72 Überblif über d. gefchichtl. Entwicklung d. Gemerbetvefens.

den Bedürfnijjen eines Höher entwidelten Verkehrälebens zu
ent{prechen vermochte.
Des weiteren war man darauf bedacht, durch pofitive Maß
regeln die vorhandene KLapitaliftijdhe Induftrie des Landes nad
Möglichkeit zu fördern und fehlende Indufirien im Lande zuı
Entwidlung zu bringen. Diejem Beijtreben diente vor allem
eine außerordentlid Kınftvolle Grenzzollpolitik, die in
ihren ©rundzügen fich vielfach an die Marimen anlehnte, von
denen die ftädtijche Handelspolitik beherr{cht gewefen war
Wollte man eine einheimijche Indufirie entwideln, }o mußte
man zunüchjt darauf bedacht fein, die Ronkurrenz fremder
Induftrien fernzuhalten. ES ge[hah dies dadurch, daz man
die Einfuhr fremder Ynduftrieerzeugnifje entweder ganz ver
bot oder mit Hohen Zöllen belegte. Auf der anderen Seite
vollte Borjorge dafür getroffen fein, daß die einheimifdhe In
Duftrie billige und gute Nohfjtoffe für ihre Erzeugniffe ftet8 zur
Verfügung habe. Man verbot deshalb die Yusfuhr der Roh:
itoffe und Halbfabrifate aus dem eigenen Lande bzw. belegte
lie mit Ausfuhrzöllen, während man’ der Einfuhr von Robhjtoffen
 au8 dem Yuslande Erleichterungen zuteil werden ließ.
Senügten diefe indirekten Maßregeln noch nicht, um die ein
Heimi] he Induftrie zur Entwiclung zu bringen, fo griff mar
zur biveften Unterftüßung und Förderung der Kapitalijtij her
Induftrie, Man erteilte Prämien für die Anlage von Fabriken,
Prämien für die Ausfuhr von Induftrieerzeugniffen, man
jorgte dafür, daß die hervorragenden Gemerbetreibenden.
Unternehmer wie Arbeiter aus den fremden Ländern herbei
gezogen wurden, damit fie im eigenen Lande die vielleicht nock
nicht vorhandene Yndufirie begründeten oder eine beftehende
zur rajdheren Entwichumng brächten. Die Emigrantenpolitik
wie fie beifpielZweije die Gohenzollern betrieben, i{t nicht zulegt
 durch diejes Beitreben hervorgerufen worden, dag eigene
Sand mit tüchtigen ausländitdhen Gewerbetreibenden zu beveichern.
