ With regard to the light in which
you view the question, as expressed in your above named note,
you will excuse me for stating that it cannot be treated
of partially, without also taking into consideration the 25
opinions of those who directly suffer from the practical
operation of such ideas as emanating from your-
self.“ „I had a full right to complain of having first of all
heard of this extraordinary measure by seeing it in printed
bills placarded through the public streets.“ „I have a duty zo
to perform both to my own God and to that to which I am ac-
zredited, which impels me ete.“ „I suspend all official relations
with the Government of this Republic until that of Her Majesty
shall adopt such measures as they shall deem necessary.“ Zama-
cona schreibt ihm, daß die intrigues der Foreign diplomatists &amp;
hauptsächlich seit 25 Jahren an den troubles in Mexiko Schuld.
Wyke antwortet ihm, daß „the population of Mexico is so de-
graded as to make them dangerous, not only to themselves, but
to everybody coming into contact with them!“

Zamacona schreibt ihm, daß die Vorschläge, die er macht, der w
Selbständigkeit der Republik ein Ende machen und gegen die
Würde jedes unabhängigen Staats seien. Wyke antwortet: „Ex-
cuse me for adding that such a proposition as I have made to
you does not necessarily become undignified and impracticable
simply because you, an interested person, (ie. als 4

7 30 (1)3—39
        <pb n="93" />
        61
(766) 1862 März 6
auswärtiger Minister Mexikos) are pleased to say so.‘ Jedoch
satis superque.

Nach einem Brief Schilys an Rheinländer sieht es in Paris sehr
bedenklich aus und wird Badinguet ohne Krieg sich kein Jahr
mehr halten. Welches Pech für den Kerl, daß er nicht die ihn be-
wundernden Berliner statt der Pariser zu regieren hat!

Salut Dein K.M.

P. S. Wie übersetze ich gigs zu Deutsch?

2. Was sind feeders on'circular frames?

3. Kannst Du mir z. B. von Eurer Fabrik alle Sorten Arbeiter
(ohne Ausnahmen, except the warehouse) schreiben, die darin be-
schäftigt sind, und in welcher Proportion zu einander? Ich brauche
für mein Buch nämlich ein‘ Beispiel, um zu zeigen, daß in den
mechanischen Ateliers die Teilung der Arbeit, wie sie die

Grundlage der Manufaktur bildet und von A. Smith beschrieben
ist, nicht existiert. Der Satz selbst schon von Ure ausgeführt. Es
handelt sich um ein beliebiges Beispiel. ;

Ich muß den Kerls in der Presse schreiben, daß ein neues
arrangement getroffen wird. Es ist mir gleichgültig, daß sie

» die besten Artikel nicht drucken (obgleich ich immer so
schreibe, daß sie drucken können). Aber pekuniär geht das nicht,
daß sie auf 4—D5 Artikel 1 drucken und nur 1 zahlen. Dies setzt
mich tief unter die penny-a-liner.

767. Engels an Marx; [1862 März ca. 10].
Lieber Mohr,

Inliegend das Versprochene, Der zweite Artikel folgt nächste
Woche. Lupus habe ich noch nicht gesehn, geh’ heute Abend zu
ihm. Die Free Presses und Dein Brief angekommen.

Kennst Du einen preußischen Flüchtling Sippel (Sippel) ?,

‚„ Mathematiker? Der Kerl soll Hauslehrer bei einer Familie Mont-
gomery in Hampstead sein, vor der Amnestie auf einer Reise mit
dieser Familie in Preußen verhaftet und nach mehreren Monaten
wieder losgelassen worden sein, und sich jetzt um eine Professur
der Mathematik in der Universität Belfast bewerben. Jemand

ss hier wünscht etwas Näheres über den Mann zu wissen, es scheint
sich um irgend ein business zu handeln.

Künftige Telegramme adressiere: 7 South Gate St. Mary’s
Manchester.

FEilig.
1) Das erstemal Sippel mit gotischen, das zweitemal mit Zateinischen Lettern
geschrieben.

7 8 (Wie)—9 ?

Nr. 767
        <pb n="94" />
        2

(768) 1862 März 15
768, Marxan Engels; 1862 März 15.
15. März 1862.
Lieber Engels,

In Folge des Nichterscheinens Deines Artikels habe ich heut
nicht nach New York schreiben können. Ich stehe jetzt nicht so
mit der Tribune, daß, wenn ich (falls sie den Artikel druckt)
ihr statt der Fortsetzung something else liefre, sie es druckt. Ich
bin vielmehr sicher, daß sie auf dem Punkt ist, mich samt allen
andren europäischen Korrespondenten wieder an die Luft zu
setzen. Ihr Format hat sich verkleinert. Sie druckt unter 3 Arti- x
keln vielleicht einen oder keinen. Dies sind die gewöhnlichen An-
zeichen der Prozedur.

Schick also für Dienstag die Fortsetzung, besser noch den
Schluß, da nur der Konjekturalteil, der die Zukunft betrifft,
bedeutendes Interesse für sie haben kann.

Ich komme mit meinem Buch nicht ordentlich voran, da die
Arbeit oft ganze Wochen durch die Hausstörungen unterdrückt,
1. €. suspendiert wird. Jennychen ist lange noch nicht, wie sie
sein sollte.

Salut.
Dal
in

2
K. M.

769. Marx an Engels; 1862 April 28.

28. April 1862.
Lieber Frederick, ;

Meine Frau hatte mit richtigem Takt nicht an Dana geschrie- 2
ben. Wie die Sache gemeint war, hat sich jetzt unverkennbar darin
gezeigt, daß die Kerls mir selbst nicht mehr die Tribune
schicken.

£inliegend Brief von Friedländer, Sonnabend eingetroffen.
Schöne Einbildungen dieser Deutschen. Ich soll ihm einen Er- z
öffnungsartikel schicken, der mich mit dem dazu nötigen season
ticket und der Kleidung, die ich kaufen müßte und allerlei Neben-
ausgaben wenigstens 10 Guineen kosten würde — und in exchange
die Aussicht, 4 bis 6 Artikel im Ganzen ä 8 £ St. (Summa Sum-
marum) oder im äußersten Fall ä 12 £ St. unterzubringen. Und
da man bei diesen Kerls immer das Minimum annehmen muß,
würde ich bei den 4 Artikeln noch Geld zusetzen! Ich habe ihm
geschrieben, ich müsse das Zimmer hüten, könne also Donnerstag
nicht die gewünschte Eröffnungspredigt liefern; werde aber ge-
legentlich ein paar Artikel über die Ausstellung unter die andern «
        <pb n="95" />
        63
(769) 1862 April 28
einfließen lassen. Was nun die „andern“ Artikel betrifft, so ist
des Pudels Kern herausgekommen, 1 Artikel per Woche (ä 1 £),
und dies noch etwas hypothetisch verklausuliert. Ich muß das
natürlich annehmen und habe es bereits angenommen, denn etwas
; ist besser als gar nichts. Was die Kerls jetzt besonders interessiert,
ist Amerika, und es wäre mir lieb, wenn Du mir einen Artikel
über den Gang des Kriegs (ich meine Schlacht bei Corinth) zwar
noch diese Woche schicktest, überhaupt mir jetzt jedesmal bei
irgendwelcher militärischen Wendung schreibst. Schon um rich-
vo tige Ansichten über diese wichtige Sache nach Germanien zu kol-
portieren. (Deine frühern Artikel hatte ich bereits für sie be-
arbeitet; auch abgedruckt worden.)
Vico in seiner neuen Wissenschaft sagt, daß Deutschland das
einzige Land in Europa ist, wo noch „eine heroische Sprache“ ge-
ıs sprochen wird. Hätte er je das Vergnügen gehabt, die Wiener
„Presse“ oder die Berliner „Nationalzeitung‘ kennen zu lernen, so
wäre der alte Neapolitaner von diesem Vorurteil zurückgekommen.
Bei meiner Ankunft in London fand ich einen Brief meines
landlords vor, worin er mir seinen Besuch für heute (28. April)
2 ansagt, um den Rest von 20 £ St. zu erhalten. Er kann jedoch
keinen Centime erhalten. Während meiner 4wöchentlichen Ab-
wesenheit hat sich das Schuldregister für die immediate necessi-
ties natürlich vermehrt. Dazu kommt, daß 2 Posten extra gezahlt
werden müssen, die noch notwendiger als der landlord sind.
„ Erstens 7 £ St. für den Klaviermaster, da meine Frau unter den
jetzigen circumstances ihm aufkündigen mußte, ihn also auch zah-
len muß. Zweitens müssen für 10 £ aus dem Pfandhaus genom-
men werden, wohin nicht nur die Sachen der Kinder, sondern auch
die der Mägde bis aufs Schuhwerk hinab gewandert waren. Wegen
„ des landlords habe ich mich bisher (excepto Borkheim) noch in-
cognito gehalten, so daß meine Frau ihm sagen wird, ich sei noch
nicht retourniert, und versuchen wird, ihn aufs Unbestimmte
hinzulenken. Denn es handelt sich um shifting.
Borkheim hat bisher 20 £ vorgeschossen; verspricht den Rest
z für Anfang dieser Woche.
Meine Frau, ohne gesehn zu werden, sah Dronke auf der
Straße mit Madame und Sprößling.
Wegen der Ariadne adhuc sub judice lis est. Es handelt
sich hier nämlich um eine juristische Streitfrage. Im Diodor figu-
w riert sie als Stern. Als Sternbild finde ich sie nicht. Dagegen wohl
als kleinen Planeten, N. 43, Tafel II, Mädler, letzte
Lieferung, 5. Ausgabe (die ich besitze), Berlin 1861. Also steht
das Mensch jedenfalls am Himmel. Es ist nun eine sehr heiklige
Rechtsfrage, ob Du oder lupus gewonnen hast. Deine allgemeine
u Behauptung, daß alle unter die Sterne von den Griechen versetz-

7 36—37
        <pb n="96" />
        (769) 1862 April 28
ten Personen in den astronomischen Tabellen fortleben, möchte
auch sehr zu bezweifeln sein.

Was war es, was Du außer den Estimates der englischen Armee
noch wünschtest? Sobald ich wieder „mobil“. werde ich mich da-
aach umsehn,

Kinkel ist als bepißter Pudel abgezogen. Er antwortet nicht.
Statt dessen ein paar Zeilen von seinem Schweinhund Beta, worin
dieser ihm attestiert, nur nach halbjährigem Andringen seinerseits
habe Gottfried ihm die nötigen biographischen Notizen (die der-
selbe Schweinhund regelmäßig alle 2 Jahre seit Menschengeden- x
ken benutzt hat) und den Photograph etc. auf Verlangen Keils,
des Herausgebers der „Gartenlaube“, zukommen lassen. Nun ist
der Witz aber der, daß Keil und Beta (den bezüglichen Brief des
letztern besitzt Juch und kennt Eichhoff) nach der Mac Donald
Affaire sich weigerten, mit der Sache vorzugehn, und Gottfried

aur mit Mühe das endliche „Losgehn“ bewirkte. Indes schreibe
ich dem Eichhoff, daß er einstweilen die Sache fallen läßt, da
er sonst die Niederlage Gottfrieds abschwächt. Juch ist nämlich
zu feig, um mit Betas Brief hervorzurücken. Sonst würde er das
von selbst schon in einer Randglosse zu dessen Erklärung getan 20
aaben.

Salut.

7

Dein K. M.
Jennychen ist noch lange nicht, wie sie sein sollte. Das kleine
Kind war ernsthaft krank; jetzt hergestellt.

Die einliegenden von Urgquhart zusammengestellten Exzerpte 25
nußt Du durchlesen.

(70, Engels an Marx: 1862 Mai 5.
Manchester, 5. Mai 1862.
Lieber Mohr,

Vorige Woche viel Comptoirschererei gehabt, auch etwas un- z0
wohl gewesen, daher nicht zum Schreiben gekommen. Den edlen
Brief des Friedländer hiermit zurück, Die Leute haben sonderbare
Vorstellungen von London!

Was die Tribune angeht, so finde ich im Manchester Examiner
und Times unter dem literary gossip die Notiz, daß Dana sich %
von der Tribune zurückzieht „ON account of differences
of opinion with Mr. Horace Greeley“, Dieser alte
Esel with the face angelic scheint also Schuld an Allem zu sein.
Ich würde die Kerls aber nicht so ohne Weiteres laufen lassen,
sondern wenigstens an D[analum weitere Aufklärung schreiben, «
was das alles heißen soll und wer an seiner Stelle jetzt die Tribune

ZZ. 6—21.

E__ 96
        <pb n="97" />
        (770) 1862 Mai5

€5
managt, damit Du weißt, an wen Du Dich zu halten hast. Wenn
die Kerle brechen wollen, so laß sie es wenigstens sagen, diese
indirekten Winke würde ich nicht so ohne Weiteres ruhig hin-
nehmen. Gehst Du nachher an ein andres New Yorker Journal, so
können sie immer sagen, Du wärst ihnen abspenstig geworden.
Außerdem müssen sie doch einen Grund angeben.

Borkheim schreibt mir, daß er Dir den Rest des Geldes aus-
gezahlt habe, hoffentlich bist Du also von der Haft erlöst.

Ad vocem Ariadne habe ich sicher recht. Die alten Stern-

wo hilder existieren Alle noch auf modernen Karten. Was Diodor
behauptet, ist keine Autorität, Der Kerl war kein Astronom.
Außerdem käme es auf den Wortlaut an. Ich wettete auf Stern-
bild. Daß sie aber unter den neuerdings entdeckten Asteroiden
figuriert, fiel mir später selbst ein, ist der Sache aber natürlich

15 ganz fremd.

Was ich außer den Estimates des Wardepartment (pro 1862)
wünsche, ist ein dem Parlament vorgelegtes Paper, worin die neue
Organisation der indischen eingebornen Armee (wie
sie jetzt besteht, seit 1861) dargestellt wird (d. h. die Anzahl

2» der Regimenter mit ihren neuen und alten Namen, wie sie jetzt
beibehalten oder neu numeriert sind).

Kannst Du mir die Free Press für April besorgen? Für Mai
werd’ ich sie mir hier zu verschaffen suchen.

Über Amerika:

% 1. Schlacht bei Corinth. Rangiert mit allen großen, gutgefoch-
tenen modernen Schlachten, wo die Streitkräfte ziemlich gleich.
Eylau, Wagram, Lützen, Bautzen (hier die Franzosen zwar viel
stärker, aber ohne Kavallerie und dadurch zur Verfolgung ohn-
mächtig), Borodino, Magenta, Solferino. Die Schlacht brennt,

» wie Clausewitz sagt, wie nasses Pulver langsam ab, erschöpft
beide Teile, und am Ende sind die positiv erkämpften Vor-
teile der siegenden Seite mehr moralischer als materieller Natur.
Jedenfalls war der momentane Vorteil, den Beaur[egard] am
Sonntag errang, viel intensiver und größer als der, den Grant]

und Buell am Montag errangen. Die Masse der Trophäen blieb
den Konföderalisten, trotzdem daß sie schließlich geschlagen, das
heißt genötigt wurden, von ihrem Angriff abzustehn und sich
zurückzuziehn. Dies ist das Taktische. Das Strategische aber
ist dies:

w  Beauregard hatte alle Truppen konzentriert, die er bekommen
konnte, um die heranrückenden föderalen Divisionen womöglich
einzeln zu überfallen. Dies mißlang; die Truppen von Grant,
Buell und Wallace waren genügend, ihn zurückzuweisen. Die
Föderalisten hätten mit der Schlacht Tennessee verloren, jetzt

«haben sie es behauptet. Beauregard hat es nur seinen Schanzen

Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt.. Bd. 3 ®
        <pb n="98" />
        (770) 1862 Mai5
von Corinth zu danken, daß er nicht sofort weiter südlich gehn
mußte. Ob diese Schanzen fähig sind, ihn gegen den Angriff von
Halleck (der jetzt das Kommando übernommen) zu schützen,
können wir nicht wissen. Ebensowenig ist dem Gerücht zu trauen,
daß er kolossale Verstärkung aus Mississippi, Louisiana und
Alabama bekommen. Ist dies teilweise der Fall, so sind es doch
lauter Rekruten, die ihm mehr im Wege sind als sie nützen,
Andrerseits waren die Kräfte bei Pittsburg-Landing so nahe im
Gleichgewicht, daß ohne Verstärkungen Halleck auch
nicht leicht einen Sturm auf ein verschanztes Lager oder eine son- x
stige große Offensivunternehmung machen wird. Wir wissen
nicht, welche Truppen außer den bei Pittsburg-Landing enga-
zierten die Förderalisten sonst noch in Tennessee oder Kentucky
haben, ist also schwer zu sagen, wie die Chancen stehen, In-
zwischen haben die Unionisten die Eisenbahn von Memphis nach x
Chattanooga (id est nach Richmond, Charleston, Savannah) so-
wohl westlich wie östlich von Corinth unterbrochen. Hierdurch
ist Beaur[egard] auf Eine Eisenbahn (nach Mobile und New Or-
leans) beschränkt, und es fragt sich, ob er seine Truppen auf die
Dauer in Corinth wird verpflegen können.

2, Virginien. Held Mac Clellan in a dead fix. Ich denke, er
trägt hier seine falsche Glorie zu Grabe. Er hat sich von Mac
Dowell wieder eine Division abtreten lassen, wird aber wenig
helfen. Retten können ihn nur die Panzerschiffe, von
denen wieder eins (Galena) nach Monroe abgegangen. Über die- 2
sen Gegenstand siehe den heutigen Morning Star, amerika-
nische Korrespondenz, sehr interessant für Östreich. Daraus wirst
du auch sehen, weshalb der Monitor neulich ruhig liegen blieb,
als der Merrimac, Yorktown etc. die 3 Transportschiffe weg-
nahm. Durch Fegung der Flüsse rechts und links und Flanken- z
und Rückenfeuer könnten diese Schiffe den Esel oder Verräter
wieder retten, grade wie die Kanonenboote bei Pittsburg-Landing
den Sherman retteten (der lauter junge Truppen hatte, die nie im
Feuer gewesen).

3. Mountain Department. Fremont ist noch immer in Whee- ss
ling, und in Folge davon ist der Gebirgsteil von Südvirginien, so-
wie Ost-Tennessee, noch in Feindes Hand. Also die aller-
besten Unionsbezirke! Woran das liegt, ist nicht zu er-
klären. Jedenfalls wird das noch Anfang April zu Knoxville,
Tennessee, ausgehobne Konföderalistenregiment wohl beim ersten «
Schuß übergehn.

Bonaparte ist wieder am Mogeln in Amerika, Er wird sich
hüten, in dies Wespennest zu stechen. Ehe das Jahr am Ende
(vide Morning Star), wären seine Panzerschiffe ebenso wie alle
französischen Handelsschiffe vom Ozean, und dann adieu Pläsier! 4
        <pb n="99" />
        (770) 1862 Mai 5

67

Apropos! Du wirst im heutigen Standard (oder Morning He-
rald) gesehn haben, daß General Hecker Haupt-Nigger-
fänger geworden (Manhattan). Heb das Blatt ja auf.

Was sagst Du zu den preußischen Wahlen? Die Niederlage der

s Regierung ist so kolossal, daß sie einem entscheidenden Sieg der-
selben gleich kommt. Denn das muß den schönen Wlilhelm] ja
zum Äußersten treiben. Jetzt schicken sie ihm lauter Demokraten!
Der Hamburger Korrespondent sagt auch schon, mit dem jetzigen
Wahlgesetz sei nichts aufzustellen und könne nicht regiert wer-

oo den. Ehren-Twesten ist schon wieder ganz in den parlamenta-
rischen Kretinismus versunken und will ein Mißtrauensvotum
gegen die Minister vorschlagen.. Jedenfalls sind die Schwierig-
keiten im Wachsen, und die Flut am Steigen.

Wie ist’s mit Wein für Jennychen? Sage mir, welche Sorten

ıs Allen am meisten empfiehlt. Ich kann jetzt auch einigen Port-
wein schicken, der sehr zu empfehlen ist, alt, leicht, ohne
Schnaps; aber nur, nachdem er gut filtriert ist, die Kruste
ist lose geworden. Herzliche Grüße

Dein F. E.

771. Marx an Engels; [1862]

Mai 6

6. Mai.
Lieber Frederick,
Den einliegenden höchst kuriosen Brief, den die jeunesse
hongroise ä Paris, wenn auch verstümmelt, in den Siecle,

„Temps und Progres de Lyon gebracht, und den Schily
mir zugeschickt, schick zurück, sobald Du ihn lupus mitgeteilt
hast. Dieselbe „jeunesse“ wird jetzt ein Pamphlet über das Tri-
umvirat Kossuth-Klapka-Türr zu Paris mit sonderbaren Enthül-
lungen loslassen.

17 Apropos! Die facts aus dem Briefe kannst Du Eichhoff mit-
teilen, 57, Ranelagh Street, Liverpool. Er kann die Sache in die
„Zeitung für Norddeutschland“ (Hannover) bringen.

Vor kurzem, schreibt mir Schily, erschien im Berner „Bund“
(kannst Du das nicht nachsehn im Klub?) die Erklärung eines un-

„ garischen Flüchtlings, worin Vogt „die gemästete Sau des Palais
Royal“ benamst wird, Fazy, Kossuth, Klapka. Türr aber als „‚Ha-
lunken und Spieler“ figurieren.

Ich habe 330 Stück „Vogt“ von dem Hund Koller zurück-
bekommen. Wüßte ich nur eine Gelegenheit! Jetzt wäre vielleicht

w der Moment, sie &amp; 100 p. c. Verlust loszuschlagen? Nämlich in
Genf und Bern. Wie gelegen käme das grade jetzt.
        <pb n="100" />
        (771) 1862 Mai 6

Die Press von April und Mai schick ich Dir. Du erhältst
sie künftig regelmäßig. Die Sachen werde ich Dir schaffen, i. e.
die estimates.

As to wine, so ist den Kindern natürlich bunte Sammlung
von Verschiedenem das Liebste. Ich glaube, nach Allen ist Bor-
deaux und Port das Beste.

Ich werde noch einmal an Dana schreiben. Schmerzlich ver-
misse ich die Zusendung der Tribune. Dies ist eine Gemein-
heit des Greeley und Mc Elrath. Aus den letzten Nummern der
Tribune vom März habe ich zweierlei ersehn. Erstens, daß 10
Mc Clellan 8 Tage vorher genau von dem Abzug der Con-
federates unterrichtet war. Zweitens, daß der Times Russell
während der Trent Affäre sein Schnüffeln in Washington zum
Spiel auf der Börse in New York benutzte.

In Preußen wird es zum coup d’&amp;tat, wenn auch nicht zum ıs
coup d’&amp;clat kommen.

Bonapartes jetzige Manöver in Mexiko (ursprünglich ging die
Sache von Pam aus) klären sich dadurch auf, daß Juarez nur die
offizielle Schuld an Frankreich von 46000 £ St. anerkennt. Aber
Miramon und seine Bande hatten, vermittelst des Schweizer Ban- zo
kiers Jecker et Co., Staatsobligationen zu 52000000 Dollars
ausgegeben (worauf gezahlt about 4 Mill. Dollar). Diese Staats-
obligationen — Jecker et Co. nur hommes de paille — fast für
zero in die Hände von Morny et Co. gefallen. Sie verlangen die
Anerkennung derselben von Juarez. Hinc illae lacrimae. 25

Schurz ist — Brigadiergeneral bei Fremont!!!

B[orkheim] hat mir den Rest vorigen Freitag ausgezahlt.

Dein K. M.
772. Engels an Marx; 1862 Mai 12.
Manchester, 12. Mai 1862. zo
Lieber Mohr,

In aller Eile inliegend £ 10 (0/A 40602, Manchester, 24. Jan.
1862), damit der Schlächter Ruhe hat. Da ich heute nacht 5 Uhr
in London ankommen und 7 Uhr Morgens wieder abfahren
werde, so kann ich Dich leider nicht treffen. -

Was mich bei den Yankees an allem Erfolg irremacht, ist
nicht die militärische Sachlage an und für sich. Sie ist es nur als
Resultat der Schlaffheit und Stumpfheit, die sich im ganzen Nor-
den zeigt. Wo ist da revolutionäre Energie irgendwo im Volk?
Sie lassen sich durchhauen und sind ordentlich stolz auf die
Keile, die sie kriegen. Wo ist im ganzen Norden auch nur ein ein-
ziges Symptom, daß es den Leuten Ernst ist mit irgend etwas?

7 1—
        <pb n="101" />
        (772) 1862 Mai 12
Mir ist so was noch nicht vorgekommen, in Deutschland in der
schlimmsten Zeit nicht. Die Yankees scheinen sich im Gegenteil
am meisten schon darauf zu freuen, daß sie ihre Staatsgläubiger
prellen werden.

Au revoir.

FF

Dein

F. E.

773. Engels an Marx; [1862 Mai ca. 18].
Lieber Mohr,
Du mußt mein Nichtschreiben entschuldigen. Ich bin noch nie
u so überlaufen gewesen als diese Woche. Östreicher, Hinterwäld-
ler, Franzosen, und heute schickt mir der Borkheim noch seinen
Associe auf den Hals — schöne Aussichten! Ich weiß gar nicht
mehr, wo mir der Kopf steht; dabei soll man mit all dem Pack
kneipen und sich angenehm machen. Der Teufel hole die Aus-
z5 stellung.
Eiligst
Dein

F. E.

774. Marx an Engels; 1862 Mai 19
19. Mai 1862.
Lieber Engels,

Vorigen Donnerstag vor 8 Tagen schriebst Du mir, daß Du
mir Wein für Jennychen et Cons. schicken wolltest. Ich zeigte den
Brief den Kindern. Da der Wein nicht kam, war das Enttäuschung.
Es liegt mir in diesem Augenblick daran, weil es sie amüsiert,

2 und unser Haus sonst sehr öde ist.

Nichts fataler als so ein Druck. wie er jetzt bei uns auf dem
Ganzen lagert.

Ich habe glücklicherweise nichts gesehn noch gehört von exhi-
bition und ihren Besuchern und hoffe, daß dieses „Unberührt-

z bleiben“ fortdauert, da ich keineswegs ietzt in der Lage, people
zu empfangen.

Sobald Du etwas Zeit, schreib mir kurz Deine Ansichten über
die Militäroperationen in den United States, namentlich Me Clel-
lans Heldentaten,

Salut.

25
Dein

Nr. 773.

Nr 274
        <pb n="102" />
        (775) 1862 Mai 23

775. Engels an Marx; 1862 Mai 23.

Manchester, 23. Mai 1862.
Lieber Mohr,

Der Wein verzögerte sich aus demselben Grund wie der Brief.
[ch muß bei diesen Sachen Alles selbst besorgen, und bis da der =
Korb gekauft ist etc., kommen viele Störungen vor. Auch diesmal
hab’ ich auf den Port verzichten müssen, weil der nämlich in
meiner Wohnung ist und ich ihn nicht nach dem Warehouse be-
sorgt bekommen konnte. Der Korb geht heute ab. Der Rotwein
und der 1846-er Hochheimer speziell für Jennychen. Die 3 Fla- zo
schen rot Siegel ohne Etiquette sind 1857-er Rüdesheimer (der-
selbe, den wir hier tranken) und für Patienten zu hitzig, ge-
zsunden Leuten dagegen sehr gut.

Strohn war hier (Du siehst cela ne finit pas mit den Besuchen).
Er war in Berlin kurz vor der Auflösung und kneipte viel mit den ı5
rheinischen Deputierten. Die Kerle nahmen die ganze Position
anorm ernsthaft, glaubten an ihre Allmacht und waren wieder so
schön im parlamentarischen Kretinismus fast wie je 1848. Der
cote Becker, dessen Haar inzwischen sehr abgeblaßt, lief den
zanzen Tag in evening dress, schwarz von oben bis unten, und im z
Frack herum. Sein Bauch dicker als je.

Auch trieb sich dort Herr Rudolf Schramm, late ouf Striegau,
herum und beklagte sich bei Jedem, der ihn anhören wollte, daß
das Publikum ihn nirgend wählen wollte, was ihm über den Ver-
stand ging. Eines Abends schwatzte Schr[amm] kolossales Blech 25
über England, worauf Strohn ihm sagte: Hören Sie mal, Herr
Schramm, wenn ich so lange in England gewesen wie Sie, so
würde ich mich doch schämen, solchen Blödsinn zu schwätzen;
Sie scheinen dort die ganze Zeit über geschlafen zu haben,
Worauf der sonst so freche Schr[amm] antwortete: Wissen Sie, zo
in England mußte ich meiner Frau wegen in Gesellschaft gehn,
zu der ich nicht paßte, und die Leute, die ich gern gesehen hätte,
konnte ich aus eben dem Grund nicht sehn!!!

Mc Clellan fährt fort in der bekannten Manier. Die Confede-
rates entwischen ihm immer, weil er nie drauf losgeht, was er 3
damit entschuldigt, daß diese stärker seien, a good deal, als er.
Deswegen laufen sie denn auch immer fort. So ist noch nie ein
Krieg geführt worden, dafür bekommt er dann auch sein Dank-
votum. Inzwischen sind diese kleinen unglücklichen Rückzugs-
gefechte und das fortwährende Ausreißen doch genügend, um die 4
Confederates arg zu demoralisieren, und wenn’s zur entscheiden-
den Schlacht kommt, werden sie das merken.

Die Einnahme von New Orleans ist ein Bravourstück der Flotte.
Ganz ausgezeichnet, die Passage der Forts nämlich. Nachher war

Z. 4-13.

290393 1
        <pb n="103" />
        (775) 1862 Mai 23

Alles einfach. Der moralische Effekt auf die Confederates war
offenbar enorm, und der materielle wird sich bereits fühlbar ge-
macht haben. Beauregard in Corinth hat jetzt Nichts mehr zu
verteidigen, die Stellung hatte nur einen Sinn, solange sie Missis-

; sippi und Louisiana, speziell New Orleans, deckte. B[eauregard]
ist strategisch in die Lage gebracht, daß Eine verlorne Schlacht
ihm keine Wahl übrig läßt, als seine Armee in Guerillas aufzu-
lösen, denn ohne große Stadt, wo Eisenbahnen und Ressourcen
sich konzentrieren, im Rücken seiner Armee, kann er keine

‚o Massen zusammenhalten.

Wird die Armee der Confederates in Virginien geschlagen, so
muß sie nach den vorangegangnen demoralisierenden Geschichten
sich bald von selbst in Guerillas auflösen. Sie hat zwar bessere
Chancen, weil auf ihrer Rückzugslinie die vielen Flüsse quer vom

ı Gebirg nach dem Meer laufen und weil sie diesen Esel Me Cllel-
lan] gegenüber hat, indes wird die Natur der Dinge sie dahin trei-
ben, entweder eine entscheidende Schlacht anzunehmen oder sich
ohne Schlacht in Banden aufzulösen. Grade wie die Russen bei
Smolensk und Borodino sich schlagen mußten, gegen den

» Willen der richtig urteilenden Generale.

Gewinnt Beaurlegard] oder die Armee von Virginien eine
Schlacht, und sei sie noch so groß, so kann das wenig helfen. Die
Confederates sind nicht in der Lage, den geringsten Nutzen davon
zu ziehn. Sie können nicht 20 englische Meilen vorrücken, ohne

»; festzufahren, und müssen also den erneuerten Angriff abwarten.

Ihnen fehlt Alles. Ich halte diesen Fall übrigens ohne direkten
Verrat für ganz unmöglich.

An einer einzigen Schlacht hängt also jetzt das Schicksal der
konföderierten Armeen; es bleibt noch übrig, die Chancen des

zo Guerillakriegs zu untersuchen. Nun ist es gerade bei diesem

Krieg äußerst wunderbar, wie wenig oder wie sehr vielmehr gar
nicht die Bevölkerung daran Teil genommen. 1813 wurden doch
die Verbindungen der Franzosen von Colomb, Lützow, Czerni-
schew und zwanzig andren Freischärlern und Kosakenführern
fortwährend unterbrochen und parzelliert; 1812 verschwand in
Rußland die Bevölkerung vollständig von der französischen
Marschlinie; 1814 bewaffneten sich die französischen Bauern
und schlugen alliierte Patrouillen und Nachzügler tot, aber hier
geschieht gar nichts. Man unterwirft sich dem Schicksal
uder großen Schlachten und tröstet sich mit victrix causa
Diis etc. Die Renommage mit dem Krieg bis zum Messer löst sich
in puren Dreck auf. Und auf dem Terrain sollen Guerillas fort-
kommen? Allerdings erwarte ich, daß der white trash des Südens
nach definitiver Auflösung der Armeen so was versuchen wird,
‚5 aher ich bin zu sehr von der Bourgeoisnatur der Pflanzer über-

en
        <pb n="104" />
        (775) 1862 Mai 23
zeugt, um einen Augenblick zu zweifeln, daß das sie sofort zu
wütenden Unionsleuten machen wird. Die sollen das mit der bri-
gandage versuchen, und die Pflanzer werden überall die Yankees
mit offnen Armen aufnehmen. Die bonfires am Mississippi be-
ruhen ausschließlich auf den 2 Kentuckyern, die nach Louisville
gekommen sein sollen — sicher nicht auf dem Mississippi. Der
Brand in New Orleans war leicht organisiert und wird in andern
Städten wiederholt werden; auch sonst wird gewiß Manches ver-
brannt, aber die Sache muß notwendig den split zwischen den
Pflanzern und Kaufleuten einerseits und dem white trash andrer-
seits auf die Spitze treiben, und damit ist die Sezession futsch,

Der Fanatismus der New Orleans-Kaufleute für die Confede-
ration erklärt sich einfach dadurch, daß die Kerle eine Masse
Confederationsscrip haben für bares Geld nehmen müssen. Ich
xenne hier mehrere Exempel davon. Man muß das nicht ver- ıs
zessen. Kine tüchtige Zwangsanleihe ist ein famoses Mittel, die
Bourgeois an die Revolution zu fesseln und an ihren Klassen-
interessen durch ihre persönlichen Interessen irre zu machen.

Beste Grüße an Deine Frau und die Mädchen.

Dein F.E.
Lupus hat wieder viel an der Gicht laboriert. Er geht in
53 Wochen nach Deutschland.

Du hast doch die Sache mit Bernard gelesen, daß sie den ins
Tollhaus gesteckt haben. Hat die Geschichte ihre Richtigkeit oder
ist foul play dabei?

776. Marx an Engels; 1862 Mai 27.

27. Mai 1862.
Lieber Frederick,

Die Kinder und die whole family lassen Dir bestens danken
für den spirituösen Korb.

Aus dem einliegenden Brief von Eichhoff erkennst Du die Art
Polemik, wie sie Pfaffe Kinkel liebt, lieblich wieder. Was wäre
Gottfried ohne seinen Bettseicher!

Dr. Klein in Köln hat 35 000 Taler in der preußischen Lotterie
gewonnen, was ich Dir wohl noch nicht geschrieben. Seine Heirat 3
mit Frau Daniels wird jetzt wahrscheinlich, wenn er bei seinen
alten Vorstellungen bleibt.

Bernard, stets sehr exzentrisch, außerdem sich überarbeitet
habend in den letzten Wochen, ist allerdings in „Halluzination“
gefallen. Das Unfaire an der Sache bloß das, daß man sofort die «
Gelegenheit ergriff, ihn einzuspunnen, was ganz überflüssig war,

2

7 91.—992

21.32
        <pb n="105" />
        (776) 1862 Mai 27

da die Familie, bei der er in Dorking Unterricht gab, die Pflege für
ihn sowie die Verantwortlichkeit übernehmen wollte, Ditto Allsop.
Aber die Gegenwart des letztern, der das Geld für das Orsini-
attentat gegeben, und sein abermaliges Zusammensein mit Ber-
nard hatte längst die bonapartistische Polizei beunruhigt, in deren
Auftrag die englische Polizei längst dem Bernard aufgepaßt.

Ich habe letzten Sonnabend summarische Aufforde-
rung von meiner Gaskompanie erhalten, ihr bis nächsten
Sonnabend 1 £ 10 sh. zu zahlen, widrigenfalls (es ist die

„letzte Warnung) ich „abgeschnitten“ werde. Da ich nun sans sou,
muß ich mich in diesem Dreck an Dich wenden.

Das Aufblasen” des Merrimac scheint mir eine evidente Feig-
heit auf seiten der konföderierten Sauburschen. Riskieren konn-
ten die Hunde noch immer etwas. Wunderbar schön, wie die Ti-

ıs mes (die alle Coercionbills gegen. Irland mit so großem Feuer-
eifer vertrat) darüber jammert, daß „die Freiheit“ verloren gehn
müsse, falls der Norden den Süden tyrannisiere. Der „Eco-
nomist“ ist auch gut. Er erklärt in seiner letzten Nummer, daß
ihm das finanzielle Glück der Yankees — die Nichtdepreziation

» des Papiergelds — unbegreifli ch (obgleich die Sache platt
einfach ist). Er hatte bisher seine Leser mit dieser Depreziation
von Woche zu Woche getröstet. Obgleich er nun gesteht, daß er
das, was seines Amts, nicht versteht und seine Leser darüber irr-
geführt hat, tröstet er sie jetzt mit düstren Bedenken über die

z „Kriegsoperationen“, von denen er offiziell nichts versteht.

Was den Yankees die Papieroperationen außerordentlich er-
leichterte (der Hauptpunkt, das Vertrauen in ihre Sache und da-
mit in ihre Regierung unterstellt), war unbedingt der Umstand,
daß in Folge der Sezession der Westen von Papiergeld, also von

zo circulating medium überhaupt, fast entblößt war. Alle die Ban-
ken, deren Hauptsecurities in den bonds von slave states be-
standen, bankrottierten. Außerdem wurde für millions currency
weggeschwemmt, die im Westen in direkten Banknoten der sou-
thern banks zirkulierte. Dann hatten die Yankees, teils in Folge

» des Morrilltarifs, teils des Kriegs selbst, der der Luxuseinfuhr
großenteils ein Ende machte, die Handelsbilanz, also den Wech-
selkurs während der ganzen Zeit für sich gegen Europa. Ungün-
stiger Wechselkurs hätte das patriotische Vertrauen in das Papier
auf Seiten der Philister arg affizieren können.

Übrigens diese lächerliche Sorge John Bulls für die Staats-
schuldzinsen, die Unele Sam zu zahlen haben wird! Als ob es
nicht eine Bagatelle gegen Bulls Staatsschuld wäre, außerdem
aber die United States jetzt unbedingt reicher sind, als die Bulls
1815 mit ihrer Milliarde Schuld waren.

1) Im Orig. Aufbasen

73

{}
        <pb n="106" />
        (776) 1862 Mai 27

Hat Pam den Bonaparte nicht schön in Mexiko hineingeritten!

Ich bin jetzt — schon aus Desperation — tüchtig im Schanzen
und schreibe dem Teufel ein Bein ab, ich meine die Geschichte
über Ökonomie. In der „Presse“ erscheint wöchentlich 1 Artikel.
Ich schicke ihnen auch nur das, gemäß Herrn Flriedländerl]s s
Brief.

Salut.
Dein

K. M.
Meine Grüße an Mrs. Bortman and sister.

7/77. Engels an Marx; 1862 Mai 29.
Manchester, 29, Mai 1862.
Lieber Mohr,

Inliegend die Post Office Order 2 £. Zahlbar Kentish Town,
was, wenn ich nicht irre, das Dir nächste Bureau ist.

Siebel erfreut sich eines Töchterleins. 16

Anneke ist bei Buells Armee und schreibt seit heute in die
Augsburger. Mir ist etwas bange um die Truppen des Halleck, die
Sache schleppt sich so lange hin, und es scheint doch nicht, daß
ar irgend Verstärkungen bekommt, obwohl Spences Lügen in der
Times sicher nichts bedeuten. Willich kommandiert als Oberst zo
‘the eternal colonel!) das 32. Indianaregiment.

Die Geschichte mit Klein freut mich sehr für den armen
Teufel. Den Brief Eichhoffs schick ich Dir zurück, sobald ich ihn
Lupus vorgelesen, ich kann aber jetzt nicht zu ihm gehn, da ich
mich einer seit mehreren Tagen geschwollenen Mandel wegen 25
Abends zu Hause halten muß.

Es scheint nun doch etwas Guerillakrieg anzufangen, sehr be-
deutend ist’s aber sicher nicht, und erfolgt nur ein Sieg, so wer-
den die nachrückenden Ersatztruppen nebst einiger Kavallerie
dem Ding bald ein End machen. Bei einer Niederlage wär’s zo
freilich fatal.
Dein

F. E.

7/78. Engels an Marx; 1862 Juni 4.
Manchester, 4. Juni 1862.
Lieber Mohr,
Ich hoffe, Du hast die Post Office Order £ 2 erhalten, die ich
vorigen Freitag auf Kentish Town Post Office schickte.

35

Z.9. 13 (Zahlbar)—15. 23-—926.
        <pb n="107" />
        (778) 1862 Juni 4

7R
Also endlich erfahren wir aus Annekes Brief, daß Halleck
am 26. April etwas über 100 000 Mann und 300 Kanonen hatte,
inklusive Pope und Mitchell, und daß er auf die Ankunft von
Curtis und Sigel mit weiteren Verstärkungen wartete, Bis 29. April

5 scheint der Zustand der Armee im Ganzen passabel gewesen zu
sein, Alnneke] spricht von Krankheiten nicht. Hiernach halte ich
die Redensarten von Krankheiten für rein erfunden. Man muß
übrigens sagen, Stanton und Halleck verstehn es, die Presse und
das Publikum mißtrauisch zu machen; es ist doch wahrhaftig

ıo leicht genug, bei jeder Armee einen Korrespondenten zu haben,
dem der General sagt, was er schreiben soll, damit das Publikum
doch irgendwelche Nachrichten bekommt. — Die große Schlacht
wird also wohl geschlagen werden, sobald Sigel und Curtis da
sind. Die Berechnungen von Spence, daß 120000 Mann nötig

ı seien, die Border States in Ordnung zu halten, ist lächerlich, in
Kentucky scheint fast kein Mann zu stehn (außer etwa Übungs-
lager von Rekruten bei Louisville, woraus aber wohl Sigels Korps
sich bilden wird) und in Nashville waren nach Anneke bloß Re-
konvaleszenten etc.:; sonst steht außer den Armeen von Halleck

% und Mc Clellan in den Border States bloß noch Fremont (der,
wie es scheint, noch gar keine Armee hat), Banks (der sehr
schwach sein muß) und Mac Dowell, die aber alle zur aktiven
Armee zählen. Dagegen irrt Spence auf der andern Seite, 1. sind
die Armeen der Federals in diesem Augenblick sicher nicht

» 500 000 Mann in Allem, 2. haben sie gewiß mehr als 90 000 Mann
an der Küste verteilt. Ich rechne etwa so:

An der Küste 100 000

Banks &amp; Fremont 30000

Sigel &amp; Curtis 30 000

Mc Clellan 80000 -

Bei Washington 30 000

Mc Dowell 30 000

Halleck 100000 —.—
also zusammen 400 000 Mann im Feld, wozu noch ca. 60 000 Re-

zs kruten, Rekonvaleszenten und kleine Detachements kommen, die

in Missouri, an beiden Ufern des untern Ohio und Tennessee, zum
Teil in den Städten des Nordostens verteilt sein mögen, Summa
Summarum 460000 Mann. Hierin bestärkt mich die neue Aus-
hebung von 50000 Mann, der eine zweite von gleicher Stärke

u wohl sehr bald folgen wird; man scheint die Armee auf der

Normalstärke von 500000 Mann halten zu wollen.

Es war der größte Schnitzer von Stanton und pure Renom-
mage, die Rekrutierung einzustellen. Das hat materiell ” sehr ge-
7 3 Korr. aus physisch
        <pb n="108" />
        y &gt;

(778) 1862 Juni 4
schadet und den ganzen Zeitverlust bei Corinth und Richmond
verschuldet; und moralisch schadet dieser jetzige Widerruf noch
viel mehr — abgesehen davon, daß es viel schwerer sein wird,
jetzt Rekruten zu bekommen. Leute genug sind sonst da; in Folge
der Einwanderung müssen die Nordstaaten wenigstens 3—4% 5
ihrer Bevölkerung mehr im Alter von 20—35 Jahren haben als
irgend ein andres Land.

Im Übrigen erscheint Monsieur Anneke in seinen Briefen als
der alte griesgrämige Faultfinder und Klugscheißer, der die
Armee nicht nach den Umständen, auch nicht nach dem Gegner x
beurteilt, sondern nach alten europäischen eingeschulten Armeen,
und auch nach diesen nicht, wie sie sind, sondern wie sie sein
sollten. Das Rindvieh sollte doch an die Konfusion denken,
die er selbst bei preußischen Manövern oft genug erlebt haben
muß.

Die Komödie in Berlin wird sehr heiter. Das Ministerium be-
teuert der Kammer seinen Liberalismus, und die Kammer dem
König ihren Royalismus. Embrassez-vous et que cela finisse! Im
Übrigen ist es unzweifelhaft ein Fortschritt, daß die Leute so nett
und so rasch in die parlamentarische Intrige verwickelt werden; zo
indes der Konflikt wird schon kommen. Sehr hübsch dabei, daß
aus der ganzen kurhessischen Historie nichts wurde, bis der Kur-
fürst den schönen Wilhelm persönlich insultierte, und da wurde
arst recht nichts draus.

Was macht Jennychen? 26

Grüße Deine Frau und Kinder herzlich. Das Ding von Eich-
hoff hierbei zurück.

Dein F.E.

779. Marx an Engels; [1862 Juni ca. 6].
Lieber Engels,
Du entschuldigst, wenn ich Dir erst jetzt die £ 2 anzeige. Ich
bin während dieser 8 Tage so gebothered, daß ich keine Zeit
fand. Der landlord und ein halb Dutzend andrer Ungetüme hiel-
en mich running.

Beilege ich 2 copies Lassalle (1 für Dich, eine für lupus). zs
Schreib mir Dein Urteil drüber.

Brief von Steffen erhalten, schick ihn Dir dieser Tage, sobald
ich drauf geantwortet, Er ist in Boston. Scheint sehr verstimmt.
Weydemeyer ist lieutenant colonel.

Salut.
Dei:ı

K. M.

10

7. 8—15.

26 (Das) —27.

Nr. 779.
        <pb n="109" />
        (780) 1862 Juni 18

7
80. Marx an Engels; 1862 Juni 18.
18. Juni 1862.
Lieber Engels,
Es ist mir höchst ekelhaft, Dich wieder von meiner Misere zu
s unterhalten, aber que faire? Meine Frau sagt mir jeden Tag, sie
wünschte, sie läge mit den Kindern im Grab, und ich kann es ihr
wahrlich nicht verdenken, denn die Demütigungen, Qualen und
Schrecken, die in dieser Situation durchzumachen sind, sind in
der Tat unbeschreiblich. Die 50 £ sind, wie Du weißt, für Schul-
vo den ausgegeben worden, von denen nicht die Hälfte damit be-
zahlt werden konnte. Die 2 £ für Gas. Das Lausegeld von Wien
geht erst Ende Juli ein und wird verdammt wenig sein, da die
Hunde nicht einmal wöchentlich 1 Artikel jetzt drucken. Dazu
nun wieder die neuen Ausgaben seit Anfang Mai. Ich will gar
‚ nicht von der in London wirklich gefährlichen Situation sprechen,
ohne einen Centime während 7 Wochen zu sein, da dies sich bei
uns chronisch wiederholt. Aber so viel wirst Du aus eigner Er-
fahrung wissen, daß es beständig laufende Ausgaben gibt, die
bar bezahlt werden müssen. Das geschah nun durch Wieder-
» versetzen der Ende April aus dem Pfandhaus geholten Sachen.
Aber schon seit Wochen ist diese Quelle so erschöpft, daß meine
Frau vor einer Woche den „vergeblichen‘“ Versuch machte,
Bücher von mir zu verklopfen, Die armen Kinder tun mir um
so mehr leid. als dies alles in dieser Exhibition season vorfällt,
es wo ihre Bekannten sich amüsieren und sie nur Schrecken durch-
machen, daß nur Niemand sie besucht und den Dreck durch-
schaut.
Im Übrigen arbeite ich jetzt stark drauflos, und sonderbarer
Weise ist mein Hirnkasten unter all der misere ringsherum besser
z im Gang als seit Jahren. Ich dehne diesen Band mehr aus, da die
deutschen Hunde den Wert der Bücher nach dem Kubikinhalt
schätzen. Nebenbei bin ich nun endlich auch mit der Grundrent-
scheiße (die ich aber nicht in diesem Teil auch nur an-
deuten will) im Reinen. Ich hatte seit lange misgivings über
die völlige Richtigkeit der Ricardo] schen Theorie und habe end-
lich den Schwindel ausgefunden. Auch. sonst für das, was schon
in diesen Band kommt, einige hübsche und überraschende neue
Sachen entdeckt, seit wir uns nicht sahen.
Mit dem Darwin, den ich wieder angesehn, amüsiert mich, daß
« er sagt, er wende die „Malthussche“ Theorie auch auf Pflanzen
und Tiere an, als ob bei Herrn Malthus der Witz nicht darin be-
stände, daß sie nicht auf Pflanzen und Tiere, sondern nur auf
Menschen — mit der geometrischen Progression — angewandt
wind im Gegensatz zu Pflanzen und Tieren. Es ist merkwürdig,
        <pb n="110" />
        (780) 1862 Juni 18
wie Darwin unter Bestien und Pflanzen seine englische Gesell-
schaft mit ihrer Teilung der Arbeit, Konkurrenz, Aufschluß neuer
Märkte, „Erfindungen“ und Malthusschem „Kampf ums Dasein“
wiedererkennt. Es ist Hobbes’ bellum omnium contra omnes, und
3s erinnert an Hegel in der Phänomenologie, wo die bürgerliche s
Gesellschaft als „geistiges Tierreich“, während bei Darwin das
Tierreich als bürgerliche Gesellschaft figuriert.

Buckle hat dem Ruge den Streich gespielt zu sterben. Ruge
hatte in seiner Phantasie noch eine Bibliothek gesehn, die
B[uckle] schreiben und Ruge ins Deutsche „verhandeln“ sollte. zo
Poor Ruge! Und poor Buckle, den ein „Freund“ in der Times
heute noch durch ein testimonium pietatis verleumdet.

Hast Du und lupus die von mir gesandten 2 Julian Schmidt
arhalten?

Apropos! Wenn es in ganzer Kürze, ohne Dich in Anspruch zu 5
nehmen, geschehn kann, so wünschte ich ein Paradigma (nebst
Erklärung) zur italienischen Buchführung. Es wäre nützlich bei
der Beleuchtung des „Tableau Economique“ des Dr. Quesnay.

Kein Mensch besucht mich, und das ist mir lieb, denn die
Menschheit, die hier ist, kann mich — — —. Schönes Gesindel! zo

Salut.
Dein K. M.
Lassalle hat mir geschrieben. Er kömmt vielleicht im Juli her.
Ende Herbst eröffnet er die beginnende Ausarbeitung seiner „Öko-
nomie““, die ihm aber „lange Zeit“ kosten wird. Er wird sich 25
wundern.

781. Engels an Marx; (1862 Juli ca. 3].
Lieber Mohr,

Da-das neue Geschäftsjahr angefangen hat und ich erst in ca.
14 Tagen dem Borkheim die £ 50 zurückzuzahlen habe, so können z
wir den Coup de main von neulich wiederholen. Du findest also
inliegend 1086445. Zehn Pfund, Manchester, 31. Januar 1861.
Bank von England Note. Die zweite Hälfte morgen.

Der Schwindel im Baumwoll-Markt und der daraus folgende
tägliche Aufschlag der Preise hält mich so beschäftigt, daß ich 2
nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Sowie ich Zeit habe. schreibe
ich. Wie geht’s Jennychen?

Dein F. E.

V. 781.
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        Tafel II

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Marx an Engels, 18. Juni 1862
fı 8. 17—7B)
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        <pb n="113" />
        (782) 1862 Juli5

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782. Marx an Engels; [1862] Juli 5.
5. Juli.
Lieber Engels,
Besten Dank für die £ 10, wovon heute pars I angelangt.
Ich höre, daß Herr Gumpert hier war; hat mich nicht besucht.
Well, I shall try to do without him.
Beiliegend 1 Press und zwei sehr kluge „Reden“ von Lassalle.
Den einliegenden Brief L[assalle]s brachte der östreichische
„Hauptmann a. D.“ Schweigert”, ein guter, dummer Kerl. Der
„ Witz ist der, daß Rüstow — außerdem durch 2 Gebrüder Rüstow
unterstützt — den Nationalverein, Turnverein etc. benutzen wollte
oder will, um wenigstens in den kleineren deutschen Staaten eine
im entscheidenden Moment der Armee gegenüberzustellende und
von Herrn Rüstow kommandierte Bürgerwehr zur
ıs Verfügung zu haben. Der Plan ist verteufelt dumm. Und dazu
soll das Geld dazu aus London kommen! Ich glaube nicht, daß
Lassalle diese delusions teilt. Ihm gilt es nur, sich wichtig zu
machen, den Schweigerts” etc. gegenüber.
Ich hoffe, daß Du jedenf alls nach London kommst in the course
» of the season. Jennychen ist nicht mehr unwohl, aber sie ist deli-
kater geworden, als sie ihrer Konstitution nach sein soll. Seebad
muß unter allen Umständen by the by für sie beschafft werden.
Ist lupus schon in Deutschland?
Wie ist das mit den „associates‘“ der British Association. Gel-
% ten die alten Karten? Lupus hat meine.
Salut.
Dein

K. M.

783. Marx an Engels; [1862] Juli 11
11. Juli.
Lieber Engels,

Lassalle ist seit 2 Tagen hier und will sich mehrere Wochen
hier aufhalten. Du mußt nun auf einige Tage herkommen, da er
ohnehin schon sehr „offended“, daß Du und Wolff ihm nie den
Empfang seiner Schriften angezeigt. Du wolltest ja ohnehin auf

5 ein paar Tage zur exhibition kommen.

Ich schreibe Dir so spärlich, weil ich wie ein Pferd an dem
Buch arbeite.

Salut.
Dein

K. M.
A
1) Im Orig. Schweichert

7 17 (Ihm)—18.
        <pb n="114" />
        (784) 1862 Juli21
784. Marx an Engels; [1862] Juli 21.

21. Juli.
Lieber Engels,

Bei Freiligrath gewesen, war all right.

Itzig — dessen Eitelkeit Dich sehr belustigen würde — geht in s
nächster Woche ab. Wenn möglich, komm Freitag. Reinhardt ®,
ler commercant geworden, hat uns gestern auch besucht.

Salut.

K. M.
Was sagst Du über Me Clellan?

785. Engelsan Marx; 1862 Juli 30.
Manchester, 30. Juli 1862.
Lieber Mohr,

Es tat mir sehr leid, daß ich am Freitag nicht kommen konnte,
außer andern Gründen kam noch dazu, daß ich mich mit Ermen ı5
sinigermaßen gezankt hatte und ihn also weder um eine Begünsti-
zung angehn noch ohne ein Wort zu sagen wegbleiben konnte.
Sonst wäre ich jedenfalls gekommen, selbst auf die Gefahr hin,
am Samstag etwas Wesentliches zu versäumen.

Die Geschichte in Amerika geht schief, und zwar trägt after all zo
Herr Stanton die Hauptschuld dadurch, daß er nach der Eroberung
‚on Tennessee aus purer Renommage die Anwerbungen einstellte,
also die Armee zu fortwährender Abschwächung verdammte, grade
als sie zur raschen entscheidenden Offensive am meisten Verstär-
kung brauchte. Mit stetem Zufluß von Rekruten war der Krieg bis 25
jetzt, wo nicht entschieden, doch der Erfolg außer Zweifel. Bei
(ortwährenden Siegen kamen auch die Rekruten flott. — Um so
alberner war dieser Schritt, als der Süden damals grade alle Män-
ner von 18—35 Jahren einstellte, also Alles auf eine Karte setzte.
Diese inzwischen eingerückten Leute sind es, die jetzt überall den zo
Konföderierten das Übergewicht geben und ihnen die Initiative
sichern. Sie hielten Halleck fest, verdrängten Curtis aus Arkansas,
schlugen Mc Clellan und gaben unter Jackson im Shenandoa-Tal
Jas Signal zu den Guerillazügen, die jetzt schon bis an den Ohio
Iringen. Dummer kann man sich nicht benehmen als Stanton.

Ferner. Als Stanton sah, daß er Mc Clellan nicht vom Kom-
mando der Potomacarmee verdrängen konnte, beging er die
Dummheit, ihn durch Erteilung von besondren Kommandos an

Fremont, Banks und Mc Dowell zu schwächen und die Kräfte

1) Im Orig. Reinhard
        <pb n="115" />
        (785) 1862 Juli 30

Fa

im Interesse der Absetzung Mc Clellans zu zer-

splittern. Die Folge davon ist, daß nicht nur Me C[lellan] ge-

schlagen wurde, sondern auch, daß es in der öffentlichen Meinung

nun heißt, nicht Mc Cllellan}, sondern Stanton sei Schuld an der
s Niederlage. Geschieht Herrn Stant[on] recht.

Das Alles hätte nichts zu bedeuten, es könnte sogar nützen, indem
der Krieg endlich revolutionär geführt würde. Aber da fehlt’s. Die
Niederlagen stacheln diese Yankees nicht auf, sie erschlaffen sie.
Wenn es schon dahin gekommen, daß man, um nur Rekruten zu

„ bekommen, sich bereit erklärt, sienur auf 9 Monate zu neh-
men, so heißt das nichts anders als: wir sind im Arsch, und wir
wollen bloß noch eine Scheinarmee als Demonstrationsmittel wäh-
rend der Friedensverhandlungen. Diese 300 000 Freiwilligen, das
war das Kriterium, und indem der Norden sich weigert, diese zu

1 stellen, erklärt er, daß ihm au fond die ganze Sache Scheiße ist.
Dazu, welche Feigheit in Regierung und Kongreß. Man fürchtet
sich vor Konskription, vor resoluten Finanzschritten, vor Angrei-
fen der Sklaverei, vor Allem, was dringend nötig ist, man läßt
Alles bummeln wie es will, und wenn irgend eine Scheinmaßregel

» endlich durch den Kongreß, so verklausuliert Ehren-Lincoln sie
noch so, daß auch gar nichts mehr dran bleibt. Diese Schlaffheit,
dies Zusammenfallen, wie eine angestochene Schweinsblase, vor
dem Druck von Niederlagen, die eine Armee, die stärkste und
beste, vernichtet und Washington faktisch bloßgelegt haben, diese

zs totale Abwesenheit jeder Elastizität in der ganzen Masse des Volks
_—_ das beweist mir, that it is all up. Das bißchen Massmeetings
ete. will nichts sagen, das reicht noch nicht einmal an die Auf-
regung bei einer Präsidentenwahl. ;

Dabei der totale Mangel an Talenten. Ein General dummer als

» der andre. Nicht einer, der zur geringsten Initiative oder zu selb-
ständigem Entschluß fähig wäre. Die Initiative seit 3 Monaten
wieder vollständig beim Gegner. Dann eine Finanzmaßregel toller
als die andre. Hülflosigkeit und Feigheit überall, außer beim ge-
meinen Soldaten. Desgleichen die Politiker — ebenso absurd und
ratlos. Und der populus ist hülfloser, als wenn er 3000 Tahre unter
östreichischem Szepter gelungert hätte.

Dem Süden dagegen — it’s no use shutting one’s eyes to the
fact — ists blutiger Ernst mit der Sache. Daß wir keine Baum-
wolle kriegen, ist schon ein Beweis. Die Guerillas in den Grenz-

staaten sind ein zweiter. Aber daß nach einer solchen Absperrung
von der Welt ein Ackerbauvolk einen solchen Krieg aushalten und
nach schweren Niederlagen und Einbußen an Ressourcen, Leuten
und Gebiet dennoch jetzt wieder als Sieger dastehn und mit Offen-
sive bis in den Norden hinein drohen kann, das entscheidet meiner

‚s Ansicht nach. Dabei schlagen sie sich ganz famos, und was außer

Marx-Engels-Gesamtausgabe, IIT. Abt., Bd. 3 :
        <pb n="116" />
        32

(785) 1862 Juli 30
dem Gebirg von Union-feeling noch da war, geht jetzt bei der 2. Be-
setzung von Kentucky und Tennessee sicher verloren.

Kriegen sie Missouri, so kriegen sie auch die territories, und
dann kann der Norden einpacken.

Wie gesagt, wenn der Norden nicht sofort revolutionär auftritt,
kriegt er heillose Prügel und verdient sie — und so scheint es.

Wie geht’s Jennychen?

Grüße Deine Frau und die Kinder.

Herzlich Dein F. E.

786. Marxan Engels; [1862] Juli 30.
30. Juli.

Lieber Engels,

Aus den einliegenden Wischen siehst Du teilweise, wie ich bin
bothered. Der landlord hat sich bisher beschwichtigen lassen, hat
25 £ zu bekommen. Der Klaviermann, der Ratenzahlungen für ı5
das Klavier bekommt, sollte schon am letzten Juni 6 £ erhalten,
und ist ein sehr grober Lümmel. Steuerzettel für 6 £ liegen mir
im Haus. Den Schuldreck von ungefähr 10 £ habe ich glücklicher-
weise bezahlt, da ich alles tue, um den Kindern direkte Demüti-
gungen zu ersparen. Dem Metzger habe ich 6 £ abgezahlt (und z
dies war meine Gesamteinnahme eines Vierteljahrs von der
„Presse“1), aber der Kerl tritt mich wieder, nicht zu sprechen von
Bäcker, tea grocer, greengrocer und wie all das Teufelszeug heißt.

Der jüdische Nigger Lassalle, der glücklicher Weise Ende die-
ser Woche abreist, hat glücklich wieder 5000 Taler in einer fal- 2
schen Spekulation verloren. Der Kerl würde eher das Geld in den
Dreck werfen als es einem „Freunde“ pumpen, selbst wenn ihm
Zinsen und Kapital garantiert würden. Dabei geht er von der An-
sicht aus, daß er als jüdischer Baron oder baronisierter (wahr-
scheinlich durch die Gräfin) Jude leben muß. Denk Dir, daß der z
Kerl, der die Geschichte mit Amerika usw. weiß, also die Krise
kennt, in der ich mich befinde, die Frechheit hatte, mich zu fragen,
ob ich eine meiner Töchter als „Gesellschafterin“ der Hatzfeldt
übergeben wolle und ob er mir selbst die Protektion Gersten-
bergs (!) verschaffen solle! Der Kerl hat mir Zeit gekostet und, ss
meinte das Vieh, da ich ja jetzt doch „kein Geschäft“ habe, sondern
nur eine „theoretische Arbeit“ mache, könne ich ebensogut meine
Zeit mit ihm totschlagen! Um gewisse dehors dem Burschen gegen-
über aufrechtzuerhalten, hatte meine Frau alles nicht Niet- und
Nagelfeste ins Pfandhaus zu bringen! 4

Wäre ich nicht in dieser scheußlichen Position und ärgerte mich
nicht das Klopfen des Parvenu auf den Geldsack, so hätte er mich
königlich amüsiert, Seit dem Jahr, wo ich ihn sah, ist er ganz ver-

Z. 26 (Der) —38 ! 41 (und)—42 , 43 (Seit) —
        <pb n="117" />
        (786) 1862 Juli 30

83
rückt geworden. Der Aufenthalt in Zürich (mit Rüstow, Herwegh
etc.) und die spätere Reise in Italien, dann sein „Herr Julian
Schmidt“ etc. haben ihm den Kopf vollends verdreht. Er ist nun
ausgemacht nicht nur der größte Gelehrte, tiefste Denker, genialste
Forscher usw., sondern außerdem Don Juan und revolutionärer
Kardinal Richelieu. Dabei das fortwährende Geschwätz mit der
falschüberschnappenden Stimme, die unästhetisch demonstrativen
Bewegungen, der belehrende Ton!
Als tiefes Geheimnis teilte er mir und meiner Frau mit, daß er
vo Garibaldi den Rat gab, nicht Rom zum Ziel des Angriffs zu
machen, sondern er solle nach Neapel, dort sich zum Diktator
(ohne Verletzung Viktor Emanuels) aufwerfen, die Volksarmee
aufrufen zum Feldzug — gegen Östreich. Lassalle ließ ihn
300 000 Mann aus dem Boden stampfen, und die piemontesische
Armee schloß sich natürlich an. Und dann — nach einent von
Herrn Rüstow, wie er sagt, gebilligten Plan — sollte ein detachier-
tes Korps nach der adriatischen Küste (Dalmatien) gehn oder viel-
mehr schiffen und Ungarn insurgieren, während die Hauptarmee
unter Garibaldi ohne Berücksichtigung des Quadrilaterals von Pa-
% dua nach Wien zog, wo die Bevölkerung sofort revoltierte. Alles
vollendet in 6 Wochen. Als Hebel der Aktion: Lassalles politi-
scher Einfluß oder seine Feder in Berlin. Und Rüstow an der Spitze
eines Korps von deutschen Freischärlern angeschlossen an Gari-
baldi. Bonaparte aber war paralvsiert durch diesen Lassalleschen
z5 coup d’6clat.
Er war jetzt auch bei Mazzini, und „auch dieser“ billigte und
„bewunderte‘“ seinen Plan.
Er stellte sich diesen Leuten vor als „Repräsentant der deut-
schen revolutionären Arbeiterklasse“ und unterstellte bei ihnen
(wörtlich!) die Kenntnis, daß er (Itzig) durch seine „Broschüre
über den italienischen Krieg Preußens Intervention verhinderte“,
und in fact „die Geschichte der letzten 3 Jahre“ geleitet hat. L[as-
salle] war sehr wütend über mich und Frau, daß wir uns über seine
Pläne lustig machten, ihn als „aufgeklärten Bonapartisten“ hän-
z selten usw. Er schrie, tobte, sprang und hat sich endlich gründ-
lich überzeugt, daß ich zu „abstrakt“ bin, um Politik zu verstehn.
As to America, so ist das, sagt er, ganz uninteressant. Die Yan-
kees haben keine „Ideen“. Die „individuelle Freiheit“ ist nur eine
„negative Idee“ etc. und was dieses alten verkommenen Spekula-
zo tionskehrichts mehr ist.
Wie gesagt, unter andern Umständen (und wenn er mich nicht
im Arbeiten gestört) hätte der Kerl mich königlich amüsiert.
Dabei das wüste Fressen und die geile Brunst dieses „Ideali-
sten“

Ef

Po

9

29 (T nranlla)- — 4d —
        <pb n="118" />
        (786) 1862 Juli 30
Es ist mir jetzt völlig klar, daß er, wie auch seine Kopfbildung
und sein Haarwuchs beweist, — von den Negern abstammt, die
sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen (wenn nicht
seine Mutter oder Großmutter von väterlicher Seite sich mit einem
aigger kreuzten).. Nun, diese Verbindung von Judentum und Ger-
manentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonder-
bares Produkt hervorbringen. Die Zudringlichkeit des Burschen
ist auch niggerhaft.

Wenn Herr Rüstow übrigens den Zug von Padua nach Wien
erfunden hat, so scheint der mir auch einen Sparren zu viel zu zo
haben.

Salut.
Dein

K. M.
Eine der großen Entdeckungen unsres nigger — die er aber
mir, dem „vertrautesten Freunde“, noch mitteilt — ist, daß die ıs
Pelasger von den Semiten abstammen. Hauptbeweis: Im Buch
ler Makkabäer. schicken die Juden Gesandte nach Griechenland
um Hülfe, sich berufend auf Stammverwandischaft. Ferner hat
man eine etruskische Inschrift in Perugia gefunden, und Hofrat
Stücker in Berlin und ein Italiener haben sie gleichzeitig ent- z
ziffert und die etruskischen Buchstaben unabhängig von einander
‘n hebräische aufgelöst.

Damit wir ihm nicht mehr mit „Blue Books“ kommen, hat er
für 20 £ St. blue books (unter Buchers Leitung) gekauft.

Er hat Bucher zum Sozialismus bekehrt, wie er behauptet. Der 25
Bucher ist nun ein ganz feines, wenn auch verzwicktes Männchen,
und jedenfalls kann ich nicht glauben, daß er Lassalles „aus-
wärtige Politik“ akzeptiert hat. Bucher ist das „Setzerweib“ im
Julian Schmidt.

Wärst Du nur ein paar Tage hergekommen, Du hättest für ein zo
fahr Stoff zum Lachen eingelegt. Darum wollte ich Dich so gern
hier haben. Solche Gelegenheit kommt nicht jeden Tag.
Lieber Mohr.
Du begreifst, daß es nach den schweren Zahlungen des vorigen ss
Monats mir unmöglich ist, Dir jetzt £ 25 aufzutreiben. Ich habe
alle schweren Zahlungen für meine eigne Rechnung (landlady
ınd Quartalrechnung) bis August aufgeschoben, dazu habe ich
Borkheim wegen des Wechsels eine Ordre geben müssen, die ich
ebenfalls im August zahlen muß. Ich will sehn, was sich bis mor- «0
zen tun Jäßt, Dem Lupus bin ich die £ 10 auch noch schuldig,

Km 1—292. " :30—32,
        <pb n="119" />
        (787) 1862 Juli31

85
und er wird sie verlangen, sobald er zurückkommt, was jeden Tag
geschehen kann. Rechne Dir das und die Zahlungen vom vorigen
Monat zusammen und Du wirst sehn, daß ein hübsches Loch in das
neue Bilanzjahr geschossen wird. Indes, ich will heut Abend sehn,

5 wie viel ich zu zahlen haben werde, und wie viel also ich Dir
schicken kann.

Wenn ich nur erst wüßte, wie die Bilanz ausgefallen ist und wie
ich stehe! Aber Charles geht übermorgen nach Warschau, wo wir
eine schlechte Schuld gemacht haben, und da bleibt der ganze

oo Kram wieder Liegen. Dein F.E.
788. Engels an Marx; 1862 August 1.
Manchester, 1. August 1862.
Lieber Mohr,

Die inliegenden £ 10 sind alles, was ich Dir heute schicken
ı5 kann. Die Sachen stehn so: Vorigen Monat hatte ich zu zahlen:
% Jahr Pferdepension £ 15, Landlady £ 25 (der alte Hill hat
mir das noch in den Juli gesetzt, weil ich’s gestern zahlte), an
Borkheim £ 50, an Dich £ 10, Summa £ 100. Sind noch zu
zahlen in diesem Monat: an Lupus £ 10, Borkheim für die Ordre
»” £ 15, Buchhändler ca. £ 10 (Rest von 1861), ferner an Kleinig-
keiten: Schneider, Schuster, Hemden und dergl., Zigarren etwa
£ 25 und obige £ 10, zusammen £ 70 oder in zwei Monaten
£ 170 ohne die current expences. Du siehst, wie ich
stehe. Dabei habe ich fast die positive Gewißheit, im: vorigen
Bilanzjahr mein Einkommen überschritten zu haben und in die-
sem ein sehr schlechtes Einkommen zu machen. Ich denke, es
wird Dir gelingen, die Leute noch etwas hinzuhalten, ich kann
das mit meinen Kreditoren nicht, da die Leute hier die Mode haben,
Einem aufs Comptoir zu kommen die Rechnungen einfordern,
2 wodurch man moralisch forciert wird. nach 2—3maligem calling

sie zu zahlen.

Sollte Lupus die £ 10, die ich ihm noch schulde, nicht brau-
chen bis Ende September oder mit Ratenzahlungen zufrieden sein,
so schick’ ich sie Dir natürlich.

Die Geschichten mit Lassalle sind höchst amüsant. Sein strate-
gischer Plan ist der schönste, der mir je vorgekommen. Daß
Rüstow ihn gebilligt habe, ist möglich genug, der Kerl ist ganz so
eitel wie Itzig und auf dem besten Wege, ebenso toll zu werden.
Vergleiche seine Schreiberei über die Kampagne 1860 im 2. Band

to der Demokratischen Studien.

Der Verfasser der „Europäischen Pentarchie““ hat ein neues
Opus losgelassen: Europas Kabinette und Allianzen. Die Russen

br
        <pb n="120" />
        36

(788) 1862 Aug.1
haben sich da auch einen prachtvollen Esel gekauft. So was
Dummes und Konfuses ist mir noch nie vorgekommen. Wo der
Kerl über Völkerrecht theoretisiert, ist er gottvoll, er stellt
3—4 verschiedne Theorien auf, die sich gegenseitig ins Gesicht
schlagen. Dazu Christentum ä outrance, und die Schmeichelei
gegen alles Russische so faustdick aufgetragen, daß man laut
lachen muß über das Geld, das die Russen an den fortgeschmissen
haben. Es gereicht Deutschland zur Ehre, daß sie keinen einzigen
ordentlichen Kerl kaufen können, für Rußland” zu schreiben,
und wenn sie ja mal einen erwischen, wie B. Bauer, daß er sofort zo
stockdumm wird. Hauptplan: russisch-französische Allianz, Preu-
ßen an der Spitze von Kleindeutschland, Östreich, mit Verlegung
der Hauptstadt nach Budapest, soll die Donaufürstentümer und
alles Land nördlich vom Balkan erhalten — dies auf 300 Seiten
des ödesten Gewäsches breitgetreten wie ein alter Kuhschiß. ıs
Wenn Du das Ding haben willst, schick’ ich’s Dir.

Dein F.E.
O/D 13134, Manchester 27, Jan.1862
0/D 24296, Manchester 27, Jan.1862

789. Marx an Engels; 1862 August

— £ S—
— £ 5.—
£ 10.—

DB

2. August 1862.
Lieber Frederick,

Besten Dank für die £ 10.

Es ist mir sehr unangenehm, daß Du durch mich in Deinen 2
Geldaffären geniert bist, aber que faire? Wer kann solcher Krise,
wie der amerikanischen, widerstehn? Dabei mein besondres Pech,
mit einem solchen Lauseblatt wie der Wiener „Presse“ zu tun zu
haben. Otherwise, hätten die Kerls mir wenigstens to some extent
die „Tribune“ ersetzen können. Glaubst Du etwa, daß jetzt der zo
Moment gekommen ist, mich z. B. an die „Evening Post“ (the
Abolitionist Paper zu New York) wegen Korrespondenz zu
wenden?

Ein wirkliches Wunder ist es, daß ich noch so, wie es der Fall
ist, mit den theoretischen Arbeiten vorgehn konnte. Ich bezwecke 35
nun doch, gleich in diesem Band als eingelegtes Kapitel die Rent-
theorie, i. e. als „Illustration“ eines früher aufgestellten Satzes,
hereinzubringen. Ich will Dir in ein paar Worten die in der
Ausführung weitläufige und verwickelte Ge-
schichte vorlegen, damit Du mir Deine Ansicht mitteilst.

1) Im Orig. irrtümlich Deutschland

7. 18-—20.
        <pb n="121" />
        (789) 1862 Aug.2

87

Du weißt, daß ich 2 Teile im Kapital unterscheide, kon-
stantes Kapital (Rohmaterial, matieres instrumentales, Ma-
schinerie etc.), dessen Wert im Wert des Produkts nur wieder
erscheint, und zweitens variables Kapital, d. h. in

s Arbeitslohn ausgelegtes Kapital, das weniger vergegenständlichte
Arbeit enthält, als der Arbeiter dafür zurückgibt. Z. B. wenn der
tägliche Arbeitslohn = 10 Stunden und der Arbeiter 12 arbeitet,
so ersetzt er das variable Kapital + */s desselben (2 Stunden).
Diesen letztern Überschuß nenne ich Mehrwert (surplus

u value).

Nimm an, daß die Rate des Mehrwerts (also die Länge
des Arbeitstags und der Überschuß der surplusarbeit über die not-
wendige Arbeit, die der Arbeiter zur Reproduktion des Salairs
works gegeben sei, z. B. = 50 p. c. In diesem Fall würde der Ar-

ıs beiter bei einem Arbeitstag von 12 Stunden z. B. 8 Stunden für
sich arbeiten, 4 Stunden (8/2) für den employer. Und zwar nimm
dies in allen trades an, so daß die etwaigen Verschiedenheiten
in der average working time bloß Kompensation für größere
oder geringere Schwierigkeit der Arbeit etc. seien.

» Unter diesen Umständen, bei gleichmäßiger Exploita-
tion des Arbeiters in den verschiednen trades, werden ver-
schiedne Kapitalien in verschiednen Produktionssphären bei
gleicher Größe sehr verschiedne amounts of surplus
value liefern und daher sehr verschiedne Profitraten,

2 since profit is nothing but the proportion of the surplus value to
the total capital advanced. Es wird dies abhängen von der or-
ganischen Komposition des Kapitals; d. h. von seiner
Division in konstantes und variables Kapital.

Nimm an, wie oben, daß die Surplusarbeit = 50 p. c. Wenn

zo also z. B. 1 £ = 1 Arbeitstag (gleichgültig, ob Du Dir wochen-
langen Tag etc. darunter denkst), der Arbeitstag = 12 Stunden,
die notwendige (das Salair reproduzierende) Arbeit == 8 Stun-
den, so wäre der Lohn von 30 Arbeitern (oder Arbeitstagen)
= 20 £ und der Wert ihrer Arbeit = 30 £, das variable Kapital

1 für einen Arbeiter (täglich oder wöchentlich) == 2/3 £ und der
Wert, den er schafft = 1 £. Der amount des surplus value, den
ein Kapital von 100 £ in different trades produziert, wird sehr
verschieden sein nach dem Verhältnis, worin das Kapital von 100
in konstantes und variables Kapital geteilt ist. Nenne das Capital

ın constant C, das variable V. Wenn z. B. in der cotton Industrie die
Zusammensetzung wäre C 80, V 20, so wäre der Wert des Pro-
dukts = 110 (bei 50 p. c. Mehrwert oder surplus labour). Die
Masse des Surpluswerts == 10 und der Profitrate = 10 p. c., da
der Profit = dem Verhältnis von 10 (der surplus value): 100

4 (der Totalwert of the capital expended). Unterstelle. in der
        <pb n="122" />
        38

(789) 1862 Aug.2
großen Schneiderei sei die Zusammensetzung: C 50, V 50, so das
Produkt = 125, Mehrwert (bei Rate von 50 p. c. wie oben) = 25
ınd Profitrate == 25 p. c. Nimm eine andre Industrie, wo das Ver-
hältnis C 70, V 30, so das Produkt = 115, Profitrate = 15 pP. c.
Endlich eine Industrie, wo die Zusammensetzung = C 90V 10, ;
30 das Produkt = 105 und die Profitrate =5 p. c.

Wir haben hier, bei gleicher Exploitation der Ar-
beit, für Kapitalien von gleicher Größe in different trades sehr
different amounts of surplus value, and hence very different rates
;f profit.

Nehmen wir aber die obigen 4 Kapitalien zusammen, so haben
Wir:

Hf.

Wert des
Produkts.
1. C80 V20 110 Profitrate=10p.c.
2. C50 V50 125 Profitrate=25p.c.
3. C70 V30 115 Profitrate=15p.c.
4. C90 V10 Profitrate=_5p.c.
Kapital 400 Profit=55p.c.
Dies macht auf 100 eine Profitrate von 13% p. c. 20
Das Gesamtkapital (400) der Klasse betrachtet, wäre
lie Profitrate = 13% p. c.. Und die Kapitalisten sind Brüder. Die
Konkurrenz (transfer of capital or withdrawal of capital from
one trade to the other) bringt es fertig, daß Kapitalien von
gleicher Größe in different trades, despite their different 25
organic compositions, yield the same average rate of profit.
In andern Worten: der average Profit, den ein capital of
100 £, for instance, in a certain trade macht, macht es nicht als
dies besonders angewandte Kapital, also auch nicht im Verhältnis,
wozu es selbst surplus value produziert, sondern als aliquoterz
Teil des Gesamtkapitals der Kapitalistenklasse. Es ist eine share,
deren Dividende bezahlt wird proportionell zu ihrer Größe aus
der Gesamtsumme der surplus value (oder unbezahlten Arbeit),
die das gesamte variable (in Arbeitslohn ausgelegte) Kapital der
Klasse produziert. 35

Damit nun in der obigen Illustration 1, 2, 3, 4 denselben
average profit machen, müssen sie, jede Rubrik, ihre Waren
verkaufen zu 113“: £. 1 und 4 verkaufen.sie über ihrem Wert,

2 und 3 unter ihrem Wert.

Dieser so regulierte Preis == the expences of capital + the w
average profit, for instance, 10 p.c., ist das, was Smith den na-
tural price, costprice usw. nennt. Es ist dies der ave-
rage price, wozu die Konkurrenz zwischen den different tra-
des (durch transfer of capital oder withdrawal of capital) die
Preise in different trades reduziert. Die Konkurrenz reduziert also 4;

Rate des Mehrwerts ”
in allen Fällen
=50p.c.
        <pb n="123" />
        (789) 1862 Aug.2

89

die Waren nicht auf ihren Wert, sondern auf Kostpreise,
die je nach der organischen Komposition der Kapitalien über,
unter oder = ihren Werten sind.

Ricardo verwechselt Werte und Kostpreise, Er glaubt

5 also, wenn eine absolute Rente existiere (d. h. eine von der
verschiednen Fruchtbarkeit der Bodenarten unabhängige
Rente), so würde agricultural produce etc., weil über dem
Kostenpreis (the advanced capital + the average profit) be-
ständig über dem Wert verkauft werden. Das stieße das

1 Grundgesetz um. Er leugnet also die absolute Rente und nimmt
nur die Differentialrente an.

Aber seine Identifizierung von values of commodities und
costprices of commodities grundfalsch und von
A. Smith traditionell akzeptiert.

5 Der Fakt ist dies:

Nimm an, die average composition alles not agricultural
capital sei C80, V 20, so Produkt (bei 50 p.c. Rate des Mehr-
werts) = 110 und Profitrate = 10 p. c.

Nimm ferner an, die average composition des agricultural

» capital sei = C60, V40 (diese Zahl statistisch in England
ziemlich richtig; die Viehzuchtsrenten etc. gleichgültig bei dieser
Frage, da sie nicht durch sich selbst, sondern durch die cornrent
bestimmt). So Produkt, bei gleicher Exploitation der Arbeit wie
oben == 120 und Profitrate = 20 p.c. Verkauft der Farmer das

z agricultural produce daher zu seinem Wert, so verkauft. er
es zu 120 und nicht zu 110, seinem Kostenpreis. Das
Grundeigentum aber verhindert, daß der Farmer = den
brother capitalists den Wert des Produkts dem Kostenpreis
adäquiert. Die Konkurrenz der Kapitalien kann dies nicht er-

wo zwingen. Der Grundeigentümer kömmt dazwischen und fischt die
Differenz zwischen Wert und Kostenpreis auf,
Niedriges Verhältnis des konstanten Kapitals zum variablen ist
überhaupt Ausdruck niedriger (oder relativ niedriger) Entwick-
lung der Produktivkraft der Arbeit in besondrer Produktions-

z sphäre. Ist also die average composition des agricultural capital
z. B. C60, V 40, während die des not agricultural capital C 80,
V 20 ist, so beweist das, daß die Agrikultur noch nicht dieselbe
Stufe der Entwicklung erreicht wie die Industrie. (Was sehr er-
klärlich, da, abgesehn von allem andern, Voraussetzung der In-

ın dustrie die ältere Wissenschaft der Mechanik, Voraussetzung der
Agrikultur die ganz neuen Wissenschaften der Chemie, Geologie
und Physiologie.) Wird das Verhältnis in Agrikultur = C 80,
V 20 (in obiger Voraussetzung), so fällt die absolute Rente
weg. Es bleibt bloß die Differentialrente, die ich aber
ws auch so entwickle. daß Riclardols Unterstellung beständiger
        <pb n="124" />
        30
Deterioration of agriculture most ridiculous and arbitrary er-
scheint.

Bei obiger Bestimmung des costprice im Unterschied von
value noch zu bemerken, daß außer dem Unterschied von kon-
stantem Kapital und variablem Kapital, der aus dem unmittel-
baren Produktionsprozeß des Kapitals hervorgeht, noch
der Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem
Kapital hinzukömmt, der aus dem Zirkulationsprozeß
des Kapitals hervorgeht. Indes wäre die Formel zu verwickelt,
wenn ich das oben noch einfügen wollte. /

Hier hast Du — roughly, denn die Sache ist ziemlich kompli-
ziert — die Kritik der R[icardo]schen Theorie. So viel wirst Du
zugeben, daß durch Rücksicht auf die organic composi-
‚ion of capital eine Masse bisheriger scheinbarer Wider-
sprüche und Probleme wegfallen.

Apropos! Zu gewissen Zwecken, die ich Dir im nächsten Brief
mitteile, mir sehr lieb, wenn Du mir ausführlich militärisch
(das Politische übernehme ich) den Lassalle-Rüstowschen Be-
"reiungsblödsinn kritisierst.

(789) 1862 Aug.2

Dein

K.M. %

Gruß an die Damen.

[mandt hat sich angekündigt. Itzig reist Montag ab.

Du wirst sehn, daß bei meiner Fassung der „absoluten Rente“
das Grundeigentum indeed (under certain historical cir-
cumstances) die Preise der Rohprodukte verteuert. Dies, kom- 2
munistisch, sehr brauchbar.

Die Richtigkeit der obigen Ansicht vorausgesetzt, ist es durch-
aus nicht notwendig, daß absolute Rente unter allen
Umständen oder von jeder Bodenart gezahlt wird (selbst
gesetzt, daß die vorausgesetzte Komposition des agricultural ca- zo
pital).. Nicht wird sie gezahlt, wo das Grundeigentum
— faktisch oder legal — nicht existiert. In diesem Fall bietet
agriculture no peculiar resistance to the application of capital.
Es bewegt sich dann in diesem Element so ungeniert wie in dem
andern. Das Agrikulturprodukt wird dann, wie stets eine Masse 3
[ndustrieprodukte, unter seinem Wert zum Kostenpreis
verkauft. Faktisch kann das Grundeigentum wegfallen,
auch wo Kapitalist und Grundeigentümer eine Person etc.

Doch überflüssig, auf diese Details einzugehn hier.

Die bloße Differentialrente — die nicht daraus ent- 4
springt, daß capital on land instead of any other field of employ-
ment angewandt wird — hat theoretisch keine Schwierigkeit. Es
ist nichts als surplus profit, der auch in jeder industriellen Pro-
Juktionssphäre für jedes Kapital existiert, das unter besseren als
        <pb n="125" />
        (789) 1862 Aug.2
EN

97

den average conditions arbeitet. Nur fixiert es sich in der Agri-
kultur, weil gegründet auf so solider und (relativ) fester Grund-
lage, wie die different degrees of natural fertility verschiedner
Bodenarten.
790. Marx an Engels; [1862] August 7.
London, 7. August.
Lieber Engels,

Der landlord war Montag bei mir und erklärte mir, daß, wenn
ich ihm, nachdem er so lange Geduld gehabt, nicht in kürzester

0 Frist zahle, er die Sache seinem Landagent übergeben würde, Da-
mit wäre der broker da. Ditto habe ich — und zwar sonderbarer
Weise am selben Tage — Steuerexekutionszettel erhalten und
Briefe von den meist mit dem landlord bekannten €piciers, die mir
mit Klage und Entziehung der provisions drohn.

Lassalle reiste am Montag Abend ab. Ich sah ihn noch, nach-
dem alle diese events stattgefunden. Er sah an meiner dejected
Erscheinung, daß die ihm längst bekannte Krise zu einer Kata-
strophe of any Art geführt. Frug mich. Nach Mitteilung erklärte
er, er könne 15 £ bis Januar 1., 1863 liefern; auch könne man

» Wechsel zu beliebigem amount auf ihn ziehn, wenn die Zahlung
von Dir oder andern über die 15 £ hinaus ihm versprochen würde.
Mehr könne er [nicht] bei seinen beschränkten Verhältnissen. (Das
glaube ich, da er hier allein 1 £ 2 sh. täglich für cabs und
Zigarren brauchte.)

; Kannst Du vielleicht in dieser Weise, mit Benutzung Bork-
heims als escompteurs, etwas tun, um die Krise abzuschieben?
Von den 10 £ habe ich 6 an den Klaviermann gezahlt, der ein
brutaler Hund ist und mich ohne weiteres an das county court ge-
bracht hätte, Für 2 £ habe ich Sachen aus dem Pfandhaus ge-

% nommen und den Rest meiner Frau zur Disposition gestellt.

Ich versichre Dir, daß, wenn ich nicht die family difficulties
hätte, ich bei weitem vorziehn würde, in ein model lodginghouse
zu ziehn, als beständig auf Deinen Beutel zu drücken.

Ein Umstand kommt noch hinzu. Dr. Allen erklärt mir, daß

% die See für Jennychen wenigstens für 14 Tage absolut notwendig,
ditto für die Kleinste, die voriges Jahr eine Art Gelbsucht hatte
und wieder nicht all right ist.

Itzig sagte mir noch, daß er vielleicht ein Blatt stiften werde,
wenn er September zurückkehrt. Ich sagte ihm, gegen gute

wo Zahlung wolle ich englischer Korrespondent werden für sie,
ohne irgendwie irgend sonstige responsibility oder politische
parinership zu übernehmen, da wir politisch in Nichts überein-
stimmten als einigen weit ab liegenden Endzwecken.

£

7 997 (Das) —924.
        <pb n="126" />
        f
De

(790) 1862 Aug.7
Deine Ansichten über den American civil war teile ich nicht
ganz. Ich glaube nicht, that all is up. Die Northerners sind von
Anfang an beherrscht worden durch die Vertreter der border
slaves states, die auch den Mc Clellan, diesen alten partisan of
Breckinridge, an die Spitze poussierten. Der Süden dagegen han- :
delte von vornherein aus einem Stück. Der Norden selbst hat die
Sklaverei in eine militärische force des Südens verwandelt, statt
sie gegen ihn zu kehren. Der Süden überläßt den Sklaven die pro-
ductive labour und konnte so ungestört seine ganze Streitkraft ins
Feld führen. Er hatte einheitliche militärische F ührung; der 1
Norden nicht. Daß kein strategischer Plan vorlag, schon klar aus
allen Manövern der Kentuckyarmee nach der Eroberung von
Tennessee. Nach meiner Ansicht wird dies alles take another turn.
Der Norden wird endlich ernsthaft Krieg führen und zu revolu-
tionären Mitteln greifen und die Oberherrschaft der border slaves ıs
statesmen bei Seite werfen. Ein einziges niggerregiment wird
merkwürdig auf die südlichen Nerven wirken.

Die Schwierigkeit, die 300000 Mann zu bekommen, scheint
mir rein politisch. Der Nordwest und Neuengland wollen und
werden die Regierung forcieren, ihre bisherige diplomatische zo
Kriegführung aufzugeben, und sie machen jetzt terms on which
he 300 000 men shall come forth. Gibt Lincoln nicht nach (was
ar aber tun wird), so gibt’s eine Revolution.

Was den Mangel an militärischen Talenten betrifft, so war die
bisherige, rein nach diplomatischen und Parteischikanen getroffne 25
Wahl der Generale kaum danach, solche in den Vordergrund zu
oringen. General Pope scheint mir indes ein Mann von Energie,

Was die Finanzmaßregeln betrifft, so sind sie ungeschickt, wie
das in einem Land sein muß, wo in fact (für den Gesamtstaat)
bis jetzt keine Steuern existierten, jedoch noch lange nicht so blöd- 30
sinnig wie die Maßregeln von Pitt et Cons. Die jetzige Depre-
ziation des Geldes scheint mir nicht ökonomischen, sondern rein
politischen Gründen, distrust, zuzuschreiben. Wird sich also wen-
den mit andrer Politik.

Das Kurze und das Lange der Geschichte scheint mir, daß der- 3;
artige Kriege revolutionär geführt werden müssen, und daß die
Yankees bisher versucht haben, ihn konstitutionell zu führen.

Salut.
Dein K. M.
Imandt ist hier. Wieder eine jetzt sehr lästige Unterbrechung. 49
[ch denke, daß meine Schrift 30 Bogen stark werden wird.
        <pb n="127" />
        (791) 1862 Aug.8

Pa

791. Engels an Marx; 1862 August 8.
Manchester, 8. August 1862.
Lieber Mohr,

Wenn ich Dir die Berechnung meiner Ausgaben machte, so
hatte das durchaus nicht die Absicht, Dir weiteres „Drücken“, wie
Du es nennst, zu verleiden. Im Gegenteil, ich denke, wir werden
uns auch fernerhin gegenseitig helfen, wo es irgend angeht, wobei
es für die Sache ganz gleichgültig ist, welcher von uns augenblick-
lich der „Drückende“ und welcher der „Gedrückte“ ist, die Rollen

ıo können ja wieder wechseln. Das einzige Motiv der ganzen Auf-
stellung war, Dir die Unmöglichkeit zu beweisen, momentan mehr
als die £ 10 aufzutreiben.

Du hast doch die £ 15 von Lassalle gleich bar in Anspruch ge-
nommen, oder wie ist das „bis Januar“ zu verstehen? Will er

6 etwa erst dann zahlen? Was nun Wechsel angeht, so kann ich schon
auf L[assalle] drei, womöglich vier Monate dato abgeben, meinet-
wegen £ 40 ä 45 oder etwa 260 bis 300 Taler, wenn Borkheim
sie versilbern will. Auch kann ich Dir noch fernere £ 10 bar
schicken, wenn ich Borkheim bis in den September warten lasse

2 mit dem Geld, was ich ihm für Wein schulde. Das gäbe 10 von
mir, 45 für den Wechsel, 15 Lassalle, Summa 70 £. Damit wäre
ich dann aber auch auf geraume Zeit gründlich erschöpft, doch
daran läge weiter nichts, wenn Du damit aus dem Drecke wärst
und Jennychen nach der Seaside gehn könte. Da nun Borkhl[eim]

» fortwährend Gelder auf dem Kontinent zu zahlen hat — und er
weiß, daß ich den Wechsel unter allen Umständen decken muß,
wenn ich nicht hier meine Position ruinieren will, so kannst Du
ganz ruhig zu ihm hingehn und ihn fragen, ob es ihm konveniert,
uns die Sache zu vermitteln. Du kannst ihm sagen, daß ich bei der

% jetzigen schlechten Cottonzeit so wenig Geld wie möglich von der
Firma zu ziehen verpflichtet sei und daher lieber auf diesen Modus
einginge. Du brauchst Dich in der Geschichte ihm gegenüber noch
viel weniger zu genieren als ich, geh also gleich hin und arrangiere
die Sache, damit ich sofort auf den Herrn Baron ziehen kann.

# Lupus kam Montag an, mit Grippe und Rheumatismus be-
haftet, die ihn in London einen Tag im Bette hielten, den einzigen,
den er dort war; sobald er etwas besser war, kam er gleich her.
Dies der Grund, weswegen er nicht bei Dir war. Er ist jetzt besser,
aber in monetibus auch ganz ausgepumpt und kam also gleich

w wegen der £ 10 zu mir.

Du mußt übrigens platterdings wieder einen finanziellen Coup
machen, denn sonst sehe ich platterdings nicht ein, wie wir den
Ausfall der Tribune decken sollen. Die andern New Yorker Jour-
nale sind auch nicht in der Lage, Dir die Tr[ibune] nur einiger-
        <pb n="128" />
        M

(791) 1862 Aug. 8
maßen zu ersetzen; doch könnte der Versuch bei einer passenden
Gelegenheit nicht schaden, es könnte immer Etwas dabei abfallen.
Das Buch würde bei 30 Bogen im besten Fall ca. £ 70 abwerfen,
wie steht’s aber mit Brockhaus? Hast Du mit L[assalle] darüber
Stwas abgesprochen? Und wie lange wird’s noch dauern? — Mit
der Allg[emeinen] Millitär]-Zeitung hab’ ich wieder angebunden
und will sehn, wie’s geht, doch ist dort 1 Artikel alle 6 Wochen das
Maximum. Kannst Du mir durch Deinen Mussures oder sonst die
Mitarbeiterschaft für Militaria an einem englischen Blatt in Lon-
don verschaffen? Doch sind das Alles Nebendinge, und falls wir zo
nicht die Kunst erfinden, Gold zu scheißen, wird schwerlich etwas
Anders übrig bleiben, als daß Du auf die eine oder die andre
Weise etwas aus Deinen Verwandten herausschlägst. Reflechis-1ä-
Jdessus.

Über Lassalles Kriegspläne und Deine Renttheorie, wobei mir ıs
noch die Existenz der „absoluten“ Rente durchaus nicht klar ist
— denn die hättest Du ja doch erst zu beweisen —, dieser Tage.
Ich habe scheußliche Hämorrhoiden und kann nicht länger sitzen.

Grüße die family.
Dein
20
F.E.

/92. Marx an Engels; 1862 August 9.
9, August 1862.
Lieber Engels,

[tzig will die 15 £ erst am 1. Januar zahlen. 25

Ich bin also bei Borkheim. Du sollst 400 Taler auf L[assalle]
ziehn (ich habe dem B[orkheim] natürlich nichts von Lassalle]
gesagt as to the 15 £, die der L[assalle] zu zahlen hat). Auf
3 Monate. Dann aber soll die Sache erneuert werden, da ich
lem Borkheim sagte, daß die Sache erst am 1. Januar zahlbar.
(Weil dies Lassalles Termin.)

Die Hauptsache also, daß Du dem Borkheim den Wechsel
schickst,

Was die Rententheorie angeht, so muß ich natürlich erst
Deinen Brief abwarten. Zur Vereinfachung der „Debatte“ aber, 35
wie Heinrich Bürgers sagen würde, folgendes:

I. Das Einzige, was ichtheoretisch zu beweisen habe, ist die
Möglichkeit der absoluten Rente, ohne das Gesetz des Werts
zu verletzen. Es ist dies der Punkt, um den sich der theore-
;ische Streit seit den Physiokraten bis heute dreht. Riclardo] «
‚eugnet diese Möglichkeit; ich behaupte sie. Ich behaupte zugleich,
laß sein Leugnen auf einem theoretisch falschen und von A. Smith
        <pb n="129" />
        (792) 1862 Aug.9 _

ar

überkommenen Dogma beruht — der supponierten Identität zwi-
schen costprices und values of commodities. Ferner,
daß, wo Riclardo] die Sache beispielsweis illustriert, er
immer Zustände voraussetzt, in denen entweder keine kapitalisti-
ı sche Produktion existiert oder (faktisch oder legal) kein
Grundeigentum. Es handelt sich aber grade darum, das Ge-
setz zu untersuchen, wenn diese Dinge existieren.
1. Was die Existenz der absoluten Grundrente [betrifft] ”,
so wäre das eine Frage, die in jedem Land statistisc h zu lösen.
vo Die Wichtigkeit der bloß theoretischen Lösung aber geht daraus
hervor, daß seit 35 Jahren die Statistiker und Praktiker überhaupt
die absolute Grundrente behaupten, die (Ricardoschen) Theoreti-
ker sie wegzudemonstrieren suchen durch sehr gewaltsame und
theoretisch schwächliche Abstraktionen. Bisher fand ich immer,
ı5 daß bei allen solchen quarrels stets die Theoretiker im Unrecht.
III. Ich zeige nach, daß, selbst die Existenz der absoluten
Grundrente vorausgesetzt, keineswegs daraus folgt, daß under all
circumstances das schlechtbebauteste Land oder die schlechteste
Mine eine Rente zahlt; sondern daß es sehr möglich, daß diese ihre
» Produkte zum Marktwert, aber unter ihrem in dividuellen
Wert verkaufen müssen. Ric[ardo], um das Gegenteil zu beweisen,
unterstellt immer — was theoretisch falsch —, daß under all con-
ditions of the market — die?” unter den ungünstigsten Be-
dingungen produzierte Ware den Marktwert bestimmt. Dagegen
» hast Du schon in den Deutsch-Französischen Jahrbüchern das
Richtige erwidert.
So viel Nachträgliches über die Rente.
Was den Brockhaus betrifft, so verspricht Lassalle sein Äußer-
stes zu tun, und das glaube ich, da er feierlich erklärt hat, daß er
% sein magnum opus über politische Ökonomie erst veröffentlichen
oder in Arbeit nehmen kann — was bei ihm in der Tat identische
Ausdrücke —, sobald meine Schrift erschienen.
Salut.
Dein K. M.

Borkheim bemerkt nachträglich:

Dü sollst die 400 Taler 3 Monate auf Lassalle ziehn und
14 Tage vor Verfallzeit erneuern bis 1. Januar 1863. Borkheim
wird dafür sorgen, falls Du nicht teilweise kannst, daß L[assalle]
zur ersten Verfallzeit das Geld bekommt.

n Wegen der Evening Post wäre es mir lieb, wenn Du mir
einen Brief aufsetztest, da ich das f amiliäre Englisch sehr schlecht
schreibe.

1} Im Orig. existiert

2) Im Orig. das
        <pb n="130" />
        26

(793) 1862 Aug. 12
(93. Engels an Marx; [1862 August ca. 12].
Inliegend der Wechsel auf den Baron Gescheit. Du mußt
ihm Avis darüber schreiben, Datum, Verfalltag etc., auch daß er
bei Verfall das Geld erhält und bis 1. Januar prolongiert. wo ich
ihm dann die Differenz der £ 15 decken werde.

Dein F. E.
zez, 12. August 1862. (3 Monate nach Dato).
12, August 1862,

794. Sigismund L. Borkheim an Engels; 1862
August 12. Mit Brief von Engels an Marx [1862
August 13.]

27. Crutched Friars. E.C,
London, 12. August 18621)
Lieber Engels,

Marx hat mir heute Wechsel von Ihnen auf Lassalle gegeben, meine Order über
100 Taler. Ich habe ihm einstweilen £ 20 dagegen gegeben. Durch Freunde von mir
geht der Wechsel heute nach Berlin. Jedoch wie ist es mit dem Akzept, da Lassalle
aicht in Berlin ist? Sorgen Sie dafür durch sofortiges Schreiben, daß der Wechsel
akzeptiert wird, denn vorher kann ich von meinen Freunden hier das Geld nicht 20
verlangen, und da ich selbst zu arm, auch an Marx nicht geben. — Devaux und ich
zrüßen Sie bestens.
Der Ihrige
Borkheim.

[Engels an Marx12)
Lieber Mohr.
Auf vorstehenden Brief kann ich nicht antworten, da ich nicht
weiß, was Du B[orkheim] im Einzelnen gesagt, und also fürchten
mußte, Widersprüche in die Geschichte zu bringen. Ich konnte
natürlich nicht anders denken, als daß L{assalle] nach Berlin zu- 20
rück, Geh nun gleich zu B[orkheim] und sieh, daß der Wechsel
zurückgeschickt wird und dann von Dir an L{assalle] zum Akzent.

1) Das Briefpapier trägt den Kopfstempel: Chateau Marcaux Sole Representa-
‘ives in the United Kingdom Devaux &amp; Borkheim.

?) Der Brief ist auf der Rückseite des vorstehenden Briefes von Borkheim an
Ungels geschrieben.

x. 794
        <pb n="131" />
        (794) 1862 Aug. 13
A ek

7

Ohne das ist natürlich gar nichts zu machen. Wie dies Mißverständ-
nis entstehen konnte, ist mir unbegreiflich.
Dein Hämorrhoidarius
FE.

795. Marx an Engels; 1862 August 14.
14. August 1862.
Lieber Frederick,

Nur ein paar Zeilen, da ich heute Masse Geschäftslaufereien
abmachen muß.

9 Das ganze Mißverständnis besteht darin, daß „keins“ vor-
handen war.

Ich hatte Borkheim gesagt, eh ich Dir schrieb, daß ich nicht
wisse, ob L[assalle] in Berlin, daß also nicht sofort Akzept ge-
sichert sei. B[orkheim] hatte versprochen trotzdem, sobald er nur

%® Deine Unterschrift habe, zu discount. Später wurde ihm das
wieder leid. — Er beschloß nicht selbst, was seine ursprüngliche
Absicht, to discount, but to have the bill discounted by one of his
friends connected with Berlin.

Da brauchte er natürlich L{assalle}s Akzept. Letztrer, erfuhr

2 ich gestern durch Bucher, ist jetzt in Wildbad, wo Lassalle Senior
mehr oder minder im Verrecken ist. Ich habe sofort an Baron Itzig
geschrieben.

Salut.
Dein

K. M.

796. Marx an Engels; [1862] August 20.
London, 20. August.
Lieber Engels,
Mit dem Wechsel habe ich eine Reihe Abenteuer.
Erst verspricht Borkheim, der es sehr gut meint, aber auch
2 gern renommiert und post festum unzeitig unschlüssig wird, er
(aus seiner Tasche) werde den Wechsel diskontieren. Er
wußte dabei, daß L[assalle]s Akzept nicht vor einiger Zeit zu
haben. Dann, ohne mir ein Wort zu sagen, schickt er ihn durch
Bruckner (Gebrüder) nach Berlin, um ihn von besagten Bruck-
z ners diskontiert zu halten. Möglich —- er stellt sich, als habe er
den Ausgangspunkt vergessen —, daß er in der Zwischenzeit Angst
bekam.
Zweitens: Baron Gescheit, mit dem ich die Transaktion den
vorletzten Abend übersprochen, da er sich „zu allem bereit“ er-
o klärte, schreibt heute aus Wildbad, wohin ich ihn avertiert:
Marxy-Fnegels-Cesamtausgabe. HI. Abt., Bd. 3 a

Nr. 794. Nr. 795
        <pb n="132" />
        8

(796) 1862 Aug. 20
„Ich bedarf, um zu akzeptieren, eines Reverses von Engels
selbst, worin er sich verpflichtet, mich 8 Tage vor Verfall
ın Besitz der Deckungssumme zu setzen. Natürlich nicht (!) als
ob ich zweifelte, daß Du in seinem Auftrag schreibst. Sondern
einfach, weil, wenn ich auf einen Wechsel treten soll, dem ich
selbst nicht face machen kann, ich mindestens zur Ausschließung
aller unvorhergesehnen Umstände und um Lebens oder Sterbens
willen die eigene schriftliche Verpflichtung desjenigen, der die
Deckung besorgen soll und kann, besitzen muß.“

Ich habe darauf dem Baron, der jetzt in Zürich (von Wild- z
bad abgereist) und nach einigen Tagen von da nach Italien „viel-
leicht“ geht, — einen sehr ironischen Brief geschrieben und ihm
mitgeteilt, daß ich Dich umgehend um Zusendung des Reverses an
mich ersuchen werde; was hiermit geschieht.

Borkheim las mir gestern seinen Brief an Dich vor. Es ist mir 1
lieb, wenn Du ihm privatim schreibst, er solle suchen möglich zu
machen, mir das Geld zu schaffen, da ich einerseits (was der Fall)
in gefährlichen Nöten, andrerseits L[assalle]s Rückkehr von
seinen Reiseabenteuern sich verzögern wird.

(Ich habe dem Itzig übrigens geschrieben, daß er nach Emp- 2
fang Deines Reverses den Brüderin] „Meyer“ in Berlin, die den
Wechsel haben, schreibt, daß er akzeptiert bei seiner Rückkehr,
wenn er nicht, lang genug an einem Ort bliebe, um sich den
Wechsel zum Akzept schicken zu lassen.)

Dear boy, es ist in der Tat, Du magst sagen, was Du willst, 2
vgeinlich, daß meine mis@res Dir so viel bother machen! Wüßte ich
nur irgend ein business anzufangen! Grau, teurer Freund, ist alle
Theorie, und nur das business ist grün. Ich bin leider zu spät zu
lieser Einsicht gekommen.

Mit den 20 £, die Borkheim mir vorgeschossen, habe ich vor zo
allem Steuern gezahlt, dann den Schuster, der mich verklagen
wollte etc. Mit 5 £ habe ich meine family, da Jennychen nicht
länger hier bleiben durfte, gestern nach Ramsgate geschickt. Ich
kann Dir nicht genug dafür danken, daß Du das möglich gemacht.
Es ist das trefflichste und begabteste Kind von der Welt. Aber z
sie litt hier doppelt. Einmal aus physischen Gründen, Und dann
griff sie der bürgerliche trouble an. Wie froh war ich heute, daß
Frau und Kinder fort und Itzigs Brief nicht miterlebten!

Kannst Du nicht auf einige Tage herkommen? Ich habe in
meiner Kritik so viel Altes umgestoßen, daß ich doch über einige «0
Punkte vorher mich mit Dir konsultieren möchte. Das Schreiben
über das Zeug ist Dir und mir langweilig.

Ein Punkt, über den Du als Praktikus Bescheid wissen mußt,
ist der. Nimm an, die Maschinerie, womit ein Geschäft eröffnet,
— 12000 £. Sie nutze, on an average, ab in 12 Jahren. Wird
        <pb n="133" />
        (796) 1862 Aug. 20

90
dann jedes Jahr auf die Waren 1000 £ Wert zugeschlagen, so ist
der Preis der Maschine in 12 Jahren bezahlt. So weit A. Smith
und alle seine Nachfolger. Aber in fact ist dies nur average
talculation. Es verhält sich mit der Maschinerie, die 12 Jahre zu
leben hat, wie etwa mit einem Pferde, das 10 Jahre zu leben hätte
oder dienstfähig wäre. Obgleich es nach 10 Jahren durch ein
neues Pferd ersetzt werden muß, wäre es in der Wirklichkeit
falsch, zu sagen, daß es jedes Jahr */. abstirbt. Herr Nasmyth be-
merkt vielmehr in einem Brief an die factory inspectors, daß die
o Maschinerie (wenigstens gewisse Maschinerie) im zweiten Jahr
better runs than in the first. At all events ist während der 12 Jahre
nicht jedes Jahr */.2 in natura der Maschinerie zu ersetzen? Was
wird nun aus diesem fonds, der jährlich */s2 der Maschinerie er-
setzt? Ist in der Tat nicht ein Akkumulationsfonds zur Erweite-
ss rung der Reproduktion, abgesehn von aller conversion of revenue
into capital? Erklärt das Dasein dieses fonds nicht teilweise
die sehr verschiedne Rate, womit Kapital akkumuliert bei
Nationen, wo die kapitalistische Produktion entwickelt, daher viel
capital fixe existiert, im Gegensatz zu Nationen, wo dies nicht
% der Fall?
Trotz Hämorrhoiden kannst Du dies jedenfalls kurz beant-

-

worten.

Was den Rüstow-Lassalleschen Plan betrifft, so ist Deine Kri-
tik darüber mir wichtig wegen Bucher.

Salut.
Dein

K. M.

797. Engels an Marx; [1862 August ca. 22].
Lieber Mohr,
Inliegend der Zettel für L[assalle]l. Ereifre Dich nicht so über
;o diese Eseleien. Laß den Wechsel doch einfach zurückkommen
und schick’ ihn zum Akzept an Lassalle; oder laß es von Berlin
aus gleich geschehn. Ich kann, begreifst Du, bei Borkheim nicht
mehr ausrichten als Du, eher weniger. Daß er renommiert,
weiß ich.
Sehr vpressiert.
Dein

F. E.

798. Engels an Marx; [1862 September Anfanzgl.
Lieber Mohr,
Ich sitze dick und tief im Baumwollenschwindel, der kolossale
jo Proportionen angenommen hat — wer Courage hat. verdient vie.
ini

7 91292.

Nr 709
        <pb n="134" />
        (798) 1862 Sept. Anfang
Geld, leider aber haben E[rmen] und E[ngels] keine Courage —,
ich habe eine Heidenarbeit dabei; sobald ich irgend kann, schreib
ich Dir.
Dein F. E.

799. Engels an Marx; 1862 September 9.
Manchester, 9. September 1862.
Lieber Mohr,

Du hast gar keine Idee, was ich diese letzte Zeit hab’ ins Ge-
schirr gehn müssen. Das verdammte Baumwollenzeug ist auf den
fünffachen Durchschnittswert gestiegen, und was das für eine Ar- x
beit gemacht hat, die sämtliche Kundschaft von diesen sukzes-
3iven Steigerungen unterrichtet zu halten, glaubst Du gar nicht.

Ich hoffe, die Lassalliade mit dem unglücklichen Wechsel ist
im Reinen und Du bist im Besitz des Geldes. Ich bin endlich so
weit gekommen, daß ich Freitag nach Deutschland gehn kann, auf ıs
14 Tage, in London kann ich mich leider nicht aufhalten, die Zeit
ist mir zu knapp gemessen, und die dumme Ausstellung ist mir
vom Hörensagen so verhaßt geworden, daß ich mich ordentlich
freue, sie nicht zu sehn. Schreib mir aber noch ein paar Zeilen,
wie es mit dem Wechsel gegangen und wie es Jennvchen geht — %
sh’ ich fortkomme. ;

Die Rententheorie ist mir in dieser Baumwollhatz wirklich zu
abstrakt gewesen, ich muß die Sache überlegen, wenn ich erst
mehr Ruhe habe. Desgleichen die Geschichte mit dem Verschleiß,
bei der ich aber fest glaube, daß Du auf die unrechte Fährte ge- 25
kommen bist. Die Verschleißzeit ist ja auch nicht für alle Ma-
schinen dieselbe. Doch darüber mehr, wenn ich zurückkomme.

Einzelne Kerle hier haben ein Heidengeld verdient während
Jieser Steigerung. Bei uns wird nichts hangen bleiben, teils, weil
der brave Gottfried doch ein Hosenscheißer ist, und teils, weil der zo
Spinner überhaupt nichts verdient bei dieser Periode. Die Kom-
missionshäuser haben alles eingesteckt,

Die Bull Run-Geschichte No. II war ein famoses Stückchen von
Stonewall Jackson, der bei Weitem der beste Kerl in Amerika ist.
Wäre er durch einen Angriff der konföderierten Hauptarmee in 3;
der Front unterstützt worden und hätte Alles geklappt (auch nur
halbwegs) ,so war Monsieur Pope wahrscheinlich geliefert. So aber
hat die Sache zu nichts geführt, als daß die Konföderierten einen
zroßen moralischen Vorteil — Respekt vor ihrem Unternehmungs-
zeist und vor Jackson — und einige Quadratmeilen‘ Land er- 4
worben, dagegen aber die Vereinigung und Konzentration der
ranzen Bundesarmee vor Washington beschleunigt haben.

U

708
        <pb n="135" />
        (799) 1862 Sept.9
Wir werden nun wohl mit nächstem Steamer weitere Nachricht
über neue Gefechte hören, wo die Föderalisten wohl siegreich
sein könnten, wenn ihre Generale nicht so blutig dumm wären.
Aber was ist bei solchem Hundevolk zu machen! Der Pope ist
der lausigste von Allen, er kann bloß dicktun, revozieren, lügen
und Schlappen verheimlichen. Wahrhaftig, der Generalstabsklug-
scheißer. Mac Clellan erscheint Einem jetzt ordentlich wieder wie
ein verständiger Mensch. Dazu die Ordre, daß alle künftigen Ge-
neralmajore das preußische Portepeefähnrichsexamen bestehn
o sollen. Es ist zu erbärmlich, und die Kerls im Süden, die wenig-
stens wissen, was sie wollen, kommen mir der schlappen Wirt-
schaft im Norden gegenüber wie Helden vor. Oder glaubst Du
noch, daß die Herren im Norden die „Rebellion“ erdrücken
werden?
Adieu!

5
Dein

F. E.

800. Marx an Engels; [1862] September 10.
London, 10. September.
Lieber Engels,
2 Meine family ist von Ramsgate zurückgekehrt; Jennychen hat
sich sehr erholt,

Lassalles Brief, worin er einen Brief für die Gebrüder Meyer
in Berlin einlegte, bei denen der Wechsel in Berlin liegt, und
seinen Akzept anzeigt, kam erst gestern an. Unterdes war Bork-
heim schon abgereist auf seine Ferientour. Er hat bisher stück-
weis 40 £ gezahlt, die letzten 15 von diesen 40 vor 13 Tagen, als
ich abreiste. Ich wollte nämlich meinem Onkel auf den Hals
steigen. Der war aber ebenfalls auf Reise auf dem Kontinent. Von
da ging ich (passant par Cologne etc.) nach Trier zu meiner Alten,

wo jedoch ohne Erfolg, was ich gleich ahnte, als Monsieur l’oncle
nicht attrappierbar war. Am 17. dieses habe ich einen Wechsel
von 6 £ (six pounds) meinem Metzger zu zahlen, und B[orkheim]
wird bis dann noch nicht zurück sein, da er sich about 4 weeks in
der Schweiz etc. herumtummeln will.

Was die Yankees angeht, so bin ich sicher nach wie vor der
Ansicht, daß der Norden schließlich siegt; es kann allerdings der
Bürgerkrieg durch allerlei Episoden, vielleicht auch Waffenstill-
stände, durchgehn und sich in die Länge ziehn. Der Süden würde
oder könnte nur Frieden schließen unter der Bedingung, daß er

w die border slaves states erhielte. In diesem Falle würde ihm auch
Kalifornien zufallen, der Nordwest würde nachfolgen, und die
ganze Federation. etwa mit Ausschluß der New England States,

7. 5(der... er)

Bu
        <pb n="136" />
        102

(800) 1862 Sept. 10
würde wieder Ein Land bilden, diesmal unter der acknowledged
supremacy of the slaveholders. Es wäre die Rekonstruktion der
United States auf der vom Süden verlangten Basis. Dies aber un-
möglich und wird sich nicht ereignen.

Der Norden seinerseits kann nur Frieden schließen, wenn die
zonfederacy beschränkt auf die alten Sklavenstaaten und diese
sängeschlossen zwischen Mississippi river und dem Atlantie. In
diesem Fall würde die confederacy bald ihr seliges Ende er-
reichen. Waffenstillstände etc. dazwischen, auf Grundlage eines
status quo, könnten höchstens Pausen in der Kriegführung her: zo
beiführen.

Die Art, wie der Norden Krieg führt, nicht anders zu erwarten
von einer bürgerlichen Republik, wo der Schwindel so lange
souverän gethront, Der Süden, eine Oligarchie, paßt besser dazu,
namentlich eine Oligarchie, wo die ganze produktive Arbeit den ıs
niggers zufällt und die 4 Millionen „withe trash“ flibustiers von
Profession sind. Trotz alledem wollte ich meinen Kopf dagegen
wetten, daß diese Burschen den Kürzern ziehn trotz „Stonewall
Jackson“, Möglich allerdings, daß es vorher noch zu einer Art
Revolution im Norden selbst kömmt. 20

Willich ist Brigadegeneral und, wie Kapp in Köln erzählt hat,
soll auch Steffen ” jetzt in den Krieg rücken.

Es scheint mir, daß Du Dich a little too much durch den mili-
:ärischen aspect der Dinge bestimmen läßt.

Was das ökonomische Zeug angeht, so will ich Dich auf Deiner 2
Reise nicht damit „ballasten“.

Salut.
Dein K. M.
Wohl aber könntest Du schreiben, wo und wann Du in London
bei der Durchreise durchkömmst. Ist es mir irgend tunlich, so zo
komme ich Dich nach dort sehn.

Es ist möglich (wenn auch noch allerlei dazwischen liegt), daß
ich Anfang nächsten Jahrs in ein englisches Eisenbahnbureau
sintrete.

What about Garibaldi?

301. Engels an Marx; 1862 Oktober 16.
Manchester, 16. Oktober 1862.
Lieber Mohr,
Die ganze vorige und diese Woche habe ich mich tagtäglich
drauf vorbereitet gehabt, Dir zu schreiben, aber die verdammten x
"3) Im Orig, Stephens
        <pb n="137" />
        (801) 1862 Okt. 16

103

Cottongeschichten haben mich abgehalten. Ces messieurs hatten
während meiner Abwesenheit natürlich Alles liegen lassen, was
nur möglich war, sodaß ich alle Hände voll bekam.

Lupus läßt sagen, daß er die Sachen richtig erhalten hat. Der
Kasus ist höchst amüsant. Diese armen verlogenen Preußen, die
sich stets blamieren, sowie sie was Schriftliches von sich geben!

Die £ 10-Note hast Du doch erhalten, die ich Dir am Tage
meiner Abreise schickte? Ich blieb in Barmen und Engelskirchen
wieder zu lange kleben, da ich 14 Tage lang an der Mosel, am

4 Rhein und in Thüringen herumgebummelt. Ich ging gleich via
Brüssel und Luxemburg nach Trier, von dort zu Fuß bis Kochem
usw. In Köln war ich gar nicht.

Die Ernemung von Bismarck wurde von den Bourgeois mit
schallendem Gelächter empfangen. Überhaupt waren die Kerle

ıs außerordentlich sicher und gewissermaßen verwegen. Sie haben
den braven Wilhelm endlich an einer Geldfrage fest und wissen,
daß er ihnen da auf die Dauer nachgeben muß; sie stellen sich aber
den Verlauf der Sache merkwürdig idyllisch vor und meinen,
wenn sie den Burschen nur einige Zeit zappeln lassen, so müsse
» er ihnen schon von selbst kommen. Die werden sich noch wundern.
Jedenfalls muß gegen das Frühjahr die Sache zur Krisis kommen.
Übrigens ist es zum Totschießen, welch begeisternde Wirkung so
eine Geldfrage auf die Philister ausübt. Schulze-Delitzsch und
Konsorten werden ordentlich witzig, und nur Virchow bleibt
2 „ernscht‘“ ischt der Mann; doch nein, neben ihm benimmt sich
auch Heinrich Bürgers noch mit geziemender Würde in Weimar,
indem er für die Reichsverfassung von Anno Toback paukt. Ich
muß sagen, der Schulze-Delitzsch, der doch immer nur ein lausiger
Spießbürger war und sein wollte, dieses Sparkassenmännchen
1 kommt mir ordentlich respektabel vor, wenn ich ihn mit diesen
Hunden vergleiche wie Bürgers und der grausse Miquel, die das
Vaterland in Weimar durch die preußische Spitze retten.

Über Kinkel bin ich jetzt auch im Klaren. Er ist die reine

Karikatur eines Tapezierers in Koblenz, der ein in seiner Art ein-

3 ziger Musterrheinländer, mit allen Vorurteilen und Borniertheiten
der Rasse ist, die Preußen verflucht, die Franzosen haßt, mit Öst-
reich sympathisiert, dabei katholisch und demokratisch in einem
Atem, aber famos marschieren kann; der Kerl ist mit mir über
den Kochemer Berg marschiert; wenn Kinkel diesen Burschen

wo sähe, dessen Affe seine Körperlichkeit von oben bis unten ist. fiel
er auf den Hintern vor Schreck.

Was hältst Du von Amerika? Der finanzielle Crash, der bei die-
sen dummen Papiergeldmaßregeln nicht ausbleiben kann, scheint
nahe. Militärisch wird der Norden jetzt wohl wieder etwas auf die

w Beine kommen.

PO Bm
232_— 41
        <pb n="138" />
        ‚04
Was mach Jennychen?
Viele Grüße an Deine Frau und die Mädchen.
Dein

(801) 1862 Okt. 16

F. E.

502. Marx an Engels; 1862 Oktober 29.

29, Oktober 1862.
Lieber Engels,

Es ist nicht in der Ordnung, daß Du während Deiner holydays
nie die Zeit hast, auch nur einen Tag in London zu sein.

Jennychen ist seit dem Bad viel besser, obgleich immer noch
nicht, wie sie sein müßte. Sie hat seit einem Jahr an Gewicht ab-, z0
statt zugenommen.

Lassalle, der sehr erzürnt über mich ist, teilt mir mit, die
Deckung solle ihm, da er keinen Banquier habe, persönlich zuge-
schickt werden, an seine Berliner Adresse, 13 Bellevuestraße.
Er hat in diesem Monat einen Prozeß wegen der einen seiner be- z5
rühmten Reden.

Schily war hier während 8 Tagen, er sieht sehr elend und
leidend aus. Sein Freund Imandt dagegen, der auch hier war vor
meiner Abreise nach Holland und Trier, hat schrecklich in die
Breite ausgeschlagen. Über seinem alten Rücken scheint sich 2
förmlich ein neuer angesetzt zu haben.

Was Amerika angeht, so glaube ich, daß die Maryland cam-
pagne dezisiv war, sofern als sie zeigt, daß selbst in diesem süd-
lichst gesinnten Teil der border states die Anhängerschaft der
Confederates schwach ist. Der ganze Kampf dreht sich aber um 25
die border states. Wer sie hat, hat die Herrschaft über die Union,
Daß Lincoln die prospektive Emanzipationsakte erließ im Mo.
ment, wo die Confederates in Kentucky vordrangen, zeigt zugleich,
daß alle Rücksicht auf die loyal slave holders in den border
states aufgehört hat, Die Auswanderung der Sklavenhalter von zo
Missouri, Kentucky, Tennessee mit ihrem black chattle nach
Süden ist schon enorm, und verlängert sich der Kampf noch etwas,
was sicher, so hat der Süden allen Anhalt dort verloren. Er be.
zann den Kampf für die Territorien. Der Krieg selbst war das
Mittel, seine Macht in den border states zu vernichten, die ohne- 3;
hin, da das breeding of slaves und der internal slave trade keinen
Markt mehr finden, ihr Band mit dem Süden täglich lockerten. Es
wird sich also nach meiner Ansicht für den Süden nur noch um

die Defensive handeln. Seine einzige Möglichkeit des Erfolgs lag
aber in der Offensive. Bestätigt sich die Nachricht, daß Hooker
las aktive Kommando der Potomacarmee erhält, Mc Clellan auf

3.17—921.
        <pb n="139" />
        (802) 1862 Okt. 29
A A

105
den „theoretischen“ Posten als commander in chief „zurück-

gezogen“ wird und Halleck das Oberkommando im Westen über-

nimmt, so möchte auch die Kriegsführung in Virginien einen

energischeren Charakter erhalten. Außerdem jetzt die vorteil-
5 hafteste Jahreszeit für die Confederates gone.

Moralisch war unbedingt das Zerplatzen des Marylandfeld-
zugs von der ungeheuersten Bedeutung.

Was das Finanzielle betrifft, so wissen die United States aus der
Zeit des Unabhängigkeitskriegs und wissen wir aus östreichischer

rn Anschauung, wie weit man mit depreziiertem Papiergeld gehn
kann. Faktisch ist, daß die Yankees nie mehr Korn nach England
ausführten als dieses Jahr, daß die jetzige Ernte wieder weit über
dem average steht und daß die Handelsbilanz nie günstiger für
sie war als seit 2 Jahren. Sobald das neue Steuersystem (aller-
x dings sehr abgeschmackt und echt Pittisch) in Kraft tritt, wird
endlich auch Reflux des Papiergelds eintreten, das bisher nur
beständig emittiert ward. Eine Erweiterung der Papieraus-
gabe auf dem jetzigen Maßstab wird dadurch überflüssig, eine
weitere Depreziation so checked. Was selbst die bisherige Depre-
2 ziation minder gefährlich machte, als sie unter ähnlichen Um-
ständen in Frankreich und selbst in England war, ist, daß die
Yankees nie zwei Preise, gold price und paper price, ver-
boten haben. Das eigentliche Unheil der Sache löst sich in eine
Staatsschuld auf, wofür nie das richtige Äquivalent erhalten wor-
zs den, und in ein Premium for jobbing and speculation.

Wenn die Engländer renommieren, daß ihre Depreziation nie
über 11% p.c. (nach andern belief sie sich during some time auf
mehr als das Doppelte), so vergessen sie gefälligst, daß sie nicht
nur die alten Steuern fortzahlten, sondern jährlich neue zu den

2 alten zahlten, also von vorn herein Reflux der Banknoten gesichert
war, während die Yankees in der Tat seit 1% Jahren (mit Aus-
nahme der sehr gesunknen Eingangszölle) ohne Steuern,
durch bloße Wiederholung von Papieremission den Krieg führten.
Bei einem solchen Prozeß, der jetzt seinen Wendepunkt erreicht,

2 ist die Depreziation in der Tat noch verhältnismäßig gering.

Die Wut, womit die Südlichen Lincolns Akte aufnehmen, be-
weist die Wichtigkeit derselben. Lincolns Akte haben alle das
Aussehn engherzig klausulierter Bedingungen, die ein Anwalt
seinem Gegenanwalt zustellt. Dies hindert aber nicht ihren histo-

1 rischen Gehalt und amüsiert mich in der Tat, wenn ich dagegen
die Draperie betrachte, womit der Frenchman das Unbedeutendste
umwickelt.

Ich sehe natürlich wie andre das Widerliche an der Form der
Bewegung bei den Yankees; finde das aber aus der Natur einer
        <pb n="140" />
        106

{802) 1862 Okt. 29
„bürgerlichen“ Demokratie erklärlich. Dennoch sind die dortigen
Ereignisse weltumwälzend und gibt es in der ganzen Geschichte
nichts Ekelhafteres als das englische Verhalten dazu.

Gruß an lupus. Salut.

Dein K.M. s
Die £ 10 richtig erhalten.

303. Marx an Engels; 1862 November 4.”

Lieber Engels,

4. November 1862.

Ich komme eben von Freiligrath. Er wird die 400 Taler an
L[assalle] schicken. Du sollst ihm 60 £ schicken, und dann wird
ar Dir den Kurs etc. zukommen lassen.

Was das Erneuern angeht, keine Schwierigkeit. Du kannst auf
15 £ oder any sum less than 60 ziehn und mir den Wechsel zu-
schicken, damit Las[salle] ihn endossiert. Sobald letztres ge- ıs
schehn, ist er hier diskontierbar. Du kannst ihn auf 3 Monate
zahlbar machen. Aber zu der Erneurung ist L[assalle]s Endosse-
ment nötig, kann also nicht für diese Zahlung geschehn. L[assalle]
selbst erwartet, nach meinem Briefe, diese Erneurung. Schreib mir
zleich, was geschehn soll.
Dein

K. M.

304. Engels an Marx; 1862 November 5.
Manchester, 5. November 1862.
Lieber Mohr.
Die £ 60 gehen morgen an Freiligrath ab. Wie es mit dem Er- 2
neuern des Wechsels gehalten werden soll, kann ich erst sagen,
wenn ich weiß, ob der Wechsel auch sicher diskontierbar ist,
sobald L[assalle] ihn akzeptiert hat, und wer das Diskontieren be-
sorgt? Einerseits wäre es unnütz, Llassalle] übermäßig mit Wech-
seln zu plagen, die Dir unmittelbar kein Geld einbringen, und
andrerseits könnte es mir nicht viel nützen, wenn Borkheim (bei
dem dieselben Considerations gelten), mir das Geld in lauter
kleinen driblets zuschickte. Dazu die Kosten.

1) Briefbogen mit dem Kopfstempel: Chateau Marcaux, Sole Representatives in
‘he United Kingdom Devaux &amp; Borkheim., 27 Crutched Friars E. C.. London.
        <pb n="141" />
        (804) 1862 Nov. 5
„045 1604 Novid

107
Quant ä l’Amerique, so glaube ich allerdings auch, daß die
Konföderierten in Maryland einen unerwarteten moralischen
Schlag von großer Bedeutung erhalten haben. Auch bin ich über-
zeugt, daß der definitive Besitz der Borderstates über das Re-

s sultat des Kriegs entscheidet. Ich bin aber keineswegs sicher, daß
die Geschichte in so klassischer Form verlaufen wird, wie Du zu
glauben scheinst. Trotz alles Geschreis der Yankees ist noch gar
kein Symptom vorhanden, daß die Leute den Kram als eine wirk-
lich nationale Existenzfrage ansehn. Im Gegenteil, diese Wahl-

o’siege der Demokraten beweisen eher, daß die des Kriegs über-
drüssige Partei am Wachsen ist. Wäre nur ein Beweis, ein An-
zeichen da, daß die Massen im Norden anfangen aufzutreten wie
in Frankreich 1792 und 1793, so wäre das Alles sehr schön. Aber
die einzige Revolution, die zu erwarten, scheint eher eine demokra-

15 tische Konterrevolution und ein fauler Friede zu sein, der auch
die Borderstates verteilt. Daß damit die Sache noch lange nicht
abgemacht — granted. Aber doch vor der Hand. Ich muß sagen,
ich kann mich für ein Volk nicht enthusiasmieren, das in einer so
kolossalen Frage sich fortwährend von % seiner eignen Bevölke-

2 rungszahl klopfen läßt und nach 18 Monaten Krieg weiter nichts
erreicht hat als die Entdeckung, daß alle seine Generale Esel und
seine Zivilbeamten Spitzbuben und Verräter sind. Die Sache muß
denn doch anders kommen, selbst in einer bürgerlichen Republik,
wenn sie nicht ganz in den Dreck geritten werden soll. Was Du von
der Gemeinheit der englischen Art, die Sache aufzufassen. sagst,
ist ganz meine Ansicht. ;

Hier fängt der distress allmählich an, akut zu werden. Gum-
pert sagt mir, daß alle ernsteren Krankheitsfälle an seinem Ho-
spital typhösen Charakter annehmen, und Fälle von Tuberkulose,

% deren Ursprung auf die letzten 8—9 Monate sich zurückführen
lassen, stark zunehmen. Ich denke, bis nächsten Monat werden
die Arbeiter auch die passive Jammermiene satt werden. mit der
sie jetzt dasitzen.

Beste Grüße.

0

Dein F. E.
Ein Kopenhagener deutscher Kaufmann, Exdemokrat von 48,
der Freiligrlath] besuchte, wurde von diesem aus Veranlassung
eines schleswig-holstein-Gesprächs zu Blind gewiesen. Ich sagte
dem Manne, Bl[ind] sei ein Waschweib.

,
        <pb n="142" />
        (805) 1862 Nov. 9
305. Marx an Engels; [1862] November 9.
[n Eile.

L08

London, 9. November.
Lieber Engels,

Eccarius sind in Folge der Scarlatina 3 Kinder Schlag auf :
Schlag gestorben. Dabei das größte Elend. Bringe eine Kleinig-
keit unter den Bekannten zusammen und schicke sie ihm 22, Den-
mark Street, opposite St. Giles Church.

Salut.
Dein

K. M. zo

306. Marx an Engels; 1862 November 14.
14. November 1862.
Lieber Engels,

Da Du eben dem Ecclarius] Geld geschickt, außerdem die
große Summe für den L[assalle]schen Wechsel gezahlt, bist Du ıs
natürlich sehr „blanc“. Dennoch muß ich Dich bitten, mir eine
Kleinigkeit bis Montag zu schicken, da ich Kohlen kaufen
muß und „Lebensmittel“, since der Epicier mir schon seit 3 Wo-
chen den Kredit gekündet, ich aber dennoch, solang ich dem
Schweinhund nicht abgezahlt, bar bei ihm kaufen muß. um zo
aicht verklagt zu werden.

Salut.
Dein K. M.

307. Engels an Marx; 1862 November 15.
Manchester, 15. November 1862. R
Lieber Mohr,

Du hast recht, ich bin sehr blank und beschäftige mich stark mit
„Ersparnissen“ wie die preußische Regierung. In der Hoffnung,
Jlurch häusliches Leben in Hyde Road diesen Ausfall zu decken,
schicke ich Dir inliegend die Fünfpfundnote, O/L 28076, Man- 30
chester, 28, Jan. 1862. Gleichzeitig geht ein Korb Wein per Chap-
lin and Horne an Dich ab, worin ca. ein Dutzend Bordeaux und
2 Flaschen alter 1846er Rheinwein für Jennychen und der Rest
aufgefüllt mit 1857er Rheinwein. Im Ganzen 24 Flaschen.

Ich warte mit Ungeduld auf den Steamer, der die Nachrichten 35
über die New Yorker Wahlen bringt. Wenn die Demokraten im
Staat New York siegen, so weiß ich nicht mehr, was ich von den
Yankees denken soll. Daß ein Volk, das in ein großes geschicht-
        <pb n="143" />
        Tafel II

Engels an Marx, 15. November 1862
(s. S, 108—109)
        <pb n="144" />
        <pb n="145" />
        (807) 1862 Nov. 15

109
liches Dilemma gestellt wird, wobei es sich zugleich um seine
eigne Existenz handelt, nach 18monatlichem Kampf in seiner
Masse reaktionär werden und fürs Kleinbeigeben stimmen kann,
geht mir doch etwas über den Verstand, So gut es einerseits ist,
; daß die bürgerliche Republik sich auch in Amerika gründlich
blamiert, so daß sie in Zukunft nie wieder on its own merits ge-
predigt werden kann, sondern nur als Mittel und Übergangsform
zur sozialen Revolution, so ärgert es einen doch, daß eine lausige
Oligarchie von nur halb der Einwohnerzahl sich ebenso stark er-
jo weist wie die plumpe, große, hülflose Demokratie. Wenn übrigens
die Demokraten siegen, so hat der brave Mac Clellan und die
Westpointer das schönste Oberwasser, und die Herrlichkeit wird
bald zu Ende sein. Die Kerle sind im Stande, Frieden zu schließen,
wenn der Süden in die Union zurückkehrt on condition, daß der
ıs Präsident stets ein Southerner sein soll und der Kongreß stets in
gleicher Zahl aus Southerners und Northerners bestehen. Sie sind
sogar im Stande, Jeff[erson] Davis sofort zum Präsidenten der
United States zu proklamieren und selbst die sämtlichen Border
States preiszugeben. wenn’s nicht anders Frieden gibt. Dann Ade,
2 Amerika.

Von Lincolns Emanzipation sieht man bis jetzt auch noch keine
Wirkung, als daß der Nordwesten aus Furcht vor Negerüber-
schwemmung demokratisch gestimmt hat.

{Im vom Größten zum Kleinsten herabzusteigen, was sagst Du

es von dem braven Wilhelm? Der Kerl ist endlich wieder Er selber;
hat Buße getan für seine liberalen Sünden und zur lahmen Elisa-
beth gesagt mater peccavi. Dafür hat ihn der Herr ausgerüstet mit
Macht zu schlagen das skrofulöse Gesindel der Liberalen, und da-
zu, sagt Wilhelm, „dazu brauche ich das Militär‘. Der Kerl ist so

» rabiat, daß selbst Bismarck nicht reaktionär genug mehr. Daß Du
dumm bist, Schapper, das wissen wir, und das weißt Du selber,
aber für so dumm etc., ete. Die Sache geht brillant, und schöner
konnte es gar nicht kommen, als daß das liberale Bürgertum,
14 Jahre nach 1848, in das alleräußerste revolutionäre Dilemma

ı gedrängt wird wegen lumpiger 6 Millionen Taler, ca. 850 000
Pfund Sterling. Wenn nur der alte Esel nicht wieder schlapp wird.
Er ist zwar im schönsten Zuge, aber bei diesen Preußen kann man
sich auf gar nichts verlassen, nicht einmal auf ihre Dummheit.
Wenn das so vorangeht, so ist Krawall ganz unvermeidlich, und

w wenn es zum Äußersten kommt, so wird Wilhelm sich wundern, in
welcher Weise „das Militär“ mitspricht, nämlich die gemeinen
Soldaten, die sich bedanken werden, sich für 3jährige gegen 2jäh-
rige Dienstzeit zu schlagen.

Herzliche Grüße an Deine Frau und die Mädchen.

Dein F. E.

7 30 (Daß)—32.
        <pb n="146" />
        110

(807) 1862 Nov. 15
Apropos!

Schicke mir doch die 4 letzten Free Press, ich kann sie hier
nie haben, wenn ich nicht grade auf den Tag hingehe, was ich
immer vergesse.

508, Marx an Engels; [1862] November 17.

Lieber Engels,

Besten Dank für die £ 5, .

Es scheint mir, daß Du zu sehr nur die eine Seite in den ameri-
kanischen Krakeels betrachtest. Ich habe mir in dem American 10
soffeehouse eine Masse südlicher papers betrachtet und daraus
gesehn, daß die Confederation sehr in der Enge ist. Die englischen
Zeitungen haben die Schlacht von „Corinth“ unterdrückt, Die süd-
lichen Blätter schildern sie als das außerordentlichste Pech, das
ihnen seit der Schilderhebung widerfahren. Der Staat Geo rgien z
hat die confederate „Konskriptionsakte“ für null und nichtig er-
&lt;lärt. Virginien hat in der Person von Floyd the thief den
‚Kreaturen (wörtlich) von Jefferson Davis“ das Recht strei-
ig gemacht, in ihrem Staat ferner auszuheben. Oldham, Reprä-
sentant von Texas auf dem Kongreß von Richmond, hat Protest 20
singelegt gegen das Transportieren der „Kerntruppen“ des Süd-
westens nach dem Osten, i. e. Virginien. Aus allen diesen disputes
geht zweierlei ganz unleugbar hervor:

Daß das confederate government den Bogen überspannt hat in
den Gewaltanstrengungen, die Reihen der Armee zu füllen; 28
daß die states die „state rights“ gegen den Sonderbund geltend

machen, wie dieser sie gegen die Union zum pretext machte,

Die Siege der Demokraten im Norden betrachte ich als eine
Reaktion, die diesem konservativen und blackleg Element durch
die schlechte Kriegführung und die financial blunders der Fö- 30
deralregierung erleichtert ward. Übrigens eine Sorte Reaktion,
die in jeder revolutionären Bewegung vorkommt und z. B. zur Zeit
des Konvents so stark war, daß es für konterrevolutionär galt, den
Tod des Königs dem suff rage universe] unterwerfen zu wollen, und
unter dem Direktorium so stark, daß Herr Bonaparte I. Paris ka- #
nonieren mußte.

Andrerseits üben die Wahlen vor dem 4, Dezember 1864 keinen
Einfluß auf die Kongreßkomposition aus; dienen also nur als
Stachel für die republikanische Regierung, der das Schwert über
dem Kopf hängt. Und jedenfalls wird das republikanische Reprä- «
sentantenhaus die ihm gesetzte Lebensfrist besser benutzen, schon
aus Haß gegen die Gegenpartei.

17. November.
        <pb n="147" />
        (808) 1862 Nov. 17

111
As to Me Clellan, so hat er in seiner eignen Armee Hooker und
andre Republikaner, die jeden Tag auf Regierungsbefehl ihn ar-
retieren werden.

Es kömmt hinzu der französische Interventionsversuch, der

s Reaktion gegen die Reaktion hervorrufen wird.

Ich sehe also nicht die Dinge so schlimm an. Was mich in
meinen Ansichten vielmehr lädieren könnte, ist die Schafshaltung
der Arbeiter in Lancashire. Such a thing has never been heard of
in the world. Um so mehr, da das Fabrikantengesindel selbst

ıo nicht einmal heuchelt, „Opfer zu bringen“, sondern dem Rest von
England die Ehre überläßt, ihnen ihre Armee auf den Beinen zu
halten; das heißt dem Rest von England die Unterhaltungskosten
für ihr variables Kapital auferlegt.

England hat sich während dieser letzten Zeit mehr blamiert als

ıs any other country, die Arbeiter durch ihre christliche Sklaven-
natur, die bourgeois und Aristokraten durch ihre Begeisterung
für Sklaverei in its most direct form. Aber beide Manifestationen
ergänzen sich.

As to our „Schön Wilhelm“, so ist der Kerl in fact erfreulich.

zo Übrigens ist das Ministerium Bismarck durchaus nichts als der
realisierte fromme Wunsch der kleindeutschen Fortschritt-
ler. Sie schwärmten für den „Fortschrittsmann‘“” Louis Bona-
parte. Sie sehn jetzt, was ein „bonapartistisches‘“ Ministerium in
Preußen meint. Bismarck ist ja gewissermaßen von Bonaparte
2% (und Rußland) ernannt.
Die „Press“ such ich Dir zusammen.
Salut (auch an die Damen).
Dein

K. M.

809. Marx an Engels; 1862 November 20.
20. November 1862.
Lieber Engels,
Ich zeige, mit bestem Dank, in aller Eile. den Empfang
der ersten halben Zehnpfundnote an.
Wenn doch die Mexikaner (les derniers des hommes!) noch
» einmal die crapauds schlügen, aber letztere Hunde sprechen selbst
in Paris jetzt — die angeblich radikalen Bourgeois — von „.]’hon-
neur du drapeau“!
Wenn Spence die Northerners nicht kleinkriegt, wird nichts
helfen; selbst die bad generalship des Mc Clellan nicht.
zo Salut Dein K. M.
1) Vor Fortschrittsmann durchstrichen „liberale
        <pb n="148" />
        ‚4
(810) 1862 Dez. 24
810. Marx an Engels; 1862 Dezember 24.
24. Dezember 1862.

Lieber Engels,

Seit ich von Dir, hatte ich a most eventful time of it.

Montag die Manichäer, die aber nicht alle verabredetermaßen
kamen. Ich verteilte 15 £ unter ihnen. Dem schlimmsten gab ich
einen Wechsel für 12 £, 6 Wochen (eigentlich, da ich das Datum
von Ende dieses Jahrs datiert, 7 Wochen) Sicht. mich dem chap-
ter of accidents anvertrauend.

Mittwoch meine Frau ab nach Paris. Gestern Abend kam sie u
zurück. Es wäre alles all right gewesen, wenn nicht grade vor
ihrer Ankunft Abarbanel vom Schlag paralysiert, so daß er, ob-
gleich sein Kopf in Ordnung, hilflos im Bett lag. Überhaupt war
die Reihe Unglücksfälle, die sie durchzumachen, tragikomisch.
Erst großer Sturm zur See; ihr Schiff kam davon, eins in ihrer zs
Nachbarschaft (es war via Boulogne) ging unter. Abarbanel
wohnt vor Paris. Meine Frau durch Eisenbahn zu ihm. Es pas-

zierte Pech mit der Lokomotive, so daß 2 Stunden die Fahrt
unterbrochen. Später stürzte ein Omnibus, mit dem sie fuhr. Und
gestern geriet in London der Cab, worin sie saß, in die Räder 20
eines andern. Sie stieg aus und kam per pedes an mit 2 Jungen,
die ihren Koffer trugen. Übrigens eins in Paris, wo sie Massol etc.
sah, erreicht. Sobald meine Schrift heraus, wird sie franzö-
sisch publiziert werden.

Nun aber das größte Pech. Marianne (Lenchens Schwester), 25
die Allen schon vor einem Jahr an Herzkrankheit kuriert, fing
am Tage der Abreise meiner F rau’ an, unwohl zu werden. Diens-
tag Abend, 2 Stunden vor der Ankunft meiner F rau, war sie tot.
Ich übernahm mit Lenchen zusammen während der sieben Tage
die Krankenwartung. Allen had misgivings from the first day. zo
Sonnabend 2 Uhr ist das Begräbnis, wo ich 7 + % £ St. auf
einem Brett dem undertaker zahlen muß. Dies muß also beschafft
werden. Es ist dies ein schöner Christspektakel für die armen
Kinder.

Salut.
Dein K. M.

311. Engels an Marx; 1862 Dezember 26.
Manchester, 26, Dezember 1862.
Lieber Mohr,
Lupus gab mir Deinen Brief gestern, und ich schicke Dir in- 4
liegend O/I 85335, Manchester, 28. Jan. 1862 £ 5. Bank of Eng-
        <pb n="149" />
        (811) 1862 Dez, 26

113

land, M. 97. £ 5. — Note der Boston Bank, zahlbar bei Master-
man’s in London. Leider hat der alte Hill keine £ 10 in Bank of
England-Noten, doch ist die andre auch cash.
Die Ereignisse in Deinem Haus und auf der Reise Deiner
; Frau sind wirklich wunderbar und was wichtiger ist, von ganz
speziellem Pech. Doch ist jedenfalls die Aussicht auf fran-
zösische Publikation vortrefflich. How is this to be managed?
Und hast Du von Brockhaus gehört?
Ich fürchte, der brave Burnside bekommt Prügel am Rappa-
„o hannock. Er muß eine ganz besondre Neigung dazu verspüren, da
er sich nicht entschließen kann, mehr als 40 000 Mann auf Einmal
aufs Spiel zu setzen. Übrigens wundert’s mich, daß die Confede-
rates sich dort schlagen und nicht lieber langsam bis Richmond
zurückgehn und dort schlagen; möglich, daß dies noch geschieht.
Viele Grüße

5
Dein

F. E.

812. Engels an Marx; 1862 Dezember 30.
252 Hyde Road, Manchester,
30. Dezember 1862.
Lieber Mohr,

Am Freitag schickte ich Dir einen rekommandierten Brief mit
10 Pfund, 5 £ in einer Bank of England-Note und £ 5 in einer
Countrynote der Boston Bank, zahlbar bei Masterman &amp; Co.,
bankers, London. Da ich von Dir seitdem nichts gehört. bin ich

2; etwas unruhig.

Burnsides Niederlage wird scheußlich übertrieben. Es ist klar,
daß sie auf das Morale der Armee einwirken muß, aber lange
nicht so arg, wie wenn sie im offnen Felde geschlagen wäre. Die
taktischen Arrangements scheinen sehr schlecht gewesen zu sein.

» Der Flankenangriff des linken Flügels hätte offenbar erst ent-
wickelt sein müssen, ehe der Frontangriff unter Sumner geschah.
Dies wurde aber ganz verbummelt. Sumner scheint tief im Dreck
gewesen zu sein, ehe Franklin nur zum ernsthaften Schlagen ge-
kommen. Dann scheint Burnside über den Gebrauch seiner Re-

„ serve keinen Entschluß haben fassen können. Die Erfolge des
linken Flügels hätten ihn veranlassen sollen, dorthin wenigstens
einen Teil zu schicken, da dort doch das Entscheidende geschehen
mußte; statt dessen verwandte er sie in der Front, und auch da zu
spät, nämlich 1. als Ablösung und nicht Unterstützung der

„ geschlagnen Truppen Sumners, und 2. so dicht vor Dunkel-
werden, daß Nacht war, ehe die Hälfte zum Schlagen kam.
Dies natürlich als Resultat der schlechten Materialien, die die

Marx-Enrgels-Gesamtausgahe, III. Abt., Bd. 3 ®

7 9—114
        <pb n="150" />
        (812) 1862 Dez, 30
amerikanischen Blätter geben und ohne Kenntnis des Terrains.
Mir scheint übrigens, daß Burnside die Canaillen wohl hätte ganz
durch Umgehung vertreiben können, besonders da er doch 150000
Mann gegen 100000 gehabt zu haben scheint: aber der Glaube,
Washington könne nur gedeckt bleiben, solange man sich dem
Feinde quer vorlege, hat ihn offenbar daran verhindert, Die
Dummheit, den Konföderierten einen Monat Zeit zu lassen, sich
in der Stellung festzusetzen, und dann sie in der Front anzugreifen,
ist übrigens nur durch Arschprügel zu kritisieren.
Mary und Lizzy lassen grüßen.

Dein F. E.

In
        <pb n="151" />
        LSCT7

813. Marx an Engels; 1863 Januar 2.
2. Januar 1863.
Lieber Frederick,

Prost Neujahr!

Ich hatte während dieser Woche so viel Laufereien, daneben
sickness, daß ich nicht dazu kam, Dir den Empfang des Geldbriefs
anzuzeigen. N

Von Brockhaus bis jetzt keine Antwort. Übrigens höre ich, daß

wo „der Chef des Hauses“, wie Bangya ” zu sagen pflegte, abwesend
von Leipzig.

In Paris lernte meine Frau durch Abarbanel einen gewissen
Recluze ” kennen, der eine Art position in der ökonomischen Lite-
ratur hat, Deutsch auch versteht. Dieser Rlecluze] zusammen mit
Massol (der Agent im commerce ist), der kein Deutsch versteht,
und mehren andern will die Bearbeitung übernehmen. Sie haben
in Brüssel einen Buchhändler zu ihrer Verfügung. In Paris
herrscht noch immer Parteigeist und Zusammenhalt in der parti
socialiste. Selbst Kerls wie Carnot und Goudchaux erklären,

»# Blanqui müsse bei der nächsten Bewegung aufs Schild gehoben
werden.

Burnside scheint große taktische Schnitzer in der Schlacht bei
Fredericksburg begangen zu haben. Er war offenbar ängstlich in
der Verwendung so großer Streitkräfte. Was aber die Grund-

% eselei betrifft, 1. das Abwarten von 26 Tagen, so ist dabei unbe-
dingt direkter Verrat in der Kriegsadministration in Washington
im Spiel. Selbst der New York Correspondent der Times gab
zu, daß Burnside Mittel, die ihm für sofort versprochen waren,
erst nach Wochen erhielt; 2. daß er dann trotzdem diesen Angriff

ı” machte, zeigt die moralische Schwäche des Manns. Die brave
„Tribune“ fing an, ihn zu verdächtigen und drohte mit Ab-
setzung. Dieses Blatt, mit seinem Enthusiasmus, und seiner Un-
wissenheit, richtet großen Schaden an.

Die Demokraten und M’Clellanisten schrien natürlich einstim-

3 mig, um das Pech zu exagerieren. Das „Gerücht“, daß M’Clellan,

1) Im Orig. Banya

2) Wohl Elie Reclus

if

7 10 (wie. nflegte)

2A 95.
        <pb n="152" />
        116

(813) 1863 Jan.2
„der Monk“ der Times, nach Washington berufen sei, ist Herrn
Reuter geschuldet.

„Politisch“ war die Niederlage gut. Es durfte den Kerls kein
Schwein passieren vor Januar 1, 1863. Alles derart hätte die
„Proklamation“ rückgängig machen können.

Times und Konsorten ärgern sich tot über die Arbeiter-
neetings in Manchester, Sheffeld und London. Es ist sehr gut,
daß in dieser Art den Yankees der Star gestochen wird. Übrigens
sagte schon Opdyke (Mayor von New York und Political Econo-
mist) auf einem Meeting in New York: „We know that the English
working class are with us, and that the governing classes of Eng-
land are against us.“

Ich bedaure sehr, daß Deutschland nicht ähnliche Demonstra-
tionen macht. Sie kosten nichts und bringen „international“ viel
sin. Deutschland wäre um so mehr dazu berechtigt, da es in diesem x
Krieg den Yankees mehr leistet als Frankreich im 18. Jahrhundert.
Es ist die alte deutsche Dummheit, auf dem Welttheater nicht gel-
tend zu machen und zu betonen, was es wirklich leistet.

Von Itzig Brief erhalten, nebst Broschüre. Inhalt des Briefs:
Ich soll ihm den Roscher zurückschicken. Inhalt der Bro-z
schüre: Fortsetzung des Vortrags über die preußische Verfas-
sung. Kern: Lassalle ist der größte Politiker aller Zeiten und spe-
ziell seiner Zeit. Es ist Lassalle, and no mistake, der entdeckt hat,
und zwar aus der rein voraussetzungslosen und voraussetzungslos
veinen Theorie, daß die wirkliche Konstitution eines Landes nicht 2:
die geschriebne ist, sondern in den realen „Machtverhältnissen“
etc. besteht. Selbst die „N[eue] Prleußische] Z[eitung]“ und Bis-
marck und Roon huldigen, wie er durch Zitate beweist, „seiner“
Theorie. Seine Zuhörer können sich also darauf verlassen, daß,
wie er die richtige Theorie entdeckt, so er die richtige Lösung für zo
den „Augenblick“ besitzt. Und diese Lösung ist: „Da die Regie-
rung die Militärausgaben etc. trotz der Kammerbeschlüsse fort-
setzt etc., da hiermit das Dasein einer konstitutionellen Regierung
ine Lüge ist etc., hebt die Kammer ihre Sitzungen auf, bis die
Regierung erklärt, jene Ausgaben zu sistieren.‘“ Dies ist die Ge- s

walt „des Aussprechens der Tatsachen.“ Zur Ersparung von
Arbeit hat er das von der Kammer zu fassende Dekret gleich for-
muliert.
Der alte Heiman ist glücklich in Abrahams Schoß über-
zesiedelt, ,

Sruß und compliments of the season to the ladies.

Dein K. M.
Ich sehe, daß die Baumwollpreise gefallen. Dies jedoch nur
'empDorär nach meiner Ansicht.

Pr

a

30.— 40,

435 — cl
        <pb n="153" />
        117

814. Engels an Marx; 1863 Januar 7.

Manchester, 7. Januar 1862”.
Lieber Mohr,
Mary ist tot. Gestern Abend legte sie sich früh zu Bett, als Lizzy
&gt; sich gegen 12 Uhr schlafen legen wollte, war sie schon gestorben.
Ganz plötzlich, Herzleiden oder Schlagfluß. Ich erfuhr es erst heute
Morgen, am Montag Abend war sie noch ganz wohl. Ich kann Dir
gar nicht sagen, wie mir zu Mute ist. Das arme Mädchen hat mich
mit ihrem ganzen Herzen geliebt.
Dein

F. E.

815. Marx an Engels; 1863 Januar 8.
8. Januar 1863.
Lieber Engels,
Die Nachricht vom Tode der Mary hat mich ebenso sehr über-
wu rascht als bestürtzt. Sie war sehr gutmütig, witzig und hing fest
an Dir.

Mag der Teufel wissen, daß nichts als Pech jetzt in unsern
Kreisen sich ereignet. Ich weiß auch absolut nicht mehr, wo mir
der Kopf steht. Meine Versuche, in Frankreich und Deutschland

% Geld aufzutreiben, sind gescheitert, und es war natürlich vorher-
zusehn, daß ich mit 15 £ die Lawine nur ein paar Wochen ab-
halten konnte. Abgesehn davon, daß wir nichts mehr kreditiert
erhalten, außer Metzger und Bäcker, was auch mit Ende dieser
Woche aufhört, bin ich wegen der Schule getreten, wegen der

2 Miete und von der ganzen Rotte. Die paar, die ein paar Pfund Ab-
zahlung erhalten, haben sie pfifig eingesteckt, um mit verdoppel-
ter Gewalt über mich herzufallen. Dazu haben die Kinder keine
Kleider und Schuhe, um auszugehn. Kurz, der Teufel ist los, wie
ich es klar vorhersah, als ich nach Manchester ging und als letzten

2 coup de desespoir meine Frau nach Paris schickte. Wenn es nicht
gelingt, vermittelst einer loan society or lifeassurance (und dazu
seh ich keine Aussicht; mit der erstern Gesellschaft habe ich alles
umsonst versucht. Sie verlangen Bürgen, und sie müssen die Quit-
tungen von Rente und Steuern vorgelegt erhalten, was ich nicht
kann) eine größere Summe zu erheben, so dauert die Wirtschaft
hier kaum zwei Wochen mehr.

Es ist scheußlich egoistisch von mir, daß ich Dir in diesem
Augenblick diese horreurs erzähle. Aber das Mittel ist homöopa-
thisch. Ein Unheil zerstreut über das andre. Und, au bout du

« compte, was soll ich machen? In ganz London ist kein einziger

1) Irrtümlich für 1863.

Xp
        <pb n="154" />
        118 (815) 1863 Jan. 8
Mensch, gegen den ich mich auch nur frei aussprechen kann, und
in meinem eignen Hause spiele ich den schweigsamen Stoiker, um
den Ausbrüchen von der andern Seite das Gegengewicht zu hal-
ten. Arbeiten aber under such circumstances wird rein unmög-
lich. Hätte nicht statt der Mary meine Mutter, die ohnehin jetzt voll
körperlicher Gebresten und ihr Leben gehörig ausgelebt hat, . . . .?
Du siehst, zu welchen sonderbaren Einfällen die „Zivilisierten“
unter dem Druck gewisser Umstände kommen.
Salut.
Dein K. M. zo
Wie wirst Du es nun mit Deinem establishment einrichten? Es
ist außerordentlich hart für Dich, da Du bei der Mary ein home
hattest, frei und zurückgezogen von allem Menschendreck, so
oft’s Dir gefiel.

516. Engelsan Marx; 1863 Januar 13.
Manchester, den 13. Januar 1863.
Lieber Marx,

Du wirst es in der Ordnung finden, daß diesmal mein eignes
Pech und Deine frostige Auffassung desselben es mir positiv un-
möglich machten, Dir früher zu antworten.

Alle meine Freunde, einschließlich Philisterbekannte, haben
mir bei dieser Gelegenheit, die mir wahrhaftig nahe genug gehen
mußte, mehr Teilnahme und Freundschaft erwiesen, als ich er-
warten konnte. Du fandest den Moment passend, die Überlegen-
heit Deiner kühlen Denkungsart geltend zu machen.*) Soit! 26

Du weißt, wie meine Finanzen stehn, Du weißt auch, daß ich
Alles tue, Dich aus dem Pech zu reißen. Aber die größere Sum-
me, von der Du sprichst, kann ich jetzt nicht auftreiben, wie Du
auch wissen mußt. Es sind 3 Wege offen.

1. Loan society. In wieweit meine Garantie dabei nützen kann, 3
wäre zu erfahren, da ich aber kein householder bin, wohl wenig.

2, Lebensversicherung. John Watts ist Manager der European
Life &amp; Guarantee Society, deren Office in London jedenfalls im
Directory steht. Ich sehe nicht ein, warum der Versicherung Dei-
nes Lebens für £ 400 etwas im Wege stehn sollte, und auf die %
Police pumpt er gewiß £ 200, das ist sein Geschäft. Wenn dies
nicht vollständig ruinous ist, so ist es sicher der beste Weg. Du
gehst also am besten gleich hin, erkundigst Dich nach den terms,
und teile sie mir dann gleich mit.

1) Im Konzept zu diesem Briefe steht hier noch folgender Satz: „Geniesse Dei-
nen Trumpf, er wird Dir nicht bestritten.“

»

aa
        <pb n="155" />
        (816) 1863 Jan. 13
na

119

„3. Wenn alle Stricke reißen, kann ich im Februar — un-
möglich früher — ca. 25 £ auftreiben und bin auch bereit, einen
Wechsel auf 60 £ zu unterschreiben, der aber ganz sicher erst
nach dem 30. Juni 1863 bezahlt werden muß, also mit sichrer
Prolongation bis dahin. Darüber muß ich die nötigen Garantieen
haben. Das Fehlende müßtest Du dann unbedingt aus dem Hol-
länder Onkel herausschlagen.

Einen andern Weg sehe ich nicht.
Laß mich also wissen, was Du für Schritte tust, und ich werde
1 das Meinige tun.
Dein F.E.

817. Marxan Engels; 1863 Januar 24.
24. Januar 1863.
Lieber Frederick,

3 Ich hielt es für gut, einige Zeit verstreichen zu lassen, bevor
ich Dir antwortete. Deine Lage einerseits, meine andrerseits mach-
ten es schwer, die Situation „kühl“ aufzufassen.

Es war von mir sehr unrecht, daß ich Dir den Brief schrieb,
und ich bereute ihn, sobald er abgeschickt war. Es geschah dies

» jedoch keineswegs aus Herzlosigkeit. Meine Frau und Kinder
werden mir bezeugen, daß ich beim Eintreffen Deines Briefs (der
früh Morgens kam) so sehr erschüttert war als bei dem Todesfall
der mir Nächsten. Als ich Dir aber Abends schrieb, geschah es
unter dem Eindruck sehr desperater Umstände. Ich hatte den

2% broker im Haus vom landlord, einen Wechselprotest vom Metz-
ger, Mangel an Kohlen und Lebensmittel im Haus und Jenny-
chen im Bett liegen. Unter solchen circumstances weiß ich mir
generally nur durch den Zynismus zu helfen. Was mich noch
speziell toll machte, war der Umstand, daß meine Frau glaubte,
ich habe Dir den realen Sachverhalt nicht hinlänglich treu mit-
geteilt.

Insofern war mir auch Dein Brief lieb, da er ihr das „non pos-
sumus“ klar machte, denn sie weiß sehr wohl, daß ich nicht auf
Deinen Rat wartete, um an meinen Onkel zu schreiben; daß ich

mich nicht in London an Watts wenden konnte, der mit Person
und Office zu Manchester lebt; daß ich seit der letzten Schulder-
klärung Lassalles keinen Wechsel in London ziehn kann und daß
endlich 25 £ im Februar uns weder befähigen konnten, im Januar
zu leben, und noch weniger, die bevorstehende Krise abzuwenden.

o Da es Dir unmöglich war zu helfen, obgleich ich Dir mitgeteilt,
daß wir in der Lage der Manchester Arbeiter, mußte sie das non
possumus einsehn, und dies wünschte ich, da der bisherige Zu-
stand. das Rösten am kleinen Feuer — wobei Kopf und Herz ver-

20

7 a6 (seit) —37 (Lassalles)
        <pb n="156" />
        120

(817) 1863 Jan. 24
zehrt werden und außerdem die kostbarste Zeit verloren geht und
mir und den Kindern gleich schädliche false appearances aufrecht-
erhalten werden — enden muß. Die drei Wochen, die wir seit der
Zeit durchgemacht, haben meine Frau dahin gebracht, endlich
auf einen Vorschlag einzugehn, den ich schon lange gemacht und
der mit allen seinen Unannehmlichkeiten nicht nur die einzige
Ausflucht ist, sondern auch dem Leben der drei letzten Jahre,
namentlich des letzten, vorzuziehn, zudem unser selfesteem auch
wieder herstellt.

Ich werde den sämtlichen Gläubigern schreiben (mit Aus- z
nahme des landlord), daß, wenn sie mich nicht in Ruhe lassen, ich
mich durch failing of a bill in the court of bankruptey bankrott
erklären werde. Dies bezieht sich natürlich nicht auf den land-
lord, der das Recht auf die Möbel hat, die er behalten soll. Meine
zwei ältsten Kinder werden durch die Familie Cunningham Stel- 15
len als governesses erhalten. Lenchen soll in einen andren Dienst
lreten, und ich mit Frau und Tussychen werden dasselbe City
Model Lodging House bewohnen gehn, worin seinerzeit der rote
Wolff mit Familie residierte.

Bevor ich zu diesem Beschluß kam, habe ich natürlich noch an z
verschiednes Bekanntentum in Deutschland geschrieben, mit na-
türlich keinem Erfolg. Jedenfalls ist die Sache besser als eine
ohnehin nicht mehr durchzuführende Verlängerung des jetzigen
Zustands. Ich hatte genug zu tun, um durch Demütigung aller
Art landlord und Metzger friedfertig mit broker und Wechsel, z
durch falsche Versprechungen, abziehn zu machen. In die Schule
konnte ich die Kinder in dem neuen Quartal nicht schicken, da
die alte Rechnung nicht bezahlt und außerdem sie in keinem
präsentablen Zustand waren.

Mit dem obigen Plan aber glaube ich ohne irgendwelche Inter- zo
vention Dritter wenigstens in Ruhe kommen zu können.

Schließlich etwas mit dem Obigen nicht Zusammenhängendes.
Für den Abschnitt in meinem Buch über Maschinerie bin ich in
sinem großen Skrupel. Es war mir nie klar, wie die selfactors
die Spinnerei änderten oder vielmehr, da doch schon vorher die 8
Dampfkraft angewandt, wie der Spinner trotz der Dampfkraft mit
seiner bewegenden Kraft einzutreten hatte?

Es wäre mir lieb, wenn Du mir das erklärtest.

Apropos! Meine Frau, ohne mein Wissen, wandte sich an Iu-
pus um 1 £ für immediate necessities. Er schickte ihr zwei. Die 40
Sache ist mir unangenehm, aber factum est factum.

Dein K. M.
Abarbanel ist tot. Ditto ist Sassonoff in Genf gestorben.
        <pb n="157" />
        (818) 1863 Jan. 26

127
818. Engels an Marx; 1863 Januar 26.

Licher Mehr, Manchester, 26. Januar 1863.

Ich danke Dir für Deine Aufrichtigkeit. Du begreifst selbst,

5 welchen Eindruck Dein vorletzter Brief auf mich gemacht hatte.
Man kann nicht so lange Jahre mit einem Frauenzimmer zusam-
men leben, ohne ihren Tod furchtbar zu empfinden. Ich fühlte,
daß ich mit ihr das letzte Stück meiner Jugend begrub. Als ich
Deinen Brief erhielt, war sie noch nicht begraben. Ich sage Dir,

m“ der Brief lag mir eine Woche lang im Kopf, ich konnte ihn nicht
vergessen. Never mind, Dein letzter Brief macht ihn wett, und ich
bin froh, daß ich nicht auch mit der Mary gleichzeitig meinen
ältesten und besten Freund verloren habe. ;

Nun zu Deinen Angelegenheiten. Ich ging gleich heute zu

ıs Watts, den ich noch in London glaubte, der übrigens ein Office in
London, Pall Mall No. 2, hat. Mit ihm ist es nichts. Seine Gesell-
schaft pumpt nicht mehr. Er gab mir eine andre Adresse, Der
Mann ist bereit, aber er will je nach Umständen zwei oder
auch mehr sureties für Zinsen, Prämie und Rückzahlung

x des Anleihens. Damit können wir leider nicht dienen, wen könn-
ten wir finden? Allenfalls Gumpert, aber der würde schwerlich
angenommen werden. Dazu würde, da wir beide ohne bürger-
lichen Status, jedenfalls noch ein Dritter erforderlich sein, und
schließlich die expenses von dem loan im Voraus abgezogen wer-

z den, so daß wenig übrig bliebe.

[ch dachte nun daran, einen Teil des auf Spekulation gekauf-
ten Garns zu verkaufen, und statt den Betrag an Ermen (dem das
Geld gehört) zurückzuzahlen, ihn Dir zu schicken. Dies wäre
allenfalls gegangen, da die Sache erst im Juli zur Sprache kom-

%» men würde, bis wohin sich Manches ändern kann. Aber no chance.
Der Markt ist so flau heute, daß ich, statt mit Nutzen, mit Schaden
verkaufen müßte und wahrscheinlich in dieser Woche gar nicht
zum Verkauf käme.

Geld kann ich keins aufnehmen, Elrmen] könnte und würde es

3 mir wahrscheinlich refüsieren, und dem kann ich mich nicht aus-
setzen. Bei einem Dritten, Wucherer, hier borgen, hieße Elrmen]
den besten Anlaß geben, sich von seinem Kontrakt mit mir loszü-
sagen. Und trotzdem kann ich es nicht mit ansehn, daß Du Deine
Absicht ausführst, wie Du sie mir schreibst. Ich bin also dem

o alten Hill an die Wechsel gegangen und habe mir inliegende
£ 100 auf John Rapp &amp; Co., am 28. Februar fällig, genommen
und an Dich endossiert. Ich denke, es kommt nicht vor Juli‘her-
aus, und dann haben wir wieder eine Galgenfrist. Es ist ein höchst
gewagter Streich von mir, denn ich komme jetzt sicher ins Defizit,

indessen es muß riskiert werden. Ich versichre Dich, ich hätte es
        <pb n="158" />
        (818) 1863 Jan. 26
nicht gewagt, wenn mir nicht Charles, der eine Art Bilanz in Bausch
und Bogen über die letzten 6 Monate gemacht hat, heut Nach-
mittag gesagt hätte, daß sich die Sache für mich um ca. £ 305 50
günstiger stellt, als ich erwarten konnte. Ich habe in den 6 Mo-
naten ungefähr £ 330 ä 350 verdient.

Du mußt aber jetzt auch selbst begreifen, daß ich nach den un-
gewöhnlichen Anstrengungen, die ich seit 30. Juni 1862 habe
machen müssen, jetzt aber auch rein ausgepumpt bin und Du da-
her bis 30. Juni, außer etwa Kleinigkeiten, auf gar keine Rimessen
meinerseits mehr rechnen darfst. Wie es nach dem 30. Juni aus- 10
sieht, das mag der Teufel wissen, denn es wird jetzt Nichts ver-
lient, da der Markt nicht mehr steigt.

Der Wechsel selbst ist so gut wie cash. F reiligrath wird ihn Dir
mit Wollust diskontieren, besseres Papier zirkuliert nur sehr
wenig. Sei aber so gut und zeig mir den Empfang eben an, es wird ıs
jetzt so viel auf der Post gestohlen, und da Du nicht im Commerce
bist, kann Jeder sich für Dr. K. M. ausgeben.

Dein F. E.

122

319. Marx an Engels; 1863 Januar 28.
28. Januar 1863.
Lieber Frederick,

Durch eine Reihe sonderbarer Zufälle ward es mir gestern po-
sitiv unmöglich, Dir den Empfang des Briefs nebst Wechsel an-
zuzeigen.

Ich weiß ganz genau, wie riskiert es für Dich war, in die- 2;
ser Weise so große und unerwartete Hülfe zu bringen. Ich kann
Dir nicht dankbar genug sein, obgleich ich, in meinem innern
Forum, keines neuen Beweises Deiner Freundschaft bedurfte,
um mich zu überzeugen, daß sie aufopfernd. Wenn Du übrigens
die Freude meiner Kinder gesehn, würde Dir das ein schöner Lohn %
zewesen sein.

Ich kann Dir jetzt auch ohne weitere Umstände sagen, daß
trotz aller der Presse, worin ich während der letzten Wochen lebte,
nichts auch nur verhältnismäßig so auf mich preßte, als die
Furcht, daß ein Riß in unsrer Freundschaft. Ich erklärte wieder- 3;
holt meiner Frau, daß mir an dem ganzen Dreck nichts liege, ver-
glichen damit, daß ich durch diese bürgerlichen Lausereien und
ihre exzentrische Aufregung fähig gewesen sei, Dich in einem sol-
chen Moment, statt zu trösten, noch mit meinen Privatbedürfnissen

anzufahren, Consequently war der Hausfriede sehr gestört, und x
die arme Frau mußte die Sache ausbaden, an der sie in der Tat
so weit unschuldig war, als Frauen gewohnt sind, das Unmögliche

IM
        <pb n="159" />
        (819) 1863 Jan. 28
a —

‘9?

zu verlangen. Sie hatte natürlich keine Ahnung von dem, was ich
schrieb, aber bei einiger Reflexion hätte sie berechnen können,
daß so was herauskommen mußte, Die Weiber sind komische
Kreaturen, selbst die mit viel Verstand ausgerüsteten. Morgens

; weinte meine Frau über die Marie und Deinen Verlust, so daß sie
ihr eignes Pech, was grade an dem Tag kulminierte, ganz vergaß,
und Abends glaubte sie, daß außer uns kein Mensch in der Welt
leiden könne. der nicht den broker im Hause habe und Kinder
habe.

„Ich habe Dich im vorigen Brief wegen des selfactors gefragt.
Die Frage nämlich die: In welcher Weise vor dessen Erfindung
der sogenannte Spinner eingriff, Der selfactor ist mir erklärlich,
aber der vorhergehnde Zustand nicht.

Ich lege einiges in den Abschnitt über Maschinerie ein. Es sind

ıs da einige kuriose Fragen, die ich bei der ersten Bearbeitung
ignorierte, Um darüber ins Klare zu kommen, habe ich meine
Hefte (Auszüge) über Technologie ganz nachgelesen, höre ditto
einen praktischen (nur experimentalen) Kursus des Professors
Willis (in J ermynstreet”, das Institut für Geologie, wo auch

u Huxley seine Vorlesungen hielt) für Arbeiter. Es geht mir mit
der Mechanik wie mit den Sprachen. Die mathematischen Gesetze
verstehe ich, aber die einfachste technische Realität, wozu An-
schauung gehört, ist mir schwerer wie d[en] größten Knoten.

Du weißt oder weißt auch nicht, denn die Sache an sich gleich-

25 gültig, daß großer Streit darüber, wodurch sich Maschine von
Werkzeug unterscheidet. Die englischen (mathematischen)
Mechaniker, in ihrer groben Manier, nennen tool a simple ma-
chine und machine a complicated tool. Die englischen Techno-
logen jedoch, die etwas mehr Rücksicht auf Ökonomie nehmen,

zo unterscheiden beide dadurch (und nach ihnen viele, die meisten
englischen Ökonomen), daß in einem Fall die motive power vom
Menschen, im andern von a natural force ausgeht. Die deutschen
Esel, die in solchen Kleinigkeiten groß sind, haben daher ge-
schlossen, daß ein Pflug z. B. eine Maschine ist und die kom-

 pliziertste Jenny etc., soweit durch Hand bewegt, nicht. Nun ist es
aber gar keine Frage, daß, wenn wir uns nach der Maschine in
elementarischer Form umsehn, die industrielle Revolution
nicht von der bewegenden Kra ft ausgeht, sondern von dem
Teil der Maschinerie, den der Engländer die working
“machine nennt, also nicht z. B. von der Ersetzung des Fußes,
der das Spinnrad bewegt, durch Wasser oder Dampf, sondern von
der Verwandlung des unmittelbaren Spinnprozesses selbst und der
Verdrängung des Teils der menschlichen Arbeit. der nicht bloß

1} Im Orig. Jerminstreet
        <pb n="160" />
        12%

(819) 1863 Jan. 28
exertion of power war (wie bei dem Treten des Rads), sondern
die Bearbeitung, die direkte Wirkung auf den zu bearbeitenden
Stoff betrifft. Andrerseits ist es ebensowenig eine Frage, daß, so-
bald es sich nicht mehr um die historische Entwicklung der
Maschinerie handelt, sondern um Maschinerie auf Basis der
jetzigen Produktionsweise, die Arbeitsmaschine (z. B. bei
der Nähmaschine) die allein entscheidende ist, da, sobald dieser
Prozeß dem Mechanismus anheimgefallen, jeder heut zu Tage
weiß, daß man je nach der Dimension des Dings es durch Hand,
Wasser oder Dampfmaschine bewegen kann.

Für die bloßen Mathematiker sind diese F ragen gleichgültig,
aber sie werden sehr wichtig, wo es sich darum handelt, den Zu-
sammenhang menschlicher Gesellschaftsverhältnisse mit der Ent-
wicklung dieser materiellen Produktionsweisen nachzuweisen.

Das Wiederdurchlesen der technologisch-historischen Exzerpte 16
hat mich zu der Ansicht gebracht, daß, abgesehn von den Erfindun-
gen von Pulver, Kompaß und Buchdruckerei — diesen notwendi-
gen Vorbedingungen der bürgerlichen Entwicklung —, vom 16.
bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, also für die Periode der vom
Handwerk aus sich entwickelnden Manufaktur bis zur eigentlichen zo
großen Industrie, die zwei materiellen Basen, an denen sich inner-
halb der Manufaktur die Vorarbeit für die Maschinenindustrie
bildet, Uhr und Mühle (zunächst Kornmühle, und zwar Wasser-
mühle) sind, beide vom Altertum überliefert. (Die Wassermühle
zur Zeit von Julius Cäsar aus Kleinasien nach Rom gebracht.) Die 2
Uhr ist der erste zu praktischen Zwecken angewandte Automat;
die ganze Theorie über Produktion gleichmäßiger Be-
wegung an ihr entwickelt. Der Natur der Sache nach basiert sie

selbst auf der Verbindung von halbkünstlerischem Handwerk und
der direkten Theorie. Cardanus z. B. schrieb (und gab praktische zo
Rezepte) über den Bau der Uhren. „Gelehrtes (nichtzünftiges)
Handwerk“ heißt die Uhrmacherei bei deutschen Schriftstellern
des 16. Jahrhunderts, und an der Entwicklung der Uhr ließe sich
nachweisen, wie ganz verschieden auf Basis des Handwerks das
Verhältnis von Gelehrsamkeit und Praxis als z. B. in der großen z
Industrie. Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß im 18. Jahr-
hundert die Uhr die erste Idee gab, Automaten (und zwar durch
Federn bewegte) auf die Produktion anzuwenden. Vaucan-
sons Versuche in dieser Art wirkten historisch nachweisbar
zußerordentlich auf die Phantasie der englischen Erfinder. 40
Bei der Mühle andrerseits von vorn herein, sobald die
Wassermühle geliefert, die wesentlichen Unterschiede im Orga-
nismus einer Maschine. Die mechanische Triebkraft. Primo Mo-
tor, worauf sie wartet, Transmissionsmechanismus. Endlich Ar-
beitsmaschine, die den Stoff anfaßt, alle in selbständiger Existenz- 4
        <pb n="161" />
        (819) 1863 Jan. 28

125
weise gegeneinander. Die Lehre von der F riktion und da-
mit die Untersuchungen über die mathematischen Formen von
Räderwerk, Zähnen etc. alle an der Mühle gemacht; ditto hier
zuerst die Lehre von dem Messen des Grads der bewegenden Kraft,

5 von der besten Art, sie anzuwenden etc. Fast alle großen Mathe-
matiker seit Mitte des 17. Jahrhunderts, soweit sie sich auf prak-
tische Mechanik einlassen und sie theoretisieren, gehn von der
einfachen Wasser-Kornmühle aus. In der Tat daher auch der
Name Mühle:tind mill, der während der Manufakturperiode

9 entstand, für alles auf praktische Zwecke gerichtete mechanische
Treibwerk.

Aber bei der Mühle, ganz so wie bei Preßmaschine, Hammer-
werk, Pflug usw. von vorn herein die eigentliche Arbeit, Schlagen,
Zerquetschen, Mahlen, Zerkleinern etc. 0 hne menschliche Arbeit

s getan, wenn auch die moving force. menschlich oder viehisch. Da-
her diese Art Maschinerie wenigstens in ihren Anfängen sehr alt
und früher bei ihr eigentlich mechanische Triebkraft angewandt.
Daher auch fast die einzige Maschinerie, die in der Manufaktur-
periode vorkommt. Die industrielle Revolution be-

» ginnt, sobald der Mechanismus da angewandt, wo von alters her
das finale Resultat menschliche Arbeit erheischt, also wo nicht,
wie bei jenen Werkzeugen, von jeher der eigentlich zu be-
arbeitende Stoff nie mit der menschlichen Hand zu tun hatte;
wo der Mensch der Natur der Sache nach nicht von vorn herein

# als bloße power wirkt. Will man mit den deutschen Eseln die
Anwendung tierischer (also ganz so gut freiwilliger Be-
wegung wie die menschlicher) powers für Maschinerie er-
klären, so ist jedenfalls die Anwendung dieser Art Lokomotiven
viel älter als das einfachste Handwerkszeug.

Itzig schickt mir, was unvermeidlich, seine Verteidigungsrede
(ist zu 4 Monaten verurteilt) vor Gericht zu. Macte puer virtute!
Erstens hat dieser Renommist die Broschüre, die Du hast, Rede
über „den Arbeiterstand“, in der Schweiz wieder abdrucken lassen
unter dem pompösen Titel: „Arbeiterprogramm“.

Du weißt, daß die Sache nichts ist als schlechte Vulgarisation
des „Manifests“ und andrer von uns so oft gepredigten Sachen,
daß sie gewissermaßen schon Gemeinplätze geworden sind. (Der
Bursche nennt z. B. „Stand“ die Arbeiterklasse.) ;

Well. In seiner Rede vor dem Berliner Gericht hat er die

vo Schamlosigkeit zu sagen:

„Ich behaupte ferner, daß diese Broschüre nicht nur ein wissen-
schaftliches Werk wie so manches andre ist, welches bereits be-
kannte Resultate zusammenfaßt, sondern daß sie sogar in der viel-
fachsten Hinsicht eine wissenschaftliche Tat, eine Entwicklung

von neuen wissenschaftlichen Gedanken ist. . .. In verschiedenen

zn
        <pb n="162" />
        126

(819) 1863 Jan. 28
En
und schwierigen Gebieten der Wissenschaft habe ich umfangreiche
Werke zu Tage gefördert, keine Mühen und keine Nachtwachen
gescheut, um die Grenzen der Wissenschaft selbst zu erweitern,
und ich kann vielleicht mit Horaz sagen: militavi non sine gloria.
Aber ich selbst erkläre Ihnen: Niemals, nicht in meinen um-
fangreichsten Werken habe ich eine Zeile geschrieben, die
strenger wissenschaftlich gedacht wäre als diese Produktion von
Ihrer ersten Seite bis zur letzten. .. . Werfen Sie also einen Blick
auf den Inhalt dieser Broschüre. Dieser Inhalt ist nichts andres
als eine auf 44 Seiten zusammengedrängte Philosophie der u
Geschichte. ... Es ist eine Entwicklung des objektiven ver-
nünftigen Gedankenprozesses, welcher der Europäischen Ge-
schichte seit länger denn einem Jahrtausende zu Grunde liegt,
eine Entfaltung der innern Seele etc.“

Ist diese Schamlosigkeit nicht baumhoch? Der Kerl] denkt offen- ıs
bar, er sei der Mann, um unser Inventarium anzutreten. Dabei
las Grotesk Lächerliche!

Salut.
Dein K. M.
Laß Dir den Star von heute von lupus geben und siehe a
darin den Abdruck der Briefe über Times und Delane aus dem
Morning Herald.

320. Marx an Engels; 1863 Februar 13.
13. Februar 1863.
Lieber Frederick,

Ich lege bei diverse Urquhartiana. Die Kerls zeichnen sich
während der letzten Zeit besonders durch Blödsinn aus. So z. B.
ihre „Philosophie“ über die Bewegung in den United States.

Ich hätte Dir schon früher geschrieben, aber seit ungefähr
12 Tagen war alles Lesen, Schreiben und Rauchen mir strietly zo
untersagt. Ich hatte eine Sorte von Augenentzündung, mit sehr
widerlichen Affektionen der Kopfnerven verknüpft, Die Sache ist
so weit in Ordnung, daß ich in diesem Augenblick mich zum
erstenmal wieder ans Schreiben wage. In der Zwischenzeit stellte
ich allerhand psychologische Träumereien an, wie einem wohl 35
beim Blindsein oder Verrücktsein zu Mut sein mag.

Was sagst Du zu der Polengeschichte? So viel ist sicher, die
era of revolution ist nun wieder fairly opened in Europe. Und der
allgemeine Stand der Dinge gut. Aber die gemütlichen delusions
und der fast kindliche Enthusiasmus, mit dem wir vor Februar Jö
1848 die Revolutionsära begrüßten, sind zum Teufel. Alte Kame-

Gi

zZ. 20-— 29,
        <pb n="163" />
        (820) 1863 Febr. 13 a
mE A DET

127

raden wie Weerth usw. sind hin, andre sind abgefallen oder ver-
kommen und neuer Zuwachs wenigstens noch nicht sichtbar. Zu-
dem wissen wir jetzt, welche Rolle die Dummheit in Revolutionen
spielt und wie sie von Lumpen exploitiert werden. Übrigens kom-

5 men die „preußischen“ Nationalitätsschwärmer für „Italien“ und
„Ungarn“ jetzt schon ins Gedränge. Die „Preußen“ werden ihr
Russentum nicht verleugnen. Hoffentlich wälzt sich die Lava dies-
mal von Ost nach West und nicht umgekehrt, so daß uns die
„Ehre“ der französischen Initiative erspart wird. Das Abenteuer

wo in Mexiko ist sonst höchst klassischer Abschluß für die Farce des
lower Empire.

Die „Herzenschen“ Soldaten scheinen in hergebrachter Weise
zu wirtschaften. Doch ist allerdings wenig daraus zu folgern,
weder für die Massen in Rußland, noch even für das Gros der rus-

5 sischen Armee. Wir wissen, was französische „intelligente Bajo-
nette“ taten und selbst unsre rheinischen Strolche 1848 in Berlin.
Doch mußt Du jetzt watch die „Glocke“, denn Herzen et Co. haben
nun Gelegenheit, ihre revolutionäre Ehrlichkeit — selbst soweit
vereinbar mit slawischen predilections — zu zeigen.

o Die Urquhartiten werden wahrscheinlich die polnische Insur-
rektion von dem Petersburger Kabinett hervorgerufen erklären,
als „Diversion“ gegen Urquharts intended invasion of the Cau-
casus.

In den United States geht’s verdammt langsam. Ich hoffe, daß

# J. Hooker sich herausbeißt,

Nun schreib mir vor allem, was Du jetzt in Manchester machst.
Der Ort wird Dir verdammt vereinsamt vorkommen. Ich weiß an
mir selbst, wie die Gegend von Sohosquare noch immer mich er-
schreckt, wenn ich sie zufällig berühre.

Salut.

nn
Dein

K. M.

821. Marx an Engels; [1863] Februar 17.
London, 17. Februar.
Lieber Frederick.
Dein Schweigen beunruhigt mich in der Tat. Ich hoffe, daß Du
nicht krank bist. Andrerseits hoffe ich, daß ich nicht wieder,
malgre moi, Ärgernis gegeben habe. Wenn ich Dir in dem Brief,
worin ich die £ 100 anzeigte, von Maschinerie etc. sprach, so ge-
schah es in der Tat, um Dich zu zerstreuen und von Deinen Qualen

“ abzulenken.

Die polnische Geschichte und die preußische Intervention ist

in der Tat eine Kombination. die uns zu sprechen zwingt. Nicht
        <pb n="164" />
        (821) 1863 Febr. 17
persönlich, teils um nicht als Konkurrenten von Studiosus Blind
zu erscheinen, teils um uns den Weg nach Deutschland nicht ab-
zusperren, Aber dazu ist der hiesige Arbeiterverein gut. In
seinem Namen muß ein Manifest erlassen werden, und imme-
diately. Du mußt den militärischen Teil schreiben — i, e.
Deutschlands militärisch-politisches Interesse an der Wiederher-
stellung Polens, Ich schreibe das Diplomatische.

Nun, old boy, antworte, und wenn Dir was auf dem Herzen
liegt, speak out like a man und sei sicher, daß kein Mensch einen
so herzlichen Anteil an Deinem Wohl und Weh nimmt als

Dein Mohr.

128

HH

322. Engels an Marx; 1863 Februar 17.

Manchester, 17. Februar 1863.
Lieber Mohr,

Du mußt mein langes Schweigen entschuldigen. Ich war in ıs
sinem sehr öden Zustand, aus dem ich mich endlich herausarbeiten
mußte. Ich versuchte slawische Sprachen, aber die Einsamkeit
war mir unerträglich. Ich mußte mich gewaltsam zerstreuen. Das
half, ich bin jetzt wieder der alte Kerl.

Die Polen sind ganz famose Burschen. Wenn sie sich noch hal- z
ten bis zum 15. März, so geht’s in ganz Rußland los. Im Anfang
hatte ich höllische Angst, die Sache müsse schief gehn. Jetzt aber
sind die Chancen des Siegs denen der Niederlage fast schon über-
legen. Es ist nicht zu vergessen, daß die polnische jüngere
Emigration eine eigne Militärliteratur hat, in der alle Punkte mit 2
spezieller Berücksichtigung der polnischen Verhältnisse behandelt
sind, und daß in dieser die Idee des Guerillakriegs in Polen eine
sehr bedeutende Rolle spielt und sehr ausführlich behandelt ist.
Eigen ist auch, daß die beiden einzigen bis jetzt genannten Chefs
sin Warschauer Jude Frankowski und ein preußischer Leutnant
Langiewicz sind. Die Herren Russen müssen bei dem Guerilla-
krieg bei ihrer Unbehülflichkeit schrecklich leiden.

Hast Du gesehn, daß Bakunin und Mieroslawski sich gegen-
seitig Lügner schimpfen und über die russisch-polnischen Grenzen
sich in den Haaren liegen? Den Kolokol habe ich mir bestellt und
denke Näheres darüber drin zu finden. Übrigens werde ich schwer
&gt;chsen müssen, ehe ich mich wieder hineinarbeite.

Niederträchtig wie immer benehmen sich die Preußen. Mon-
sieur Bismarck weiß, daß es ihm an den Kragen geht, wenn Polen
und Rußland revolutioniert werden. Mit der preußischen Inter- «
vention hat es übrigens keine Eile. Solange sie nicht nötig ist,

35
        <pb n="165" />
        (822) 1863 Febr. 17

129
werden die Russen sie nicht zulassen, und wenn sie nötig wird,
hüten sich die Preußen zu kommen,
Geht die Sache in Polen schief, so stehen uns wahrscheinlich
ein paar akute Reaktionsjahre bevor, denn dann würde der
5 Mpasocnasubilt Lapp wieder Chef einer heiligen Allianz werden,
die den Monsieur Bonaparte wieder bei den dummen Crapauds
als großen Liberalen und Nationalen erscheinen ließe. Wie ko-
misch ist es übrigens, daß jetzt die ganze englische Bourgeoisie
über den Boustrapa herfällt, seit Kinglake einen kleinen, halb-
1 verdauten und halbgehörten Teil des Klatsches über ihn und sein
lot veröffentlicht hat, den man uns seit 10 Jahren nicht glauben
wollte! Die Enthüllungsliteratur über den pariser Hof kommt
wieder in Aufnahme, und Herr Tom Taylor, im Guardian, macht
sich wichtig mit all den Sachen über die Solms, Bonaparte, Wyse,
ws die Jeckergeschichte etc., die wir seit Jahr und Tag viel genauer
wissen. Nur Eins ist interessant: Jecker hat Geld geschafft schon
zum Straßburger oder Boulogner Komplott, zu welchem, weiß
Tlaylor] nicht. Daher also der Zusammenhang,
Im Yankeeland sieht's faul aus. Zwar sind, mit der gewöhn-
zo lichen Ironie der Weltgeschichte, gegenüber dem Philister, die De-
mokraten jetzt die war-party geworden, und der bankrotte Poetaster
Ch. Mackay hat sich wieder gründlich blamiert. Auch höre ich
durch Privatquellen aus New York, daß die Rüstungen des Nor-
dens auf bisher unerhörtem Fuß fortgesetzt werden. Aber andrer-
» seits mehren sich die Zeichen moralischer Erschlaffung täglich,
und die Unfähigkeit zu siegen wird täglich größer. Wo ist die
Partei, deren Sieg und avenement gleichbedeutend wäre mit Ver-
folgung des Kriegs a outrance und mit jedem Mittel? Das Volk
ist beschissen, das ist das Pech, und es ist ein Glück, daß ein
zo Friede eine physische Unmöglichkeit ist, sonst hätten sie längst
einen gemacht, um nur wieder dem almighty dollar leben zu
können.
Ein konföderierter Major, der in Lees Stabe die Gefechte bei
Richmond mitmachte, sagte mir dieser Tage, daß die rebels, nach
ı Papieren, die Lee selbst ihm vorgelegt, am Ende dieser Gefechte
nicht weniger als 40 000 Stragglers hatten! Er sprach namentlich
von den westlichen Regimentern der Federals mit großem Respekt,
ist aber im Übrigen ein Esel. [Schluß des Briefes fehlt.

Marx-Engels-Gesamtausgabe, IIX. Abt., Bd. 3

7 98 (Das)-—29 (es) a8
        <pb n="166" />
        (823) 1863 Febr. 19

8323. Engels an Marx; 1863 Februar 19.

Manchester, 19. Februar 1863.
Lieber Mohr,

Wegen Polen ganz Deiner Ansicht. Mir ging schon seit 14 Ta-
gen die Idee einer Broschüre im Kopf herum. Indes, wie Du vor-
schlägst, ist’s besser, da zugleich die Diplomatica hinein kommen
und es ein Vorzug ist, daß wir das Ding zusammen machen.

Wieviel Bogen soll das Ganze werden, und wieviel davon denkst
Du, daß auf meinen Teil kommen sollen? Davon hängt die An-
lage mehr oder weniger ab. Wer druckt’s? Und wann wirst Du ı
Deinen Teil zum Druck bereit haben?

Über Maschinerie dieser Tage.
Dein F. E.

824. Marx an Engels; 1863 Februar 20.
20. Februar 1863.
Dear Frederick,

Ich denke, das beste ist folgendes zu tun in der polnischen
Sache:

Die Proklamation für die Knoten, i. e. im Namen des Vereins,
darf höchstens ein Druckbogen sein, Militärisches und Poli- z
tisches together. Also schreib das zuerst. Danach richte ich mich.
Der Verein druckt dies,

Aber zugleich gut, wenn wir in einer Broschüre die Sache aus-
führlicher behandeln, und da mußt Du ganz der Sache nach die
Bogenzahl behandeln. Der diplomatische Teil, zu dem ich stets 2
ready, ja nur Anhängsel. As to Verleger, so will ich immedia-
tely nach Hannover schreiben, sobald Du sagst, wieviel Bogen.

Apropos! Schick mir Vollmacht für Bucher in Sachen Duncker,
apropos „Po und Rhein“.
Dein K. M.

825. Engels an Marx; [1863 Februar ca. 21].
Lieber Mohr,

Ich werde Dir die Geschichte für das Manifest schicken — ganz
kurz —, wird aber wahrscheinlich doch Manches enthalten, was
halb in Dein Fach einschlägt — das mußt Du ordnen.

Ad vocem Broschüre: ich denke die Sache folgender Maßen
sinzuteilen: 1. Militärische Position Rußlands gegenüber dem

25
        <pb n="167" />
        (825) 1863 Febr. 21
Wa m

131
Westen und Süden vor, 2. ditto nach den 3 Teilungen Polens,
3. ditto nach 1814, 4. Stellung Rußlands und Deutschlands nach
der Wiederherstellung Polens. (Hier muß auch etwas über Preu-
Bßisch-Polen, Sprachgrenzen und statistische Verhältnisse der ge-
; mischten Bevölkerung gesagt werden.) Das Ganze höchstens
3—4 Bogen; Titel: Deutschland und Polen. Politisch-militärische
Betrachtungen bei Gelegenheit des polnischen Aufstands von
1863. Es wäre dann an Dir, inzwischen Deine Notizen nachzu-
lesen und so weit fertig zu machen, daß Du sie sogleich bei Emp-
o fang des Manifests an den betreffenden Stellen einschalten re-
spektive als Anhang dazufügen und darauf verweisen kannst, wo
nötig. Hast Du noch was hierüber zu bemerken, so schreib mir

baldmöglichst, damit ich darauf Rücksicht nehmen kann.
Dein F. E.

826. Marx an Engels; 1863 Februar 21.
21. Februar 1863.
Lieber Engels,

Während der height meiner Krisis schrieb ich an Dronke.

About a month after erhielt ich Brief von ihm, daß er verreist
% gewesen. Gestern überraschte er mich hier und heut ist er abge-
reist nach abermaligem Rendezvous.

Er erklärte (in der Initiative), er wolle behülflich sein,
größere Summen aufzunehmen, damit ich ein Jahr ruhig arbeiten
könne. Sprach dann von Dir. Ich sagte ihm (hielt dabei aber nicht

% nötig, ihm Details mitzuteilen), daß Du sehr viel getan und für
viele Monate to come ausgebeutelt seist. Er hinwiederum: Es
handle sich nicht um Monate, sondern 1—2 Jahre. Er werde sich
persönlich mit Dir vernehmen.

Wie weit das nun alles Ernst oder Renommisterei, wirst Du

zo selbst am besten beurteilen können.

Apropos! Meine „Leber“ ist sehr geschwollen und außerdem
habe ich Stiche beim Husten, fühle mich nicht ganz behaglich
beim Drücken. Frag den Gumpert um ein Hausmittel. Wenn
ich zu Allen gehe, so folgt eine völlige Kur, wofür ich jetzt, von

ss vielen andern Punkten abgesehn, keine Zeit habe,

Was ich in der polnischen Sache am meisten fürchte, ist, daß
Sau-Bonaparte einen Vorwand findet, an den Rhein zu kommen
und sich wieder aus seiner ekelhaften Lage herauszupissen.

Schick mir (da Du darüber mehr Material zur Hand hast)’ ein

1 paar Notizen (genaue) über das Verhalten Friedrich Wilhelm des
Gerechten anno 1813 nach Naploleon]s Pech in Rußland. Es
gilt diesmal, dem öden Haus Hohenzollern zu Leib zu gehn.

7 21l— 34
        <pb n="168" />
        32

(826) 1863 Febr. 21
Ich habe Dronke im Unklaren darüber gelassen, ob sich
der zweite Band bereits im Druck befindet oder nicht.
Salut.
Dein K. M.
Soeben erseh ich aus der 2"! edition der Times, daß die
preußische 2'° Kammer endlich was Gutes getan. Wir werden bald
Revolution haben.

8327. Marx an Engels; 1863 März 24.
24. März 1863.
Lieber Frederick,

Du weißt, daß ich ein paar Wochen durch Augenkrankheit fast
ganz am Lesen und Schreiben verhindert. Daher die Notwendig-
keit, die versäumte Zeit wieder durch starkes Schanzen einzu-
holen. Hinc mein Schweigen.

Dronke hat mir £ 50 übermacht.

Aus einliegendem Brief von Dr. Kugelmann, den Du mir ge-
fälligst zurückschickst, siehst Du, was konfuse Kerls diese deut-
schen „Parteigenossen“. Meine ökonomische Arbeit ist „nicht zeit-
gemäß‘, und dennoch soll ich für die Sache, nachdem dieser
Band heraus ist, ja die ganze Geschichte weiterarbeiten zur 2%
theoretischen Beruhigung einiger schönen Seelen. Wovon ich in
der Zwischenzeit bei „nicht zeitgemäßen Arbeiten‘ existieren soll,
ist natürlich eine Frage, die sich diesen Herrn keinen Augenblick
aufdrängt.

Die Geschichte mit dem Langiewicz eklich. Doch hoffe ich, ist 2s
die Sache, selbst provisorisch, noch nicht zu Ende. Ich habe einst-
weilen gezögert mit der polnischen Arbeit, um die events etwas
mehr entwickelt zu sehn.

Die politische Pointe, zu der ich gelangt bin, ist die: daß
Vincke und Bismarck in der Tat das preußische Staatsprinzip z
richtig vertreten; daß der „Staat“ Preußen (eine von Deutsch-
land sehr verschiedne Kreatur) nicht ohne das bisherige Ruß-
land und nicht mit einem selbständigen Polen existieren kann.
Die ganze preußische Geschichte führt zu dieser Konklusion,
welche die Herrn Hohenzollern (Friedrich II, eingeschlossen) 35
längst gezogen haben. Dies landesväterliche Bewußtsein ist weit
überlegen dem beschränkten Untertanenverstand der preußischen
Liberalen. Da also die Existenz Polens für Deutschland nötig und
neben Staat Preußen unmöglich ist, so muß dieser Staat Preußen
wegrasiert werden. Oder die polnische Frage ist nur ein neuer 4
Anlaß zu beweisen, daß es unmöglich ist. deutsche Interessen

07
        <pb n="169" />
        (827) 1863 März 24

133

durchzusetzen, solang der hohenzollernsche Leibstaat existiert.
Nieder mit der russischen Hegemonie über Deutschland ist ganz
gleichbedeutend mit Weg mit Schaden, mit der Brut des alten
Sodomiters!

Was ich sehr wichtig in der neusten amerikanischen Geschichte
halte, ist, daß sie wieder Kaperbriefe austeilen werden. Dies
wird quoad England der Sache ganz andre Gestalt geben und mag
under favourable circumstances zu Krieg mit England führen, so
daß der selbstvergnügte Bull außer seinem cotton auch noch das

„o corn vor der Nase sich withdrawn sähe. Beim Beginn des civil
war hatte Seward auf seine Faust sich die Frechheit heraus-
genommen, die Beschlüsse des Pariser Kongresses von 1856
einstweilen als auch für Amerika gültig anzunehmen.
(Dies kam heraus beim Druck der Depeschen über die Trent-

ıs affäre). Der Washington-Congress und Lincoln, wütend über das
outfitting of Southern pirates in Liverpool etc., haben nun diesem
Spaß ein Ende gemacht. Dies hat großen Schrecken an der hiesigen
Börse erregt, aber die treuen Hunde der Presse parieren natür-
lich Ordre und erwähnen die Sache nicht in den Zeitungen.

%» Du hast doch wohl mit Vergnügen bemerkt, wie der alte Hund
Pam wörtlich sein Spiel von 1830-31 (ich habe die Reden ver-
glichen) wiederholt und ditto die Times spielen läßt. Diesmal
die Sache so far good: Louis Bonaparte (was bei dem unglück-
lichen Louis Philippe 1831 ganz Europa schädlich war) kömmt

» in die Sauce und in a very ugly dilemma with his own army.
Mexiko und die Kniebeugungen im Moniteur vor dem Zaren (wo-
zu Boustrapa durch Pam getrieben) könnten ihm wohl den
Hals brechen. In seines Herzens Angst hat er die Depeschen
drucken lassen, die beweisen, daß sein guter Wille bloß an Pam

zo gescheitert. (Der unglückliche Louis Philippe, obgleich der case
derselbe, erlaubte dem unverschämten Pam dazu noch im Par-
lament zu renommieren: „If it were not for the perfidy of
the French, and the intervention of Prussia, Poland would
still exist.“) Er glaubt dadurch auf die Public Opinion in Eng-

„ land zu wirken, als ob für diese der sop Pams nicht hinreiche,
daß Bonaparte an den Rhein wolle! Und als ob Pam nicht 34 die-
ser Public Opinion selbst fabriziere! Der elende Plon Plon hatte
nicht den Mut zu sagen, Pam arbeitet für Rußland, sondern das
böse Rußland suche Zwist zwischen Frankreich und England her-

wu vorzubringen! Hier erkenne ich wieder ganz meinen homme du
Bas Empire, den Elenden, der nie ohne allerhöchste europä-
ische Erlaubnis seine coups d’&amp;tat au delä des fronticres zu trei-
ben wagt. Hätte der Elende den Mut, klaren Wein über Pam einzu-
schenken (diesem auch nur damit gedroht), so konnte er ruhig an

« den Rhein spazieren. Aber er hat sich jetzt Hand und Fuß ge-

7

fm
        <pb n="170" />
        134

(827) 1863 März 24
bunden, ganz so dem Pam in die Hand geliefert, wie weiland
Louis Philippe. Wohl bekomm’s ihm.

Die Geschichten in Staleybridge und Ashton sehr erfreulich.
Doch endlich „die Achtung“ der Kinnbacken und Dickbäuche den
Prolötaires entzogen! John Potter sich heute sehr in der Times
blamiert, die bei ihrer jetzt in so großem Umfang genossenen Un-
popularität pounces upon that ass um zu catch einen Pfennig
Popularität,

Salut.
Dein

K. M. vo

828. Engels an Marx; 1863 April 8.
Manchester, 8, April 1863.
Lieber Mohr,

Seit 6 Tagen gehe ich damit um, Dir zu schreiben und bin
immer gestört worden. Besonders durch den braven Eichhoff, Der ı5
arme Teufel hat sich in Liverpool von preußischen durchgebrann-
ten Leutnants und kommerziellen Schwindlern so total bescheißen
lassen, daß er ca. £ 100 Schulden davongetragen hat, over and
above das nicht von ihm, sondern seinem Partner vermöbelte Ka-
pital. Er kommt sicher, sagt er, werde einige Zeit hier bleiben, 20
jede sich ihm bietende Stellung annehmen, tut sehr mysteriös mit
dem, was er hier treibt, etc. Bald indes zeigt sich, daß er, statt
sich nach Stellen umzusehn, allerhand mysteriöse Agentur-
geschäfte treibt, und jetzt ist mir klar, daß er hier für den kleinen
Dronke, der sehr tief in diese Branche gegangen ist, blockade- 25
running business to the Confederate States macht. Daher das ganze
Geheimnis, das bei der greenness unsres Freundes (die wirklich
alle Grenzen übersteigt) doch alle Augenblicke durchsickert.
Enfin, der Kerl hat nun wenig zu tun und liegt mir N. achmittags
alle Augenblicke auf dem Halse. Da er mir auch keinen reinen z
Wein einschenkt, so kann ich mich natürlich auch nicht einmal für
ihn bemühen, außer in direkten Fällen, wo er mich um Rat fragt.

Ich fürchte, die polnische Geschichte geht schief. Im König-
reich scheint die Niederlage Langiewicz’ doch schon gefühlt zu
werden, und wenn nicht die litauische Bewegung, die bei weitem 35
die wichtigste ist, weil sie 1. über die Grenzen des Kongreßpolens
hinausgeht und 2. weil die Bauern sich hier mehr beteiligen und
nach Kurland hin die Sache direkt agrarisch wird — wenn diese
nicht sehr guten Fortgang hat und die Bewegung im Königreich
wieder belebt, so glaube ich nicht, daß große Chancen da sind. «
Langiewicz’s Benehmen ist mir sehr dubiös. Welche Partei
den zum Gelingen des Aufstandes unbedingt nötigen Allianz-

F

'ıh—
        <pb n="171" />
        (828) 1863 April8

135
kontrakt zuerst gebrochen, wird schwer festzustellen sein, Inter-

essant aber wäre es zu wissen, wieweit die Gerüchte wahr sind, die

einerseits Mieroslawski, andrerseits Koscielski mit Plon Plon

alliieren. Branitzki war. wenn ich nicht irre, schon lange Plon-
; plonist.

Der brave Kugelmann scheint allerdings ganz famos edle Ab-
sichten mit Dir zu haben. Daß Leute von Genie auch essen, trin-
ken, wohnen müssen und sogar dafür bezahlen müssen, ist ein zu
prosaischer Gedanke für diese biedern Deutschen, als daß sie ihn

nur haben könnten, es käme fast einer Beleidigung gleich. Ich
möchte wissen, wer der kluge Kopf gewesen ist, der ihm anver-
traut hat, ich desavouiere mein Buch. Hierüber wirst Du den
guten Mann wohl aufklären. Was die neue Ausgabe angeht (die
ja auch nach den Prämissen anything but zeitgemäß wäre), so

ı ist der Moment jedenfalls nicht geeignet, wo alle revolutionäre
Energie aus dem englischen Proletariat so gut wie vollständig ver-
duftet ist und der englische Proletarier sich mit der Herrschaft
der Bourgeoisie vollständig einverstanden erklärt.

Ich habe die neuen Sachen von Lyell und Huxley gelesen, beide

zo sehr interessant und recht gut. Lyell hat noch mehr Phrase, aber
auch einige feine Witze, z. B. wo er, nachdem er vergebens alle
Naturforscher zitiert, um einen qualitativen Unterschied zwischen
Menschen und Affen zu konstatieren, endlich den Erzbischof von
Canterbury zitiert, der behaupte, der Mensch unterscheide sich

26 vom Tier durch die Religion. Übrigens rasselt es jetzt hier doch
gehörig Angriffe auf den alten Glauben, und von allen Seiten.
Man wird bald genötigt sein, zum Schutz der Religion ein seich-
beuteliges System des Rationalismus zu verfertigen. Im Edin-
blour]lgh Review läßt Owen Jemand auf Huxley antworten; die

so Antwort gibt alle wesentlichen Punkte der Sache nach zu und
streitet bloß um Ausdrücke.

Der kleine Dronke schien es für etwas ungeheuer Heroisches
anzusehn, daß er auf mein Akzept £ 250 bei seinem Banker er-
heben wolle und sogar die sich auf unter £ 15 betragenden Kosten

zs und Zinsen tragen. Daß ich solchem Heroismus gegenüber mich
nicht verpflichten wollte, die £ 250 in Jahresfrist anzuschaffen
— Du weißt am besten, weshalb ich das nicht konnte —, schien
ihm im höchsten Grade mesquin von mir. Ich versichre Dich, wäre
es nicht Deinetwegen gewesen, ich hätte dem kleinen Lumpazius

„ einen Tritt in den Arsch gegeben. Aus Ärger besoff ich mich und
schrieb Dir in der Besoffenheit einen wütenden Brief darüber,
worin schönes Zeug stehen mag, da ich absolut keine Erinnerung
habe, was ich schrieb. Damit Du aber den wahren Zusammenhang
siehst, habe ich die Sache jetzt noch eben erwähnt.

Vale. Dein F. E.

7 40 (Aus) —44.
        <pb n="172" />
        136

(829) 1863 April9
329. Marx an Engels; 1863 April 9.
9. April 1863.
Lieber Frederick,

Tussychen war sehr entzückt über den Brief und seinen Inhalt

und wird sich nicht abhalten lassen, Dir „persönlich“ zu antworten.

Mieroslawskis Plonplonismus war mir seit Jahren mit allen
seinen Details durch J. Ph. Becker und Schily bekannt. Übrigens
hatte ich ihn schon früher aus seinem Buch ersehn, das während
des letzten Kriegs zwischen Rußland und Türkei erschien. Der
Edle schlug dabei u. a. vor, Deutschland in 2 Länder zu teilen. zo
Was den Koscielski dagegen betrifft, ist mir die Sache neu.
Über die lächerliche Eitelkeit und namenlose Leichtgläubigkeit
Mlieroslawski]s, sobald auf seine Eitelkeit gezogen wird, hat
Becker mir 1860 von Italien aus höchst possierlichen Bericht
geschickt.

Itzig hat schon 2 Broschüren wieder über seinen Prozeß ver-
öffentlicht, die er mir glücklicherweise nicht mitgeteilt. Da-
gegen schickt er mir vorgestern sein offenes Äntwor t-
schreiben an das Zentralarbeiterkomitee für den Leipziger
Arbeiter (lies Knoten) Kongreß. Er gebärdet sich — sehr wich- zo
tig mit den uns abgeborgten Phrasen um sich werfend — ganz
als künftiger Arbeiterdiktator. Die F rage zwischen Arbeitslohn
und Kapital löst er in „spielend leichter Weise“ (verbotenus).
Nämlich die Arbeiter müssen für allgemeines Wahlrecht
agitieren und dann Leute wie ihn „mit der blanken Waffe der z
Wissenschaft“ in die Abgeordnetenkammer schicken. Dann bilden
sie Arbeiterfabriken, wozu der Staat das Kapital vorschießt,
und diese Anstalten umfassen by and by das ganze Land. Dies ist
jedenfalls überraschend neu! Einen Satz will ich Dir zitieren:

„Daß heute schon von einer deutschen Arbeiterbewegung die zo
Frage diskutiert wird, ob die Assoziation in seinem
(Schulze-Delitzsch’s) oder meinem Sinne aufzufassen
sei — das ist zum großen Teil sein Verdienst. Das eben ist sein
wahres Verdienst, und dies Verdienst läßt sich nicht zu hoch
veranschlagen, ... Die Wärme, mit welcher ich dies Ver-z
dienst anerkenne, darf uns nicht verhindern usw.“ Ca ira.

Zur selben Zeit, wo Palmerston in Glasgow war, ließ sich ein
andrer großer Mann daselbst ankündigen, Studiosus Karl
Blind. Vor seiner Ankunft schickte er der Glasgow „North
British Mail“ eine Notiz zu, überschrieben M. Kar] Blinde
und unterhauen von der-Redaktion mit dem verhängnisvollen
Wort: „Communicated“.

Dies merkwürdige Communiqu&amp; — wie alle über ihn
roulierenden Zeitungsnotizen von ihm selbst geschrieben.

A
        <pb n="173" />
        (829) 1863 April9

137
durch den Esel Mc Adam in das Blatt gebracht — beginnt mit
folgender einzigen Introduktion:
„At the present moment when a patriot exile is about to visit
Glasgow, for the purpose of bringing under public notice the
+ merits of the Polish question, it is fitting that a few remarks should
be made upon his political career, and more especially so from
the unfortunate fact that he is comparatively
unknown in Scotland. German by birth and German by exile,
M. Karl Blind’s efforts have not come so prominently
wvand so persistently before Europe as to have gained
for him universal admiration from the liberating party,
or universal execration from the oppressing party. He
has hitherto stood in that middle way, where he has the ho-
nour of being both beloved and hated; but in these
“two contending ranks which have rendered to him their
tribute after its kind the whole of Europe is not ranged,
M. Karl Blind having the satisfaction of knowing
there is a third section of his friends who are simply
indifferent. He therefore comes before the Scottish public with
x perhaps less prejudice against him than has been the case with
most of the distinguished exiles who preceded him.“

Folgt dann eine kurze biographische Notiz über den great
unknown, worin Schottland und „the third section“ of mankind
belehrt werden, daß dieser „M. Karl Blind“ is a native of Baden,

es and was originally, like Kossuth and Mazzini, trai-
ned to the law. Daß die „Badish revolution . . . the result
of his propagandism“ war, daß die „Governments of Baden
and the Palatinate“ ihn im Juni „in the capacity of diplomatic
envoy“ nach Paris sandten usw., und wirkt „in that spirit of co-
zo operation which so distinguishes the more celebrated exiles!“

Ist das nicht „scheen“?

Meine Frau ist seit zwei Wochen bettlägerig und fast ganz taub,
der Teufel weiß, woher. Jennychen hat wieder eine Sorte von
Diphtherieattacke. Wenn Du mir einigen Wein für beide (für

ss Jennychen will Allen Portwein) schicken kannst, so sehr lieb,

Hier in London hält jetzt ein Pfaffe (im Unterschied von den
Atheisten, die in Johnstreet predigen) deistische Predigten für die
Bürger, worin er sich voltairisch über die Bibel erlustigt. (Meine
Frau und Kinder waren zweimal da und lobten ihn als Humo-

&lt; risten.)

Ich wohnte dem Meeting bei, das Bright an der Spitze der
Trade Unions hielt. Er hatte ganz das Aussehn eines Independent,
und so oft er sagte „In the United States no kings, no bishops“
war ein burst of applause. Die Arbeiter selbst sprachen vor-

„züglich, mit völliger Beseitigung aller Bürgerrhetorik, und
        <pb n="174" />
        138

(829) 1863 April9
ohne ihren Gegensatz gegen die Kapitalisten (über die Vater
Bright übrigens auch herfiel) im geringsten zu verdecken,

Wie bald die englischen Arbeiter von ihrer scheinbaren Bour-
geoisansteckung sich befreien, muß man abwarten. Im übrigen,
was die Hauptgeschichten in Deinem Buch betrifft, sind sie bis
ins kleinste durch die spätere Entwicklung seit 1844 bestätigt wor-
den. Ich habe das Buch nämlich selbst wieder mit meinen N otizen
über die Nachzeit verglichen. Nur die kleinen deutschen Spieß-
gesellen, die die Weltgeschichte an der Elle und der jedesmal „in-
teressanten Zeitungsnachricht“ messen, können sich einbilden, daß
'n dergleichen großen Entwicklungen 20 Jahre mehr als ein Tag
sind, obgleich nachher wieder Tage kommen können, worin sich
20 Jahre zusammenfassen.

Das Wiederlesen Deiner Schrift hat mich mit Bedauern das
Altern merken lassen. Wie frisch, leidenschaftlich, kühn vor-
ausgreifend und ohne gelehrte und wissenschaftliche Bedenken
wird hier noch die Sache gefaßt! Und die Illusion selbst, daß
Morgen oder Übermorgen das Resultat auch geschichtlich ans
Tageslicht springen wird, gibt dem Ganzen eine Wärme und
(ebenslustigen Humor — wogegen das spätere „Grau in Grau“ %
verdammt unangenehm absticht.

Salut.
Dein

K. M.

330. Marx an Engels; 1863 April 18.

Lieber Engels, +
Den einliegenden Wisch rot angestrichen (das Blatt ist
E. Meyens) schickt mir Lassalle heut vor 8 Tagen; traf also ein
einen Tag nach Abgang meines Briefs an Dich, worin ich Dir
kurzen Auszug aus letzter Broschüre des Itzig gab. Er will nun
offenbar, daß ich für ihn in die Schranken treten soll. Que faire?
Dein K. M.

18. April 1863.

25

531, Engels an Marx; 1863 April 21.
Manchester, 21. April 1863.
Lieber Mohr,
Was mit dem Lassalle anzufangen, ist schwer zu sagen, apres
tout würde ich annehmen, es wäre unter der Würde des großen
[tzig, auf solch einen kleinlichen Meyenschen Klatsch das schwere

II
        <pb n="175" />
        (831) 1863 April21
a —————————

139
Geschütz einer dementierenden Erklärung antworten zu lassen.
Laß den Kerl seinen eignen Dreck ausfressen, wenn er was kann,
so braucht er keine Testimonia von Dir, und wozu sollst Du Dich
kompromittieren, nachdem Du ihm einmal gesagt, daß er doch
5 nicht mit uns gehen kann, oder wir nicht mit ihm. Welche Dumm-
heit schon, sich in die Schulze-Delitzschschen Knotengeschichten zu
mischen und zu versuchen, grade da auf Grundlage unsrer
früheren Arbeiten sich eine Partei zu bilden. Grade daß der
S[chulze]-D[elitzsch] und andres Pack die Knoten während
wo dieser bürgerlichen Zeit zur Höhe der bürgerlichen Anschauung
zu erheben sucht, kann uns nur erwünscht sein, sonst hätten wir
diese Geschichte während der Revolution auszufressen gehabt,
und in Deutschland, wo die Kleinstaaterei Alles so kompliziert
macht, hätte diese Konrinthenscheißerei uns als etwas Neues,
w# Praktisches entgegen gehalten werden können. Das ist jetzt er-
ledigt, wir haben unsre Gegner jetzt in der richtigen Stellung, und
der Knote ist zum Selbstbewußtsein gekommen und damit in die
kleinbürgerliche Demokratie versetzt. Aber diese Kerls als Re-
präsentanten des Proletariats ansehn, das blieb Itzig überlassen.
2 Der Witz mit Studiosus Blind hat Lupus und mich sehr amü-
siert. Lupus hat wieder einen schweren. Gichtanfall gehabt, er-
schwert durch seine eigensinnige Methode, stets halbkuriert aus-
zugehn und Stunden zu geben, und erst zum Doktor zu schicken,
wenn Alles zu spät ist und alle Medizin aufgefressen. Da hilft
2 aber kein Predigen, „ich gehe“.

Ich habe in der letzten Zeit russische Geschichte rückwärts ge-
lesen, d. h. zuerst die Teilung Polens und Katharina, jetzt Peter I.
Ich muß sagen, für die Polacken von 1772 sich zu begeistern, da-
zu gehört ein Büffel. Im größten Teil von Europa fiel doch damals

zo der Adel mit Anstand, teilweise mit esprit, so sehr auch seine all-
gemeine Maxime war, daß der Materialismus in dem bestehe, was
man esse, trinke, ficke, im Spiel gewinne oder für Schuftereien
bezahlt erhalte; aber so dumm in der Methode, sich an die Russen
zu verkaufen wie die Polacken, war doch sonst kein Adel. Sonst
» ist die allgemeine Käuflichkeit der gentils-hommes in ganz Europa
sehr heiter anzusehn. Weiter hat mich die Geschichte des Mon-
sieur Patkul sehr interessiert. Dieser Bursche ist wirklich der Er-
finder der ganzen russischen Diplomatie und hat bereits in nuce
ihre sämtlichen Kniffe, Wenn Du seine 1795 in Berlin erschie-
ın nenen Berichte an die russische Regierung nicht hast bekommen
können, so wollen wir versuchen, durch Annonce im Buchhändler-
Börsenblatt uns ein Exemplar zu verschaffen. Wie wenig haben
übrigens die Nachfolger dazu getan! Immer dieselben Wendun-
gen, immer dieselbe Manier jedem Land gegenüber. Übrigens ge-
ıs hört die Objektivität der Livländer, die absolut kein nationales.

Z. 92 (Laß ... ausfressen)
        <pb n="176" />
        _10

(831) 1863 April 21
sondern höchstens ein lokales und Privatinteresse haben, not-
wendig dazu. Ein Russe könnte diese Geschichten nie machen.

Sehr hübsch ist auch die Geschichte des Staatsstreichs Katha-
rinas IL. gegen Peter III. Hier hat Boustrapa seine Hauptstudien
gemacht, und die russische Kommunheit hat ihm bis ins Kleinste
zum Muster gedient. Es ist lächerlich, wie sich all solcher Dreck
bis ins Detail wiederholt.

Portwein habe ich augenblicklich keinen, guter ist auch nicht
on the spur of the moment zu haben. Ich will mich indessen um-
sehen, inzwischen gehe ich in den Keller und hole etwas Rhein- 1
wein und Bordeaux (ersteren für die Gesunden, letzteren für die
Kranken) heraus. Deswegen mache ich diesen Brief zu und lege
noch einige Stamps für Tussychen bei.

Dein F.E.
Von mehreren stamps doppelte Exemplare. Hier sind diese 15
brauchbar zum Austauschen, Mit Italienern, Schweizern, Nor-
wegern und einigen Deutschen kann ich in starken Quantitäten
aufwarten.

332. Engels an Marx; 1863 Mai 20.
Manchester, 20. Mai 1863.
Moro viejo, Moro viejo,
El de la vellida barba.

Was ist mit Dir los, daß man von Dir und Deinen Schicksalen
und rebus gestis nichts mehr vernimmt? Bist Du krank oder in
den Tiefen der Ökonomie festgefahren? Oder hast Du Tussychen 25
zu Deinem Korrespondenzsekretär ernannt? Or how?

Was sagst Du zu den Braven in Berlin, die zu dem Schluß ge-
kommen sind, daß es fraglich ist, ob ihr Präsident den Minister
zur Ordnung rufen darf, wenn der Minister sagt, die ganze Kam-
mer könne ihn kreuzweis usw. Nie hat ein Parlament doch mit zo
größerer Geduld, und mehr zur Unzeit, den Satz festgehalten, daß
die bürgerliche Opposition in ihrem Kampf mit Absolutismus
und Junkerkamarilla verpflichtet sei, Fußtritte hinzunehmen. Das
sind genau wieder unsre alten Freunde von 1848. Indes sind dies-
mal doch die Zeiten anders angetan.

Die Lassalleschen Geschichten und der Skandal, den sie in
Deutschland erregen, fangen doch an unangenehm zu werden. Es
ist die höchste Zeit, daß Du Dein Buch fertig machst, und wenn

auch nur, damit wir wieder Breittreter andrer Art bekommen. Im
Übrigen ist es ganz gut, daß auf diese Weise wieder ein Boden 4
für antibürgerliche Sachen gewonnen wird, nur ist es fatal, daß

35

Z. 15—18.
        <pb n="177" />
        (832) 1863 Mai 20

141

dieser Itzig sich dabei die Position macht. Indes, das haben wir

nie verhindern können, ebensowenig wie, daß Karl Blind heroische
Fechterstellungen vor dem Publikum gegen den Großherzog von
Baden einnimmt.

Welche Zeit es übrigens erfordert, bis neue wissenschaftliche
Entdeckungen auch in ganz unpolitischen Dingen sich Bahn
brechen, darüber lies Lyells Antiquity of Man. Schmerling in
Lüttich hatte den fossilen Menschenschädel von Engis schon 1843
entdeckt und Lyell gezeigt, auch sein dickes Buch veröffentlicht.

a Trotzdem hat es bis vor kurzem kein Mensch der Mühe wert ge-
halten, die Sache auch nur ernsthaft zu untersuchen. Desgleichen
hatte Barthes in Abbeville schon 1842 die Feuersteinwerkzeuge
des Sommebeckens und ihr geologisches Alter richtig beschrieben,
aber erst Ende der 50er Jahre drang die Sache durch. Solche

‚ Lausekerls sind die Altväter der Wissenschaft.

Lupus hat wieder starke Gichtanfälle gehabt. sich aber wieder
erholt.

Sonst treibe ich stark Serbisch, die von Wuck Stef. Karadzi&amp;
gesammelten Lieder. Es geht mir leichter ein als irgend eine

» andre slawische Sprache.

Inliegend wieder einige Stamps. Es ist jetzt großer Diebstahl

in diesem Artikel hier im Office,

Dein
F. E.

833. Marx an Engels; 1863 Mai 29.
British Museum, 29. Mai 1863.
Dear Frederick,
Mein langes Schweigen wird Dir at once klar sein, wenn Du
Dir eine sehr geschwollne Leber mit all its „appurtenances““ ver-
» sinnbildlichst. Ich habe seit about 12 Wochen mehr von diesem
nonsense ausgestanden als je vorher. Und Du glaubst nicht, wie
das auf das Morale eines Menschen einwirkt, die Dummheit im
Kopf und die Paralysis in den Gliedern, die man fühlt. Nament-
lich kann man sich zu nichts entschließen, u. a. auch nicht zum
ss Briefschreiben. Seit den letzten zwei Wochen ist die Sache wieder
erträglich. Diese Geschichte machte mir alles Schreiben so un-
möglich, daß ich trotz verschiedner wiederholter Versuche die pol-
nische Geschichte nicht fertig brachte, was mir jetzt sehr
lieb ist, da es mir bloß die Reisemöglichkeit nach Preußen abge-
„schnitten, ohne direkt etwas zu nutzen,
Ich war natürlich in der Zwischenzeit nicht müßig, aber ich
konnte nicht arbeiten. Was ich tat. war, teils meine Lücken (diplo-
        <pb n="178" />
        142

(833) 1863 Mai 29
SE
matische, historische) in der russisch-preußisch-polnischen Ge-
schichte ausfüllen, teils allerlei Literaturhistorisches in Bezug auf
den von mir bearbeiteten Teil der politischen Ökonomie zu lesen
und exzerpieren. Dies auf dem British Museum. Ich werde jetzt,
wo ich wieder relativ arbeitsfähig, die Last von mir abwälzen und
lie politische Ökonomie reins chreiben für den Druck (und
schlußfeilen). Wäre es mir möglich, mich jetzt in die Einsamkeit
zurückzuziehn, so würde die Sache sehr rasch gehn. At all events
bringe ich die Sache selbst nach Deutschland.

Jennychen ist nicht ganz, wie sie sein sollte, Seit about 14 Ta- 20
gen ein fataler Husten.

Was den Itzig angeht, so hatte er — wie mir Freiligrath kon-
fidentiell (er zeigte mir Itzigs Brief) mitteilte — den Flreilig-
rath] aufgefordert, ein Gedicht auf die „neue“ Bewegung zu
machen, alias den Itzig anzusingen, Er schnitt sich jedoch in Flrei- 15
ligrath). In dem Brief sagt er u. a.: „Hunderte von Zeitungen tra-
zen täglich meinen Namen in die fernsten Winkel Deutschlands,“
„Meine Proletarier! etc,“ Da nun Flreiligrath] nicht ihn an-
gesungen, hat er einen andern Poeten gefunden. Folgendes ist
ne Probe:
\M
„Herbei, Du deutsches Proletari at!

Herbei, laß ferner Dich nicht fruchtlos mahnen!
Hier steht ein Mann, bereit den Weg zu bahnen
Zu Deinem Wohlsein. Rüste Dich zur Tat!

Er sitzet nicht im hohen Parlamente,

Stolzieret nicht mit seinem Woritalente;

Einfach, verständlich spricht er für uns Alle,

Der Mann des Volkes, Ferdinand Lassalle!
Nicht, daß Ihr Andern ihre Säckel füllt,

Soll Euer Schweiß hinab zur Erde rinnen,

Nicht, daß an Reichtum täglich sie gewinnen,
Indes Ihr darbt und Euch in Lumpen hüllt,

Der Arbeit Früchte sollt Ihr selhst genießen,
Des Feldbaus Segen soll für Euch ersprießen,
O, daß an jedes Ohr es weithin schalle

Dies Manneswort von Ferdinand Lassalle.“
Macte puer! Wenn das nicht gut für die Wandlaus ist!

Meinen besten Gruß an lupum. Nun vergelte nicht Gleiches
mit Gleichem, sondern laß bald von Dir hören.

Salut.
&lt;O
Dein K.M.
        <pb n="179" />
        (834) 1863 Juni 10

24:
834. Marx an Engels; 1863 Juni 10.
10. Juni 1863.
Lieber Engels,
Nächsten Montag (15. Juni) ist ein Wechsel (des butcher) auf
5 mich fällig von £ 6. Wenn Du mir das Geld bis dahin schicken
kannst, könnte es später Dir zurückgeschickt werden, sobald die
Transaktion mit Dronke fertig.
Salut.
Dein K.M.
o Was sagst Du von La France, eh?
„tapfern Landsleuten“ von Berlin?

Und von Polen? Und unsern

835, Engels an Marx; 1863 Juni 11.
Manchester, 11. Juni 1863.
Lieber Mohr,
Inliegend £ 5 Bank of England-Nota R/X 46271, 31. Jan. 1862,
Manchester.
„—u— 5 — S/R 92394, 14. Okt. 1862,
London,
womit der Schlächter hoffentlich beruhigt sein wird. Da ich den

» Brief nicht selber aufgeben kann, so zeigst Du mir am besten eben
den Empfang an.

Dein langes Schweigen hatte mich sehr beunruhigt, ich hörte
inzwischen, daß Du unwohl seist, und jetzt ist es hoffentlich vor-
über. Wie geht’s mit Jennychens Husten?

% Die Sache in Polen scheint in der letzten Zeit nicht mehr so gut
zu gehn. Die Bewegung in Litauen und Kleinrußland ist offenbar
schwach, und die Insurgenten in Polen scheinen auch nicht voran
zu kommen. Die Führer fallen Alle oder werden gefangen und er-
schossen, was zu beweisen scheint, daß sie sich sehr exponieren

» müssen, um ihre Leute voran zu bringen. Qualitativ sind die In-
surgenten nicht mehr, was sie im März und April waren, die besten
Kerle sind verbraucht. Indes entziehen sich diese Polacken jeder
Berechnung, und die Sache kann doch noch gut gehn, obwohl die
Chancen geringer sind. Wenn sie sich halten, können sie doch noch
in eine allgemeine europäische Bewegung hineinkommen, die sie
reitet; dagegen wenn es schief geht, ist Polen für 10 Jahre futsch,
eine Insurrektion wie diese erschöpft die waffenfähige Bevölke-
rung auf lange Jahre. . .

Eine europäische Bewegung scheint mir sehr wahrscheinlich,

„weil der Bürger jetzt wieder alle Furcht vor den Kommunisten

15

m

7 15 (R/X)—18 .
        <pb n="180" />
        C)

(835) 1863 Juni 11
verloren hat und im Notfall auch wieder mit losgehn würde. Die
französischen Wahlen beweisen dies ebenso wie die Historien in
Preußen seit den letzten Wahlen. Daß eine solche Bewegung in-
des in Frankreich anfängt, glaub’ ich kaum. Die Wahlen in Paris
sind doch zu bürgerlich ausgefallen, die Arbeiter, wo sie Spezial-
kandidaten aufstellten, fielen durch und hatten auch nicht die
Macht, die Bourgeois zu wenigstens radikalen Wahlen zu zwingen.
Außerdem kennt Bonaparte die Methode, wie man große Städte
im Zaum hält.

In Preußen würden sie fortschwätzen, wenn der brave Bismarck
ihnen nicht den Riegel vorgeschoben. Wie die Sache dort auch
gehen mag, die friedliche konstitutionelle Entwicklung ist am
Ende, und der Philister muß sich auf Krawall gefaßt machen. Das
ist schon viel. So sehr ich die Tapferkeit unsrer alten Freunde,
der Demokraten, verachte, so scheint mir hier doch der meiste x
Zündstoff sich anzuhäufen, und da es kaum möglich ist, daß die
Hohenzollern sich nicht in foreign policy in die größten Dumm-
heiten verwickeln, so könnte es wohl dahin kommen, daß die
Truppen, halb an der polnischen Grenze, halb am Rhein verteilt,
Berlin frei ließen und ein Schlag erfolgte. Schlimm genug für
Deutschland und Europa, wenn Berlin an die Spitze der Be-
wegung geriete.

Was mich am meisten wundert, daß in Großrußland keine
Bauernbewegung losbricht. Der polnische Aufstand scheint hier
positiv ungünstig zu wirken.

In Amerika geht’s schön her. Fighting Joe hat sich mit seinen
Renommagen scheußlich blamiert, Rosecrans schläft, und bloß
Grant operiert gut. Seine Bewegung gegen Vicksburg von Südwest
nach Nordost, Abschneiden der Entsatzarmee, Zurückwerfen der-
selben, dann rascher Vormarsch gegen Vicksburg und selbst die
heftigen vergeblichen Sturmläufe sind alle sehr gut. An die Mög-
lichkeit, hinreichende Entsatztruppen rechtzeitig zusammen zu
bringen, glaube ich nicht. Andrerseits haben wir die amerikani-
schen Generale so oft plötzlich für 14 Tage gut operieren und
dann wieder die größten Eseleien machen sehn, daß man gar 3;
nichts über ihre künftigen Bewegungen sagen kann.

Lassalles Gedicht (genitivus objectivus) kannte ich aus einer
mir von Siebel eingesandten Broschüre, die Du also auch wohl
besitzest. Gar heiter. Der Kerl arbeitet jetzt rein im Dienst von
Bismarck, und es kann ihm eines Tages passieren, wenn Monsieur 49
B[ismarck] seiner leid ist, daß er ins Caschott fliegt und Bekannt-
schaft mit dem preußischen Landrecht macht, das er immer mit
dem Code zu verwechseln scheint. Übrigens schön nach seinem
1) Im Orig. Rosenkranz
        <pb n="181" />
        (835) 1863 Junill

145
Auftreten in Vogtibus, daß er jetzt unter der Ägide nicht nur der
Augsb[urger], sondern auch der Kreuzzeitung steht.
Ich lese jetzt Kinglake, der mich mehr und mehr in der Über-
zeugung bestärkt, daß jeder Engländer irgendwo in seinem Gehirn
s ein Brett vorgenagelt hat, wo alles aufhört.
Dein F.E.
336. Marx an Engels; 1863 Juni 12.
12. Juni 18363.
British Museum.
Lieber Engels,

Die Anzeige der 10 £ erfolgt hier mit bestem Dank, Da ich
nicht sicher war, ob Du bis Montag das Geld schicken könn-
test, und andrerseits in dem Hause große Angst vor Wechseln
herrscht, schrieb ich gleichzeitig an Dronke.

ıs Jennychen hüstelt wieder seit 4 Wochen. Ich habe sie heut zu
Dr. Allen geschickt.

Ich selbst bin auch nicht ganz auf dem Strumpf, aber das
Hauptleiden ist fort. Ich habe in the meantime, was den Vogt sehr
freuen muß, Schwefel gefressen.

»% Der Itzig hat mir (vielleicht auch Dir) seine Gerichtsrede über
die indirekten Steuern geschickt. Es ist einzelnes darin
gut, aber das Ganze erstens unerträglich zudringlich, schwatzhaft
und mit der lächerlichsten Gelehrt- und Wichtigtuerei ge-
schrieben. Außerdem ist es doch essentiellement das Mach-

5 werk eines „Schülers“, der in aller Hast sich als „grund-
gelehrten“ Mann und selbständigen Forscher herausmarktschreien
will. Es wimmelt daher von historischen und theoretischen blun-
ders. Ein Beispiel mag hinreichen (falls Du das Zeug nicht selbst
gelesen hast.) Er will — um dem Gericht und dem Publikum zu

ı imponieren — eine Art retrospektiver Geschichte der Polemik
gegen indirekte Steuern geben, zitiert daher rückgehend in. die
Kreuz und Quer, über Boisguillebert und Vauban hinaus Bodinus
etc. Hier zeigt sich nun der Erzschüler. Er läßt die Physio-
kraten weg, weiß offenbar nicht, daß alles, was A. Smith etc.

5 über das Thema gesagt, von jenen abgeschrieben, sie überhaupt
die Helden in dieser „question“ waren. Ebenso ganz schülerhaft
die „indirekten Steuern“ als „Bourgeoissteuern““ gefaßt, was sie
waren „im Mittelalter“, aber nicht heute sind (wenigstens nicht
da, wo die Bourgeoisie entwickelt), wie er sich bei Herrn R. Glad-

‚stone et Co. in Liverpool eines weitern belehren kann. Der Esel
scheint nicht zu wissen, daß die Polemik gegen „indirekte“
Steuern ein Stichwort der englischen und amerikanischen Freunde
des „Schulze-Delitzsch‘“ et Cons., also jedenfalls kein Stichwort

Marx-Engels-(Gesamtausgabe, 11. Abt., Bd. 3 10

0

Z. 28 (falls) —29,
        <pb n="182" />
        146

(836) 1863 Juni 12
gegen sie ist, ich meine die freetrader. Ganz schülerha ft
seine Anwendung eines Ricardoschen Satzes auf die preu-
Bische Grundsteuer. (Grundfalsch nämlich.) Rührend ist es, wo
er dem Gericht „seine“ aus tiefster „Wissenschaft und Wahr-
heit“ und schrecklichen „Nachtstunden““ geschöpften Entdeckun-
gen mitteilt, nämlich,

daß im Mittelalter das „Grundeigentum“ herrschte,

in der neuen Zeit das „Kapital“ und jetzt

das „Prinzip des Arbeiterstandes“, die „Arbeit“
oder „das sittliche Prinzip der Arbeit“; und an dem- x
selben Tag, wo er die Entdeckung den Knoten mitteilte, teilte sie
Überregierungsrat Engel” (ohne von ihm zu wissen), einem
feinern Publikum in der Singakademie mit, Er und Engel” gra-
tulierten sich wechselseitig „brieflich“ über ihre „gleichzeitigen“
Wissenschaftsresultate,

Der „Arbeiterstand“ und das „sittliche Prinzip“ sind
allerdings Errungenschaften von Itzig und dem Öberregierungsrat,

Ich habe mich seit Anfang dieses Jahrs nicht entschließen
können, dem Kerl zu schreiben.

Kritisiere ich sein Zeug, so wäre das Zeitverlust:; außerdem z
eignet er sich jedes Wort als „Entdeckung“ an. Auf seine Plagiats
ihn mit der Nase zu stoßen, wäre lächerlich, da ich ihm unsre
Sachen in der Form, worin er sie verschmiert hat, nicht abnehmen
will. Anerkennen diese Renommagen und Taktlosi gkeiten
zeht auch nicht. Der Kerl würde das gleich benutzen. 25

Bleibt also nichts übrig, als abzuwarten, bis endlich sein Zorn
ausbricht. Dann habe ich einen sehr schönen Vorwand daran, daß
er (wie Öberregierungsrat Engel!) stets bemerkt, das sei nicht
„Kommunismus“, Ich werde ihm dann also antworten, daß
diese seine wiederholten Beteurungen mich, wollte ich Notiz von z
ihm nehmen, gezwungen haben würden

1. dem Publikum zu zeigen, wie und wo er uns abschrieb;

2. wie und wo wir uns von seinem Zeug unterscheiden.

Um also dem „Kommunismus“ nichts zu vergeben und ihn
nicht zu lädieren, hätte ich ihn ganz ignoriert.

Übrigens macht der Kerl aus bloßer Eitelkeit den ganzen
Lärm. Während 1859 gehörte er ganz zu der preußischen libe-
ralen Bourgeoispartei. Jetzt mag er es bequemer finden, unter den
auspices of government auf die „Bourgeois‘“ los zu fahren, als
auf die „Russen“. Auf die Östreicher schimpfen und für
Italien schwärmen war von jeher ebenso spezifisch berlinisch, als
den Russen gegenüber das Maul halten, wie es der tapfre J unge
tut.

Salut.

1) Im Orig. Engelman

30

Z. 36 (macht)—38 (Jetzt).
        <pb n="183" />
        (837) 1863 Juni22
Di  —

LM
837, Marx an Engels; 1863 Juni 22.
22 June 1863.
Lieber Engels,

Der „Kleine“ schreibt mir heut von Liverpool, daß die Geld-
geschichte jetzt abgemacht, i. e. entschieden werden müsse, da
er sie persönlich besorgen müsse und er Geschäfts halber
jeden Tag auf Reise gerufen werden könne. Du kannst Dich drauf
verlassen, daß es mir sehr fatal, daß Du meinetwegen any obliga-
tion whatever dem Kleinen gegenüber unternimmst, mais que

zo faire?

Ich war und werde sein bis zu Ende dieses Monats auf dem
British Museum, da ich die in Folge der pressure from without im
Hause notwendigen Quengeleien möglichst vermeiden muß, schon
meiner „Läber“ wegen. Sobald Ruhe hergestellt, gebe ich mich
an die Reinschrift des Sau-Buchs, das ich selbst nach Deutschland
hausieren gehn will. Erst sobald das geschehn, wird es Zeit sein,
sich in Paris und London, sei es für die französische Übersetzung
zu melden, sei es für englische Bearbeitung umzusehn. Denn schon
der Itzig zwingt uns diesmal, unser Licht nicht zu sehr unter den

zo Buschel zu stellen.

Salut.

15

Dein

K. M.

838. Engels an Marx; 1863 Juni 24.
Manchester, 24. Juni 1863,
Lieber Mohr,

Ich weiß gar nicht, was der kleine busybody will. Warum
schreibt er mir nicht, daß er jetzt die Sache arrangiert haben
will? Mir schrieb er, daß, wenn ich ihm nicht ant-
worte, er auf mich ziehen würde, wie abgemacht. Da bei mir

1 abgemachte Sachen abgemacht sind, so hielt ich es durchaus nicht
für nötig, 14 Tage vor der Zeit nochmals eine schriftliche Ver-
sicherung abzugeben, daß ich das tun würde, wozu ich mich schon
früher mündlich und schriftlich verpflichtet. Auf Deinen Brief
hin, wo er mit ganz andern Motiven herauskommt, hab’ ich ihm

ı nun das Nötige geschrieben. Mein Akzept wird für £ 250 sein.
Sieh, daß er Dir die ganze Summe schickt, da er sich ver-
pflichtet hat, Kosten und Zinsen selbst zu tragen.

Kinglake ausgelesen. Etwas Oberflächlicheres (bei teilweise
sehr gutem Material, aber lückenhaftem), Dummeres, Unwissen-

 deres als die Almaschlacht noch nie dagewesen. Nur la part des

10*
        <pb n="184" />
        (838) 1863 Juni 24
francais gut und richtig dargestellt, wenigstens im Ganzen. Sonst
Manches für den militärischen Leser höchst komisch.

In Polen geht’s faul. Der große Effekt der polnischen Regie-
rung, der Massenaufstand im Juni, ist offenbar am Waff enmangel
gescheitert, und jetzt ist, wenn keine äußern Verwicklungen ein-
treten, ein allmähliches Abnehmen nicht zu vermeiden.

Deine Politik dem Itzig gegenüber ist ganz recht. Was kann
all die Gemütlichkeit helfen gegenüber einem Kerl, der im ent-
scheidenden Moment doch entweder durch die Verhältnisse ge-
zwungen wird, mit uns zu gehn, oder aber der offen unser Feind z
wird. Sich noch von dem Narren Jahrelang intellektuell exploi-
tieren lassen und zum Dank dafür verpflichtet zu sein, für alle
seine Dummheiten einzustehn, das ist eppes zu arg.

Ich werde abgerufen.
Dein
16
F. E.

839. Marx an Engels; 1863 Juli 6.

Lieber Engels,

D’abord meinen besten Dank für die £ 250. Dronke hatte mir 20
vor about 4 Monaten 50 £. geschickt und heute 200.

Jennychen ist leider immer noch nicht so, wie sie sein sollte.
Der Husten ist noch nicht ganz fort, und das Kind ist zu „leicht“
geworden. Ich schicke sie ins Bad mit den andern, sobald ihr
Schulturnus am Ende. Obgleich ich viel Vertrauen in Allen habe, 2
so wäre es mir sehr lieb, wenn Gumpert, der doch wahrschein-
lich nach dem Kontinent auf Ferien reist, hier vorspräche, sich
vom Tatbestand überzeugte und mir seine Ansicht mitteilte. Ich
muß Dir offen sagen, daß ich in großer Angst wegen dem Kind
bin. Das Abnehmen von Fleisch in diesem Alter scheint mir sehr 3
zedenklich.

Palmerston plays his old tricks in der polnischen Affäre. Die
den Russen zugestellten Noten sind originaliter von Petersburg
nach London geschickt worden. Den Hennessy* hat Pam dem
Urquhart abgekauft, indem er besagtem irischem Lumpen
sine einträgliche Stelle (Sinekure) an einer französisch-englischen
Eisenbahn in Frankreich verschafft hat. Die Verkäuflich-
keit der hiesigen politicians drängt in der Tat alles in den Hinter-
zrund, was der Art auf dem Kontinent vorkömmt. Man hat weder
bei uns noch in Frankreich einen Begriff von dieser absoluten zo
Schamlosigkeit. Was den „count Zamoyski“ angeht, so
a 1) Im Orig. Henessey

London, 6. Juli 1863.

Z. 7 (Was) —J.
        <pb n="185" />
        (839) 1863 Juli6
a —

149
hatte ich den Urquhartiten wiederholt gesagt, daß der Kerl
1830-31 die Polen verriet, indem er ein unversehrtes Korps statt
gegen die Russen, über die östreichische Grenze führte. End-
lich ist ihnen dieser Bursche wegen seiner fortwährenden persön-
lichen Mogelei mit Pam auch verdächtig geworden.

Die Expedition der Southerners gegen den Norden ist nach mei-
ner Ansicht Lee aufgezwungen worden durch das Geschrei der
Richmond papers und ihrer supporters. Ich betrachte es als einen
coup de desespoir. Übrigens wird dieser Krieg sich in die Länge

0 schleppen, und das ist im europäischen Interesse sehr wün-
schenswert.

Itzig hat mir eine neue Broschüre geschickt, seine Rede in
Frankfurt a. M. Da ich jetzt 10 Stunden des Tags ex officio Ökono-
mie treibe, ist nicht zu verlangen, daß ich meine Nebenstunden

© mit dem Lesen dieser Schülerpensa töten soll. Also einstweilen ad
acta gelegt. In der freien Zeit treibe ich Differential- und Integral-
kalkul. Apropos! Ich habe Überfluß an Schriften dadrüber und
will Dir eine zuschicken, wenn Du das Fach in Angriff nehmen
willst. Ich halte es für Deine Militärstudien fast für nötig. Dabei

zo ist es ein viel leichterer Teil der Mathematik (was das bloß Tech-
nische angeht) als z. B. die höhern Teile der Algebra. Außer
Kenntnis der gewöhnlichen algebraischen und trigonometrischen
Geschichte nichts an Vorstudien nötig, außer allgemeine Bekannt-
schaft mit den Kegelschnitten.

Über die beiliegende Broschüre des „Due du Roussillon“, des-
sen Du Dich vielleicht noch unter dem Namen „Pi“ erinnerst,
schreibe mir ein etwas motiviertes Urteil, da dieser Kerl jeden
Tag mich schriftlich auffordert, ihm mein „Urteil“ mitzuteilen.

Das einliegende „Tableau Economique“, das ich an die

» Stelle des Tableau des Quesnay setze, sieh Dir, wenn es Dir in die-
ser Hitze möglich, etwas sorglich an und teile mir Deine etwaigen
Bedenken mit. Es umfaßt den gesamten Reproduktionsprozeß.

Du weißt, daß A.Smith den „natural“ oder „NECcESSATY
price“ zusammensetzt aus Salair, Profit (Zins), Rente — also
ganz in Revenue auflöst. Dieser Unsinn ist auf Ricardo über-
gegangen, obgleich er Rente, als bloß akzidentell, aus dem Katalog
ausschließt. Fast alle Ökonomen haben dies von Smith akzep-
tiert, und die es bekämpfen, fallen in andern Blödsinn.

Smith selbst fühlt den Unsinn, das Gesamtprodukt für die

“ Gesellschaft in bloße Revenue (die jährlich verzehrt werden
kann) aufzulösen, während er für jeden einzelnen Zweig der
Produktion den Preis in Kapital (Rohstoff, Maschinerie etc.)
und Revenue (Arbeitslohn, Profit, Rente) auflöst. Danach
müßte die Gesellschaft jedes Jahr de novo. ohne Kapital an-

@ fangen.

IR
        <pb n="186" />
        ‚50

(839) 1863 Juli6
Was nun meine Tabelle angeht, die als Zusammenfas-
sung in einem der letzten Kapitel meiner Schrift figuriert, so ist
dabei folgendes zum Verständnis nötig:

1. Die Zahlen gleichgültig, bedeuten Millionen.

2. Unter Lebensmittel ist hier alles zu verstehn, was in
den Konsumtionsfonds jährlich eingeht (oder ohne
Akkumulation, die von der Tabelle ausgeschlossen ist,
in den Konsumtionsfonds eingehn könnte).

In der Klasse I (Lebensmittel) besteht das ganze Produkt
(700) aus Lebensmitteln, die also der Natur der Sache nach x
nichtin das konstante Kapital (Rohmaterial und Maschi-
nerie, Baulichkeiten etc.) eingehn. Ebenso besteht in der Klasse II
das ganze Produkt aus Waren, die konstantes Kapital
bilden, i, e. als Rohmaterial und Maschinerie wieder in den Repro-
Jduktionsprozeß eingehn. P

3. Wo die Linien aufsteigen ist punktierte, wo sie
aiedersteigen, grade Linie.

4.Konstantes Kapital ist der Teil des Kapitals, der aus
Rohstoff und Maschinerie besteht. Variables Kapital, der
sich gegen Arbeit austauscht.

5. In der Agrikultur z. B. etc. bildet ein Teil desselben Pro-
dukts (z. B. Weizen) Lebensmittel, während ein andrer Teil
(Weizen z. B.) wieder in seiner Naturalform (als Samen z. B.)
als Rohstoff in die Reproduktion eingeht. Dies ändert aber nichts
an der Sache, Da solche Produktionszweige der einen Eigenschaft 25
nach in Klasse II, der andern nach in Klasse I figurieren.

6. Der Witz der ganzen Geschichte also der:

Kategorie I Lebensmittel. Arbeitsmaterial und Ma-
schinerie (d. h. der Teil derselben, der als Dechet in das
jährliche Produkt eingeht; der nicht konsumierte Teil der Maschi- zo
nerie etc, figuriert überhaupt nicht in der Tabelle) = 400 £
z. B. Das gegen Arbeit ausgetauschte variable Kapital = 100,
reproduziert sich als 300, indem 100 den Arbeitslohn im Produkt
ersetzt, 200 den Mehrwert (unbezahlte Surplusarbeit)
darstellt. Das Produkt = 700, wovon 400 den Wert des konstan- 3
ien Kapitals vorstellt, das aber ganz in das Produkt übergegangen
ıst, also ersetzt werden muß. .

Es ist bei diesem Verhältnis von variablem Kapital und Mehr-
wert angenommen, daß der Arbeiter */ des Arbeitstags für sich,
“, für his natural superiors arbeitet.

100 (variables Kapital) wird also, wie durch punktierte Linie
angedeutet, in Geld als Arbeitslohn ausgezahlt; der Arbeiter kauft
mit diesen 100 (angezeigt durch die niedersteigende Linie) Pro-
dukt dieser Klasse, i. e. Lebensmittel für 100. Das Geld fließt so
an die Kapitalistenklasse I zurück.

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        \

(839) 1863 Juli6

151

Der Mehrwert von 200 in seiner allgemeinen Form = Proßt,
der sich aber spaltet in industriellen Profit (kommer-
ziellen eingeschlossen), ferner in Zins, den der industrielle
Kapitalist in Geld zahlt, und in Rente, die er ebenfalls in Geld
zahlt. Dies für industriellen Profit, Zins, Rente gezahlte Geld
strömt zurück (durch die niedersteigenden Linien angedeutet), in-
dem dafür Produkt der Klasse I gekauft wird. Das sämtliche
innerhalb Klasse I von dem industriellen Kapitalisten ausgelegte
Geld strömt also zu ihm zurück, während 300 von dem Produkt
700 aufgezehrt wird von den Arbeitern, entrepreneurs, monied
men und landlords. Bleibt in der Klasse I Überschuß an
Produkt (in Lebensmitteln) von 400 und Defizit an konstantem
Kapital von 400.

Kategorie IL. Maschinerie und Rohstoff.

Da das ganze Produkt dieser Kategorie, nicht nur
der Teil des Produkts, der das konstante Kapital ersetzt, sondern
auch der, der Äquivalent des Arbeitslohns und den Mehrwert vor-
stellt, besteht aus Rohstoffen und Maschinerie, kann
die Revenue dieser Kategorie nicht in ihrem eignen Produkt, son-
dern nur im Produkt der Kategorie I realisiert werden. Akkumu-
lation bei Seite gelassen, wie es hier geschieht, kann aber Kate-
zorie I von Kategorie II nur so viel kaufen, als sie zum Ersatz
ihres konstanten Kapitals braucht, während Kategorie II nur den
Teil ihres Produkts, der Arbeitslohn und Mehrwert (Revenue)

5 vorstellt, in dem Produkt der Kategorie I auslegen kann. Die Ar-
beiter der Kategorie II legen also ihr Geld = 133*/s aus im Pro-
dukt der Kategorie II. Dasselbe findet statt mit dem Mehrwert
der Kategorie II, der sich wie sub 1 in industriellen Profit, Zins
und Rente spaltet. Es fließen also 400 in Geld dem industriellen

1 Kapitalisten der Kategorie I von der Kategorie II zu; die dafür
an diese ihren Rest an Produkt = 400 abläßt.

Mit diesen 400 Geld kauft Klasse I das zum Ersatz ihres kon-
stanten Kapitals = 400 Nötige von Kategorie II, der also in dieser
Art das in Arbeitslohn und Konsum (der industriellen Kapita-
listen selbst, der monied men und der landlords) verausgabte
Geld wieder zuströmt. Von ihrem Gesamtprodukt bleibt der Kate-
gorie II daher 533*/;, womit sie ihr eignes aufgearbeitetes kon-
stantes Kapital ersetzt.

Die Bewegung, teils innerhalb der Kategorie I, teils zwischen
Kategorie I und II, zeigt zugleich, wie den respektiven industriel-
len Kapitalisten beider Kategorien das Geld zurückströmt, womit
sie von neuem Arbeitslohn, Zins und Grundrente zahlen.

Kategorie III stellt die Gesamtreproduktion dar.

Das Gesamtprodukt von Kategorie IT erscheint hier als kon-

z stantes Kapital der ganzen Gesellschaft und das Gesamtprodukt

Ö

15
        <pb n="190" />
        152

(839) 1863 Juli6
der Kategorie I als der Teil des Produkts, der das variable Kapital
(den Fonds des Arbeitslohns) und die Revenuen der Klassen, die
sich in den Mehrwert teilen, ersetzt.
Ich habe Quesnays Tableau drunter gesetzt, das ich im näch-
sten Brief erklären werde in some words.
alut.
Dein K.M.
Apropos! Edgar Bauer hat Posten erhalten im — preußischen
Preßdepartement.

340. Marx an Engels; 1863 August 15.
153. August 1863.
Dear Frederick,

Hol mich der Teufel, wie der Rote sagte, wenn ich seit 8 Tagen
nicht jeden Morgen mit dem festen Entschluß aufstand, Dir zu
schreiben. Aber sobald ich in mein Arbeitszimmer kam, be- z
schwichtigte ich mein Gewissen mit dem Köder, daß ich nur noch
6 Zeilen dem gestern abgebrochnen Manuskript zusetzen wollte.
Und einmal von dem Wege Rechtens abgegangen, zeigte sich der
Fluch der bösen Tat, daß sie fortwährend Böses muß erzeugen.

Meine Familie ist letzten Freitag nach Hastings abgegangen. 2
Die Abreise fand so spät statt, weil Lenchen wegen Familien-
angelegenheiten auf 14 Tage nach Deutschland mußte.

Den einliegenden Photographen (zu meinem zwangen mich die
Kinder) werden bald Jennys und Lauras nachfolgen.

Mit meiner Arbeit (dem Manuskript für den Druck) geht es in 25
einer Hinsicht gut voran. Die Sachen nehmen bei der letzten Aus-
arbeitung, wie es mir scheint, eine erträglich populäre Form
an, einige unvermeidliche G—W und W—6G abgerechnet. Andrer-
seits, obgleich ich den ganzen Tag schreibe, geht’s nicht so rasch
vom Fleck, wie meine eigne längst auf die Geduldprobe gestellte zo
Ungeduld wünscht. Jedenfalls wird es 100 p. c. leichter verständ-
lich als No. 1. Übrigens, wenn ich jetzt das Machwerk ansehe und
sehe, wie ich alles habe umschmeißen müssen und auch den
historischen Teil erst aus zum Teil ganz unbekanntem Ma-
terial machen mußte, so ist mir Itzig in der Tat komisch, der
„seine“ Ökonomie bereits in der Mache hat, durch sämtliches
Zeug aber, das er bisher losgehökert, sich als einen Sextaner er-
weist, der mit der widerlichsten, spreitspurigsten Waschweiberei
Sätze in die Welt posaunt — als seine neuste Entdeckung —, die
wir vor 20 Jahren zehnmal besser schon als Scheidemünze unter «0
unsre partisans verteilten. Derselbe Itzig sammelt auch sonst unsre
        <pb n="191" />
        (840) 1863 Aug. 15

153

vor 20 Jahren abgesonderten Parteiexkremente in seine manure-
fabrik, mit der die Weltgeschichte gedungen werden soll. So z, B.
hat er ein Adhäsionsschreiben von „Her wegh“ (der sicher seine
platonische Liebe für das „Prinzip der Arbeit“ bewährt hat)
;im Nordstern drucken lassen. Dieser Nordstern nämlich redi-
giert von dem verbummelten Bruhn, den Lassalle dem Blind ab-
gekauft hat. So hat Itzig den „Moses Heß“ zu seinem „Statt-
halter in der Rheinprovinz‘“ ernannt usw. Und immer noch scheint
er die fixe Idee nicht loszuwerden, daß Freiligrath ihn be-
o singen soll. Der pfeift ihm was. Er hat den Flreiligrath] nämlich
wieder durch seinen Leipziger „Statthalter“ zur Tat, unter Vor-
haltung des guten Beispiels des G. Herwegh, dringend summon
lassen. Wenn er wüßte, wie Flreiligrathl mit mir über dies neue
Attentat gelacht hat!
„O Itzig, o Itzig, was hast Du gedenkt,
Daß Du Dich an den Herwegh und den Moses H[eß] gehenkt!“
Die hiesigen Philister sind sehr toll gegen die Times, weil
die Times sie so schön auf den. Confederate Loan geschnitten.
Diese Biedermänner konnten doch wissen, daß die Times, wie
# Cobbett ihnen schon verriet, nichts als ein „commercial concern““
ist, das den Teufel danach fragt, wie die balance fällt, wenn sich
nur eine balance in its own favour herausstellt. Die Kerls von der
Times, wie der J. Spence — „that man“, wie der Rich-
mond Enquirer sagt, „whom we have paid in solid gold“ —,
5 erhielten die loan scrips teils umsonst, teils für 50 p.c. Dis-
sount auf den nominellen Betrag. Es war also ein schönes Ge-
schäft, sie auf 105 heraufzudeklamieren.
Es scheint mir sehr wichtig für die United States, daß sie vor
allem der restierenden Ports, Charleston, Mobile etc. sich bemäch-
% tigen, wegen der Kollision, in die sie jeden Tag mit Boustrapa
geraten können. Dieser kaiserliche Lazarillo de Tormes karikiert
jetzt nicht allein seinen Onkel, sondern schon sich selbst. Denn
das „suffrage‘“ in Mexiko ist doch eine schöne Karikatur nicht
nur des suffrage, wodurch er sich selbst, sondern Nizza und Sa-
 voyen französisch machte. Für mich unterliegt es keinem Zweifel,
daß er an Mexiko den Hals bricht. wenn er nicht schon vorher
gehangen wird.
Die polnische Geschichte ist ganz verfahren durch denselben
Boustrapa und durch den Einfluß, den seine Intrigen der Czarto-
u ryski-Partei verschafft haben. Oberst Lapinski, der von seiner
mit Bakunin unternommenen und von Palmerston so schön auf
der schwedischen Küste beendeten Irrfahrt seit ein paar Tagen
zurückgekehrt ist, klagt sehr, daß die Committees in Warschau,
London und Paris ganz unter dem honapartistisch-czartoryski-
schen Einfluß stehn.
        <pb n="192" />
        (840) 1863 Aug. 15

Unser Vaterland sieht gottesjämmerlich aus. Ohne Keile von
außen ist mit diesen Hunden nichts anzufangen.

Apropos! Seit Deinem Buch über England ist jetzt endlich
wieder ein zweiter Children’s Employment Commission Report er-
schienen. Er beweist, daß alle Scheußlichkeiten, die aus gewissen
Industriesphären durch die F actory acts vertrieben, sich mit er-
neuter Wut auf das freie Terrain geworfen haben! Es würde einen
famosen Nachtrag für Dein Buch geben, sobald die Reports voll-
ständig erschienen sind.

Gratuliere dem Gumperto. Er hat jedenfalls dafür gesorgt, zo
daß seine Ehe nicht kinderlos bleibt.

In Borchardt scheint das Fleisch stärker zu sein, als für sein
priesterliches Amt paßt. Und er wird alle die andern Judenweiber
aifersüchtig machen.

Ist lupus zurück? Grüß ihn in diesem Falle bestens von mir. 16
[ch wünsche nichts mehr, als ich könnte Dich nun zwei Tage hier
haben und mit Dir plaudern und kneipen. Es ist so lang, daß wir
nicht mehr zusammen waren.

Salut.

154

Dein K.M. z
Dem „Pi“ ist gedient.

Apropos! Unter den Curiosis, die ich bei meiner Nachlese auf
dem Museum fand, folgendes:

„Veruminventum, hoc est, munera Germaniae,
ab ipsa primitus reperta, non ex vino, ut calum-zs
niator (ein Engländer nämlich) quidam sceptice invehit, sed vi
animi et corporis et reliquo orbi communicata etc., auctore Mi-
chaelo Maiero, Francofurti, 1619.“

Die munera und Erfindungen Germaniae sind: „Römische
Kaiserwürde, Schießpulver, Buchdruckerei, Verbessrung der Re- zo
ligion, Arzneien des Theophrastus Paracelsus, Geheimnisse der
Rosenkreuzer — Inventum politicum, bellicum, litteraricum,
theologicum, medieum, chymicum.“

841. Marx an Engels; 1863 September 12.

Lieber Frederick,

Meine Familie ist seit about 10 Tagen zurück. J ennychen hat
sich sehr erholt und hat aufgehört zu husten. Sie bekömmt jetzt im
Hause Seebäder, d. h. Bäder mit Seesalz. Ich habe auch seit
about 2 Monaten angefangen, mich jeden Morgen im Haus zu 4

12. September 1863,

35

Z. 10— 14.

Po
nA
        <pb n="193" />
        (841) 1863 Sept. 12
Rn

155
baden und von Kopf bis Fuß mit kaltem Wasser zu übergießen,
und bin seit der Zeit viel wohler.

Die interessanteste Bekanntschaft, die ich hier gemacht, ist die
des Oberst Lapinski. Er ist unbedingt der geistreichste Pole

;— dabei homme d’action —, den ich bis jetzt kennen gelernt.
Seine Sympathien sind alle nach der deutschen Seite, obgleich er
in Manieren und Sprache auch Franzose ist. Statt des Nationali-
tätenkampfs kennt er nur den Rassenkampf. Er haßt alle Orien-
talen, wozu er Russen, Türken, Griechen, Armenier usw. mit

n gleicher Vorliebe zählt. Er war hier eine Zeitlang mit Urgquhart
zusammen, erklärt ihn aber nicht nur für einen „Humbug“, son-
dern zweifelt ungerechter Weise sogar an seiner Ehrlichkeit.

Die „zirkassischen‘“ Fürsten, die Urquhart mit Lapinski in
England zur Schau stellte, waren zwei — Bediente. Lapinski be-

5 hauptet, daß Urquhart ganz von Zamoyski an der Nase herum-
geführt werde, der selbst wieder ein bloßes Instrument von Pal-
merston, also auf diesem Umwege, der russischen Gesandtschaft
sei. Obgleich von Haus Katholik, sei ihm (Laplinskil) Ur-
guharts Verhältnis mit den katholischen Bischöfen in England

» durchaus verdächtig. Sobald es „Handeln“ gelte — z. B. die Aus-
rüstung eines Polenkorps, um in Zirkassien einzufallen, was auch
L{apinski] für die beste Diversion hält, habe Urquhart sich von
Zamoyski abbringen lassen. Er wolle überhaupt nur „schwätzen“.
Er sei ein „großer Lügner“, und er (Laplinskil) habe ihm be-

# sonders übel genommen, daß er ihn (L[apinski]) ohne vorherige
Anfrage zu seinem Mitlügner gemacht. In Zirkassien kenne kein
Mensch den Urquhart, der, ohne Kenntnis der Sprache, sich nur
24 Stunden dort aufgehalten. Als ein Beispiel von Ulrquhart]’s
Phantasie führte er nur an, daß dieser bei ihm sehr wichtig damit

% getan, daß er (Urq[uhartl) den Chartismus in England ge-
tötet habe! .

In Warschau ist die Nationalregierung wieder gereinigt. Durch
die Intrigen von Bonaparte-Palmerston waren die Czartoryski-
Anhänger in sie eingeschmuggelt. Drei davon sind erdolcht

ıs worden, und das hat den Rest pro nunc eingeschüchtert. (An
der Spitze stand von dieser Czartoryski-Partei Melinski.) Die

Macht der Nationalregierung geht daraus hervor, daß Großfürst
Konstantin von ihr einen Paß zur Reise ins Ausland akzeptierte.
Herzen und Bakunin, sagt L[apinski], sind ganz chapfallen, weil
wo der Russe nach einigem Kratzen sich wieder als Tartar gezeigt hat.

Bakunin ist ein Ungeheuer, a huge mass of flesh and fat, ge-
worden, der kaum mehr gehn kann. Außerdem ist er maustoll
und eifersüchtig auf seine siebzehnjährige Polin, die ihn in Si-
birien wegen seines Märtyrertums heiratete. Er ist gegenwärtig in

6 Schweden. wo er mit den Finnen „Revolution“ macht.

7 13—21 1
        <pb n="194" />
        ‚56

(841) 1863 Sept. 12
Die Bauern, sagt L[apinski], das „urzeaktionäre Pack“, mußte
man in Polen de prime abord aus dem Spiel lassen. Aber sie seien
jetzt reif und würden auf den Aufruf der Regierung zur levee en
masse aufstehn.

Ohne Östreich sei die Bewegung längst kaputt gewesen, und
wenn Östreich ernsthaft seine Grenze schließe, sei die Rebellion
in 3 Wochen kaputt. Aber Östreich mogle mit den Polen. Nur aus
Verzweiflung, weil Franz J oseph wisse, daß eine russisch-serbisch-
rumänisch-italienisch-französisch-ungarisch- preußische Bombe
ihm drohe, sei er nach Frankfurt gegangen, und aus demselben zo
Grunde habe der Papst sein letztes Missiv für Polen erlassen,

Llapinski] sagte mir, daß das Verständnis nicht nur von
Bangya*, sondern von Stein, Türr, Klapka und Kossuth mit Ruß-
land gar keinem Zweifel unterliege.

Sein Zweck in London ist jetzt, eine deutsche Legion, wenn 5
auch nur von 200 Mann, auf die Beine zu bringen, um mit der

schwarz-rot-goldnen Fahne den Russen in Polen gegenüber-
zutreten, teils um die Pariser zu „exasperieren“‘, teils um zu sehn,
ob es irgendwie noch möglich, die Deutschen in Deutschland wie-
der zur Besinnung zu bringen.

Was fehlt, ist Geld. Es werden hier Versuche gemacht, sämt-
liche deutsche Vereine usw. für diesen Zweck zu exploitieren. Du
mußt am besten wissen, ob in Manchester etwas in dieser line zu
tun ist, Die Sache selbst wäre vorzüglich.

Grüß Lupum und sag ihm, daß ich seinen Brief an Eccarius 2
besorgt.

Salut.

Dein K. M.

842, Engels an Marx; 1863 November 24.
Manchester, 24, November 1863.
Lieber Mohr,
Da ich weiter nichts von Deiner Frau gehört habe, so hoffe ich,
daß es Dir inzwischen besser gegangen hat und Du mit den Ge-
schwüren durch bist. Halte Dich nur am Weintrinken und Fleisch-
essen, das ist die Hauptsache. Mir sind in den letzten Tagen die
Abendstunden auf dem Comptoir, wo ich allein an Privatkorre- 35
spondenz denken kann, sehr gestört worden, sonst hättest Du
früher von mir gehört.

Die Sache wird in Deutschland kritisch. Die dänische GCe-
schichte kommt nach einer Seite hin ungelegen, nach der andern
aber kann sie die Krisis nur beschleunigen. Komisch ist, wie auf x

1) Im Orig. Banya

30

Z. 12 (nicht) —13 (sondern)
m—

/n
        <pb n="195" />
        (842) 1863 Nov. 24
En

157
einmal die englische Presse die schleswig-holsteinische Frage so
furchtbar sonnenklar findet, nachdem sie Jahrelang behauptet,
sie sei so verworren, daß „no fellow can understand that“, wie
Dundreary sagt. Die Zugeständnisse der englischen Presse sind

; übrigens für uns hinreichend. Aber welch ein Meistercoup der
Russen war das Protokoll von 1852! Solange ich davon nur in der
dummen Free Press las, konnte ich nie dahinter kommen, wie es
sich damit verhielt; diese Esel haben wirklich ein Talent, Alles
konfus zu machen, das selbst Dundreary übertrifft. Daß Preußen

o und Östreich das Protokoll unterschrieben haben, ist eine namen-
lose Infamie und muß blutig an den Betreffenden gerächt werden.

Ganz komisch ist es auch wieder, daß schließlich die ganze
jetzt fragliche Erbfolge sich darum dreht, ob der Augustenburger
wegen morganatischer Geburt sukzessionsfähig ist.

* In Preußen scheint die Bismarcksche Frechheit doch etwas zu-
sammenzuklappen. Die Desavouierung der Landratswahlumtriebe,
die Zurücknahme der Preßverordnung sind bedenkliche Zeichen.
Vespäre qu’ils ne reculent que pour mieux sauter. Lassalle spielt
auch in der Preßdebatte eine Rolle. Wagener” hatte die Takt-

n losigkeit (seinem stillschweigenden Bundesgenossen Lassalle
gegenüber), sich auf sein Urteil über die liberale Presse zu be-
rufen, um die Preßverordnung zu rechtfertigen. Schallendes Ge-
Jächter und schlechte Witze von Virchow und Gneist waren die
Folge. Lassalle hat sich seine Kampagne gründlich verdorben,

» was ihn natürlich nicht hindern wird, wieder anzufangen. Der
Esel konnte doch aus dem Manifest ganz gut lernen, wie man sich
in solchen Zeiten zu den Bourgeois zu stellen hat.

Viele Grüße an Deine Frau und die Mädchen.
Dein F. E.

843. Marx an Engels; 1863 Dezember 2.
2, Dezember 1863,
Dear Frederick,

Vor 2 Stunden kam Telegramm, daß meine Mutter tot ist. Das

Schicksal verlangte Einen vom Hause. Ich selbst stand schon mit
x einem Fuß unter der Erde. Unter den gegebnen Verhältnissen ich
jedenfalls noch nötiger als die Alte.

Ich muß der Erbschaftsreglung wegen nach Trier. Was sehr
zweifelhaft, was Allen sagen würde, da ich seit 3 Tagen erst täg-
lich eine */z Stunde einen Genesungswalk machte.

wo. Allen jedoch, zwei enorme Medizinflaschen mitgebend, hält es
sogar für gut, daß ich gehe. Die Wunde ist noch nicht ausgeeitert,

1) Im Orig. Wagner
        <pb n="196" />
        158

(843) 1863 Dez. 2
aber ich werde auf der ganzen Reise genug Samariterinnen finden,
um das Pflaster aufzulegen.
Ich muß Dich nun bitten, mir umgehend so viel Geld zu
schicken, daß ich die Reise nach Trier sofort antreten kann.
Salut. Dein K.M. 5
844. Engels an Marx; 1863 Dezember 3.
Manchester, 3. Dezember 1863.
Lieber Mohr,

Inliegend U/O 16055 &amp; 56, zwei F ünfpfünder, zusammen
£ 10, datiert Manchester, 13. Januar 1863, für die Reise nach x
Trier. Ich hoffe, der Schleswig-Holstein-Enthusiasmus der Vater-
länder wird Dir den Aufenthalt nicht allzu sauer machen. Ich
habe die ganze Frage durchgeochst und bin zu dem Schluß ge-
kommen,

1. daß die schleswig-holsteinische Theorie dummes Zeug ist; 75

2. daß in Holstein der Augustenburger allerdings recht zu
haben scheint;

3. daß in Schleswig schwer zu sagen ist, wer Erbfolgerecht hat
— der Mannsstamm aber nur als Lehnsträger Däne-
marks, wenn überhaupt:

4. daß das Londoner Protokoll in Dänemark unbedingt gültig,
in Schleswig und Holstein aber unbedingt nicht, weil die Stände
nicht befragt;

5. daß das deutsche Recht auf Schleswig sich auf den Süden
beschränkt, der durch Nationalität und freien Willen deutsch ist, 25
Schleswig also geteilt werden muß;

6. daß in diesem Augenblick die einzige Chance Deutschlands,
die Herzogtümer zu befreien, darin besteht, daß wir einen
Krieg gegen Rußland zu Gunsten Polens an-
fangen. Dann ist Louis Napoleon unser gehorsamer Diener, zo
Schweden fällt uns sofort in die Arme, und England, hoc est Pam,
ist lahmgelegt; dann nehmen wir von Dänemark ungestraft, was
wir wollen.

Them is my sentiments. Ich habe Lust, sie in einer Broschüre
zu entwickeln, wenn Du in Deutschland einen Verleger dafür fin- 3
dest. Es versteht sich, daß ich meinen Namen darauf setze. Qu’en
dis-tu?

Lupus ist besser, doch noch wackelig.

Viele Grüße an die family. Ich war verdammt froh, Deine
kratzige Pfote wieder zu sehn. 40

Dein F. E.

20
        <pb n="197" />
        845) 1863 Dez. 4

845. Marx an Engels; 1863 Dezember 4.

4. Dezember 1863.
Lieber Frederick,
Besten Dank für die £ 10. Ditto für den Portwein nachträglich.

5 Er hat Großes an mir geleistet. Außer dem Wein hatte ich täg-

lich (bis zur Stunde) 1% Quart vom stärksten Londoner Stout
zu saufen. Es schien mir ein gutes Thema für eine Novelle. Vorn
den Mann, der his inner man mit Port, Bordeaux, Stout und mas-
sivsten Fleischmassen regaliert. Von vorn der Schlemmer. Aber

a hinten auf dem Buckel der outer man, verdammter Karbunkel.
Wenn der Teufel den Pakt mit einem machte, einen unter diesen
Umständen stets bei guter Tafel zu halten, sollte der Teufel den
Teufel holen. Übrigens ist mein Kopf noch schwach und die Knie
krackschäbig, aber ich denke, die Reise wird dem allen ein Ende

s machen. Tussychen sagte mit Bezug auf den outer man: „But it
is your own flesh!“ Ich kann übrigens nicht genug das Benehmen
des Dr. Allen gegen mich rühmen. Er bemerkte übrigens mit Be-
zug auf die Operation, daß German philosophers sich stets gleich
bleiben.

Mit. Bezug auf das „meerumschlungen““ stimme ich im Ganzen
mit Dir überein. Natürlich die ganze Erbrechtsfrage hat nur di-
plomatische Bedeutung. As to Denmark, halte ich es so weit nicht
durch den Londoner Vertrag gebunden, als russische Kriegsschiffe
den dänischen Reichstag beim Abstimmen intimidierten. Ich lege

Dir den Urquhartblödsinn bei, den R. Schramm Blödsinn, endlich
ein dänisches Pamphlet, das wenigstens in 2 Punkten inter-
essant ist, 1. mit Bezug auf die Burschen, von denen die schles-
wig-holsteinische Bewegung ursprünglich ausging: 2. mit Bezug
auf die Stellung der Bauern in Holstein.

In der heutigen Times findest Du unter der Rubrik „Schles-
wig-Holstein“ ein Inserat des Dr. Thudichum, charakteristisch für
deutsche Geschichtsmacherei..

Ich werde Dir sicher in Deutschland einen Buchhändler auf-
treiben. Setz Dich also gleich dran.

Du erhältst ein paar Zeilen von mir, sobald ich in Trier. Ich
werde auch nach Holland müssen, da mein Onkel mein monster
Gläubiger...

Salut.

159

Y

Nur muß man die Dänen nicht irritieren. Sie müssen einsehn,

u daß die Skandinavier und Deutsche dasselbe Interesse gegen

Rußland haben und daß ihnen selbst nichts nützlicher, als die Aus-
scheidung des deutschen Elements.
        <pb n="198" />
        (846) 1863 Dez. 22
846. Marx an Engels in Manchester; Zalt Bom-
mel 1863 Dezember 22.

160

Zalt Bommel, 22. Dezember 1863.
Lieber Engels,

Du siehst aus der Adresse, daß ich wieder in Holland, wo ich
gestern glücklich landete. In Trier, wo die dort von meiner Mut-
ter hinterlassenen Papiere und Effekte versiegelt, konnte die Ent-
sieglung noch nicht stattfinden, weil die durch einen sehr weit-
läufigen Instanzenzug durchgehenden holländischen Vollmachten
noch nicht angelangt. Ich hinterließ für das triersche Departement
Vollmacht für meinen Schwager Conradi und begab mich nach
dem hiesigen Hauptquartier, da mein Onkel erstens den bei weitem
wichtigsten Teil des Vermögens in Händen hat und zweitens Testa-
mentsvollstrecker ist. Es wird aber jedenfalls noch 5—6 Wochen
dauern, bis ich mein Geld ausgezahlt erhalte. Da meine Frau nun 3;
10. Januar 1864 eine Metzgerbill von £ 10 (i.e. Wechsel) zu
zahlen hat, wäre es mir sehr lieb, wenn Du dafür sorgen könntest.

Der Karbunkel ist den Weg allen Fleischs gegangen, aber mein
Buckel ist jetzt nachträglich noch arg geplackt von Furunkeln, und
ich habe z. B. gestern die ganze Nacht kein Auge in Folge dieser 2
Lumpenhunde schließen können, was doch nach einer Fahrt von
Frankfurt a. M. bis hierher nicht mehr als billig gewesen wäre.
Meiner einen Cousine Mann ist der hiesige ausschließliche Arzt
und Stadtphysikus, so daß es mir nicht an äskulapischer Hülfe
fehlt.

In der ganzen Rheinprovinz, von Trier bis Frankfurt a. M. und
von da über Gießen nach Köln, bis an die holländische Grenze
hörte ich nur über die Preußen schimpfen. Wenig, sehr wenig
Schleswig-Holsteinianismus. Gilt allzumeist als „preußischer
Pfiff“, 30

In Frankfurt (wo ich zwei alte Tanten zu besuchen) war ich
nur einen Tag und konnte daher keinen Buchhändler sehn. Ich habe
indes einen Bekannten gesprochen, der mir hierhin schreiben
wird (nachdem er in meinem Auftrag sich mit einem Buchhändler
vernommen.) 85

Wenn Du die Broschüre schreibst, ist es besser, jetzt noch
etwas Ereignisse mitzunehmen, der systematischen Blamagen der
preußischen Regierung, Fortschrittler und der regulären, seit
1815 unverbesserlichen Schleswig-Holstein-Humbugger nicht zu
vergessen, x

Salut. Dein K. M.
Schreib mir ein paar Zeilen. Adresse Charles Marx, care of
Mr. Lion Philips, Zalt Bommel, Holland.
        <pb n="199" />
        (846) 1863 Dez. 22

161
„Tu n’est pas un Yankee, s’6cria le fanatique. .. . Depuis que
tu es jci, je ’observe. Dans la figure du Saxon il y a du taureau
et du loup; dans la tienne il y a du singe et du chien. Tu as peur
de la liberte, tu parles de ce que tu ne sais pas, et tu fais des

; phrases. Tu es un Francais!“ (195, 196, Paris en Ameri-
que. Von Edouard Laboulaye). (Paris 1863.)

847. Marx an Engels in Manchester; Zalt Bom-
mel 1863 Dezember 27.
Zalt Bommel, 27. Dezember 1863.
Dear Frederick,

Letzten Mittwoch schrieb ich Dir über die wieder ausgebrochne
Furunkulosis und die „bitter“ verpaßte Nacht. Nächsten Tag entit-
deckte Dr. van Anroy, daß neben den Furunkeln auch ein ver-
dammter Karbunkel, ziemlich genau unter dem Platze des alten,

sich neugebildet hatte. Seit der Zeit — abgesehn von dem unan-
genehmen moralischen Eindruck dieser Entdeckung — habe ich
bis zur Stunde viel widerliche Schmerzen durchgemacht, nament-
lich des Nachts. Mein Onkel, der ein famoser alter boy ist, legt
mir selbst Pflaster und Kataplasmen auf, und meine liebens-

„ würdige, witzige und mit gefährlich schwarzen Augen versehne
Cousine pflegt und hegt mich aufs Beste. Dennoch wäre ich unter
sotanenen Umständen gern nach home abgereist, aber daran ist
zunächst nicht zu denken, aus körperlichen Gründen. Der Dr. hat
mir die angenehme Aussicht eröffnet, daß ich bis tief in den Januar

;; mit der Fortsetzung dieser ekelhaften Krankheit zu tun haben
werde. Er wird mir sagen, wann mein Zustand Lokomotion bis
London erlaubt. Indes ist dieser zweite Frankenstein auf meinem
Buckel by far nicht so ingrimmig, wie der erste in London war. Du
siehst das schon daraus, daß ich schreiben kann.

7 Das Rauchen hat bei mir seit 2% Monate ganz aufgehört und
ist nicht wahrscheinlich, daß ich es sobald wieder beginnen werde.

Wenn man die Politik vor Ekel auskotzen will, muß man sie
täglich einnehmen in der telegraphischen Pillenform. worin die
kleinen holländischen Blätter sie liefern.

13 Indes steht ein Spektakelstück bevor, und es ist für Deutsch-
land drollig, daß es eröffnet wird mit einer Bewegung für den
„legitimen‘“ Herzog, mit dem geräuschvollen Wunsch nach einem
36s#ten Landesvater,

Die Hunde von Parlamentskretins, die in Frankfurt a. M. ver-
nn sammelt waren, beseitigten ohne Debatte eine Resolution, die ein
Deutscher aus Posen eingebracht, und worin in sehr zusammen-

Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 3 17

7 30-—31.
        <pb n="200" />
        162 (847) 1863 Dez. 27
fassend rationeller Form die true question zwischen Deutschland
und Rußland gestellt war.

Meinen besten Glückswünsch fürs neue Jahr. Bestell die auch
an lupum.
Dein K. M. :
P. S. Apropos! Meine Cousine hat ein Album, wie alle „Da-
metjes‘“, und ich habe ihr versprochen, ihr Photogramms mit-
sammeln zu helfen, u. a. auch Deins. Wenn Du also noch ein
Photogramm zur Hand hast, so sei so gut, es in den Brief einzu-
legen, den Du mir hoffentlich endlich schreiben wirst hierhin. z0

P, S. Eben wollte ich den Brief an Dich kuvertieren, als der
Dr. eintrat und mich ohne Umstände wieder operierte. Die Sache
war fertig in no time und now things will go on swimmingly.
        <pb n="201" />
        1864

848. Engels an Marx in Zalt Bommel; Man;
chester 1864 Januar 3.
Manchester, 3. Januar 1864.
Lieber Mohr,

Die vielen christmas Kneipereien verbunden mit der darauf
folgenden general unfitness for business haben mich total unfähig
gemacht, Dir früher zu antworten. Die Sache ist indes ietzt glück-
lich vorüber,

Deiner Frau schicke ich das Bewußte. Im Übrigen bin ich
sehr froh, daß Dein zweiter Karbunkel operiert ist und damit
diese letzte Krise überstanden. Du wirst verdammt mager ge-
worden sein über diese langweilige Geschichte.

Die schleswig-holsteinische Sache ist wieder recht gründlich

verfahren. Wenn es, wie ich glaube, im Frühjahr zum Krieg
kommt, so haben wir Dänemark, Schweden, Frankreich und Ita:
lien gegen uns, möglicher Weise England. In Ungarn und Polen
Plonplonismus in voller Blüte, wie Kossuth ja bereits angefangen
hat. Dabei sehe ich nur zwei Auswege: 1. entweder in Berlin Re-

» volution, sobald die Truppen weg sind, und in Wien eine ent-
sprechende Bewegung mit Konzessionen hinreichender Art an
Ungarn und vielleicht auch an Polen. Das wäre das Günstigste,
und in dem Fall wäre nichts zu fürchten. Das ist aber auch unter
der herrschenden Konfusion das Unwahrscheinlichste. Oder aber

z 2, eine Wiederherstellung der heiligen Allianz, wozu die Teilung
Polens wie immer den Kitt abgibt (Rußland hat mehr Interesse an
Polen als an Dänemark und außerdem die Chance, beim Friedens-
schluß Östreich und Preußen in der Tasche zu haben, also seine
eignen Bedingungen stellen zu können). — Dann würden die
Russen die Preußen in Berlin ablösen und Polizei spielen, und
dann wären wir geliefert und Bonaparte Hahn im Korbe.

Der Scheinkrieg in Schleswig unter Wrangel kann nicht lange
spielen. Erstens machen die dänischen Befestigungen gleich die
ersten Gefechte zu blutig, und dann hat Boustrapa zu sehr einen

« populären Krieg nötig, um nicht diese Gelegenheit zu ergreifen.
Was könnte er mehr wünschen, als die Restauration der heiligen
Allianz und einen Krieg um den Rhein und für Polen zugleich,
und dabei England und Italien und alle kleinen Staaten Europas
auf seiner Seite.

N
        <pb n="202" />
        L64

(348) 1864 Jan. 3
Apropos! Unser braver Faucher, der in der Kammer als wüten-
der Schleswig - Holstein - Sonderburg - Augustenburger auftritt,
schreibt gleichzeitig im Manchester Guardian antideutsche, den
englischen Timeshunden in den Hintern kriechende Artikel. Sollte
man nicht etwas tun, um diesen Lausnickel zu entlarven?

Wenn die Hunde in der preußischen Kammer jetzt Courage
hätten, so könnten sie in 6 Wochen ihre Sache ins Reine bringen.
Die Antwort des schönen Wilhelm beweist, wie die Regierung fest-
sitzt. Kein Mensch pumpt, nicht einmal der brave von der Heydt,
und daß sie kein Geld par force kriegen, wissen sie.

Eben kommt Lupus her mich abzuholen und 1äßt Dich bestens
grüßen.

Gute Besserung und Prost Neujahr.

{1

Dein
F.E. 15

849. Marx an Engels in Manchester; Zalt Bom-
mel 1864 Januar 20.
Zalt Bommel, 20. Januar 1864,
Lieber Frederick,

Du siehst, ich bin immer noch hier, und „ich will Ihnen mehr 29
sagen“, ich bin in der Tat wieder incapable to move about. Dies
ist eine christlich perfide Krankheit. Als ich Deinen Brief be-
kam, gratulierte ich mir selbst über die Heilung der alten Wun-
den, aber denselben Abend noch brach ein großer Furunkel über
meiner linken Brust unter dem Halse und ein Antipode desselben 2;
auf dem Rücken aus. Obgleich lästig, genierte mich das wenigstens
nicht am Gehn, wie ich denn in der Tat in Begleitung von Onkel
und Cousine zu Fuß über den Rhein (Waal) spazieren ging. Aber
ein paar Tage später erschien wieder ein Karbunkel am rechten
Bein, dicht unter dem Platz, von dem es bei Goethe heißt: Und zo
wenn er keinen Hintern hat, wie will der Edle sitzen. Dies ist nun
das schmerzlichste und genanteste Geschwür, das ich noch hatte,
und ich hoffe, es wird endlich die Reihe schließen. Einstweilen
kann ich weder gehn, noch stehn, noch sitzen, und selbst das Liegen
wird mir verdammt schwer. Du siehst, mon cher, wie mich die 35
Weisheit der Natur heimsucht. Wäre es nicht vernünftiger, wenn
sie einem guten Christen, Leuten vom Schlag des Silvio Pellico,
diese Geduldproben zugeschickt? Außer dem Karbunkel unter
dem Hintern, mußt Du wissen, hat sich ein neuer Furunkel auf
dem Rücken gebildet und ist der auf der Brust erst am Zuheilen, 4
so daß ich wie ein wahrer Lazarus (alias Lassalle) an allen Ecken
zugleich geschlagen bin.
        <pb n="203" />
        (849) 1864 Jan. 20

165

Apropos Lazarus fällt mir Rönans „Leben Jesus“ ein, was in
mancher Hinsicht ein bloßer Roman, voll von pantheistisch-mysti-
schem Dusel ist. Indes hat das Buch auch einige Vorzüge vor
seinen deutschen Vorgängern, und da es nicht dick ist, mußt Du es

5 lesen. Es ist natürlich ein Resultat der deutschen Sachen... Höchst
merkwürdig. Hier in Holland ist die deutsche kritisch-theologische
Richtung so sehr &amp; l’ordre du jour, daß die Pfaffen sie offen von
den Kanzeln herab bekennen,

Was die Schleswig-Holsteinsche Geschichte betrifft, hoffe ich,

o daß sie zu Kollisionen in Deutschland selbst führen wird. Wie
sehr Rußland seine Pappenheimer, Östreicher und Preußen, kennt,
sieht man aus der cool impudence, womit es in diesem Augenblick
im Petersburger Journal das Warschauer Protokoll abdrucken
äßt.

% Die kleinen deutschen Fürsten nehmen den Schein der Schles-
wig-Holsteinschen Bewegung sehr ernsthaft. Sie glauben in der
Tat, daß Germanien ihrer nicht genug haben kann und daher dar-
auf erpicht?) ist, einen 35*°% zu inthronisieren.

Ich schreibe Dir nur die paar Zeilen, und selbst das geschieht

% mit großer Anstrengung, da das Sitzen mich quält. Ich erwarte
aber umgehend Antwort von Dir; es cheers mich un Deine Hand-
schrift zu sehn.

Vergiß nicht, Dein Photograph beizulegen. Ich habe es meiner
Cousine versprochen, und wie soll sie an unsre Orestes-Pylades-

» schaft glauben, wenn ich Dich nicht einmal commovere kann, ein
Photograph zu schicken? Adresse wie früher, care of Mr. L.
Philips. Salut an Dich und Lupus.

Dein K. M.
850. Marx an Engels; 1864 Februar 25.
London, 25. Februar 1864.
Dear Frederick,

Diese Zeilen einstweilen vorläufig, um Dir meine Rückkehr an-
zuzeigen. Sobald das Wetter es erlaubt, komme ich auf 2 Tage
nach Manchester, um Dich persönlich wieder zu sehn und Dir zu-

;; gleich über meine Affairs zu berichten.

[ch bin ganz auskuriert und nur noch an ein paar Punkten
(speziell oben an dem Bein) mit dem letzten Zuheilungsprozeß
a little belästigt. Ich bin nicht mager, sondern stark geworden
trotz der Krankheit. Allerdings hat das Rauchen ganz aufgehört.

Eine eigne Überraschung war die plötzliche Erscheinung Pie-
pers allhier. Er ist hier, um seine Schwester als governess zu

1) Im Orig. verpicht

In
        <pb n="204" />
        166

(850) 1864 Febr. 25
LU
überbringen. Er war 4 Jahre Schulmeister in Bremen. Das letzte
Jahr „aß er das Brot des Nationalvereins“, ist sogar auf Kosten
des Augustenburger nach Italien gewesen. Er ist ebenso fad und
lümmelhaft wie früher.
Mit bestem Gruß an Dich und Lupum.
Dein K. M.

351. Marx an Engels; 1864 [März 11.]

Dear Frederick,
Morgen 10 reise ich von hier Euston Station ab, bin about zo
5 p. m. at Manchester.
Länger auf gutes Wetter zu warten, would be foolish.
Was mich außerdem zurückhielt during the two last weeks —
some new and unexpected furuncles breaking through different
parts of the body.

Freitag. 1864.

15
Yours
Mohr.

852. Marx an Engels; 1864 April 19.
19, April 1864.
1, Modena Villas, Maitland Park, Haverstock Hill, 20
N. W. London.
Dear Frederick.
Bis vor about 8 Tagen dauerte die Furunkulosis fort, was mich
sehr „verdrießlichte“ und mir erst seit ein paar Tagen erlaubte,
meine Arbeit wieder anzufangen.

Das Privilegium des 1. Aprils, all fool day’s zu sein, ist diesen
Monat, in London wenigstens, auf den ganzen April ausgedehnt.
Garibaldi und Palmerston for ever! auf den London walls. Gari-
baldi bei Pam, Clanricarde und mit Verherrlichung der Eng-
lish policemen im Kristallpalast! In England gibt es keine mou-
chards! Die Brüder Bandiera wußten davon zu erzählen. Garibaldi
and „Karl Blind“! Was letztere wasserköpfige Filzlaus für Talent
in der Wichtigmacherei entwickelt! „Mr. Karl Blind“, zeigt das
Athenäum an, „has joined the Shakespeare committee!“ Der Kerl
versteht keine Zeile des SIhakespeare]. Ich hatte großen Wider- 35
stand zu leisten und habe wahrscheinlich die Achtung Webers

gänzlich eingebüßt. Der Arbeiterverein wollte nämlich (von
Wleber] gehetzt), ich sollte Adresse an Gar[ibaldi] machen und
dann mit Deputation zu ihm. I refused flatly.

5

Mr.
        <pb n="205" />
        Tafel IV

Das Haus in London,
in dem Marx von April 1864 bis zu seinem Tode wohnte
(1 Modena Villas. Maitland Park)
        <pb n="206" />
        <pb n="207" />
        (852) 1864 April l9

167

Wann kömmst Du her? Die Familie erwartet Dich.

Morgen eröffnet sich die Konferenz, wobei den Teutonen die
Schuppen von Augen fallen werden. Collet hat sich mir für Don-
nerstag angemeldet und mir zugleich ein ganzes lot deutscher
Schriften über die schleswig-holsteinsch-lauenburgsche Scheiße
zugeschickt. Ich werde Morgen also ernsthaft diese widrige Ge-
schichte studieren müssen, um dem Kerl, der die ganze Genealogie
etc. auswendig weiß, Rede und Antwort zu stehn. Du wirst viel-
leicht bemerkt haben, daß der elende Disraeli dem Pam die Mühe

‚o spart, auf Osbornes und Kinglakes Anträge wegen Schleswig-Hol-
stein in der bevorstehenden Konferenz Rede zu stehn. Disraeli hat
gestern angezeigt, daß er die previous question stellen wird. Seit
23 Jahren reitet er in allen serious affairs (wie z. B. der Afgha-
nistangeschichte) old Pam aus dem muddle heraus.

Wie elend der Garibaldi (ich meine donkeyhaft) — der übri-
gens halb killed ist von John Bulls embrace —, kannst Du aus fol-
gendem noch ersehn, was of course sonst nicht bekannt ist:

In dem geheimen Revolutionärenkongreß in Brüssel (Septem-
ber 1863) — mit Garibaldi als nominellem Chief — wurde be-

» schlossen, G[aribaldi} solle nach London kommen, aber inkognito,
also die Stadt überrumpeln. Dann sollte er come out für Polen in
the strongest possible way. Statt dessen fraternisiert der Kerl mit
Pam! Wär ich doch lieber eine Laus in Schafswolle, als solch
tapfre Dummheit, sagt Shakespeare in Troilus und Cressida,

»3 Beste Grüße an Lupum und Lizzy.

