Das Mittelalter.

55

mäßige Organifation des Gewerbes in den mittelalterlidhen
Städten Hit nicht zu verftehen ohne die Erbjchaft an römijcher
Kultur, die die Völfer des Mittelalters, wie wir fahen, aniraten.
 Mochte das {tädtij he Handwerk des Mittelalters an die
gewerbliche Organijation der FronhHöfe, die feit dem 12. Jahr-Hundert
 ich aufzulöfen beginnen, anknüpfen, mochte e8 [ich in
fontinuierlidher Entwicklung feit der Römerzeit her in den
Städten erhalten haben, mochte e&amp; endlich auZ den Zentren
höherer mwirt[chaftlicher Kultur bewußt in die ficdh entwidelnden
Städte niedrigerer Kultur übertragen werden: immer läßt {ich
der Hohe Grad von Vollendung, den wir die gewerbliche Produktion
 fhon im frühen Mittelalter erreichen Jehen, nicht anders
erflären, al wenn wir annehmen, daß vielfach nur auf der
Grundlage weitergebaut ift, die in den antiken Reichen gelegt
worden war.
Was die mittelalterliche Organijation des Gewerbes dharalteriJiert,
 ijt vor allem die Tatfache, daß in ihm freie gewerbliche
Arbeiter fich eine felbjtändige Lebensftellung zu ver[chaffen
wilfen, die nicht mehr SGrundbefiger find. ES erwächft in den
Handwerkern der mittelalterlidhen Städte in diejem weiten
Umfange wohl zum erftenmal in der Gefchichte eine breite Bevölferungs|
 Hicht, die felbitändig und frei ft, ohne Orundbejiger
zu fein, bie Jich ihre Selbjtändigkeit und Freiheit vielmehr lebigfi
 durch ihrer Hände Arbeit und notfalls einiges Sachvermögen
 zu erringen und zu erhalten vermag. Damit wird die
nichtlandwirtfchaftliche Arbeit verfelbjitändigt und werden breite
Schichten der Bevölkerung dauernd vom Boden getrennt und
bilden, indem fie fich zu gemeinjamen Leben zulammenfinden,
eine neue Erjcheinung, die Stadt im Sfonomijchen Sinne
aus, 5. 9. eine Anfiedlung von Menfchen, die für ihren Unter-Halt
 auf die Erzeugnifje fremder landwirtjchaftlicher Crzeugnifje
 angewiefen find. Gleichzeitig aber wird die Notwenbigfeit
 eines regelmäßigen ®üteraustau|ches8 erzeugt und die zu
dielem Behufe erforderliche Einrichtung — der Markt — ge: