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        <title>Organisation und Geschichte des Gewerbes</title>
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            <forname>Werner</forname>
            <surname>Sombart</surname>
          </persName>
        </author>
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            <idno>1819911276</idno>
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        <pb n="1" />
        Sammlung Gölden

Gewerbewefen

Ynn

Merner ‚Sombart

I

Organifation und Gelhihte des Gewerbes

Zweite, neubearbeitete Auflage

Berlin und Leipzig

Walter de Grunter &amp;amp; €o.

'Drmals 6. $. Göfchen’ide VBerlagshandlung +» I. Guttentag, Berlags:
buchHandlung - Georg Reimer - Karl X. Trübner + Veit &amp;amp; Comp.
1999

7121689
        <pb n="2" />
        Alle Nechte, inshejondere das Überfegungsrecht,
ot der Merlaashandluna vorbehalten.

He3t

Druck der Mokbera’ihen Buchoruderei in Leipzig.
        <pb n="3" />
        Xnhaltsverzeichnis.

Einleitung: Der Benriff Gemerbe

Seite
5

(Eriter AbiAnitt.

Die gewerbliche Arbeit und ihre Organijation,.

Erjtes Sapitel: Die gewerblidhe Arbeit in den SGrund-Zügen
 ihrer Entwicdlung .
Biveites Kapitel: Die Organijation der gewerblidhen Arbeit
 in den Betrieben.
IL. Allgemeines . . ..
IT. Die Individıualbetriebe . . .
III. Die aelelichaftlichen Großkbetriebe

19
24
05

Drittes Kapitel: Die gewerbliche roduktion in den ver-Ichiedenen
 WirtfhHaftsfyftemen.
I. Die Hansgewerblidhe Eigenproduktion
II. Die Handivertsmäßige Verfaffung -
1. Begriff und Welen des Handwerks
2, Die Arten des HandwerlS . . . + +.
8. Die Eriftenzbedingungen des Handiverks
111. Die Kapitalijtildhe Ordnung des Gewerbes. . . .
1. Begriff und Wefen des kabpitaliftilchen Wirtfchafts-{Oitem8
 . . 0.0.0000 4 ...000. 88
2, Die [ubjektiven Vorausfebungen des Kapitalismus 42
3. Die objektiven Bedingungen des Kapitalismus . 43

1
        <pb n="4" />
        Inhaltaverzeichnis,

Zweiter Ab{AOnitt,
Überblid über die gejOidtlighe Entwidlung des Ges
werbeiveijens,

Seite

Crites Rapitel: Das Altertum

13

3weites Kapitel: Das Mittelalter.
I. Bänerlidhes Gewerbe... . 20.4 uw. Bl
IL Die gewerbliche Produktion in den Stonhofwirt(daften 32
IIT. Die Epoche des Handwerks . . 54

Drittes Kapitel: Die neuere Beit.
I. Das Auffommen des Kapitalismus. . . ; 64
II. Die Gewerbepolitif des Merkantilismus . . .... 70
III. Die Gejtaltung der gewerblichen Produktion im Zeit:
alter des Frühkabitalismus . RR

Dritter Ab{Onitt,
Die Grundlagen der Hochfapitaliftijchen Wirtjhajt,
Erites Kapitel: Der neue Seilt . 0...
Zweites Kapitel: Die neue Rechtsordnung
Drittes Kapitel: Die neue Technik .
Schlagtvortverzeichnis . .

79
81
88
100
        <pb n="5" />
        Einleitung.

Der Begriff „Gewerbe“.

DazZ deut/dhe Wort Gewerbe wird in jehr verfHiedenem
Sinne gebraucht,
1. In allgemeinfter Bedeutung, ohne Beziehung auf das
Wirt haftsleben, bezeichnet es den Gegenfaß zu jeder ein:
maligen oder {elten ausgeführten Tätigkeit. In diefent Sinne
vuft Carl Moor aus: „Rache i{t mein Gewerbe“, und Goethe
{pricht den Diplomaten an: „Du magit nun dein Gewerbe
treiben.“
2. gibt es einen weiteren Sfonomifcdhen Begriff Gewerbe,
der eine zum Zwede des Erwerbez berufsmäßig ausgeltbte
Tätigkeit bezeichnet. Danach find aljo gewerbliche und Er.
werbstätigfeit dasjelbe. „Man macht ein Gewerbe aus etwas.“
Man treibt „gewerbamäßig“” Unzucht. Heine fpricht voneinem
„horizontalen Gewerbe“. €3 gibt ein Zandwirt[Hafts-, Verfehrs-,
 Handelsgewerbe. Vorausjeßung ift eine arbeitsteilige
Wirt|Hafts- und Gefellichaftsordnung.
Der Gegenfjaß zu diefer Urt Gewerbe ift die [elbftlofe Tätigfeit,
 Jind Sport, Dilettantismus oder ift ein Stand, etwa der
Beamte,
In diefem Sinne verwendet das Wort Gewerbe meift.auch
der Gejekgeber. Der Drehorgelfpieler und der Schaubudenbefiber
 müjfen einen „Gewerbe“-Schein haben. Die deut{che
„Gewerbe“ Orbmung umfaßt die Induftrie, den Handel, die
per] önlichen Dienftleiftungen, „die eine Höhere wijfenfhaftliche
und Hinftlerifche Ausbildung nicht vorausjeßgen“. Dagegen bhezieht
 fie fich nicht auf Landwirtfhaft, Forjtwirt/ haft, Jagd,
fünftlerifche Berufe. Diefe Wbarenzung Ht natürlich völlig will:
        <pb n="6" />
        6

Einleitung.

fürlich. Cbenfo willkürlich verfährt die Statiftif, wenn fie in
die „©ewerbeitatiftif” einbegreift: alle Erwerbstätigkeit außer
Land- und Zorftwirt| Haft.
Diejem weiteren, Sfonomijchen Begriffe gegenüber verbindet
 der wijjen|haftlihe Sprachgebrauch, der National:
öfonomen mit dem Worte Gewerbe
3. einen engeren Öfonomijchen Begriff. Wir verftehen
nämlich darunter diejenige wirtf{dhaftlidhe Tätigkeit, die
gerichtet ift auf die Stoffbearbeitung oder Stoffverarbeitung,
 die [og. Stoffveredelung, ein|hließ:
ih Erhaltung und Ausbefjerung der Sacdhgüter.
Das ijt der Sinn, den wir dem Worte in diejen Bändchen
unterlegen, die Jich mit den auf das Gewerbe bezüglichen Erjcheinungen
 befaffen. Das Gewerbe bildet aljo einen Teil der
Güterproduktion und tritt Jomit in Gegenfaß zu Handel,
Transport u/m.; es bildet einen Teil der @üterproduktion und
tritt damit in Gegenjaß zur Stoffgewinnung, der ]og. Ur.
produktion (Landwirt haft ufm. einerfeits, Bergbau andererfeit5).

Die Zufammenftellung: Handel und Gewerbe it Jinnvoll,
die andere: Gewerbe und Induftrie finnlos, da die „Induftrie“
einen Teil des Gewerbes bildet.
Die gewerbliche Produktion, die für ung al]o gleichbedeutend
mit @ewerbe ijt, trägt abgeleiteten Charakter. Sie wird in
ihrem Umfange beftimmt durch den Umfang der Urproduktion.
Man hat jich in manden Schulen der Nationalökonomie
(B9yliokcaten !) darüber geftritten, ob die gewerbliche Zätigkeit
in dem Hier gemeinten Sinne „produktiv“ oder nicht jei. Der
Ent{cheid hängt natürlidh ab von dem Sinne, den man dem
Worte „produktiv“ gibt. Berfteht man darunter Öüterproduktion
 {chlechthin, |o ijft auch die gewerblidhe Produktion eine
produktive Tätigkeit, ft man der Anficht, daß produktiv nur diejenige
 Arbeit fei, die das @ütervolumen ausweitet, {Do ilt die
gewerbliche Produktion nicht produktiv.
        <pb n="7" />
        Die gewerblidhe Arbeit in ihrer Entwiclung.

"

Sriter Abi OHnitt.

Diegewerblidhe Arbeit und ihre Organifation.

Erites Rapitel.
Die gewerbliche Arbeit in den Grundzügen ihrer
Entwidlung.

Die natürliche Grundlage aller gewerblichen Produktion bil
det die gewerbliche Arbeit. Bon ihrer Geftaltung und Leiftungsfähigfeit
 Hängt der produktive Erfolg im wejentlidhen ab. Wenn
wir die gewerbliche Arbeit unter dem Gefjichtspunikte der Cigenart
 betrachten, wie die Menjchen Dinge der äußeren Natur
ihrem Bedarf dienjtbar machen, | prechen wir bon gewerblicher
Technik. Die gewerblidhe Technik hat im Laufe der Zeiten be:
trächtliche Wandlungen erlebt, insbejondere auch was den prDduktiven
 Erfolg eines beftimmten Urbeitsaufmwandes betrifft.
Im allgemeinen fönnen wir eine Verbollfbmmumung der gewerblidjen
 Technik im Verlauf der men|Hlichen Entwidlung
infofern Konftatieren, als eS gelungen ift, mit einem geringeren
Arbeitsaufwande eine befitimmte Menge von Gütern herzuitellen.
 Im folgenden Joll eine kurze Skizze gezeichnet werden
von der Entwicklung der Technik, foweit fie Für den eben genannten
 Gefichtspunit — Steigerung der Produktivität der
Arbeit — von Belang it.
Nach zwei Seiten hin entfaltet ih gleichzeitig die menfcdhliche
 Fähigkeit zum Produzieren: e&amp;amp; mehren fich die Kenntniffe
von den Eigenjchaften der ung umgebenden Natur, mit der
wir uns zur Erreichung unferer Zwede notgedrungen aus:
einanderfeben müffen; und es erweitert [ich das Maß des eigenen
 Könnens, die Dinge der äußeren Natur unjeren Wünfchen
entiprechend umzuformen: untere Arbeitsfähiafeit wirdinihrer
        <pb n="8" />
        8 Die gewerblide Arbeit und ihre Organifation.

quantitativen Ergiebigkeit und qualitativen Anpoffungskung
auf eine immer höhere Stufe der Bollendung gehoben. Beide
Seiten ergänzen fich notwendig und geben zu ammen erft das
vollendete Bild je von der Stufe technifcher Seiftungsfähigkeit
auf die die MenfHheit fich erhoben hat.
Yuf dreierlei hat ich daz Augenmerk des Menfchen zu rich:
ten, um der Natur ihre Geheimniffe abzulaufchen, damit fie
aus einer [pröden Feindin eine willige und hingebende Gefährtin
 werde: auf die Stoffe und ihre Geeigen|haftung,
men/dlidhem Bedarf zu dienen, auf die Kräfte, die in der Natur
verborgen [Alummern und gezähmt werden und in unjeren
Dienit treten fönnen, auf die Umbildungsprozeffe Jelbft endlich,
in denen die Altlmutter ewig Neues zeugt und von denen wir
Nußen ziehen fönnen, wenn wir fie zur rechten Zeit und am
rechten Ort felbit ins Leben rufen oder ung ihrer bedienen, wo
und wann wir fie Jich abfpielen Jehen. Täglich vermehrt Jich
noch heute die Anzahl der Stoffe, die wir, [ei es zur Nahrung,
zur Kleidung, als Hilföftoffe oder wie fonft immer al geeignet
erachten, unjerem Bedarf zu dienen. Bon den Erzen und der
Kohle an bis zu den modernen Farbmitteln und Nahrungs:
Jurrogaten zieht [ich die unabfehbare Reihe neu entdecdter und
unjeren Zweden nußbar gemachter Beitandteile der äußeren
Natur, Undfogar die Kräfte in der Natur, die wirin unferen
Dienjt zwingen, mehren {ih nod) immer, Zu Wind und Wajjer
und Dampf find nun in unjerer Zeit die Elektrizität und die
explotive Rraft getreten. Vorgänge in der Natur felbft aber
haben wir uns zunuße gemacht, feit wir mit dem Feuer fochen
und Hmelzen, feit wir wafchen und färben lernten, bis zu den
jich Heute überftürzenden hemifhen VBerfahrungsweifen, deren
jich unfere Induftrie in ewig wecdhelndem Auf, ammenhange zu
bedienen verfteht.
Und auch das wird Jich fejtjtellen Iafjen: daß die Beherrfhung
der Kräfte und Prozeife in der Natur eine immer Jicherere wird.
Anfangs mitffen wir uns begnügen, wenn wir mit benmuben
        <pb n="9" />
        Die gewerblide Arbeit in ihrer Entwidlung. 9

fönnen, was {ich ohne unjer Zutun in der Natur abfpielt: wir
[egeln mit dem Winde, wie er fich erhebt, und laffen von dem
Bache unfere Mühlen treiben, wie ftark oder [Hmach er fließt.
Später lernen wir die natürlichen Vorgänge lenken, beein:
Hufen, daß jie rafcher oder Iangjamer, ftärker oder |Hwächer
in ihren Wirkungen fich abfpielen, Endlich vermögen wir den
Prozeß, die Kraft felbfttätig zu erzeugen, die un8 dienen follen.
Bu dem Kennen muß Jih das Können gefellen; neben die
Nugung der Naturkräfte muß die Betätigung der eigenen
Kräfte treten. In dem Maße, mie wir die Gefeke der Natur
erfor] hen, muß [ich unjere Fähigkeit entwideln, geftaltend auf
fie einzumirfen mit unfjerer eigenen Hände Arbeit: muß Yich
Das zu höheren Formen entfalten, was man etwa die Arbeits:
funit zu nennen verhucht wäre,
Verfolgen wir die Menfhheit auch auf diefent Entwicklungs:
gange und Juchen wir die einzelnen Stationen diefer via erncis
uns zu vergegenwärtigen, {Do wird unjer Wugenmerk zunächft
auf einen Vorgang gerichtet fein müjfen, in dem {ich die Methoden
 des Arbeitens jelbit vervollfommnen. Ich meine die Art
und Weife, wie fich die bloße Fähigkeit entwidelt, die Glied:
maßen, aljo {o gut wie ausjchließlich die Hände für die Bes
arbeitung der Sachen durch allerhand ingeniöfe Hilfsmittel ges
eigneter zu machen. Daß auch dabei die Finger nur die willig
gehorchenden Organe des erfinderi/hen Hirnes find, braucht
nicht bejonders betont zu werden.
Da ift e8 nun vor allem ein Differenzierungsprozeß der
Arbeitzaufgaben und damit der Arbeitsleiftungen, in denen fich
die menfchliche Arbeitskunit verfeinert und läutert, Mit fort
jchreitender Kultur mehren fi einmal die von der meniHlichen
Arbeit zu bewältigenden Probleme: e8 werden immer neue
Süter in den Bereich unjerer Bedarfsbefriedigung gezogen
und {horn dadurch bereichert fich die Skala unjerer Arbeits
verrichtungen. Bon der urfprünglich einzigen und einheitlichen
Arbeitsleiftung: dem Aufkcaben der Erde zu einer Höhluna bis
        <pb n="10" />
        10 Die gewerblide Arbeit und ihre Oraanifation.

zu der taujendfach differenzierten gewerblichen Tätigkeit unferer
 Tage it ein weiter Gang, den die men] cHliche Arbeitshiunft
zurücgelegt hat. In diefem Entwickungsgange ift nun aber
zwifchen zweierlei zu unterfheiden: zwifchen der Differenzierung
 der Ärbeitsverrichtungen, die durch eine Vermehrung der
Produkte Hervorgerufen i{t und derjenigen Differenzierung, die
gleichtam von innen heraus durch eine bewußte Zerlegung der
Arbeit in ihre einzelnen Teilverrichtungen entftanden if.
€ handelt fich zunächft nur um die Tatfache, daß die Kunft
des Arbeitens dahin fortgefchritten it, eine Summe von Teil:
arbeiten aufzulöfen, [o daß nun jede Teilarbeit als gefonderte
Arbeitsaufgabe betrachtet werden kann. S®anz nach dem Rezgept
 jenes fehr zu Unrecht verfpotteten Lhilofjophen, von dem
wir lernen {ollen:
„Daß, was wir [onit auf einen Schlag
Getrieben, wie Eifen und Trinken frei
Eins! Zwei! Drei! dazu nötig fet.“
Diefjes damit gekennzeichnete, durchaus nicht unvernünftige,
Jondern vermwünfcht gefheute Wrbeitsverfahren wollen wir in
Anlehnung an einzelne vorhandene AUnfägße zur Erkenntnis
Urbeitszerlegung nennen. Dabei braucht der Produktions:
prozeß zunächft gar nicht verändert zu Jein, und e$ fann doch
das Arbeitsverfahren ein neues fein, weil diejelben Verrich:
tungen wie früher nun in ihrer Selbftändigkeit erfannt werden.
Beifpiel: Cine Bäuerin [pinnt ihren Flachs zu Garn, ohne zu
wifjen und ih darum zu fümmern, woraus fich biefe ihre
durchaus einheitliche Arbeitsleiftung zuJammenjebt. Ein arbeits:
zerlegendes Verfahren lölt das Spinnen eines Fadens mindejtens
 auf: 1. ®ardieren; 2. Streden; 3. Borfpinnen; 4. Vein-(binnen,

Die grundlegende Bedeutung diejes Verfahren? liegt nun
aber in der dadır-h erft gefchaffenen Möglichmachung anderer
Kunftgriffe des erfindungsreichen Menfchen zur befferen Bewältiqung
 feiner Aufaaben. Die Arbeitszerleaung bereitet die
        <pb n="11" />
        Die gewerbliche Arbeit in ihrer Entwidlung. 11

AUrheitsfpezialifierung vor: jene Einrichtung, bei der ein und
dieyelbe Wrbeitsverrichtung jederzeit von demfjelben UWrbeiter
ausgeführt mird. Daß aber die Spezialifierung der Arbeits
verrichtung die Arbeitsfertigfeit quantitativ und qualitativ zu
teigern vermag, wußte [chon Abam Smith bekanntlich.
Die Arbeitszerlegung fhafft aber weiter erft die Möglichkeit,
qualitativ und quantitativ abgeftufte Arbeitsleiftungen an
Stelle vollwertiger Totalleiftungen zu nußen: durch die Zerlegung
 des Gefamtproduktionsprozejfes in einzelne Teile entjtehen
 viele Teilarten, zu deren Ausführung Kinder, Weiber,
Öreife, Xrüppel und geiftig Arme gleichermaßen jich ‚eignen
wie vollwertige Arbeitskräfte mit Kraft und Gefchick; entftehen
aber auch fo vielerlei Teilarbeiten, daß die qualitativ unter.
jchiebliche Begabung der Menfdhen zu voller GBerlüchfichtigung
zu gelangen vermag. Die Arbeitszerlegung verfelbjtändigt
gleichtam die Teilprozeffe; Jie geftattet dadurch das, was früher
nur nacheinander denkbar war, nebeneinander zu legen: die
gleichzeitige Inangriffnahme Jämtlicher Arbeitsverrichtungen
eines Gejamtprozefjes wird möglich. So lange e8 nur ein
„Spinnen“ gibt, fann diefer Gefamtprozeß immer nur als
Ganzes zu gleicher Zeit begonnen werden. Nım das „Spinnen“
in Jeine Beftandteile aufgelöft ijt, ann gleichzeitig neben
einander Kardiert, gefiredt, vor- und feingefponnen werden:
eing der wefentlichtten Momente Für die Befchleunigung des
Rroduktionsprozeffes.
So wichtig it diefes Berfahren der Wrbeitszerlegung dank
der daran ich Inüpfenden Möglichkeiten zwedmäßiger UrbeitSorganifationen,
 daß es un8 nicht in Erjtaunen febt, wenn wir
die Ökonomen, die das Prinzip der Wrbeitszerlegung freilich
in etwas gebrocdhenem Zuftande als Jog. „Arbeitsteilung“
er[päht hatten, durch den ®lanz diejer folgenreichen Methode
jo fehr geblendet fehen, daß fie lange Zeit für andere analoge
Verfahrungsweifen zur Ausgeftaltung der Arbeitskunit gar keinen
 Blic hatten. Und doch aibt e8 deren noch manche. Bes
        <pb n="12" />
        12 Die gewerblidhe Arbeit und ihre Organifation.

itimmte Methoden, das zu ver- oder bearbeitende Material in
einer vorbedachten Weije zurechtzulegen, damit, wenn dann
die Arbeit vorgenommen wird, ein Mazimum von Effekt heraus]
 pringt. Diefe vier Arten, fagen wir der Materialanordnung,
 find: 1, Zufammenlegung des Materials zu Bündeln,
Die eine gleichzeitige Behandlung von vielen Einzelgegenitänden
 ermöglicht: Beifpiele das Drahtbündel, an dem gleichzeitig
majjenhaft Stednadelföpfe gefeilt werden; das Streichholzbündel,
 das zum Eintauchen in die Zündmafjfe zufammengefaßt
 wird; 2. Verteilung großer Materiaknajfen zweds befferer
Bearbeitung: Stearin, das man in 200 Kerzen-Oußformen
laufen läßt; 3, ein zwedmäßiges Nacheinanderordnen des Materials,
 damit diefes in richtiger Reihenfolge die verfhiedenen
Stabien des Arbeitsprozeffes pajfieren Kann: Papier; 4. Sortieren
 des Materials, um e8 [einer Verfchiedenheit entf prechend
berjchieden behandeln zu fönnen: Hadern!
Nun aber vermögen wir allen jenen Verfahrungsweifen nur
dann volles Verjtändnis abzugewinnen, wenn wir fie noch in
einer weiteren, bisher abfichtlich nicht berührten Wirkung zu
begreifen verfuchen: Jene beftimmten Arbeitsweijen Jind in
großem Umfange Borausfebung, Häufig Beranlaffung, um bei:
{piel3weife neu gewonnene Kenntniffe etwa von hemifchen
Prozeffen zur Anwendung zu bringen. Sie bilden vor allem
aber auch oft die Bafis für die Entwicklung desjenigen Yaktors
der [HSpferifchen Menfcdhenarbeit, dem man vielleicht mit Recht
die vornehmite Stellung unter allen Elementen des Arbeits:
prozeffes anweifen darf: für die Entwidlung und Bervollfommnung
 des Arbeitämittels: eines Dinges oder eines
Komplexes von Dingen, die der Arbeiter zwifchen ich und den
UArbeitsgegenftand [Ahiebt, um fie als Machtmittel auf andere
Dinge feinen Ziweden gemäß wirken zu laffen.
Damals, als der Urmenfch zum erften Male bewußt jenen
jpiken Stein wieder aufgriff, der ihm {cdhorn einmal gedient
Hatte, um mit ihn abermals feine frabende Tätiafeit zu unter:
        <pb n="13" />
        Die gewerbliche Arbeit in ihrer Entwidlung. 13

itüßen — das zufällige Ergreifen und Wiedermwegiwerfen eines
Steines als Hilfsmittel für |hlagende oder frabßende Bewegung
finden wir auch bei höheren Tieren — als jomit die Bermitt:
fungsrolle jenes äußeren Dinges der Natur bei der eigenen
produftiven Zätigkeit vom Menjchen fanfal-teleologifch erfaßt
und zum jtändigen Befigtum feiner Vorftellungswelt gemacht
war: da war das erfte Werkzeug auf Erden erjchienen, jene
Schöpfung, an die im Verein mit Sprache und Religion die
Menfhmerdung anzuinüpfen man fich mit Recht gewöhnt hat,
da in der Tat alle Entwicklung zur höheren Intelligenz fich
gleichfamt an dem Werkzeuge emporrantt, Jeit deffen Nubung
der Menjch im Kampfe ums Dafein aufhört, feinen Körper und
feine @liedmaßen umzuformen, um bloß noch Jeine geiftigen
Hähigkeiten weiter zu entwideln.
Überbliden wir den Entwidlungsgang, den das Werkzeug
im Laufe der Jahrtaufende genommen hat, fo finden wir ihn
parallel verlaufen demjenigen der Arbeitsverrichtungen und
Arbeitsleiftungen, die wir kennen. Aus einem oder wenigen
Höchfit einfachen und unvolllommenen Werkzeugen, die in un
beftimmter Allgemeinheit gleichfam alles in allem waren, löfen
ji immer neue und neue Formen 1o8, differenzieren ich bie
Hunktionen der einzelnen Werkzeuge zu immer größerer Mannigfaltigfeit.
 (3 i{t diefelbe Erjcheinung, die wir auch bei der
Entwicklung der Tiergeftalten und der Sprache beobachten:
die Vermannigfaltung des Gebrauchs [chafft immer neue Formen,
 bie fi) immer volllommener den einzelnen Sebrauchsaften
 anpajfen. Aus der primitiven Spißhade oder der mit
einer breiten Schärfe verfehenen Hade entwideln Jich lang am
die Art, der Hammer, das Mejfer, der Meißel, die Säge, der
Bohrer und was fonjt an Prototypen [päterer Werkzeugsfategorien
 zu nennen wäre, Und in dem Maße, wie Jich das
Prinzip der Arbeitszerlegung durchfegt, verfeinert fich inner:
halb jeder Kategorie dann wiederum das einzelne Werkzeug,
bis zu jener delikaten Nuancierung, wie wir fie heute etwa in
        <pb n="14" />
        14 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organilation.

der Uhreninduftrvie zu betrachten Gelegenheit haben. Die let
jeite Unterfcheidung der Arbeitsverrichtung wird begleitet,
unterftüßt, ermöglicht durch das entfprechend ihr angebaßte
Werkzeug. Und es liegt auf der Hand, wie [ehr die fortjchreitende
 Zerlegung der Arbeit die Ausbildung der Werkzeugtechnif
 fördern muß, um wie viel befjer bei jeder neuen Verein-Jachung
 der Teilverrichtung — denn auf Vereinfachung läuft
doch alle Zerlegung hinaus — das ent|prechende Werkzeug der
men/|chlichen Hand angepaßt werden kann und wie auf der
anderen Seite jedes neue verfeinerte Werkzeug die Arbeitsleiftung
 wiederum fteigern muß.
Mit diefer fortfchreitenden Differenzierung des Handwerks.
zeuge8 und feiner Funktionen im engen Zufammenhange fteht
nun aber die zunehmende Vervolllbraımnung in der Benußung
des Werkzeugs. Schon in eine frühere Periode der Entwichung
fällt, mie mir aus immer zahlreicheren Werkzeugfunden |CHlie-Ben
 dürfen, die Vermendung der Schwungkraft zur Handhabung
 des Werkzeugs. Wie ich Ihon hervorzuheben SGelegenheit
 hatte, muß diefem Fort|chritt in der Nußung ehedenmt nur
durch Druck oder Stoß bewegter Werkzeuge eine ganz bejondere
Bedeutung für die Kulturentwiclung beigelegt merden. Nım
exit treten die Axt und der Hammer in den Dienit des Men] chen,
die, wie wir wiffen, geradezu als Symbole feines | Höpfert] hen
Wirkens auf Erden dienen Können und übrigens unjeren Vorfahren
 auch gedient haben. Un die Stelle des Schabens,
Stechens, Schneidens, Kragens tritt das Hauen. Und unfere
Kultur ift nicht erfchabt, erftochen, erfAnitten oder erkraßt: Jie
it Herausgehauen aus Erde und Stein, aus Wald und Didicht !
Wie aber an der Pforte aller Kultur die Nırkung der Schwung:
fraft, fo fteht an der unfrigen ein anderes Prinzip der Werkzeugnußung,
 von vielleicht noch größerer, noch |höpferifcherer
Bedeutung. Man hat e8 das Walzen- oder Kotationsprinzip
genannt, und es befteht in der Einführung der Iontimkierlichen
Drehbeweagung in die Technik.
        <pb n="15" />
        Die gewerbliche Arbeit in ihrer Entwiellung: 15

In allen unfjeren Werkzengen u1fw. laffen fich zwei Formationshauptperivden
 unterjcheiden: die Periode, in welcher das
Werkzeug hin und her oder auf und ab bewegt wird, alfo immer
einen toten Nüdgang machen muß, um einen lebendig wirkenden
 Vor- und Abwärtsgang auszuführen, und die Periode der
fontimwierlidhen Bewegung nach vor- oder abwärts. So un:
fcheinbar der Fortfchritt von der Periode des toten Rücdganges
zur Periode der fontimtierlicdhen lebendigen Bewegung zu fein
jcheint, [Do bedeutet er doch in wirt] chaftlicher Beziehung gerade
fo biel, als der Fort{AHritt der Pflanzen- und Tierformen der
Sraumwadenperovide zu jenen der Kreideperiode. Und doch if
das Prinzip der Kontinuierlidhen Bewegung nach vor- und rück
wärts erit der Anfang des Rotationsprinzips: ehe die Band-Jäge
 auftrat, hatte ein Fort[chritt darin beftanden, die Säge
beim Yıfs und Abwärtsgehen in je einem Stamme oder in
denfelben Stamm zweimal ein]Aneiden zu lafjen; und ehe der
$reisbohrer in Aufnahme kam, hatte man das Hin- und Herbohren
 im Halbkreife ebenfalls Ichon gekannt. Die erfte bedeutjJame
 Anwendung des RNotationsprinzipS in der Technik
dürfte der auf Nädern bewegte Wagen gewefen fein. Heute
ijt das Prinzip in jeder Sphäre der Technik [vo Jehr verbreitet,
daß e5 1842 [chon Jobard „das Kriterium der modernen Gewerbstätigfeit“
 nannte, „weil jedes mechanijdhe Verfahren,
jede Fabrikation, die nicht die Fortwährende, ununterbrochene
Tätigkeit befibt, noch im Zujtande des embryonalen Werbens“
fei. Und Reuleaur kennzeichnet die Bedeutung diejes felben
Prinzips mit den Worten: „So wie der alte Philofoph die
jtetig {teigende Veränderung der Dinge einem Hließen verglich
und fie in den Spruch zufammendrängte ‚Alles fNießt‘, [0 Lönnen
 wir die zahllofen Bewegungserfcheinungen in dem wıunderbaren
 Erzeugnifje des Menjchenverftandes, welches wir
Maichine nennen, zufammenfajjen in das eine Wort: ‚Alles
vollt‘.“ Aber diefe Worte Reuleaur’ eröffnen in einer anderen
Richtung unferer Betrachtung eine neue Ber] hektive: in ihnen
        <pb n="16" />
        16 Die gewerblide Arbeit und ihre Organifation,

wird das Kotationsprinzip — und mit Recht — vor allem Für
ein Gebilde, eine Form des Arbeitsmittel in Unjpruch genommen,
 „welches wir Majchine nennen“. Unfer Intereffe
wird nunmehr durch die Frage in Unfpruch genommen: welches
ijt das in der Machine überhaupt zum Ausdruck kommende
Prinzip? Iit die Majchine etwas AWefensanderes als das Werkzeug?
 Bezugsiweife worin unterjheidet {ich eine Mafjchine von
einem Werkzeug? Eine Mafchine ift ein Arbeitsmittel oder
ein $ompler von Jolchen, welches derart eingerichtet ift, daß es
eine Arbeit, die fonft der Menfch verrichten müßte, an Stelle
des MenjHen ausführt, ein Arbeitsmittel alfo, weldes nicht —
womit wir die Majchine Jcharf gegen das Werkzeug abgrenzen—
 men|chliche Arbeit unterftübt, fondern menfchliche Arbeit
erjeßt.
Man hat häufig unfere Zeit als Majdhinenzeitalter „fo ge
jmeichelt, wie verflucht“. Dachte man dabei daran, eine bes
Yonders rajche Entwidlung der Mafchinerie als unferer Zeit
harakteriftifch Hinzujtellen, fo läßt fich dagegen nichts ein:
wenden. Zuweilen begegnet man aber fogar in wiffenjchaftlichen
 Auslafjungen au Heute noch der Vorftellung: als ob
um die Wende des 18. Jahrhundert? die Mafjchine überhaupt
erit in die Erfheinung getreten fei und die Jahrhunderte vorher
eine majdhinenlofe Zeit gewefen feien. Diefe Unnahme ift ganz
und gar verkehrt. Die Mafchine ijt fo alt, möchte man Jagen,
mie das Werkzeug; fie begleitet den Menjchen auf allen Etappen
der Kultur und wächft in langjamer, {AHrittweifer Entwicklung
zu der Heute erreichten Volllbomımenheit heran.
Wir haben uns nach dem Vorgang Neuleaux’ jebt daran ge:
wöhnt, als erfte Majchine, alfo als den „erften {Hüchternen
Verfuch des Menfhen, zwei außer ihn ftehende Nörper zu einer
beftimmten gegenfeitigen Bewegung zu zwingen“, den Feuer:
quirl 31 betrachten, Dann fällt aber der Anfang der Mafjcdhinenentwiclumng
 in eine Zeit, in der die Menjchen das Feuer bloß
erjt zu religiöfen, noch nicht zu gewerblichen Zmweden nukten,
        <pb n="17" />
        Die gewerbliche Arbeit in ihrer Entwidlung. 17

alfo in eine außerordentlich frühe Periode der Kultur. Wber
auch andere, ohne allen Zweifel machinale Vorrichtungen
ceichen in die Dämmerung entlegenfter Zeiten zurüd: Pfeil
und Bogen, Spindel, Töpferfcheibe, von der die Drehbank jich
ableitet, unter] chlächtige Waljerräder, Wagen und Wagenräber,
 der Pflug jind Majchinenvorrichtungen, die wir {hon
jrühzeitig im Bejige der Men chen finden. Und aus den erften
Unfängen fehen wir die Mafchine fich langfam zu Höheren Zormen
 entwideln. Ein vortrefflidhes Schulbeifpiel für diefen drganijdhen
 Entwidlungsgang der Mafjchinerie bietet die Geichichte
 der Mehlbereitungsverfahren, aljo der Müllereitechnik.
Wir wijjen, daß [chon außerordentlich früh machinale Bor:
richtungen zur Zerfleinerung der Getreidekförner beftanden
haben. So muß e8 bei den Chinefen früh üblich geworden
jein, an der Keule, mit der in dem fteinernen Mörfer die Nörner
geltampft wurden, einen horizontalen Hebelarm anzubringen,
der mittels Zapfen ungefähr in der Mitte feiner Länge zwifchen
zwei mit Lschern verfehenen Steinen beweglich eingelagert
war. Eine andere, auch noch primitive, aber |Hon entwicdeltere
Mahlmajdhine bietet ung das Bild einer alten oftindifchen
Mühle dar. Dort ijt der Mörfjer bereits ein breiter Kefjel aus
Stein, welcher auf einem {jteinernen Pofjtament ruht. Die
Keule befteht aus einem {hweren Baumftrunke, welcher mittels
eines daran be fejtigten horizontalen Balfens von einem Ochfenpaar
 im Kreife gedreht wird. Von diejen Urtypen der Mahlmajchine
 gehen dann die zahllofen Verbejferungen und Ver:
feinerungen Schritt für Schritt weiter: die Mahljteine vervollfommnen
 fich und ihre Bewegungen, Sieb: und Reinigungs:
vorrichtungen werden dem Mechanismus eingeordnet, die Zı
Hihrung und AWbführung des Materials wird automatifch be:
wirkt. Und mit der Vervollilommnung der Mahlvorrichtung
parallel geht die Nıurbbarmadhung immer {tärkerer und freierer
Kraftquellen: zu Ciceros Zeit murden Walferräder als Motoren
an Stelle der SCHabinnen eingeführt, feit dem 12. Jahrhundert

Zombart, Gemerbewefien I.
        <pb n="18" />
        LS Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.,

datieren die Windmühlen. Heute haben wir die Dampfmühle,
in der der fteinere Mühlftein durch die eiferne Walze erjebt iit,
und in der das Prinzip der Mafchinerie in Höchfter Vollendung
zur Anwendung gebracht it.
Immerhin werden die gewaltigen Fortfchritte der Majchinentechnik
 feit dem Ende des 18. Yahrhunderts nicht nur als gleich:
mäßige Weiterführung des bisherigen Entwidlungsganges angefehen
 werden dürfen, man wird vielmehr, um fie in ihrer
prinzipiellen Bedeutung zu verftehen, betonen mijjen, daß in
die zweite Hälfte des 18. Jahrhundert3 eine Reihe von Creignijjen
 auf dem Gebiete der Technik Fällt, die tat]ächlich berufen
waren, den Beginn einer neuen Ara des Mafchinenwefjens zu
datieren. Sie beziehen fich einmal auf die Entwidlung der
Urbeitsmafchinerie, Dieje erreicht gerade in jener Zeit zwei
bebdeutungsvolle Etappen: fie wird vollendet für einige der
wichtigften Produktionszweige (Tertilinduftrie, Papierfabrifation)
 und fie erobert dasjenige Gebiet, daz den eigentlichen
CStüßpunkt für ihre weitere Bervollibrmnung erit abgab: die
Herftellung wiederum von Majchinen. Erit von dem Augen-Dlid
 an, wo Ddiefer Punkt erreicht war, Konnte ein rajcheres
Tempo der MafdhHinenentwicklung einfeßen: die Verfeinerung,
wie namentlich die Ausweitung der Dimen]ionen ijt erft möglich
 bei majchinellem Mafchinenbau. Das entfcheidende Moment
 aber war, daß parallel mit diefen bedeutfamen Fortjchritten
 der Arbeitsmafchinerie die Nırbbarmachung derjenigen
Naturkraft fich vollzog, die an Mächtigkeit und Beweglichkeit
alle früher genubten Kräfte um ein Bielfaches übertraf: des
Dampfes. Auch dem „König Dampf” muß eine gerechte, ki:
fijche Würdigung der technifchen Errungen/ haften unferer Zeit
wieder zu feiner alten Würde verhelfen, die ihm eine Reihe
von Hiftorifern, in berechtigter Neaktion gegen die ur] prünglich
fritiflofe Alleinbetonung der Bedentung der Dampfmalchine
und in ebenfo berechtigter Hervorkehrung des Einflulfes der
Mrbeitsmalchine auf den Entwickkunasagang der modernen In-
        <pb n="19" />
        Die Organifation der gewerblidgen Arbeit in Betrieben. 19

Durftrie, ftreitig zu machen bemüht gemwefen jind. Beide Seiten
in der Entwidhung der Majchinerie — Arbeits: und Kraft
majchine — mitffen eben ftet$ als fich gegenfeitig bedingend
angejehen werden. Gewiß Hätte die gezuügelte Dampffkraft
gar feine vernünftige Verwendung gefunden, wäre nicht eine
ent/prechende Entwicklung der Arbeitsmafchinerie vorausgegangen.
 Andererjeits aber muß man jagen, würde die
Weiterentwichung der lebteren außerordentlich viel langjamer
von jtatten gegangen fein, ohne die in der Erfindung der
Danpfmafchine und (päter des Eleftromotors er] chloffenen
neuen Kraftquellen. Bal. das 3. Kapitel des 3. Abrchnitts.

Zweites KNapitel

Die Organijation der gewerblichen Arbeit in den Vetrieben.

IL Allgemeines.
Damit die gewerbliche Arbeit ihrem Zwed entjprechen kanır,
d. 9. zur Hervorbringung nüßlicher @üter zu dienen vermag,
muß fie, wie alle wirt] chaftliche Arbeit, einer beitimmten Ordnung
 unterworfen werden. Dies erfolgt in den Betrieben.
Unter Betrieh Können wir eine Veranftaltung zum Zwecke
jortgejeßter Werkverrichtungen verftehen. Wenn wir die einzelnen
 Betriebe nach ihrer Verjchiedenheit jondern wollen,
jo ergibt fich als nächftliegendes Unterfcheidungsmerkmal die
Größe, insbejondere die in einem Betrieb zufammengefaßte
Anzahl tätiger Verfonen. Das Kriterium der Größe bzw. der
Rerfonenzahl ijt das bequemite und für die gröberen Zwecke
der Erkenntnis auch ein hinreichend Mares Merkmal. Naturgemäß
 bedient {ich feiner vor allem die Statiftik; nach ihr haben
wir ung gewöhnt, Jog. Mein-, Mittel- und Großbetriebe zu
unterfcheiden. Die deutfche Gemerbeftatijtif insbefondere
nennt KMeinbetriebe alle diejenigen, welche weniger als fünf,
Mittelbetriebe diejenigen, welche zwildhen fedhs bis Fimfzig
be
        <pb n="20" />
        20 Tie gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

Berfonen, Großbetriebe diejenigen, welche über fünfzig Ver
fonen befchäftigen.
Sür eine tiefere wiffenfdhaftliche Analofe genügt jedoch das
Merkmal der Größe, bzw. der BVerfonenzahl für die Beftim:
mung der verfchiedenen Betriebsformen nicht. Zu diejem Behufe
 empfiehlt e8 fich vielmehr, als Einteilungsprinzip ein jol-Hes
 zu wählen, welches das innerite Wefen der Betriebsgeftaltung
 am beften zum Ausdruck zu bringen vermag. Al8 jolches
erfcheint die Art und Weife, wie die Produktionsfaktoren in
einem Betriebe angeordnet find.
Die Produktionsfaktoren, die Objekte der Unordnung in
einem Betriebe werden Können, ind die menfjhlihe Arbeits:
fraft und die äußere Natur. Wir fönnen jene als den perfönlichen,
 diefe als den fachlichen Produktionsfaktor bezeichnen.
Die „äußere Natur“ ifjt aber eine zu weite UmfHreibung, als
daß wir nicht das Bedürfnis fühlten, etwas genauer zu jagen,
mas darunter zu verftehen fei. Die Natur erjcheint in jedem
Vroduktionsvorgange 1. als Arbeitsbedingung, 2. als Arbeit:
gegenjtand, 3. als Arbeitsmittel. In ihrer erjten Funktion
Ichafft fie die Jadhlihen Bedingungen produktiver Arbeit, ohne
die überhaupt feine Arbeit jtattfinden kann, mögen nun diefe
Bedingungen von Natur gegeben fein, wie die Erde als Standort,
 die Luft als Atmojphäre, die Kräfte; oder erft vom Menichen
 in der ihm dienlihen Form hHergeftellt werden, wie
Urbeitsgebäude, Wege, Kanäle. Der Arbeitsgegenftand ift dasjenige
 Ding, an dem fich die menfcqhliche Arbeit betätigt. Huch
er wird entweber in der Natur fertig vorgefunden wie das
Erz oder die Kohle oder der Feuerftein, den der Menfch zuerft
ergriff, um fich ein Werkzeug daraus zu fertigen; oder aber er
ijt felbft [chon und das der Megel nach Arbeitsprodutt, In
diejem Falle nennen wir den Arbeitsgegenftand NRohftoff. Das
Mrbeitsmittel fennen wir [hon. Wir definierten e8 als ein
Ding oder einen Komplex von Dingen, die der Arbeiter zwi:
chen fich und den AWrbeitegegenftand {chiebt, um fie al3 Macht:
        <pb n="21" />
        Die Organifation der gewerbliden Arbeit in Beirieben. 21

mittel auf andere Dinge feinem Zwede gemäß wirken zu lafjen.
Genauer fönnen wir dann aktive und pajjive Wrbeitsmittel
unterfcheiden. Marx bezeichnet die erfteren als „die mechani-(chen
 Arbeitsmittel, deren Gejamtheit man das Knochen- und
Muskelfyftem der Produktion nennen kann“; e8 find Werkzeuge
 und Mafchinen, die tätig unter der Leitung des Menjchen
in die neu zu Formende Materie eingreifen, während die andere
Kategorie der AUrbeitämittel die mehr pajjive Rolle in der Produktion
 [pielt, als Behälter für Stoffe und Kräfte zu dienen,
e8 [ind dies die Kefjel, Köhren, Bottiche, Zäffer, Körbe, Krüge
ufw., jene Arbeitsmittel, „deren SGejamtheit ganz allgemein
al8 das Gefäßfyftem der Produktion bezeichnet werden kann“.
Sämtliche Beftandteile des fachlichen PRroduktionsfaktors Können
 wir auch Produktionsmittel im weiteren Sinne nennen
und unter ihnen diejenigen als Produktionzmittel im engeren
Sinne unterfcheiden, die bereits Urbeitsprodukte find. Wir
werden im folgenden, wo nichts bejonderes gejagt ift, von
Rroduktionzmitteln in jenem weiteren Verftande als dem Inbegriff
 Jämtlicher fachlicher Produktionsverfahren {prechen und
aljo alle Betriebsanordnung in der Ausftattung der menj]chlichen
 Arbeitskraft mit den für die Zwede der Produktion geeigneten
 Produktionsmitteln [ich erfhöpfen laffen.
Alle Organifation men]chlicher Arbeit beruht, feitdem die
allererften Unfänge planmöäßigen Produzierens überwunden
find, auf nur zwei verjchiedenen Prinzipien: auf der Spezialifation
 und der Kooperation. Nichts anderes vermag der Menlch
zu erfinnen, als diele beiden Organijationsprinzipien, die auch
der vollendetften Betriebsanordnung, freilich in mannigfacher
Kombination, allein zugrunde liegen.
Unter Spezialifation verjtehe ich diejenige Art der Unordnung,
 welche einem und demjelben Arbeiter gleiche, wiederfehrende
 Verrichtungen dauernd zuweift. Sie ijt aljo diejenige
Form der Organijation, in der das arbeitäzerlegende Ver-Fahren
 techt eigentlich erft nußbar gemacht wird. So lange die-
        <pb n="22" />
        22 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

je8 Verfahren von einem Arbeiter angewandt wird, |o lange
bleiben feine produktivitätsjteigernden Vorzlige noch wefent-{ich
 latent. Erjt wenn der eine immer dasjelbe tut, brechen fie
mächtig Hervor. Nım müljlen wir ung aber darüber Har fein,
daß der Grad der Spezialifation ein außerordentlich verfchiedener
 fein fann. (£$ war eine Unwendung des Prinzips der Speztalifation,
 als zuerft die Schmiedearbeit oder die Töpferei
dauernd von demjelben Arbeiter ausgelibt wurden, und es ift
nur ein ®@radunterfchied in der Unwendung desfjelben Prin-3ip$,
 wenn in der modernen Konfektion eine Arbeiterin ihr ganze8
 Leben nur Hornindpfe an Männerweijten annäht. € bleibt
ich ebenfo gleich, vb die Teilverrichtung, die ein UWrbeiter dauernd
 vornimmt, durch Horizontale oder vertikale Spaltung des
vorher vereinigt gedachten Gejamtarbeitsprozejfes entiteht: ob
zwildhen Schlofferei und Schmiecderei oder zwifchen SGerberei
und Schuhmacherei die Trennung jich vollzieht. E$ ift aber
endlich für den Begriff der Spezialijation, die, moranf nochmals
 nachdrüclichH hingewiejen werden mag, kein Arbeitsverfahren,
 fondern ein Organifationsprinzip ift, d. h. erit ent:
iteht auf der Bafis einer beftimmten Betriebsanordnung,
gleichgültig, ob die Spezialijation zwifchen Betrieben oder
innerhalb eines Betriebes erfolgt. Im erfteren Falle entjteht
das, mas wir Spezialbeiriebe nennen, unter denen e8 nun
abermals eine außerordentlich mannigfache Sradabftufung
gibt, innerhalb deren aber keinerlei fefte Grenze für eine |pezififche
 Unterfheidung gezogen werden kann. Die Schmiederei
als Ganzes ift ein Spezialbetrieb, verglidhen mit der ehe
mals fie mit umfaffenden hausgewerblidhen Produktion; die
Schmiederei ijt ein {pezialifierter Betrieb, nachdem jich die
Schloiferei von ihr gefchieden Hat; die Werkzeugfchmiederei
ijt innerhalb der fo fpezialifierten Schmiederei wiederum ein
Spezialbetrieb, die Senjenichmiederei innerhalb der Werkzeug:
Ichmiederei 11m.
Damit das Prinzip der Syezialifation innerhalb einez Bez
        <pb n="23" />
        Die Organifation der gewerblidhen Arbeit in Betrieben. 23

triebes zur Anwendung gelangen fönne, db. h. damit in einem
und demfelben Betriebe der eine immer dies, der andere immer
jenes zu tun imftande fei, muß nun aber offenbar eine be-Itimmte
 Bedingung in der betreffenden Betriebsanordnung er-Füllt
 fein, diejenige nämlich, daß mehrere Arbeiter zu gemein-Jamem
 Wirken zujammengegliedert feien, d. 9. e8 muß Das
zweite Prinzip der. Arbeitsorganifation, von dem wir |hon
Kenntnis haben, zur Anwendung gebracht werden: die Aooperation.
 Dieje befteht zunächft in nicht? anderem als in einer
Summierung individueller Arbeitskräfte, die erft [päter eine
beftimmte @liederung zu einem organifchen Ganzen erfahren.
Sn ihver primitiven Form nennen wir Jie einfache Kooperation,
in ihrer ®ombination mit der Spezialifation arbeitsteilige Xooperation,
 So erhalten wir folgendes Schema für die Un
wendung der Organijationsprinzipien:
1. Mobinfon deckt feinen Gefamtbedarf allein; er kann zwar
das arbeitszerlegende, das materialvereinigende Verfahren
antvenden, aber weder [ich Jpezialifieren, noch kooperieren.
2, Robinjon und Freitag verteilen ihre Gejamtarbeit 1,
daß jener auf die Jagd geht und Fifche fängt, diefer die Hausarbeit
 verrichtet: einfache Spezialijation.
3. Robinjon und Freitag vereinigen ihre Arbeit, um den
Baumftamm, aus dem ihr Boot angefertigt werden [oll, zum
Strande zu rollen: einfache Kooperation.
4. Nobinjon und Zreitag gehen zufammen auf die Jagd;
Freitag treibt das Wild zu, Robinjon Jchießt es ab: VBereinigung
 von RAooperation und Spezialifation = arbeitsteilige
$ooberation.
Alle weiteren Unter] chiede der Betriebsgeftaltung find mun
entweder nur quantitativer Art, d. 9. eine Folge ftärkerer
Spezialifation oder vermehrter Aooperation, oder aber fie
werden begründet durch die verfchiedenartige Geftaltung des
Jachlichen Rroduktionsfaktors: durch die verlchiedene Befchaf-
        <pb n="24" />
        24 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

fenheit oder verfchiedene Anordnung der dem Arbeiter zur Verfiügung
 {tehenden Produktionsmittel.
Sedenfalls ergibt fich, wie aus dem oben Gefagten erhellt,
eine große Mannigfaltigfeit der Betriebsformen auch wiederum
nad) der VBerfchiedenheit der Unordnung der roduktionsfaftoren
 zu einem Betriebe. Deshalb wird es münfchenswert
fein, einen einheitlichen Gefichtspunkt für die Jadhgemäße Oruppierung
 diejer verfchiedenen Anordnungsmobdalitäten zu wählen.
 8 Jolcher bietet Jich num aber am beiten dar: das Verhältnis
 des einzelnen Arbeiters zu dem Gefamtprozeß und dem
Sejamtprodukt, als dem Gejamtbetriebe im Zujtand des Wirfens
 und des Gemwirkten, der Bollbringung und des Vollbrachten,
 der Bewegung und der Ruhe, Diefes Verhältnis kann ein
prinzipiell zweifaches Jein: entweder Wirken und Werk gehören
 einem Individuum eigentümlich an, find der erkennbare
Ausfluß feiner und nur feiner Höchftperfönlichen Tätigkeit, {ind
jomit felbft individuell und perfönlich; oder Wirken und Werk
lind das gemeinfame, nicht in Jeinen Einzelheiten al8 individuelle
 Arbeit unter] heidbare Ergebnis der Tätigkeit vieler, exiitieren
 nur als SGefamtwirkfen und Gefamtwerk, find aljo nicht
perjönlich, [ondern Kollektiv, nicht individuell, Tondern gefellichaftlich.
 Danach laffen fich alle Betriebe in zwei große Oruppen
 einteilen: in Joldhe, in denen die Anordnung der Produk
tionsfaftoren derart ijt, daß das Produkt als Produkt eines
einzelnen Arbeiter8 erfdheint, und Toldhe, in denen die Unordnung
 der Produktionsfaktoren derart it, daß das Produkt als
Produkt eines Gejamtarbeiters erfcheint. Jene follen individuelle,
 diefe aefellichaftliche Betriebe heißen.

Il. Die Sndividualbetiriebe.

Sie er[ deinen naturgemäß nur jelten in ihrer reiniten Form,
dem Alleinbetrieb, d. h. demjenigen, wo nur ein einziger
Arbeiter in einem Betrieb tätig ijt. Immerhin ijt auch die Form
des Alleinbetriebes keinestweas eine Seltenheit, fie i{t häufig
        <pb n="25" />
        Die Organifation der gewerblidhen Arbeit in Betrieben. 25

in den Anfängen gewerblicher Tätigkeit, d. h. in primittiven
Dandwerksverfalfungen, aber auch in der hHochentwidelten
Bolfswirtfchaft der Gegenwart treffen wir Häufig auf folche
Alleinbetriebe, Hier find eS insbe] ondere die Oroßjtädte, wo fie
nm der Sphäre der Hausinduftrie oft genug auftreten.
Die übrigen Formen des Individualbetriebes find dadurch
gefennzeichnet, daß um den einen hauptfächlichen Arbeiter eine
Unzahl helfender Perfonen gruppiert ift; das fönnen entweder
Samilienmitglieder jein, dann {prechen wir von einem
Samilienbetrieb, wie er in den älteren ländlichen Hausinduftrien
 Häufig vorkommt, oder aber fremde Hilfsperfonen,
die dann zufjammen mit dem Hauptarbeiter dasjenige bilden,
was ich einen ®Gehilfenbetrieb nenne.
8 ijt felbitverftändlich, daß in der Wirklichkeit fich die
Srenzen zwijchen Individual- und Gefelljchaftsbetrieb nach
dem von ung für die Unterfcheidung gewählten Kriterium nicht
immer {charf ziehen laffen. Will man daher die Fülle der Er.
‚heinungen in einer Betriebsfyftematik möglichjt zu faljen
verJuchen, {o wird man zwijchen dem Individualbetrieb und
dem Gefelljchaftsbeirieh eine Gruppe fog. Übergangs:
betriebe einfügen ’müjfen, in denen fich die Kriterien des
Individualbetriebes und des gefellidhaftlichen Betriebes vermijchen,
 die alfo mehr dem einen oder dem anderen TyYpu8 zugehören,
 ohne volljtändig ihn darzuftellen.
Sch will hier diefen Typus der Übergangsbetriebe nicht des
näheren erörtern, jondern nur feftitellen, daß zu ihm gehören
bie erweiterten Gehilfenhbetriebe, der Jndividual-Setrieb
 im großen und der gefellfhaftlidhe Betrieb
im Heinen.

IM Die gefellfjhaftlidhen Großbetriebe.
Die gefellfjchaftlichen Betriebe, wo fie rein auftreten, tragen
auch immer, wie e$ ihrer Natur entfpricht, das Merkmal der
Sröße an fich. Solcher gefellfchaftlicher Grokbetriebe, wie wir
        <pb n="26" />
        26 * Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

Jie aljo au nennen fönnen, unter]cheiden wir nun in der
Sphäre der gewerblichen Produktion zwei verfchiedene Arten:
die Manufaktur und die -Zabrif,
Unter einer Manufaktur verftehe ich denjenigen gefellichaftlichen
 ®v: pbetrieb, in dem wefentliche Teile des Produktionsproze][es
 durch Handarbeit ausgefiihrt werden. ES gehört
aljo zum Wejen der Manufaktur das Moment der Größe, das
Moment der Gejellfchaftlichkeit des Betriebes und das Moment
des handarbeitenden Berfahrens in entjheidenden Partien des
Produktionsprozeffes. Die Manufaktur it entweder eine Übergang$form
 zu demjenigen gefell] haftlidhen @roßbetrieb, den ich
als Fabrik bezeichne und hat als folche in [ehr vielen wichtigen
nduftrien funktioniert, die dann [päter zur Fabrik übergegangen
 find. Hierher gehören bedeutjame Zweige der Tertilinduftrie
 und aus der neueren Zeit etwa der Eiferinduftrie,
Schuhwarenindujftrie, der Konfektion und andere. Falfch wäre
e8 jedoch ans diejer Tatjache den Schluß zu ziehen, daß es eine
notwendige Entwidlung fei, die die gewerblidhen Betriebe
nacheinander die Stufe der Manufaktur und [päter der Fabrik
durchlaufen ließe. Das wäre eine doppelt faliche Annahme.
Eritens braucht nämlich ein fabrif$mäßiger Betrieb feineswegs
immer vorher eine manufakturmäßige Organifation gehabt zu
Haben, Jehr viele mechanifche und die meiften Hemifchen Fabrifen
 find hierfür als Belege anzuführen. Zweitens aber ijt e8
nicht richtig, daß die Manufaktur gegenüber der Vabrik jtetz
eine undolliommene Entwidlungsitufe darftelle. Beide Betriebsformen
 Können vielmehr durchaus gleichwertig nebeneinander
 beftehen, Jo daß alfo die Entwichung zwei Höhen
punkte haben fann: Fabrik und Manufaktur, denn als Endpunkt
 einer Entwidlung der Betriebsgeftaltung erfcheint die
Manufaktur dort, wo in den Hormen eines gefellfchaftlichen
Betriebes Kaum für die Individualität des einzelnen Arbeiters
bleiben foll; wo aljo mit den Vorzügen der großbetrieblichen
Oraganifation diejeniae der künitlerilchen oder fonitwie auali:
        <pb n="27" />
        Gewerblidhe Produktion in den Wirt[haftsyjtemen. 27

jizterten Handarbeit verbunden werden [oll. Beifpiele Für diele
Sorm der Manufaktur Jind noch heute die Porzellanmanufaktur
und die Kunfimöbelmanufaktur.
Unter einer Zabrifk verftehe ich diejenige Form des gefell-[chaftlicdhen
 @Großbetriebes, in welchem die entfcheidend wichtigen
 Teile des Produktionsprozejjes von der formellen Mitwirkung
 der Arbeiter unabhängig gemacht, einem felbftätig
wirkenden Syitem leblojer Körper übertragen morden jind.
Das hHarakteriftifhe Merkmal der Fabrik ift alfo nicht, wie man
häufig annimmt, die Einförmigkeit, Majfenhaftigkeit oder [ogar
Minderwertigkeit der Erzeugniffe, es i{t aber auch nicht die
Mafchinentechnik, da durch diefes Merkmal beifpielsweife die
Hemifche Hakrik überhaupt nicht betroffen würde, es i{t bielmehr
 das des automatifchen Produktionsprozeffes.
Objektivierung des Produktionsprozelfes, feine völlige Los:
(öfung von dem lebendigen Menfchen, Jeine Übertragung auf
ein, Syftem leblofer Xörper, die durch Mitteilung einer Hinftlich
erzeugten Kraft gleichjam mit Leben erfüllt werden. Schöhpjung
 eines [elbfttätig wirkenden, an die Stelle des Menfjchen
tretenden Mechanismus, das i{ft eS offenbar, was ung DOr- Omwebt,
 wenn wir von einer Fabrik] prechen oder was wir doch
wenigitens uns gewöhnen [ollten in den Begriff hineinzulegen,
da diefer dann erft feine [pezififch Hare und wertvolle Bedeutung
 für das Syftem der Betriebsformen erhält.

Drittes Rapitel.

die gewerbliche Produktion in den verjchiedenen WirtjOaftsfyjtemen.

dr wirtfehaftlich beftimmtes Gepräge erhält die gewerbliche
 Produktion durch ihre Einordnung in ein beftimmtes
Wirt chaftsjyftem 1). Durch diefes werden feitgelegt:

1) Siehe meine Schrift: „Die Ordnung des Wirtichaftalebens‘‘.
2, Mufl. 1927.
        <pb n="28" />
        28 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

1. die Wirt) Haftsgefinnung;
2, die Wirt chaftsordnung;
3. die Technik.
Da es fich in diefem Zufammenhange nicht darum Handelt,
eine ausführlidhe Syftematik der Wirtfhaftsformen gewerb:
licher Arbeit zu geben, wie ich fie in meinen größeren Werken
verhucht habe, fondern nur um die Heraushebung des Wefentlichen,
 [D er[cheint e&amp;amp; zwedmäßig, in der folgenden Darftellung
nur auf die hiftorijch hauptfächlich in Betracht kommenden
Typen gewerblicher Produktionswirt/ haften näher einzugehen.
Ich berücfichtige deshalb im folgenden nur:
diejenigen wirt/haftlichen Ordnungen, in denen die gemerblie
 Produktion noch nicht verfelbftändigt ift (D;
die Handmerksmäßige Ordnung des Gewerbes (IN):
die fabitaliftifdhe Ordnung des Gewerbes (IIND.

IL Die hausgewerblidhe Eigenproduktion.
35 Hausgewerblidhe Eigenproduktion erfheint die gewerb.
liche Arbeit überall dort, wo fie noch nicht in befonderen Wirt:
[haften verielbitändigt ift, aljv nur einen Teil einer größeren
Wirtf haft bildet, in der die Gefamtheit des wirt[haftlichen
Bedarfes gedeckt wird, insbefondere alfo auch die Erzeugung
von KRohftoffen und Nahrungsmitteln f{tattfindet. Das Ge:
meinfamre diefer Wirtfchaftsverfajfung it diefes, daß für das
Ausmaß der Produktion {owohl nach Quantität wie nach
Ounalität ausfchließlich der Bedarf der Wirtf haftöfubjefte und
iOrer Angehörigen, bzw. der von ihnen abhängigen Berfonen
beftimmend ift. Daß ebenfo über das Maß der Entfaltung
produftiver Kräfte, d. h. die Entwiclung tehnifchen Könnens,
die Öröße und Zufammenjeßung des Kreijes einer Wirt haft
ent] heidet. Daß endlich das Produkt alle Stadien feiner Entwiclung
 im Rahmen einer Wirtfchaft durchläuft, Jo daß alfo ein
Süteraustanfch überhaupt nicht ftattfindet.
Önnerhalb diefer Eigenwirtichaften laffen fich dann zwei ver:
        <pb n="29" />
        Gewerbliche Produktion in den Wirt{hHaftslyftemen. 29

[iedene Arten deutlich unter] cheiden, die ich als urmüchfige
oder bäuerliche Eigenwirtfchaft und als erweiterte Eigenwirt-Ichaft
 bezeichne,
1. Die urmüchjige oder bäuerliche Eigenwirtjdhaft
ijt diejenige, bei der die Wirt] haftseinheit durch {tammes»
verwandte oder blutsvermandte, fozial gleichgeitellte Perfonen
gebildet wird. Sie wird dadurch Harakterifiert, daß die Ber
darfsgeftaltung eine gleichfam naturale ift, ohne wefentlich
andere Differenzierung als fie die natürlichen Unter[chiede des
Alters und Gejchlecht3 mit fich bringen.
2. Die erweiterte Eigen wirtjdhaft wird dadurch Harakterijiert,
 daß in ihr eine Anzahl von nicht blutsverwandten b3m.
ktammbverwandten Perfonen, aljo fremde Leute, dem Wirt.
‘chaftsorganismus eingegliedert find, zu dem Ziwede, dem Yoritande
 der Wirtfchaft, ihrem Herrn, mit ihrer Arbeit zu dienen.
Der Bedarf ift hier bereits ein Kıltureli beftimmter, infofern
differenzierterer, als in erfter Linie die Bedürfnijfe des Herın
md der Seinigen für die gefamte Einrichtung der Wirtichaft
ausfhlaggebend find. Die Ausübung der wirtfhaftlichen
Tätigkeit erfolgt nicht mehr von Jämtlichen Ungehörigen der
Wirt] chaftseinheit, [ondern von den fremden Leuten für die
Herr] haft.
Während die Eriftenz der urmüchfigen Eigenwirtfchaft, wie
Ihon durch die VBegriffsbeftimmung felber gegeben ift, an
feinerlei andere Bebingungen gefnüpft tft, als das Wirtf haften
des Ganzen überhaupt, hat die. erweiterte Eigenwirt{chaft zur
Vorausfebung bereit3 eine weitgehende Differenzierung der
Macht: und Keichtumsverhältniffe, insbefondere eine ftarfe
Afumulation von Srundbeliß in der Hand eines Herrn einer:
leit8, einen ent/precdhend hohen Entwiclungsgrad der Produktbität
 der Arbeit anderfeits. Die Atfumulation von Srundbefiß
 ift deshalb die notwendige Borausfebung, weil fie allein
die natürliche Bafıs einer Wirtfchaft bildet, die den Bedarf
ner größeren Anzahl von Berfonen an Nahrunasmitteln und
        <pb n="30" />
        30 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organijation.

Rohftoffen in ihrem Kreife deden will. Die Differenzierung
der Machtverhältniffe ift deshalb unentbehrlich, weil die er
weiterte Sigenwirt]chaft zur VBorausjeßung die Wohängigwerdung
 zahlreicher Perfonen von einem Wirt|chaftsfubjekte
hat, mährend endlich ein ent|prechend hoher Grad der Produk
tivität der Arbeit erreicht Jein muß, damit die Herr{haft, ohne
jelber Hand anzulegen, von den Erträgnifjen ihrer abhängigen
Leute zu eriftieren vermag.

Il. Die Handwmerfömäßige Verfalfung.
Das Wort Handwerk wird in verfchiedener Bedeutung ge-Graucht.
 Grimms Wörterbuch zählt deren drei auf; e$ lafıen
fih jedoch leicht noch mehr Bedeutungen entdeden.
Handwerk bedeutet:
a) das mit der Hand vollbrachte Werk opus manu factum;
b) im engeren Sinne „ein dauernd betriebenes Gewerbe,
zu dejfen Ausfithrung vorzüglich manuelle Gefchiclichkeit erforderlich
 i{t, ars mechanica, unterfchieden von der unit 1110
von der niedrigen Handarbeit“;
c) Technik, Inbegriff derjenigen Fertigkeiten, die zur Boll
bringung eines Handwerks erfordert werden;
d) Handwerk im Sinne einer beftimmten Hiftorijchen Drdnung
 eineS dauernd betriebenen Gewerbes, im Sinne aljo
eines beftimmten Wirtfchaftöfyjtemsö. Alsdann ijt es diejenige
Wirtfchaftsform, die Herborwächft aus dem Streben eines gewerblidhen
 Arbeiters, feine zwijchen KXunfjt und gewöhnlicher
Handarbeit die Mitte hHaltenden Fertigkeit zur Herrichtung vder
Bearbeitung gewerblicher Gebrauchsgegenjtände in der Weife
zu verwerten, daß er Jich durch Austaufch feiner Seiftungen oder
Erzengniffe gegen ent{prechende Wquivalente feinen Lebensunterhalt
 verfchafft. In diejem fpezififch Sionomifchen Sinne
wird das Handwerk an diefer Stelle allein aufgefaßt werden.
e) die gef Alofjene Gefamtheit der ein beftimmtes Gewerbe
betreibenden Gilde, Zunft, Inununa:
        <pb n="31" />
        Gewerbliche Produktion in den WirtfhHaftsfyjtemen. 31

f) der Inbegriff aller die Handwerksmäßige Organijation
einer Zeit hetreifenden Ericheinungen. Endlich kann es
g) noch in einem weiteren Sinne. unter Ausdehnung auf
andere, nicht gewerbliche wirtichaftliche Tätigkeiten, die nach
Urt des gewerblichen Handwerks oder Handwerks im engeren
Sinne gebraucht werden.

1. Begriff und Wejen des Handiwverts.
Nach der im Vorftehenden unter der gegebenen Definition
des Handwerks als eines eigentümlicdhen Wirtfchaftsfyftems
ergibt Jich zunächft fein Unterjchied gegenüber der in dem
vorigen AWbjchnitt behandelten Eigenwirtfchaft. Ift in diefer
gewerbliche und andere wirt] chaftliche Tätigkeit noch undiffetenziert
 in einer Wirtfhaft zufammengefchloffen, fo wird die
handwerksmäßige Verfaifung dadurch wejentlich beftimmt, daß
die gewerbliche Tätigkeit jebt Inhalt einer eigenen Produftiongswirt/chaft
 bildet, daß es alfo in ihr Wirtjchaften gibt, die
nur gewerbliche Tätigkeit ausüben. Daraus ergibt [ich, daß
zum Wefen der handwerksmäßigen Verfajfung der Uustan]ch
der Produkte zwifchen den verfchiedenen Wirt] haften notwendig
 gehört. Troßdem jedoch die einzelnen Wirt] haften
ihre Produkte untereinander austaufchen, erfolgt die Produk
tion felber noch unter dem SGefichtspunkte der Bedarfsdedung,
oder wie man e$ auch ausdrücken kann: die produktive Täligfeit
 ijt noch auf die Herborbringung von Gebrauchsglütern gerichtet
 umd erhält damit ihre qualitative Färbung. Richtung:
gebend für die Produktion bleibt nämlich der quantitativ wie
qualitativ um{chloffene Bedarf fowohl des Käufers gewerblicher
 Erzeugniffe, wie auch des Verkäufers, aljo des Produzenten
 Bedarf an Ägquivalentgütern. Im einzelnen läßt fich
die Eigenart der handmerksmäßigen Verfajjung wie folgt am
beften beftimmen, menn wir unferen Nusgangspunkft nehmen
bon dem Handwerker und feiner Rerfönlichteit und danach
fragen, was für ein Weien er fer und was Für Motivreihen
        <pb n="32" />
        32 Die gewerblidhe Arbeit und ihre Organilation.

ihn beherrfchen, Was feiner innerften Natur nach „ein Hand:
werfer“ jet, werden wir, [cheint mir, am ficherften zum Ausdruc
bringen Können, wenn wir zunächft unfere Ausfage negatit
dahin zujammenfaffen, daß wir einen „Handwerker“ benjeniger
gewerbliden Arbeiter nennen, dem feine für die Güter:
ergeugung und den Güterabjag erforderliche Bedingung fehlt
jei fie perfönlicher, jet fie Jachlicher Natur, in deffen Perfönlich:
feit Jomit alle Eigenfchaften eines gewerblidhen Produzenten
ober, wie wir zufammenfaffend jagen fönnen, die Produktions:
qualififation noch ohne irgendwelche Differenzierung ein:
gefchloffen find. Da nun zur Produktion {tet eine Bereinigung
von Sachvermögen und perfönlihen Fähigkeiten erfolgen
muß, fo ergibt fich aus dem Gefagten zunächft, daß der Handwerfer
 außer den perfönlidhen Qualitäten die Verfügungsgewalt
 über alle zur Produktion erforderlidhen Sachgüter, d. 3.
über die Produktiongsmittel befißt, was wir auch {o ausdrücen
fönnen: im Handwerker hat. noch keine Differenzierung von
Berfonal- und Sachvermögen {tattgefunden; oder in anderer
Wendung mit gleichem Sinne: das Sachvermögen des Handwerfer8
 hat noch nicht die Eigenjhaft des Kapitals angenom:
men. Über mobvon wir ausgingen: der Handwerker befibt nicht
nur das für die Ausübung feines Gewerbes notwendige Sach:
vermögen, er befigt auch alle dazır erforderlichen Eigen haften:
er ift eine Urt von gewerblicdhem „Herrn Mikrokosmoa“.
Was [päter jich in zahlreidhen Individuen zu bejonderen
Veranlagungen auswächft: das alles vereinigt der Handwerker
auf feinem „Ehrenfgheitel“. Selbjtverftändlih alle8 in einem
en miniature Ausmaße. Seiner Univerfalität ent{pricht mit
Notwendigkeit feine Mittelmäßigkeit. Der Kern des Handwerfertum®
 ift feine Qualifikation als gewerblicher Arbeiter,
in dem Sinne, daß er die technijHen Fähigkeiten befibt, die zur
Gerftellung eines Gebrauchsgegenjtandes an einem NRohftoff
vorzunehmenden Handgriffe auszuführen. Wber mit diefer,
jagen wir technifchen Beranlaaguna vereiniat er: die etwa er:
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        Gewerbliche Produktion in den MWirt[haftsfyitemen. 33

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forderliche fünftlerifche Konzeption, das Künftlerijche Empfinden,
 die für die Produktion, insbefondere auch für die Tradition
des produktiven Könnens erforderlichen Kenntniffe, um nicht
den irreführenden Ausdruck zu gebrauchen: wijjenfchaftliche
Onalififatiogt.
Daneben funktioniert er als Organifator ebenfowohl wie als
Reiter der Produktion. Er ijt Generaldirektor, Werkmeifter und
Handlanger in einer Berjon. Er ift aber auch Kanfmann. Alle
Sinkaufs: und Berkaufstätigkeit, alle Abfakorganifationen, hırz
alle, was [päter al fpekulative Begabung fich in einigen überdurch
 OHnittlichen Perfönlichkeiten abfondert, umfaßt jein per-(önliches
 Vermögen.
Mir [heint, als ob e&amp;amp; zwei Punkte vor allem feien, auf die
das Streben des Handiverker8 Hauptfächlich gerichtet ijt: ein
tandesgemäßes Austommen und Selhjtänhigkeit. Ein ftandesgemäßes
 Austommen firebt er an, nicht weniger, aber vor
allem auch nicht mehr. Seine gewerbliche Arbeit [voll ihm
gerade wie dem Bauern die materielle Bafis für feine ECyijtenz:
eine „Nahrung“ ver[chaffen, das Handwerk {voll feinen Mann
„nähren”. Das ijt der Orundton, der durch alle Xußerungen
des Handwerk [eit [einem Beitehen Hindurchklingt. Ur]prünglich
 ift diefes Streben der Ausfluß naiven Men|hHentums, erft
allmählich wird man fich feiner bewußt, formuliert es theoreti{d
 und macht e8 zur Bafjis des Handwerks, wo man dejjen
Wefjen ausdrücken will. Dort vor allem wird es mit Entfchies
denheit betont, mo feindliche Mächte diefen Grundpfeiler hand»
werfsmäßiger Erijtenz, die „Nahrung“ zu erfchüttern drohen,
alfo in den Klagen der Handwerker oder dort, wo die Jeindlichen
Möchte, die auf anderem Örunde fußen wollen, von den Ber.
teidigern der guten alten Zeit ihres verderblichen Irriums
überzeugt werden jollen.
Aber der Handwerker will fein Auskommen haben und dabei
ein freier Mann fein, d. H. als felbjtändiger Produzent beftehen
fönnen. Diefe Selbitändigkeit i{t e3 er]t, die den Handwerker
a

Zombart, Gemerbemeien I.
        <pb n="34" />
        34 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

im eigentliden Sinne, von ebenfalls gewerblichen Arbeitern
anderen Sfonomijchen Charakters unterjcheidet.
Um jene Zwede zu erreichen, die dem Streben des Handwerfer5
 zugrunde liegen, {ebt er num feines ganzes Aönnen ein.
Diefes aber ijt, wie wir wilfen, doch immer vorkvegend eine
technifche Fähigkeit: durch eigenhändige Arbeit alfo muß er
feinen Bielen zuzujtreben juchen. Was feiner Hände Se{chietlichfeit
 zu leiften, mas feiner Uıme Spannweite zu umjchließen
vermag, das ift die Sphäre [eines Wirkens, das alfo als ein unmittelbarer
 Uusfluß Jeiner Perfönlichkeit erfcheint. In diefem
Sinne hat man das „Handwerk“ fehr treffend bezeichnet als den
Ausdruc einer zum Lebensberuf ausgeprägten beftimmten
Zätigkeit des Individuums, die ich [ozufagen foweit ausdehnt,
als die Kraft der einzelnen Hand zu hHerr/chen und zu {chaffen
vermag. Diejer Idee der Arbeit als einer Betätigkeit der Ge-Jamtperfönlichtfeit
 entfpricht die dem Handwerk eigentümliche
Berufsglieberung. Diefe Yt nämlich eine foldhe, daß die Individualität
 eines Menjchen feine Kräfte über einen gewijfen
Kreis von Tätigkeiten erftreden kann und foll, die durch ein
geiftiges Band, durch die Idee eines Ganzen zufammengehalten
 werden; daß eine Ausweitung diefes Kreifes feine Kräfte
zerfplittern muß, während anderfeits, wenn diefe Kräfte in zu
engem Kreife oder wohl gar nur in einer Richtung hin betätigt
werden, der Arbeiter in die Stumpfheit des rein mechanijchen
Betriebes verfinkt. Was gleichfam die qualitative Abgrenzung
der einzelnen Handmwerke Harakterifiert, während die quantitative
 Zuteilung des Wirkungstkreifes deutlichit unter dem Cinfluß
 des Leitfages von der „Nahrung“ fteht. Nach beiden Richtungen
 hin — das wollen wir felthalten — find alfo für die Ab.
grenzung der einzelnen Handwerke {ubjeftive, in der Berfönlichfeit
 des Handwerkers bearündete Momente maßgebend.
Die der hHandmerksmäßigen Organifation der Produktion
am innerlichjten entfpredende Form der Veiriebsgeftaltung
ijt der Individualbetrieb in allen feinen Modalitäten: als
        <pb n="35" />
        Gewerbliche Produktion in den Wirt[Haftsfyjtemen. 35

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YMlleinbetrieb, Familienbetrieb, Gehilfenbetrieb, aljo der jo»
genannte AMeinbetrieb. Jedoch it eine Handwerkmäßige Orgas
nifation auch in der Form des Großbetriebes möglich.
az wiederum ein dem Handwerk [pezifil her Zug Lit, {die
Art und Weife, wie die in den ver[chiedenen. Detriebsformen.
au einheitlichem Wirken zujammengefaßten Berfonen rechtlich
und Sfonomilch zueinander in ein Verhältnis gebracht werden,
ijt dasjenige, was man die innere Öliederung des Handwerks
nennen fanı. Denn ihre Eigenart folgt aus dem oberften Prim»
zipe hHandwerksmäßiger Organijation, wie eS in der AZwed«
jeßung ihrer Träger zum Ausdrud gelangt.
Das Verhältnis des Leiters Handwerksmäßiger Produktion—
des „Meijters“ — zu feinen Hilfsperfonen — den Gefellen,
Anechten, Knappen, Knaben, Dienern, Helfern, Sehilfen, und
mie die Bezeichnungen fonit noch lauten mögen, Jowie den
Zehrlingen — und diefer zu ihnt, wird man nur dann richtig
verftehen, wenn man fich den familienhaften Charakter vers
gegenwärtigt, den alles Handwerk urfprünglich trägt: die
Samiliengemeinfchaft ijt der ältelte Träger diefer Wirt Haft8s
form, und fie bleibt e&amp;amp; auch dann noch, als [chon fremde Ber.
“onen zur Mitwirkıng hHerangezogen werden. SGejelle und
Lehrling treten in den Familienverband ein mit ihrer ganzen
Rerfönlichteit und werden von ihn um] hloffen, zunächit in der
gefamten Betätigung ihres Dajeins. Die Jamilie jJamt ®es
jellen und Sehrlingen it Produktions: und Haushaltungseinheit,
 Alle ihre Glieder find Schubangehörige des Meifters,
je bilden mit ihn ein organifches Ganze, ebenjo wie eS die
Rinder mit ihren Eltern tun. Wie num aber gar nie die Bots
ftellung auffommen fann, daß die Eltern der Rinder, oder die
Rinder der Eltern wegen da feien, eben]o wie es töricht wäre,
zu denken, daß das Herz um des Kopfes oder diefer um jenes
willen da fei, fo folgt auch für das Verhältnis von Meifter zu
Sefellen und Lehrlingen, daß keiner der Mitwirkenden als um
des andern willen wirkend gedacht werden darf, Jondern daß
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        36 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

Jämtlide Berfonenkategorien, alfo auch die Hilfsperfonen —
SGefelle und Lehrling — als Selb{tzwed erjheinen, oder was
dasfelbe ift, als Organ im Dienite eines gemeinfamen Sanzen.
Der Lehrling ijft angehender Gefelle, der Sefelle zufünftiger
Meifter, der Meijter ehemaliger Gefelle, der Gefelle ehemaliger
Yehrling.
2, Die Arten des Handwerk®.,
Wir Können folgende Arten des Handwerks unter] heiden:
a) Sohnhardwerkfer und Preis- oder Kaufhandwerfer.
 Der Unterjchied diefer beiden Formen des Handwerfs
 befteht darin, daß im erften Falle der Konfument, im
andern der Produzent den Rohjtoff Liefert.
b) Wanderhandwerker und feßhafte Handwerker, je
nachdem das Handwerk im Umbherziehen oder dauernd an einer
imb derjelben Stelle betrieben wird. Die Wanderhandwertker,
wenn fie gleichzeitig Sohnhandwerker find, werden auch Störer
genannt.

c) Handwerker, die Für den Lokalbedarf ihres Dorfes oder
ihrer Stadt und folche, die für den großen Markt produzieren.
Mit diejer zulebt gemachten Unterfheidung trete ich mit der
herrjchenden Yuffaffung in Widerfpruch, wonach e&amp;amp; zum Begriff
 des Handiverk$ gehört, daß die Produktion für den Lokalen
Markt erfolge, fogenannte Kundenproduktionfei. Sch habe
in meinem „Kapitalismus“ quellenmäßig nachgewiefen, daß
Handwerk jehr wohl auch in reiner Form möglich jet, ohne daß
eine Xundenproduktion vorliegt, während andererfeit3 eine
Rundenproduktion keineswegs notwendig eine handwertsmäßige
 Organifation des Gewerbes involviert. Freilich, damit
Handwerk beftehen Könne, irogdem die Produktion für den
großen Markt erfolgt, Jind beftimmte objektive Bedingungen
erforderlich, die aber überhaupt erfüllt fein mülfen, damit
Handwerk möglich fei. Ich gebe fie im folgenden an:
3, Die Eriftenzbedingungen des Handwerks.
Das Wefen des Handwerk beruht auf der Vorausfekung,
        <pb n="37" />
        Gewerbliche Rroduktion in den Wirt[Haftsfyjtemen. 37

daß der Handwerker als technifcher Arbeiter jahraus jahrein
in Frieden feine Stiefel machen kann und ficher it, bei diefer
befhaulichen Tätigkeit feinen Lebensunterhalt zu erwerben,
d. 5. in die nationalöfonomifche Terminvkogie überjeßt: Borausfebung
 handwerksmäßiger Verfajjung It die Sicherheit und
Ständigkeit des Produktenabjakes: mit anderen Worten: £$
muß, Damit Handwerk möglich jei, Angebot und Nachfrage nach
gewerblichen Erzeugniffen [ich ftetz im Gleichgewicht befinden,
Dder aber c8 muß ein Mißverhältnis zwijchen Angebot und
Nachfrage in der Weife beftehen, daß die Nachfrage ftets dem
Angebot um eine Najenlänge voraufeilt. In diefem Falle kann
der Handwerker ficher fein, daß er feine Erzeugniffe nicht nur
an den Mann bzw. an die Fran bringt, fondern daß er auch den
üblichen, für ihn Lohnenden Preis als Entgelt dafır erhält.
Damit aber ein folcher, dem Handwerker günftiger Zujtand des
Marktes ertitiert, müjfen folgende Borausfeßungen zutreffen:
a) € miüfjfen verhältnismäßig wenig gewerblidhe Produzenten
 vorhanden fein, d.h. e&amp;amp; muß gleichjam ein Mangel
an Handwerkern hHerrfchen. Das ift aber der Fall, wenn «) die
Bumwachsrate der Bevölkerung überhaupt niedrig ijt, d. 9. aljo
die Bevölferung fich langjam oder gar nicht vermehrt; B) wenn
insbejondere die Rate der agrarijchen ÜberfchnpbevSölferung
den gefamten Zuwachs, der in ihren Reihen entfteht, auch in
der Sphäre der landwirtfhaftlihen Produktion abdjordbieren
fann; y) wenn die wenigen Kefruten, die fich dem Handwerk
infolge jener geringen Bevölferungszuflüjfe von neuem immer
wieder jtellen, eine be[onders lange Zeit zur Heranbildung erheifchen,
 d. h. menn der Stufengang der gewerblichen Uusbildung
 ein bejonders fomplizierter Mt.
b) Wird ein Mangel an gewerblichen Produkten Dadırcch
herbeigeführt, daß- die Produktivität der gewerblichen
Arbeit gering entwidelt ift, Jo daß alfo die wenigen Handwerfer,
 die zur Berfligung Itehen, außerdent noch wenig produzieren.
 Demgegenüber muß alsdann eine Kauffräftige bzw.
        <pb n="38" />
        38 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

zahlungsfähige Nachfrage ftehen, die mit den Überfchiffen des
Bodens reichlidhe Mengen an gewerblichen Erzeugnijjen zu erwerben
 in der Lage und gewillt ift. Auf diefe Weife erfüllen
fich diejenigen Bedingungen, die dem Handwerk gleichfam in
quantitativer Hinficht die für feine Erijtenz notwendige
Sicherheit und Stabilität gewährleiftet. ES muß noch dazır
fommen, daß durch ganz beftimmte Umftände auch, wenn der
Uusdrud geftattet ift, in qualitativer Beziehung jene notwendige
 Stabilität gewährleijtet merde, d. h. der Handwerker
vermag nur dann zu beitehen, wenn die Technik einer Zeit
nicht unausgejegt Veränderungen der Verfahrungsweifen im
Gefolge hat, Der Handwerker, der auf eine beftimmte Fertig-Ffeit
 eingelernt ift, ijt ganz außerftande techni]hen Veränderungen,
 die während feines Lebens jich einftellen, jederzeit gerecht
zu werden. Man wird deshalb fagen dürfen, daß das Handwerf
 zu feiner Eriftenz notwendig das empirijhe Verfahren
als Vorausjegung hat, weil nur unter der Herrfchaft diefes
Verfahrens, wie wir in dem erften UWbicdHnitte gefehen haben,
eine jolde Sangjamkeit in der Umbildung der gewerblichen
Technik herr] ht, wie fie dem Vermögen des Handwerkers allein
entipricht.

III, Die Fapitalijtijdhe Ordnung des Gewerbes.
1. Begriff und Wejen des Kapitalijtijhen WirtjhaftSjyftem3.
Das Kapitaliftijche Wirttchaftsiyftem weilt Folgende Eigen:
arten auf:
1. Der Geift, die Wirtfchaftsgefinnung, find wie folgt
beftimmt:
a) das hHerrichende Wirtichaftsprinzip ift das Erwerbs:
prinzip.
Die Eigenart des Erwerbsprinzips äußert [ich darin, daß
unter feiner Herrfchaft der unmittelbare Zwed des Wirtfchaftens
 nicht die Bedarfsbefriedigung eines lebendigen Menfchen
Dder einer Vielheit von Menfchen it (wie e8 bei allen nicht:
        <pb n="39" />
        Sewerblide Produktion in den Wirt/Haftsfyjtemen. 39

fapitaliftifchen Wirtfhaftäfyftemen der Fa ordern wusichließlich
 die Vermehrung einer Geldjumine, Diefe "Bine
jebung it der Idee des Kapitaliftif hen, Wiki] hafts[yYjtems {Mmanent;
 man fann alfo die Erzielung don enmsinng (has hetht
die Vergrößerung einer Anfangsfummte, durch wirkchaftlicde
Tätigkeit) als den objektiven Zweck der Kapitalijtijchen Wirtg
ichaft bezeichnen; mit dem (zumal bei vollentwjckelter SEA
(ijtijcher Wirtfchaft) die fubjektive Ziwedjehnug der eingehen
Wirt haftsfubjekte nicht notwendig zufammenzufallen braucht.
Das zweite Wirt] Haftsprinzip, von dem die Kapitaliftiiche
Wirt] haft beherrfcht wird, ift
b) der Fndividualismus. Man [pricht hier auch von dem
Ronkurrenzprinzip. Diefes bedeutet, wie wir aus früheren
Sejtitellungen wiffen, eine SGeifteshaltung, nach weldher das
einzelne Wirtfchaftsfubjekt Jich ausfchließlich auf fich allein ge»
ftellt Fithlt. Der einzelne vertraut nur auf fich und feine Kraft.
Er dehnt feine Wirkungs phäre [vo weit aus, als e&amp;amp; Jeinem Willen
und feiner Machtvolliommenheit ent{pricht, vhne Rücficht auf
das Wohl und Wehe anderer am Wirtfhaftsleben beteiligter
Berfonen zu nehmen. Er Handelt „rücjichtslos“. Dafür erwartet
 er auf der anderen Seite grundjäßlih auch keine Rücfichtnahme
 anderer auf fich. Er erwartet feine Hilfe, keine Unterftüßung,
 feine Förderung. Das Prinzip der (naturalen)
Sreiheit, die hier foviel wie Eilbogenfreiheit bedeutet, it auf
Roften des Prinzipz der Gleichheit verwirklicht, im geraden
Segenfak etwa zu den demokratiichen Eigenwirtf haften, dem
Handwerk oder den Syltemen des modernen Sozialismus.
Dem Konkuırrenzprinzip entfpricht das Prinzip der völligen
Drgeltlichteit von Leiftung und Gegenleiftung, das do-ut-des-Vrinzip.

Das dritte im Kapitaliftijhen Wirtfhaftsjyftem Geltung beanfpruchende
 Wirtfchaftsprinzip it
e) der öfonomijche Nationalismus, von dem vor allem
alle fapitalijtilchen Draanilationen durchdrungen find (während

xx
        <pb n="40" />
        10 Die gewerblidhe Arbeit und ihre Organifation.

außerhalb diefer Organifationen weite Gebiete des Wirt] haftslebens
 der Frrationalität verfallen find, die völlig aus dem Wirt:
Jchaftsleben auszutilgen, [ich der wirtfchaftlidhe Sozialismus
zur Aufgabe ftellt).
Der Sfonumijche Rationalismus, das heißt alfo die grundfäßliche
 Einftellung aller Bornahmen auf höchftmögliche Zivedmößigfeit,
 äußert jich in den Kapitaliftifchen Organifationen in
dreifacher Weife:
&amp;amp;%. als Planmäßigfkeit der Wirtfhaftsführung;
ß. als Zwedmäßigkeit im engeren Sinne;
Y. als Rechnungsmäßigkeit oder Nechenhaftigkeit,
Die Planmäßigkeit bringt in das Kkapitaliftifche Wirt] hafts-[yjtem
 das Wirt! haften nach weitansfhauenden Plänen. Wohlberftanden
 der Einzelwirtfhaften, auf denen, wie wir fehen
werden, die Kabitaliftifjche Wirt] haft aufgebaut ift (während im
Unterfchiede dazu wiederum der Sozialismus diefe Planmäßigfeit
 zu einer allgemeinen, die einzelnen Wirt] haften in ihrer
Sejamtheit umfajfenden machen will, weshalb er organifatorifch
 notwendig von einem wirt{haftlidhen Gefamtplan aus:
geht).
Das Prinzip der Zwedmäßigkeit i. e. S. erfirebt die richtige
Mittelwahl in jedem einzelnen Kal.
Das Prinzip der Rechnungsmäßigkeit endlich will das Lrinzip
 der Entgeltlichfeit mit dem des Skonomifchen Rationalismus
 dadırch vereinigen, daß es die erakt ziffernmäßige Berechnung
 (in Geld) und Hegifirierung aller wirtdhaftlidhen
Einzelerfcheinungen und ihre rechnerifche Zufammenfafjfung
zu einent finnvoll geordneten Zahlenfyfteme anftrebt. Das
Prinzip der Rechnungsmäßigkeit findet feinen vollendeten
MAusdrud in der dem Kapitaliftifchen Wirt] haftsiy}teme eigen:
tümlidhen hochentmidelten Buchführungskunit, Um diefe rechnungsmäßige
 Syftematifierung der wirtjhaftlidhen Borgänge
volllommen durchführen zu fönnen, muß jeder einzelne Borgana
 des Wirt{Hhaftslebens mit einem Geldausdruck verlehen
        <pb n="41" />
        SGewerblide Produktion in den Wirt[chafts[yjtemen. 41

werden. Alle wirt] Haftlichen Erfcheinungen verlieren dadurch
ihre qualitative Färbung und werden zu reinen in Geld ausdrücbaren
 und ausgedrücten Yuantitäten. ;
2, Die Form des Kapitaliftifchen Wirt haftsfyltemS gewährt
folgendes Bild:
a) die WirtfchHaftsordnung ift eine arundfägßlih freie; es
entipricht dem Herrfchenden Wirtfchaftsprinzipe des Individualismus
 eine weitgehende Ungebundenheit der einzelnen
Wirt] Haftsjubjekte;
; b) die Kfabitaliftifche Wirt] haft ft grundjäglih Privatwirt-Daft;

c) die Struktur der Kapitaliftifchen Wirtfchaft ft ari]tokratif
 ch, d.h. die Zahl der Wirt! haftsfubjekte it gering im Vergleich
zu der am Wirtfchaftsleben überhaupt beteiligten Perfonen;
d) die Kapitaliftifche Wirtfchaft ift eine ausge[prochen aufgeföfte,
 5. 5. Jie ruht auf einer Hochentwidelten Berufs-\pezialifation
 und FJunktionenbverteilung.
e) Die Kapitaliftifhe Wirtfchaft ruht auf verfehrsmwirt-Tchaftlicher
 @rundlage al3 marktmäßiger Bindung: alle Produftion
 erfolgt für den Markt, ift ausgefprodhene Warenproduktion.
 Alle Produkte gehen in den Verkehr; alle Produkftionsmittel
 kommen aus dem Verkehr. Die Bindung
zwifchen den Wirt] Haftsfubjekten und den Wirtjhaftsobjekten
erfolgt durch Vertragsabjchlüffe auf dem Markte. Die Inbeziehungfebung
 von Bedarf und Produktion findet auf Umwegen
 {tatt: durch Vermittlung der Preife.
„f) Die Betriebsgeitaltung ijt im fapitaliftifchen Wirt»
Ichafts[yjtem nicht eindeutig beftimmt. Zivar überwiegt in ihm
der Großbetrieb, doch hat in ihm auch der Keinbetrieb Plag.
Wir bezeichnen als Hausindufirie oder Berlags[yftem diejenige
fapitaliftijdhe Organifation, bei, welcher die Produktion in
Keinbetrieben ftattfindet.
3. Die Technik des Kapitaliftifjdhen Wirtjchaftsfyftems {ft
wiffenfhaftlich-rebolutionär-anoraanifch.
        <pb n="42" />
        42 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

Das Dajein des Kapitalismus ijt nun an beftimmte Bor:
ausjebungen und Bedingungen geknüpft.
SO unterfheide fubjektive Borausjeßungen und objektive
Bedingungen der Kapitaliftifchen Produktion. Subjektive
Vorausfeßungen nenne ich diejenigen Qualitäten, die ein
Wirtfchaftsfubjekt befigen muß, von dem die Bildung einer
fapitaliftijcdhen Unternehmung ausgehen [oll. Objektive Be:
dingungen diejenigen Umftände, die in der Umwelt des Wirt-1
 Ohaftöfubjektes realifiert fein mülfen, damit diefes [eine Zwede
Durchführen fönne.
2, Die jubjektiven Borausjekungen des Kapitalismus.
Die fubjektiven Vorausjekungen einer Kapitaliftijhen
Unternehmung fönnen auf @rund der Darftellung, die ich von
deren Wejen gegeben Habe, ohne weiteres namhaft gemacht
werben. Weil e8 ih nämlich bei jeder Kapitaliftifdhen Unter.
nehmung um die Verwertung eines Sachvermögens Handelt,
19 ijt offenbar die erfte Bedingung, daß diefes Sachvermögen
in ent{prechender Höhe fich in der Verfügungsgewalt eines
WWirtfchaftsfubjektes angehäuft habe, ehe auch nur der erfte
Schritt auf dem Wege der kapitaliftijhen Unternehmung getan
werden kann. Die erfte fubzjektive Vorausjekung ift alfo eine
entjprechende Vermögens- oder wie wir genauer umfchreibend
fagen fönnen, Geldakfkumulation in den Gänden einzelner
Wirt chaftsfubjekte, die durch Kredit erfeßt werden kann.
Diefe Geldakkumulation i{ft nun .aber, wie erfichtlich, noch
nicht für ich allein fhon hinreichende Borausfegung auch nur
für den Wlan einer fapitaliftijhen Unternehmung. E ift viel
mehr möglich, daß der Geldbefiger ganz und gar nicht die Wbjicht
 hegt, Jein Vermögen in einer Lapitaliftijdhen Unternehmung
 zu verwerten. Was aljo zu der Geldakfummulation als
(ubjektive Borausfeßgung hHinzutreten muß, um die fumulierten
Geldbeiräge in Kapital zu verwandeln, it der [pezififcdh
Fapitaliftif he ®eift ihres Befibera: daz Gewinnfireben, der
foNulatori{h-{vekulative Sinn, der bkonomifche Nationalismus
        <pb n="43" />
        Sewerblidge Produktion in den Wirt{[Haftsfyjtemen. 43

1e

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8, Die objektiven Bedingungen des Kapitalismus.
Die objektiven Bedingungen, an deren Erfüllung die
Eriftenzmöglichfeit Kapitaliftijcdher Organifation gefnüpft ft,
fönnen wir zunächit zul ammenfajfend dahin beftimmen, daß
wir Jagen: eS mülfen diejenigen Bedingungen erfüllt fein, die
dem Kkapitaliftifchen Unternehmer eine [einen Bedürfnijjen ent»
jprechende Vertragsfchließung mit dritten Perjonen ermöglichen.
 Diefe Bedingungen find entweder formeller dder materieller
 Natur.
Fragen wir zunächft: wie ijt Bertragsjchließung im Kapitalijtifdhen
 Sinne formell möglich, fo ergibt ih die Antwort
bon jelbit dahin, e3 müffe die Rechtsordnung derart be-Ichaffen
 fein, daß Jie die vom Wefjen der Kapitalijtijchen Unternehmung
 erheifchten Rechtsverhältniffe und Verträgegeftaltung
zulafje. Dies jt aber vor allem das Privateigentum auch an
Produktionsmitteln. Dies find {odann folgende Urien von
Verträgen: Kauf, Pacht, Leihe, Dienjimiete. Immer muß der
fapitaliftifcdhe Unternehmer Berkäufer oder Käufer, Vermieter
oder Mieter, Verpachter oder Pachter von Sachgütern eben]o
wie Käufer und infonderheit Verkäufer von Leiftungen (Dieniten)
 finden, mit denen er fontrahieren kann. Und alle diefe
VBertragsfchließung ruht, mie ebenfalls erfichtlich ijt, mur dann
auf einem ficheren Fundament, wenn dem Kapitalijtijhen
Unternehmer die freie Verfügung über die zur Weiterverbreitung
 vder Bearbeitung erworbenen Sachgüter zufteht,
5, h. alfo, menn Privateigentum an allen Kategorien von
Sachgütern, infonderheit auch an den Jachlihen Produktionsfaktor
 befteht. Ausbdriückich muß jedoch hervorgehoben werden,
daß die erwähnten rechtlichen Beziehungen keineswegs nDtwendig
 von der NMechtsordnung als Itatthaft anerkannt zu fein
brauchen. € genügt, um die Erijtenz des Kapitalismus [vrmell
 zu ermöglichen, daß jene Beziehungen auf irgendeine
Weife, fet e3 praeter legem, fei e&amp;amp; contra legem tatjächlich zu«
Itande fommen fönnen. Damit nun aber Kapitalismus mög.
        <pb n="44" />
        14 Die gewerbliche Arbeit und ihre Organifation.

lich Jet, it nicht nur erforderlich, daß die im Wefen Kapitalifti-{her
 Organijation gegründeten Vertragsichließungen über:
Haupt ftattfinden Können, fie müffen vielmehr auch in einem
dem Unternehmer günftigen Sinne ji abwideln, d. h. alfo im
Endergebnis die Meproduktion. eines Sachvermögens nebit
einem Yuffchlag — dem Profit — herbeiführen. Die Bedingungen,
 an deren Erfüllung folcherart die Verwertung eines
Kapitals gebunden ift, ind die objektiven Bedingungen
materieller Natur, von denen oben die Rede war. Wir fönnen
ihrer Hauptfächlich zwei ver]chiedene Kategorien unter] heiden.
Eritens muß ich Gelegenheit bieten, daß der Kapitaliftifche
Unternehmer die von ihm produzierten Waren in hHinreichender
 Menge gewinnbringend verkaufen Kann. In der Eigenart
der Kapitalijtijchen Produktionsweife ijt es begründet, daß die
Warenerzeugung unter einem beftimmten Minimum von Pro-Duften
 nicht erfolgen kann, daß fie aber von einer Tendenz
zur unausgefeßten Uusweitung des Produktionsrahmens be:
herrjcht wird. Daraus ergibt fich, daß eine der vornehmiten
Bedingungen für die Erxiftenz Kapitaliftifdher Produktion das
VBorhandenjein einer großen Unzahl von Käufern ift. Wir
fönnen das auch [o ausdrücen, daß wir Jagen, die erfte objektive
Vedingung materieller Art ift das VBorhandenfein eines
großen Abiagßmarkteß.
Zweitens: Da die Kapitalijtijche Produktionsweife nur bejtehen
 fann, wenn der Kapitaliftijdhe Unternehmer fremde technijche
 Arbeiter in feinen Dienit nimmt, fo ift die zweite objektive
Bedingung materieller Natur, an deren Erfüllung Kapitaliftifche
 Unternehmung geknüpft ift, das VBorhandenfeineiner
ent{predhenden Anzahl vorf Arbeitskräften, die dem
Unternehmer als Material dienen Können, d, h. alfo, es müffen
Perfonen vorhanden fein, die, weil fie auf andere Weife ihren
Unterhalt nicht finden, freiwillig [ich zur Berridhtung von Lohnarbeit
 im Solde eines fapitalifti] den Unternehmers verdingen.
Wir nennen diefe Berlonen Rroletariat.
        <pb n="45" />
        Das Altertum,

45

Das Proletariat wird gebildet:
‚A. Aus der Zufhußbevölkerung, d. h. denjenigen Ele.
menten, die fchon felbitändige Produzenten waren, in ihrer
Stellung aber nicht bleiben können, fei e5, daß man fie ger
waltfam darauz vertrieben Habe, wie 3. B. gelegte Bauern,
jet e8, daß ihre Eriftenz allmählich durch widrige Umftände
Untergraben wurde.
B. Aus der Über hußbevölkerung, d. 9. denjenigen Per.
(onen, die felbjtändige Produzenten oder, was dem gleich»
fommt, nicht merden fönnen; hier Handelt es fich aljo um eine
Bevölferungsfchicht, die noch nicht felbitändig war, aber von
der Sfonomifch felbftändigen Bevölkerung nicht abforbiert wird.
GE ijt erfichtlich, daß [ich diefe Elemente rekrutieren aus dem
Nachwuchs, fomit in ihrer Exrpanfionsfähigkeit an die Schranfen
 organi[hen Wachstums gebunden find. Eine Überfhußbevölferung
 bildet ich überall dort, wo die Anzahl der Stellen
jelbitändiger Produzenten aus irgendwelchem Grunde eine
der Zumwachsrate der Bevölkerung nicht mehr ent] prechende
Nermehruna erfährt.

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Zweiter Abihnitt.

Überblid über die gefhichtlide Entwidlung
des Gewerbewelens.

Srites Kapitel.
Das Altertum.

€ kann nicht die Aufgabe der folgenden Darftellung fein,
eine Schilderung der gewerblichen Zuftände auf der Erde, d. h.
bei den ver] chiedenen Völkern und in den verfchiedenen Zeiten
zu geben. Wir müljen ung vielmehr damit begnügen, einen
Überblig zu gewinnen über diejenigen Entwidiungsreihen im
Gewerbewefjen, die wir in einem Bufjammenhanag mit unferer
        <pb n="46" />
        46 Überblid über d. ge[hichtl. Entwidkkung d. Sewerbewvefens.