Dein K. M.
Jennychen hustet noch immer, aber scheint mir viel besser. Das
neue Haus hat sie in fact sehr reanimiert.

853. Engels an Marx; 1864 April 29.
Manchester, 29. April 1864.
Lieber Mohr,

Endlich wirst Du die Furunkulose doch wohl losgeworden sein.
In der Zwischenzeit laboriert Lupus aufs schmählichste an den
rheumatischen Kopfschmerzen, die er schon zu Deiner Zeit hier
„hatte, und die ihn seitdem nicht verlassen haben, im Gegenteil
immer schlimmer geworden sind, so daß er seit Wochen nicht
ordentlich geschlafen hat. Er hat jetzt schon wieder mehrmals im
Bett bleiben müssen, und der Schweinhund Borchardt tut gar nichts
dagegen, kuriert mit Kolchikum gegen das bißchen Gicht an, das
„ Lupus in der Zehe hat (das ihn aber jetzt gar nicht geniert, wäh-
rend die Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit ihn wirklich herunter-
bringen), und gibt ihm nicht einmal von Zeit zu Zeit etwas Opium.
        <pb n="208" />
        168

(853) 1864 April 29
Ich habe mit Lupus ein paar Mal etwas ernsthaft über die Ge-
schichte gesprochen, aber Du weißt, wie wenig das hilft. Er glaubt,
Blorchardt] Verpflichtungen schuldig zu sein, und da ist Nichts zu
machen, Das Einzige, was der quack getan hat, war, ihm 10 Unzen
Blut abschröpfen zu lassen! — vorgestern. Ich gehe heut abend
wieder zu Lupus und will sehn, wie’s geht. Ich hatte vor 3 Wochen
auch einen heftigen und sehr schmerzhaften Anfall von Rheumatis-
mus der Atemmuskeln, aber Gumpert kurierte ihn in 24 Stunden.

Die Garibaldischmiere nahm ein würdiges Ende. Diese Art,

wie der Kerl an die Luft gesetzt wurde, nachdem die Swells ihn zo
8 Tage lang begafft, ist doch zu großartig und kann nur in Eng-
land vorkommen. Für jeden andern Menschen als Garibaldi wäre
das ruinierend, und die Blamage bleibt immer auch für ihn ganz
enorm, der englischen Aristokratie als nine days wonder gedient
zu haben und dann vor die Türe geschmissen zu sein. Als reinen z
Romantiker haben sie ihn behandelt. Wie der Mensch sich nur
dazu hergeben konnte, und wie er die Dummheit haben konnte, in
diesen Dundrearys das englische Volk zu sehn. Indessen, wer jetzt
nicht über den total bürgerlichen Charakter des Herren klar ist,
dem ist nichts klarzumachen. Denn der Respekt vor der englischen zo
Presse, das ist beinah noch schlimmer als vor den Peelers. Und das
exit, das exit übertrifft Alles.

Unser Freund Bismarck ist aber auch ein Lumen. Von diesem
kann man sogar sagen: n’est pas Soulouque qui veut. Erst dem
Bonaparte die Preßverwarnungen nachgemacht, und jetzt schickt 2
er den braven Korporal Wilhelm nach Schleswig, um die Leute zu
bewegen, daß sie für Annexion an Preußen stimmen sollen! Dieser
Esel scheint sich einzubilden, man fände der Savoyens und Nizzas
die Menge auf offner Landstraße und brauche sie nur aufzuheben.
Übrigens sagt das Dagblad ganz richtig, nach der Einnahme von z
Düppel herrsche in der preußischen reaktionären Presse ein sol-
ches Hochgefühl und die Kerle seien so sehr oben drauf, daß man
mit Sicherheit auf einen sehr nahen und sehr tiefen Fall der Bande
rechnen könne.

Über die preußische Armee bei der Erstürmung habe ich mich 3
einiger Maßen gewundert. Der Angriff geschah mit 4 Brigaden
(24 Bataillone) gegen 4 dänische Brigaden (16 Bataillone), also
durchaus keine unverhältnismäßige Überzahl für einen solchen
Sturm. Allerdings waren die Dänen durch das Feuer der Artille-
rie sehr mürbe gemacht, indes, das waren die Russen in Sebastopol «
auch und noch mehr. Daß aber die Preußen in 20 Minuten die
6 ersten Schanzen nahmen, und dann in 2 Stunden — NB. ohne
Befehl, denn der brave Prinz wollte sich damit zufrieden geben —
die ganze Halbinsel inel. des Brückenkopfs nahmen, und den ca.
13 000 Dänen einen Verlust von 5000 Mann beibrachten, ist mehr, 45
        <pb n="209" />
        (853) 1864 April 29

169
als man den Burschen zutrauen durfte. Du wirst Dich übrigens er-
innern, daß ich immer sagte, die preußischen Feuerwaffen — Ge-
wehr wie Geschütz — seien die besten in der Welt, und das hat
sich hier bewährt. Dafür wird aber auch die Konferenz bald zei-
‘gen, was sie für Marionetten von Diplomaten haben. Zwischen
Rußland, Boustrapa und Palmerston und mit Hülfe der graußen
Politik Bismarcks wird der „Fall“ auf den Hochmut schwerlich
lange ausbleiben. Wie aber geht's mit dem Geld? Die 22 Millio-
nen aus dem Staatsschatz und 6 Millionen Eisenbahnpump müssen
0 doch jetzt verkneipt sein, und was dann?
Ich komme jetzt bald eines Freitag Abends angerasselt, natür-
lich nicht, ohne es Dir vorher zu schreiben.
Schreib bald wieder und grüß die family.
Dein F. E.

854. Engels an Marx; 1864 Mail.
Sonntag, 1. Mai 1864.
Lieber Mohr, 6.50 p. m.
Eben komm’ ich von Lupus, wo Gumpert und Borchardt auch
waren. Sie sind über die Diagnose nicht einig, das ist aber Wurst
„ vor der Hand, da es sich darum handelt, ihm zunächst wieder
Kräfte zu verschaffen, und da hat G[umpert] sofort energischer
eingegriffen. Gestern noch frug ich Blorchardt] wegen Portwein,
er meinte aber, da L[upus] nicht ganz klar im Kopfe, sei es besser,
es zu lassen, schlug heute Morgen noch — eine spanische Fliege
» vor! Heute bekommt Lupus alle 2 Stunden ein Bierglas Cham-
pagner und heut Nacht außerdem in seinem beeftea, den er in der
Zwischenzeit nimmt, Brandy. Der Hund von Borchardt, der ihm
noch am Mittwoch 10 Unzen Blut abzapfen ließ!!. Übrigens steht
die Sache sehr schlimm, denn welche Diagnose auch richtig sein
w mag, so ist die eine so schlimm wie die andre. B[orchardt]s Dia-
gnose ist Meningitis, Entzündung der innern Kopfhaut mit Ten-
denz zur Exudation, G[umpert] hatte heute morgen noch keine
machen können, dachte aber, außer an obiges, an Urämie (Harn-
eintritt ins Blut in Folge von Nierendegeneration) oder an An-
 ämie mit lokaler Affektion des Nervensystems. Da er nach der
Konsultation noch einen Besuch zu machen hatte, konnte ich nicht
näher mit ihm sprechen: sobald ich seine Ansicht weiß. schreib’
ich sie Dir.
Ich wollte, Du könntest morgen auf ein paar Tage herkommen.
u Ich sehe voraus, daß ich diese Woche sehr schwer beschäftigt sein
werde, und es ist doch immer gut, wenn Einer von uns die Arzte
ein paar Mal des Tages sieht und gleich Alles besorgen kann, was
        <pb n="210" />
        170

(854) 1864 Mai 1
zu besorgen ist. Außerdem wäre es mir auch sonst sehr lieb. Wenn
Du kommst, telegraphiere mir von der Station, wo Du einsteigst,
nach 7 Southgate St. Marys, es kostet bloß einen Schilling.

Ich war genötigt, dem B[orchardt] gestern zu sagen, um ihn zu
forcieren wegen der Konsultation, daß Du dasselbe Vertrauen in
G[umpert] hättest wie ich und es mir nie vergessen würdest, im
Fall Lupus sterben sollte, wenn ich nicht G[umpert] zur Konsul-
tation zugezogen hätte. Es war ihm sehr fatal, aber wir werden
doch der Eitelkeit dieses Hundsfotts zulieb den Lupus nicht mor-
den lassen. 10

Dein F. E.

$

555. Engels an Marx; 1864 Mai 2.
Manchester, 2. Mai 1864.
Lieber Mohr,

Die Aussichten wegen Lupus werden täglich schlimmer. Die z6
Geistesabwesenheit, in der er sich befindet, wird mehr und mehr
chronisch. Er kennt die Leute noch ganz gut, die zu ihm kommen,
spricht aber ganz rambling dazwischen und hat bloß klarere Mo-
mente, wenn er tüchtig Stimulantien genommen hat. Auch diese
Momente werden immer dämmriger und kürzer. Gumpert hat nur z
noch sehr wenig Hoffnung, seine Diagnose lautet auf Gehirnerwei-
chung in Folge der durch Hyperämie des Gehirns erzeugten lang-
anhaltenden Kopfschmerzen und der daher rührenden Schlaflosig-
keit. Von Borchardts Meningitis ist gar nicht mehr die Rede, er
hat G[umpert]s Diagnose adoptiert und tut überhaupt Alles, was 25
G[umpert] vorschlägt, nur daß er über die Entstehung der Kopf-
schmerzen sehr unklare Vorstellungen zu haben scheint.

Jeder Tag, den Lupus in diesem Dusel zubringt, ohne daß die
Reizmittel ihn herauszureißen vermögen, macht die Sache natür-
lich schlimmer, und wenn die nächsten 3—4 Tage keine Besserung z
bringen, so wird der arme Teufel entweder an Schwäche oder Apo-
plexie zu Grunde gehn, oder, wenn er sich durchschlägt, wird er
Idiot. Diese Alternative — Tod oder Blödsinn — ist gar zu
scheußlich, Gumpert spricht sich natürlich höchst vorsichtig über
den Kollegen aus, mir aber ist die Sache sicher, daß L[upus] zu ss
retten war, wenn der Kopfschmerz richtig behandelt und wenn
namentlich dafür gesorgt wurde, das L{upus] Schlaf bekam.
Aber erst vorigen Donnerstag, nach 5wöchentlicher Schlaflosig.
keit, gab B[orchardt] etwas Opium. Dazu die Blutabzapferei am
Mittwoch, Immer und immer auf Gicht hat er ihn behandelt, nichts x
wie Kolchikum und dgl. Erst das Eintreten der Geistesabwesen-
heit scheint ihn bedenklich gemacht zu haben.
        <pb n="211" />
        (855) 1864 Mai2

171
_ Morgen früh um 9 ist wieder Konsultation, wo ich ebenfalls
hingehn werde und sehen, was er macht. Blorchardt] will ihm
heute einen Krankenwärter besorgen. Wenn der arme Kerl nur
durchkäme! Dein F. E.
856. Engels an Marx; [1864 Mai 2].
Montag Abend 8.30.
Lieber Marx,
Die Sache mit Lupus geht rasch. Er hat Halluzinationen, springt
fortwährend aus dem Bett etc. Nun fehlt uns ein Mann, der bei
o ihm wacht und ihn verhindert, sich Schaden zu tun. Hier ist nur
ein professioneller Krankenwärter, und der ist engagiert. Bor-
chardt könnte zwar aus einer nahen Irrenanstalt einen bekommen,
aber solange noch nicht die letzte Möglichkeit der Genesung ver-
schwunden, will er diese Art Leute natürlich nicht, damit kein Ge-
s rede später entsteht und Lupus nicht dadurch geschadet wird. Er
meint nun, Du würdest vielleicht einen zuverlässigen Mann, der
kein Krankenwärter von Profession zu sein braucht und
besser gar keiner ist, sondern nur zuverlässig, daß er tut, was ihm
gesagt wird und nicht einschläft — einen solchen hättest Du viel-
» leicht und könntest ihn gleich morgen herschicken, denn wir sind
nur bis morgen versehen und periculum in mora. Den schickst
Du, s’il s’en trouve, sofort an Borchardt, Rusholme Road. Man-
chester.
Hast Du keinen, so bittet Dich Borch[ardt], ihm doch gleich
z% morgen früh zu telegraphieren (es kostet einen Schilling), damit
er und Gumplert] sich hier weiter umsehn können.
Ich telegraphierte Dir in diesem Sinn soeben, aber das Tele-
gramm hat diesen Brief zum Verständnis nötig.
Dein F. E.
357. Marx an Engels; 1864 Mai 23.
23 May, 1864.
1, Modena Villas, Maitland Park,
Haverstock Hill. London. N. W.
My dear Sir,
ss I hereby request you and give you full power to act as my
representative at, and take all the necessary steps for, the execu-
tion of the will of our common friend Wilhelm Wolff.
Karl Marx. Dr. Ph.
Fr. Engels, Esq.
vo 6, Thorncliffe Grove, Oxford Street,
Manchester.

vn Hz
        <pb n="212" />
        (858) 1864 Mai 26

858. Marx an Engels; 1864 Mai 26.

Donnerstag, 26. Mai 1864.
Lieber Frederick,

Zu meiner sehr „angenehmen“ Überraschung entdecke ich
heute Morgen (ich konnte schon die Nacht vorher nicht schlafen)
wieder zwei „artige“ furuncles auf meiner Brust. Konsultiere den
Gumpert, was ich tun soll. Eisen will ich jetzt nicht nehmen, da
ich ohnehin Blutwallungen nach dem Kopf habe. Zu Allen will ich
auch nicht gehn, da ich nichts mehr fürchte als den Wiederbeginn
einer förmlichen Kur, die mich jetzt im Arbeiten stören würde, 1
und ich muß doch endlich fertig machen. Trotz allem, was die
Leute mir über mein gesundes Aussehn sagten, habe ich doch fort-
während something wrong gefühlt und die große Entschlossenheit,
die ich aufbieten muß, um schwierigere Themata zu bearbeiten,
gehört auch zu diesem Gefühl der Nichtadäquatheit. You excuse ıs
this spinozistic term. Sind die Bücher of our poor lupus nach Lon-
don geschickt worden? Ihr Nichtankommen hier beunruhigt mich,
weil — wie ich die Sache verstand — Deine warehousemen sie
schon Donnerstag (vergangnen) expedieren sollten.

What do you say of Grant’s operations? Die Times ‚ of
course, bewundert nur Lees unter retreats versteckte Strategie,
„It,“ sagte Tussy heut Morgen, „considers this very canny, I dare
say.“ Ich wünsche nichts mehr, als daß Butler Erfolg hat. Es
wäre unbezahlbar, wenn er zuerst in Richmond einrückte. Es wäre
schlimm, wenn Grant zurück müßte, but I think that fellow knows 25
what he is about. Jedenfalls gehört ihm der erste Kentuckyfeld-
zug, Vicksburg und die Prügel, die Bragg in Tennessee besah.

Einliegend Zettel von Jones, den Du wohl in Folge desselben
for another day einladen kannst,

Mit Grüßen an Dich von der whole family. zo
Dein K. M.

de

859. Engels an Marx; 1864 Mai 30.

30. Mai 1864.
Lieber Mohr,

Die Bücher sind noch nicht abgegangen, auch nicht der Wein, 3
gehen zusammen. Weder von Borchardt noch vom Advokaten etwas
gehört, werde übermorgen zu letzterem gehn und ihm die Voll-
macht geben.

Gumpert sagt, Du sollst bei den Furunkeln, wenn es eben
bloße Nachzügler sind, weiter gar nichts tun. Ich sprach mit zo
ihm über Jennychen; er sagt, der Zustand scheine chlorotisch zu
        <pb n="213" />
        (859) 1864 Mai 30
sein, die plötzliche asthmatische Beklemmung komme bei solchen
Zuständen häufig vor und rühre von Zirkulationsstörungen her, es
ließe sich da nur gegen den Zustand im Allgemeinen etwas tun,
und wußte zu Allens Behandlung auch weiter nichts hinzuzufügen,
; schien übrigens die Sache durchaus nicht ernsthaft zu nehmen.
Die virginische Kampagne trägt wieder den Charakter der Un-
entschiedenheit, genauer gesagt, der Schwierigkeit, es auf diesem
Terrain überhaupt zu einer Entscheidung zu bringen. Auf die
Nachrichten per Scotia gebe ich nichts, sie haben bloß die Bedeu-
o tung, daß der 8tägige Regen den Lee vor der Notwendigkeit, fort
und fort Schlachten &amp; la Solferino zu schlagen, gerettet hat. Und
das ist viel für ihn. Noch 2 solcher Schlachten, und seine Armee,
die jeden Abend eine neue, rückwärtige Position einnehmen mußte,
war jedenfalls in sehr schlechter Verfassung, schwerlich fähig,
s noch irgendwo vor Richmond Stand zu halten. Grant hat sicher
auch durch die Stockung gewonnen, aber nicht in demselben Ver-
hältnis. Die Verstärkungen, die er jetzt bezieht, werden nicht viel
wert sein. Doch sollte mich nicht wundern, wenn Lee bald nach
Richmond abzöge. Da wird dann der entscheidende Kampf statt-
2 finden.

Bismarck scheint ein kolossales Glück zu haben, es sieht ganz
aus, als wenn ein augustenburgischer Friede zu Stande käme. Ich
kann mir das noch gar nicht zusammenreimen, aber der heutige
sehr schlappdrohende Artikel in der Mlorning] Post bestätigt mir

; die Sache. (Darin steht u. a., Schleswig solle geteilt werden
und — die Eider die neue Grenze zwischen Dänisch- und
Deutsch-Schleswig sein!) Trotzdem, so plausibel Alles aus-
sieht, kann ich mir doch kaum denken, daß die Russen so ohne
Weiteres alle ihre Erfolge von 1851/52 fahren lassen, um so weni-

% ger, da nirgends ein Äquivalent für sie zu ersehen ist.

In Deinem Francoeur habe ich mich in die Arithmetik vertieft,
von der Du Dich ziemlich fern gehalten zu haben scheinst, nach
den schmählichen unkorrigierten Druckfehlern in den Zahlen zu
urteilen. Einzelnes ist sehr elegant, dagegen die praktische

x Seite der Arithmetik schändlich schlecht und flach behandelt, auf
jeder deutschen Schule ist das besser zu haben. Auch zweifle ich
daran, ob es praktisch ist, Sachen wie Wurzeln, Potenzen, Reihen,
Logarithmen etc. auch nur elementar bLo ß mit Zahlen (ohne alle
algebraische Beihilfe und in fact ohne Voraussetzung algebrai-

w scher Elementarkenntnisse) abzuhandeln, So gut die Beinahme
von Zahlenbeispielen zur Illustration ist, so kommt mir doch hier
die Beschränkung auf Zahlen weniger anschaulich vor als die ein-
fache algebraische Behandlung mit a + b, eben weil der allge-
meine Ausdruck in der algebraischen Form einfacher und an-

w schaulicher ist, und ohne den allgemeinen Ausdruck ist auch hier

173
        <pb n="214" />
        (859) 1864 Mai 30
nicht fertig zu werden. Das ist allerdings grade der Teil, der eigent-
lich unter der Würde der Mathematiker par excellence ist.

Danske Blätter schick” ich Dir morgen. In mehreren Städten
Jütlands sollen sich die preußischen Offiziere sehr gesträubt haben,
she sie die Beschlagnahme nach Befehl ausführten, überhaupt
wird über die Leute nirgends geklagt, nur über die Generale und
deren Ordres. Die Schimpferei gegen England ist im D{ag]bl[ad]
sher noch schlimmer als in Deutschland.

Sonst nichts Neues, als daß es bitterkalt ist. Grüße Deine Frau
und die Mädchen herzlich. I hope Tussy is content with the zo
cotton.

174

Dein
F. E.

s60. Marx an Engels; 1864 Juni 3.

Lieber Frederick,
Einliegend

1. ein Wisch, den mir Esel Kertbeny heut unter Kreuzkuvert
von Brüssel zuschickt;

2. Ausschnitt aus der „Rheinischen Zeitung“ mit Nekrolog von z
Iupus — geschrieben von Elsner, der jetzt einer der Redakteure
ler Breslauer Zeitung, woraus die Rheinische abgedruckt hat;

3. andrer Ausschnitt aus der „Rheinlischen] Zeit[ung]“, wo ich
Dich auf einen Artikel „Der feudale Sozialismus‘ aufmerksam
mache,

4. Brief von einem gewissen Klings aus Solingen an einen ge-
wissen Moll hier. Damit Du diesen Brief verstehst, folgendes:
Moll (und außerdem noch ein Kamerad desselben) ist ein Solin-
ger. Arbeiter, der (nebst ebenbesagtem Kamerad) sich 4-monat-
licher Gefängnisstrafe (Folge der Lassalleauftritte von vorigem zo

Jahre) entzogen hat. Klings, ditto Arbeiter, ist Bevollmächtigter
des Baron Itzig für Solingen.

Die beiden flüchtigen Solinger kamen mich hier besuchen;
teilten mir ihren Enthusiasmus für Itzig mit und daß die Arbeiter
sich seinem Wagen vorspannten, als er zuletzt in Solingen. Sie 25
nahmen als selbstverständlich an, daß wir zwei im intimsten Ein-
verständnis mit Itzig (der zu Elberfeld bei seiner Jüngsten An-
wesenheit Rede auf lupus hielt). Klings, sagten sie mir, sei ehmali.
ges Bundesmitglied, und so seien alle Arbeit erführer der
Itzigschen Bewegung in der Rhein Provinz, und alle seien x
nach wie vor unsre dezidierten Anhänger. Er teilte mir auch den
Brief des Klings mit, und ich fragte ihn, ob er mir denselben lassen

3. Juni 1864.
        <pb n="215" />
        (860) 1864 Juni3

175
wollte zur Übersendung an Dich. Was er bejahte. Also nicht

zurückzuschicken. Ich habe den Leuten natürlich keinen klaren

Wein eingeschenkt über unser Verhältnis oder vielmehr Nicht-

verhältnis zu Itzig, indes durch Dritte einige ganz ferne Andeu-
; tungen machen lassen.

Die Leute liegen jetzt hier auf dem Pflaster. 50 Taler werden
ihnen von Solingen geschickt, der hiesige Arbeiterverein gibt ihnen
2 £; wir werden hier noch einiges sammeln, und es wäre gut, wenn
auch in Manchester noch ein paar Pfund zusammenkämen. Die

o Burschen müssen nach Amerika spediert werden, da sie Fabrik-
arbeiter (Solinger Messerschmiede etc.). für Londoner Hand-
werk ganz unbrauchbar.

„Wie ist mich denn“, hatte ich mich auch mehrmals gefragt,
als ich Itzigs „Lohnarbeit und Kapital“ durchlas. Die

s Grundgeschichten darin kamen mir nämlich wörtlich (wenn auch
in Itzigscher Weise verschönert) bekannt vor, und doch war es
nicht direkt aus dem „Manifest“ etc. Jetzt, vor ein paar Tagen sah
ich zufällig nach meine Artikelreihe über Lohnarbeit und Kapital
in der Nleuen] Rheinischen] Zleitung] (1849) — in der Tat blo-

„ Ber Abdruck der Vorlesungen, die ich 1847 im Brüsseler Arbeiter-
verein hielt. Da fand ich meines Itzigs nächste Quelle, und aus
besondrer Freundschaft werde ich als Note den ganzen Wisch
aus der N[euen] Rhleinischen] Zl(eitung] als Anh ang zu meinem
Buch abdrucken lassen, natürlich on false pretences, ohne

» Anspielung auf Itzig. Es wird ihm nicht gut tun.

Die Bücher angekommen, ditto der Wein, wofür besten Dank.
Tussy trägt mir auf „to give you her love and to tell you that your
cotton has somewhat improved“‘.

Borkheim hat about — unter Patronage des Oppenheim,

zo des „Juden Süß“ von Ägypten — 2000 £ gemacht. Oppenheim —
dessen Lustigmacher er, nach eigner mir gegebner Schildrung, er
etwas im Land der Pyramiden spielte, wollte ihn gleich drüben
halten. Aber die Europäer verrecken dort wie toll, und B [orkheim]
hat sich statt dessen vorbehalten, von Zeit zu Zeit mit einem Ge-

z schäftchen von Abul Haim, wie die Araber den Oppenheim nen-
nen, betraut zu werden. Ende Sommer wird er wieder nach Kon-
stantinopel zu diesem Behuf.

Die Mädchen und Madame lassen Dich bestens grüßen.

My compliments to Lizzy.

Salut. Dein K. M.
Apropos!

Freund Freiligrath darf natürlich nie fehlen, wo es gilt, Ehren
einzukassieren. Sieh Elsners Nekrolog. Erinnre Dich an Harneys
Grabrede auf Schramm. Und — jetzt erscheint ein sehr kostspie-
        <pb n="216" />
        176

(860) 1864 Juni 3
liger „Record of the Revolution“ in New York, von einer Gesell-
schaft zu New York herausgegeben, worin alle events und Akten-
stücke etc. des jetzigen Bürgerkriegs von Beginn an registered
sind. Well! Dieser Rekord ist an ungefähr 20—30 Personen (die
verschiednen europäischen Bibliotheken eingerechnet) gratis ver-
schickt, u. a. Queen of England, J. St. Mill, Cobden, Bright und —
Freiligrath. Er teilte mir dies mit den Worten mit, daß die Yan-
kees „ihm eine große Freude bereitet und Ehre angetan‘, gab mir
den Übersendungsbrief zu lesen, nebst der beigefügten gedruckten
Liste der Beglückten. Ich möchte wohl wissen, was der Brave für ı
die Yankees getan hat oder tun kann oder tun will? Aber loi gene-
rale: Freiligrath muß die Honneurs für die deutsche Nation emp-
fangen, weil der brave Bürger sich so brav neutral verhält, „übri-
zens auch wirklich nichts gelernt hat.“
861. Engels an Marx; 1864 Juni 3.
Manchester, 3. Juni 1864.
Lieber Mohr,

In höflicher Bestätigung meines ergebenst Letzten habe ich Dir
heute anzuzeigen, daß Lupus’ Testament den court of probate vor-
gestern passiert hat und ich mich in Besitz des fraglichen Doku- ze
ments gesetzt habe. Auch habe ich es bei der Bank vorgezeigt und
registrieren lassen und werde Montag oder Dienstag das Geld bei
der Bank erheben (ich kann dies ganz allein ohne Borchardt) und
Dir übermachen. Es sind ca. £ 230. Ich werde nun suchen Blor-
chardt] morgen oder Montag zu sehen, und dann mein Möglich- z:
stes tun, daß die Sache rasch abgewickelt wird. Den ungefähren Be-
trag der Erbschaftssteuer — £ 120” — werde ich hier behalten,
sowie auch noch einiges Übrige wegen der Rechnung des lawyers
etc. Derselbe sagt mir, daß, um gegen alle etwaigen späteren Re-
klamationen gesichert zu sein, man ca. 1 Monat nach dem probate
(also vom 1. Juli an) 3mal hinter einander Aufforderung an unbe-
kannte Gläubiger in die Gazette, Times und local papers einrücken
lassen müsse, mit Präklusivfrist. Dies verursacht also noch einige
Zögerung wegen der definitiven Abmachung. Gegen September
wird die Aufforderung zur Zahlung der Steuer eintreffen (bis da- zs
hin sind also die Zinsen darauf zu retten), wo wir dann mit Wood
die Abrechnung machen und das Geld zahlen müssen, dann kann
die Geschichte definitiv erledigt werden.

Ich habe den Kerl entdeckt, bei dem Lupus sich photographie-
ren ließ, und bei ihm das Original-Negativbild; ich habe 24 Ab- x
züge nehmen lassen, wovon inliegend 4, Du kannst Pfänder und
Eccarius je eins geben, und wenn Du noch mehr haben willst, so

1) Offenbar ein Schreibfehler.

Z. 13 (übrigens) — 14.
        <pb n="217" />
        <pb n="218" />
        Tafel V

Friedrich Engels
im Jahre 1864
        <pb n="219" />
        (861) 1864 Juni3

177

stehn sie zu Diensten. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich auch
wieder nehmen lassen, wovon Du das Resultat inliegend siehst, die
Leute hier sagen, es sei sehr gut.
Free Press dankend erhalten. Was wird poor Collet jetzt an-
; fangen, nachdem Othellos occupation gone ist? Und das arme
kluge Kind, das in alle Geheimnisse der höchsten Diplomatie ein-
geweiht ist.
Viele Grüße. Was machen die Furunkeln?
Dein F. E.

862. Marx an Engels; 1864 Juni 7.
Lieber Frederick,
Dein Photogramm, ditto die von lupus erhalten. Von letzterem
brauche ich noch at least 4 copies. Dein Photogramm sehr gut. Die
„ Kinder sagen, daß Du darin als „anjenehmer Jejenstand“ er-
scheinst. Jennychen, da noch die beabsichtigten neuen Photo-
gramms nicht zu Stand gekommen, schickte Dir gestern das Glas-
ding. Die „Dagblad‘“ mit thanks erhalten.
Der einliegende Brief von Liebknecht, den ich gestern erhielt,
„ wird Dich in mancher Hinsicht interessieren. Du mußt ihn, wie
die andern Briefe der Art, die ich Dir schicke, dem Archiv ein-
verleiben. Ich habe L[iebknecht] sofort geantwortet, im Ganzen ihn
belobt wegen seiner Haltung; ihn nur gerüffelt wegen der albernen
Bedingung — unsre Mitarbeit —, die er für die eventuelle Her-
„ ausgabe des nun glücklich aufgegebnen Lassallepapers stellte. Ihm
erklärt, daß wir es zwar für politisch halten, den Llassalle] einst-
weilen ungestört gewähren zu lassen, aber in keiner Weise uns mit
ihm identifizieren können. . . . Ich werde ihm (Liebknecht) im
Lauf dieser Woche einiges Geld schicken. Es scheint dem armen
Teufel verflucht schlecht zu gehn. Er hat sich brav gehalten, und
sein fortwährender Verbleib in Berlin ist sehr wichtig für uns.

Borkheim zeigte mir Brief des großen Orges, gegenwärtig in
Wien. Olrges] zeigt an, daß „die Hirnerweichung‘ in der A[ugs-
burger! Alllgemeinen] Zleitung] „gesiegt habe“, daß der „Parti-

„ kularismus“ statt des „Deutschtums“ das Blatt beherrsche, daß ein
Viertelseigentümer der A[ugsburger] Allgemeinen] Zleitung] ihn
(den „großen Orges‘“) „beinahe persönlich insultiert“ hätte, daß
seit lange die Hände ihm gebunden gewesen, er endlich ausgeitre-
ten etc, Serves Olrges] right. Der Kerl benahm sich uns gegenüber

vo kommun in der Vogtgeschichte.

Borkheim hat mir sehr genaue, an Ort und Stelle authentisierte
schriftliche Details über den Fortschritt des Suezkanals mitgeteilt.
Ich werde Notiz davon dem Daud Pasha zukommen lassen.

Mary. Fngels-Gesamtausgabe. II. Abt.. Bd. 3 12

7 Tune 1864.

20)
        <pb n="220" />
        (862) 1864 Juni7

Was die dänische Geschichte angeht, so ist die Position der Rus-
sen sehr schwierig. Sie haben Preußen unter den größten Verspre-
chen in den Krieg gejagt und als Äquivalent für die stets fort-
dauernde preußische Hilfe in der polnischen Geschichte große
Aussichten auf Schleswig-Holstein gemacht. Der schöne Wilhelm,
jetzt, wo er sich als William the Conqueror erscheint, ist natürlich
nicht in derselben Weise abzufertigen wie sein genialer Vorgänger.
Palmerston seinerseits hat die Hände gebunden durch die Köni-
gin. Bonaparte, den die Russen und ihr Pam als Sündenbock
gegen die Deutschen vorschieben wollten, has reasons of his own, x
den Taubstummen zu spielen. Im übrigen ist es den Russen, ab-
gesehn von vielleicht Geheimvertrag mit Preußen, jetzt vor allem
um „deutsche Sympathien““ zu tun. Es ist daher unter such circum-
stances möglich, daß sie in derselben Weise Schleswig-Holstein
„opfern“, wie Catherine IL. es als ein großes Opfer ihrerseits er- z5
klärte, im 3. Teilungsvertrag den Preußen das jetzige Königreich
Polen überlassen zu haben, natürlich mit dem Vorbehalt, zur rech-
ten Zeit das Opfer rückzunehmen. Der ungeheure Schritt, den die
Russen jetzt im Kaukasus gemacht haben und dem Europa mit
idiotischer Indifferenz zusieht, zwingt sie beinahe, und erleichtert zo
ihnen auch, auf andrer Seite ein Auge zuzudrücken. Diese 2 Affä-
ren, die Unterdrückung der polnischen Insurrektion und die Be-
sitznahme des Kaukasus, betrachte ich als die zwei wichtigsten
europäischen Ereignisse seit 1815. Pam und Bonaparte können
jetzt sagen, daß sie nicht umsonst regiert haben, und wenn der zs
Schleswig-Holsteinsche Krieg nur dazu gedient, Deutschland und
Frankreich Sand über jene großen Vorgänge in die Augen zu
streuen, hat er vollständig das Seine für die Russen geleistet, wel-
ches immer der Ausgang der Londoner Konferenz. Du siehst aus
Lliebknecht]s Brief, wie die preußischen liberalen Zeitungen zu zo
feig sind, die fortwährende Auslieferung der polnischen Flücht-
linge von preußischer Seite auch nur zu konstatieren. Der Bis-
mlarck} hat sie mit der schleswig-holsteinschen Geschichte maus-
tot gemacht.

Die American news scheinen mir sehr gut, und hat mich nament- 35
lich der heutige leader in der Times ergötzt, worin sie beweist,
daß Grant fortwährend geschlagen und möglicherweise in Folge
seiner Niederlagen mit der Einnahme von Richmond — bestraft
wird,

Salut.

A

Dein Mobr. zo
        <pb n="221" />
        863) 1864 Juni 9

179

863. Engels an Marx; 1864 Juni 9.
. Manchester, 9. Juni 1864.
Lieber Mohr,
Das Telegramm erhalten und folgen hierbei die andern halben

; fünf Banknoten. Das Glasphotogramm habe ich etwas geputzt und
finde jetzt, daß es sehr gut ist, ich werde es heute Abend Gumpert
ınd seiner Gattin zeigen.

Daß Liebknecht in Berlin ist, ist allerdings für uns von der
höchsten Wichtigkeit, der Überraschung des Itzigs willen, und
co auch um unter der Hand in einem gegebnen Moment unter den
Arbeitern Aufklärung über unsre Stellung zu ihm zu verbreiten.
Wir müssen ihn jedenfalls dort halten und einigermaßen unter-
stützen. Wenn Du ihm jetzt Geld schickst, so wird ihn das sehr auf-
muntern, und wenn Du glaubst, daß wieder etwas nötig ist, SO
ıs schreib mir, daß ich Dir eine Fünfpfundnote für ihn schicke.
Apropos Nekrolog für Lupus. Wir müssen eine Art Biographie
machen, ich denke, man läßt sie als Broschüre in Deutschland
drucken, mit der ganzen Parlamentsverhandlung als Anhang, Laß
uns die Sache nicht verschleppen,

„Wie steht es denn nach Borkheims Berichten mit dem Suez-
kanal? Ist denn schon wirklich etwas erreicht, das auf baldige
Vollendung schließen läßt?

Wie es in Virginien gehn wird, darauf bin ich sehr begierig.
Die Kräfte scheinen immer noch sehr nahe balanciert, und ein ge-

» ringer Zufall, die Möglichkeit, ein einzelnes Grantsches Korps
separat zu schlagen, kann Lee wieder das Übergewicht geben. Der
Kampf vor Richmond kann schon unter ganz andern Verhältnissen
geschlagen werden; denn Butler ist sicher schwächer als Beaure-
gard, sonst hätte er sich nicht auf die Defensive drängen lassen,

vo und wenn sie beide auch gleich stark sind, so wird Lee doch durch
die Vereinigung mit Beaur[egard] in Richmond stärker als Grant
durch die mit Butler; denn Lee kann von seinem verschanzten
Lager aus auf jeder Seite des James River mit ganzer Macht auf-
treten, während Grant detachieren muß ‚(nach der Südseite des
Flusses). Ich hoffe aber, daß trotzdem Grant die Geschichte durch-
führt; jedenfalls ist sicher, daß Lee nach der ersten Schlacht in
der Wilderneß wenig Lust mehr gezeigt hat, Entscheidungsgefechte
im offnen Feld zu liefern, dagegen seine Hauptmacht stets in ver-
schanzten Stellungen gehalten und nur kurze offensive Schläge ge-

o wagt hat. Auch gefällt mir der methodische Gang von Grants Ope-
rationen. Das ist für dies Terrain und diesen Gegner die einzig
richtige Methode.

Für die Solinger wird hier mit Sammeln nichts aufzutreiben
sein, dagegen versteht es sich. daß ich Dir etwas für sie schicke.
19*

7 9 (der)—12.
        <pb n="222" />
        130
Laß mich wissen, wenn es so weit ist, wieviel Ihr für die Reise
habt und wieviel sie kostet,

Unser alter Hill hat vorvorgestern endlich seine Kasse abgege-
ben, kann, sich aber begreiflicher Weise noch gar nicht vom Comp-
toir trennen; er macht es noch jeden Tag unsicher, ganz in der alten
Manier. Heute erst ist er wenigstens den Morgen weggeblieben,
aber nach dem Essen konnte er’s nicht mehr aushalten.

Viele Grüße.

F. E.

Dein

864. Marx an Engels; 1864 Juni 16.
Dear Frederick,

Thanks for Dagblad.

Eh’ ich den Brief anfange — damit ich es nicht vergesse — die
Frage: Sind folgende Wortzusammenstellungen, die ich bei einem ı5
belgischen Etymologen finde, of any value?

Sanskrit Wer (couvrir, proteger, respecter, honorer, aimer,
cherir), Adjektiv: Wertas (excellent, respectable), Go-
tisch: Wairths, Anglosaxon Weorth, Englisch worth, Litau-
isch werthas, Alemannisch: Werth. 20

Sanskrit Wertis, Lateinisch virtus, Gotisch Wairthi,
Germanisch Werth.

Sanskrit Wal (couvrir, fortifier), Valor, Value. (???)

Strohn ist hier. Gestern angekommen. Reist morgen wieder
nach Bradford. Scheint mir, daß er sich sehr erholt hat. Auch wie- 25
der mehr plucky.

Für die beiden Solinger habe ich nebst etlichen andern Perso-
nen hier so viel zusammengesteuert, daß nur noch 2 £ St. er-
heischt, damit die Burschen mit Segelschiff von hier weg nach
New York können und nicht ganz blank dort ankommen. Ich gebe zo
ihnen auch paar Zeilen an Dr. Jacobi mit, bei welcher Gelegenheit
sich herausstellen wird, was der kleine Modeste nun about ist.

Von Liebknecht einliegenden Brief mit Beigefügtem aus den
„Grenzboten“ über lupus erhalten. Lliebknecht] wird jetzt im Be-
sitz meines zweiten Briefs mit einer „realen Konsideration“ (wie 65
Herr Patkul in seinen geheimen Depeschen das nennt) sein.

Die Russen scheinen Schleswig-Holstein für sich unter Olden-
burgscher Firma zu verlangen und dafür Preußen zu „entschädi-
gen“. Diese transaction would be too clever.

Ein holländischer Orientalist, Professor Dozy zu Leyden, hat «
ein Buch herausgegeben zum Nachweis, daß „Abraham, Isaak und
Jakob Phantasiebilder; die Israeliten Götzendiener waren; einen
„Stein“ mit sich in der „arke des Verbonds‘ herumschleppten:

16 June 1864.
        <pb n="223" />
        (864) 1864 Junil6
daß der Stamm Simon (unter Saul verbannt) nach Mekka ge-
zogen und da einen Götzentempel gebaut und Steine angebetet
habe; daß Esra nach der Befreiung aus Babylon die Legende von
der Schöpfung bis auf Josua gedichtet und ferner Gesetz und
Dogma zur Vorbereitung der Reform, Monotheismus, geschrieben
usw.“

So schreibt man mir aus Holland, und daß das Buch großen
Spektakel unter den dortigen Theologen macht, namentlich weil
Dozy der gelehrteste Orientalist in Holland und dazu — Profes-

0 sor in Leyden! Jedenfalls geht außerhalb Deutschland (Renan,
Colenso, Dozy etc.) merkwürdige Bewegung gegen die Religion
vor.

Die Kinder lassen Dich bestens grüßen und meine Frau Dich
außerdem wegen ihrer Kette treten.

Salut.

Dein K. M.
(Du kannst mir Deine „private address“ schicken für den Fall,
Jaß ich Sonnabend Abends noch anything Dir mitzuteilen habe.)
Schick mir des Ernest Jones Address.

265. Marx an Engels; 1864 Juli 1.
1 July 1864.

je

Dear Frederick,

Hast Du den Brief erhalten, den ich vor about 2 weeks schickte,
mit Liebknechts etc. Einlage?

Von Elsner noch keine Antwort.

Ich mediziniere seit about 10 Tagen wieder und habe heut noch
außerdem Art Influenza. Daher not able to-dav for better writing.

Thanks for Dagblad.

Salut.
Dein

K. M.

266. Marx an Engels; 1864 Juli 4.
A July 1864.
Dear Frederick,
Am 3. Juni schriebst Du mir, daß Du den andern Tag mit Bor-
 chardt die Geldaffäre settlen würdest. Es sind 3 Gründe. weswegen
ich die Sache abgemacht wünschte:
1. Von wegen Borchardt;
5. Ich weiß nicht. durch welche Fama ich als „Beerbter““ (viel-
        <pb n="224" />
        182

(866) 1864 Juli4
leicht von Deutschland, Trier her) verrufen worden bin. Die
Rechnungen, die mir von ancient times (Nl[eue] Rheinische Zlei-
tung] eingeschlossen) zugeschickt, sind fabelhaft.

3. Hätte ich während der letzten 10 Tage das Geld gehabt, so
hätte ich viel Geld auf der hiesigen Börse gewonnen, Jetzt ist wie-
der die Zeit, wo mit wit und very little money Geld gemacht wer-
den kann in London.

Aus diesen Gründen wünschte ich Abmachung der Affäre nach
Deduction, of course, der Gelder. die für Steuern und sonstige Ab-
züge on lawyer etc. von meinem Teil abgehn.

You will much oblige me by settling these things before July 15.
Du entschuldigst mich, daß ich Dich plage bei Deinem charge of
business, but there are very serious interests at stake.

Meinen besten Dank für die Abmachung der Freilig [rath]affäre.
[st das Porträt, das er Dir geschickt, das faustisch-finstre, das 16
Jennychen im Album hat?

Meine Frau, die auf einer Versteigerung die ihr noch fehlen-
den Sachen angekauft hat, hat für Dich ein fix carving knife and
fork erstanden, das sie heut überschicken wird. Ich hatte ihr ge-
sagt, daß dies in Deinem Haushalt fehle.

Gruß von dem Emperor of China et Co.

Dein K. M.

JE}

Immer noch Influenza bis in Nase und Maul ete., so daß ich
weder rieche noch schmecke.

In dieser Zeit, wo ich ganz arbeitsunfähig, gelesen: Carpen- z
ter, Physiology, Lord ditto, Kölliker, Gewebelehre, S purz-
heim, Anatomie des Hirns- und Nervensystems, Schwann
und Schleiden über die Zellenscheiße. In der Popular Physio-
logy von Lord gute Kritik der Phrenologie, obgleich der Kerl reli-
giös. Eine Stelle erinnert an Hegels Phänomenologie, nämlich z
die folgende:

„They attempt to break up the mind into a number of supposed
original faculties, such as no metaphysician will, for a moment,
admit; and the brain into an equal number of organs, which
the anatomist in vain asks to be shown, and then proceed to attach 3
one of the former unadmitted suppositions as a mode of action to
one of the latter undemonstrated existences.‘“

Du weißt, daß alles 1. bei mir spät kommt, und 2. ich immer
in Deinen Fußtapfen nachfolge. So wahrscheinlich, daß ich in
den Nebenstunden jetzt viel Anatomie und Physiology treiben, 4
außerdem Vorlesungen (wo das Zeug ad oculos demonstriert und
seziert wird) besuchen werde.
        <pb n="225" />
        (867) 1864 Juli5

183

867. Engels an Marx; 1864 Juli 5.
Manchester, 5. Juli 1864.
Lieber Mohr,

Daß ich Dir am 3. Juni schrieb, ich würde am 4. die Geld-
affäre ordnen, kann sich nur auf die Gelder in der Bank bezogen
haben, die ich auch sofort geordnet habe. Daß Du vorder Hand mehr
Geld wünschtest, dachte ich nicht, und es war ja Absprache, daß
Du deswegen schreiben wolltest, wenn Du mehr wünschtest; daher
ließ ich es ruhig bei dem Philister Steinthal stehn. der doch 5%

9 zahlt.

Die Erbschaft aber vom 3. auf den 4. Juni settlen, das war
mehr, als ich oder sonst Jemand Dir versprechen konnte. Ich
glaube Dir auch geschrieben zu haben, daß dies noch ziemlich
lange dauern kann, da es von allerlei gesetzlichen Formalitäten

15 abhängt (Advertising Aufforderung an unbekannte Gläubiger von
Lupus, Zahlung der Erbschaftssteuer etc.), die so rasch nicht gehn.
Indes soll meinerseits nichts unterbleiben, um die Sache rasch ab-
zuwickeln.

Dies hat aber durchaus nichts damit zu tun, daß Du den unge-

2 fähren Anteil an der Nachlassenschaft bekommst, sobald Du es
wünschest. Du wirst im Minimum £ 600 zu bekommen haben,
hoffentlich mehr, wir werden Dir also noch ca. £ 350 schicken
können, und ich werde sorgen, daß Du diese noch diese
W och e bekommst. Auch werde ich Borchardt treten, daß er seine

»% Rechnung abschließt, denn daran liegt es auch mit, daß noch Man-
ches ungeordnet ist.

Hättest Du mir nur 2 Zeilen früher geschrieben, diese £ 350
hätte ich Dir immer gleich schaffen können, d. h. in ein paar Tagen.
Heute kann ich nichts tun. Ich habe den ganzen Tag auf dem

 Comptoir geschanzt, mit Advokaten und G. Ermen debattiert (der
deed of partnership ist noch nicht fertig, und bis dahin will
GC. Elrmen] mein Recht, als Associe aufzutreten, nicht anerken-
nen) und dazu den Dronke hier gehabt. Jetzt ist es beinah 7 Uhr
und ich hab noch kein dinner im Leib, bin auch noch nicht fertig.
ı Du siehst, wie es geht.
Viele Grüße.

Dein F.E.
        <pb n="226" />
        184

(868) 1864 Juli 25
868. Marx an Engels in Manchester; Ramsgate
1864 Juli 25.
25. Juli 1864.
16 Hardres street,
Ramsgate.
Lieber Frederick,

Du siehst aus der Adresse, daß ich seit ein paar Tagen in
Ramsgate bin.

Zu meiner keineswegs angenehmen Überraschung zeigte sich,
daß der furuncle vielmehr ein ganz bösartiger carbuncle war, x
außerdem so schamlos, sich dicht über dem penis zu entwickeln.
Ich war so about 10 Tage gezwungen, meist im Bett zu liegen —
und in dieser Hitze! Das Zeug heilt hier rasch zu: indes habe ich
in der Tat alles Vertrauen verloren durch die unerwartete Wieder-
erscheinung der Krankheit in so bösartiger Form.

Jenny und Tussy ist hier bei mir; Laura kömmt übermorgen,
und nach about 8—10 Tagen gehn wir nach Holland, während
meine Frau sich dann an die See begibt.

Apropos! Vergiß nicht, der letztern ihre Kette zu
schicken, da sie dieselbe am Seeplatz zu ihrer Uhr braucht. Sie
sagt, daß Du dazu nur eine kleine Schachtel zu nehmen und auf
die Post zu schicken hast, die Expedition Dir also unmöglich viel
Umstände machen kann.

Ich hoffe, daß Du mit Ermen jetzt im Reinen und nicht weiter
von den lawyers bothered bist. 25

Was die schleswig-holsteinsche Geschichte angeht, so bin ich
noch nicht ganz sicher, daß die Affäre nicht mit einer Personal-
union der Herzogtümer mit Dänmark endet. Die Eifersucht zwi-
schen Preußen und Östreich, beider mit dem Deutschen Bund, der
Krakeel zwischen Augustenburg und dem von Rußland VOTge- 30
schobnen Oldenburg etc. machen solche Lösung selbst in diesem
Augenblick immer noch wenigstens möglich, Übrigens schlug
Palmerston en passant und als pis aller schon 1851 den Herzog
von Oldenburg als Kandidat vor für Schleswig-Holstein.

Laura werde ich schreiben, daß sie Dir die Free Pressz
schickt.

Hier herrscht der sich amüsierende Philister und noch mehr
seine bessre Hälfte und sein weiblicher offspring vor. Es ist fast
traurig zu sehn, wie der alte Oceanus, Urtitane wie er ist, sich von
diesen Knirpsen auf der Nase herumtanzen lassen und ihnen zum
Zeitvertreib dienen muß.

Best compliments von Jenny und Tussy. Beiden bekömmt das
Seebad trefflich. Adio.

75

Mohr.

1
        <pb n="227" />
        (869) 1864 Aug. 31

185
869. Marx an Engels; 1864 August 31.

31. A ;
Dear Frederick, uayst 106

Ich bin heute exakt seit drei Wochen zurückgekehrt von Rams-

5 gate, Aus der holländischen Reise wird nichts, weil eine Magd im
Hause meines Onkels plötzlich an den Pocken erkrankt ist.

Meine Frau hatte letzte Woche starken Anfall von Cholerine,
der einen Augenblick gefährlich zu werden schien. Sie ist gestern
(solo) nach Brighton abgereist.

o Ich habe hier verschiedne Briefe von Liebknecht, die ich jedoch
nicht schicke, da ich nicht weiß, ob Du in Manchester. Der ein-
liegende Wisch von Collet wird Dich amüsieren, und bist Du nicht
da, so schadet es ihm auch nichts. Die Naivität des C[ollet] ist
groß: nachdem (um östreichisch zu konstruieren) ich ihm einen

s Jangen Aufsatz über die Russian claims gemacht habe, den er
nicht gedruckt hat, soll ich mich für seinen blödsinnigen Wech-
selbalg interessieren. Der einliegende Brief von Elsner ist Ant-
wort an meine Frau, die von ihm hiographische Notizen über lupus
verlangt hatte.

Seit ein paar Tagen bin ich wieder werktätig. Bis dahin war
ich immer noch geplackt mit Unwohlsein und incapable. Wenn
Du noch nicht fort bist, so zeig’s uns gleich an. Wir hoffen Dich
jedenfalls auf der Durchreise zu sehn. Die Kinder lassen Dich
bestens grüßen. Jenny kann gar nicht abwarten, Dir ihr Green

» House zu zeigen.

Mit Bezug auf die Schleswig-Holstein-Geschichte bin ich nicht
im Reinen und bedarf es weiterer Tatsachen, um klar zu werden.
Die Renaissance der Heiligen Allianz hast Du richtig vorher-
gesehn. Bonaparte scheint große „Neigung at least“ zu haben,

wo „der Vierte im Bunde“ zu sein. Die ganze Erbärmlichkeit des
Kerls hat sich vom Ausbruch der polnischen Revolution bis dato
im reinsten, ungefälschtesten Licht gezeigt.
Es ist mir durch die Hände gegangen Groves Correlation of
Physical Forces. Er ist unbedingt der philosophischste unter den
ws englischen (und auch deutschen!) Naturforschern. Unser Freund
Schleiden hat angeborne Anlage zur Fadaise, obgleich er in Folge
eines Mißverständnisses die Zelle entdeckt hat. Einliegende Karte
Piepers ist durch Mißverständnis in Liebknechts Hände gefallen,
der sie mir wieder zugesandt hat.
Salut.

77)
Dein K. M.
Sei so gut, mir des Ernst Jones Manchester-Adresse zu schicken.
Don’t forget!

7. 37 (Einliegende) —39.
        <pb n="228" />
        (870) 1864 Sept. 2

870. Engels an Marx; 1864 September 2.

Manchester, 2. September 1864,
Lieber Mohr,

Ich glaubte nach Deinem letzten Brief, Du säßest tief in den
holländischen Morästen, und daher mein hartnäckiges Stillschwei-
gen. Deine Adresse in Holland konnte ich nicht finden. Ich schickte
Deiner Frau die Uhr und Kette am 6. August in einer rekomman-
dierten Schachtel per Post und hoffe, sie ist richtig angekommen.

Nächsten Donnerstag 8. oder Samstag 10. September denke ich
von Hull nach Hamburg zu fahren und mir our new property in 10
Schleswig und Holstein etwas anzusehn und, wenn keine Paß-
schwierigkeiten vorliegen, auch von Lübeck nach Kopenhagen zu
gehn. Ich komme vor Ende September nicht wieder, und wenn es
irgend angeht, bleibe ich auf der Rückreise einen Tag in London.

Die Partnerships-Geschichte ist endlich geordnet, die Kon- z
trakte unterschrieben, und so hab’ ich hoffentlich auf 5 Jahre
Ruhe von dieser Seite her.

Wir haben unser Haus in Tennant Street verlassen und sind seit

14 Tagen ungefähr 500 Schritt weiter heraus gezogen in ein etwas
größeres Haus mit 2 Wohnzimmern unten; wir haben uns unge- 20
fähr in derselben Weise verbessert wie Du mit Deinem letzten Um-
zug. Die Adresse ist 86 Mornington Street, Stockport Road, Man-
Chester. Briefe gehn auf meinen Namen wie immer.

Die Adresse von Jones ist 52 Cross Street, Manchester.

Die Dänen glauben oder vielmehr fürchten noch immer, daß 2
die Personal-Union hergestellt wird, und da die Redakteure Bille
vom Dagblad und Ploug vom Fädrellandet] beide Devutierte
sind und sicher gute Quellen haben, auch die jetzigen Minister
gute Russen sind, so bin ich überzeugt, daß starke Intrigen in die-
ser Richtung von Rußland gespielt werden. Monsieur Bismarck z
hat es indes sicher anders vor, und um positive Vorteile zu bekom-
men, d. h. um Schleswig-Holstein zu mediatisieren, braucht er,
glaub” ich, den Augustenburger ziemlich notwendig. So viel ist
sicher, die preußische Stammpolitik mit der Teilung Deutschlands
an der Mainlinie ist noch nie so frech gepredigt worden. und das z
liberale Saupack scheint sich ganz damit zu befreunden. Wenn das
der Fall ist — und das werde ich in Deutschland schon sehn —, 80
gibt uns die preußische Bourgeoisie für den nächsten Set-to eine
enorme Handhabe. Ich bin übrigens überzeugt. daß Elsner Recht
hat und wenigstens.in den alten Provinzen der Siegestaumel nicht «
zu ertragen ist. — Ich werde mich auch hüten, dorthinzugehn.
Selhst am Rhein wird es schlimm genug sein.

Daß Monsieur Bonaparte die größte Lust hat. in die heilige
Allianz zu treten, sagte ich dem braven Gottfried den ersten Tag,

186
        <pb n="229" />
        187

wo die Geschichte bekannt wurde, zu seinem großen Schrecken.
Mit dem Kerl nimmt’s doch noch ein schlechtes Ende. Das ewige
Spintisieren über das „Geschäft“ macht sehr alt, wie ich an Gott-
fried sehe, der ungefähr dieselbe Geistesrichtung im Handel hat
wie Bl[onaparte] in der Politik und auch einen ähnlichen Gedan-
kengang. Mit den Jahren kommt der Wunsch, sich zurückziehen zu
können, und wenn das nicht angeht, so leidet die Gesundheit. N’est
pas Palmerston qui veut. Ce cher Blonaparte] scheint mir sehr
stark on the decline zu sein. Desto besser, wenn der einmal anfängt
0 zu erschlaffen, so geht's rasch mit ihm.

Beste Grüße an die Mädchen. Warum schriebst Du mir aber
nicht 2 Zeilen, daß Du nicht nach Holland gingst und Deine Frau
krank war?

Dein F.E.

871. Marx an Engels; 1864 September 2,
Lieber Frederick, 2, September 1864.
Gestern Nachmittag erhielt ich nachstehend kopierten Brief von
Freiligrath, woraus Du siehst, daß Lassalle lebensgefährlich in
o einem Duell in Genf verwundet worden. Ich ging noch denselben
Abend zu Freiligrlath]. Er hatte jedoch keine neueren Tele-
gramme erhalten. Nebenbei teilte er mir mit — entre nous —,
daß seine Bank in einer Krise, erhöht durch die Genfer Geschichte
und Fazys Rolle in derselben.
23 Salut. Dein K. M.
„Lieber Marx, Soeben erhalte ich einen Brief von Klapka aus
Genf mit der traurigen Nachricht, daß Lassalle in einem am
30. August zu Genf mit einem wallachischen Pseudofürsten statt-
gehabten Duell tödlich verwundet worden ist. Hier das Nähere

„ aus Kllapkas] Brief. ...

‚Lassalle hatte hier eine Liebesgeschichte, jedoch” in aller
Ehre, da er das Mädchen, Tochter des bayrischen Gesandten von
Dönniges, heiraten wollte. Der Vater widersetzte sich der Heirat,
das Mädchen betrog den armen Lassalle: ein früherer Verlobter

; von ihr, der eben erwähnte Pseudoprinz, traf von Berlin ein, €s
kam zu Erklärungen, zu einem unangenehmen Briefwechsel und
zur Herausforderung. Die Sekundanten Lassalles waren Oberst
Rüstow und mein Landsmann, General Graf Bethlen. Lassalle be-
nahm sich, wie es einem Manne von seinem Rufe und seiner poli-

ı tischen Stellung geziemt, ebenso mutig als würdevoll. Er ward in
den Bauch geschossen und liegt nun zwischen Leben und Tod im

1) aus Kllankas] Brief — Zusatz von Marx
2) Bei Freiligrath doch
        <pb n="230" />
        188

(871) 1864 Sept. 2
Hötel Victoria darnieder. Das Unglück für ihn ist, daß die Kugel
tief im Körper liegt, die Wunde daher sehr leicht in Brand über-
gehn kann, Ich besuchte ihn gleich nach meiner Ankunft, fand ihn
sein Testament diktieren, sonst aber ruhig und auf seinen Tod ge-
faßt. Es tut mir unendlich leid um ihn; oft lernt man die Menschen
erst in ihren letzten Augenblicken kennen. Hoffen wir, daß er
trotz der bösen Aussagen der Ärzte glücklich die Krise überlebt.‘
So weit Klapka.“

872. Engels an Marx; 1864 September 4.
Manchester, 86 Mornington Street,
Lieber Mohr. Stockport Road, 4. September 1864.
Dein Telegramm kam gestern an, noch ehe ich Deinen Brief
erbrochen hatte, da mich allerlei Geschäfte gleich in Anspruch ge-
nommen. Du kannst Dir denken, wie mich die Nachricht über- zs
raschte, Lassalle mag sonst gewesen sein, persönlich, literarisch,
wissenschaftlich, wer er war, aber politisch war er sicher einer
der bedeutendsten Kerle in Deutschland. Er war für uns gegen-
wärtig ein sehr unsichrer Freund, zukünftig ein ziemlich sichrer
Feind, aber einerlei, es trifft Einen doch hart an, wenn man sieht, 26
wie Deutschland alle einigermaßen tüchtigen Leute der extremen
Partei kaputt macht. Welcher Jubel wird unter den Fabrikanten
und unter den Fortschrittsschweinhunden herrschen, L{assalle]
war doch der einzige Kerl in Deutschland selbst. vor dem sie
Angst hatten. |

Aber was ist das für eine sonderbare Art, ums Leben zu kom-
men: sich in eine bayrische Gesandtentochter ernstlich zu verlie-
ben — dieser would-be Don Juan —, sie heiraten wollen, in Kolli-
sion kommen mit einem abgedankten Nebenbuhler, der noch dazu
ein walachischer Schwindler ist, und sich von ihm totschießen zu zo
lassen. Das konnte nur dem L[assalle] passieren bei dem sonder-
baren Gemisch von Frivolität und Sentimentalität, Judentum und
Chevaleresktuerei, das ihm ganz allein eigen war. Wie kam ein
politischer Mann wie er sich mit einem walachischen Abenteurer
schießen!

Wie rasch übrigens die Nachricht reiste, siehst Du daraus, daß
sein Tod bereits Donnerstag Abend in der Kölnischen Zeitung
stand, die gestern Mittag — 4 Stunden nach Deinem Telegramm —
hier ankam.

Was hältst Du von den Dingen in Amerika? Lee benutzt sein x
verschanztes Lager von Richmond ganz meisterhaft; kein Wun-
der, es ist ja schon die dritte Kampagne, die sich darum dreht. Er
hält Grants Massen mit verhältnismäßig wenigen Truppen fest

0

46)
        <pb n="231" />
        (872) 1864 Sept. 4

189
und benutzt den größten Teil seiner Leute offensiv in Westvirgi-
nien und zur Bedrohung von Washington und Pennsylvanien. Aus-
gezeichnetes Muster zum Studium für die Preußen, die daraus
bis ins Detail lernen können, wie man einen Feldzug um das ver-

5 schanzte Lager von Koblenz führen muß, die aber natürlich viel
zu hochmütig sind, etwas von diesen improvisierten Generalen zu
lernen. Grant — vor 6 Jahren ein wegen Trunk aus der Armee
entlassener Leutnant, später versoffner Ingenieur in St. Louis —
hat viel unity of purpose und große Verachtung gegen das Leben

o seines Kanonenfutters, scheint auch als kleiner Strategiker
(d. h. für Bewegungen von heute auf morgen) viel Ressourcen zu
haben, aber ich suche vergebens nach Zeichen, daß er Überblick
genug hat, um die Kampagne als Ganzes zu übersehn. Die Kam-
pagne gegen Richmond scheint mir am Scheitern zu sein, die Un-

15 geduld, mit der Girant] bald hier, bald dort angreift, aber an kei-
nem Punkt nachhaltig mit Sappe and Mine vorgeht, ist ein schlech-
tes Zeichen. Das Ingenieurwesen scheint bei den Yankees über-
haupt schlecht bestellt zu sein, dazu gehört außer den theoretischen
Kenntnissen auch eine traditionelle Praxis, die nicht so leicht im-

% provisiert wird. — Ob Sherman mit Atlanta fertig wird, ist frag-
lich, doch hat er, glaub’ ich, bessere Chancen. Die Guerillas- und

Kavalleriestreifereien in seinem Rücken werden ihm schwerlich
viel schaden. Der Fall Atlantas wäre sehr hart für den Süden,
Rome fiele gleich mit, und da sind ihre Kanonengießereien €elc.,
» dazu ging die Eisenbahnverbindung zwischen Atlanta und Süd-
karolina verloren. — Farragut bleibt sich gleich. Der Kerl weiß,
was er tut. Aber ob Mobile selbst fallen wird, ist sehr f raglich. Die
Stadt ist sehr stark befestigt und kann, soviel ich weiß, nur von
der Landseite her genommen werden, da tiefgehende Schiffe nicht
u nahe genug herankommen können. Aber welch ein Blödsinn ist
diese Zersplitterung der Angriffskräfte an der Küste, wo Char-
leston und Mobile gleichzeitig angegriffen werden, statt eins nach
dem andern, aber jedesmal mit allen Kräften.
Auf den Friedenskohl, der sich jetzt so breit macht, geb’ ich
» nicht viel. Selbst nicht auf die vorgeblichen direkten Unterhand-
lungen Lincolns. Das halte ich alles für Wahlmanöver. Wie die
Sache bis jetzt steht, scheint mir Lincolns Wiederwahl ziemlich
gewiß. .
Meine Mutter ist in Ostende und reist Samstag wieder nach
wo Hause, in Folge welcher Nachricht ich meine Reisepläne geändert
habe und Donnerstag Abend nach Ostende reise. Ich fürchte, ich
komme erst mit dem Nachtzug nach London, der vor 6 Uhr Mor-
gens dort ankommt. Ist es mir aber möglich, so reise ich um 4.15,
so daß ich 9.15 an Euston Station bin und entweder nach Dover
ws durchfahre (s’ilLy a moyen) oder in dem Hotel an London Bridge
        <pb n="232" />
        190

(872) 1864 Sept. 4
Station schlafe. In diesem letzten F all schreib’ ich Dir’s vorher,
damit wir uns möglicher Weise treffen können. Schreib’ mir in-
zwischen, was Du von Amerika hältst.

Beste Grüße an die Girls. Dein F. E.

873. Marx an Engels; 1864 September 7.
Dear Frederick, 7. September 1864.

Das Unglück des L[assalle] ist mir dieser Tage verdammt durch
den Kopf gegangen. Er war doch noch immer einer von der vieille
souche und der Feind unsrer Feinde. Dabei kam die Sache so x
überraschend, daß es schwierig ist zu glauben, daß ein so ge-
räuschvoller, stirring, pushing Mensch nun Maustot ist und alto-
gether das Maul halten muß. Was seinen Todesvorwand angeht,
so hast Du ganz Recht. Es ist eine der vielen Taktlosigkeiten, die
er in seinem Leben begangen hat. With all that tut’s mir leid, daß 3
in den letzten Jahren das Verhältnis getrübt war, allerdings durch
seine Schuld. Andrerseits ist's mir sehr lieb, daß ich den Anrei-
zungen von verschiednen Seiten widerstand und ihn nie während
seines „Jubeljahrs““ angegriffen habe.

Der Teufel mag wissen, der Haufen wird immer kleiner, neu 20
kommt nichts zu. Übrigens bin ich überzeugt, daß, wenn Lassalle]
nicht in der Umgebung der military adventurers und re6volution-
naires en gants jaunes in der Schweiz gewesen, es nie zu dieser
Katastrophe gekommen wäre, Es zog ihn aber fatalement immer
wieder nach diesem Koblenz der europäischen Revolution. 25

Die „bayrische Gesandtschaftstochter“ ist Niemand anders als
die Tochter des Berliner Dönniges, Mituniversitätsdemagog von
Rutenberg und Konsorten, gehörig ursprünglich zu den jeunes
gents oder vielmehr, da es keine gentlemen waren, den jeunes gens
des kleinen Rabunzel Ranke*, die er scheußliche alte deutsche zo
Kaiserannalen etc. herausgeben ließ, Das, was das tanzende Wur-
zelmännchen Ranke ”) für Geist hielt — die spielende Anekdoten-
krämerei und die Rückführung aller großen Ereignisse auf Klei-
nigkeiten und Lausereien —, war diesen young men from the
country strikt untersagt, Sie sollten sich an das „Objektive“ hal- 35
ten und den Geist ihrem Meister überlassen. Unser Freund Dön-
niges galt gewissermaßen als Rebell, da er dem Ranke das Mono-
pol des Geistes bestritt, wenigstens faktisch, und verschiedentlich
ad oculos zeigte, daß er so gut wie Ranke geborner „Kammerdie-

ner“ der „Geschichte“ sei,

Es wird mich nun wundern, was aus der von Lassalle] zusam-
mengebrachten Organisation werden wird. Herwegh, dieser pla-
a) Im | Orig. Rancke.

4(]
        <pb n="233" />
        Tafel VI

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Marx an Engels, 7. September 1864
(ss S. 190)
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        <pb n="235" />
        191
tonische Freund der „Arbeit“ und praktische „Musen“freund, ist
nicht der Mann. Überhaupt ist alles, was darin an Unterführern
war, rubbish. Liebknecht schreibt mir, daß der Schulze-Dellitzsch]-
Verein in Berlin nur noch 40 members zählt. Wie der Zustand
‚ überhaupt dort, daraus klar, daß unser Wilhelm Liebknecht a con-
sequential political personage ist. Sollte L{assalle]s Tod die Kerle
wie Schulze etc. zu Frechheiten gegen den Verstorbnen leiten, so
ist nur zu wünschen, daß Llassallel/s offizieller Anhang sich so ge-
bart, daß man in die Schranke treten kann, if necessary. Ich muß
„ mich nun erkundigen, wer seinen brieflichen Nachlaß hat. Ich
werde sofort injunction einlegen — da das Memoirenaasgesindel,
die Ludmilla usw., sich ganz dicht um diesen Nachlaß herum-
kreiselt —, daß keine Zeile von mir oder Dir gedruckt wird. In
Preußen kann man dies nötigenfalls gerichtlich erzwingen.

Was Amerika angeht, so halte ich, entre nous, den gegenwärti-
gen Moment für sehr kritisch. Wenn Grant eine große Niederlage
oder Sherman einen großen Sieg davon trägt, so all right. Gefähr-
lich chronische Reihe kleiner checks, grade jetzt in der Wahlzeit.
Ich bin ganz Deiner Meinung, daß bis jetzt Lincolns Wiederwahl

„ ziemlich sicher ist, immer noC h 100 gegen 1. Aber diese
Wahlzeit ist in dem Musterland des Demokratenschwindels voll
von Zufälligkeiten, die der Vernunft der Ereignisse (ein Ausdruck,
den Magnus Urquhartus für ebenso verrückt hält als „the justice
of a locomotive‘“) ganz unerwartet ins Gesicht schlagen können.

„ Waffenstillstand scheint dem Süden sehr nötig zu sein, um ihn vor
gänzlicher Erschöpfung zu retten. Er hat nicht nur in seinen nor-
dischen Organen, sondern direkt in den Richmondorganen diesen
cry zuerst aufgebracht, obgleich der Richmond] Examiner ihn
jetzt, wo er ein Echo in New York gefunden, mit Hohn den Yan-

u kees zurückwirft. Daß Mr. Davis sich entschlossen, die Soldaten-
neger als „Kriegsgefangne“ zu behandeln — letzter offizieller Be-

fehl von seinem Kriegsminister —, ist sehr charakteristisch.
Lincoln hat große Mittel in seiner Hand, um die Wahl durch-
zusetzen. (Friedensvorschläge seiner Seite natürlich mere hum-
ı bug.) Die Wahl eines Gegenkandidaten würde wahrscheinlich zu
einer wirklichen Revolution führen. Aber bei alledem kann
man nicht verkennen, daß für die kommenden 8 Wochen, in denen
sich die Sache zunächst entscheidet, viel vom militärischen Zufall
abhängt. Seit Anfang des Kriegs ist dies unbedingt der kritischste
Punkt. Ist dieser shifted, dann kann old Lincoln blunder on nach
Herzenslust. Übrigens kann der Alte unmöglich Generale
„machen“. Minister könnte er schon besser wählen. Die Confede-
rate papers attackieren aber ihre Minister ganz ebenso wie die
Yankees die Washingtoner. Kömmt Lincoln — wie sehr wahr-
„ scheinlich — diesmal durch, so auf einer viel radikaleren platform

N
        <pb n="236" />
        192

(873) 1864 Sept. 7
und unter ganz changed circumstances. Der Alte wird dann, sei-
ner juristischen Manier gemäß, radikalere Mittel mit seinem Ge-
wissen vereinbar finden.
Ich hoffe Dich Morgen zu sehn. Gruß an Madlame] Liz [zyl.
Einliegend Photogramm von Laura. Das von J enny, das ich ;
stündlich erwarte, leider noch nicht eingetroffen. Salut old boy.
Dein K. M.
574. Marx an Engels; 1864 November2.
2. November 1864.

Lieber Engels,
Dein langes Schweigen beunruhigt mich. Ich unterstelle, daß
Du zurück bist. Warum läßt Du nichts von Dir hören?
Ich habe Dir allerlei wichtiges mitzuteilen, was sofort geschehn
wird, sobald Du Lebenszeichen gegeben.
Salut.
EZ
Dein K. M.

875. Engels an Marx; 1864 November 2.

Lieber Mohr, Manchester, 2. November 1864.

Die Krisis und ihre zahllosen Scherereien müssen mich ent- P
schuldigen, daß ich Dir nicht eher schrieb. So viel Judenschikanen
hab’ ich in meinem ganzen Leben noch nicht auf einem Haufen ge-
habt wie diesmal, und was das für eine Korrespondenz erfordert,
magst Du Dir selbst ausmalen.

Noch in dieser Woche gehe ich zu Borchardt und mache die -
Lupussche Erbschaftsgeschichte ab, sie ist jetzt zum Abschluß
reif,

Meine Reise hat sich bis nach Sonderburg erstreckt, nach
Kopenhagen ging ich nicht, teilweise aus Zeit- und Paßmangel,
teilweise, weil der Redakteur des Dagblad, Bille, grade in Lübeck x
ankam, als ich in Kiel war, und ich also in ganz Kopenhagen keinen
Anknüpfungspunkt hatte, da ich die andern Journale nirgends sah.

Schleswig ist ein kurioses Land — die Ostküste sehr hübsch
und reich, die Westküste auch reich, in der Mitte Heide und
Wüste. Die Buchten alle sehr schön. Das Volk ist entschieden #5
eine der größten und schwersten Menschenrassen der Erde, be-
sonders die Friesen der Westküste. Man braucht nur durch das
Land zu reisen, um sich zu überzeugen, daß der Hauptkern der
Engländer aus Schleswig kommt. Du kennst die holländischen
Friesen, namentlich diese kolossalen Friesinnen mit dem feinen do
        <pb n="237" />
        (875) 1864 Nov. 2

weißen und frischroten Teint (der auch in Schleswig vorherrscht).

Das sind die Urtypen der Nordengländer, und namentlich haben

die auch hier in England vorkommenden kolossalen Weiber alle

den entschieden friesischen Typus. Mir ist es sicher, daß die nach

England mit Angeln und Sachsen eingewanderten „Jüten‘“ (Eotena

cyn angelsächsisch) Friesen waren, und in Jütland wie in Schles-

wig die dänische Einwanderung erst vom 7. oder 8. Jahrhundert

datiert. Der jetzige jütische Dialekt ist allein Beweis.

Diese Kerle sind große Fanatiker und haben mir deswegen

o sehr gefallen. Du hast gewiß Einiges von dem sonderlichen „Dr.
K. J. Clement aus Nordfriesland“ gelesen. Der Bursche ist der Ty-
pus der ganzen Rasse. Der Kampf mit den Dänen ist diesen Kerlen
bitter Ernst und ihre ganze Lebensaufgabe, und die schleswig-hol-
steinsche Theorie ist ihnen nicht Zweck, sondern Mittel. Sie sehen
sich als eine den Dänen physisch und moralisch überlegne Rasse
an und sind es auch. Mit dieser Art Leute in seiner Weise fertig
werden zu können, war eine wirklich schöne Illusion von Bis-
marck. Wir haben fünfzehn Jahre gegen die Dänen ausgehalten
und unser Terrain behauptet, und wir sollten uns von diesen preu-

» Bischen Bureaukraten unterkriegen lassen? so sprachen die Kerle.
Die Sprach- und Nationalitätsverhältnisse sind sehr eigen. In
Flensburg, wo nach Angabe der Dänen der ganze Vorderteil
dänisch ist, besonders am Hafen, sprachen alle Kinder, die dort
massenhaft am Hafen spielten, platt deutsch. Dagegen nörd-

» lich von Flensburg ist Dänisch — d. h. der plattdänische Dialekt,
von dem ich fast kein Wort verstand — Volkssprache. Im Sunde-
witt sprachen die Bauern im Wirtshaus indes abwechselnd dänisch,
plattdeutsch und hochdeutsch, und weder dort noch in Sonderburg,
wo ich die Leute stets dänisch ansprach, bekam ich andre als

2 deutsche Antworten. Jedenfalls ist Nordschleswig von der Ver-
deutschung sehr angefressen und würde sehr schwer wieder ganz
dänisch zu machen sein, sicher schwerer als deutsch. Ich wollte
lieber, es wäre dänischer, denn man wird später doch hier den
Skandinaviern Anstands halber etwas abtreten müssen.

3 Ich habe in der letzten Zeit etwas friesisch-anglisch-jütisch-
«kandinavische Philologie und Archäologie getrieben und komme
auch hier zu dem Resultat, daß die Dänen ein reines Advokaten-
volk sind, die aus Parteiinteresse auch in wissenschaftlichen Fra-
gendirekt und wissentlich lügen. Herr Worsaae on the

„ Danes etc. in England — to wit. Dagegen will ich Dir, wenn Du
nächstens herkommst, ein in der Hauptsache sehr gutes Buch von
dem tollen Clement aus Nordfriesland über Schleswig und die Ein-
wanderung nach England im 6.—8. Jahrhundert zeigen. Der Kerl
hat viel fonds bei aller Sonderbarkeit. Er scheint mir aber sehr

ss stark zu trinken.

Marz-Engels-Gesamtausgabe, II. Abt., Bd. 3

193
        <pb n="238" />
        L94

{875) 1864 Nov. 2
Die Preußen in Schleswig sahen zu meiner Verwunderung sehr
gut aus, namentlich die Westfalen, die neben den Östreichern wie
die Riesen aussahen, aber freilich auch viel plumper. Die ganze
Armee lief total unrasiert herum, auch unzugeknöpft und über-
haupt sehr unkamaschenmäßig, so daß die geschniegelten Öst-
reicher hier fast die Rolle der Preußen spielten. Unter den preu-
Bischen Artillerie- und Genieoffizieren fand ich einige sehr nette
Kerle, die mir allerhand hübsche Sachen erzählten; aber die In-
fanterie und Kavallerie hielt sich sehr vornehm zurück und stand
auch bei der Bevölkerung in sehr schlechtem Ruf. Über die Krieg-
führung des Prinzen Friedrich Karl herrschte durchaus keine Be-
geisterung, und über die Verteilung der Belohnungen schimpften
Alle ohne Ausnahme, selbst die Dekorierten. Die Unteroffiziere
benahmen sich anständig gegen die älteren Soldaten und auch
sonst in Gesellschaft, dagegen sah ich Einen von den brandenbur- x
gischen Pionieren, der in Sonderburg Rekruten exerzierte, der
ganze alte infame Preuß. Übrigens ist es merkwürdig zu sehn,
welch verschiedner Ton in dieser Beziehung im 3. und 7. Armee-
korps herrscht. Der märkische Stamm, um mit Georg Jung zu
reden, läßt sich arschtreten und hudeln, während bei den West- 2
falen (die sehr stark mit Rheinländern von der rechten Seite ver-
mischt sind) die Unteroffiziere meist d’&amp;gal ä 6gal mit den Leuten
verkehren.

Was hältst Du von der Handelskrisis? Ich denk, es ist vorüber,
d.h. das Schlimmste, Es ist schade, daß so was jetzt nie mehr 2;
ardentlich reif wird,

Was heißt: Rüm Hart, klar Kimmang?

Grüß Deine Frau und die Mädchen bestens.

Dein F. E.

876. Marx an Engels; 1864 November 4.

4. November 1864.
Lieber Frederick,

Es war mir sehr lieb, wieder von Dir zu hören.

Hier alles wohl. So war ich seit der Zeit, wo Du hier ab-
gereist — bis vorgestern, wo wieder neuer Karbunkel unter der 3;
rechten Brust erschien. Ich will diesmal, wenn die Sache nicht
rasch vorübergeht und nicht isoliert bleibt, Gumperts Arsenikkur
brauchen.

Deine Runen rüm hart etc. würde ich vom holländisch-friesi-
schen Standpunkt übersetzen, weit Herz, klarer Horizont. Aber w
ich fürchte, daß etwas ganz andres dahintersteckt, gebe also das
Rätsel auf.
        <pb n="239" />
        (876) 1864 Nov. 4

195

Die einliegenden Papiere mußt Du mir alle zurück-
schicken, sobald sie durchgelesen. Ich brauche sıe noch.
Damit ich nichts vergesse, was ich mitteilen wollte, numeriere ich.

L. Lassalle und Gräfin Hatzfeldt.

Das weitläufige Aktenstück ist Kopie eines Zirkulars, den Her-
weghs Frau (hony soit qui mal y pense) Emma gleich nach der
Katastrophe nach Berlin schrieb, damit extracts davon in die Zei-
tungen gebracht würden. Du wirst daraus sehn, wie geschickt
Emma sich und ihren schlapphängenden Georg in Anfang, Mitte

o und Ende des Berichts zu placieren weiß; wie die Erzählung zwei
wichtige Punkte umgeht, erstens eine Zusammenkunft von Rüstow
mit Dönniges und Tochter, worin letztere dem Lassalle abge-
sagt haben muß, bevor die von Emma erzählte Szene vorfiel.
Zweitens: Wie es zum Duell kam. Lassalle schrieb den insul-

6 tierenden Brief. Aber darauf erfolgte etwas, was ni cht erzählt
ist und was unmittelbar zum Duell führte.

Die Unterschlagung von zwei so wichtigen Wendepunkten er-
regt kritisches Bedenken gegen die Treue der Erzählung.
Brief der Hatzfeldt. Ich hatte ihr durch Liebknecht bei

» ihrer Ankunft in Berlin ein kurzes Kondolenzschreiben meiner-
seits zustellen lassen. Liebknecht schrieb mir, daß sie klage, „ich
habe den Lassalle im Stich gelassen“, als ob ich dem Mann einen
bessern Dienst hätte erweisen können, als das Maul zu halten und
ihn gewähren zu lassen. (In seiner letzten Rede vor den Düssel-

„ dorfer Assisen spielte er den Marquis Posa mit dem schönen Wil-
helm als Philipp II., den er zur Aufhebung der jetzigen Verfas-
sung, Proklamation des allgemeinen direkten Wahlrechts und
Allianz mit dem Proletariat führen wollte.) Du siehst, was hinter
ihrem Brief steckt und was sie von mir will, Ich habe ihr sehr

„ freundlich, aber dennoch diplomatisch abwehrend geantwortet.
Der moderne Erlöser! Die Person und die Syvkonhanten. die sie
umgeben, sind toll.

Apropos! Durch Zufall fielen mir ein paar numbers von
E. Jones’ „Notes to the People“ (1851, 1852) wieder in die Hand,

ı die, soweit die ökonomischen Artikel gehn, in den Hauptpunkten
direkt unter meiner Leitung und zum Teil auch mit meiner direk-
ten Mitarbeit geschrieben wurden. Well! Was finde ich darin?
Daß wir damals gegen die Kooperativbewegung, soweit sie in ihrer
jetzigen bornierten Form als ein Letztes gelten wollte, dieselbe

a Polemik führten — nur besser —, die Lassalle gegen Schlulzel-

Delitzsch 10—12 Jahre später in Deutschland führte.

Lassalle hat testamentarisch den Bernhard Becker — den un-
glücklichen Kerl, der eine Zeitlang Juchs Redakteur des „Her-
mann“ war — „testamentarisch““ (wie ein regierender Fürst) zu

ı seinem Nachfolger in der Präsidentenwürde des Allgemeinen

13*
        <pb n="240" />
        196 —_

Deutschen Arbeitervereins „eingesetzt“, Der Kongreß des Ver-
eins kommt diesen Monat in Düsseldorf zusammen und soll große
Opposition gegen diese testamentarische „Verfügung“ bestehn.

Einliegend auch Brief von einem Arbeiter in Solingen, Klings,
dem geheimen Leiter, in der Tat, der rheinischen Arbeiter (früher
Mitglied des Bundes). Diesen Brief schick nicht zu-
rück, heb aber auf in den Akten.

2. Workingmens International Association.

Vor einiger Zeit hatten Londoner Arbeiter an Pariser Arbeiter
Adresse wegen Polen geschickt und sie zum gemeinschaftlichen zo
Handeln in dieser Sache aufgefordert.

Die Pariser schickten ihrerseits Deputation her, an der Spitze
ein Arbeiter Namens Tolain, der eigentliche Arbei-
terkandidat bei der letzten Wahl in Paris, ein sehr
netter Kerl. (Auch seine compagnons waren ganz nette Burschen.) z
Für 28. September 1864 wurde Public Meeting in St. Martins
Hall ausgeschrieben von Odger*) (Schuster, Präsident des hiesigen
Council of all London Trade’s Unions und speziell auch der Tra-
de’s Unions Suffrage Agitation- Society, die mit Bright in Ver-
bindung ist) und Cremer, Mason und Sekretär der Masons Union. 20
(Diese zwei Leute hatten das große Meeting der Trade Unions
unter Bright für North America in St. James Hall zu Stande ge-
bracht, ditto die Garibaldi Manifestations). Ein gewisser Le Lu-
bez wurde zu mir geschickt, ob ich pour les ouvriers allemands
Anteil nehme, speziell einen deutschen Arbeiter als Sprecher für 2;
das Meeting etc. liefern wollte. Ich lieferte den Eccarius, der sich
famos herausbiß, und ich assistierte ditto als stumme Figur auf
der Platform. Ich wußte, daß sowohl von der Londoner als Pa-
riser Seite diesmal wirkliche „Mächte“ figurierten, und beschloß
deswegen, von meiner sonst stehenden Regel, to decline any such z
invitations, abzustehn.

(Le Lubez ist ein Junger Franzos, d. h. in den 30* Jahren,
der aber in Jersey und London aufgewachsen, famos Englisch
spricht und sehr guter Vermittler zwischen den französischen und
englischen Arbeitern.) (Musiklehrer und Legcons of French.) x

Auf dem Meeting, das dicht bis zum Ersticken besetzt
war (denn there is now evidently a revival of the working classes
taking place) repräsentierte Major Wolff (Thurn-Taxis,” Gari-
baldis Adjutant) the London Italian Workingmens Society.
Es wurde beschlossen die Stiftung einer „Workingmens Internatio- 49
nal Association‘, deren General Council in London sitzen und
die Arbeiter societies in Deutschland, Italien, Frankreich und Eng-
land „vermitteln“ solle. Ditto sollte 1865 Allgemeiner Working-

1) Im Orig. Odgers

2) Im Orig. Turn-Taxis

(876) 1864 Nov. 4
        <pb n="241" />
        Tafel VII

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Marx an Engels, 4. November 1864
(es S. 196)
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        <pb n="243" />
        (876) 1864 Nov. 4

197

mens Congress nach Belgien berufen werden. Auf dem Meeting
wurde Provisional Committee ernannt, Odger*), Cremer und viele
andre, zum Teil alte Chartisten, alte Oweniten usw., für England,
Major Wolff, Fontana und andre Italiener für Italien, Le Lubez

; ete. für Frankreich, Eccarius und ich für Deutschland. Das Com-

mittee wurde befugt, beliebig viel Leute zuzuziehn.

So far so good. Der ersten Sitzung des Komitees wohnte ich
bei. Es wurde Subkomitee (wobei ich auch) ernannt, um De-
claration des Principes und provisorische Statuten aufzusetzen.

vo Unwohlsein verhinderte mich, der Sitzung des Subkomitees und
der darauf folgenden Sitzung des Gesamtkomitees beizuwohnen.

Es hatte sich in diesen zwei Sitzungen — des Subkomitees und
der darauf folgenden des Gesamtkomitees —, von denen ich ab-
wesend war, folgendes ereignet:

3 Major Wolff hatte das Reglement (Statuten) der ita lieni-
schen Arbeitervereine (die zentrale Organisation be-
sitzen, aber, wie sich später herausstellte, wesentlich assozlierte
Benefit societies sind) eingereicht zur Benutzung für die neue As-
soziation. Ich sah das Zeug später. Es war evidently ein Mach-

» werk von Mazzini, und Du weißt daher im voraus, in welchem
Geist und in welcher Phraseologie die wirkliche Frage, die Ar-
beiterfrage, behandelt war. Auch wie die Nationalities eingescho-
ben wurden.

Außerdem hatte ein alter Owenite Weston — jetzt selbst manu-

® facturer, ein sehr liebenswürdiger und braver Mann — ein Pro-
gramm aufgeseizt, voll der äußersten Konfusion und von unsäg-

licher Breite.

Die folgende allgemeine Komiteesitzung beauftragte das Sub-
komitee, das Westonsche Programm umzumodeln, ditto die Wolff-
z schen Regulations. Wolff selbst reiste ab, um dem Congress der
Italian Workingmens Associations in Neapel beizuwohnen und sie
zum Anschluß an die Londoner Zentralassoziation zu bestimmen.
Abermalige Sitzung des Subkomitees, der ich wieder nicht bei-
wohnte, da ich von ihrem Rendezvous zu spät unterrichtet ward.

25 Dort wurde „une declaration des principes‘“ und Umarbeitung der
Wolffschen Statuten von Le Lubez vorgelegt und vom Subkomitee
für Vorlage an das Gesamtkomitee angenommen, Das Gesamt-
komitee tagte.am 18. Oktober. Da Eccarius mir geschrieben, daß
periculum in mora, erschien ich und war wahrhaft erschrocken,

u als ich den guten Le Lubez ein schauderhaft phraseologisches,
schlechtgeschriebnes und ganz und gar unreifes Preamble, preten-
ding to be a declaration of principles, verlesen hörte, wo der Maz-
zini überall durchguckte, überkrustet mit den vagsten Fetzen von

Französischem Sozialismus. Außerdem war das italienische Regle-

= 1) Im Orig. Odgers
        <pb n="244" />
        198

(876) 1864 Nov. 4
ment im Großen und Ganzen aufgenommen, das, von allen andern
Fehlern abgesehn, in der Tat etwas ganz Unmögliches bezweckte,
eine Art Zentralregierung (natürlich mit Mazzini im Hintergrund)
der europäischen Arbeiterklassen. Ich machte gelinde Oppo-
sition, und nach langem Hin- und Herreden schlug Eccarius vor,
daß das Subkomitee von neuem die Sache seiner „Redaktion“
unterwerfen sollte. Die „Sentiments‘“, enthalten in Lubez’ decla-
tation, wurden dagegen votiert.

Zwei Tage später, am 20. Oktober, versammelten sich Cremer
für Engländer, Fontana (Italien) und Le Lubez in meinem Hause. ı
(Weston war verhindert.) Ich hatte die Papiere (Wolffs und des
Le Lubez) bisher nicht in der Hand gehabt, konnte also nichts vor-
bereiten; war aber fest entschlossen, daß womöglich not one single
line von dem Zeug stehn bleiben sollte. Um Zeit zu gewinnen,
schlug ich vor: bevor wir das Preamble „redigierten“, sollten ıs
wir die rules „diskutieren“. Das geschah. Es war 1 Uhr Mitter-
nacht, bist die erste von 40 rules angenommen war. Cremer sagte
(und das bezweckte ich): wir haben dem Komitee, das
am 25. Oktober tagen soll, nichts vorzulegen. Wir müssen es ver-
tagen bis 1. November. Dagegen kann das Subkomitee zusammen. =
kommen am 27. Oktober und suchen, ein definitives Resultat zu
erreichen. Dies wurde angenommen und die „Papiere“ mir zur
Ansicht „hinterlassen“.

Ich sah, daß es unmöglich war, etwas aus dem Zeug zu machen.
Um die höchst sonderbare Art, worin ich die bereits „votierten 2
Sentiments“ zu redigieren bezweckte, zu rechtfertigen, schrieb
ich An Address to the Working Classes (was nicht
im ursprünglichen Plan; a sort of review of the adventures of the
Working Classes since 1845) ; unter dem Vorwand, daß alles Fak-
tische in dieser Adresse enthalten, und daß wir dieselben Sachen zo
nicht dreimal sagen dürften, veränderte ich das ganze Preamble,
schmiß die declaration des principes heraus und endlich setzte an
die Stelle der 40 rules 10. Soweit in der Adresse International
Politics vorkommt, spreche ich von countries, nicht von nationali-
Hies und denunziere Rußland, nicht die minores gentium. Meine z
Vorschläge alle angenommen vom subcomit&amp;, Nur wurde ich ver:
pflichtet, in das Preamble der Statuten zwei „duty“ und „right“
Phrasen, ditto „truth, morality and justice“ aufzunehmen, was
aber so placiert ist, daß es keinen Schaden nicht tun kann.

In der Sitzung des Generalkomitees wurde meine Adress etc. x
mit großem Enthusiasmus angenommen ( unanimously). Die De-
batte über die Druckweise etc. findet nächsten Dienstag statt. Le
Lubez hat eine Kopie der Adresse zur Übersetzung ins Franzö-
sische und Fontana eine zur Übersetzung ins Italienische. (Zu-
nächst ist ein Wochenblatt, called Beehive (redigiert von dem «s

Pin
        <pb n="245" />
        (876) 1864 Nov. 4
Trades Union Potter), Art Moniteur.) Ich selbst.soll das Zeug
ins Deutsche übersetzen.

Es war sehr schwierig, die Sache so zu halten, daß unsre An-
sicht in einer Form erschien, die sie dem jetzigen Standpunkt der

; Arbeiterbewegung acceptable machte. Dieselben Leute werden in
ein paar Wochen Meetings mit Bright und Cobden für Stimmrecht
halten. Es bedarf Zeit, bis die wiedererwachte Bewegung die alte
Kühnheit der Sprache erlaubt. Nötig fortiter in re, suaviter in
modo. Sobald das Zeug gedruckt, erhältst Du es.

3. Bakounine läßt Dich grüßen. Er ist heute nach Italien,
wo er wohnt (Florenz), abgereist. Ich sah ihn gestern wieder
zum erstenmal nach 16 Jahren. Ich muß sagen, daß er mir sehr
gefallen hat und besser als früher. Er sagt mit Bezug auf die pol-
nische Bewegung: die russische Regierung habe die Bewegung

w# gebraucht, um Rußland selbst ruhig zu halten, aber keineswegs
auf 18-monatlichen Kampf gerechnet. Sie habe daher die Ge-
schichte in Polen provoziert. Polen sei gescheitert an zwei Dingen,
am Einfluß von Bonaparte und zweitens am Zögern der polnischen
Aristokratie, von Anfang an Bauernsoz zalismus offen und

» unzweideutig zu proklamieren. Er (Blakounine]) werde sich jetzt,
nach dem Fall der polnischen Geschichte, nur noch an sozialisti-
scher Bewegung beteiligen.

Im Ganzen ist er einer der wenigen Leute, die ich nach 16 Jah-
ren nicht zurück, sondern weiter entwickelt finde. Ich besprach

» auch mit ihm die Urquhl[artischen] Denunciations,. (Apropos! Die
Internationale Assoziation wird mich wohl mit diesen Freunden
in Bruch bringen!) Er erkundigte sich sehr nach Dir und lupus.
Als ich ihm den Tod des letztern mitteilte, sagte er sofort, die Be-
wegung habe einen unersetzlichen Mann verloren.

4. Krise. Auf dem Kontinent noch lang nicht ausgebrannt
(speziell France). Übrigens ersetzen die Krisen jetzt durch
Häufigkeit, was ihnen an Intensivität fehlt.

Salut. Dein K. M.

199

f

877. Engels an Marx; 1864 November 7.
Manchester, 7. November 1864.
Lieber Mohr.

Deine friesische Auflösung ist bis auf ein Wort ganz richtig.
Kimmang heißt nord friesisch: Blick, Auge; diese Nordfriesen
sind spekulativer Natur und haben den inneren Horizont an

o Stelle des äußeren gesetzt, wie Wagener‘) jetzt einen „inneren
Düppel“ verlangt. Es ist ein alter Matrosenspruch.
1) Im Orig. Wagner
        <pb n="246" />
        200

(877) 1864 Nov. 7
Inliegend die Geschichten von der Herwegh und der Hatzfeldt
zurück. Was ist das für eine weitere Provokation, von der Du
sprichst, die Lassalle dem Walachen zugefügt und die Emma
unterschlagen? Der Lassalle] ist offenbar daran kaputt gegangen,
daß er das Mensch nicht sofort in der Pension aufs Bett geworfen
und gehörig hergenommen hat, sie wollte nicht seinen schönen
Geist, sondern seinen jüdischen Riemen. Es ist eben wieder eine
Geschichte, die nur dem L[assalle] passieren konnte. Daß er den
Walachen zum Duell zwang, ist doppelt verrückt,

Die Idee der alten Hatzfeldt, Du solltest dem modernen Er- 1
löser eine Apotheose schreiben, ist doch gar zu gut.

Der Brief von dem Solinger Arbeiter lag nicht bei.

Auf die Adresse an die Arbeiter bin ich begierig, es muß ein
wahres Kunststück sein, nach dem, was Du mir von den Leuten
schreibst. Es ist aber gut, daß wir wieder in Verbindung mit %
Leuten kommen, die wenigstens ihre Klasse repräsentieren, das ist
am Ende doch die Hauptsache. Gut besonders der Einfluß auf
die Italiener, da ist doch Chance, daß dem Dio e popolo unter
den Arbeitern endlich ein Ende gemacht wird — dem braven
Giuseppe wird das unerwartet kommen. Übrigens vermute ich, %
daß diese neue Assoziation sich sehr bald spalten wird in die
‘heoretisch bürgerlichen und theoretisch proletarischen Elemente,
sobald die Fragen etwas präzisiert werden.

Wegen Lupus’ Nachlaß hatten wir heute morgen Zusammen-
kunft beim Advokaten. Die für Dich noch überbleibende Summe %
wird etwas über £ 200 ausmachen, sobald ich das Geld habe,
schicke ich Dir den größten Teil davon. Wir wissen noch einzelne
Details nicht genau, können also noch nicht definitiv abschließen.
Die Steuerbehörde verlangt eine Liste der sämtlichen Bücher,
auch Wertangabe der Uhr, die L[upus] hinterlassen. Sei so gut z
und schick mir so ein Ding, die größeren Sachen namentlich,
nachher: so many Pamphlets etc, alles in one clump.

Ich muß schließen, da ich in die Direktorialsitzung der
Schilleranstalt muß, wo ich, wie Du weißt, Herrn Borchardt zum
Ärger Präsident bin. Das Bier ist glücklich eingeführt. 8

Viele Grüße an Deine Frau und die Mädchen.

Dein F. E.

578. Engels an Marx; 1864 November 9.
Manchester, 9, November 1864.
Lieber Mohr,
Inliegend auf Rechnung der Erbschaft weitere 200 Pfund in
2/2 Banknoten ä 100 Pfund. Wenn es gut geht, werden noch ca.

Et

f
        <pb n="247" />
        (878) 1864 Nov. 9
£ 40 herauskommen. Sobald Du mir den Empfang telegraphisch
anzeigst, schick” ich Dir die andern beiden Hälften.

Die Dagblätter mit dem berühmten Artikel wirst Du erhalten
haben, Leider konnte ich die 2. Abteilung des Artikels nicht fin-

5 den, es steht aber nicht viel drin.

Die Sache bei Richmond scheint sich dem Ende zu nähern.
Solange indes Lee nicht genötigt wird, sich auf die reine Defen-
sive zu beschränken, also namentlich auch alle Truppen aus dem
Shenandoahtal an sich zu ziehen, und solange Richmond nicht

vollständig zerniert ist, hat alles Vorrücken Grants gegen
die Werke von Rlichmond] oder Petersburg wenig zu sagen. Es ist
wie bei Sewastopol, wo auch keine Zernierung stattfand. — Mich
soll wundern, was Monsieur de Beauregard machen wird, wahr-
scheinlich nicht mehr als Hood vor ihm, wenn so viel. Ich habe
# auf diesen vielgepufften Helden nicht das geringste Vertrauen,

Ich schicke Dir den gestrigen Guardian, woraus Du den Be-
richt des Relief Komitees ansehn mußt, um zu sehn, welch ein
Unterschied zwischen den ateliers nationaux des Herrn Marie und
denen der Herren Engländer besteht. Bei ersteren wurden Ar-

„ heiten von zweifelhaftem Nutzen gemacht, aber der größte Teil
des ausgegebnen Geldes floß doch in die Hände der arbeitslos ge-
wordenen Arbeiter. Hier werden ebenfalls Arbeiten von zweifel-
hafter Notwendigkeit (aber schließlich sicherm Nutzen für die
Bourgeois) gemacht, aber von £ 230000 fließen bloß £ 12100

» in die Hände der factory operatives, für die die ganze Summe be-
stimmt war (nämlich bloß, was für „unskilled labor“ angesetzt
ist). Der Act for the relief of the distressed factory operatives
wird also verwandelt in einen for the relief of the undistressed
middle classes, die dabei an Kommunalsteuern sparen.

Viele Grüße.

Dein F.E.

201

30
. ENotiz von Marx: ]
Schick mir diesen Brief zurück, da ich ihn wegen der Schluß-
Lemerkung aufhebe.

879. Marx an Engels; 1864 November 14.
14. November 1864.
Lieber Engels,
Ich habe beinahe 8 Tage in Folge des Karbunkels großenteils
im Bett zubringen müssen. Die Sache ist jetzt im Zuheilen.
ı Jedoch geniert mich, da der Karbunkel grade unter der Brust,
das beim Schreiben nötige Vorbiegen des Ohberkörpers noch. Da-
her in aller Kürze:

Am Ale
        <pb n="248" />
        (879) 1864 Nov. 14

1. Schick mir die einliegenden Briefe an mich zurück
{sowohl von Schweitzer als Liebknecht) und antwort mir um-
zehend, da die Leute unsre Antwort möglichst bald haben
müssen,

Meine Ansicht ist, daß wir gelegentliche Beiträge für dann
und wann versprechen. Es ist wichtig für uns, ein Organ in
Berlin zu haben, namentlich wegen der Gesellschaft, die ich in
London mitgestiftet, und wegen des Buchs, das ich herausgeben
will. Es ist ferner wichtig, daß wir gemeinsam tun, was
wir tun. 2

Stimmst Du mit mir überein, so kannst Du ein paar Zeilen an
mich für die Vögel einlegen oder in ein paar Zeilen sagen,
was ich in Deinem Namen erklären soll.

2. In ein paar Tagen wirst Du die Address nebst Provisional.
rules etc, erhalten. Die Sache war nicht ganz so schwierig wie Du 1
meinst, weil.man immer mit „Arbeitern“ zu tun hat. Der einzige
literary man in der Gesellschaft ist der Engländer Peter Fox,
Schriftsteller und agitator, einer der Leute zugleich vom „Natio-
nal Reformer“ (Atheismus, aber Anti-Holyoake). Ich schicke Dir
dies sehr freundliche Billet, das er mir über die Address hat zu- 20
kommen lassen. Mazzini ist rather disgusted, daß seine Leute
mitunterzeichnen, mais il faut faire bonne mine A mauvais jeu.

3. Deine Sache vom Guardian mir sehr wichtig. Ich hatte
die Schweinerei schon, aber nur mühvoll fragmentarisch, aus den
Factory Reports zusammengestellt. 20

4, Erhalten vom Manchester Solieitor zwei zu unterschreibende
etc. copies. Ich schicke Dir in 1—2 Tagen die Copies mit Signa:
tur, zugleich mit Aufzählung (Inventar) etc., das Du dann ein-
schreiben mußt. Ich kann natürlich das Zeug, das wir in der
Wohnung ließen ete., nicht mehr aus dem Kopf rezitieren und z
taxieren. N

Der alte humbug Mc Culloch ist tot. Ich hoffe, daß’ das British
Museum seine Economical Library aufkauft. Aber Edinburgh
kommt wohl zuvor.

Salut.

202

38
Dein
K. M.
Eben fällt mir der Brief von P. Fox in die Hand, den ich ein-
lege und den Du gefälligst zurückschickst, sobald Du Zeit gehabt,
Ihn durchzusehn.
        <pb n="249" />
        '880) 1864 Nov. 16

203

380. Engels an Marx; 1864 November 16.
Manchester, 16. November 1864.
Lieber Mohr,
Freut mich, daß der Karbunkel glücklich auf der Heilung ist.
Hoffentlich der letzte. Aber iß Arsenik.
Die Empfangsanzeige des liebenswürdigen Privatsekretärs mit
Dank erhalten.
Inliegend ein paar Zeilen für den Schweitzer. Es ist sehr gut,
daß wir wieder ein Organ bekommen, und sehr gut, daß Lieb-
o knecht (wenn er sich nur keine Illusionen macht) Mitredakteur
wird; das gibt doch schon gewisse Carantieen. Indes tun wir doch
besser, unsern Eifer nicht sehen zu lassen, denn 1. ist Lliebknecht]
kein Diplomat und kann man auf seine clairvoyance nicht zu sehr
rechnen, 2. wird die Gräfin in dem Blatt vor allen Dingen vorn,
« hinten und in der Mitte die bewußte „Apotheose“ vorherrschen
lassen wollen, und 3. müssen wir doch erst wissen, an wen die
Leute sich sonst gewandt haben, Du weißt vielleicht besser Be-
scheid als ich, aber in den Briefen Lliebknecht]s, die Du mir
geschickt, ist weder von dem Blatt noch von diesem Schweitzer je
» die Rede gewesen und bin ich also sehr stark im Unklaren. Des-
wegen hab” ich um Aufklärung gebeten. in wessen Gesellschaft
wir figurieren werden.
Man könnte ja Herrn Karl Grün oder solches Gelichter zur
Seite haben.
x Aber welch ein Sautitel: Der Sozialdemokrat! Warum nennen
die Kerle das Ding nicht gradezu den Proletarier?
Die Papiere inliegend mit Dank zurück. Warum schickst Du
den versprochnen Solinger Brief nicht?
Aus dem Emma Herweghschen Blödsinn fällt mir noch folgen-
w der Versuch ein, den Lassalle zum Halbgott zu machen: nur seine
enorme Natur habe ihn so lange am Leben gehalten, jeder Andre
sei in 2 Stunden nach der Verwundung krepiert — nun frage doch
gelegentlich mal Allen über den Verlauf einer Bauchfellentzün-
dung (peritonitis) in Folge einer Wunde, wo Du hören wirst, daß
» in 2 Stunden die Entzündung noch so gut wie garnicht eingetreten
ist und fast nie unter 24 Stunden, meist erst später. tötet. Das
sind die wahren Leut zum Vergöttern.
Schaaffhausen in Bonn hat einen hübschen Vortrag über Men-
schen und Affen gehalten, darauf hingewiesen, daß die asiati-
© schen Anthropoiden wie die dortigen Menschen rundköpfig, die
afrikanischen aber beide langköpfig seien, und bemerkt dazu,
daß dies beim jetzigen Stand der Wissenschaft das stärkste Argu-
ment gegen. die Einheit des Menschengeschlechts sei. Das hätte

j

7 9394.

2027
        <pb n="250" />
        (880) 1864 Nov. 16
mal einer in England in einer Naturforscherversammlung sagen
sollen!

Sehr schön ist es, wie der Müller und der Pfaff Kappell
noch am Galgen die Sorte Kinkel, Juch &amp; Co. blamiert haben, So
etwas Absurdes wie das Benehmen dieser Kerls ist mir lange nicht ©
vorgekommen. Aber Gottfried hat Glück mit den Leuten, für die
er auftritt. Erst Macdonald, dann Müller. Diese Wichtigtuerei
der Herren hat auch sofort den Kohl veranlaßt, dem andern Bur-
schen im Themseschilf den Hals abzuschneiden. Paß auf, sie
werden bei dieser Gelegenheit auch wieder ein ganzes Schock ıo
mare’s nests entdecken.

Beste Grüße an die Deinigen.

204

Dein F. E.

381. Marx an Engels; [1864] November 18.

Dear Fred,

1. Ich schicke das Zeug für den Solicitor. Du mußt das an-
liegende Inventar kopieren und sonst nach Deinem Sinn zurecht
machen.

2. Ad vocem Solingen. Ich hatte den Brief ready hin- zo
gelegt bei meiner Sendung des vorletzten Briefpakets an
Dich und ward „seitdem nicht mehr gesehn“. Ich vermute, daß er
sich in ein Heft verkrochen hat und will turn up einen schönen
Morgen.

3. Ad vocem Schweitzer. 25

Ist Dr. juris, früher in Frankfurt a. M. Publizierte 1859 kon.
fuses Pamphlet gegen Vogt. Später einen Sozialroman, mir
unbekannt. Erklärte sich sehr lebhaft für Lassalle. Später, noch
bei Lebzeiten L[assalle]s, während Aufenthalt zu Berlin, lernte er
bei Liebknecht verschiedne unsrer Sachen kennen und ließ mir z
schon damals durch Lieb[knecht] sagen, wie erstaunt er sei, daß
alles, was ihm an Lass[alle] gefallen, Plagiat,

Ich habe geschrieben, wie Du, über die Anzei ge der Mit-
arbeiterschaft. Habe dem Liebknecht zugleich, zum etwaigen
Inserat in der Zeitung, deutsche Übersetzung der Adresse des 3;
International Committee geschickt. (Heut oder Morgen erscheint
das Zeug und wird Dir zugeschickt.) ,

Was die Lassalle-Apotheose betrifft, so ist der von Esel Bruhn
(der zugleich immer durch nach wie vor Heinzens elucubra-
tions abdruckt) redigierte Hamburger Nordstern nach wie
vor dieser Angelegenheit ausschließlich gewidmet und kann der
„Social-Demokrat““ ihm darin schwerlich Konkurrenz machen.

18. November.

78

7 3— 11.

17 (Du)— 19
        <pb n="251" />
        205
Die alte Hatzfeldt scheint sehr enttäuscht über mein, jedoch
sehr zart und rücksichtsvoll gehaltnes Antwortschreiben auf ihren
„Versuch“. Sie hat seit der Zeit — geschwiegen.

Social-Democratist schlechter Titel. Doch muß man die

; besten Titel nicht gleich weggeben für vielleicht failures.

Wilhelm Liebk (necht] ist zweifelsohne großer Mann unter Ber-
liner Arbeitern, wie Du aus der Berliner Korrespondenz des Mor -
n[ing] Star ersehn kannst. Ich fürchte nur, er wird bald zum
Teufel gejagt.

4, Ad vocem Peritonitis, lese ich in Andral, Cli-
nique Medicale: „La Peritonite aigue..,. €h CPT-
jains cas un petit nombre d’heures s’6&amp;coulent entre l’&amp;poque de
P’invasion de la maladie et celle de la mort, tandis que d’autres
fois la peritonite toujours aigue par ses symptömes, ne devient

‚s mortelle qu’au bout de 30 ä 40 jours“.

Und unter der Rubrik:

„Peritonite par violence exterieure“ wird be-
handelt Fall eines Pariser Arbeiters, der Hufschlag eines Pferdes
auf den Bauch in der Gegend des Nabels erhielt. Wurde erst le

» surlendemain nach der Charite gebracht, „offre tous les symptö-
mes d’une phlegmasie aigue du peritoine (später bestätigt durch
ouverture du cadavre). Starb du 5-&amp;me au 6-Eme jour, und heißt
es unter den allgemeinen observations über diesen Fall: „jJusqu’au
dernier moment, on n’observe aucun trouble des facultes intellec-

2 tuelles et sensoriales.“

5. Einliegenden Denkzettel für Studiosus Blind in einem Sau-
blättchen, worin er sich selbst seit 1859 aufs eifrigste gepuflt
hat, bewahr sorg fältig auf. Dieser „Beobachter“ est le
„grand“ organe de la de&amp;mocratie Suabaise!

6. Professor Huber hat seinen „Arbeitstag“ mit about 100 Ar-
beitervereinen gehalten. Er konservativ in Politik, aber coopera-
tiv in Political Economy. Auf seinem Leipziger Tag kam es
beinahe zur „Verkeilung“ Hubers und seiner Genossen, indem
die große Majorität sich politisch „radikal“ erklärte.

3 7. In Manchester soll noch allerhand über die cottonfamine —-
ich meine in regard to the workingmen — Von dem dortigen Com-
mittee erschienen sein. Kannst Du mir das nicht verschaffen?

8. Ich habe immer noch Schmerzen beim Schreiben und Vor-
biegen mit der Brust. Daher dieser „.numerierte““ Brief.

Gruß an Gumpert,

Ditto an Madame Llizzyl. Dein K.M.

[Beilage: Liste über den Nachlaß von W. Wolff.]1
Silber watch . - 2 £
Books:
„Schlosser, Weltgeschichte

(881)_1864 Nov. 18

1 £ 10 sh.

7 8 (Ich)—25.

4245 —
        <pb n="252" />
        206
Schleiden, Studien .
Schiller’s Werke . 2 2
Duller, Geschichte des Deutschen
Volkes, .... .
Duncker, Geschichte . . .
Mommsen, Geschichte. ...
Schömann, Griechische Altertümer
Lange, Römische Altertümer. ..
Preller, Griechische Mythologie .
Nösselt, Weltgeschichte. . .
Völter, Geographie. .......
Mortimer-Ternaux, Histoire de la Terreur .
Arago, Astronomia Popularis
Müller, Physik. ... .
Baer, Magnetismus. . . . ;»
Figuier, Anneges scientifiques, 3 vol. .
Mignet, Revolution frangcaise
Egli, Handelsgeographie .
Ritter, Europa. . ...
Cotta, Geologische Briefe
Garrido, Spanien. ..... .
Freytag, Bilder aus dem Leben des
Volkes 2
Moleschott, LehrederNahrungsmittel.
Harting, Die Macht des Kleinen. . .
Grube, Biographien aus der Natur-
kunde . 000
Reisen des Marco Polo ......
Kiesselbach, Gang des Welthandels.
Jacobs, Hellas 2.204.000...
Smith, English Latin Lexicon ...
Rost, Griechisch-Deutsches Lexicon.
Giebel, Säugetiere. .......
Tschudi, Tierleben der Alpenwelt
Freytag, Soll und Haben. . ..
Pauli, Bilder aus England .
Overbeck, Pompeji. ..2 20.0...
Gühl, Leben der Griechen und Römer.
Lau, Sulla. . 0.0.0.0...
Macaulay, History.of England
Frankenheim, Völkerkunde
Stieler, Handatlas . .... 2...
Berghaus, Physikalischer Schulatlas.
Spruner, Historischer Schulatlas.
Mosin, Dictionnaire

(881) 1864 Nov. 18
3 sh.
10 sh.
5 sh.
LS
10 sh.
5 sh.
3 sh.
5 sh.
4 sh. 10
5 sh.
5 sh.
10 sh.
3 sh.
1 sh. z5
5 sh.
5 sh.
2 sh.
3 sh.
2 sh. %
1 sh.

2 sh.
3 sh.
1 sh. 25

sh.
sh.
sh.
&amp; sh. 30
5 sh.
5 sh.
5 sh.
5 sh.
2 sh. ss
1 sh.
10 sh.
10 sh.

1 sh.
10 sh.
1 sh.

1 £ 10 sh.
5 sh.
5 sh.
u

fm I — 5
        <pb n="253" />
        (881) 1864 Nov. 18

207
10 sh.
55 Pamphlets . . +
102 Elementary schoolbooks
Das Zeug ist alles viel höher veranschlagt, als es beim Verkauf
realisieren würde bei den Verkaufspreisen der secondhandbooks
; in England. Dahingegen fehlt auch allerlei, was ich mich nicht
erinnere. So daß compensation stattfindet. Willst Du noch wegen
der sonstigen Hahseligkeiten was zusetzen, So tu’s.

82, Engels an Marx: 1864 November 22.
Manchester, 22. November 1864.
Lieber Mohr,

Heute empfange ich Inliegendes von Schweitzer. Herwegh und
Heß — schöne Gesellschaft. Wie die Sachen stehn und mit meiner
beschränkten Bekanntschaft mit den näheren Umständen, muß ich
Dir überlassen, dem Mann in unser Beider Namen zu ant-

 worten, da er umgehend bedient sein will. Der Moses!

Schick mir dann den Brief mit Bescheid zurück, was Du ge-
schrieben, und ich kann ihm dann nachträglich das Geschriebne
bestätigen.

Advokaten-Geschichten erhalten.

„Beste Grüße.
Dein

F. E.

883. Marx an Engels; [1864 November 24].
Lieber Frederick,
Einliegend Brief der alten Hatzfeldt, dessen umgehende
„ Rücksendung ich wünsche.

Einliegt auch der Brief des Solinger, der wieder aufgetaucht,
and des Schweitzer Brief.

Ich habe heute drei „Adressen“ an Dich geschickt, 1 für Dich,
1 für Gumpert, 1 für Ernst Jones. Wenn Du irgendwo mehre ver-

zo teilen kannst (gratis), so stehn sie zu Gebote.

Was den Schweitzer betrifft, so habe ich nicht ihm, sondern dem
Liebknecht geschrieben, daß die Gesellschaft uns beiden mißfällt,
wir aber for the nonce bonne mine ä mauvais jeu machen wollen,
sie aber sofort desavouieren, sobald sie Unsinn machen.

3 Ich frage auch, warum Bucher und namentlich Rodber vus
fehlt! m EN ' 4

Moses und Herwegh (übrigens noch Größen, verglichen mit
Blernhard] und Phlilipp] Becker, in a literary sense) sind übri-
gens in den Augen der Deutschen nicht so herunter wie in unsern.

Pu Ymm
        <pb n="254" />
        208 (883) 1864 Nov. 24
Jedenfalls kann man nicht, wie etwa bei Burschen wie Grün etc.,
offen sagen, daß sie Lumpen sind.

In aller Eile.

Salut.

Dein K. M.
Ich hatte eben langen Brief an die Alte zu schreiben, um mich
aus der mir zugemuteten Blindaffäre herauszuziehn.. Studiosus
Blind hatte natürlich die Gelegenheit nicht vorübergehn lassen,
sich aufzublähn, „Protest“ im Namen der Republik zu erlassen
und ein paar Stellen aus L[assalle]s Reden auszuwählen, die in
der Tat sehr eklig royalistisch sind. Auch ihr abzuraten von den x
steckbrieflichen Porträts ihrer Feinde.

884. Marx an Engels; [1864] November 25.

Dear Frederick,

Einliegend zurück W{[eydemeyer]s Brief (wie sonderbar, daß ı6
er mit dem der Gräfin zusammenfällt!) und Schweitzers Brief, den
ich vergessen hatte, gestern einzulegen.

Den „Ausschnitt“ muß ich noch halten.

Die Sache steht nun so:

l. hat der Blind, wie mir nach meinem Schreiben an Dich erst ze
zu Gesicht kam, durch den Dr. Bronner (natürlich anonym, aber
mit Datum Bradford; Brief natürlich geschrieben von
Blind selbst) eine Antwort in den „Schwäbischen Beobachter“
geschickt, worin er erstens nachweist, daß Blind die amerika-
nische Politik durch seinen Einfluß auf „sieben“ Millionen Deut- 25
schen in der Tat gemacht hat; zweitens die Frechheit hat zu sagen,
daß die Vogtaffäre durch allseitige Erklärungen beseitigt ist. Ich
habe also hier Anlaß zu antworten und auf die „Affdavits“ zu
verweisen, und gleichzeitig würde ein Auszug aus W [eydemeyer]s
Brief zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, erstens den Bllind]- ze
schen Einfluß auf Amerika enthüllen und zweitens für die alte
Gräfin eine Art Satisfaktion wegen Lassalle sein.

2, Der „Republikanische Protest“, den Blind vom
selben Datum nach St. Louis und nach Frankfurt a. M. und an
den Londoner „Hermann“ schickt, sind nur der allgemeinen Ten- z
denz nach identisch. In der Scheiße im „Hermann“ und
„Frankfurter Journal“, die ich suchen werde, Dir heute noch zu-
zuschicken, hat dieser badische Wirt die Stellen einfach zu-
sammengestellt, die uns selbst höchst fatal waren, während er
jenseits des Ozeans frecher ist und direkt drauflos lügt. 4

Aber dereigentliche „Point“ ist dieser, der für die Fabri-
kation seiner Flugblätter charakteristische „Point“: In dereuro-

25. November.

7 1—3

37 (Dir) 329
        <pb n="255" />
        209
päischen Ausgabe sagt er, daß der Protest von Amerikani-

schen und Europäischen Republikanern kommt, in

der amerikanischen Ausgabe fordert er die Amerikanische

Regierung auf zu protestieren. Hier haben wir den Hund in
; flagranti.

3. Da Lassalle tot ist und nicht mehr schaden kann, muß man
natürlich — soviel möglich, d. h., ohne sich selbst zu kompromit-
tieren — ihn gegen diese kleinbürgerlichen Canaillen verteidigen.

Mein Plan ist also der: zu antworten (kurz) in dem „Schwä-

oblischen] Beobachter“; 1. aufklärend über die „allsei-
tigen Erklärungen“ in der Vogtaffäre; 2. Auszug aus
Wleydemeyer]s Brief gebend über Blinds Einfluß in Amerika;
3. durch Vergleichung zwischen seiner europäischen und ameri-
kanischen Ausgabe des „Republikanischen Protests‘‘ den Kerl von
ı neuem bloßstellend; endlich 4. damit schließen, daß es not worth
while, den Lassalle gegen eine solche komische Figur zu vertei-
digen.
Wenn Dir dies recht scheint, so telegraphiere, da ich die Sache
dann Morgen abmache, um andrerseits auch Ruhe mit dem „alten
» Menschen“ zu haben. Ich habe ihr übrigens geschrieben, daß Las-
salle dadurch, daß er meine Denunziation gegen Blind im „Herr
Vogt“ nicht, trotz meiner dringenden und wiederholten Aufforde-
tung, an die große Glocke in Deutschland hing, selbst schuld ist
an diesem Tritt des Esels.

Salut. Dein K.M.

885. Marx an Engels; 1864 Dezember 2.

Dear Fred, 2. Dezember 1864.

Thanks for the „Guardian.“

Ich hatte E. Jones noch nachträglich ein paar copies der Adresse
geschickt und ihm dabei geschrieben, daß er das erste Stück wahr-
scheinlich von Dir erhalten. Er schreibt heute, daß er nichts von
Dir gesehn oder gehört habe. Seine Adresse ist 55, nicht 52 Cross
Street. Er schreibt, er werde, nach Schluß der Assisen, einen

; Zweigverein in Manchester unter seinen Bekannten stiften.

Kannst Du etwa die Adresse des Musikus Petzler (vielleicht
durch den Manchester Adreßkalender oder im Schillerverein)
auftreiben? Er hat viel Verbindung unter den Manchester Ar-
beitern und, ohne any intervention on your part, könnte ich ihn

wovon hier mit E. Jones in Verbindung bringen. Du hättest mir
nur die Adresse des Petzler zu schicken.

Das Schlimme bei solcher Agitation ist, daß man sehr bothered

wird, sobald man sich dran beteiligt. Z. B. jetzt galt es wieder

Marxy-Fngelas-Gesamtausgabe, III Abt. Bd. 3 14

Jr
        <pb n="256" />
        210

Adresse an Lincoln, und ich hatte wieder das Zeug aufzusetzen
(was viel schwerer als eine inhaltliche Arbeit) — damit die Phra-
seologie, auf die sich solche Sorte Schreiberei beschränkt, wenig-
stens sich distinguiert von der demokratischen Vulgärphraseolo-
gie. Glücklicher Weise macht Herr Fox die Polengeschichte, wozu
November 29, als Jahrestag der polnischen Revolution von 1830
den Anlaß gibt.

In dem Committee, da die Adresse für !” Lincoln an Adams zu
überreichen, wollte T ei1l der Engländer — da es customary sei —
die Deputation introduziert haben by a member of Parliament. ,
Mit der Majorität of English und der Einstimmigkeit der Konti-
nentalen wurde dies Gelüste niedergeschlagen und vielmehr er-
klärt, daß solche old English customs ought to be abolished. And-
rerseits: M. Le Lubez, als echter crapaud, wollte die Adresse nicht
an Lincoln, sondern to the American People adressiert haben. Ich ,;
habe ihn gehörig lächerlich gemacht und den Engländern ausein-
andergesetzt, daß die French Democratic Etiquette nicht einen far-
hing mehr wert sei als die Monarchical Etiquette.

Apropos! Es ist natürlich unmöglich, hier eine Bewegung ohne
Organ in der Presse zu haben. Es ist daher der Beehive 20
(Wochenblatt, Organ der Trades Unions) zum Organ der Gesell-
schaft erklärt worden. Durch ein Mißgeschick, das grade den
Arbeitern häufig, hat sich ein Lump, Georg Potter (der in der
Times in den Building Strikes als mouthpiece figurierte, aber
mit Artikeln, die nicht er, sondernandre geschrieben) , mit einer 2;
Clique von Aktionären — er ist manager — festgesetzt, die bis
jetzt die Majorität bilden, Es ist daher von dem Committee, dessen
englische Mitglieder meist Aktionäre (die Aktie beträgt nur 5 sh.
und Keiner kann mehr als 5 Stimmen haben, selbst wenn er 5000
Aktien besäße; also für jede Aktie 1 Stimme bis zu 5 als Maxi- -
mum) des Beehive, beschlossen worden, daß hier ein Aktien-
fonds von uns gestiftet wird, der uns befähigt, Aktionäre zu kreie-
ven und to swamp the old majority. Es ist mir lieb, wenn Du auch
einen Beitrag zu diesem Zweck lieferst. Die ganze Operation muß

natürlich unter den engern Freunden der Mitglieder des Comite „,
vor sich gehn, da sonst von der andern Seite rechtzeitig (d. h. vor
der nicht mehr fernen General Meeting of Shareholders) Gegen-
schritte geschehn würden.

Neben dem Hermann existierte hier ein andres Blättchen,
der Londoner Anzeiger des würdigen Buchhändlers und Juden %
Bender. Dies sucht sich zu entpuppen in Konkurrenzblatt des Her-
mann, da ein gewisser L. Otto von Breidtschwerdt, der sich jedoch
L. Otto als Schriftsteller nennt, die Redaktion übernommen. Direk-
ten Anteil werde ich kaum an der Sache nehmen, da ich am

1) Im Orig. von

(885) 1864 Dez. 2
        <pb n="257" />
        „Volk“ genug hatte, aber es ist gut, um Erklärungen, wie z. B.
die gegen Blind, sobald sie in den deutschen Zeitungen erschienen,
in London abgedruckt zu erhalten.

Jener Otto wurde zuerst mit Eccarius bekannt, auf dessen Vor-

‚ schlag er deutsches Mitglied des International Committee gewor-
den. Er ist ein Schwob’, ein geborner Stuckerter. Ganz junger
Kerl, about 27 or 28 J ahre. Gleicht sehr dem ältern Bruder meiner
Frau. Erst Kadett in der östreichischen Armee, wo er allerlei Spra-
chen gelernt hat und vielseitig kantoniert gewesen. Später in

„ Tübingen studiert. Er ist ein persönlich sehr netter, witziger Kerl
und von guten Manieren. Er hat noch allerlei Kleinschwäbisches
and Deutschdummes im Kopf. Mit alledem sehr guter fond und
Anlage. Aber zur Schriftstellerei scheint er mir mehr Hang als
Beruf zu haben, matt, doktrinär. Als Vermittler mit Süddeutsch-

„ land und speziell dem Schwobeland ist er gut. Schreibt auch von
Zeit zu Zeit in die Augs burger, was sich übrigens vom Vogt-

schen Standpunkt von selbst versteht.
Dem p. P- Klings schrieb ich, es sei schwer, aber auch ganz un-
nötig, zwischen Moses und Bernhard? zu entscheiden. Beide seien

„ ehrlich und beide unfähig. Im gegenwärtigen Augenblick sei es

Wurst, wer der Härr Präsident. In entscheidender Zeit würden
sich auch die nötigen „Laite“ einfinden.

Ich fürchte wahrhaftig, ich fühle wieder in der rechten Lende
einen beginnenden Karbunkel. Der Allen weiß von der Sache
‚; nichts, da ich mich seit einiger Zeit selbst behandelt habe. Käme
ich nun zu ihm von wegen der Arsenikgeschichte, die man doch
ohne Arzt nicht anfangen kann und auf die er vielleicht nicht ein-
mal eingeht, so machte er mich scheußlich herunter, daß ich so

lange hinter seinem Rücken karbunkelte!!
Yours K. M.

(885) 1864 Dez. 2

211

In seiner Antwort an den Schwobemayer (durch den Stroh-
mann Bronner) erklärt Blind, daß Lincoln und Fremont sich um
seine Stimme, als entscheidend für die election, gerissen haben.
In einer amerikanischen Zeitung, „Der Radikal Demokrat“. daß

„ Erdievolnische Revolution gemacht.
6. Marx an Engels: 1864 Dezember 8.
8. Dezember 1864.
Lieber Engels,
Du erhältst beiliegend
1. Free Press.
2. Schwäbischen „Beobac hter“.
1) Bernhard Becker
        <pb n="258" />
        212

(886) 1864 Dez. 8
(Mit dem letztern habe ich so viel erreicht, daß der Kerl wenig-
stens wieder den Ton der Ironie gegen Blind annimmt, während er
in Folge des von Bronner übersandten Briefs von den Blindschen
Renommistereien ( ich habe den Wisch an We ydemeyer ge-
schickt) so überstürzt war, daß er förmlich die Hörner einzog und
dem „ausgezeichneten Mann“ Komplimente schnitt. Übri-
gens ist der Redakteur — hine illae lacrimae — der von mir in
„Herr Vogt“ erwähnte „Schwatzschweifige Schwabe Karl Mayer“
und außerdem der Sohn des von Heine so unabläßlich verfolgten
Schwaben-Mayers.) 2

3. Einliegend Brief des roten Becker. Ich hatte nämlich eine
Kopie der Erklärung in die „Rheinische Zeitung“ geschickt.
Blecker]s Brief mußt Du mir remittieren.

Apropos Liebknecht. Er befindet sich Ende des Jahrs
natürlich sehr in der Klemme. Ich habe ihm verschiedne mal im gs
Lauf dieses Halbjahrs Geld geschickt und will jetzt, wo ich weiß,
daß die Not brennend, seiner Frau etwas schicken unter der F. orm
eines Weihnachtsgeschenks für die Kinder. Es wäre mir lieb,
wenn Du auch einen Beitrag gäbst. Nur mußt Du mir rasch schrei-
ben, da periculum in mora. Ich würde dann das Ganze an Frau %
Liebknecht gleichzeitig besorgen.

Salut.
Dein K. M.
887. Marx an Engels; 1864 Dezember 10.
10. Dezember 1864. 2;
Dear Fred,

My compliment to Mrs. Lizzy.

Du hattest mir Deine Private address schon früher gegeben,
aber nicht die „Firm“, unter der zu schreiben. Es ist mir lieb, sie
jetzt zu haben, da es manchmal wünschenswert, Dir on Saturdays x
paar Zeilen zu schicken.

Die 5 £ für Wilhelm wandern heute schon nach Berlin.

Den Becker hast Du nicht retourniert. Der Brief des „Roten“,
wie schlau er immer sich aus der Affäre herausgezogen zu haben
meint, ist ein document which one fine morning he may find to turn 3;
ap für nicht vorhergesehene Zwecke. Die alte Hatzfeldt wird übri-
gens sorgen, daß die Erklärung an den Mann kömmt.

What about Shermans expedition?

Apropos! Euer Poor House Purd y soll während der cotton-
famine ein höchst infames Aktenstück publiziert haben, worin er, g
gestützt auf das angebliche improvement der health der cotton
operatives, die Unterstützung auf ein Minimum herabzudrücken
empfahl, in Folge dessen famine diseases im East of Lancashire

Z. 6 (Übrigens) —10.
        <pb n="259" />
        213
ausgebrochen sein sollen. (Dies in den ersten Zeiten der cotton-

famine.) Weißt Du etwas davon? Und kannst Du überhaupt die

in Manchester auf die cottonfamine bezüglichen official papers

(des Comit&amp;€ etc.) mir verschaffen?

Lothario Bucher, den Lassalle zu seinem Testamentsexekutor
ernannt und 150 £ jährliche Rente hinterlassen, ist, wie Du wahr-
scheinlich schon weißt, ins BismarckscheLager übergetreten. Baron
Itzig selbst hätte vielleicht als „Arbeitsminister“ dasselbe getan,
Marquis Posa des Uckermärkischen Philipp I1., aber nicht in the

so small way of Lothario, mit dem die Hatzfeldt zerfallen ist und der
jetzt Hand schütteln kann mit Edgar Bauer und dem preußischen

Konsul in Mailand, Herrn R. Schramm. Die Preußen suchten für

den p-p. Sichramm] einen Posten, „wo ken Examen nich netig“.

Herr Rodbertus scheint mir auch „Beses‘“ im Schild zu führen,
ı denn er will die „soziale Frage gänzlich von der Politik
getrennt haben“, sicheres Anzeichen von Ministergelüsten,
Lumpenpack, all das Gesindel aus Berlin, Mark und Pommern!
Mir scheint zwischen Preußen, Rußland, Frankreich secret un-
derstanding für the war against Austria in next spring. Venetia
» wird natürlich den warcry hergeben. Die Östreicher benehmen sich
mit einer bodenlosen Feigheit und Dummheit. Das kömmt davon,
daß Franz Joseph sich selbst persönlich in die östreichische Politik
mischt. Bunl-Schauensteim ete., alle vernünftigen hommes d’&amp;tat,
müssen ’s Maul halten, und die russischen Agenten, solche noto-

» rische Kerls wie der jetzige östreichische Foreign minister, führen
's große Wort. Mit alledem wäre das östreichische Benehmen un-
erklärlich, wenn die Kerls nicht entweder perfiden preußischen
Versprechungen trauen oder die längst versprochne Schadloshal-
tung in der Türkei zu akzeptieren entschlossen sind.

„Was sagst Du über die tiefen Entdeckungen Collets — an der
Hand Urquharts — über Nebukadnezar und die Abstammung der
Russen von den Assyriern, und die weitre Entdeckung, die als
„Urquharts“ zitiert wird, daß in Italy the Pope is the only real
thing?

Der heutige „The Miner and Workman’s Advocate“

_— der Moniteur der Minenarbeiter in England und Wales —

bringt meine ganze Adresse. Die „Bricklayers“ von London (über

3000 men) haben ihren Beitritt zur Internationalen Assoziation

erklärt. Kerls, die bisher sich n ie einem movement anschlossen.

Letzten Dienstag war sub-committee Sitzung, wo Herr

Peter Fox (sein wirklicher Name ist P. Fox Andre) uns seine

Polenadresse vorlegte. (Diese Art Sachen werden immer vorher

im subcommittee verhandelt, bevor sie an das General Committee

kommen.) Die Sache ist nicht übel geschrieben. und Flox! hat

(887) 1864 Dez. 10

X
        <pb n="260" />
        (887) 1864 Dez. 10
sich bemüht, die ihm sonst fremde Reduktion auf „Klassen“
wenigstens tinkturmäßig anzuwenden, Sein eigentliches Fach ist
Foreign Policy, und nur als atheistischer Propagandamacher hat
er mit den Working Classes as such zu tun gehabt.

Aber so leicht es ist, bei den englischen Arbeitern das Ratio-
nelle durchzusetzen, so sehr muß man aufpassen, sobald Lite-
raten, Bürger oder Halbliteraten an der Bewegung partizipieren.
Fox wie sein Freund Beesley (Professor der Politischen Ökono-
mie an der Universität zu London, er präsidierte bei dem Stiftungs-
meeting in St. Martins Hall) und andre „Democrats‘“ haben, im x
Gegensatz zu dem, was sie nicht mit Unrecht die englische aristo-
kratische Tradition, und als Fortsetzung von dem, was sie die eng-
lische demokratische Tradition von 1791/92 nennen, fanatische
„Liebe“ für Frankreich, die sie, was Foreign Policy betrifft,
nicht nur auf Napoleon I., sondern selbst auf Boustrapa erstrek- ıs
ken. Well! Herr Fox, nicht zufrieden, in seiner Adresse (die übri-
gens nicht als eine Adresse der Gesamtassoziation, sondern als
Adresse desen glischen Teils über die Polish Question unter
Sanktion des Gesamtcommittees erscheinen soll) den Polen zu
sagen, was wahr ist, daß das französische Volk mit Bezug auf sie zo
bessre Traditionen hat als die Engländer, winds up his address
damit, daß er die Polen hauptsächlich vertröstet auf die von den
English Working Classes für the French Democrats eingetretene
Passion der Freundschaft. Diesem widersetzte ich mich und ent-
rollte ein historisch unwiderlegbares Tableau des beständigen Ver- 25
rats der Franzosen an Polen von Louis XV. bis Bonaparte II.”
Ich machte zugleich auf das durchaus Unpassende aufmerk-
sam, daß als „Kern“ der International Association sich die
Anglo-French - Alliance, nur in demokratischer Ausgabe, zei-
gen sollte. Kurz und gut, Fox’ Adresse ward vom subcommittee ze
angenommen unter der Bedingung, daß er den ta il meinen Vor-
schlägen gemäß ändre. Jung, der Swiss Secretary (aus der fran-
zösischen Schweiz) erklärte, daß er als minority im General
Council die Verwerfung der Adresse als altogether „„bourgeois“
beantragen werde. &amp;

Unser Major Wolff ist von den Piemontesen in die
Festung Alexandria eingesperrt, vorläufig.

Louis Blanc hat an den Generalsekretär Cremer ge-
schrieben, er billige die Adresse, bedaure, dem St. Martins Hall-
Meeting nicht haben beiwohnen zu können etc. Altogether bezweckt «
sein Brief nichts andres, denn als honorary member zugezogen zu
werden. Ahnend, daß Versuche der Art gemacht werden würden,
hatte ich jedoch glücklicherweise schon das by-law durchgesetzt,

1) Im Orig. Bonaparte II.

214
        <pb n="261" />
        215
daß Niemand (außer Arbeitersocie ties) invitiert werden
dürfe, und daß kein Mensch Ehrenmitglied sein könne,
Salut. Dein K. M.

(887)_1864 Doz. 10

Gumpert erhält Photographie, sobald er mir die längst ver-
; sprochne seiner Frau schickt.

388. Marx an Engels; 1864 Dezember22.
992, Dezember 1864.
Lieber Frederick,
In aller Eile. Schick’ mir Beckers Brief zurück. Ich hoffe, Du
‚o hast ihn nicht verloren.
Prost Neujahr!
Deu

K. M.

SE a
        <pb n="262" />
        1

3
ba

w

889. Marx an Engels; 1865 Januar 25.
25. Januar 1865.
Dear Frederick,

Einliegend Briefe

1. von Weydemeyer,

2. von Schily,

3. von Liebknecht. Ich muß alle 3 zurück haben,

4. von Schweitzer und 5. Wisch über Vogt, den ich auch
zurückwünsche. X

Zum Verständnis der Briefe 2 und 3 und 4 folgendes: Ich weiß
nicht, ob Du den „Social-Demokrat“ erhältst (oder Dich drauf
abonniert hast). (Sollte weder Eins noch das andre der Fall sein,
so kann Bender, der auf Spekulation 6 Nummern bestellt hat, Dir
immer eins von hier schicken). 1

In dem „Social-Deml[okrat]“ stand eine Korrespondenz
des Esels Moses Heß, worin er erzählte, wir hätten die L’Associa-
tion (Journal der Pariser Associations) angegangen, unsre Adresse
übersetzt zu bringen (umgekehrt hatte Massol das dem Schily an-
geboten) und sich unsrer Association anzuschließen; sie hätten 2
aber abgeschlagen, weil wir uns ursprünglich an Tolain gewandt,
die Plonplonisten seien. Tolain selbst habe das gestanden usw.

Ich fand diesen Wisch vor den Tag nach meiner Rückkunft von
Manchester. Schrieb also wütenden Brief nach Paris und Berlin.
Aus Schil[ys] und Schweit[zers] Brief folgt, daß das Ganze der %
(vielleicht mit etwas Malice gepaarten) Eselei des Heß und der
Eselei toute pure des Liebknecht geschuldet. .

Die Sache machte gestern großen Skandal im hiesigen Comite.
Le Lubez, ganz sicher für Tolain, erklärt das Ganze für Verleum-
dung, da Kerls wie Horn (Einhorn, Rabbiner) und der Seich- z
beutel Jules Simon („De la Libert6“) im Comite de l’Association.
Doch wurde auf meinen Antrag beschlossen, die 500 cards of
membership nicht nach Paris zu schicken, bevor Schily weiter be-
richtet von Paris.

Die Gesellschaft geht hier famos voran. Auf ihrer Soir&amp;e, wo z
ich nicht, about 1200 Personen (sie hätten 3mal mehr gehabt,
        <pb n="263" />
        217
wenn die Halle groß genug), was ungefähr 15 £ St. in unsren sehr
erschöpften Exchequer gebracht.

Von Genf ist Adhesionsschreiben gekommen und von different
parts of England.

Für die Polen findet im Laufe des Februar Meeting statt (be-
sonders um Geld für die neue Emigration zusammenzubringen,
weshalb auch Lo rd Townshend als chairman), veranstaltet von
der (englischen) Polish league, der hiesigen P olnischen Ge-
sellschaft und unsrer Assoziation.

Was sagst Du zu Lassalles, von Liebknecht geschildertem „Ver-
mächtnis“? Ist es nicht sein eigner Sickingen, der den Karl V.
dazu zwingen will, sich „an die Spitze der Bewegung zu stellen“?

Ich habe auf stürmisches Verlangen des Schweitzer (und auch
um gutzumachen, daß ich ihn, statt den Liebknecht, für den blun-

„ der im Social-Demokrat angeschnauzt) ihm gestern Artikel
über Proudhon geschickt. Du wirst darin finden, daß einige
sehr bittre Hiebe, angeblich dem P{roudhon] appliziert, unsrem
„Achilles“ auf den Buckel fallen und bestimmt waren.

Apropos! Jeder Sekretär unsrer Assoziation erhält nächste

» Woche ein Pack car ds of members hip (natürlich der „„Asso-
ziation“, nicht des „„Comit6s““), die er unterzubringen. (1 sh. für
jährliche Subskription, 1 d. für die card.) Du mußt ein paar in
Manchester absetzen. Viel wird’s nicht sein. Aber schreib mir,
how many ich ungefähr zu diesem Behuf schicken kann? Es ist

» in fact one of the ways and means of the Association,

My compliments to Mrs. Burns. Will she, perhaps, become a
member? Ladies are admitted.
Vaurs truly

f

K_ M.
9 P.S. Ich habe in Deinem Haus in Doverstreet ein paar Winter-
boots (Schuhe), ditto neugewircktes Strumpfpaar, also wohl
auch die 2 seidnen Schnupftücher gelassen. Ich erwähne das nur,
damit Du „gelegentlich“ Deinen Wirtsleuten ein wort drop’st und
sie sehn, daß ihnen aufgepaßt wird.

Professor Tyndall ” ist es gelungen, durch sehr ingeniösen Ver-
such die Sonnenstrahlen zu scheiden in einen Wärmestrahl,
der selbst Platina schmilzt, und einen kalten, ganz w ärme-
losen Lichtstrah l. Es ist dies one of the finest experiments
of our days.

P.S. IL

Liebknecht hat mir noch einen Zettel geschickt, worin die
Redaktion dringend um Beitrag von Dir bittet. Sie meine zunächst
entweder Yankee War oder die Preußische Armee-
SZ

1) Im Orig. Tindal

N

Fr 3U— A
        <pb n="264" />
        (889) 1865 Jan. 25
reform, da ihr Blatt von allen Standespersonen mehr gelesen
werde than any other Berlin paper.

Now, was den Yankee war betrifft, so hast Du mir schon er-
klärt, daß er nicht passe für den Soc[ial]-Demlokrat].

Wasdie preußische Armeereform angeht, so wäre das
Blatt sehr gut dazu. Question für mich nur diese: Würde Dich
die Explikation über diese F rage nicht in einen, in diesem Augen-
blick und in diesem Punkt unwünschenswerten, einseitigen Kon-
Aikt mit den Fortschrittlern stellen, da der König erklärt hat, er
werde in keinem Punkt nachgeben, also diese F rage allerdings zu 10
einem konstitutionellen Brennpunkt gemacht hat? Oder kannst
Du die Frage, im Einverständnis mit Deiner militärischen Ansicht,
so behandeln, daß Du Beiden auf den Kopf schlägst, was das
Wünschenswerte?

Jedenfalls, da ich jetzt dem Blatt directly einen Artikel (mit 26
meiner Unterschrift) zugesandt, kannst Du auch dort erscheinen.
Und sollst Du es tun, solange noch ein Organ da ist.

218

590. Engels an Marx; 1865 Januar 27.
Manchester, 27, Januar 1865.
Lieber Mohr,

Die Briefe schicke ich Dir morgen oder Sonntag zurück, da ich
diese schrecklichen Handschriften und blassen Dinten notwendig
bei hellem Tage lesen muß, ich konnte sie gestern Abend nur über-
fliegen.

Die Taktlosigkeit des Mosis (wobei sicher ein bißchen Scha- 26
denfreude des Haupts der Parte i), aber besonders die des
Liebknecht sind wirklich groß. Mich wundert übrigens, daß Letz-
terer nicht schon mehr derart Böcke geschossen, es war immer sein
forte.

Ich schicke den Kerls das kleine dänische Volkslied von dem 30
Tidmann, den der alte Mann auf dem Thing totschlägt, weil er den
Bauern neue Steuern auflegt. Das ist revolutionär und doch nicht
straffällig, und vor Allem, es ist gegen den Feudaladel, wogegen
das Blatt absolut auftreten muß. Ich mache ein paar des-

fallsige Bemerkungen dazu. Den Artikel über die Armeeorgani- 35
sation werde ich wahrscheinlich machen können, sobald ich die
neue Militärvorlage etc. habe, ich schreibe ihnen, daß sie mir das
schicken; dabei auch, daß ich ebensosehr gegen die Regierung —
past and present — wie gegen die Fortschrittler auftreten werde
und daß der Artikel ungedruckt bleiben muß, wenn sie Erste- 4
res nicht aufnehmen können. Was den amerikanischen Krieg an-
geht, so ist vielleicht später doch was darüber zu machen. Jetzt
        <pb n="265" />
        219
liegt kein Abschnitt vor, die Ruhe ist, um mit J. Grimm zu 5pre-
chen, „unorganisch“‘,
Der brave Lassalle entpuppt sich nach und nach doch als ein
ganz kommuner Schuft. Wir sind nie davon ausgegangen, die
; Leute zu beurteilen nach dem, was sie sich vorstellten, sondern
nach dem, was sie waren, und ich sehe nicht, warum wir bei Itzig
selig eine Ausnahme machen sollen. Subjektiv mag seine Eitelkeit
ihm die Sache plausibel vorgestellt haben, objektiv war es eine
Schufterei, ein Verrat der ganzen Arbeiterbewegung an die Preu-
o Ben. Dabei scheint der dumme Geck sich von Bismarck aber auch
gar keine Gegenleistung, gar nichts Bestimmtes, geschweige Garan-
tien ausbedungen zu haben, sich bloß darauf verlassen zu haben,
er müsse den B [ismarck] bescheißen, grade wie es ihm nicht feh-
len konnte, den Rakowitz totzuschießen. Ganz Baron Itzig. ;
Übrigens wird die Zeit nicht lange ausbleiben, wo €s nicht nur
wünschenswert, sondern not wen dig wird, diese ganze Sache zu
veröffentlichen. Uns kann das nur nützen, und wenn die Sache
mit dem Verein und dem Blatt in Deutschland sich hält, so muß es
sogar bald geschehn, die Legatarien des Kerls herauszuwerfen.
zw Indes wird das Proletariat in Deutschland bald sehn, was es an
Bismarck hat.
Viele Grüße an die ladies. Dein F. E.
Karten weiß ich nur ca. 1% Dutzend unterzubringen, will Jones
deshalb sehn. hab jetzt sehr viel Arbeit.

(890) 1865 Jan. 27

5

891. Marx an Engels; 1865 Januar 30.
30. Januar 1865.
Lieber Engels,

Tout d’accord. Was das Bedenken wegen der Konfiskation an-

geht, so mußt Du als Vorwort vor dem ersten Artikel ganz kurz
„ vorhersagen, daß Du erst die Sache vom militärischen Standpunkt
beleuchten, zweitens die Bürger kritisieren und drittens Reaktion
etc. und Stellung der Arbeiterpartei zur Frage etc., wobei in wen!-
ven Zügen ja schon die Tendenz gezeichnet oder angedeutet wer-
den kann. Dies wird der Regierung de prime abord die Konfiska-
tion erschweren. Tut sie’s doch, so ist dadurch der „Social-Demo-
krat“ in eine neue Phase geschleudert (denn die Kerls können jetzt
nicht konfiszieren ohne Freigebung des Konfiszierten oder Vor-
gerichtstellung), und zugleich mußt Du Dir Abschrift des Manu-
skripts von No. II halten. Es ist dann nichts leichter, als es in
1 eins der hiesigen 2 deutschen Blätter zu bringen und dann
copies davon nach Hamburg etc. zu schicken, wo dann ein oder das

andre Bourgeoisblatt die Sache sicher abdrucken wird.

7 3 (doch) —4. 8—9 (eine Schufterei) 14 (Ganz Baron Itzig).

