56 Überblid über d. ge[hightl. Entwicklung d. Gewerbewelens.

{chaffen. Yom öfonomifchen Standpunkt ang kann man des:
Halb auch die new entjtehenden Städte als Märkte bezeichnen.
Wenn wir die handwerfsmäßige Organifation des Gewerbes
während des europäifjchen Mittelalters faft ein halbes Yahrtaufend
 lang in Blüte finden, fo müffen wir zum Verftändnis
uns flar machen, daß jene Jahrhunderte eine Zeit waren, in der
die objektiven Bedingungen Handmwmerfsmäßiger Produktion,
 wie ich fie in meinem „Kapitalismus“ ausführlich
dargejftellt und im dritten Kapitel des vorigen Abjchnittes {kizziert
 Habe, in befonders volljtändiger Weife erfüllt waren. Auf
der einen Seite entfaltete fich die Nachfrage nach gewerblichen
 Erzeugniffen in dem Maße immer reger, als die Be:
Jtedelung des vielfach noch unkultivierten Landes zunahm, als
gleichzeitig die Produktivität der landwirt/chaftlichen Arbeit
itieg, fomit ein wachjender Überfchuß an Bodenerzeugniffen
zum Austanfch gegen gewerblidhe Produkte zur Verfügung
geftellt wurde. Auf der anderen Seite wird die ganze Zeit
cHarakterifiert durch einen ausgefprochenen Mangel arı gewerb«
lichen Produzenten. Wir wijffen aus unferer theoretifhen Er-Srterung,
 daß diejer Mangel durch zwei Umftände bedingt ijt,
durch beftimmte Sejtaltung der Bevölferungsverhältniffe und
durch einen beftimmten @rad der gewerblidhen Technik. Was
die Bevölferungsverhältniffe anlangt, fo waren diefe
während des europäifchen Mittelalters infofern der Entwick
lung handmerfsmäßiger Produktion günftig, als zunächtt die
allgemeine Zumwachsrate der Bevölkerung eine geringe war
und bis in das-18. Jahrhundert hinein blieb. Bon Deutfchland
wijjen wir, daß von einer allgemeinen Zunahme der Bevslferung
 zwifchen 1250 und 1450 fanın die Rede fein kann, von
England erfahren wir von einer Zunahme zwi[dhen Domesday-Book
 und Hundred Rolls, dann folgt ein Stilljtand biz zum
15. Jahrhundert, in Frankreich beobachten wir ein Unwachten
bis ins 14. Jahrhundert, in Belgien {tarfe Bevölferungszunahme
 im 12, und 13. Jahrhundert, die oHenbar im 14. Xabhr-