Gegenwart nachweijen Können, d. 9. alfo einen Überblick über
die Gejtaltung der gewerblichen Verhältniffe in dem Rahmen
ber weit- bzw. Jübenropäifhen Anltur. Auch diefer Überblid
fanıt. naturgemäß nur in ganz flüchtigen Umrijfen gegeben
werden. ;
Welchen Charakter das Gemerbewefjen derjenigen Zeitfpanne
getragen, die wir uns gewöhnt Haben, als Altertum zu bes
zeichnen, insbefondere weldhes die wirt] Hhaftlihe Form der gewerbliden
 Produktion jener Jahrhunderte gewefen fei, if
Heute firittiger, al8 e8 vor einem Menfchenalter war. Von
Karl Rodbertus und Karl Bücher ijt mit aller Ent{chiedenheit
 und auf Grund einer weitgehenden Sachkenntnis die Auf»
fajfung vertreten morden: das Altertum [ei in der Organifation
feines Gewerbes über die eigenwirt]haftlidhe Zorm, die in der
von un&amp;amp; als erweiterte Eigenwirtjchaft bezeichneten Gejtalt
einen befonderen Höhepunkt erreichte, im wefentlidhen nicht
Ginausgefommen. € habe alfo dem Altertum ein freies Handwerfertum
 eben{o wie der gewerbliche Kapitalismus im modernen
 Sinne in größerem Umfange gefehlt. Gegen diefe Auffafjung
 ift aus dem Kreife der Fachhijtoriker lebhafter Widerforuch
 laut geworden, ohne daß dadurch die befämpfte Unficht
von ihren Veriretern aufgegeben worden wäre. Augenbliclich
it der Kampf noch unentfhieden, und man wird e8 den einzelnen
 Unterfuchungen der nächften Jahre überlaffen müfjfen, die
Sachlage weiter zu Hären.
Soviel jich jebt mit einiger Sicherheit über die gewerblidhen
Bujtände des Altertums ausfagen läßt, dürfte etwa folgendes
fein: Zweifellos hatfich in den Staaten des Altertums im Laufe
der Jahrhunderte, wie {bäter im Mittelalter, aus dem häuerlien
 Cigengewerbe ein felbjtändiges Handwerk auch mit
freien Seuten heraus entwidelt. Chenfo ficher dürfen wir annehmen,
 daß diefes Handwerk in den europäifchen Staaten
des Altertums, im geringften Umfang vielleicht in Griechenland,
in größerem Umfange im Kaiferlidhen Rom und vielleicht im
        <pb n="47" />
        Das Altertum.

47

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A111

itärfiten Maße in den orientalij hen Kulturftaaten von einer
Epoche gefolgt gewefen ift, die Züge des gewerblichen Kapitalimu8
 im modernen Sinne trägt. ®anz unzweifelhaft aber
ijt e8, daß [omwohl das freie Handwerk. wie der gewerbliche
Kapitalismus nicht annähernd eine [o mächtige Entfaltung erfahren
 Haben, wie etwa im germanifdh-romanifchen Kıltur«
gebiet mährend des Mittelalters und der Neuzeit. Man wird
vielmehr foviel Don der Rodberius-Bücherfchen Auffalfung mit
aller WahrfHeinlichteit als unumftößlihe Erkenntnis retten,
daß in der Tat die Wirt/haft des Altertums, insbefondere alfo
auch die gewerbliche Produktion, in viel weiterem Umfang al
die [pätere Wirtjchaft in den Formen der Eigenproduktion
teen geblieben ift. Die Eigenproduktion, die allerdings in
der Form der erweiterten Eigenwirtfhaft zu unftvoller Ent.
wiclung gelangt ijt. I8 Grund diefer, dem Altertum eigen»
tümlichen Wendung der Dinge wird man das Vorhandenfein
der Stlaverei anfprechen dürfen. Will man aljod ein Spezifitum
 fuchen, das die Wirtfchaft des Altertums be»
fonders hHarakterifiert, fo wird man, das [heint jeßt [don
unzweifelhaft, die befonders Hoch entwidelte Form der Häuslichen
 Eigenproduktion als Jolhes annehmen miütffen.
Die Bezeichnung für dieje ausgebildete erweiterte Cigen»
wirtfchaft ift die der Diken-Wirtfchaft (von Dikvs. = das
Haus). Bon ihr finden wir Schilderungen [owohlin der afıati] hafrifanifchen
 Kulturwelt, wie namentlich auch tm @riechenland
und Rom. So erfahren wir beifpielsweije von großartiger
eigenwirt{haftlicher Organifation mit dementjprechend handwerksartigen
 gewerblichen Arbeitern unter der XIIL DYnaftie
aus Ägypten:
„Wie die Großen von Memphis, fo befaßen auch die Borfteher
 des Nomos Mah Hürige, die ich auf jedes Handwerk verftanden.
 Bimmerleute und Schiffsbanmeijter fällen Bäume
und behauen fie, Tifchler und Stellmacher jehen wir bei feines
ter Arbeit, Steinmeben, Bildhauer und Unitreicher rühren die

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        48 Überblif über d. ge[dicht!. Entmiclung d. Gemwerbemefens.

Hände, und Ziegelfireicher beim Aneten des Ton auch die
Hupe. Töpfer Jorgen für die. Gefäße des Haufes, die fie fchön
zu drehen und zu brennen verftehen, und Glasbläfer für Flachen
 zu feinerem Bedarf. Gerber und Schufter üben ihr
Handwerk und an den im Frauengemach aufgeftellten Web:
ftühlen find dienende Weiber tätig, weldhe von feiften Man:
nern bewacht werden.“
Cine folcdhe erweiterte Eigenwirt] haft großen Stils [Heint
auch im jüdijhen Tempel zu FJerufalem zu Fefu8 von
Nazareths Zeiten gehert{cht zu haben. Wie hören wenigjtens,
daß an Ort und Stelle die Schaubrote hergeftellt und die Opfer:
tiere gefchlachtet wurden, daß e8 im Tempel Spezialärzte und
DBrunnenmeifter, SGarderobemeijter, Lampendochtbeforger,
Kunftiveber fowie Meijter und Gehilfen der verfchiedenften
Gewerbe gab, die hier arbeiteten und aus der Tempelkaffe hezahlt
 murden, .
Bon der Organijation einer römijdhen ODifkenwirtfchaft
 entwirft Bücher folgendes Bild: „Die ganze unfreie
Arbeiter] haft eines reichen römifchen Haufes zerfiel in zwei
Hauptgruppen: die familia rustica und die familia urbana.
Die familia rustica dient produktiven Zweden, Auf jedem
größeren Sandaut ift ein Verwalter und ein Unterverwalter
mit einem Stab von Aufjehern und Werkmeiftern, welche über
eine anjehnlide Schar von Feld- und Weinbergsarbeitern,
Hirten und Viehwärtern, Kiüchen- und Hausgefinde, Spinne:
rinnen, Webern und Weberinnen, Walkern, Schneidern, Zim:
merleuten, Schreinern, Metallarbeitern, Arbeitern zum Bes
trieb der landwirtfhHaftlichen Nebenbetriebe gebieten. Auf den
größeren @ütern ift jede Arbeitergruppe wieder in Übteilungen
von je zehn (decuriae) geteilt, die einem Führer (deeurio,
monitor) unterftellt ind. Die familia urbana läßt Jich in das
Verwaltungsper]onal, das Perjonal zum inneren und äußeren
Dienjt des Hausherren und der Herrin teilen. Da ift zunächft
der BVermbgensvermwalter mit dem Kaflierer, den Buchhaltern,
        <pb n="49" />
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Das Altertum.

Miethäufervermwaltern, Einkäufern u. Ddol. Übernimmt der
Herr Staatspachtungen oder treibt er Reedereigefhäfte, Jo hält
er dafür ein befonderes, unjreies Beamten- und Arbeiterperfonal.
 Dem inneren Dienft des Haufes dienen der DHausverwalter,
 die Türfteher, Zimmer: und Saalwärter, Möbelbemwahrer,
 Garderobiers8; über der Verpflegung walten: der
Haushofmeilter, der Kellermeifter, der Auffeher der VBorratefammer;
 in der Kirche drängt [ich eine große Schar don Röichen,
Heizern, Brot-, Kuchen- und Paitetenbädern; bejondere Tafeldeder,
 Vorfchneider, Vorkofter, Weinfchenken bedienen die
Tafel, bei der eine Schar [Höner Knaben, Tänzerinnen,
Zwerge und Poffenreißer die Gäfte amiüfieren. SJür den pers
[önlichen Dienft des Heren find angeitellt: ein Beremonien:
meifter, der die Befucher einführt, verfchiedene Kammerbdiener,
Badewärter, Salber, UWbreiber, Leibchirurgen, Urzte faft für
jedes Nörperglied, Bartfcherer, Borlefjer, Privatjekretäre u. Dal.
Man hält fich einen Gelehrten oder Philojophen zum Haus.
gebrauch, Architekten, Maler, Bildhauer, eine Mufikkapelle;
in der Bibliothek find Koptiten, Pergamentglätter, Buchbinder
beichäftigt, durch welche der Bibliothekar die Bücher in eigener
Regie des Haufe Heritellen Läßt. Selbit unfreie Beitungsjchreiber
 und Stenographen dürfen in einem vornehmen Haufe
nicht fehlen. Zeigt fich der Herr in der Öffentlichkeit, [o {chreitet
ihm eine große Schar SHaven voraus (anteambulones) eine
andere folgt ihm (pedisequi), der Nomenklator nennt ihm die
Namen der Begegnenden, die begrüßt fein wollen; eigene
distributores und tesserarii teilen Befjtechungen unter das
Volk aus und geben die Wahlparole ab. E$ find die Camelots
des alten Rom, und was fie am [Hhäkbarften macht, fie find das
Eigentum des vornehmen Strebers, der fie benußt. Diefes
politijche Beeinfluffungsfyftern wird ergänzt durch die Veranftaltung
 von Schaufpielen, Wagenrennen, Tierlämpfen und
Gladiatorenfpielen, für weldhe bejondere Sflaventruppen abgerichtet
 werden. Geht der Herr als Statthalter in eine %ro-Sombart,
 Gemerbemeien I.

49
        <pb n="50" />
        50 Überblid über d. gefhicht!. Entmidlung d. Gemwerbemelens.

vinz oder weilt er auf einem feiner Landgüter, {o unterhalten
unfreie Ruriere und Yriefboten den täglichen Verkehr mit der
Hauptitadt, Und was follen wir erft von demr SHavenhofftaat
der Herrin jagen, über den Böttiger ein eigenes Buch („Sabina“)
 gefhrieben hat, von dem unendlich | pezialifiertem Wartund
 Erziehungsper]onal der Kinder! € war eine unglaubliche
Menjchenverjchwendung, die hier getrieben wurde; {chließlich
aber wurde mittel diejes vielarmigen, durch ein großartiges
Büchtungs- und Erziehungs] yjtem erhaltenen Organismus der
gef hloffenen Hauswirt| haft die perfönliche Kraft des SHaven-Herrn
 vertaufendfacht, und diefer Umftand trug wejentlich dazı
bei, die Herrichaft einer Handvoll Ariftokraten über eine Halbe
Welt zu ermöalichen.

Zweites Kapitel.

Das Mittelalter.

Wenn wir den Entwickungsgang verftehen wollen, den das
wirt/haftlidhe Leben der germanifch-romanifchen Rulturmwelt
während des Mittelalters genommen hat, {o werden wir uns
|tet$ gegenmärtig halten müffen, daß eS zwei Ströme find, die
in dem Bett der Wirt| haft jener Zeit zujammenfließen. uf
der einen Seite i{t es die primitive wirtfchaftliche Kultur, wie fie
die wandernden Kelten, Germanen und Slaven bei ihrem Ein
tritt in Europa mitbringen, die auf Jahrhunderte hinaus die
Sigenart ihres Wirtfchaftslebenz beftimmt. Zu ihr tritt dann
aber in einem mehr oder weniger ftarfen Maße die Über:
(ieferung der Hohen wirtjchaftlidhen Kultur, mie ie das aus
gehende römifche Katferreich entwidelt Hatte, In der Verzinigung
 diefer beiden Ströme liegt eine der herborftechenden
Eigenarten mittelalterlichen Wirt] haftslebens und insbefondere
ijt auch das Gemerbewefen jener Zeit gar nicht anders zu veritehen,
 als aus einer Vereinigung jener beiden disparaten
Ölemente.
        <pb n="51" />
        Das Mittelalter.

51

I. Bäuerlidhes Gewerbe.
Diejenige Stufe gewerblider Entwidlung, die die nach
Weit-, Mittel- und Südeuropa einwandernden indo-germaniihen
 Stämme erreicht Hatten, war die eines primitiven
bäuerlichen Eigenaemwerbes. Der Bedarf an gewerblichen
Erzeugnijjen wurde großenteils im Rahmen urjprünglich der
größeren Stammegswirt] haften und fpäter der Heineren
bäuerlichen Einzelwirt]Haften gededt.
Sleichfam als gewerbliche Hilfskräfte, die den eigenproduzierenden
 Bauern zur Seite ftanden, müffen wir uns den Stab
von Dotfhandmerfern denken, deren Spuren fich heute noch
in entlegenen Gebieten, etwa Oftdeutfhlands, nachweifen
lajfen. €3 find gewerbliche Arbeiter, die gleichfam im Dienjte
einer Dorfgemeinde jtehen, die man deshalb auch treffend als
Demiurgen diefer Dorfgemeinde bezeichnet hat. Wir finden
fie [on bei Homer, wir finden fie in den indijhen Banerngemeinden,
 wo fie den fogenannten „Urtizan Staff” ausnrachen,
 und wir müffen ung, wie gefagt, fie auch in die Dorf»
gemeinden der Germanen verfeßt denken, als diefe ich in
Europa anfiedelten. Diefen Dorfhandwerkern liegen insbefondere
 diejertinen gewerblichen Tätigkeiten nb, die ihrer
fchwierigeren Technik wegen im Haufe des Bauern nicht {0
leicht verrichtet werden konnten, namentlich wohl die Schmiederei
 und Töpferei. Die wirtfchaftliche Stellung eines Jolcdhen
Dorfhandwerts trägt, wie gefagt, einen beamtenhaften Charafter.
 Er erhält von der Gemeinde den nötigen Unterhalt geliefert
 und ift ohne oder gegen geringes Einzelentgelt verpflichtet,
 die in den Bauernwirtf haften notwendig werdenden Arheitem
 zu verrichten. Ich fagte vorhin, daß die Spuren diefes 1ralten
 Dorfhandwerferthyns noch in der Gegenwart Jich nachweifen
 laffen und will hier einen Bericht aus Nakel im Nebediftrikt
 wiedergeben, der ung die Stellung eines folden Gemeindefchmiedes
 deutlich machen kann. € heißt dort: Die
Einnahmen des Gemeindefhmiedes jind jolgende: Bar
*
        <pb n="52" />
        52 Überblid über d. ge[hicht!. Entwicklung d. Sewerbewefens.

90 Mark, 20 Bentner Roggen, 8 Zentner Gerite, 10000 Stüd
Zorf, Brennholz, Weide, Wohnung, einen Morgen Garten
land. Zu diefen Einkünften, für welche der Hufbei ODlag und
alle zu leiftenden Neparaturen am Adergerät der Gemeindemitglieder
 ausgeführt werden mitffen, treten noch etwa 200 IM.
für die befonders zu zahlenden Arbeiten. Die Verpflichtung
zur Seiftung des Deputats ruht auf der Gemeinde, da dieje als
Toldhe den Kontrakt [hließt. Die VGemeindefdhmiede aber müffen
ihr Deputat bei den einzelnen Befikern in der gerinaften Quote,
bis zu einem Viertel Megen herab, einjammeln. Dies ge
)hieht vierteljährlich; die von den einzelnen zu gewährenden
Mengen ind nach Maßgabe des Grundbefikes bzw. der Pferde.
anzahl ein für allemal fejtgefeßt. Jedoch ift eine {Harfe mathematijche
 Berechnung der Anteile nicht üblich, vielmehr wird
diefe mehr [häbungsweife bemeffen.
Durch die Ausbildung folcher, von Gemeinde wegen angeftellter
 berufsmäßiger gewerblicher Produzenten wurde der
eigenwirt|haftliche Charakter der alten Bauerngemeinden auch
in den Zeiten aufrecht erhalten, in denen die gewerbliche Technif
 bereits über die erften Unfänge ihrer Entwicklung hinaus
gefommen mar.

1. Die gewerbliche Produktion in den Fronhofwirt-Ichaften.


Wenn wir mit den eben gejchilderten Zuftänden den Ent
wicdlungsgrad vergleichen, den die gewerbliche Produktion an
gewiffen Punkten Europas fchon zur Merowinger-Zeit erreicht
hatte, fo 1äßt fich dafiir das Verftändnis nur gewinnen, wenn
wir ung, wie gefagt, erinnern, daß die jungen Völker Europas
doch als Erben der hohen Kultur des Römerreichs angejehen
werden mijjen. Insbefondere gilt dies für die Großen des
Reiches, die wir ung an Stelle der ver[hwindenden römifchen
Öroßen zunächft in Gallien und Italien gefebt denken miüilfen,
and die dann auch in die von römifcher Kultur nicht berührten
        <pb n="53" />
        Das Mittelalter.

53

Gebiete Europas deren Errungenfhaften verbreiteten. Ynzbefondere
 ift es die Oikenwirdj haft, die in zum Teil veränderter
Horm in daz germanijdh-comanifche Mittelalter hinüber gerettet
 wird. Sie ericheint hier als fogenannte Fronhofwirt-[chaft,
 d. 9. al8 Hoch entwidelte Eigenwirtichaft der weltlichen
und geiftlidhen Großen des Reichs, der Klöfter, Stifter 1].
Was Jih gegenüber dem Altertum geändert Hatte, war Die
rechtliche Lage der in diejen Wirtfchaften tätigen, abhängigen
Leute. Diefe waren, wie man weiß, aus SfAaven Hörige geworden.
 Des weiteren unterfchied jich die mittelalterliche
Fronhofwirtfchaft dadurch von der antifen Difenwirt/ haft, daß
die BetwwirHchaftunge des Bodens vielfach von Banern ausgeführt
 wurde, die auf ihrer Scholle verblieben und Lediglich zu
Dienften bzw. Wogaben an den Fronherın verpflichtet waren.
Was die gewerbliche Produktion anbetrifft, {Do wurde diefe
ganz ähnlich wie-in den alter Difenwirtichaften vollzogen. E€$
gab auf den aroßen Srunhöfen Arauenläle, mo die aus dem
eigenen Boden, bzw. von den eigenen Lieren gewonnenen
Kohftoffe ver] bonnen und vermwebt wurden; e&amp;amp; gab auf den
Höfen herrfchaftliche Anftalten zur Vermabhlung des Geireides,
zur Bereitung des Brores, zum Yrahen, zur Berrichtung der
Schmiedearbeit, der Stellmacherarbeit u110.
Einen wie Hohen Grad die Entwidlung der gewerblichen
Produktion in dielen mittelalterlichen Fronhöfen erreichte,
(ehrt uns die Daritellung, die wir von dem Königzhofe
Karls des Großen im cayitulare de villis finden, das allerding
 nur als ein Programm aufzujajien Mt: Hier wird ausgefprochen,
 daß an jedem NXönigshofe vorhanden fein Follen
Eilen-, Gold- und Silberjchmiede, Schufter, Schneider, Sattler,
 Schreiner, Dreher, Zimmerleute, Schild- und Harnijchmacher,
 Sifcher, Bogelfänger, Seifenfieder, Bereiter von Bier
oder Aypfel- und Birnenmojt oder von anderen Getränken,
Bäcker, welche Semmeln zu bereiten verftanden, Jodann Verfertiger
 von Sachen zur agd, ebenfomwohl mie zum Sifch- und
        <pb n="54" />
        54 Überblie über d. gefhichtl. Entwicklung d. Gewerbeivefens.

Bogelfang u. a. m. Für feine größeren Bauten, 3. B.in Machen,
ließ Karl der Große Künftler und Meijter aus der weiteften
Herne berufen, daher findet man feit diejer Zeit auch Gofbaumetjter
 und Hofmaler, Alle diefe Auünftler und Handiverker
nebit ihren Meijtern und den fonftigen Borftehern Jind den
herr{ hHaftlichen Richtern untergeordnet gewejen. Die Aünfiler
und Handwerker waren daher felbjt Hofbeamte, und wie die
Hrauen in eigenen Arbeitshäufern zufammen gearbeitet haben,
[0 waren offenbar auch die Handwerker und Künftler in diefen
Arbeitshäufern, Kammern und Schreinen unter eigenen Bor.
itehern vereinigt. Für ihren Unterhalt erhielten die höheren
und angefeheneren Hofbeamten Benefizien, die niederen Dofdiener
 und Kolonen aber gegen Bing und andere Seiltungen
Bauerngüter. Die übrigen Diener wurden von ihrer Herr{chaft
gefleidet und ernährt oder fie erhielten ein beftimmtes Quan:
tum bon Getreide u. dal. mehr, eine Pfründe (provenda), von
welcher biefe Art von Taglöhnern Pfründner (provendarli
oder prebendarii) genannt wurden (v. Maurer). ;
Wenn naturgemäß auch in den Villen Karls des Öroßen diefe
erweiterte Figenwirtfchaft den Höchiten @rad ihrer Vollendung
 erreichte, fo miüfjfen wir doch ung in Heineren Dimenfionen
 eine ähnlihe Verfajfung der größeren Wirt] haften,
wie gejagt, über das ganze Weiteurobda der. damaligen Zeit
verbreitet denken.
II. Die Epoche des Handwerks.
Sandwerkmäßige Wirt[chaft ijt, [oviel wir wiffen, bisher am
veiniten in der Gefchichte in den Städten des eurDbäil chen
Mittelalters zur Entfaltung gelangt. In jenen Städten,
feinen und mittleren Umfanges (wir wijfen heute, daß felbit
die größten Stäbhte des Mittelalters nicht mehr mie 30 — 40000
Einwohner hatten), wie fie fich entweder aus der Römerzeit
heraus erhalten hatten oder aber aus Sründen, denen hier nicht
nachzugehen ift, feit dem 12. Jahrhundert fich allenthalben in
Weitenropa zu entwideln begannen. Auch diefe Handmerk2-
        <pb n="55" />
        Das Mittelalter.

55

mäßige Organifation des Gewerbes in den mittelalterlidhen
Städten Hit nicht zu verftehen ohne die Erbjchaft an römijcher
Kultur, die die Völfer des Mittelalters, wie wir fahen, aniraten.
 Mochte das {tädtij he Handwerk des Mittelalters an die
gewerbliche Organijation der FronhHöfe, die feit dem 12. Jahr-Hundert
 ich aufzulöfen beginnen, anknüpfen, mochte e8 [ich in
fontinuierlidher Entwicklung feit der Römerzeit her in den
Städten erhalten haben, mochte e&amp;amp; endlich auZ den Zentren
höherer mwirt[chaftlicher Kultur bewußt in die ficdh entwidelnden
Städte niedrigerer Kultur übertragen werden: immer läßt {ich
der Hohe Grad von Vollendung, den wir die gewerbliche Produktion
 fhon im frühen Mittelalter erreichen Jehen, nicht anders
erflären, al wenn wir annehmen, daß vielfach nur auf der
Grundlage weitergebaut ift, die in den antiken Reichen gelegt
worden war.
Was die mittelalterliche Organijation des Gewerbes dharalteriJiert,
 ijt vor allem die Tatfache, daß in ihm freie gewerbliche
Arbeiter fich eine felbjtändige Lebensftellung zu ver[chaffen
wilfen, die nicht mehr SGrundbefiger find. ES erwächft in den
Handwerkern der mittelalterlidhen Städte in diejem weiten
Umfange wohl zum erftenmal in der Gefchichte eine breite Bevölferungs|
 Hicht, die felbitändig und frei ft, ohne Orundbejiger
zu fein, bie Jich ihre Selbjtändigkeit und Freiheit vielmehr lebigfi
 durch ihrer Hände Arbeit und notfalls einiges Sachvermögen
 zu erringen und zu erhalten vermag. Damit wird die
nichtlandwirtfchaftliche Arbeit verfelbjitändigt und werden breite
Schichten der Bevölkerung dauernd vom Boden getrennt und
bilden, indem fie fich zu gemeinjamen Leben zulammenfinden,
eine neue Erjcheinung, die Stadt im Sfonomijchen Sinne
aus, 5. 9. eine Anfiedlung von Menfchen, die für ihren Unter-Halt
 auf die Erzeugnifje fremder landwirtjchaftlicher Crzeugnifje
 angewiefen find. Gleichzeitig aber wird die Notwenbigfeit
 eines regelmäßigen ®üteraustau|ches8 erzeugt und die zu
dielem Behufe erforderliche Einrichtung — der Markt — ge:
        <pb n="56" />
        56 Überblid über d. ge[hightl. Entwicklung d. Gewerbewelens.

{chaffen. Yom öfonomifchen Standpunkt ang kann man des:
Halb auch die new entjtehenden Städte als Märkte bezeichnen.
Wenn wir die handwerfsmäßige Organifation des Gewerbes
während des europäifjchen Mittelalters faft ein halbes Yahrtaufend
 lang in Blüte finden, fo müffen wir zum Verftändnis
uns flar machen, daß jene Jahrhunderte eine Zeit waren, in der
die objektiven Bedingungen Handmwmerfsmäßiger Produktion,
 wie ich fie in meinem „Kapitalismus“ ausführlich
dargejftellt und im dritten Kapitel des vorigen Abjchnittes {kizziert
 Habe, in befonders volljtändiger Weife erfüllt waren. Auf
der einen Seite entfaltete fich die Nachfrage nach gewerblichen
 Erzeugniffen in dem Maße immer reger, als die Be:
Jtedelung des vielfach noch unkultivierten Landes zunahm, als
gleichzeitig die Produktivität der landwirt/chaftlichen Arbeit
itieg, fomit ein wachjender Überfchuß an Bodenerzeugniffen
zum Austanfch gegen gewerblidhe Produkte zur Verfügung
geftellt wurde. Auf der anderen Seite wird die ganze Zeit
cHarakterifiert durch einen ausgefprochenen Mangel arı gewerb«
lichen Produzenten. Wir wijffen aus unferer theoretifhen Er-Srterung,
 daß diejer Mangel durch zwei Umftände bedingt ijt,
durch beftimmte Sejtaltung der Bevölferungsverhältniffe und
durch einen beftimmten @rad der gewerblidhen Technik. Was
die Bevölferungsverhältniffe anlangt, fo waren diefe
während des europäifchen Mittelalters infofern der Entwick
lung handmerfsmäßiger Produktion günftig, als zunächtt die
allgemeine Zumwachsrate der Bevölkerung eine geringe war
und bis in das-18. Jahrhundert hinein blieb. Bon Deutfchland
wijjen wir, daß von einer allgemeinen Zunahme der Bevslferung
 zwifchen 1250 und 1450 fanın die Rede fein kann, von
England erfahren wir von einer Zunahme zwi[dhen Domesday-Book
 und Hundred Rolls, dann folgt ein Stilljtand biz zum
15. Jahrhundert, in Frankreich beobachten wir ein Unwachten
bis ins 14. Jahrhundert, in Belgien {tarfe Bevölferungszunahme
 im 12, und 13. Jahrhundert, die oHenbar im 14. Xabhr-
        <pb n="57" />
        Das Mittelalter.