1m (und)—20 (wird)
        <pb n="266" />
        (891) 1865 Jan. 30
Schily hat sich nach meiner Ansicht” von M. Heß düpieren
lassen. Es geht dies aus allen Episteln des Moses an den „Social-
Demokrat“ hervor. (Cf. f. i. die eben anlangende Nr. 15 des
„Social-Demokrat“, die überhaupt voll des ekelhaftesten „Lassal-
lianismus“. Die Herrn Iserlohner sprechen von „Lassalle-Lin-
coln“,) Der Moses ist unser O pp onent, hat uns weder die „Aus-
weisung aus Brüssel“, noch die „Verjagung von Köln“ vergessen
und hält dem Lassalle immer zugut, daß er den einem „Volks-
führer“ so notwendigen „Takt“ besaß, den M. Heß wichtig zu
nehmen. N

Übrigens hat der „Social-Demokrat“ dadurch, daß er „Das
Organ des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“, es sehr
schwer, aus dieser Apotheosensauce herauszukommen.

Da wir übrigens jetzt wissen, daß Itzig (was uns keineswegs in
dieser Weise bekannt war) die Arbeiterpartei an Bismarck x
verhandeln wollte, um sich als „Richelieu des Proletariats‘ be-
kannt zu machen, so werde ich jetzt auch keinen Anstand nehmen,
in der Vorrede in meinem Buch hinreichendklar anzudeu-
ten, daß er bloßer Nachbeter und Plagiarius ist.

Ob die „Gedichte“: „Wir wollen Lassalleaner sein“ und andrer 20
Blödsinn, den direkt die Arbeiter dem „Social-Demokrat“ zu-
schicken, nicht direkt oder indirekt von der alten Person? aus-
gehn? Jedenfalls habe ich der Redaktion schon einigemal schrift-
lich erklärt, daß dieser Unsinn by und by aufhören muß.

Was die Fortschrittler für Kerls sind, beweist von neuem ihr 2
Benehmen in der Koalitionsfrage, (En passant, das preußische
Antikoalitionsgesetz, wie alle kontinentalen Gesetze der Art, stam-
men her von dem Dekret der Assemblöäe Constituante

vom 14. Juni 1791, wo die französischen Bourgeois anything of
the sort, ja Arbeiterassoziationen jeder Art, sehr streng bestra- %
fen — z.B. Verlust des Bürgerrechts für ein Jahr — unter dem
Vorwand, daß dies Wiederherstellung der Zünfte sei
und der libert&amp; constitutionelle und den „droits de l’homme‘“
widerspreche. Es ist sehr charakteristisch für Robespierre, daß zu
einer Zeit, wo es guillotinenwürdiges Verbrechen war, „konsti- 26
tutionell“ im Sinn der Assemblöe von 1789 zu sein, alle ihre Ge-
setze gegen die Arbeiter aufrechterhalten blieben.)

Herr Bright hat sich hier in London wieder alles bei den Arbei-
tern verdorben durch sein speech gegen Anwendung der Zehnstun-
denbill auf die Birminghamer trades. Solch ein bourgeois ist doch «
incorrigible. Und dies tut der Kerl in einem Augenblick, wo er
durch die Arbeiter die Oligarchen schlagen will!

220

1) Im Orig. Absicht
2) Gräfin Hatzfeldt

Z id—ı9
        <pb n="267" />
        221
Apropos! Da sch schon zweimal dem „Social-Demokrat“ er-
klärt habe, sie müßten soviel wie möglich und so rasch wie mög-
lich von der kindischen „Apotheose‘“ ihr Blatt säubern, so schadet
es sicher nicht, wenn Du hei Übersendung Deines Artikels ähnliche
; Bemerkungen der Redaktion schreibst. Wenn wir unsre Namen
hergeben, so können wir aber auch verlangen, daß jetzt, wo.die
Leute den beabsichtigten Verrat Llassalle]s ken-
nen, sie nicht dazu beitragen, den Arbeitern Sand in die Augen
zu streuen, oder sich selbst zu Organen beliebigen Knotenblöd-
wo sinns zu machen.
Salut.

Dein K. M.
892, Marx an Engels; 1865 Februar.
1. Februar 1865.
Lieber Frederick,

Einliegenden Brief von Strohn mußt Du zurückschicken, zu-
gleich mir schreiben. was Du mit Bezug auf die Buchhändleraffäre
denkst.

Der „Siebold“ ist der Schaumweinsiebold, no doubt about that.
Ich fürchte in der Tat, daß er nicht nur meine Aufnahme seines

7 Begeistrungsschaums sehr trocken fand, sondern that he caught
some queer words at Gumpert’s door, as I told you at the time.
Jedenfalls ist es schön von dem Kerl und ganz charakteristisch
für Weinreisendepolitik, daß er von uns direkt zu Karl Blind geht
und als dessen messenger nach Hamburg läuft. Sollte Blind viel-

„ leicht auch eine Ordre für „Schaumweine“ gegeben und außer-
dem seine allergnädigste Protektion für die Abschäumerei zu-
gesagt haben? Ich hoffe zu Ehren des Weinschaums, daß Siebold
kein solcher venal Abschaum ist, obgleich es unverkennbar war,
Jaß, während das eine seiner Augen Begeistrung schäumte, das

„ andre Auge had an eye to business. Was Freiligrath angeht, so I
feel sure, daß er viel too cautious ist, irgendwie dem Blind seine
Mitarbeiterschaft (in partibus, versteht sich) öffentlich zu-
zusagen. However, I shall try to ascertain the fact. Jedenfalls ist
es sehr gut, daß Strohn dem Ruge und dem Blind so angenehm da-
„ zwischengefahren ist. Ich habe shm heute noch ein paar sarka-
stische, speziell für den Meißner bestimmte Randglossen über das
nohile par der feindlichen Brüder zukommen lassen.
Die englischen Brocken in meiner Epistel mußt Du damit ent-
schuldigen, daß gestern sitting of the council war, dauernd bis
w one o’clock. („Fluß “ und „Rauch“ sind ausgesc hlossen
von diesen „sittings‘“.) Erstens kam die Antwortsepistel von Lin-
coln, die Du Morgen vielleicht in Times, jedenfalls in Da ily
News und Star finden wirst. Während der Alte in der gestern

5

7 6 (jetzt)—7? (kennen) 24 (Sallte)—30
        <pb n="268" />
        222

(892) 1865 Febr. 1
im Evening Star gedruckten Antwort auf die London Eman-
cipation Society (wovon so Erlauchte wie Sir Charles Lyell und
der „Weltgeschichtliche“, alias „K. B(lind]“, Mitglieder) die
Kerls ganz trocken mit zwei formellen Phrasen abfertigt, wie er
Jitto getan hatte in seiner frühern Antwort an die Manchest er
Branche der Emancipation Society, — ist sein Schreiben an uns
in der Tat alles, was man beanspruchen konnte, und namentlich
auch die naive Versichrung, daß die United States sich nicht
direkt auf „Propagandism“ einlassen können. Jedenfalls ist es
bisher die einzige mehr als strikt formelle Antwort on the part of
‘he old man.

Zweitens war ein Deputierter der mit der „Literary So-
ciety““ verknüpften Polen (Aristokrate n) da, durch den diese
Herrn, mit Hinblick auf das bevorstehende Polenmeeting, feier-
lich versichern ließen, daß sie Demokraten seien, und ;;
daß jeder Pole jetzt Demokrat sei, da die Aristokratie zu sehr
zusammengeschmolzen, daß sie verrückt sein müsse, nicht
einzusehn, daß eine Restauration Polens ohne Bauernerhebung
unmöglich sei. Whether diese Kerls glauben, was sie sagen,
oder nicht, jedenfalls scheint die letzte Lektion nicht ganz frucht- 20
los an ihnen vorübergegangen zu sein.

Drittens kamen Erklärungen von verschiednen trades unions
über ihren Beitritt, Ditto von einer Gesellschaft in Brüssel,
die Branchen durch ganz Belgien anzulegen verspricht.

Ferner haite ich einzuhändigen eine eben gestern arrivierte 25
Nummer der „Daily St. Louis Press“, worin Leitartikel über unsre
„Address to the Workingmen“ und ein offenbar durch
Weydemeyer veranstalteter Auszug daraus.

Aber nun das Sonderbarste.

Cremer, our Honorary ‘General Secretary, hatte schriftliche 3
Einladung für den „Council“, außerdem noch Privatbesuch er-
halten, von der Seite eines Provisional Committee, das nächsten
Montag in London Tavern privatim haust. Zweck: Monster
Meeting für Manhood suffrage. Präsident: — Richard
Cobden! %

Der Witz ist der: die Kerls sind, wie schon E. Jones uns mit-
teilte, in Manchester gänzlich durchgefallen. Sie haben deswegen
a broader platform adoptiert, worin sich jedoch statt manhood
suffrage registration „for paying poorrate“ figurierte. So
steht’s in dem uns mitgeteilten Druckzirkular. Da ihnen jedoch 4
nach verschiedenen Anzeichen klar wurde, daß nichts unter man-

hood suffrage any cooperation whatever on the part of the wor-
king classes nachziehn kann, haben sie erklärt, letztres akzeptieren
zu wollen. Eine große Demonstration in London würde ähn-
liche in der Provinz nachziehn, schreiben „hinwiederum“ die di
        <pb n="269" />
        223
Provinzialen, die „allbereits‘“ zur Einsicht gelangt sind, daß sie
unfähig to set the ball a going.
Das Nächste, worum €$ sich gestern handelte, war dies: Soll
unsre society, 1. €. council, dem Wunsch der Kerls (worunter all
‚ die alten sham City agitators wie Sam. Morley etc.) entsprechend,
einige Deputierte schicken, die den transactions ihres provisori-
schen Committee’s als „Wächter“ beiwohnen? Zweitens, sollen
wir, wenn die Kerls sich direkt zu manhood suffrage als Pa-
role verpflichten und auf diese Parole hin das Public meeting zu-
„ sammengerufen wird, unsre Unterstützung zusagen? Dieletztre
ist nämlich für die Kerls ebenso entscheidend wie in der amerika-
nischen Geschichte. Ohne die trades unions ist kein Massen-
meeting möglich, und ohne uns sind die trades unions nicht zu
haben. Dies auch der Grund, warum die Herr sich an uns
ız wenden.
Die Ansichten waren $ ehr geteilt, wozu Brights letzter
Blödsinn in Birmingham viel beitrug.
Auf meinen Antrag wurde beschlossen, 1. die Deputation zu
schicken (ich schloß in meinem Antrag foreigners davon aus;
„ aber Eccarius und Lubez wurden als „Engländer“ und stumme
Zeugen mitgewählt), als bloße „Beobachter“; 2, so far as the
meeting is concerned, mit ihnen zu agieren, wenn erstens di-
rekt und öffentlich in dem Programm manhood suffrage prokla-
miert wird, zweitens von un$ gewählte Leute mit in das
„definitive Komitee kommen, So daß sie die Kerls beobachten
und bei dem } edenfalls, wie ich allen klar machte, beab-
sichtigten neuen Verrat kompromittieren können. Ich
schreibe heut an E. Jones über die Sache.
Dein K. M.

393. Marx ’an Engels; 1865 Februar 3.
3. Februar 1865.
Dear Frederick,
Einliegend
L. Brief von Siebel, worin er Bericht abstattet über seine Zu-
„ sammenkunft mit Klings, zu der ich ihn „beordert“ hatte. Ich be-
merke dazu nur, daß ich mich weiter nicht in die Sache
mische. Wenn Klings es fertig bringt — ohne unser Zutun —,
zusammen mit dem alten Saumensch den B. Becker und seine
testamentliche Wichtigkeit zu beseitigen, so ist mir das Recht. Es
w ist nichts zu machen mit dem Arbeiterverein, wie Baron Itzig
4. vermacht hat. Je rascher er aufgelöst wird, um so besser.
        <pb n="270" />
        224

(893) 1865 Febr. 3
2. Rheinische Zeitung mit Leitartikel, wahrscheinlich
vom Roten Becker. Es ist dies ein Appeal ad misericordiam von
Seite der „Fortschrittler“.

Meine Ansicht ist nun die, daß wir beide eine Erklärung
machen müssen und daß diese Krise grade uns Gelegenheit gibt,
unsere „Jegitimate‘““ Position wieder einzunehmen. Ich hatte vor
about 10 Tagen dem Schweitzer geschrieben, er müsse Front gegen
Bismarck machen, auch der Schein der Koketterie der Arbeiter-
partei mit Blismarck] müsse wegfallen etc. Zum Dank hat er „all-
bereits“ mehr denn je geliebeleit mit dem Pißmarck. 1

„Hinwiederum‘“ in No. 16 des „Social-Demokrat‘, wo mit
Druckfehlern gespickt mein Schreibebrief über Proudhon, de-
nunziert Moses Heß „allbereits‘ zum zweiten Mal die „Inter-
nationale Assoziation‘, Ich habe darüber gestern einen wüten-
den Brief an Liebknecht geschrieben und ihm gesagt, daß er jetzt ı:
die allerletzte Warnung erhalten hat; daß ich keinen farthing
gebe für einen „guten Willen“, der die Taten des schlechten Wil-
lens verrichtet; daß ich den hiesigen Mitgliedern des „Internatio-
nal Committee“ nicht klar machen kann, daß solche Dinge mit
bonne foi aus reiner Dummheit passieren; daß ihr Saublatt, wäh- z
rend es fortfährt, den Lassalle zu lobhudeln, obgleich sie jetzt
wissen, welchen Verrat er im Schilde führte, und während es
mit Bismarck feig kokettiert, uns hier die Schamlosigkeit hat,
durch den Plonplonisten Heß des Plonplonismus bezichtigen zu
lassen etc. 2

Meine Ansicht ist nun die. Man knüpft an Mosis’ Denunziation
oder Verdächtigung an, um d’abord ein paar Worte Kriegserklä-
rung gegen Bonlaparte] Plonplon anzubringen, bei der Gelegen-
heit auch des mit Moses befreundeten Rabbiners Ein-Horn in
Ehren gedenkend. Danır benutzt man das, um sich ditto gegen z
Bismarck zu erklären, respektive gegen die Schufte oder Narren,
die von einem Bündnis mit ihm für die Arbeiterklasse träumen
oder faseln. Allerdings wäre dann am Schluß den Sau-Fortschritt-
lern zu sagen, daß sie einerseits durch ihre politische Feigheit
und Hilfslosigkeit die Sache verrannt haben, andrerseits, wenn z
sie Allianz mit der Arbeiterklasse gegen die Regierung verlangen
— und diese sei allerdings im Moment das Einzig Richtige —, so
müßten sie den Arbeitern wenigstens die Konzessionen machen,
die ihrem eignen Prinzip des „freetrade“ und „Democratism“
entsprechen, also Aufhebung sämtlicher Ausnahmsgesetze gegen 4a
die Arbeiter, wozu außer den Koalitionsgesetzen auch ganz spe-
zifisch die jetzige preußische Preßgesetzgebung gehöre. Sie
müßten ditto wenigstens als Tendenz aussprechen die Wieder-
herstellung des allgemeinen Wahlrechts, das durch coup d’&amp;tat in
Preußen beseitigt worden. Dies sel das Mindeste, was von ihnen 4

Z. 21 (obgleich) —22 (führte)
        <pb n="271" />
        zu erwarten. Über die Militärfrage wäre vielleicht auch einiges
einzuschieben. Jedenfalls muß die Sache rasch abgemacht wer-
den. Und Du mußt Deine „Ideen“ über die ganze Erklärung zu
Papier werfen. Ich setze meins dann hinzu und knete es zusammen,
schicke Dir das Ganze nochmals and so forth. Mir scheint der Mo-
ment zu diesem „COUP d’&amp;tat‘“ günstig. Wir können weder aus
Rücksicht auf Liebknecht noch auf any body else diesen Moment
zu unsrer „restitutio in integrum““ verpassen.

At the same time mußt Du nicht unterlassen, dem „Social-De-

o mokrat““ so soon as possible Deinen Artikel über die Militärfrage
zukommen zu lassen,

Ich würde ihnen — quoad Erklärung — natürlich schreiben,
daß wenn sie selbe nicht umgehend aufnehmen, selbe „all-
bereits“ in andern Blättern erscheinen wird.

Nehmen sie sie auf, so gut, und es schadet selbst nichts, wenn
das sie in die Luft sprengt. (Obgleich Bismarck sich hüten wird,
in diesem Augenblick, vor GCewaltmaßregeln.) Nehmen sie sie
nicht auf, so haben wir anständigen Vorwand, sie loszuwerden.
Jedenfalls muß die Luft gereinigt und die Partei von diesem

» hinterlaßnen Lassallegestank gefegt werden. ;
Dein K. M.

(893) _1865 Febr. 3

225

394. Engels an Marx; 1865 Februar 5.
Mornington Street, 5. Februar 1865.
Lieber Mohr,

;;  Vollkommen einverstanden wegen der Erklärung. Aber Du
mußt sie selbst machen, sonst komm ich mit dem militärischen
Artikel nicht durch. Das Ding wird, fürchte ich, so lang, daß es
nur als Broschüre geht. I und II sind fertig (bis auf Revision),
III noch nicht. Ich habe viel Störung gehabt, Blank war hier etc.

„etc. Also mach die Erklärung. Zu dem Ausnahmsgesetz gehört
auch die Beschränkung des Vereins- und Versammlungsrechts,
die ganze Gesetzgebung über Wanderbücher und endlich
Artikel 100 des Strafgesetzbuchs: Aufreizung der Staatsangehö-

rigen zum Haß und zur Verachtung (auch ein napoleonisches Erb-
stück). Dann, wenn es hereinzubringen ist, eine Andeutung, daß
in einem vorwiegenden Ackerbauland wie Preußen es eine Ge-
meinheit ist, im Namen des industriellen Proletariats über die
Bourgeoisie ausschließlich herzufallen, daneben aber der patri-
archalischen Prügelexploitation des Landproletariats durch den
uw großen Feudaladel mit keinem Wort zu gedenken. Über die Mi-
litärfrage wäre weniger nötig zu sprechen, aber die Budget-
frage wäre hervorzuheben: was nützt den Arbeitern ein durch
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 3 15
7 30 (und)-—20 (gefegt)
        <pb n="272" />
        226

(894) 1865 Febr. 5

allgemeines Stimmrecht gewähltes Parlament, wenn es so ohn-
mächtig ist, wie Bismarck das jetzige Bürgerparlament machen
will — dessen Erbe es doch wäre? Und wenn es nicht einmal
neue Steuern verweigern kann?

Das sind so meine Ideen ad hoc. Also los damit und schick mir
das Ding gleich.

Meißner. So far so good. Du müßtest natürlich selbst hin-
gehn. Conto a metä hat seine Vorzüge, wenn Du Dir kontraktlich
Einsicht der Bücher und Belege vorbehältst und wenn Mleißner]
einen ?/s des von Dir sonst beanspruchten Honorars gleichkommen- zo
den Vorschuß zinsenfrei machen will. Aus dem Brief Strohns
scheint hervorzugehn, daß M{[eißner] would rather not part with
any money if he could help it. Jedenfalls mußt Du selbst mit dem
Manuskript hin und abschließen.

Mach jetzt übrigens rasch voran. Die Zeiten sind dem Buch z6
sehr günstig und unsre Namen wieder in achtunggebietender Weise
vor dem Publikum. Du weißt, welche Verschleppung im Druck
in Deutschland Mode ist. Versäume also den Moment nicht, es
ann einen kolossalen Unterschied in der Wirkung machen.

Siebold. Ich habe es Dir vorhergesagt, daß auf diese Art zo
Burschen kein Verlaß ist, und war von vornherein überzeugt, daß
er in London zu Blind gehen würde. Die Vermutung von aufge-
schnappten Glossen ad portam Gumperti ist dazu ganz unnötig.
Der Kerl hat’s immer so gemacht und wird’s immer so machen.
Aber gut, daß wir ihn „allbereits“ unter Kontrolle haben. 25

Der Lassalleverein, geht mir aus Siebels Brief hervor, den ich
hier behalte, wird sehr bald an Spitzbübereien und Unterschleifen
der Beamten kaputt gehn, und sehr gut ist es, daß es „so geworden
wird.“ Das Übrige dazu tut das alte Saumensch mit ihren Klün-
geleien. Je weniger wir uns um den Dreck kümmern, je besser. z
Let it rot and be dam’d to it.

Das Social-Demokrätchen wird mir alle Tage widerlicher. Die-
ser Scheiß-Heß, der sich uns gegenüber als wirklicher geheimer
Lassallescher Angestellter mit einer Protektormiene geriert;_ die
tiefsinnigen beschissenen Artikel des Herrn Schweitzer“ über z
Enzyklika und Bismarck, die mit Allem Schund kokettieren und
bloß auf die Bürger schimpfen, die totale Abmattung und Talent-
losigkeit und selbst Abwesenheit alles gesunden Menschenverstan-
des mit Ausnahme von ein paar Sachen, das Alles ist etwas zu viel
für mich. Dreimal in der Woche Lassalle-Kultus, das halt der «0
Teufel aus, und es ist gut, daß die Krisis kommt. Ich werd’s den
Herren auch in meinem nächsten Brief sagen, hab’ bis jetzt nur
keine Gelegenheit gehabt. Apropos, unter welcher Adresse
1) Im Orig. Schweizer

7. 20-31.

W—
        <pb n="273" />
        227
schreibst Du an Lieb knecht? Ich möchte ihm doch auch von
Zeit zu Zeit was aufs Dach geben, resp. ihn encouragieren, 8’il y
a lieu.
Jetzt muß ich schließen, beste Grüße und schick die Erklärung
‚gleich. Den Artikel hab’ ich bis Mittwoch oder Donnerstag
fertig.

(894) 1865 Febr. 5

Dein F. E.

Meinen Schwager suchte ich über Siebel auszupumpen, konnte
aber nichts erfahren, als daß er „immer besoffen“ sei, mit Schau-
jo spielerinnen herumliefe. und seine Frau sich von ihm scheiden
lassen wolle.
My best compliments to the ladies.

395, Marx an Engels; [1865] Februar 6.
6. Februar.

5

Lieber Engels,

In dem heut angekommenen „Social-Demokrat” findet sich
glücklicher Weise, im Feuilleton, hinter meinem Artikel, wo selbst
jedes „Scheinkompromiß““ verurteilt wird. Dein Aufruf zum Tot-
schlagen des Adels.

[ch halte es nun zunächst besser, statt der ursprünglich von mir
beabsichtigten Erklärung die untenstehenden wenigen Zeilen ein-
zuschicken. Sie werden unbedingt den Anlaß zu einer wei-
tern Erklärung geben. Letztere aber schiene mir nach
meinem „ästhetischen“ Gefühl — bei weiterer Überlegung —

‚„ nicht unmittelbar am Platz, weil sie zu bald nach Beckers Appeal

käme. Dagegen provozieren diese wenigen Zeilen ganz s icher
eine Klopffechterei zwischen Schweitzer und Rotbecker etc., WO
wir dann einspringen und unsere Politik kurz, schlagend und
ohne alles Versteckspielen erklären können.

„Ich lege einliegend bei Brief des unglücklichen Liebknecht und
Wisch an ihn von Seite der alten Hatzfeldt, der immer noch nicht
genug „Lassalle“ in dem Blatt.

As to Klings, so antworte ich gar nicht. Laß die Kerls unter
einander wirtschaften.

3 Brief von Schily soeben erhalten (kann Dir ihn erst in ein paar
Tagen schicken), woraus folgt:

1. daß die Mosesschen Tasinuationen rein aus der Luft ge-
griffen waren,
9. daß unser Plan in Paris „enorm“ ziehn wird und die dor-
x tigen Arbeiter nicht die geringste Rücksicht auf die „L’Associa-
15*

;

‚&gt;
        <pb n="274" />
        228

(895) 1865 Febr. 6
tion“ nehmen, wo Herr A. Horn, Löb Sonnemann und andres Ge-
lichter sich wichtig machen.

Ist Dir nun die nachstehnde Erklärung recht, so schreib sie ab
und zeichne sie. Schick sie dann her. Ich werde dann auch meinen
Namen drunter setzen und die Sache nach Berlin fördern.

Apropos! Lincolns Antwort an uns ist heute in der Times.
An die Redaktion des „Social-Demokrat“.
Erklärung.

Nr. 16 Ihres Blatts verdächtigt Herr M. Heß von Paris aus die
ihm ganz und gar unbekannten französischen Mitglie- x
der des Londoner Zentralkomitees der Internatio-
nalen Arbeiterassoziation mit den Worten: „Es ist in der Tat nicht
abzusehn, was es verschlägt, wenn sich auch einige
Freunde des Palais Royal in der Londoner Ge-
sellschaft befänden, da sie eine öffentliche ist usw.“ In zs
früherer Nummer, bei Beplauderung des Blatts: „L’Associa-
tion“, insinuierte derselbe Herr M. H{eß] Ähnliches gegen die
Pariser Freunde des Londoner Komitees, Wir erklären
seine Insinuationen für abgeschmackte Verleumdung.

Im Übrigen freut es uns, durch diesen Zwischenfall unsre z
Überzeugung bestätigt zu sehn, daß das Pariser Proletariat dem
Bonapartismus in beiden Gestalten, der Tuileriengestalt und der
Gestalt des Palais Royal, nach wie vor unversöhnlich gegenüber-
steht und keinen Augenblick mit dem Plan umging, seine histo-
rische (oder sollen wir sagen statt „seine historischez
Ehre“ „sein historisches Erstgeburtsrecht als Träger der Revo-
lution‘“?) Ehre für ein Gericht Linsen zu verkaufen. Wir emp-
fehlen den deutschen Arbeitern dies Muster.

London und Manchester.

896. Engels an Marx; 1865 Februar 7.
Manchester, 7. Februar 1865.
Lieber Mohr,

Inliegend die Erklärung. Sie wird Anstoß finden daran, daß
wir Moses nennen, was beim Abdruck als ein Bruch des Re-
daktionsgeheimnisses angesehn werden könnte. Vergiß nicht, Lieb- 3;
knecht hierüber Instruktionen zu geben, damit nicht wegen einer
solchen mehr oder minder‘ berechtigten Formfrage die Sache
wieder verzögert wird.

Der Liebknecht wird immer dummer. Das nennt er einen Kom-
promiß, daß wir nicht nur stillschweigend alle die Dummbheiten x

1) Im Orig. +

ag
        <pb n="275" />
        sanktionieren sollen, die in dem Blatt passieren, sondern auch
uns noch gefallen lassen, daß das Blatt gegen allen Komment
unsre eignen Sachen und Agitationen verdächtigt.

Aber wir haben immer ein schönes lot von Bevollmächtigten

; und werden sicher nicht solche Esel sein wie Lassalle und ihnen
etwas „vermachen“, g’il y avait de quoi. Wenn die Geschichte in
Berlin schief geht, so tut Lliebknecht] am besten, mit Hinter-
lassung seiner Familie herzukommen, wir wollen dann sehn, was
zu machen ist, er kann sich hier auf der Schilleranstalt rasch Be-

o kanntschaften machen, und was sonst geschehen kann, wird ge-
schehn; ich glaube, es könnte ihm auf diese Weise wohl gelingen,
sich hier festzusetzen, und wenn nicht, ist nichts verloren, und
geht’s gut, so kann er seine Familie nachkommen lassen. Bringt
er die Familie gleich mit, so geht er hier sicher zum Teufel,

ıs weil dann die Kosten so steigen, daß der Versuch nur von kurzer
Dauer sein kann. Kinderunterricht, wie Lupus ihn gab, wird
schwer zu erlangen sein: er kann indes ja versuchen, was zu
machen ist.

Der Bender hat mir für mein Abonnement auf das Social-De-

z% mokrätchen 5 sh. pro Quartal berechnet. was mir enorm Vvor-
kommt.

Der Henker weiß, was man hier für allerlei Störungen hat
beim Arbeiten. Gestern wieder Komiteesitzung der Schiller-
anstalt, so daß ich seit Freitag erst heute Abend wieder an die

z Militärfrage komme.

Der Versuch der Hatzfeldt und Klings, den Bernh. Becker her-
auszuschmeißen, ist also vollständig gescheitert und Klings her-
ausgeschmissen. Laß uns um Alles in der Welt die Finger aus
dem Dreck halten, es ist, wie 1848 der Arbeiter im Gürzenich

v sagte: sie mögen fallen. wie sie wollen. es liegt immer ein Schuft
hoven.

Was der Schweitzer „als welcher“ für ein verrücktes Deutsch
schreibt! Dieser zweite leader über das Ministerium Bismarck
ist wieder so hochtrabend verzwickt wie nur möglich, wenn auch

% die direkte Koketterie mit Bismarck wegfällt und es gut ist, daß
er Preußens Politik als antideutsch geradezu bezeichnet.
Aber wie naiv von Liebknecht, daß er verlangt, wir sollen ihnen
klarmachen, wie sie sich zur Regierung zu stellen haben, wäh-
rend er sich doch vor allen Dingen von Herrn Schweitzer katego-

+“ rische Erklärungen ausbitten sollte, wie dieser sich zur
Regierung stellen will.

Mir sieht's in Preußen jetzt sehr nach Kompromiß aus, wobei
lie Kammer ihr Budgetrecht salvieren wird, aber in Allem
Andern nachgibt. Das Budgetrecht ernstlich auf die Dauer

” zu bestreiten. wird Bismarck sicher nicht einfallen, da er damit

(896) 1865 Febr. 7

229

T A-— 75.

20.21
        <pb n="276" />
        230

(896) 1865 Febr. 7
doch weder Geld noch Kredit bekäme, und er hat beides sehr
nötig. Indes kann die Geschichte immer noch an allerhand Klei-
nigkeiten scheitern.

In Amerika wird die Eröffnung der Kampagne vor Richmond
im März— April über das ganze Jahr wahrscheinlich entscheiden.
Gelingt es Grant, Lee von dort zu vertreiben, so ist die Confede-
racy played out, ihre Armeen lösen sich auf, und der Banditen-
krieg, wie er jetzt in West-Tennessee und überhaupt fast überall
schon spielt, ist noch der einzige Feind. Lees Armee ist in Wirk-
liehkeit jetzt schon die einzige, die die Southerners haben; auf ihre x
Sprengung kommt Alles an. Wir können jetzt schon annehmen,
daß das Gebiet, woraus Lee seine Hülfsmittel bezieht, auf Süd-
virginien, die Karolinas und höchstens noch einen Teil von Geor-
yien beschränkt ist.

Salut.
Dein F. E.

8397. Engels an Marx; 1865 Februar 9.
Manchester, 9. Februar 1865.
Lieber Mohr,

Inliegend das Manuskript, das zu vollständigen Broschüren- zo
dimensionen angeschwollen ist und für das Blättchen jetzt wohl
durchaus nicht mehr paßt. Die Revision ist noch sehr flüchtig und
muß. nochmals vorgenommen werden. Bei der Militärfrage ist
noch eine statistische Einschiebung über die waffenfähige Bevöl-
kerung zu machen, am Schluß noch eine über das Kleinbürger- 2
tum, das ich in „der Hitze des Gefechts‘“ ganz vergaß. Du wirst
übrigens dem Ding ansehn, daß es ohne alle literarischen Hülfs-
mittel rein aus. dem Kopf zusammengeschmiert worden, da es
rasch fertig werden mußte. Ich erwarte nun Deine Glossen dazu.

Aber wohin nun damit? An Liebknecht oder an Siebel, um 3
einen Verleger zu schaffen? Was denkst Du? Am besten wohl
außer Preußen, oder glaubst Du, es sei nichts Konfiszierliches
darin? Ich habe alles Maß für preußische Preßzustände verloren.
Auch über diesen Punkt — die Preßmöglichkeit in Preußen —
sage. mir Deine Meinung. 3%

Eben kommt wieder ein S.D.” (Sau-Dreck) an. Was ist das
für ein lahmes Gewinsel über die Stellung der Partei. Nicht ge-
hauen und nicht gestochen. Immer das Hintertürchen zu Bis-
marck offen gehalten. Friedlich zusammengehn! Dazu Moses, der
zur Einsicht gekommen ist, daß in Frankreich Bourgeoisie und 4
Regierung wetlteifern, den Arbeitern gerecht zu werden. Ein

1) Social-Demokrat
        <pb n="277" />
        231
wahres Paradies für Moses, dies Frankreich. Das ist doch selbst
dem Schweitzer zu toll, er macht ein ? dahinter.

Soll ich die Stelle in 11 über die gegenwärtige Arbeiter-
bewegung stehn lassen?

Die Rede Roons sieht mir ganz nach Kompromiß aus. Der
Mann 1äßt mit sich handeln. Deshalb muß das Ding rasch
heraus. Schreib also bald, was Du wegen Verleger denkst.

4 Dein F. E.

(897) 1865 Febr. 9

298. Marx an Engels; 1865 Februar 10.
10. Februar 1865.
Lieber Frederick,

Die Sache ist gut. Alles Feilen und Ausarbeiten, obgleich der
Stil hier und da zu nachlässig, wäre jetzt nonsense, da es vor
allem gilt, in the nick of time zu kommen, da „allbereits“ die

Lösung dieser Kollision vor der Tür steht.

Mein Rat also der:

Unmittelbar das Pamphlet einschicken an Meißner in
Hamburg und ihm schreiben, daß ras cher Druck die Haupt-
sache; daß er Dir sofort anzeigen soll, ob er’s nimmt (das Honorar

» ihm überlassend zu bestimmen), weil Du dann in Berliner und
Rheinischen Blättern schon vorher Aufmerksamkeit auf die Sache
lenken würdest.

Für den Social-Demokrat die Sache viel zu lang und „zu frech“
unter den bestehenden Verhältnissen. Dagegen würde ich für No-

25 tizen, kurze, im Social-Demokrat (durch Eccarius), in „Düs-
seldorfer Zeitun g‘“ durch Siebel sorgen und selbst viel-
leicht der „Rhein lischen] Zeitlun g]“ Notiz zuschicken,
dahin lautend, daß da und da Broschüre von Dir erscheint, wo Du

an dieser Spezialfrage, neben Behandlung der purely military
19 question, unsre Stellung Reaktion und Fortschrittlern und Lassal-
[eanern gegenüber einf ach aussprichst.

Hast Du noch Zusätze zu machen, so schick nichtsdestoweniger
die Sache immediately ad Meissnerem (Hamburg) und sag ihm,
daß zu pagina soundso (Du kannst das ja durch Zeichen andeuten)

z noch ein paar Zusätze nachgeschickt werden. Etwas mehr hätte
des Landvolks Erwähnung geschehn sollen, das der deutsche

Knote gar zu gern als non-existent betrachtet. Nach Strohns letz-

tem Brief ist dieser wahrscheinlich wieder fort aus Hamburg, SO

daß die Sache nicht an ihn geschickt werden kann, sondern direkt
o an Mleißner] muß.

£&amp; bläst in Berlin ein übler Versöhnungswind, diesmal von

russischer Seite angef acht. auch durch den schlechten Fort-
        <pb n="278" />
        232

(898) 1865 Febr. 10
gang des Geschäfts mit Östreich verstärkt. Die Petersbur ger
Zeitung rät, die Budgetfeststellung und die zwei-
jährige Dienstzeit der Kammer unbedingt zuzugestehn.
Sie sagt u. a.: „Die Gegenwart scheint uns, wenn nicht be-
unruhigend, so doch ernst, und wenn nicht ganz besonders gün-
stige Umstände eintreten, so bleibt zu fürchten, daß die Zu-
kunft trübe werden wird. In Zeiten der Not und Gefahr
aber, das hat die Geschichte sattsam erwiesen, genügt eine
strengeDisziplinierungvonHeerund Beamtennur
selten. Es beruht dann, wie im Allgemeinen immer, die wirk- ı
liche Macht des Staates bei weitem mehr auf der Einigkeit von
Regierung und Volk. Obgleich wir nun die versöhnliche
Form, in welcher die Regierung der Landesvertretung bei der
diesjährigen Session entgegenkam, nicht unterschätzen, so können
wir doch in Rücksicht auf das Gesagte den Wunsch nicht unter- 1
drücken, daß diese Versöhnlichkeit auch inder Tat Platz grei-
fen möge.“ Es scheint, die Moskowiter brauchen ihre Preußen für
die in der Moskauer Zeitung angekündigte, bevorstehende
Schwenkung gegen Galizien-Östreich. In derselben Mos-
kauer Zeitung heißt es, mit dieser letzten Unterwerfung Po- zo
lens, wo man aber die Mourawieffsche Politik schonungslos fort.
setzen müsse, sei „ein Loch in das Herz Deutschlands
zeöffnet“. Unsre guten „Fortschrittler““ und nicht minder
guten „Lassalleaner“ verschlafen all das.

Einliegend Brief von Schily.

Zu des Moses großer Qual macht die „International Associa-
tion“ großes Aufsehn unter den Arbeitern in Paris. In Folge der
Mosesschen Dummheit ist Tolain abgetreten (wir haben seine De-
mission formell nicht akzeptiert). H. Lef ort (Redakteur des
Avenir ete.), der auch im Redaktionskomitee der „Association“, 39
hat auf sein Verlangen seine Bestallung als literary defender
(Attorney General) unsrer Assoziation in Paris erhalten.
Letztre ist bereits angegriffen von Horn (ein Paragraph der Sta-
tuten). Dieser Jud Horn wird bald merken, daß es außer Moses
Heß noch andre Deutsche gibt. Fribourg hat für uns bureau 3
de renseignement eröffnet; cards of membership sind ihm vor-
gestern zugeschickt worden.

In der Vorbereitungssitzung für polnisches Meeting hab ich
denn auch old Oborski wieder gesehn, der Dich nicht grüßen
läßt.

Salut.

AR

Dein K. M.
Apropos! Der Umstand, daß Lincoln uns so höflich und der
„Bourgeois Emancipation Society“ so grob und rein formell ge-

N
Se CE
        <pb n="279" />
        233
(898) 1865 Febr. 10
antwortet, hat die D aily News so entrüstet, daß sie die Ant-
wort an uns nicht abdruckte. Da sie aber zu ihrem Kummer
sah, daß die Times es tat, mußte sie es nachträglich im
Expreß bringen. Auch Levy hat in den sauern Apfel beißen

; müssen. Der Unterschied zwischen der Llincolnlschen Antwort
an uns und an die Bourgeois hat hier solches Spektakel gemacht,
daß die „Klubs“ im Westend darüber den Kopf schüttelten. Du
begreifst, wie wohl das unsern Leuten tut.

899. Marx an Engels; [1865] Februar 11.
11. Februar.
Dear Fred,

Da heute Sonnabend, vermute ich, daß Du Deine Sache noch
nicht denselben Tag expedierst, und es wäre dann noch Zeit für
diese „nachträglichen“ AÄnderungsvorschläge:

; 1. In der Stelle, wo Du fragst, was die Arbeiter
wollen? würde ich nicht antworten, wie es geschieht, daß die
Arbeiter in Deutschland, Frankreich und England das und das
verlangen. Die Antwort lautet nämlich so, als ob wir (es wird
wenigstens SO gedeutet werden) Itzigs Stichworte akzeptier-

» ten. Ich würde dagegen sagen: Ki

Es scheine, daß die von den avanciertesten Arbeitern in
Deutschland augenblicklich aufgestellten Forderungen dar-

auf hinausliefen usw. So läßt Du Dich gar nicht ein, was um So
besser, da Du später ja selbst das allgemeine Wahlrecht kritisierst,

„ wenn ohne die zugehörigen Bedingungen. (Das Wort „direkt“
hätte ja außerdem in England z. B. etc. keinen Sinn, ist ja nur
Gegensatz zu dem von den Preußen erfundnen „indirekten“ Wahl-

recht.) Die Form, worin die Knoten in Deutschland sich die
Staatsintervention &amp; la Lassalle denken, ist der Art, daß man sich

„hüten muß, sich anyhow mit „denselbigen““ zu identifizieren. Es ist
viel vornehmer (und sichrer), wenn Du die Knoten beim Wort
nimmst und selbst sagen 1äßt, was sie wollen. (Ich
sage die Knoten, weil sie der eigentlich raisonnierende, ver-
1assallte Teil sind.)

2 Ich würde nicht sagen, daß die Bewegung 1848—1849
scheiterte, weil die Borger sich gegen das direkte allge-
meine Wahlrecht sträubten. Selbiges ist ja vielmehr von
den Frankfurtern als teutsches Recht deklariert und von dem
Reichsverweser in allen Formen proklamiert worden. ( Meine An-

28

1) Von Marx gestrichen: Es sei nicht am Platz, Deine eigne Ansicht hier aus-
ainanderzusetzen — oder Du kannst auch dies Einleitende weglassen und bloß sagen,
„as folgt:

7 32 (MMch)--3a
        <pb n="280" />
        234

(899) 1865 Febr. 11
sicht ist auch, daß in Teutschland, sobald die Sache ernsthaft zur
Sprache kommt, dies Wahlrecht als zu Recht bestehendes
Gesetz behandelt werden muß.) Ich würde mir — da zu längerer
Exposition nicht dort der Platz — mit der Phrase heraushelfen,
daß die Bürger damals die Ruhe mit der Knechtschaft der bloßen :
Aussicht des Kampfes mit der Freiheit vorzogen oder so
ähnlich.

Im Ganzen ist die Sache sehr gut, und namentlich kitzelt „mir“
der Punkt, wo auseinandergesetzt, daß in fact die jetzige Knoten-
bewegung nur par la gräce de la police besteht. fr

In aller Eile,

Salut.
Dein K. M.
Ich habe weggestrichen, wo Du, I don’t know why, den Reak-
tionär damit tröstest, daß der Soldat ja doch nicht Reaktionär im 15
3, Jahr wird — oder nicht für lange —, obgleich Du später das
Gegenteil sagst.

300. Engels an Marx; 1865 Februar 13.
13. Februar 1865,
Lieber Mohr,

Deine Suggestions kamen gestern grade noch rechtzeitig und
sind beide benutzt worden. Wie notwendig namentlich die wegen
der Knotenforderungen war, zeigen mir wieder die beiden heute
eingetroffenen Nr. 20 und 21 des S[au]-Drecks ”.

Übrigens scheint unsre Haltung doch zu fruchten. In No. 21 2;
ist ein gewisser revolutionärer Ton, der früher ganz fehlte. Ich
habe an Liebknecht übrigens geschrieben, das sei überflüssig zu
poltern, sie sollen nur das Kokettieren mit der Reaktion weg-
lassen und dem Adel und der Reaktion auch ihre share geben, im
Übrigen aber weder auf sie noch auf die Bourgeois schimp- x
fen, das sei in ruhigen Zeiten überflüssig.

Das sieht man aber, der Itzig hat der Bewegung einen Tory-
chartist Charakter gegeben, der schwer zu vernichten sein wird,
und in Deutschland eine Richtung auf die Beine gebracht, die
bisher nie bei den Arbeitern bekannt war. Überall bricht diese ss
ekelhafte Kriecherei vor der Reaktion durch. We shall have some
trouble with that. Paß auf, die Knoten werden sagen, was will der
Engels, was hat der die ganze Zeit getan, wie kann der in unserm
Namen sprechen und uns sagen, was wir tun sollen, der Kerl

1) Social-Demokrat
        <pb n="281" />
        235
sitzt in Manchester und exploitiert die Arbeiter usw. Das ist mir
nun zwar total Wurst, aber das kommt sicher, und das haben wir
dem Baron Itzig zu verdanken.

Dein F. E.

(900) 1865 Febr. 13

901. Marx an Engels; 1865 Februar 13. Mit Brief
von J. B. Schweitzer an Marx in London; Berlin
1865 Februar 11.
1. Modena Villas, Maitlandpark, Haverstock Hill, London.
13. Februar 1865.
Lieber Engels,

Aus dem Einliegenden siehst Du, wie die Sache wegen unsrer
Erklärung in Bezug auf Moses steht. Zugleich wirst Du den
Mosesschen Wisch in dem letzten „„Social-Demokrat“ gelesen
haben.

Diesmal glaube ich, daß Liebknecht Recht hat: Herr von
Schweitzer stellt sich, als sähe er in unsrer Erklärung nur etwas
Persönliches gegen Mosem:; die Wendung gegen den Bonapartis-
mus etc. „übersieht“ er, wahrscheinlich mit vollem Bewußtsein
dessen, what he is about. Es wäre dem Schwleitzer] vielleicht

x nicht ungelegen, wenn ein öffentlicher Bruch (wer weiß, ob er
nicht auf Dinge eingegangen, die solchen bald herbeiführen müs-
sen?) bei Gelegenheit dieser Mosesaffäre, statt ad vocem
Bismarck, erfolgte? Ich habe deswegen ihm geschrieben
Brief (Kopie behalten), worin ich d’abord unsre bisherigen Be-

» ziehungen zu ihm resümiere und ihn frage, wo da unsrerseits das
„Maß“ verletzt worden? Setze auch wieder den case mit Moses
auseinander. Sage dann, daß durch des Moses letztes Gekohl unsre
Erklärung to a certain degree veraltet sei, die Sache daher dabei
ihr Bewenden haben könne. Was den andren Punkt der Er-

u klärung angehe, den Wink an die Arbeiter, so würden wir
anderswo uns ausführlich über das Verhältnis der Arbeiter
zur preußischen Regierung aussprechen. Ich benutze zugleich
_ anbindend an das heut in der Times enthaltne Telegramm
über die preußische Ministererklärung — die Gelegenheit, um

Herrn von Schweitzer noch einmal offen unsre Meinung auoad Bis-

marck und Lassalle zu sagen.

(Ich wäre in der Tat durchaus nicht verwundert, wenn Bismarck
die Abschaffung der Koalitionsgesetze in dem Umfang, worin
Teil der Fortschrittler sie gezwungner Weise jetzt verlangt,

orundweg abschlüge. Das Koalitionsrecht, und was drum
und dran hängt, interveniert zu viel mit der Polizeiherrlichkeit,
der Gesindeordnung, dem arschprügelnden Landadeltum, der

(5

IE
        <pb n="282" />
        236

(901) 1865 Febr. 13
bureaukratischen Bevormundung überhaupt. Sobald daher die
Bürger (oder Teil derselben) zum Schein Ernst machen, macht
unbedingt die Regierung — Spaß und volte-face. Der preußische
Staat kann coalitions und trades unions nicht dulden. Dies ist
sicher. Dagegen Regierungsunterstützung einiger lausi-
ger Kooperationsgesellschaften paßte ihnen grade in den Mist hin-
ein. Erweiterung der Beamtennasen, Kontrolle über „neue“ Gel-
der, Bestechung der Rührigsten unter den Arbeitern, Entmannung
der ganzen Bewegung! Jedoch bei dem jetzigen großen Regie-
rungsgeldmangel in Preußen ist kaum so viel von diesem Plan zu x
befürchten wie von dem weiland Schwanenorden!

Notabene, Lassalle war gegen die Koalitions-Bewe-
gung. Liebknecht improvisierte sie gegen L[assalle]s Willen bei
den Berliner Buchdruckern. Draus erwuchs die Geschichte, deren
sich Geck Becker jetzt bemächtigt hat.)

Einstweilen verhalten wir — meiner Meinung nach — uns
„enthaltend“ quant au „Social-Demokrat“. D. h. schreiben
nichts (außer Eccarius). Es wird bald so weit sein, daß wir ent-
weder offen brechen müssen oder anständigerweise mit ihm
arbeiten können. Der Moses muß bei irgend späterer Gelegenheit zo
gezüchtigt werden.

Meanwhile ist es mir sehr lieb, daß Du wieder in den Zug
gekommen bist. Dein rasches Arbeiten findet sich naturgemäß
immer von selbst wieder ein. Mein Brief kam wohl noch zur Zeit?

Solange dieser Lassallesche Dreck obenauf in Deutschland, 2%
wird die „International Association“ grade dort kein
Feld haben. Indes, man muß Geduld haben. Die preußische Regie-
rung wird rasch genug dem faulen Sumpf dieser Itzigerei ein End
machen.

Apropos! Einliegend Ausschnitt aus dem letzten Hermann. %
Über diese Annonce der Herrn Blind-Wolffsohn mach ein paar
schlechte Witze, die ich dem Eccarius geben werde, zur Aufnahme
inseineLondoner Korrespondenz. Ich bin durch diese
lausige Briefwechselei mit Berlin (ganz abgesehn von dem vielen
unvermeidlichen Zeitverlust, den die International Association 2%
verursacht) so gestört worden, daß ich durchaus nachholen muß.

Tyndall® ist es gelungen, das Sonnenlicht durch ein einfaches
mechanisches Verfahren zu zersetzen in Wärmestrahlen und bloße
Sehstrahlen. Die letztern sind kalt. An den ersten kannst Du

direktdie Zigarre anstecken, und auf einem Brennglas %
schmelzen sie Platin etc.

My best compliments to Mrs. Burns. I am indeed very glad to
hear that the o was an inorganic intrusion upon her name, and
EL
1) Im Orig. Tindall

2.42 (L1am)-—43 —
        <pb n="283" />
        237
(901) 1865 Febr.13
that she is a namesake of the great poet. If Mrs. Gumpert declines
becoming a member of a Workingmen’s Association, I hope
Mrs. Burns will not follow that example, but will believe wilh her
namesake that „a man is a man for all that“.
Salut. Dein K. M.
Have an eye upon Jones! He is a fellow „too clever by half“!
Apropos! Ich denke, Dienstag wird es so weit sein, daß ich Dir
Karten schicken kann. 1 send about 2 dozen, die Du ja nicht auf
einmal unterzubringen brauchst. Aber gebe part davon an
vo E. Jones.
Dieser hat mir wegen der Wahlagitation geschrieben (worauf
ich ihm schrieb, er solle mir 2ten Brief schreiben, den ich im
Comit6e vorlesen könne. Das tat er denn auch). Aber über die
International Association schreibt er nichts. Da er
ein Fuchs ist und ich ihn sicher haben will, so bestehe drauf,
daß er sofort a branch committee (die Zahl der members zu-
nächst gleichgültig) bildet und mit seinen Freunden cards of
membership nimmt. Diese müssen begreifen, daß grade die
„Internationa 1“ Mittel und Weg ist, um Kooperation (poli-
„ tische) zwischen London und den Provinzen herzu-
stellen!

Unsere rules wegen der Karten sind diese: Existieren de
Gesellschaften (unions etc.), die sich afiliieren wollen,
brauchen als solche bloß Gesellschaftskarten zu lösen.

» Dafür geben sie nichts oder was sie wollen. Dagegen jedes
Glied solcher Gesellschaft, das individua 1 member der Asso-
ziation werden will, muß seine Jahreskarte lösen für 1 sh. 1 d. In
Frankreich und Belgien ist es durch die dortigen Gesetze so „Z€-
worden“, daß sie alle „individual“ members der englischen

wu Gesellschaft werden müssen, da sie sich nicht als Gesellschaf-
ten anschließen können. J ede Branchgesellschaft oder affıliierte
Gesellschaft außerhalb London und environs erwählt einen
korrespondierenden Sekretär mit uns. Uns mißliebige Personen
können wir „abschlagen“.

[Schweitzer an Marz]

0

Sehr geehrter Herr!
Bisher bin ich Ihnen mit jeder Rücksichtnahme entgegengekommen.
[ndessen — est modus in rebus.
[ch schlage Ihnen vor:
1. Der H.-Korrespondent erklärt sofort, daß er in bekannter Sache
völlie im Irrtum war.
        <pb n="284" />
        238

(901) 1865 Febr. 13
2. Die Redaktion erklärt, daß ihre eigenen Nachforschungen
lasselbe ergeben haben.

3. Im Übrigen hat L[iebknecht] jederzeit veto in Sachen der Inter-
aationalen Arbeiterassoziation, wie schon angeordnet.

Sollten Sie mit diesem Vorschlag nicht einverstanden sein, so würde
ich vorziehen, daß Sie die in Aussicht gestellte Erklärung, worin Sie und
Ihre Freunde sich von unserm Blatt lossagen, öffentlich abgeben. Wir
würden die Erklärung — wo nötig mit Zubemerkungen — abdrucken, sei
es nun, daß sie uns direkt zuginge oder daß wir sie einem andern Blatt
zu entnehmen hätten.

Bedauernd, daß die Dinge diese Wendung genommen haben und noch
zinmal an Ihre ruhige Überlegung appellierend,

[n vorzüglicher Hochachtung

J. B. von Schweitzer.
Berlin, 11. Februar 1865.

af

P.S. Die heutige H.-Korrespondenz über die „Internationale Asso-
ziation‘“ hat Liebknecht passieren lassen; alles Betreffende geht nur
durch ihn. Ich habe überhaupt die Lust verloren, mich weiter um
die Assoziation zu bemühen, wie ich es vorhatte, um den Beitritt des
Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins zu bewirken. Denn es scheint, 2
daß man bei jedem Schritt und Tritt in Betreff dieser Assoziation irgend
jemand „verletzt“. Für den Fall also, daß Sie meine obigen Vorschläge
annehmen, bitte ich in Sachen der Internationalen Assoziation das Blatt
so zu betrachten, als ob Liebknecht ganz allein verantwortlich sei,
was auch der Fall. Mehr kann ich in der Tat nicht tun.

In Eile!

902. Marx an Engels; [1865 Februar 16J].
Dear Frederick,
Der Jones hat mir geschrieben, ihm about 1 dozen cards zu
schicken; ich schicke Dir für ihn 1 dozen und 1 für Dich. Was z
Ihr nicht unterbringt within a reasonable Zeitabschnitt, könnt Ihr
zurückschicken. Preis l sh. 1 d. per card.

Ich erinnere Dich again, daß meiner Ansicht nach Petzler
sehr brauchbar in dieser Sache sein kann. Er hat seit
Jahren viel personal relations (als singmaster und Sozialist) mit s6
den Manchester Arbeitern,

Einliegenden Brief (an Leßner) mußt Du mir nach Durch-
lesung zurückschicken. Wie meinst Du, daß man die Sache
manage soll? Ich schweige natürlich, aber Leßner kann das
nicht.
        <pb n="285" />
        239
Freut mich, heut aus der Times zu sehn, daß die preußische
Kammer den Vorschlag gegen die Koalitionsgesetze angenom-
men. Die Regierung wird ihn jetzt im Lords House durch-
fallen lassen. Der Rotbecker — sicher angeregt durch Dein

‚ Feuilleton — hat das Amendement wegen der Landbevölkerung
eingebracht.

Salut. Dein K. M.

303. Marx an Engels; 1865 Februar 18.

18 Februar 1865.

0

Dear Fred,
Einliegend 2 Briefe von Liebknecht, 1 an Dich, 1 an mich.
Ditto einen früheren von Schweitzer.
Meine Ansicht ist die:
Da Liebknecht einmal gekündigt hat, so il faut en finir. Hätte
er die Sache aufgeschoben, so konnten wir, da Deine Broschüre
im Werk, auch aufschieben.
Ich halte den Schweitzer für unverbesserlich (wahrscheinlich
im geheimen Einverständnis mit Bismarck).
Was mich darin bestätigt, ist
|. die in seinem einliegenden Brief vom 15. (von mir) ange-
strichene Stelle;
2. die Zeit, worin sein Bismarck III erschien.
Um Beides zu würdigen, teile ich Dir hier in wörtlicher
Abschrift Stelle mit aus meinem Briefe an ihn vom 13. Februar:
+ „....da durch die Korrespondenz des M. Hless] der heute ein-
treffenden No. 21 unsre Erklärung teilweise veraltet ist, mag die
Sache dabei ihr Bewenden haben. Allerdings enthielt unsre Er-
klärung auch noch einen andern Punkt, Lob der antibonapartisti-
schen Haltung des Pariser Proletariats und Wink an die deutschen
u Arbeiter, dies Muster nachzuahmen. Es war dies uns wichtiger
als der Ausfall gegen Hleß]. Indes werden wir anderswo unsre
Ansicht über das Verhältnis der Arbeiter zur preußischen Regie-
rung ausführlich aussprechen.
in Ihrem Brief vom 4. Februar heißt es, ich selbst habe den
; Liebknecht gewarnt, nicht über die Stränge zu hauen, damit er
nicht zum Teufel gejagt werde. Ganz richtig. Ich schrieb ihm
aber zugleich, man könne alles Sagen, wenn man die rechte
Form treffe. Eine selbst für den Berliner Meridian ‚mögliche‘
Form der Polemik gegen die Regierung ist sicher sehr verschie-
x den von Koketterie oder selbst Scheinkompromiß mit der Regie-
rung! Ich schrieb Ihnen selbst, daß der Social-Demokrat selbst
solchen Schein meiden müsse.
        <pb n="286" />
        (903)1865 Febr. 18

Ich sehe aus Ihrem Blatt, daß das Ministerium sich zweideutig
und Zeit suchend über die Abschaffung der Koalitionsgesetze aus-
spricht. Dagegen berichtet ein Times-Telegramm, daß es Protek-
torisches über eine in Aussicht gestellte Unterstützung der Koope-
rativgesellschaften von Staats wegen fallen ließ. Es sollte mich
durchaus nicht wundern, wenn die Times ausnahmsweise ein-
mal korrekt telegraphierte!

Koalitionen mit den aus ihnen erwachsenden trades unions sind
nicht nur als Mittel der Organisation der Arbeiterklasse zum
Kampfe mit der Bourgeoisie von der äußersten Wichtigkeit — wu
diese Wichtigkeit zeigt sich u. a. darin, daß selbst die Arbeiter
der United States trotz Wahlrecht und Republik derselben nicht
entbehren können —, sondern in Preußen und Deutschland über-
haupt ist das Koalitionsrecht außerdem ein Durchbrechen der
Polizeiherrschaft und des Bureaukratismus, zerreißt die Gesinde- 1
ordnung und die Adelswirtschaft auf dem Lande, kurz, es ist eine
Maßregel zur Mündigmachung der ‚Untertanen‘, welche die Fort-
schrittspartei, d. h. jede bürgerliche Oppositionspartei in Preu-
Ben, wenn nicht verrückt, hundertmal eher gestatten könnte als
die preußische Regierung und nun gar die Regierung eines Bis- 20
marck! Dagegen andrerseits königlich preußische Regierungs-
unterstützung von Kooperativgesellschaften — und jeder, der die
preußischen Verhältnisse kennt, kennt auch im voraus die not-
wendigen Zwergdimensionen — ist als ökonomische Maßregel
Null, während zugleich dadurch das Vormundschaftssystem aus- 2
gedehnt, ein Teil der Arbeiterklasse bestochen und die Bewegung
entmannt wird. Wie die bürgerliche Partei in Preußen sich
namentlich dadurch blamiert und ihr jetziges Misere herbeigeführt
hat, daß sie ernsthaft glaubte, mit der „Neuen Ära“ sei ihr durch
des Prinzregenten Gnade die Regierung in den Schoß gefallen, zo
so wird sich die Arbeiterpartei noch viel mehr blamieren, wenn
sie sich einbildet, durch die Bismarckära oder durch irgend eine
andre preußische Ära werden ihr von Königs Gnaden die goldnen
Äpfel in den Mund fallen. Daß die Enttäuschung über Lassalles
unselige Illusion eines sozialistischen Eingreifens einer preußi- z
schen Regierung kommen wird, ist über allen Zweifel erhoben.
Die Logik der Dinge wird sprechen. Aber die Eh re der Arbeiter-
partei erheischt, daß sie solche Trugbilder zurückweist, selbst
bevor deren Hohlheit an der Erfahrung geplatzt ist. Die Arbeiter-
klasse ist revolutionär oder sie ist nichts.“

Well! Auf diesen meinen Brief vom 13. antwortet er durch
seinen Brief vom 15., worin er in allen „praktischen“ Fragen
meine Unterordnung unter seine Taktik verlangt, antwortet er
mit Bismarck III als neuer Probe dieser Taktik!! Und es
scheint mir in der Tat jetzt, daß die patzige Manier, womit er 45

£t
        <pb n="287" />
        24]
‘003) 1865 Febr. 18
bei Gelegenheit der Erklärung gegen Heß die Kabinettsfrage
stellte, nicht der Zärtlichkeit für Moses geschuldet war, sondern
dem festen Ents chluß, unsrem Wink an die deutschen
Arbeiter unter keinen Umständen im Social-Demokrat
Platz zu geben.

Da also doch mit dem Kerl gebrochen werden muß, lieber jetzt
gleich. Was die deutschen Knoten angeht, so mögen sie schreien,
soviel sie wollen. Der brauchbare Teil drunter muß sich doch
früher oder später um uns ralliieren. Wenn Dir die untenstehende
Erklärung recht, schreib sie ab, unterzeichne und schicke sie mir.
Ändre, da es rasch hingeschmiert, was Dir unpassend scheint, oder
mach sie ganz neu, wie Du willst. Dein K.M.

f

Erklärung.
An die Redaktion des „Social-Demokraten“.

5 „Die Unterzeichneten versprachen ihre Mitarbeit am „Social-
Demokrat‘ und erlaubten die Veröffentlichung ihrer Namen als
Mitarbeiter unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß das Blatt
im Geist des ihnen mitgeteilten kurzen Programms redigiert werde.
Sie verkannten keinen Augenblick die schwierige Stellung des

20 „Social-Demokrat“ und machten daher keine für den Meridian
von Berlin unpassenden Ansprüche. Sie forderten aber wieder-
holt, daß dem Ministerium und der feudal-absolutistischen Partei
gegenüber eine wenigstens ebenso kühne Sprache geführt werde
als gegenüber den Fortschrittlern. Die von dem „Social-Demo-

» krat“ befolgte Taktik schließt ihre weitere Beteiligung an dem-
selben aus. Die Ansicht der Unterzeichneten vom königlich preu-

Bischen Regierungssozialismus und der richtigen Stellung der
Arbeiterpartei zu solchem Blendwerk findet sich bereits ausführ-
lich entwickelt in No. 73 der „Deutschen Brüsseler Zei-
„tung“ vom 12. Septem ber 1847, in Antwort auf No, 206 des
damals in Köln erscheinenden „Rheinis chen Beobach-
ter“, worin die Allianz des „Proletariats“ mit der „Regierung“
gegen die „liberale Bourgeoisie“ vorgeschlagen war. Jedes Wort
unsrer damaligen Erklärung unterschreiben wir noch heute.“
3 Den Weydemeyer schicke ich Dir morgen zurück. Was sagst
Du zu „Freiligrath-Blindscher“ Eidgenossenscha ft?
Seit ein paar Tagen habe ich einen Karbunkel unter dem Aller-
wertesten und einen Furunkel an der linken Lende. Auch an-
genehm.

ars Fngels-Gesamtausgabe. N. Abt... Bd. 3
        <pb n="288" />
        242 __

(904) 1865 Febr. 20
904.Engels an Marx; 1865 Februar 20.
20. Februar 1865.
Lieber Mohr,

Inliegend der Brief von Matzerath.

Quant ä Petzler*, so ist der Photograph ein ganz andrer Petz-
ler als der andre. Den Photographen sah ich nämlich vorgestern
bei einer wissenschaftlichen Soiree der Schilleranstalt, und der
Kerl ist wenigstens 20 Jahre jünger und sieht ganz anders aus. Was
aus dem Musikus geworden ist, mag der Teufel wissen.

Dein F. E. zo
"Bleistiftnotiz auf der Rückseite des Briefes.]
Gestern total vergessen, den Brief aufzugeben. No answer yet
"rom Hamburg.

905. Engels an Marx; 1865 Februar 22,

Manchester, 22, Februar 1865. u
Lieber Mohr,

In aller Eile hiermit die Erklärung. Der Brief von Schweitzer
ist „überfaul“. Der Kerl hat die Aufgabe, uns zu blamieren, und
je länger man mit ihm zottelt, desto tiefer kommt man in den
Dreck. Also je eher, je lieber! Liebknechts und Schweitzers Briefe 2
ebenfalls zurück. Den Liebknecht mußt Du furchtbar gehudelt
haben, wenn mein Brief ihm „liebenswürdig“ vorkam!

Inliegendes von Meißner. Diesmal geht’s doch rasch mit dem
Druck, das ist die Hauptsache. Auf seinen Plan, die Stärke der
Auflage selbst zu fixieren, hab ich geantwortet: mir recht, aber er zs
soll mir dann auch sagen, wie stark sie sei, für 2 Louisdor be-
komme er nur die erste. (NB. Inzwischen hat er sich entschei-
len müssen und den Druck fertig machen.)

Eilig Dein F.E.

306. Engels an Marx; 1865 Februar 24.
Manchester, 24, Februar 1865,
Lieber Mohr,

Dein Schweigen heute ängstigt mich etwas, da Du von Furun-
keln und Karbunkeln sprachst, an den interessantesten Stellen
(oder vielmehr interessiertesten) . Ich hoffe, Du bist nicht laid up. 3

Um so mehr war ich enttäuscht, als ich hoffte, Aufklärung zu
bekommen — neben dem Weydemeyer — über die kolossale

21) Im Orig. Petschler
        <pb n="289" />
        (906) 1865 Febr. 24

43

Sauerei, die die Kerle vom Social-Demokrat aus Deiner Rede
beim Londoner Arbeitervereinsfest gemacht haben. Sie lassen
Dich ja reinen Social-Demokrat sprechen. Das hat ihnen Eccarius
nie geschrieben. Diese Infamie und in der folgenden No. der Ab-
; druck des Artikels aus der Nordd[eutschen] A[llgemeinen] Zlei-
tung] unter dem Vorwand des allgemeinen Stimm-
rechts, wovon kein Wort drinsteht, ist für mich der
Beweis, daß der Kerl direkt verkauft ist und den Beruf hat, uns zu
kompromittieren. Ich hoffe, die Erklärung ist unter Segel. Keinen
o Augenblick dürfen wir mehr zögern.
Aber quelle böte notre ami Liebknecht, der die Zeitung über-
wachen soll und sie aus Prinzip nie liest!
Dein FE:

307. Marx an Engels; 1865 Februar 25.
25. Februar 1865.
Lieber Fred,

Ich hatte ganz vergessen — you must excuse me — 10 send
back Weydemeyers letter. I enclose it. Ditto a letter of Dr. Kugel-
mann with enclosure of wiseacre Miquel’s letter. Ditto a prescrip-

o tion des Kugelmann (Notabene, die Stelle in Kugelmanns letter,
daß ich geschrieben, ich wolle Lassalle verteidigen, bezog sich
auf Blinds Angriff. Ich habe ihm (K[ugelmann]) jetzt reinen
Wein eingeschenkt. Schick K[ugelmann]s und Mliquel]s Brief
zurück), die sonderbarer Weise grade nach Neuausbruch der
Krankheit eintrifft. Ich habe das Rezept machen lassen und schon
genommen das Powder, wünschte aber doch Gumperts Meinung
drüber. Die Sache ist sehr lästig. Der Unterschied vom vorigen
Jahr ist aber der, daß mein Kopf nicht affiziert ist und ich (so-
weit nicht das längere Sitzen physisch lästig)

„ durchaus arbeitsfähig bin. Übrigens fühl ich am ganzen cadaver,
daß das Zeug wieder an allen Ecken ausbrechen will.

Strohn passierte hier durch. Er war noch in Hamburg, als Dein
Manuskript eintraf, just noch Zeit genug, dem Meißner die An-
nahme zu empfehlen. Manuskript von Rüstow über dasselbe

„ Thema, dem Strohn mitgeteilt, wurde abgelehnt. Apropos! Hast
Du selbst Schritte getan bezüglich Deines Pamphlets in den Zei-
tungen, oder am I to do it? Diesmal hat Eccarius selbst den un-
begreiflichen blunder begangen. Als sein Artikel ankam, schrieb
ich ihm sogleich (22. Februar), anfragend, ob Schweitzer die

o Sache verfälscht habe? Quod non. ,

Bei Übersendung unsrer Erklärung an Wilhelm den Esel
‘93. Februar) schrieb ich selbigem:
        <pb n="290" />
        (907) 1865 Febr. 25

„In den paar kurzen Auszügen, die Eccarius aus meiner Rede
im Arbeiterverein gibt, befindet sich einiges, was direkt das
Gegenteil von dem enthält, was ich sagte. Ich habe
ihm darüber geschrieben, ihm überlassend, ob er es in seiner
nächsten Korrespondenz berichtigen will oder nicht, da unter den
jetzigen Umständen nicht viel dran liegt.“

Meine Briefe an Eccarius und Liebknecht sind geschrieben,
um im Notfall, sollte Schweitzer (der natürlich aus dem just vor-
her von mir empfangenen Privatbrief very well knew what he was
about) Eccarius blunder zu seiner Selbstverteidigung benutzen x
wollen, ihm diese Retraite abzuschneiden. Meanwhile I have told
Eccarius privately keinen bother über den Dreck zu machen, bis
solches Auftreten des S{chweitzer] es erheischen würde. Eccarius
war sehr unwohl, und dies ist wohl Schuld an dem nonsense. An-
drerseits glaube ich, daß Schw[eitzer], der bereits Wilhelms Ent- 2
lassung in Händen hatte und daher auf eine Erklärung unsrerseits
vorbereitet war, mit Wollust die Korrespondenz aufnahm, 1. um
durch die Stelle über Preußen zu zeigen, was wir für extra-
vagantes Zeug von ihm verlangen, 2. durch den Schluß der
Korrespondenz, daß wir in fact doch seiner Ansicht wären. 2
Übrigens vergißt der Galantuomo, daß ich Kopie von meinen
Privatbriefen an ihn behalten.”

Ich habe Liebknecht informiert, daß er, falls Sch[weitzer] die
Aufnahme weigert, die Sache in die Berliner „Reform“ setzt; zu-
zleich dem S[chweitzer] dies mitteilt, und außerdem, daß ich zs
gleichzeitig die Erklärung an zwei Rheinische Blätter geschickt,
Schweitzer] also diesmal doch keine Verzögerung bewir-
ken kann. Ich habe in der Tat 2 copies an Siebel geschickt, mit
dem Auftrag, zwei Tagenach Empfangmeines Briefs
die Sache in die Rheinische Zeitung und die Düssel-z
dorfer Zeitung (letztre das Arbeiterblatt) zu rücken, auch
uns Bericht über etwaigen Kommentar in der dortigen Presse zu
erstatten. Also diesmal kann S[chweitzer] nichts mehr an der
Sache ändern. Es sollte mich nicht wundern, wenn die Lassal-
lianer, namentlich im Hamburger „N ordstern“, erklärten, wir z
seien an die Bourgeoisie verkauft. But never mind!

Es ist der „International Association“ gelungen, in dem Comite
zur Bildung der neuen Reform-League die Majorität so zu-
sammenzusetzen, daß die ganze Leitung in unsrer Hand ist.
Das Ausführlichere habe ich E. Jones geschrieben. ,

In Paris ist ein solcher Zwiespalt ausgebrochen zwischen uns-
ven eignen Bevollmächtigten, daß wir den Lubez nach Paris ge-
schickt haben zur Aufklärung und Schlichtung. Schily ist ihm in
seinen credentials als Adjunkt beigeordnet und ich habe S[chily]

1) Im Orig. gehalten.

44
        <pb n="291" />
        (907) 1865 Febr. 25

245

Privatinstruktionen erteilt. Wir hätten in Paris 20 000 Karten ver-
kaufen können, aber da ein Teil den andern anschuldigte, Plon
Plon stünde dahinter etc., so mußte zunächst Suspension der Kar-
tenausgabe eintreten. Unter diesem Militärdespotismus herrscht

; natürlich wechselseitig der größte Verdacht vor (mir scheint, daß
diesmal beide Seiten sich Unrecht tun), und die Leute sind un-
fähig, durch meeting oder durch Presse sich auszugleichen und
zu verständigen. Es kömmt ein Umstand hinzu: Die Arbeiter
scheinen sich darauf zu spitzen, jeden literary man etc, auszu-
o schließen, was doch Unsinn ist, da sie derselben in der Presse
bedürfen, aber verzeihlich ist bei dem fortgesetzten Verrat der
Literary men. Andrerseits verdächtigen die letztern jede Ar bei-

‚erbewegung, die sich gegensätzlich gegen sie verhält.

(Bei diesen „literary men“ fällt mir ein, daß- die hiesigen

s Arbeiter (englischen) bei der Transformation 'des Bee-
hive, die in 3 Monaten vorgehn wird, mich zum Editor
machen wollen und mir dies bereits mitgeteilt haben. Ich werde
mir jedoch die Sache nach allen 24 Seiten überlegen, bevor ich

einen Schritt nach einer oder der andern Seite tue.)

So stehn denn auch in Paris auf der einen Seite Lef ort (ein
literary man, außerdem vermögend, also „Bourgeois“, aber vom
reinsten Ruf und, soweit La belle France in Betracht kommt, der
eigentliche Stifter unsrer Gesellschaft) und auf der andern
Tolain, Fribourg, Limousin etc., die Arbeiter sind. Well,

» ich werde Dir über den Ausgang berichten, Jedenfalls berichtet
mir ein Bekannter, Wolff, der eben aus Paris zurückkehrte, daß
die Teilnahme an der „International Association“ intens ist. Auch
das „D&amp;bats“ habe sich in die Sache eingemischt.

Was die Londoner unions etc. betrifft, so kommt jeden Tag

u neue Adhesion, so daß wir by and by eine Macht werden.

Aber damit beginnt auch die Schwierigkeit. Schon hat Mr.
Beales (the registering barrister von Middlesex,
einer der jetzt populärsten Leute in London, Präsident der
Polish League, Mitstifter der New Reform League, in fact the go-

ı# between zwischen Workingmen und Middle Class, außerdem noch
dazu ehrlich und wohlmeinend) sich als member für unser
Council vorschlagen lassen. Die Gelegenheit bot sich dadurch,
daß wir als subcommittee zusammen mit ihm das polnische Mee-
ting (unter Marquis Townshend) für nächsten Mittwoch vorzu-

o bereiten hatten. Es war mir sehr fatal. Ich konnte natürlich ge-
waltsam die Sache hindern, da sämtliche Continentals mit mir
gestimmt hätten. But I did not like any such division. Ich habe
also durch Privatbriefe an die Principal English members es dahin
gebracht, daß der proposer des Beales seine Motion nicht wie-

u de vorhrachte. Als „offizieller“ Grund ward angegeben,

nn
        <pb n="292" />
        246

(907) 1865 Febr. 25
1. daß Beales bei der nächsten Parlamentswahl will stand for
Marylebone und daß unsre Gesellschaft durchaus den Schein ver-
meiden muß, to serve the interests of any Parliamentary ambition;
2. daß Beales und wir uns wechselseitig besser in die Hände arbei-
ten können, wenn wir in verschiednen Fahrzeugen segeln. So ist
diese Gefahr zunächst beseitigt. Übrigens hatten sich auch schon
andre Parlamentler, wie Taylor etc. (Kerls, die mit Mazzini zu-
sammenhängen) , beigehn lassen uns mitzuteilen, daß jetzt die time
für ein Polnisch Meeting nicht opportune sei. Ich antwor-
tete durch unsern Council, daß die Working Class its own Foreign 10
Policy habe, die sich durchaus nicht danach kehre, was die Middle
Class für opportune halte. Sie hielten es immer für opportune
to goad on the Poles at the beginning of a new outbreak, to betray
them during its progress by their diplomacy, and to desert them
when Russia had thrown them down. In der Tat, das Meeting be- 2
zweckt vor allem Geldunterstützung. Sollen die armen &amp;migres
(diesmal meist workingmen und peasants und daher
keineswegs protected by Prince Zamoyski et Co.) verhungern, weil
es der English middle class just now inopportune scheint, to men-
tion even the name of Poland?

Einliegender Ausschnitt des Herrn Blind aus Morning
Star. Mazzini, der doch dem Fontana den Bl[lind] für einen
Lügner erklärte, war doch wütend darüber, daß seine hiesige
italienische Arbeitergesellschaft meine Address
italienisch in die Welt schickte, ohne die von Herrn Mazzini aus- 2
drücklich verlangten Auslässe, z. B. der Stellen gegen die
Middle Class, zu machen. Dein K. M.
Apropos! Einiger Portwein und Claret wird mir sehr wohl tun
under present circumstances.

308, Engels an Marx; 1865 Februar 27.
Manchester, 27. Februar 1865.
Lieber Mohr, .
Da Du mir positiv zugesagt hattest, so fort bei M[eißner]s
zusagender Antwort die Schritte wegen der Zeitungen zu tun, so
verließ ich mich darauf, daß es geschehen sei. Ich habe indes z
heute an Siebel, Liebknecht und Klein in Köln (wegen der Rhlei-
nischen] Z[eitung]) das Nötige expediert, da keine Zeit zu ver-
lieren ist. Hast Du sonst noch Leute, die was tun können, so schreib
an sie — perhaps Kugelmann? Sein Brief inliegend zurück, ditto
Miquel, dessen klugscheißende Verarbeitung der Theorie zum «
Piedestal der Bürgermeisterwürde und Bürgerfreundlichkeit mich
sehr amüsiert hat, Ungefähr so wird Heinrich Bürgers sich die

7 98...20
        <pb n="293" />
        (908) 1865 Febr. 27

247
Welt vorstellen, wenn er einmal Bürgermeister von Nippes oder
Kalscheuren werden sollte.
Jones hat wieder sessions, ich habe ihn noch nicht sehn können.
Morgen mehr, es schlägt 7 Uhr, und ich muß den Brief aufgeben.
Dein F.E.
Portwein hab ich keinen auf dem Warehouse und muß ihn
erst anschaffen, soll aber unverzüglich geschehn.

309. Engels an Marx; 1865 März 3.
Manchester, 3. März 1865.
Lieber Mohr,

Du mußt mein nachlässiges Schreiben diese Woche entschuldi-
gen. Borkheim war hier und hat mich sehr in Anspruch genommen,
ist heute Abend fort, dazu cotton panic in Folge der Fortschritte
Shermans und unendliche Schreibereien und vergebliche Ver-

;s suche, unsren stock loszuschlagen. Ich glaube, in 14 Tagen ist
Richmond geräumt und in 4 Wochen die letzte Entscheidungs-
schlacht geschlagen, wenn Lee nicht durch ein Wunder sich neue
Galgenfrist von 2—3 Monaten fristet.

{ch muß jetzt nach Haus, noch an Meißner und Siebel schrei-

» ben, der sich sehr bemüht hat — sagt, er habe Dir die Erklärung
geschickt. Ich bin froh, daß das Ding endlich publiziert ist, der
verfluchte Social-Demokrat vom 1. März hat no c hnichts-— hat
wohl versucht, rückgängig zu machen? Es ist mir wie ein Stein vom
Herzen, daß endlich der Bruch mit diesem Pack vollendet. Jetzt

„ also ist der große Schlußartikel über Bismarck da, worin Alles
wieder gut gemacht werden sollte. 0 jerum, jerum, jerum.

Dein F. E.

Port habe ich in der Eile keinen ordentlichen bis jetzt auftrei-

ben können, aber Claret gestern geschickt. Sehe mich noch nach
2 Port um.

310. Marx an Engels; 1865 März 4.
A March 1865.
Dear Fred,
Heute steht unsre Erklärung im Social-Demokrat. Der Herr
„ Schweitzer hat, unter dem Vorwand, daß die Erklärung der
„Herrn“ keiner weitern Bemerkung bedarf, uns doch einen seiner
„tiefsinnig verschissenen‘“ Leaders „anonym“ gewidmet. Las-
salle und B. Becker, „der Präsident der Menschheit“, for ever!
Tedenfalls habe ich in Hand das sehr demütige Einladungsschrei-
        <pb n="294" />
        28

(910) 1865 März 4
ben des Herrn S[chweitzer] etc. Siebel hat 5 Zeitungen geschickt
(Barmer, Elberfelder, Düsseldorfer, Rheinische, Neue Frankfur-
ter) mit der Erklärung. Der einliegende Ausschnitt ist aus der
„Elberfelder“. Mir ist lieb, daß wir erstens „heraus“ sind
und zweitens „drin“ waren. Ohne das letztre wären wir nie in die
„Mysteres Lassalle“ eingedrungen.

Ich habe wegen Deines Pamphlets (das sich gedruckt sehr
gut macht; bei einer etwaigen 2. Auflage wäre nur hier und da
ein Satz zu ändern) an Kugelmann (schick mir sein Rezept zurück)
geschrieben. Kannst Du noch 2 copies mir schicken? Ich möchte
nämlich an Benders Saublatt (London) und „Hermann“ zwei
kurze Notizen bringen durch Eccarius, aber ohne Überliefrung
von 2 Exemplaren wird das kaum gehn.

Das „Polenmeeting‘“ (Wednesday) lief sehr gut ab, und
voll, obgleich die bourgeois, es „inopportune“ erklärend, alles
getan hatten, um es zu vereiteln.

Die französischen Angelegenheiten sehr ver-
wickelt. Bericht drüber, wie Schilys Report (aus dem ich heut
noch dem subcommittee Auszüge übersetzen, resp. mitteilen muß),
erhältst Du im nächsten Brief. Für jetzt nur das, daß jetzt a fight z0
zwischen unsern ursprünglichen Arbeiteragenten und den politisch
sozialen Herrn (eingeschlossen den Chef der von Moses so bewun-
derten „Associations‘“), wer mit uns in Verbindung sein soll. Die
französischen, speziell Pariser Arbeiter (doch auch schon Ver-
bindungen in 25 andren französischen Städten) betrachten den 2:
Londoner Council förmlich als „auswärtige“ Arbeiterregierung.

Major Wolff ist nach Absitz seiner Haft in Alessandria zurück-
gekehrt.

Apropos! Hab’ ich Dir schon gesagt, daß Mazzini hinterher
doch sein „Mißfallen“ (und seine Vorliebe für K. Blind, den er zo
selbst als „Lügner“ erklärt hatte) unter der Hand dem Fontana
mitgeteilt?

Dein Wein gestern gekommen; mit thanks empfangen.

Seit einer Woche ist mein Schwager aus dem Kap wieder hier,
der nächsten Dienstag abreist. Mit ihm kam meine Nichte aus z
Maastricht (Tochter meiner Schwester, Witwe Schmalhausen), die
ich in about a week later zurückbringen muß.

Ich bin an verschiednen empfindsamen und „Jästigen“ Teilen
mit dem alten Übel geplagt, so daß mir Sitzen schwer.

Apropos! Ist die lupussche Geschichte noch nicht ganz abge- w
wickelt? Ditto habe ich von Herrn Borchardt nie ein Wort gehört
über die ausstehenden Gelder, die er eintreiben wollte. Aus dem
einliegenden Wisch siehst Du an einem Beispiel, wie alle mög-
lichen, mir gänzlich aus dem Gedächtnis verschwundenen An-
sprüche auf mich gemacht werden. Dies ist die letzte. die sich bis 4

6.

nz
        <pb n="295" />
        249
jetzt aus den Zeiten der Neuen] Rhleinischen] Zleitung] erhoben
hat. Dabei muß ich alle mögliche Rücksicht nehmen, weil die
Kerls sonst öffentlich Skandal machen.

Mit Confederacy scheint es zu Ende.

Salut. Dein K. M.
Kannst Du mir die auf cottonerisis bezüglichen Papiere des
Manchester Journalismus nicht zuschicken?

11 Engels an Marx: 1865 März 6.
Manchester, 6. März 1865.
Lieber Mohr.
Dein Vorgestriges erhalten, auch heute den Social-Demokrat
mit dem komischen Artikel, worin wir exkommuniziert werden.
Das ist wirklich heiter.

Heute war ich wegen Grippe den größeren Teil des Tages zu

; Hause, will aber, sobald möglich, zum Advokaten gehn wegen der
Lupusschen Geschichte. Es ist Alles in Ordnung, sobald der Kerl
abschließt: die £ 100 für Borchardt sind ihm bezahlt (d. h. nach
Abzug der von ihm einkassierten Gelder), auch die £ 100 an die
Schilleranstalt, ferner habe ich dem Advokaten ca. £ 150 gegeben

„ zur Deckung der Steuer und warte nur noch auf seine Rechnung,
um Dir dann den Rest sofort zu remittieren, Eine vorläufige Ab-
rechnung werde ich Dir in ein paar Tagen zurechtmachen, damit
Du siehst, wie die Sache etwa steht.

Inliegend Sachen von Siebel und einem gewissen Lange. Qu’en
penses-tu? Schick mir den Kram zurück, auch den Brief von
Meißner, den ich zu meiner Korrespondenz mit ihm nötig
brauche. Die Ausschnitte schicke ich ihm, damit er sieht. daß wir
auch Leute haben, die die Sachen poussieren.

Die Kölnlische] Zeitung hat unsre Erklärung auch gebracht,

„ jedoch nur bis zu den Worten, daß die Taktik des Social-Demokrat
unsre weitere Beteiligung ausschließt.

Bruhn inliegend zurück. How the hell came you to owe that
fellow any brass, wieviel ist’s, ich schick’s Dir sofort.

Zwei copies Broschüren gehen hiermit ab. Es sind die letzten.

x Ich habe aber wieder welche bestellt. Die Annonce der Broschüre
steht in der Kölner Zeitung.

Was sind das für „auf die cottoncrisis bezügliche papers des
Manchester Journalismus“, von denen Du sprichst? Soll
wohl heißen Relief Committee? Ich habe den Maclure längere

„ Zeit nicht gesehn, sobald ich ihn treffe. werde ich ihn darum an-
gehn.

7 16 (sobald)— 21

da 26
        <pb n="296" />
        250

(911) 1865 März 6
Gumpert hält nicht viel von dem phosphorsauren Kalk des
Kugelmann, Es sei jedenfalls kein Specificum. Du solltest Arse-
nik fressen, sagt er. Inliegend zurück.

Jetzt muß ich auf die Schilleranstalt, dem Comite präsidieren.
Apropos, einer der dortigen Kerls, ein Chemiker, hat mir neulich
das Tyndallsche” Sonnenstrahlenexperiment erklärt. Es ist sehr
famos.
Dein F.E.

312. Marx an Engels; [1865] März 10.

Dear Fred,

10 March.
Ich kann heut nur diese wenigen Zeilen schreiben, da ich sonst
beschäftigt.

Die Erklärung des Herwegh und Rüstow gut. Die Frechheit
des Herrn Schweitzer, der doch weiß, daß ich nur seine eignen x
Briefe zu publizieren brauchte, ist fahbelhaft. Aber was soll der
beschissene Hund auch machen.

Der Wisch, den er aus der Neuen] Frank[furter] Zleitung]
zitiert, ist, wie Du schon geraten haben wirst, von Studiosus
„Blind“. Ich schicke Dir die erste No. dieses „Lakaien“ der x
abgesetzten Demokratenkönige und Holloway-artigen „selfadver-
tisers‘“ und „puffers“. Du mußt ein paar Witze über den Kerl
dem Siebel zukommen lassen, der sie seinerseits in die verschied-
nen Blätter kolportieren muß.

Übrigens, wenn Deine Broschüre 2. Auflage erleben sollte, so. 2
kann in kurzem Vorwort unsre Stellung zu der Lassallescheiße
und „Social-Demokrat“ in wenigen Worten offiziell konstatiert
werden. Es wäre natürlich unter unsrer Würde, uns mit dem
Lumpenpack in kleinen Journalen direkt herumzuplacken.

Salut. 3

Dein K. M.

313. Engels an Marx; 1865 März 11.
Manchester, 11. März 1865.
Lieber Mohr, " A

Die Unverschämtheit des Schweitzer ist wirklich ordentlich 3:
lächerlich. Sie beweist aber, wie tief ihn unser Austritt getroffen
und wie gut er weiß, daß sehr viel für sein Blättchen davon
abhängt. Daß Herwlegh] und Rlüstow] sich unsrer Erklärung
anschließen, ist alles Mögliche. Der Schweitzer wird aber,

1) Im Orig. Tindalsche.
        <pb n="297" />
        (913) 1865 März 11

namentlich am Rhein, bald merken, was es mit seiner Renommage

auf sich hat. Der Siebel hat die Broschüre famos herumgebracht.

Die Bonner Zeitung hat bereits Zmal große Auszüge gebracht und

will noch mehr geben. Auch die Rheinische hat einen langen Aus-
; zug. Bei unsrer Stellung unter den rheinischen Arbeitern wird

die Klüngelagitation gegen uns wenig helfen.

Das Stückchen aus der Neuen] Frlankfurter] Zleitung] hatte
mir Siebel bereits geschickt. Studiosus Blind wie immer. Die
paar Redensarten Lassalles müssen ihm ein ganzes Jahr vorhalten.

o Den „Lakaien“ noch nicht erhalten.

Die Erbschaftssache ist abgewickelt, der lawyer wird nächste
Woche die Abrechnung schicken, er hat ca. 10 sh. zu fordern oder
zu zahlen, er wußte nicht genau. So kann ich Dir das Geld also
Montag schicken. Einstweilen inliegend meine Abrechnung,

ız wonach noch ca. £” Dir gut kommen.

Was der Liebknecht sich von Manchester für Vorstellungen
macht! Hat nichts zu fressen und fragt mich, was hier ein Haus
„mit Garten“ kostet! Der Kerl ist überhaupt ganz versimpelt.
Schweitzer hat sich deshalb nicht an Blismarck] verkaufen kön-

„nen, weil er dies sonst durch das alte Saumensch hätte tun
müssen!

Übrigens macht mich die neue Bewegung schändlich schwitzen.
Der Teufel soll das holen, wenn man den ganzen Tag korrespon-
diert hat fürs Geschäft, auch noch Abends für die Partei und Ver-

» leger etc. bis 1, 2 Uhr zu korrespondieren.

Dem Lange seine Broschüre hat mir Siebel geschickt. Konfus,
Malthusianer mit Darwin versetzt, nach allen Seiten liebäugelnd,
doch einige nette Sachen gegen Lassalle und die Bourgeoiskon-
sumkerls. Ich schick’s Dir dieser Tage.

Inliegend auch Schilys Brief zurück, der mich sehr amüsiert
hat. Der alte Kamerad macht sich in seinen diplomatischen Funk-
tionen sehr nett. Wie habt Ihr’s geschlichtet?

Mit Jones ist gar nichts anzufangen. Kaum sind die sessions
vorüber, so fangen die Assisen an. The trade in crime seams highly

zs Aourishing.
Adios, grüß die ladies bestens.

251

A

Dein F.E.

Executor W. Wolff. Debent
An Zahlung von Steinthal &amp; Co. inkl. Zinsen. £ 1083. 9. 3
wo» - „ Heywood Brothers „ » 2. „ 234.14. 9
„. Ausständen einkassiert durchDr.Blorchardt]. „ __ 66.13.—
Creduate £ 1384.17.—
DL
1) Nicht ausgefüllte Lücke.

/ 15—18.
        <pb n="298" />
        252

Per Zahlung an Marx

»9 ditto
ditto
ditto

(913) 1865 März 11
234.14. 9 £ 1384.17.—
350.—.—
200.— .—
40 ——
824.14. 9
100.— .—
W.—.-—
„UU—
Omen

£

Borchardt .
Schilleranstalt
Engels. . .
„ „ „ Advokat Wood.
Durch Borchardt gezahlt:
Zahlung an Landlord. .. . „ 13.4.9
» Begräbniskosten, „ 57.11.—
;„„ 2 Rechnungen. „ 1.2.4
„ Probate Duty . „ 30.—— „ 1376.12.10
Saldo £ 8. 4. 2%

.

Hierzu kommen noch einige Zinsen, welche ich Dir für die
Zeit vom 9. November (wo ich den Rest von ca. £ 633 von Stein-
thal erhielt, Dir aber zuerst nur £ 200 schickte und auch andre
Zahlungen verschleppte) zu vergüten habe. Dies kann ich heute
nicht nachsehn, da der Kassierer bereits fort ist und das betref- 20
fende Buch verschlossen hat, mit der Abrechnung von Wood er-
hältst Du auch das; es kann aber nicht viel sein. Der Hauptzinsen-
gewinn lag darin, daß diese £ 633 bei Steinthal von Mai bis No-
vember stehn blieben, was ca. £ 16 ausmachte, die Du mehr er-
halten hast.

314. Marx an Engels; 1865 März 13.
13. März 1865.
Lieber Engels,

Mit der Geldrechnung irrst Du Dich sofern, als Du mir am
8. Juni £ 235, Anfang Juli £ 350 (das Datum steht nicht auf zo
dem Brief, worin das Geld war, ich sehe es aber aus einem Brief
vom 5. Juli, worin seine Sendung angekündigt wird) und am
9. November 1864 200 £ schicktest, dagegen die letzten in
Rechnung gebrachten £ 40 als eventuell ankündigtest
(in dem einliegenden Brief vom 9. November), aber nie 26-35
schickt hast. Ich hoffe, daß Du Dich durch abermalige Ein-
sicht Deiner Bücher überzeugen und in diesem Fall das Geld mir
umgehend schicken wirst, vor meiner Abreise nach dem Kontinent
(mit meiner niece), die wohl Ende dieser Woche stattfindet.

Was die Schweitzersche Frechheit betrifft, so habe &lt;
ich mich anders entschlossen. Es gibt gewisse Dinge, die man gern
        <pb n="299" />
        dem Publikum gegenüber aufklärt, aber nur so tun kann als Ant-
wortauf direkte Provokation, wo man also die oppur-
tune time of a reply nicht passieren lassen darf. Und dies ist der
Fall mit der mit Blindschem Dreck verquickten Randnote des
Schweitzer. Ich will in der Düsseldorfer Zeitung ant-
worten, zwar für uns beide, aber nur in meinem Namen
zeichnen, weil es lächerlich wäre, Dich mitverant-
wortlich zu machen für den „Achilles“, und da
überhaupt hauptsächlich (nur nach meinem Plan) des
„ Sichweitzer] Briefe an mich zitiert werden.

Mein Plan also der:

Schweitzer druckt die ihm als Lügen bewußten Lügen der
Nleuen] Firan]klfurter] Zleitung] ab. (Ist der Artikel in dem
Blatt als Redaktionsartikel oder wie?) Nämlich: 1., der uns zu-

 gesandte und „als Manuskript gedruckte Prospektus““ enthielt
weder den Namen Lassalles, noch ein Wort von Lassalle. (Lieb-
knecht hatte das verhindert.) 2, Wegen der Schamlosigkeit, Stelle
aus Privattrostbrief seiner Lobhudelei vor- und nachzuhängen,
bittet S[chweitzer] demütigst bei mir ab in Zettel vom 30. Dezem-
ber. 3. Ich werde durch kurze Auszüge aus Schweitzers Briefen
vom 30. Dezember 1864 bis 15. Februar 1865 (seinen letzten
Brief) zeigen, daß der Konflikt mit der „Taktik“ von der ersten
Probenummer bis zu unsrer Austrittserklärung permanent war,
keineswegs plötzlich vom Zaun gebrochen, wie Ehren-Schweitzer,
die Blindscheiße bestätigend, vorgibt. Es wird diese kurze Mosaik
aus Schweitzerschen Briefexzerpten zugleich zeigen, wie SeTV il
dasselbe Vieh uns gegenüber, der plötzlich, nach erhaltenem Fuß-
tritt, gemein wird. Dies heilsam zu lesen für Bürger und Ar-
beiter (und für Rüstow). Überhaupt gute Einleitung zu dem
Bruch mit „Lassallianismus‘“, der doch unvermeidlich kömmt.
(Natürlich, dem Studiosus Blind gegenüber, sollte der Molch wie-
der come out, werde ich immer den Lassalle als einen toten Löwen
gegenüber einem lebendigen Esel behandeln. Es ist unanständig,
daß ein „so ungelernter““ hadensischer Wirt mit einem Manne,
„der Heraklit und römisches Erbrecht trieb, überhaunt sich auf
eine Stufe stellt.)

Schreib umgehend, ob Du meinen Plan billigst, da ich keine
Zeit zu verlieren. (Auch vergiß nicht zu schreiben, in welcher
Form die Blindsche Seiche in der N[euen] Flranlk[furter| Zlei-

„ tung] erschien.) Ich halt’s für nötig.

Öbgleich ich nicht das Vergnügen habe wie Du, mit Gescheit
zu korrespondieren, aber auch den Gescheit nicht bescheißen zu
können, so bin ich doch in der letzten Zeit, abgesehn von der Fort-
dauer der furuncles; höllisch harassed, kam z. B. gestern Nacht

„erst um 4 Uhr Morgens zu Bett. Nehen meiner Arheit an dem

(924)_1865 März 13

253

FA

7 41—43 (dach)
        <pb n="300" />
        254

(914) 1865 März 13
Buche nimmt die International Association ganz enorm
viel Zeit weg, da ich in fact das head der Geschichte bin. Und
welcher Zeitverlust! (Jetzt grade, wo gleichzeitig die Geschichte
mit den Franzosen, Wahlgeschichte hier usw.) Z. B. die Fran-
zosenscheiße:

28. Februar. Tolain” und Fribourg von Paris da. Sitzung des
Central Council, vor dem sie sich zu erklären und zu zan-
ken mit Le Lubez bis 12 Uhr Nachts. Dann Nachsitzung in Bol-
leters Kneipe, wo ich etwa 200 Karten noch zu zeichnen hatte.
(Ich habe jetzt diesen Blödsinn dahin verändern lassen, daß unsre 1
Handschrift auf der Platte eingegraben und nur der General
secretary handschriftlich zeichnet. Indes mußten die noch vor-
handnen 1000 Karten, Rest of the old edition, gezeichnet werden
in the old style.

1. März. Polenmeeting.

4. März. Sitzung des subcommittees über die
französische Frage bis 1 Uhr Nachts.

6. März. Sitzung des subcommittees über ditto
bis 1 Uhr Nachts.

7. März. Sitting of the Central Council bis 12 Uhr zw
Nachts. Beschlußnahme. (Ich lege die Beschlüsse
bei, neben der Privatinstruktion, die der Central Council dem
Schily schickt, der, wie Du aus Resolution V siehst, zum Dele-
gate (Ambassador) des Central Council at Paris
ernannt ist.)

(Diese Sitzung vom 7. März, worin Le Lubez ganz culbute,
war sehr peinlich, stürmisch und machte speziell auf die Englän-
der den Eindruck, that the Frenchmen stand really in need of a
Bonaparte!) Dazwischen nun noch Hin- und Herlaufen
der Leute zu mir wegen der letzten Sonnabend (11. März) ge- s
haltenen Konferenz mit Bright etc. Über selbe kurz an Jones re-
portiert (er hatte bei mir Freitag darüber im voraus angefragt),
ihn beauftragt, Dir den Brief mitzuteilen.

Well, mon cher, que faire? Man muß B sagen, sobald man A
gesagt. &amp;
Aus einliegendem Nordstern (see the 2 first leaders) siehst

Du, daß Bruhn, trotz seines Hasses gegen uns, aus Brotneid
gleich angebissen hat gegen den Schweitzer. Dies sehr wichtig,
da B[ruhn]s Blatt das ältere und jedenfalls so Zwiespalt im
Lager der Kerls selbst hervorgerufen ist. 4

Diese Woche erscheint kurze Notiz über Deine Broschüre in
Benders „Anzeiger“. Dem Hermann (Juch) habe ich sie ge-
schickt: er solle seiner Ansicht gemäß darüber urteilen etc.
Dies wird geschehn. Ich erwählte diese Form, weil ich bei Juch

1) Im Orig. Tolaine

BE
        <pb n="301" />
        (914) 1865 März 13

255
mich immer lustig über die von Blind für Blind über Blind dem
Hermann zugeschickten Inserate machte, und wir beide hier als
Eine Person gelten.

Salut.

Dein K. M.

I. Resolution. Whereas eitizen Tolain” has several times
tendered his resignation, and the Central Council has as often
refused to accept it,the said Council now leaves it to citizen Tolain ”
and the Paris Administration to reconsider, whether or not under

a present circumstances, this resignation be opportune. The Cen-
iral Council confirms beforehand whatever resolution the admi-
nistration may come to on this point.

II. Resolution. In deference to the wishes of a meeting of
32 members of the Workingmen’s International Association held

„at Paris February 24, and in obedience to the principles of po-
pular sovereignty and selfgovernment, the Central Council cancels
its resolution relating to the appointment of an official vindicator
for the French press. At the same time the Council seizes this
opportunity of expressing its high esteem for citizen Lefort, in

» particular as one of the initiators of the Workingmen’s Inter-
national Society and in general for his approved public character,
and further it protests that it does not sanction the principle that
none but an ouvrier is admissible as an official in our society.

{I. Resolution. The Council resolves that the present Ad-

» ministration with the addition of citizen Vincard be confirmed.

IV. Resolution. The Central Council earnestly requests
Ihe Administration at Paris to come to an unterstanding with
sitizens Lefort and Beluze, so as to admit them, and the group of
ouvriers they represent, to be represented in the Administration by

„three members, but the Council while emitting such a wish, has no
sower nor design to dictate.

V. The Administration at Paris having expressed its readiness
to acknowledge a direct delegation from the Central Council, the
Council accordingly appoints citizen Schily to be its delegate to

;: +he said Administration.
Privatinstruktion an Schily,

„In case no compromise be arrived at, the Council declare that
the group Lefort, after having taken out their cards
of membership, will have the Power under our Statutes (see

„$ 7) to form a Local branch Society.“ This to be held out
in terrorem, but confidentially, to Fribourg et Co., in order

1) Im Orig. Tolaine

“ Xb-— Al
        <pb n="302" />
        256.

(914) 1865 März 13
to induce them to make the necessary concessions, supposed Le-
fort and Beluze. (the director. of the Banque du Peuple) are
egarnest in inducing their group to become members.

915. Engels an Marx; 1865 März 14.
Manchester, 14. März 1865.
Lieber Mohr,

Die Geschichte mit den £ 40 beruht einzig auf einer Auf-
stellung über die Geschichte, die ich im November machte, und
worin diese £ 40 als „Cash“* an Dich figurieren, aber ohne Datum.
Es kam mir selbst so vor, als ob ich Dir diese £ 40 noch nichtz
geschickt hatte, da ich aber keine Gelegenheit zum Nachsehn hatte,
so konnte ich mich nur an das Memorandum halten. Ich habe
heute mein Konto im Hauptbuch nachgesehn, kann daraus aber
auch nichts Bezügliches herauskriegen. Wenn Du übrigens die
£ 40 nicht bekommen hast und gleichzeitig mir vorschwebt, daß z5
sich dies auch so verhält, so ist das genügend, und ich habe be-
reits dem Kassierer Ordre gegeben, morgen das Geld bereit zu
halten.

Mit der Geschichte wegen der Erklärung in der D[üssel]ldorfer
Zeitung bin ich ganz einverstanden, So sehr es im Ganzen auch 20
Wurst ist, ob der Herr Schweitzer sich einmal eine Unverschämt-
heit erlaubt, so war es mir doch ärgerlich, daß dieser ordinäre
neugebackene Lauskerl sich sollte ungestraft so gegen uns
gerieren dürfen. Dazu kommt, daß, wenn seine Kriechbriefe nicht
jetzt publiziert werden, sie später gar nicht mehr zu verwenden 27
sind. Es ist immer gut, wenn einmal wieder so Einer was aufs
Dach kriegt. Also mach’s gleich und.bitte den Dresemann, 2 co-
pies zu schicken, damit ich eine davon bekomme.

Eilig Dein HE.

916. Marx an Engels; 1865 März 18.
18. März 1865.
Dear Fred,

Ich hätte Dir sehr viel und zum Teil Wichtiges zu schreiben.
Da aber wegen meiner morgenden Abreise a very great deal of
business zu tun ist, so nur folgendes Tatsächliche:

Die letzten halves der Noten erhalten,

Die Post Office Ordre kannst Du meiner Frau zuschicken.

Ich habe einen Zettel von Bender, worin er 50 Stück etc. Deiner
Broschüre verlangt ete., an O0. Meißner selbst geschickt, da

Pr
        <pb n="303" />
        (916) 1865 März 18

257
ich diesem heute notwendig zu schreiben hatte. Möglicherweise
könnte Mieißner]s Antwort zu spät für den nächsten Lon-
doner Anzeiger kommen. Da nun Bender unbedingt am
meisten Sachen der Art in England zu verbreiten weiß, so schick
‚ ihm umgehend, wenn Du kannst (i. e. selbst die Sache weißt),
Notiz über den Preis der Broschüre, Er zeigt sie
dann gleich in der nächsten Nummer an. Seine Adresse ist
8, Little Newportstreet, Leicester Square.
[ch hatte dem Bender ein kurzes, ganz summarisches Artikel-
o chen, wie es für sein Blatt mir passend schien, Art Inhaltsanzeige,
gemacht und dem Juch dahingegen hinwiederum und alldieweil
aur Deine Broschüre selbst geschickt mit Aufforderung, sie in sei-
ner Art und von seinem Standpunkt aus zu kritisieren. Da erhalt
ich nun einliegenden Zettel von Juch (hebihn auf!). Es war
durchaus keine Zeit mehr für eine Kritik. Ich sandte also dem
Juch die für Bender (heut im „Hermann“) ursprünglich be-
stimmte Notiz (dem Bender dahingegen die einliegenden paar
Worte). Zugleich schrieb ich dem Juch — Diplomatie mehr und
mehr nötig —, wegen meiner Abreise könnte ich sein Verlangen
£ nicht befriedigen; er solle kopieuse Auszüge in einer spätern Num-
mer geben; nach Rückkehr in London würde ich mit ihm sprechen
über seinen Mangel an Mitarbeiterschaft. (Ich denke, den Ecca-
cius da statt im Social-Demokrat unterzubringen.) Ich habe ihm
ditto, was aber erst erscheinen kann im „Hermann“, der nächsten
Sonnabend kömmt, Kopie meiner Erklärung gegen Schweitzer ge-
schickt (gleichzeitig an Reform in Berlin und Düsseldor-
fer Zeitung); in der Ausgabe für den „Hermann“ nichts ge-
ändert außer zugesetzt im Eingang einen Stich gegen Blind.

Bender schreibt mir ditto: „Verbindlichsten Dank für die ein-

„ gesandte Notiz; aber jetzt haben wir auch noch eine Rezension
nötig.“ Diese habe ich dem Eccarius übertragen.

Beiliegend auch mir von Liebknecht zugeschickte Nummer
der „Rheinlischen] Zeitlun g]“ mit his speech. Seine Frau
hat der meinen geschrieben; es geht ihnen hundeschlecht. Er war
noch 5 £ am Social-Demokrat schuldig etc. Ich kann ihm in die-
sem Augenblick nichts schicken.

Einliegend der Nordstern. Du mußt dies Dokument auf-
heben. Du siehst, die Herren möchten jetzt machen, als habe der
unglückliche Schweitzer ganz und gar den Lassalle verfälscht.

„ Meine Erklärung gegen Schweitzer, worin, wenn auch in einer
sehr indirekten Form, Lassalle selbst abgelehnt wird, kömmt daher
sehr gelegen. Die Sache wird sich nach und nach klären.

Aus einliegendem Brief des Bruhn zeigt sich, daß ich mit dem

Frisch Recht hatte. Ich habe ihm die 6 Taler (statt 60!), obgleich

Marx-Engels-Gesamtausgahe, IM. Abt., Bd. 3 17

7 44 (Ich) —

3
        <pb n="304" />
        (916) 1865 März 18
ich nicht daran glaube, geschickt, zugleich ihm gesagt, wegen der
50 würde ich weiter „untersuchen“ etc.

Salut. Dein K. M.

Apropos! Klings war hier auf der Durchreise nach Amerika.
Er hat mir allerlei Interessantes. berichtet. Ein echter „Rheini-
scher‘ Arbeiter,

Am 5. März beschloß die Kölner Branche des Allgemei-
nen Arbeitervereins, Protest zu erlassen (im Sinn unsrer
Erklärung) gegen „Social-Demokrat“, aber auch gegen B.Bek-
ker, der eine Art von Biscamp Secundus. Sie haben stopped x
the money supplies. Und diese Steuerverweigerung an-
steckend.

917, Frau Jenny Marx an Engels; [1865 März 301.
Lieber Herr Engels,

Herzlichen Dank für Ihren Brief und den hier wieder beifol- ı;
genden Zeitungsausschnitt. Das Schlimmste bei der Dreck-
geschichte, in die das „Wilhelmchen‘“ Sie und den Mohr von
Neuem wieder hereingezogen hat, ist, daß ich gar nicht weiß, wo
der Mohr im Moment sich aufhält. Ich höre nichts von ihm, weiß
nicht, ob er in Deutschland oder in Holland ist. Aufs Geratewohl
habe ich ihm all den Zeitungsschmutz nachgeschickt. Es ist bei-
nahe unmöglich, sich mit einer Kreatur wie Becker in einen Zei-
tungskampf einzulassen, und doch müssen facts wegen der gläu-
bigen Straubinger berichtet werden. Das Allerlächerlichste und
Ärgerlichste bei der Sache ist, von Leuten wie Herrn Reusche das z:
Zeugnis ausgestellt zu erhalten, daß „Lassalle* auch mit Achtung
von Marx gesprochen“. Lassalle”, der meinem Mann alles, selbst
seine mistakes nachgeschrieben, der seit 15 Jahren sein Freund
und Schüler war —, der soll auch mit Achtung von ihm gespro-
chen haben. Und das Gnadenzeugnis stellen Leute aus, die erst in x
den letzten 2 Jahren mit L[assalle] befreundet wurden, zu einer
Zeit, wo er sich schon ganz auf der schiefen Linie befand, die ihn
ins Bismarcksche Lager, ins Ministerium wie Freund Bucher, oder
in die letzte retraite nach Italien führte. Es gilt natürlich, diesen im
Testament bedachten „„Freiheitskämpfern“ ihren Lassalle zu ret- 3:
ten! Doch folgen die Social-Lumpen ja nur ihrem großen Agitator.,
Herr Reusche bestiehlt übrigens wie sein Herr und Meister meinen
Wann beständig und reproduziert fortwährend jeden Witz aus
„Herr Vogt“, so wie er selbst in diesem letzten Opus ihm den „gro-
tesken Clown, hinter dem nichts als sein eigner Schatten steht“, — 4

1) Im Orig. Lasalle

af

B. —

1
Nr. Yı/
        <pb n="305" />
        (917) 1865 März 30

259

(eine Wendung gegen Carl Blind) Karl abborgt. Der vornehme
Schutz, den dieses triumvirat dem Mohr angedeihen läßt, ist
am allerärgerlichsten. Übrigens war die Achtung des Lassalle vor
dem greisen Ph. Becker auch nicht weit her. Noch August 1862
hielt er ihn für einen bezahlten Agenten, ich weiß nicht von wem,
and wollte nichts mit ihm zu tun haben. Ebenso erklärte er mir in
einem seiner Schreianfälle, in denen seine Stimme stets out of tune
war, den Moses in Paris für einen ganz unbrauchbaren, konfusen
Kopf, mit dem er sich nicht einlassen wollte. Ich verteidigte den
o Plonplonisten als ehrlichen Confusionarius. Ich hoffe von Tag
zu Tag, Nachricht von Karl zu haben; diese Ungewißheit macht
mir mehr zu schaffen als der übrige Dreck.
Hier ist alles wohl und läßt herzlich grüßen.
Ihre Jenny Marx.
918. Marx an Engels; [1865] April 11,

Lieber Fred, London, 11. April.

Seit einigen 24 Stunden zurückgekehrt. Also nur diese vor-
läufigen Zeilen der Ankündigung.

Einliegend Brief von Wilhelmchen. Ich habe ihm die verlang-
ten stamps geschickt.

Quoad B. Becker, so sah ich seine Schweinerei erst bei meiner
Ankunft hier. Hielt doch Antwort für nötig. (Rüstow und Her-
wegh haben für die „Hatzfeldt“ im ‚„Nordstern‘“ geantwortet,

„ R[üstow] nennt den B. Blecker] einen „Spitzel“.) Schickte sie
an Rheinlische] und Düsseldlorferl. Sobald Kopie ankommt,
geht Dir 1 zu.

Heut Abend wohn ich seit 3 Wochen zum erstenmal wieder sit-
ting der „International“ bei. Unterdessen Revolution vorgegangen.

„Le Lubez und Denoual ausgetreten, Dupont appointed French
Secretary. In Folge der Le Lubezschen Intrigen und namentlich
deren des Major Wolff”), der a tool in Mazzinis Hand, die italieni-
schen delegates Lama und Fontana ausgetreten, Vorwand: Lefort
(der unterdes seinen Austritt angezeigt im Journal L’Association)
müsse seinen Posten als defender general in the Paris Press be-
halten. Der italienische Working men’s Club nicht ausgetreten
aus der Gesellschaft, hat aber keinen representative mehr im
Council. Unterdes werde ich durch Bakounine in Florenz Gegen-
minen gegen Herrn Mazzini legen. Die englische shoemaker’s

„ Union — 5000 Mann stark — ist während meiner absence der
Gesellschaft beigetreten,

Was macht die cotton crisis? I want information on that point.

In aller Eile Dein K. M.

1) Im Orig. Wolf N

ff

äyı 37
        <pb n="306" />
        260

(919) 1865 April 12
919. Engels an Marx; 1865 April 12.
Manchester, 12. April 1865.
Lieber Mohr,

Gut, daß Du wieder da bist, der Lausekrakeel wird indes doch
hoffentlich bald ein Ende erreichen. Inliegend Briefe von Dronke
und Borkheim. Dem Letzteren hatte ich gesagt, wie es möglich sei,
an einem Kolatschekschen großdeutschen Organ zu arbeiten, worin
die Herrschaft Östreichs in Ungarn, Polen und Italien vertreten
würde, wir würden uns ja sofort alle diese Freunde in den andern
Ländern auf den Hals laden, daher diese unklare Antwort. 10

Ich hatte mir wohl gedacht, daß die naive fraternite in der In-
ternational Association nicht lange dauern würde. Wäre hier
eine aktive politische Bewegung unter den Arbeitern, es wür-
den auch dieselben splits vorkommen. Das Ding wird noch aller-
hand solche Phasen durchmachen und Dir viel Zeit kosten. Ist z
aber immer doch etwas ganz andres als der Lassallsche Verein.

Ich mußte sehr lachen, als ich aus Wilhelmchens Brief sah, daß
die offizielle Berliner Gemeinde dieses Vereins aus 5 Mann
besteht, da neulich im Social-Demokrat ganz ernsthaft ein Bericht
über die Verhandlungen dieser Leute stand, worin Einer den %
Andern gratulierte, daß sie so zahlreich erschienen seien.

Ad vocem Cotton Krisis sieht es hier ganz heiter aus. Baum-
wolle (middling Orleans) stand im Juli 31*/4 d., wird vorigen Don-
nerstag 14°/.d. notiert, und ist heute, wenn man verkaufen will,
kaum 14. d. wert. Also über die Hälfte depreziiert. Am 30. Dezem- 25
ber war sie noch 27 d. wert, also 12'/—13 d. Fall in 3 Monaten!
Dazu Fall in Flachs, Wolle, Zucker und allen Imports generally,
was einen Verlust von mindestens 40—50 Millionen Pfund Ster-
ling ausmacht. Daß da dem Philister das Grundeis in der Hose
los wird, begreifst Du. In Liverpool wird schon garnicht
mehr falliert. Wer zahlungsunfähig wird, geht zu seinen
Gläubigern (deren hat man dort meist nur ein paar), zeigt es
ihnen an und offeriert ihnen so und so viel, was auch sofort immer
akzeptiert wird, da man froh ist, nur etwas zu bekommen, und
allen Skandal vermeiden muß, damit nicht das ganze verrottete ss
Gebäude zusammenbricht. Solcher stillen Akkorde sollen Hun-
derte vorgekommen sein, und heute heißt es allbereits auch hier,
daß einer der größten Stockporter Fabrikanten, der 3 große Fabri-
ken besitzt und allein in Cottonspeculation die letzten Jahre
£ 200 000 verdient haben soll, soeben ein ähnliches stilles Arran- «
gement getroffen hat. Das ist aber noch alles,nichts. Die Wechsel,
die von Indien gegen die weiße Baumwolle gezogen wurden, ver-
fallen in den nächsten 6 Wochen, und außer Joyce werden da noch
        <pb n="307" />
        261
viele fliegen. In Schottland sind auch viele herum, und eines schö-
nen Morgens muß die Reihe an die Banken kommen, und dann ist
die Sache fertig. Dazu fallieren die Spinner und Fabrikanten in
Östreich dutzendweise — in ganz Böhmen ist nur noch „der große
Liebieg‘“ auf den Beinen, alle andern sind kaputt —., und in Polen
fängt’s auch eben an.

Die Industrie selbst wird wenig affıziert. Die Kleinen sind meist
längst kaputt oder ganz still verdunstet, und die Großen können,
wenn sie überhaupt Ordres bekommen, jetzt wieder mit einigem

„ Nutzen arbeiten. Von ihnen gehen nur die kaputt, die schlechte
Maschinerie haben oder die die Finger nicht von dem cotton haben
lassen können. Auf sein Lager an Baumwollgarnen und -geweben
verliert Jeder. Auch wir können davon ein saures Liedchen singen,
für mich speziell doppelt so sauer, als wenn es voriges Jahr ab-

5 geleiert worden wäre. Das hat man davon, wenn man Associe wird.

Glorreich ist jetzt auch die Moralität des Kommerzes, Man
kauft heute Ware, und bis zur Ablieferung ist sie 3, 4, 5 d. das
Pfund weniger wert. Das führt zu allerhand Schikanen und Repu-
diationen, um nur diese verlustbringenden Kontrakte los zu wer-

„ den, und das gibt Dir eine Zänkerei und Krakeelkorrespondenz
ohne Ende. Mir steht der Dreck bis an den Hals. Du hast von der
Schreiberei und dem Ärger gar keine Vorstellung.

Deine Frau hat doch die £ 3 bekommen? Inliegend Schluß-
abrechnung, die £ —.12.1 schick ich dieser Tage, es ist heute zu

2 spät für eine Post Office Ordre.

Ractea Grüße.

Dein F. E.

920. Engels an Marx; 1865 April 16.
16. April 1865.
Lieber Mohr,

Inliegend die Nordsterne zurück. Was haben sich der Herwegh
und Rüstow einen komischen Hund Dido angeschafft an dem
Reusche. Der Kerl ist höchst possierlich mit seinen feierlichen
Erklärungen. Der Eid an der Leiche Lassalles, der auch nie feh-
len darf, ist ein kostbares Gegenstück zu Willichs Apfelbaum. Ein

;; wahres Glück, daß diese Sorte soweit weg wohnt, und in ihren
Versuchen, sich uns zu nähern. immer noch gewisse Zurückhaltung
beobachtet.

{ch habe No. 43 des S[ocial]-Dlemokrat] nicht erhalten, wenn
was besondres drin steht. so schick sie mir doch gelegentlich zu.

Dein F.E.

Was sagst Du zu Richmond? Ich hatte erwartet, Lee würde als

Soldat handeln ımd kapitulieren. statt durchzubrennen. um

he

+}
        <pb n="308" />
        262

(920) 1865 April 16
wenigstens für die Armee bessere Bedingungen zu sichern. Es ist
aber besser so. Er endigt jetzt als Lump, die Tragödie schließt
komisch.

921. Marx an Engels; 1865 April22.

. April 1865,
Dear Fred, Saturday, 22. Ap

Einliegend den Wisch aus der „Rhl[einischen] Zleitung]“.

Morgen schreib ich Dir ausführlich. Ich bin heut so matt wie
ain Hund, teils von spätem Nachtarbeiten (nicht praktischem),
teils von eingenommenem Teufelsdreck.

Dronke wäre all right, wenn ich, wie er, aus Kupfer Gold
machte. As it is, muß der Moment benutzt werden, wo die Bour-
geoisblätter sich beeifern, Gegenerklärungen gegen slander zu
nehmen, den sie Morgen, wenn der Kampf ernsthaft, vielleicht
wünschen endossiert zu haben.

Salut. My compliments to Mrs. Lizzy. Dein Mohr.

Z:

922, Marx an Engels; 1865 Mai 1.
L May 1865.
Dear Fred,

Du mußt mich entschuldigen, daß ich erst heut schreibe und so %
mein last promise gebrochen habe. Es geschah nicht, weil es „zu
lieblich ist, ein Wort zu brechen“, sondern weil ich in der Tat
averworked bin, da einerseits das Fertigmachen meines Buchs,
andrerseits “die „International Association‘ meine Zeit außer-
ordentlich mit Beschlag belegen.

Heute ist Jennychens Geburtstag, und heut Abend werde ich
Ernest Jones zusammen mit Odger, Cremer, Fox und Jung in mei-
nem Haus haben, so daß der Geburtstag politisch gefeiert wird.
Laura had „the question popped“ durch einen gewissen Char-
les Manning, gebornen Südamerikaner, Vater Engländer, Mutter zo
Spanierin. Er ist reich und sonst ein netter Kerl, but Laura „does
not care a pin for him“. Die südliche Leidenschaftlichkeit „she
has already known how to damp.‘“ Da aber mein Mädchen mit
seinen Schwestern befreundet, und er furchtbar in love, ist es a
disagreable case. a

Einliegend ein „Kuriosum“. Die Korrektur des „Nord-
stern‘ macht ihn zum würdigen Organ des deutschen Knotentums,

Ich lege Dir auch the latter end eines Briefs von Schily bei,
dessen Bericht über die Mösin*) Dich amüsieren wird.

1) Frau Hess

Nr. 920.

Z. 20—35

OL Ar
        <pb n="309" />
        (922) 1865 Mai 1

263

Der große Erfolg der „International Association“ ist dieser:
Die Reform League ist our work. In dem engern Ausschuß
von 12 (6 middleclassmen und 6 workingmen) sind die working-
men all members of our Council (darunter Eccarius). Alle mitt-
leren Bürgerversuche to mislead the working class we have baflled.
Die Bewegung in den Provinzen diesmal ganz von der Londoner
abhängig. Ernest Jones z, B. hatte despaired till we set the ball a
going. Gelingt diese Reelektrisierung des political movement der
English working class, so hat unsre Association, without making
‚o any fuss, schon mehr für die europäische Arbeiterklasse geleistet,
als in any other way möglich war. Und es ist alle Aussicht auf Er-
folg vorhanden.

Du weißt, daß nicht die italienis che Gesellschaft aus der

Association, wohl aber ihre Delegates aus dem Council ausgetre-

w ten. Statt dessen sind jetzt Spanier drein. One Roman nation
for the other. Ernennen die Kerls nicht bald neue Delegierte, wie
wir sie aufgefordert, so wird Bakunine for some life Italians zu
sorgen haben.

Weber junior ist aus dem hiesigen Arbeiterverein heraus-

» geworfen worden, wegen verfälschender Berichte im „Social-
Demokrat“ und Stänkereien in dem von zwei fanatischen Preu-
ßen, Namens Klinkner, geleiteten Zweigvereir „Teutonia“.

Deine und meine Erklärung war in der Tat über alle Erwar-
tung erfolgreich. Nicht nur haben wir den „Allgemeinen Deut-

» schen Arbeiterverein‘“, soweit er Organ der preußischen Regie-
rung, gesprengt, überhaupt den Royalitätsdusel der deutschen
Arbeiter weggeblasen mit six words. Die jetzige Spaltung in
der Fortschrittspartei war auch unmittelbares Resultat
unsres Auftretens.

Die chivalry of the South endet würdig. Dabei war die
Assassination Lincoln’s die größte Dummheit, die sie begehn konn-
ten. Johnson ist stern, inflexible, revengeful und haßt als
ehmaliger poor white die Oligarchie tödlich. Er wird weniger
Umstände mit den Kerls machen, und durch die Meuchelei findet

ı er das temper im Norden seinen intentions adäquat,

Gesehn, wie Blind heads Kondolenzschreiben der „einfluß-
reichen“ Deutschen? Blind ist ein Genie in seiner Art. In the
very nick of time läuft er nicht nur zu Freiligrath etc., sondern
besitzt Geistesgegenwart genug zu überlegen, daß von den Mit-

« unterzeichnern „Berndes“ alphabetically die Liste eröffnen würde.
Läuft also erst zu Freiligrath etc. und 1äßt diesen erst, dann hinter
diesem Ehrenbürger (der jetzt auch mit Ruge ein Herz) gewisse
andre influentials, ich hätte fast gesagt infinitesimals, wie Heintz-
mann, Kinkel, sich gruppieren, und setzt sich selbst „alphabetisch“

„an die Spitze. Dann läuft er zu Berndes und läßt diesen eine

nm

7 36— 05 —
        <pb n="310" />
        (922) 1865 Mai 1
Nebenkolumne neben sich eröffnen, daß wieder andre, Trübner
usw., folgen. So erscheint die Sache in der Times. Denselben
Tag, im Morning Star, rückt die zweite Kolonne in den
Schwanz, Blind at the top of the whole, hinter sich seinen footman
Freiligrath usw. Und damit nicht zufrieden, macht, auf seinen
Antrieb, der „Star“ in derselben Nummer vorn noch die Bemer-
kung, that „Karl Blind heads ete.‘, Ist das nicht Genie?
Salut. Dein K.M.

923. Engels an Marx; 1865 Mai3.
* . 30
Lieber Mohr, Manchester, 3. Mai 1865

Ich gratuliere Jennychen nachträglich zu ihrem — 20sten? —
Geburtstag. The other affair looks exactly like Laura all over.
Was kann man aber sagen als das Verdikt der Relybridge Jury:
serves him right.

Die Sachen schicke ich Dir in ein paar Tagen alle zurück. Sehr
gefreut hat mich, im Nordstern zu sehn, daß auch in Solingen end-
lich etwas gegen den Becker und Schweitzer angefangen hat. Da
ich seit Deiner Abreise über diese Sachen nur den Social-
Demokrat und zwei Briefe von Liebknecht gelesen habe, bin ich %
ganz im Unklaren darüber, was am Rhein in der Sache vorgegan-
gen; ich konnte nur aus dem jämmerlichen Stillschweigen des
Social-Demokrat über die Vorgänge im Allgemeinen Deutschen
Arbeiterverein schließen, daß es für die Herren faul aus-
sehen muß. Es ist mir aber begreiflich sehr nötig zu wissen, wie 2:
die Sachen sich am Rhein verhalten, namentlich da die Canaillen
dort am Anfang einen momentanen Erfolg hatten. Wenn Du dar-
über Material hast, so schick es mir doch zu, ich schick Dir Alles
zurück und werde Dir überhaupt in der Regel alle Dokumente in
Zukunft zurückschicken, da es jetzt nötig ist, daß Du diesen Kram zo
beisammen hast.

Bist Du auf den Nordstern abonniert? Es wäre gut, wenn es
geschähe, wir müssen doch wissen, was vorgeht.

Es wäre sehr nötig, am Rhein einige Verbindungen unter den
Arbeitern zu haben, damit wir in Zukunft solchen Intrigen von ss
vorn herein begegnen können. Apropos, mit dem Klings scheinen
sonderbare Geschichten vorgefallen zu sein. Irgend ein Esel gibt
ihm meine Adresse 58 Dover Street. Klings geht dort vor,
findet mich natürlich nicht, geht nach Liverpool zu Rode, und die-
ser erzählt Eichhoff, ich habe mich vor Kl[ings] verleugnen las- «
sen; ihn nicht sehen wollen, was das heiße ete., ein Mann wie
Klings, der doch in Amerika „die ganze Sache organisieren“
werde, mit Weydemeyer und den Andern (welchen?) usw. usw.

Bm 1—17?

13-15.

36 (Apronos)—43 —
        <pb n="311" />
        (923) 1865 Mai 3

Dabei wundert sich Monsieur Rode, den ich nie gesehen habe,
warum ich ihm „noch nicht“ ein Exemplar meiner Broschüre ein-
geschickt. Verstehst Du das?

Die Erklärung gegen den Präsidenten der Menschheit sehr gut.

; Grade, was nötig war, und nicht mehr.

Das Schlimmste ist, daß die Leute in Deutschland jetzt ver-
langen werden, das sich J emand an ihre Spitze stellt, und wer kann
das tun? Eccarius wäre der Mann. der wird aber nicht von Lon-
don fort wollen.

a Die Internationale Assoziation hat sich wirklich in der kurzen
Zeit und mit dem wenigen Spektakel ein kolossales Terrain er-
obert. Es ist aber gut, daß sie jetzt in England beschäftigt wird,
statt sich ewig mit den französischen Klüngeleien beschäftigen zu
müssen. Da hast Du doch etwas für Deinen Zeitverlust.

Wie steht’s mit dem Buch?

Grant hat bei Richmond die Schlacht von Jena — was die stra-
tegische Anlage betrifft — genau wiederholt und mit demselben
Resultat: Abfassung der ganzen feindlichen Armee. Nur daß er
aicht so weit zu marschieren brauchte. um die Früchte einzu-

» sammeln.

Jetzt hat nun auch Johnston *) kapituliert und ich damit meine
vor 2 Monaten gemachte Wette gewonnen: daß am 1. Mai die
Southerners keine Armee mehr haben würden. Was jetzt noch
Widerstand leistet, wird als Brigand gefangen und mit Recht.

„ Johnson wird jedenfalls auf Konfiskation des großen Grundeigen-
tums bestehn und damit die Pazifikation und Reorganisation des
Südens etwas akuter machen. Lincoln hätte schwerlich darauf be-
standen.

Die Southern sympathisers hier trösteten sich für das heuch-

„ lerische Geheul, das sie wegen der Ermordung anstellen mußten,
damit, zu prophezeien, in 4 Wochen werde es heißen: Grant I,

Kaiser von Amerika, Die Esel haben sich schön geschnitten!

Übrigens müssen sich die „Färschten““ doch darüber furchtbar
ärgern, daß die Ermordung Lincolns so einen kolossalen Effekt

„ in der ganzen Welt gemacht hat. Die Ehre hat noch keiner von

ihnen gehabt.

Beste Grüße an Deine Frau und die Mädchen

265

Dein F. E.
1) Im Orig. Johnson

Bm

m
        <pb n="312" />
        266 _

(924) 1865 Mai 7
924. Marx an Engels; 1865 Mai 7.
7. Mai 1865.
Dear Fred,

Mein Schwager reist heute nach dem Kap zurück. Ich muß ihn
aufs Schiff begleiten. Daher keine Zeit und in aller Kürze nur
folgendes:

1. Ad vocem Bruhn. Ein Arbeiter von Paris erhielt von
einem Arbeiter in Hamburg Brief, Bruhn verleumde uns in jeder
Art. Erstens sei ich ihm 60 Taler schuldig, die ich nicht zurück-
gezahlt. Zweitens hättest Du und ich ein Manuskript über die x
Flüchtlinge an die preußische Regierung, resp. den „Polizeirat
Stieber“ verkauft. Der Pariser sandte den Brief an Lessner, Less-
ner an mich. Ich antwortete Lessner umgehend, zur Mitteilung
an den Pariser: Ich hätte nie (was ich damals glaubte) eine
Geldtransaction mit Blruhn] gehabt, halte es überhaupt für z
Münchhausiade, daß B{ruhn] je 60 Taler besessen. Ferner: Auf-
klärung über die Bangyaaffaire mit dem Manuskript, worüber
unsre Erklärung vom Januar 1852 in der New Yorker Criminal-
zeitung und Bezug darauf in „Herr Vogt“ pag. so und soviel nach-
zusehn sei. Well! Darauf kam B[ruhnl]s Brief. Ich habe nun mei- 2
nen Hirnkasten durchwühlt und glaube mich folgendes zu er-
innern: Frühling 1849 kam ich nach Hamburg, um dort Geld für
die „Nleue] Rheinische] Zleitung]“ zu holen. Ich hatte grade
venug im pocket, um nach Hamburg zu gehn. Logierte aber
14 Tage in einem firstrate Hotel. Baron Frisch, der uns später 2
Subsidien schicken wollte, erklärte ich, ich brauche Geld, um die
Hotelrechnung zu zahlen und zurückzureisen. Nun schwebelt mir
so etwas vor, daß, da ich das Geld nicht als „present“ von ihm an-
nehmen und er seinerseits es nicht zurückhaben wollte, abgemacht
wurde, Bruhn, damals wie jetzt Lump, solle es erhalten. Ich zo
hatte diese ganze Scheiße vergessen; Bruhn aber schrieb ich jetzt:
Ich erinnere mich keiner Geldtransaction mit ihm. Da bei mei-
ner Rückkehr von Hamburg nach Köln die N[eue] Rhleinische]
Zleitung] unterdrückt, ich selbst aus Preußen verjagt worden,
könnte ich möglicher Weise vergessen haben im Wirbel der da- ss
maligen Ereignisse. Auffallend bleibe dann, daß er von 1849 bis
1865 gewartet, um mich zu erinnern, Indes sei die Sache ein-
fach. Er solle schreiben, w a s er gutzuhaben glaube und mir Grü-
bels Adresse schicken. Ich würde dann selbst an G[rübell schrei-
ben. Wenn dieser seine Aussage bestätige, solle seine Ford- «
rung befriedigt werden. Dieser Weg durchaus nötig, da ich bis
zudiesem Augenblick noch nicht der Sache sicher bin und
in einer wahrhaft unerhörten Weise durch Fordrungen der Art
ausgebeutelt worden bin.
        <pb n="313" />
        (924) 1865 Mai 7

267
2. Aus der Einlage von Schily siehst Du, was in Paris
vorging, wohin wir Le Lubez geschickt hatten, um die dort aus-
gebrochnen Streitigkeiten zu schlichten. (Schily hatte ditto, da
wir L{e Lubez]’s Parteilichkeit für Lefort kannten, full power als
Unterhändler von uns erhalten. Hier nebenbei zu bemerken, daß
Beluze, der Präsident der Volksbank, welcher die paar Pariser
Associations lenkt, und deren Organ „L’Association‘““, mit Lefort
ist.) Das Weitere, was erst heut Abend, soweit unsre Action
in Betracht, zum Abschluß kommt, im nächsten Brief.

3. Die Sachen von Siebel zurück, Ich finde es sehr un-
passend, daß er die in die Düsseldorfer Zeitung geschickte
Notiz von London datiert: also mich als mutmaßlichen Ver-
fasser bloßstellt, |

4. Einliegend Brief von Liebknecht.

5. Einliegend eine Kopie vom Zirkular der Genfer Branch-
Association.

6. Einliegend der Brief von Meißner.

7. Lange: Ihm nicht direkt vor den Kopf stoßen. Schreib
ihm, er könne die Sache am besten per Post an Dich schicken,

» 2 Copies, wovon Du mir eine jedesmal zuschicken würdest. Wie
er selbst richtig einsehe, müßten wir einstwe ilen, nach der
letzten Erfahrung, uns der Mitarbeit an jedem deutschen Blatt
erhalten. Er habe natürlich dasselbe Recht, wie jeder andre editor
einer Zeitschrift, beliebige Auszüge aus Deinem Pammphlet zu

z geben.

Salut.

N

5

Dein K. M.

Die erste Nummer (2 Bogen) des Blindschen „Eidgenos-

sen“ erschienen mit Beiträgen nur von Blind, Struve, Rasch.

„ Trivialitäten. Auf der Vignette Hand mit Dolch, um den .,Tyran-
nen“ zu töten.

325. Marx an Engels: 1865 Mai 9.
Q Mav 1865.
Dear Fred,

Du brauchst nichts zurückzuschicken (außer Schilys Brief).
Heb nur die Sachen auf, Ich lege bei one „Free Press“ (der queer
article über die „Reconstruction of Italy“ rührt her vom High
Priest selbst, von Urquhart), ferner zwei (einen ältern) No rd-
stern. Auf letztern bin ich abonniert, nicht mehr auf den

u „Social-Demokrat“. Wie es am Rhein steht, siehst Du teil-
ra aus dem letzten Nordstern. Übrigens beträgt die Ge-

26
        <pb n="314" />
        (925) 1865 Mai 9
samtzahl der Getreuen, über die B. Becker noch dominiert,
kaum 1000 Mann. _

Damit ich es nicht vergesse: In der preußischen Kammer-
debatte wurden mehre Anspielungen auf Deine Broschüre ge-
macht. Gneist sagte z, B.: Der Kriegsminister würde sie nicht
überreden, selbst wenn seine Statistik spräche mit „Engels“.
Zungen. (Heiterkeit.) (So war die Sache gedruckt in der Ber-
liner Reform.)

Wie überall, so existiert natürlich auch unter den Londoner
Areitern a knot of asses, fools and rogues, rallying um einen 1
Schurken. Der Schurke ist in diesem Fall „George Potter“, a rat
of a man, supported durch einen venal, aber witzigen und als stum-
porator gefährlichen Irländer, Namens Conolly. Obgleich die
Bourgeois den p. p. Potter als Haupt-Strikemanager hassen,
unterstützen sie ihn doch gegen unsre Leute, weil sie riechen an 1
ihm venality, während sie von unsern Leuten wissen, daß sie true
men sind. Dieser Potter derives his power namentlich daher, daß
ar presently der manager des „Beehive“, des offiziellen Organs
der trades unions, obgleich er es gegen den officialcounecil
dieser Unions, der in unserer Hand, benutzt. Es gilt nun, da das 20
Blatt ein Aktienblatt, so viel shares wie möglich (5 sh. per share)
unter unsre Arbeiter zu verteilen. Ich meinesteils habe mich ver-
pflichtet, about das money für 30 shares zusammenzubringen. Ich
rechne dabei für 5 £ auf Dich (single handed oder mit Freun-
den), wegen 1 £ I write to Dronke und den Rest zahle ich selbst. 2%
(Obgleich meine function bei dem Central Council mir für meine
Verhältnisse viel Geld kostet.) Diese Woche noch muß das
Geld at hand sein, da nächste Woche die Generalversammlung
der shareholders. Wenn wir nur stark genug sind (und Odger
z. B. hat für 50 shares garantiert), die Directors zu wählen, se
so bekommen wir den Schuft Potter (der nur manager) under
our thumbs. Die Sache ist entscheidend wichtig für die ganze Be-
wegung.

E. Jones war hier, sehr liebenswürdig, socially speaking. Aber
unter uns gesagt, er sucht unsre Gesellschaft nur für die Wahl-
agitation zu benutzen. Von den 12 Karten, die ich ihm geschickt,
brachte er 1l wieder, hatte nicht eine verkauft, während poor
Schily z. B. für sich allein 24 zahlte. Ich sagte ihm, er solle sie
nur wieder einstecken, ich würde später drüber disponieren, könne
aber nicht vor die englischen Arbeiter mit solcher Nachricht treten. 4
By and by, he will find out, daß schon aus spekulativen Grün-
den er die Sache nicht so leicht und rather contemptibly hätte be-
handeln dürfen. Ich werde ihm schreiben, daß er Dir die „Ad-
dresses‘“ aushändigt. Du kannst sie diesem oder jenem geben.
Bei ihm liegen sie als toter Ballast. Übrigens gefällt mir auch 4

268__
        <pb n="315" />
        (925) 1865 Mai 9

269
nicht, daß er hier war, um eine Recor der stelle von Sir G. Grey
herauszuintrigieren.
Ich habe heute. Address toPresidentJohnson“ vorzu-
legen. Herr Le Lubez will wieder in den Council als — Dele-
; gate for Deptford ”, derselbe Kerl, der austrat als Delegate
for France, but his admittance (we have to confirm the
delegates) will not run quite so smoothly as he seems to fancy.
Es wäre mir lieb, wenn Du in Manchester, wenn auch nur a branch
of 6 men bildest und Dich als deren Correspondent for London
o wählen läßt. Die corresponding Leute sind nämlich eo ipso mem-
bers of the Central Council und haben Sitz und Stimme darin,
when at London.
In Lyon, Neufchäteau (Departement des Vosges) und St. Denis
haben sich neue branches gebildet. Die französischen branches
5 (außer Paris) stehn des Gesetzes wegen nicht mit Paris. sondern
direkt mit London in Verbindung.
Mein Buch wird hoffentlich (trotz vieler Unterbrechungen) bis
1. September fix und fertig sein. Es geht gut voran, obgleich ich
immer noch nicht ganz ausgeheilt. |
Dein K. M.

926. Engels an Marx; 1865 Mai 12.
€ . »

Lieber Mohr, Manchester, 12. Mai 1865
Inliegend Schilys Brief zurück. Der faule Blick in das Fami-
s lienleben von Moses und Mösin war sehr erheiternd. Besten Dank
für die Nordsterne. Die Nachrichten darin kontrollieren das ne-
gative Zeugnis des Social-Demokrat, den ich noch bis Juni halte
(und sollte er in London nirgends, wo er Dir zugänglich wäre,
gehalten werden, würde ich ihn auch später noch forthalten. man

wo kann nicht wissen, was vorfällt).

Öbrigens ist dies Schmierblättchen, d.h. der Social-Demokrat,
jetzt so herunter, daß es einem wirklich leid tut. Die heroische
Seele des armen Schweitzer pfeift auf dem letzten Loch, alle Ge-
dankenspäne und Lesefrüchte sind bereits verbraucht, und nicht

„ einmal ein Furz ist ihm geblieben, den er seinen Lesern noch vor-
setzen könnte. Auch Mauses?” leistet nichts mehr; Mauses, die
letzte Hoffnung der neuen „Partei“. Vereinsteil auch ganz leer —
Feuilleton aus der Augsburger] A[Nlgemeinen] Zleitung] abge-
druckt. Nach vier Monaten Redaktion in einer der bewegtesten

x Zeiten, die wir seit 1848 erlebt haben, ist der Schlappschwanz
schon ausgepumpt bis auf die Hefen. und das sind die Kerle, die
1) Im Orig. Depthford
2) Mases Hess

7 94-—25.

21-41 —
        <pb n="316" />
        (926) 1865 Mai 12
sich durch einen Kniff das ganze deutsche Proletariat annexieren
wollten.

Ad vocem Potter: Inliegend die fünf Pfund, die shares kannst
Du zum Teil, d. h. fünf, auf meinen, fünf auf den Namen von
Samuel Moore nehmen, den ich zwar noch nicht gesehen habe, der
aber sicher welche nimmt; wir schicken Dir proxy für die Gene-
ralversammlung. Will Gumpert auch 5 shares, so kannst Du ihm
welche übertragen aus den obigen 20 — also: 5 für mich, 5 für
Moore, die übrigen 10 verteile auf andre Leute, sieh aber, wenn
die Leute nicht ganz sicher, daß Du das Recht behältst, sie x
wieder einzuziehn.

Was den Vorschlag angeht, daß ich hier eine Branch der Inter-
nationalen Assoziation bilde, so geht das gar nicht. Außer Moore
und Gumpert finde ich keinen Menschen hier, denn mit den Kyll-
manns kann ich mich auf solche Sachen nicht einlassen, wir hät- ı;
ten dann sofort Krakeel. Zudem würde meine Stellung dabei als
Korrespondent für London mir allerhand unerfüllbare Verpflich-
tungen auflegen, sobald hier wirkliche Anknüpfungspunkte mit
Arbeitern gefunden wären oder sich einstellten. Et ä quoi bon?
Ich könnte Dir ja doch keine Last von den Schultern abnehmen. — 20
Apropos! Moses fährt fort, im Social-Demokrat gegen die Inter-
nationale Assoziation zu mogeln; wenn Du die Sache nicht liest,
schick ich sie Dir.

Die Banknote heißt: BC 48498, Manchester, 4. Jan. 1864.

Die Engelszungen usw. beziehen sich nicht auf mich, wie ich 2
selbst anfangs glaubte, sondern auf den Statistiker Geheimrat
Engel in Berlin, der dem Roon die Sachen zurechtgemacht hat,
die ich kritisiere,

Den Jones muß man laufen lassen. Er scheint mir in die ganze
proletarische Bewegung kein rechtes Fiduz mehr zu haben. Ich x
kann ihn hier übrigens nie treffen, er ist immer abwesend.

Dein F. E,

270

927. Marx an Engels; 1865 Mai 13.

Dear Fred, %

Die 5 £ mit thanks erhalten. Sollen in der gewünschten Weise
investiert werden.

Mit dem Committee in Manchester hast Du Recht.

Quoad E, Jones, so ist es nötig, einstweilen mit ihm zu mar-
schieren. Er mit den Seinen wird in der nächsten Manchester- 4
conference (next Tuesday) zusammen figurieren mit unsern Dele-
gates (Odger und Cremer on the part of the International Asso-
ciation), Howell als Sekretär der Reform League (bricklayer,

13 May 1865.

be — 1

Am
        <pb n="317" />
        (927) 1865 Mai 13

271
one of the members of our Council), und Beales und Mason Jones
als Bourgeoisrepräsentanten derselben League.

Ohne uns wäre diese Reform League nie zu Stande gekommen
oder der middleclass in die Hände gefallen. Das glänzende Durch-

. fallen von Baines’s bill (was change of ministry und das coming
in der Tories nach sich ziehn wird), ursprünglich supported by
the government, which wanted some such small measure for the
hustings, ist im Unterhause selbst mit direkter Bezugnahme auf
die neuerdings von der working class (i. e. our men) aufgestell-

„ ten „extravaganten“ Forderungen geschehn.

Wie Dronke mir schreibt, wird Reinach I., jetzt managing
director der Bank of Switzerland, dem nur Kosten verursachenden
Office in London ein Ende mit Schrecken machen. Reinach I. ist
natürlich nicht gebunden durch dieselben politischen und persön-

‚ lichen Rücksichten, wie Fazy und Klapka waren.

Ein öklicher Karbunkel ist wieder auf gebrochen an der linken
Hüfte, near dem inexpressible part of the body.

Grüße an Mrs. Lizzy.

Salut.

Dein K. M.

Apropos! Monsieur Le Lubez, der sich verrechnet hatte in sei-
ner eignen Wichtigkeit und Gefährlichkeit, wants now to return
to the Central Couneil in the capacity of a representative „for
Greenwich“! Wir haben geantwortet, daß d’abord abzuwarten

„das Eintreffen gewisser Briefe, die er nach Frankreich im Moment
des confliet geschrieben.

Ich denke kaum, daß der „Social-Demokrat“ noch ein neues
Quartal erleben wird. Moses glaubte sich gar sicher gebettet und
wollte um keinen Preis auf die wirklich geheime Lassallsche Be-

” vollmächtigtenwichtigkeit verzichten. Le pauvre diable!

Lassalles Testament ist jetzt anerkannt. Er hat nichts ver-
macht an B. Becker, außer seine „Nomination“, begleitet mit
streng und gebieterisch‘“ diktierten Verhaltungsmaßregeln.

998. Marx an Engels: 1865 Mai 20.
20 May 1865.
Dear Fred,
Enclosed Ausschnitt, worin meine Adresse an Johnson.
Edgars Wiedererscheinen hat uns of course sehr überrascht.
Quite the fellow I thought him, und seine Carriere ganz, wie ich
„sie dachte. It is a pity, daß er nicht stets Garibaldis Sekundant
war. Er hätte famos zu ihm gepaßt. Der arme Teufel ist aber

7.17 (near . . - body)

5192
        <pb n="318" />
        272

(928) 1865 Mai 20
noch sehr schwach. Er wird länger hier verweilen, und bei dieser
Gelegenheit tust Du a good work, wenn Du zur Reproduktion mei-
nes Weinkellers beiträgst.

Ich arbeite jetzt wie ein Pferd, da ich die arbeitsfähige Zeit
benutzen muß und die carbuncles immer noch da sind, ohne mich «
jetzt anders als lokal, aber nicht im Hirnkasten zu stören.

In den Zwischenstunden, da man nicht immer schreiben kann,
ireibe ich Differential Calcules D Ich habe keine Geduld, sonst
irgend etwas zu lesen. Alle andre Lektüre treibt mich immer an
das Schreibpult zurück. r

Meut Abend Extrasitzung der „International“. Ein alter guter
Schluch, old Owenist, Weston (carpenter), hat die beiden Sätze
aufgestellt, die er fortwährend im „Beehive““ verteidigt:

1. daß a general rate in the rise of the rate of wages den Arbei-
jern nichts nützen würde;

2. daß deswegen etc. die Trades Unions schädlich wirken.

Würden diese beiden Sätze, an die er allein in unsrer society
glaubt, angenommen, so wären wir Kladderadatsch, sowohl wegen
der hiesigen Trades Unions, als wegen der Infection of Strikes,
die jetzt auf dem Kontinent herrscht.

Bei dieser Gelegenheit wird er — da für diese Sitzung auch
Nichtmitglieder zulaßbar — von einem bürtigen Engländer unter-
stützt werden, der eine Broschüre im selben Sinn geschrieben.
Man erwartet natürlich von mir die Widerlegung. Ich hätte also
eigentlich meine Replique für heut Abend ausarbeiten sollen, hielt 25
es aber wichtiger, an meinem Buch fortzuschreiben, und muß
mich so auf die Improvisation verlassen.

Ich weiß natürlich im voraus, was die beiden Hauptpoints:

1. daß der Arbeitslohn den Wert der Waren bestimmt;

2. daß, wenn die Kapitalisten heute 5 sh. statt 4 zahlen, sie zo
morgen (enabled dazu durch die gestiegne Nachfrage) ihre
Waren für 5 sh. statt für 4 verkaufen werden.

So fad nun das und sich nur an die äußerlichste Oberfläche
der Erscheinung hält, so doch nicht leicht, alle die ökonomischen
Fragen, die dabei konkurrieren, Ignoranten auseinanderzulegen. #3
You can’t compress a course of Political Economy into 1 hour. But
we shall do our best.

Edgar betrachtet es als good omen, daß er Dich zuerst in Eng-
land traf. ‚Lizzy hat ihm sehr gefallen.

Salut.
40
Dein K. M.

Es ist eine höchst sonderbare Ironie des Schicksals, daß dieser
Edgar, der nie jemand andern als sich selbst exploitierte, und stets
        <pb n="319" />
        (928) 1865 Mai 20

273

workman im striktesten Sinn des Worts war, für die Sklavenhalter
a war of und with starvation durchmachte. Ditto, daß beide Schwä-
ger durch den amerikanischen Krieg momentan ruiniert wurden.