57

Hundert nachläßt. Die Gründe für diejen geringen Bevölfevungszumachs
 find befannt. € find der Mangel an aller
Hygiene in Stadt und Land, Häufigkeit und Blutigkeit der
Kriege, vor allem aber die beiden Seißeln des Mittelalters,
Hungersnot und Seuchen, die gern in Gemeinfchaft ich ein-$tellten.
 Dann aber war während langer Jahrhunderte insbefondere
 auch die landwirt/haftlihe Überfchußbevölferung,
alfo derjenige Bevölferungsteil, für den in der Sphäre der
Jandwirtfchaftlichen Tätigkeit fein Spielraum ift, gering. Eine
geringe landwirtfchaftliche Überfchußbevölkerung it aber dann
vorhanden, wenn für die ländliche Zumachsbevölferung die
Möglichkeit befteht, durch Intenjität des Anbaues oder Befiedelung
 von Neuland ihre Arbeitskräfte zu verwerten. Das
aber war eben der Fall in den meiften ändern Wejtenropas
während der genannten Zeitepoche, Endlich ijt, was die Ge-Staltung
 der Bevölferungsverhältnijfe anlangt, bedeutjam für
die Erxiftenzfähigfkeit des Handwerks die geringe Dichtigkeit und
die geringe Agglomeration der Behölferung, wie fie ebenfalls
das europäifche Mittelalter Harakterifiert.
Bon der gewerblichen Technik jener Zeiten wijfen wir
jedoch mit einiger Sicherheit, daß fie einen verhältnismäßig
niedrigen Stand nicht überfchritt. Wir Können das aus der
Höhe der Preije, aus der Menge der befchäftigten Arbeiter, aus
der Länge der Produktionsdauer, [owie aus der Art des Gefamtberfahrens,
 das bei der Herftellung gewerblicher Erzeugniffe
 angewandt wurde, ohne weiteres hließen. Wenn wir erfahren,
 daß eine Tonne Eijen im 14. Jahrhundert in England
nach heutigent Geldwert über 2000 Mark Koftete, daß im
15. Sahrhundert für die Heritellung im Laufe eines Jahres
von 5140 Stück Tuch, das ift die heutige Monatsproduktion
einer großen Fabrik, taufend Perfonen nötig waren, daß ein
gutes Schloß zu fertigen noch Ende des 15, Jahrhunderts
14 Tage in Anfpruch nahm, Jo Jind das [hon Symptome genug,
um daraus den geringen Grad von Produktivität der gewerb-
        <pb n="58" />
        58 Überblid über d. gefchichtl. Entwidkung d. Gewerbeivefens.

lichen Arbeit in jener Zeit zu entnehmen. Zum Überfluß wiffen
wir, daß die Urt und Weife, wie produziert murde, eine Tolche
war, die einen bejonders Hohen Grad der Produktivität über-Haupt
 unmöglich mathte. Damit {ft endlich ein lebter Punkt
berührt, in dem wir die befondere Bedingtheit hHandverksmäßiger
 Organifation während der mittelalterlidhen Zeit zu
erfennen vermögen. Ich meine die empirifche Geftaltung des
technifchen Gejamtverfahrens, das alle Gefchichte hindurch bis
in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein die Gewerbe
beherr{cht hat. Der Lefer wird ich erinnern, weshalb id einer
zeit Diejes empirifche Verfahren als das der handwerksmäßigen
Produktion angemeffene bezeichnet hatte. Aus dem Gefagten
geht alfo herbor, daß in der Tat während langer Jahrhunderte
des Mittelalters die Marktlage für den Produzenten gewerb:
licher Erzengnifje dadırcch mHarakterifiert war, daß einer ver
Hältnismäßig ftarfen Nachfrage ftet8 ein verhältnismäßig gevinges
 Angebot gegeniüber ftand, daß alfo in der Tat einem
Verkäufer gewerblicher Produkte zwei Käufer nachzulaufen
pflegten. Damit war die Stabilijfierung des Übfabes in quantitativer
 Sinficht ebenfo gewährletftet, mie durch das empirifche
Verfahren in qualitativer Beziehung.
Ihren rechtlichen Ausdruck findet die Ydeenwelt des Handwerfömäßigen
 @Gemwerbetreibenden in der [ogenannten Zunitordnung
 des Mittelalters, wie fie in fajt allen Städten
übereinjtimmend ausgebildet worden ijt. Wir müffen uns die
Hunftorbnung als eine Schußgefebgebung fir das Handwerk
vorftellen, die infolgedeffen in dem Maße Funstvoller und. Lomplizierter
 wurde, je mehrfich die natürlichen Exiftenzbedingungen
jr das Handiverk im Laufe der Jahrhunderte verfchlechterten.
Was man urfprünglich dem Gang der Dinge überlaffen Konnte,
mußte {päter durch die Gefeßgebung mühfanı und {Hließlich
ohne Erfolg erzwungen werden, Da es eine allgemeine Er.
)heinung des europäifchen Mittelalters ift, daß die rechtfebende
Gewalt mehr und mehr aus den Händen der aroßen Landes.
        <pb n="59" />
        Das Mittelalter.

59

und Neichsherricher in diejenigen der Iofkalen Injtanzen überging,
 da, wie wir jahen, die Handmerksmäßige Organifation
ich enalten3 an die fädtijche Entwicklung des Mittelalters anchloß,
 jo i{t e8 Jelbitverftändlich, daß die. Ordnung des Gemerbewefjens
 jener Zeiten einen Bejtandteil der jtädti| hen
Wirt) Haftspolitik bildet und deren ausfchließend -Iokal
interelJierten Standpunkt ebenfalls zum Ausdruck bringt. Aus
den Gejamttendenzen der ftädtifchen Wirt] haftspolitif heraus
(äßt Jich Jomit auch die Gewerbepolitik des Mittelalters einzig
und allein verjtehen.
Was das Syijtem der {tädtijhen Wirt] Haftspolitif
des Mittelalter3 chHarakterifiert, i{t das Beftreben, die Macht
und Oröße der einzelnen Stadt auf Nojten jowohl fremder
Städte, als namentlich audh des umliegenden platten Landes
zu fördern. Aus diefem gefunden Lokalegoismus heraus er-Härt
 fich zunächit das Streben, die Sfonomifdhe Balis,
auf der die Stabt ruhte, durch eine Reihe von Maßnahmen
licherzuftellen. Auf der einen Seite zwang man [o weit als
möglich die ummwohnende Bevölferung, ihre Erzeugniffe
nirgends anders als auf dem Markte der Stadt zu verwerten.
Diefern Behufe diente das Marktrecht, das Stapel-, Meilenoder
 Straßenrecht, das fogar die von weither kommenden
Kaufleute zwang, ihren Weg über die Stadt zu nehmen, hier
ihre Waren einige Tage feilzubieten, ehe fie fie ihrem vielleicht
ganz anderen Beftimmungsort zuführen fonnten. Dem Handwerfer
 war damit eine günitige Gelegenheit zur Be] haffung
der für ihn notwendigen NRohftoffe und Hilfsmaterialien geboten.
 Auf der anderen Seite wurde mit eben]o rigorojen
Maßregeln feitens der {tädtijchen Politik Fürjorge getragen,
daß das AWbfaßgebiet für die gewerblidhen Produzenten der
Stadt gefichert bleibe. So gehörte es zu dem eijernen Bejtande
jeder mittelalterlidhen Gewerbepolitik, daß die gewerbliche
Produktion in der Landjchaft verboten war, was mittels Des
Togenannten Bannrechtes gefhah, daß alfo für einen beftimm-
        <pb n="60" />
        60 Überblid über d. gefchichtl. Entwiclung d. Gemwerbeivefens.

ten Umfreis um jede Stadt dem ftädtifchen Produzenten ein ge-Tegliches
 Monopol gewahrt wurde. Wber auch innerhalb der
Stadt felber jollte die Konkurrenz fremder Gewerbetreibender
nicht unbefchränkt fein. CE wurde deshalb fremden Händlern
oder gewerblichen Produzenten nur unter erfchwerenden Bedingungen
 bzw. nur zu beftimmten Zeiten an den Jahrmarkt8-tagen
 das Seilhalten ihrer Waren geftattet.
War durch Maßnahmen folcher Art die öfonomifche Bafıs, auf
der die Stadt ruhte, gefichert, fo forgte nun ein Kunftvolles
Syftem von Borfchriften dafür, daß fih im Inneren der
Stadt die wirt{dhaftlidhen Vorgänge in einer für den
einzelnen Xonjumenten wie den einzelnen Produzenten gleich
vorteilhaften Weife abfpielten. Hatte man auf der einen Seite
den gewerblidhen Produzenten faft ein Monopol innerhalb der
Stabt und ihrer Umgegend für den Abfab ihrer Erzeugniffe
gegeben, [o erfannte man auf der anderen Seite, daß diefen
Monopolen im Intereffe der Konfumenten eine Reihe
bon fontrollierenden VBorfchriften gegenüberzuftellen Jeien, die
den Zwed hatten, die Jhädlichen Auswiücfe der Monopolitelluing
 der Gewerbetreibenden zu befeitigen. Daß man biz
zu einem gewijjen Grade die fremde Konkurrenz zuließ durch
Seftattung des AWbjabes, wurde Ichon erwähnt. Ein weiteres
Korrektiv lag in der Freigabe der Hanusgewerblidhen Eigenproduktion,
 Endlich aber forgten direkte regelnde Borfchriften
dafür, daß die Konfumenten jederzeit hinreichend mit guten
und preiswerten Erzeugniffen verforat wurden. Um die hin:
reichende Menge gewerblicher Produkte zu gewährleiften, ließ
man {ich von Obrigkeits wegen die Sorge für eine {tet8 genügende
 Menge von Handwerkern angelegen fein. Wurden e8
deren zu wenig, Jo bemühte man jich um die Herbeifchaffung
des erforderlichen Erfages. Um die Qualität der Produkte zu
heben, wurden Waren|hauprüfungen eingerichtet, wurde aber
vor allem auch für eine hinreichende Ausbildung der Gewerbe:
treibenden durch eine erfolgreiche Lehr: und Dienfitzeit geforat,
        <pb n="61" />
        Das Mittelalter.

61

zu der in [päterer Zeit die Meiiterprüfung (feit dem 13. Jahr-Hundert)
 und die Verpflichtung zur Ablegung eines Meifter-{tücfes
 (feit dem 15. Jahrhundert) hinzutraten. Cbhenfo fehlt es
nicht an obrigfeitlidhen Preisfefjtlekungen, um die ihrer Yualität
 nach guten Produkte auch preiswert dem Konfjumenten
zur Verfügung zu ftellen.
Bu diefen Vor] hriften, welche das Interejfe der Konjumenten
wahrnehmen follten, gefellten ich nun zahlreiche andere, die
dem Intereffe des einzelnen gewerbliden Produzenten
 dienen Jollten. Wie man im wefentlidhen die Konkurrenz
jtemder Gemwerbetreibender gegenüber der Gejamtheit ftädtijcher
 Produzenten auszufchließen bemüht war, [o beftirebte man
Jich, auch innerhalb des Kreifes der ftädti] hen Produzenten die
Konkurrenz der einzelnen Gemwerbetreibenden untereinander
jo [ehr als möglich zu befHhränfen. Die Idee der Nahrung, die
wir al8 die der Handverfsmäßigen Wirt haft zugrunde liegende
Leitidee erfannten, wurde hier richtunggebend für ein ganzes
Syftem ein] hränfender Maßregeln der Gejepgebung. E81 ollte
dem einzelnen Handwerker ein genügender Kreis von Tätigfeit
 {tets erhalten bleiben, und darum mußte, wenn das Ubjaßgebiet
 für die Gefjamtheit gegeben war, auch Sürforge getroffen
 merden, daß nun nicht der einzelne Käufer auf Noften
des anderen einen allzı großen Teil des Gefamtabfakes an fich
eifje. Diejfem Zwede dienten zunächft alle jene zahlreichen
Vorfchriften des mittelalterlidhen Gewerberechts, die ein Yıfiteigen
 einzelner Genvofjen verhindern jollten. So war e$ fajt
überall verboten, über eine beftimmte Anzahl von Perfonen,
meift bier influjive Lehrlinge, als Hilfsperfonen zu be/häftigen;
Dder e8 wurde die Wrbeitszeit be/Mhränkt oder das Maximum
der Produkte feltgefebt, die ein einzelner Handwerker heritellen
durfte uf. Damit aber dem einzelnen Meifjter größere Un-[agen,
 die einen gewijfen BVermögensaufwand erheifchten,
aljo dem Befiß des einzelnen entzogen werben jollten, wie
Walfereien, Trodenhäufer, Bleichaärten, Gemwandhäufer uw.
        <pb n="62" />
        62 Überblig über d. ge[Ohichtl. Entwidhung d. Gemwerbetmvefens.

doch für den gewerblichen Produktionsbetrieb in hinreidhendem
Umfange vorhanden waren, übernahm die Stadt vder die Genojjen]
 haft der Meifjter Jelbit die Anlage folcher Anftalten, Des
weiteren follte Sorge getragen werden, daß dem einzelnen
Handwerker bei der Produktion gleich hohe Koften erwüchfen.
8 jollte niemand durch Zufall oder felbjt auch durch größere
SefchHäftstüchtigkeit in die Lage fommen, bejfere oder billigere
Materialien fich zu verfchaffen wie fein Nebenmann, deshalb
wurde er zur Unzeige verpflichtet, menn er Einkäufe machte,
und mußte fjogar, wenn e8 gewünjcht wurde, den anderen
Meiftern geftatten, an dem Einkauf teilzunehmen. € murden
ferner Qohntaren eingeführt, die ebenfalls den Zweck Hatten,
eine @leichheit der Produktionsbedingungen zu erzielen, eben]D
aber follten auch für alle Produzenten die Abjagbedingungen
fich gleich geftalten, deshalb wurde von Gefeßes wegen VBor-Jorge
 getroffen, daß das Angebot der Waren ftets ein gleiches
und gleichzeitigeS für alle Produzenten jei. €3 durften die
Waren nur an beftimmten Orten und zu beftimmten Zeiten
feilgeboten werden; e8 war dem einzelnen Handwerker auf das
itrengfte verboten, anderen ihre Kunden abzujagen oder ein
Stück Arbeit megzunehmen 1].
Eine leßte und gewiß nicht die wenigit bedeutfame Eigentümlichfeit
 der Ordnung des gewerblidhen Lebens im Mittel
alter war die, daß die Angehörigen jedes Gewerbes fich zu ge:
nojjen|haftlidhen Verbänden, den fogenannten Zünften,
Ämtern, Gilden zufammenfhloffen. Im Kreije diefer ge
werblidhen Genoffenfchaften {pielte }ih das gefjamte berufliche
und ein großer Teil des nrivaten Lebens des Handwerkers in
früherer Beit ab.
Eine der wefentlichjten Leiftungen der mittelalterlichen
Bunft war die, die eben gefennzeidhnete Gewerbeordmung zu
befördern und zur Anwendung zu bringen. Sie erhielt von
der Obrigkeit einen großen Teil der Rechte zuerkannt, die fie
dem einzelnen aecaenlüber zur Durchführung zu bringen be:
        <pb n="63" />
        Das Mittelalter.

63

rufen mar. Das ijt der Grund, weshalb man die Gewerbe
Drönung des Mittelalters auch als Zunfiordnung bezeichnet.
Daneben Hatte die Zunft dafür Sorge zu trayen, daß die handtverfsmäßige
 Selbitändigkeit dem einzelnen nach deren beiden
Seiten hin, der Selbitändigkeit des Handwerkers als nur gewerblicher
 Arbeiter und als Kleinbetriebler ermöglicht murde.
Zu diejent Behufe übernahm fie oder die Stadt alles, was
andere Fertigkeiten, als ie nur ein gewerblicher Urbeiter belißt,
 insbefondere Kaufmännijche Spehnrlation erheifchte, aljo
den etwa notwendigen Rohftoffbezug im großen oder von weit
her, oder die etwa erforderliche Organifation des AWbjabes der
Erzeugni[fe über ein größeres Gebiet. Sie unterhielt aber auch,
jowie die Stadt hier als folche nicht eintrat, auf gemeinfame
Koften zu gemeinfjamen Gebrauch jene gewerblidhen Arbeits:
jtätten größeren Stils, bon denen oben die Rede mar. Endlich
war fie e8, die für die Übermittelung des hHandwerksmäßigen
KXönnens von Generation zu Generation Sorge trug. Sie war
es, die durch ihre Organijation den regelmäßigen Stufengang
der fadhmänni| hen Ausbildung — Lehrling, SGefelle, Meifter —
gemwährleijtete. Die Zünfte, die ur]prünglih nur im Sffentlichen
 Interefje diejenigen Yunktionen ausübten, die ihnen
gleichtam von Gemeinfchafts wegen übertragen waren, wurden
dann im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr zu engherzigen
 Vertretern von Sonderinterefjen. Sie dachten nicht
mehr an das Gemeinwohl, jondern nur noch, wie Jie eine Heine
Anzahl Meifter irog aller Unftürme von außen her, die durch
die moderne Entmwidlung hervorgerufen wurden, in ihrem
überfommenen Befiß [Hüßen fönnten, Erft während Des
19. Jahrhunderts find fie dann durch die gewerbefreiheitliche
SGefeggebung aus allen modernen Staaten befeitigt worden.
Über die Beftrebungen, fie in veränderter Form dem modernen
 Wirt] Haftsleben wieder einzufügen, werde ich im zweiten
Bande noch zu [prechen haben.
        <pb n="64" />
        64 Überblit über d. gefchichtl. Entwidlung d. Gewerbeweilens.

Drittes Rapitel.

Die neuere Zeit.

IL DazZ Aufkommen des Kapitalismus.
Derjenige Zeitabfchnitt der europäifchen Gefcdhichte, den wir
al5 die neuere Zeit zu bezeidhnen ung gewöhnt haben, wird
wirt haftlich durch das Emporkommen einer neuen Organifationsjorm
 —.des Kapitalismus — gefennzeichnet. Diejer, def
Jen Anfänge wenigjtens für Italien ein paar Jahrhunderte in
das Mittelalter zurücdreichen, begann]icdh in größerem Umfange
tatfächlich erft im Verfolg jener Ereignijje zu entfalten, von
deren Einiritt wir die neuere Zeit unferer Gejchichte zu datieren
pflegen. Im folgenden [voll verfucht werden, die Entftehungsphajen
 des Kapitalismus, der uns in diefem Zufammenhang
lebiglich als gewerblidher Kapitalismus intere{jiert, foweit es
der befchränkte Kaum geftattet, nachzugehen. Ich darf den
Sefer darauf aufmerffam machen, daß gerade diefes Problem
nämlich die Genefis des modernen Kapitalismus in dem erften
Bande meines Hauptwerkes eine fehr eingehende Behandlung
erfahren hat.
Mus dem tiefen Örunde der europäifchen Seele tft der Kapitalismus
 erwachjen, Derfelbe Geift, aus dem der neue Staat
und die neue Neligion, die neue Wiffenfchaft und die neue
Technik geboren werden: er fHafft auch das neue Wirtfhaftsleben.
 Wir wijfen: es ift ein Geift der Irdifchheit und Welt:
lichfeit; ein Geijft mit ungeheurer Kraft zur Zeritörung aller
Yaturgebilde, alter Gebundenheiten, alter Schranken, aber
auch Itarf zum Wiederaufbau neuer Lebensformen, KIunftvoller
 und Fünftlidher Zwedgebilde. E3 i{t jener Geift, der feit
dem ausgehenden Mittelalter die Menicdhen aus den ftillen,
organifch gewachfenen Liebes: und Gemein] dhaftsbeziehungen
herausreißt und fie hinfchleudert auf die Bahn ruhelofer
Eigenfucht und Selbitbeftimmung.
(Erit in diefem und jenem itarfken Menichen Wırrzel fchlaaend
        <pb n="65" />
        Die neuere Zeit.

65

und ihn Hinausjagend aus der Majfe ruheliebender, bequemer
enojjen; dann immer weitere Kreife erfüllend, belebend, bemegend.

3 it Fauftens Seift: der Geijt der Unruhe, der Unrailt, der
nun die Menjchen befeelt. „Ihn treibt die Gärung in die
Herne. . .“ Will man es Unendlichkeitsftreben nennen, was wir
Gier fiHh betätigen jehen, [0 hat man Recht, weil das Ziel ins
Srenzenlofe Hinausverlegt ift, weil alle natürlichen Maße der
organij hen GebundenhHeiten als unzulänglich, beengend von
den Vorwärtsdringenden empfunden werden. Will man es
Machtfireben nennen, [o wird man auch nicht? Faljches jagen;
denn aus einem tiefften Grunde, in den unjere Erfenntniz nicht
Ginabzubliden vermag, quilit diejer unbefchreiblidhe Drang
des einzelnen Starken, [ich durchzujeben, fein Selbjt gegen alle
Gewalten trokig zu behaupten, die andern [einem Willen und
jeinen Taten zu unterwerfen, den wir als Willen zur Macht
bezeichnen fönnen. Will man e&amp;amp; UnternehHmungsdrang nennen,
 fo drückt man gewiß auch überall dort etwas Richtiges aus,
wo jener Wille zur Macht die Mitwirkung anderer zur Bollbringung
 eine8 gemeinjamen Werkes erheifcht. Die „Unternehmenden“
 find e3, die [ich die Welt erobern; die Schaffen»
den, die Lebendigen: die Nicht-BejhHaulichen, Nicht-Genießenden,
 Niht-Weltflüchtigen, Nicht-Weltverneinenden.
Wir wilfen es: auf allen Gebieten des men] hlidhen Leben?
eingt diefer neue „unternehmende“ Geift fich zur Herrjhaft
durch. Im Staate vor allem: da heißt fein Ziel: erobern, herrhen.
 Über ebenfogut wird er in der Meligion, in der Kirche
(ebendig: hier will er befreien, entfejjeln; in der Wiffenj haft:
gier will er enträtfeln; in der Technik: da will er erfinden; auf
der Erdoberfläche: da will er entdeden.
Diefer felbe SGeift beginnt nun auch das Wirt] chaftsleben zu
Geherei hen. Er durchbricht die Schranken der auf. geruhjamer
Genügfamfkeit aufgebauten, fich jelbjt im Gleichgewicht haktenden,
 ftatijhen, feudal-Handwerfsmäßigen Bedarfsdechungs-Sombart.,
 Gewerbeweien I. 5
        <pb n="66" />
        66 Überblie über d. ge[dhicht!. Entwichung d. Getverbeivejens.

wirt!chaft und treibt die Menfchen in die Wirbel der Erwerbs:
wirt Haft hinein. Erobern heißt hier im Gebiete des materiellen
Strebens erwerben: eine Geldjumme vergrößern. Und nirgend8
 findet das Unendlichkeitsfireben, findet das Macht{treben
ein feinem inneriten Wefjen jo fehr gemäßes Feld der Betätigung
wie in dem Jagen nach dem SGelde, diejem völlig abitrakten,
aller organifch-natürlidhen Begrenztheit enthobenen Wert:
Jymbole, deffen Befiß dann immer mehr auch als Macht ymbol
erfcheint. |
Ich habe an anderer Stelle ausführlich dargetan, wie fich
diefe Gier nach Gold und Geld zunächst und lange Beit hin
durch neben dem Wirt] hHaftsleben ein Bett gräbt und zu einer
Reihe von Erjdheinungen fiihrt, die mit dem Wirtfchaftsleben
nicht? zu tun haben, da die Menjchen zunächft das Gold oder
das Geld außerhalb des Kreifes ihrer normalen wirtfchaftlichen
Betätigung zu erlangen Irachten.
Dann aber dringt diejer Geift der Eroberung auch in das
Wirt) hHaftsleben ein, und damit tritt der Kapitalismus in die
Erfcheinung: jenes Wirtfchaftsfyjten, das in munderbar unftvoller
 Weife dem Unendlichtkeitsitreben, dem Willen zur Macht,
dem Unternehmungsgeifte auch und gerade im Gebiete der
Ulltagsforge für den Unterhalt ein befonders fruchtbares Feld
der Betätigung eröffnet. Die Kapitaltjtijche‘ Wirt] dhaftsweife
bejigt dieje Eignung deshalb, weil unter ihrer Herr{haft im
Mittelpunkte aller Zwedfjeßung nicht eine lebendige Berfönlich-Feit
 mit ihrem natürlichen Bedarf, fondern ein UWbftraktung: das
Kapital jteht. In diejer Abftraktheit des Zmwedes liegt feine
Unbegrenztheit. In der Überwindung der Konkretheit aller
Zwede liegt die Überwindung ihrer Bejchränktheit.
Machtireben und Erwerbäftreben gehen nun ineinander
über: der Kabitaliftifdhe Unternehmer, denn fo nennen wir die
neuen WirtfchHaftsjuhjekte, erftrebt die Macht, um zu erwerben,
und will erwerben um ber Macht willen. Yır wer Macht be:
bt, fann erwerben: und wer erwirbt, verarößert feine Macht.
        <pb n="67" />
        Die neuere Zeit.