929, Marx an Engels; 1865 Juni 24.
24. Juni 1865.
Dear Fred,

Du mußt mein langes Stillschweigen entschuldigen. Ich habe
während dieser ganzen Zeit fortwährend an Gallerbrechungen ge-
litten (wahrscheinlich von wegen der Hitze), auch sonst allerlei

„ troubles gehabt und daneben die Zeit, worin ich schreibfähig, zu
meiner offiziellen Bucharbeit benutzt. Du weißt, wie in solchem
Zustand man sich immer vornimmt. Briefe zu expedieren, aber
nie dazu kömmt.

Wenig Neues zu berichten. Der — brave „Nordstern“ ist seit

ıs meiner letzten Sendung an Dich, wahrscheinlich wegen Geldman-
gel, nicht erschienen. Heute erhielt ich ihn wieder und er erwähnt
des Interims gar nicht. Das Blättchen ist, wie Du sehn wirst, nur
ein Kotlager von Knotentum. Die Kerls erklären jetzt — in ihren
Absageschreiben an B. Becker — J eden für einen „Verräter“, der

„ auch nur ein Tüttelchen an der von Lassalle offenbarten Wahr-
heit anzutasten wage. Unterdessen hat Herr B. Becker sein Präsi-
dium provisorisch abgetreten an den Knoten Fritzsche (zu Leip-
zig) und hat seine Residenz zu Berlin aufgeschlagen, um direkte
Geschäfte mit Herrn Bismarck machen zu können.

Schöne Schweinerei, worin sich des Baron von Itzig Gesamt-
bewegung aufgelöst hat! Der Kerl hatte aber offenbar den rich-
tigen Instinkt, wie man es anfangen muß, um deutscher Knoten-
heiland zu werden! Unterdes lebt die „Ungetreue“ als Bojarin
seelenvergnügt mit ihrem Walachen in Bukarest,

2 Von Liebknecht habe ich seit einiger Zeit keine Briefe erhalten.
Dies kömmt aber wohl daher, daß ich auf fast täglich von ihm
»intreffende Zettel, worin nichts stand und wovon der nächste
immer den vorhergehenden in sein Nichts auflöste, lange, wäh-
rend meiner Briefschreibereisuspension, nicht geantwortet habe.

Hier mit Bezug auf die „International Association“ nur fol-
gendes zu erwähnen:

Die Herrn Italiener sind zurückgekehrt und haben uns
letzten Dienstag angezeigt, daß sie hinwiederum den Major
Wolff” zu ihrem Delegierten ernannt haben. Herr Mazzini

„ scheint sich überzeugt zu haben, daß er uns vielleicht nötig haben
wird, während wir keinen farthing um ihn kehren.

1) Im Orig. Wolf

Marx-Engels-Gesamtausgabe, III, Abt., Bd. 3

7 17 (Das)—18. 95—29,

FT,
        <pb n="320" />
        (929) 1865 Juni 24

Ein Yankee, Namens Leon Lewis (augenblicklich in Paris),
ist amerikanischer Sekretär geworden. Er ist nichts wert nach
meiner Ansicht, obgleich er viel Geld hat und noch mehr Ambi-
tion. Der Kerl bildete sich ein, durch Stiftung eines Blatts, „The
Commoner“‘, England in 24 Stunden oder allermindestens in
6 Monaten revolutionieren zu können. Er bot uns als Organ das
zu erscheinende Blatt an, fand aber, daß sehr geschäftsmäßige
und keineswegs enthusiastische Bedingungen gestellt wurden, und
ist daher „vorläufig“ mit seiner Gattin, die auch große Politikerin
ist, nach Frankreich abgereist, nach meiner Vermutung, um zu x
sehn, ob er dort seinen „lever‘““ mit mehr Erfolg ansetzen kann.

Über folgenden Punkt möchte ich Deinen Rat wissen:

Ich habe in dem Central Council ein paper gelesen (was viel-
leicht zwei Bogen im Druck machen würde) über die von Mr.
Weston eingebrachte Frage, wie a general rise of wages etc. wir- 15
ken würde. Der erste Teil davon Antwort auf Westons Blödsinn;
der zweite a theoretical Auseinandersetzung, soweit Gelegenheit
passend dazu.

Nun wollen die Leute das drucken lassen. Einerseits wäre mir
das vielleicht nützlich, da sie in Verbindung mit J. St. Mill, Pro- zo
fessor Beesly, Harrison usw. Andrerseits habe ich Bedenken,

1. da „Mr. Weston“ als Gegner nicht grade söhr schmeuchel-
haft y

2. das Ding enthält im zweiten Teil, in außerordentlich ge-
drängter, but relatively popular form, viel Neues, das aus meinem %
Buch vorweggenommen ist, während es zugleich doch notwen-
digerweise über allerlei wegschlüpfen muß. Frage, ob es rätlich,
dergleichen in solcher Weise vorwegzunehmen? Ich denke, Du
kannst hier besser entscheiden als ich, weil Du Dir die Sache
mehr aus ruhiger Ferne ansiehst.

Ich hatte auch große Mühe, dem Andringen Schilys, J. Ph.
Beckers und zum Teil des Pariser Committees gegenüber, to put
off den für dies Jahr angekündigten Congress. Es ist mir je-
doch gelungen, was entscheidend, den hiesigen Council dafür zu
gewinnen, daß in Anbetracht der Wahlagitation etc. dies Jahr
nur eine vorläufige (Privat-)Konferenz zu London statt-
findet, wozu die Central Foreign Committees je einen Delegierten
schicken (nicht die affliated societies, but their administrative
committees). Ich bin sicher, der Brüsseler Congress wäre ins
Wasser gefallen. Die Sache war noch nicht reif dafür. 4

Unser Eccarius ist ein Haupt- Londoner Wahlagitator gewor-
den und hätte, wäre nicht grade jetzt die eigentliche Schneiderei-
Season, den. Antrag, auf dem Land (mit 2 £ wöchentlich) zu
agitieren, angenommen. Er hat eine eigentümlich trocken-humo-
ristische Redemanier, die den Engländern besonders zusagt. 4

38
        <pb n="321" />
        (929) 1865 Juni 24
Edgar hat sich schon sehr erholt. Ein kurioser Kauz, bei dem
sich in der Tat alles um die Ration und elegante Kleidung dreht;
egoistisch wie ein Hund oder eine Katze, but a kindnatured one.
Sein Hirn hat auch wieder angefangen, eine gewisse Aktivität zu
äußern.

johnsons Politik mißhagt mir. Lächerliche Affectation von
Strenge gegen einzelne Personen; bis jetzt höchst vacillating und
schwach in der Sache. Die Reaktion hat bereits in Amerika be-
gonnen und wird bald sehr erstarkt sein, wenn die bisherige

o Schlapperei nicht bald aufhört.

Was sagst Du zu den preußischen Kammerdebatten? Jeden-
falls waren die Enthüllungen über Gerichtswesen u. s. f., die sich
Schlag auf Schlag folgten, sehr gut. Ditto der offenbare Stoß,
den das nationalvereinleri[s!che Großpreußentum erhalten, was

ıs sich namentlich in der Polendebatte zeigte.

Ad vocem Polen, habe ich mit vielem Interesse gelesen
Elias Regnaults (derselbe, der die histoire des principau-
t&amp;s danubiennes verfaßt hat) Schrift „La Question Europeenne,
faussement nommee La Question Polonaise“; Ich seh daraus,

„ daß Lapinskis Dogma, die Großrussen seien keine Sla-
wen, von Mons. Duchins ki (von Kiew, Professor zu Paris)
alles Ernstes linguistisch, historisch, ethnographisch usw. ver-
treten worden ist; er behauptet, daß die eigentlichen Moskowiter,
d. h. Einwohner der ehmaligen Grand Duchy of Moscow, großen-

» teils Mongolen oder Finnen usw., wie die weiter östlich gelegnen
Teile Rußlands und seine südöstlichen Teile. Ich ersehe daraus
jedenfalls, daß die Sache das Petersburger Kabinett (da es dem
Panslawismus ein Ende mit Schrecken machen würde) sehr
beunruhigt hat. Alle russischen Gelehrten wurden zu Antworten

„ und Widerlegungen aufgefordert, und diese sind in der Tat un-
endlich schwach ausgefallen. Die Reinheit des großrussischen
Dialekts und seine Anschließung an das Kirchenslawisch erscheint
in dieser Debatte mehr für die polnische Auffassung als für die
moskowitische zu zeugen. Während der letzten polnischen Insur-
rektion wurde dem Duchinski ein Preis von der Nationalregierung
für seine „Entdeckungen“ gezahlt. Es ist ditto von geologischer und
hydrographischer Seite nachgewiesen worden, daß östlich vom
Dniepr große „asiatische“ Differenz eintritt, verglichen mit dem
ihm westlich Liegenden, und daß (was schon Marchison behaup-

„ tet) der Ural durchaus keine Scheide bildet. Resultat, wie
Duchlinski] es zieht: Russia ist ein von den Moskowitern usur-
pierter Name. Sie sind keine Slawen; gehören überhaupt nicht
zur indogermanischen Rasse, sind des intrus, die wieder über den
Dniepr gejagt werden müssen etc. Der Panslawismus im russi-

„ schen Sinn eine Kabinettserfindung etc.

HE
        <pb n="322" />
        (929) 1865 Juni 24
Ich wünsche, daß Duchinski” Recht hat und at all events diese
Ansicht herrschend unter den Slawen würde. Andrerseits erklärt
er manche der bisher für slawisch betrachteten Völker der Türkei,
wie Bulgaren z. B., für nichtslawisch.
Salut.
Dein K. M.
Philister Freiligrath ließ sich mit Gattin und Tochter vor
2 Wochen bei uns sehn! Er hat jetzt den Reinach als unmittelbaren
Vorgesetzten auf dem Hals, der „zur Prüfung“ hier und ihn ge-
hörig pisackt.

930. Engels an Marx; 1865 Juli 15.
15. Juli 1865.
Lieber Mohr,

Der Liebknecht ist aus Preußen ausgewiesen; hat er Dir seit-
dem geschrieben und seine Adresse mitgeteilt? Der arme Teufel 16
wird wahrscheinlich Geld nötig haben, und ein paar Pfund wer-
den ihm mehr wert sein in diesem Augenblick als sonst. Aber
wohin schicken?

Die Politik des Mr. Johnson gefällt mir auch immer schlechter.
Der Niggerhaß tritt immer heftiger hervor, und gegen die alten z
Lords im Süden gibt er sich alle Macht aus den Händen. Wenn
das so vorangeht, sitzen in 6 Monaten alle die alten Sezessions-
spitzbuben im Kongreß in Washington. Ohne coloured suffrage
ist da gar nichts zu machen, und darüber zu beschließen überläßt
J[ohnson] den Besiegten, den Exsklavenhaltern. Es ist zu toll. In- 2
des muß man doch darauf rechnen, daß die Sache sich anders ent-
wickeln wird, als die Herren Barone sich das vorstellen. Sie sind
doch der Mehrzahl nach total ruiniert und werden froh sein, Land
zu verkaufen an Einwandrer und Spekulanten aus dem Norden.
Diese werden bald genug kommen und Manches ändern, Die mean x
whites, denk ich, werden allmählich aussterben. Aus dieser Rasse
ist nichts mehr zu machen; was nach 2 Generationen übrig bleibt,
wird sich mit den Einwanderern zu einer ganz andren Rasse ver-
schmelzen. Die niggers werden wahrscheinlich kleine squatters
werden wie in Jamaika. So daß die Oligarchie doch schließlich zs
kaputt geht, aber der Prozeß könnte jetzt gleich auf ein Mal rasch
abgemacht werden, während er sich nun in die Länge zieht.

Ich glaube nicht, daß Du Dir mit einem Federkampf gegen
Mr. Weston viele Lorbeern erobern würdest, und als Debut in die
englische ökonomische Literatur wäre das gewiß nicht gut. Sonst «

1) Im Orig. Duginski
        <pb n="323" />
        (930) 1865 Juli 15

277
sehe ich nicht, was es viel schaden könnte, Einzelnes vorweg zu

nehmen von Deinem Buch — Notabene, wenn Letzteres wirk-

Lich jetzt fertig wird — wie steht es damit? Am 1. September

war der Ultimatissimal-Termin, und es kostet 12 Flaschen Wein,
; wie Du weißt.

Bei den Wahlen hier hat Jones body and soul für Heywood
gearbeitet, der aber als Teetotaller und permissive Bills-Mann bei
den Arbeitern nicht ziehen will. Moore hat auch stark gearbeitet.
An dem James werden die Manchester snobs ihre Freude erleben;

2 der Kerl will judge werden, weiter nichts, Die Wahl kostet ihm
ein schönes Geld, allein an Champagner, den sein Comite und
Konsorten versoffen hatten. Talk about bribery, corruption and
treating, Kerle wie der dicke Knowles kamen zu Dutzenden in
Queens Hotel, wo das Hauptquartier war, fraßen sich satt und

ıs soffen Champagner in Strömen, und Alles wurde abgemacht mit
einem Zettelchen, worauf ein Comit&amp;mitglied schrieb: Gut für
5 Juncheons und 3 bottles Champaign. In Lancaster haben die
3 Kandidaten zusammen 20000 £ spendiert, 8 Tage lang war
freier Soff in allen Wirtshäusern. Um 5 Uhr Nachmittags war ich

» hier in Queens Hotel, das feine smoking Room sah aus wie die
alte Bude in Windmill Street, und statt der barmaids in Atlas-
kleidern wurde man von cellar boys in weißen Hemdsärmeln und
Schürzen bedient. Die ganze Gesellschaft war besoffen, und um
halb sieben mußte der Wirt das Hotel von der Polizeimannschaft

»s ausräumen lassen. Mein Dienst bestand darin, die Comiteleute
von James bekneipt zu machen, daß sie dienstunfähig wurden,
was mir auch bei verschiedenen über Erwarten gelang.

Ich habe eine sehr harte Zeit auf dem Comptoir gehabt, Charles

war weg, Franz Ermen ditto, dazu kolossal viel Arbeit. Es geht

wo jetzt besser. Ich treibe jetzt Grimms Märchen, Deutsche Helden-

zage, Altfriesisches Recht usw. Sobald ich damit etwas durch bin,

geht’s ernsthaft ans Altnordische. Die Poesie darin ist ein harter

Brocken, wegen der absichtlichen Dunkelheit und der vielnamigen

Mythologie, und ich sehe, es ist no use, dies so nebenbei zu trei-

w ben, ich muß einmal 4 Wochen, wo ich wenig zu tun habe, aus-

schließlich dran wenden.

Viele Grüße an die Ladies.

Dein F. E.
Moore fragt mich wegen der Shares von der Beehive, wie ist’s
„ damit? and how did you get on with Potter?

/.39—40) ?
        <pb n="324" />
        278

(931) 1865 Juli 25
931. Engels an Marx; 1865 Juli 25.
25. Juli 1865.
Lieber Mohr,

Wie gefallen Dir unsre preußischen Mirabeaus im — Zoolo-
gischen Garten? Harkort und Konsorten als wilde Tiere, das
hätte Bismarck selbst nicht erfunden.

Übrigens scheint mir sicher, daß Mr. Bismarck platterdings
eine Kollision haben will. Dafür ist mir der schlagendste Beweis
das Auftreten Scheiß-Schweitzers, der jetzt täglich konfisziert
wird. Die Arbeiter sollen jetzt plötzlich für die Abgeordneten "
eintreten, nachdem 6 Monate lang abgewiegelt worden; Massen-
meetings etc. sollen gehalten werden und mit aller Kraft gegen
die Regierung agitiert. Dafür spricht ferner der einstimmige
Refrain der reaktionären Presse, die das Bankett mit den Fe-
bruarbanketts in Paris vergleicht, und endlich das ganze Ver- 1
fahren der Regierung, die nutzlosen Provokationen etc. Indes war
zu erwarten, daß Bismarck sich schneiden würde. War auch zu
dumm angelegt.

Andrerseits scheint Schweitzer-Becker die Gelegenheit benutzen
zu wollen zu einem anständigen Exit. Der Social-Demokrat und zo
der Verein sollen unterdrückt werden, damit die Herren weiß-
zewaschen werden. Ich lese das Saublättchen übrigens seit 1. cou-
rant nicht mehr. Bismarck scheint es satt geworden zu sein, dafür
zu zahlen, und ich auch. Sollte also etwas vorkommen, so muß
ich mich auf Dich verlassen wegen Information. 2

In Deutschland 32° Reaumur im Schatten! Die Leute sollen
aur noch in den Kellern wohnen, Hier ist es auch tropisch schwül.

Beste Grüße.
Dein F. E.

932. Marx an Engels; 1865 Juli 31.”
31. Juli 1865.
Lieber Engels,

Mein verlängertes Schweigen kam, wie Du vielleicht geahnt
hast, nicht aus den angenehmsten Gründen her.

Ich bin schon seit zwei Monaten rein auf das Pfandhaus lebend z
und also mit gehäuften und täglich unerträglicher werdenden
Sturmfordrungen auf mich. Dies fact kann Dich nicht Wunder
nehmen, wenn Du erwägst: 1. daß ich während der ganzen Zeit
keinen farthing verdienen konnte, 2. daß das bloße Abzahlen der

1) Der Brief trägt den Kopfstempel: International Working Men’s Association.
Central Council, London,
        <pb n="325" />
        (932) 1865 Juli 31

Schulden und der Einrichtung des Hauses mich an 500 £

kostete. Ich habe darüber pence für pence (as to this item) Buch

geführt, weil es mir selbst fabelhaft war, wie das Geld verschwand.

Es kam hinzu, daß aus Deutschland, wo man verbreitet hatte, Gott
weiß was, alle möglichen antediluvianischen Fordrungen ge-

macht wurden.

Ich wollte im Anfang zu Dir kommen, um die Sache persönlich
zu besprechen. Aber in diesem Augenblick ist jeder Zeitverlust
für mich unersetzlich, da ich meine Arbeit nicht gut unterbrechen

o kann. Ich habe letzten Samstag dem subcomite der „International“
meine Abreise erklärt, um wenigstens einmal 14 Tage ganz frei
and ungestört zum pushing on der Arbeit zu haben.

Ich versichre Dir, ich hätte mir lieber den Daumen abhauen
lassen, als diesen Brief an Dich zu schreiben. Es ist wahrhaft

„ niederschmetternd, sein halbes Leben abhängig zu bleiben. Der
einzige Gedanke, der mich dabei aufrecht hält, ist der, daß wir
zwei ein Compagniegeschäft treiben, wo ich meine Zeit für den
theoretischen und Parteiteil” des business gebe. Ich wohne aller-
dings zu teuer für meine Verhältnisse, und außerdem haben wir

» dies Jahr besser gelebt als sonst. Aber es ist das einzige Mittel,
damit die Kinder, abgesehn von dem Vielen, was sie gelitten hat-
ten und wofür sie wenigstens kurze Zeit entschädigt wurden, Be-
ziehungen und Verhältnisse eingehn können, die ihnen eine Zu-
kunft sichern können. Ich glaube, Du selbst wirst der Ansicht sein,

„ daß, selbst bloß kaufmännisch betrachtet, eine reine Proletarier-
einrichtung hier unpassend wäre, die ganz gut ginge, wenn meine
Frau und ich allein oder wenn die Mädchen Jungen wären.

Was nun meine Arbeit betrifft, so will ich Dir darüber reinen
Wein einschenken. Es sind noch 3 Kapitel zu schreiben, um den
w theoretischen Teil (die 3 ersten Bücher) fertig zu machen. Dann
ist noch das 4. Buch, das historisch-literarische, zu schreiben, was
mir relativ der leichteste Teil ist, da alle Fragen in den 3 ersten
Büchern gelöst sind, dies letzte also mehr Repetition in histor1!-
scher Form ist. Ich kann mich aber nicht entschließen, irgend
etwas wegzuschicken, bevor das Ganze vor mir liegt. Whatever
shortcomings they may have, das ist der Vorzug meiner Schriften,
daß sie ein artistisches Ganzes sind, und das ist nur erreichbar
mit meiner Weise, sie nie drucken zu lassen, bevor sie ganz vor
mir liegen. Mit der Jakob Grimmschen Methode ist dies unmög-
w lich und geht überhaupt besser für Schriften. die kein dialektisch
Gegliedertes sind.

Dagegen wird es sich anders mit der englischen Bearbei-
tung machen. Fox hat keinen Zweifel, daß er mir einen Buch-
händler verschaffen kann, sobald ich die ersten Druckbogen zurück

1) Im Orig. Parteil

279
        <pb n="326" />
        280

(932) 1865 Juli 31
habe. Ich würde dann mit Meißner abmachen, daß er außer den
Korrekturbogen mir von jedem Bogen den Reinabzug schickt, so
daß die Korrektur des Deutschen und die Übersetzung ins Eng-
lische Hand in Hand gingen. Bei dem letztern muß ich allerdings
auf Deine Mitwirkung rechnen. Ich erwarte von der englischen
Ausgabe die eigentliche Zahlung dieser Arbeit.

Was die „International“ angeht, so verhält es sich damit so:

Ich übermachte Cremer die £ 5 zum Aktienkauf im Beehive.
Da aber Cremer, Odger etc. damals nach Manchester gingen, fiel
die Sache ins Wasser, und Potter had the better of it. Sie be- x
schlossen, die Sache zu vertagen bis zur nächsten Aktionärver-
sammlung (der eigentlich jährlichen). Ich glaube aber nicht, daß
etwas aus der Sache wird. Erstens, weil inzwischen der Krakeel
zwischen Odger und Potter zum öffentlichen Skandal geworden.
Zweitens, weil der „Miner and Workingman’s Advocate“ sich 16
uns angeboten hat. (Apropos! In einer kürzlichen Zusammen-
kunft mit dem „Mine r“ verpflichteten wir uns, ihm Gratiskorre-
spondenzen zu schaffen. Wenn Du also Zeit hast, um hie und da
einen kleinen Artikel über Foreign Politics (preußische etc.) zu
schreiben, so schick es mir zur Besorgung an das Blatt.) 20

Gemäß unsern Statuten sollte in diesem Jahr ein öffentlicher
Congress in Brüssel gehalten werden. Die Pariser, Schweizer
und auch ein Teil der Hiesigen drangen mit Mord und Brand dar-
auf. Ich seh, unter den jetzigen Umständen — namentlich auch
bei meinem Zeitmangel, für den Central Couneil die nötigen Pa- 25
piere zu schreiben —- nur Blamage dabei. Es ist mir, trotz vielen
Widerstrebens von andrer Seite, gelungen, den öffentlichen Con-
gress in Brüssel zu verwandeln in a private prealable Conference
zu London (25. September), wohin nur Delegates of the adminis-
trative committees kommen werden und wo der künftige Congress
vorbereitet werden soll. Als öffentliche Gründe der
Vertagung des Congresses angegeben:

1. Die Notwendigkeit eines prealable understanding zwischen
den executive committees;

2. Die Hindernisse in der Propaganda der Gesellschaft durch %
die strikes in France, die Wahlen, Reformmovement und Working-
men’s exhibitions in England.

3. Die alienbill, recently pressed in Belgien, was Brüssel un-
möglich mache als Rendezvous eines International Workingmen’s
Congress,

Ich sehe den Social-Demokrat nicht mehr, da ihn auch der Ar-
beiterverein abgeschafft hat. Den Nordstern halte ich auch
nicht mehr, sehe ihn aber von Zeit zu Zeit im Verein. Die rheini-

1) Im Orig. Schweitzer
        <pb n="327" />
        schen Gemeinden waren danach der Hauptsache nach abgefallen
von Bernhard”.

Edgar ist grade in den jetzigen Umständen ein sehr kost-
spieliger Gast für uns und scheint durchaus nicht geneigt to

‚ decamp.

In Folge des heißen Wetters und der damit verbundnen Gallen-
zustände habe ich seit 3 Monaten wieder fast tägliches Erbrechen,
wie früher in Brüssel.

Salut.

(932) 1865 Juli 31

Dein

K. M.

281

3338. Marx an Engels; 1865 August 5.

London, 5. August 1865.
Lieber Engels,

My best thanks for the £ 50 and die Raschheit, womit die

ıs Hilfe kam.

Ich habe mich sehr amüsiert über den Teil Deines Briefs, der
von dem „Kunstwerk“ to be handelt. Du hast mich aber doch
mißverstanden. Der einzige point in question ist, ob einen Teil
les Manuskripts rein schreiben und an den Buchhändler schicken

„ oder erst das Ganze fertig schreiben? Ich habe das letztere vor-
gezogen aus vielen Gründen. Es ist damit keine Zeit verloren ge-
gangen, as far als die Arbeit selbst in Betracht kommt,
wohl aber einige Zeit für den Druck, der andrerseits aber auch,
einmal begonnen, jetzt in keiner Weise unterbrochen werden kann.

„ Im übrigen ist, den Thermometerstand betrachtet, die Sache so
rasch gefördert worden, als es irgend Jemand, selbst ohne alle
artistischen Rücksichten, möglich gewesen wäre. Da ich, besides,
ein Maximumlimit von 60 Druckbogen habe, ist es absolut nötig,
das Ganze vor mir zu haben, um zu wissen, wieviel zu konden-

» sieren und streichen ist, um innerhalb der vorgeschriebnen Gren-
zen die einzelnen Teile gleichmäßig und proportionell zu haben.
Sonst kannst Du Dich darauf verlassen, daß alles geschieht, um
möglichst bald zu Ende zu kommen, denn das Zeug
Jastet auf mir wie ein Alp. Es hindert mich nicht nur, irgend etwas

 andres zu tun, sondern ist auch damnedly lästig, wenn das Publi-
kum mehr oder minder mit Zukunftslorbeerkronen (zwar nicht von
mir, aber doch von Liebknecht und andern) unterhalten wird.
Und ich weiß dazu, daß die Zeit nicht immer so still hleiben wird,
wie sie grade jetzt ist,

”  Eichhoff hat mir ein paar Zeilen geschrieben, war aber nicht
bei mir aus Geschäftsdrang. In seinem Brief kündigte er einen

1) Becker

7 4 (und) —5.

4041 —
        <pb n="328" />
        282

(933) 1865 Aug. 5
Besuch Dronkes an (der gestern hier war), aber in einer so kon-
fusen Weise, daß nicht aus dem seriptum klug zu werden. Das
„Referat“ hängt unserm poor Eichhoff an wie seine Haut, und
wird er durch keine Operation davon. zu trennen sein.

Was sagst Du von Siebels patriotisch-liberal-poetischen Lei-
stungen? Das Zeug scheint alles im dumpfsten Katzenjammer ge-
schrieben. Es ist reiner Blödsinn und schlägt everything, was unser
Freund früher geleistet hat.

Der Versuch des „Social-Demokraten“, sich auf die bürger-
liche Seite zu werfen, ist Zeichen vollständigsten Fiaskos, obgleich 1
ich mit Dir die Ansicht teile, daß die ersten Aufrufe in Berlin
nicht ohne Anstoß von der ministeriellen Seite erfolgt sind.
Übrigens ist die andre Sekte der Lassallianer, die in Folge unsrer
Erklärung volte face gegen den Social-Demokrat machte, auch
ganz erbärmliches Gesindel. Die Kerls streiten sich nicht nur mit ı:
B. Becker und Konsorten, wer den wahren Glauben an Lassalle
habe, sondern verschiedne Gemeinden derselben haben die von
old Hatzfeldt inspirierte und direkt auf uns gemünzte Phrase
drucken lassen, daß jeder für einen Verräter an dem „Volk“
erklärt wird, der auch nur ein Tüttelchen an den von Lassalle zo
offenbarten Wahrheiten umzustoßen oder zu ändern suche.

Liebknecht habe ich seit sehr langer Zeit, trotz verschiedner
Zettel, die er an mich schickte, noch nicht geantwortet, was ich je-
doch jetzt tun will. Er ist jetzt einstweilen in Hannover, seine
Frau noch in Berlin. Mein Schweigen rührte teils daher, daß ich 25
sehr beschäftigt und außerdem mit meinen eignen troubles genug
zu tun hatte. Andrerseits war ich in der Tat wütend über ihn
wegen des Blödsinns, den er über mich im Berliner Lassalleverein
debütiert hatte und der in dem vom alten Saumensch durch einen
gewissen Schilling (Farthing wäre der mehr passende Name) ver- 3
öffentlichten Pamphletwisch über die Ausstoßung B. Beckers aus
besagtem Verein zu lesen steht. Mit seinem gewöhnlichen Talent,

aus Faulheit mit den Tatsachen unbekannt zu sein, schwatzt der
Kerl den größten Blödsinn über das Bangya-Manuskript, meine
Vermittlung für den Becker quoad Wiener „Beobachter“ etc. Und 5
außerdem die ganze Art, wie er als mein „Patron“ auftritt und
mich darüber bei den Berliner Knoten „entschuldigt“, daß sie
meine Arbeiten nicht kennen; überhaupt macht, als hätte ich bis-
her noch nichts in der aktiven Welt getan. Ich ließ daher einige
Zeit verstreichen, um ihm keine Grobheiten zu sagen und mich da- «
bei zu beruhigen, daß Liebknecht als Liebknecht funktionieren
muß, und daß seine Intentionen „gut“ sind. Die 30000% Mit-
glieder des Berliner „Altgesellenvereins“, ditto der dortige Buch-
druckerverein veranstalteten ihm bei seiner Ausweisung eine Art

1) Wohl ein Schreibfehler

Ta m

35 (Mit) 39 *
41 (daß) 4?
        <pb n="329" />
        (933) 1865 Aug.5

283

von Ovation. Mit seinem gewöhnlichen Optimismus sieht Wilhelm-
chen „das Berliner Proletariat zu meinen (nämlich seinen) und
unsern (Du und ich) Füßen“. Dabei hat er es nicht fertig ge-
bracht, für die International Association auch nur eine Branche
; von 6 Mann in Deutschland zu bilden, obgleich dieser Sanguiniker
doch einsehn muß, daß ich seine delusions nicht als bare Münze
bei den Engländern verausgaben kann. Er schrieb mir auch be-
ständig wegen meinem „Buch“. Aber so oft ich ihm „Bücher“
schickte (erst sämtlichen Rest von „V o gt“, dann den sämtlichen
op Rest der „Kommunistenprozesse‘‘) auf seinen sangui-
nischsten Wunsch, und sobald er sie erhalten, habe ich nie mehr
eine Sterbenssilbe davon gehört. — Herr Groote, Fortschritt-
lerdeputierter für Düsseldorf, hat ihm geschrieben, daß sein Auf-
{reten in Berlin mehr genützt habe als das von 100 Fortschritts-
5 deputierten.

Edgar hat sich in der letzten Zeit eine Verkältung zugezogen,
lie ihm in die Nase gestiegen ist, die ganz Bardolphmäßig in
Folge dieses accidents aussieht.

Ich habe: während des warmen Wetters beständig Tag und

„ Nacht bei offnem Fenster gearbeitet. Folge: ein Rheumatismus im
rechten Arm, speziell Schulterblatt, der sehr schmerzlich und mir
das Schreiben, namentlich aber jede Hebe bewegung er-
schwert. Wie öklich die Sache, kannst Du daraus sehn, daß ich
instinktiv schreie, wenn ich in Ungedenken Nachts im Bett den

» Arm hebe. Weiß Gumpert irgend ein nostrum hierfür?

Du weißt wohl, daß der würdige Gottfried Kinkel, bei dem
Turnerfest in Paris, die ihm von einem Juden, der präsidierte, ge-
reichte Lorbeerkrone abwies mit den Worten: „Ich will keine
Krone, auch keine Lorbeerkrone“, zugleich aber zufügte in ziem-

a lich ungeschmückten Worten, daß er seine Ansprüche auf die
Präsidentur der deutschen Republik, das „Amt“, das ihm zu-
komme, noch keineswegs aufgegeben. Der „Nordstern‘“ verhöhnte
ihn ganz gut sowohl über dieses Melodramatische als über seinen
ganzen speech, der grundgemein war. Das Fest begann mit

5 Toast auf Badinguet.

Wo ist Strohn?

Vergiß nicht, sobald Du Lust und Muße, etwas „‚Kontinen-
;ales‘“ mir für den „Miner“ zu senden.

Besten Gruß an Dich von der ganzen family und von mir an

uw Mrs. Lizzy.
Dein K. Marx.

7 Om
        <pb n="330" />
        (934) 1865 Aug.7

934. Engels an Marx; 1865 August 7.

Manchester, 7. August 1865.
Lieber Mohr,

Gegen Deinen Rheumatismus habe ich ein Mittel, womit Gum-
pert mich einmal in 24 Stunden kuriert hat, und zwar von einem
viel heftigeren Anfall. Laß Dir 2 große Säcke von Flanell nähen,
so groß, daß sie die angegriffne Stelle vollständig bedecken und
noch etwas mehr, diese Säcke läßt Du mit Kleie (bran) anfüllen
and abwechselnd im Backofen erhitzen, so heiß, wie Du es nur
ertragen kannst, und legst sie abwechselnd auf, so oft wechselnd zo
wie nur möglich. Dabei hältst Du Dich im Bett ruhig und warm,
und wirst dann bald sehr bedeutende Erleichterung spüren, was
Dich aber nicht verhindern darf, damit fortzufahren, bis Du gar
nichts mehr merkst (sag 24—36 Stunden).

Eichhoff war eben hier, er hat sich in London zum director 2
einer Limited Company machen lassen; aus der ganzen Sache
geht mir sonnenklar hervor, daß er wieder schwer geprellt wer-
den soll, aber dem Kerl mit seiner Manie, alles couleur de rose
zu sehen, ist absolut nicht zu helfen. Er ist jetzt so weit, daß er
glaubt, das Seidengeschäft hier in England könne platterdings 2%
nicht ohne ihn mehr gemacht werden.

Daß es mit dem Buch rasch vorangeht, freut mich sehr, ich
hatte aus einigen Redensarten in Deinem vorigen Brief wirklich
den Verdacht geschöpft, als wärst Du wieder bei einem unerwar-
teten Wendepunkt angekommen, der Alles ins Unbestimmte ver- 26
zögern könnte. An dem Tage, wo das Manuskript abgeht, bekneip’
ich mich ohne alle Gnade, es sei denn, daß Du den folgenden Tag
herkommst und wir das zusammen abmachen können.

Besten Dank für die Free Presses,

Unser braver Liebknecht kann einmal die Taktlosigkeiten und z
Bummelschreibereien nicht lassen. Man wird immer 10 Monate
aus 12 über ihn ärgerlich sein müssen, sobald er allein ist und
auf eigne Faust handeln muß. Indes que veux-tu? Es ist einmal
seine Liebknechtsnatur und daran hilft aller Ärger und alles
Knurren nichts. Und am Ende ist er augenblicklich doch die ein- 35
zige zuverlässige Verbindung, die wir in Deutschland haben.

Ein Workingmens-Congress in Brüssel wäre unter jetzigen Ver-
hältnissen sicher großer Blödsinn. Erinnere Dich doch an unsre
eignen Erfahrungen in dem Ländchen. So etwas ist nur in Eng-
land zu machen, die Frenchmen sollten das wissen. Es wäre rein «
Geld und Zeit und Mühe weggeworfen, so etwas in Belgien zu
probieren.

Hast Du des Schillings Pamphlet über den B. Becker? Du
könntest es mir auf ein paar Tage zuschicken,

ZZ. 920.26
AS — cd
        <pb n="331" />
        285

Ob Strohn in Hamburg oder Bradford, weiß ich nicht, ich
habe seit längerer Zeit nichts mehr von ihm gehört,

Die rheinischen Philister sollen in einer furchtbaren Wut
gegen Bismarck sein; es ist sehr gut, daß den Eseln die „„histo-
rische Entwicklung auf legalem Boden“ so schön gelegt wird.
Hast Du Bismarcks neuesten Kniff gesehn, sich Geld zu ver-
schaffen? Er hat der Köln-Mindener Eisenbahn, die gegen Staats-
zinsengarantie dem Staat das Recht des al pari-Aufkaufs
bewilligt hatte (die Aktien von 100 Taler stehen über 200 Taler

o jetzt), für 13 Millionen Taler dies Recht verschachert, und die
Kölner Zeitung rechnet heraus, daß er hieraus, incl. Verkaufs der
vom Staat bereits besessenen Aktien ete., 30 Millionen Taler
flott macht. Die Frage ist, zahlt die Köln-Mindener Bahn
dies, ohne daß die Kammer den Vertrag genehmigt. Wenn sie

„dies tut, so hat Blismarck] wieder Oberwasser auf Jahre hinaus
und die Philister sind greulich angeschissen. Das wird sich jetzt
bald zeigen.

Lizzy behauptet, Edgar könne seinen texanischen Hut nicht
aufgehabt haben. sonst habe er sich unmöglich die Nase erkälten

„ können.

Dein F. E.

335. Marx an Engels; 1865 August 9.
9, August 1865.
Dear Fred,

Einliegend ein Brief des Herrn Siebold. Du brauchst ihn nicht
zurückzuschicken. Zweitens schicke ich Dir den Hatzfeldtschen
Dreck. Schick ihn nicht zurück, heb ihn aber auf. Zeig ihn
auch keinem Menschen. Der Dreck ist glücklicher Weise spur-
los an der deutschen Presse vorübergegangen. Das einzig darauf

wo Bezügliche, das in öffentlichen Blättern erschien, war eine Er-
klärung von Metzner (Exbevollmächtigter der Berliner Ge-
meine) und Vogt (still Kassierer derselben), gegengezeichnet
W. Liebknecht — worin sie erklärten,
1. daß Schilling den Bericht verfälscht, einige Beschlüsse
;s unterdrückt, andre in ihr direktes Gegenteil verkehrt habe;

2. daß das alte Mensch Hatzfeldt ihre Randglossen hätte
sparen sollen, since der Verein ihr jede Einmischung verboten
habe.

Dies stand in „Reform“ und. „Volkszeitung“.

x Ich mediziniere seit ein paar Tagen und bin ganz und gar auf
dem Hund, ganz arbeitsunfähig. Allen sagt jedoch, daß ich in
wenigen Tagen wieder auf dem Strumpf sein werde. Es ist

JE

na
        <pb n="332" />
        286 (935) 1865 Aug. 9
Gallengeschichte und Folge der „sauren“ Arbeit des Denkens in
dem hot weather, Offiziell bin ich jetzt auf Reisen,
von wegen des „International“.

Edgar vegetiert. In der Einsiedelei hat er sich an die schmalste
Sorte von Egoismus gewöhnt, von Morgens bis Abends auf das
für den Magen Nötige zu sinnen. Da er aber von Natur gutmütig,
ist sein Egoismus der einer kindnatured cat oder eines wohl-
wollenden Hundes. Der Teufel hole die Einsiedelei. Sogar die
Weiber hat er sich abgewöhnt, und auch der Geschlechtstrieb ist
ihm in den Bauch gefahren. Dabei die konstante Angst für die ı
liebe Gesundheit, derselbe Bursche, der andrerseits gewohnt war,
unter Schlangen, Tigern, Wölfen und Leoparden „sich sicher“
zu fühlen.

Er wünscht sich jetzt wieder nach Texas zurück, Aber die
Konfrontation mit dem cher fröre wird nicht zu umgehn sein. 26

Seine waldursprünglinglichen Vorstellungen kannst Du daraus
sehn, daß Anlegung eines store — Zigarren- oder Weinstore —
jetzt sein Ideal ist, mit der offenbaren Hinterlist, in dieser Art den
Zigarren und dem Wein am sichersten auf den Pelz rücken zu
können. 2

Er liebt es, sich selbst als old gentleman „vorzukommen“, der
seine Rechnung mit dem Leben abgeschlossen, nichts mehr zu tun
hat und nur noch „für seine Gesundheit“ zu leben hat.

Außerdem ist er noch beschäftigt mit dem Putz, und die
„old genlemen“ in Rotten Row machen ihm viel Kummer, weil er 2s
sie nicht nachmachen kann. Kurioser Kauz! Laura, die einen
kleinen carbuncle auf der linken Backe Just now has, says that
„her mother’s brother is an exceedingly bright fellah!“
Tussy, „that she likes him, because he isso f unny“, und
Jennychen, daß Lina Schöler und er sich wechselseitig kongratu- zo
lieren können „to have safely got rid of each other.“ Well, they
are a bad lot. Die Mädchen haben mich auch severely cross-
examined as to the „Mrs. Burns“.

Salut.
Dein

K. M. 35

936. Engels an Marx; 1865 August 16.

Manchester, 16. August 1865.
Lieber Mohr,

Die Schmiere von der Hatzfeldt ist wirklich eine Schmiere mit
Allem, was darin steht, alleinseligmachender Lassalle, Liebknecht «
etc, Der brave Library” hat wirklich diesmal mehr als das Üb-

1) Filhelm Liebknecht

Z.

A— 33
40 (alleinseligmachender) —4]
        <pb n="333" />
        (936) 1865 Aug. l6

287
liche an Schwäche, Gedanken- und Gedächtnislosigkeit geleistet,
wenn anders das Referat nicht ganz gefälscht. Der Teufel hole
einen solchen advocatus.
Ditto den schaumweinbegeisterten Siebold. Mit welcher
- sichern Naivität der Kerl den Versuch macht, Dich mit Blind
„auszusöhnen‘“! Dabei die interessanten „ollen Schweden“, von
denen Niemand nichts weiß und an die man schreiben soll, um
eine „Verbindung“ anzuknüpfen. Ganz ä la Harro Harring. Ich
komme mehr und mehr zu der Einsicht, daß von dem südlichen
o Breitengrade Nordfrieslands an Alles, was über Bürger- und
Bauernpolitik hinausgeht, rein Harro Harring ist. Das Kamel
rückt Dir aber sicher jedes Jahr auf die Kappe.
Nächste Woche (gegen Freitag, 25.) gehen Moore und ich
nach Deutschland und der Schweiz auf 14 Tage, womöglich auch
s „einen faulen Blick“ nach Italien hinein. Wenn es sich machen
läßt, melde ich mich bei der Rückreise einen Augenblick in Mo-
dena Villas.
Am 28. dieses Monats, also Montag über 8 Tage, ist die Ge-
neralversammlung der Köln-Mindener Aktionäre, welche über die
» preußische Politik auf einige Jahre hinaus entscheiden wird. Ich
kann mir nicht denken, daß die Kerle solche Esel sein werden,
dem Blismarck] 13 Millionen Taler in bar auszuzahlen, ohne die
Einwilligung der Kammern zu haben. Aber der rheinische libe-
rale Bürger ist vieler Streiche fähig, sobald er den Staat be-
scheißen kann, und denkt, er kann nachträglich in seiner Eigen-
schaft als Deputierter doch sich selbst wieder Indemnität erteilen.
Fiele der Vertrag aber durch, oder würde er an die Genehmigung
der Kammern gebunden, so wäre es mit Monsieur Bismarck ziem-
lich am Ende; eine solche Niederlage in financialibus und auf
„ einen so verzweifelten Versuch hält selbst dieser Abenteurer nicht
aus. Daß er sich wieder mit Östreich momentan verständigt, be-
weist, daß er intellektuell und moralisch au bout de son latin ist.
Er weiß zu gut, daß er keinen Krieg anfangen kann, ohne sofort
gestürzt zu werden, und so fährt er fort, mit großen Worten um
„sich zu werfen, kleine Errungenschäfichen. einzustecken und
Deutschland vor der Welt lächerlich zu machen. Dem Philister
imponiert er aber beinahe schon soviel wie Boustrapa. Der Phi-
Lister verlangt jetzt nicht einmal mehr momentane Erfolge von
seinen Götzen, sondern nur, daß sie schwadronieren. So ist auch
ı Classen-Kappelmann zum Kölner Götzen geworden, weil er im
entscheidenden Moment durchbrannte.

Auch gut von dem Siebold, in Kopenhagen den C. V. Rimestad
zu empfehlen, der ein Mann vom Dagblad ist! Der sogenannte
Arbeiterverein ist eine Propaganda-Anstalt der skandinavischen

 Fiderdänen und des Ministeriums Hall.

JE

7 11 (Dag)— 12.

31 AG
        <pb n="334" />
        (936) 1865 Aug. 16
Was wird Vater Urguhart nächsten Monat von den preußischen
Kronjuristen sagen? Schöne Burschen sind sie.
Beste Grüße an die ladies und Edgar
Dein &gt; F. E.

288

937. Marx an Engels; 1865 August 19.

August 19, 1865.
Dear Fred,

Da Du Dich auf Reisen begibst, muß ich Dir mitteilen, daß
ich 28. August eine bill von 10 £ an meinen butcher zu zahlen
habe und auch der landlord sehr troublesome wird. By the by, der x
englische Staat scheint handpressed for money. Wenigstens waren
die taxgatherers diesen month dringender als je und haben mich
unerwartet „erleichtert“.

[ch bin immer noch sick, obgleich Allen die liverbeschwerden
beseitigt. Aber nun kam eine Art Influenza, deren Ende er mir in 1
5—6 Tagen verspricht und die in der Tat von allen Dingen das
lästigste, as far as mental activity is concerned. Ich hoffe, damit
habe ich my debt to nature abgetragen.

Laurachen ist auch nicht ganz wohl. Sie ist schon seit einem
Jahr viel dünner geworden als nötig. Aber es ist ein eignes Kind zo
und hat sich erst heut entschlossen, mit meiner Frau zum Dr. zu
gehn. I hope it is nothing serious. Jennychen und Tussy sehr
wohl. (Ditto Edgar seinen state of health sehr verbessert.) Meine
Frau hatte sich die 2 Vorderzähne in der Mitte der untern Kinn-
lade ausgebissen und hat gestern 4 Zähne dafür eingesetzt er- 25
halten. Dies sind ungefähr die einzigen „Ereignisse“, die bei
uns vorgekommen. ;

In meinem Unwohlsein kann ich nur wenig schreiben und nur
by fits und starts. Treibe in der Zwischenzeit Allotria, obgleich
selbst das Lesen mit der Influenza nicht ordentlich geht. „Bei z
der Gelegenheit“ habe ich u. a. auch wieder etwas weniges Astro-
nomie „betrieben“. Und da will ich ein Ding erwähnen, das mir
wenigstens neu war, Dir vielleicht schon bekannt ist seit längerm.
Du kennst Laplaces Theorie von der Bildung des Celestial Systems
und wie er die Rotation der verschiednen bodies um sich selbst 3
etc. erklärt, Davon ausgehend, hat ein Yankee, Kirkwood, eine
Art Gesetz entdeckt über die Verschiedenheit in der Ro-
tation der Planeten, die vorher ganz abnormal erschien. Das
Gesetz ist dieses: „The square of the number of times
that each planet rotates during one revolution in its orbit is PrO- 40
portioned to the cube of the breadth of a diameter
of its sphere of attraction“.

Z. 10 (By) —13.

(
        <pb n="335" />
        (937) 1865 Aug. 19

289
Zwischen zwei Planeten nämlich wäre ein Punkt, wo ihre At-
traktionskraft gleichmäßig wirke; also ein Körper auf diesem
Punkt unbewegt zwischen ihnen bliebe. Dagegen auf beiden Sei-
ien dieses Punkts würde der Körper in den einen oder den andern

; Planeten fallen. Dieser Punkt also bildet den limit für die
sphere of attraction des Planet. Diese sphere of attrac-
tion wieder das Maß der Breite des gazeous ring, woraus, nach
Laplace, der Planet gebildet wurde zur Zeit seiner ersten Trennung
von der general gazeous mass, Daraus schloß Kirkwood, daß,

o wenn Laplaces Hypothese wahr, ein bestimmtes Verhältnis
existieren müßte zwischen der velocity of the planet’s rotation
und der breadth of the ring, woraus er gebildet wurde, oder
seiner sphere of attraction. Und dies hat er im obigen Gesetz,
durch analytische Rechnungen bewiesen, ausgedrückt.

Der alte Hegel macht einige sehr gute Witze über das „plötz-
liche Umschlagen““ der Zentripetal- in Zentrifugalkraft, grade im
Moment, wo die eine über die andre das „Übergewicht‘“ erlangt
habe; z. B. in der Nähe der Sonne die Zentripetalkraft am größ-
ten: also, sagt Hegel, die Zentrifugalkraft am größten, da sie

x dies Maximum der Zentripetalkraft überwindet und
vice versa. Ferner sind die Kräfte im Gleichgewicht in der
mittleren Entfernung von den Apsiden. Also können sie nie
mehr aus diesem Gleichgewicht heraustreten usw. Übrigens
kommt Hegels Polemik im Ganzen darauf hinaus, daß Newton

„ dem Kepler, der den „Begriff“ der Bewegung hatte, nichts durch
seine „Beweise“ zugefügt hat. was nun wohl auch ziemlich allge-
mein anerkannt ist.

Du weißt, daß der Präsident der Bank of Switzerland jetzt
Herr Karl Vogt ist, der seinen Freund Fazy verriet, sobald

„ der Genf verlassen, und zusammen mit Reinach (dem eigentlichen
acting director) mogelte. Ich fragte Freilligrath], wie Herr Vogt,
der sonst als financier doch übel berüchtigt in der Schweiz, zu
diesem Ehrenposten gekommen. Antwort: Die Schweizer haben
fast keine Aktie mehr in der „bank of Switzerland“. Die Juden

in Berlin und Frankfurt a. M. entscheiden. Diese aber für den
Vogt. Unterdessen hänselt der Reinach unsern poor Freil [igrath]
so sehr, daß letzterer ihm das gesinnungstüchtige Wort geschrie-
ben, selbst die preußische Polizei habe ihn nie so sehr verfolgt.
Fazy soll die Bank um 1% Millionen frs beschissen haben.
Professor Beesly* hat vor einigen Wochen in der Fort-
nightly Review einen Artikel über Catilina, worin dieser als
Revolutionsmann vindiziert wird. Es ist allerlei Unkritisches
darin (wie von einem Engländer zu erwarten). z.B. Falsches über

A

1) Im Orig. Beesley
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 3
        <pb n="336" />
        290

(937) 1865 Aug. 19
die Stellung Caesars zur damaligen Zeit), aber die intensive Wut
über die Oligarchie und die „Respektabeln“, ist hübsch. Auch die
Hiebe auf den professionellen englischen „dull lite&amp;rateur‘“. Herr
Harrison hatte in derselben Review einen Artikel, worin aus-
einandergesetzt wird, daß die „politische Ökonomie“ „Nichts“
gegen den Kommunismus vorbringen könne. Es scheint mir, daß
jetzt in den englischen Köpfen mehr movement als in den deut-
schen. Die letztern sind mit der Feier der Classen-Kappelmann
hinreichend beschäftigt.

Gruß an Mrs. Lizzy. Die Kinder erwarten, daß Du bei Deiner 10
Rückkunft nicht an London vorübergehst.

Dein K. M.

Von dem absoluten Unsinn, der sich in den Parliamentary
Reports von 1857 und 1858 über Bankwesen etc. findet, und die
ich kürzlich wieder ansehn mußte, machst Du Dir auch nicht die 26
entfernteste Vorstellung. Wie im Monetarsystem ist Kapital =
Gold. Dazwischen nun schamhafte Erinnerungen aus A. Smith
und schauderhafte Versuche, den Gallimathias des moneymarket
mit seinen „aufgeklärten‘‘ Vorstellungen auszusöhnen. Am
meisten zeichnet sich aus der nun endlich den Weg alles Fleisches zo
gegangne Mc Culloch. Der Kerl hatte offenbar ein bedeutendes
Douceur von Lord Overstone bezogen, der daher auch „facile
maximus argentariorum“ und durch dick und dünn herausgebis-
sen werden muß. Die Kritik dieser ganzen Sauce kann ich erst
in einer spätern Schrift geben.
938. Engels an Marx; 1865 August 21.

Lieber Mohr, . Manchester, 21. August 1865.

Inliegend £ 20, erste Hälfte, BG 56794, Manchester, 9. Jan.
1864, sobald Du mir den Empfang anzeigst, folgt die zweite nach. 3
Mehr kann ich nicht schicken, bevor ich weiß, wie die Bilanz aus-
fällt, und das erfahr ich erst nach meiner Rückkehr oder noch
später.

Die Geschichte mit Kirkwoods Gesetz war mir sowohl wie
Moore neu. Ist es aber auch bewiesen und nicht etwa eine bloße zs
Hypothese? So etwas müßte sich doch verifizieren lassen.

Ich hoffe, Ihr seid alle wieder auf dem Damm. Die Geschichte
mit Laura hat wohl ebensowenig etwas Ernstliches zu sagen wie
damals mit Jennychen, es ist aber Unsinn von Dir, so etwas sich
festsetzen zu lassen; Du solltest als Haustyrann bei solchen Gele- x
genheiten durchgreifen. Deine Influenza bist Du jetzt wohl los bei
dem warmen Wetter, fatal ist so was, aber jetzt doch leicht zu
kurieren.

fr
RT ma
        <pb n="337" />
        (938) 1865 Aug, 21

291

Die alten Weiber kommen eben das Comptoir ausfegen und
vertreiben mich von meinem Posten ; ich muß also eiligst schließen.
Beste Grüße.

Dein F. E.

339. Marx an Engels; 1865 August 22.
22. August 1865.
Dear Fred,

Best thanks for the £ 20, deren first half erhalten. Ich würde
Dich sicher nicht so bother, aber das Ende des Vierteljahres, des-

wo sen Rechnungen aufgeschoben worden, lastet schwer.

Was Kirkwoods Gesetz betrifft, so unterliegt keinem Zweifel,
daß es die Differenz in den rotatory movements, z. B. zwischen
denen des Jupiter und denen der Venus etc. erklärt, was bisher
ganz zufällig schien. Wie er aber das Gesetz selbst herausfindet

% und beweist, weiß ich nicht, werde aber bei nächstem Besuch des
British Museum hinter die Originalarbeit zu kommen suchen und
Dir dann das Nähere mitteilen. Die mathematische Bestimmung
der sphere of attraction jedes Planeten scheint mir die einzige
„Aufgabe“ in der Sache. Das Hypothetische ist wahrschein-

zo lich nur die Annahme von Laplaces Theorie als Ausgangspunkt.

Meine Influenza ist mir so sehr in die Nase geschlagen, daß das
„Näschen‘ des Texan Boy *) sich bei mir reproduziert hat, beglei-
tet von einem scheußlichen Schnupfen und einer Kopfverduse-
lung, wie sie im Laplaceschen Feuerdunstuniversum allgemein

2 gewesen sein muß.

Die Kerls und Freunde des „International“ haben nun doch
ausgefunden, daß ich nicht verreist bin, und so habe ich sum-
mons erhalten to attend heute einer Sitzung des subcommittee. Die
4 Wochen, während deren ich verschwand, sind mir durch die

zo doctors Rezepte total spoilt worden.

Unter den in meinem Besitz befindlichen Büchern aus lupus’
Nachlaß ist auch eine „Neue Handelsgeographie“ von
Egli. Dieser Schwitzer sagt in der Vorrede, daß er dann und
wann zwischen die „handelsgeographischen Biographien“ — „ein

ws Lebensbild einflicht, ein Bild, in dessen Beschauen sich die Seele
einen Augenblick verliert, behaglich ausruhend . . . eingeflochtne
Genrebildchen . . . ein Stück Leben soll sich hier abrollen vor
unserm Auge. Nur aus dem Leben entwickelt sich das Leben.“

Was dieser naive Schwitzer nun unter diesen „„Lebensbildern““

w versteht, kannst Du aus folgendem sehn:

1) Edgar von Westphalen

7 91 (mir — 22. Am
        <pb n="338" />
        292

(939) 1865 Aug. 22
„Der Markgräfler wächst an den sonnigen Hügeln von Mühl-
heim und Badenweiler. Nicht umsonst hat der liebenswürdige
Hebel gesungen:
„Z/’Mülle-n-i der Post,
Tausig Sappermost!
Trinkt me nit e guete Wi!
Goht er nit wie Baumöli;
Z’Mülle-n-i der Post!“
Derselbe naive Schwitzer, zum Beweis, wie „wenig leicht ich die
Sache genommen“, verweist auf das Register der von ihm benutz- 10
ten Schriften. Dies Register zählt exakt 20 Nummern, worunter
neben naiven „Kinderschriften““, wie das „Buch der Erfindungen“
usw., zwei Schriften des identischen Herrn Egli selbst sich finden.
Beste Grüße von der whole family.
Dein K.M.xz

940. Engels an Marx; 1865 Oktober 4.
4. Oktober 1865.
Lieber Mohr,

Mit meinen Londoner Plänen habe ich immer Pech. Ich traf
meine Mutter erst 3 Tage vor meiner Rückkehr nach hier, und x
zwar in Ostende, und konnte da natürlich nichts abknickern. Frü-
her hätte ich sie auch gar nicht treffen können, da weder sie noch
ich wußte, wo sie 2—3 Tage früher sein würde. Am 15. Septem-
ber aber war ich due hier, da an dem Tage Charles abreisen
mußte, was auch geschah. Seitdem ist wie immer, wenn ich von 2
der Reise zurückkomme, der Teufel in den Baumwollmarkt ge-
fahren, ich habe Charles und meine Arbeiten zu besorgen gehabt,
and das ist keine Kleinigkeit, wenn Baumwolle in 14 Tagen von
18 auf 24% d. pro , Garne aber 8—9 d. pro ® steigen und es
Telegramme aller Art regnet. Ich hoffe, es wird jetzt vorüber sein x
und auch Charles anfangs nächster Woche wiederkommen, daß
ich endlich wieder zu mir selbst komme. Diese greuliche Hetzerei
hat es mir positiv unmöglich gemacht, Dir auch nur 2 Zeilen zu
schreiben; ich habe überhaupt, seit ich hier bin, keine Zeile priva-
tim schreiben können. Sobald ich irgend kann, schreib’ ich aus- zs
führlicher, laß mich inzwischen wissen, wie’s bei Euch geht und
was das „Buch“ macht. Ich denke, es wird sich machen lassen,
daß ich mal auf 3X 24 Stunden herüber komme, sobald wir hier
erst in Ordnung sind. Aber unser Comptoir sieht aus wie ein
Schweinstall, der Gottfried hat mir da 3 Kerle engagiert, die 4
nichts wert sind, und hält mich laut Kontrakt daran, daß ich sie

F
[mm 15
        <pb n="339" />
        (940) 1865 Okt. 4

293
zu was machen soll. Da siehst Du, wie’s hier hergeht. Ich werde
ein paar schassen müssen.

Dein F.E.

Beste Grüße allerseits.

Bin auch „allbereits“ bei den Schwaben gewesen, sie machen
aber keine Dichterschule mehr, sondern spinnen Baumwolle oder
wandern aus.

341. Marx an Engels; 1865 Oktober 19.
19. Oktober 1865.

7}

Dear Fred,
Ich bin Morgen Nachmittag about 4.40 in Manchester und
werde mich nach Deiner offiziellen Wohnung verfügen.
Dein K. M.

342. Marx an Engels; 1865 November 8.
8. November 1865.
1. Modena Villas, Maitlandpark,
Haverstock Hill.
Lieber Frederick,

Freitag Abend kam ich hier an. Strohn hatte mich dringend
„ eingeladen, einige Tage bei ihm zu bleiben, aber ich hatte keine
Ruhe. Ich wußte, daß die Sachen in London schief standen. und

wollte also an Ort und Stelle sein.
An den disappointments, die mir Mrs. Lizzy prophezeit, hat es
nicht gefehlt. D’abord, bei Ankunft in Kings Cross, war mein
Koffer fort, und ich habe ihn bis zu diesem Augenblick noch
nicht rückerhalten, was namentlich fatal wegen der darin enthal-
;enen „Papiere“, für die ich verantwortlich bin. Dann fand ich
das Kind noch sehr unwohl. Endlich war der Landlord da ge-
wesen, hatte gedroht, und meine Frau ihn nur beruhigt durch
„Vertröstungauf meine Rückkehr. Der Kerl sprach von
„Broker“ ins Haus setzen und außerdem von Aufhören der
lease, was allerdings kontraktlich richtig ist. Im Gefolge des land-
lord erschien dann alle das andre Gesindel teils persönlich, teils
mit Drohbriefen. Ich fand meine Frau so desolate, daß ich n icht
denCouragehatte, ihr den true state of things auseinander-
zusetzen. Und ich weiß in der Tat nicht, was zu tun!
Dabei müssen Kohlen ins Haus geschafft werden und dergleichen.
Nebst diesen disappointments one good news. Eine der zwei
Tarten in Frankfurt (die 73jährige, die andre ist zwei Jahre jün-

7 1 (TIch)—2
        <pb n="340" />
        294

(942) 1865 Nov. 8
ger) ist verschieden, aber ab intestato (da sie fürchtete zu ster-
ben, wenn sie ein Testament machte). Ich habe daher mit den
andern Erben zu teilen, was im Fall eines Testaments nicht der
Fall wäre, da sie für die andern nichts kehrte. Und dabei noch
dieser angenehme Umstand, daß Herrn Jutas Vollmacht vom Cape *
9f Good Hope abzuwarten ist.

Die ganzen angenehmen Umstände sind mir einigermaßen in
den Bauch gefahren, so daß ich mir hier sofort Gumperts Medi-
zin wieder machen ließ.

Salut (auch an Mrs. Lizzy).

Dein

K. M.

943. Engels an Marx; 1865 November 13.
13. November 1865.

Lieber Mohr,

Gleichzeitig hiermit erhältst Du einen rekommandierten Brief 16
mit £ 15, den ich am Freitag zurechtmachte und unserm Aus-
läufer zu besorgen gab. Ich erhielt Sonntag keine Antwort von
Dir, was mich einigermaßen wunderte, und es fiel mir auf, daß
mir der Junge Samstag Morgen nicht den Schein für den Brief
gegeben. Als ich heute nachforschte, stellte sich heraus, daß der zo
Lump die ganze Geschichte verbummelt und den Brief noch in
seiner Tasche hatte, Dies machte das Maß seiner Liederlichkeit
voll, und er wurde geschaßt. Mir ist dies höchst fatal, da Du in der
Zwischenzeit denken mußt, ich hätte Deinen letzten Brief ruhig
eingesteckt und die Sache laufen lassen, ohne Dir nur ein Wort ZU 25
schreiben.
Dein F. E.
[st Edgar fort!

344. Marx an Engels; 1865 November 15.

Dear Fred,

Du mußt mich entschuldigen, wenn ich Dir erst heute mit
bestem Dank den Empfang der £ 15 anzeige und wenn ich Dir
erst Morgen schreibe. Ich bin so in der Hetze. daß ich heute
noch nicht dazu kommen kann. S

Jennychen hat die Diphtherie, aber ich hoffe, es wird bald vor-
übergehn.

Den einliegenden Brief, der sich übrigens durch seine Manier
und Stilistik sehr vorteilhaft von denen der rheinischen Arbeiter

15. November 1865.
        <pb n="341" />
        (944) 1865 Nov. 15

295

auszeichnet, schickst Du mir gefälligst zurück, sobald Du ihn ge-
lesen. Die Höflichkeit erfordert nämlich, darauf zu antworten.
Salut. Dein K. Marx.

Lieber Mohr, Manchester, 17. November 1865.
Erst gestern Abend wurde mir Dein Brief gegeben, und ich
werde eine Untersuchung anstellen, wie er so lange liegen blieb.
ich hoffe, Jennychen ist wieder all right und jedenfalls die
o akute Krankheit und damit die Gefahr überstanden. Zur Herz-
stärkung schicke ich ihr heute Abend eine Kiste Port, Sherry und
Claret. Ich bekam einen gehörigen Schrecken, als ich das Wort

Diphtherie las; mit dem Ding ist nicht zu spaßen.

Der Brief der Berliner hat mich wirklich sehr frappiert. Er ist
offenbar von einem Kerl geschrieben, der viel mehr Zeug in sich
hat als Wilhelmchen und letzteren auch nicht ohne eine gewisse
Ironie zu erwähnen scheint. Der Brief ist nun aber sicher nicht
von einem Arbeiter geschrieben, das beweist schon die ganz rich-
tig durchgeführte Grimmsche Orthographie, und ich bin nicht
ganz ohne Verdacht an der Echtheit der Sache. Jedenfalls wäre
weitere Erkundigung über die 3 Unterzeichner“ einzuziehen.
Wilhelmchen sollte sie jedenfalls kennen, wenn die Geschichte
bona fide ist. Meine Verdachtsmotive basieren sich mehr auf die
Form des Schriftstücks, der Inhalt scheint entschieden dagegen zu
»# sprechen. Da Du ja. doch nicht nach Berlin gehst, um dort eine
neue Organisation zu stiften, hat es indes gar nichts auf sich,

wenn Du an die Leute schreibst. Der Brief inliegend zurück.
Was sagst Du zu der Niggerinsurrektion auf Jamaika und den
Brutalitäten der Engländer? Der Telegraph sagt heute: We should
u be very sorry if the right was taken away from any B ritish
officer to shoot or hang all and every British
zsubiect found in arms againstthe British Crown!
Dein F. E.

345. Engels an Marx; 1865 November 17.

946. Marx an Engels: 1865 November 20.
20. November 1865.

15
Lieber Engels,
Jennychen ist wieder Rekonvaleszent und läßt bestens danken
für den Wein.
Was die Geldaffären angeht, so wäre es vergeblich, sich an
„ Dronke darüber zu wenden. Um mit dem Landlord. denn dies ist
i\ Aug, Vogt. Siegfr. Mever und Th. Metzner

m 34 (Frl—17.
        <pb n="342" />
        (946) 1865 Nov. 20
die Basis, Ruhe zu haben, habe ich ihn überredet, für das lau-
fende Quartal, wovon ihm */s geschuldet, einen Wechsel bis Mitte
Februar anzunehmen. Was die andern Gläubiger betrifft, so habe
ich mit den 15 £ die allerdringendsten befriedigt und sinne auf
Mittel, wenigstens Abschlagssummen für die andern beizubringen.
Dein Anerbieten ist sehr großmütig und sobald meine Arbeit
fertig und heraus ist, muß der Rest durch andre engagements ge-
schafft werden, oder wenn das, wider mein Erwarten , nicht
gelingen sollte, müssen wir nach einem wohlfeileren Ort, etwa der
Schweiz, ziehn.

Der Berliner Brief ist echt. Ich erhielt einige Tage nach seiner
Ankunft ein darauf bezügliches Schreiben von Liebknecht, der
mit den Berlinern in fortwährender Verbindung steht. Aus dem
Brief von L[iebknecht] geht auch hervor, daß die Schweinhunde
vom Social-Demokrat gar zu gern wieder mit uns anbinden wür- ı:
den. Welchen Illusionen der Liebk [necht] sich fortwährend hin-
gibt, siehst Du aus folgendem Passus: „The people that have ap-
plied to you from Berlin, are our friends. I£ you could come,
show yourself but once — the gain would be immense. Come if
it is possible.“ Liebknecht müßte doch wissen, daß selbst wenn z
ich nach Berlin gehn könnte at present, bloß als visitor, ich mich
dort ganz still und privatim halten müßte und nicht Arbeiterklubs
adressieren dürfte!

Liebknecht schreibt auch:

„Professor Eckardt (dies ist jetzt der „Haupt“-Radikale im 25
Süden, wie aus einem Brief Stumpfs von Mainz hervorgeht) of
Mannheim places the „Wochenblatt“ at our disposal. He would
be delighted if you and Engels were to write for it a few articles,
but not too strong.“
Der „Workman’s Advocate“ ist immer noch gleich z0
schwach. Indes muß er ziehn, da er letzte Woche in vergrößertem
Format erschienen ist. Das Nähere weiß ich nicht, da ich Morgen
zum erstenmal der Association wieder beiwohnen werde. Die
Pariser haben einen Bericht über die Konferenz veröffentlicht
und zugleich das von uns für den nächsten Congress aufgestellte zs
Programm. Dies ist in allen liberalen, quasiliberalen und
republikanischen Blättern von Paris erschienen. Wie wohlwollend
es aufgenommen wurde, siehst Du aus folgendem Bericht von Fox
über die letzte Sitzung unsres Council, den ich Dir aus dem
Workman’s Advocate ausschneide. Unsre Pariser sind etwas
verblüfft, daß der $ über Rußland und Polen, den sie nicht
haben wollten, grade am meisten Sensation macht. Ich hoffe, daß
Du Dich in Deinen Nebenstunden nun dran gibst, von Zeit zu Zeit
über irgend ein Thema für den „Advocat e“ zu schreiben.

Z. 6 (Dein... sobald.
        <pb n="343" />
        (946) 1865 Nov. 20

297
Die Pariser Publikation überhebt mich der Mühe, einen franzö-
sischen Bericht zu schreiben.
Die Jamaikageschichte für die Hundsgemeinheit des „true
Englishman“ charakteristisch. Die Kerls haben den Russen nichts
; vorzuwerfen. Aber, sagt die brave „Times“, diese damned
rogues enjoyed „all the liberties of an Anglo-Saxon Constitution“.
D. h. sie enjoyed the liberty, u. a. aufs Blut besteuert zu werden,
um den Planters die Mittel zu verschaffen, Coolies zu importieren
und so sich ihren eignen Arbeitsmarkt unter das Minimum zu
o drücken. Und diese zartnervigen englischen Hunde schrien über
„beast Butler“, weil er einen Mann hängen ließ! und den gelben,
diamantbehangnen Expflanzerinnen nicht erlaubte, den Federal
soldiers ins Gesicht zu spucken! Zur völligen Bloßstellung der
englischen Hypocrisie fehlte nichts als nach dem amerikanischen
Krieg die irische Affäre und die Jamaica butcheries! .

Vergiß nicht, von Knowles (und mög lichst bald) mir die
nötgen Data zu verschaffen. Average Weekly Wages, sei
es eines mule Spinner, sei es einer throstle Spinnerin; wieviel
Garn respektive Baumwolle (das Dechet, das beim Spinnen

» verloren geht, also zugerechnet) on average von average num-
ber (oder meinetwegen irgendeiner Nummer) von dem einen In-
dividuum wöchentlich gesponnen wird; dazu natürlich irgend
beliebigen (für den Arbeitslohn kongruierenden) Preis der
Baumwolle und Preis des Garns. Ich kann das zweite Kapitel

2 nicht abschreiben, bevor ich diese details habe. |

Die Adresse von Ernest Tones ist jetzt 47, Princess Street.

Salut. Dein K.M.

347. Engels an Marx; 1865 Dezember 1.

Lieber Mohr, Manchester. 1. Dezember 1865.

Inliegend ä conto des neu angetretenen Monats wieder zwei
Fünfpfundnoten, deren Empfang ich mir nach 86 Mornington
Street anzuzeigen bitte oder womöglich morgen früh telegraphie-
ten nach 7 Southgate, da ich den Brief wegen des Aufsehens dies-

3 mal nicht registrieren lasse.

Professor Eckardt ist, soviel ich aus deutschen Zeitungen
sehe, ein süddeutscher Demokrat, Einer der vom Nationalverein
sezedierten Schwaben und Bayern. Wie wir mit dem zusammen-
arbeiten sollen, ist mir nicht klar, das ist so was wie Kolatschek.

Daß die Herren vom Social-Demokrat wieder mit uns anbinden
wollten, ist bezeichnend für das Lumpenpack. Halten Jeden für
ebensolchen Scheißkerl wie sie selbst. Bismarck scheint ihre Ohn-
macht erkannt und daher sie an die Luft gesetzt zu haben, daher

A

7 A232 (daher .. . haben)
        <pb n="344" />
        298

(947) 1865 Dez. ]
endlich ein Prozeß und Schweitzers Verdonnerung zu 1 Jahr Arre-
station. Nun hat sich auch noch B. Becker von Schweitzer] los-
gesagt und seine Stelle als Präsident der Menschheit niedergelegt,
so daß jetzt Alles in der schönsten Auflösung ist. So daß nicht
unsre Einmischung, sondern unsre Nichteinmischung den ganzen
Kram gesprengt hat. Hiermit wird wohl der „Lassallianismus“ in
offizieller Form bald sein letztes Absehen erreicht haben.

Die Infamieen in Jamaika kommen mit jeder Post toller. Die
Briefe der englischen Offiziere über ihre Heldentaten gegen un-
bewaffnete Nigger sind unbezahlbar. Der Geist der englischen 10
Armee spricht sich hier endlich einmal ganz ungeniert aus; „The
soldiers enjoy it.“ Selbst der Manchester Guardian hat diesmal
doch gegen die Offiziellen in Jamaika auftreten müssen.

Wegen dem Workman’s Advlokate] werde ich sehen, was zu
machen ist, inzwischen könntest Du mir das Blatt zuschicken. Du 2
weißt gar nicht, welchen trouble und Laufereien man hier hat,
sich diese Penny weekly papers zu verschaffen, die den News.
agents nicht die Mühe wert sind. Wenn man sie bestellt und vor-
ausbezahlt, bekommt man sie doch nicht. Oder schreibe Mrs.
Burns als Abonnentin ein mit Ordre, das Paper per Post herzu- 2%
schicken.

Viele Grüße an Mrs. und Misses.

Dein FE.
GP 62563, London, 4. Aug. 1865, £ 5. EM 35757, Liverpool,
15. Mai 865 £ 5. Wieviel ist der Wechsel, den Du akzeptiert 25
hast, und wann ist er fällig?

948. Marx an Engels; [1865 Dezember 2].
Lieber Fred,

Eben beim Nachhauskommen (ich war auf dem Museum, wo
ich Sachen nachzuschlagen hatte) finde ich Deinen Brief vor. Es x
ist just noch time, die £ 10 mit bestem Dank anzuzeigen. Weiteres
schreib ich Dir Morgen.

Salut und compliments an Mrs. Lizzy.
Dein K. M.

949. Marx an Engels; 1865 Dezember 26.

Dear Fred,
Du mußt mich entschuldigen, wenn ich erst heute im Namen
der family für den Christmasbon danke, überhaupt aber während

26. Dezember 1865.

ZZ. 0— 1
        <pb n="345" />
        (949) 1865 Dez. 26

°90

so langer Zeit gar nicht geschrieben habe. Ich bin all that time
over so sehr bothered und verliere so viel Zeit in Laufereien,
Transaktionen rechts und links, um A zufrieden zu stellen und
dadurch dem B in die Klauen zu fallen usw., daß mein Arbeiten
s großenteils auf die Nacht beschränkt ist und der gute Vorsatz,
am andern Tag die Korrespondenz zu besorgen, täglich in die
Brüche geht.
Was die International Association und was drum und
dran hängt, angeht, so lastet sie daher wie ein Inkubus auf mir,
o und ich wäre froh, sie abschütteln zu können. Aber das geht grade
jetzt nicht. Einerseits sind verschiedne Bourgeois zu dem Gedan-
ken gekommen — an der Spitze Mr. Hughes, M. P. —, den
Workman’s Advocate in ein ordentliches fundiertes
Blatt zu verwandeln, und als einer der Directors I must waich the
5 transactions, damit kein foul play vorgeht. Andrerseits hat die
Reform-Ligue, eine unsrer Gründungen, enormen Triumph ge-
feiert auf dem St. Martins Hall-Meeting, dem größten Meeting
and reinsten Arbeitermeeting, das seit meinem Aufenthalt in Lon-
don stattgefunden hat. Die Leute unsres Committees standen
» dabei an der Spitze und sprachen in unsrem Sinn. Wenn ich mich
Morgen zurückziehe, hätte das Bourgeoiselement, das mit Miß-
vergnügen uns (Foreign infidels) hinter den Kulissen sieht, die
Oberhand. Bei dem völligen Fiasko der Arbeiterbewegung in
Deutschland haben sich die Arbeiterelemente in der Schweiz um
» so mehr um die dortigen Sections der International Association
gruppiert. Mitte dieses Monats erschien in Genf erste No. des
„Journal de Vl’Association Internationale des
Travailleurs, Section de la Suisse Romande“, und
wird bald dort ditto ein deutsches Organ erscheinen unter Beckers
Redaktion, das wegen des Tods des „Nordstern s‘“ und der Dis-
kreditierung des Social-Demokrat Chance hat. (Der alte
Becker tritt um Artikel und hat mich beauftragt, deswegen auch
dringend an Dich zu schreiben, da er pro nunc keine
Mitarbeiter hat.) In Frankreich endlich macht die Association,
hei dem Mangel aller andern Bewegungszentren, großen Fort-
schritt. Also, wenn ich unter diesen Umständen zurücktrete, würde
ich der Sache den größten Schaden tun; und doch ist es andrer-
seits für mich, bei meinem jetzigen Zeitmangel, keine Kleinigkeit,
about 3 meetings im Westend oder der City, every week, bald Sit-
wo zung des International Council, dann des Standing Committee,
dann der Directors oder Shareholders des Work mfl[an’s)
Advlocatel! Außerdem allerlei Geschreibe.
Von Liebknecht habe ich einige Zeilen erhalten. Er wohnt 2,
Gerichtsweg, Leipzig, zu adressieren als J. Miller, Esquire. Es
scheint ihm. wie immer, schlecht zu gehn, doch er: Aussicht zu

in
        <pb n="346" />
        300

(949) 1865 Dez. 26
haben, als Lexikograph unterzukommen, auch das Leipziger
Stadtbürgerrecht zu erhalten und Beusts Untertan zu werden.

Auch Dr. Kugelmann hat mir geschrieben. Der Nachfolger
von Justus Möser, aktueller Bürgermeister von Osnabrück, Herr
Miquel, ist nun offner Renegat; einstweilen im bürgerlichen Sinn,
aber „schon“ mit Schwenkung nach dem aristokratischen Sinn
hin. Ein gewisser Wedekind, früher Konsul somewhere, stein-
reicher Mann und warmer Nationalvereinler, hat ihn zur Beloh-
nung seiner Verdienste zum Schwiegersohn gemacht. Kugelmann
sah den „sanften Heinrich“ in Köln. Er ist jetzt wohlbestallter
Redakteur der „Rhein [ischen] Zeit [ung]“. Er beklagte sich
über mich, daß ich ihn nicht besucht habe in Köln, daß ich ihn
als „Abtrünnigen‘“ behandle usw. Er sei immer „der Sache treu
geblieben“ und arbeite jetzt nur mit der Bourgeoisie gegen die
Aristokratie, „um die Entwicklung und Klärung der Klassen- x
gegensätze (die er doch in einer Rede zu Köln, vor kaum
einem Jahre, für non-existent erklärt hat!) zu fördern usw.“

Bonaparte scheint mir wackliger als je. Die Studenten-
geschichte ist Symptom schlimmer Spuren des Gegensatzes in der
Armee selbst, aber vor allem die Mexikoaffäre und die Erbsünde %
des Lower Empire, die Schulden! Es ist dem Kerl während
des vergangnen Jahrs auch kein einziger Coup gelungen. Es ist
in der Tat so weit mit ihm gekommen, daß Bismarck als sein Rivale
figuriert!

Hier hat der Tod Palmerstons offenbar Stoß gegeben. Lebte er 2s
noch, so hätte Governor Eyre den ordre pour le merite erhalten!

Freiligrath endet auch das Jahr mit großem Pech. Jud Reinach
hat hier das Geschäft mit großem Gestank und eigens dazu nach
London kommend aufgebrochen. Fi{reiligrath], ohnehin der Bank
Geld schuldig, hatte noch das Unglück, daß 3 Tage vor dem arri- %
val des mächtigen Reinach einer seiner Commis mit 150 £ durch-
brannte. Jedoch hat der Alte andrerseits mächtige Protektion to
fall buck upon. Seine plonplonistischen Freunde in Paris (z.B.
Ex-colonel Kiss, der die Tochter des französischen Exminister
Thouvenel geheiratet, eines Millionärs, und jetzt an der Spitze #%
einer enormen Compagnie steht) werden ihm schon ein neues
Unterkommen finden.

Glück Neujahr! Auch für Mrs. Lizzy.
Dein K.M.
        <pb n="347" />
        r
‚86

3

950. Engels anMarx;: 1866 Januar 4.
. Manchester, 4. Januar 1865".
Lieber Mohr,

Inliegend £ 10 in 2 Bank von England-Noten. Wie ist’s mit
dem Wechsel wegen landlord? Gib mir Betrag und Verfalltag auf,
damit ich mich danach einrichten kann.

Die maliziöse Zusammenstellung des Social-Demokratischen
Drecks in der Schulze ?-Delitzschianischen Broschüre war mir be-

o reits von Berlin anonym zugeschickt, es ist immer gut, so ein Re-
zume mit den Auszügen zu haben. Schl[ulze]-Delitzsch hat auch
anzeigen lassen, daß er dieser Tage eine Antwort an Lassalle druk-
ken läßt, worin er ihn vernichten wird. Daß Rakowitz an der
Schwindsucht gestorben, wirst Du auch schon wissen; Mamsell
Dönniges ist also wohl wieder in the market. if ever she was fairly
out of it. |

Auch die Rede des Herrn Held ist mir von Berlin zugeschickt.
Der richtige Berliner Lump.

Monsieur Bonaparte geht sehr entschieden den Krebsgang. Die

» Geschichten in der Armee wegen Mexiko sind sehr ernsthaft und
die Studentengeschichten in Paris auch. Es ist sehr wichtig, daß
die Pariser Studenten sich auf die Seite des Proletariats schlagen,
so konfus es auch in ihren Köpfen dabei aussehen mag. Die Ecole
polytechnique wird bald genug folgen. Es wäre wunderbar schön,

» wenn der Schuft noch seinen eignen downfall erlebte, und es sieht
jetzt fast so aus. Auch mit Bismarck wird es täglich fauler, und
wenn ihm die Kölner Schweinhunde nicht aus der Sauce geholfen
hätten, so wäre er wahrscheinlich schon jetzt klatsch.

{ch bin begierig auf das nächste Parlament, das Zusammen-

vo brechen der alten Parteien muß jetzt doch rasch vorangehn. John

Bright is evidently bidding for office — seine gestrige Rede habe
ich freilich noch nicht gelesen.

Hast Du Tyndalls: Heat considered as a mode of motion ge-

lesen? Wo nicht, so solltest Du es tun. Es ist auf diesem Gebiet

; enorm viel getan, und die Sache fängt an, eine rationelle Gestalt

5

1) Richtig 1866
?) Im Orig. Schultze

7192 (Daß) —15.
        <pb n="348" />
        (950) 1866 Jan.4
+ 3) 5000 Jan. 4
anzunehmen; die Atomtheorie wird so auf die Spitze getrieben,
daß sie bald zusammenbrechen muß.
Vergiß nicht, mir den Workman’s Advlocate] und die Free
Press zu schicken.
Beste Grüße und Glückwünsche zum Neuen Jahr an Deine Fa- ı
milie,

302

Dein FE.

951. Marx an Engels; 1866 Januar 5.

Dear Fred,

In aller Eile.

Besten Dank für die £ 10.

Der Wechsel ist fällig 18. Februar und beträgt £ 48. Ich
wollte, der Landlord sollte ihn nur für 2 fällige, aber nicht auch
für das dritte Semester ziehn, was Ende Januar erst fällig ward. ı:
Er bestand aber darauf.

Es hat sich eine Intrige gegen die International Asso-
cCiation gebildet; wobei ich Deiner Mitwirkung bedarf. Später
ausführlicher darüber. Für jetzt nur dies: Herr Le Lubez und
Vesinier” (der letztre im Bewußtsein, daß eine inquiry über seine 20
Vergangenheit im Gang ist; er ist wieder in Brüssel) haben hier
sine französische Branche (in fact Oppositionsbranche), wobei
auch Longuet, der Redakteur der „Rive Gauche“, und womit die
ganze Proudhonistenbande in Brüssel zusammenhängt. Erst ver-

öffentlicht Vesinier®” im Echo de Verviers lange Schmiere »
gegen uns, of course anonymously. Dann publiziert die Branche
von London in demselben Blatt, das die slanders gegen unsre
Association bringt (u. a. auch Tolain und Fribourg zu Bonapar-
tisten umlügt), ein Programm, Entwurf künftiger Statuten, die
3ie, die Wahren, dem Congress vorlegen werden.

Der eigentliche Nerv der Polemik ist die Polenfrage. Die
Kerls haben alle an dem Proudhon-Herzenschen Moskowitismus
angebunden. Ich werde Dir daher die früheren Artikel der Ora-
kel in der Tribune du Peuple gegen Polen schicken und Du
mußt eine Gegenarbeit machen, sei es für unsre Genfer Blätter z
(das „Deutsche“) oder für den „Workman’s Advocate“, Die Herrn
Russen haben in dem proudhonisierten Teil der „Jeune France“
die allerneusten Bundesgenossen gefunden.

5 January 18659.

1) Irrtümlich für 1866
?) Im Orig. Vesigny

Dein K. M.
        <pb n="349" />
        (952) 1866 Jan. 15
952, Marx an Engels; 1866 Januar 15.
1
Dear Fred, 15. Januar 18657.
Laura hatte ganz und gar vergessen, die „Tribunes“‘, seit einer
5; Woche von mir zurecht gelegt, Dir zu schicken. Sie nimmt heute
das Versäumte nach. Ditto ein „Workman’s Advocate“
[ch’lege in diesen Brief ein:
i. Schreiben aus Wien vom Buchhändler. (Dies mußt Du
zurückschicken.)
o 2. Dr. Kugelmann.

3. Meyer aus Berlin. (Ich habe den Leuten erst heut geant-
wortet. Der Zeitmangel ist bedeutend.)

Wir haben unterdes die elende Intrige des V6sinier in Belgien
und des Le Lubez in London totgedrückt. Der Redakteur der

s Rive Gauche und Freund Rogeards — Longuet —, ferner Herr
Crespel, — die zwei intelligentesten Mitglieder der von ihm”
zestifteten Branche —, sind Mitglieder unsres Zentralcomite ge-
worden. Seine Branche hat sich gegen ihn, für uns erklärt. Das
Zentralcomite has summoned Vesinier „to substantiate his accu-

» sations, to be expelled“. Der Kerl wirft uns u.a. in dem „Echo
de Verviers“ vor:

„Il (le comit6) a €t&amp; charge d’un des plus grands inter&amp;ts de
’humanite et il abandonne de gaiete de coeur le but sublime pour
degenerer en comit&amp; des nationalite&amp;s ala remorque

zz du bonapartisme.“

Und zwar ging diese Degeneration vor [in] uns durch unsre Er-
klärung für Polen, gegen Rußland.”

„Cedant ä des influences fächeuses (der Esel bildet sich ein,
der polnische $ des Programms sei von den Paris Delegates aus-

” gegangen, während diese ihn auf jede mögliche Art als „inoppor-
tun“ zu beseitigen suchten), il a inscrit dans le programme du
Congres de Geneve des questions en dehors du but de l’association
et contraires au droit, a la justice, ä la liberte, ä la fraternite, ä la
solidarit&amp; des peuples et des races, telles que celles: „D’aneantir

2 Vl’influence russe en Europe ete.,“ et cela juste au moment 0ü les
serfs russes et polonais viennent d’&amp;tre Emancipes par la Russie,
tandis que les nobles et les prötres polonais ont toujours‘ refuse
d’accorder la libert&amp; aux leurs. On conviendra au moins que le
moment est mal choisi. Avant d’approuver ces articles, les

u membres anglais du comite auraient bien dü se demander g’il
ne serait pas aussi urgent de metire un terme aux progres
effrayants du pauperisme anglais, de la prostitution des ouvrieres,

1) Irrtümlich für 1866

2) Ze Lubez

3) Im Orig. für Rußland, gegen Polen

303
        <pb n="350" />
        (952) 1866 Jan. 15
et de la misere des ouvriers de la Grande Bretagne, de la famine
et du depeuplement de !’Irlande ete.! Quant au membre allemand
du comite, qu’il nous dise aussi si l’influence de la politique de
M. de Bismarck n’aurait pas aussi besoin d’&amp;tre angantie en
Europe; la Prusse et l’Autriche ne sont-elles pas copartageantes de 4
la Pologne et solidaires du crime de la Russie contre cette nation
malheureuse? Et quant aux pretendus delegues de Paris, sont-ils
bien venus de fletrir l’influence russe, alors que les soldats de Bona-
parte occupent Rome qu'ils ont bombardee, massacrant les defen-
seurs de la republique mexicaine apres avoir detruit la republique zo
francaise? Que l’on compare les fautes et les erimes commis par
les’ gouvernements, et l’on sera convaincu qu’il ne faut meittre
aucun  peuple au ban de l’humanit6 pour les forfaits de ses
”ppresseurs, que le devoir du comite central &amp;tait de proclamer la

solidarite, la fraternit&amp; entre tous les peuples, et non d’enz
melitre un seul d’entre eux au ban de l’Europe.“

Dann fügte er die Lüge hinzu:

„Cette faute enorme a d&amp;jä eu des fatales consequences: les
Polonais ont demande en masse &amp; faire partie du Comite, et sous
peu ils seront en immense majorite. (Ein einziger — dem ®
Holtorp zählt nicht und konspiriert selbst mit Le Lubez —, Cap-
tain Bobezynski”), ist drin.) Dejä ils ne se font pas faute de dire
quils se serviront de l’Association pour aider au retablisse-
ment de leur nationalite, sans s’occuper de la question de l’&amp;man-
cipation des travailleurs.“

Die Polen — sie hatten uns grade eine Deputation geschickt —
lachten laut auf, als diese passages verlesen wurden. Wir feiern
am 23. Januar ihre Revolution.

Du wirst Dich amüsieren über des wiseacre Denis Schluß-
gebet an Proudhon. Dieser „Sensational writer‘, mit seiner so
Halbgelehrtheit, mit seiner Lassallschen Prunkerei von Wissen-
schaft, von der [er] nichts wußte, mit seiner scheinbar kritischen
Überlegenheit über die socialist sectarians, hat viel Schaden an-
gerichtet.

Le Lubez ist eine Null. Fox nennt ihn richtig „Le Pere enfan- ss
tin‘, aber V6sinier ist ganz der Kerl für die Russen. Als Schrift-
steller nicht viel wert, wie sein „Vie du Nouveau Cesar“ und seine
andren Pamphlets gegen Bonaparte zeigen, Aber mit Talent, gro-
Ber rhetorical power, viel Energie, und vor allem durch und durch
anskrupulös.

Salut.

304

28

Dein

K.M.
1) Im Orig. Bobzinski
        <pb n="351" />
        (953) 1866 Jan. 26 I
353. Engels an Marx; 1866 Januar 26.
Manchester, 26. Januar 1866.

305

Lieber Mohr,

Was mich festsetzt: ich habe kein Material und auch fast gar
ı keine Gedächtniskenntnis über die Art, wie die Leibeignenbefrei-
ang schließlich in Rußland durchgeführt wurde, welches Land
der Bauer erhielt, wer dafür zahlte, was de facto jetzt seine
Stellung zum Gutshermn ist etc. etc. Die früheren Pläne des
Adels und Kaisers habe ich wohl gesehn, aber die definitive

o Durchführung nicht. Hast Du Material darüber?
Dein F.E.
NB. Ich werde auf den Artikel der Tribune von 1864 nicht
lirekt Bezug nehmen. cela serait lui faire trop d’honneur.

954. Marx an Engels; 1866 Februar 10.
10. Februar 1866.
Lieber Fritz,

Diesmal ging es um die Haut. Meine Familie wußte nicht, wie
s&amp;rieux der cas war. Wenn sich das Zeug noch drei- bis viermal
in derselben Form wiederholt, bin ich ein Mann des Todes. Ich

„ bin wundervoll abgefallen und noch verdammt schwach, nicht im
Kopf, sondern in Lende und Bein. Die Ärzte haben ganz Recht,
daß übertriebne Nachtarbeit die Hauptursache dieses
Rückfalls. Aber ich kann den Herrn nicht die Ursachen mitteilen
— was auch ganz zwecklos wäre —, die mich zu dieser Extra-

; vaganz zwingen. In diesem Augenblick hab ich noch allerlei
kleinen Nachwuchs am Leib. der schmerzlich, aher in keiner Art
mehr gefährlich.

Mir war das Ekelhafteste die Unterbrechung meiner Arbeit, die
seit 15° January, wo mein Leberleiden verschwunden war, famos

„ voranging. Von „Sitzen“ war natürlich keine Rede. Es geniert
mich noch in diesem Augenblick. Aber liegend habe ich doch,
wenn auch nur während kurzer Intervalle im Tag, fortgeschanzt.
Mit dem eigentlich theoretischen Teil konnte ich nicht vorangehn.
Dazu war das Hirn zu schwach. Ich habe daher den Abschnitt über

w den „Arbeitstag“ historisch ausgeweitet, was außer meinem
ursprünglichen Plan lag. Das jetzt von mir „Eingelegte‘“ bildet
die Ergänzung (skizzenhaft) zu Deinem Buch bis 1865 (was
ich auch in Note sage) und die volle Rechtfertigung der Differenz
zwischen Deiner Appreziation der Zukunft und ihrer Wirklich-

u keit. Sobald mein Buch erschienen, ist daher die zweite Auflage

Mary-Fnrels-Gesamtausgabe. ITT. Abt... Bd. 3 20
        <pb n="352" />
        306
Deines Buchs notwendig und zugleich leicht. Das theoretisch Nö-
tige gebe ich. Was den weiteren historischen Zusatz betrifft, den
Du als Appendix Deines Buchs geben mußt, so ist alles Ma-
terial reiner Schund und wissenschaftlich nicht anzuwenden,
außer den „Factory Reports“, den „Children’s Em-
ployment Commission Reports“ und den „Board
of Health Reports“, Die Bewältigung dieses Materials
bringst Du mit Deiner nicht verkarbunkelten Arbeitskraft bequem
in 3 Monaten fertig.
Was die Russen betrifft, so habe ich kein Material. So- 20
bald mein Zustand es erlaubt, gehe ich deswegen aufs Museum
und will mich bei den Polen umsehn. Es war große Krise im
„Workman’s Advocate“, der Morgen als „Commonwealth“
erscheint, eine Verwandlung, durchgesetzt von dem Bourgeois-
element und meiner Abwesenheit vom Couneil geschuldet. z5
Dennoch habe ich so weit, vom Krankenbett aus, durch schriftliche
Drohungen die Intrige durchkreuzt, daß Eccarius Redakteur
wurde, statt eines Herrn vom „Nonconformist“, und ein edi-
torialsupervisioncommittee, das sich wöchentlich ver-
sammelt, ernannt wurde. Es besteht aus mir, Fox, Howell, Weston 20
und Miall (dem publisher-editor des „Nonconformist“ und unsrem
publisher now), 4 Atheisten gegen den einen „Protestant‘“. Dein
Artikel ist jetzt für poor Eccarius (da die Intrigen massenhaft
und ich nicht unterstützen kann; meine Schreibzeit gehört ganz
meinem Werk) dringend nötig. 26

Dein Wein tut jetzt Wunderdinge an mir. Während der Blüte
der Krankheit mußte ich schlechten Portwine kaufen, da nun
einmal dieser Wein der einzig passende für den akuten Karbunkel-
zustand ist.

Apropos! John Watts, wie ich aus einem der letzten „Factory zo
Reports“ sehe, hat ein Pamphlet „On Machiner y““ veröffent-
licht, Ersuche ihn in meinem Namen, mir das Zeug zu schicken.

Dem Wilhelm werde ich einige Donnerzeilen über seine
Schwachleibigkeit schreiben. Was wir wollen, ist ja grade der
Untergang des „Social-Demokrat“ und der ganzen Lassalle- 35
scheiße. ;

Lyon (die Arbeiter von dort) haben 8 £ dem International
Council geschickt.

Salut. Dein Mohr.

7 8a
        <pb n="353" />
        (955) 1866 Febr. 10 307

955. Engels an Marx; 1866 Februar 10.

Manchester, 10. Februar 1866.
Lieber Mohr,

Ich habe eben Gumpert hier gesprochen und mit ihm über
Deinen Zustand verhandelt. Er meint entschieden, Du sollst Arse-
nik versuchen. Er hat es in einem Fall von Karbunkeln und einem
von sehr heftiger Furunkulosis angewandt und in ca. 3 Monaten
vollständige Heilung erlangt. Er gibt es jetzt 3 Frauenzimmern,
and soweit mit dem besten Erfolg, sie werden dick und fett dabei.

o Fowlers solution ist, was er gibt, ich glaube 3mal täglich 3 Trop-
fen (das weiß ich so genau nicht mehr), doch kommt im Ganzen
etwa l Gran Arsenik täglich auf den Patienten. Bei
der spezifischen Wirkung des Arseniks bei allen Hautkrankheiten
ist auch hier alle Aussicht der Wirkung vorhanden. Eisen, meint

;; er, könne bloß symptomatisch und stärkend wirken. Dabei ist bei
dem Arsenik gar keine besondre Diät zu beachten, nur gut
leben.

Du mußt wirklich endlich etwas Vernünftiges tun, um aus
diesem Karbunkelkram herauszukommen, selbst wenn das Buch

„ dadurch noch 3 Monate verzögert würde. Die Sache wird wahr-
haftig zu ernsthaft, und wenn Dein Gehirn, wie Du selbst sagst,
nicht für die theoretischen Sachen up to the mark ist, so laß es
doch etwas ausruhen von der höheren Theorie. Laß das Nachts-
arbeiten einige Zeit sein und führe eine etwas regelmäßigere

» Lebensweise. Wenn Du wieder auf dem Damm bist, komm auf
14 Tage oder so hierher, damit Du etwas Veränderung hast, und
bring Dir so viel Hefte mit, daß Du meinetwegen hier etwas arbei-
ten kannst. Übrigens geben die 60 Bogen ja 2 dicke Bände.
Kannst Du es nicht so einrichten, daß wenigstens der erste Band

wo zuerst zum Druck geschickt wird und der zweite ein paar Monate
später? So ist der Verleger und das Publikum befriedigt und doch
keine Zeit realiter verloren.

Bedenke auch, daß, wie die Sachen jetzt stehn, die Dinge sich

auf dem Kontinent rasch ändern können. In Preußen geht die Ge-

w schichte famos rasch. Bismarck treibt’s rasch auf die Spitze. Erst
der Obertribunalsbeschluß, dann jetzt die Drohung mit der authen-
tischen Verfassungsinterpretation durch den König. Die letzte Il-
lusion der Philister von ruhiger historischer Entwicklung ist zum

Teufel. Der erste beste Anstoß, selbst nur eine ernsthafte Ver-
1 wicklung wegen Schleswig-Holstein kann die Sache zum Klappen
bringen, sobald die Soldaten an der Grenze konzentriert sind; ob-
wohl ich selbst kaum glaube. daß ohne einen allgemeineren An-
1) Der Brief trägt den Kopfstempel: Albert Club, Manchester.
0 *
        <pb n="354" />
        308

(955) 1866 Fehr, 10
stoß etwas geschehen wird, aber die Möglichkeit ist da. Was kann
es da helfen, daß vielleicht ein paar Kapitel am Ende Deines
Buchs fertig sind und nicht einmal ein erster Band zum Druck
kommen kann, wenn wir überrascht werden von den Ereignissen?
In Frankreich kann auch jeden Tag was kommen, in Östreich muß
der Versöhnungsversuch mit Ungarn nur zu schärferer Spaltung
führen.

Facit: Mach, daß Du gesund wirst und ad hoc, versuch’s mit
lem Arsenik.
Dein

F. E. 20
Viele Grüße an Madame und die young ladies.

956. Marx an Engels; 1866 Februar 13.

Dear Fred,

Sage oder schreibe dem Gumpert, er solle mir das Rezept mit zö
Gebrauchsanweisung schicken. Da ich das Vertrauen in ihn habe,
schuldet er schon dem Besten der „Politischen Ökonomie“, pro-
fessionelle Etiquette zu übersehn und mich von Manchester aus zu
behandeln.

Gestern lag ich wieder brach, da ein bösartiger Hund von Kar- zo
bunkel an linker Lende ausgebrochen. Hätte ich Geld genug, das
heißt mehr &gt; — 0, für meine Familie, und wäre mein Buch fertig,
so wäre es mir völlig gleichgültig, ob ich heute oder Morgen auf
den Schindanger geworfen würde, alias verreckte. Unter besagten
Umständen geht es aber noch nicht.

Was dies „verdammte“ Buch betrifft, so steht es so: Es wurde
fertig Ende Dezember. Die Abhandlung über die Grundrente
allein, das vorletzte Kapitel, bildet beinahe, in der jetzigen Fas-
sung, ein Buch. Ich ging bei Tag aufs Museum und schrieb

Nachts. Die neue Agrikulturchemie in Deutschland, speziell Lie- zo
big und Schönbein, die wichtiger für diese Sache als alle Ökono-
men zusammengenommen, andrerseits das enorme Material, das
die Franzosen seit meiner letzten Beschäftigung mit diesem Punkt
darüber geliefert hatten, mußte durchgeochst werden. Ich schloß
meine theoretischen Untersuchungen über die Grundrente VOL 35
2 Jahren. Und grade in der Zwischenzeit war vieles, übrigens
ganz meine Theorie bestätigend, geleistet worden. Auch der Auf-
schluß von Japan (ich lese sonst im Durchschnitt, wenn nicht pro-
fessionell genötigt, niemals Reisebeschreibungen) war hier wich-
tig. Daher das „shifting system“, wie es die englischen Fabrik- «

13. Februar 1866.

D,
        <pb n="355" />
        (956) 1866 Febr. 13

309
hunde von 1848—1850 an denselben Personen anwandten,
auf mich von mir selbst angewandt.

Obgleich fertig, ist das Manuskript, riesig in seiner jetzigen
Form, nicht herausgebbar für irgend J emand außer mir, selbst
nicht für Dich.

Ich begann die Abschreiberei und Stilisierung Punkt
ersten Januar, und die Sache ging sehr flott voran, da es mir natür-
lich Spaß macht, das Kind glattzulecken nach so vielen Geburts-
wehn. Aber dann kam wieder der Karbunkel dazwischen, so daß

o ich bis jetzt nicht weitergehn, sondern nur tatsächlich ausfüllen
konnte, was nach dem Plan schon fertig war.

Im übrigen stimme ich mit Deiner Ansicht überein und bringe
den ersten Band, sobald er fertig, zu Meißner. Doch muß ich
zum Fertigmachen wenigstens sitzen können.

5 Vergiß nicht, an den Watts zu schreiben, da ich jetzt bei meinem
Kapitel über Maschinerie angelangt bin.

Kannst Du nicht, unter der Rubrik Berlin, über Preußen
rasch hingeworfnen Artikel schicken für „Commonwealth?“ Be-
denke, wie wichtig für uns, in London festen Fuß zu haben. Die

» Polenartikel haben Zeit. Aber mit den deutschen Blättern, die Dir
zu Gebot stehn, kann Dir dies Schreiben über Preußen nur Spaß
machen. Mein Einfluß hier hängt zum Teil davon ab, daß die Leute
endlich sehn, daß ich nicht ganz allein stehe.

Die politischen Sachen beunruhigen mich (nicht qua Indivi-

% duum, sondern von wegen des Buchs) nicht so sehr als der öko-
nomische Status, der auf Krise drohend und drohender hin-
weist.

Salut.

Dein K. M.
Gruß an die „irische“ Freundin. Die Irländrinnen, notabene
o Roses O’Donovan?” ete., haben gedankt für den Aufruf unsrer
Zeitung und Fox’ Artikel,

957. Marx an Engels: 1866 Februar 14.
14. Fehruar 1866.

ö

Lieber Fred,

Herzlichsten Dank für die erste Hälfte der 50-£-Note. |

Was den „Wiener“ ®” angeht, so schrieb ich ihm, Dir zu schrei-
ben, long since. Ich habe mich ihm zu allem willig erklärt, außer
Jaß ich nicht wisse, ob ich fähig, under present circumstances,
Beitrag für die erste Nummer zu liefern.

1) O’Donovan Rossa

9) Arnold Hülhberg
        <pb n="356" />
        (957) 1866 Febr, 14

Der Karbunkelhund ist in Arbeit, doch hoffe ich, ihn in ein
paar Tagen los zu sein.

In Preußen geht's toll zu. Doch die Geduld unsrer Freunde ist
groß, Wenn Bismarck sie nach Hause schickt, löst sich vor der
Hand alles in Festessen und Kappel-Klassenmann ” auf. Dagegen 5
kann längres Sitzen der Kammer bös wirken,

Salut.

310

Dein

K. M.

958. Engels an Marx; 1866 Februar 19.

Manchester, 19, Februar 1866. x
Lieber Mohr,

Inliegende 10-Pfundnote hatte ich für Dich in der Tasche,
konnte Dich aber gestern nicht allein zu sprechen kriegen. Ich
hoffe, der heutige Verfalltag des Wechsels ist glücklich vorüber-
gegangen, ohne daß durch Mangel einer Kleinigkeit am vollen zs
Betrag Unannehmlichkeiten entstanden.

Ich habe Alles vergessen — Klein Zaches, der in Deinem Zim-
mer in dem Bücherschrank am Fußende Deines Sofas auf eine
Reihe stehender Bücher gelegt, den Factory Report und die Com-
monwealth. Schicke mir von Letzterer doch ein Exemplar, da- zo
mit ich Fox’ Artikel lese.

Wie geht’s mit dem Karbunkel oben und dem unten am Schen-
kel? Gumpert hab’ ich noch nicht sehn können.

Dein F. E.
Herzliche Grüße an die Ladies und besonders an Tussychen 2;
von ihrem Schimpanse.

959. Engels an Marx; 1866 Februar 22.
Manchester, 22, Februar 1866.
Lieber Mohr,

Dank für Klein Zaches etc., welche ich als Beweis ansehe, daß zo
Du die £ 10 erhalten hast.

Ich komme eben von Gumpert, den ich wegen meiner Grippe
und mehrmaligen Verfehlens erst heute Abend traf. Er hält da-
für, daß Du gleich mit dem Arsenik anfangen
sollst. Schaden könne es Dir unter keinen Umständen, nur
nützen, Was Allen sage, es passe für Dich nicht, sei Blödsinn.

1) Classen-Kappelmann
        <pb n="357" />
        (959) 1866 Febr. 22
Dann hält er die Behandlungsweise mit Umschlägen auch für Un-
sinn; sie befördre nur die Hautentzün dung, die grade zu
unterdrücken sei, während sie die Eiterung nicht befördere. Eis-
umschläge seien viel besser, aber solange Du in Allens Händen,
könnten diese natürlich nur angewandt werden, wenn er sie ver-
schriebe. Aber vor Allem” Seeluft, damit Du wieder zu Kräften
kommst. Ein Ort an der Südküste sei zwar vorzuziehn, da bei
dieser Jahreszeit dort mehr schönes Wetter als hier oben, wenn
Du aber lieber in G[umpert]s Nähe sein willst, so seien ja Orte
o genug hier an der Küste within an hour’s ride from Manchester.
Du siehst, es ist mir gelungen, G{umpert] so herumzustimmen,
daß er jetzt darauf dringt, Du sollst den Arsenik gleich nehmen,
selbst während Allen Dich noch äußerlich behandelt, während er
früher davon nichts wissen wollte, aus Etiquetterücksichten. Aber
„ num tu mir den Gefallen und iß den Arsenik, und komm her, so-
bald Dein Zustand es irgend erlaubt, damit Du doch endlich ein-
mal besser wirst. Mit diesem ewigen Zaudern und Zögern ruinierst
Du Dich nur selbst, kein Mensch kann diese chronische Kar-
bunkelgeschichte auf die Dauer aushalten, abgesehen davon, daß
» endlich einmal einer auftreten kann, der eine solche Gestalt an-
nimmt, daß Du daran zum Teufel gehst. Und wo ist dann Dein
Buch und Deine Familie?
Du weißt, daß ich bereit bin, das Mögliche zu tun, und in
diesem extremen Fall selbst mehr, als ich unter andern Umständen
» riskieren dürfte. Aber sei doch auch vernünftig und tu mir und
Deiner Familie den einzigen Gefallen, Dichkurieren zu las-
sen. Was soll aus der ganzen Bewegung werden, wenn Dir etwas
passierte, und so wie Du operierst, muß es dazu kommen. Wahr-
haftig, ich hab Tag und Nacht keine Ruhe, bis ich Dich über diese
»„ Geschichte hinaus habe, und jeden Tag, wo ich nichts von Dir
höre, bin ich unruhig und denke, Du bist wieder schlimmer.
Notabene. Du sollst es ja nicht wieder dahin kommen lassen,
daß ein Karbunkel nicht geschnitten wird, der eigentlich hätte
geschnitten werden sollen. Das sei höchst gefährlich.
x Viele Grüße an die ladies.

311

Dein FE.

360. Marx an Engels: 1866 März 2.
7 März 1866.
Dear Fred,
u Die Sache geht jetzt ihrem Schluß entgegen. Ich denke, daß
ich bis Morgen, höchstens Übermorgen, wieder nicht nur mich
1) Im Orig. Allen
        <pb n="358" />
        512

(960) 1866 März 2
vom Lager erheben, sondern ausgehn kann, und daß mit diesem
letzten bösartigen Hund die Reihe der Karbunkel zu Ende ist, for
this season. Ich fühle mich auch generally wieder viel wohler.
Diese leizte Attacke war infam. Sie machte nicht nur allem Ar-
beiten ein Ende, sondern auch allem Lesen, except Walter Seott.

Das Arsenik war mir im Anfang (wo das Cinnamon vor-
schmeckte) durchaus nicht unangenehm. Jetzt fängt dessen spezi-
fischer Geschmack an, mir zu widerstehn. Im übrigen glaube ich,
daß es nützlich wirkte. Ich nahm es von vornherein 3 times a day.

Wie steht’s mit Deinen Beiträgen zum Commonwealth? 10

Und mit John Watts „On Machinery“?

Das Sofa, worauf ich nun den 9. Tag festliege, ist in meinem
Arbeitszimmer, aber dicht ans Fenster gestellt, so daß ich während
bestimmter Tageszeiten, wie z. B. in diesem Augenblick, sehr be-
lebenden Luftstrom genieße.

Du brauchst Dich jetzt nun nicht weiter zu ängstigen, sondern
kannst die Geschichte, as far as actual outbreaks are concerned,
als abgemacht betrachten.

Salut.

TÄ

Dein K. M. zo
Tussychen „sends her best compliments to her Chimp“.

961. Engels an Marx; 1866 März 5.
Manchester, 5. März 1866.
Lieber Mohr,

Gumpert ist de&amp;cidement der Meinung, daß Du, sobald Dein 2
Zustand es irgend erlaubt, auf mindestens 4 Wochen an die See
gehst und jedenfalls eine Luftveränderung vornimmst. Wie ist es
nun? Willst Du hier in der Nähe in ein Seebad gehn (meinetwegen
Lytham oder Blackpool oder New Brighton) oder an der Süd-
küste? Darüber mache Dein mind auf und komm im ersteren z
Fall hierher. Das Geld schaffe ich für den Zweck, und wie ich Dir
versprochen, auch noch etwas mehr. Diese ewigen Rückfälle von
Karbunkeln müssen endlich einmal aufhören, sonst kannst Du
weder arbeiten noch sonst zu etwas kommen. Also entschließ Dich.

Meine Beiträge für die Commenwlealth] hast Du selbst ver- 3;
dorben, indem Du außer der Polengeschichte noch was über Preu-
ßen haben wolltest. Dadurch wurde das eine unterbrochen und
das andre doch nicht rechtzeitig zu Stande gebracht. Der Canvass
für das Geld für die Schilleranstalt, wovon ich Dir erzählte, kam
mir plötzlich über den Pelz, und ich war vorige Woche jeden «
Abend dadurch abgehalten, muß auch jetzt gleich wieder fort. In
        <pb n="359" />
        (961) 1866 März 5

313
14 Tagen denk ich drüber weg zu. sein, jedenfalls aber diese
Woche einen Polenartikel zu schicken.

Schöne Enthüllungen aus Jamaika. Und die Blamage der Times

damit und der Resignation von Russell. Das Blatt geht sehr rasch
5 down.

Lies womöglich die Erklärung der Köln-Mindener Direktion
wegen des schofeln Geschäfts. Das sei, soweit sie beteiligt, bloß
privatrechtlicher Natur; sobald der König es ratifiziert,
habe der die staatsrechtliche Seite auszufressen. Mit andern

o Worten, die Bourgeois in Köln wollen selbst gar keine Verfassung
haben.

Viele Grüße an die ladies
Dein

FE.

362. Marx an Engels; 1866 März 6.
6. März 1866.
Lieber Fred,

Da ich nun einmal hier fort soll, denke ich, es ist das Beste,
nach Margate zu gehn. Die Luft ist dort besonders gut. Außer-
dem Nähe von London, falls etwas passierte. Auch ist der letzte

„ Karbunkel zwar weg, aber die Wunde ist noch nicht zugeheilt, so
daß weitere Reise auf Eisenbahn mir lästig.

Was soll ich num tun „at large“? nach Gl[umper]ts Vor-
schriften?

Ich gehe heut zum erstenmal wieder in die freie Luft.

Salut.

Dein K. M.

363. Engels an Marx; [1866 März ca. 10].
Confidential!
Auszug aus einem Brief an Freiligrath, der mir wegen eines
o kommerziellen Philisters Auskunft abverlangt und zu gleicher
Zeit sein Bedauern über Deine Krankheit äußerte und wohlwal-
lende Bemerkungen machte:
„Marx braucht Ruhe vor Nachtarbeit und Sorgen, dazu Seeluft
and gutes Leben. Das wird ihn schon wieder auf die Beine brin-
w gen. Fetten Bürgern wie dem Blind passiert so was nicht. Dafür
hat der arme Mann aber auch das Pech, daß trotz aller angesetzten
Hebel und Daumschrauben kein Mensch von ihm spricht als
Blind selbst. Solche Kerls haben die Karbunkeln an der innern
Seite ihres Hirnschädels. Doch genug von dem ‚.deliberate liar*,

y 99.93 9
        <pb n="360" />
        314

(963) 1866 März ca. 10
„Was machst Du eigentlich? Ich höre, die Bank hat in Lon-
don aufgehört. Am Ende auch gut für Dich, die Verbindung mit
Fazy und Konsorten hätte Dich wer weiß wie später kompromit-
tieren können. Einen ordentlichen Posten kriegst Du ja doch bald
wieder,“

Eilig,

Dein

F. E.

964. Marx an Engels; 1866 März 10.
10 March 1866.
Dear Fred,

Hast Du meine Zeilen von letztem Dienstag erhalten? Ich muß 1
das wissen, um sicher zu sein, ob mit meinen Briefen interferiert
wird. Adresse war nach Mrs. Burns.

Wenn ich überhaupt an die See soll, so muß es jetzt geschehn,
da ich keine Zeit zu verlieren habe. Ich sagte Dir in meinem letz-
ten Brief, daß ich in dem Fall nach Margate zu gehn wünsche, ıs
and dann müßte das hierzu Nötige jetzt geschehn. Ich fragte Dich
auch in dem Brieflein, was Gumpert unter der „Kur“ versteht?
Ob Fortnehmen von Arsenik etc. oder was?

In dem „International Council“ und der „Zeitungsdirektion“
geht alles kunterbunt durcheinander, und es zeigt sich große Lust, z
gegen den abwesenden „Tyrannen“ zu revoltieren, aber auch zu-
gleich die ganze Boutique in den Dreck zu fahren. Meine Wunde
{vom letzten Karbunkel) ist so weit zugeheilt (und bisher nichts

Neues nachgekommen), daß ich nächsten Montag und Dienstag
unter die Leute gehn könnte, aber andrerseits kann ich noch kaum zs
diese späten Sitzungen in einem Winkel von Fleetstreet ertragen,
und, was noch schlimmer, ich bin noch so nervös gereizt, daß ich
schwerlich die Stürme innerhalb „der Grenzen der reinen Ver-
nunft““ halten könnte, vielmehr zu heftig losplatzen würde, was
nicht zweckgemäß.

Wann endlich kommt Polenartikel I?
Dein

K. M.

365. Marx an Engels; 1866 März 15.9

15 March 1866.
My dear Frederic,
The bearer of these lines is citizen Orsini, the brother of the
immortal martyr, and a member of our association. He leaves
1) Mit Kopfstempel der „International Workingmen’s Association, Central Coun-
2il. London.

Z. 10-12.
Nr. 64
        <pb n="361" />
        (965) 1866 März 15

315

England for the United States, whence he will return in some
months. Your advice on commercial matters may, perhaps, prove
useful to him. At all events, you will be delighted to make his
personal acquaintance.

5 Yours truly
K. Marx.
Mr. Frederic Engels, 7, Southgate, St. Mary’s, Man-
chester.
P. S. I know that Bradlaugh is an honest man and occupies
1 a respektable position in the city as solicitor.

966. Marx an Engels in Manchester; Margate
11866 März 15J].
5, Lansell’s Place,
Margate.
Lieber Fred,

Ich kam gestern Abend hier an. Ich bin heute (nach Einnahme
eines warmen Seebads) den ganzen Tag herumgelaufen und nur
eben zu meiner Wohnung (dicht an der See) rückgekehrt, um Dir
noch vor Postschluß meine Adresse zu schicken. Morgen erhältst

„ Du ausführlichere Nachricht. Dein erster Polenartikel erscheint
nicht diese, sondern nächste Woche. Die Luft hier ist wundervoll.

Salut.

Dein K.M.

367. Marx an Engels in Manchester; Margate
1866 März 24.
24. März 1866.
5, Lansell’s Place, Margate.
Lieber Fred,

Aus der verspäteten Erscheinung dieses Briefs kannst Du sehn,

wo wie „professionell“ ich meine Zeit hier anwende. Ich lese nichts,
schreibe nichts. Schon des dreimaligen Arseniks im Tag wegen
muß man Mahlzeiten und die Zeiten des Herumbummelns an der
See und auf den nachbarlichen hills so einrichten, daß man „keine
Zeit“ findet zu andern Dingen. Und Abends ist man zu müde, um
etwas andres zu tun als zu schlafen. Das Wetter ist im Ganzen
etwas rauh, und namentlich bläst hier oft ein Wind vom Osten,
der somewhat chilling, aber auch daran ist man bald gewöhnt.
Wie aehr ich mich erholt habe. kannst Du daraus sehn. daß ich

Al

Im
        <pb n="362" />
        (967) 1866 März 24
letzten Sonntag per pedes nach Canterbury (17 miles von hier)
in weniger als 4 Stunden marschierte. Was den geselligen Ver-
kehr hier angeht, so existiert er natürlich nicht. Ich kann singen
mit dem miller of the Dee: „I care for nobody and nobody cares
for me.“

Vorgestern Abend mußte ich nach London, um einer „Gesell-
schaft“ bei meinen Töchtern beizuwohnen. Mein Onkel hatte
ihnen Weihnachten 5 £ geschickt, die aber zu general pur-
poses ihnen „entlehnt“ wurden und die sie erst zurückerhielten,
sobald Dein Geld ankam. Sie arrangierten damit ihre Jährliche x
„party“ und bombardierten mich so mit Briefen, daß ich nach
London „machte“, wie Herr Nothjung zu sagen pflegte. Ich kehrte
aber gleich den nächsten Morgen (i. e. gestern) hier nach meiner
Einsiedelei zurück.

Bevor ich hierhin aufbrach (was Mittwoch, 14. März, geschah), x
mußte ich, obgleich damals noch in sehr elendem Zustand, 12. und
13. März nacheinander den Abendsitzungen, erst der shareholders
des Commonwealth und zweitens am 13. des Central Couneil bei-
wohnen.

Bei der erstern Gelegenheit hatte Herr Cremer alles arran- zo
giert, um Eccarius an die Luft zu setzen, was ohne mein Er-
scheinen wohl geschehn wäre. So hatte die Sitzung nur den Er-
folg, daß Herr Cremer „freiwillig“ abtrat von der Redaktion.
Wie die Sache weitergegangen ist, weiß ich nicht, denn alles war
nur „provisorisch“ für eine Woche settled und das allgemeine 25
shareholdersmeeting für den 19. März vertagt. Doch wird es wohl
auch hier heißen: Beati possidentes, und zunächst war Eccarius.
in Folge jener Sitzung, der possidens.

Die Intrige im Central Council hing eng zusammen mit den
rivalries and jealousies in Bezug auf das Journal (Herr Howell zo
wünschte Editor in chief zu werden und Herr Cremer ditto).
Herr Le Lubez hatte das benutzt, um gegen German influence zu
wühlen, und in der Sitzung vom 6. März fand eine schön und still
vorbereitete Szene statt. Es erschien nämlich plötzlich Major
Wolff” und hielt eine feierliche Rede in seinem und Mazzinis ss
Namen und dem der Italian society gegen die Antwort auf V&amp;si-
niers Attacke, die Jung im Namen des Central Council dem „Echo
de Verviers“ zugeschickt hatte. Er attackierte Jung und (impli-
citer) mich sehr heftig. Der alte Mazzinism von Odger?), Howell,
Cremer usw. machte sich Luft. Le Lubez schürte das Feuer und, at x

all events, wurde eine Resolution passiert, die mehr oder minder
amende honorable für Mazzini, Wolff” ete. einschloß. Du siehst,
die Sache war ernsthaft. (Von den Foreigners waren nur a few
1) Im Orig. Wolf
?) Im Orig. Odgers

316
        <pb n="363" />
        317

(967) 1866 März 24
present und keiner stimmte.) Es wäre ganz artiger Streich von

Mazzini, mich die Gesellschaft so weit bringen zu lassen und sie

dann sich anzueignen. Er verlangte von den Engländern, als Chef

der kontinentalen Demokratie anerkannt zu werden, als ob die
; Herrn Engländer uns Chefs zu ernennen hätten!

Am Sonnabend (10. März) versammelten sich die Foreign
secretaries der Gesellschaft bei mir, um Kriegsrat zu halten (Du-
pont, Jung, Longuet, Lafargue, Bobczynski”). Es wurde be-
schlossen, daß ich unter allen Umständen Dienstag (13.) im Coun-

a cil erscheinen und gegen die Proceedings im Namen aller
Foreign secretaries protestieren sollte. Die Proceedings
waren nämlich irregulär, weil Wolff” aufgehört hat, member of
the Council zu sein, in seiner Gegenwart also keine Resolution pas-
siert werden durfte über eine Sache, worin er persönlich impli-

= ziert war. Ich sollte ferner das Verhältnis Mazzinis teils zu unsrer
Gesellschaft, teils zu den continental workingmen’s parties auf
dem Kontinent auseinanderseizen USW. Endlich sollten die Fran-
zosen Cesar Orsini mitbringen und er (der by the by persönlicher
Freund Mazzinis) evidence geben über Mazzini, Wolff” und den
zo state of „socialism“ in Italien.

Die Sache ging über alles Erwarten gut ab; nur war leider
(wegen der Reformliguescheiße) das englische Element nicht
stark vertreten. Dem Lubez wusch ich den Kopf. Jedenfalls ist
den Engländern (in der Tat ist auch hier nur eine Minorität ge-

» meint) klar geworden, daß das ganze Continental element wie Ein
Mann mit mir zusammenhängt und daß es sich hier keineswegs,
wie Herr Lubez insinuiert hatte, um German influence handelt.
Lubez hatte ihnen beizubringen gesucht, daß ich als leader des
English element des Council die übrigen continental ele-

„ ments down hielte; die Herrn Engländer haben sich jetzt umge-
kehrt überzeugt, daß ich sie durch das continental element voll-
ständig in der Hand habe, sobald sie Eselssprünge machen. Wei-
teres hierüber das nächstemal.

Ehe ich herging, habe ich zu Haus natürlich die schreiendsten

; debts abgezahlt, da ich sonst keine ruhige Stunde gehabt hätte.
Wenn Du mir Ende dieses Monats noch eine Kleinigkeit schicken
kannst, ist es mir lieb. Unterdessen wird die Vollmacht vom Cape
endlich anlangen und so, wenn auch nichts Bedeutendes, doch im-
mer etwas in die Kasse fließen.

My compliments to Mrs. Lizzy.
Dein

K.M.

1) Im Orig. Bobzinscki
2) Im Orig. Wolf
        <pb n="364" />
        318
(968) 1866 März 27
968, Engels an Marx in Margate; Manchester
1866 März 27,

Manchester, 27. März 1866.
Lieber Mohr,

Ich war grade darauf gefaßt, Dir wegen Deiner, aus Deinem
Schweigen geschlossenen Gewissenhaftigkeit im Nichtarbeiten
einen Gratulationsbrief zu schreiben, als Dein Brief ankam. Er
beruhigte mich nicht wenig, denn ich fing an zu vermuten, daß
doch möglicher Weise ein neuer Karbunkel die Ursache des hart-
näckigen Schweigens sein könne. Halt’ Dich nur tüchtig an der x
Bewegung und fahr fort, den Erzbischof in Canterbury per pedes
zu besuchen, das wird’s schon schließlich ausrotten. Die Haupt-
sache bei dieser Geschichte wie sonst auch ist, daß man die Lange-
weile der Seeküste eben lange genug erträgst; womöglich solltest
Du den ganzen April dableiben, damit der Kram gründlich kuriert 15
wird.

Eben kommt der alte Hill und stört mich. Ich muß also für
heute abbrechen. Inliegend die £ 10.

E/J 96963. Manchester, 20. Jan. 1865.
Dein F. Engels, 20

969. Marx an Engels in Manchester; Margate
L866 April 2.

2. April 1866.
5, Lansell’s Place, Margate.
Lieber Fred,
D’abord mit bestem Dank erhalten die £ 10.
Während .meiner Abwesenheit ist im Commonwealth ein
changement de decoration vorgegangen, oder vielmehr de diree-
tion, das mit nächster Woche ins Leben tritt. Od ger‘) Editor;
Fox, subeditor; der „son of toil“ engagiert, wöchentlich einen 3
Artikel für 10sh. zu liefern; Cremer?) out of place; hat auch
seine Demission als General Secretary der „Internation al
Association“ gegeben. Im Ganzen habe ich nichts gegen den
change. Eccarius konnte sich kaum (oder sollte sich wenigstens
nicht) einbilden, daß man ihm die nominelle Leitung lassen werde, 3;
sobald das Blatt Position erobert. Ich hatte ihn vergebens gewarnt,
Es war meinerseits ein „politischer“ Fehler, seinem Drängen nach-
zugeben und ihn in einem Briefe zu seinem jetzt erledigten Posten
vorzuschlagen, Wäre ich nicht krank gewesen, so hätte er ver-
1) Im Orig. Odgers
2?) Im Orig. Crämer

OO.

F
- A
        <pb n="365" />
        (969) 1866 April 2

319
gebens angepocht. Ich wußte im voraus, daß mir die Sache auf
den Buckel fallen würde. Vermeidung alles Scheins persönlicher
Absichten oder Mißbrauchs persönlichen Einflusses zu geheimen
Zwecken und gutes Einverständnis mit den Engländern müssen
uns natürlich wichtiger sein, als Befriedigung von Eccarius’ mehr
oder minder berechtigter Ambition.

Solche trocknen Naturen wie Eccarius besitzen auch einen ge-
wissen trocknen Egoismus, der sie leicht irrführt. Als die Reform
Ligue das große Meeting in St. Martins Hall beschloß, ernannte

o der Council der Ligue ihn als einen der public speakers. Die
Kerls von Potters Clique protestierten gegen ihn als Foreigner. Ich
warnte ihn ausdrücklich, seinen „brief“ nicht anzunehmen. Er
aber glaubte über alle Berge zu sein und kitzelte sich mit der
wichtigen Rolle in dem metropolitan movement. Und er war a

„ dead failure. Der arme Kerl hat natürlich ein Leben von dis-
appointments durchgemacht, und die Ehrenposten, die ihm die
Engländer spontaneously einräumten, als Vizepräsident der „In-
ternational“ usw., täuschten ihn so weit, daß er nun glaubte, auf
einmal Revanche für seine ganze Vergangenheit nehmen zu kön-

x nen. Hätte er mir gefolgt, langsam operiert, bescheidne Haltung
behauptet, so war alles im besten Gang. Wenn ich trotz seiner
Undisziplin und seines eigensinnigen Vorgehns für ihn sogar selbst
in den Dreck ging, so bestimmte mich namentlich dazu die Rück-
sicht, daß er immer mit uns gearbeitet und niemals Früchte ge-

» erntet. Aber man macht immer blunders, wenn man sich durch
derlei Rücksichten influenzieren läßt.

Was die Zeitung selbst angeht, so besteht die Gefahr — von
wegen mangelnder fonds — in den wachsenden Übergriffen und
Übergewicht der Nonconformist Clique.

Der verfluchte traditionelle Charakter aller englischen Be-
wegungen zeigt sich wieder in dem Reformmovement. Dieselben
„instalments“, die mit der höchsten Indignation noch vor wenigen
Wochen von der Volkspartei verworfen wurden — sie hatten so-
gar Brights Ultimatum eines household suffrage zurückgewie-

sen —, werden jetzt als würdiger Kampfpreis behandelt. Und

warum? Weil die Tories Zetermordio schreien. Den Kerls fehlt
das mettle der alten Chartisten.

Was meinst Du von der östreichisch-preußischen Wirre? Ich
sehe gar kein kontinentales Blatt. So viel ist mir jedoch klar, daß

„ hinter den Preußen Rußland steht und daß die Östreicher, die
dies wissen, nolens volens sich mit französischem Hinterhalt ver-
trösten. Schönes Spiel dieser Hauptlandesväter! Das ist das ewige
Dilemma, wozu uns der deutsche Philister stets von neuem treibt.
Für den Bonaparte wäre wirklich civil war in Germany wahrer

w godsend.

9
        <pb n="366" />
        (969) 1866 April 2

Allerdings möglich bleibt es immer, daß die Sache eines
schönen Morgens mit einfacher Absetzung des würdigen Bismarck
endet. Aber „Wilhelm der Erobrer“ glaubt seit Düppel an die
Unbesiegbarkeit seiner „herrlichen Armeen“, und ein zweites
Olmütz, bei dem internal conflict, muß selbst ihm riskiert er-
scheinen.

Das Wetter ist hier sehr schlecht seit einigen Tagen, als ob es
eigens auf Bestellung gemacht wäre für die Cockneys, die diesen
Platz zur Osterfeier invadieret haben. Wie lange ist das Ar-
senik zu nehmen?

My compliment to Mrs. Burns.

Dein K. M.

320

AO

Mein Freund Kaub schreibt mir aus Paris, ein gewisser M. Re-
bour habe Mittel gefunden, Wasser in Hydrogen und Oxygen zu
teilen durch eine Methode, die eine Ausgabe von 2 sous täglich 7
kosten würde for a fire to melt iron with. Er behandle die Sache
aber einstweilen noch als Geheimnis, da bei früherer Gelegenheit
ihm eine Entdeckung gestohlen und in London patentiert worden
sei. Qui vivra verra. Du weißt, wie oft wir beide geträumt haben
von einer wohlfeilen Manier, aus Wasser Feuer zu machen. 20

370. Engels an Marx in Margate; Manchester
1866 April 2.

Manchester, 2, April 1866.
Lieber Mohr,

Ich hoffe, Du hast die £ 10, die ich Dir nach Margate schickte, 25
erhalten. Ich war die F eiertage über in Wales und komme endlich
heute dazu, Dir zu schreiben.

Orsini war bei mir, leider konnte ich nichts für ihn tun, in
New York hab’ ich keine Verbindungen irgend welcher Art, und
hier Jemand zu finden, der mit ihm den Guano Dodge macht und z
die fonds dazu vorschießt, ist out of the question. Er ist ein sehr
netter Kerl.

Polenartikel No. 3 wird morgen Abend gemacht, wenn nichts
dazwischen kommt. Ich schicke ihn direkt an Eccarius, care of
editor of Commonwlealth]. Leider ist die Korrektur hunde- zz
schlecht, und es wäre auch an der Zeit, daß dem wöchentlichen
Abdruck eines Leaders aus dem Nonconformist ein Ende gemacht
würde. Es ist doch zu unverschämt von Miall, das Ding so offen

als einen reinen Appendix des Noncon [formist] darzustellen.

Was sagst Du zu Bismarck? Es hat jetzt fast den Anschein, daß «
er es zum Krieg treibt und dadurch dem Louis Bonaparte die
        <pb n="367" />
        (970) 1866 April 2

321
schönste Gelegenheit bietet, sich ohne Mühe ein Stück linkes Rhein-
ufer zu erwerben und damit sich ä vie festzusetzen. Wenn nun
auch Jeder, der an diesem Krieg — wenn €s dazu kommt — mit
Schuld ist, gehangen zu werden verdient und ich mit gleicher Un-

; parteilichkeit dies auf die Östreicher auch ausgedehnt wünsche,
so ist doch mein Hauptwunsch, daß die Preußen heillose Prügel
besehn mögen. Dann gibt es zwei Chancen: 1. die Östreicher dik-
tieren den Frieden in 14 Tagen in Berlin, und damit wird die
direkte Einmischung des Auslands vermieden, gleichzeitig aber

„das jetzige Regime in Berlin unmöglich gemacht, und es kommt
eine andre Bewegung, die von vornherein das spezifische Preußen-
tum verleugnet; oder 2. es gibt einen Umschwung in Berlin, ehe
die Östreicher hinkommen, und dann kommt die Bewegung auch
in Zug.

Militärisch ist meine Ansicht, daß beide Armeen sich ungefähr
gleich stehn und die Schlachten sehr blutig ausfallen werden.
Benedek ist aber jedenfalls ein bessrer General als Prinz Friedrich
Karl, und wenn Franz Joseph dem Blenedek] nicht hilft oder
Friedrich} Karl keine sehr guten und einflußreichen Stabsoffiziere

» hat, so glaube ich, daß die Preußen Keile bekommen. Schon das
Bramarbasieren nach Düppel zeigt auf ein Jena.

Fällt die erste Schlacht entscheidend aus gegen die Preußen,
so steht den Östreichern nichts im Wege, auf Berlin zu rücken.
Siegt Preußen, so hat es nicht die nachhaltige Kraft, eine Offen-

» sive über die Donau hinaus nach Wien, geschweige über Pest hin-
aus, zu unternehmen. Östreich kann wohl Preußen, nicht aber
Preußen Östreich single handed zum Frieden zwingen. Jeder
preußische Erfolg wäre also eine Aufmunterung an Bonaparte,
sich einzumischen. Übrigens werden beide, die deutschen Schwein-

ı hunde, sich schon jetzt zu überbieten suchen in Offerten deutsches
Gebiets an den dritten französischen Schweinhund.

Dein F. E.

f

971. Engels an Marx in Margate; M h
1866 April 6. anchester
Manchester, 6. April 1866.
Lieber Mohr,

Daß hinter den Preußen die Russen stecken, war mir auch
gleich sehr wahrscheinlich. Schon der Umstand, daß die östreichi-
schen Papiergulden beinah wieder pari stehn und daher wieder

‚o derangiert werden müssen, erregte Verdacht, aber die gleichzeitige
Cusageschichte noch mehr, und sicher wäre ce cher Bismarck
nicht so ins Geschirr gegangen, wenn er die Russen nicht hinter

Mary Engels-Gesamtausgabe, III. Abt.. Bd. 3 21
        <pb n="368" />
        (971) 1866 April 6
sich hätte. Möglicher Weise ist die Sache schon so weit engagiert,
daß weder Blismarck] noch der alte Esel Wilhelm noch etwas
darin zu sagen haben und es ganz vom Belieben der Petersburger
abhängt, ob Krieg oder Frieden wird. Wie plump übrigens dieser
Bismarck agiert. Es ist zu komisch, die armen Östreicher als den :
angreifenden Teil hinstellen zu wollen. Noch schöner aber, daß
der Kerl ernstlich daran denkt, auf den 1. Juni ein deut-
sches Parlament zur Reform der Bundesverfassung zu berufen.
Dies soll Gegenmittel gegen die Kleinstaaten sein: von den Re-
gierungen appelliert er — lui Bismarck — ans Volk. Das hat denn 3
doch selbst das allgemeine Hohngelächter des deutschen Philisters
hervorgerufen.

Nach der vorgefallenen Umwälzung an der Commonwealth
konnte ich übrigens die fraglichen Artikel nicht rechtzeitig mehr
an die Redaktion besorgen, da sie den Umweg über Margate hätten x
nehmen müssen, ich schicke sie Dir also für die nächstfolgende
No. zu. Die betreffenden Data über die russische Leibeigenen-
Emanzipation fand ich in einem Artikel von Mazade, Revue des
deux Mondes.

Wie geht's denn eigentlich mit Deiner Gesundheit? Du hast 20
doch keine weiteren Karbunkeln gehabt oder kleine Furunkeln?
Und wie steht’s sonst, wirst Du fett und stark? Besuchst Du noch
den alten „Cantuarian“ per pedes? Der Arsenik muß min-
destens 3 Monate genommen werden und tut Dir übrigens gar
keinen Schaden. 25

Sonst gibt’s hier nichts Neues als einen infamen Ostwind und
viel Staub. ;

Wie lange denkst Du noch in Margate zu bleiben? Doch min-
destens bis Ende dieses Monats?

Reformbewegung — allgemeines Eingeständnis der allge. zo
meinen Schlaffheit. Welch ein winziges instalment!
Dein F. E.

322 __

972. Marx an Engels in Manchester: Margate
1866 April 6.

5. April 1866. 8
5, Lansell’s Place,
Margate.
Dear Fred,

Ich habe mich sehr hier erholt und nicht das geringste Zeichen
von Wiederkehr der infamen Karbunkel. An der Stelle, wo der „,
letzte und bösartigste war, ist noch ein wenig wundes Gefühl.
Vielleicht ist er zu früh zugeheilt und steckt noch ein Atom Eiter
        <pb n="369" />
        (972) 1866 April 6

323
hinter der Zuheilungshaut. Indes bei den warmen Seebädern und
dem rough Waschtuch, womit ich mich abtrockne, wäre in diesem
Fall der Dreck wohl aufgegangen, und in der Tat, seit zwei Tagen,
scheint auch dies letzte Wundmal ganz zu verschwinden. Der ein-

; zige drawback ist ein schmerzlicher, hier wiedergekehrter Rheu-
matismus in der rechten Schulter, der mich sehr am Schlafen stört.
Ich bin jetzt bald 4 Wochen hier und habe rein der Gesundheit ge-
lebt. Es ist Zeit, daß dies bald aufhört.

Unsre Briefe haben sich gekreuzt, so daß Du den meinen be-

u antwortest. Du läßt aus die Chance von italienischer Diversion zu
Gunsten Preußens.

Daß Rußland, obgleich es Herrn Bonaparte erlaubt, auf dem
Proscenium als arbiter zu spielen, hinter den Preußen steht, unter-
Liegt nicht dem geringsten Zweifel. Es muß nicht (um ä la Hegel

s zu sprechen) übersehn werden, daß die Danubian mine was
sprung gleichzeitig mit Bismarcks Vorgehn.

Gesetzt selbst, was wahrscheinlich, daß die preußischen Hunde
wieder rückkriechen, so bleibt klar und muß selbst den deutschen
Philistern klar werden, daß ohne Revolution in Deutsch-

„ land die Hunde von Hohenzollern und Habsburgern unser Land
durch Bürgerkrieg (dynastischen) wieder für 50—100 Jahre
rückwerfen werden.

Ich muß Dir offen sagen, daß es sehr schief mit der „Inter-
national“ steht, um so mehr, als durch die Ungeduld der Fran-

» zosen der Congress auf Ende Mai festgesetzt ist.

The fact ist this, daß die Londoner englischen leaders, nach-
dem wir ihnen eine Position geschaffen (wozu kommt die Unfähig-
keit jedes Engländers, zwei Dinge auf einmal zu tun), sehr kühl
in unserem engeren movement sind. Meine Abwesenheit für bei-

„nah 3 Monate hat außerordentlich geschadet. Was
tun? In Frankreich, Belgien, Schweiz (und selbst hier und da
in Deutschland, und sogar sporadisch in Amerika) hat die Gesell-
schaft große und beständige Fortschritte gemacht. In England hat
die Reformbewegung, die von uns ins Leben gerufen, uns beinah

x killed. Die Sache wäre gleichgültig, wäre der Genfer Congress
nicht für Ende Mai angesagt, und hätten die Pariser, für welche
diese Bewegung die einzig mög liche, [nicht] durch ein
eignes Journal, „Le Congr&amp;s‘‘, es fast unmöglich gemacht, den
Congress zu prorogieren. Die Engländer würden bald die Lauserei

des Reformmovements, wie es jetzt ist, einsehn. Nach meiner

Rückkehr würde Drohung mit Koketterie mit der Potterclique etc.

bald alles wieder ins Gleis bringen. Aber there is no time. Für die

Engländer ist selbst failure des Congress Wurst. Aber für uns?

Eine europäische Blamage!! Ich sehe in der Tat kaum

“ einen Ausweg. Die Engländer haben alles vernachlässigt, um den
91 *
        <pb n="370" />
        (972) 1866 April 6
Congress in irgendeiner anständigen Form möglich zu machen.
Que faire! Glaubst Du, daß ich nach Paris reisen soll,
um den Leuten dort vorzustellen, wie unmö glich der Congress
jetzt ist? Antworte bald. Nur im Einverständnis mit den Parisern
seh ich möglichen Ausweg, Andrerseits weiß ich, daß ihre Position »
selbst auf dem Spiel steht, wenn kein Congress stattfindet. Que
faire! Herr V&amp;sinier hat unsre Pariser gefordert. Sie
sollen nach Belgien kommen, um sich mit ihm zu schießen. L’im-
becile. As to Orsini, wußte ich, daß Du nicht [s] tun kannst. Aber
ich konnte die Empfehlung an Dich nicht versagen. 2
Dein K. M.

324

973. Engels an Marx in Margate; Manchester
1866 April 10,

Manchester, 10, April 1866.
Lieber Mohr,

Wie es scheint, wollen die Russen den Krieg, der Zweck
scheint Wiederherstellung Polens unter russischer Herrschaft und
womöglich Annexion der Moldau. Die Kölnl[ische] Zeitung, die
natürlich Heidenangst vor Krieg hat, hat den J. von Wickede, ihren
Militärmann, nach Böhmen geschickt, um die angeblichen östrei- 20
chischen Rüstungen zu besichtigen. Der Kerl kommt hin — am
3. April, also 14 Tage nach Bismarcks Note — und findet überall
den tiefsten Friedensfuß, nur daß ein paar böhmische Regi-
menter in ihre Westbezirke verlegt sind, um sich rascher auf
Kriegsfuß setzen zu können. Kein Beurlaubter eingezogen, keine 25
Festung armiert, Nichts. Der ganze Skandal also absichtli ch
von Bismarck provoziert,

Ferner: Die Russen konzentrieren Truppen an der östreichi-
schen und an der preußischen Grenze von Polen, und die
Soldaten erzählen ganz offen, daß die, die an der preußischen zo
Grenze stehn, nächstens Po sen besetzen werden, sobald die preu-
Bischen Truppen gegen die Östreicher ausmarschieren. Abgesehen
davon, daß die Russen sich hier gleich den Rest von Preußisch-
Polen sichern, werden sie auch den Beruf haben, etwaige revolu-
tionäre Bewegungen in Berlin zu unterdrücken. Das würde indes 3;
höchstwahrscheinlich ein falscher Kalkül sein und jedenfalls die
Hohenzollern unmöglich machen für die Zukunft.

Endlich der heutige Timesleader, der dumm, verlogen, hölzern,
aber entschieden auf die preußische Seite einlenkt und Östreich
als den angreifenden Teil hinstellt. Der ist auf Befehl geschrieben, 49

Der Krieg scheint mir hiernach sicher, und durch die neue öst.
reichische Note, die an den Bund appelliert, sowie durch Monsieur
        <pb n="371" />
        (973) 1866 April 10

325
Bismarcks Antrag wegen eines deutschen Parlaments — welch ein
Rindvieh muß der Kerl sein zu glauben, das hülfe ihm auch nur
ein Atom! — auch aus inneren deutschen Gründen unvermeidlich.
Die östreichische Note scheint dies Bewußtsein vorauszusetzen,

; daß es doch zum Klappen kommt. Sonst hätten sie sich wenigstens
die Hintertür offengehalten, durch Bisml[arck]s Rücktritt den
Preußen den Rückzug zu erleichtern. Aber sowie sie an den Bund
appellieren, hört das auf; einer Bundesmajorität unterwirft sich
auch ein andres preußisches Ministerium nicht.

o Bonaparte wird sich wohl ruhig halten, wenigstens vor der
Hand, Bism([arck] hat ihm ja schon Saarbrücken etc. offeriert und
schenkt ihm auch im Notfall die bayrische Pfalz. Wenn er die
Russen auf der preußischen Seite engagiert sieht, wird er sich in
nichts Gewagtes einlassen.

„Wenn es wirklich zum Klappen kommt, so hängt zum ersten
Mal in der Geschichte die Entwicklung ab von der Haltung Ber-
lins. Schlagen die Berliner zur rechten Zeit los, so kann die Sache
gut werden — aber wer kann sich auf die verlassen?

Was den Kongreß der Internationale angeht, so sehe ich nicht

» gut ein, wie Ihr daran vorbeikommen wollt. Auch sehe ich nicht
ein, daß eine weitere Vertagung die Sache viel bessern würde.
Apres tout wird jede derartige Demonstration in gewissem Sinn
— wenigstens uns selbst gegenüber — immer eine Blamage sein.
Aber vor Europa? Ich glaube, das wäre auch jetzt noch zu ver-

„ meiden. Die Deutschen würden wegen ihrer polyglotten Kapazi-
täten doch die ganze Sache in der Hand haben, und die Deutschen
sind ja grade unsere Leute. Ob der Kongreß was Gutes be-
schließt, ist Nebensache, wenn nur jeder Skandal vermieden
werden kann; und das wird jetzt doch wohl der Fall sein. Allge-

ı meine Beschlüsse theoretischer Natur oder die sich auf internatio-

nale Strike-Unterstützung etc. beziehen, werden doch ohne Gefahr
gefaßt werden können. Du mußt das indes besser wissen als ich,
ich kann das von hier aus nicht so beurteilen. Indessen würde
ich keinen Falls deswegen nach Paris gehn. Du bist von Niemanden
geschützt, und die Polizei wird daher ungeniert zugreifen — Emis-
;är einer öffentlichen Arbeitergesellschaft mit ausgesprochen re-
volutionärer Tendenz, wohinter man leicht andre geheime Sachen
stecken kann —, cela suffit. Die ganze Geschichte ist das Risiko
doch nicht wert.

Bleib nur lieber noch in Margate, bis die letzte geheilte Stelle
ganz frei von Reizbarkeit ist, und lauf tüchtig in der Luft herum.
Wer weiß, wie bald Du einen starken Kadaver wieder nötig haben
wirst. Die Atmosphäre ist sehr elektrisch, und wir werden viel-
leicht bald wieder mitten im Gewitter sein: das hilft wohl auch

x über die Kongreßschwierigkeit.

z5
        <pb n="372" />
        (973) 1866 April 10

Einiges Geld besorge ich baldmöglichst. Auch werde ich suchen,

Gumpert zu sehn und ihn wegen Beendigung der Seekur zu fragen,
und wie Du Dich nachher beim Arsenik zu halten hast.

Dein F.E.

326

974. Engels an Marx in Margate; Manchester
1866 April 13.
13. April 1866.
Lieber Mohr,

Ich schicke heute, da ich nicht genau weiß, ob Du Dich augen-

blicklich in Margate befindest, an Deine Frau
E/R 13430, Manchester, 21. Jan. 1865 £ 10
E/P 43331, Manchester, 20. Jan. 1865 £10.— £ 20

und teile ihr mit, daß ich Dir Anzeige davon gemacht.

Also der Suffrage universel coup Bismarcks ist gemacht, wenn
auch ohne seinen Lassalle. Wie es den Anschein hat, wird der ı
deutsche Bürger nach einigem Sträuben darauf eingehn, denn der
Bonapartismus ist doch die wahre Religion der modernen Bour-
geoisie. Es wird mir immer klarer, daß die Bourgeoisie nicht das
Zeug hat, selbst direkt zu herrschen, und daß daher, wo nicht eine
Oligarchie wie hier in England es übernehmen kann, Staat und z
Gesellschaft gegen gute Bezahlung im Interesse der Bourgeoisie
zu leiten, eine bonapartistische Halbdiktatur die normale Form
ist; die großen materiellen Interessen der Bourgeoisie führt sie
durch selbst gegen die Bourgeoisie, 1äßt ihr aber keinen Teil an
der Herrschaft selbst. Andrerseits ist diese Diktatur selbst wie- %
der gezwungen, diese materiellen Interessen der Bourgeoisie
widerwillig zu adoptieren. So haben wir jetzt den Monsieur Bis-
marck, wie er das Programm des Nationalvereins adoptiert. Das
Durchführen ist freilich etwas ganz Anderes, allein am deutschen
Bürger scheitert B[ismarck] schwerlich. Ein eben zurückgekom- zo
mener Deutscher erzählt, er habe schon viele gefunden, die auf
diesen Köder angebissen hätten, die Karlsruher sollen nach Reuter
(vide unten) die Geschichte adoptiert haben, und die grenzenlose
Verlegenheit der Kölnlischen] Zeitung über die Geschichte zeigt
deutlich auf die kommende Schwenkung.

Daß Blismarck] aber direkte Abmachungen mit den Russen
hat, dafür beweisen wieder erstens die Tatsache, daß nicht nur
die Times, sondern auch Reuter für Preußen zu lügen anfängt,
ganz gegen seine Gewohnheit. In den Übersetzungsfehlern, von
denen die Telegramme jetzt mehr wie je wimmeln, ist Methode. 4
Bis vor Kurzem gegen Preußen. Jetzt gegen Östreich. Reuter]
;elegraphiert: Östreich wolle nur auf den Plan eingehen, wenn

A

m
        <pb n="373" />
        (974) 1866 April 13

—-.

alle östreichischen Provinzen (also auch die auße Ydeuı-
schen) vertreten würden. Im deutschen Original steht bloß:
unter Voraussetzung der Vertretung auch der östreichischen Län}
desteile. — Ferner: nach der Bromberger Zeitung und Ostsee.
Zeitung (diese ist russisches Organ) sammeln die Russen stets
mehr Truppen in den südwestlichen Provinzen. vom Königreich
Polen bis an den Pruth, und zwar sehr langsam und im Stillen;
Jie Soldaten erwarten Alle, mit Preußen gegen Östreich loszu-
zehn, und die an der Warta wiederholen, daß sie bestimmt sind,

o Posen zu besetzen, damit die ‚Preußen dort wegmarschieren
können. .

Die Russen können übrigens den Preußen schon Schleswig-
Holstein provisorisch überlassen, da durch den Wiener Frieden
und die Annexion ja die Hauptsache für sie gerettet wird: der

s Londoner Vertrag und damit die Erfolge in Dänemark. Wenn
sie den Sund haben, was liegt ihnen an Kiel?

Du tust jedenfalls am Besten, in Margate zu bleiben, bis Du an
der betreffenden Stelle gar Nichts mehr spürst und überhaupt
einen entschiednen Umschwung zum Bessern konstatierst.

» Schreib bald.
Dein F. E.

AN

Ben

Hin

375. Marx an Engels; 1866 April 23.
23. April 1866.
Lieber Fred,

Mein langes Schweigen wirst Du Dir einfach erklärt haben aus
einem Gemütszustand, gepfropft auf unaufhörlichen Zahnschmerz
and Rheumatismus seit mehr als 2 Wochen. Heute scheint jedoch
ein Wendepunkt eingetreten.

Da der rheumatische Schmerz, namentlich des Nachts stark,

„ sehr mit meinem Schlaf und der ganzen Hausordnung interferierte
— jn Folge wovon ich verschiedne Male Erbrechungen hatte —,
hielt ich es für gut, mit dem Arsenik aufzuhören, resp. zu SuS-
pendieren. Ich werde ihn jetzt aber wieder (wenn der Wende-
punkt wirklich eingetreten) fortsetzen. Von irgend furunkel- oder
karbunkelartigem Unwesen auch nicht die geringste Spur, und ich
habe nicht den geringsten Zweifel, daß, nach Beseitigung dieser
incidents, die mehr mit dem Wetter zusammenhingen, ich völlig
restauriert bin. Es ist aber wahrhaftig auch hohe Zeit. da ich be-
reits so viel Zeit verloren habe.

„Mit dem „International“ steht die Sache so: Seit meiner
Rückkehr ist die Disziplin im Ganzen wiederhergestellt. Auch hat
Aie erfolgreiche Einmischung der „International“ in den Schneider-

5
        <pb n="374" />
        328

(975) 1866 April 23
strike (durch Briefe der Sekretäre für F rankreich, Belgien usw.)
Sensation unter den hiesigen Trades Unions gemacht. Mit Bezug
auf den Genfer Congress habe ich mich entschlossen, hier, soweit
ich kann, zu seinem Gelingen beizutragen, aber nicht selbst hinzu-
gehn. Ich schüttle damit alle persönliche Verantwortlichkeit für
seine Leitung ab..

Was den „Commonwealth“ angeht, so wären die encroach-
ments von Miall et Co, erträglicher, wenn sie wenigstens auf dem
Vorwand wirklich nennenswerter Geldleistungen ruhten. Aber die
Kerls sind sehr verschwenderisch mit gutem Rat und Nörgeleien, x
sehr sparsam mit cash, so daß die Existenz des Blatts durchaus
nur von Woche zu Woche gefristet wird. Sein Leserkreis dehnt
sich wöchentlich aus, aber ein Pennypaper muß bei dem besten
Erfolg wenigstens für ein Jahr im voraus fundiert sein. In kürzerer
Zeit es selfsupporting zu machen, ist quite out of question. Wenn z
das Blatt einstweilen noch nicht schlechter ist, als es ist, so ist das
nur Fox zu verdanken, der fortwährenden Kampf zu führen hat.

Im Vaterland scheint es für einstweilen doch nicht zum Klopfen
zu kommen. Bevor preußische Großmäuligkeit sich entschließt,
das Schwert zu ziehn! Unter allen Umständen haben wir den Ge- 20

nuß preußischer Blamage vor In- und Ausland. Mit alledem
scheint es immer noch fraglich, ob’s nicht einen schönen Morgen
zum Krieg kommt. Die Russen (obgleich sie in der Tat schon viel
gewonnen haben und gewinnen durch den bloßen Zank und Kriegs-
drohung in Deutschland) wollen Krieg, und für Bon[(aparte] wäre 2s
er ein godsend. Jedenfalls hat Herr Bismarck „die Bewegung“ in
Deutschland wieder eröffnet.

Nach der Phase des Bürgerkriegs sind die United States eigent-
lich jetzt erst in die revolutionäre Phase getreten und die euro-
päischen wiseacres, die an die Allmacht des Herrn Johnson glau- so
ben, werden bald enttäuscht sein.

In England verdienen die Tories und Palmerstonian Whigs
wirklich Dank dafür, daß sie das stille Russellsche settlement ver-
eiteln. Herr Gladstone selbst sprach in einer der letzten Sitzungen
seine „melancholische“ Überzeugung aus, daß nun, ganz im ss
Gegensatz zu seinen wohlwollenden Erwartungen, eine „lange
Reihe von Kämpfen“ bevorstehe.

Was sagst Du zu dem „8,“ Weltweisen — M 111?

Gruß an Mrs, Lizzy.

Tout ä vous K.M. wo
        <pb n="375" />
        (976) 1866 Mai 1
976. Engels an Marx; 1866 Mai 1.

329

Manchester, 1. Mai 1866.
Lieber Mohr,

Ich hoffe, mit Deinem Rheumatismus und Gesichtsschmerzen
; bist Du glücklich durch und sitzest wieder fleißig über dem Buch.
Wie steht’s damit, und wann wird der erste Band fertig? Übrigens
mußt Du den Arsenik fortnehmen, er soll mindestens 3 Monate lang
genommen werden und steht mit Rheumatismus etc. durchaus nicht
in Verbindung. Die Lebergeschichten mögen durch Störung der
o Verdauung resp. Blutbildung mit zu den Karbunkeln beigetragen
haben, und eben deswegen wirst Du auch immerfort Dir noch täg-
lich regelmäßig einige Stunden anhaltende Bewegung machen und
das Nachtarbeiten lassen müssen, damit Alles wieder in Ordnung
kommt. Wo einmal die Tendenz zur Hyperämie der Leber so klas-
ıs sisch und systematisch ausgebildet worden ist, wie bei Dir, geht

sie natürlich nicht so auf ein Mal wieder fort.

Gut, daß Du Dir wegen des Kongresses und der International
Association keine weiteren Sorgen zu machen hast. Apropos, nach
Edinburg ist eine Schiffsladung von 57 deutschen Schnei-

% dern importiert worden to put down a strike, und 2 andre Ladun-
gen werden erwartet. Wahrscheinlich von Hamburg. Könnt Ihr
nicht in Edinburg die Details erfahren und auch dies stoppen?

Bismarck will Krieg ä tout prix, und nachdem er in Böhmen
gescheitert ist, scheint es ihm in Italien gelingen zu wollen. Ich

» hoffe, wenn es ihm gerät, daß die Berliner losschlagen. Prokla-
mieren sie dort die Republik, so kann ganz Europa in 14 Tagen
umgewälzt sein. Aber, aber werden sie? Wie steht’s mit unsern
Verbindungen dort?

Hast Du gesehn, wie Louis Blankchen im Temps jetzt als guter

wo dä&amp;mocrate imperial erklärt, daß, wenn Preußen die deutschen
Kleinstaaten absorbiert, Frankreich min destens das linke
Rheinufer haben müsse? Das sind die rechte Art Revolutionäre.

[ch habe dieser Tage, um meinen alten Ingrimm wieder etwas
aufzustacheln, das Buch von dem 1849er Dresdner Gefangnen
ıs Röckel über seine Behandlung im Zuchthaus gelesen. Diese In-
famieen der Sachsen übersteigen Alles, was mir je vorgekommen.
Es wird über sehr viele Canaillen ein strenges Gericht zu halten
sein. Die alte Zeit vor 1848 kannte solche Schweinereien gar
nicht, und die preußischen Festungen von damals kommen einem

u wie ein Paradies dagegen vor.

Diese Adullamiter sind doch kolossale Esel, so gegen diese
pauvre Reformbill anzugehn, das konservativste Ding, das je hier
zemacht worden ist. Indessen quem deus vult perdere etc.
        <pb n="376" />
        (976) 1866 Mai ]
Ich schickte meinen 3. Polenartikel schon vor 3 Wochen an
die Commonwlealth] und erbat ihn mir zurück, falls er für die
Woche zu spät sei. Darauf erhielt ich nach 8 Tagen von Fox
Antwort, er könne erst die vori ge No. erscheinen, zugleich den
Artikel zurück, Schickte ihn am Mittwoch wieder ab, aber zu spät.
Du warst damals noch in Margate. Die folgenden No. schicke ich
Dir oder, wenn nicht die Zeit sofortige direkte Einsendung nötig
macht.
Viele Grüße an Deine Frau und die Mädchen. ;
Dein F. E. zo

330

977. Engels an Marx; 1866 Mai 9.
Manchester, 9, Mai 1866.
Lieber Mohr,

Du machst mich unruhig durch Dein Schweigen, ich fürchte
fast, es geht mit Deiner Gesundheit nicht gut. Du hast doch nicht zs
wieder Karbunkeln?

Was ist das für eine sonderbare Geschichte mit dem blinden
Cohen, der den langen Bismarck in fünf Schüssen nicht treffen
kann und sich von ihm noch obendrein arretieren läßt. Ein grö-
Berer Gefallen konnte dem Blismarck] nicht getan werden. 20

It strikes me, daß die Preußen mit ihrer Mobilmachung 14 Tage
hinter den Östreichern zurück sind und vor Ende dieses nicht an-
greifen können. Wenn die Östreicher dies benutzen, können sie
eine große Schlacht gewinnen und in Berlin sein, ehe die Preußen
konzentriert sind.
Dein

28
F. E.

978. Marx an Engels; 1866 Mai 10.
10. Mai 1866.
Lieber Fred,

No carbuncles whatever! Der verfluchte Rheumatismus und z
das Zahnweh haben aber mich arg gequält, bis erstrer endlich dem
Einreiben mit purem Alkohol nachzugeben scheint. Auch muß ich
Dir offen sagen, daß ich mich immer noch etwas schwach im
Kopf fühle und die Arbeitskraft erst sehr allmählich wieder-
kehrt. Vielleicht war das der Unterbrechung der Arsenikkur, die 3
ich nach Deinem letzten Schreiben wieder begann, zuzuschreiben.

Der Cohen war ein sehr guter (obgleich nicht besonders be-
gabter) Junge, für den ich als alten Freund meines Musch be-
sondre Sympathie habe. Gestern stürzte F reiligrath natürlich gleich
        <pb n="377" />
        (978) 1866 Mai 10

331
zu Blind und kam von ihm zu uns. Ich war nicht zu Haus. Der
Hauptjammer Freiligraths war der schlechte Namen, den Blind
auf ihn etc. (die nominellen Mitarbeiter am „Eidgenossen“, dessen
Symbol eine Hand mit einem Dolch mit der Devise „haec manus

; tyrannis“ etc.) werfe. Er sei seit 9 Monaten nicht bei ihm ge-
wesen. Man könne die Sache nicht einmal „entschuldigen“. Kurz,
er war in der Tat nur über den möglichen Eindruck dieser Sache
auf die Londoner Philister gerührt. Übrigens hat ihn der badische
Schlaukopf wieder artig getäuscht. Er spielte den ganz Zerknickten

o und ließ seinen Freund Fireiligrath] nicht ahnen, daß er mitten im
ersten Schmerz die Geistesgegenwart besaß, den tragischen casus
zu einer artigen Reklame für sich selbst und Familie in den diver-
sen Londoner Journalen auszubeuten. Always an eye to business.
Seine Frau ist natürlich trostlos, und das Komische an der Sache

; ist, daß Blind nicht seinen eignen Sohn, sondern den Isaak des
alten Cohen durch sein blödsinniges Fürstenmordgeschwätz auf
dem Altar der Freiheit geopfert hat.

In Folge der tristen Erfahrungen von 1859 sind die Östreicher
in der verdammten Lage, daß sie den günstigen Moment kaum

»o beim Schopfe fassen und, obgleich zur Initiat ijve an den
Haaren herbeigezogen, sie nicht ergreifen können oder wenigstens
sehr zaudern werden, es zu tun. Of course, die „public opinion“
von Europa nutzt ihnen keinen Deut und verlangt Abgeschmacktes
von ihnen. Dieselben liberalen Esel, die jetzt allgemein zugeben,

» daß Östreich der provozierte Teil ist und daß eine systematische
conspiracy gegen es besteht, würden morgen (die English lords
eingeschlossen) aus einem Halse schreien, wenn Östreich zuerst
zuschlüge und nicht ruhig abwartete. bis seine Feinde das Signal
geben.

So sehr zuwider mir der Bonaparte, hat mich doch sein coup
in Auxerre ungemein amüsiert. Der alte Esel Thiers und die ihn
heklatschenden chiens savants des corps legislatif bildeten sich
ein, ungestraft Louis Philippismus spielen zu dürfen! Les im-
beciles!

Die Russen spielen ihre Rolle nett wie immer. Nachdem sie die
braven Preußen encouragiert, treten sie als Friedensmänner und
Schiedsrichter von Europa auf, waren aber zugleich so sinnig. dem
Herrn Bonaparte mitzuteilen, daß auf etwaigem Congress Polen
natürlich gar nicht in Rede kommen dürfe, kurz, daß Rußland sich

wo in die europäischen, aber Europa sich nicht in die russischen An-
gelegenheiten einzumischen habe.

In Folge des deutschen und dänischen Schneiderimports nach
Edinburgh haben wir 1. einen Deutschen und einen Dänen (beide
selbst Schneider) nach Edinburgh geschickt, die bereits dem Ein-

vs veretändnis zwischen imvorters und imported ein Ende gemacht:

KR
        <pb n="378" />
        332 (978) 1866 Mai 10
2. habe ich eine Warnung an die deutschen Schneider in Deutsch-
land im Namen der International Association veröffentlicht, Die
Sache hat uns außerordentlich in London genützt.

Eine sehr unangenehme Geschichte war für mich die Not-
wendigkeit, 25 £ für Schuldgeld auf einem Brett zahlen zu müs-
sen. Dieses Geld für 3 Quartale konnte nicht länger verschoben
werden, weil Jenny und Laura aus der Schule austreten, letztere
gar keine und erstere nur noch eine wöchentliche Musikstunde
außerhalb der Schule nimmt. (Baumer ist nämlich von der
Schule zurückgetreten.) 1

Der Commonwealth nimmt rasch zu und würde sicher
paying in Zeit eines Jahrs. Aber es ist wahrscheinlich, daß wir
aus Geldmangel bald sistieren müssen.

Salut.
Dein

K. M. z5

979. Engels an Marx; 1866 Mai 16.
; Manchester, 16. Mai 1866.
Lieber Mohr,

Die Geschichte mit Freiligr[ath] ist sehr amüsant und sehr er-
freulich. Das hat er davon, daß er sich an die respektabeln Leute z
der Emigration hängt und sich von der „Partei“ lossagt, Was den
Blind angeht, so wird ihm mit Bezug auf sein: manuıs haec inimica
tyrannis zuzurufen sein, daß Kinder nicht mit Schießgewehr spie-
len sollen. Übrigens ist aus der Geschichte ganz klar, daß Bismarck
ein Panzerhemd trägt. Die Schüsse müssen ihn alle getroffen 2
haben, die 3 letzten werden als volle Treffer zugegeben, und da der
Revolver so konstruiert war, daß er nicht ganz dichtschließend
aufgesetzt werden konnte, so ist keine andre Möglichkeit da. Man
macht diese Dinger jetzt sehr fein und doch stark. Sein Freund
Bonaparte wird ihm schon eins verschafft und empfohlen haben. zo

Monsieur Bismarck hat sich offenbar in den Kleinstaaten arg
getäuscht, hinc die Drohung mit der Reichsverfassung und mit
Bennigsen. Auch finanzielle Mißerfolge müssen vorgefallen sein.
Kann man sich aber etwas Possierlicheres denken, als daß der-

selbe Wilhelm, der Anno:1849 als Öbergeneral die Reichsverfas- zs
sung zu Grabe trug, sie jetzt wieder erwecken will oder vielmehr
muß. Bismarck als Restaurator der „deutschen Grundrechte“, das
ist zu komisch. In der Landwehr und den eingezognen Reserven
sieht’s auch nicht zum Besten aus, in Görlitz war bedeutender Kra-
wall unter ihnen, die Linie mußte ausrücken und sich zurückziehn, «
weil die Kerle sich derartiges Einschreiten nicht wollten gefallen
        <pb n="379" />
        333
Lassen. Wenn diese Leute noch 3—4 Wochen untätig unterm Ge-
wehr stehn, sind sie zu Allem kapabel. Und da weder Preußen
noch Italien fertig ist zum Angriff, müssen sie wohl noch bis Ende
Mai wenigstens dastehn.

So viel ist sicher, Monsieur Bismarck hat sich in einer Sauce
hineingeritten, mit der weder er noch das ganze bisherige Regime
fertig wird. Wenn es friedlich abgemacht wird, so hat er die dis-
poniblen fonds vermöbelt und wird sich schon deshalb nicht mehr
helfen können, und wenn es Krieg gibt, so muß er Acheronta

ıo movere, der ihn sicher verschlingt.” Selbst ein direkter Sieg der
Kammerbürger hat unter diesen Umständen einen revolutionären
Charakter und muß weiterführen,
Trotz alledem kann ich mir noch immer nicht denken, daß in
der Mitte des 19. Jahrhunderts Nord- und Süddeutschland auf-
‚s einander losschlagen werden, bloß weil Bismarck es im Interesse
der Russen und des Bonaparte so haben will. Wenn es aber zum
Klappen kommt, so kann es den Preußen schlecht gehn. Die Öst-
reicher scheinen diesmal alle Kräfte bis aufs Äußerste anstrengen
zu wollen, und wenn auch die Renommagen von 900000 Mann
Unsinn sind, so wäre es immer möglich, daß sie in Sachsen in be-
deutender Überzahl aufträten. Preußen kann über das rheinische
und westfälische Korps gar nicht, über das sächsische nur teil-
weise gegen Östreich verfügen. Bleiben die übrigen sechs Armee-
korps, die schwerlich 240 000 Mann stark vor den Feind rücken
» werden. Wenn die Östreicher, wie es heißt, in Italien sich zu-
nächst defensiv halten, so brauchen sie dort nur 150000 Mann,
und können ganz gut 300—350 000 Mann gegen Preußen schicken
— es sei denn, daß die Russen sie nötigen, Galizien stark zu be-
setzen. Die entscheidende Schlacht könnte dann von 180 000 Preu-
wo Ben gegen 240—280 000 Östreicher geschlagen werden und würde
fast unfehlbar Jena sein und direkt nach Berlin führen. Es ist
aber schwer, hierüber Hypothesen zu machen, da bei den Öst-
reichern die Truppen immer viel stärker auf dem Papier sind und
auch stark gelogen wird grade jetzt.

Leider ist Monsieur Charles mit dem Hauptbuch zurück, worin
meine Rechnung ist, so daß ich augenblicklich gar nicht einmal
ordentlich nachsehen kann, wie ich stehe, und da in 6 Wochen das
Bilanzjahr um ist und ich dann ein bestimmtes Kapital im Ge-
schäft haben muß, so muß ich mich danach richten. Sobald ich

„kann, werde ich mein Soll und Haben aufaddieren und, wenn
irgend möglich, Dir einiges Geld schicken. Jedenfalls aber kannst

Du darauf rechnen, daß ich Dir in den ersten Tagen des Juli,

nach dem Bilanzjahresschluß, sofort eine £ 50 besorge.

(979) 1866 Mai 16

iR

nn
1) Im Orig. die ihn sicher verschlingen,
        <pb n="380" />
        (979) 1866 Mai 16
Schön ist die Kreuzzeitung zu lesen, wie sie für allgemeines
Stimmrecht, Bonapartismus, Viktor Emanuel etc. auftritt. Der
Schmutz, den die Kerls jetzt fressen müssen, ist massenhaft.
Beste Grüße an Deine Frau und die Mädchen
Dein F.E.

334

980. Marx an Engels; 1866 Mai 17.
17. Mai 1866.
Dear Fred,

Was machen die Polenartikel? Das Blatt mag sich halten
oder nicht, Du mußt so viel geben als Du kannst. Die Polen warten 10
hier auf die Fortsetzung und bother me mit Anfragen. Die Artikel
haben auch sonst Aufsehn gemacht, Föxchen, nachdem er sie
gelobt, hielt vorgestern im Zentralrat eine Diatribe gegen den Pas-
sus, worin Du der Korruption der polnischen Aristokratie die
Teilung zuschreibst. Er griff u. a. speziell die Deutschen an, die
grade die Polen durch die sächsische Dynastie usw. ruiniert hätten.
Ich antwortete ihm kurz.

Die renommistischen Preußen sind allerdings geneigt, die Hör-
ner einzuziehen, und Bismarck stößt auch auf Seite des Rülps”
auf großen Widerstand. Aber in Italien ist Rückzug kaum möglich, 2
und das möchte wieder auf Preußen reagieren. Welcher Verlust
für den Itzig, daß er maustot ist! Den hätte Bismarck jetzt Rolle
spielen lassen. Blismarck] flucht uns sicher (und hält uns für
östreichische Agenten), daß wir ihm das leichte Spiel mit den
Arbeitern verdorben. ü

Seit Anfang dieser Woche geht es endlich wieder mit der Ar-
beit. Wenn Du mir einigen vinum schicken kannst, so gut, da
die plötzliche Abstinenz davon schaden möchte.

Herr Mazzini hat nicht geruht, bis er ein „International Repu-
blican Committee“ gegen uns gebildet. Darin Esel Holtorp, Lan- 3
giewicz, Ledru [-Rollin], Kinkel, Blind, ich glaube auch — Bol-
leter! Unsre Association greift täglich um sich. Nur in Deutsch-
land wegen Esel Liebknecht (good fellow as he is!) nichts zu
machen.

Die jetzige Krise scheint mir bloß verfrühte finanzielle Sonder- 3;
krise. Wichtig könnte sie nur werden, wenn die Geschichte in den
United States faul, wozu wohl kaum noch die Zeit hinreichte. Wie
wirkt’s auf Euch cottonlords? Und wie hat das Sinken der Baum-
wollpreise gewirkt?

Salut.
Dein

16
K. M.
1) Gemeint ist F’ilhelm T.
        <pb n="381" />
        (981) 1866 Mai 25
981. Engels an Marx; 1866 Mai 25.
Mornington Street, 25. Mai 1866.
Lieber Mohr,

Der panic ist jedenf alls viel zu früh gekommen und kann uns
möglicher Weise eine gute solide Krisis, die sonst 1867 oder 1868
gekommen wäre, verderben. Wenn nicht zufällig gleichzeitig der
starke Fall in Baumwolle gekommen wäre, so wären wir hier kaum
Javon berührt worden. Dies Zusammenbrechen der limited liability
und financing-Schwindeleien war ja schon lange vorhergesehn und

« berührte unsern trade fast gar nicht. Aber die kolossalen Verluste
auf Baumwolle, die gleichzeitig eintraten, drohen die Sache ernst-
haft für hier zu machen, es sind so viele hiesige und Liverpooler
Häuser durch ihre Zweighäuser in Bombay etc. darin verwickelt,
und da dies gleichzeitig mit dem money panic und 10% Diskonto

« eintritt, so kann das sehr ernsthaft für diejenigen sein,” die viel
Baumwolle besitzen. Hier jedenfalls ist der Kram noch lange
nicht vorbei.

Wenn die Östreicher gescheit genug sind nicht anzugreifen, so
bricht der Tanz in der preußischen Armee sicher los. So rebellisch,

» wie die Kerle bei dieser Mobilmachung sind, waren sie nie. Leider
erfährt man nur den allergeringsten Teil von dem, was vorgeht,
aber das ist schon genug, um zu beweisen, daß mit dieser Armee
ein Angriffskrieg unmöglich ist. Wenn nun diese Burschen erst
in Massen konzentriert sind, anfangen, sich zu zählen und zu

„ finden, daß % der Armee eines Sinnes sind, wenn sie dann wäh-
trend des Kongresses 3—4 Wochen untätig unterm Gewehr stehn
müssen, so kann dies nicht anders als zu einer Krisis kommen, und
eines schönen Morgens wird der Gehorsam verweigert werden.
Dazu findet sich schon ein Anlaß; und bei einer solchen Armee,

„ wenn ein Bataillon anfängt, so geht das wie ein Lauffeuer. Wenn
aber auch ein offener Ausbruch vermieden würde, so ist sicher,
daß diese Armee, mit diesem morale und kommandiert vom
alten Wilhelm, mit dem Frliedrich] Karl und dem Kronprinzen

als Flügelkommandanten unter ihm, sofort von den wütenden Öst-
„ reichern unter Benedek, der sich alle Erzherzöge und alle Ein-
mischung in die Ernennung seines Stabs verbeten und 300—
360 000 Mann unter sich hat — heillos geschlagen werden würde.
Das weiß auch der alte Esel und ich bin überzeugt, er zieht sich
zurück, wenn er irgend kann, eben wegen dieser Stimmung der
„ Armee. Was ich in meiner Broschüre voriges Jahr über den Cha-
rakter der mobilisierten preußischen Armee gesagt, hat sich
vollständig bestätigt. ;
1} Im Orig. haben
        <pb n="382" />
        336.

(981) 1866 Mai 25
Kostbar ist die Verlegenheit der Nationalvereinler, seitdem
Bismarck ihnen ihr Programm plagiiert hat; die Kerle müssen
jetzt gegen ihre eignen großpreußischen Phrasen auftreten, grade
wie die Kreuzzeitung gegen ihre eignen feudalen Phrasen.

Der Londoner Korrespondent des Manchester Guardian erzählt, ı
Louis Bonaparte habe sich bei dieser Haupt- und Staatsaktion aus-
bedungen als Preis für seine Genehmigung: von Italien Sardinien,
von Preußen Luxemburg, Saarlouis und Saarbrücken (er vergißt
nur Landau dabei) — dies als Minimum.

Ich werde sehen, ob ich morgen meine Polenartikel zu Stande
bringe. Aufrichtig gestanden ist es mir ein Opfer, hinter dem
Strich des Esels Miall zu schreiben und dabei alle Nase lang aus-
drücklich vermerkt zu sehn, daß die Redaktion nicht verantwort-
lich ist für die Korrespondenz hinter dem Strich, wohl aber für die
Eseleien davor. Hätte ich von vorn herein gewußt, auf welche Art 15
unsre Sachen in einem Blatt behandelt werden, das dochunser eignes
— wenigstens das der Arbeiterpartei — sein soll, und daß wir
dort nur so eben toleriert werden und dafür sozusagen noch dank-
bar sein sollen — keine Zeile hätte ich geschrieben. Aber Du warst

damals krank und ich wollte nichts tun, was Dich in Deiner Kur 20
stören konnte. Geärgert hat es mich aber doch. Indes man hat A
gesagt und muß sehen, daß man auch B sagt.

Beste Grüße
Dein

F. E.

982. Marx an Engels; 1866 Juni 7.

7 June 1866.
Dear Fred,

Ich bin sehr in der Klemme, da das Versetzen sein Thule er-
reicht hat, außerdem stärkstes Treten stattfindet. Was den körper-
lichen Zustand betrifft, so ist glücklicher Weise nichts Karbunkel- 30
haftes wieder erschienen. Dagegen war ich genötigt, zu Allen zu
gehn wegen Leberleiden, da Gumpert nicht hier ist und diese Sache
nicht von der Ferne aus zu behandeln. Arsenik habe ich fast noch
eine ganze bottle stehn, aber seit diversen Wochen nicht mehr ge-
nommen, weil meine jetzige Lebensweise nicht dazu paßt. 35

Habt Ihr auch unter der Consolidated Bank gelitten? Dr. Rode
war vorgestern hier und erzählte sehr schadenfroh, daß Dronke
bedeutende Verluste erlitten in Folge des Barnett crash.

Der Krieg ist also doch da, wenn kein Wunder geschieht. Die
Preußen werden die Renommage büßen, und unter allen Umstän- 4
den ist die Idylle in Deutschland vorüber. Die Proudhonclique
unter den Studenten in Paris („Courrier Francais“) predigt Frie-

We
        <pb n="383" />
        (982) 1866 Juni 7

337
den, erklärt Krieg für veraltet, Nationalitäten für Unsinn,
attackiert Bismarck und Garibaldi usw. Als Polemik gegen den
Chauvinismus ist ihr Treiben nützlich und erklärlich. Aber als
Proudhongläubige (meine hiesigen sehr guten Freunde Lafargue

+ und Longuet gehören auch dazu), die meinen, ganz Europa müsse
und werde still auf dem Arsch sitzen, bis die Härren in Frankreich
„La misere et l’ignorance“ abgeschafft, unter welcher letztren sie
selbst im umgekehrten Verhältnis zum Geschrei mit der „science
sociale“ laborieren, sind sie grotesk. In ihren Artikeln über die

o present agricultural crisis in Frankreich zeigt sich ihr „Wissen“
überraschend.

Die Russen, die beständig das alte Spiel treiben, die europä-
ischen Esel gegen einander auszuspielen und bald partner von A,
bald von B zu sein, haben unstreitig in der letzten Zeit die Öst-

reicher pushed on, 1. weil die Preußen wegen Oldenburg noch
nicht die gehörige Konzession gemacht, 2. um den Östreichern in
Galizien die Hände zu binden, und 3. sicher auch, weil Herr
Alexander II. gleich Alexander I. (während dessen letzter Zeit)
in einer so konservativ morösen Stimmung von wegen des Atten-
» tats, daß seine Herrn Diplomaten wenigstens „konservative“ Vor-
wände brauchen müssen, und Allianz mit Östreich ist konservativ.
Kommt der opportune moment, so zeigen sie die backside der
Medaille. .
Der offizielle Ton der „blood and iron‘ Preußen zeugt von
» großer Banghaftigkeit. Sie komplimentieren jetzt sogar die fran-
zösische Revolution von 1789! Sie klagen über östreichische Ge-
reiztheit! ;

Das Beste, was in der lausigen Parlamentsdebatte hier vorfiel,
war das Sündenregister, das Disraeli dem unglücklichen Claren-

zo don vorhielt.

Salut.
Dein K. M.
Der italienische Enthusiasmus wird wohl ein Sturzbad erhalten.
Selbst das Melodramatische, übrigens dem Volkscharakter ent-
ıs sprechende, wäre erträglich, wenn nicht ganz im Hintergrund die
Hoffnung auf Badinguet. Ich kann meinen Itzig nicht vergessen.
Wenn er jetzt noch lebte. welchen Skandal würde er machen!

Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Aht.. Bd. 3

pe}
        <pb n="384" />
        338

(983) 1866 Juni 9
983. Marx an Engels; 1866 Juni 9.
9. Juni 1866.
Dear Fred,

Besten Dank für die £ 10.

Welches immer der Drang der Ereignisse, meine Arbeit ist bis
jetzt seit meiner Rückkehr von Margate schlecht vorangegangen,
in Folge rein körperlicher Zustände, In den letzten Wochen war
ich so herunter, daß ich selbst die International Association nicht
mehr besuchen konnte. Ich habe mir gestern Gumperts Rezept
(für die Leber) machen lassen, da Allens Geschichten mir nichts zo
halfen. Außerdem habe ich mir einen Zahn ausreißen lassen, um
den Zahnschmerzen ein Ende zu machen, und wahrscheinlich muß
noch ein zweiter folgen.

Wenn Dein Weinvorrat es erlaubt (also Du nicht neue Ein-
käufe dafür nötig hast), ist es mir lieb, wenn Du etwas herschickst, zs
da ich Bier jetzt durchaus nicht trinken darf.

Die Verse erwarten Deinen „Kommentar“. In meiner Hand
bringen sie es zu Nichts.

Heut Abend bin ich gezwungen, in die Sitzung der „Directors
und friends‘ des „Commonwealth“ zu gehn. Die Sache pfeift auf „2;
dem letzten Loch. Abgesehn von den extremen finanziellen Schwie-
rigkeiten innere politische, Da der Esel von Bradford Manufac-
turer, Mr. Kell (der 50 £ gegeben, sein Bruder ditto, und mehr in
Aussicht gestellt), den Miall ganz beherrscht, haben Dr. Bridges,
Professor Beesly, Harrison (die Comteists) nicht nur mit ihrem 2;
Abtritt, sondern auch mit einer öffentlichen Erklärung über ihren
Abtritt gedroht.

Ich bin des Zeugs müde und werde den Leuten heut Abend vor-
schlagen, ihr bankrottes Institut an Kell et Cons. zu verkaufen
und der Lächerlichkeit ein Ende zu machen, daß a Bradford zo
manufacturer ein Londoner „Arbeiterorgan“ dirigiert. Wollen sie
nicht, so geb ich jedenfalls meine Entlassung. Aus eignen fonds
kann das Blatt sich noch für längere Zeit nicht halten, ist also ab-
hängig von den Bourgeoisvorschüssen und verliert dadurch seinen
Charakter. Ich habe viel Geduld bei dieser Gelegenheit entwickelt, ;;
weil ich immer noch hoffte, die Arbeiter selbst würden sich hin-
reichend anstrengen, um die Sache selbständig fortzuführen; da
ich andrerseits nicht Spielverderber sein wollte.

Herr Gottfried Kinkel ist zum Professor in Zürich bestellt.

Seit der Kriegslärm begonnen, haben sich die „Sächsischen“ „;
Arbeiter zahlreich an die „International Association“ ange-
schlossen.

Salut.
Dein K. M.

F 37— 48.
        <pb n="385" />
        (983) 1866 Juni 9

339

Compliments to Mrs. Lizzy.

Apropos! Lafargue sagt mir, daß die ganze neue französische
Schule der mikroskopischen Physiologen, mit Robin an der Spitze,
sich gegen Pasteur, Huxley etc. und für generatio @quivoca er-

; klären. Er wird mir einige neue Schriften darüber mitteilen.

984. Engels an Marx; 1866 Juni 11.
Manchester, 11. Juni 1866.
Lieber Mohr,
Die Kiste Bordeaux geht heute Abend an Dich ab. Es ist sehr
u guter Wein vom Borkheim. Ich hätte ihn Dir früher geschickt,
aber die Jungen hier haben es teilweise wegen Überbeschäftigung
verbummelt. Die Adresse hatten sie längst von mir fertig ge-
schrieben in der Hand. Hoffentlich wird der und regelmäßige Be-
wegung Dir gut tun. Was meinst Du, wenn Du auf eine 8 Tage
 herkämst, meinetwegen Ende dieses, und dann gleich mit dem
Gelde in den ersten Tagen Juli wieder nach Hause könntest? Da-
bei könntest Du Gumpert einmal gründlich konsultieren.
Wir sind hier an der Bankfalliererei noch so eben ohne Scha-
den vorbeigekommen. Drl[onke] sagte mir selbst, daß er bei Bar-
z nett etwas drin sei, aber mehr durch die Notwendigkeit, seinen
Banker zu wechseln, er habe dort £ 3000 Kredit gehabt — doch
war er auch Aktionär und daran verliert er. Eichhoff hat auch die
Ehre gehabt, daß sein Banker falliert hat und er mit £ 16 in die
Patsche gekommen. Der macht sich wenig daraus; wenn er einen
z fälligen Wechsel nicht bezahlen kann, so 1äßt er’s eben bleiben.
Herr G. Kinkel hat den Ruf nach Zürich nun schon jedes Jahr
in Zirkulation gesetzt, sollten die Züricher in der Tat zuletzt wirk-
lich dran glauben müssen?
In Deutschland sieht es täglich revolutionärer aus. In Berlin
und Barmen ziehen die stillgesetzten Arbeiter in Haufen drohend
durch die Straßen. G. Ermen, der Freitag wiederkam, erzählte
mir, er habe sich auf der Koblenzer Rheinbrücke mit einem xbelie-
bigen preußischen Leutnant in Unterredung über den Krieg ein-
gelassen, der Mann sei sehr zweifelhaft über den Ausfall der
Sache gewesen, habe sowohl die Leute als die Führung der Öst-
reicher für besser als die preußischen anerkannt, und auf G. Elt-
men]s Frage: wie es gehen würde, wenn die Preußen geklopft
würden, geantwortet: Dann kriegen wir Revolution. Ein andrer
Philister erzählte mir, in Köln aus guter Quelle gehört zu haben,
u“ daß die Landwehr kompagnieweise unter die Linie verteilt werden
und die Landwehrregimenter wieder mit Linie aufgefüllt werden
sollten: der Befehl sei heraus. Jedenfalls muß die Armee in einem
99*

7 189—98 9?
        <pb n="386" />
        540

Zustand sein, der einen Erfolg nur dann erwarten läßt, wenn die
Östreicher zuerst über die Grenze rücken, und das scheinen sie
diesmal platterdings nicht zu wollen. Aber auch die Preußen
wollen eben deswegen nicht los. So kann der Zustand sich noch
eine 8 Tage hinziehen, bis die Situation so gespannt wird, daß
sie reißt.

Wunderschön ist die geschichtliche Ironie, die sich an dem
Bismarck abspielt. In demselben Augenblick, wo er liberale Phra-
sen macht, muß er absolutistische Handlungen begehn. Er wird
in einem Atemzuge die deutsche Reichsverfassung proklamieren 1
und die preußische Verfassung suspendieren (die Ordonnanzen
sind schon fertig). Gute Idee, den Bonaparte gegen die Bürger
spielen wollen mit den Junkern hinter sich, statt der Bauern!

Die Landwehr wird in diesem Krieg den Preußen ebenso ge-
fährlich wie 1806 die Polen, die auch über */s der Armee aus- 1
machten und die ganze Geschichte schon vor der Schlacht des-
organisierten. Nur daß die Landwehr, statt zu debandieren, rebel-
lieren wird nach der Niederlage.

Das ganze linke Rheinufer ist von Truppen entblößt, in Luxem-
burg stehn nur 2 Landwehrregimenter, und die Festung soll im zo
Stillen schon ausgeräumt werden; in Saarlouis steht bloß ein noch
nicht vollständiges Landwehrbataillon. Von der Heydt soll durch
Oppenheim den Handel wegen der Saarbrücker Kohlenwerke und
Staatsbahn fertigbringen, damit sie Geld bekommen, auch soll die
westfälische Staatsbahn an die bergisch-märkische Bahn verkauft 2
werden. Die Darlehnskassenscheine sind von der Preußischen
Bank dem Staat auf seine Köln-Mindener Aktien vor-
geschossen worden, weiter hatte die Sache keinen Zweck. Dabei
stecken die Berliner Banquiers alle mit der Regierung zusammen.

Ich glaube, in 14 Tagen geht es in Preußen los. Wenn diese zo
Gelegenheit vorübergeht, ohne benutzt zu werden, und wenn die
Leute sich dies gefallen lassen, dann können wir ruhig einpacken
mit unsern revolutionären Siebensachen und uns auf die höhere
Theorie werfen.

Stieber ist Feldpolizeichef, organisiert das „Komplott Blind“ zs
und hat zu diesem Zweck unsern Freund Greiff” wieder nach
London geschickt. Kann man ihn nicht durchkeilen lassen?

Beste Grüße Dein F. E.

1) Im Orig. Greif

(984) 1866 Juni 1]

Z. 16 (schon . . . Schlacht)
        <pb n="387" />
        (985) 1866 Juni 20

341
985. Marx an Engels; 1866 Juni 20.
20 June 1866.
Dear Fred,

Das verdammte Wetter wirkt besonders fatal sur mon phy-
5 sique; und dies ist der Grund, warum ich Dir bisher weder den
„Wein“ angezeigt, noch sonst geschrieben. Nach Manchester kom-
men, geht nicht, denn ich kann das Haus im present state nicht ver-
lassen: außerdem muß ich hier sein wegen der „International“,
wo meine French friends schon einmal meine Abwesenheit be-
o nutzt, um unter diesen trying circumstances dummes Zeug im

Namen der Association zu machen.

Was hiesige Zeitungen betrifft, so ist es nach meiner Ansicht,
falls die Sache in Manchester nicht geht, das Beste, einen deftigen
military article an die „Times“ zu schicken, wo Du Dich als der

ı5 englische Korrespondent der Darmstädter Militärzeitung ankün-
digen kannst. Politische Rücksichten sind dabei nicht zu nehmen,
da ein Londoner Blatt grad so schlecht wie das andre. und es sich
ım die weiteste Publizität handelt.

Du mußt mich jetzt „kritisch“ au courant des affaires in Italy

z% und Germany halten.

Gestern war im International Council Debatte über die jetzige
Kriegssache. Es war vorher angekündigt und unser room sehr voll.
Auch die Herrn Italiener hatten uns wieder beschickt. Die Dis-
kussion was wound up, wie vorherzusehn, mit der „question of

ss nationality‘“ überhaupt und der Stellung, die wir dazu einzu-
nehmen. Dieses sujet vertagt auf nächsten Dienstag.

Die Franzosen, sehr zahlreich vertreten, gave vent ihrer kor-
dialen Abneigung gegen die Italiener.

Übrigens rückten die (Nichtarbeiter) Renräsentanten der

jo „jeune France“ damit heraus. daß alle Nationalität und Nationen
selbst „des preiuges surann&amp;s““ sind. Proudhonisierter Stirnerianis-
mus. Alles aufzulösen in kleine „groupes“ oder „communes“, die
wieder einen „Verein“ bilden, aber keinen Staat. Und zwar soll
Jiese „Individualisierung“ der Menschheit und der entsprechende
w _mutualisme“ vor sich gehn, indem die Geschichte in allen andern
Ländern aufhört und die ganze Welt wartet, bis die Franzosen reif
sind, eine soziale Revolution zu machen. Dann werden sie uns das
Experiment vormachen, und die ührige Welt wird, durch die Kraft
ihres Beispiels überwältigt, dasselbige tun. Ganz was Fourier von
u seinem phalanstere modelle erwartete. D’ailleurs sind alle „R eak-
tionäre“, die die „soziale“ Frage mit den „superstitions““ der Alten
Welt inkumbieren.
Die Engländer lachten sehr, als ich meinen speech damit er-
Sffnete. daß unser Freund Lafargue ete., der die Nationalitäten
        <pb n="388" />
        342

(985) 1866 Juni 20
abgeschafft hat, uns „französisch“, i. e. in einer Sprache an-
geredet, die */.7 des Auditoriums nicht verstand. Ich deutete wei-
ter an, daß gänzlich unbewußt er unter Negation der Nationali-
täten ihre Absorption in die französische Musternation zu verstehn
scheine.

Übrigens ist der Standpunkt jetzt schwierig, weil man einerseits
dem albernen englischen Italianismus, andrerseits der falschen
französischen Polemik dagegen gleichmäßig entgegentreten und
namentlich jede Demonstration verhindern muß, die unsre Gesell-
schaft in einer einseitigen Richtung involvieren würde. 2

Salut. Dein K. M.

986. Engels an Marx; 1866 Juli 4.

4. Juli 1866.
Lieber Mohr,

Inliegend die andre Hälfte der Note. Leider kam mir Dein zs
Telegramm nach 12 Uhr zu, so daß ich die erste Post nicht
benutzen konnte.

Was sagst Du zu den Preußen? Die Ausbeutung der ersten
Erfolge ist mit enormer Energie geschehen, und ohne diese Heftig-
keit würde Benedek sich wahrscheinlich in aller Stille nach Olmütz z
abgezogen haben, aber er ist offenbar gestern zur Schlacht ge-
zwungen worden, und das Resultat konnte nach dem Vorgefallenen
nicht zweifelhaft sein. Solch eine Entscheidungsschlacht in
8 Stunden abgemacht, ist noch nicht dagewesen; unter andern Um-
ständen hätte sie 2 Tage gedauert. Aber das Zündnadelgewehr ist 2
eine heillose Waffe, und dann schlagen sich die Kerle wirklich
mit einer Bravour, die ich an solchen Friedenstruppen nie gesehen
habe. Das Erstürmen von Positionen gleicht für den Verteidiger
die Überlegenheit des Angreifers in den Waffen wieder aus, und
darin scheinen die Preußen auch sehr viel geleistet zu haben. Be- %
nedek mit seinem tiefen „Plan“ stellt sich nicht nur als Esel, son-
dern auch als Schlafmütze heraus. Wie schön hätte er die Kerls,
mit hinreichenden Kräften, im Gebirg abfassen können!

Jedenfalls wird Bismarck nun versuchen, sein deutsches Kaiser-
tum zu Stande zu bringen, wozu Böhmen mitgehört, das er den 5
Östreichern abnehmen und dadurch die Verbindung zwischen
Schlesien und Bayern herstellen will. Er hat sich nämlich im Ver-
trage mit Italien „un territoire autrichien Equivalent ä la Venetie“
ausbedungen.

Berlin benimmt sich wieder mit bekannter Gemeinheit und hat w
am Ende gar gestern lauter Minister gewählt. Was werden unsre
Fortschrittskamele jetzt sagen!
        <pb n="389" />
        _343

Hühsch ist die Komik im Nordwesten und wird jetzt wohl auch
bald im Süden hübsch werden. .

Die einzige Deckung gegen den Verrat, den Bism[arck} mit Bo-
naparte eingefädelt hat, ist die ganz unerwartete Größe der Er-
folge. Es wird ihm da schwer werden, viel abzutreten, und die
Belgier werden wohl etwas herhalten müssen.

Reste Grüße an die ladies. Dein F. E.

;

387. Marx an Engels; 1866 Juli 7.
7. Juli 1866.
Dear Fred,

D’abord meinen herzlichsten Dank für die kalifornische Zu-
fuhr. Es war mir jedoch nicht möglich, den Landlord, der wie-
der zwei Quartale zu fordern hat, zu zahlen. Ich mußte vor allem
Abschlagszahlungen den Kerls machen. die täglich und stündlich

5 quälen.

Was zunächst meinen Gesundheitszustand betrifft, so habe ich
während der letzten zwei Wochen wieder ordentlich ge-
schanzt und hoffe Ende August mit dem ersten Band, den ich
selbständig erscheinen lasse, fertig zu werden, wenn ich diesen

„ Gesundheitsgrad behalte. Ich bin allerdings gezwungen, Gumperts
Lebermedizin täglich fortzunehmen, da ich sonst sofort brach läge.
Frage: Ist das (jetzt seit vielen Wochen beseitigte) Arsenik
damit verträglich? Ich frage das, weil seit 4 Tagen wieder ein
Karbunkelanfang über dem rechten Brustknochen sich zeigt. Mehr

» als aller Medizin verdanke ich dem Bordeaux. Ich arbeite übri-
gens nur bei Tag, da der sporadische Versuch der Nachtarbeit

(ein- oder zweimal) gleich sehr ungünstige Folge hatte.
Ehe ich zu Allgemeinem gehe, übersetze mir in Deutsch „put
stretches upon the mule“ und sage mir, was „picks‘“ bei der
„ Weberei zu Deutsch heißt. Was heißt „flyer“ bei der Mule?
Die Londoner Arbeiterdemonstrationen, fabelhaft, verglichen
mit dem, was wir seit 1849 in England gesehn, sind rein das Werk
der „International“. Mr. Lucraft f. i., der Hauptmann auf
dem Trafalgar Square, is one of our council. Hier zeigt sich der
„x Unterschied, wenn man hinter den Kulissen wirkt und öffent-
lich verschwindet, von der Demokratenmanier. öffentlich sich
wichtig zu machen und Ni chts zu tun.
Der „Commonwealth“ wird bald verrecken. Fox geht
nächste Woche davon ab. Apropos! Stumpf schreibt mir aus
vo Mainz, daß die Nachfrage unter den Arbeitern nach Deinem Buche
„Lage etc.“ täglich wächst und daß Du durchaus die zweite Aus-

7 9a_. An
        <pb n="390" />
        344

(987) 1866 Juli 7
gabe machen mußt, schon vom Parteistandpunkt aus. Er meint zu-
gleich, nach seinen persönlichen Erfahrungen, daß gleich nach
dem Krieg „die Arbeiterfrage“ in Deutschland merkwürdig in
den Vordergrund treten wird.

Freiligrath hat einen kleinen lyrisch-wehmütigen Schiss über
den Bruderkrieg erlassen, den seine Tochter Kate im heutigen
Athenäum verenglischt hat.

Nächst einer großen Niederlage der Preußen, die vielleicht
(aber die Berliner!) zu’ einer Revolution geführt hätte, konnte
nichts Besseres passieren als ihr immenser Sieg. Thiers hatte die ı
Politik Bonapartes, Preußen „machen“ zu helfen, mit solchem Er-
folg (denn nächst den Engländern haßt der Franzos eigentlich
nur die Preußen) denunziert, daß Boustrapa die französisch ok-
troyierte Konstitution ändern und die Debatte über die Adresse.
par ordre du Moniteur „abschaffen“ mußte. (Ich lege Dir x
die Rede J. Favres über Mexiko und Glais Bizoins schlechte Witze
bei, damit Du siehst, welches die Situation B[oustrapals vor dem
Ausbruch des Kriegs war.) Herr Bonaparte rechnete darauf, daß
Sieg und Niederlage zwischen Preußen und Östreichern hin und
her schwanken würde, so daß er schließlich als Jupiter Scapin zo

zwischen die Abgematteten dreintreten könne. Der Erfolg der
Preußen setzt sein Regime wirklicher Lebensgefahr in Frankreich
aus (es ist seine zweite große Verrechnung seit dem amerikani-
schen Bürgerkrieg), wenn es ihm nicht gelingt, die Friedens-
bedingungen zu diktieren. Andrerseits macht es derselbe Erfolg 25
(wir sind nicht mehr anno 1815) der Preußendynastie unmöglich,
kaum möglich, andre Bedingungen anzunehmen als solche, die
Östreich zurückweisen muß, gar nicht zu sprechen von der Un-
möglichkeit für den Schönen Wilhelm, alias Alexander den Gro-
ßen, deutsches Land an Frankreich abzutreten. Die Entscheidung z
der Preußen wird vom „Neffen“ in Petersburg abhängen. Es ist
unmöglich zu sagen, was der tun wird, da man dazu das Material
der russischen Staatskanzlei besitzen müßte. Aber ich für meinen
Teil begreife nicht, wie die Russen, überdem durch die östrei-
chische Abweisung ihrer Hilfe verletzt, Östreich erlauben können, 35
wieder zum Atem zu kommen, und diesen günstigen Augenblick
für ihre Donau-Türkenmanöver zu missen. Herr Viktor Emanuel
ist auch in einer schönen Sauce. Venedig gehört jetzt dem Bona-
parte. Nimmt er es von ihm als Geschenk, so ist seine Dynastie
fertig. Andrerseits, was kann er gegen Frankreich und wo«
kann er Östreich jetzt angreifen?

Was sagst Du aber zu unserm Föxchen, der atemlos vor-
gestern in unser Haus stürzte mit dem Ausruf: „Bonaparte hat
Deutschland gerettet!“ Dies ist die Ansicht von Beesly, Har-
rison etc. und der ganzen Comteistclique. Schreib mir bald. da der 4
        <pb n="391" />
        (987) 1866 Juli 7
mündliche Zusammenhang in dieser eventful period durch Tinte
und Papier ersetzt werden muß.
Meine besten Grüße an Mrs. Lizzy.
Jennychen will wissen, wie es Deinen „Afrikanern“ geht?
Salut.

345

Dein . K.M.
Bonaparte will natürlich jetzt keinen Krieg, bevor er die needle
gun oder ein Äquivalent eingeführt. Ein Yankee hat hier dem
Kriegsministerium ein Gewehr angeboten, das, wie mir ein preu-

vo Bischer refugee Offizier (Wilke) versichert, durch absolute Ein-
fachheit der Konstruktion, Mangel an Erhitzung, weniger Reini-
gungsbedürfnis und Wohlfeilheit das Zündnadelgewehr” ebenso-
sehr zurückläßt, wie dieses „Old Bess‘. Unsre Theorie von der
Bestimmung der Arbeitsorganisation durch das Pro-

„duktionsmittel, bewährt sie sich irgendwo glänzender als
in der Menschenabschlachtungsindustrie? Es wäre wahrhaftig der
Mühe wert, daß Du etwas hierüber schriebst (mir fehlt Kenntnis
dazu), was ich mit Deinem Namen in mein Buch als Appendix ein-
tragen könnte. Überleg Dir das. Soll es geschehn, so muß es aber

» pour le premier volume geschehn, wo ich dies Thema ex professo
hbehandle. Du begreift, welche große Freude es mir machen würde,
wenn Du auch in meinem Hauptwerk (bisher habe ich nur Kleinig-
keiten gemacht) als Collaborateur direkt, nicht nur durch Zitat,
erschienest!

Ich studiere jetzt nebenbei Comte, weil die Engländer und Fran-
zosen so viel Lärm von dem Kerl machen. Was sie daran besticht,
ist dasEnzyklopädische, la synthöse. Aber das ist jammervoll gegen
Hegel (obgleich Comte als Mathematiker und Physiker von Pro-
fession ihm überlegen, d. h. überlegen im Detail, Hegel ist selbst
hier unendlich größer im Ganzen). Und dieser Scheißnositivis-
mus erschien 1832!

ıf]

388. Engels an Marx; 1866 Juli 9.

a

Manchester, 9. Juni” 1866.
Lieber Mohr,

Die Geschichte, d. h. die Weltgeschichte wird immer ironischer.
Cibt es etwas Feineres, als diese praktische Verhöhnung Bona-
partes durch seinen Schüler Bismarck, der, Krautjunker wie er
ist, seinem Meister plötzlich über den Kopf wächst und der ganzen
Welt auf ein Mal handgreiflich klar macht, wie sehr on sufferance

1) Im Orig. Zündelnadelgewehr

2) Richtig Juli
        <pb n="392" />
        (988) 1866 Juli 9
dieser arbitre de ]l’Europe existiert, Und dann dieser Bismarck
selbst, der, um im Innern einige Monate scheinbar feudal und
absolutistisch regieren zu können, nach Außen die Politik der
Bourgeoisie with a vengeance verfolgt, der Bourgeoisie die Herr-
schaft präpariert, Wege einschlägt, auf denen nur mit liberalen,
selbst revolutionären Mitteln voranzukommen ist, und dabei seine
eignen Krautjunker ihren eignen Prinzipien tagtäglich ins Gesicht
schlagen läßt. Die Überreicher des Ehrenschilds an Franz Bomba
alliiert mit Garibaldi, und die Vertreter der Throne von Gottes
Gnaden Länderschlucker trotz Viktor Emanuel! Nie gab es was x
Schöneres als die Kreuzzeitung während der letzten 4 Wochen, und
die historisch-feudale Partei, deren Begründung dem hochseligen
Genie Flriedrich] W[ilhelms] IV. so viel Mühe und Arbeit ge-
kostet, erstickt jetzt an dem Dreck, den sie auf Kommando ihres
eignen Führers fressen muß.

Die einfache Tatsache ist: Preußen hat 500000 Zündnadel-
gewehre und die übrige Welt keine 500. Unter 2, 3, vielleicht
5 Jahren kann keine Armee mit Hinterladern bewaffnet sein. Bis
dahin hat Preußen das prae. Glaubst Du, daß Bismarck den Mo-
ment nicht ausnutzen werde? Sicher. Der Bonaparte wird sich zo
sehr hüten, Krakeel anzufangen, und was die Russen angeht, so
brüllen sie zwar sehr grob in dem Journal de St. Petersbourg, aber
sie sind militärisch jetzt weniger zu fürchten als je. Ich zweifle
gar nicht, daß die plötzliche, ungeheure Machtentwicklung Preu-
ßens Bonaparte und die Russen zusammentreiben wird, und daß 25
ihr erstes Bemühen sein wird, alle und jede Machtvergrößerung
Preußens zu verhindern. Aber sie werden sich hüten, es zum Krieg
kommen zu lassen; was Frankreich angeht, so wäre seine aktive
Einmischung ja das beste Mittel, die Süddeutschen den Preußen
vollends in die Arme zu-treiben und den Bürgerkrieg vergessen %
zu machen. Und was die Russen angeht, so ist Monsieur Bismarck
der Mann, ihnen mit einer neuen polnischen Insurrektion zu
drohen, und sie wissen, daß der Kerl gewissenlos genug dazu ist.
Überhaupt kennt B[ismarck] seine Macht zu gut und weiß auch,
daß sie in diesem Maß nur ein paar Jahre dauern kann, und ich z
glaube, er wird sie ausbeuten bis aufs letzte Stückchen. Dazu ist
Bonaparte am Ende immer mit Belgien zu kaufen, und der Plan
der Teilung Belgiens zwischen Frankreich und Holland, welches
dann Luxemburg an Frankreich abtreten würde, ist zwischen Goltz,
Bonaparte und dem Kronprinzen von Holland gar nicht lange vor «
dem Krieg „in Aussicht genommen worden“. Ich glaube, es ist
noch lange nicht am Ende mit dem Krieg, und da kann sich noch
Manches ereignen.
Die Russen scheinen wirklich schon seit einiger Zeit die

Schwenkung nach Östreich zu gemacht zu haben. und dieser 45

346
        <pb n="393" />
        (988) 1866 Juli’9

347
enorme Erfolg der Preußen macht ihnen jede Rückkehr unmög-
lich. Um so mehr, als Östreich jetzt reif genug sein wird, sich
Bosnien oder die Walachei für Venedig anhängen zu lassen, wo
dann Rußland die Moldau nimmt.

Du siehst übrigens, wie richtig ich die preußische Armee be-
urteilte, wenn ich immer behauptete, daß viel mehr darin stäke,
als man gewöhnlich zugeben wollte. Nach diesen Erfolgen und
nach dem unbedingt brillanten Benehmen der Truppe ist ihr
Selbstgefühl und zugleich ihre Kriegserf ahrung so gewachsen, daß

io sie morgen den Franzosen gegenübertreten könnten, selbst wenn
diese Hinterlader hätten, und das französische Bajonett hat jeden-
falls ausgespielt, wie seinerzeit die spanische Pike. Bei allge-
meiner Hinterladung wird die Kavallerie wieder zu ihrem Rechte
kommen.

3; An Jenny muß ich, wie schon lange beabsichtigt, einen ordent-
lichen Rapport abstatten über die Afrikaner.

Viele Grüße.

Dein

F. E.

389. Engels an Marx; 1866 Juli 12.
Manchester, 12. Juli 1866.
Lieber Mohr,

Ich habe wegen Deiner Historie an Gumpert geschrieben, der
in Wales ist: da ich seine Adresse nicht weiß, muß der Brief erst
hier an sein Haus gehn, daher wohl etwas Verzögerung. Sobald

2» ich Antwort habe, schreib ich Dir, inzwischen aber würd’ ich so-
Fort unter Hintansetzung alles Andern Arsenik nehmen, damit
der verdammte Karbunkel gestoppt wird. Mach um Alles in der
Welt dieser Sauerei ein Ende.

Bonapartes Plänchen und sein Einschreiten sind wohl teilweise

% in Folge früherer Absprache mit Bismarck, aber auch sicher
_— der neue Rheinbund etc. — Drohungen an dessen Adresse. Aber
wie der Kerl so dumm sein kann, diesen Plan zu veröffent-
lichen, das übersteigt meinen Horizont: Wie bei Schapper — für
so dumm etc. — Das treibt ja ganz Süddeutschland den Preußen

ı in die Arme und hat hier sogar die alten Philister an der Börse
toll gemacht. Ein alter Frankfurter sagte mir: das ist den Preu-
Ben mehr wert als 100000 Mann Verstärkung.
Du siehst, die dummen Süddeutschen lassen sich einzeln zu-
sammenhauen, ohne sich nur die Mühe zur Vereinigung zu geben.
2 Bald wird’s wieder heißen, wir sind verraten, man will uns uf die
Schlachtbank fihre! wie Anno 1849. Schade um die Kerls, es sind
yute Soldaten. Man begreift jetzt erst, wie die Franzosen solche

7 33 (Wie)—42,
        <pb n="394" />
        348
Erfolge gegen das „Reich“ haben konnten, und dagegen nicht,
wie das Reich sich noch so lange gegen eine konzentrierte Mon-
archie wie Frankreich gehalten hat.

Die Geschichte wegen der Massakrierungsindustrie werde ich
Dir zu machen suchen.

Viele Grüße. Dein F.E.

(989) 1866 Juli 12
VE ————

990. Marx an Engels; 1866 Juli 21.
21. Januar?” 1866,
Dear Fred,

Der Karbunkel hat sich glücklich wieder von selbst verzogen. ıı
Schwer aber hatte und habe ich in der jetzigen Hitze von der liver
zu büßen. Mit alledem geht die Arbeit gut voran und wird sie so
vorangehn, wenn der jetzige Zustand fortdauert. Es ist mir natür-
lich peinlich, schon wieder auf Dir pressen zu müssen, aber, wie
[Du] aus dem einliegenden Zettel ersiehst (den Du mir zurück- z
schicken mußt), ist periculum in mora. Ich habe mit Mühe Aus-
stand bis nächsten Dienstag erhalten. Aus Deiner letzten Zu-
sendung ist mir zweifelhaft, ob Du in Manchester bist. Ich habe
auch keinen Manchester Guardian mehr erhalten. Oder ist nichts
weiter von Dir darin erschienen? &gt;

Alles Urteil über die jetzigen Verhältnisse müß man sich unter-
sagen, bis Nachricht sei es von Waffenstillstand, sei es einer ent-
scheidenden Schlacht vor Wien. Jedenfalls hat der Gang der Er-
eignisse außerordentliche Verfaulung des östreichischen Systems
bewiesen. 2

Unsre Engländer huldigen einstweilen, wie immer, dem Erfolg.
Auch der große Arnold Ruge hat schon seit 14 Tagen sein Pro-
nunziamento für Preußen gemacht, wie der große Kinkel noch
früher getan. Sind die Preußen siegreich bis zum Ende, welch ein
Zudrang von Stellenjägern und Vaterlandsrettern wird nach %
Frankfurt wogen!

Der „homme Prestige“, „Jupiter Scapin“, grotesque providence
of Europe ist jedenfalls erschüttert und sogar von Bismarck über-
Aügelt. Das ist ein Trost.

Hier ist seit einigen Tagen der V-th Report der Children Em- %
ployment Commission erschienen. Er schließt die Enquöäte über
die Manufakturen ab, und es wird nur noch ein Nachtrag über
die sporadisch in der Agrikultur angewandten „Oorganised gangs“
von Weibern und Kindern erscheinen. Der bürgerliche Optimis-
mus seit 1850 konnte keinen furchtbarern Schlag erhalten als w
1) Richtig Juli
        <pb n="395" />
        (990) 1866 Juli 21

349
durch diese 5 Bluebooks. Außerdem ist vor einigen Tagen der
VIIL Report des Board of Health ausgegeben worden, der nament-
lich eine sehr ausführliche Enquete über die Wohnungsverhält-
nisse des Proletariats enthält.”

Salut.
Jein

K. M.

391. Engels an Marx; 1866 Juli 253.
Manchester, 25. Juli 1866,
Lieber Mohr,
wo Ich denke, Du hast die Noten jetzt richtig erhalten, ich muß in
der Zerstreutheit den Zettel statt ihrer eingelegt haben, auf dem
ich mir die No. notiert hatte. Die Noten selbst hatte ich unter den
Deckel meiner Schreibmappe geschoben, wo ich sie auch fand,
nachdem ich mich von der ersten Überraschung Deines Tele-
# gramms erholt hatte. Hoffentlich waren sie noch rechtzeitig.

Die Geschichte in Deutschland scheint mir jetzt ziemlich ein-
fach. Von dem Augenblick an, wo Bismarck den kleindeutschen
Bourgeoisplan mit der preußischen Armee und so kolossalem
Sukzeß durchführte, hat die Entwicklung in Deutschland diese

» Richtung so entschieden genommen, daß wir ebensogut wie Andre
das fait accompli anerkennen müssen, we may like it or not. Was
die nationale Seite der Sache angeht, so wird Blismarck]
jedenfalls das kleindeutsche Kaisertum in dem von den Bourgeois
beabsichtigten Umfang, d.h. inel. Südwestdeutschland, herstellen,
denn die Redensarten von der Mainlinie und von der Optional
South German separate confederacy sind jedenfalls für die Fran-
zosen berechnet, und inzwischen marschieren die Preußen auf
Stuttgart. Die deutsch-östreichischen Provinzen werden diesem
Reich übrigens in nicht gar langer Zeit auch zufallen, sintemal

» Östreich jetzt ungarisch werden muß und die Deutschen die 3. Na-
zion im Reich werden — noch unter den Slawen.

Politice wird Blismarck] genötigt sein, sich auf die Bourgeoisie
zu stützen, die er gegen die Reichsfürsten braucht. Vielleicht nicht
in diesem Augenblick, da jetzt noch das prestige und die Armee

5 hinreichen. Aber schon um sich vom Parlament die nötigen Be-
dingnisse für die Zentralgewalt zu sichern, muß er den Bürgern
etwas geben, und der natürliche Verlauf der Sache wird ihn oder
seine Nachfolger immer zwingen, wieder an die Bürger zu appel-
lieren: so daß, wenn Blismarck] auch möglicher Weise jetzt den

wo Bürgern nicht mehr gibt, als ereben muß, er.doch in das Bürger-
liche mehr und mehr hineingetrieben wird.
1) Im Orig. erhält.

15
        <pb n="396" />
        274)
(991) 1866 Juli 25
EN
Die Sache hat das Gute, daß sie die Situation vereinfacht, eine
Revolution dadurch erleichtert, daß sie die Krawalle der kleinen
Hauptstädte beseitigt und die Entwicklung jedenfalls beschleunigt,
Am Ende ist doch ein deutsches Parlament ein ganz andres Ding
als eine preußische Kammer. Die ganze Kleinstaaterei wird in
die Bewegung hineingerissen, die schlimmsten lokalisierenden
Einflüsse hören auf, und die Parteien werden endlich wirklich na-
tionale, statt bloß lokale.

Der Hauptnachteil ist die unvermeidliche Überflutung Deutsch-
lands durch das Preußentum, und das ist ein sehr großer. Dann „
die momentane Abtrennung Deutsch-Östreichs, die ein sofortiges
Vorschreiten des Slawischen in Böhmen, Mähren, Kärnten zur
Folge haben wird. Gegen Beides ist leider Nichts zu machen.

Wir können also meiner Ansicht nach gar nichts andres tun, als
das Faktum einfach akzeptieren, ohne es zu billigen, und die sich 15

jetzt jedenfalls darbieten müssenden größeren Fazilitäten zur
nationalen Organisation und Vereinigung des deutschen Pro-
letariats benutzen, soweit wir können. N

Daß brother Liebknecht sich in eine fanatische Östreicherei
hineinreiten würde, brauchte mir Stumpf nicht zu schreiben, das 2
konnte gar nicht anders sein. Er hatte übrigens in der Neuen
Frankfurter Zeitung ganz unverkennbare Wutkorrespondenzen

aus Leipzig. Diese fürschtenmörderische. Blindsche Nleue]
Frankfurter] Zeitung war so weit gekommen, daß sie den Preu-
Ben ihre schändliche Behandlung des „ehrwürdi gen Kur-,;
fürsten von Hessen“ vorwarf und für den armen blinden
Welfen schwärmte!

Im Guardian Nichts mehr geschrieben.
Beste Grüße an die ladies.

992. Marx an Engels; 1866 Juli 27.
27. August” 1866.
Lieber Fred,

Besten Dank für die £ 10. Sie kamen grade noch zur rechten
Zeit. &amp;
Dem Stumpf schrieb ich nicht, eben weil er „Verhaltungs“.
maßregeln wollte und meine Ansicht war, daß er am besten tue,
sich gar nicht zu „verhalten“, bevor die Ereignisse entschieden.
Es war dies eine Ansicht, die ich ihm rather nicht schriftlich zu
1) Richtig Juli
        <pb n="397" />
        (992) 1866 Juli 27

351
geben für gut hielt. Nun ist Mainz, soviel ich weiß, immer noch
zerniert, also wohl auch die Postverbindung unterbrochen. Hast
Du an Stlumpf] geschrieben?

Die Frankfurter Komödie gewährt einige Entschädigung für

; den Duft der Sieger. Au wai! geschrien, 25 Millionen! Und der

Herr Bürgermeister erhängt sich! Und die Preußen erklären
ihrerseits offiziell, daß Frankfurt blechen muß, weil seine Zei-
tungen Seine Majestät Wilhelm den Eroberer „beleidigt“ haben.
Stieber wird, da sein Regierungsposten in Brünn nur interimi-

„ stisch, am Ende noch Bürgermeister von den Frankfurter am
Mainern, die übrigens mir immer unerträgliche Canaillen waren.
Und Edgar Bauer wird ihnen als Oberzensor oktroyiert. Was aber
die Eschenheimer Gaß angeht, so würde Geheimrat Duncker —
doch der regiert ja in Kassel.

3 Ich bin ganz Deiner Ansicht, daß man den Dreck nehmen muß,
wie er ist. Doch ist es angenehm, während dieser jungen Zeit der
ersten Liebe in der Ferne zu sein. Die Anmaßung der Preußen,
die Narrheit des schönen Wilhelms, der glaubt, daß sich seit dem
Siegestraum nichts geändert hat, außer daß er großmächtig ge-

» worden usw., werden schon wirken. Die Östreicher stehn jetzt da,
wo die Prager Slawenfanatiker sie 1848 wollten. Indes ist einst-
weilen ihr Verlust Venedigs, ihre notgedrungene Konzentration
der Kraft, den Russen keineswegs günstig. Als selbst panslawi-
stisches Reich werden sie den Moskowitern um so antagonistischer.

„ Bei der außerordentlichen Verkommenheit der Habsburger steht
zwar zu fürchten, daß sie sich by und by von den Russen verleiten

lassen zu gemeinschaftlichem Angriff auf die Türkei.
Für die Arbeiter ist natürlich alles günstig, was die Bour-
geoisie zentralisiert. J edenfalls ist der Friede, wenn auch Morgen
wo geschlossen, noch provisorischer, als der von Villafranca und
Zürich war. Sobald von den verschiednen Seiten die „Waffen-
reform“ vorgenommen, geht’s wieder ans „Haun“, wie der Schap-
per sagt. Jedenfalls hat auch Bonaparte eine Schlappe erhalten,
obgleich die Bildung militärischer Königreiche rechts und links
„ in den plonplonistischen Plan „de 1a de&amp;mocratie generale“ paßt.
Hier hat die Regierung es beinahe zu einer Emeute gebracht.
Der Engländer bedarf natürlich erst der revolutionären Er-
ziehung, wozu zwei Wochen genügen würden, wenn Sir Richard
Mayne absolut zu befehlen hätte. In der Tat hing es an einem
„ Punkt. Wurden die railings — und es war drauf und dran —
zur Attacke und Defensive gegen die Polizei benutzt und einige
20 Stück der letzten totgeschlagen, so mußte Militär „einschrei-
ten“, nicht nur paradieren. Und dann wäre es lustig geworden.
So viel ist sicher, daß diese steifköpfigen John Bulls, deren Hirn-
„ schädel für die bludgeons der Konstabler eigens fabriziert
        <pb n="398" />
        352 (992) 1866 Juli 27
scheinen, ohne wirklich blutiges Zusammentreffen mit den Herr-
schenden zu nichts kommen werden.

Die Rührszene zwischen dem alten Esel Beales und dem eben-
so großen Eselalten Walpole, dann dazwischen der dünnstimmige,
intrusive, wichtigtuende und aus „Wahrheitsliebe“ stets seinen
Weg in die Times findende Holyoake, — nichts als Friede und
Liederlichkeit, Dazwischen, während dies Gesindel sich bekom-
plimentiert und beseichbeutelt,” verknurrt Hund Knox, der Po-
lizeimagistrate von Marylebone, in einer summarischen Manier,
lie zeigt, was geschähe, wenn London Jamaika wäre. 2

Disraeli hat sich sehr lächerlich gemacht, ersiens durch die
elegische Äußerung im Unterhaus, „er wisse nicht, ob er noch ein
Haus habe“, und dann durch die starke militärische Besetzung des-
selbigen Hauses, obgleich drittens der Mob (durch die Leute von
der Reformleague vorher instruiert) absichtlich das Haus des
Herrn „Vivian Grey“ untouched ließ. Nicht ein Haar wurde die-
sem Haus ausgezogen. Dafür hatten die Fensterscheiben Elchos
{um] so mehr zu büßen. Ich hatte an Cremer und andre managers
den hint fallen lassen, ob es nicht passend, dem Times News-
paper einen Besuch abzustatten? Da der hint nicht gleich „ver- x

standen“ wurde oder werden wollte, kam ich nicht darauf zurück.
Die Cholera hat uns (ich meine den Londonern) ihre Auf-
wartung alles Ernstes gemacht, und der Bericht des Dr. Hunter,
im letzte Woche erschienenen VIII. Report des Health Board über
das „Housing der Poor“, soll der Madame Cholera wohl als Di- #5
rectory dienen, wo sie vorzugsweise Besuch abzustatten.
My best compliments to Mrs. Lizzy.
Dein K. M.
993. Engels an Marx; 1866 August 6.
Manchester, 6. August 1866. z
Lieber Mohr,

Der Humor Deines letzten Briefs 1äßt mich schließen, daß
Deine Leber sich sehr gebessert hat, obwohl Du davon nicht
sprichst. Was die Frankfurter angeht, so hättest Du erst das
Zetermordio unter den hiesigen anhören müssen, deren sind ja ss
Legion hier, die von ihren Brüdern etc. die erschrecklichsten
Briefe bekamen. Der preußische Leutnant hat sich natürlich bei
dieser Gelegenheit mit bekannter Grazie benommen, doch war von
vornherein zu erwarten, daß die Herren more frightened than
hurt werden würden. Im übrigen Süddeutschland, wo die Frank- 4
furter auch nicht besonders beliebt sind und wo man ihnen vor-

1) Im Orig. beseuchbeitelt
        <pb n="399" />
        _353
wirft, sie hätten auf beiden Achseln getragen, hat man sich darüber
gefreut, daß grade sie so gezwiebelt wurden. Solche Briefe hab’
ich selbst gesehn.

Also Bismarck hat doch gesiegt, und Wilhelmchen hat eine
; Versöhnungsphrase an seine Erlauchten, Edlen und Getreuen er-
lassen, dabei aber gleichzeitig beteuert, wenn man ihm wieder
Geld verweigern werde, es leider „unvermeidlich“ sein werde,
unbewilligtes Geld auszugeben. Wie man damit selbst bei dieser
Kammer den Konflikt lösen kann, ist mir noch nicht klar. Dazu
o ein deutsches oder rather norddeutsches Parlament, über dessen
etwaige Stellung oder Befugnisse wenigstens Herr Eulenburg sich
entschieden geweigert hat, die geringste Auskunft zu geben —
das sind schon ganz hübsche Aussichten auf baldigen Krawall.
Bismarck selbst wird gewiß Streit zu vermeiden suchen, so dumm
ist er nicht, aber das alte hohenzollernsche Vieh gerät sicher hin-
ein, und dann wird er sich wundern über seine intelligenten
Bajonette.
Daß es bald wieder ans Haun geht, ist klar genug. Ich glaube,
es wird mit den Franzosen los gehn. Bonaparte ist gescheit ge-
» nug, dies vermeiden zu wollen, solange es irgend geht, aber die
Masse der Franzosen, namentlich der Bourgeois mit ihrer Miß-
gunst gegen jede Stärkung Deutschlands, ist doch zu borniert und
fanatisch, daß ihr die expansion de la France qui ne peut avoir
lieu que du cöte de l’Allemagne jetzt verschlossen ist, und ein
„ Krieg gegen Preußen ist auch beim Bauer und dummeren Arbeiter
populär; da ist nicht zu sagen, wie bald es zum Klappen kommt.

Wehner, der eben von Hannover zurückkommt, erzählt mir, die
preußischen Offiziere haben sich dort schon ebenfalls gründlich
verhaßt gemacht, desgleichen die Bureaukraten und Polizisten.

„Ich werde dies Jahr auch wohl nicht lange in Deutschland
bleiben. Im Norden der Duft der Sieger, im Süden das Gebrüll
der für den Kurfürsten von Hessen begeischterten Republikaner,
wo soll man da hin? Ich werde suchen auf Umwegen in den Harz
zu kommen, da gibt es glücklicher Weise keine Garnisonen.

Die Kölnische Zeitung zetert jetzt mit geiferndem Maul für
Ausschluß von Süddeutschland. Es ist dies die von Bismarck aus-
geteilte Parole, um dem Bonaparte seinen Rückzug zu erleichtern,
and die Kölnische poltert mit einem so wahnsinnigen Eifer in die-
ser Richtung, daß man den ganzen Kram sofort durchschaut. Ge-

„ meiner wie dies Blatt hat sich noch keins benommen. Aus der
heftigsten Friedensschreierei sprang sie um, als sie sah, daß Bis-
marck sich nicht irre machen ließ mit der Phrase: Östreich will
den Krieg! Jetzt draufgehaun! und ist seitdem zwar nicht dem
Geschick, aber dem guten Willen nach Bismarcks beste Freundin

„ gewesen. Es ist ein Hundeblatt.

Marx-Fngels-Gesamtausgabe. IM. Abt.. Bd. 3

25
        <pb n="400" />
        354

(993) 1866 Aug. 6
Wenn die neue, von einem Amerikaner der hiesigen Regierung
vorgelegte Hinterladungsflinte die Snider-Enfield ist, so ist sie
nicht viel wert, Es muß aber wohl eine andre sein, von der Du
sprachst. Übrigens ist wenig daran gelegen, über den schon mit
dem Zündnadelgewehr erreichten Grad hinaus rascher zu schießen,
da sich der Unterschied in der Praxis fast auf Null reduziert, da-
gegen wird große Präzision und Scharfschießen jetzt immer wich-
tiger. Ich lese mal wieder die Griesheimsche Taktik durch —
wie veraltet da jetzt schon fast Alles ist!

Beste Grüße an die ladies. ;

N
Dein

F. E.

994. Marxan Engels; 1866 August 7.
7. August 1866.
Lieber Fred,

Du hast aus meinem letzten Brief richtig erkannt, daß mein Ge- zs
sundheitszustand verbessert, obgleich er täglich auf- und ab-
schwankt. Indes das Gefühl, wieder arbeitsfähig zu sein, does
much for a man. Leider bin ich beständig durch social troubles
unterbrochen und verliere viele Zeit. So z.B. heute hat der Metzger
die Fleischzufuhr suspendiert und wird selbst mein Vorrat von zo
Papier bis Sonnabend zu End sein.

Laura ist seit gestern halb versagt an Monsieur Lafargue,
meinen medizinischen Kreolen. Sie behandelte ihn wie die andern,
aber die Gemütsexzesse solcher Kreolen, etwas Furcht, daß der
jeune homme (er ist 25 Jahre) sich umbringen würde usw., etwas 2
Zuneigung für ihn, kalt wie immer bei Laura (er ist ein hübscher,
intelligenter, energischer und gymnastisch entwickelter Bursche),
haben mehr oder minder zu einem halben Kompromiß geführt.
Der Junge attachierte sich erst an mich, übertrug aber bald die
attraction vom Alten auf die Tochter. Seine ökonomischen Ver- x
hältnisse sind mittlerer Natur, da er das einzige Kind einer
früheren Pflanzerfamilie. Er ist ray6 de l’universit&amp; de Paris pour
deux ans, wegen des Congres a Liege, will aber sein Examen zu
Straßburg machen. Nach meinem Urteil hat er außerordentliches
Talent für die Medizin, worin er jedoch unendlich skeptischer als 35
unser Freund Gumpert. Der medizinische Skeptizismus scheint
in Paris bei Professoren und Studenten an der Tagesordnung.
Z. B. Magendie, der alle Therapeutik, im jetzigen state, für Schar-
latanerie erklärt. Dieser Skeptizismus schließt, wie immer, crot-
chets nicht nur nicht aus, sondern ein. Lafargue z. B. glaubt an %
den Alkohol und die Elektrizität als Hauptheilmittel. Er hat
        <pb n="401" />
        (994) 1866 Aug, 7

355
glücklicher Weise an Professor Carrere, Flüchtling (hautes ma-
thematiques, Physik und Chemie), einen guten Ratgeber und wird
praktisch in den Londoner Hospitälern viel lernen können. Ich
habe ihm dazu durch eine dritte Person den Zugang verschafft.

Ein sehr bedeutendes Werk, das ich Dir (aber unter Bedingung
des Zurückschickens, da es nicht mein Eigentum) schicken werde,
sobald ich die nötigen Noten gemacht, ist: „P. Tremaux,
Origine et Transformations de l’Homme et des
autres Etres. Paris. 1865.“ Es ist, trotz aller Mängel, die

„ mir auffallen, ein sehr bedeutender Fortschritt über Dar-
win. Die zwei Hauptsätze sind: die croisements produzieren nicht,
wie man meint, die Differenz, sondern umgekehrt die typische
Einheit der esp&amp;ces. Die Erdformation differenziert da-
gegen (nicht allein, aber als Hauptbasis). Der Fortschritt, der

„ bei Darwin rein zufällig, hier notwendig, auf der Basis der Ent-
wicklungsperioden des Erdkörpers, die degen&amp;rescence, die Dar-
win nicht erklären kann, hier einfach; ditto das so rasche Er-
löschen bloßer Übergangsformen, verglichen mit der Langsam-
keit der Entwicklung des Typus der espece, so daß die Lücken der
Paläontologie, die den Darwin stören, hier notwendig. Ditto als
notwendiges Gesetz entwickelt die Fixität (von individuellen usw.
Variations abgesehn) der einmal konstituierten espece. Die
Schwierigkeiten der Hybridation bei Darwin hier umgekehrt Stüt-
zen des Systems, da nachgewiesen wird, daß eine espece in der Tat

„ erst konstituiert ist, sobald das croisement mit andern aufhört,
fruchtbar oder möglich zu sein usw.

In der geschichtlichen und politischen Anwendung viel bedeu-
tender und reichhaltiger als Darwin. Für gewisse Fragen, wie
Nationalität etc., hier allein Naturbasis gefunden. Z. B. korrigiert

» er den Polen Duchinski, dessen Sachen über die geologischen Dif-
ferenzen zwischen Rußland und den Westslawen er übrigens be-
stätigt, dahin, daß nicht, wie dieser glaubt, die Russen keine Sla-
wen, vielmehr Tartaren usw., sondern daß auf der in Rußland
vorherrschenden Bodenformation sich der Slaw tartarisiert und

« mongolisiert, wie er (er war lang in Afrika) nachweist, daß der
gemeine Negertyp nur Degenereszenz eines viel höhern ist. „Hors
des grandes lois de la nature, les projets des hommes ne sont
que calamites, t&amp;moins des efforts des czars pour faire du peuple
polonais des Moscovites. Memes” nature, mömes facultes re-

„ naitront sur un möme sol. L’w@uvre de destruction ne saurait tou-
jours durer, l’@uvre de reconstitution est 6ternelle. .. . Les races
slaves et lithuaniennes ont avec les Moscovites leur veritable limite

x

1) Im Orig. Meme
        <pb n="402" />
        356

(994) 1866 Aug. 7
dans la grande ligne geologique qui existe au nord des bassins du
Niemen et du Dnieper. . . Au sud de cette grande ligne: les apti-
tudes et les types propres ä cette region sont et demeureront tou-
jours diff&amp;rents de ceux de la Russie.“

Salut. Dein K.M. ©

995. Engels an Marx; 1866 August 10.
Manchester, 10. August 1866,
Lieber Mohr,
Ich weiß nicht, ob ich auf die „halbe“ Verlobung von Laura
ganz, halb oder gar nicht gratulieren darf. Was aber auch die 7
Quantität des zulässigen Glückwunsches sein mag, so geht das
doch die Qualität nichts an, und so gratuliere ich von ganzem
Herzen.

Wieviel ungefähr kostet das Buch von Tremaux? Wenn es nicht
etwa wegen Illustrationen oder sonst was sehr teuer ist, schaff” ich’s 0
mir an, dann brauchst Du’s nicht zu schicken.

Um dem wütigen Schlächter den Zorn zu brechen und den
Papiervorrat zu erneuern, schicke ich Dir inliegend J/F 65865
und 66, 2 Noten ä 5 £, zusammen £ 10, Manchester, 30. Jan. 1865
datiert. Ich wollte, ich könnte Dir mehr als 200 Pfund jährlich z
sicherstellen, aber leider kann ich das nicht. Wenn Alles gut geht,
kann ich freilich wohl noch eine £ 50 mehr aufbringen, aber die
Baumwolle ist jetzt wieder am Fallen, und die bonapartistische
Note von wegen der Grenzen von 1814 erschreckt den Philister,
und das wirkt auf die Bilanzen.

Diese Bonaparte-Note scheint zu beweisen, daß zwischen ihm
und Bismarck ein hitch eingetreten ist. Die Forderung wäre sonst
sicher nicht so grob und plötzlich und grade zu der für Bismarck
ungelegensten Zeit gemacht worden. Daß dem Bismarck nichts
daran läge, sie zu erfüllen, ist sicher, aber wie kann er jetzt? Was z
wird das siegreiche Kriegsheer dazu sagen? Und das deutsche
Parlament, und die Kammern, und die Süddeutschen? Und der
alte Esel, der jetzt grade so dummglücklich aussehn wird wie
mein schwarzweißer Hund Dido, wenn er sich vollgefressen hat,
und der gesagt, keinen Fußbreit deutschen Bodens usw.? 35

Die Depesche ist eine große Dummheit von Bonaparte, aber
das Geschrei der Opposition und wahrscheinlich auch der Armee
wird ihn wohl gezwungen haben, die Sache zu überstürzen. Sie
kann ihm sehr gefährlich werden. Entweder macht Bismarck es
möglich nachzugeben, und dann ist er gezwungen, bei erster Ge- 4
legenheit Krieg mit Bon[aparte] anzufangen, um Revanche zu neh-
men: oder aber er kann nicht nachgeben und dann kommt’s schon
Z. 33 (Esel) —35 (und)
        <pb n="403" />
        (995) 1866 Aug. 10

357
früher zum Krieg. In beiden Fällen hat Bon[aparte] das Risiko,
einen Krieg gegen seinen Willen und ohne gehörige diplomatische
Vorbereitung, ohne gesicherte Allianzen führen zu müssen für den
»ffen ausgesprochnen Zweck der Eroberung. Bismarck hat übri-
; gens schon vor mehreren Jahren dem hannoverschen Minister
Platen gesagt, er werde Deutschland unter den preußischen Helm
bringen und es dann, um es „in Eins zu schmieden“, gegen die
Franzosen führen.
Hier zirkulieren Zirkulare zu einer „Kinkelfeier“, verbreitet
vo von Leppoc, „groß als Dichter und als Mensch“, ä propos von
Fromm-Gottfriedels Abreise nach Zürich. Ich habe meine Bereit-
willigkeit erklärt, mich bis zum Belaufe eines farthings dabei zu
beteiligen. .
Mit besten Grüßen an Deine Frau und die Mädchen,
Dein F. E.

996. Marx an Engels; 1866 August 13.
13 aoüt 1866.
Dear Fred,
Lenchen kam Sonnabend zu spät auf die Post, um die zwei
„ Zeilen fortzuschicken, worin ich den Empfang der £ 10 mit
bestem Dank angezeigt.

Du mußt entschuldigen, wenn ich heut keinen Brief schreibe.
[ch habe die dringendsten Geschäfte auf dem Hals. Dem Lafargue
habe ich heute langen französischen Brief geschrieben, worin ich

» ihm anzeige, daß ich von seiner Familie des renseignements posi-
tifs über seine ökonomischen Verhältnisse haben muß, bevor die
Sache weitergehn oder sich zu einem arrangement entwickeln kann.
Ein Brief, den er mir gestern von einem berühmten französischen
Arzt in Paris mitteilte, spricht für ihn.

Der Titel des Buchs: „P. Tremaux: Origine et Trans-
formations de l’Homme et des Etres, Premidre Par-
tie Paris (Librairie de L. Hachette) 1865.“ Der zweite Teil
;st noch nicht erschienen. Keine Planches. Die geologischen maps
des Manns sind in seinen andern Werken.

Einliegend Wisch von Liebknecht. Ich schicke Dir auch seine
Zeitungen, die keinen Schuß Pulver wert sind.

Salut! Dein K. M.

TA

Ich werde auch die Hauptschrift des Pariser, oben erwähnten
mödecin bekommen und Dir zur Mitteilung schicken, sobald ich’s
u selhst gelesen.

7 Q— 17
        <pb n="404" />
        358 (997) 1866 Aug. 23

997. Marx an Engels; 1866 August 23.

London, 23. August 1866.
Dear Fred,

Heut nur ein paar Zeilen. Die Sache mit Lafargue ist so weit
arrangiert, daß der Alte mir aus Bordeaux geschrieben, bei mir
angefragt um den Titel eines promesso sposo für seinen Sohn,
sehr günstige ökonomische Bedingungen gestellt hat. Außerdem
selbstverstanden, daß Lafargue jeune erst sein Doktorexamen in
London und dann in Paris zu machen, bevor ans Heiraten zu
denken. So far the thing is settled. Ich habe aber noch gestern 10
unsrem Kreolen mitgeteilt, daß, wenn er sich nicht zu englischen
Manieren down kalmieren kann, Laura ihn ohne Umstände an die
Luft setzen wird. Dies muß 'er sich völlig klar machen, oder es
wird Nichts aus der Sache, Er ist ein kreuzguter Kerl, aber enfant
zäte und zu sehr Naturkind.

Laura erklärt, daß, bevor sie sich förmlich verlobt, Dein con-
sent da sein muß.

Ich habe‘ hier und da neue Karbunkelanfänge, aber sie ver-
schwinden immer wieder, zwingen mich aber, meine Arbeits-
stunden sehr within limits zu halten.

Beste Grüße an Lizzy.

Salut.

7.

Dein K. M.

998. Marx an Engels; 1866 September 26.
26. September 1866.
Dear Fred, 2

Einliegend Quittung für Moore; (ich erhielt gestern erst die
Quittung von Dell).

Herr Lawyer, der Landlord, hat mir auch Brief geschrieben,
daß am 2, Oktober die 3 Quartale (46 £) fällig sind. Ich habe
noch keinen Farthing von Holland erhalten und kann also nicht z
darauf rechnen.

In Demonstration gegen die Herrn Franzosen — die alle Leute
außer „travailleurs manuels“ ausschließen wollten, erst von der
Mitgliedschaft der International Association, .dann wenigstens
von der Fähigkeit, als Delegierter zum Kongreß gewählt zu wer- ss
den — schlugen all die Engländer mich gestern zum Präsi-
denten des Central Council vor. Ich erklärte, die Sache
unter keinen Umständen annehmen zu können und schlug
meinerseits Od ger‘) vor, der dann auch wieder gewählt wurde,
obgleich Einige trotz meiner Erklärung für mich stimmten. Du- zo

1) Im Orig. Odgers
        <pb n="405" />
        _359
pont hat mir übrigens den Schlüssel zu Tolains und Fribourgs
Operation gegeben. Sie wollen 1869 als Arbeiter kandidaten
für das Corps Legislatif auftreten, unter dem „Prinzip“, daß nur
Arbeiter die Arbeiter vertreten können. Es war daher äußerst
wichtig für die Herrn, dies Prinzip durch den Kongreß prokla-
miert zu haben.

In der gestrigen Sitzung des Central Council gab es allerlei
dramatische Szenen. Herr Cremer z. B. fiel aus den Wolken, als
statt seiner Fox zum Generalsekretär ernannt wurde. Er bändigte

no seine Wut nur sehr mühvoll. Andre Szene, als Herrn Le Lubez
sein Ausschluß aus dem Central Council par decret des Kongresses
offiziell mitzuteilen war. Er machte der bedrängten Seele in einer
stundenlangen Rede Luft, worin er Gift und Galle auf die Pa-
riser spie, sich selbst mit erstaunlicher Hochachtung behandelte

„und allerlei Bedenkliches murmelte von Intrigen, wodurch man
die ihm freundlichen Nationalitäten (Belgien und Italien) vom
Kongreß ferngehalten habe. Er verlangte schließlich — und dies
kömmt nächsten Dienstag zur Diskussion — ein Vertrauensvotum
des Zentralrats.

» Salut.

Dein K. M.

999. Marx an Engels; 1866 Oktober 1.
1. Oktober 1866.
Lieber Engels,

Ich weiß nicht, ob ich Dir in den letzten Zeilen angezeigt, daß
ich einen Wechsel (nicht mehr in der Hand des landlords) für die
Miete zu zahlen habe. Lawyer schrieb, der Wechsel sei am 2. die-
ses, also Morgen fällig. Ich ging gestern zu ihm, da nach meiner
Rechnung die Sache erst am 3. Oktober fällig sein konnte, indem

ich den Wechsel am 1. Juli 3 months ausgestellt, also 3 Tage
Sicht zukommen. Es fand sich denn auch, daß ich Recht hatte.
Die Summe beträgt 46 £ (3 quarters), und ich bin seit vielen
Wochen sans sou, indem die smal sums. die noch via Pfandhaus
zu erlangen waren, aufgehört.

Da ich nun außerdem hard pressed von der in den letzten Mo-
naten wieder akkumulierten täglichen „Zufuhr“ und ich unter
den jetzigen Umständen (Lafargue) mehr als je allen Eclat ver-
meiden muß, würde ich sofort nach dem Kontinent abreisen, um
zu sehn, was ich dort „persönlich“ ausrichten kann. Indes muß

w ich das aufschieben, bis mein Manuskript fertig, so daß ich es
mitholen kann und keine neue Unterbrechung stattfindet.

5

25
        <pb n="406" />
        (999) 1866 Okt. 1

Du entschuldigst mich, daß ich Dich beständig bother und

quäle mit meinen Privatdreck. Ich hatte mich zu sehr auf Emp-
fang holländischen Gelds verlassen.
Dein K. Marx.
Was hältst Du von Moilin?

1000. Engels an.Marx; 1866 Oktober 2.
Manchester, 2. Oktober 1866.
Lieber Mohr,

Daß Du einen Wechsel für £ 46 unterschrieben, hattest Du mir
nicht gesagt, und daher kam es, daß ich Dir gestern nur halbe zo
Noten für £ 40 schickte, heute folgen die fehlenden Hälften
und dazu noch eine Fünfpfundnote J/F 98815, Manchester,
30. Jan. 1865.

Eine andre Fünfpfundnote hat unser Kassier nicht, und zur
Post Office Ordre ist’s zu spät, so daß ich den fehlenden Sovereign z
nicht zulegen kann, indes über diesen Berg wirst Du wohl
wegkommen.

Über Moilin und Trömaux schreib ich dieser Tage ausführ-
licher, letzteren habe ich noch nicht ganz durchgelesen, bin aber
zu der Überzeugung gekommen, daß an seiner Theorie schon des- %
wegen nichts ist, weil er weder Geologie versteht noch der ordinär-
sten literarisch-historischen Kritik fähig ist. Die Geschichten von
dem Nigger Santa Maria und von der Verwandlung der Weißen
in Neger sind zum Kranklachen. Namentlich, daß die Traditionen
der Senegalnigger unbedingten Glauben verdienen, grade weilz
die Kerle nicht schreiben können! Außerdem ist
hübsch, die Unterschiede zwischen einem Basken, einem Fran-
zosen, einem Bretonen und einem Elsasser auf die Bodenformation
zu schieben, die natürlich auch daran schuld ist, daß die Leute
vier verschiedne Sprachen sprechen.

Wie sich der Mann das erklärt, daß wir Rheinländer auf unsrem
devonischen Übergangsgebirge (das seit lange vor der Kohlen-
formation nicht wieder unter dem Meere war) nicht längst Idioten
und Nigger geworden sind, wird er vielleicht im 2ten Band nach-
weisen oder aber behaupten, wir seien wirkliche Nigger. 35

Das Buch ist gar nichts wert, reine Konstruktion, die allen Tat-
sachen ins Gesicht schlägt, und für jeden Beweis, den es anführt,
selbst erst wieder einen Beweis liefern müßte.

Beste Grüße an die ladies.

Dein FF. E.
        <pb n="407" />
        (1001) 1866 Okt. 3,

361

1001. Marx an Engels; 1866 Oktober 3.
3. Oktober 1866.
Lieber Engels,

Aus dem einliegenden Wechsel kannst Du abnehmen, welche
Abenteuer ich heut und gestern hatte. Gestern war nicht der Ver-
falltag, wie Lawyer gesagt hatte. Der Aufschub von einem Tag
wäre unter andern Umständen angenehm gewesen, wurde aber
unter gegebnen Umständen bös. Als gestern Dein Brief kam, ging
ich sofort, da nichts zu versetzen, zu unserm Bäcker Whithers

w und pumpte 1 £ von ihm, Aber nun kömmt heut Morgen der
Wechsel und sind es 48 £ 15 d., statt, wie ich glaubte, 46 £. Es
war natürlich mein Fehler, daß ich mir die Summe nicht notiert
hatte. Ich glaubte, Lawyer hätte die von mir gezahlte und auch im
vorigen Wechsel nicht abgezogene Proprietor Tax (die gesetzlich

15 auf ihn fällt) abgezogen. Dem war nicht so. (Die ganze Geschichte
geht ihm also für das nächste Quartal ab.) Daher mein Irrtum mit
den £ 46. Heut Morgen um 9 Uhr ward der Wechsel schon prä-
sentiert und ich entdeckte mit Horror, daß ich um 2 £ 15 dd. zu
kurz war. Que faire? Ich sagte dem Billpräsentierer, er solle war-

„ten (bei uns), ich müßte Geld wechseln gehn. Es blieb nichts
übrig, als zu dem braven Bäcker zurückzukehren, der ein sehr
langes Gesicht schnitt, indem ich von wegen seiner Naturalliefe-

rungen hoch in der Kreide stehe. Indes exekutierte er sich.

Ad vocem Tr6maux: Dein Urteil, „daß an seiner ganzen

» Theorie nichts ist, weil er weder Geologie versteht noch der
ordinärsten literarhistorischen Kritik fähig ist“, kannst Du fast
wörtlich bei Cuvier in seinem „Discours sur les Revolutions
du Globe“ gegen die Lehre von der Variabilite des espices wieder
finden, wo er sich lustig macht u. a. über deutsche Naturphanta-
w sten, die Darwins Grundidee ganz aussprac hen, so wenig
sie dieselbe beweisen konnten. Dies verhinderte jedoch nicht,
daß Cuvier, der ein großer Geolog und für einen Naturalisten
auch ein ausnahmsweiser literarhistorischer Kritiker war, im Un-
recht und die Leute, die die neue Idee aussprachen, im Recht.

ı Trömaux’ Grundidee über den Einf 1uß des Bodens (ob-
gleich er natürlich historische Modifikationen dieses Einflusses
nicht veranschlagt, und zu diesen historischen Modifikationen
rechne ich selbst auch die chemische Veränderung der Boden-
decke durch Agrikultur etc., ferner den verschiednen Einfluß,

w den unter verschiednen Produktionsweisen solche Dinge wie Koh-
lenlager usw. haben) ist nach meiner Ansicht eine Idee, die nur
ausgesprochen zu werden braucht. um sich ein für allemal
        <pb n="408" />
        362
Bürgerrecht in der Wissenschaft zu erwerben, und dies ganz un-
abhängig von Trömaux’ Darstellung.

Salut.

_ (1001) 1866 Okt. 3

Dein K. Marx.

1002, Engels an Marx; 1866 Oktober 5.

Manchester, 5. Oktober 1866.
Lieber Mohr,

Die Naivität, Wechsel auf sich laufen zu haben und den Be-
!rag nicht zu wissen, erheitert mich; indes ist’s gut, daß die Diffe-
renz nicht größer und der gute Bäcker in der Nähe war. Damit Du ze
diesem braven Mann sogleich das Betreffende zurückzahlen und
so den Kredit erhalten kannst, lege ich Dir £ 5 J/F 59667, Man-
chester, 30. Jan. 1865, bei, sowie den bezahlten Wechsel retour.

Ad vocem Tremaux. Als ich Dir schrieb, hatte ich allerdings
erst den dritten Teil des Buchs gelesen, und zwar den schlechte- ıs
sten (im Anfang). Das zweite Drittel, die Kritik der Schulen, ist
weit besser, das dritte, die Konsequenzen, wieder sehr schlecht.
Der Mann hat das Verdienst, den Einfluß des „Bodens“ auf die
Rassen- und folgerichtig auch Speziesbildung mehr hervor-
gehoben zu haben, als dies bisher geschehen ist, und zweitens über 20
die Wirkung der Kreuzung richtigere (obwohl meiner Ansicht
nach auch sehr einseitige) Ansichten als seine Vorgänger ent-
wickelt zu haben. Darwin hat nach einer Seite hin in seinen
Ansichten über den verändernden Einfluß der Kreuzung

auch Recht, wie dies Tr[6maux] übrigens stillschweigend aner- z
kennt, indem er, wo es ihm konveniert, die Kreuzung auch als
Mittel der Veränderung behandelt, wenn auch als schließlich aus-
gleichendes, Ebenso haben” Darwin und Andere den Einfluß des
Bodens nie verkannt, und wenn sie ihn nicht speziell hervor-
gehoben, so geschah es, weil sie nichts davon wußten, wie die- zo
ser Boden wirkt — ausgenommen, daß fruchtbarer günstig, un-
Fruchtbarer ungünstig wirkt. Und viel mehr weiß Tr[&amp;maux]
auch nicht. Die Hypothese, daß der Boden überhaupt günstiger
für Entwicklung höherer Spezies werde im Verhältnis wie er
neueren Formationen angehört, hat etwas ungeheuer Plausibles 35
und kann oder kann nicht richtig sein, wenn ich aber sehe, mit
welchen lächerlichen Beweisstücken Trl&amp;maux] sie zu belegen

sucht, von denen */ auf unrichtigen oder verdrehten Tatsachen

beruhen und das letzte */,0 nichts beweist, so kann ich nicht um-

hin, auch von dem Urheber der Hypothese her auf diese selbst «

meinen großen Verdacht zu werfen. Wenn er aber nun weiter
1) Im Orig. hat
        <pb n="409" />
        (1002) 1866 Okt. 5

363
den Einfluß des jüngeren oder älteren Bodens, korrigiert durch

die Kreuzung, für die alleinige Ursache der Veränderungen

organischer Spezies resp. Rassen erklärt, so sehe ich platterdings
keinen Grund, dem Manne so weit zu folgen. im Gegenteil sehr

; viele Einwände dagegen.

Du sagst, Cuvier habe auch den deutschen Naturphilosophen
Unkenntnis der Geologie vorgeworfen, als sie die Veränderlich-
keit der Spezies behaupteten, und sie hätten doch Recht behalten.
Die Sache hatte aber damals mit der Geologie nichts zu tun; wenn

vo aber Jemand eine auf Geologie ausschließlich begrün-

dete Theorie der Speziesveränderung aufstellt und doch solche
geologische Schnitzer macht, die Geologie ganzer Länder (z. B.
Italiens und selbst Frankreichs) verfälscht und den Rest
seiner Beispiele aus denjenigen Ländern zieht, von deren Geologie

s wir so gut wie gar nichts wissen (Afrika, Zentralasien etc.), so ist
das doch ganz etwas Anderes, Was speziell die ethnologischen
Exempel angeht, so sind diejenigen, die überhaupt von bekannten
Ländern und Völkern handeln, fast ohne Ausnahme falsch, ent-
weder die geologischen Prämissen oder die daraus gezogenen

x» Schlüsse — und die vielen entgegenstehenden Exempel läßt er
ganz aus, Z. B. die Alluvialebenen im innern Sibirien, das enorme
Alluvialhassin des Amazonenflusses, das ganz alluviale Land
züdwärts vom La Plata bis beinahe an die Südspitze Amerikas
(östlich von den Kordilleren).

» Daß die geologische Struktur des Bodens mit dem „Boden“,
worauf überhaupt etwas wächst, sehr viel zu tun hat, ist eine alte
Geschichte, ebenso, daß dieser vegetationsfähige Boden auf die
Pflanzen- und Tierrassen, die darauf leben, einen Einfluß übt.
Daß dieser Einfluß bisher‘'so gut wie gar nicht untersucht worden

» ist, ist auch richtig. Aber von da bis zu der Theorie Tremaux’ ist
ein kolossaler Sprung. Es ist jedenfalls ein Verdienst, diese bis-
her vernachlässigte Seite hervorgehoben zu haben, und wie ge-
sagt, die Hypothese von dem entwicklung-fördernden Ein-
fluß des Bodens im Verhältnis je nachdem er geologisch älter oder

neuer ist, mag innerhalb gewisser Grenzen richtig sein
(oder auch nicht), aber alle weiteren Schlüsse, die er zieht, halte
ich für entweder total unrichtig oder heillos einseitig übertrieben.

Das Buch von Moilin hat mich namentlich wegen der von den
Franzosen durch Vivisektion erlangten Resultate sehr interessiert;
wo es ist der einzige Weg, die Funktionen bestimmter Nerven und
die Wirkungen ihrer Störung festzustellen; die Kerle scheinen
die Tierquälerei bis zu einem hohen Grad der Vervollkommnung
gebracht zu haben, und ich kann mir die heuchlerische Wut der
Engländer gegen Vivisektion sehr gut erklären, diese Experimente

« kamen den schlafmützigen Herren hier gewiß oft sehr unange-
        <pb n="410" />
        364

(1002) 1866 Okt. 5
nehm und warfen ihre Spekulationen um. Was sonst Neues in der
Theorie der Entzündungen ist, kann ich nicht beurteilen (ich will
Gumpert das Buch geben), doch scheint diese ganze neue franzö-
sische Schule einen gewissen burschikosen Charakter zu haben,
gern viel zu behaupten und es mit dem Beweisen leichter zu
nehmen. Was die Medikamente betrifft, so ist nichts darin, was
nicht jeder vernünftige deutsche Arzt auch weiß und annimmt;
M[oilin] vergißt bloß, daß man 1. oft genötigt ist, das kleinere
Übel, die Medizin, zu wählen, um das größere zu entfernen, näm-
lich ein Symptom, das durch sich selbst eine direkte Gefahr er- ı
zeugt, ebensogut wie man chirurgisch auch Gewebe zerstört, wo
es nicht anders angeht, und 2., daß man sich eben an die Medi-
kamente halten muß, solange man nichts Besseres hat. Sobald
Moilin] mit seiner Elektrizität die Syphilis kurieren kann, wird
das Quecksilber bald verschwinden, bis dahin aber schwerlich. ıs
Übrigens soll mir kein Mensch mehr davon sprechen, daß die
Deutschen das „Konstruieren“ von Systemen allein könnten, the
french beat them hollow at that.
Beste Grüße.
Dein

F. E.

1003. Marxtan Engels; 1866 November 8.

8. November 1866.
Lieber Engels,

Mein Schweigen wird Dir aufgefallen sein. Ich glaubte, der
Empfang der £ 5 sei Dir angezeigt, da Laura es übernommen z:
hatte, aber, wie sich später herausstellte, zu tun vergaß. Im
Übrigen waren es verzweifelte Umstände, die mich vom Schrei-
ben abhielten. Du weißt, daß die 10 £, die Du mir vor Deiner
Abreise schicktest, nur für Steuerzahlungen waren, die späteren
50 £ für Hausrente. Ich befinde mich also seit Monaten blank. zo
Die sogenannte Erbschaft fand sich wenigstens unter 20 Leute
verteilt, und so kamen” mir für meinen Teil Anfang Sommer
— 80 Taler! zu. Meine Versuche, Geld in Deutschland oder
Holland aufzutreiben, sind alle gescheitert. Das Pfandhaus (und
meine Frau hat so sehr alles versetzt, daß sie selbst kaum aus- ss
gehn kann) erinnert an sich nur noch durch die Zinsen, die es
verlangt. Ich hatte daher, wie in der schlechtesten Flüchtlings-
zeit, kleine Summen rechts und links in London zu pumpen — und
dies: in einem beschränkten und selbst mittellosen Kreis —, um
auch nur die allernötigsten baren Ausgaben zu machen. Andrer- x
1) Im Orig. kam

Z. 25 (da) —26.
        <pb n="411" />
        seits sind die Hauslieferanten drohend, und ein Teil hat den Kre-
dit aufgekündigt und mit Gericht gedroht. Diese Zustände um 80
fataler, als Lafargue (bis vor seiner Abreise nach Bordeaux vor
einigen Tagen) fortwährend im Haus und der real state of things
ihm ängstlich verborgen werden mußte. Ich bin durch alles das
nicht nur sehr in der Arbeit unterbrochen worden, sondern habe
mir auch, da ich die bei Tag verlorene Zeit bei Nacht wieder auf-
machen wollte, einen schönen Karbunkel nicht weit vom penis
zugezogen. Ich weiß nun, daß Du alles in Deinen Kräften und
o mehr getan hast. Aber es muß Rat irgend einer Art geschaffen
werden. Ist nicht die Aufnahme eines loan oder irgend einer
Jerartigen Transaktion möglich?
Salut.

(1008) 1866 Nov. 8

365

Dein K. M.

1004. Marx an Engels; 1866 November 10.
10. November 1866.
Lieber Engels,

Meinen besten Dank für Deine schnelle Hilfe und ditto den
Portwein. Ich kenne Deine Verhältnisse ganz genau, und das
macht mir meine eigne pressure auf Dir doppelt peinlich. Diese

„Sache muß natürlich endlich aufhören, aber das ist erst möglich,
sobald ich nach dem Kontinent und dort persönlich agieren kann.

Nächste Woche geht der erste batch Manu-
skript an Meißner endlich ab. Es war wirklich in die-
sem Sommer und Herbst nicht die Theorie, die die Verzögerung

„ bewirkt, sondern die körperlichen und bürgerlichen Verhältnisse.
Es sind jetzt grade 3 Jahre, daß der erste Karbunkel operiert
wurde. Seit der Zeit hat das Zeug nur in kurzen Intervallen auf-
gehört und von allen Arbeiten sind, wie Dir auch Gumpert
sagen wird, rein theoretische am unpassendsten. wenn man die-

„sen Teufelsdreck im Leib hat.

Was den jetzigen Kerl betrifft, so wird er in Zeit von about
14 Tagen wegkuriert sein. Ich kenne die Behandlungsweise jetzt
ganz genau und habe auch wieder mit dem Arsenik begonnen.

Dies in aller Eile. Dein K. Marx.

7 3 (Lafargue)—5 (ihm)
        <pb n="412" />
        366

_ (1005) 1866 Nov. 11
1005. Engels an Marx; 1866 November 11.
86 Mornington Street,
11. November 1866.
Lieber Mohr,

Besten Dank für die Free Press, Kannst Du mir die No. von
August und September schicken? Ich habe sie nicht be-
kommen.

Inliegend die 2ten Hälften der 30 Pfund. Ich schickte Dir
gern mehr, aber ich kann’s wahrhaftig nicht. Ich will sehn, was
ich nächsten Monat tun kann, und am 31. Dezember werden wir ı
wieder Bilanz machen; wenn die gut ausfällt, so läßt sich auch
wohl noch was machen.

Die Anzeige, daß Manuskript abgegangen ist, wälzt mir einen
Stein von der Seele. Endlich also ein commencement d’execution,
wie der Code penal sagt. Hierfür trinke ich ein besondres Glas 1
auf Dein spezielles Wohl. Das Buch hat sehr viel dazu beige-
tragen, Dich kaputt zu machen, ist es erst abgeschüttelt, so wirst
Du auch wieder ein ganz andrer Kerl werden.

Ich hoffe, der Birch hat den Port gestern noch abgeschickt,
bin aber dessen nicht so sicher, jedenfalls aber kommt er Mon- 20
tag Abend oder Dienstag Morgen sicher an.

Die Preußen bleiben Preußen. Dafür, daß Twesten und Fren-
zel für die Indemnität gestimmt, werden sie wegen Kammerreden
belangt. Man begreift solche Dummheit nicht, aber sie ist eben
Prinzip. Die Wut der F rankforter Borjer dauert noch immer fort, 25
sie spielen jetzt Polen, gehn in Trauer und tragen Krawatten mit

den Frankfurter Landesfarben. Ein preußischer Leutnant kam
in Sachsenhausen in ein Wirtshaus, wo alles besetzt war. An einer
Ecke stand Jemand auf und ging fort, worauf sein Nachbar dem
Leutnant den leeren Stuhl zeigte, der aber dankte: er setze sich zo
nicht gern auf einen warmen Stuhl. OÖ, sagte der andere, davor
brauchen Sie nicht bange zu sein, seit die Preußen hier sind, geht
uns Allen der Arsch mit Grundeis.

Über die Reichskriegsführung habe ich die wunderbarsten Ge-
schichten hier gehört von Augenzeugen. Solche Sachen sind noch 35
nie dagewesen, Z. B. bei Höchst sollten die Nassauer eine Brücke
über den Main schlagen. Nachdem sie einmal wegen Sturms
(ein Sturm auf dem Main! ) nicht zu Stande gekommen waren,

fanden sie beim 2ten Versuch, daß sie zu wenig Pontons
hatten und nur halb über den Main wegbrücken konnten. Sie «
schrieben also nach Darmstadt, man solle ihnen einige Pontons
pumpen, die dann auch endlich ankamen, und so wurde die Brücke
über den forchterlichen Strom fertig. Gleich drauf bekommen
        <pb n="413" />
        5
die Nassauer Befehl zum Abmarsch nach Süden. Sie lassen die
Brücke stehn, ganz unbesetzt, und empfehlen sie nur der Obhut
eines alten Schiffers, der sehen sollte, daß sie nicht den Main hin-
untertriebe. Nach wenigen Tagen kamen die Preußen, nahmen

; die fertige Brücke in Besitz, verschanzten sie und marschierten
darüber!

Dein FF. E.

1006. Marx an Engels; 1866 Dezember 8.
8. Dezember 1866.
Lieber Fred,

Meißner hat noch nicht mit dem Druck begonnen, da er andre
Sachen erst abmachen wollte. Ich erwarte einen Brief von ihm
nächsten Montag. Im Ganzen war mir die Verzögerung keines-
wegs fatal, da ich den Karbunkeldreck erst seit ein paar Tagen

„ wieder los bin und außerdem die Herrn Gläubiger mich in einer
wahrhaft erbaulichen Manier hetzen. Ich bedaure nur, daß Pri-
vatpersonen nicht mit demselben Anstand can file their bills for
Ihe Bankruptcy Court wie Kaufleute.

Vor einiger Zeit erschien im Kladderadatsch in einer schlech-

„ten Pasquinade über Collins „the woman in White“ ein groß-
gedruckter Hieb auf die Schwefelbande. Der elende Bett-
ziech” ist der Verfasser dieses Drecks, und es sollte mich nicht
wundern, wenn die Ordre von Kinkel oder Hatzfeldt ausginge.
Ich bezweifle auch nicht, daß das Saumensch die Arrestation des

» Liebknecht veranlaßt hat.

Die Saupreußen agieren grad so, wie wir es wünschen müssen.
Ohne Köpfen geht das Ding nicht.

Salut. Dein K. M.

1007. Marx an Engels; 1866 Dezember 12.

Üe

London, 12. Dezember 1866.
Dear Fred.

Du wirst gesehn haben, daß das estimate wegen des cotton sich
stützt auf Vergleich zwischen Export und Import für 1862, 1863,
1864. Die Schlußfolgerung von wegen des” 1. Januar
1862 im United Kingdom vorhandnen Vorrats von
raw cotton + cotton manufactures (ich glaube, den

1) Im Orig. Betzig

2) Im Orig. der
        <pb n="414" />
        3683

letzteren Zusatz vergaß ich im Brief an Dich) hängt also ganz
von der Richtigkeit der Prämissen ab. Die Data beruhn auf Re-
port der Messrs, Ellison and Ha ywood. Die nackten Zif-
fern sind folgende:

Statistics of Cotton in the United Kingdom
1862, 1863, 1864.
1862 1863 1864 For 8 years

(1007) 1866 Dez. 12

Cotton Imported

Ditto Exported

Available to Consumption
Waste in Spinning

Egl. to Production in Yarn
Total

533 176
216 963
316 213

53 756
262 457

591 847
260 934
130 913

64 637
366 276

[mport
896 770
24.7 194
649 576

90 940
558 636

thousand. of lbs,

1187 369

Yarn
Piece goods eto.
Total

Export

88 554 70678 171951 .

324128 , 321561 332048 |
412 682 | 392 239 | 403 399 | 1.208 920
Der Arsenik wirkt famos. Du weißt, daß ich vor about 6 Wochen
so etwas Karbunkelmäßiges fühlte, und seit da habe ich das Ar- z
seniksaufen wieder begonnen und bin immer noch daran. Es
ist in der Tat zu nichts gekommen als beständigen kleinen An-
sätzen, die aber ebenso beständig wieder verschwinden. Seit Jah-
ren nun fing die Sache immer Oktober an und stand Januar in
voller Blüte. Es scheint also, daß ich dieses Jahr davon komme z%
und nur grade so viel Spur der Krankheit wiedererschien und
erscheint, als nötig war, um mich zum Arseniksoff zu bestimmen.

In seiner letzten Rede in Edinburgh, worin Huxley wieder
materialistischer als in den letzten Jahren auftritt, hat er sich auch
wiederum eine neue Hintertür geöffnet, Solange wir wirklich
beobachten und denken, können wir nie aus dem Materialismus
hinaus, Aber alles das kömmt heraus auf Beziehung von Ursache
und Wirkung, und „Euer großer Landsmann Hume“ hat ja be-
reits bewiesen, daß diese Kategorien mit den Dingen an sich nichts
zu tun haben. Ergo steht Euch frei, zu glauben, was Ihr wollt. ss
Q. e.d.

Salut.
Dein

K. M.

1008, Engels an Marx; 1866 Dezember 14.
Manchester, 14, Dezember 1866.
Lieber Mohr,
Du glaubst gar nicht, wie überlaufen ich jetzt bin von aller-
hand Volk. Junge Leute, von Kunden empfohlen, die Stellen hier

El
        <pb n="415" />
        369
suchen; Agenten oder solche, die es werden wollen; dazu diese
Woche noch mein liebenswürdiger Neffe Blank, der sich in Lon-
don festgesetzt hat — SO geht das in Einem fort, und Du begreifst,
wie schwer man dabei zum Schreiben kommt. Dazwischen kommt
dann manchmal auch so einer hergelaufen, wie der Schreiber des
inliegenden Briefs 1, und setzt mir die Pistole auf die Brust. Als
ich den Brief las, wußte ich gleich, wer mir diesen Biedermann
auf den Hals geschickt hatte, nämlich der brave Dr. Rode”, und
der Biedermann bestätigte mir dies auch, als er mir auf die
2 Bude stieg. Dieser unverschämte Rode”) erlaubt sich sonderbare
Geschichten gegen mich. Erst macht er mir den abgeschmack-
testen Krakeel mit Klings, nachdem dieser hier gewesen war, und
dann kommt es sogar so weit, daß er mir solche Leute auf den
Hals schickt und sie auf mich als den Kassierer der ganzen Flücht-
ıs lingschaft anweist. Wenn mir noch einmal so was von dem Kerl
passiert, so kann er sich darauf verlassen, daß er Freude an mir
erleben wird. Warum läßt er mich nicht in Ruh, ich kenne ihn ja
gar nicht?
Die Saupreußen operieren allerdings ganz ausgezeichnet. So
» dumm hätte ich sie mir doch nicht vorgestellt, aber man kann sie
sich wirklich nicht dumm genug vorstellen. Desto besser. Die
Sache ist doch einmal im Gang, und um so eher gibt’s Revolution,
und diesmal sicher nicht ohne Köpfen, wie Du sagst.
Das Comptoir wird zugeschlossen, und ich muß auch schlie-
25 ßen. Inliegend zwei Fünfpfundnoten:
; S Sdsg | Manchester, 26. Jan. 1866.
Es ist Alles, was ich riskieren kann zu schicken, ehe ich weiß,
wie ich stehe, was ich nicht nachsehen kann, bis die Bücher auf-
z geschrieben sind.
Beste Grüße an Deine Frau und Kinder.
Dein

F. E.

1009. Marx an Engels; 1866 Dezember 17.
17. Dezember 1866.
Dear Fred,
Thanks for the £ 10,
Was den Rode angeht, so hat er die Manie politischer Ver-
bindungen und Wichtigtuerei. Da diese Manie Dir lästig — und
iustly so —, so schreib ihm bei der nächsten Gelegenheit, daß Du
1) C. Hossfeld
2) Im Orig. Rhode
\arx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt. Bd. 3
7 96—27.
        <pb n="416" />
        (1009) 1866 Dez. 17
nicht die Ehre hast, ihn zu kennen und Dir dergleichen liberties
verbittest,

Die „Revue des deux Mondes“ und „Revue Contemporaine“‘
hatten zwei ausführliche Artikel über die „International“, worin
sie und ihr Kongreß als eines der bedeutendsten Ereignisse des
Jahrhunderts behandelt wird. In Folge dessen ähnlich die „Fort-
nightly Review‘. Unterdes sind wir faktisch gelähmt by want of
funds und selbst of men, indem alle Engländer durch das Re-
form movement ganz absorbiert sind. Die französische Regierung
(heureusement) fängt an, uns feindlich zu behandeln. Eine unsrer
zweideutigen acquisitions war der Eintritt (at New York) von
headcentre Stephens.

War die Allokution des Papstes an die französischen officers
nicht famos? Nur ein italienischer Priester konnte dem Bona-
parte unter der Form von blessing solche Fußtritte vor ganz x
Europa geben.

Es ist höchst charakteristisch für den status rerum, daß Bona-
parte und Wilhelm der Erobrer beide nicht ganz richtig im ober-
sten Department. Der letztere glaubt an eine besondre ihm von
Gott Allerhöchstselbst aufgetragne Mission, und den erstern hat 2
Mexiko und Bismarck so turned topsy-turvy, daß es ihm positiv
von Zeit zu Zeit rappelt.

Glaubst Du nicht auch, daß es wenigstens noch ein Jahr Friede
bleibt (natürlich von accidents wie Bonaplarte]s Tod etc. abge-
sehn)? Die Kerls brauchen doch alle Zeit für die conversion und 2:
production of arms?

Von Herrn Meißner noch keine Silbe. Ich unterstelle, daß
jetzt, Schluß des Jahrs, der Geschäftsdrang sehr groß bei ihm ist.
Im Übrigen bürgt mir der Kontrakt gegen etwaige Sprünge. In
der zweiten, emendierten und definitiven Form enthält der zo
Kontrakt no stipulation whatever as to the term for which the
manuscript is to be ready, Wenn übrigens bis Morgen keine Ant-
wort kommt, schreibe ich wieder.

Es wäre mir sehr lieb, da Du doch Kredit bei einem Buch-
händler quelconque hast, und ich in diesem Augenblick keinen 3:
farthing can spend für Bücher, wenn Du mir so rasch als
möglich verschafftest: „I. E. Th. Rogers: A History
of Agriculture“. Ich muß das Buch durchaus ansehn und
habe in einem Kapitel deswegen eine Lücke gelassen. Obgleich
schon seit längerer Zeit heraus, ist es noch nicht auf der Bibliothek. 4
Auch nicht bei Mudy, wie Eccarius, dem der Commonwealth dort
ein Abonnement nahm, versichert hat.

Salut. Dein K. M.

370
        <pb n="417" />
        (1010) 1866 Dez. 21
1010. Engels an Marx; 1866 Dezember 21.
Manchester, 21. Dezember 1866.

371

Lieber Mohr,
Ich glaube auch, daß die Leute in Westeuropa ihr Möglichstes
‚tun werden, um im nächsten Jahr und bis die Bewaffnung mit
Hinterladern allgemein ist, den Frieden zu erhalten. Ob aber
die Russen nicht grade diesen Zeitpunkt für angemessen halten,
um mit Bismarcks Hülfe Östreich klein zu kriegen, Galizien zu
annexieren und die Türkei in einen Haufen kleiner Slawenstaaten
„ aufzulösen, ist eine andre Frage. In Frankreich übrigens kann
auch der Fall eintreten, wo ein Krieg nötig wird — von wegen
dieser Armeeorganisation, denn ohne Krieg setzt unser braver
Boustrapa das nicht durch. Der Kerl ist durch den letzten Krieg
in ein komisches Dilemma geraten: entweder er läßt alles beim
„ Alten und ist dann kein match mehr für Preußen, oder er führt
die Sache durch, und dann bricht er sich den Hals erstens durch
die kolossale Unpopularität und zweitens dadurch, daß er die
Armee vollständig entbonapartisiert. Von dem Augen-
blick an, wo irgend eine Art allgemeiner Wehrpflicht in Frank-
x reich eingeführt wird, hört das Prätorianertum von selbst auf,
und die 25—30% re-enlisted fellows, die jetzt in der französischen
Armee dienen, verschwinden zum größten Teil. Da indes Stell-
vertretung bleibt, so ist Herr Bonaparte diesmal in dem komi-
schen Fall, sich auf die Bourgeoisie gegenüber den Bauern
» stützen zu müssen. Der Gang der Geschichte ist aber auch ganz
unverschämt rücksichtslos gegenüber diesem Edlen, und es ist
Ihm zu verzeihen, wenn er an Gott und der Welt irre wird. Ich
hoffe, er macht es wie ich und liest seinen Horatium zur Auf-
Frischung: justum ac tenacem propositi virum usw, Der alte Ho-
» raz erinnert mich stellenweise an Heine, der sehr viel von ihm
gelernt hat, auch au fond ein ebenso kommuner Hund politice
war. Man denke sich den Biedermann, der den vultus instantis
tyranni herausfordert und dem Augustus in den Hintern kriecht.
Sonst ist der alte Schweinigel doch auch sehr liebenswürdig.
Das Buch werde ich Dir womöglich nächste Woche besorgen.
Den Artikel der Rl[evue] dies dieux} Mlondes] und Fort-
nigthly habe ich noch nicht nachlesen können, ist aber sehr er-
freulich. Revue Contemploraine] existiert hier nicht.
Wehner, der neulich in Deutschland war, erzählt folgende
„ Anekdote, die Bennigsen (der Nationalvereinler) selbst erzählt
hat: Als Bennligsen] seine Zusammenkunft vor dem Krieg mit
Bismarck hatte, setzte dieser ihm seine ganze nationalvereinliche
deutsche Politik auseinander, worauf Bennigsen frug, wie es denn
74%

7 97 (Ich) —34.
        <pb n="418" />
        372 ]

(1010) 1866 Dez. 21
komme, daß er, um diese auszuführen, den komplizierten Weg
eines Kriegs wähle, statt sich einfach, wie die liberale Phrase geht,
„auf das Volk zu stützen“. Bismarck sah ihn ein paar Augen-
blicke starr an und sagte dann: Können Sie mit einem steifen
Caul über einen Graben springen?

Er brachte auch die Nachricht mit, daß der unglückliche Kron-
prinz, der früher so liberal tat, seit dem Krieg noch viel toller
geworden sein soll als der Alte, was jedenfalls sehr erfreulich ist.

Damit Du während der Feiertage nicht ganz ohne Geld bist,
schicke ich Dir inliegend noch zwei Fünfpfundnoten, 1

M/W 34768, London, 12. Okt. 1866,

I/S 49080, Manchester, 26. Jan. 1866,
in der nicht ganz unbegründeten Hoffnung, daß die Bilanz Ende
des Jahres mich dafür schadlos halten wird.

Viele Grüße an die ladies.
Dein

2)
F.E.

1011. Marx an Engels; 1866 Dezember 31.
31. Dezember 1866.
Dear Fred,

Prost Neujahr! Ditto für Madame Lizzy! Möge der Teufel z
das nächste Jahr Russen, Preußen, Bonaparte und den British
Juryman holen!

Apropos! Die französische Regierung hatte für uns bestimmte
Papiere und Schriften, die nach dem Genfer Kongreß von fran-
zösischen members über die Grenze gebracht wurden, mit Be- 2
schlag belegt und dem Polizeiarchiv annexiert. Wir reklamierten
durch Lord Stanley, Foreign minister, die Sachen als „British
Property“, Und in der Tat, poor Bonaparte hat uns via Foreign
Office alles ausliefern müssen. Ist das nicht hübsch? Er ist her-
untergesimpelt und weiß doch selber nicht wie. &amp;

Ich habe heute eine sehr trübe Nachricht erhalten, den Tod
meines Onkels‘), der ein ausgezeichneter Mann war. Er starb aber
schön, rasch, umgeben von allen seinen Kindern, mit vollem Be-
wußtsein und den. Pfaffen mit feiner Voltairescher Ironie be-
gießend,

Die ganze Familie sendet Dir ihr Prost Neujahr.

Salut. Dein K. M.
1) Zion Philips

=
        <pb n="419" />
        14

Er

1012. Marx an Engels; 1867 Januar 19.
19. Januar 1867.
Lieber Engels,
Meißner, nach langem Schweigen, das er mit Überbeschäf-
tigung entschuldigte, schrieb mir, mein Plan „sei ihm nicht recht“

1. wolle er die 2 Bände auf einmal fertig in Hand haben;

2. nicht nach und nach drucken, da er per Tag einen Druck-

bogen liefern und mir nur die letzte Revision lassen wolle.

„Ich antwortete ihm, ad2 sei mir das gleichgültig, da er in kurzer
Zeit das ganze Manuskript von Band I haben könne. Fange er
später an zu drucken und drucke um so rascher, so bleibe sich das
gleich. Er möge aber wohl bedenken, ob bei einem Buch mit so
vielen Randnoten in verschiednen Sprachen die Art Korrektur,

‚wie er sie wolle, ohne große Verunstaltung durch Druckfehler, zu-
lässig. Ad 1 so sei das unmöglich ohne lange Verzögrung der
ganzen Sache, auch keineswegs in unsrem Kontrakt abgemacht.
Ich setzte ihm die verschiednen Gründe auseinander, habe aber
noch keine Antwort.

Ich kann mich auf den 2. Band, von der Verzögrung abgesehn,
um so weniger einlassen, als ich nach Erscheinen des ersten meiner
Gesundheit wegen Pause machen und überhaupt nach dem Kon-
tinent muß, um zu sehn, ob ich meine Verhältnisse in irgend einer
Weise regeln kann. Diese werden täglich schlimmer und alles

„ droht mir über dem Kopf zusammenzubrechen, Der Bäcker allein
hat 20 £ zu fordern, und alle Teufel von Metzger, Grocer, Taxes
asw. Um das Ganze zu verschönern, erhalte ich vor einiger Zeit
einen Brief von einem Mr. Burton in Torquay, worin dieser mir
anzeigt, er habe das Haus von Lawyers gekauft, und mich 1. wegen
der rückständigen Rente für letztes quarter tritt, 2., da März mein
Kontrakt zu Ende, mich auffordert zu erklären, ob ich das Haus
weiter nehmen will, sei es für längere lease, sei es jährlich. Ich
antwortete zunächst nicht. Darauf erhalte ich gestern zweiten
Brief, ich müsse mich erklären, da sonst sein „agent“ Schritte

ss tum müsse wegen Vermietung an andre, So in a fix.
Was das Körperliche betrifft, so seit einigen Wochen besser,
ein paar kleine Karbunkel an linker Lende. aber ımbedeutend.

in
        <pb n="420" />
        374 (1012) 1867 Jan. 19
Nur schreckliche Schlaflosigkeit, die mich sehr restless macht,
aber wohl mehr psychische Gründe hat.

Thanks für den Rogers. Sehr viel Material darin. Was die
strikefrage oder wenigstens dispute der weavers in Manchester
angeht, so wäre es mir lieb, wenn Du den state of affairs mir präzis
schriebst, da ich es noch aufnehmen kann.

Politik eingefroren und selbst für den russischen Bären zu
kalt. Die Preußen mit ihrer schwarz weiß roten Fahne gut!

Besten Gruß an Mrs. Lizzy.

Was sagt Gumpert von Moilin?

Dein

K. M.

1013. Engels an Marx; 1867 Januar 29.
Manchester, 29, Januar 1867.
Lieber Mohr,

Ich war heut Morgen von Philistern so überlaufen, daß ich ı
nicht dazu kommen konnte, die zweite halbe Note per erste Post
abzuschicken, sie erfolgt hiermit.

Meißner wird sich wohl in Deine Ansicht gefügt haben. Jeden-
falls ist es klar, daß Du nach dem ersten Bande eine 6 Wochen Ruhe
haben mußt und auch sehen, was Du auf dem Kontinent tum z
kannst von wegen Moneten. Ich glaube, wenn Du ihm den Rest
des Manuskriptes persönlich bringst, so wird sich das schon
machen.

Mit den Workingmen and Manufacturers steht es so: Indien
and China, Levante ete. stark überführt, Calicos dafür seit 6 Mo- z
naten fast unverkäuflich. Folgen schwache Versuche der Manu-
facturers einzelner Distrikte, short time zu organisieren. Bleiben
vereinzelt und fallen daher stets zusammen. Inzwischen kon-

signieren die Fabrikanten die Ware nach Indien und China
etc., die ihnen hier Niemand abkaufen will, vermehren also den z
glut. Hierauf wird ihnen doch auch dies zu arg, und endlich pro-
ponieren sie den hands 5% reduction of wages. Darauf Gegen-
vorschlag der hands, 4 Tage. die Woche bloß zu arbeiten. Refus
der Masters-Agitation. Endlich ist es seit 14 Tagen allmählich
und jetzt neuerdings allgemein dahin gekommen, daß die short #6
time überall bei den Fabriken von Geweben und den Spinnereien,
die für sie spinnen, mit 4 Tag pro Woche in Kraft gesetzt ist, und
zwar teilweise mit, teilweise ohne Herabsetzung des Lohns
um 5%. Die Arbeiter hatten also theoretisch Recht und haben
auch praktisch recht behalten. &amp;
Der Schuft Bismarck hat den Schuft Bonaparte schön geprellt
beim Prager Frieden, grade wie Bonaparte die Östreicher bei
        <pb n="421" />
        {1013) 1867 Jan. 29

Villafranca prellte wegen der italienischen vertriebnen Fürsten
qui rentreront dans leurs Etats — aber ohne fremde Trup-
pen. So sagt Bismarck: die süddeutschen Staaten auront une
existence internationale in dependante, aber nur solange sie

‚selbst wollen; von dem Augenblicke an, wo sie sich an uns
anschließen wollen, steht ihnen das ganz frei, sonst wären
sie ja nicht in dependant s! Poor Bonaparte ist kein Korps-
bursche auf deutschen Hochschulen gewesen und hat nie am
Bierkomment Interpretationsstudien gemacht, da ist er dem

» Fhren-Bismarck doch lange nicht gewachsen. In Hannover
herrscht eine furchtbare Wut auf die Preußen, und nicht nur in
der Stadt selbst, sondern noch mehr bei den Bauern, die massen-
weise zur Königin laufen und ihr ihr ganzes Vermögen zur Ver-
fügung stellen.

3 Fs ist viel lächerliche Sentimentalität dabei, vermischt mit Haß
gegen die Leutnants und Gendarmen; dieselben Leute sagen z. B.
selbst, daß die Verwaltung sich sehr gebessert habe usw., aber das
Talent der Preußen, sich verhaßt zu machen, haben sie auch hier
wieder bewährt. Dies hab’ ich von 2 Leuten, die vor Kurzem da

» waren und selbst Annexionisten und Hannoveraner sind.

Wenn es mir möglich ist, komme ich Ende dieser oder nächster
Woche auf ein paar Tage zu Dir, d. h. von Freitag bis Sonntag
Abend. Es darf nur nicht wieder frieren.

Beste Grüße an die ladies.

375

IE

Dein

FE

1014. Marx an Engels; 1867 Februar 21.
21. Februar 1867.
Lieber Engels,
Ich habe das Schreiben von Tag zu Tag aufgeschoben, aber das
„ Feuer brennt mir auf den Nägeln. Ich habe Sonnabend (Über-
morgen) Exekution im Haus von einem Grocer, wenn ich ihm
nicht wenigstens 5 £ zahle.
Ich hatte Extraausgaben, erstens 2 £ für Champagner (kleine
Flasche), da diese Kur Laura vogeschrieben, und 2. ditto für die
ıs Gymnastikschule, wohin ich sie auf ärztlichen Rat wieder hin-
schicken mußte und wo Vorzahlung.
Die Arbeit wird bald fertig sein und wäre es heute, wenn ich
während der letzten Zeit nicht zu sehr herumgehetzt.
Aus dem einliegenden Zettel, den Dr. Kugelmann mir geschickt
„ (und mir unangenehm bei meiner bezweckten Reise). siehst Du
Qriehers Hand.

Dein K. M.

FE
        <pb n="422" />
        376

(1015) 1867 Febr, 25
1015. Marx an Engels; 1867 Februar 25,
25. Februar 1867.
Dear Fred,

Best thanks for £ 20.

Einliegend Brief des Dr. Kugelmann.

[ch kann Dir in diesem Augenblick nur diese wenigen Zeilen
schreiben, weil der Agent des Landlords hier ist, und ich ihm
gegenüber die Rolle des Mercadet in Balzacs Komödie spielen
muß. Apropos Balzac, rate ich Dir, sein: „Le Chef d’(Kuvre In-
connu““ und „Melmoth reconcilie“ zu lesen. Es sind zwei kleine z
shefs d’@uvres, voll köstlicher Ironie.

Salut.
Dein

K. M.

1016. Engels an Marx; 1867 März 13.
Manchester, 13. März 1867.
Lieber Mohr,

Ich habe Dir teilweise durch allerlei Verhinderung, teilweise
aber auch halb absichtlich nicht geschrieben, da ich den Termin
vorübergehn lassen wollte, in welchem „das Buch“ fertig werden
sollte, und hoffe nun, daß dasselbe fertig ist. Wann wirst Du also zo
zu Herrn Meißner hingehn? Ich gebe Dir dann auch eine An-
weisung mit, um das Honorar meiner vorigen Broschüre zu er-
heben.

Apropos derselben haben sich die Herren Lassallianer jetzt
überzeugen können, wie recht ich hatte in dem, was ich über die z:
Wirkung des allgemeinen Stimmrechts gesagt habe, und über die
Macht, die es dem Adel auf dem Lande geben würde. Die Herren
Lassallianer haben nicht 2 Mann hereingebracht, die beiden
sächsischen Arbeiterkandidaten, welche durchkamen, sind sehr
zweifelhaft und scheinen eher Wuttkesche Sorte zu sein. Im Can- zo
zen übrigens haben die Wahlen doch bewiesen, daß in Deutsch-
land noch lange nicht das zu machen ist, was in Frankreich da-
mit gemacht werden kann, und das ist immer gut. Ich bin auch
überzeugt, daß jede neue Wahl in Deutschland um so regierungs-
feindlicher ausfallen würde, je mehr die Bureaukratie sich ein-
mischt, und daß 15 Jahre gouvernementaler Wahlen wie in Frank-
reich bei uns nicht möglich sind.

Das edle Parlament ist freilich eine schöne Sorte. Sie werden
ohne viel Murren, sauersüßen Gesichts, die paar lausigen Garan-
Heen, die in der preußischen Verfassung noch waren, verschachern co
gegen die indirekte Annexierung von 6 Millionen Kleinstaatlern.
        <pb n="423" />
        377
die ja de facto ohne alle Verfassung schon annexiert und mediati-

siert sind. Es ist au fond ohne alle Wichtigkeit, was die Kerls

zusammenstümpern, in der jetzigen bismarckolatrischen Stim-
mung des Philisters repräsentieren sie doch die öffentliche Bürger-

‚meinung und führen nur ihren Willen aus. Der brave Bürger
scheint entschlossen zu sein, keinen „Konflikt“ mehr haben zu
wollen. Die Bewegung — sowohl die innere, die doch auch wieder
kommt, wie die europäische — wird über diesen ganzen Dreck
bald genug zur Tagesordnung übergehn.

2 Bei der Wahl hat Schuft Schweitzer” sich auch an x Stellen
als Kandidat gemeldet, aber überall durchgefallen. Von Barmen
schickte man mir 2 Druckschriften über ihn zu, wovon eine ’in-
liegend, die andre, kleinere, folgt; ich habe sie nicht bei mir.
Das inliegende geht offenbar von der Hatzfeldtschen Sorte aus.

Stieber macht sich wieder wichtig in der Volkszeitung wegen
der Eichhoffschen Geschichten im Hermann, der Koller kommt
auch darin vor. Siehe Hermann.

Das gemäßigte Resultat des allgemeinen Stimmrechts in
Deutschland hat jedenfalls dazu beigetragen, daß hier das house-

» hold Suffrage plötzlich so populär bei den Offiziellen wird. Es
wäre hübsch, wenn dadurch das household Suffrage durchginge,
da würde sich hier rasch Manches ändern und die Bewegung auf
den Strumpf kommen.

Trade here ist noch immer in der äußersten Stagnation. Indien

» und China sind durch die Konsignationen der Fabrikanten über-
führt, in Stockport ist ein Strike von 20000 Leuten, short time
„immt überhand, und wenn das sich nicht bald ändert, so haben

wir im Mai die schönste Krisis der Überproduktion, Das kann der
radikalen Reformbewegung nur helfen.

2 Die Dipl[omatic] Review ist diesmal sehr gut. Sowie der alte
D. Ulrquhart] wieder facts bekommt, ist er all right; die sonder-
baren Manöver Beusts hatten mich indes schon avertiert. Trotz-
dem daß die Sachsen (vide Herr v. Seebach im Krimkrieg) stets
mit den Russen mogelten, trotzdem daß Beust während des däni-

‚3 schen Kriegs jene so ostentatiös grobe Depesche an die Russen
schrieb, kommt es mir doch schwer, mich zu entscheiden, ob die
Russen den Kerl wirklich gekauft oder ob sie ihn gratis
und unbewußt bekommen haben. Mir scheint fast, die grenzenlose
Eitelkeit des kleinen sächsischen Schissers reicht hin, die ganze

„ Historie zu erklären — natürlich werden die Russen know how to
improve the occasion.

Zur Übung in der Vulgärdemokratie habe ich mir dieser Tage
(Der folgende Teil des Briefes ist abgerissen.]
1) Im Orig. Schweizer

5
        <pb n="424" />
        378

(1017) 1867 März 27
1017. Marx an Engels; 1867 März 27.
27. März 1867.
Lieber Engels,

Ich hatte mir vorgenommen, Dir nicht zu schreiben, bis ich Dir
das Fertigsein des Buches anzeigen könnte, was jetzt der Fall ist. *
Ich wollte Dich auch nicht ennuyieren mit den Ursachen des aber-
maligen Aufschubs, nämlich Karbunkeln am Hintern und in der
Nähe des penis, deren letzte Reste jetzt verblühn und die mir nur
unter großen Schmerzen sitzende Position (also schreibende) er-
laubten. Arsenik nehm ich nicht, weil es mich zu dumm zo
macht und ich wenigstens für die Zeit, wo das Schreiben möglich
war, den Kopf beisammen haben mußte.

Ich muß nächste Woche selbst mit dem Manuskript nach Ham-
burg. Der Ton des letzten Briefs des Herrn Meißner gefiel mir
nicht. Dazu erhielt ich gestern einliegenden Wisch von Borkheim. ıs
Ich habe alle Ursache zu glauben, daß der „kontinentale Freund“
Herr Geheimrat Bucher ist. Borkheim hatte ihm nämlich einen
Brief, den er mir vorlas, geschrieben, von wegen seiner Reisever-
hältnisse nach Schlesien, wo er in Familienangelegenheiten hin
will. Bucher hat ihm unmittelbar geantwortet. Ich wittere also zo
hinter diesen canards eine Intrige und muß dem Meißner das
Messer persönlich auf die Brust setzen. Sonst wäre der Kerl im
Stand, mein Manuskript (ungefähr 25 starke Druckbogen, wie
ich rechne) zurückzuhalten und zugleich nicht drucken zu
lassen unter dem Vorwand, den zweiten Band „abwarten“ zu 25
wollen.

Ich muß nun d’abord meine Kleidungsstücke und Uhr, die im
Pfandhaus wohnen, herausnehmen. Ich kann auch kaum meine
Familie im jetzigen Zustand verlassen, wo sie sans sou, und die
Gläubiger täglich unverschämter werden. Endlich, damit ich das zo
nicht vergesse, alles Geld, was ich für Lauras Champagnerkur
ausgeben konnte, habe ich den Weg alles Fleisches gesandt. Sie
muß jetzt Rotwein haben, und besseren als ich kommandieren
kann. Voilä la situation.

Unsere „International“ hat einen großen Sieg gefeiert. Wir ss
verschafften den auf Strike befindlichen Pariser Bronzeworkern
Geldunterstützung von den London Trades Unions. Sobald die
Meister das sahen, gaben sie nach. Die Sache hat viel Lärm in

den französischen Blättern gemacht, und wir sind jetzt in Frank-
reich eine etablierte Macht. €

Die Luxemburger Affäre scheint mir zwischen Bismarck und
Bonaparte abgekartet. Möglich, aber nicht wahrscheinlich, daß
der erstre sein Wort nicht halten kann oder will. Die russische
Einmischung in die deutschen Verhältnisse ist sonnenklar:

zZ. 7 (am) —=3.

30 (Endlich) —34.
        <pb n="425" />
        (1017) 1867 März 27

379
1. daraus, daß der Württemberg ische Vertrag mit Preu-
Ben schon am 13. August vor allen andern geschlossen war;

9. aus Bismarcks Auftreten mit Bezug auf die Polen.

Die Russen sind tätiger als je. Zwischen Frankreich und
Deutschland brocken sie die Suppe ein. Östreich ist an sich hin-
reichend gelähmt. Den Herrn Engländern wird in den United Sta-
tes aufgespielt werden.

Salut.
Dein

K. M.

018. Engels an Marx; 1867 April 4.
Manchester, 4. April 1867.
Lieber Mohr,
Hurra! Dieser Ausruf war irrepressibel, als ich endlich schwarz
auf weiß las, daß der I. Band fertig ist, und Du gleich damit
5 nach Hamburg willst. Damit der Nervus Rerum nicht fehlt,
schicke ich Dir inliegend sieben halbe Fünfpfundnoten, zusammen
£ 35 und gebe die zweiten Hälften gleich nach Empfang des ge-
wöhnlichen Telegramms auf. Den Wisch von Bucher — von die-
sem ist er sicher — laß Dich nicht grämen, Preußisches Po-
„ Lizeigeschwatz und Literatenklatsch von der Couleur der neulichen
Polenreisengeschichte. Ich lege Dir einen Zettel bei an Meißner,
damit Du auch mein Honorar erheben kannst.
An der Allianz zwischen Bismarck und den Russen ist auch
nicht mehr der entfernteste Zweifel. So teuer haben die Russen
» aber ihre preußische Allianz noch nie erkaufen gemußt, ihre ganze
ıraditionelle Politik in Deutschland mußten sie zum Opfer brin-
gen, und wenn sie nach gewohnter Weise sich diesmal einbilden
sollten, das sei nur „momentan“, so könnten sie sich doch höllisch
schneiden. Die deutsche Einheit scheint schon jetzt trotz Reichs-
» heulerei etc. sich darauf anzulassen, dem Bismarck und den ge-
samten Preußen über den Kopf zu wachsen. Um so rascher müs-
sen sie im Orient voran machen — die Russen nämlich —, die
jetzige günstige Konstellation währt sicher nicht lange. Aber wie
groß muß die Finanznot und wie schwerfällig der industrielle
» Fortschritt, s’il y en a, in Rußland sein, daß die Kerle noch immer,
11 Jahre nach dem Krimkrieg, keine Eisenbahn nach Odessa und
Bessarabien haben, die ihnen jetzt zwei Armeen aufwöge! Ich
glaube daher auch, daß es noch dies Jahr zum Klappen kommt,
wenn den Russen alles gut geht.
Die Luxemburger Geschichte scheint denselben Verlauf zu
nehmen wie die von Saarlouis und Landau. Bismarck hatte es ge-
wiß 1866 zum Verkauf angeboten, aber Louis scheint damals

IP
        <pb n="426" />
        380 nn

_ (1018) 1867 April 4
wirklich nicht zugegriffen zu haben in der Hoffnung, später noch
weit mehr geschenkt zu bekommen. Wieich positiv weiß,
hat der preußische Gesandte Bernstorff vor ein paar Tagen zu”
dem hanseatischen ditto (Geffcken) in London gesagt, er habe eine
Depesche erhalten, wonach Preußen in der luxemburgischen An-
gelegenheit unter keinen Umständen nachgeben werde. Es ist dies
dieselbe Depesche, von der die Owl spricht, daß sie England auf-
fordre, im Haag Vorstellungen zu machen, und die auch den Er-
folg gehabt haben sollen, daß Holland sich vom Handel zurück-
gezogen habe. Die Sache ist die, daß in der jetzigen Lage Bis- ı
m[arck] auch nicht im Entferntesten den Franzosen erlauben darf,
deutsches Gebiet zu annexieren, ohne seine ganzen Errungenschaf-
ten lächerlich zu machen. Dazu hat der alte Esel Wilhelm doch
auch einmal das Wort von „nicht einem deutschen Dorf“ aus-
gesprochen und ist persönlich engagiert. Indes ist es noch keinen- ı:
falls sicher, daß der Handel nicht doch noch zu Stande kommt:
die Köln[ische] Zeitung schreit ordentlich krampfhaft, man könne
doch wegen Luxemburg keinen Krieg anfangen und man habe
gar kein Recht drauf, Luxemburg sei nicht mehr zu Deutschland
zu rechnen usw., so hundsföttisch wie noch nie.