67

Aber der Kapitalismus ift nicht allein aus diejem Unendlich»
feitöjtreben, aus diefem Machtwillen, aus diejem Unternehmungsgeijte
 geboren. Mit diejem hat jich ein anderer Geilt
gepaart, der dem Wirt|hHaftsleben der neuen Zeit die fichere
Ordnung, die vechnerijdhe Eraktheit, die Kalte Zivecbeftimmtheit
 gebracht Hat: das ijft der Bürgergeift, der Jehr wohl
außerhalb des Kreifes der Kapitaliftij hen Wirtfchaft wirffam
ein Kann und jahrhundertelang wirkfam gewejen it in den
unteren Schichten der ftädtijhen Wirt haftstubjekte, der Beeufshändler
 und Handwerker.
Will der Unternehmergeift erobern, erwerben, {vo will der
Bürgergeift ordnen, erhalten. Er drückt Jich in einer Reihe von
Tugenden aus, die alle darin übereinftimmen, daß als fittlich
gut dasjenige Verhalten gilt, das eine wohlgefügte KLapitali-|tijche
 Haushaltung verbürgt. Daher find die Tugenden, die
den Bürger zieren, vornehmlich: Fleiß, Mäßigkeit, Sparjamfeit,
 Wirt/chaftlichkeit, Vertragstrene. Die aus Unternehmungsgeift
 und Bürgergeift zu einem einheitlichen
Ganzen vermobene Seelenjftimmung nennen wir
dann den Kapitalijtifden Geijt. Er hat den Kapitalismu8
 ge[chaffen. *
Sch jage an einer Stelle einmal: „Im Anfang war die
Armee“, und will damit ausdrücen, daß ich in den modernen
Geeren das erfte und wichtigite Werkzeug erblide, das jich der
neue Geift Formt, um fein Werk zu vollbringen. Mit Hilfe der
Urmee wird der Staat ge[haffen, diefes erite vollendete Gebilde
 des neuen Geiltes, in dem und durch den diejfer fich vor
allem auswirkt. Um der Naturgewalten Herr zu werden,
trachtet er dann die Te Hnik umzugeijtalten, und fein ihm innewohnender
 Drang nach Geld und Macht führt ihn zu den
Edelmetallagern, die er ausbeutet.
Diefe drei Gebiete erfcheinen als felbjtändige Felder der
Tätigkeit des neuen SGeiftes, und es 1äßt fich die eine Strebung
nicht reftlos aus der andern ableiten. Wohl aber bemerken
mx
        <pb n="68" />
        68 Überblid über d. gefchicht!. Entwicklung d. Gewerbewelens.

wir, wie fie alle drei in engiter Wechfelmirkung miteinander
jtehen. Das Stanatsinterejje it e8 vor allem, das, um die
ESchlagkraft der Heere zu fteigern, auf unausgefeßte Verbeijerung
 der Technik drängt; es {ft e5, das die Vermehrung der
Edelmetallvorräte als wichtigijtes Ziel der Politik betrachtet
und deshalb die Steigerung der Edelmetallproduktion betreibt.
Sind aber technijcher Fort/chritt und Edelmetallproduktion
ftaatsbewirkte Vorgänge, [o find es doch ebenfo Jehr Bedingungen
 jtaatlicher Entwidlung: ohne Hochofentechnik feine Ranonen
 und darum feine modernen Heere; ohne Rompaß und
YAitrolabium feine Entdedung Amerikas und feine folonialen
Reiche. Ohne die Erfchließung reidher Silberminen und Goldfelder
 in Amerika fein modernes Steuer]yjtem, fein Staats.
frebit, fein Heer, fein Berufsbeamtentum und alfo fein moderner
 Staat. AWber auch Technik und Edelmetallproduktion
jtehen im Verhältnis engiter Wechfelwirkung: ohne Walfer.
haltungsmafchine, vhne Umalgamverfahren feine Silberproduftion;
 ohne die Fort|chritte der Münzprägung kein modernes
Währungsfyjtem. Und umgekehrt: ohne die Sucht nach dem
Solde längft nicht [vo rafche Fortfchritte auf dem Gebiete der
Technik. .
Staat, Technik, und Edelmetallproduktion find gleichfam die
Srundbedingungen der Kapitaliftijhen Entwidlung: immer
den Willen zum Kapitalismus als einen Beftandteil des neuen
Seiftes vorausgefeßt. Jede diejer Grundbedingungen läßt
lich gefrennt in ihrem Einfluffe verfolgen:
Der Staat, durch fein Heer vor allem, [Hafft für den Kapitalismus
 einen großen Markt: durchdringt das Wirtjchaftsleben
 mit dem SGeijte der Ordnung und Difziplin. Der Staat
erzeugt durch feine Rirchenpolitif den Keker und, indem er die
Wanderungen aus religisfen Gründen bewirkt, den „Kremden“:
 zwei beim Aufbau des Kapitalismus unentbehrliche Clemente.
 Der Staat drängt in die Ferne, er erobert die Kolonien
und treibt mit Hilfe der SHaverei die eriten fapıtaliftiichen
        <pb n="69" />
        Die neuere Zeit.

69

®roßbetriebe hervor. Der Staat pflegt und fördert durch hemußtes
 Eingreifen feiner Politik die Iapitaliftifchen Interefien:
liehe unter II
Die Technik macht die Produktion und den Gütertransport
im großen erft möglich (und notwendig); fie [Hafft durch neue
Verfahrungsweifen die Möglichkeiten neuer Induftrien, die im
Rahmen der Kapitaliftifjhen Organifation erwachfen.
Die Edelmetalle beeinflufjen das Wirt Haftsleben in viel»
jacher Hinficht und wirken Jelbjtändig durch ihre Fülle Wunder:
lie bilden den Markt in einer der Kapitaliftijchen Entwichung
jörderlichen Richtung; fie fteigern den Kapitalijtijdhen Seit,
indem Jie den Erwerbstrieb verftärfen und die Rechenmäßigkeit
vervolltfommnen.
So wirken Staat, Technik und Edelmetalle unmittelbar auf
den Kapitalismus ein. Ihre Förderung der Kapitalijtijhen
Cntwichung ift nun aber in noch jtärferem Maße eine mittelbare,
 indem fie nämlich e8 find, die eine Reihe anderer
wichtiger Bedingungen diejer Entwichung zur Erfüllung
Sringen.
_ Sie find e8, die durch ihr Zujammenwirken die Entftehung
des bürgerlidhen Keichtums möglih machen. Diefjer aber
ijt eine notwendige Borbedingumg des Kapitalismus, {ofern
durch ihn: einerfeitz die Bildung des Kapitals erleichtert,
anderfeitz ein Ausgabefonds gefchaffen wird, der bei der
Neugeftaltung des Güterbedarfs eine wichtige Kolle
jpielt. Durch diefe Nengeftaltung des Güterbedarfs wird erit
die Möglichkeit eines Wbjages im großen gegeben, wie ihn der
Kapitalismus braucht. Diefe Neugeftaltung ijt aber wiederum
das Werk der drei Orundfräfte: Staat, Technik, Edelmetallprodukiton,
 die teilweife direkt (Quzusbedarf der Höfe! Heeresbedarf!
 Schiffsbedarf! Kolonialbedarf!) teilweije durch das
Mittelglied des bürgerlichen Reichtums (Suzusbedbar] der
neuen Reichen!) ihren Einfluß ausüben.
Die Befchaffung der Arbeitskräfte endlich, die mäh-
        <pb n="70" />
        70 Überblic über d. geichichtl. Entwidiung d. Gewerbewefjens.

cend der ganzen frühkapitaliftifjchen Berivde rar jind, erfolg!
unter der Einwirkung der Technik größtenteils durch VBermitt
lung des Staates auf direktem oder indirektem Wege.

IL Die Gemwerbepolitif des Merkantilismus.
Diejenige Gewerbepolitif, die berufen war, den Kapitalismus
 in den modernen Staaten zuerft feftzujfeben, wird unter
der Bezeichnung der merkantiliftijdhen Politik zujammengefaßt.
 Der Merkantilismus umfaßt freilich die gefamte
Wirtfhaftspolitik der damaligen Zeit. Er bildet den wejentlichen
 Inhalt der Staatskugheit, die wir in den eurapäifchen
Staaten vom 16. bis zum 18, Jahrhundert angewandt finden,
er ijt die lebendige Praxis aller bedeutenden Staatsmänner
von Karl V. bis Friedrich dem Großen und erreicht feinen
Höhepunkt in England unter der Herrfchaft Cromwells, in
Srankreich unter dem Regimente Colberts, von dem er des.
Halb wohl auch den Namen des Colbertigmus frägt. Wber
den Kern aller merkantilijtijdhen Maßnahmen machte doch das
Streben aus, neben dem Großhandel vor allem auch eine
moderne Großinduftrie zur Entwicklung zu bringen. Deshalb
miüljfen wir ihn an diejer Stelle in feinen Orundziügen wenig:
itenS fennenzulernen juchen.
G8 ent{prac den Interejfen des modernen Staates ebenfov
wie Denen des modernen Kapitalismus, daß im Önnern der
neu zu bildenden großen Neiche jene Widerjtände der Lokalen
Sewalten gebrochen würden, die aus der mittelalterlichen
Staats: und Wirtfchaftsverfaffung überfommen waren.
galt vor allem zu diefem Behufe die wirt/haftliche Autonomie
der Städte zu befeitigen. E€$ wurde ihr Semerbemonopol dadurch
 gebrochen, daß man das Bannrecht aufhob und dadurch
alfo die Etablierung neuer Gewerbezweige auf dem platten
Sande freigab. Gleichzeitig wurde das Zunftregiment injofern
cingeJchränkt als die Kapitaliftifchen Gewerbe unzünftig betrieben
 werden durften oder aber die Aünfte territorial Ge:
        <pb n="71" />
        Die neuere Zeit.

71

Drdnet wurden. Um den Waren die freie Zirkulation durch ein
größeres Gebiet zu gewährleiften, mußten die Stapel, Meilen:
und Straßenrechte der Städte befeitigt merden, was bei] hiels»
weijfe in Preußen im 16. und 17. Jahrhundert eine Hauptaufgabe
 der Wirt chaftspolitik war; ebenfo mußte darauf Bedacht
 genommen werden, daß die Schranken fielen, die die
Mnzelnen Stähte oder Territorien durch ihre Binnenzölle aufgerichtet
 hatten. In den weftenropäifjdhen Ländern vollzog
lich diefe Befreiung des Warenverkehrs von den binnenländijchen
 Zolljhranken [Hon im 17. Jahrhundert, Deutfdland
als Ganzes mußte fich bi8 zum 19. Jahrhundert gedulden, ehe
e8 einer gleichen Politik teilhaftig wurde. Hier war es erft die
Sründung des Zollvereins in den 1830er Jahren, die dasjenige
leijtete, mas Ihon Colbert in Frankreich vollbracht Hatte.
Mit diefer Befeitigung der Hemmungen im Innern des
Landes, die einer freien Entwidlung des Handels und der
Produktion im Wege {tanden, war aber das Werk, das man
erjtrebte, nämlich einen nationalen Markt zu Jhaffen, erft
Balb vollendet. € mußten nun Maßnahmen pofitiver Natur
getroffen werden, die aus dem Gebiet der neu zu bildenden
Öroßitaaten auch ein einheitliches Wirt] haftsgebiet machten.
Sierher gehört das Beftreben zur Hebung der Verkehrs-Itraßen:
 man legte Chauffeen an, man baute Kanäle, man ertichtete
 often; unter Heinrich IV. wurden in Frankreich [horn
31/, Millionen Livres, unter Colbert über 4 Millionen Livres
zur Hebung der Verkehröfjtraßen ausgegeben. Sodann war
Man darauf bedacht, die Warenzirkulation dadırcdh zu heben,
daß man über ein größeres Gebiet einheitlide Gemwichts- und
Münz[yjteme einführte. E8 murde das Markt- und Meßwejen,
das bis dahin von Stadt zu Stadt verfchieden geregelt war,
einer einheitlichen Ordnung für den ganzen Staat unterworfen.
6 wurde endlich an Stelle der lokalen Rechte ein einheitliches
Recht zu feben verfucht und zu dieferr Behufe das römijche
Recht rezipiert, das heifer als die überkommenen Landesrechte

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        <pb n="72" />
        72 Überblif über d. gefchichtl. Entwicklung d. Gemerbetvefens.

den Bedürfnijjen eines Höher entwidelten Verkehrälebens zu
ent{prechen vermochte.
Des weiteren war man darauf bedacht, durch pofitive Maß
regeln die vorhandene KLapitaliftijdhe Induftrie des Landes nad
Möglichkeit zu fördern und fehlende Indufirien im Lande zuı
Entwidlung zu bringen. Diejem Beijtreben diente vor allem
eine außerordentlid Kınftvolle Grenzzollpolitik, die in
ihren ©rundzügen fich vielfach an die Marimen anlehnte, von
denen die ftädtijche Handelspolitik beherr{cht gewefen war
Wollte man eine einheimijche Indufirie entwideln, }o mußte
man zunüchjt darauf bedacht fein, die Ronkurrenz fremder
Induftrien fernzuhalten. ES ge[hah dies dadurch, daz man
die Einfuhr fremder Ynduftrieerzeugnifje entweder ganz ver
bot oder mit Hohen Zöllen belegte. Auf der anderen Seite
vollte Borjorge dafür getroffen fein, daß die einheimifdhe In
Duftrie billige und gute Nohfjtoffe für ihre Erzeugniffe ftet8 zur
Verfügung habe. Man verbot deshalb die Yusfuhr der Roh:
itoffe und Halbfabrifate aus dem eigenen Lande bzw. belegte
lie mit Ausfuhrzöllen, während man’ der Einfuhr von Robhjtoffen
 au8 dem Yuslande Erleichterungen zuteil werden ließ.
Senügten diefe indirekten Maßregeln noch nicht, um die ein
Heimi] he Induftrie zur Entwiclung zu bringen, fo griff mar
zur biveften Unterftüßung und Förderung der Kapitalijtij her
Induftrie, Man erteilte Prämien für die Anlage von Fabriken,
Prämien für die Ausfuhr von Induftrieerzeugniffen, man
jorgte dafür, daß die hervorragenden Gemerbetreibenden.
Unternehmer wie Arbeiter aus den fremden Ländern herbei
gezogen wurden, damit fie im eigenen Lande die vielleicht nock
nicht vorhandene Yndufirie begründeten oder eine beftehende
zur rajdheren Entwichumng brächten. Die Emigrantenpolitik
wie fie beifpielZweije die Gohenzollern betrieben, i{t nicht zulegt
 durch diejes Beitreben hervorgerufen worden, dag eigene
Sand mit tüchtigen ausländitdhen Gewerbetreibenden zu beveichern.
        <pb n="73" />
        Die neuere Zeit.

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_ Über nicht nur für die Schaffung eines Marktes im Innern
lebte der Staat feine Kräfte ein, es galt ihm nicht weniger,
jeine Macht|phHäre au nach außen hin fo jehr als möglich
zu entfalten, Sfonomifch gejprochen alfo der einheimijchen Induftrie
 und dem einheimi|hen Handel einen möglichjt breiten
Berr/chaftsbereich auf der Erde zu verjdhaffen. Wenn je der
Sag gegolten hat, daß der wirtfchaftlidhe Erfolg abhängig von
der Macht des Staates war, [vo für jene Zeit, in der der moderne
Kapitalismus fich in Europa etablierte. E38 ijt nicht am Orte,
bier im einzelnen zu verfolgen, durch welche Maßregeln e8 den
ainzelnen Staaten gelang, ihrem auswärtigen Handel, ihre
Schiffahrt und vor allem ihren Kolonialbefiß, denn um diejen
dreht jich feit dem 16. Jahrhundert immer mehr der Kampf
der einzelnen eutopäifchen Staaten, zu vergrößern. € waren
Maßregeln, die gemeinfjam dadurch Harakterifiert find, daß
man in rücfichtslofer Weife die Interefjfjen des andern Staates
mit Füßen trat und durch Kunftvolle Pflege die Keime des
eigenen Wirt] hHaftslebenz zur Entfaltung zu bringen jich beitrebte.
 Da naturgemäß bei dieferr Ringen um die Herrihaft
die Intereifen der einzelnen Ionkurrierenden Staaten Häufig
aufeinander ftießen, fo ift e8 fein Wunder, daß die Zeiten der
Mmerfantilijtijdhen Politik aud Zeiten großer und mächtiger
Kämpfe der europäifchen Nationen um die Vorherrjchaft gewejen
 find. Wenn die Zollmaßregeln, die Schilanierung der
itemden Flotte, die Burücdrängung der fremden Handelszefellf
 haften im Auslande nicht mehr ver]dhlug, [o mußte zum
Schwert gegriffen werden, um einen Uustrag herbeizuführen.
Man würde einen unvollfonnenen Überblief über die gewerb-(iche
 Entwicklung Europas geben, wollte man nicht erwähnen,
daß die neue Form der gewerblidhen Produktion ebenjo wie
die neuen Formen des Handels zum nicht geringen Teil aus
den Kämpfen herborgegangen jind, die im 16., 17. und
18. Jahrhundert die Niederlande gegen Spanien; Frankreich,
Cnaland, Schweden gegen die Miederlande; Deutjhland,

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        <pb n="74" />
        74 Überblie über d. ge[dHichtl. Entwidlung d. Gemwerbeivelens.

Holland, England gegen Frankreich geführt Haben. Der lebte
große Krieg um die Herrjchaft auf dem Weltmarkte war del
anterifaniihe Krieg zwijchen England und Frankreich, det
durch feinen Yusgang nicht zuleßt darüber ent|hieb, daß die
führende SGroßmacht auf wirtjchaftlidhent und insbejondere
auf induftriellem Gebiete England wurde.
Eine mefentlicdhe Förderung brachte die merkantiliftijdhe Wirt
{chaftspolitik dem aufftrebenden Kapitalismus durch die teil
weije NMeugeftaltung des Wirt] hHaftsrechtes,
Cbhenfo wie der auffommende Kapitalismus fich zunächft mit
der hHandwerfsmäßigen Technik abzufinden fuchen mußte, {0
blieb ihm auch nichts anderes übrig, als fih zunächft auf der
Bafis derjenigen Rechtsnormen Häuslich einzurichten, die zu
KRegelung handverksmäßiger Produktion im Laufe der Yahr-Hunderte
 hHerausgebildet waren. Die erjte Periode Kapitali
itifchen Wejens fpielt fich alfo teilweije im Kahmen der alten,
zünftigen Rechtsordnung ab. Soweit dieje den Kapitalijtifchen
Interejfen entgegengefebt war, mußte fie entweder einfach
umgangen werden eine Löjung der Schwierigkeiten, die keines:
weg3 zu den Seltenheiten, namentlich in der leßten Zeit der
Bunftverfalfung gehört hat. Oder aber wo eine Umgehung
oder Bengung des beftehenden Rechtes vermieden werden jollten,
 da mußten die beftehenden Vorfchriften, deren Sinn, wie
wir ja wijjen, vor allem auf eine Behinderung großgewerblicher
Entwicklung gerichtet mar, durch eine höhere rechtfebende Gewalt
 — und das ijt der natürliche Bundesgenoffe des auf
jtcebenden Capitalismus, das moderne Fürftentum — in
einem, dem Kapitalismus güniftigen Sinne umgedeutet oder
umgeändert werden. E3 gefchah dies auf dem Wege der
Privilegierungen und KXonzeffionierungen einzelner
gewerblicher Unternehmungen durch den Sandesfürften. Dies
Syften der ftaatlichen Konzeffionierungen und Privilegierun:
gen bedeutete für den auffommenden Kapitalismus ungefähr
dastelbe, mie der Aunftzwana für das mittelalterliche HanDd-
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Die neuere Zeit.

merk. Dem großen Unternehmer wurde die Ausbeutung feiner
Tätigkeit nicht anders als auf Grund. eingeholter Erlaubnis
und unter nachgemwiefener Erfüllung etwa vorgefchriebener
Bedingungen (zu denen jebt vor allem die Bezahlung einer
Ronzelfionsgebithr gehört) geftattet. Nur daß eS jebt die
Sandesobrigkeit war, von deren Ermelfen die Ausübung ge-Werblicher
 Tätigkeit abhängt, mährend früher Jich diefer Prozeß
im engen Rahmen der mittelalterlichen Städte oder Heinen
Territorien abgefpielt hatte. Dafür verlangte aber der konjelfionierte
 beziehungsweife hrivilegierte Unternehmer in ge
wijjem Umfange ebenfo ein Monopol für den Betrieb feines
®ewerbes bzw. den Abfaß feiner Produkte, wie e8 die mittelalterlidhen
 Zunftmeifter befejfen hatten.
Auch in anderer Beziehung blieben die Örundjäße mittel»
alterlicher ®emwerbeverfaffung während der erften Jahrhunderte
fapitaliftifcher Entwidhung vielfach noch in Geltung. Ins
Sefondere gilt dies für alle jene Bejtimmungen mittelalterlichen
$emwerberechtes, die darauf gerichtet waren, die Qualität der
hergeftellten Erzengnifjfe von Obrigfeits wegen zu garantieren.
Auch die Kapitaliftifjche Induftrie hat fich noch lange Zeiträume
Zindurch mit einer Öffentlichen Warenfhau, mit Borfchriften
über hinreichende Ausbildung ihrer Hilfskräfte und andere Bes
vormundungsmaßregeln behelfen miüjffjen.
Solange der Kapitalismus noch in den Anfängen feiner
Entwiclung war, folange er fich noch gegenüber den hijtorijchen
Mächten des Mittelalters [chmwach fühlte, war ihın die unmittelbare
 Unterftitkung JeitenS des Staates, wie fie in der merkan-Hliftijchen
 Bolitik zum Ausdruc kam, angenehm und erwmünfcht.
Sr empfand anderjeits die aus jener Beihilfe und Unterftükung
Iolgende Befchränkıng und Bevormundung noch nicht allzır
läftig, in einer Beit, in der das Tempo des Wirtjhaftslebens
noch immer ein langjames war, in dem die Ausmaße kapitali-Itifcher
 Wirtfchaft noch verhältnismäßig gering waren.

75
        <pb n="76" />
        76 Überblid über d. gefchichtl. Entwidlung d. Gewerbemwefens.
II. Die Geitaltung der gewerbliden Produktion im
Beitalter des Frühkabitalismus.
ı. Um Ende der frühkapitaliftijchen Periode, alfo in den
öfonomijcdh fortgejchritten]ten Ländern wie Frankreich und
England um die Mitte des 18. Jahrhunderts, in rücjtändigen
Ländern wie Deut/hland noch um die Mitte des 19, Kahr-Hunderts
 ift die große Mehrzahl der Gemwmerbe noch handwerfämäßig
 vraanifiert. Doch hat der gewerblidhe Kapitalismus
 bereits einen beträchtlidhen Teil der gewerblichen Produktion
 ‚erobert,
Die Zweige gewerblicher Produktion, deren fich der Kapitalismus
 zunächit bemächtigt, {ind zum Teil foldhe, die ganz
neu in das Wirt] hHaftsleben eingeführt werden. Hierher gehört
die Herftellung von Porzellan, von Papier, hierher gehört auch
der BuchHdruck. € ift erfichtlih, daß der Entfaltung kapitaliftiihen
 Wejenz auf diejen Gebieten, wo keine Handwerksinterejfen
 verleßt wurden, die .geringjten Schwierigkeiten fich
entgegenitellen, Wber auch auf Gebiete griff der gewerbliche
Stapitalismus fcdhon frith hinüber, die bereits von dem Handwert
 oder aber von bäuerlichem Eigengewerbe innegehabt murden.
 Doch Handelt es fih bis in das 19. Jahrhundert hinein
immer nur um einige wenige ©emerbe, die aus einer Dorkapita-[iitifchen
 in die Kapitali{ti/de Organifation übergefüihrt werden.
6 find diejenigen Gebiete, die dem primitiven Kapitalismus
 am bequemften Jind, Gebiete einförmiger Produktion mit
verhältnismäßig großem Abjaß, deshalb mit Vorliebe folche
Gewerbezweige, die für ein größeres Marktgebiet von jeher
produziert Hatten, infonderheit diejenigen, die wir Heute als
Exportinduftrien bezeichnen. Die zuerft von dem Kapitalismus
eroberten Zweige des Gewerbemwefens [ind der Bergbau, einige
andere Zweige der Montaninduftrie, {ind ferner einzelne Teile
der Textilinduftrie, der Metallinduftrie und der Holzinduftrie.
In diefen beiden Indufirien Handelt es fich jedoch bis in die
neuere Zeit hinein um verlchwindende Teile des Gelamt-
        <pb n="77" />
        Die neuere Zeit.

77

gewerbes, die dem Kapitalismus anheimgefallen waren. Das
bewußte Bordringen der Kapitaliftif[ hen Organifation in das
Rroduktionagebiet des alten Handwerks fällt im wejentlichen
in diejenige Zeit, die wir in einem etwas weiteren Sinne
al8 die Gegenwart bezeichnen können und wird deshalb im
folgenden Bändchen von mir dargeftellt werden.
2 Die Betriebsformen des primitiven Mapitalismus.
 Sch habe fhon darauf hHingewiefen, daß die Technik,
deren fich der Kapitalismus in jeinen Anfängen bediente,
feine andere als die Handiverksmäßige war. Das gilt großenteil8
 auch von den Betriebsformen, in denen der gewerbliche
Kapitalismus in die Gefchichte eintritt. In vielen Hallen bleibt
ihrer betriebsmäßigen Geftaltung nach die bäuerliche oder
handwerkamäßige Produktionsweife ganz unverändert. Der
bäuerlidhe Weber, die bäuerliche Spinnerei, der Eijenwaren
verfertigende Handwerker ufw., fie bleiben zunächft in ihren
Rroduktionsitätten in unveränderter Weife tätig, und nur die
Organifation des Wbfakes ihrer Produkte wird vom fapitali-{tijchen
 Unternehmer übernommen. ES entjteht auf diejem
Wege die Kapitaliftijhe Hausinduitrie, die wir als eine
harakteriftifdhe Eigentümlichteit der erften Jahrhunderte des
gewerblichen Kapitalismus anfehen müjjen. Wo jedoch [hon
die Arbeiter in gefchloffenen Etabliffement3 des Unternehmers
zufammengefaßt werden, da [ind die Betriebe Hein und im
wefentlidhen herr[dOt in ihnen doch noch die Handwerksmäßige
Technik vor, wenn freilich au Jhon die Verfchlingung der
mehreren Arbeiter zu gemeinfhaftlidhem Wirken vollzogen ift.
Sie ftellen vielfach denjenigen Typus des gefelljchaftlichen
®roßbetriebes dar, den wir als Manufaktur bezeichnet haben.
Die Manufaktur Harakterifiert als Beiriebsform die Periode
der frühkapitaliftijchen Entwiclung, eben]o wie die Hausindufirielle
 Organifation, weshalb man denn auch die Periode
etwa des 17. und 18. Jahrhundert? als die fogenannte Manıt-Fakturneriode
 bezeichnet hat.
        <pb n="78" />
        {8 Überblic über d. ge dichtl. Entwidkung d. Gemwerbeiwefens.