Bismarck ist zwar kein Faust, aber er hat doch seinen
Wagener. Die Art, wie dieser arme Schlucker seinen Herrn
und Meister ins Wagnersche übersetzt, ist zum Totlachen. Neulich
hatte Bismarck] wieder ein Pferdegleichnis gebraucht, und um
ihm auch hierin nachzustreben, schreit Wagener” am Schluß einer 24
Rede: Meine Herren, hören wir auf, unsre Steckenpferde zu
reiten, und besteigen wir die edle Vollblutstute
Germania! Montez, Mademoiselle, sagten die Pariser zur
Schreckenszeit.

Hoffentlich sind Deine Karbunkel jetzt ziemlich heil und wird zo
die Reise dazu beitragen, sie ganz verschwinden zu machen. Die-
sen Sommer mußt Du mit diesem Kram fertig werden.

Viele Grüße an die ladies und Lafargue.

Dein F. E.

1019. Marx an Engels in Manchester; Hamburg
1867 April 23.
Hamburg, 13. April 1867.
Lieber Fred,
Gestern 12 Uhr Mittag kam ich hier an. Das Schiff verließ
London Mittwoch, 8 Uhr Morgens. Du siehst darin die ganze Ge- 4
1) Im Orig. an
2) Im Orig. Warner
        <pb n="427" />
        (1019) 1867 April 13

381
schichte der Seereise. Höchst tolles Wetter und Sturm. Mir war,
nach dem langen Verschluß, dabei so kannibalisch wohl als wie
500 Säuen. Doch wäre die Sache auf die Dauer ennuyant ge-
worden mit all dem kranken und abfallenden Gesindel rechts und
; links, hätte nicht ein gewisser nucleus Stich gehalten. Das war
ein sehr „gemischter“ Kern, viz. ein deutscher Schiffskapitän, der
Dir im Gesicht sehr ähnlich, aber kleiner Kerl, er hatte auch viel
von Deinem Humor und dasselbe gutmütig frivole Zwinkern des
Auges; ein Londoner Viehhändler, echter John Bull, bovine in
‚o every respect; ein deutscher Uhrmacher aus London, netter
Bursche; ein Deutscher aus Texas und, die Hauptperson, ein Deut-
scher, der seit 15 Jahren sich herumtreibt im Osten von Peru,
einer erst kürzlich geographisch registrierten Gegend, wo u. a.
noch tüchtig Menschenfleisch verspeist wird. Ein toller, tatkräf-
s tiger und lustiger Bursche. Er hatte sehr wertvolle Sammlung bei
sich von Steinäxten usw., die in den „Höhlen“ gefunden zu sein
verdienten. Als Anhang eine Frauensperson (die andern Damen
alle seasick und kotzend in der Damencabin), alter Gaul mit zahn-
losem Maul, hannöversch fein sprechend, Tochter eines urahnen-
u ligen hannoverschen Ministers, von Baer oder so was, jetzt seit
lange Menschenabrichterin, Pietistin, Arbeiterlage hebend, be-
kannt mit Jules Simon, voll Seelenschöne, womit sie unsern bo-
vine friend tot ennuyierte, Well! Donnerstag Abend, wo der
Sturm am schlimmsten, so daß alle Tische und Stühle tanzten,
# kneipten wir en petit comite, während „das“ alte weibliche Gaul
auf einem Kanapee lag, wovon die Bewegung des Schiffs sie von
Zeit zu Zeit in die Mitte der Cabin — um sie zu zerstreuen ein
wenig — auf den Boden trollte. Was hielt diese Schöne unter
diesen erschwerenden Umständen gefesselt? Warum verzog sie
» sich nicht ins Frauengemach? Unser deutscher Wilde erzählte mit
wahrem Gusto alle Geschlechtsschweinereien der Wilden. Voilä
le charme für die Zarte, Reine, Feine. Ein Beispiel: Er ist be-
gastet in einer Indianerhütte, wo grade denselben Tag die Frau
niederkommt. Die Nachgeburt wird gebraten und — höchster
‚ Ausdruck der Gastfreundschaft — er hat ein Stück von dem sweet-
bread mit zu genießen!

Gleich nach unsrer Ankunft geh ich zu Meißner. Commis sagt
mir, daß er vor 3 Uhr (Nachmittag) nicht zurück. Ich ließ meine
Karte da und lud Herrn Mleißner] zum Diner bei mir ein. Er

u kam, hatte aber noch einen Andern bei sich und wollte, ich solle
mit ihm gehn, da seine Frau ihn erwarte. Ich schlug das ab, kam
aber überein, daß er mich 7 Uhr Abends besuchen sollte. Er sagte
mir en passant, daß Strohn wahrscheinlich noch in Hamburg. Ich
ging also zu Strohns Bruder. Unser Mann the very same morning
vach Paris gereist, Also Abends kam Meißner. Netter Kerl, ob-

y 97 (Commis)-—45 (Meißner).
        <pb n="428" />
        382

(1019) 1867 April 18
LA +
gleich etwas sächselnd, wie sein Name andeutelt. Nach kurzem
Pourparler all right. Manuskript sofort in sein Verlagshaus ge-
bracht, dort in safe gesteckt. Der Druck wird in a few days be-
ginnen und rasch von Statten gehn. Wir kneipten dann, und er
erklärte sein großes „Entzücken“, meine werte Bekanntschaft ge-
macht zu haben. Er will jetzt, daß das Buch in 3 Bänden er-
scheint. Er ist nämlich dagegen, daß ich das letzte Buch (den
geschichtlich-literarischen Teil) konzentriere, wie
ich es vorhatte. Er sagt, buchhändlerisch und für die „flache“
Lesermasse rechne er grade am meisten auf diesen Teil. Ich sagte zo
ihm, in dieser Hinsicht ihm zur Verfügung zu stehn.

At all events, haben wir in Meißner einen Mann ganz zu
unsrer Disposition; er hat große Verachtung für das sämtliche
Lumpenliteratenpack. Deine little bill fand ich klug noch nicht zu
präsentieren. Die angenehmsten Überraschungen immer für den x
Schluß.

Und nun Adio, old boy
Dein K. Marx.
Best Compliments to Mrs. Burns!

1020. Marx an Engels in Manchester; Hannover
1867 April 24.

Hannover, 24, April 1867.
Lieber Fred,

Ich bin seit 8 Tagen hier als Gast des Dr. Kugelmann. Ich bin
nämlich gezwungen, in Hamburg oder dicht bei Hamburg zu blei- 2;
ben von wegen des Drucks, Die Sache hängt so zusammen. Meiß-
ner, der die Geschichte in 4—5 Wochen fertig haben will, kann
nicht in Hamburg drucken lassen, weil weder die Zahl der
Druckler] noch die Gelehrsamkeit der Korrektoren hinreichend.
Er druckt daher bei Otto Wigand (rather dessen Sohn, da der alte zo
renommierende Hund nur noch nominell bei dem Geschäft be-
teiligt). Heut vor 8 Tagen schickte er das Manuskript nach Leip-
zig. Er wünscht nun, daß ich zur Hand bin, um die ersten
2 Druckbogen zu revidieren und zugleich zu entschei-
den, ob der Schnelldruck mit einmaliger Revision
meinerseits „möglich“ ist. In diesem Fall wäre die ganze
Geschichte fertig in 4—5 Wochen. Nun ist aber die Osterwoche

dazwischen gekommen. Wigand jr. schrieb an Meißner, daß er
erst Ende dieser Woche anfangen kann. Auf K[ugelmann]s
dringende Einladung bin ich also (was auch aus ökonomischen «
Gründen besser) hierhin gegangen für das Interim. Ehe ich nun

Z. 15—16.
40 (was)-—41 (besser)
        <pb n="429" />
        {1020) 1867 April 24 _383
über „Hiesiges‘“ spreche, nicht zu vergessen dieses: Meißner
wünscht und fordert Dich durch mich auf, daß Du eine War-
aung gegen Rußland, zugleich zu deutschem und franzö-
sischem Besten schreibst. Er wünscht, wenn Du’s übernimmst, die
Sache rasch. Es ist ihm aber lieber, wenn Du mehr als weniger
Bogen schreibst, da ganz kleine Pamphlete buchhändlerisch nicht
ziehn. Über die Bedingungen könntest Du ihm bei Übersendung
des Manuskripts schreiben, da, wie er sagt, Ihr Euch über den
Punkt nicht veruneinigen würdet. Du könntest Dich „ganz gehn
„ lassen“, da Meißner durchaus keine Rücksichten zu nehmen für
nötig hält.
Also von Hannover,
Kugelmann ist ein sehr bedeutender Arzt in seinem Spezial-
fach, nämlich als Gynäkolog. Virchow und die sonstigen Autori-
is täten (worunter ein gewisser Meyer in Berlin, früher v. Syboldt
in Göttingen und vor seinem Verrücktwerden Semmelweis in
Wien) in Korrespondenz mit ihm. Wenn hier ein schwieriger Fall
in diesem Fach, wird er stets als Konsultierender zugezogen, Zur
Beschreibung des Fachneids und der Lokaldummheit erzählt er
» mir, daß er hier erst ausgekugelt, d. h. nicht in die Gesellschaft
der Ärzte zugelassen, weil „Gynäkologie“ eine „unmoralische
Schweinerei““ sel. K[ugelmann] hat auch viel technisches Talent.
Er hat eine Masse neuer Instrumente in diesem Fach erfunden.
Klugelmann] ist zweitens ein fanatischer (und mir zu west-
„ fälisch bewundernder) Anhänger unsrer Doktrin und unsrer bei-
den Personen. Er ennuyiert mich manchmal mit seinem Enthusias-
mus, der seinem in der Medizin kalten Wesen widerspricht. Aber
er versteht und er ist grundbrav, rücksichtslos und auf-
opferungsfähig, was die Hauptsache ist, ü berzeugt. Er hat eine
„ nette kleine Frau und eine Tochter von 8 Jahren, die allerliebst
ist. Er besitzt eine viel bessre Sammlung unsrer Arbeiten, als wir
beide zusammengenommen. Hier fand ich auch die „Heilige Fa-
milie‘“ wieder, die er mir geschenkt hat und wovon er Dir ein
Exemplar schicken wird. Ich war angenehm überrascht, zu finden,
„daß wir uns der Arbeit nicht zu schämen haben, obgleich der
Feuerbachkultus jetzt sehr humoristisch auf einen wirkt. Das Volk
ınd in der Hauptstadt Hannover selbst die Bourgeoisie sind ex-
trem preußenfeindlich (ditto in Kurhessen) und
äußern ihre Gesinnung bei jeder Gelegenheit. Sie sprechen offen
„ ihren Wunsch—nach den Franzosen aus. Sie sagen, Wenn
man ihnen bemerkt, daß sei unpatriotisch: „Die Preußen taten ganz
dasselbe. Als sie hier durchrückten, renommierten sie mit der
französischen Hilfe, die Offiziere an der Spitze, — im Notfall.“
Wehners Vater ist hier sehr geachtet, gilt auch als Welfe. Bis-
„. marck schickte mir gestern einen seiner Satrapen, den Advokaten
        <pb n="430" />
        384

Warnebold (dies unter uns). Er wünscht mich und „meine
großen Talente im Interesse des deutschen Volks zu verwerten“.
Von Bennigsen wird „mür‘“ Morgen aufwarten.

Wir zwei haben doch eine ganz andere Stellung in Deutschland,
namentlich unter dem „gebildeten“ Beamtentum, als wir wissen.
So z. B, der Vorsteher des hiesigen statistischen Bureaus, Merckel,
besuchte mich und sagte mir, er habe jahrelang über die Geld-
geschichten vergebens studiert, und ich habe sofort die Sache ein
für allemal ins Klare gebracht. „Ihr Dioskur Engels,“ sagte er
mir, „ist kürzlich von meinem Fachgenossen Engel in Berlin vor
der königlichen Familie anerkannt worden.“ Dies sind Lappalien,
aber sie sind wichtig für uns. Unser Einfluß auf dies Beamten-
tum ist größer als auf die Knoten.

Ich war auch eingeladen bei der Gesellschaft der „Europäer“,
So nennt man hier die preußenfeindlichen, norddeutschlichen Na- ıs
tionalvereinler. Esel!

Auch der Chef (Haupichef, sagt Stieber) des hiesigen Eisen-
bahnwesens hat mich eingeladen. Ich ging hin, er hatte guten
Maiwein, eine „bejeisterte Frau“ und dankte mir beim F ortgehn
„für die große Ehre“,

Ich habe eine Ehrenschuld an Mr. Wheeler — 10 £ —, Mit-
glied unsres Council und Manager der „Empire Insurance Cor-
poration“, abzutragen. Du verpflichtest mich sehr, wenn Du ihm
das Geld: „G. Wheeler, Esq., 27, Gresham Street, E. C. Pri-
vate‘“ (London) in meinem Auftrag schickst. Auch fürchte ich 25
sehr, daß meine Familie in London „in profundis“. Es ist mir um
so schmerzlicher, da der Geburtstag des armen, guten Jennychens
1. Mai. Um einen Geldcoup zu machen, habe ich Netze ausge-
worfen. Ich muß den Erfolg abwarten.

Ich habe mich außerordentlich erholt, Keine Spur des alten z
Übels. Dazu, trotz schwerer Verhältnisse, guter Humor, ohne
Leberanschläge.

Schreib mir umgehend (Adresse: Dr. Kugelmann, Hanno-
ver) ein paar Zeilen. Salut an Mrs. Burns.

Dein Mohr. 365
Freiligrath blamiert sich durch seine öffentliche Bettelei in
Deutschland. Meißner sagt mir, er sei in Norddeutschland ver-
schollen.

16-—

Ü
        <pb n="431" />
        (1021) 1867 April 27
1021. Engels an Marx in Hannover; Manchester
1867 April 27.

385

Manchester, 27. April 1867.
Lieber Mohr,

Ich habe Deine beiden Briefe, den letzten gestern Nachmittag,
bekommen und hätte Dir auf den ersten längst geantwortet, wenn
ich gewußt hätte, wohin. Zuerst business. Deiner Frau, die mir
aeute Morgen schreibt, schick’ ich £ 10 und ebenso gleich An-
fang nächsten Monats an Wheeler die andern £ 10. Dies wird

„ Dich in Beziehung auf diesen Punkt einiger Maßen beruhigen,
für die Zukunft eröffnet sich nach dem, was Du schreibst, glück-
licher Weise endlich auch eine erfreuliche Aussicht. Es ist mir
immer so gewesen, als wenn dies verdammte Buch, an dem Du so
lange getragen hast, der Grundkern von allem Deinem Pech war

5 und Du nie herauskommen würdest und könntest, solange dies
nicht abgeschüttelt. Dies ewig unfertige Ding drückte Dich kör-
perlich, geistig und finanziell zu Boden, und ich kann sehr gut be-
greifen, daß Du jetzt, nach Abschüttelung dieses Alps, Dir wie ein
ganz andrer Kerl vorkommst, besonders da die Welt, sobald Du

„ nur erst wieder einmal hinein kommst, auch nicht so trübselig
aussieht wie vorher. Besonders wenn man einen so famosen Ver-
leger hat, wie Mleißner] zu sein scheint. Übrigens fürchte ich, der
Schnelldruck wird sich nicht anders machen lassen, als wenn Du
selbst die ganze Zeit in der Nähe bleibst, d. h. auf dem Kontinent,

„ denn auch Holland wäre für den Zweck noch nahe genug. Ich
glaube nicht, daß die Gelehrsamkeit der Leipziger Korrektoren
für Deine Art hinreicht. Meine Broschüre ließ Mlieißner] auch
bei Wigand drucken, und was haben die Schisser mir für Zeug
da hineinkorrigiert. Daß das Buch gleich bei seinem Erscheinen

no großen Effekt machen wird, davon bin ich überzeugt, aber es wird
sehr nötig sein, dem Enthusiasmus des wissenschaftlichen Bürgers
und Beamten etwas auf die Beine zu helfen und die kleinen Ma-
növer nicht zu verschmähen. Dafür wird n ach dem Er-
scheinen von Hannover aus Manches geschehen können, und
; auch amicus Siebel, der dieser Tage von Madeira, wie er sagt
wohl und munter, zurückkehrt, und zwar über England, wird sich
mit Vorteil in Bewegung setzen lassen. Dies ist gegenüber dem
Literatenpack notwendig, von dessen gründlichem Haß gegen uns
wir ja Beweise genug haben. Und dann wirken dicke, wissenschaft-
“ liche Bücher ohne solche Nachhülfe ja doch nur langsam, mit der-
selben aber — confer Herakleitos den Dunkeln usw. — sehr „zün-
dend‘“. Dies muß aber diesmal um so sichrer und fleißiger ge-
schehn, als es sich auch um finanz jelle Resultate handelt.
Die gesammelten Aufsätze wird Mleißner] dann schon gern neh-
Mary-FEngels-Gesamtausgahe. III. Aht., Bd. 3 25
        <pb n="432" />
        386

(1021) 1867 April 27
men, und damit ist wieder Geld und ferner auch ein neuer litera-
rischer Erfolg geschaffen. Die Sachen aus der Nleuen] Rhleini-
schen] Z(eitung], der 18. Brumaire usw., werden dem Philister
jetzt enorm imponieren, und haben wir auf dieser Basis erst wie-
der etwas Terrain gewonnen, so finden sich auch bald noch aller-
hand andre einträgliche Geschichten. Diese ganze Wendung der
Sache ist mir ungeheuer erfreulich, erstens an sich selbst, zweitens
wegen Deiner speziell und Deiner Frau, und drittens, weil es wirk-
lich Zeit ist, daß sich dies Alles bessert. In 2 Jahren läuft mein
contract mit dem Sau-Gottfried ab, und wie sich die Sachen hier x
drehen, werden wir Beide schwerlich wünschen, ihn zu verlängern;
es wäre sogar nicht unmöglich, daß schon früher eine Trennung
einträte. Ist das der Fall, so muß ich aus dem Commerce ganz
heraus; denn jetzt noch ein eignes Geschäft anzuf angen, hieße
5—6 Jahre fürchterlich schanzen ohne nennenswertes Resultat und ı:
dann noch 5—P6 Jahre schanzen, um die Früchte der ersten 5 Jahre
einzuernten. Dabei ging ich aber kaputt. Ich sehne mich nach
Nichts mehr, als nach Erlösung von diesem hündischen Commerce,
der mich mit seiner Zeitverschwendung vollständig demoralisiert.
Solange ich da drin bin, bin ich zu Nichts fähig, besonders seit- 2,
dem ich Prinzipal bin, ist das viel schlimmer geworden, wegen der
größeren Verantwortlichkeit. Wenn es nicht wegen der vermehr-
ten Einkünfte wäre, möchte ich wahrhaftig lieber wieder Commis
sein. Jedenfalls kommt mein Kaufmannsleben in wenigen Jahren
zu End, und dann werden auch die Einnahmen sehr, sehr viel Spär- 25
licher fließen, und das hat mir denn immer im Kopf gelegen, wie
wir es dann mit Dir machen. Wenn das aber so geht, wie es sich
jetzt anläßt, so wird sich auch das schon arrangieren lassen, selbst
wenn nicht die Revolution dazwischen kommt und allen Finanz-
projekten ein Ende macht. Geschieht das aber nicht, so behalte ich 2
mir vor, mir zu meiner Erlösung einen Hauptspaß zu machen und
ein heitres Buch zu schreiben: Leiden und Freuden der
englischen Bourgeoisie.

Auf Meißners Vorschlag kann ich nicht eingehn. Ein paar
Bogen wären rasch zusammengeschmiert, aber etwas Größeres, 3:
5 ä 8 Bogen, würden mehr Arbeit erfordern und für den jetzigen
Kriegslärm zu spät kommen. Man kann doch nicht Sauereien
ä la Vogts Studien zusammenschmieren. Außerdem würde die Ge-
schichte mehr oder weniger als ein Parteimanifest angesehen, und
da müßten wir doch zuerst einen Rat halten. Ich habe aber seit x
längerer Zeit ein Anti-Russicum im Kopf, und wenn die Ereig-
nisse mir einen Anhalt bieten, so fang ich gleich damit an und
schreibe an Meißner. Die Frage bei mir ist nur noch die, ob ich
das „Nationalitätsprinzip‘“ oder die „orientalische Frage“ in den
Vordergrund stelle.
        <pb n="433" />
        (1021) 1867 April 27

387

Daß Bismarck bei Dir anklopfen würde, hatte ich erwartet,
wenn auch nicht die Eile. Es ist bezeichnend für die Denkweise
und den Horizont des Kerls, daß er alle Leute nach sich beurteilt.
Die Bourgeoisie mag wohl die großen Männer von heute bewun-

; dern, sie sieht sich in ihnen wiedergespiegelt. Alle Eigenschaften,
wodurch Bonaplarte] und Bismarck Erfolge erreichten, sind kauf-
männische Eigenschaften: das Verfolgen eines bestimmten
Zwecks durch Abwarten und Experimentieren, bis der richtige Mo-
ment getroffen, die Diplomatie der stets offnen Hintertür, das Ak-

a kordieren und Abdingen, das Einstecken von Insulten, wenn das
Interesse es erfordert, das: „ne soyons pas larrons“, kurz, überall
der Kaufmann. Gottfried Ermen ist in seiner Weise ein ebenso
großer Staatsmann wie Bismarck, und wenn man die Schliche die-
ser großen Männer verfolgt, so wird man immer wieder auf die
Manchester Börse versetzt. Blismarck] denkt, wenn ich nur fort-
fahre, bei Mlarx} anzuklopfen, so treffe ich schließlich doch ein-
mal den richtigen Moment, und wir machen dann doch ein Ge-
schäftchen zusammen. Der reine Gottfried E [rmen].

Daß der Preußenhaß dort so stark ist, hätte ich nicht gedacht.

„ Aber wie stimmt das mit dem Resultat der Wahlen? Die National-
vereinsesel brachten doch die Hälfte durch und in Kurhessen alle
bis auf einen,

Vogt hat sich in der Gartenlaube in Lebensgröße abbilden las-
sen. Er hat sich in den letzten Jahren noch sehr verschweinert und

» sieht gut aus,

Simon von Trier hat in den Demokratischen Studien, die mir
neulich in die Hände fielen, ganz naiv ganze Seiten von Po und
Rhein abgeschrieben, ohne zu ahnen, aus welcher vergifteten
Quelle er schöpfte! So hat auch der Leutnant, der in Unsere

„ Zeit die militärischen Artikel schreibt, in „Preußen in Waffen“
meine Broschüre stark kopiert, natürlich ebenfalls ohne Ouellen-
angabe.

Rüstow will mit Gewalt preußischer General werden, als ob das
so leicht ginge wie bei Garibaldi. In seinem grundschlechten und

„ liederlichen Buch über den Krieg kriecht er in optima forma

vor Wilhelm dem Eroberer und dem Prinzen. Daher zieht er
nach Berlin.

Ich sah Ernest Jones dieser Tage, er hat von 4 Orten Anfrage,
sich wählen zu lassen unter der neuen Bill — auch von Man-

„ chester, Schimpft greulich auf die Arbeiter hier and backs the
Prussians at any odds against the French. Ich hoffe, dieser Sau-
krieg geht vorüber, ich sehe nicht ein, was Gutes davon kommen
kann. Eine französische Revolution mit von vornherein gegebner
Eroberungsverpflichtung wäre sehr eklig, es scheint fast, als wolle

 Bonlapartel sich mit dem Allergeringsten begnügen, ob aber der
Oe*

7 33.27
        <pb n="434" />
        388 a

(1021) 1867 April 27
Herr der Heerscharen dem schönen Wilhelm erlauben wird, ihm
auch nur dieses Geringste zu gewähren, werden wir abwarten
müssen,
Grüße den Dr. Kugelmann unbekannter Weise bestens und
danke ihm für die Heilige Familie.
Dein F. E.

1022. Marx an Engels in Manchester; Hannover
1867 Mai 7.
Hannover, 7. Mai 1867.
Lieber Fred,

D’abord meinen besten Dank für Deine Intervention in den

dringendsten casus delicti, dann auch für den ausführlichen Brief.

Zunächst business. Der verdammte Wigand fing erst 29. April
an zu drucken, so daß ich den ersten Bogen zur Revision vor-
gestern, an meinem Geburtstag, empfing. Post tot pericula! Die
Druckfehler waren relativ unbedeutend. Den ganzen Druck hier
abzuwarten, unmöglich. In erster Instanz fürchte ich, daß das
Buch viel dicker wird, als ich berechnet hatte. Zweitens erhalte ich
kein Manuskript zurück, muß also für manche Zitate, namentlich
wo Zahlen und Griechisch ins Spiel kommen, das heimische Manu- zo
skript zur Hand haben und kann auch dem Dr. K[ugelmann] nicht
zu lange Einquartierung aufbinden. Endlich verlangt Meißner
den 2. Band für spätestens Ende Herbst. Die Schanzerei muß also
sobald als möglich beginnen, indem namentlich für die Kapitel
über Kredit- und Grundeigentum viel neues Material seit der Ab- 25
fassung des Manuskripts geliefert worden ist. Im Winter soll der
dritte Band fertig gemacht werden, so daß bis nächstes Frühjahr
das ganze opus abgeschüttelt. Es schreibt sich natürlich ganz an-
ders, sobald die Druckbogen des bereits Abgeschüttelten au fur
et ä mesure” eintreffen und unter der Pressure des Buchändlers. 30

Unterdes ist die Zeit hier nicht unbenutzt vorübergegangen.
Briefe wurden nach allen Ecken geschrieben und vorläufige No-
iizen sind in den meisten deutschen Blättern erschienen.

Ich hoffe und glaube zuversichtlich, nach Jahresfrist so weit ein
gemachter Mann zu sein, daß ich von Grund aus meine ökono- 35
mischen Verhältnisse reformieren und endlich wieder auf eignen
Füßen stehn kann. Ohne Dich hätte ich das Werk nie zu Ende
bringen können, und ich versichre Dir, es hat mir immer wie ein
Alp auf dem Gewissen gelastet, daß Du Deine famose Kraft haupt-
sächlich meinetwegen” kommerziell vergeuden und verrosten 49

1) Im Orig. a für et mesure

2) Im Orig. meinetwenig
        <pb n="435" />
        (1022) 1867 Mai 7

389
ließest und, into the bargain, noch alle meine petites miseres mit-
durchleben mußtest. Ich kann mir andrerseits nicht verheimlichen,
daß ich noch ein Jahr of trial vor mir habe. Ich habe einen Schritt
getan, von dem viel abhängt, wovon es nämlich abhängt, ob mir
von der einzigen Seite, wovon es möglich ist, einige 100 £ zur Dis-
position gestellt werden. Es ist erträgliche Aussicht auf positives
Resultat vorhanden, doch bleibe ich für about 6 Wochen in der
Schwebe. Früher erhalte ich nicht definitiven Bescheid. Wovor ich
mich — abgesehn von der Unsicherheit — am meisten fürchte, ist

o die Rückkehr nach London, die in 6—8 Tagen doch notwendig
wird. Die Schulden dort sind bedeutend, und die Manichäer war-
ten „dringend“ auf meine Rückkehr. Dann wieder der Familien-
jammer, die inneren Kollisionen, die Hetzjagd, statt frisch und
ungeniert an die Arbeit zu gehn.

s Dr. K[ugelmann] und seine Frau behandeln mich aufs aller-
liebenswürdigste und tun alles, was sie mir nur an den Augen ab-
sehn können. Es sind vortreffliche Menschen. Sie lassen mir in
der Tat keine Zeit, „den düstren Wegen des eignen Ich“ nachzu-
spähen. Apropos! Die Bismarcksche Affäre mußt Du ganz geheim

% halten. Ich versprach, Niemandem, auch K[ugelmann] nicht, da-
von zu sprechen. Letztres hielt ich. Ich hatte jedoch natürlich die
reservatio mentalis gemacht, Dich auszunehmen.

Du wunderst Dich, daß, bei dem Preußenhaß hier, die Na-
tional-Liberalen (oder, wie Kugelmann sie nennt, die Euro-

» päer) bei den Wahlen so gut davongekommen sind. Die Sache
ist sehr einfach. In allen größeren Städten fielen sie durch, an
kleineren Orten siegten sie durch ihre Organisation, die seit der
Gothaer Zeit existiert. Diese Kerls zeigen überhaupt, wie wichtig
Parteiorganisation ist. Das bisher Gesagte gilt für Hannover. In

wo Kurhessen hat preußische Einschüchterung, unterstützt vom Ge-
schrei der Nationalvereinler, unbeschränkten Einfluß ausgeübt.
Die Preußen wirtschaften hier unterdessen ganz persisch. Sie
können zwar die Bevölkerung nicht transplantieren nach ihren
Ostprovinzen, aber sie tun es mit den Beamten, bis auf Railway

# Kondukteure hinab, und für die Offiziere. Sogar die armen Teufel
von Briefträgern müssen nach Pommern. Unterdes kannst Du
jeden Tag Züge von Hessen, Hannoveranern usw. auf der Eisen-
bahn nach Bremen beobachten, zur Auswanderung nach den Uni-
ted States. Solange das biedre Deutschland steht, hat es aus allen

w Teilen kein solches Menschengewirr über den Atlantic geschickt.
Der eine will den Steuern entrinnen, der andre der Militärpflicht,

der dritte den politischen Zuständen, alle dem Säbelregiment und
dem gedrohten Kriegssturm.

{ch habe großes Gaudium hier mit den (preußisch gesinnten)

ws Bourgeois. Sie wollen Krieg, aber immediatement. Das Ge-
        <pb n="436" />
        390

(1022) 1867 Mai 7
schäft, sagen sie, kann die Unsicherheit nicht länger ertragen, und
wo Teufel sollen die Steuern herkommen bei verlängerter Ge-
schäftsstockung? Übrigens machst Du Dir schwerlich eine Vor-
stellung von dem Druck, den der letzte Krieg und die Steuern auf
das Landvolk in Preußen ausgeübt haben. Es herrscht hier in der
preußisch-westfälischen Nachbarschaft z. B. wahrhaft irischer Zu-
stand.

By the by, hat mich vor ein paar Tagen der Direktor der hie-
sigen Aktiengießerei (hauptsächlich für Wasser- und Gasröhren-
fabrikation) in dem Werk herumgeführt. Es ist im Ganzen sehr ı
gut organisiert und mit Benutzung vieler ganz moderner Apparate.
Jedoch wird andrerseits noch vielfach (in Details) mit der Hand
gedreht, wo die Engländer und Schotten automatische Maschinerie
anwenden. Mit demselben Direktor ging ich in die Herrmanns-
Säule-Werkstatt. Das Zeug wird ebenso langsam fertig wie
Deutschland. Der Herrmannskopf, so kolossal, daß Du daneben
ein Kind, sieht herzlich dumm-ehrlich aus, und Herr Arminius
war vor allem Diplomat. Die westfälische Biederkeit diente ihm
nur zur Maske eines sehr raffinierten Kopfes. Ich hatte zufällig, in
der Grimmschen Ausgabe der Geschichtsquellen, die Du kennst, z
Herrn Arminium kurz vor meiner Abreise von London wieder
kennen gelernt.

Du erinnerst Dich doch des J. Meyer (bei Bielefeld), der unser
Manuskript über Stirner usw. nicht gedruckt und uns den Jüngling
Kriege auf den Hals gesandt hat? Er hat sich vor einigen Wochen 2
in Warschau, wo er Geschäfts halber war, aus dem Fenster ge-
stürzt und gefälligst seinen Hals gebrochen.

Unser Freund Miquel, der die Freiheit der Einheit so bereit-
willig zu opfern sich geneigt erklärte, soll auf große Posten speku-
lieren. Le brave homme verrechnet sich nach meiner Ansicht. z
Hätte er sich nicht so bedingungslos fanatisch dem Bismarck hin-
geworfen, so konnte er ein gutes Trinkgeld erstehn. Aber jetzt!
Wozu? Er ist so verhaßt durch sein Auftreten im Norddeutschen
Parlament, daß er an die Preußen geschmiedet, wie ein Bagno-
sträfling an den andern. Und die Preußen lieben bekanntlich z:
keine „nutzlosen“ und überflüssigen Depenses. Kürzlich brachte
die Bismarcksche Zeitung, die N[ordld[eutsche] Allgemeine] des
Schweinhunds Braß, einen sehr witzigen Artikel über diese Na-
tionalvereinler, worin sie sagt, selbst dem de mortuis nil nisi hene
nicht nachleben zu können. Sie entließ die norddeutschbündlichen «
nationalvereinlichen Knechte Bismarcks mit künstlerisch con
amore applizierten Fußtritten.

Was den Krieg angeht, so bin ich ganz Deiner Meinung. Jetzt
kann er nur schädlich wirken, Eine Vertagung desselben, wenn auch
nur für ein Jahr, wäre für uns Gold wert. Einerseits blamieren 4

P

TE
        <pb n="437" />
        391
sich dabei notwendig Bonaparte und Wilhelm der Eroberer. Die
Opposition in Preußen erwacht wieder (ihr einziges Organ jetzt:
„Die Zukunft“ in Berlin, von Jacoby gestiftet), und in Frankreich
kann es zu Ereignissen kommen. Das Geschäft wird fauler und
fauler, und die Not auf dem Kontinent kann dann weder mit teu-
tonischen noch gallischen Phrasen überschrien werden.

Nach meiner Ansicht verdanken wir den Kriegsaufschub aus-
schließlich dem Ministerium Derby. Es ist antirussisch, und
Rußland wagt nicht das Signal zu geben, bevor es Englands sicher

vo ist. Gladstone, the phrasemonger (ganz unter dem Einfluß der
Lady Palmerston, Shaftesbury’s, Lord Cowper’s), und Bright,
Russell nicht zu vergessen, würden ihm die Garantien der nötigen
englischen Stimmung bieten. Derby mußte auch 1859 entfernt
werden, um das Spektakelstück in Italien in Szene zu setzen. Bis-
„ marck, im norddeutschen Parlament, wurde gezwungen, den Polen
den Fehdehandschuh aufs Brutalste hinzuwerfen und sich damit
dem Zaren mit Leib und Seele zu verschreiben.
In der preußischen Armee herrscht unter den besseren Offi-
zieren großes Mißtrauen wider die Russen, wie ich persönlich hier
» bei Hauptmann von Bölzig (Garderegiment, im Kadettenkorps er-
zogen, königlich preußischer, aber netter Kerl) erfahren. „Ich
begreife Bismarcks Benehmen in Nordschleswig nicht. Nur die
Russen, dies sagte er aus sich selbst, haben ein Interesse, uns
länger mit Dänemark gespannt zu halten.“ Auch nannte er Firied-
rich] W{ilhelm] IV. einen „dunkeln Ehrenmann“, der Deutsch-
land für % Jahrhundert zum Bedienten Rußlands gemacht. Die
russischen Offiziere seien „Scheißkerls‘“, die Armee, außer den
Garderegimentern, nichts wert, Östreich allein fähig, es mit der
russischen Armee aufzunehmen usw. Ich setzte ihm noch viele
x» Flöhe über die Moskowiter ins Ohr.
Und nun Adio. Herzlichsten Gruß an Mrs. Lizzy.
Tout &amp; vous Dein ‘Mohr.

‚023. Marx an Engels: [1867 Mai ca. 20].
86 Mornington Street, Manchester.
Lieber Fred.
Sonntag angekommen in London. Heute hier. Aber:

Avis: Mit mir ein gewisser H. Meyer") von St. Louis, den
ich eben von dem Eisenbahn-refreshmentroom, wo ich ihn depo-
nierte, abholen gehe, um ihn hier in der neighbourhood. Star,

„ zu devonieren.
1) Im Orig. Mayer
        <pb n="438" />
        392

(1023) 1867 Mai ca. 20
Ma a
Er war der letzte compagnon Weydemeyers, während seines
Todes, hat seine Frau (W[eydemeyer]s F rau), die auch mourante
war, von St. Louis weg zu Freunden gebracht und unterstützt. Kam
zu mir mit Empfehlung von Jacobi (New: York).

Dieser Mleyer], auf Reise nach Deutschland, kam nur nach
England, um uns beide zu besuchen. Er kam gestern.
Ich nicht zu Haus. Meine Frau erzählte ihm, daß ich heute nach
Manchester zu Dir reisen würde.

Diese hints genügen, um Dir zu erklären, wie es kömmt, daß er
mit mir hergereist ist. Er wird nur 2 Tage hier bleiben. At first, x
war es mir unangenehm. Aber von wegen Weydemeyers! Es ist ein
braver, tüchtiger Kerl, dieser Meyer. Jedoch cooks langsam und
etwas langweilig.

Salut.

Dein

Mohr.

(024. Marx an Engels; 1867 Juni 3.

3 June 1867.
Dear Fred,

Warum Bogen 10 und 11 Dir nicht zugehn, überhaupt nicht
mehr die Revisionen, ersiehst Du aus einliegendem Zettel Wi-
gands. Dagegen erhältst Du die 5 ersten Abziehbogen, die mir zu- %
gegangen sind, Du kannst sie about 8—10 Tage halten, mußt mir
dann aber auch Deine Ansicht genau mitteilen, welchePunkte
in der Darstellung der Wertform speziell für den Philister im
Nachtrag zu popularisieren sind.

Fenians bestellt. Andre Aufträge werden by and by ausgeführt z
werden.

Sieh den Hermann letzter Woche, Er ist jetzt der Spezial-
Moniteur des Herrn Freiligrath, der über den Progress of the Sub-
scription hier wöchentlich rapportiert via Juch. Jennychen sagt,
daß, wenn ihr Vater je so was machte, sie ihn öffentlich für ihren z
Nicht-Vater erklären würde, Darauf frug sie Lafargue: Mais
quest ce que votre mö@re dirait lä-dessus? Der edle Dichter ist
übrigens so pfiffig, schon jetzt zu erklären, daß er in London blei-
ben muß wegen seines resp. Anteils an der Shakespeare-Über-
setzung. Ferdinand und Ida, Ida und Ferdinand, a well assorted ss
couple, those two!

Apropos! Auf Gumperts Frage hatte ich ihm gesagt, Lafargue
sei im St. Thomas Hospital. Jedoch irrtümlich. Er ist im Bar-
tholomeus Hospital und verlangt, daß der error korrigiert
wird.

Z. 12 (und)—13.

35.40)
        <pb n="439" />
        (1024) 1867 Juni 3
Vergiß nur nicht, Photogramm von Dir und Lupus zu be-
sorgen.
My best compliments to Mrs. Lizzy, Moore und Chlormayer®.
Salut. Tein KM.
Mit wahrem Vergnügen aus der Pariser Korrespondenz der
Times die polenfreundlichen Exklamationen der Pariser wider
Alex[ander] etc. ersehn. Herr Proudhon und seine kleine dok-
trinäre Clique sind nicht das French People.

393

1025. Engels an Marx; 1867 Juni 16.
Manchester, 16. Juni 1867.
Lieber Mohr,

Ich bin seit 8 Tagen durch allerlei Krakeel mit Monsieur Gott-
fried und andre derartige Geschichten und Störungen so deran-
giert worden, daß ich nur selten zum Studium der Wertform Ruhe

; Hatte. Sonst hätte ich Dir die Bogen längst zurückgeschickt.
Bogen 2 namentlich trägt ein etwas gedrücktes Karbunkelgepräge,
das ist aber nun nicht mehr zu ändern, und ich meine, Du machst
im Nachtrag weiter Nichts darüber, denn der Philister ist doch an
diese Art abstrakten Denkens nicht gewöhnt und wird sie sich der

„ Wertform zu Gefallen sicher nicht anquälen. Höchstens würde das
hier dialektisch Gewonnene etwas weitläufiger historisch nachzu-
weisen, sozusagen aus der Geschichte die Probe darauf zu machen
sein, obgleich dafür das Nötigste auch schon gesagt ist; Du hast
aber so viel Material darüber, daß Du gewiß noch einen ganz

ıs guten Exkurs darüber machen kannst, der dem Philister auf histo-

rischem Wege die Notwendigkeit der Geldbildung und den dabei
stattindenden Prozeß nachweist. ,

Du hast den großen Fehler begangen, den Gedankengang die-

ser abstrakteren Entwicklungen nicht durch mehr kleine Unter-

„ abteilungen und Separatüberschriften anschaulich zu machen.
Diesen Teil hättest Du behandeln sollen in der Art, wie die Hegel-
sche Enzyklopädie, mit kurzen Paragraphen, jeden dialektischen
Übergang durch besondre Überschrift hervorgehoben und womög-
lich alle Exkurse und bloßen Illustrationen mit besondrer Schrift

u gedruckt. Das Ding würde etwas schulmeisterlich ausgesehen
haben, das Verständnis für eine sehr große Klasse Leser aber
wesentlich erleichtert worden sein. Der populus, selbst der ge-
lehrte, ist eben an diese Art zu denken gar nicht mehr gewöhnt,
und man muß ihnen da jede mögliche Erleichterung zukommen
1 lassen.
5 Kol Schörlemmer
        <pb n="440" />
        394

(1025) 1867 Juni 16
Im Vergleich mit der früheren Darstellung (Duncker) ist der
Fortschritt in der Schärfe der dialektischen Entwicklung sehr be-
deutend, in der Darstellung selbst gefällt mir Manches in der
ersten Gestalt besser. Es ist sehr schade, daß grade der wichtige
zweite Bogen unter dem Karbunkeldruck leidet. Daran ist aber
nichts mehr zu ändern, und wer kapabel ist, dialektisch zu denken,
versteht es doch. Die übrigen Bogen sind sehr gut und haben mir
viel Freude gemacht. Hoffentlich kannst Du mir bald wieder ein
fünf bis sechs Bogen schicken (wobei ich bitte, Bogen 5 wieder
beizulegen, damit ich richtig in den Faden komme), die hier ein- x
zeln gelesenen Bogen werden sich im Zusammenhang viel besser
machen.

Einige Druckfehler hab’ ich noch entdeckt. Ich würde ins Ver-
zeichnis nur die wirklich sinnentstellenden aufnehmen.

Gestern war ich bei Gumpert. Pauvre garcon! Er kommt täg- 15
lich mehr herunter, Es war unmöglich, ihn für irgend etwas Wis-
senschaftliches, nicht einmal Politisches zu interessieren. Stadt-
klatsch, nichts als Stadtklatsch. Und dabei wundert er sich, daß
man nicht öfter zu ihm kommt.

Den Hofmann” gelesen. Die neuere chemische Theorie mit all zo
ihren Fehlern ein großer Fortschritt gegen die frühere atomi-
stische. Die Moleküle als kleinster selbständiger Existenz
fähiger Teil der Materie ist eine ganz rationelle Kategorie, ein
„Knoten“, wie Hegel sagt, in der unendlichen Reihe der Teilungen,
der sie nicht abschließt, aber einen qualitativen Unterschied setzt. 25
Das Atom — früher als Schranke der Teilbarkeit dargestellt —
ist jetzt bloß noch ein Verhältnis, obwohl Monsieur Hof-
mann ” selbst alle Fingerlang wieder in die alte Vorstellung zu-
rückfällt, es gäbe wirkliche unteilbare Atome. Im Übrigen sind
die in dem Buch konstatierten Fortschritte der Chemie wirklich zo
ungeheuer, und Schorlemmer sagt, daß diese Revolution noch
täglich vor sich geht, so daß man alle Tage neue Umwälzungen
erwarten kann.

Beste Grüße an Deine Frau, die Mädchen und den Elektriker.

Dein F. E. 365
5 Bogen heute zurück.
ı) Im Orig. Hoffmann
        <pb n="441" />
        '1026) 1867 Juni 22 a
1026. Marx an Engels; 1867 Juni 22.
22. Juni 1867.

395

Lieber Fred,

Du erhältst hiermit 4 weitere Bogen, die mir gestern zukamen.
Die Kerls haben manchen von mir sehr leserlich korrigierten
Druckfehler stehn lassen. Mit dem „Children’s Employment Com-
mission“ haben wir einen Fehler hineinkorrigiert, Childrens’.
Denn Children Nominativ Pluralis, also ” Genetivzeichen. Ich
sah es gleich, wie ich die Blue Books-selbst wieder ansah.

2 King schreibt mir, daß die Fenians noch nicht heraus
sind. Man verschiebt das solang als möglich und so dicht an den
Schluß der Session als möglich.

{ch hoffe, daß Du mit den 4 Bogen zufrieden bist. Deine bis-
herige Satisfaction ist mir wichtiger als anything die übrige Welt
ıs may say of it. Jedenfalls hoffe ich, daß die Bourgeoisie ihr
ganzes Leben lang an meine Karbunkeln denken wird. Welche
Schweinhunde es sind, jetzt wieder neue Probe! Du weißt, daß
die Children Employment Commission 5 Jahre funktioniert hat.
Auf ihren ersten Bericht, der 1863 erschien, wurden sofort die
zo denunzierten Branchen „gemaßregelt“. Das Toryministerium hatte
Anfang dieser Session, per Walpole, the weeping willow, Bill ein-
gebracht, wodurch sämtliche Vorschläge der Kommission, wenn
auch auf sehr verjüngtem Maßstab, angenommen wurden. Die zu
maßregelnden Kerls, darunter die großen Metallfabrikanten, und
» namentlich auch die Vampire der „Hausarbeit“, schwiegen be-
schissen. Jetzt bringen sie eine Petition an das Parlament und ver-
langen — neue Untersuchung! Die alte sei parteiisch! Sie
rechnen darauf, daß die Reformbill alle öffentliche Aufmerksam-
keit absorbiert, so daß die Sache ganz gemütlich und privately
w durchgeschmuggelt würde, während gleichzeitig böser Wind gegen
die Trades Unions bläst. Das Schlimmste in den „Reports“ sind
die eignen Aussagen der Kerls. Sie wissen also, daß
neue Untersuchung nur Eins meint, aber grade das, „was wir
Bourgeois wollen“ — neuen Exploitationstermin von 5 J ahren!
ıs Glücklicher Weise erlaubt meine Stellung bei dem „Internatio-
nal“, den Hunden einen Strich durch die feine Rechnung zu
machen. Die Sache ist von der außerordentlichsten Wichtigkeit.
Es fragt sich um Abschaffung der Tortur für 1% Mil-
Llionen Menschen, die adult male workingmen nicht eingerechnet!
Was die Entwicklung der Wertform betrifft, so habe ich

Deinen Rat befolgt und nicht befolgt, um mich auch in dieser

Hinsicht dialektisch zu verhalten. D. h., ich habe 1. einen An-

hang geschrieben, worin ich dieselbe Sache so einfach als

möglich und so schulmeisterlich als möglich darstelle. und 2. nach

in

7:6 (Mir—9
        <pb n="442" />
        396 .

(1026) 1867 Juni 22
Deinem Rat jeden Fortschrittssatz in $$ etc. mit eignen Über-
schriften eingeteilt. In der Vorrede sage ich dann dem
„nichtdialektischen“ Leser, daß er Seite X—Yy über-
schlagen und statt dessen den Anhang lesen soll. Es handelt sich
hier nicht nur um Philister, sondern um die wissenslustige J ugend
usw. Außerdem ist die Sache zu entscheidend für das ganze Buch,
Die Herrn Ökonomen haben bisher das höchst Einfache übersehn,
daß die Form: 20 Ellen Leinwand=1 Rock nur die un-
entwickelte Basis von 20 Ellen Leinwand = 2 Pfund
Sterling, daß also die einfachste Warenform, worin x
ihr Wert noch nicht als Verhältnis zu allen andern Waren, sondern
nur als Unterschiednes von ihrer eignen Naturalform aus-
gedrückt ist, das ganze Geheimnis der Geldform und
damit, in nuce, aller bürgerlichen Formen des Ar-
beitsprodukts enthält. Die Schwierigkeit der Entwicklung 16
habe ich in der ersten Darstellung (Duncker) dadurch vermieden,
daß ich die eigentliche Analyse des Wertausdrucks erst
gebe, sobald er entwickelt, als Geldausdruck, erscheint.
Mit Hofmann ® hast Du ganz recht. Du wirst übrigens aus dem
Schluß meines Kapitels III, wo die Verwandlung des Handwerks- zo
meisters in Kapitalist — in Folge bloß guantitativer Ände-
rungen — angedeutet wird, ersehn, daß ich dort im Text Hegels
Entdeckung über das Gesetz des Umschlags der bloß
quantitativen Änderung in qualitative zitiere als
gleich bewährt in Geschichte und Naturwissenschaft. In der 2
Note zum Text (ich hörte damals grade den Hofmann”) er-
wähne ich die Molekulartheorie, aber nicht Hofm[ann,]?
der nichts in der Sache erfunden hat, außer den Strich,
sondern Laurent, Gerhardt und Wurtz®”, welcher letztere der
eigentliche Mann ist. In Folge Deines Briefs erinnerte ich z
mich dunkel der Sache und sah daher mein Manuskript nach.

Die Druckerei ist in den letzten zwei Wochen (nur 4 Bogen)
langsam gegangen, wahrscheinlich wegen der Pfingstzeit. Doch
muß Herr O0. Wligand] dies nachholen. Apropos! Dein Buch
ist noch zu haben. Der Arbeiterverein hat 2 new copies bestellt ss
bei 0. Wligand] und erhalten, (2. Auflage 1848.)

Nun Privates.

Meine Kinder sind gezwungen, 2. Juli andre Mädchen zum
Tanz bei sich einzuladen, da sie dies ganze Jahr Niemand ein-
laden, die Einladungen nicht erwidern konnten, also auf dem «0
Sprung sind to lose cast. So beklemmt ich momentan bin, mußte
ich also darauf eingehn, und rechne auf Dich für den Wein

1) Im Orig. Hoffmann
2) Im Orig. Würtz

7 DI AD a
        <pb n="443" />
        Tafel VIII

NA A
© ©

Si PA a

ben

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West
ch
rc Yan ,
&gt;
De

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SO

Marx an Engels, 22. Juni 1867
fs. S 396)
        <pb n="444" />
        <pb n="445" />
        (1026) 1867 Juni 22
(Claret und Rhein), d. h. daß Du mir ihn im Laufe nächster
Woche besorgst.

Zweitens, da ein „Unglück“ nie allein kommt, hat sich
Lina” für nächste Woche angesagt. Meine Frau muß ihr dann
5 £, die sie ihr schuldet, zurückgeben, und Du begreifst, daß ich
nach Abwehr des ersten Gläubigersturms dies nicht afford kann,

Ich bin in der Tat im höchsten Grade wütend über die Leute,
die mir Geld versprochen haben und nichts (wenigstens bis heute)
von sich hören lassen. Sie interessieren sich persönlich für mich.

Das weiß ich. Sie wissen auch, daß ich nicht fortarbeiten kann
ohne eine gewisse Ruhe. Und doch lassen sie nichts von sich
aören!

Der „edle“ Dichter Freiligrath wird doch ein Erkleckliches
zusammenbekommen. Denn der Bettel bei den reichen Deutschen

„ in Südamerika und — China! und Westindien! soll sehr, da diese
Kerls das als national betrachten, ziehn! Unterdes leben die
Fireiligrath]s nach wie vor re lativ in großem Stil, geben fort-
während Gesellschaft, gehn fortwährend dahin. Dies ist ein Grund,
warum die Londoner deutschen Kaufleut’ sehr spröd. Er, der

u Dicke, soll (so sagt meine Frau, die da war) sehr affiziert und
leidend und gedrückt aussehn. Aber Ida blüht wie eine Klatsch-
rose und war nie fideler in ihrem Leben.

Besten Gruß an Mrs. Lizzy.

397

Dein K. M.
„„ Hohnoris causa mußt Du doch das Photogramm der Madame
Gumpert für mich herausfordern.

1027. Engels an Marx; 1867 Juni 24.
Manchester, 24. Juni 1867.
Lieber Mohr,

Die Bogen bis inklusive 12 dankend erhalten, habe aber noch
aicht über No. 8 hinaus gelesen. Die Kapitel über die Verwandlung
in Kapital und das Entstehen des Mehrwerts bilden, was Dar-
stellung und Inhalt angeht, soweit den Glanzpunkt. Ich habe sie
gestern dem Moore vorübersetzt, der sie auch richtig kapiert hat
und sehr verwundert war über diese einfache Methode, Resultate
zu erlangen. Gleichzeitig habe ich die Frage gelöst, wer Dein
Buch englisch übersetzen soll: der Moore. Er kann jetzt Deutsch ge-
nug, um den Heine ziemlich fließend zu lesen und wird sich bald in
Deinen Stil hineinarbeiten (mit Ausnahme der Wertform und der

„ Terminologie, da werd’ ich stark nachhelfen müssen). Dabei ver-

1) Lina Schöler

Fr

ü

A A

06 DE
        <pb n="446" />
        398

(1027) 1867 Juni 24
steht sich, daß. die ganze Arbeit unter meiner unmittelbaren Auf-
sicht vor sich geht. Sobald Du einen Verleger hast, der ihm nota-
bene etwas für seine Arbeit zahlt, ist er ganz bereit dazu. Der
Kerl ist fleißig und zuverlässig und hat dabei so viel theoretische
Vorbildung, wie man bei einem Engländer erwarten kann. Ich
habe ihm gesagt, die Analyse der Ware und das übers Geld wür-
dest Du selbst englisch neu bearbeiten. Für den Rest aber ist nun
auch eine Terminologie (englische) nötig, um die Hegel-
schen Ausdrücke zu verdolmetschen, und da kannst Du einstweilen
darüber nachdenken, denn das ist nicht leicht, aber unumgänglich. zo
Wieviel Bogen sind nun eigentlich schon gesetzt, ich kann nicht
mehr daraus klug werden, es muß aber doch wohl jetzt das halbe
Buch gesetzt sein? Ich freue mich auf die Verlegenheit der Herren
Ökonomen, wenn sie an die beiden oben erwähnten Passus kom-
men. Die Entwicklung der Wertform ist allerdings das An-sich der 13
ganzen bürgerlichen Schmiere, die revolutionäre Konsequenz tritt
aber noch nicht so hervor, und die Leute können sich an diesen
abstrakten Sachen leichter vorbeidrücken und Phrasen machen.
Hier hört’s aber auf, die Sache ist so sonnenklar, daß ich nicht
sehe, was sie darauf sagen können. @

Ich hoffe, es gelingt, den Herren Bürgern mit ihrer neuen
Untersuchung einen Stock vorzustecken. Ich hörte noch vor ein
paar Tagen einen der Eisengießer und Maschinenfabrikanten
heulen über die drohende Gefahr. Unterdessen ist es sehr gut, daß
die Sheffielder Femgerichtsorganisation durch die Kommission für 25
alle Zukunft unmöglich gemacht wird. Dieser Lokalterrorismus
und sein großer Erfolg hielt die Kerle grade ab, sich an der gro-
ßen nationalen Bewegung zu beteiligen, und bestärkte sie in ihrer
Lokalborniertheit, Komisch ist das Geheul der Bourgeois. Als ob
die Herren Bourgeois nicht selbst in Australien und Kalifornien sc
etc. ihre Femgerichte, ihre vigilance committees gehabt hätten, die
grade so verfuhren, nur noch viel massenhafter totschlugen.

Den Wein werde ich Dir schicken, auch noch eine £ 10 vor
Ende dieses, Ich wollt, Ihr hättet Eure Party etwas später als
2, Juli gesetzt. Du begreifst, daß ich nicht ohne großes Aufsehen 3
zu erregen grade am ersten Tag des Bilanzjahrs mir £ 100
kann geben lassen, ich muß verhindern, daß die Leute auf dem
Comptoir nicht zu viel darüber nachdenken, was ich mit einer
solchen Summe auf ein Mal wohl mache.

Wegen der Molekulartheorie sagt mir Schorlemmer, daß die x
Hauptkerle dabei Gerhardt und Kekul&amp; sind: daß Wurtz” nur
popularisiert und ausgearbeitet hat. Er wird Dir ein Buch schicken,
worin die historische Entwicklung des Gegenstands dargestellt
wird.

1) Im Orig. Würtz
        <pb n="447" />
        (1027) 1867 Juni 24

199

Gibt es nicht alte, vorbaconische oder doch vorlockische eng-
lische philosophische Schriften, aus denen man Material zur Ter-
minologie finden könnte? Mir ist so, als existiere so etwas. Und
wie ist’s mit den englischen Versuchen, den Hegel wiederzugeben?

Beste Grüße an Deine Frau und die Mädchen.

Dein F. E.

1028. Engels an Marx 1867 Juni 26.
Manchester, 26. Juni 1867.
Lieber Mohr,

„Im Verfolg meines ergebnen Gestrigen“ inliegend zwei halbe
Fünfpfundnoten, deren 2te Hälften per 1. Post morgen früh nach-
folgen, also morgen Abend in Deinem Besitz sein werden.

Über die Entstehung des Mehrwerts noch folgendes: Der Fa-
brikant und mit ihm der Vulgärökonom werden Dir sofort ein-

„ werfen: Wenn der Kapitalist dem Arbeiter für seine 12 Stunden
Arbeitszeit nur den Preis für 6 Stunden bezahlt, so kann daraus
kein Mehrwert entstehn, indem dann jede Arbeitsstunde des Fa-
brikarbeiters nur == % 'Arbeitsstunde zählt — == dem, wofür sie
bezahlt wird —, nur für diesen Wert in den Wert des Arbeits-

„ produkts eingeht. Worauf dann als Exempel die gewöhnliche Kal-
&lt;ulationsformel folgt: so viel für Rohprodukte, so viel für Ver-
schleiß, so viel für Lohn (wirklichausgegebnen pro wirk-
liches Stundenprodukt) usw. So greulich seicht dies Argument
auch ist, so sehr es Tauschwert und Preis, Wert der Arbeit und
Arbeitslohn identifiziert, so absurd seine Voraussetzung, daß 1 Ar-
beitsstunde nur für % Stunde in den Wert eintrete, wenn sie nur
für Y Stunde bezahlt wird, so wundre ich mich doch, daß Du nicht
schon darauf Rücksicht genommen, denn es wird Dir ganz sicher
sofort vorgehalten und es wird besser im voraus erledigt. Viel-

„ leicht kommst Du auf den nächsten Bogen darauf zurück.

Du mußt mir eine Adresse in London verschaffen, an die ich
die £ 100 nächste Woche schicken lassen kann. Ich denke näm-
lich heute über 8 Tage mit Lizzie via Grimsby nach Hamburg,
Schleswig, Kopenhagen etc. zu gehn und werde wohl 4 Wochen
ausbleiben. Ich muß also das Geld am Donnerstag oder Freitag
durch unsern Kassierer nach dort schicken lassen und brauche da-
zu eine gleichgültige Adresse, womöglich kommer-
zielle. Du mußt Dir also überlegen, wen Du dazu vorziehst. und
25 mich gleich wissen lassen.

Nachdem ich Lizzie von Hamburg wieder nach Grimsby ge-
schickt, werde ich auch Meißner und Kugelmann besuchen und
dann an den Rhein gehn.

Beste Grüße.

0

m

Dein F. E.
        <pb n="448" />
        20

(1029) 1867 Juni 27

1029. Marx an Engels; 1867 Juni 27.
27. Juni 1867.
Dear Fred,

Die Kinder senden besten Dank.

Ich habe heute dem Meißner geschrieben, daß die „Leipziger“
Methode nicht so fortgehn kann. Seit Montag Nichts erhalten.
Überhaupt kommen mir die Korrekturen ganz unregelmäßig zu,
so daß ich stets in andrer Arbeit unterbrochen werde und mich
stets in nutzloser Spannung befinde. Wenn ich vielleicht die ganze
Woche 1 Bogen erhalten habe, kommt Samstag Abends noch v
enälich ein Bogen nach, der nicht mehr expediert werden kann.
[ch habe Mleißner] geschrieben, daß Wigand das Minimum
von 3 Bogen an bestimmten abgemachten Tagen
schicken muß, daß er mir aber stets willkommen ist, wenn er any
time mehr schickt.

Bekomme ich noch zur Zeit 13. und 14. Bogen in Reinabzug, so
erhältst Du sie Sonntag. Ich wünschte, daß Du noch die Ab-
kanzlung des Senior und die Einleitung in die Behandlung des
Arbeitstags vor Abreise sähest. Im übrigen nimmt der $ über
den „Arbeitstag“ 5 Druckbogen ein, worin natürlich der ma- zo

terielle Stoff vorwiegt. Damit Du siehst, wie genau ich Deinem Rat
in Behandlung des Anhangs gefolgt bin, schreibe ich Dir hier die
Einteilung, $, Titel etc. desselbigen Anhangs ab.
Anhang zu Kapitell, 1.
Die Wertform.
I. Einfache Wertform.

$1. Die beiden Pole des Wertausdrucks: Rela-
tive Wertform und Äquivalentform.

a. Unzertrennlichkeit der beiden Formen.

b. Polarität der beiden Formen. 30

ce. Relativer Wert und Aquivalent, beides
nur Formen des Werts.

$2. Die Relative Wertform.

a. Gleichheitsverhältnis.

b. Wertverhältnis. -

ce. Qualitativer Gehalt der im Wertverhält-
nis enthaltnen Relativen Wertform.
Quantitative Bestimmtheit der im Wert-
verhältnis enthaltenen Relativen Wert-
form. wo
Das Ganze der Relativen Wertform.

7}
        <pb n="449" />
        (1029) 1867 Juni 27

A901

$3. Die Äquivalentform,
a. Die Form der unmittelbaren Austausch-
barkeit.
b. Quantitative Bestimmtheit nicht enthal-
ten in der Äquivalentform.

Die Eigentümlichkeiten der Äquivalent-

form.

x Erste Eigentümlichkeit: Gebrauchs-
wert wird zur Erscheinungsform sei-
nes Gegenteils, des Werts.

Zweite Eigentümlichkeit: Konkrete
Arbeit wird zur Erscheinungsform
ihres Gegenteils, abstrakt mensch-
licher Arbeit.
Dritte Eigentümlichkeit: Privatarbeit
wird zur Form ihres Gegenteils, zu
Arbeit in unmittelbar gesellschaft-
licher Form.
Vierte Eigentümlichkeit: Der Feti-
schismusder Warenformfrappanter in
der Äquivalentform als in der Relati-
ven Wertform.

54. Wertform oder selbständige Erscheinungs-

form des Werts= Tauschwert.

;„ 5. Die einfache Wertform der Ware = Ein-
fache Erscheinung der in ihr enthaltenen Ge-
gensätze von Gebrauchswert und Wert.

$6. Einfache Wertform der Ware =— Einfache
Warenform eines Dings.

$7. Verhältnis von Warenform und Geldform.

88. Einfache Relative Wertform und Einzelne
Äquivalentform.

$9, Übergang der Einfachen in die entfaltete
Wertform.

f

7

I. Totale oder Entfaltete Wertform.

$1. Endlosigkeitder Reihe der relativen Wert-
ausdrücke.

$2. Fortbestimmung, enthalten in der entfal-
teten relativen Wertform.

$3. Mängelderentfalteten relativen Wertform.

$4. Entfaltete Relative Wertform und Besondre
Aquivalentform.

$5. Übergang zur Allgemeinen Wertform.

Mary-Fngels-Cesamtausgabe. III. Abt.. Bd. 3

36
        <pb n="450" />
        102
ln

(1029) 1867 Juni 27
II. Allgemeine Wertform.

$1. Veränderte Gestalt der Relativen Wert-
form.

$2. Veränderte Gestalt der Äquivalentform.

$3. Gleichmäßiges Entwicklungsverhältnis von :
Relativer Wertform und Äquivalentform.

$4. Entwicklung der Polarität von Relativer
Wertform und Äquivalentform.

$5. Übergang aus der Allgemeinen Wertform
zur Geldform.
IV. Die Geldform.
(Dies über Geldform nur des Zusammenhangs wegen, — viel-
leicht kaum halbe Seite.)
$1. Verschiedenheit des Übergangs der Allge-
meinen WertformzurGeldform von den früheren x
Entwicklungsübergängen.
$ 2. Verwandlung von Relativer Wertform in
Preisform.
$3. Dieeinfache Warenform ist das Geheimnis
der Geldform.
Streu Sand druff!
Dein K. Moro.

Vergiß nicht Zeile an Borkheim zu schreiben, bevor Du ab-
reisest, damit kein „Mißverständnis‘“ möglich.

Was die englische Übersetzung angeht, so suche ich z;
in London einen Kerl aufzutreiben, der ordentlich zahlt,
so daß Moro* als Übersetzer und ich als Autor beide unsren Teil
kriegen. Gelingt das, so soll Mrs. Lizzy (Du mußt mir den Spaß
— aber die Vögel sind noch nicht gefangen — in that case er-
lauben) auch in Form eines London dress ihren Anteil erhalten. zo
Ich habe einige Aussicht in Folge der Sehnsucht, welche die Herrn
Harrison et Co. fühlen, das Buch englisch zu studieren. Ecca-
rius hat ihnen natürlich gesagt, daß er a humble Schüler of mine
sei — (seine Kritik Mills hat ihnen, bisher Gläubigen in Mill,
enorm imponiert) — und daß der Herr Prophet die Grundsuppe #
der Weisheit just now in Deutschland veröffentliche, resp. drucken
lasse.

Der Report über die Fenians ekelt mich an. Diese Saukerls
rühmen es als englische Humanität, daß politische Gefangne
nicht schlechter als Mörder, Straßenräuber, Fälscher und «
Päderasten behandelt werden! Und dieser 0’Donovan Rossa, was
„a queer fellow“, daß er, der felonyconvict, seinen Saufeinden
1) Sam. Moore
        <pb n="451" />
        (1029) 1867 Juni 27

403

nicht in den Arsch kriechen will! A queer fellow, indeed! Hätten
die Preußen übrigens selbst bureaukratischer sein können als diese
Sendlinge des weeping willow, dieser Knox (lies Ox) und Pollock
(Bull-Dog), die natürlich die Aussage des subordinate „warders“

s als vollgültig anerkennen. Glaubt Ihr aber den warders nicht, so
doch — dem Polizeidirektor Wermuth!

Mrs. O’D[onovan] Rossa, bei ihrer Abreise nach Amerika, hat
dem „International“ a very flattering and very gracefull letter
geschrieben.

o Die Wut des „Norddeutschen“ Bismarckorakels über die Erklä-
rungen von Stanley resp. Derby über den Luxemburg Treaty hat
mir den Magen kuriert. Dieser Esel Braß nennt das eine Neuerung!
Palmerston hat ein für allemal laid down den Grundsatz, daß
common treaties nur das Recht, aber bei Leibe nicht die

ıs Pflicht der Intervention for any state auferlegen. Und was
bekäme?” sonst aus den obligations, die England mit Bezug
auf Polen, sowohl Preußen als Rußland gegenüber, auf dem
Wiener Congress übernahm, und Frankreich ditto?

1030. Marx an Engels; 1867 Juni 27.
27, Juli” 1867.
Lieber Fred,

Die 2 halben 5 £-Noten mit bestem Dank erhalten. Was die
Adresse angeht, so Borkheim. Er kennt meine Lage, natürlich
mit so viel Halbdunkel, als ich ihm gegenüber für nötig halte. Es

5 ist mir sogar lieb, wenn er weiß, daß Du mir Geld pumpst. Nur
mußt Du mir schreiben, wann das Geld an ihn geschickt wird.
Ich sehe nicht ein. warum ich noch einen 3. Philister hineinziehn
sollte.

Du erhältst heute „Fenians“ zugeschickt.

3% Deine Zeilen von gestern haben mir große Freude gemacht, und
ich habe nicht nötig, Dir das weiter zu explizieren.

Es ist mir zu Hand gekommen zuletzt Bogen 20. Das Ganze
wird wohl 40 bis 42 Bogen. Reinabzüge nach den Dir ge-
schickten keine bis heut erhalten. Die in Deiner Hand hefind-

z5 lichen schicke mir bei Deiner Abreise zurück.

Was das von Dir erwähnte, unausbleibliche Bedenken des
Spießers und Vulgärökonomen angeht (die natürlich vergessen,
daß, wenn sie die bezahlte Arbeit unter dem Namen Ar-
beitslohn, sie die unbezahlte unter dem Namen Pro-

w fit etc. berechnen), so kommt es, wissenschaftlich ausgedrückt,
auf die Frage hinaus:

1) Wohl Schreibfehler für würde
2) Irrtümlich für Juni

Nr 1320
        <pb n="452" />
        10%

(1030) 1867 Juni 27
Wie verwandelt sich der Wert der Ware in ihren
Produktionspreis, worin

1. die ganze Arbeit als bezahlt erscheint unter
der Form des Arbeitslohns;

2, die Mehrarbeit aber, oder der Mehrwert, die Form eines
Preisaufschlags annimmt unter dem Namen Zins, Profit
etc., über den Kostenpreis (= Preis des konstanten Ka-
pitalteils + Arbeitslohn).

Die Beantwortung dieser Frage setzt voraus:

[. Daß die Verwandlung von z.B. Tageswert der x
Arbeitskraft in Lohn oder Preis der Tagesarbeit
dargestellt ist. Dies geschieht Kapitel V dieses Bandes.

IH. Daß die Verwandlung des Mehrwerts in Pro-
fit, des Profits in Durchschnittsprofit usw. dar-
gestellt ist. Dies unterstellt vorherige Darstellung des Zirkula-ıs
tionsprozesses des Kapitals, da der Umschlag des Ka-
pitals usw, Rolle dabei spielt. Diese Sache kann daher erst im
3. Buch dargestellt werden (Band II enthält 2. und. 3. Buch).
Hier wird sich zeigen, woher die Vorstellungsweise von
Spießer und Vulgärökonom stammt, nämlich daher, daß in ihrem z
Hirn sich immer nur die unmittelbare Erscheinun gsform
der Verhältnisse reflektiert, nicht deren innerer Zusammen-
hang. Wäre letztres übrigens der Fall, wozu wäre dann über-
haupt eine Wissenschaft nötig?

Wollte ich nun alle derartigen Bedenken vorwe g ab-x
schneiden, so würde ich die ganze dialektische Entwicklungs-
methode verderben. Umgekehrt. Diese Methode hat das Gute, daß
sie den Kerls beständig Fallen stellt, die sie zur unzeitigen
Manifestation ihrer Eselei provozieren.

Übrigens folgt unmittelbar auf den, Dir zuletzt in Hand be-
findlichen $3: „Die Rate des Mehrwerts“ der $: „Ar-
beitstag‘“ (Kampf um die Länge der Arbeitszeit), dessen Be-
handlung ad oculus demonstriert, wie sehr der Herr Bourgeois
praktisch über die Quelle und Substanz seines Profits im
Klaren ist. Auch zeigt sich dies in dem case Senior, wo der »
Bourgeois versichert, sein ganzer Profit und Zins rühre von der
letzten unbezahlten Arbeitsstunde her.

Besten Gruß an Mrs. Lizzy.

Dein K. M.
Auf Deiner Rückreise mußt Du ein paar Tage hierbleiben.
Apropos! Ich habe es in keiner Weise für zweckmäßig er-
achtet, Herrn Meißner in meine Privatverhältnisse einzuweihn.

Ir
        <pb n="453" />
        (1031) 1867 Juli 20

53
1031. Marx an Engels in Hannover; London 1867
Juli 20.
20. Juli 1867.
Lieber Engels,

Ich schreibe in Hast diese Zeilen, in der Hoffnung, daß sie Dich
noch in Hannover finden. C’est une chose brülante. Der alte La-
fargue lud meine 3 Töchter (sie reisen Morgen mit dem secretaire
ab) nach Bordeaux, von wo sie mit ihm und Frau nach einem
Seebad gehn werden. Ich konnte das um so weniger abschlagen,

o als der Gesundheitszustand aller 3 Mädchen diese Einladung zu
einem wahren Glück machte. Aber der Anstand verbot, den Se-
cretaire de l’Espagne die Reisekosten zahlen zu lassen. Diese (hin
und zurück) ungefähr 30 £, die ich ihm also einhändigen mußte,
Dazu waren ihre Uhren, Kleider usw. aus dem Pfandhaus zu neh-

ıs men. So gingen die 45 £ flöten, die ich in Reserve hatte für Haus-
miete am 3. August. (Wechsel auf mich.)

Ich weiß nun nichts zu tun, außer Dir zu schreiben. Trifft Dich
der Brief, so schreib mir gleich mit Einlagean Borkheim,
daß er mir das Geld vorschießt.

» Lies in Deutschland: „Zwölf Streiter der Revolution. Von
Gustav Struve und Gustav Rasch“. Du findest darin, unter der
Rubrik des „Revolutionsstreiters‘“ Freiligrath, reinen Verrat die-
ses Braven gegen uns.
Dein K.M.

1032. Marx an Engels; 1867 August 10.
10. August 1867.
Lieber Fred,

Einliegenden schönen Brief von Dronke heute aus Manchester

erhalten. Er hat ungefähr 14 Tage gebraucht, um mir den guten
u Rat zu geben, Wein und Kaffee zu „verkaufen“, um die Spedi-
tionskosten zu decken!

Übrigens war der kleine Franzose heute wieder hier und hat
mir gedroht, an Old Lafargue zu schreiben. Alles, was ich tun
konnte, war, ihn durch das Versprechen zu beschwichtigen. daß

; er Dienstag Morgen sein Geld haben solle.

Packen „Courrier Francais“ nebst fälligen 2 „Dipl [o-
matic] Revliew]“ geht Montag von hier ab.

Salut.
Dein

K. M.

?* dan 72
        <pb n="454" />
        (1033) 1867 Aug. ll

1033. Engels an Marx; 1867 August 11.

Manchester, 11. August 1867.
Lieber Mohr,

Inliegend eine Fünfpfundnote, die ich mir glücklicher Weise
gestern geben ließ und die jetzt Deinen frenchman befriedigen
wird. Desgleichen Dronkes Brief. Der Kleine hat sich also mit
seinen Spekulatiönchen glücklich festgeritten. Ich fürchte, er wird,
um von der Verbindlichkeit auf die Barnedi-Aktien loszukommen,
den Weg durch den Bankruptey Court nehmen müssen. Es ist sehr
hart für das Kerlchen, erst der Prozeß wegen der Assekuranz und
jetzt diese Schläge. Indes bleibt ihm seine Agentur doch wohl und
damit und mit etwas weniger Hitze der Spekulation kann er es
bald wieder so weit bringen.

Ich habe bis Bogen 32 flüchtig durchgelesen und werde Dir
erst später darüber berichten; die vielen Illustrationen in diesem %
Teil verstecken, bei flüchtigem erstem Lesen, den Zusammenhang
etwas. Es sind aber sehr schöne Sachen drin, und das Kapital und
seine Sykophanten werden Dir ewig dankbar sein.

Auf der Herreise hatte ich noch das Vergnügen, daß eine Gewehr-
kugel, nicht 12 Zoll von meiner Brust, das Fenster zerschmetterte 2%
und durch den Wagen flog: Irgend ein volunteer hatte wohl noch-
mals beweisen wollen, daß man ihm kein Schießgewehr anver-
trauen dürfe. Dies ist der sonderbarste railway accident, der mir
je vorgekommen.

Lizzie hat auch eine ziemlich schlechte Rückfahrt gehabt, sie 25
sagt, sie geht nie wieder auf die See.

Beste Grüße an Deine Frau. Dein

106

1034. Marx an Engels; 1867 August 14.

Lieber Frederick,

Wie Du aus dem Einliegenden ersiehst, bin ich mit Exekution
bedroht, wenn ich die Steuern (zum Belauf von 11 £ 9 d.) nicht
nächsten Freitag zahle. Ich habe ferner Ende dieser Woche
1 £ 15 d. für Pfandhauszinsen zu zahlen, oder die Sachen ver-
fallen. Ich teile Dir diesen ganzen Dreck erst jetzt mit, weil ich z
vorher — leider vergebliche — Versuche machte, das Geld in
London aufzutreiben.

Bei dem enormen Geld, das Du mir dies Jahr geschickt hast,
wäre keine solche pressure, wenn nicht über 200 £ Schulden vor-
her dagewesen. Es ist, um in Ordnung zu kommen und Dich nicht

14. August 1867.
        <pb n="455" />
        (1034) 1867 Aug. 14

407

so schrecklich zu pressure, durchaus nötig, daß ich noch anderswo
eine Anleihe aufnehme, selbst wenn dazu neue Reise nach dem
Kontinent erfordert. Aber ich kann keinen Finger rühren, bis der
Druck fertig. Ich habe heute 48. Bogen erhalten. Diese Woche
5 wird also die Scheiße fertig.
Salut.
Dein

K. M.

1035. Engels an Marx; 1867 August 15.
Manchester, 15. August 1867.
Lieber Mohr,
Inliegend 3 £ 5 Noten I/V 65551 Manchester,
——— 65113 | 29, Januar,
nz — 44954 1866
und die Steuerzettel zurück. Unter diesen Umständen ist es
„wesentlich, daß meine Rückkehr vor Borkheim geheim ge-
halten wird, damit ich erst so spät wie möglich im September
ihn zu zahlen brauche, ich komme sonst total fest, da Du begreifst,
daß ich auch hier grade im neuen Halbjahr eine Masse Zahlungen
zu machen habe. Dazu kommt, daß in Folge der gefallenen Garn-
» preise wir das Lager bei der Bilanz um ca. 2500 £ schlechter an-
nehmen müssen als nach den Preisen, die hei meiner Abreise
galten. Auch sehr angenehm!
Wann willst Du einen Teil der Bogen zurück haben? Schor-
lemmer bat mich, ihm sie der Reihe nach zu geben, wie ich damit
» fertig würde, aber das hängt natürlich von Dir ab. Ich habe das
Ding jetzt bis zu Ende durchgelesen (flüchtig) und finde doch,
daß der zweite Band auch noch sehr nötig ist, und je eher Du
ihn fertig machst, desto besser. Ich sehe jetzt das Ganze noch ein-
mal durch, d. h. das mehr Theoretische. Die Kerle werden sich
so wundern, wenn sie sehen, wie spielend „auf dieser Weise“ die
schwierigsten Punkte. wie Ricardos Profittheorie, ihre Erledigung
nden.
Beste Grüße an Deine Frau.
Dein F. E.

L . .
35 0. ar geboren zu Tarnau 21. Juni 1809, gestorben

Z 11 (Noten)—13
        <pb n="456" />
        108

(1036) 1867 Aug. 16
1036. Marx an Engels; 1867 August 16.
2 Uhr Nacht. 16. August 1867.
Dear Fred.
Eben den letzten Bogen (49.) des Buchs fertig korrigiert.
Der Anhang — Wertform — kleingedruckt, umfaßt
11% Bogen.

Vorrede ditto gestern korrigiert zurückgeschickt. Also
dieser Band ist fertig. Bloß Dir verdanke ich es, daß
dies möglich war! Ohne Deine Aufopferung für mich konnte ich
unmöglich die ungeheuren Arbeiten zu den 3 Bänden machen. zo
L embrace you, full of thanks!

Beiliegend 2 Bogen Reinabzug.

Die 15 £ mit bestem Dank erhalten.

Salut, mein lieber, teurer Freund!

Dein K. Marx. ı5
Ich brauche die Reinabzüge erst zurück, sobald das Buch
ganz erschienen ist.

1037. Engels an Marx; 1867 August 23.

Manchester, 23. August 1867.
Lieber Mohr,

Ich habe bis jetzt ca. Bogen 36 durchgearbeitet und gratuliere
zu der kompletten Weise, in der die verzwicktesten ökonomischen
Probleme durch bloßes Zurechtrücken und Einstellen in den rich-
tigen Zusammenhang einfach und fast sinnlich klar gemacht wer-
den. Desgleichen zu der, der Sache nach, höchst famosen Dar- 2
stellung des Verhältnisses von Arbeit und Kapital — im vollen
Zusammenhange und komplett hier zum ersten Mal. Auch hat mir
sehr viel Spaß gemacht zu sehn, wie Du Dich in die technologische
Sprache hineingearbeitet hast, was Dir sicher viel Schwierigkeiten
machen mußte und deshalb ich diverse misgivings hatte. Einige %
slips of the pen habe ich mit Bleistift am Rand korrigiert, auch
einige Konjekturen riskiert, Aber wie hast Du die äußere Ein-
teilung des Buchs so lassen können, wie sie ist! Das 4. Kapitel ist
fast 200 Seiten lang und hat nur 4 durch dünngedruckte, kaum
wiederzufindende Überschriften bezeichnete Abschnitte. Dabei der 2
Gedankengang fortwährend durch Illustration unterbrochen und
der zu illustrierende Punkt nie am Schluß der Illustration re-
sümiert, so daß man stets von der Illustration eines Punkts direkt
in die Aufstellung eines andren Punkts hineinplumpst. Das ist

WET
        <pb n="457" />
        Tafel IX

L- . Al Ds ae An 16
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Marx an Engels, 16. August 1867
(s. S. 408)
        <pb n="458" />
        <pb n="459" />
        (1037) 1867 Aug.23

409
scheußlich ermüdend und bei nicht ganz scharfer Aufmerksamkeit
auch verwirrend. Hier wären häufigere Unterabteilung und stär-
kere Hervorhebung der Hauptabschnitte entschieden am Platz ge-
wesen und müssen für die englische Bearbeitung entschieden ge-
macht werden. Überhaupt sind in dieser Darstellung (namentlich
Kooperation und Manufaktur) einige Punkte mir noch nicht ganz
klar, bei denen ich nicht herausfinden kann, auf welche Tatsachen
sich die nur allgemein gegebne Entwicklung bezieht. Der äuße-
ren Form der Darstellung nach scheint dies 4. Kapitel auch am
vo raschesten geschrieben und am wenigsten wieder durchgearbeitet
zu sein. Alles das hat aber nichts zu sagen, die Hauptsache ist,
daß den Herren Ökonomen nirgendwo eine schwache Stelle bei-
gegeben ist, wo sie Bresche schießen können; ich bin in der Tat
neugierig, zu hören, was die Herren sagen werden, es ist ihnen
1 auch nicht die geringste Handhabe gelassen. Leute ä la Roscher
werden sich dafür schon zu trösten wissen, aber für die Leute hier
in England, die nicht für Kinder von 3 Jahren schreiben, ist das
doch etwas Andres.
Sobald Du mir wieder einige Bogen schicken kannst, wirst Du
% mir eine große Freude machen, ich möchte die Akkumulation gern
im Zusammenhang lesen.
Grüße Deine Frau bestens. Wann kommen die Mädchen
zurück?
Dein

F.E.

25

1038. Marx an Engels; 1867 August 24
24. August 1867.
Dear Fred,
Seit den letzten 2 Reinabzügen, die ich Dir schickte, habe ich
keine weiteren erhalten.” Ich bin wütend über den Meißner. Er
% hat offenbar das ihm von Wigand Zugeschickte zurückgehal-
ten, um alles auf einmal zu schicken — und 4 d. Porto zu
sparen!
Selbiger Meißner schrieb mir vorige Woche, daß er einen ge-
wissen Teil meiner Vorrede (und er hat in der Tat das Richtige
„ gewählt) besonders abdruckt, um es den deutschen Zeitungen zu-
zuschicken. Ich schrieb ihm, er solle mir sofort Copies davon
schicken. Ich rechnete darauf, daß Du die Sache englisch
übersetzen wirst (ich gebe es dann dem Beehive, den Mill,
Beesly, Harrison etc. halten), Lafargue mit Hilfe von Laura fran-
1) Im Orig. enthalten
        <pb n="460" />
        410

(1038) 1867 Aug. 24
zösisch für den Courrier Francais, endlich hätte ich one
copy meinen Korrespondenten in Amerika geschickt. Um die 4 d.
zu sparen, hat Meißner nichts geschickt. Er wird es alles zu-
sammen schicken. So geht aber viel Zeit verloren!

Das Beste an meinem Buch ist 1. (darauf beruht alles Ver- :
ständnis der facts) der gleich im Ersten Kapitel hervorgehobne
Doppelcharakter der Arbeit, je nachdem sie sich in
Gebrauchswert oder Tauschwert ausdrückt; 2. die Behandlung
des Mehrwerts unabhängig von seinen besondren
Formen als Profit, Zins, Grundrente ete. Namentlich im zweiten 10
Band wird sich dies zeigen. Die Behandlung der besondren For-
men in der klassischen Ökonomie, die sie beständig mit der allge-
meinen Form zusammenwirft, ist eine Olla Potrida. ;

Deine Desiderata, Aussetzungen, queries etc. bitte ich in die
Reinabzüge hineinzuschreiben. Es ist dies sehr wichtig 15
für mich, da ich auf 2. Auflage, früher oder später, rechne. Was
chapter IV angeht, so hatte es viel Schweiß gekostet, die Sachen
selbst zu finden, d. h. ihren Zusammenhang. Dann, nach-
dem das geschehn, stürzte ein blue Book nach dem andren bei der
letzten Ausarbeitung dazwischen, und ich war entzückt, meine z
theoretischen Resultate durch die facts vollständig bestätigt zu
sehn. Endlich geschrieben mit Carbuncles und täglichem Geld-
gläubigertritt!

Bei dem Schluß des 2. Buchs (Zirkulationsprozeß),
den ich jetzt schreibe, muß ich Dich wieder, wie vor vielen 2%
Jahren, über einen Punkt angehn!

Das fixe Kapital ist erst in natura zu ersetzen nach sage z. B.
10 Jahren. In der Zwischenzeit retourniert sein Wert partiell und
gradatim mit dem Verkauf der damit produzierten Waren. Dieser
progressive return für das Kapital fixe ist zu seiner Ersetzung (von #%
repairs und dergleichen abgesehn) erst nötig, sobald es in seiner
stofflichen Form, z. B. als Maschine, tot ist. In der Zwischen-
zeit hat aber der Kapitalist in der Hand diese successive returns.

Ich schrieb Dir vor vielen Jahren, es scheine mir, daß sich so
ein Akkumulationsfonds bilde, da der Kapitalist das re- %
tournierte Geld doch inder Zwischenzeit anwende, be-
vor er das Capital fixe damit ersetzt. Du sprachst Dich in einem
Brief, somewhat superficially, gegen dies aus. Ich fand später,
daß Mc Culloch diesen sinking fund als Akkumula-
tionsfonds darstellt. In der Überzeugung, daß Me Clulloch] &amp;
nie was Richtiges denken kann, ließ ich die Sache fallen. Seine
apologetische Absicht dabei ist schon von Malthusianern
widerlegt worden, aber auch sie geben den fact zu.

Du, als Fabrikant, mußt nun wissen, was Ihr mit den returns
für Capital fixe vor der Zeit, wo es in natura zu ersetzen ist, ds
        <pb n="461" />
        41)
(1038) 1867 Aug. 24
macht. Und Du mußt mir diesen Punkt (ohne Theorie, rein
praktisch) beantworten.
Salut.
Dein K. M.
(Salut to Mrs. Lizzy!)
Die Kinder noch in Royan bei Bordeaux.

1039. Engels an Marx; 1867 August 26.

Manchester, 26. August 1867.
Lieber Mohr,

Über die Ersatzfondsfrage morgen ausführlich mit begleiten-
den Rechnungen. Ich muß nämlich noch ein paar Fabrikanten
fragen, ob unser Modus der allgemeine oder nur ausnahmsweise.
Es fragt sich nämlich, ob bei £ 1000 ursprünglicher Kosten der
Maschinerie, wo im 1. Jahr £ 100 abgeschrieben werden, die Regel]

5 ist, im 2. Jahr 10 % auf £ 1000 oder auf £ 900 abzuschreiben
usw. Letzteres tun wir, und damit läuft die Sache begreiflich in
infinitum, wenigstens theoretisch. Dies affıziert die Rechnerei be-
trächtlich. Sonst aber ist kein Zweifel, daß der Fabrikant den Er-
satzfonds im Durchschnitt 4/2 Jahr, ehe die Maschinerie

» verschlissen ist, bereits benutzt, wenigstens zur Verfügung hat.
Dies wird aber eingerechnet, sozusagen als eine gewisse Garantie
gegen den moralischen Verschleiß, oder aber der Fabrikant sagt:
die Annahme, daß die Maschinerie in 10 Jahren ganz verschleißt,
ist nur annähernd richtig, d. h. unter der Voraussetzung, daß ich

» den Ersatzfonds in 10 jährlichen Raten gleich von Anfang an aus-
bezahlt erhalte. Jedenfalls sollst Du die Rechnungen haben, die
Sache, was ihre ökonomische Bedeutung angeht, ist mir nicht
so ganz klar, ich sehe nicht ein, wie der Fabrikant im Stande sein
sollte, durch eine derartige falsche Vorspiegelung die übrigen

wo Teilnehmer am Mehrwert resp. die letzten Konsumenten zu prel-
len — auf die Dauer. Notabene, in der Regel wird auf die Maschi-
nerie 7/2 % abgeschrieben, also eine Verschleißperiode von ca.
13 Jahren angenommen.
Moore schickt inliegend seine Photographie und erinnert Dich
; daran, daß Du ihm die Deinige versprochen, worauf er sehr be-
gierig ist.
Das Kapitel über Akkumulation ist sehr famos.
Dein F.E.

7

Pr
        <pb n="462" />
        (1040) 1867 Aug. 27

1040, Engels an Marx; 1867 August 27.

Manchester, 27. August 1867.
Lieber Mohr,

Inliegend zwei Aufstellungen über Maschinerie, welche Dir die
Sache ganz klar machen werden. Die Regel ist, man schreibt jedes
Jahr auf den Originalbetrag ab, gewöhnlich 7*/2 %, doch habe ich
der Einfachheit der Rechnung halber 10 % beibehalten, was für
manche Maschine auch nicht zu viel. Also z. B.

1860 Jan.l. Angeschafft . .
1861 Jan.l. Abschrift 10% .

£ 1000
‚ £ 100
£ 900
£ 200
£ 1100
1862 Jan. 1. Abschrift10% £1200 (£1000 + £200) £ 120
£ 980
‚7, £ 200
£ 1180
1863 Jan.l. Abschrift 10% £ 1000 + £200+£200 £ 140
USW. £ 1020*)
In Aufstellung No. 1 nehme ich nun an, daß der Fabrikant sein zo
[Geld] zum Zweck der Abschrift auf Zinsen legt; am Tage,
wo er die alte Maschinerie neu ersetzen muß, hat er statt £ 1000
£ 1252,11. Aufstellung No. 2 setzt voraus, daß er das Geld
gleich, jedes Jahr, in neue Maschinerie steckt. Wie die letzte Ko-
lonne beweist, wo der Wert der sämtlichen Anschaffungen, wie er 25
sich am letzten Tage der 10 Jahre stellt, hat er dann allerdings
nicht mehr an Wert als £ 1000 in Maschinerie (und er kann
nicht mehr haben, da er ja eben nur den verschlissenen Wert
hineingesteckt hat und der Gesamtwert der Maschinerie durch
den Prozeß also nicht wachsen kann), aber er hat von Jahr zo
zu Jahr seine Fabrik ausgedehnt und im Durchschnitt der 11 Jahre
mit Maschinerie, die in der Anlage £ 1449 gekostet hat, gearbei-
tet, also bedeutend mehr produziert und verdient als bei den
arsprünglichen £ 1000. Nehmen wir an, daß er ein Spinner ist
und jedes £ eine Spindel nebst Vorspinnmaschine repräsentiert, 35
so hat er im Durchschnitt mit 1449 statt mit 1000 Spindeln
gesponnen und tritt, nach Absterben der ursprünglich 1000 Spin-
deln, am 1. Januar 1866 die neue Periode an mit 1357 inzwischen
angeschafften Spindeln, wozu aus der Abschrift pro 1865 noch
236 kommen, also mit 1593 Spindeln. Vermittelst des Abschreibe- 0
vorschusses ist er also befähigt gewesen, aus der alten Maschinerie
1) Richtig 1040
        <pb n="463" />
        (1040) 1867 Aug. 27
heraus und ohne einen farthing seines eigen tlichen Pro-
fits in die Neuanlage zu stecken, die Maschinerie um 60 % zu
vermehren.
Bei beiden Aufstellungen sind Reparaturen außer Acht ge-
; lassen. Bei 10 % Abschrift sollte die Maschine ihre eignen Repa-
raturkosten decken, d. h. diese darin einbegriffen sein. Sie ändern
auch nichts an der Sache, da sie entweder in den 10 % einbegriffen
sind, oder aber die Lebensdauer der Maschinerie entsprechend
verlängern, was aufs gleiche hinauskommt.
Ich hoffe, die Aufstellung No. 2 wird Dir klar genug sein,
sonst schreib, ich habe Kopie davon hier,
Eilig. Dein F. E.
I. Der Fabrikant legt den Erneuerungsfonds auf Zinsen an 5%.
1856 am 1. Jan. angeschafft Maschinerie für 20.000044 „ £ 1000
1857 Jan. 1 Abgeschrieben 10% für Verschleiß . . . 0.00 0 1 £ 100
1858 „ 1 ” 10% » 2... £100
Zinsen von £ 100 . cn 5 „105
£ 205
‚ £ 10.5
2 100 „210.5
£ 315. 5
. £ 15.15
"220011525
£ al
£ 21.11
100» 22111
£ 552.11
£ 27.3 £
» 100» 127.18
£ 680. 4
‚ £ 3M
. „100 „134
£ 814. 4
. £ 40.14
£ 954.18
‚ £ 42.15
42 10 12.15
£ 1097.13
1866 „1 Zinsen von £ 1097.13 . 0000000, £ 5418
Abschrift 10% . .. W444 + 100 „154.18
Resultat am Ende der 10 Jahre . . 2... + + 0 8 + 4 £ 1252.11
oder am 1. Januar 1866 statt der verschlissenen £ 1000 in
Maschinerie £ 1252.11 in barem Gelde.

413

nn

Il. Der Emneuerungsfonds wird jedes Jahr neu in Maschinerie
angelegt. Verschleiß Wert
1856 am 13 . 5 gt Neuanlage Vers ae“ 1, Jan. 1866
am 1. Jan. angeschafft Maschinerie . . . . .  £ 1000 100% £ —
1857 1. Jan. Abschr. 10% neu angelegt + + + +. ”£ 100 90% 10
1858 1. Jan, Abschr. 10% . ... £1000 £ 100 0
_» 100 „ 20 „ 110 80% »„ 22
© 9210
        <pb n="464" />
        414
1859 1. Jan. Abschr. 10% . ... £ 1000 £ 100
” 210 Da 21 »” 121
£ 331
‚ £ 1000 £ 100
»„ 331 2 33 2 133
£ 264
£ 1000 £ 100
2 464 ”„ 46 L 146
£ 610
£ 1000 £ 100
„ 6100 „ 61 „ 161
£ 771
1863 1. Jan. Abschr. 0%... £ 1000 £ 100
» AW71 „ 77 2 177
£ 948
1864 1. Jan. Abschr. 10% . . . . £ 1000 £ 100
„948 „ 95 „ 195
£ 1143
1865 1. Jan, Abschr. 10% . . . . £ 1000 £ 100
„1143 „114 £ 214
£ 1357
1866 1. Jan, Abschr. 10% . . £ 1000 £ 100
„ 1357 „ 136 „ 236
Nomineller Wert der neuen Maschinerie £ 1593
Reeller Wert der neuen Maschinerie . ‚1 1.
1 £ per Spindel hat er gearbeitet:
1000 Spindeln Transport 9486 Spindeln
1100 » 1863 mit . ... . 1948 “
1210 % 1864 . 0000.00. 2183 ”
1331 ” 1865 ...... . 2357 4
1008 ” In 11 Jahren. . , 115934 Spindeln
. . 1771 » Durchschnittlich, . "7429 Spindeln
Transport 9486 Spindeln
und fängt 1866 an mit
1357
236
1593 Spindeln,

(1040) 1867 Aug. 27
N —

70% L£ 36

60% 2 53

50% 2

30% „ 124

1856 mit .
1857
1858 „
1859
1860 „
1861
1862

1041. Marx an Engels: 1867 August 31.
31. August 1867.
Lieber Fred,

Deine beiden Briefe mit dem Calcul erhalten. Thanks.

Ich muß bis nächsten Dienstag (3. September) 4 £
unter 2 Scheißepiciers zahlen, beiden bloßen Abschlag. Ich finde,
daß die Kerle dieses Jahr zudringlicher sind wie je,

Die Kinder kommen zurück Sonntag (Morgen) über 8 Tag.
Ich wünschte, sie wären noch länger weggeblieben. Drüben amü-
sierten sie sich. Aber Laf argue muß zurück zu seiner Schule. (Er x
ennuyiert sich immer, wenn ich ihn frage: N’allez vous pas &amp;
votre 6cole?)

A. 3— 12
        <pb n="465" />
        (1041) 1867 Aug. 31

DE
Für den Congress von Lausanne (International) von hier:
Eccarius, Leßner, Dupont. Außerdem der Präsident der Coventry
Ribbon weavers und A. Walton, Esquire (von Wales). Eccarius
hat die Korrespondenz über den Congress für die Times — nach
Anfrage bei letzterer — richtig erhalten,

Nach allen Nachrichten aus Paris sieht es sehr wacklig dort
mit dem Bonaparte.

Salut.
Dein

K. M.

1042. Engels an Marx; 1867 September 1.
_ Manchester, 1. September 1867.
Lieber Mohr,

Es ist mir eben eine sehr alte schlechte Schuld von 5 £ einge-

gangen, die mich in den Stand setzt, Dir diese Summe morgen, S0-

5 wie ich den Cheque einkassiert habe, zu schicken. Sonst wäre ich
im Hinblick auf die jetzt bevorstehende Rückzahlung der £ 45 an
Borkheim einigermaßen fast gewesen. Wie ist es mit Blorkheiml],
ist er zurück? Ich kann und möchte daher die Sache jetzt ab-
machen.

Die 8 Bogen dankend erhalten. Das Theoretische ganz famos,
auch die Entwicklung der Expropriationsgeschichte. Aber die Ein-
schaltung über Irland in der schrecklichsten Eile gemacht und das
Material viel zu wenig verarbeitet. Für das erste Durchlesen oft
positiv unverständlich, Mehr, sobald ich die Sachen genauer an-
gesehen haben werde. Sehr brillant ist das Resume über die Ex-
propriation der Expropriateurs, das wird durchschlagen.

Es ist ein.Glück, daß das Buch sozusagen fast nur in England
„spielt“, sonst würde $ 100 des Preußischen Strafgesetzbuchs ein-
treten: „Wer . . . die Angehörigen des Staats zum Hasse oder zur
Verachtung gegeneinander aufreizt“ usw. — und Konfiskation
nach sich ziehen. Bismarck scheint ohnehin eine kleine Schein-
campagne gegen die Arbeiter nötig zu haben. In Erfurt oder da-
herum sind ein Lassallepoet, Drucker und Verleger wegen Hoch-
verrats attackiert, und in Elberfeld ist sogar ein Wisch des edlen
Schweitzer konfisziert. Ein Verbot des Buchs in Preußen wäre also
immerhin möglich, aber jedenfalls wirkungslos bei den jetzigen
Zuständen.

mn

IS

be

Dein F. E.
        <pb n="466" />
        2 CE

(1043) 1867 Sept. 2
1043. Engels an Marx; 1867 September 2.
Manchester, 2. September 1867.
Lieber Mohr,

Inliegend die £ 5-Banknote. Das Heft Transactions [of the]
Royal Society wirst Du erhalten haben. Kannst Du mir die ver-
sprochnen Free Presses Juli und August nicht schicken?

In Paris scheint’s sehr bitter auszusehn, die Erinnerung an
1829 und 1847, die Girardin angefangen, geht tagtäglich durch
alle Blätter, und aus der entsagungsvollen Liller Rede scheint her-
vorzugehn, daß in Süddeutschland und Östreich offenbar nur 20
wegen der ruinierten Lage dieses Letzteren grade jetzt, wo
er’s brauchen könnte, Nichts zu machen ist. „Drum auch“ haben
nur „schwache Regierungen“ die Methode an sich, innere Schwie-
rigkeiten durch äußere Kollisionen zu vertagen. Dazu scheinen die
ewig wiederholten Hinweisungen auf „mon fils“ auch kein sehr be- B
deutendes Vertrauen in die Lebensdauer des „pere““ quem nuptiae
demonstrant auszudrücken. Mach nur voran mit dem zweiten
Band, es kann bald was passieren.

Samstag sah ich eine kalifornische Zeitung, wonach das 8 hours
movement dort unter den building trades enorm gearbeitet haben

muß. Die masters machen eine 10 hours-Association dagegen und
heulen beträchtlich. Kontrakte für 1% Millionen Dollars seien
zurückgezogen in Folge der 8 hours-Geschichte.

Gumpert, der zurück ist, sagt, in Kurhessen sei die Wut gegen
die Preußen ebenso arg wie in Hannover, wenn sie sich auch nicht 2;
so breit mache. Sowie das Militär wegginge, würden alle „Preu-
ßen“ totgeschlagen. Die Preußen haben unter Andrem die aus
Zwangsbeiträgen der Offiziere herrührende Offiziers-
witwen- und Pensionskasse in Kassel konfisziert. In Hannover
fand er’s noch toller als ich.

Kugelmann wollte auch auf dem Lausanner Kongreß erschei-
nen, d. h. als Spectator, vielleicht wäre es gut, Eccarius davon zu
benachrichtigen. Mit Schorlemmer, der gestern fort ist (via
Grimsby), wird er wohl in Frankfurt auf dem Naturforscher-
kongreß zusammenkommen. Moore geht in ca. 3 Wochen nach 3;
Thüringen, um 6 Wochen Deutsch zu lernen, ich habe ihn dorthin
geschickt, damit er aus dem track der British tourists kommt.

Beste Grüße. Dein F. E.

2
        <pb n="467" />
        (1044) 1867 Sept. 4
1044. Marx an Engels; 1867 September 4.
4. September 1867.

17

Dear Fred,

Die £ 5 dankend erhalten.

Borkheim schrieb mir vor ein paar Tagen von Bern und
schickte mir „zu gefälligen Randglossen“ das brouillon zur Rede,
die er auf dem Peace-Congress zu Genf halten will. Er wollte auch
Deine Beihilfe. Unsrer Verabredung gemäß schrieb ich ihm, Du
seist noch nicht zurückgekehrt. Du kannst das Geld aber an seinen

o Associe Schyler”, 65 Fenchurchstreet, schicken. Es sind jedoch
nicht 45, sondern 50 £. Bei Nachsehn fand ich nämlich, daß der
Wechsel an 48 £ und Borkheim sagte darauf, er könne mir wohl
die volle Summe von 50 £ geben. Ich habe Dir das nicht früher
mitgeteilt, weil ich von Tag zu Tag auf das mir versprochne Geld

ıs lauerte und dann die 50 £ selbst zahlen wollte.

Einliegend:

1. Die letzten Druckbogen.

2. Zwei Dliplomatic] Reviews und 1 Nummer von Courrier
Francais.

» Was die letzten Bogen betrifft, so haben sie, gegen meine
Anordnung, den Nachtrag zu den Noten groß und
den Anhang über die Wertform klein gedruckt. Es
geschah dies wohl, damit das Buch nicht weniger und nicht mehr
als 50 Bogen betrage. Meißner hat nach meiner Ansicht einen

2 groben Bock geschossen, indem er den Verkaufspreis von 3 Taler
auf 3 Taler 10 Silbergroschen erhöht hat. Es ist aber auch mög-
lich, daß er nachträglich noch so viel feste Bestellungen erhielt,
daß er kaufmännisch richtig operiert hat.

Um Dir den Artikel im Courrier Francais (den Du mir

z nach Durchlesen zurückschicken mußt): „Les Condi-
tions de la Paix“ zu erklären, Folgendes:

Du weißt, daß ich im General Couneil gegen den Anschluß an
die Friedenswindbeutel sprach. Meine Rede dauerte about
U, hour. Eccarius als Protokollführer gab einen Bericht im
Beehive, worin er nur ein paar Sätze von mir brachte. Der
Wiederabdruck im Courrier läßt selbst wieder die Sätze über
die Notwendigkeit der Armeen vis-A-vis Rußland und über die
Feigheit der Kerls weg. Nichtsdestoweniger hat diese Ge-
schichte viel Lärm gemacht. Die Esel von dem Peace Congress,

ı deren Agent in London M. de Colleville, änderten ganz ihr
ursprüngliches Programm und schmuggelten in dem neuen, das
viel demokratischer ist, selbst die Worte ein „the harmonizing of
economic interests with liberty“, eine weitschichtige Phrase, die
auch bloßen freetrade meinen kann. Sie bombardierten mich

1) Im Orig. Schüler

Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Aht., Bd. 3

5
        <pb n="468" />
        418

mit Zuschriften und hatten selbst die F rechheit, einliegenden Wisch
mit dem neuen Programm mir zuzusenden. Die Frechheit besteht
darin, daß sie mich in der Adresse zum „member of the Geneva
etc. Congress“ ernennen. Der Courrier , ihr lebhaftester Ver-
treter zu Paris, fällt, wie Du ersehn wirst, von ihnen ab. Derselbe s
Courrier hat, in Folge eines Privatbrief. s, den ich an den Vermorel
vor about 14 Tagen schrieb (ich kenne ihn nicht), die Politik mit
Bezug auf Rußland geändert.

Die Hauptsache war, daß diese großen Herrn vom Friedens-
Congress, Viktor Hugo, Garibaldi, L. Blanc etc., unsere Inter- 16
national Association mit der äußersten Vornehmheit ignoriert
hatten. Ich habe sie jetzt gezwungen, uns als eine Macht anzu-
arkennen.

Ich habe von Neapel die 2 ersten Nummern eines Blatts
erhalten: „Libertä e Giustizia“. In der No. I erklären sie ıs
sich für unser Organ, Ich habe sie Eeccarius zur Vorlage auf
dem Congress mitgegeben. Die No. II, die ich Dir schicken werde,
enthält sehr guten Angriff auf Mazzini. Ich vermute, daß
Bakunin dabei ist.

Was das Konfiszieren und Verbieten meines Buchs angeht, so 20
ist es doch eine andre Sache, Wahlpamphlets zu verbieten oder
ein Buch von 50 Bogen, was so gelehrt aussieht und sogar grie-
chische Noten enthält. Allerdings möchte das nichts helfen, wenn
ich statt 12 counties in England 12 Regierungsbezirke in Preußen
zur Charakteristik der Verhältnisse der Landarbeiter gewählt 26
hätte. Auch scheint mir, daß Herr Bismarck sich die Sache zwei-
mal besehn wird, bevor er meine Angriffe auf sein Regime in
London und Paris provoziert.

Wie übrigens die preußischen Zustände, zeigt folgende Erklä-
rung 0. Hübners, Direktor des statistischen Zentral-x
archivs, in einem Schreiben an seine Wähler:

„Das Volk ist bereits überlastet. Außer den Waffenfabriken
liegen beinahe alle Gewerbe darnieder, um jedes kleine Amt be-
werben sich Hunderte von Hungrigen, in den Städten wächst die
Zahl der leerstehenden Wohnungen und der Bewohner, welche zs
keine Miete bezahlen können, Güter und Häuser kommen massen-
haft zur Subhastation, die Armenanstalten sind von verkrüp-
pelten Siegern und Arbeitslosen belagert, das Vertrauen zu
Gegenwart und Zukunft fehlt überall, und in das Budget der
Ärmsten dringt die Wahrnehmung, daß er für die Dienste
des Staats bereits mehr zahlt, als sie wert sind.“

In Berlin hat weder die Regierung noch die nationalliberale
Partei einen einzigen Kandidaten durchgesetzt. Welche verfluchte
Hornochsen aber die F ortschrittler, welche jetzt die äußerste
Linke bilden, zeigt u, a. folgender Auszug aus ihrem „radikalsten“

(1044) 1867 Sept. 4
        <pb n="469" />
        (1044) 1867 Sept. 4

419
Organ, der Zukunft: „Es ist der alles gleichmachende
Snobbismus, der durch die ganze englische Nation geht und
dem jede persönliche Tätigkeit unbequem ist. .,. Derselbe
Snobbismus ist es, welcher fortwährend auf Verkürzung

‚der Arbeitszeit dringt und von Unions wegen die Über-
stunden verbietet!‘ Sollte man es für möglich halten! Wahr-
haftig, verglichen mit der deutschen Presse ist die Pariser Presse,
selbst jetzt, ein Riese!
Dein K. Marx.

1045. Marx an Engels; 1867 September 7.
In Eile.
7. September 1867.
Dear Fred,
Einliegend 1 Brief von Leßner. Die Gazette de Lausanne hatte
1 ich schon. Die Times streicht schändlich den E[ccarius]. Ich
schicke Dir gleichzeitig newest „Dipl[omatic] Review“ und Num-
mern von dem Courrier Francais, die ich immer zurück
haben muß. Der Clourrier] Frlangais] hat die kurze Notiz,
die ich ihm über Hübner schickte, dadurch verblödsinnigt, daß sie
„ an die Stelle von tomber sous la subhastation (was ein Ausdruck
des Code Napoleon ist) gesetzt haben: „tomber sous le mar-
teau des de&amp;molisseurs“,
Adio
Dein

K. Marx.

1046. Engels an Marx; [1867 September 9|.
Lieber Mohr,

Ich wollte gestern und heut schreiben, aber der Commerce hat
mich dran gehindert. Die Courriers hierbei zurück. Der Vermorel
ist gut mit seinem Einfluß der Franzosen auf dem Kongreß und

;o ihrem caractere serieux und daß sie gar keine Reden hal-
ten. Poor Eccarius!

Wegen Deines Wertformanhangs mache ich Dir mein Kompli-
ment. In dieser Form ist es brought home to the most rebellious
understanding. Desgleichen wegen der Vorrede. Wer aber hat die

»# schmähliche, ungrammatische Übersetzung in dem Beehive ge-
macht? Warum es nicht mir geschickt und gesagt, was Du haben
wolltest? Ich fürchte, es schadet Dir bei Beesly etc., sie werden
glauben, Du selbst hättest es gemacht,

Apropos, wo strömt denn der „trans atlantische Ozean“?

Morgen mehr. Dein F. E.
        <pb n="470" />
        4120

(1047) 1867 Sept. 1]

1047. Marx an Engels; 1867 September 11.
11. September 1867.
Dear Fred,

Was den „trans atlantischen Ozean“ betrifft, so ist es Sache
des letzten Korrektors, dergleichen lapsus pennae zu korrigieren.
Ich finde in der „Zukunft“ diesen schönen „Strom“ wieder
abgedruckt mit dem größten Teil der Vorrede.

Die Übersetzung im „Beehive“ ist von Eccarius. Ich glaube,
daß die meisten Fehler nicht von ihm herrühren, sondern, da seine
Handschrift schlecht, von den correctors des Beehive. Ich hätte zo
natürlich lieber gehabt, daß Du die Sache übersetzt. Da aber
E[ccarius] sich de prime abord anbot und jetzt Mitarbeiter des
Beehive ist, ging die Sache nicht.

Diesen Eseln von Proudhonisten werde ich persönlich auf dem
nächsten Congress zu Brüssel den Garaus machen. Ich habe die zs
ganze Sache diplomatically managed und wollte nicht persön-
lich come out, eh mein Buch heraus und unsre Gesellschaft Wur-
zel gefaßt. Übrigens werde ich in dem Official Report des General
Council (trotz aller Mühe konnten die Pariser Schwätzer unsre
Wiederwahl nicht verhindern) ihnen Rutenstreiche geben. 20

Meanwhile hat unsre Gesellschaft große Fortschritte gemacht.
Der lausige Star, der uns ganz ignorieren wollte, erklärt gestern
in Leitartikel, daß wir wichtiger sind als der Peace Congress.
Schulze-Del[itzsch] konnte seinen „Arbeiterverein“ in Ber-
lin nicht verhindern, sich uns anzuschließen. Die englischen z5
Schweinhunde unter den trades unionists, denen wir zu „weit“
waren, kommen gelaufen. Außer dem Courrier Frlangcais]
hat die Liberte€ von Girardin, Si&amp;cle, Mode, Gazette
de France etc. über unsern Congress berichtet. Les choses
marchent. Und bei der nächsten Revolution, die vielleicht näher x
ist, als es aussieht, haben wir (d.h. Du und ich) diese mächtige
engine in unsrer Hand. Compare with this the results of
Mazzinis etc. operations since 30 years! Dabei ohne Geldmittel!
Mit den Intrigen der Proudhonisten zu Paris, Mazzinis in Italien
und der eifersüchtigen Odger*), Cremer”, Potter zu London, mit
den Schulze-Del[itzsch] und den Lassallianern in Deutschland!
Wir können sehr zufrieden sein!

Gestern sind meine Kinder wohl und munter mit Lafargue zu-
rückgekehrt. Er hat einen ungeheuren Kristallpokal (faßt
1% pot) für Dich mitgebracht. Dein „transatlantischer Ozean“ «
scheint ihm zu imponieren.
1) Im Orig. Odgers
2) Im Orig. Crämer

EZ. 35—4L1.
        <pb n="471" />
        (1047) 1867 Sept. 11

421

In diesen Tagen, vor dem Wiederbeginn seiner Vorlesungen,
will Lafargue Dich auf 3 Tage besuchen kommen. Was das Un-
angenehmste dabei ist, er (natürlich nicht in the secret of my
money-affairs!) verlangt, daß ich ihn begleite, und ich habe noch

; keinen rechten Vorwand gefunden, um ihm diese mir untubare
tour abzuschlagen.

Ich bin sehr ärgerlich über Meißner. Er hat Wochen verloren
mit Ausgabe des Buchs, Warum?

Salut.
Dein K. M.
Einliegend 2. Brief von Lessner.

Apropos! Die Bettelei für den dicken Lyriker, die, vide letz-
ten Hermann, nicht ganz nach Wunsch geht, hat ein gutes Re-
sultat gehabt. Das wadenfeste Käthchen ist unter die Haube ge-

ıs bracht. Verlobungsanzeige mit a certain Kröker (höchst poetischer
Name!) in „Zukunft“!

1048. Engels an Marx; 1867 September 11.
Manchester, 11. September 1867.
Lieber Mohr,

% Der Kongreß scheint diesmal wirklich von den Franzosen weg-
geschwemmt worden zu sein, die Anzahl proudhonistischer Be-
schlüsse ist doch gar zu groß. Es ist gut, daß er das nächstemal
nach Belgien kommt, bis dahin wird sich in Norddeutschland viel-
leicht auch noch was machen lassen und dann mit Hülfe der Eng-

# länder der Flut ein Damm vorgesetzt. Indes ist es im Ganzen ja
doch bloß für die Katze, was da beschlossen wird, solange der
Central Council in London bleibt. Notre «cher Philipp Becker
scheint auch wieder einige seiner instinktiven Böcke geschossen
zu haben, die man dem alten Agitator zugut halten muß, wenn er

30 nicht unter Leitung ist.

Daß Eccarius die Berichte in der Times geschrieben, muß ja
geheim gehalten werden. Wie sie ihm die Geschichte zurecht redi-
giert haben, könnte es ihm enorm schaden. Das nächste Mal, wo
er für das Blatt rapportiert, wird er mehr unterscheiden müssen,

3 inwiefern sein Humor von den redigierenden Bourgeois wird aus-
gebeutet werden können, um auf die ganze Sache und nicht nur
auf die paar Crapauds ridicule zu werfen.

Da Du doch mit dem Vermorel in Verbindung, kannst Du nicht
die Dummheiten des Kerls wegen Deutschland mäßigen? Es ist

« doch arg, wenn der Esel verlangt, Bonaparte solle liberal,
bürgerlich liberal werden und dann einen Krieg anfangen, um

Z. 3 (natürlich)—4 ! 11—16 !
        <pb n="472" />
        122

Deutschland von der Tyrannei Bismarcks zu befreien! Diese Cra-
pauds, die, selbst wenn sie eine Revolution machen, Deutsch-
land werden sehr zart anfassen müssen, glauben, als wenn mit
einer gelinden liberalen Wendung sie wieder die alte Rolle spielen
könnten. Ich halte es für sehr wichtig, grade für den Fall einer
Revolution, daß man die Herren daran gewöhnt, mit uns d’&amp;gal &amp;
egal zu verhandeln. Der Bismarckismus in Deutschland, nach
ihnen, ist eine Natureigenschaft Deutschlands, die durch ihre In-
tervention kaputt gemacht werden muß, aber der Bonapartismus
bei ihnen ist ein pures Akzidenz, das sogar durch einen Minister- x
wechsel abgeschafft und in sein Gegenteil verwandelt werden kann.

Der große Schweitzer ist mit Hülfe der Elberfelder und Barmer
Pietisten glücklich gewählt und wird jetzt Gelegenheit haben, ver-
schiedene Punkte aus Deinem Buch verballhornt im „Reichstag“
zu proklamieren. Daß er das tut, darauf kannst Du Gift nehmen. z
Dies wird aber nur nützlich sein und uns Anlaß zu mancher Heiter-
keit geben; sowie das Buch einmal heraus ist, kann dergleichen
nur noch nützen.

Bei Barmen fällt mir Siebel ein. Der arme Teufel ist wieder
scheußlich krank geworden und muß von Barmen wieder fort, wo- zo
hin, weiß ich nicht, es ist möglich, daß er den Winter nicht über-
lebt. Er muß”) so schlimm sein, daß ich nicht auf ihn rechne, um
für Dein Buch in den Zeitungen irgend Lärm zu schlagen. Er hat
sehr desponding hieher geschrieben.

Die Trades outrage Commission konstatiert hier lauter alte 25
Schnurren, die schon vor 7 Jahren konstatiert waren. Wenn sie
nichts Besseres herauskriegen, können sie einpacken. Man denke
sich, brickmaking and bricklaying als Hauptindustriezweige von
Manchester behandelt zu sehn!

Die Fehler, die sich bei dem hiesigen Probieren des Chassepot- zo
gewehrs herausgestellt haben, sind ganz dieselben, die man schon
in Berlin konstatiert hatte und die mir Bölzig in Hannover schon
erzählte. Damals glaubte ich, man habe den Preußen absicht-
lich schlechte Exemplare in die Hände gespielt, jetzt sieht es
doch eher aus, als sei was dran, und dann ist das Gewehr nicht zz
halb so gut wie das Zündnadelgewehr der Preußen.

Meißners Leute in Leipzig scheinen sehr lange zu machen, bis
das Buch herum kommt. Noch immer keine Annoncen irgendwo.
Was meinst Du, soll ich, um die Sache in Zug zu bringen, das
Ding vom bürgerlichen Standpunkt angreifen? Meißner oder Sie- «
bel brächten das schon in ein Blatt. Was das Verbieten angeht, so
glaube ich selbst nicht dran, man kann aber nie für den Diensteifer
irgend eines Prokurators einstehn, und ist der Prozeß einmal im
Gang, so könntest Du auf Deinen Freund Lippe rechnen.

3) Korr, aus zoll

(1048) 1867 Sept. 11

AU: In
        <pb n="473" />
        423
Beste Grüße an Deine Frau und die Mädchen, die jetzt wohl
zurück sind.
Die Dipl[omatic] Reviews dankend erhalten.
Dein F. E.

1049. Marx an Engels; 1867 September 12.
12. September 1867.
Lieber Fred,

Die Verschleppung des Meißner ist sehr fatal. Auf dem Kon-

greß zu Lausanne hätte er verschiedne copies losschlagen können.

o Auch wäre das Buch dort als Ereignis besprochen worden. Ich
begreife die Eselei nicht. Nächsten Sonnabend sind es 4 Wochen,
daß ich die letzte Korrektur nach Leipzig geschickt!

Dein Plan, das Buch vom bürgerlichen Standpunkt
zu attackieren, ist das beste Kriegsmittel. Ich halte es

s aber — sobald die Geschichte heraus ist — für besser, dies durch
Siebel resp. Rittershaus tun zu lassen, als durch Meißner. Man
muß auch die besten Buchhändler nicht zu tief in die Karte sehn
lassen. Andrerseits mußt Du dem Kugelmann, der zurück ist,
ein paar Instruktionen schreiben über die positiven Seiten, die er

» zu betonen hat. Sonst macht der Unsinn, da es hier nicht mit
Enthusiasmus getan ist. Ich selbst kann natürlich das nicht so un-
geniert tun wie Du.

[ch bin ganz Deiner Ansicht quoad Eccarius. Es fehlt einem
Arbeiter, namentlich Einem von der kritischen Trockenheit des

# Eccarius, das diplomatische Geschick. Er schreibt an die Times,
als ob er für die „N[eue] Rhleinische] Z[eitungs]-Revue“ schriebe.
Jedoch schadet die Sache nicht. Hier in London heißt’s: Die
International Association etc. muß sehr stark sein, weil die Times
eigens darüber reportiert. Des Elccariuls sneers gelten für Times

30 sneers.

Die lausigen französischen Schweizer, sehr stark
vertreten, gaben den französischen Schwätzern von Paris den Spiel-
raum. Der alte Becker machte den Hauptblunder. Er brach zu-
erst unser Tagesordnungsprogramm nieder, um mit seinem

„Freiheitsvorschlag herauszuplatzen. Dadurch hatten dann
die Pariser die Gelegenheit, alles Rand und Band zu beseitigen.

Doch tut das alles nichts. Die Hauptsache ist die Abhaltung
des Kongresses, nicht, was dort geschieht. In unsrem General Re-
port on se moquera bien über die Pariser wiseacres. Zum großen

vo Kummer derselben ist der Beschluß durchgesetzt worden, daß,
wer nicht zahlt (und die Pariser haben keinen Deut gezahlt),
künftig nicht delegieren kann. Es gilt, das nächstemal 20 Eng-
        <pb n="474" />
        424 a

(1049) 1867 Sept. 12
länder und 30 Deutsche nach Brüssel zu bringen. As to the Bel-
gians themselves, so können sie nur delegieren 1 man per 500
und werden daher nicht sehr zahlreich sein. Außerdem sind sie
rather rebellious gegen die Pariser.

Notabene: Das Schlimme ist, daß wir nicht einen einzigen
Menschen in Paris haben, der sich mit den Proudhonisten
feindlichen Arbeitersections (und sie bilden die Majorität!)
in Verbindung setzen könnte. Wenn Dupont ein paar Wochen zu
Paris wäre, wäre alles in Ordnung, aber die Polizei hat ein schar-
fes Auge auf ihn. 2

Dem Vermorel werde ich bei und bei privatbrieflich seine
Eseleien über deutsche Politik ausprügeln. Ich muß gradatim
verfahren und begann daher absichtlich mit United States, Russia
und Turkey, weil dies „neutrales‘ Gebiet zwischen Deutschen und
Franzosen. 16

Laura und Lafargue übersetzen eben Teil der Vorrede für
Courrier Frangais.

Salut.

F

Dein

K. M.

050. Marx an Engels; 1867 September 12.
12. September 1867.
Dear Fred,

Ich schicke diesen 2. Brief, weil eben Eccarius’ letter ankömmt.
Apropos! Was Eccarius nicht wissen konnte: L. Blanc hat sich
gedrückt vom Genfer Congress, weil „meine“ Leute dort Ulk 2
machen würden; Jules Favre, weil die „Klassenfrage“ (er, der
Supporter Cavaignacs in den Junitagen, hat natürlich die con-
science nicht clean) vom Courrier Frlangais], nach dem

Londoner Vorgang, adoptiert.
Dein

K. M. zo

(051. Engels an Marx; 1867 September 12.
Manchester, 12, September 1867.
Lieber Mohr,

Der Brief No. 2 von Leßner lag nicht bei. Wenn Lafargue
kommt, so wär es mir sehr lieb, wenn Du mitkämst, da ich nicht 36
recht weiß, was mit dem Kameraden während meiner Geschäfts-
stunden anfangen. Womöglich kommt gleich morgen oder doch
übermorgen früh, damit wir Samstag und Sonntag zusammen sind,
        <pb n="475" />
        (1051) 1867 Sept. 12

425
Montag kann ich auch schon eher etwas schwänzen. Schreib oder
telegraphiere aber vorher, damit ich für Unterkunft sorgen kann
(telegraphiere, außer Samstag nach 11 Uhr Morgens und Sonn-
tags, nach dem Bureau).

Um den Geldpunkt zu erleichtern, inliegend £ 5, die Du außer
den Herreisekosten Deiner Frau dort lassen kannst,

Die Internationale ist auch hier in der Presse weit honoriger
behandelt als früher. Alle hiesigen Zeitungen haben die Ver-
handlungen teilweise gebracht, der Ex[aminer] und Times hatte

‚o einen philiströs wohlwollenden leader.

Wäre es nicht angemessen, die Sitzungen des Central Council
auch in deutschen Zeitungen zu rapportieren? z. B. die Zu-
kunft:; Wilhelmchen fände vielleicht auch noch was. Wo ist der
Edle jetzt eigentlich?

% Unter den Lassallianern ist auch wieder neuer Krakeel. Dr.
Reinke in Hagen und Schweitzer sind at daggers drawn. Reinke
hat sich mit der Fortschrittsclique assoziiert, Bürgers und E. Rich-
ter, um in Hagen, Düsseldorf und Solingen gewählt zu werden,
letztere beide aber durchgefallen.

» Wir müssen doch suchen, in Deutschland wieder eine direkte
Verbindung mit den Arbeitern zu etablieren, das fehlt uns grade,
sonst geht Alles flott genug.

Die Verlobung der, wie sie sich nennt, Käthe, sah ich in der
Kölnlischen] Zeitung.

» Über die Telegramme von dem Kongreß aus Deutschland mußt
Du mir mündlich berichten.

Die Courriers hierbei zurück. Apropos der Abstimmung in
Schleswig ist es famos, daß die Esel: avons une carte devant
nous, auf welcher Holstein in Schleswig (oder umgekehrt) liegt!

»” So lassen sie in Luxemburg erst die Bundestruppen und
dann die Holländer (statt der Luxemburger selbst) einrücken.
Und die wollen die ignorance kurieren!

Dein F. E.

1052. Marx an Engels; 1867 September 13. Tele:
gramm.
Manchester Station
13. September 1867.
From Karl Marx, 1, Modena Villa, Maitland Park.
To Fred Engels, Southgate, St. Marys:
an Will start from Euston station 4.15 p. m.

7 93—24, Nr. 1052.
        <pb n="476" />
        426

(1053) 1867 Okt. 4
1053. Marx an Engels; 1867 Oktober 4.

4. Oktober 1859.90
Dear Fred,

Nach meiner Rückkehr von Manchester war ich fast bis jetzt
bis zum Fieberhaften Schnupfenkrank. Ich habe mir den cold er-
wischt bei dem Eisenbahnmalheur.

Da ich Dir in diesem Brief vielerlei, on public und private
affairs, zu schreiben, so, um es nicht zu vergessen, beginne ich mit
dem Buch. Du hättest allerdings lang in Tabelle C suchen
können, um die Abnahme im Bau der Grünfrucht (p. 695) zu z
finden. Herr Wigand hat C gedruckt statt 8 (p. 690), wo zu
lesen steht, unter Rubrik „Grünfruch t“, daß von 1861—1865
107 984 Acres außer Bebauung geworfen wurden. Du wirst über-
haupt dem Druckfehlerverzeichnis p. 784 ansehn, daß Herr Wi-
gand, um es auf die letzte Seite zu hängen, willkürlich von p. 292 ıs
an dasselbe verkürzt hat. Der Abschnitt über Irland ist aller-
dings sehr flüchtig geschrieben, könnte aber bei zweiter Auflage,

mit wenigen formellen Änderungen, in Ordnung gebracht werden.
Die Hauptsache sind die facts, die in England selbst nicht be-
kannt sind. %

Von Meißner habe ich nichts gehört. Dem Borkheim sagte
Schabelitz (Basel), er habe auf 5 Exemplare, die er für bar be-
stellt, 5 Kommissionsexemplare verlangt, Mleißner]
aber geantwortet, er habe nicht genug, um ihm so viele zukommen

zu lassen für Kommission. Doch mag dies auch nur diplomatisches 2:
Manöver von Meißner sein. Aus den einliegenden Zeilen Lieb-
knechts (der, by the by, uns Ehre gemacht hat durch sein erstes
Auftreten in dem Reichstag, vide Zukunf t, No. 229 vom
1. Oktober) sehe ich, daß M[eißner] nicht alles exakt ausführt.
Es war abgemacht, daß er 1 Exemplar an Liehk [necht] und 1 Re- zo
daktionsexemplar an Dr. Weiß (Zukunft) schicke.

Professor Beesly ist nun heimgekehrt, und ich werde dieser
Tage von ihm hören. Quant &amp; Siebel, so möchte ich auch wissen,
ob er die Exemplare, 1 für sich, 1 für Rittershaus, erhalten? und
was letzterer dafür geleistet hat?

Ad vocem Vogt: In dem einliegenden Brief des Kugel-
mann wirst Du einiges über den V[logt] finden. Nachdem Kugel-
mann abgereist und die Bande ebenfalls den Borkheim alle ge-
worden glaubte, fand eine letzte Versammlung der Deutschen statt,
in der plötzlich Borkheim erschien und folgendem Auftritt bei- «
wohnte. Herr Goegg” händigte dem Vizepräsidenten Büchner

1) Richtig 1867. Bemerkung von Engels darunter: !! 1867. Voilä bien le
pere Marx!

2) Im Orig. Gögg

A
        <pb n="477" />
        (1053) 1867 Okt.4

427
einen Wisch ein, worin er die bonapartistischen Gerüchte etc. über
Vogt für falsch erklärt und dem Manne, den er seit 20 Jahren
kenne, ein testimonium virtutis ausstellt. Er verlangt, daß Büch-
ner diesen Zettel unterzeichne, d. h. als ihm mitgeteilt, be-
sscheinige. Blüchner] tat das natürlich. Darauf springt little
Beust auf, erklärt zu Papier, Goegg*‘) spreche nur eine in der
Schweiz keineswegs geteilte Privatansicht aus usw. usw. Verlangt
ditto Bescheinigung seines Protests von Büchner, die dieser
gibt. So wurde das Manöver Vogts vereitelt. Wie tief der Kerl]
u heruntergekommen!

Andrer Incident des Friedenskongresses! Ludwig Simon
kömmt zu Goegg ”: „Warum habt Ihr meinen Namen nicht mehr
än die Spitze der Rednerliste gerückt? Warum dem Borkheim
vor mir das Wort gegeben?“ Goegg”: „Die Kerls — die Pro-

s letarier — hatten 4 unter den deutschen Vizepräsidenten. Um
unsren Grün hereinzubringen und den Borkheim auf seinen
Platz verzichten zu machen, mußten wir ihm die Konzession etc.
machen!“ Kaum war das Wort dem Geck entfahren, als er sich
umguckt und zu seinem Schrecken den Eccarius hinter sich

z% schmunzeln sieht.

Ad vocem Stumpf: Es ist möglich, daß der Stumpf mich
versteht, aber ich ‚verstehe den Stumpf nicht. Vielleicht bist Du
glücklicher und kannst ihm „die wissenschaftliche Reihe der Ver-
elendung markieren“ und ditto „die richtige Schlußfolgerung‘“ zu
„Beweisen“, die er in seiner Tasche hält und nicht mitteilt. Ein-
liegend sein Brief.

Ad vocem Dronke: Borkheim hat einen Mann gesprochen
zu Paris, der ganz genau mit D[ronke]s Verhältnissen bekannt, und
ihn als „voleur“ bezeichnete. Die Kupf ergesellschaft hatte dem

o Dironke] Notiz für Entlassung seit einem Jahr gegeben. Sie hat
sich assoziiert mit einer Firma in Glasgow und braucht daher
nicht weiter englische Agentur. D{ronkel, dicitur, hat große „Un-
terschläge“ in dem letzten Jahr begangen und sich einem „pein-
lichen“ Verfahren ausgesetzt. Ich hoffe, die Sache wird vertuscht.

a Ad vocem Collet: Um die einliegenden Curiosa zu er-
klären, folgendes: das kleine Mädchen von Clollet] (das Du
kennst) und ihr noch jüngerer Bruder waren vor einigen Tagen
bei uns. Der Junge boxte sich mit Lafargue, der ihn zuletzt auf dem
Boden in demütigender Stellung hielt. Darauf der Junge: „Re-

4 member how you got on at Waterloo!“ Daher diese komische Kor-
respondenz, in dem das Mädchen den Bub dem Alten denunzierte.

Collet hat sich zurückgezogen von der Dipl[omatic] Re-

view, obgleich sein Name noch für diesmal auf dem Blatt figu-
riert. Ich habe den Redaktionswechsel gleich gemerkt, indem man

1) Im Orig. Gögg

A

ac}
        <pb n="478" />
        (1053) 1867 Okt. 4
mir nur 1 copy zugeschickt hat. Du erhältst sie, sobald ich damit
fertig. Es ist eine ganz dumme Nummer. Garibaldi wird als „ge-
meiner Bandit, Atheist, fool etc.“ gekennzeichnet, dagegen M. Du-
panloup, der ev&amp;que von Orleans, als der große Mann der Zeit.
Wird David schließlich nicht noch Katholik werden? Die Russen
haben natürlich den Friedenskongreß zu Genf fabriziert und da-
her auch ihren „well worn out agent Bakounine‘ hingeschickt.
Es scheint mir, daß die Dipllomatic] Revliew] aus dem letzten
Loch pfeift.

Ad vocem International Association. Die Präsi- x
dentenwürde ist auf meinen Vorschlag abgeschafft worden, nach-
dem bereits Odger zur Wiederwahl vorgeschlagen war. — F 0X,
der großen Haß gegen Eccarius seit dessen Rückkehr bei jeder Ge-
legenheit exhibiert, gab Notiz für nächste Sitzung (Dienstag), daß
er die Timesartikel des Elccarius], zur Zensur des
Council, zur Sprache bringen werde. Ich, zur großen Verwunde-
rung des Fox, gab darauf ditto Notiz, ich würde den Flox] näch-
sten Dienstag interpellieren über einen „secret lette r“, den
er an Becker geschrieben mit der Aufforderung „to do all in his
power to remove the seat of the Central Council from London“, 20
Der Fox, der aus caprices und crotchets zusammengesetzt ist, bil-
det sich ein, er müsse eine „Oppositionspartei“ im Council
gegen die, wie er sagt, „deutsche Diktatur“ stiften. Er wird
sich wundern über seine Erfolge in dieser line!

Ad vocem Borkheim: D’abord diese facts. B [orkheim] 2
sprach (oder las vielmehr von seinem Manuskript) über 20 Mi-
nuten, während nur 10 reglementarisch waren. Natürlich, was
Garibaldi und Edgar Quinet, glaubte auch er sich herausnehmen
zu können. Zweitens: Er stieg auf die Rednertribüne in größter
Aufregung und, wie Eccarius sagt, „ließ sich selbst nicht zu Wort %
kommen“, Niemand verstand ihn. Man hörte nur die paar Stich-
worte über Schulze-Del[itzsch], wo Vogt aufsprang und beide
Fäuste ballte, und über die Kosaken. Das war ein wahres Glück.
Man hielt seine Rede für bedeutend, weil man sie nicht ver-
stand. Er spielt daher, sowohl in Times als der französi-
schen Presse, eine Art Rolle. Aber nım kömmt der draw-
back. Dieser Narr will seine Rede deutsch, englisch, russisch und
indem französischen Original drucken lassen. Letzteres
liegt mir num vor. Er sandte es mir, damit Lafargue es durchsehe.
Mit Ausnahme der paar Stichworte, die ich ihm soufflierte, nicht «
nur geschmackloser Kladderadatsch, sondern oft reiner
Blödsinn. Und nun gar das Französisch! Z. B.: „Sans stultification
il serait impossible de discuter, s’il faudrait d’ahord faire enlever
la femelle Isabelle, faire sauter le mäle Bismarck ou faire
s’&amp;vanouir l’agile hermaphrodite Beust. Il y a de grands orateurs. 45

“DB

FF 25—45
        <pb n="479" />
        (1053) 1867 Okt. 4

129

de profonds penseurs francais, membres de cette union, mais
füssent-ils tous des Mirabeaux acheves et des Descartes consom-
m6s, les tetes Allemandes seraient trop carrees pour le trouver
rond, qu’il füt d’abord et avant tout le gouvernement francais,
V’abolition duquel introniserait l’ere de la paix internationale.“
Assez!

Wie wenig er ahnte, welcher Art „sein Französisch“, geht aus
folgender Randglosse hervor, die er auf das mir eingesandte
Manuskript schrieb: „Bitte lassen Sie doch das schnell von Herrn

„ Lafargue durchsehn, etwaiges (1!) schlechtes Französisch kor-
rigieren am Rande!“ Ich war, of course, obliged ihm mitzuteilen,
daß Lafargue ihn sehn müsse, da er die „Wegstreichungen““ (Lla-
fargue] will von vornherein the first half ganz wegstreichen) und
„Änderungen“ ohne ihn nicht vornehmen könne. Er kömmt des-

ıs wegen heut Abend zu mir. Lafargue zeigte mir außerdem
fast in jedem Satz französischen commis voyageur
slang. Z. B. „Parlons rondement!“

Private Affairs: Ich habe mit Borkheim gesprochen, ob
es nicht möglich, mir in London einen loan aufzutreiben von we-

2 nigstens 100 £. Er sagt Ja, er wolle 1 Bürge sein, wenn Du der
andre. Überhaupt müsse er aber vorher von Dir selbst über die
Sache hören. Der status ist einfach dieser: Ich kann weder Band H
fertig machen, noch die Zeit zur Intrige für die englische Aus-
gabe finden, noch überhaupt in England bleiben, wenn ich nicht

; Ruhe für some weeks at least unter den Manichäern schaffen kann.
Gelingt die englische Transaktion und wird in Deutschland, was
mir leicht scheint, so gearbeitet, daß 2. Auflage bald nötig, so ist
die Krise überwunden,

Dies verdammte Jahr um so schlimmer, weil Lafargue bis jetzt
zo bei mir, Laura im Frühling heiraten soll usw. ;
Salut. Dein K. M.

(054. Engels an Marx; 1867 Oktober 8.
Manchester, 7, Southgate,
8. Oktober 1867.
Lieber Mohr,

Morgen ausführlich. Inliegend nur die Briefe zurück und die
Eine Frage: Wird mir Borkhleim] wegen des loans schreiben oder
erwartet er, daß ich ihm schreibe? Die Zeitungen schicke ich
Dir morgen zurück,

Der Meißner wird die Exemplare wohl an Weiß und Lieb-
knlecht] per Buchhandlung gesandt haben, wo sie erst gegen
1. Oktober in Berlin ankommen würden, um die Zeit, wo die

Tom 117!

3030
        <pb n="480" />
        430

(1054) 1867 Okt, 8
andern Exemplare dort an und in den Buchhandel kamen. Die
Köln[ische] und Augsblurger] Zeitung hatten erst vor ein paar
Tagen die Annonce.
Dein F. E.

1055. Marx an Engels; 1867 Oktober 9.
9. Oktober 1867.
Dear Fred,
Borkheim erwartet erst Brief von Dir, daß Du Co-Garant sein
willst,

Der arme Lafargue hat heute die letzte Qual, die Französie- 10
rung (soweit das überhaupt möglich!) der Vorrede des Blork-
heim]. Letztrer hat sein opus getauft: „Ma Perle devant le
Congres de Geneve“, Merkwürdig, wie die Schriftsteller- und
Ruhmsucht einen sonst ganz verständigen garcon zum fool machen
kann!

Gestern also sollte Eccarius von Fox enthauptet werden. Letzt-
rer sprach in seiner Anklage über 1 Stunde. Er hatte sehr maliziös
die schlimmsten Stellen zusammengestellt und wandte alle Künste
eines Old Bayley Advokaten an, griff auch mich fortwährend an.
Ich schlug ihm in der Replik so in die Parade, daß er in seiner 20
schließlichen Reply alle Fassung und Kontrolle über sich selbst
verlor, Alle beteiligten sich an der Diskussion. Resultat: Meine
Motion (rather Amendement) „zur Tagesordnung überzugehn“
wurde mit ungeheurer Majorität angenommen. Doch bekam Ecca-
rius während der Debatte gehörig den Kopf gewaschen. 26

Lies in dem gleichzeitig kommenden Courrier das von mir
Angestrichene: „Le troisieme Larron“ (schön, daß die Franzosen
schon sans gene ihren Bonaparte als einen der Larrons be-
zeichnen). Sobald ich die Nummern von Lormier zurück habe,
schicke ich die interessanten Communications über die Mexican zo
Affaire.

Salut.
Dein K. M.
Apropos! Strohn war gestern einen Tag hier. Er bildet sich ein,
Du hättest ihn bei seinem letzten Besuch in Manchester snobben zs
wollen, nämlich durch die Phrase: „Ja, in Bradford spielt der
Commis voyageur noch eine Rolle.“ Ich habe ihm den Unsinn aus
dem Kopf zu treiben gesucht. — Er sagt, Dronke selbst habe den
englischen Associ&amp; der Kupfergesellschaft verschafft. Er habe
wahrscheinlich dafür indemnit&amp; verlangt und sicher habe er faule, 4
aber legal disputable Ansprüche geltend gemacht bei der Aneig-

Z. 10—15 |!

38 (Er) —41 —
        <pb n="481" />
        (1055) 1867 Okt.9

431

nung oder Handlegung auf einen Teil des durch seine Hand gehen-
den Kupfers. Er glaube nicht, daß D{[ronke] ohne Rückhalt direkt
den code penal frise habe. Tant mieux.

1056. Marx an Engels; 1867 Oktober 10.
10. Oktober 1867.
Dear Fred,

Aus dem einliegenden Brief des Kugelmann siehst Du, daß nun
die Zeit zur action gekommen ist. Du kannst besser über mein
Buch ihm schreiben als ich selbst. Zugleich soll er nur keine Weit-

o läufigkeiten machen und uns die Sachen nicht zuschicken zur Kor-
rektur, sondern nach dem sie erschienen sind. Du mußt ihm ans
Herz legen, daß alles aufs „Lärmmachen““ ankommt. viel mehr als
auf das Wie oder die Gründlichkeit.

Einliegender Wisch von Meißner enthält nichts. Wie kann er

‚5 Kritiken erwarten, bevor seine eignen Buchhändlerannoncen er-
schienen sind?

Salut.
Dein K. M.

1057. Engels an Marx; 1867 Oktober 11.
Manchester, 11. Oktober 1867.
Lieber Mohr,

Besten Dank für die Briefe und Zeitungen, die ich in ein paar

Tagen zurückschicke.
Ich schreibe an Borkheim, daß ich gern die Garantie mit ihm
z übernehmen will, falls er die Sache so abmachen kann, daß Alles
unter der Hand abgeht und z. B. keine Referenzen von mir zu
geben sind — es ist mir nämlich kontraktlich verboten, surety zu
werden, und ich stehe so mit Monsieur Gottfried), daß er jeden
Anlaß ergreifen würde, to put me in the wrong before a court of
„ arbitration. Kann er das nicht, so bin ich bereit, ihm meine bün-
dige Erklärung zu geben, daß ich mit für die £ 100 hafte, und er-
warte sonstige Vorschläge. Oder wäre z. B. Freiligrath Referenz
genug für mich? Die Sache müßte eben ganz hinter dem Rücken
aller meiner kommerziellen Verbindungen abgemacht werden. En-

ss fin nous verrons.

Dem Kugelmann werde ich morgen Nachmittag ein Ding zu-
recht machen; wenn wir warten sollen, bis er das Buch durchge-
lesen hat, so kommen wir nicht weit. Auch an Siebel schreibe ich.

Z1—2

99.92

34 (EnfGn)-—235.
        <pb n="482" />
        432

(1057) 1867 Okt. 11
Was Du mit dem Freiligrath besingenden Rittershaus willst, weiß
ich nicht, ich kenne den Kerl gar nicht, und so viel ich weiß, ge-
hört er grade nicht zu unsern Leuten.

Ich wollte Dir noch viel schreiben, da kommt der verdammte
alte Jud Leibel Choras, den Du kennst, und hält mich über eine
Stunde auf. Dann gleich darauf noch ein Kerl. Ich bin seit
8 Tagen von Kunden überlaufen, heute Morgen auch 2. Morgen
früh wieder Einer erwartet. Dazu ewiger Krakeel mit Gottfried,
es ist zum Tollwerden.

Also bis morgen. ;
Dein

F.E.

1058, Engels an Marx; 1867 Oktober 13.

Manchester, 13. Oktober 1867,
Lieber Mohr,

Ich habe dem Kugelm[ann] zwei Artikel von verschiednen zs
Standpunkten über das Buch geschrieben und zugeschickt;
ich denke, sie sind so, daß fast jede Zeitung sie nehmen kann, und
danach kann er dann andre machen. Das wird ihm schon etwas
helfen.

An Siebel schreib ich morgen, ich muß erst wissen, wo der Kerl 20
und wie seine Gesundheit ist.

An Borkheim ist geschrieben.

Liebknecht macht sich recht gut; er hat von uns doch so viel be-
halten, daß er einsieht, die einzige richtige Politik bestehe darin,
gegen Alles ohne Ausnahme zu stimmen. Das hat %s
er bisher redlich getan. Wenn Du ihm dieser Tage wieder
schreibst, kannst Du ihn auf folgendes aufmerksam machen: Der
letzte Artikel des Freizügigkeitsgesetzes lautet: Die Fremdenpoli-
zei wird durch dies Gesetz nicht berührt, So daß, was man als
norddeutscher Bürger gewinnt, man als „Fremder“ wieder ver- zo
liert. Hier würde es großen Effekt machen, wenn L[iebknecht] be-
antragte: Die Fremdenpolizei ist abgeschafft. Solch ein
Blödsinn besteht überhaupt bloß auf dem Kontinent; der Antrag
würde großen Effekt machen. Es wäre ihm überhaupt unter den
Fuß zu geben, den Bürgern vorzuhalten, wie er, der Kommunist, 35
genötigt ist, gegen sie für ihre eignen Sachen aufzutreten. Die
Rede von Liebknlecht] war übrigens in der Kölnlischen] Zeitung
viel besser als in der Zukunft.

Die Sachen über Vogt haben mich sehr gefreut. Trotz seiner
Manöver hat ihn Dein Angriff doch vollständig ruiniert, und nur x
die liberale Bourgeoisie hält ihn noch als deutschen Väron.

7. 15—921.

Sana
        <pb n="483" />
        (1058) 1867 Okt. 13

433
Stumpf will weiter nichts, als daß Du ihm Material, theore-
tisches und faktisches, darüber geben sollst, wie es zugeht, daß
der Kleinbürger allmählich dem Proletariat verfällt, Das weißt
Du übrigens ebensogut wie ich, willst Dich bloß an der Arbeit vor-

; beidrücken. Allerdings meint der gute Stumpf, das ließe sich so
auf einer Briefseite machen —, so daß er was damit anzufangen
wisse. Das bezweifle ich jedoch.

Dronke. Borkheim ist grade so ein Skandalsucher wie der
Kleine, und wenn die 2 was über einander sagen, so wird es six

„of one and half a dozen of the other sein. Dronke hat immer noch
soviel jus im Köpfchen, daß er sich bei jetzigen Auslieferungs-
vertragszeiten vor direkter criminal prosecution gehütet haben
wird. Du weißt übrigens, wie im Commerce selbst die direktest
kriminellen Geschichten unter einfach zivilrechtlicher Form be-

ı sorgt werden können. Jedenfalls aber ist der Kleine viel zu schlau
und viel zu gierig gewesen. N

Strohn ist immer der alte kuriose Kerl. Die Idee, eine Auße-
rung, die er selbst x-mal getan, auf sich zu beziehen, sobald ich
sie ausspreche!

Auf Borkheims Perle bin ich begierig. Im Fach der literari-
schen Eitelkeit ist der Kerl reiner „Jid“.

Gumpert hat einen Vetter hier, exkurhessischer, jetzt preußi-
scher Leutnant. Der Kerl kam mit großen Erwartungen zu den
Preußen, fand aber den alten Kamaschendienst wieder in vollem

» Flor. Turnen ete. auf Kommando betrieben, Parademarsch,
strammes Exerzieren etc. Dabei mag Manches übertrieben sein,
aber sicher ist, daß auch das Paradewesen durch die letzten Er-
folge eine gewisse Sanktion bekommen hat. Die Übertreibung
rührt aus der unangenehmen Empfindung her, die die neueinge-

„ tretenen Offiziere schon gemacht haben, daß 9 aus je 10 von ihnen
es nicht zum Stabsoffizier bringen. Der Kerl sucht auch nur nach

einer Gelegenheit, um aus der Sauce herauszukommen.

Beste Grüße an Deine Frau, die Mädchen und Lafargue.

Dein F.E.

0

1059. Marx an Engels; 1867 Oktober 14.
14. Oktober 1867.
Lieber Fred,
Aus einliegendem Brief Juchs No. II siehst Du, daß, obgleich
Achilles tot ist, Beta immer noch lebt. Der Brief des J [uch] stammt
„wohl daher, daß Kinkel von Bleta] gelobt wird, jedoch nicht Frei-
ligrath, und daß Betas Artikel auch einige Malicen gegen J uch
enthält. Wenn Flreiligrath] und Jluch] sich zusammentun, bringen
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 3 28

7 1.921. 38—42 —
        <pb n="484" />
        484

(1059) 1867 Okt. 14
sie noch nicht einen schlechten Witz fertig. Daher soll ich aufge-
heizt werden, der „durch und durch Giftige“, wie Beta mich in
seinem Sauwisch nennt, im Artikel: „Die Deutschen in London“,
beginnend mit der normännischen Erobrung und endend mit dem
Kömierigen Jud Bender als der einzigen Menschenblüte in Eng-
and.

Dies ist jetzt ungefähr das 6. Mal, daß Herr Juch mir seine
Faden Spalten zum „Selbstlob“ anbietet, für ihn probate Manier,
die er mit Blind, Kinkel, Freiligrath, Heintzmann natürlich er-
folgreich anwandte. Ich habe ihm nur ein paar Zeilen geschrieben.
Und zwar, was Herr Freiligrath nicht will. Ich erzähle ihm
privatim die Szene, die ich auf Betas „How do you do“ Redak-
tionslokal, in Begleitung von Ziegenhainer, F reiligrath und uns-
tem W. Wolff hatte. Um ihm für seine Mühe doch einen schlech-
ten Witz zu geben, sage ich ihm, daß ich dem Kinkel nichts mehr 15
zönne, als das « und ® zu diesem Beta zu sein.

Charakteristisch für Juch: Er schickt mir Paynes Volkskalen.
der, worin das Corpus Delicti (dieser Kalender, wie alle Sauerei
in Deutschland, „Gartenlaube“ ete., hat 250000 Abnehmer) nebst
obligater Rechnung dafür von 11 d., die ich sofort in mein Ant- zo
wortschreiben einschloß. Allerdings war er aber wieder auf der
Schwelle des Bankruptey Court und hat sich mühsam durch
monatliche Abzahlung von 2 s. 6d. per £ mit seinen Gläubigern
zettled.

Was soll ich dem einliegenden Nahmer antworten? 2:

Hat Borkheim Dir den Courr[ier] Franclais] mit Übersetzung
meiner Vorrede geschickt? Ich frage, weil poor Lafargue jeden
Tag auf „Dein Urteil“ lauert. Heute kam die belgische Libert6&amp;,
ditto mit Abdruck der preface, mit sehr „speichelhaftem“ pream-
ble, worin sie die belgische Regierung an meine Expulsion er- zo
innert,

Liebknecht hatte ich schon geantwortet, mußte ihm aber heut
wieder schreiben, weil ich heut erst die 2 acts über die „Trades
Unions Commission“ erhielt. Deine Winke meinem Brief ein-
verleibt.

Salut. Compliments to Mrs. Burns.
Dein Moro.

fm
m
        <pb n="485" />
        (1060) 1867 Okt. 15
1060. Engels an Marx; 1867 Oktober 15.
Manchester, 15. Oktober 1867.

be

Lieber Mohr,

In aller Eile nur dies:

Borkheim will, ich soll auf mich ziehen lassen, das ist mir erst
recht verboten. Ich habe ihm nun geschrieben: ich garantiere ihm
für die £ 150 (denn hierauf habe ich die Summe erhöht) und will
ihm privatim jede security geben, daß sie any time nach dem
1. August 1868 bezahlt werden, und ihn gefragt, ob er unter diesen

„ Umständen das Geld auftreiben kann. Von dem loan hat er weiter
nichts gesagt. Vielleicht siehst Du ihn am besten, er will Ende der
Woche fort und bleibt 14 Tage weg.

Dein F. E.

1061. Engels an Marx; 1867 Oktober 18.
Manchester, 18. Oktober 1867,
Lieber Mohr.

Ich habe Borkhleim] geschrieben, daß ich unter keinen Um-
ständen akzeptieren kann, und daß es, nachdem ich ihm den Be-
trag garantiert, auf seine Kreditmittel ankommt, da meine ge-

» lähmt sind.

Inliegend die Briefe zurück. Liebkn [echt] scheint leck gewesen
zu sein, sonst hätte er bei der Koalitionsgeschichte doch was sagen
können. Perhaps it is better so. Schweitzer hat sich als kompletten
eitlen Esel und Phrasendreher hingestellt. Der ist schon kaputt.

Die Betakorrespondenz hat mich sehr amüsiert.

Courrier Frlancais] ist eingetroffen, zum Beurteilen habe ich
heute aber platterdings keine Zeit.

Ich kann noch 4—5 Artikel über Dein Buch von verschiednen
Standpunkten schreiben, weiß aber nicht, wohin damit. Wer weiß,

» wo Siebel ist! Vielleicht in Algier oder Palermo! Doch hoffe ich,
bald Antwort von ihm zu haben. Könntest Du sie in London ab-
schreiben lassen, daß meine Handschrift nicht zu erkennen, so
wäre es vielleicht doch am Geratensten, sie an Meißner zu
schicken.

Beste Grüße an Alle.

Js

Dein

F. E.

Ar. 1061.
        <pb n="486" />
        436

(1062) 1867 Okt. 19
1062. Marx an Engels; 1867 Oktober 19.
London, 19. Oktober 1867.
Dear Fred,
Was den Borkheim angeht, so hatte ich ihm gesagt: Was
Engels schreibt, ist geschrieben und ist nichts dran „abzudin-
gen“, Er (heute ist er nach Bordeaux abgereist) ließ sich so weit
von mir bestimmen, daß er mir 40 £ einzahlte und versprach,
wenn Du nicht könntest etc., ohne weitere Weitläufigkeit to find
the rest bis November 10. Aber als Kaufmann und Jud mußte er
doch noch einen Versuch machen!

Übrigens hat B[orkheim] große Genugtuung erlebt. Schab[e]-
litz hat eine höchst renommistische Anzeige von B[or]klheim]s
„Perle“ im Buchhändlerbörsenblatt gemacht, worin B{(ork-
heim] namentlich als Peter der Eremit gegen Rußland figu-
riert. Well! Die Moskauer Zeitun g hat dies als Kuriosum ı
abgedruckt (übersetzt), und er erlebte so das Vergnügen, sich
und seinen Namen russisch gedruckt gesehn! Er hat mir die
Nummer gezeigt und verdolmetscht. .

Lafargue hatte viel zu tun, das Französische B[orkheim]s
wenigstens tolrabel ins Französische zu übersetzen. Ich mußte ihm zo
natürlich beistehn, namentlich für die Zitate aus Kant, Fichte,
Hegel, die Blorkheim] selbst im Deutschen wohl nicht ganz ver-
stand. Aber die Leute stehn in seiner Bibliothek.

Ich bin froh, daß die Sache soweit settled ist. In den letzten
Wochen war es mir positiv unmöglich, mehr als vielleicht 2 Stun- 2
den zu schreiben. Außer dem Andrang from without der Haus-
katzenjammer, der mir immer auf die Leber schlägt. Ich wurde
wieder schlaflos und hatte das Vergnügen, in der Nähe des mem-

brum 2 Karbunkelchen aufblühn zu sehn. Glücklicher Weise sind
sie verblüht. Meine Krankheit kommt immer aus dem Kopf. 30

Da ich grade vom membrum spreche, empfehle ich Dir für
Moore folgende Verse aus dem französischen Satiriker des
16. Jahrhunderts, Mathurin R&amp; gnier. Trotz meiner Belesen-
heit auf diesem Gebiet, glaube ich nicht, daß die chaude pisse je-
mals so poetisch beschrieben worden ist: r

„Mon cas, qui se l&amp;ve et se hausse,
Bave d’une estrange facon;

Belle, vous fournistes la sausse,
Lors que je fournis le poisson.
Las! si ce membre eut Varrogance
De fouiller trop les lieux sacrez,
Qu’on luy pardonne son offence,
Car il pleure assez ses pechez.“

Z. 9 (Aber)—23
Sl — m ZA
        <pb n="487" />
        (1062) 1867 Okt. 19

ART

Übel ist auch nicht von demselben:
Fluxion D’Amour.
„L’amour est une affection
Qui, par les yeux, dans le ceur entre,
Et, par la forme de fluxion,
S’&amp;coule par le bas du ventre.
Endlich:
Lisette tuege par Regnier.
Lisette, &amp; qui l’on faisait tort,
Vint ä Regnier tout exploree,
Je te pry, donne moi la mort
Que j’ay tant de fois desiree!
Luy, ne la refusant en rien,
Tire son ...., vous m’entendez bien,
Et dedans le ventre la frappe.

Elle, voulant finir ses jours

Luy dit: Mon ceur pousse toujours.
De erainte que je n’en reschappe.
Regnier, las de la secourir,
Craignant une seconde plainte,

Lui dit: Hastez-vous de mourir,
Car mon poignard n’a plus de pointe.“
Einliegend 2 Freiligrathausschnitte.
Anliegend 2 Courrier Francais und 1 Liberte. Diese
„ Journale brauchstDu nicht zurückzuschicken. Aber aufheben! Den
Blödsinn des Courrier über die Art Militaire habe ich
nicht gelesen, aber Proudhon über die generatio aequivoca! Ich
glaube, l’un vaut l’autre.

H. Meyer war vorgestern hier auf Durchreise nach Amerika.

zo Vielleicht hat er Dich noch gesehn.

Schick Deine Rezepte für die deutschen Zeitungen her. Ich
lasse sie kopieren und finde die passendsten placements. Sie sind
sogar, teilweis wenigstens, für double emploi, da Meyer
auch für jenseits dergleichen verlangte und vernutzen wird. So-

bald dies in Deutschland besorgt — und es ist das Wich-
tigste, denn von dort hängt großenteils die Sache hier ab —,
mußt Du eine Kritik für die Fortnightly Review schrei-
ben. Beesly bringt sie hinein. Dies notwendiger Vorläufer to
catch a publisher in London. Das Blatt ist im Geheimen (so ge-
m“ heim, daß kein Mensch es merkt) comtistisch, aber will alle
Standpunkte zu Wort kommen lassen. Interessiert sich Herr Lewes
(der Goethemann und leider auch halber Comtist) für das Buch
durch die Kritik (Lewes ist im Geheimen auch Coproprietor der
Review), so ist das Finden des Buchhändlers leicht. Und jeden-

Pm

a
        <pb n="488" />
        138

(1062) 1867 Okt. 19
falls, selbst ohne das, ist der Buchhändler dann leichter aufzutun.
In der letzten Nummer ist ein wahrhaft elender Artikel von Thorn.
ton, worin der Malthusianism (an den die eigentlichen mongers
nicht glauben) in der hausbackenst trivialsten Form reprodu-
ziert,

Was unsrer Partei fehlt, ist Geld, wie die beiden einliegenden
Briefe von Eccarius und Becker wieder schmerzlich zeigen. Ohne
diesen Mangel sind wir, trotz der großen und unersetzbaren Ver-
luste, immer, heute wie 1848, les plus forts.

Gruß an Mrs, Lizzy.

tr
Dein K. M.

(063. Engels an Marx; 1867 Oktober 22.

Manchester, 22, Oktober 1867.
Lieber Mohr,

Inliegend die Briefe von Becker und Eccl[arius] zurück. Der 15
Geldmangel ist allerdings ein großes Pech für die Partei und ein
größeres für diese armen Teufel,

Siebel schreibt mir aus Honnef am Rhein, er kommt Anfang
November her, um sich in Liverpool wieder nach Madeira einzu-
schiffen. Er sagt, ich solle ihm die Artikel um gehend einsen- z
den, ich setze mich heut Abend dran, ihm ein paar zurechtzu-
schreiben. Was ich für die deutsche Presse schreibe, ist na-
türlich alles verstellt, für Amerika müßte wieder anders ge-
schrieben werden, da kann man schon mehr herausrücken.

Sam Moore hat aus Eisenach geschrieben, er scheint im Deut- 25
schen ziemliche Fortschritte zu machen.

Liebknecht macht mir viel Spaß. Es ist ein wahres Glück, daß
er noch ein gut Stück in der süddeutsch-föderalistischen Sauce be-
fangen ist, so daß er mit großer singleness of purpose und mit un-
gebrochener sittlicher Entrüstung gegen die Bismärckerei auf- zo
treten kann. Eineetwaskritischereund dialektischere Ansicht würde
in seinem Kopfe nur Konfusion anrichten und ihn irre machen.
Er hat sich offenbar am Lupus im Frankfurter Parlament ein Vor.
bild genommen und hat sich auch seinen Ordnungsruf redlich er-
worben, indem er den Reichstag das Feigenblatt des nackten Ab- %
solutismus genannt hat, Daß er in dasKoalitionsgesetz einen Para-
graphen zum Schutz der Fabrikkinder hineingebracht, wirst Du
gesehn haben.

Die Fortschrittspartei hat die Untersuchungskommission abge-
lehnt, als nicht zur Kompetenz gehörig. Der Bund ist aber kom- 40
petent für alle Gewerbeverhältnisse, nur kann der Reichsta g
        <pb n="489" />
        (1063) 1867 Okt. 22

439

keine Kommission ernennen, wohl aber die Bundesgewalt dazu
auffordern.
In der Wucherdebatte lehnte Bismarck es ab, die Hypotheken-
banken durch Staatshülfe zu unterstützen: wenn von Staatsunter-
s stützung die Rede sei, so könne diese bloß den Arbeiterasso-
ziationen allenfalls bewilligt werden. Der Schuft glaubt
doch noch, die Arbeiter prellen zu können.
Vietor Emanuel scheint ein sehr gewagtes Spiel zu spielen. In-
des ist der römische Krawall noch nicht am Ende. Die Luft wird
oo täglich elektrischer, es sollte mich gar nicht wundern, wenn’s
gleich im nächsten Frühjahr losginge.
Beste Grüße an Deine Frau, die Mädchen und den Doktor
Eisenbart*.
Dein F.E.

Ich bin froh, daß die Sache mit Borkh [eim] in Ordnung. Ich
kann unter keinen Umständen dem Glottfried] Elrmen] jetzt
einen Vorwand liefern wegen direktem Kontraktsbruch, den Kon-
trakt mit mir aufzulösen. Hoffentlich vertreibt das Geld Dir die
Karbunkeln; vergiß nicht. Dir viel Bewegung in freier Luft zu

2 machen.

Die Sache für die Fortnightly Review” mach ich gem. Laß
mich aber wissen, welchen Raum ich ungefähr beanspruchen
darf. Du wirst wohl vorziehen, daß es in Resumeform gemacht
wird, so daß die Hauptpunkte des Buchs — Entstehung des Kapi-

» tals — Mehrwert — Arbeitstag — Revision der Ricardoschen Ge-
setze — usw. usw. in Kurzem mitgeteilt werden, kritisieren kann
ich das Ding ja doch nicht. Auch bis wann ungefähr das Ding da
sein muß, wüßte ich gerne. Für die 1. November-No. ist’s zu spät,
also für die 1. Dezember-No.

1064. Engels an Marx; 1867 November 1.
Manchester, 1. November 1867.
Lieber Mohr,

Was ist los, daß ich gar nichts mehr von Dir höre? Ich habe im-
mer Angst seit Deinem letzten Brief, daß Du wieder Karbunkeln
hast. Hast Du von Drüben nichts mehr gehört? Von Kugelmann
oder Meißner wegen Artikel über Dein Buch? Ich höre und sehe
nichts und kann unter den Umständen auch verdammt wenig tun.

Wie sehr Dizzy es fertig gebracht hat, nicht nur die Whigs zu
dishen, sondern auch die Tories zu desorganisieren, bewies mir
Sr

1) Paul Lafargue

2) Im Orig. Saturday 141h Review

25

Z. 15—20
        <pb n="490" />
        4*3
(1064) 1867 Nov. 3
vorgestern eine Unterhaltung mit zweien der Sorte. Sie kamen
überein:
1. Daß die irische Kirche und damit auch in England die
Staatskirche demnächst fallen zu lassen sei.
2. Daß die laws of primogeniture and entail nicht mehr zu «
halten seien.
3. Daß nach dem Tode der Königin es wohl bald zu einer Revo-
lution hier kommen werde.
Dein F. E,
1065. Marx an Engels; 1867 November 2,
2, November 1867.
Dear Fred,

Ich habe in der letzten Zeit zwar keine entwickelten carbuncles,
aber beständige Anf änge, die immer wieder verschwinden, but fret
me. Daneben die alte Schlaflosigkeit. Doch ist’s besser seit about ı:
3 days. Das Stillschweigen über mein Buch macht mich fidgety.
Ich höre und sehe nichts. Die Deutschen sind gute Kerls, Ihre
Leistungen als Bediente der Engländer, Franzosen und selbst Ita-
liener auf diesem Gebiet berechtigen sie in der Tat, meine Ge-
schichte zu ignorieren. Unsre Leut’ drüben verstehn nicht zu agi- %
tieren. Indes muß man’s machen wie die Russen — warten. Die
Geduld ist der Kern der russischen Diplomatie und Erfolge. Aber
unsereiner, der nur einmal lebt, kann darüber verrecken.

Einliegend Brief des deutschen Kommunistenvereins. Gut ge-

meint. Aber sonderbarer Knotenstil. &amp;

Der einliegende Brief von Maughan, Rentier, alter Owenit, sehr
anständiger Kerl. Die Leute bezwecken offenbar, die Freethink-
bewegung von den professional agitators Bradlough etc. zu eman-
zipieren. Ich habe höflichst abgelehnt. Einerseits hätte ich bei der
Gelegenheit zwar, was mir so sehr fehlt, allerlei Leute kennen zo
lernen können, die mehr oder weniger, direkt oder indirekt, mit
der englischen Presse in Verbindung stehn, Andrerseits habe ich
keine Zeit und finde es auch unpassend, in dem leading Commit-
tee irgend einer englischen Sekte zu figurieren,

Ein gewisser Egerton Herbert, Bruder des Earl of Carnarvon 35
und Cousin des Stepney (der Mitglied unsres Central Couneil und
vielerlei in Sozialismus macht, 1. €. cooperative dodges ete.), hat
mich durch Stepn[ey] um Rendezvous ersucht. Da ich den Mann
erst sehn und beriechen will, habe ich ihm dies für nächsten Diens-
tag in der Cleveland Hall, wo wir unsre Sitzungen halten, anbe- «
raumt. Vielleicht kann dieser „Kanal“ (Vogt) zu Buchhändlern
dienen.

Apropos! Die Subscriptions für die International sind Jetzt zu
        <pb n="491" />
        (1065) 1867 Nov. 2

141

erneuern. Sobald Moore zurück, schickt Eure Subscriptions per
Post Office Ordre (Charing Cross) an mich, aber gezogen
auf unsren treasurer: Robert Shaw, 62, Hall Place, Hall
Park, London W. Es wäre wünschenswert, wenn Schorlemmer,

5 sei es auch nur a few shillings, gleichzeitig mit Euch schickte. Ist
er zurück? Wann erhalte ich seine Chemie?

Ich weiß nicht, ob Dir der Verlauf der italienischen Affäre, wo-
von die Bruchstücke accidentellement durch Auszüge aus russi
schen etc. Blättern, sich in die englische und deutsche Presse ver-

„liefen. bekannt ist. Man übersieht solche Fäden leicht.

Herr Bonaparte hatte zu Zeiten der luxemburgschen Affäre eine
Konvention (informal) mit Viktor Emanuel gemacht, wonach letz-
terer das Recht erhielt, sich den Rest des Kirchenstaats außer Rom
zu annexieren, dagegen Trutzbündnis gegen Preußen im Kriegs-

1 fall. Als nun die preußische Scheiße sich in Wohlgefallen ver-
lief, wurde Herr Bonaparte des Dings leid und suchte mit seiner
gewöhnlichen Pfiffigkeit den Emanuel zu verraten und sich an
Östreich zu machen. In Salzburg kam es bekanntlich auch zu
nichts, und so schien für Zeitlang der europäische Hexenkessel
nicht zu sieden. Die Herrn Russen unterdessen, die sich wie ge-
wöhnlich eine Kopie der Konvention verschafft?” hatten, fanden
den Augenblick gekommen, sie Herrn Bismarck mitzuteilen, der
sie seinerseits durch den preußischen Gesandten dem Papst vor-
legen ließ. Darauf, auf Wink des Papst, die Broschüre des Bischof
Dupanloup von Orleans. Andrerseits Garibaldi von Emanuel lan-
ciert. Später: Ratazzi entlassen als Preußenfeind und Bonapartist.
So das jetzige Imbroglio. Der Scheißhund Bonaparte sitzt jetzt
tief im Dreck. Krieg, nicht nur mit Italien, sondern Preußen und
Rußland, und in einer Sache, die in Frankreich den fanatischsten
Haß von Paris etc. genießt, in England verhaßt etc. — oder aber-
malige Retirade! Der Kerl suchte sich durch Appell an Europa
zu retten, europäischer Kongreß. Aber Preußen und
England haben ihm bereits geantwortet, er möge die Sauce allein
ausfressen. Der Kerl irrt sich im Datum. Er ist nicht mehr der

3 russisch-europäische Geheimgeneral.

Wenn Retirade, so bei den jetzigen Getreidepreisen, Geschäfts-
krisis und Verdrießlichkeit in Frankreich Revolution möglich one
fine morning.

Unser Bismarck — obgleich er Hauptwerkzeug der russischen

« Intrigen — hat das Gute, daß er die Sachen in Frankreich zur
Krise treibt. Was aber unsre deutschen Philister betrifft, so hat
ihre ganze Vergangenheit bewiesen, daß ihnen die Einheit nur
von Gottes und Säbelgnaden oktroyiert werden kann.

1) Im Orig. verschaffen

+5
        <pb n="492" />
        f2

(1065) 1867 Nov. 2
Der Fenianprozeß in Manchester alles, was man erwarten
konnte. Du wirst gesehn haben, welchen Skandal „unsre Leut’“ in
der Reform League gemacht. Diese Demonstration der englischen
Arbeiter für Fenianism habe ich auf alle Art zu provozieren
gesucht.

Salut.

Dein K. M.
Ich habe früher Trennung Irlands von England für unmöglich
gehalten. Ich halte sie jetzt für unvermeidlich, obgleich nach der
Trennung Federation kommen mag. Wie die Engländer vor-
angehn, beweist die vor einigen Tagen erschienene Agrikultur- z
statistik für dies Jahr. Dazu die Form der Evietion. Der irische
Viceroy, Lord Abicorn” (so ungefähr ist der Name), hat in
den letzten Wochen seinen Estate durch gewaltsame Exekution von
Tausenden „cleared“. Darunter wohlhabende Pächter, deren im-
provements und Kapitalanlagen in dieser Weise konfisziert! In ı
keinem andren europäischen Land hat die Fremdherrschaft diese
direkte Form der Expropriation der Eingebornen, Die Russen kon-
fiszieren nur aus politischen Gründen; die Preußen in West-
preußen kaufen aus.

1066. Engels an Marx; 1867 November 5.
Manchester, 5. November 1867.
Lieber Mohr,

Inliegendes von Siebel in die Elberfelder Zeitung gebracht. Es
ist Jammerschade, daß der arme Teufel, der morgen wohl hier
eintreffen wird, grade fort muß, er hätte wohl noch Einiges be- %
sorgt. Indessen will ich sehn, was noch bei ihm zu machen ist,
vielleicht geht’s doch noch.

Notre ami Kugelmann scheint sich mit den hannöverschen Zei-
tungen auch verrechnet zu haben — wenigstens finde ich zu meinem
größten Erstaunen den einen der ihm zugesandten Artikel, und %
zwar den zahmsten, noch dazu verkürzt und verstümmelt, in
der Zukunft! Dazu hätten wir amicum kaum gebraucht und
jedenfalls hätte ich für das Blatt anders geschrieben. Aber ich
schrieb für die nationalliberalen Blätter, mit denen er renommiert
hatte. 8:

Die Sache muß anders betrieben werden. Hast Du Liebknechts
jetzige Adresse, resp. seine alte Leipziger? Gib sie mir, ich werde
ihn etwas aufstacheln. Ich sehe wohl ein, ich werde alle die Ar-
tikel selbst schreiben müssen (Eccarius könnte auch wohl einen
machen), den Leuten auf dem Kontinent liegt das Buch noch zu «

1) Richtig Abercorn

Z. 34 (mit}-—-35.
        <pb n="493" />
        (1066) 1867 Nov. 5

443

massenhaft im Magen, und wenn wir warten wollen, bis sie es ver-

daut haben, so ist die Zeit verpaßt. Ich werde auch an Kugel-

ml[ann] wieder schreiben, daß er wenigstens sagt, was er mit dem
andern Artikel getan hat und ob er noch welche unterbringen

; kann. Du mußt an Meißner schreiben und fragen, ob er welche,
und wo, unterbringen kann, wenn sie ihm geliefert werden. Ferner
schreibe ich an Klein nach Köln wegen der Rheinlischen] Zei-
tung und offeriere für den Notfall einen Artikel. Es ist sehr fatal,
daß man nicht selbst am Platze ist. Wären wir in Deutschland, so

„ hätten wir bereits in allen Zeitungen Lärm geschlagen und es
fertig gebracht, das Buch denunz jeren zu lassen, was immer
das Beste ist.

Louis in Paris ist am Ende seiner Weisheit. Er hat sich in
eine schöne Situation” geritten. Entweder neuer Rückzug oder
Krieg für den Papst. Ich kann kaum glauben, daß er den Ita-
lienern wirklich ein Ultimatum wegen Räumung des Römischen
hat zugehn lassen, und ebenso wenig, daß er es bei der knurren-
den Note von Moustier lassen kann. In jedem Falle ist er foutu.
Wie es in Paris aussieht, hat sich auf dem cimetie&amp;re Montmartre

2 gezeigt. Der Tanz kann jeden Tag losgehn, und ich glaube kaum,
daß der große Mann seinen 2. Dezember nochmals feiern wird,
jedenfalls aber wohl zum letztenmal. Er ist so heruntergekommen,
daß selbst jeder Philister ihn hier nur noch als ordinären Aben-
teurer behandelt.

Wenn es aber zum Klappen kommt, so findet die Revolution
doch jetzt überall eine ganz andre Situation vor als 1848. In
Deutschland ist die Zerfahrenheit von damals seit dem vorigen
Tahr nicht mehr möglich, und wenn auch eine sofortige gewaltsame
Erhebung in Berlin wenig Chance hat, so würde der Anstoß doch

„ auch dort Kollisionen einleiten, die mit dem Sturz des jetzigen
Regimes enden müßten. Monsieur Bismarck würde sehr bald nicht
mehr Herr der Situation sein. Und dann würde England diesmal
sogleich mit hineingerissen und above all hätten wir die soziale
Frage in ganz Europa sofort an der Tagesordnung.

„Wie tief die englischen Richter gesunken sind, zeigte gestern
Blackburn, als er den Zeugen Beck frug (der zuerst auf Wil-
1iam Martin geschworen hatte, nachher aber sagte, es sei John
M.): Then you swore to Wlilliam], and you meant to swear to
John? Die ganze Prosekution, glaube ich, wird bei jedem neuen

„ batch Angeklagten mehr und mehr zusammenbrechen, das Falsch-
schwören, um die £ 200 Belohnung zu bekommen, ist ganz un-
glaublich. |

Kannst Du mir sagen, wo über Lord Abercorns Eviktionen
Näheres zu lesen?
1) Korr. aus Revolution
        <pb n="494" />
        (1066) 1867 Nov. 5
Louis in Paris mag sich wieder vor Bomben und Kugeln in
acht nehmen. Die Italiener lassen nicht so ungestraft mit sich
spaßen.

Die Courriers schicke ich Dir womöglich morgen zurück.

Grüße Deine Frau und die Mädchen und den verliebten *
Schuster” herzlich,
Dein F. E.

1067. Marx an Engels; 1867 November 7.
7. November 1867.
Dear Fred,

Meine remerciments für die „FElberfelder“.

Die alte Adresse des Liebknecht: „11, Braustraße,
Leipzig“. Übrigens vielleicht sichrer durch Kugelmann, der
mit einem Freund Liebknechts zu Leipzig in Verbindung steht, zu
besorgen.

Ich hatte vergessen, Dir in dem Brief von Samstag zu schrei-
ben, daß für die Fortnighily 1 Bogen Maximum. Wenn mehr als
halben Bogen, so in der Form zu geben: First Notice, Second
Notice.

Was den Meißner angeht, so scheint es mir nicht diplomatisch, 2
ihn zu sehr hinter die Karten sehn zu lassen. Was er aus eignen
Mitteln tun kann, tut er ohnehin. Wichtig wäre es — und für den
Augenblick selbst wichtiger als die englische Geschichte —, einen
ausführlicheren (vielleicht in mehrere Artikel zerfallenden) Be-
richt an die östreichische „Internationale Revue“ (Arnold Hil- 2

bergs Verlag, 4, Kolowrat-Ring, Wien) zu schicken. Da Arnold
Hilberg Dich und mich als seine Mitarbeiter aufzählt (und durch
mich uns beide zur Mitarbeit aufgefordert hat), so steht hier nichts
im Weg. Es ist in der Tat die einzige deutsche „Revue“, die uns
offen steht.

Das einzige Wochenblatt hier in London, das eine gewisse Un-
partelischkeit besitzt und sich viel mit Deutschem beschäftigt, wie
deutscher Philologie, Naturwissenschaft, Hegel usw., ist ein —
katholisches Blatt, the „Chronicle“. Es ist offenbar
Tendenz bei ihnen, zu zeigen, daß sie gebildeter sind als ihre pro- %
testantischen Rivalen. Ich habe ihnen Ende letzter Woche one
copy geschickt mit a short letter to the purpose, daß mein Buch
andre als ihre Ansichten vertritt, daß aber der „wissenschaftliche“
Charakter ihres Blatts präsumieren 1äßt, that „some notice will be
taken of this first attempt at applying the dialectie method ©
to Political Economy“. Nous verrons! Es herrscht jetzt in der

1) Paul Lafargue

If

i11—15.

17 (Wenn) —22,
        <pb n="495" />
        445
feineren Welt (ich spreche natürlich von dem intellectual Teil
derselben) viel Bedürfnis, die dialektische Methode kennen zu
lernen. Und vielleicht ist das noch der leichteste Weg, die Eng-
länder heranzukriegen.

Von der beiliegenden „Diplom [atic] Revliewl]‘“ das
Interessanteste der Auszug aus dem neuen Buch von Prokesch.

Ausführliche Beschreibung der Abercornschen Evictions war
vor about 14 Tagen im (Dublin) „Irishman“. Ich bringe es
vielleicht fertig, die mir nur für 24 Stunden gepumpte Nummer

u wieder zu erhalten.

[n Meeting, worin Colonel Dickson präsidierte und Bradlaugh
Vortrag über Irland hielt, brachte unser old Weston, seconded by
Fox und Cremer, Resolution für die Fenians ein, die einstimmig
passierte. Letzten Dienstag ditto, während Aclands Vorlesung über

1 Reformbill, Cleveland Hall (über unsrem Kopf, wir tagten unten
im coffeeroom, der im Keller liegt), stürmische Demonstration für
die Fenians. Die Sache moussiert hier in dem intelligenten Teil
der working class.

Höchst charakteristisch für die diplomatische Farce, die jetzt

z in Europa vorgeht, daß zur selben Zeit, wo Bonaparte in Italien
interveniert, Frankreich, Italien und Preußen zusammen, im ge-
horsamsten Auftrag Rußlands, eine Drohnote der Pforte zustellen.

Salut.

(1067) 1867 Nov. 7

&gt;

Dein K. M.

DE

Der alte Urquhart mit seinem Katholizismus etc. grows more
and more disgusting.

On lit dans un registre d’une inquisition d’Italie cet aveu d’une
religieuse; elle disait innocemment ä la Madonne: „Degräce, sainte
Vierge, donne moi quelqu’un avec qui je puisse pecher.“ Die

„ Russen sind aber auch hierin plus forts. Es ist konstatiert, daß
ein kerngesunder Kerl, der nur 24 Stunden in einem russischen
Nonnenkloster, tot herauskam. Die Nonnen hatten ihn zu Tod ge-
ritten. Allerdings, bei ihnen le directeur des consciences n’entre
pas tous les jours!

1068. Engels an Marx; 1867 November 8.
Manchester, 8. November 1867.
Lieber Mohr,
In aller Eile:
Siebel wird morgen hier oder in Liverpool sein, wo ich ihn
„sehe. Er kann noch 3 Artikel unterbringen, die ich sofort fertig
gemacht habe und die wir dann rasch besorgen werden. Hätte ich

7 97—— 3A |
        <pb n="496" />
        (1068) 1867 Nov. 8
gewußt, daß er so lange ausbliebe, so hätte er sie längst nach
Barmen erhalten.

Die Geschichte mit der Intern[{ationalen] Revue ist mir eben-
falls schon eingefallen und wird besorgt werden. Desgleichen die
mit der Forinightly Review, sobald die Aufnahme gesichert ist.
Vor der Hand aber halte ich den Randal in der deutschen Tages-
presse für das Wichtigste, pour forcer la main &amp; ces gueux d’&amp;co-
nomistes.

Der downbreak der Polizei in dem hiesigen Prozeß ist rascher
and vollständiger gewesen, als ich erwartete. Es kommt aber wahr- ıc
scheinlich noch besser, Old Blackburn scheint auch andre Saiten
aufzuziehn, heute hat er Ernest Jones über seine Rede große Kom-
plimente gemacht.

Hast Du Bismarcks Instruktionen an Usedom (aus der Augs-
blurger] Abendzeitung, natürlich desavouiert) gelesen? Der Kerl ı:
deckt die Intrigen der Italiener mit Bonaparte ganz ungescheut
auf, man muß ihm lassen, daß er sehr undiplomatische Manieren
haben kann, wenn es ihm konveniert. (Kölnlische] Zeitung vom
Mittwoch druckt’s ab.) Diese Haltung Bismarcks erklärt auch den
Rückzug der Italiener und das Dreckfressen, was sie tun. 2

Wie die preußischen Bureaukratie-Inspektionen und -Revi-
sionen und -Einmischungen beschaffen sind: Mein Bruder schreibt
mir, die Fabrikanten wollen eine Assoziation am Rhein und der
Ruhr bilden wie hier, um ihre Kessel periodisch von tüchtigen
Ingenieuren untersuchen zu lassen, und sagt dann von der Regie- 25
rungskontrolle:

„Hier revidiert ein Kreisbaumeister in % Stunde 7 Kessel (!!)
bei uns und geht ganz befriedigt nach Hause, in einer andern Fa-
brik hat so ein Beamter für 35 Kessel 2 Stunden ge-
braucht!! Wer so töricht ist und glaubt, er könne nach so einer z
Revision ruhig schlafen; ist natürlich geleimt. Es würde eine
wahre Wohltat sein, diesen Unsinn überflüssig zu machen und eine
vernünftige praktische Einrichtung an die Stelle zu setzen. Bei
einer Revision habe ich dem Kreisbaumeister erst den Kessel
mit allen seinen Einrichtungen erklärt, dann s eine Instruktion 2:
dazu genommen und ihm schließlich den Bericht an
die Regierung geschrieben.“

Da hast Du die Preußen! Geschildert von ihnen selbst.

146
        <pb n="497" />
        A

1069. Marx an Engels; 1867 November 9.
9, November 1867.

n

Dear Fred,
Einliegendes von Kugelmann.
Salut.

Dein

Mohr.
[Nachschrift von Laural
Dear Engels,
As Mohrs Secretary I am really rather ashamed to send off a
letter of this kind.
Yours sincerely
Kakadou.

1070. Engels an Marx; 1867 November 10.
Manchester, 10. November 1867.
Lieber Mohr,

Welche rührende Unbehülflichkeit in dem Brief des guten Ku-
gelmann! Und die Menschenkenntnis gegenüber dem Warnebold!
Der Kerl lockt ihm alle Würmer aus der Nase und ist dabei preu-
Bischer Spion! Du mußt den K(ugelmann] wenigstens so weit
über den Hund aufklären, daß die Preußen nicht länger unser

„ ganzes Tun und Treiben erfahren. Der Hund treibt Vertrauens-
mißbrauch mit Dir, das entbindet Dich aller Verpflichtungen
gegen ihn.

Gestern sah ich Siebel in Liverpool. Der arme Teufel wird
doch, befürchte ich, draufgehn. Die Krankheit hat, seit ich ihn

» sah, starke Fortschritte gemacht, er hat sich in Barmen verdorben,
3mal hintereinander Pleuritis gehabt, hustet sehr stark (was er
Krampfhusten nennt und was ganz periodisch wiederkehrt), doch
ist er in der letzten Zeit in Honnef am Rhein wieder besser und
stärker geworden. Leider konnte ich ihn nur kurze Zeit allein

„ sprechen, außer seiner Frau waren immer noch einige Verwandte
da. Indes haben wir doch die Hauptsachen geordnet,

D’abord: Siebel hat, obwohl er an Meißner ge-
schrieben, ihm eins per Post sofort bei Erscheinen Zuzu-
schicken, bis auf den heutigen Tag kein Exemplar bekom-

„men oder gesehen. Herr Rittershaus, der keinen Strich tut,
hat dagegen eins erhalten, und Siebel glaubte, Du hättest ihm gar
keins zugeschickt, wohl aber an Rlittershaus], was ihn pikiert
haben mag. Ich klärte ihn natürlich darüber auf, ein paar Zeilen
vonDir für ihn, dieDu mir beilegen kannst, werden aber erwünscht

„ sein. Nun mußt Du aber gleich Meißner wegen dieser Fahrlässig-

5

Nr.

iNAQ
        <pb n="498" />
        MB

(1070) 1867 Nov. 10
keit zur Rede stellen. Die Sache hat uns 20 kleine Notizen ge-
kostet, die S[iebel] sogleich in alle Blätter gebracht hätte, aber
nicht konnte, da er das Buch nicht hatte. Ferner muß ich ein
Exemplar spätestens am 22. November hier haben, um es
Sliebel] nach Madeira zu schicken, wo er dann das Mögliche nach-
holen wird. Was soll man aber zu solcher Bummelei sagen? Und
das sind die Deutschen, die Selbstregierung verlangen und cannot
look after their own business!

Von den 3 Artikeln, die ich mitbrachte, haben wir gleich 2 an
die Frankfurter Börsenzeitung und an die Düsseld lorfer] Zeitung ız
geschickt — letzteres wird Herrn Heinrich Bürgers gut tun mit
seinen weisen Bedenken: mein Artikel — ein sehr einfaches Re-
ferat, ohne alles Urteil, abgefaßt für eine nationalli berale
Zeitung — ist dem Vieh zu bedenklich! Den 3ten nahm er mit, er
geht wahrscheinlich an die Barmer Zeitung. Außerdem werden 1
Notizen in allerhand illustrierten und sonstigen Zeitungen er-
scheinen, sobald Sliebel] das Buch selbst hat. Ferner wird die
Weser-Zeitung a tempo einen Feuilletonartikel von ihm und einen
über das Buch erhalten und nur die Wahl haben, Beides oder keins
zu nehmen. (Mit den Feuilletonartikeln ködert S[iebel] die Re- 2
dakteure, sie sind verlegen drum, und er läßt sie oft das Honorar
in die Tasche stecken.) Andre Einfälle werden ihm schon kom-
men, sobald er erst das Buch hat.

Ad vocem Freiligrath: Der Biedermann hatte ca. £ 6000
Schulden, £ 4000 bei der Schweizer Bank, vorgeschossen auf Ak- 26
tien der Mansfield Co., die nichts mehr wert sind, und den Rest
Ehrenschulden. Das Comite hat diese Schulden mit 5, einzelne
mit 10% Dividende arrangiert. Frleiligrath] hat also falliert in
optima forma. Die Sammlung wird ca. Taler 30000 betragen.
Frleiligrath] habe dem Comite fortwährend den Hals vollgelogen, z%
seine Schulden verheimlicht, getan, als wisse seine Frau nichts da.
von und dürfe auch nichts davon wissen, so daß sie ihm zuletzt
sehr grob geworden seien; selbst an dem Tage, wo er wußte, daß
ein Brief aus London ankommen werde, der die Summe der Ehren-
schulden auf £ 2000 mitteilte, habe er noch gesagt, es seien bloß ss
£ 1500 usw. Kurz, er habe sich kommun und feig benommen. Ich
sagte, ich sei fest überzeugt, daß die gute Ida ganz genau Bescheid
wisse, worauf er sagte: wie habe sie dann im vorigen Sommer in
Barmen noch föten geben können? Denke Dir, die Ida geht betteln
und gibt dabei den Angebettelten aus dem noch nicht gezahlten %
Gelde schon föten!

Ich wundre mich, von Tussy noch keine Empfangsanzeige über
meinen Beitrag zum Freiligr [ath]-Begräbnisfonds zu haben. That
is not businesslike.
Dein F, E. 45

PA Armma th
        <pb n="499" />
        (1071) 1867 Nov. 14

440

1071. Marx an Engels; 1867 November 14.

14. November 1867.
Dear Fred,
Einliegend ein Brief aus Rußland und einer aus Solingen. Der
; Deutschrusse scheint mir derselbe Mann zu sein, wovon Meyer uns
erzählt hat.

Kugelmann hat mir eine Nummer der „Deutschen Volks-
zeitung“ (Hannover) geschickt, worin von ihm verfaßte kurze
Notiz meines Buchs. Klugelmann] imitiert darin, und keineswegs

‚o glücklich, einen Deiner Artikel. Da dies Blatt demokratisch ist,
hätte er mehr auf den Inhalt eingehn können. Er Jäßt mich u. a.
„zu der“ allerdings „erstaunlichen Schlußfolgerung““ ankommen,
„daß alles Kapital durch unbez ahlte Arbeitskraft ent-
standen sei“. Unter den „deutschen Koryphäen der politischen

ıs Ökonomie,“ deren „Urteil“ er haben will, figuriert Herr „Fau-
cher“ (glücklicher Weise „Taucher“ gedruckt) an der Spitze
und Roscher am Ende. Die von Dir über Freiligrath mitgeteilten
„Enthüllungen“ haben hier im Hause große Sensation gemacht.

Bonaparte braucht in diesem Augenblick, um aus der Patsche

% zu kommen, Emeute oder geheime Gesellschaft in Paris. Einst-
weilen behandelt er die Ligue de la Paix als solche. Esel Pyat be-
reitet ihm von hier aber just now das nötige corpus delicti vor.

Ich habe einen lästigen carbunculum auf der rechten Seite des
Rückens.
2» Salut.
Dein

K. M.

1072. Engels an Marx; 1867 November 24.
Manchester, 24. November 1867.
Lieber Mohr,

Die Briefe inliegend zurück.

Die Tories haben also wirklich gestern Morgen durch die Hand
des Herrn Coleraft den definitiven Trennungsakt zwischen Eng-
land und Irland vollzogen. Das Einzige, was den Feniern noch
fehlte, waren Märtyrer. Diese haben ihnen Derby und G. Hardy

„ geliefert. Erst durch die Hinrichtung der 3 wird die Befreiung
von Kelly und Deasy zu der Heldentat, als welche sie jetzt jedem
irischen Kind in Irland, England und Amerika wird an der Wiege
vorgesungen werden. Die irischen Weiber werden das ebenso gut
besorgen wie die Polinnen.

„Das einzige Mal, daß J emand wegen ähnlicher Sachen in einem
zivilisierten Staat hingerichtet, ist meines Wissens der Fall von

Marx-Engels-Gesamtausgabe, IH. Abt... Bd. 3 2a

AM

7_9 (Kugelmann)—11.

17 (Die)—18.
        <pb n="500" />
        450

(1072) 1867 Nov. 24
John Brown bei Harper’s Ferry. Ein besseres Präzedens konnten
sich die Fenier nicht wünschen. Und doch hatten selbst die Sou-
therners den Anstand, J. Brown als Rebellen zu behandeln,
hier aber wird alles aufgeboten, ein politisches Attentat in ein ge-
meines Verbrechen zu verwandeln.

Louis Napoleon erschoß bekanntlich an der Spitze seiner Lum-
penbande in Boulogne den wachthabenden Offizier. Er tat also,
was Allen getan haben soll, aber nicht getan h at. Dafür hängt die
englische Regierung den Allen, dem Louis Napoleon aber küßt die
englische Königin das Gesicht und die englische Aristokratie und ı0
Bourgeoisie den Hintern.

Dies letztere sollte man in die Presse bringen.

Dein F.E.

1073. Engels an Marx; 1867 November 26.
Manchester, 26. November 1867.
Lieber Mohr,

Den versprochenen Brief, in quo tua res agebatur, habe ich
nicht erhalten.

Meißners Vorschlag, neu zu annoncieren mit Auszügen aus den
Kritiken, war der, den ich Dir machen wollte, sobald die Siebel- zo
schen Artikel (d. h. die ihm von mir gegebnen) erschienen. Der
Auszug aus der Zukunft ist ganz gut, aber ein paar dazu wären
noch besser, er sollte Dir den ganzen Kram zuschicken und Du
dann daraus eine Annonce machen. Oder willst Du nicht, dann
kann er’s mir zuschicken, und ich will sie machen. Es frappierte 25
mich sehr, daß die erste Annonce genau den Raum ein-
nahm wie damals die meiner kleinen Broschüre und nicht ein
Wort der Begleitung bei sich hatte.

Wenn die Sache nicht bald anders wird, so muß ich — mit
Deiner Zustimmung of course — an M{[eißner] schreiben und ihm zo
Artikel von mir für von ihm zu benennende Zeitungen anbieten.
Das kann Dich doch nicht kompromittieren,

An Siebel habe ich noch grade vor Postschluß Meißners Ent-
schuldigungsgründe mitteilen können. Sie sind allerdings stark,
Sliebel] war damals at a very low ebb und hat sich erst in Honnef 3;
wieder erholt.

Meinen Brief vom Sonntag mit den Retourbriefen wirst Du er-
halten haben. Inliegend den Lohgerber zurück, autodidactum in-
tegrum, was aber nicht verhindert, daß andre Nationen doch nicht
im Stande sind, einen solchen Lohgerber zu produzieren. Die Phi- 4
losophie, zur Zeit Jakob Böhmes noch reiner Schuster, macht einen
Fortschritt, wenn sie die Gestalt des Lohgerbers annimmt.

7. 33—36.
        <pb n="501" />
        (1073) 1867 Nov. 26

451

Wie ist's mit dem Karbunkel? Die Position gefällt mir nicht,
hoffentlich hat Lafargue Dir ihn geschnitten. Dieser Geschichte
muß nun doch ein Ende gemacht werden.

Hat Borkh[eim] Dir das Geld bezahlt? Mir schreibt er nichts,

; obwohl ich Garant bin.
Dein F. E,

1074. Marx an Engels; 1867 November 27.
27. November 1867.
Lieber Engels,

Was die Privatangelegenheiten angeht (ich wollte Dir schon
Samstag darüber schreiben, wurde aber an diesem und den folgen-
den Tagen verhindert, weil man mich von allen Ecken wegen der
Fenian Affairs konsultierte usw., kurz, meine Zeit konfiszierte),
so hat Herr Borkheim — ich glaube sicher trotz besten Willens —

mich diesen ganzen Monat zwischen Würgen und Hängen gehalten.
Aus seinem Letzten von gestern siehst Du, daß es sich wieder um
neuen unabsehbaren Aufschub handelt. Das Allerschlimmste an
der Sache, daß er mir positiv versprochen hatte, am 10. dieses
Monats (im schlimmsten Fall) die ganze Summe auszuzahlen.

„ Darauf hatte ich mit den Gläubigern arrangiert. Was er wirklich
zahlte seit seiner Rückkehr, sind £ 5. Du begreifst daher den
trouble, worin ich mich befinde. Mein Gesundheitszustand hat sich
sehr verschlechtert, und von Arbeiten konnte kaum die Rede sein.
Außerdem seh ich jeden Tag gerichtlichen Klagen entgegen und

‚; wissen wir nicht mehr, wie von Tag zu Tag uns helfen.

Was den Meißner angeht, so ist meine Ansicht, ihn in seiner
Annonce gewähren zu lassen, denn alles andre bewirkt neuen Auf-
schub. Thimm sagte Borkheim, Meißner habe alle Buchhändler
aufgefordert, die bis jetzt unverkauften Exemplare ihm (resp.

„ seinem Kommissionär in Leipzig) zurückzuschicken. Auch weiß
ich von York, dem Buchhändler des Arbeitervereins, daß es sehr
schwer ist, in diesem Augenblick Exemplare von Meißner zu be-
kommen. Dies beweist mir weiter nichts, als 1. daß der stock in
Meißners Hand sehr klein ist, 2. daß er wissen will, wieviel von

„dem nicht in seiner Hand befindlichen stock wirklich ver-
kauft ist, 3. seine Geschäfts, freunde“ forcieren will, möglichst
viel auf eigne Rechnung zu halten. Ich werde dem Meißner schrei-
ben, daß im Fall er für bestimmte Zeitungen oder Zeitschriften
(die er aber mir nennen muß) Anzeigen oder Kritiken brauche,
könne er sie von Freunden wie Dir etc. erhalten. Solle mir das
schreiben.

{fi
        <pb n="502" />
        452

(1074) 1867 Nov. 27
Der Dr. Contzen ”, Privatdozent der politischen Ökonomie in
Leipzig, Roschers partisan und Schüler und Liebknechts Freund,
hat durch letzteren bei mir Exemplar für Versprechen ausführ-
licher Revue verlangt. Du siehst, daß dies durch Meißner bereits
besorgt ist. Dieser Anfang mit Contzen ” ist gut.

Liebknecht hat mir 50 seiner Pamphlets (wovon ich Dir heut
eins schicke) zum hiesigen Verkauf gesandt, 3 d. pro Stück. Leßner
sieht, was damit im Arbeiterverein zu tun.

Der Auszug, den derselbe Liebk [necht] aus seinem speech im
Berliner Arbeiterverein über den Aufschub der „sozialen F rage‘“ 16
beidruckt, gibt allerdings Anlaß zu Kugelmanns Rüge. Da Lieb-
knecht Dich u. a. zur Mitarbeit an seinem zu erscheinenden Blätt-
chen auffordert, kannst Du ihm privatim einige Winke darüber
geben, wie die politische Opposition mit der sozialen Agitation zu
verbinden. . 25

Finliegend Brief von Liebknecht und Kugelmann.

Salut. Dein K. M.
Wie steht es mit des Herrn Schorlemmer Chemie, die ich er-
halten sollte?

1075. Marx an Engels; 1867 November 28.
London, 28, November 1867.
Dear Fred,

Ich sehe, daß ich Dir die 2 Briefe von Borkheim nicht eingelegt
habe, Es ist aber auch nicht nötig. Gestern hatte ich die von ihm
gewünschte „Besprechung“ mit ihm. Er ist zurückgekommen (das 2
schlug ich ihm vor 2 Monaten vor) auf Anleihe bei der Lebens-
versicherungsgesellschaft „Atlas“, deren Sekretär sein Freund.
Ich füllte gestern bei ihm die Papiere aus. Du figurierst dabei nur
äls Referenz. 150 £ (wovon Borkheim 45 £ erhalten würde) für
L. September rückzahlbar.

Ich glaube nicht mehr an Erfolg der B[orkheim]schen Opera-
tionen. Ich zweifle nicht an seinem guten Willen.

Hast Du seine Perle erhalten? (französisch und deutsch bis
jetzt.)

Einliegend wichtiger Brief von Schily. Du mußt ihn um-
gehend zurückschicken; zugleich Deine Meinung konstatieren.
Jedenfalls erlaube ich dem Moses nicht, „Gewinn“ aus meiner
Arbeit zu ziehn, ohne daß ich auch dabei etwas gewinne.

Mit dem Fenianism muß ich diplomatisieren. Ich kann nicht
ganz schweigen, aber ich will auch in keiner Weise, daß die Kerls

1) Im Orig. Kontze

3{

Z. 18—109 ?

3A
        <pb n="503" />
        453
die Kritik meines Buchs darin zusammenfassen, daß ich ein De-
magoge bin.

Den dem Borkheim gehörigen Gentz (wichtig wegen des Ar-
tikels über Rußland) schicke ich Dir ohne sein Wissen. Du
5 retournierst ihn mir, sobald Du fertig.
Ich habe jetzt ziemlich allgemeinen Ausschlag von furuncles,
und das ist mir lieb. Es bricht die Karbunkelkrankheit.
Salut.
Dein Moro.
o My compliments to Mrs. Burns. Jenny goes in black since the
Manchester execution,. and wears her Polish cross on a green
ribbon.

1076. Engels an Marx; 1867 November 28.
Manchester, 28. November 1867.
Lieber Mohr.
Inliegend zur augenblicklichen Aushülfe £ 30 in drei Noten
ä 10, O/U 56068 bis 70. Manchester, 9. Januar 1867. Der Brief
von Borkhleim] lag nicht bei. Von Kugelmann habe ich auch
einen Brief erhalten, den ich beilege und zurückzuschicken bitte,

2 ich muß ihm antworten,

Liebkn[echts] Broschüre wäre besser ungedruckt geblieben.
Seine Reden nehmen sich in der Klölnischen! Zeitung besser aus
als so, und die Schlußgeschichte zeigt allerdings, bis zu welchem
Grade der Verbohrtheit er sich festgerannt hat. Ich habe ihm zwar

2 schon brieflich Einiges mitgeteilt, aber jetzt, wo er wieder ein
Blättchen stiftet, muß man ihm noch reineren Wein einschenken;
wir können ja dem Bismarck keinen größern Gefallen tun, als uns
mit den Östreichern und süddeutschen Föderalisten, Ultramonta-
nen und depossedierten Fürsten zusammenwerfen zu lassen. Ich

zo erwarte täglich Brief von ihm und werde ihm dann auch hierüber
schreiben.

Was ist mit Deiner Gesundheit los?

Dein F. E.

25

Morgen mehr.

Der Engländer in Kugelmanns Brief war Moore, der sein
Deutsch sehr vervollkommnet hat und jetzt stark das Kapital ochst.
Schorlemmers Buch ist noch immer nicht heraus!!

Z. 16 Gin)—17. 35—37 !!
        <pb n="504" />
        154

(1077) 1867 Nov. 29
1077. Marx an Engels; 1867 November 29.
29. November 1867.
Dear Fred,

Best thanks for the £ 30.

Einliegend Brief von Kugelmann zurück. Man muß aufpassen,
daß er in seinem Eifer keine Dummheiten macht. So z. B. mit
Miquel.

Was das Blatt der Vereinigten Staaten von Europa
angeht — und zur Mitarbeit, woran man mich von Genf aufge-
fordert —, so reiner Unsinn. Herr K. Grün wahrscheinlich der zo
Redakteur. Und die Sache an sich failure.

Salut. Dein K.M.
Ich soll trotz Kälte und Verdrießlichkeit ein paar Tage auf dem
Heath etc. herumlaufen.

1078. Engels an Marx; 1867 November 30.
Manchester, 7, Southgate, 30. November 1867.
Lieber Mohr,

Inliegend den Schily zurück, Ach du lieber Gott, kommt da
der olle Moses wieder herangepißt! Und gratuliert sich, daß Du
ihm zertifiziert hast, daß er Recht habe, wenn er behauptet, Ka- 20
pital sei akkumulierte Arbeit! ;

Ich würde diesem Biedermann gegenüber ein ganz klein wenig
zurückhaltend sein. Der beißt dann um so sichrer an, und Du
weißt, wie wenig wir ihm trauen können, wenn wir ihn nicht ganz
sicher haben. Du könntest, meiner Ansicht nach, ihm vor der Hand %
erlauben, einige Auszüge daraus im Courrier Francais zu
bringen, damit man sehe, wie er vorhabe, die Sache zu behandeln.
Diese unterschreibt er natürlich, und damit haben wir ihn wieder
einigermaßen als reumütigen Sünder qualifiziert. Dann könntest
Du von Übersetzung des ganzen Buchs sprechen, die er im Auge 30
hat; Deine Revision stets vorbehalten; von den Konditionen
sprechen, sobald ein Verleger da ist. Was Schlily] von Reclus
sagt, scheint mir wichtig, da der Mann Deutsch kann.

Wegen der Fenier hast Du ganz Recht. Wir dürfen über den
Schweinereien der Engländer nicht vergessen, daß die Führer die- 3
ser Sekte meist Esel, teilweise Exploiteurs sind und wir uns in
keiner Weise für die in jeder Verschwörung vorfallenden Eseleien
verantwortlich machen können. Diese aber kommen sicher.

Schwarz und Grün herrscht auch bei mir zu Hause vor, [das]
brauche ich Dir kaum zu sagen. Die englische Presse hat sich ©

F 13—14
        <pb n="505" />
        (1078) 1867 Nov.30

455
wieder höchst gemein benommen. Der Larkin sei ohnmächtig ge-
worden, und die Andern hätten ganz blaß und verwirrt ausgesehn.
Die katholischen Pfaffen, die dort waren, erklären dies für Lüge.
Larkin sei gestolpert über eine Unebenheit, alle drei seien
5 höcht couragiert gewesen. Der katholische Bischof von Salford
hat sich sehr darüber beklagt, daß Allen die Sache nicht bereuen
wollte; er habe nichts zu bereuen, und wäre er frei, so würde er’s
nochmals so machen. Übrigens waren die katholischen Pfaffen
sehr frech, am Sonntag ist in allen Kirchen von der Kanzel erklärt
‚o worden, these three men were mu r dered.

Meinen gestrigen Brief mit £ 30 wirst Du erhalten haben. Was
die Lebensversicherung angeht, so will ich die betreffende Summe
garantieren, vorausgesetzt, daß Blorkheim] das Original
in Händen hält und dem Sekretär bloß eine Kopie gibt, falls

15 dies die Sache erleichtert.

Die Furunkeln scheinen mir auch Krisis der früheren Krank-
heit zu sein.

Beste Grüße an Deine Frau, die Mädchen und den Lafargue.

Da Liebknecht jetzt ein Blättchen hat, wofür wir verantwort-

2 lich gemacht werden, ist es sehr wichtig, daß er in seiner deutschen
Politik keine Dummheiten macht. Ich warte mit Verlangen auf
Brief von ihm.

Apropos! Die Internat[ionale] Revue wird vom 1. Januar auch

als Mitfortsetzung einer mit ihr zu verschmelzenden Zeitschrift
2 von Prutz erscheinen. Kann uns einen Strich durch die Rech-
nung machen. Wie denkst Du, daß man die Sache mit Hilberg

anfängt? Man muß schlau dabei sein.
Dein F. E.

1079. Marx an Engels; 1867 November 30.
London, 30. November 1867.
Dear Fred,

Mit Bezug auf Moses werde ich genau Dein Rezept befolgen.
Jedenfalls müssen wir den Mann brauchen und zugleich verhin-
dern, daß er uns mißbraucht. Mit Bezug auf Hilberg wäre es in der

„Tat gut, wenn man diese einzige uns bis jetzt offne Revue fest-
halten könnte, aber wie? ist mir noch nicht klar. Ich habe heute
Morgen copy Schorlemmer erhalten and send him my thanks
for it.

Wenn Du die Blätter gelesen, wirst Du gesehn haben, daß

„1. des International Council Memorial für die Fenians an den
Hardy geschickt, 2. die Debatte über Fenianism (letzten Dienstag
vor 8 Tagen) öffentlich war und die Times Report darüber

Z. 33 (den . . . zugleich) 36 (Ich) —38.
        <pb n="506" />
        156

(1079) 1867 Nov. 30
brachte. Es waren auch Reporters der Dubliner Blätter „Irish-
man“ und „Nation“ da. Ich kam erst sehr spät (ich habe seit
ungefähr 2 Wochen Fieber gehabt, was erst seit den letzten 2 Ta-
gen vorüber) und hatte in der Tat nicht vor zu sprechen, erstens
wegen meines inkomfortablen Körperzustandes und zweitens
wegen der Häklichkeit der Situation. Indes wollte mich der chair-
man Weston forcieren, und darum trug ich auf adjournment an,
wodurch ich verpflichtet, letzten Dienstag zu sprechen. Ich hatte
in der Tat nicht einen Speech, wohl aber die points eines Speech
vorbereitet für Tuesday last. Indes kamen die Irish Reporters x
nicht, und durch Warten auf sie war es 9 Uhr geworden, während
das Lokal uns nur bis 10% offen stand. Fox hatte, auf meine Ver-
anlassung — (wegen quarrel im Council hatte er seit 2 Wochen
sich nicht sehn lassen, außerdem seine resignation als member of
the council eingeschickt mit groben Ausfällen auf Jung) — einen zs
langen speech vorbereitet. Nach Eröffnung der s6ance erklärte
ich daher, daß ich wegen belated hour das Wort an Fox abtrete.
In der Tat — durch die dazwischen gekommene Execution zu
Manchester — war unser Gegenstand „Fenianism“ mit augen-
blicklichen Leidenschaften und Erhitzungen verknüpft, die mich ze
(nicht aber den abstrakten Fox) gezwungen hätten, statt der be-
absichtigten sachlichen Analyse des Zustandes und der Bewegung
ein revolutionäres Donnerwetter loszulassen. Die irischen Repor-
ters haben mir also durch ihr Wegbleiben und dadurch verspätete
Eröffnung der Sitzung großen Dienst geleistet. Ich liebe es nicht, 25
mit Leuten wie Roberts, Stephens etc. mich zu vermengselieren.

Fox’ speech war gut, einmal, weil ein Engländer ihn
hielt, dann, soweit die bloß politischen und internationalen aspects
gehn. Er bewegte sich aber eben deswegen nur auf der Oberfläche.
Die Resolution, die er vorbrachte, war abgeschmackt und inhalts- zo
los. Ich widersetzte mich derselben und ließ sie an das standing
sommittee zurückverweisen.

Was die Engländer noch nicht wissen, ist, daß seit 1846 der
ökonomische Gehalt und daher auch der politische Zweck der eng-
lischen Herrschaft in Irland in eine ganz neue Phase eingetreten 35
ist, und eben deswegen der Fenianism sich durch sozialistische
(im negativen Sinn, als gegen die Appropriation des soil ge-
vichtet) Tendenz und als lower orders movement charakterisiert.
Was kann lächerlicher sein, als die Barbareien der Elisabeth oder
des Cromwell, welche die Irländer durch englische Kolonisten (im %
römischen Sinn) verdrängen wollten, zusammenzuwerfen mit dem
jetzigen System, welches die Irländer durch Schafe, Schweine und
Ochsen verdrängen will! Das System von 1801—1846 (evictions
während jener Zeit nur ausnahmsweis, speziell in Leinster, wo der
Boden besonders zur Viehzucht taugt) mit seinen rackrents und «

Z. 13 (wegen)—15 (Jung)
        <pb n="507" />
        457
middlemen brach zusammen 1846. Die Anticornlawrepeal, z. T.
Resultat, jedenfalls beschleunigt durch den Irish famine, nahm
Irland das Monopol, England in Durchschnittszeiten mit Korn
zu versehn. Wolle und Fleisch ward das Losungswort, also con-
; version of tillage into pasture. Daher von da an systematic con-
solidation of farms. Der encumbered estates act, der eine Masse
früherer, bereicherter middlemen zu landlords machte, beschleu-
nigte den Prozeß. Clearing of the Estate of Ireland!
ist jezt der einzige Sinn der englischen Herrschaft in Irland. Die
„dumme englische Regierung in London weiß natürlich selbst
nichts von diesem immense change seit 1846. Aber die Irländer
wissen’s. Von Meaghers Proklamation (1848) bis herab
zum Wahlschreiben Hennessys (Tory und Urgquhartite)
(1866), sprechen die Irländer ihr Bewußtsein hierüber in der
ıs klarsten und most forcible manner aus.

Fragt sich nun, was sollen wir den englischen Arbei-
tern raten? Nach meiner Ansicht müssen sie Repe al der
Union (kurz den Witz von 1783, nur demokratisiert und
den Zeitumständen angepaßt) zu einem Artikel ihres Pronunzia-

»„ mento machen. Es ist dies die einzig le gale und daher einzig
mögliche Form der irischen Emanzipation, die in das Programm
einer englischen Partei aufgenommen werden kann. Die Er-
fahrung muß später zeigen, ob die bloße Personalunion zwischen
den 2 Ländern fortexistieren könnte. Ich glaube es halb, wenn es

% zur Zeit geschieht.

Was die Irländer brauchen, ist:

1. Selbstregierung und Unabhängigkeit von England.

2. Agrarische Revolution, Die Engländer können die mit dem
besten Willen nicht für sie machen, aber sie können ihnen die

zo legalen Mittel geben, sie für sich selbst zu machen.

3. Schutzzölle gegen England. Von 1783—1801
blühte die irische Industrie in allen Zweigen auf. Die Union mit
Niederwerfung der Schutzzölle, welche das irische Parlament er-
richtet hatte, zerstörte alles industrielle Leben in Irland. Das
bißchen Leinenindustrie bietet in keiner Weise Ersatz. Die Union
von 1801 wirkte ganz auf die irische Industrie, wie die Maß-
regeln zur Unterdrückung der irischen Wollenindustrie etc. von
Seiten des englischen Parlaments unter Anna, George IT. etc. So-
bald die Irländer ımabhängig, würde die Not sie, wie Kanada, wie

„u Australien etc., zu Protektionisten machen. Ehe ich meine An-
sichten im Central Council (nächsten Dienstag, diesmal glück-
licher Weise ohne Gegenwart von Reporters) vorbringe, wäre
mir lieb, wenn Du mir in ein paar Zeilen Deine Ansicht mitteiltst.

Salut. Dein ; K. M.

(1079) 1867 Nov. 30

5
        <pb n="508" />
        (1079) 1867 Nov. 30
Da Moses ein Vetter von Hirs ch, wundert’s mich nicht, daß
er selbst ein Geweih trägt. He bears it proudly.

#77

(080. Engels an Marx; 1867 Dezember 4.
Manchester, 4, Dezember 1867,
Lieber Mohr,
Die Reference habe ich der Loan Company gegeben, ich habe
gesagt, from confidential information I am convinced that Mr.
Mlarx] will be in a position to repay the loan when due.

Inliegend die Briefe von Borkhleim] zurück. Ich hoffe, die
Sache geht gut. 26
Von Kugelmann und Liebknecht schicke ich Dir morgen oder
übermorgen Briefe. Beide haben Aussicht, verschiednes in aller.
dings kleine Zeitungen zu bringen, ich werde das heute und mor-

gen Abend besorgen.

Wegen Meißners Annonce ist Eile nicht zu sehr anzuraten. Die 16
Geschichte darf erst nach Neujahr in die Blätter kommen,
sonst verschwindet sie in der Weihnachtsbücher-Annoncenflut.

Dein F.E.

1081. Engels an Marx; 1867 Dezember 6.
Manchester, 6. Dezember 1867.
Lieber Mohr,

Inliegend Briefe von Kugelmann (nebst Beilage), Liebknecht
und Siebel, sowie drei Empfangscheine von Rau, Hildebrandt und
Schulze-Delitzsch. Die von Kugelmann nebst Beilage und Siebel
erbitte ich mir umgehend zurück, die Post für Siebel geht Mon-z
tag Abend, und an Kugelmann muß ich auch schreiben. Was
hältst Du von den schwäbischen Blättchen? Kugelmann scheint
allerdings desperate Mittel anzuwenden.

An Liebknecht hab’ ich ausführlich geschrieben und verlangt,
daß er nicht nur die Preußen, sondern auch ihre Gegner, die Öst- z
reicher, Föderalisten, Welfen und andre Kleinstaatler angreifen
soll. Der Kerl ist, wie ich vermute, rein süddeutsch borniert ge-
worden. Er und Bebel haben eine Adresse an den Wiener Ge-
meinderat unterschrieben, worin Östreich als der im Süden neu
erstehende Staat der Freiheit gegenüber dem geknechteten Norden 3:
gefeiert wird! It's all very well, daß er ein paar unbestimmte
Reden im Reichstag hält, aber ein Blättchen ist doch ganz was
andres, man macht uns verantwortlich dafür, und wir können uns
doch nicht mit Östreichern, Föderalisten und Welfen verwechseln

Pd
A
        <pb n="509" />
        (1081) 1867 Dez. 6

459

lassen. Auch wegen der Dummheit, die soziale Agitation zu sus-
pendieren, hab’ ich ihm geschrieben.
Ich schick der Jenny heut Abend den Prozeß der Adelaide
Macdonald, die auf den Polizisten eine Pistole abdrückte. Ihr
; Verhältnis zu Allen ist nicht klar. Allen war mit einem andern
Mädchen verlobt und sollte den Montag nach der „outrage“
heiraten.
Eilig Dein F. E.
Loan wohl allright?
Heute Anfragen wegen Lebensversicherung.

(082. Marx an Engels; 1867 Dezember 7.
7. Dezember 1867.
Dear Fred,

Gestern war ich vor bei der Loan Society, um bodily unter-

5 sucht zu werden. Dies ist keine bloße Formalität, denn stürbe ich
vor September, so bekäme die Gesellschaft keinen farthing
zurück. Ich fürchtete, mich ausziehn zu müssen (ein Schicksal,
das ein Engländer hatte, der mit mir da war). Erstens liebe ich
diese Inocularspekulation nicht und zweitens habe ich grade jetzt,
» außer zahlreichen Furunkeln, immer noch auf der linken Lende,
nicht weit vom Propagationszentrum, einen Karbunkel. Glück-
licher Weise imponierte mein Brustkasten dem Kerl so, daß er
nichts weiter wissen wollte. Montag 12 Uhr erhalte ich das Geld.

Den Brief von Siebel hast Du vergessen einzulegen.

» Kugelmann nebst Beilage erhältst Du zurück. Außerdem einen
von ihm an mich gesandten Brief nebst Beilagen. Die Schmiere
von Bürgers lege zu den Dokumenten. Dieser Esel ist mit
Recht von den Arbeitern zu Düsseldorf erinnert worden, daß er
1. zu Lassalles Zeiten erklärte, „den Verhältnissen Rechnung tragen

zo zu wollen“, 2. die „Illusionen überden Klassenkampf
verloren“ und 3. in Schulze-Dellitzsch] die Lösung aller ver-
gangnen und zukünftigen sozialen Rätsel gefunden zu haben.

Was das schwäbische Blättchen betrifft, so wäre es ein amü-
santer Coup, Vogts Freund, den Schwabenmayer, zu prellen. Die
Sache wäre einfach so zu bewerkstelligen. D’abord damit anzu-
fangen, daß, was man auch von der Tendenz des Buchs denken
möge, es dem „deutschen Geist“ Ehre mache und deswegen
auch von einem Preußen im Exil und nicht in Preußen ge-
schrieben sei. Preußen habe lang aufgehört, das Land zu sein,

„worin irgend eine wissenschaftliche Initiative, speziell im poli-
tischen oder historischen oder sozialen Fach. möglich sei oder vor-

Pant

15 (Dies) —21.

GA __.29
        <pb n="510" />
        160

(1082) 1867 Dez. 7
komme, Es repräsentiere jetzt den russischen, nicht den deutschen
Geist. Was nun das Buch selbst betreffe, so müsse man zweierlei
unterscheiden, die positiven Entwicklungen („gediegenen“ lautet
das zweite Adjektiv), die der Verfasser gebe, und die tendenziellen
Schlußfolgerungen, die er ziehe. Die ersteren, da die tatsächlichen
ökonomischen Verhältnisse ganz neu in einer materialistischen
(dies Stichwort liebt „Mayer“ von wegen Vogts) Methode behan-
delt seien, seien direkte Bereicherung der Wissenschaft. Bei-
spiel: 1. die Entwicklung des Geldes, 2. wie Kooperation, Tei-
lung der Arbeit, Maschinensystem und die entsprechenden gesell- zo
schaftlichen Kombinationen und Verhältnisse sich „naturwüch-
sig“ entwickeln.

Was nun die Tendenz des Verfassers angehe, so müsse man
wieder unterscheiden. Wenn er nachweist, daß die jetzige Gesell-
schaft, ökonomisch betrachtet, mit einer neuen höheren Form z
schwanger gehe, so zeigt er nur sozial denselben allmählichen Um-
wälzungsprozeß nach, den Darwin naturgeschichtlich nachgewie-
sen hat. Die liberale Lehre des „Fortschritts“ (c’est Mayer tout
pur) schließt dies ein, und es ist ein Verdienst von ihm, daß er
selbst da einen verborgnen Fortschritt zeigt, wo die modernen öko- zo
nomischen Verhältnisse von abschreckenden unmittelbaren F olgen
begleitet sind. Der Verfasser hat durch diese seine kritische Auf-
Fassung zugleich, vielleicht malgre lui!, allem Sozialismus von
Fach, d. h. allem Utopismus ein Ende gemacht.

Die subjektive Tendenz des Verfassers dagegen — er war 25
vielleicht durch seine Parteistellung und Vergangenheit gebunden
und verpflichtet dazu —, d. h. die Manier, wie er sich oder andern
das Endresultat der jetzigen Bewegung, des jetzigen gesellschaft-
lichen Prozesses vorstellt, hat mit seiner wirklichen Entwicklung
gar nichts zu schaffen. Erlaubte der Raum, näher einzugehn, so =
könnte vielleicht gezeigt werden, das seine „objektive“ Entwick-
lung seine eignen „subjektiven“ Grillen widerlegt.

Wenn Herr Lassalle die Kapitalisten ausschimpfte und dem
preußischen Krautjunkertum schmeichelte, so zeigt Herr M[arx]
dagegen die historische „Notwendigkeit“ der kapita- 2
listischen Produktion nach und geißelt den bloß konsumierenden
aristokratischen Grundjunker. Wie wenig er die Ideen seines ab-
trünnigen Schülers Lassalles über Bismarcks Beruf zur Einführung
eines ökonomischen Millenniums teilt, hat er nicht nur früher in

seinen Protesten gegen den „königlich Preußischen So-«
zialismus*“ gezeigt, sondern spricht er offen wieder aus p. 762,
763, wo er sagt, daß das in Frankreich und Preußen jetzt herr-
schende System das rö&amp;gime der russischen Knute über den Kon-
tinent von Europa verhängen werde, wenn man ihm nicht zeitig
Einhalt tue.

E.33—37.
37 (seines) —38 (Schülers)
        <pb n="511" />
        (1082) 1867 Dez. 7

16)

Dies ist meiner Ansicht nach die Manier, den Schwabenmayer
(der ja auch meine Vorrede gedruckt hat) zu prellen, und so klein
sein Saublättchen, ist es doch das populäre Örakel aller Födera-
listen in Deutschland und wird auch im Ausland gelesen.

Was den Liebknecht angeht, so ist’s in der Tat eine Schande,
daß er mit den vielen Winkelblättern, die ihm zu Gebot stehn,
nicht spontan&amp;ment kurze Notizen einschickte, wozu kein ihm von
Natur widerstrebendes Studium erheischt war. Da versteht’s Herr
Schweitzer?) et Co. besser, wie Du aus dem beiliegenden Soclial]-

„ Demlokrat] siehst. (Kuglelmann] hat ihn mir geschickt.) Ich
habe (dies bloß unter uns) dem Guido Weiß von der „Zu-
kunft“ gestern eine Zusammenstellung geschickt, auf der einen
Seite die verballhornenden Plagiate des von Hofstetten, auf der
andern die Originalstellen aus meinem Buch. Ich habe ihm zu-

# gleich geschrieben, daß dies nicht in meinem Namen,
sondern als von der „Zukunft“ ausgehend gedruckt werden
muß (oder, wenn das untulich, als von einem Berliner Leser der
Zukunft). Nimmt Weiß dies (und ich glaube es), so
ist nicht nur der Berliner Arbeiter auf das Buch aufmerksam ge-

» macht durch Zitation von Stellen, die ihn direkt interessieren,
sondern eine höchst nützliche Polemik eröffnet, und der Plan des
Schweitzer, das Buch zu ignorieren und seinen Inhalt zu
exploitieren, im Arsch. Gottvoll von diesen Kerls, wie sie Las-
salles Plan glauben fortsetzen zu können. Gibt es etwas naiveres

2; als die Art und Weise, wie von Hofstetten und Bürger Geib sich

auf der Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Ar-
beitervereins in die Vermöblung meines Abschnitts über den „„Ar-
beitstag‘““ geteilt haben?

Salut.

Dein K. Marx.

„My compliments to Mrs,
gefällt mir außerordentlich,

Burns. Schorlemmers Kompendium

1083. Marx an Engels; 1867 Dezember 7.
7. Dezember 1867.

Fe

Dear Fred,

Ich sehe zu spät, daß ich vergessen, Dir den „Social-Demokrat“
zu schicken. Ich nehme es nach und lege eine Nummer Courrier
bei, die Dich wegen des Artikels des amerikanischen Generals
Cluseret über Mentana und Garibaldi interessieren wird. Du
mußt mir den Packen „Courrier“ zurückschicken. Ich brauche

1) Im Orig. Schweizer

7 59004
        <pb n="512" />
        (1083) 1867 Dez, 7
die Sammlung, weil es die einzige ist, worin ich fortlaufen-
den Börsenbericht habe.

Salut.

162

Dein

Mohr.

1084, Engels an Marx; 1867 Dezember 12.
Manchester, 12. Dezember 1867.
Lieber Mohr,

Seit Sonntag große Extravorstellung von Zahnschmerzen,
Grippe, sore throat, Fieber und allerlei andern Unannehmlich-
keiten bei mir, erst seit heut Morgen bin ich wieder arbeitsfähig
und werde heute Abend den Mayerschwaben vornehmen nach
Deinem Rezept, was — einige übertriebne Gründlichkeit abge-
rechnet, die das Ding auf die 3fache Länge bringen würde — sehr
hübsch ist.

Bürgers geht ad acta. Die Ironie des Schicksals wollte, daß die ıs
Einleitung des ihm von K[ugelmann] zugesandten Artikels ihm
als durchgefallnen Düsseldorfer Reichstagskandidat schwer auf
den Puckel brennen mußte. Ich spreche darin” ganz naiv von
dem Faktum, daß man die sozlaldemokratische Partei nicht mehr
mit Stillschweigen behandeln dürfe, seit sie im Reichstag ver- %
treten sei, und daß diese Herren dies Buch zu ihrer Bibel machen
würden, Dies schickt K[ugelmann] mit üblichem Takt an Hein-
rich. Hinc illae lacrimae! Ich hatte das ganz vergessen, und erst
Heinrichs Rührschreiben, das dies alles ganz ernsthaft nimmt,
rief’s mir wieder ins Gedächtnis. 2

Sehr gut die Geschichte mit der Zukunft. Schreib mir, wenn
es erscheint, ich kann ohne den größten Zeitverlust nicht der Zu-
kunft in der Schilleranstalt täglich nachgehn.

Kuglelmann] wird täglich naiver. Bucher — warum nicht
gleich an Bismarck? Was er im Brief an Dich vom 3. Dezember
von einem an mich beigelegten Brief von Meißner sagt, versteh
ich nicht, oder hab’ ich vergessen.

Inliegend 1. 2 Briefe von Kugelmann an Dich retour,

2, 1ditto , „ „ mich und 1 von
Stumpf an Kugelmann.
3. Der Brief von Siebel.

Postschluß. Grüße die Damen und Lafargue bestens.

Dein F. E.
1) Im Orig. davon

2. 29—36.
        <pb n="513" />
        (1085) 1867 Dez. 14

463

1085. Marx an Engels; 1867 Dezember 14.
14. Dezember 1867.
Dear Fred,
Dieser letzte Fenianexploit in Clerkenwell ist eine große

; Dummheit. Die Londoner Massen, die viel Sympathie mit Irland

gezeigt haben, werden dadurch wild gemacht und der Regierungs-
partei in die Arme geworfen. Man kann nicht erwarten, daß die
Londoner Proletarier sich zu Ehren von Fenian emissaries in die
Luft sprengen lassen. Es hängt überhaupt eine Fatalität an solcher
‚o geheimen, melodramatischen Verschwörungsart.

Ich habe Montag das Geld erhalten und Borkheim seine 45 £
nebst 1 £ 1 s. für inquiry fees zurückgezahlt.

Kannst Du mir den Gefallen tun, bei Ernest Jones anzufragen,
wie man sich am passendsten in London civiliter verheiratet, in

„ Doctor’s Commons oder wo? Anfang April soll nämlich Laura
heiraten. Da dies nicht kirchlich geschieht, war ursprünglich be-
zweckt, daß die Heirat in Paris vor sich gehe. Dies ist aber weit-
läufig. Ich müßte meine Identität dort beweisen und könnte bei
der Gelegenheit der Polizei zu bekannt vorkommen. Andrerseits

„will meine Frau, daß die Zivilheirat, wenn in London, möglichst
geheim geschehe, da sie das Geschwätz unter den englischen Be-
kannten nicht will. Frage auch den Jones, wie es sich mit der
Einwilligung der Eltern Lafargues verhält? Ob sie zuvor vom Ge-
sandten (etwa englischen?) in Paris kontrasigniert sein muß? Ich

» weiß, daß in England die Formalität nicht nötig ist. Sie ist aber
unerläßlich, damit die Ehe auch nach französischem Gesetz
gültig sei. Es darf daher keine Formalität in dieser Hinsicht ver-
nachlässigt werden.

Wie verhält es sich mit den Zeugen in England?

„Von „Zukunft“ noch nichts. Das Schlimme ist das kleine For-
mat dieser Blätter, namentlich zu einer Zeit, wo der Kammer-
kannegießer ” die Spalten füllt.

Unser Freund Stumpf ist offenbar sehr konfus im Koppe.
Einliegend Siebel zurück. Mit dem Lange irrt er sich. Der

„ muß das Buch „kaufen“ und hat es sicher schon lange gekauft.
Das Quid pro quo mit Heinrich ist in der Tat sehr amüsant.
Salut.
Dein

K. Mohr.
1) Im Orig. Kammergekanngießer

zZ. 13—29 ?

an
        <pb n="514" />
        +

(1086) 1867 Dez, 16
1086. Engels an Marx; 1867 Dezember 16.
16. Dezember 1867.
Lieber Mohr,

Inliegend ein Brief von Liebknecht, der auch sehr konfus im
Koppe ist. Namentlich die östreichische Geschichte. Weil Öst- s
reich am Vorabend seines 1789 steht, deswegen preist
L[iebknecht] es als den Staat der Freiheit! Ich habe ihm noch
nicht geantwortet, werde es tun, sobald Du den Brief zurück-
schickst.

An Kugelmann 1. für Schwabenmayer, 2. für das Gewerbe-
blatt Artikel geschickt. An Siebel ditto für Mannheim. Weitere
Schwabenartikel folgen.

Die Geschichte steht in der Zukunft. Ich habe mir das Blatt
jetzt second hand von der Schilleranstalt gekauft, damit ich es
cegelmäßig sehe, 15

Eilig
Dein F. E.

Die Heiratsgeschichte ist sehr einfach. The marriage is per-
formed before the Registrar for the District, der auch die banns
an sein Office anschlagen läßt, 14 Tage vorher. Zwei oder mehr %
Zeugen sind nötig. Auf diesem Bureau erhältst Du jede Auskunft.
Für England ist nichts nötig, als dies, was aber die Gültig-
keit in Frankreich betrifft, so kann Dir das auch Jones nicht
sagen, da muß der alte Laf[argue] seinen Advokaten in
Bordeaux fragen. Ich werde übrigens den code civil nach- %
sehen.

Gumpert heiratete auch so. Den Philisternachbarn gegenüber
kann Deine Frau sagen, dieser Weg sei gewählt, weil Laura pro-
testantisch und Paul katholisch sei.

1087. Marx an Engels; 1867 Dezember 17.
London, 17. Dezember 1867.
Lieber Fred,

Einliegend Wilhelm zurück. In der Antwort mußt Du vor-
sichtig sein. Die Position ist schwierig. Um ganz korrekt zu han-
deln, wäre viel mehr kritisches Wesen und dialektische Gewandt- ss
heit nötig, als unser Wilhelm besitzt. Man kann ihn nur von
groben Böcken abhalten. Im Übrigen ist die Preußenfeindlichkeit
das Pathos, dem er allein verve und singleness of purpose ver-
dankt. Er hat richtig herausgewittert, daß die wirkliche Bour-
geoisie den Kern der „Nationalliberalen‘“ bildet, was ihm Ge- wo

Nr. 1086.

Z. 36 (Man) -—37.
        <pb n="515" />
        (1087) 1867 Dez. 17

465
legenheit gibt, seiner politischen Antipathie die höhere ökono-
mische Weihe zu geben. Ira facit poetam und macht auch unser
Wilhelmchen schlau to a certain point.
Der hiesige Korrespondent des „Irishman“ will, wenn Du
ses englisch schreibst, eine etwa spaltenlange Kritik des Buchs
(wobei aber Irland die eigentliche Rolle spielen müßte) als von
sich ausgehend in Korrespondenzform in jenes Dubliner Blatt
bringen. Ich schicke Dir ein paar Nummern des Blattes, und Du
wirst sehn, was zu tun ist.
oo Die „Zukunft“ besitzt Talent in Druckfehlern, die um so be-
fremdlicher, da Dr. Guido Weiß doch im Besitz des Originals.

Ich habe einen kleinen, aber unendlich lästigen Karbunkel am
linken Hintern.

Und wenn er keinen Hintern hat,
Wie soll der Edle sitzen?

Ich habe gestern in unsrem deutschen Arbeiterverein (aber
noch 3 andre deutsche Arbeitervereine waren vertreten, im Ganzen
about 100 Mann) einen 1%stündigen Vortrag über Irland ge-
halten, da „Stehn““ jetzt für mich die leichteste Haltungsart.

Salut. Dein K. M.

15

1

1088. Engels an Marx; 1867 Dezember 19.
Manchester, 19. Dezember 1867.
Lieber Mohr,

Of course erfordert die Korrespondenz mit Wilhelmchen Vor-

2 sicht. Wie ich Dir früher schon sagte, die borniert einseitige
singleness of purpose war sein Glück und das Geheimnis seines
Effekts im Reichstag. Leider aber geht das nur einmal, und die
Veröffentlichung der Reden — abgesehen von Kugelmanns Brie-
fen — bewies, daß es damit schon zu weit gegangen war. Nun

z kommt das Blättchen dazu, wo die geflügelten Worte schwarz auf
weiß fixiert und uns in die Schuh geschoben werden — dann das
Zollparlament und damit sicher Blamage für uns, wenn Wil-
helmchen nicht etwas instruiert wird. Bei seinem eminenten Ta-
Jlent, Böcke zu schießen, war da Großes zu erwarten, und ist es
auch noch. Wir können ihn sicher nur vor den allergrößten
Böcken schützen, aber seine Wiener Adresse und seine Freund-
schaft mit den Föderalisten, d. h. Grün!! ist doch schon grob
genug. Ich kann ihm daher nur 2 Hauptgesichtspunkte geben:
1. sich zu den Ereignissen und Resultaten von 1866 nicht simple-

ı ment negativ, d. h. reaktionär, sondern kritisch zu verhalten (was
ihm freilich schwer werden wird), und 2, die Feinde des Bismarck
ebenso sehr anzugreifen wie diesen selbst, da sie ebenfalls nichts

Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 3 30

Z. 33 (Bei)—38. 40 (was)—41 _
        <pb n="516" />
        466

(1088) 1867 Dez. 19
wert sind. Du siehst, wie schön er sich schon mit Grün et Co.
hereingeritten hat, das wäre ein schöner Triumph für den Bis-
marck, wenn wir oder unsre Leute mit diesem Pack eine Allianz
schlössen! Nun, wir müssen abwarten, was es wird.

Die Clerkenwell Dummheit war offenbar das Werk einiger Spe- s
zialfanatiker; es ist das Pech aller Verschwörungen, zu solchen
Dummheiten zu führen, weil „doch was geschehn, doch was ge-
trieben werden muß“. Namentlich ist auch in diesem Spreng- und
Brandfach in Amerika viel geblustert worden, und dann kommen
einzelne Esel und stiften solchen Blödsinn an. Diese Menschen- 10
fresser sind dabei meist die größten Feiglinge, wie ja auch der
p.p. Allen bereits queens evidence geworden zu sein scheint. Da-
bei die Idee, Irland zu befreien, indem man einen Londoner
Schneiderladen in Brand steckt!

Hast Du die Drohung der Russen (R[ussischer] Invalid) ge- z
lesen, daß die Allianz von Frankreich und Östreich den euro-
päischen Frieden unmöglich mache, weil sie die deutsche, ita-
lienische und orientalische Frage nicht zur Lösung kommen lasse?
Ganz nett. Bism[arck] und Gortschakoff scheinen jetzt die Offen-
sive ergreifen zu wollen.

Dein Freund Lippe ist den Manen der Depossedierten geopfert
worden — seine Entlassung war der Preis, für den die National-
liberalen die Opposition gegen die 25 Millionen an den Welfen
und Nassauer fallen lassen.

Viele Grüße an die ladies.
Dein

F. E.

Z. 1 (Du)-——4.
        <pb n="517" />
        NAMENREGISTER
        <pb n="518" />
        <pb n="519" />
        Abarbanel 112 115 120

Abercorn (Abicorn) 442 443 445

Abt 43

Abul-Haim s. Oppenheim

Acland 445

Adams 210

Alberts 33 39

Alexander I 337

Alexander II 337 393

Alexander der Große 344

Alexander Johann I (Cusa) 321

Allen, Arzt 3 5 7 48 54 67 68 91 112 131
137 145 148 157 159 172 173 203 211
285 288 310 311 336 338

Allen, William-Philipp 450 455 459 466

Allsop, Thomas 73

Andral 205

Anna, Königin von England 457

Anneke, Fritz 74 75 76

Anroy, Dr. von 161

Appian aus Alexandrien 15

Arago 206

Arminius 390

Armstrong 4

Ashley 24

Assing, Ludmilla (Essig, Camilla) 17
191

Augustus 371

Bacon 399 .

Badinguet s. Napoleon III

Baer 206

Baer, von 381

Baine 271

Bakunin 46 55 128 153 155 199 259 263
418 428

Balzac 376

Bandiera, Attilio und Henrico (Gebrü
der) 166

Bangya, Johann 115 156 266 282

Banks 75 80

Barnedi 406

Barnett 336 339

Barrot 15

Barthös 141

Bauer, Bruno 21 86

Bauer, Edgar 44 152 213 351

Baumer 332

Beales 245 246 271 352

Beauregard 65 66 71 179 201

Bebel, August 458

Beck 443

Becker, Bernhard 195 207 211 223 227
220 236 247 258 259 264 268 271 273
278 281 282 284 298

Becker, Hermann (Der Rote) 70 212 215
224 227 239

Becker, Johann Philipp 39 136 207 259
274 299 421 423 428 438

Beesly 214 274 289 338 344 409 419 426
437

3Zeluze 255 256 267

3ender 210 216 229 248 254 256 257 434

Benedek 321 335 342

Bennigsen 332 371 384

Zerghaus 206

Bernard, Martin 72 73

Zerndes 263

Bernhard s. Becker, Bernhard

Bernstorff 33° 380

Beta (Bettziech), Heinrich 4 5 44 64 367
433 434 435

Bethlen, Graf 187

Bettziech s. Beta

Beust, Friedrich 427

Zeust, Friedrich Ferdinand 300 377 428

Bille 186 192

Birch 366

Biscamp 2 258

Bischoffsheim 50

Bismarck 103 109 111 116 128 132 144
157 168 169 173 178 186 193 213 219
220 224 225 229 230 235 239 240 247
251 258 273 278 285 287 297 300 301
304 307 310 320 321 322 323 324 325
326 328 329 332 333 334 336 337 340
342 343 345 346 347 348 349 353 356
357 370 371 372 374 375 377 378 379
380 383 387 389 390 391 403 415 418
422 428 438 439 441 443 446 453 460
462 465 466

Blackburn 443 446

Blanc, Louis 214 329 418 424

Blank 369

Blank, Karl Emil 225 227

3lankenburg 22

3lanqui 25 115

3lind, Karl 11 14 15 31 38 44 107 128
136 137 139 141 153 166 205 208 209
211 212 221 222 226 236 241 243 246
248 250 251 253 255 257 259 263 264
267 287 313 331 332 334 340 350 434

Bobezynski 304 317

Bodin, Jean (Bodinus) 145

Böhme, Jakob 450

Boernstein (Colonel) 29

Bölzig, von (Hauptmann) 391 422

Boisguillebert 145

Bolleter 254 334

Bomba. Franz s. Ferdinand IT
        <pb n="520" />
        470

Namenregister

Bonaparte s. Napoleon III

Bonaparte I s. Napoleon I

Borchardt, Louis 1 41 154 167 168 169
170 171 172 176 181 183 192 200 248
249 251 252

Borkheim 7 9 10 40 41 43 63 65 68 69 78
84 85 91 93 94 95 96 97 98 99 101
106 175 177 179 247 260 339 378 402
103 405 407 415 417 426 427 428 429
130 431 432 433 434 435 436 439 451
452 453 455 458 463

Bortmann (Mrs.) 74

Boustrapa s. Napoleon IIT

Bradlaugh 315 440 445

Bragg 172

Branitzki, Graf 135

Brass, August 11 390 403

Breidtschwerdt, (Otto) L. von 210 211

Bridges, Dr. 338

Bright, John 137 138 176 196 199 220
223 254 301 319 391

Brockhaus 16 39 94 95 113 115

Bronner, Dr. 15 208 211 212

Brown, John 450

Bruckner (Gebrüder) 97

Brüggemann 2

Brüning, Frau von (geb. Lieven) 13

Bruhn 153 204 249 254 257 266

Bruno s. Bauer, Bruno

Buchanan 27 35

Bucher, Lothar 7 9 10 12 13 84 99 130
207 213 258 378 379 462

Buckle 78

Buddha 18 20

Büchner, Ludwig 426 427

Bühring 14 23

Buell 65 74

Bürgers, Heinrich 15 22 40 46 94 103
246 300 425 448 459 462 463

Buol-Schauenstein 213

Burns, Lizzy (Lizzie) 114 117 167 175
192 205 212 217 236 237 262 271 272
283 285 286 290 293 204 298 300 309
314 317 320 328 339 345 352 358 372
374 382 384 391 393 397 399 402 404
406 411 434 438 453 461

Burns, Mary 55 114 117 118 121 123

Burns, Robert 237

Burnside 113 114 115

Burton 373

Butler 172 179 297

Zhaplin &amp; Horne 108

Charles s. Roesgen, Charles

Chlormayer s. Schorlemmer

Choras Leibel 432 ;

Clanricarde 166

Zlarendon 51 337

Classen-Kappelmann 287 290 310

Jlausewitz, Karl 65

Ulelan, Mac s. Mac Clelan

Clement, K, J. 193

Zluseret 461

Jobb, Howell 35

Dobbett 51 153

Zobden, Richard 176 199 222

Zohen, Ferdinand 180 330 331

Zohen 331

Zolcraft 449

Zolenso 181

Collet, Charles 55 58 167 177 185 213
427

Zolleville, de 417

Collins 367

Zolomb 71

Zomte 345

Zonolly 268

Zonradi, Joh. Jakob 160

Zontzen, Dr. 452

Zosenz 41

Jotta 13

Zotta 206

Zowper 391

Zrassus 15

Zremer 196 197 198 214 222 262 270 280
316 318 352 359 420 445

Zrespel 303

Cromwell 456

Cunningham 120

Zunningham von Brighton 52

Curtis, Samuel 75 80

Cusa s, Alexander Johann I

Zuvier 361 363

"zartoryski 153 155

Ozernischew 71

Jana 8 10 12 39 41 62 64 68

Daniels, Amalie 22 72

Darwin 77 78 251 355 8361 362 460

Jaud-Pasha s. Urguhart

Jawid s, Urguhart

Dawis Jefferson 34 109 110 191

Jeasy 449

Delane 126

Dell 358

Demuth, Helene (Lenchen) 112 120 152
357

Jemuth, Marianne (Marianne) 112

Denis 304

Denonville 25

Denoual 259

Derby, Graf 391 403 449

Descartes 429

Devaux 96

Caesar 15 124 290

Cardanus 124

Carnarvon, Earl of 440
Carnot 115

Carpenter 182

Carrere 355

Catherine II 51 139 140 178
Catilina 289

Cavaignac 424

Cavour 26
        <pb n="521" />
        Namenregister

47
Dickson 445

Diodor 65

Disraeli (Dizzy) 167 337 352 439

Dönniges, Franz von 187 190 195

Dönniges, Helene 187 190 195 273 301

Don Juan 13 83 188

Don Quichote s. Blankenburg

Dozy 180 181

Dralle 31

Dresemannn, J. 256

Dronke, Ernst (Der Kleine) 48 49 50 52
55 63 131 132 134 135 143 145 147
148 183 260 262 268 271 282 295 336
339 405 406 427 430 431 433

Dronke (Frau) 63

Drucker, Louis 5

Duchinski 275 276 355

Duller 206

Dumont, Joseph 2

Duncker (Polizeirat) 351

Duncker 206

Duncker, Franz 16 17 130 394 396

Dupanloup 428 441

Dupnont, Eugene 259 317 358 415 424

Feuerbach, Ludwig 383

Fichte 436

Figuier 206

Floyd 35 110

Fontane 197 198 246 248 259

Fould 46

Fourier 15 341

Fowler 307

Fox, Peter Andre 202 213 214 262 279
296 304 306 310 318 328 330 334 343
344 359 428 430 445 456

Frankenheim 206

Franklin 113

Frankowski 128

Franz-Joseph 2 156 213 321

Freiligrath, Ferdinand 8 10 11 13 42 50
80 106 107 122 142 153 175 176 182
187 221 241 263 264 276 289 313 330
331 332 344 384 392 397 405 421 431
432 433 434 437 448 449

Freiligrath, Ida 276 392 397 448

Freiligrath, Katharina (Kätchen) 276
300 344 421 425

Fremont, John 56 66 68 75 80 211

Frenzel 366

Frerich (Arzt) 20

Freytag 22 206

Fribourg 232 245 254 255 302 359

Friedländer, Max 26 42 62 64 74

Friedländer 17 19 26

Friedrich Karl Nikolaus (Prinz von
Preußen) 194 321 335

Friedrich I, Barbarossa 40

Friedrich II, der Große 132

Friedrich Wilhelm IIE 131

Friedrich Wilhelm IV 1 346 391

Frisch 257 266

Fritzsche 273

Eccarius 108 156 176 196 197 198 211
223 231 236 243 244 248 257 263 265
274 306 316 318 319 320 370 402 415
416 417 418 419 420 421 423 424 427
428 430 438 442

Eckardt 296 297

Edgar s. Westphalen, Edgar

Egli 206 291 292

Eichhoff, Wilhelm 64 67 72 74 76 134
264 281 282 284 339 377

Einhorn 216

Eisenbart, Dr. s. Lafargue, Paul

Elcho 352

Elisabeth, Königin von England 456

Ellison s. Haywood and Ellison

Elsner 19 174 175 181 185 186

Emmanuel s. Viktor-Emmanuel

Engel 146 270 384

Engels, Elise 189 292

Engis 141

Ephraim Gescheit s. Lassalle

Ermen &amp; Engels, Firma 100

Ermen, Franz 277

Ermen, Gottfried 80 100 121 183 184 186
187 292 339 386 387 393 431 432 439

Esra 181

Essig, Camilla s. Assing, Ludmilla

Eulenburg 353

Eyre 300

G. K. s. Kinkel, Gottfried

Garibaldi 15 26 40 41 49 83 102 166 167
168 196 271 337 346 387 418 428 441
461

Garrido 206

Geffcken 380

Geib, August 461

Gentz 453

Georg s. Herwegh, Georg

Georg II 457

Gerhardt 396 398

Gerstenberg, Isidor 82

Gibson, Thomas Milner 51

Giebel 206

Girardin 416 420

5iuseppe s. Mazzini

Madstone, R. 145

Gladstone, William 51 328 391

Glais-Bizoin 344

Glücksburg 52

Gneist 157 268

Soegg, Amand 426 427

Goethe 15 164 437

Farragut 189

Faucher, Julius 164 449

Faust (Goethe) 380

Favres, Julius 344 424

Fazy 67 187 271 289 314

Ferdinand s. Freiligrath, Ferdinand
Ferdinand IT 346
        <pb n="522" />
        17

Namenregister

Goldheim 6

Goltz, Graf 346

Gortschakoff 466

Gottfried s. Kinkel, Gottfried

Gottfried s. Ermen, Gottfried

Goudchaux 115

Grant 65 144 172 173 178 179 188 189
191 201 230 265

Greeley, Horace 64 68

Greiff (Schulz) 2 6 340

Grey, G. 269

Grey, Vivian 352

Griesheim 354

Grimm, Albert Ludwig 277

Grimm, Jakob 219 279 295 390

Groote 283

Grove 185

Grube 206

Grübel 266

Grün, Karl 203 208 427 454 466

Gühl 206

Gumpert, Eduard Dr. 3 7 11.19 23 41 79
107 121 131 148 154 168 169 170 171
172 179 194 205 207 215 221 226 243
250 270 283 284 294 307 308 310 311
312 313 314 326 336 338 339 343 347
354 364 365 374 392 394 416 433 464

Gumpert (Frau) 179 215 237 397

Guthrie 36

Tennessy 148 457

Terakleitos von Ephesus 18 253 385

Ierbert (Egerton}) 440

Jerbert, Sydney 49 53

.Jerder 15

Ierwegh, Emma 195 200 203

derwegh, Georg 83 153 190 195 207 250
259 261

Jerzen 55 127 155 302

Heß, Moses 153 207 211 216 218 220 224
226 227 228 230 231 232 235 236 237
239 241 259 269 270 271 452 454 455
458

Teß, Sybille 262 269

Teydt, August von 164 340

.Teywood 251 277

diersemenzel 19

Jilberg, Arnold 309 444 455

Hildebrandt, Bruno 458

Till 85 113 121 180 318

Jinckeldey 20

Hirsch 458

Tirschfeld 24

Jobbes 78

Toffmann, August Wilhelm 394 396

Adofstetten 461

Yohenzollern 131 132 133 323

Ioltorp, G. E. 304 334

Tolyoake 202 352

Tood 201

Tooker 104 111 127

Joraz 126 371

Jorn s. Einhorn

Torn, A. 228 232

Toßfeld, €. 369

Towell 270 306 316

Juber 205

Tübner 418 419

IÄughes 299

Hugo, Viktor 418

Tume 368

Iunter, Dr. 352

Huxley 123 135 339 368

Haar u, Sohn 57

Habsburger 323 351

Hachette, L. 357

Hall 287

Halleck 66 74 75 80 105

Hamilton, James s. Abercorn (Lord)

Hans Ibeles (Kinkel, Johanna) 13

Hansemann, Dawid 20

Hardy, G. 449 455

Harkort 278

Harney 175

Harring, Harro 287

Harrison 274 290 338 344 402 409

Harting 206

Hatzfeldt, Sophie 8 12 17 18 19 22 24 25
26 39 82 195 200 203 205 207 208 209
212 213 220 223 226 227 229 251 259
282 2865 286 367 377

Haywood and Ellison 368

Hebel 292

Hecker 15 67

Hegel 15 18 47 49 78 182 289 323 345
393 394 396 398 399 436 444

Heimann s. Lassalle, Heimann

Heine 212 371 397

Heinrich s. Bürgers, Heinrich

Heintzmann 24 30 31 37 38 40 263 434

Heinzen, Karl 204

Held, Adolph 301

[da s. Freiligrath, Ida

[mandt, Peter 43 90 92 104
([sabella 428

[sidor, B. B. s. Lassalle

(tzig s. Lassalle

Tackson 80 100 102

"acobi, Abraham Dr. 180 392
‚acobs 206

Tacoby, Johann 391

James, Edwin 277

Jecker, J. B. 68 129

Tenny s. Marx, Jenny (Tochter)
oe 144

Tohnson 263 265 269 271 275 276 328
Tohnston 57 265
        <pb n="523" />
        Namenregister

473
Jones, Ernest 172 181 185 186 195 207
209 219 222 223 237 238 244 247 251
254 262 263 268 270 271 277 297 387
446 463 464

Josua 181

Joyce 260

Juarez 68

Juch, Dr. 24 30 64 195 204 254 257 392
433 437

Jung, Georg 194

Jung, Hermann 214 262 316 317 456

Jupiter Scapin s. Napoleon IH

Juta, J. C. 1 248 266 273 294

Juta. Louise (geb. Marx) 1

Kugelmann, Ludwig 132 135 243 246 248
250 300 303 375 376 382 383 384 388
389 399 416 423 426 431 432 439 442
443 444 447 449 452 453 454 458 459
461 462 464 465

Kugelmann, Gertrude 383 389

Kugelmann, Franziska 383

Kyllmann 270

Laboulaye 161

Lafargue, Francois 405 464

Lafargue, Paul 317 337 339 341 354 357
358 359 365 380 392 409 414 420 421
424 427 428 429 430 433 434 436 439
444 451 455 462 463 464

„afargue (Mutter von P. Lafargue) 405

_„ama 259

‚ange, Frdr. Albert 249 251 267

Lange 206

“angiewicz 128 132 134 334

Lapinski 153 155 156 275

Laplace 288 289 291

Larkin 455

Lassalle, Ferdinand 8 9 10 12 13 16 18
19 20 25 26 31 33 39 41 44 46 47 49
55 57 76 78 79 80 82 83 84 85 90 91
93 94 95 96 97 98 99 100 101 104 106
108 116 119 125 136 138 139 140 141
142 144 145 146 147 148 149 152 153
157 164 174 175 177 179 187 188 190
191 195 200 203 204 208 209 213 217
219 220 221 223 224 225 226 227 229
231 232 233 234 235 236 240 243 24
247 248 250 251 253 257 258 259 260
261 271 273 282 286 299 301 304 306
326 334 337 415 433 459 460 461

_„assalle, Heimann 116

‚au 206

Laura s. Marx, Laura

Laurent 396

Lawyer 358 359 361 373

Lazarus s. Lassalle

Lazarillo-de-Tormes 153

Ledru-Rollin 334

Lee 129 149 173 179 188 201 230 247 261

Lefort 232 245 255 256 259 267

Le Lubez 196 197 198 210 216 223 244
254 259 267 269 271 302 303 304 316
317 359

Lenchen s. Demuth, Helene

Leppoc 357

epsius 19

'‚eßner, Frdr. 238 266 415 419 421 424
452

Levy 233

Lewes 437

Lewis, George 51

Lewis, Leon 274

Lewis (Frau) 274

Library s, Liebknecht

Liebig (Fabrikant) 26]

Liebie. Justus 308

Kät, Kätchen s. Freiligrath, Katharina

Kakadou s. Marx, Laura

Kant 436

Kapp, Friedrich 102

Kappell 204

Kappel-Klassenmann s. Classen Kappel-
mann

Karadzil, Wuk Stefanowitsch 141

Karl s. Siebel, Karl

Karl V 217

Karl-Friedrich (Prinz) 17

Kaub 320

Keil 64

Kekule 398

Kell 338

Kelly 449

Kepler 289

Kertbeny 174

Kiesselbach 206

King 395

Kinglake 129 145 147 167

Kinkel, Gottfried 4 5 7 9 13 23 24 26
30 31 32 36 37 38 40 41 64 72 103
204 263 283 334 338 339 348 357 367
433 434

Kinkel, Johanna s. Mockel, Johanna

Kirkwood 288 289 290 291

Kiss 300

Klapka, Georg 67 156 187 188 271

Klein, Dr. Johann Jakob 22 72 74 246
443

Klings, Karl 174 196 211 223 227 229
258 264 369

Klinkner, A, 263

Knowles 277 297

Knox 352 403

Köhliker 182

Köppen, Friedrich 20

Kolatschek, Adolf 9 13 40 43 260 297

Koller 45 49 54 55 58 67 377

Konstantin (Großfürst) 155

Koscielski 135 136

Kossuth 67 137 156 163

Kriege, Hermann 390

Kröker 421
        <pb n="524" />
        1"

Liebknecht, Wilhelm 14 177 178 179 180
181 185 191 195 202 203 204 205 207
212 216 217 218 224 225 227 228 229
230 234 235 236 238 239 242 243 244
246 251 253 257 258 259 260 264 267
273 276 281 282 283 284 285 286 295
296 299 306 334 350 357 367 425 426
429 432 434 435 438 442 444 452 453
455 458 461 464 465

Liebknecht (Frau) 212 257 282

Limousin 245

Lincoln 27 34 50 81 92 104 105 109 133
189 191 210 211 220 221 228 232 233
263 265

Lippe, Leopold 422 466

Lizzie s. Burns, Lizzie

Locke 399

Longuet, Charles 302 303 317 337

Lord 182

Lormier 430

Louis s. Napoleon III

Louis Bonaparte s. Napoleon II

Louis Philippe 133 134 331

Louis XV 214

Lucraft 343

Lucullus 15

Ludmilla s, Assing, Ludmilla

Ludwig s. Simon, Ludwig

Ludwig III, Kurfürst von Hessen 350

Ludwig XV 214

Lützow 71

Lupus s. Wolff, Wilhelm

Lyell 135 141 222
M. H. s. Heß, Moses

Mac Adam 137

Macaulay 206

Mac Clellan 56 66 68 69 70 71 75 80 8]
92 101 104 109 111 115

Mac Culloch 202 290 410

Mac Donald 24 30 204

Macdonald, Adelaide 459

Mac-Dowell 66 75 80

Mac-Elrath 68

Mackay, Charles 129

Maclure 249

Mädler 63

Magendie 354

Malthus 77 78

Manetho 20

Manning, Charles 262

Manteuffel 6 20 21

Marchison 275

Marianne s. Demuth, Marianne

Marie 201

Martin, John 443

Martin, William 443

Marx, Edgar (Musch) 330

Marx, Eleanor (Baby, Tussy) 120 136
140 159 172 174 175 1834 192 286 288
310 312 448

Vamenregister
Marx, Henriette (Mutter) 16 42 43 52
101 157 160
Marx, Jenny (Frau) 13 12 13 14 16 47
48 49 50 56 58 62 63 72 76 77 79 82
83 91 98 104 109 212 213 215 117 119
120 122 123 137 156 160 163 174 175
181 182 184 185 186 187 194 200 211
256 258 259 261 265 279 288 293 326
330 334 357 364 385 386 392 394 397
399 406 407 409 423 425 433 439 444
155 463 464
Vlarx, Jenny (Tochter) 54 55 58 62 64
67 69 70 76 78 79 82 91 93 98 100 101
104 108 119 137 142 143 145 148 152
154 167 172 177 182 184 185 192 262
264 286 288 290 294 295 332 345 347
384 392 453 459
Marx, Laura 58 152 184 192 262 264 286
288 290 303 332 354 356 358 364 375
378 409 424 429 447 463 464
Mary s. Burns, Mary
Mason 51
Tassol 112 115 216
Tasterman &amp; Co. 113
Aatzerath 242
Aaughan 440
Mayer, Karl 211 212 459 461 464
Mayer, Karl (Vater) 212
Mayer, Michael 154
Maynard 56 -
Mayne, Richard 351
Mazade 322
Mazzini 10 14 44 33 137 197 198 200 202
246 248 259 273 316 317 334 418 420
Meagher 457
Medici, Giacomo 41
Meißner, Otto 221 226 231 242 243 246
247 249 256 257 267 280 309 365 367
370 373 374 376 378 379 381 382 383
384 385 386 388 399 400 404 409 410
417 421 422 423 426 429 431 435 439
443 444 447 450 451 452 458 462
Meißner (Frau) 381
Melinski 155
Menschikoff 59
Mentana 461
Mercadet 376
Merckel 384
Merrimac 73
Metzner, Theodor 285 295
Meyen, Eduard 1 2 3 9 41 138
Meyer, Ludwig 383
eyer, Julius 390
Teyer, Hermann 391 392 437
Teyer, Siegfried 295 449
Teyer (Gebrüder) 98 101 303
Miall 306 320 328 336 338
Mieroslawski 128 135 136
Mignet 206
Mill, John Stuart 176 274 328 402 409
Miller, J. s. Liebknecht
        <pb n="525" />
        Namenregister

A775

Miquel, Johannes 103 243 246 300 390
454

Mirabeau 22 278 429

Miramon, Miquel 68

Mitchell 75

Mithridat der Große 15

Mockel, Johanna 13

Möser, Justus 300

Moilin 360 363 364 374

Moleschott 206

Moll 174

Mommsen 206

Montagu 25

Montgomery 61

Moore, Samuel 270 277 287 290 358 393
397 402 411 416 436 438 441 453

Morley, Samuel 223

Morny 68

Morrill 73

Moses, s. Heß, Moses

Mosin 206

Mourawieff 232

Moustier, Lionell 443

Mudy 370

Mügge, Theodor 20

Müller 206

Müller, Franz 204

Müller von Königswinter, Wolfgang 22

Musch s. Marx, Edgar

Opdyke 116
Oppenheim 175 340
Orestes 165

Orges, Hermann 177
Orsini 314 320 324
Orsini, Caesar 317
Irsini, Felice 73
Isborne 167
Iswald, Eugen 40 41
Ithello 177

Dtto, L. s. Breidtschwerdt, Otto L. von
Dverbeck 206
OQverstone, Lord 290
Owen, Richard 135

Palmerston, John (Pam) 14 19 25 50 51
52 57 59 60 68 74 133 134 136 148 149
153 155 158 166 167 169 178 184 187
300 328 403

Palmerston, Lady 391

Paracelsus 154

Yasteur 339

Patkul 139 180

Patzke 17

Pauli 206

2ayne 434

Pellico, Silvio 164

Peter I der Große 139

Deter der Eremit 436

Peter III 140

Petsch, Albert 13.1144 45 49 53

Detzler 209 238 242

Petzler (Photograf) 242

Pfänder, Karl 176

Pfuel 17

&gt;hilipp IX 195 213

Philips, A. (Vetter von Marx) 19 31 39
41 44 55 57

Philips, Jacques (Onkel von Marx) 16
101 119 185 316

Shilips, Lion 160 161 164 165 372

Philips (Cousine von Marx) 160 161 162
164 165

Pi s. Roussillon, Duc

Pjepenbrink 22

?ieper (Tupman, Fridolin) 165 185

Pieper (Schwester von W. Pieper) 165

Pierce, Byron 29

Pierce, Franklin 36

Pitt, William 92 105

Platen 357

Platonina (Kinkel, Johanna) 13

Plon-Plon s. Napoleon, Prinz

Ploug 186

Pollock 403

Pompejus 15

Pope, John 75 92 100 101

Posa, Marquis (Schiller) 195 213

Potter, George 199 210 268 270 277 280
319 420

Potter, John 134

Nahmer 434

Napoleon I 110 131 153 214 225 419

Napoleon III (Louis Napoleon, Bona-
parte, Boustrapa) 2 7 14 46 61 66 68
73 74 111 129 131 133 140 144 153
155 158 163 168 169 178 185 186 187
199 214 224 254 283 287 300 301 304
319 320 321 323 325 328 331 332 333
334 336 337 340 343 344 345 346 347
348 351 353 356 357 370 371 372 374
375 378 379 387 391 415 421 430 441
443 444 445 446 449 450

Napoleon Prinz Joseph (Plon Plon) 133
135 224 245

Nasmyth, James 99

Nebukadnezar 213

Newton 289

Nicolaus Friedrich Peter, Herzog von
Oldenburg 180 184

Nösselt 206

Nostitz (Adjutant) 17

Nostitz, v. (General) 17

Nothiung. Peter 316

Oborski 232

Odger, George 196 197 262 268 270 280
316 318 358 420 428

O’Donovan Rossa 309 402 403

Ohm 5

Oldham 110
        <pb n="526" />
        476

Namenregister

Preiler 206

Prokesch 445

Proudhon 217 224 302 304 336 337 393
437

Prutz 455

Purdy 212

Pyat, Felix 449

Pylades 165

Russell, John 51 328 391
Rutenberg, Adolph 20 21 190
Sassonoff 120
Saul 181
Say 17
5Schaaffhausen, Hermann 203
Schabelitz, Jakob 426 436
Schaible 15
Schapper, Karl 3 109 347
Schiller, Friedrich 206
Schilling 282 284 285
Schily, Viktor 39 40 43 61 67 104 136
216 220 227 232 244 248 251 254 255
262 267 268 269 274 452 454
Schleiden 182 185 206
Schlosser 15 205
5chmalhausen, Sophie (Schwester von
Marx) 248
Schmalhausen (Nichte von Marx) 248
252
Schmerling, Anton v. 40 42
Schmerling, Philipp Charles 141
Schmidt 37
Schmidt, Julian 78 83 84
Schneider II, Karl 22
Schöler, Lina 286 397
5chömann 206
Schönbein 308
Schorlemmer, Karl 393 394 398 407 416
441 452 453 455 461
Schramm, Konrad 175
Schramm, Rudolph 70 159 213
Schröder, E. 57
5chulze-Delitsch 103 136 139 145 191 195
301 420 428 458 459
Schurz, Karl 68
Schwabenmayer s, Mayer, Karl
Schwanbeck 2
Schwann 182
Schweigert 79
Schweitzer, Johann Baptiste 202 203 204
207 208 216 217 224 226 227 229 231
235 237 238 239 242 244 247 248 250
251 252 253 254 256 257 264 269 278
298 377 415 422 425 435 461
Schwerin 33
Schyler 417
Scott, Walter 312
Scott, Wilfield 25 32
Seebach, v. 377
Seel 22
Semmelweiß 383
Senior 400 404
Sertorius 15
Seward 133
Seyd 31
Shaftesbury 391
Shakespeare 15 166 167 392
Shaw, Robert 441
Sherman 66 189 191 212 247
Sichel, S. A. 9

Quesnay, Dr. 78 149 152
Quinet, Edgar 428
Rakowitz, Janko 219 301

Ranke 190

Rapp, John &amp; Co. 121

Rasch, Gustav 267 405

Ratazzi 441

Rau 17 458

Rebour 320

Reclus, Elie 115 454

Regnault, Elias 275

Regnier 436 437

Reinach 271 276 289 300
Reinhardt 80

Reinke, Dr. 425

Renan 165 181

Reusche 258 261

Reuss, Kling et Co. 9

Reuter 116 326

Rheinländer, GC. F. 24 61
Ricardo 77 89 90 94 95 146 149 407 439
Richelieu 83

Richter, Eugen 425

Rimestad 287

Ripley, George 25

Ritter 206

Rittershaus, Emil 423 426 432 447
Roberts 456

Robespierre 220

Robin 339

Rodbertus 9 207 213

Rode 264 265 336 369

Röckel 329

Roesgen, Charles 85 122 277 292 333
Rogeard 303

Rogers 370 374

Roon 116 231 270

Rosalins 36

Roscher 116 409 449 452
Rosencrans 144

Rost 206

Rote Becker s. Becker, Hermann
Rote, Der s. Wolff, Ferdinand
Roussillon, Duc 149 154
Rüstow, Alexander 79

Rüstow, Cäsar 79
Rüstow, Friedrich Wilhelm 41 79 83 84

85 90 99 187 195 243 250 253 259 261
387

Ruge, Arnold 78 221 263 348
Russell 68 313
        <pb n="527" />
        Namenregister
FAMEDITEISTEE

477

Sickingen, Franz 217
Siebel, Karl 1 23 5 11 22 52 74 144 223
226 227 230 231 244 246 247 248 249
250 251 267 282 385 422 423 426 431
432 435 438 442 445 447 448 450 458
459 462 463 464
Siebel, Reinhilde 227 447
Siebel (Vater von Karl) 22
Siebold, P. F. 221 226 285 287
Sigel, Franz 75
Simon, Jules 216 381
Simon, Ludwig 25 26 387 427
Simons, Ludwig 6
Simson (Samson) 21
Sippel 61
Slidell 51
Smith 206
Smith, Adam 61 89 94 99 145 149 290
Snider-Enfield 354
Solms 129
Sonnemann, Leopold 228
Spartacus 15
Spence, John 74 75 111 153
Spruner 206
Spurzheim 182
Stanley, Lord 372 403
Stanton 75 80 81
Steffen 76 102
Stein (Actuarius) 19
Stein, Julius 19
Stein, Maximilian 156
Steinthal 183 251 252
Stephens, James 370 456
Stepney, Cowell 40
Stieber, Wilhelm 2 45621 266 340 351
375 377 384
Stieler 206
Stirner, Max 341 390
Stone 56
Strohn, William 70 180 221 226 231 243
283 285 293 381 430 433
Struve, Gustav 267 405
Stücker 84
Stumpf, Paul 296 343 350 351 427 °433
462 463
Sulla 15
Sumner 113
Syboldt, v. 383
Sydney s. Herbert. Sydney

Toby s. Meyen, Eduard

Tolain 196 216 232 245 254 255 302 359

Toucey 35

Fownshend (Lord) 217 245

Tremaux, Pierre 355 356 357 360 361 362
363

Trübner 24 264

Tschudi 206

Türr 41 67 156

Pussy s. Marx, Eleanor

Fwesten 67 366

Fyndall 217 236 250 301

Ure 61

Urqguhart, David 55 58 64 126 127 148
149 155 159 177 191 199 213 267 288
377 428 445

Usedom 446

Varnhagen von Ense 46

Vauban 145

Vaucanson 124

Vermorel 418 419 421 424

Veron 432

Vesinier 302 303 304 316 324

Vico 63

Vidocq 4 5

Viktor Emanuel II 83 334 344 346 439
441

Vingard 255

Vincke 14 17 22 33 132

Virchow 103 157 383

Völter 206

Vogt, August 295

Vogt, Karl 1348911 12 13 14 15 19
20 23 40 43 44 49 67 145 177 204 208
209 211 212 216 258 266 283 285 289
386 387 426 427 428 432 440 459 460

Voltaire 15 372
Wagener, Hermann 21 22 157 199 380

Waldeck, Benedict 22

Walesrode 9

Wallace 65

Walpole 352 395

Walton, A, 415

Warnebold 384 447

Washington 56

Watts, John 118 119 121 306 309 312

Weber, Wilhelm 23 29 31 166

Weber, jun. 263

Wedekind 300

Weerth, Georg 127

Wehner, J. G. 353 371

Wehner (Vater) 383

Weiss, Guido, Dr. 426 429 461 465

Wenetz s. Hilberg, Arnold

Wermuth 403

Werner, Minna 13

Weston, John 197 198 272 274 276 306
445 456

Taucher 449

Tavernier 17

Taylor 246

Taylor, Tom 129
Ternaux-Mortimer 206
Thiers 331 344
Thimm, Franz 11 451
Thompson, Jacob 35
Thornton, William 438
Thouvenel 300
Thudichum 159
        <pb n="528" />
        Namenregister

Westphalen, Edgar v. 271 272 273 275
281 283 285 286 288 291

Westphalen, Ferdinand v. 286

Weydemeyer, Joseph 76 208 209 212 216
222 241 242 243 264 392

Weydemeyer (geb. Lüning), Louise 392

Wheeler 334 385

Whiters 361

Wickede 324

Wiener s. Arnold Hilberg

Wiesenriesler, Jakob s. Lassalle

Wigand, Hugo 382

Wigand, Otto 382 385 388 392 396 400
409 426

Wildemann (Kinkel, Johanna) 13

Wilhelm I 2 6 14 17 22 40 44 45 47 67 76
103 109 111 164 168 178 195 320 322
332 334 335 344 351 353 370 380 387
388 391

Wilhelm s. Wilhelm I

Wilhelm, Wilhelmchen s. Liebknecht

Wilhelm der Schöne s. Wilhelm I

Wilke 345

Willich, August 13 29 74 102 261

Willis, Robert 123

Winter, Leopold 33

Wolfers 2

Wolff 245

Wolff, Bernhard 20 21

478 _
Wolff, Ferdinand 120 152 156

Wolff, Luigi (Major) 196 197 198 214
248 259 273 316 317

Wolff, Wilhelm (Lupus) 18 19 25 26 29
31.32 33 39 41 57 61 63 67 72 74 78
79 84 85 93 103 106 112 120 126 139
141 142 154 156 158 162 164 165 166
167 168 169 170 171 172 174 176 177
179 180 183 185 192 199 200 229 248
249 251 291 393 407 434 438

Wolffsohn 236

Wood, Charles 176 252

Worsaae 193

Wrangel 163

Wurtz 396 398

Wuttke, Heinrich 376

Wyke 60

Wyse 129

York 451

Young, Mrs, 55

Zabel 9 20 21

Zamacona 60

Zamoyski 148 155 246

Zang 42

Zedlitz 17 33

Zerfhi 24 30 37 40

Ziegenhainer 434

Zimmermann (aus Spandau) 45
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        INHALT
        <pb n="530" />
        <pb n="531" />
        Inhalt

Einleitung zum dritten Bande des Briefwechsels zwischen Marx
und Engels. Vom Herausgeber

1861—1867
1861 Januar 3 .
1861 Januar 7 .
1861 Januar 8 .
{861 Januar 11
1861] Januar 18
1861] Januar 22.
861 Januar 29
1861 Januar 31]
18611 Januar 31
‚861 Jebruar 2
1861 Februar 4
1861 Februar 6
{861 Februar 14
1861 Februar 27
1861 Mai 7.

1861 Mai 10

1861 Mai 16

1861 Juni 9

1861. Juni 10

1861 Juni 12

‚961 Juli 1

1861 Juli 3.

1861 Juli 5.

1861 Juli 12

1867) Juli 20 .
186) August 3. .
1861 September 28
1861 Oktober 30 .
1861 November 6.
'1861] November 18
1861] November 20
861 November 27
"1861 Dezember 2]
1867 ] Dezember 5
8361 Dezember 9 .
1861 Dezember 13
1861 Dezember 19
1861 Dezember 27

Marx-Enzgels-Gesamtausgabe. I. Abt., Bd. 3

724. Marx an Engels;
725. Engels an Marx;
726. Marx an Engels;
727. Marx an Engels;
728. Marx an Engels;
729. Marx an Engels;
730. Marx an. Engels:
731. Engels an Marx;
732. Marx an Engels;
733. Marx an Engels;
734. Engels an Marx:
735. Engels an Marx;
736. Marx an Engels;
737. Marx an Engels;
738. Marx an Engels;
739. Marx an Engels;
740. Marx an Engels;
741. Marx an Engels;
742, Marx an Engels;
743. Engels an Marx;
744. Marx an Engels:
745. Engels an Marx;
746. Marx an Engels;
747. Marx an Engels;
748. Marx an Engels;
749. Marx an Engels;
750. Marx an Engels;
751. Marx an Engels;
752. Marx an Engels:
753. Marx an Engels:
754. Marx an Engels:
755. Engels an Marx:
756. Engels an Marx;
757. Marx an Engels;
758. Marx an Engels;
759. Marx an Engels;
760. Marx an Engels;
761. Marx an Engels:

VII

)
3
3
%
27
29

1
5
6

J
7
9
J
"9
        <pb n="532" />
        182

Inhalt

762. Marx an Engels; 1862 Februar 25

763. Engels an Marx; 862 Februar 28

764. Marx an Engels; 1862 März 3

765. Engels an Marx; 1862 März 5

766. Marx an Engels; 1862 März 6 . .

767. Engels an Marx; [1862 März ca. 10]

768, Marx an Engels: ‘862 März 15 .

769. Marx an Engels: 1862 April 28

7/70. Engels an Marx: ‚862 Mai 5 .

771. Marx an Engels: 1862] Mai 6

772. ingels an Marx: 862 Mai l2 .

773. Sngels an Marx: 1862 Mai ca. 18]

774, Marx an Engels: .862 Mai 19

775. Engels an Marx: .862 Mai 23

776. Marx an Engels: 862 Mai 27

777. Engels an Marx: ‚862 Mai 29

778. Engels an Marx: 862 Juni4 .

779. Marx an Engels 1862 Juni ca. 6]

780. Marx an Engels 862 Juni 18 .

781. Engels an Marx: 1862 Juli ca. 3]

782. Marx an Engels: 1862] Juli 5

783. Marx an Engels‘ 1862] Juli 11

784. Marx an Engels; 1862] Juli 21

785. Engels an Marx: 3862 Juli 30

786. Marx an Engels; 1862] Juli 30

787. Engels an Marx: 1862 Juli 31]

788. Engels an Marx; 1862 August 1

789. Marx an Engels; 1862 August 2

790. Marx an Engels; [1862] August

791. Engels an Marx; 1862 August 8

792. Marx an Engels; 1862 August 9. .

793. Engels an Marx; [1862 August ca. 12] . .. 2.0...

794. Sigismund L. Borkheim an Engels; 1862 August 12. Mit Brief
von Engels an Marx [1862 August 13] .

795. Marx an Engels; 1862 August 14 .

796. Marx an Engels; [1862] August 20 .

797, Engels an Marx; (1862 August ca. 22] .

798. Engels an Marx; (1862 September Anfang‘

799. Engels an Marx; 1862 September 9 .

800 Marx an Engels; 1862] September 10

801. Engels an Marx; 862 Oktober 16

802. Marx an Engels: ‚862 Oktober 29

803. Marx an Engels: 1862 November 4

804. Engels an Marx 1862 November 5

805. Marx an Engels: [1862] November 9

806. Marx an Engels: 1862 November 14

807. Engels an Marx; 1862 November 15

808. Marx an Engels; [1862] November 17

809. Marx an Engels: 1862 November 20

54
55
56

7

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34
85
86
91
93
9%
06

9%
97
97
99
99
700
101
102
104
106
106
108
108
108
110
"11
        <pb n="533" />
        Inhalt

810. Marx an Engels;
811. Engels an Marx;
812. Engels an Marx:

L862
1362
L862

Dezember 24
Dezember 26
Dezember 30

813. Marx an Engels; 1863 lanuar ?

814. Engels an Marx; 1863 januar 7

815. Marx an Engels; 1863 Januar .

816. Engels an Marx; 1863 f[anuar 13

817. Marx an Engels; ‚863 Januar 24

818. Engels an Marx; 363 Januar 26

819. Marx an Engels; 863 Januar 28

820. Marx an Engels; %3 Februar 13 .
821. Marx an Engels; 1863] Februar 17
822. Engels an Marx: 863 Februar 17
823. Engels an Marx: 863 Februar 19
824. Marx an Engels: 863 Februar 20 .
825. Engels an Marx; 1863 Februar ca. 21
826. Marx an Engels: 863 Februar 21
827. Marx an Engels: 863 März 24 .

828. Engels an Marx; 863 April 8

829. Marx an Engels; 863 April 9

830. Marx an Engels: 863 April 18

831. Engels an Marx; .863 April 2)

832. Engels an Marx; 1863 Mai 20

833. Marx an Engels: 1863 Mai 29

834. Marx an Engels; 863 Juni 10

835. Engels an Marx; '863 Juni 11

836. Marx an Engels; 863 Juni 12

837. Marx an Engels; ‚863 Juni 22

838. Engels an Marx; 1.863 Juni 24

839. Marx an Engels; 1863 Juli6 .

840. Marx an Engels; 1863 August 15 .
841. Marx an Engels; 1863 September 12
842. Engels an Marx; .863 November 24
843. Marx an Engels; .863 Dezember 2
844. Engels an Marx; 1863 Dezember 3
845. Marx an Engels; 1863 Dezember 4 .
846. Marx an Engels in Manchester; Zalt Bommel 1863 Dezember 22
847. Marx an Engels in Manchester: Zalt Bommel 1863 Dezember 27

848. Engels an Marx in Zalt Bommel; Manchester 1864 Januar 3
849. Marx an Engels in Manchester; Zalt Bommel 1864 Januar 20
850. Marx an Engels; 1864 Februar 25

851. Marx an Engels; 1864 [März 117

852. Marx an Engels; 1864 April 19

853. Engels an Marx; 1864 April 29

854. Engels an Marx; 1864 Mai 1

855. Engels an Marx; 864 Mai 2

856. Engels an Marx: 11864 Mai 2]

483
112
112
113

115
117
'17
8
9
21
22
26
27
28
50
10
30
1
2
4
5
3
3
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1

3

5

7

7

2

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A
7
58
59
160
161

163
54
35
56
56
‚67
‚69
‚70
väl
        <pb n="534" />
        Inhalt
857. Marx an Engels; 1864 Mai 23

858. Marx an Engels; 1864 Mai 26

859. Engels an Marx; 1864 Mai 30

860. Marx an Engels; 1864 Juni 3

861. Engels an Marx; 1864 Juni 3

862. Marx an Engels; 1864 Juni 7

863. Engels an Marx; 1864 Juni 9

864. Marx an Engels; 1864 Juni 16

865. Marx an Engels: 1864 Juli .

866. Marx an Engels: 1864 Juli 1

867. Engels an Marx 1864 Juli5. . . # w .
868. Marx an Engels in Manchester; Ramsgate 1864 Juli 25 .
869. Marx an Engels; 1864 August 31

870. Engels an Marx; 1864 September 2
871. Marx an Engels; 1864 September ?
872. Engels an Marx; 1864 September 4
3873. Marx an Engels; 1864 September 7
874. Marx an Engels; 1864 November 2
875. Engels an Marx; 1864 November 2
876. Marx an Engels: 1864 November 4
877. Engels an Marx; 1864 November 7
878. Engels an Marx: 1864 November 9
879. Marx an Engels: 1864 November 14
880. Engels an Marx: 1864 November 16
881. Marx an Engels; [1864] November 18
882. Engels an Marx: 1864 November 22
883. Marx an Engels; [1864 November 24]
884. Marx an Engels; [1864] November 25
885. Marx an Engels; 1864 Dezember 2
886. Marx an Engels; L864 Dezember 8
887. Marx an Engels; 1864 Dezember 10
388. Marx an Engels: 1864 Dezember 22

Marx an Engels; 1865 Januar 25
Engels an Marx; 1865 Januar 27
Marx an Engels; 1865 Januar 30
Marx an Engels; 1865 Februar 1
Marx an Engels: 1865 Februar 3
Engels an Marx; 1865 Februar 5
Marx an Engels; [1865] Februar
ngels an Marx; 1865 Februar 7
Sngels an Marx; 1865 Februar 9
Marx an Engels; 1865 Februar 10 .
Marx an Engels; [1865] Februar 1l
Engels an Marx; 1865 Februar 13 . 2. 0.0.0.0...
Marx an Engels; 1865 Februar 13. Mit Brief von J. B. Schweit-
zer an Marx in London; Berlin 1865 Februar 11...
302. Marx an Engels; [1865 Februar 16] .
303. Marx an Engels; 1865 Februar 18 .

171
172
172
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192
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200
201
203
204
207
207
208
209
211
212
215

216
218
219
221
223
225
227
228
230
231
233
234

235
238
230
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        Inhalt

904. Engels an ‘Marx;
905. Engels an Marx;
906. Engels an Marx;
907. Marx an Engels;
908. Engels an Marx;
909. Engels an Marx;
910. Marx an Engels:
911. Engels an Marx;
912. Marx an Engels;
913. Engels an Marx;
914. Marx an Engels;
915. Engels an Marx:
916. Marx an Engels:
917. Frau Jenny Marx
918. Marx an Engels;
919. Engels an Marx;
920. Engels an Marx:
921. Marx an Engels;
922. Marx an Engels:
923. Engels an Marx;
924. Marx an Engels:
925. Marx an Engels:
926. Engels an Marx;
927. Marx an Engels;
928. Marx an Engels;
929. Marx an Engels;
930. Engels an Marx;
931. Engels an Marx;
932. Marx an Engels;
933. Marx an Engels;
934. Engels an Marx;
935. Marx an Engels;
936. Engels an Marx;
937. Marx an Engels;
938. Sngels an Marx;
939, Marx an Engels;
940. Engels an Marx;
941. Marx an Engels;
942. Marx an Engels;
943. Engels an Marx;
944. Marx an Engels;
9453. Engels an Marx;
946. Marx an Engels;
947. Engels an Marx;
948. Marx an Engels;
049. Marx an Engels:

1865 Februar 20
1865 Februar 22
365 Februar 24
365 Februar 25
‚65 Februar 27
‘865 März 3 .
:865 März 4
‘865 März 6 .
1865] März 10
:865 März 11

‚865 März 13

865 März 14

865 März 18. . . .
a Engels; [1865 März 30]
'1865] April 11
‚865 April 12
‚865 April 16
865 April 22
865 Mai 1

865 Mai 3

865 Mai 7

865 Mai 9

‚865 Mai 12

865 Mai 13

865 Mai 20

865 Juni 24

865 Juli 15

‚865 Juli 25

1865 Juli 31

1865 August 5
1865 August 7
1865 August 9
1865 August 16
1865 August 19
1865 August 21
1865 August 22
1865 Iktober 4
1865 Oktober 19
1865 November ®
1865 November ı
'R65 November 1u
365 November 17
865 November 20
{865 Dezember 1
[1865 Dezember 2}
1865 Dezember 26

050. Engels an Marx; 1866 Januar 4 .
051. Marx an Engels: 1866 Januar 5 ..

385
242
242
242
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249
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250
252
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259
260
261
262
262
264
266
267
269
270
271
273
276
278
278
281
284
285
286
288
290
291
202
293
293
294,
294
295
295
297
298
208

301
309
        <pb n="536" />
        186

Inhalt

952. Marx an Engels; 1866 Januar 15

953. Engels an Marx; 866 ‚Januar 26

954. Marx an Engels; :866 Februar 10

955. Engels an Marx; 1866 Februar 10

956. Marx an Engels; .866 Februar 13

957. Marx an Engels; 366 Februar 14

958. ingels an Marx; 2366 Februar 19

959 ngels an Marx; 66 Februar 22

960. Marx an Engels: 1866 März 2

961. Engels an Marx; !866 März 5

962. Marx an Engels; 1866 März 6

963. ngels an Marx; "1866 März ca.

964. Marx an Engels; ‚866 März 10

965. Marx an Engels; 1866 März 15 . . .
966. Marx an Engels in Manchester; Margate 1866 März 15]
967. Marx an Engels in Manchester; Margate 1866 März 24
968. Ingels an Marx in Margate; Manchester 1866 März 27
969. Marx an Engels in Manchester; Margate 1866 April ?
970. ingels an Marx in Margate; Manchester 1866 April ;
971. i&lt;ngels an Marx in Margate; Manchester 1866 April (
972. Marx an Engels in Manchester; Margate 1866 April 6
973. Engels an Marx in Margate; Manchester 1866 April 10
974. Engels an Marx in Margate; Manchester 1866 April 13
975. Marx an Engels; 1866 April 23

976. &lt;ngels an Marx; 1866 Mai |

977. Engels an Marx; 1866 Mai 9

978. Marx an Engels; 1866 Mai 10

979. Engels an Marx: '866 Mai 16

980. Marx an Engels: ‚866 Mai 17

981. Engels an Marx: 1866 Mai 25

982. Marx an Engels: 1866 Juni 7

983. Marx an Engels: !866 Juni 9

984. Engels an Marx: 866 Juni 11

985. Marx an Engels; 1866 Juni 20

986. Engels an Marx: '866 Juli 4

987. Marx an Engels: 866 Juli 7

988. Engels an Marx; ‚866 Juli 9

989. “ngels an Marx; 1866 Juli 12

990. Marx an Engels; 1866 Juli 21

991. Engels an Marx, .866 Juli 25

902. Marx an Engels; 866 Juli 27

993. Engels an Marx; 1866 August 6

994. Marx an Engels; 1366 August 7

995. Engels an Marx: 1866 August 10

996. Marx an Engels; 866 August 13

997. Marx an Engels; 866 August 23

998. Marx an Engels: ‚866 September

999. Marx an Engels; 1866 Oktober 1

1000. Engels an Marx; 1866 Oktober 2

303
305
305
307
308
309
310
310
311
312
313
313
314
314
315
315
318
318
320
321
322
324
326
327
329
330
330
332
334
335
336
338
339
341
342
343
345
34:7
348
349
350
352
354
356
357
358
358
359
360
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        Inhalt

1001. Marx an Engels:
1002. Engels an Marx:
1003. Marx an Engels:
1004. Marx an Engels‘
1005. Engels an Marx:
1006. Marx an Engels
1007, Marx an Engels
1008. Engels an Marx:
1009. Marx an Engels:
1010. Engels an Marx
1011. Marx an Engels:

1866 Oktober 3
1866 Oktober 5
1866 November
1866 November
1866 November
1866 Dezember
1366 Dezember
‚866 Dezember
866 Dezember ./
866 Dezember 2}
866 Dezember 37

8
10
17
—
9

1012. Marx an Engels; 1867 Januar 19

1013. Engels an Marx; 1867 Januar 20

1014. Marx an Engels; 1867 Februar 21

1015. Marx an Engels; 1867 Februar 25

1016. Engels an Marx; 1867 März 13

1017. Marx an Engels; 1867 März 27

1018, Engels an Marx; 1867 April 4 . .

1019. Marx an Engels in Manchester; Hamburg 1867 April 13
1020. Marx an Engels in Manchester; Hannover 1867 April 24
1021. Engels an Marx in Hannover; Manchester 1867 April 27
1022. Marx an Engels in Manchester; Hannover 1867 Mai 7
1023. Marx an Engels; [1867 Mai ca. 20]. . .

1024. Marx an Engels; 1867 Juni 3

1025. Engels an Marx; 1867 Juni 16

1026. Marx an Engels; 1867 Juni 22

1027. Sngels an Marx: 1867 Juni 24

1028. £ngels an Marx; 1867 Juni 26

1029, Marx an Engels‘ 1867 Juni 27

1030. Marx an Engels: 1867 Juni 2

1031. Marx an Engels n Hannover;

1032. Marx an Engels: 1867 August

1033. Zngels an Marx: 1867 August

1034. Marx an Engels: 1867 August

1035. Zngels an Marx: 1867 August ,

1036. Marx an Engels: 867 August 5

1037, Zngels an Marx; 367 August 23

1038. Marx an Engels; 367 August 24

1039, Ingels an Marx: 867 August 26

1040. Sngels an Marx; 367 August 27

1041. Marx an Engels: 1867 August 31

1042. üngels an Marx; 1867 September 1

1043. Sngels an Marx: 1867 September 2

1044. Marx an Engels; 1867 September 4

1045. Marx an Engels; 1867 September 7

1046. Engels an Marx; [1867 September 9°

1047. Marx an Engels; 1867 September 11

1048. Engels an Marx: 1867 September 11

487
361
362
364
365
366
367
367
368
369
371
3792

373
374
375
376
376
378
379
380
382
385
388
391
392
393
395
397
399
100
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+7
419
419
420
“9
        <pb n="538" />
        Inhalt

1049. Marx an Engels;
1050. Marx an Engels;
1051. Engels-an Marx;
1052. Marx an Engels;
1053. Marx an Engels;
1054. Engels an Marx;
1055. Marx an Engels;
1056. Marx an Engels;
1057. Engels an Marx;
1058. Zngels an Marx;
1059. Marx an Engels;
1060. Zngels an Marx;
1061. Engels an Marx;
1062. Marx an Engels;
1063. Sngels an Marx;
1064. Engels an Marx;
L065. Marx an Engels;
1066. Engels an Marx;
1067. Marx an Engels:
1068. Engels an Marx:
1069. Marx an Engels:
1070. Engels an Marx;
1071. Marx an Engels;
1072. ngels an Marx;
1073. Engels an Marx;
1074. Marx an Engels;
1075. Marx an Engels;
1076. Ingels an Marx;
1077. Marx an Engels;
1078, Engels an Marx;
1079. Marx an Engels;
1080. Engels an Marx;
1081. Engels an Marx;
1082. Marx an Engels;
1083. Marx an Engels;
1084. Engels an Marx;
1085. Marx an Engels;
1086. Engels an Marx;
1087. Marx an Engels;
1088. Engels an Marx:
Namenregister

1867
1867
1867
1867
1867
367
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867
367
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‚367
‚867
1867
:867
367
367
2367
367
367
67
267
67
267
267
167
367
367
‚P67
„367
1867
1867
8367
1967
267
1867
1867
1867
1867
1867

September
September
September
September
Oktober 4
Oktober 8
Oktober 9
Oktober 17
Oktober 1.
Oktober 13
Oktober 14
Oktober 15
Oktober 18
Oktober 19
Oktober 22
‚November ]
\ovember &amp;
November 5
Tovember 7
November |
November ‘
November 10
\ovember 14
‚Vovember 24
November 26
November 27
‘Tovember 28
November 28
November 29
Vovember 30
Vovember 30
Dezember 4
Jezember 6
Dezember
Jezember
Dezember
Jezember 14
Jezember 16
Jezember 17
Dezember 19

E

Sn

„+. Telegramm

123
424
124
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‘29
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2
152

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2
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451
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454
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95
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‘58
459
461
462
463
464
46%
465

167
        <pb n="539" />
        Beilagen

Tafel I. Karl Marx zu Anfang der sechziger Jahre . .

Tafel IL. Marx an Engels, 18. Juni 1862, über Darwin .

Tafel III. Engels an Marx, 15. November 1862, über die
bürgerliche Republik als „Übergangsform zur sozialen
Revolution“ . . 2. + +

Tafel IV. Das Haus in London, in dem Marx von April 1864
bis zu seinem Tode wohnte (1, Modena Villas, Maitland
Park) . . . - SU. KM EM u m»

Tafel V. Friedrich Engels im Jahre 1864 . . . . . +

Tafel VI. Marx an Engels, 7. September 1864, über den Tod
von Lassalle ...0.000000000 00 HH HH

Tafel VII. Marx an Engels, 4. November 1864, über die
Gründung der Internationale . . . -

Tafel VIII. Marx an Engels, 22. Juni 1867, über „das Gesetz
des Umschlags der bloß quantitativen Änderung in
qualitative“ . . -

Tafel IX. Marx an Engels, 16. August 1867, über den Ab-
schluß des I. Bandes des „Kapital“ . ,

vor S. 19
vor S. 79

vor $S. 109
vor S. 167
vor 5. 177
vor S. 191

vor 5. 197

vor S. 397

vor S. 409
        <pb n="540" />
        na
Ze Entsäuerung
+ 8. Nov. 2010
        <pb n="541" />
        <pb n="542" />
        <pb n="543" />
        <pb n="544" />
        a'J] Ant

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4341589
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        3 x
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)kt. 19 —
auch nicht von demselben:
Fluxion D’Amour.
„L’amour est une affection
Qui, par les yeux, dans le ceur entre,
Et, par la forme de fluxion,
S’&amp;coule par le bas du ventre.

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1

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Oo
&amp;o

Lisette tu&amp;e par Regnier.
Lisette, ä qui l’on faisait tort,
Vint a Regnier tout exploree,
Je te pry, donne moi la mort
Que j’ay tant de fois desire!
Luy, ne la refusant en rien,
Tire son ..., vous m’entendez bien,
Et dedans le ventre la frappe.
Elle, voulant finir ses jours
Luy dit: Mon ceur pousse toujours,
De crainte que je n’en reschappe.
Regnier, las de la secourir,
Craignant une seconde plainte,

Lui dit: Hastez-vous de mourir,
Car mon poignard n’a plus de pointe.“
"end 2 Freiligrathausschnitte.
nd2 Courrier Francais und 1 Liberte. Diese
rauchst Du nicht zurückzuschicken. Aber aufheben! Den
les Courrier über die Art Militaire habe ich
‚en, aber Proudhon über die generatio aequivoca! Ich
ın vaut V’autre.
'er war vorgestern hier auf Durchreise nach Amerika.
hat er Dich noch gesehn.
Deine Rezepte für die deutschen Zeitungen her. Ich
opieren und finde die passendsten placements. Sie sind
weis wenigstens, für double emploi, da Meyer
enseits dergleichen verlangte und vernutzen wird. So-
in Deutschland besorgt — und es ist das Wich-
Jenn von dort hängt großenteils die Sache hier ab —,
eine Kritik für die Fortnightly Review schrei-
ıly bringt sie hinein. Dies notwendiger Vorläufer to
ıblisher in London. Das Blatt ist im Geheimen (so ge-
} kein Mensch es merkt) comtistisch, aber will alle
xte zu Wort kommen lassen. Interessiert sich Herr Lewes
hemann und leider auch halber Comtist) für das Buch
Kritik (Lewes ist im Geheimen auch Coproprietor der
so ist das Finden des Buchhändlers leicht. Und ijeden-

Zu 108.
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