3. Der Standort der gewerblichen Produktion, namentlic
der auffommenden Kapitalijtijchen Induftrie, ft dadurch gefennzeichnet,
 daß die einzelnen Betriebe über daz Land
hin verteilt find. Die Anfiedlung der Induftrie auf dem
platten Sande wurde einerfeitz dadırch begünftigt, daß man
hier von den Zunftfejfeln befreit war, andererfeits {prechen
eine Reihe produktionstechni/her Gründe dafür. Hier auf
dem Lande allein fand man die notwendigen Produktions:
faftoren in hinreidhender Menge: Nohftoffe, Hilfsltoffe, Triebfräfte,
 Arbeitsfräfte, Ein Teil der Induftrie 30g vor allem den
fachlichen, ein anderer Teil den bperfönlidhen Produktions:
jaftoren nach, {vo daß der Standort jener produktionsmittelbeitimmt,
 biejfer arbeitsbejtimmt wurde. Zu jenen gehörten vor
allem die Hütteninduftrie, die Slasinduftrie und einige Zweige
der Terxtilinduftrie, wie die Walkerei, eine Menge eifenverarbeitende
 Gewerbe, zu diejfen andere Bweige der Textil
induftrie, mie namentlich die Spinneret.
Die Gewerbe, deren Standort produktionsmittelbetimmt
 war, fuchten: die einen nur das Holz, als Brennftoff,
jo die Glasinduftrie; die anderen (und wichtigijten) diefes und
das Waffer als Triebkraft, fo die Hütteninduktrie, die eifenberarbeitenden
 Induftrien; die dritten das Aaffer als Triebkraft
und als Gilfsftoff, fo die Vapierinduftrie, die Walkerei. So
jehen wir alfo die Gründe Har zutage liegen, die die frlihfapitaliftijdhen
 Induftrien in die Wälder und an die Hlußläufe
Jich lagern ließen.
Daß nur auf dem platten Lande Arbeitskräfte in geniügender
 Menge vorhanden waren, traf für alle diejenigen
Snduftrien zu, die ich mit der fandwirt/ haftlicdhen Tätigkeit
verwoben, die fich der bäuerlichen Elemente in ihrer freien
Beit als Arbeitsfräfte bedienten. So hatten die Spinnerei, die
Spigenflöppelei, die Stiderei, die holzverarbeitenden  Indurftrien
 u. a. ihren Standort jelbitverfkändlich auf dem platten
Qande.
        <pb n="79" />
        Der neue Seilt.

79

Dritter Abi OHnitt.

Die Grundlagen der Hockapitaliftijdhen
Wirticdhaft.

Erites Rapitel.

Der neue GSeitt.

Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts Iritt die eurobäifche
Wirt haft und damit auch das Gewerbewefjen in ein anderes
Beitalter ein, das des Hochkfapitalismus. Im folgenden
Bändchen werden wir die Geftaltung des Gewerbewejens in
diejent neuen ZeitabfcHnitte, den wir in einem gewijfen Sinne
als „moderne“ Zeit oder „Gegenwart“ bezeichnen Können,
fennenlernen. Hier joll erft von den „Örundlagen“ die Rede
jein, auf denen fich die neue Wirtfhaft aufbaut.
Xch betrachte diefe Grundlagen nach den drei Seiten hin,
die wir an aller Wirt{haft beobachten fönnen: nach der Seite
des Geiftes, der Ordnung und der Technik und will in Kürze
die Eigenart fennzeichnen, die diefe drei Clemente des Wirt-Idhaftslebenz3
 während des 19. und beginnenden 20. KJahr-Hunderis
 aufweifen.
Bunächft Jehen wir uns den neuen Geift näher an vder gehnauer:
 die neuen Männer, die diefen neuen SGeift verkörpern.
&amp;amp; ift das befondere Kennzeichen des hHochkapitaliftijchen
Beitalter3, daß in ihm die gefamte Leitung im Wirtfchafts-(eben
 auf die Lapitaliftifdhen Unternehmer übergegangen
Üt, die nunmehr, der @Gängelung durch Staatsorgane entwachjen,
 al3 die Wirt] haftsfubjekfte der inneren Wefjenheit
der Kapitalijftifchen Wirt]haft entfpredhend die alleinigen Organijatoren
 des wirtchaftlidhen Prozejjes geworden jind, {Dweit
 Ddiefer fich im Rahmen des Kapitaliftilchen MWirtfchafts-
        <pb n="80" />
        80 Die Grundlagen der Hochkapitaliftildhen Wirt[hHaft.

Tyftems abfpielt. ES verfteht ficdh, daß überall dort, wo der
Kapitalismus noch nicht oder nicht mehr das hHerrjchende Wirt-Fehaftsfyftem
 it, auch andere Wirt] Haftsjubjekte die Entfcheidung
 treffen, wie am geeigneten Orte zu zeigen fein wird.
Mus dem, was ich im 3. Kapitel des 1. AbjHnitt3 über das
Wefen der Kapitaliftijdhen Wirtfchaft ausgeführt habe, kennt
der Lejer die Funktionen des Kapitalijti]hen Unternehmens:
Kapital und Arbeit zujammenzubringen, Richtung und Umjang
 der Produktion zu beftimmen, die Verbindung zwilchen
Produktion und Xonfjumtion hHerzuftellen. Wir bezeichnen die
fapitaliftifcdhe Art der Wirt{chaftsfihrung wohl auch als unternehmungsweife
 Wirt] haft und meinen damit, daß fie auf das
Rijiko des Unternehmers erfolgt, daz Heißt: daß dieler alle
Bewinn- und Verlufltchancen trägt.
Das gilt vom Iapitalijtijdhen Unternehmer überhaupt. Nun
weift aber das Kapitaliftijche Unternehmertum im Zeitalter
des Hochkapitalismus befondere Cigenarten auf, die ich we
nigjten3 nennen will, ohne jie hier eingehend daritellen zu
fönnen. .
Neu find die Wirt] hHaft8führer der modernen Zeit ihrer
Herkunft nach. Was wir hier fejtftellen Können, ift:
1. eine weitgehende Demokratifierung des FJührertums;
2, eine Verfchiebung in der Zujammenjegung der internationalen
 Unternehmerfhaft in völkijher Hinficht, die dadurch
 eingetreten ift, daß die Führer] haft im Laufe des Hoch»
fapitaliftifchen Zeitalters immer mehr auf die in ihrem Kern
germanijden Nationen übergegangen ijt und daß in allen
Ländern einen wachjenden Anteil an der Leitung des Wirt.
Ichaftslebens die Juden fich erobert Haben;
3. eine Berfchiebung des Zentrums des Kapitalismus in
Qänder mit folonialem Gevyräge: Deutfchland, Vereinigte
Staaten.
In diefen neuen Männern ift num die wirtihaftliche
Eneraie zu höchiter Entfaltung aelanat:
        <pb n="81" />
        Die neue Rechtsordnung.

81

1. jind mächtigite Triebe in den Dienit der Wirt] haft
geireten und haben [ich hier frei ausgelebt: das Erwerbsireben,
 der Machtirieb, der Tätigkeitsdrang;
‚2, hat die fublimite MNusbildung des Skonomijdhen Rationalizmus
 ftattgefunden, das heißt: die Wirtjhaft Yt mit
den Ffeinfien Methoden xationaler Amwedgedankfen durchderungen;
 ;
3. findet eine unansgefjebte Au SD ehnung des zu völliger
Reinheit gelangten Kapitaliftijhen Geijtes ftatt.
Die Gründe diejer unerhörten Energieentfaltung find teils
binlogifch-pfydologifcher, teils fozinlogijcher Natur.
_ Die Energie {ft aber noch geiteigert morden durch die Ver:
jachlidhung des Kapitalijtijhen Geiftes in der Kapitafiftifchen
 Unternehmung, die, als ein jelbitändiges Geijtesgebilde
 ihre eigenen Bwede, ihren eigenen Veritand und
Ihre eigenen Tugenden — unabhängig von dem Kapitalijti-Ichen:
 Unternehmer — hat.

Zweites Kapitel.
Die neue Rechtsordnung,
In dem Maße, wie der Kapitalismus erftarkte, mußte ihm
die ftaatliche Unterftüßung, die ihm. die merfantiliftifche Wirt-[Oaftspolitik
 angedeihen ließ, überflüffig, in dem Maße, wie
er fich intenfiv und extenjiv ausdehnte, mußte ihm die jtaatliche
 Bevormundung läftig erjcheinen. Sein Streben mußte
vielmehr, Jobald er aus feiner erften Kindheitsepoche hHeraustrat,
 auf eine Nechtsordnung gerichtet fein, die der individuellen
 Betätigung möglichjt geringe Schranken auferlegte
und um diefen Preis der Freiheit [elbit auf die ftaatliche Förderung
 verzichten, d. h. die Interejfen des erftarfenden Rapitaliamus
 drängten anf die Einführung eines rechtlidhen Zu-Itandes
 hin, den wir als Gewerb efreiheit zu bezeichnen uns
gewöhnt Haben. Die gewerbefreiheitlidhe Ordnung des Wirt-Ihaftälebens
 erfcheint nämlich den Interejfen des entwidel-Zombart,
 Gemerbeweien I.

m
A
        <pb n="82" />
        82 Die Grundlagen der hHochkapitalifti[hHen Wirtichaft.

ten Kapitalismus ebenfo zu ent{predhen, wie eine gebunden!
Wirt] Haftsverfajfung denjenigen des Handwerks gerecht wird
€ wird müßlich Jein, daß ich die Erwägungen, die zu diefe
Einficht führen, Jo wie ih [ie an anderer Stelle bereit? einma
angeftellt habe, hier noch einmal miederhole.
Das natıırgemäße Rechtsideal jedes Produzenten, der au
den Abjaß (von Öütern oder Dienften) an andere angewiefen
it, it das Monopol; das will Jagen: die Freiheit für fich, del
Zwang, die Be/dhränkung für andere. Wenn er fich für eine
andere Ordnung ausfpricht, ]o ge[cdhieht es, weil er fein Idea
nicht verwirfliden zu können glaubt; er willigt in ein Kompro:
miß, um wenigjtens einiges für ich zu retten, an deffen Er
haltung oder Durchjegung ihm gelegen ijt. Das Wefjen del
Wirt] chaftsform ent{cheidet über das Ergebnis diefes Kom
promijfes: das für den Handwerker die Zunftordnung, fill
den Kapitalijtijcdhen Unternehmer die Gemwerbefreiheit ift.
Woher diefe verfchiedene Endigung?
Der Handwerker, fahen wir, verlangt vor allem Sicher
heit feiner Eryijtenzbedingungen, er braucht Ruhe und Stetig
Feit aller wirt] hafflichen Berhältnijfe, deren felbftherrifchet
Bezwingung er al8 nur technijcher Arbeiter nicht gewachfen
it. Er will Jidh an feinem Arbeitsgegenftande betätigen unt
dadurch jeinen Unterhalt verdienen. Arbeitsumfang und Um
fang des Entgelt$ find bei ihm {o gut wie felte Größen. Daher
wider] pricht es auch den Handwerksintereijen nicht übermäßig.
wenn fie ausdrüclich von der Rechtsordnung fixiert werden.
Eine gefeblidhe oder genoffenfhaftliche Feitlegung der Pro:
duftions- und AWbfagbedingungen nach Quantum und QYuale
empfindet der Handwerker kaum als Befchränkung: denn fein
innerftes Wefen, das Wirken als technifcher Arbeiter wird da:
durch nicht berührt. Deshalb kann er verhältnismäßig leicht
die eigene Freiheit als Monzeffion Hingeben, menn er dafız
die Befhränkung der anderen als Gegenfonzejlion erhält
Alle ausgebildete Handiwverksordnung beruht daher notwen:
        <pb n="83" />
        Die neue KNechtsordnung.

83

ne
D.

dig auf dem Gedanken einer grundläglidhen Ausichließung der
Nonkurtenz auf der einen Seite, einer Stereotypierung der
wirtfchaftlihen Beziehungen auf der anderen Geite.
— Das genaue Gegenteil muß eine Rechtsordnung bilden, die
den Interelfen des Napitalz ein Maztmum von VBerüchlichgung
 zuteil werden läßt. Der Kapitaliftifdhe Unternehmer
Oließt fein Kompromiß zwijchen Freiheit und Zwang in
Zerade entgegengefebtem Sinne: er opfert den ®ebanfen
ziner Bindung und Bejchränkung der anderen, um für jich
die Freiheit zu retten.
_ Und das ijt dem innerften Wejen fapitalijtijcher Wirtchafisführung
 durchaus ent{prechenD.
— Wogegen diefe fih vor allem fträuben muß, ift gerade
jene Stereotypierung der Produktions- und Abjagverhältnifie.
Yede Kapitaliftijche Unternehmung ftrebt, wie wir wilien, nach
unbefchränfkter Ausdehnung ihres Wirkungsgebietes. Das folgt
Unmittelbar aus dem erwerbsämwirt|haftlidhen @Orundzuge ihres
Charakters. Die Vermehrung des Geldes ijt an keine Schranlien
 einer naturalen Werkverrihtung oder einer perfonalen
Bedarfsgeftaltung gebunden, fie i{t grenzenlos. Schon aus
diefem Grunde alfo ijt die Produktions- oder AWbjagbefchrän-‘mg
 allem Kapitalijftifjhen Wejen zuwider. Sie ift e$ aber
nıch noch aus anderen Gründen. Wie das Uusmaß ihrer
Tätigkeit, fo Toll auch deren Ausübung im Rahmen der kavitalijtijchen
 Unternehmung von jeder zwangaweilen Bindung
tei fein.
_ Weil das vornehmfte Mittel KLapitalijtifcher Wirt] haft zur
Erreichung ihrer Ziwede die Vertragsichließung ift, auf deren
otionell-profitable Geftaltung alles Augenmerk gerichtet wird,
id Kann e&amp;amp; gar nicht anders fein, als daß ihr Wirtichaftsfubjelt
dei jeder neuen Vornahme einer MertragsfchlieBung von dem
Gedanfen befeclt it, deren Bedingungen {vo günftig wie MÖöglich,
 günftiger als das vorige Mal zu geitalten. € Jühlt [ich
der Leiter einer Kapitaliitifchen Unternehmung daher in jedem

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        <pb n="84" />
        84 Die GÖrundlagen der Hochfkapitaliftifdhen Wirt[chaft.

Augenblide als der jelbjtherrifhe Schöpfer feiner Sfonomifcher
Eriftenzbedingungen, als der Geftalter gleichfam der gefamter
wirtfchaftlidhen Welt, die nach [einem Bilde formen zu Könner
er die Uoficht und daz Vertrauen befibt. CE wurde fchon de
cauf hingewiefen, daß in diefer eigenartigen Konftellation det
wirtfchaftlidhen Verhältnijfe, wie fie durch das Emporkomme
einer fapitalijtijdhen P|ydhe gefhaffen wird, mit einiger Wahr
)cheinlichfeit der Ausgangspunkt für die Entwidlung des mo
dernen „Individualismus“ zu finden ift.
Diefe prinzipielle Sinneigung des Kapitaliftifchen Interefjes
zur Freiheit wird nun aber noch durch die Konkret-Hiftorifche
Verumftandung verftärkt, die das Kapital bei feinem Eintrit
in die Gejdhichte vorfindet. E$ muß fich durchleben gegen die
Befhränkungen einer aus handwerfsmäßigem SGeijte gebore
nen Nechtsordnung, hinter der fih Wirtjhaftselemente ver
jchanzt halten, deren Unterlegenheit gegenüber dem angret
fenden Kapital in einer offenen Feldfchlacht außer Zweifel
jteot: die Handwerksmäßigen Produzenten und die Lohn
arbeiter. Wirt] haftlihe Freiheit kann aljo nach diefer Seite
Hin leicht Auslieferung oder Entwaffnung der Gegner des
Kapitals bedeuten. Alfo auch hier mündet deffen Interefie
in das Poftulat einer freiheitlichen Wirt] haftsordnung ein.
das Kapital fihlt ich ftark genug, den Kampf in freiem Felde
aufzunehmen: e8 bietet den notorifch {hwächeren Gegnern die
„freie Xonkurrenz“ an.
Sreilich muß nun, wenn die Rechtsordnung in diefem Sinne
wirklich geftaltet wird, auch von Kapitaliftijdher Seite eine wejentlidhe
 Konzeffion gemacht werden: die Befchränkung der
wirt/haftlichen Freiheit muß für alle, alfo auch für alle anderen
 Kapitalijtijchen Unternehmer aufgehoben werden. Das
ijt bitter, aber e8 ift doch das Meinere Übel. Eine ideale Rechts:
ordnung enthielte natlirlich: Freiheit im Konkurrenzkampfe mit
Gandwerk und Arbeiterfchaft, Bindung oder noch beffer Aus-|
 chfieBung aller übrigen fapitaliftiichen Unternehmer. Da diefes
        <pb n="85" />
        Die neue Rechtsordnung.

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10:

Ydeal nicht verwirklicht werden kann, fo willigt das Kapital in
as Aompromiß: e8 vpfert den Nechtsgedanken des Monopols
der Privilegs und verlangt die wirtfhaftliche Freiheit für alle.
Die Einführung der Gewerbefreiheit, wie fie im Saufe des
19, Jahrhunderts in allen Kulturjtaaten erfolgte, bildet einen
Seil der fog. liberalen Reformen, die im Namen eines
johen allgemeinen Men]chenrechts erfämpft murden, Durch
die man dem deal der Freiheit, wie e8 jene Zeit beherrichte,
jum Siege verhelfen wollte. Ungejichts diejer Tatjache, die
3 unzweifelhaft erfcheinen läßt, daß auch die Gemwerbefreiheit
dealen Motiven ent|prungen Hit, Kann eS auffällig erfcheinen,
%e Herftellung einer freiheitlichen Wirtfchaftsordmung auf betimmte
 praktifhe Interejfen zurüdzuführen. Ih lengne die
dezwingende Macht der liberalen Ideen, aus denen das Wirt-Oaftsrecht
 des 19. Yahrhundert3 hervorging, ebenjowenig,
Die ich den Einfluß der Beihilfe unter[häße, die diefen Betrebungen
 durch die Wijjenfchaft des 18. Jahrhunderts er-Duchs,
 Diefe nämlich hatte den Sat aufgeftellt, daß es allein
den Anforderungen ftrenger Wijjenfchaftlichkeit ent{präche,
Denn im Wirtjchaftsleben die einzelnen Interejjenten mög-Gchft
 frei [Halten und walten Lönnten, daß allein unter der
Vorausjebung einer Joldhen weitgehenden individualen Freiheit
 die wirtfchaftlihen Gefamtintereffen zu ihrem Rechte
fämen. Über jo fehr ih auch die fördernde Macht diefer
deafen Faktoren bei der Umbildung unferes Verfaffungsund
 Nechtslebens anerkenne, jo fteht e8 für mich doch uner-Ichütterlich
 feft, daß alle diefe Faktoren nicht hHingereicht hätten,
die grundjtürzende Änderung in den Iormen unjeres Jozialen
Seben8 vorzunehmen, wenn bei der eritrebten Neugeftaltung
der Dinge nicht die Interefjen der mächtigiten Wirtfchaftsfaktoren
 ebenfalls gefördert worden wären. Wie jehtr aber
aus ‚den Lapitaliftijhen Interejjen jich die Forderung einer
freiheitlihen Wirtfhaftsordnung ergeben mußte, habe ich in
den vorherigen Ausführungen zu erweijen verfucht.

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        <pb n="86" />
        36 Die Grundlagen der hHochkapitakijtifhen Wirtfchaft.

Über den Verlauf der NReformbewegung in den einzelner
europäifchen Ländern unterrichtet folgende
Überlicht über die grundlegenden Gemwerbegefeb
in den wichtiaiten Aulturktaaten.

A. Die deutjhen Staaten vor Einigung des Reiches,
IL. Breußen. Nachdem durch die Gefhäftsinftruktion vom
26. Dezember 1808 die Gewerbefreiheit im Prinzip aner*
fannt war, wurde diefe gefeßlich beftätigt durch das Sdift
vom 2. November 1810 über die Einführung einer allgemeinen
Sewerbeftener und das Gefeß vom 7. September 1811 über
die polizeilichen Verhältnifje der Gewerbe.
Das Ehift von 1810 machte den jelbftändigen Gewerbebetrieb
 lediglich abhängig von der Qöfung eines Gewerbe
Icheins, der feiner unbefcholtenen Berfon verfagt werden
durfte, und von der Zahlung der neu eingeführten ®Gemerbeteuer.
 Nur für acht Gewerbe im engeren Sinne, „bei deren
unge] chidtem Betrieb gemeine Gefahr obwaltet“ (Apotheker,
Iuweliere, Maurer, Zimmerleute, Mühlenbanuer, Schornjteinfeger,
 Seejchiffzimmerleute, Verfertiger Hirurgifjcher Injtrumente),
 wurde für die Ausübung eine weitergehende Be:
IOhränkung beibehalten. Das Sejeß von 1811 vertrat den:
jelben Standpunkt weitgehender Gewerbefreiheit wie das
Edikt von 1810, das es nur in Einzelheit ergänzt.
Um bie große Ver] dhiedenartigkeit der Sewerbeverfalfungen,
wie fie im Königreich Preußen durch die Einverleibung der
neu: Dder wiedergewonnenen Landesteile im Jahre 1815 ent:
jtanden war, zu befeitigen, wurde am 17. Yanuar 1845 eine
allgemeine Gewerbeordnung für das gefamte Staats
gebiet eingeführt, die im Prinzip an der Gewerbefreiheit
fefthielt.
Eine weitgehende Einfchränkung erfuhr jedoch die Geiverbefreiheit
 im Königreich Preußen noch einmal durch Königliche
Verordnungen vom 9. Februar 1849, betreffend die Er.
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Die neue Nechtsovrbnung.

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tichtung von Gemerberäten und ver]chiedene Abänderungen
der allgemeinen Gewerbeordnung und über die Errichtung von
Gewerbegerichten. Hierdurch wurde der felbjtändige Gewerbebetrieb
 für eine größere Anzahl von Gewerben (32 außer den
bereits befchränkten) wiederum abhängig gemacht von dem
Eintritt in eine Jnmung, die an den vorhergegangenen Be:
jähigungsnachweis gefnüpft war oder von dem Nachweis der
Befähigung vor einer Prüfungskommiffion. Auch andere Betimmungen
 der alten Zunftverfajjung wurden wieder eingeführt.

 Abgefehen von einigen Änderungen im gewerbefreiheitlichen
 Sinne blieb die Gewerbeordnung von 1849 bis zur
Sründung des Norddeutfchen Bundes in Kraft.
IL Sn den übrigen deut|hHen Staaten blieb die alte
Zunftverfaffung bis zum Jahre 1860 allgemein in Geltung.
Yon da ab erließ die Mehrzahl freiheitlidhe Gemwerbegefebe.

B. Der Norddeutihe Bund bzw. das Deutiche Reich
vegelten einheitlich für ihr Gebiet die gewerbliden Zuftände
durch die Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869, die im
Gebiete des Norddeutfchen Bundes drei Monate nach Verfündigung,
 in Südheffen am 1. Januar 1871, in Württemberg
 und Baden am 1. Januar 1872, in Bayern am 1. Iamar
 1873 in Kraft trat. Das Gefeß beruht auf dem Prinzip
einer weitgehenden Gemwerbefreiheit. Bejchränkungen des
Gewerbebetriebs werden nur im Interejje der öffentlichen
Sicherheit für ganz wenige Gewerbe ausgefprochen. Den
GE wurde ein rein privatrechtlicher Charakter vertchen.


C. Die übrigen europäijdhen Staaten
haben ebenfalls entweder [chon im 18. oder im 19. IJahrdundert
 im Brinzip die Gewerbefreiheit eingeführt 1ınd zwar
in folgenden Jahren:
        <pb n="88" />
        38 Die Grundlagen der Hochkapitaliftifcdhen Wirtfchaft.
1789 (1791) Frankreich;
1795 Belgien;
1813 Spanien;
1814 (1835) England (wo tatjächlich fchon lange vorher ein
Hujtand der Gewerbefreiheit geherrfcht Hatte);
1819 (1824) Holland;
1839 (1866) Norwegen;
1846 (1864) Schweden;
1848 Schweiz (für das Bundesgebiet, während in den
meiften antonen {hon vorher Gewerbefreiheit ge
golten hatte);
1857 Dänemark;
1859 Öfterreich-Ungarn;
1864 (1878) Stalien (für das gejamte Xönigreich, während
einzelne Staaten fchon früher Gewerbefreiheit be-Taßen).


Drittes Rabitel.
Die neue Technik.
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wird die gewerbliche
Technik auf neue Grundlage geftellt.
Das erjte Prinzip, auf welchem die moderne Technik aufgebaut
 ift, it formaler Natur: e8 beruht in der Anwendung
der Naturmwijfenfhaften auf die Technik und die da
durch bewirkte Ummandlung des empirifchen in das wijfenjhaftliche
 Verfahren. Alle frühere Technik, jo munderbares
lie auch geleiftet Hatte, war empirifch gewefen, d. h. hatte auf
der perjönlichen Erfahrung beruht, die von Meifter zu Meijter,
von Gejchlecht zu SGefchlecht durch die eben{o perfönlidhe Lehre
übertragen worden war. Von den Oöttern, fo glaubte man,
war bie als ein wunderbares Geheimnis erfcheinende Kunfi
den erften Menjchen überliefert worden, die fie nun al foftbares
 Vermächtnis ihren Söhnen weitergaben. Dankbar nahm
man hin, was die Natur in unerforichlicdhem Wirken den ar.
        <pb n="89" />
        Die neue Zechnik.

Q9

beitenden Menjchen darbot; in ihre Myfterien einzudringen,
ag allen früheren Kulturen fern. Man wußte, welche Handgriffe
 man anzuwenden Hatte, um die Wolle zu ver] pinnen,
die Brücken zu bauen, das Eifenerz zu [Hmelzen, damit begnügte
 man fich. Al befonders glückliche Fügung, als Seghung
 des Himmels pries man e8, menn jemandem der Bufall
ein Verfahren mies, daz rajdher und vollfommener zum Biele
führte. Man nahın e8 Hin und hütete e&amp;amp; und gab es den Nach»
fommen weiter, wie man einen Schaß vererbt, den man bei
Sebzeiten gefhenkt erhalten hat. Danach Konnte auch alle
Lehre nur eine NRegellehre fein; Nachweis der Handgriffe, die
anzuwenden feien, un einen beftimmten Erfolg zu erzielen,
einen beftimmten technifhen Zwed zu erreichen.
Sn diefes Halbdunkel frommen Wirfens fällt nun der grefle
Schein naturmiffen]chaftliher Erkenntnis. Das kühn hHeransfordernde
 „Sch weiß“ tritt an die Stelle des befcheiden-ftolzen
„Ich kann“. Ich weiß, warum die Hölzernen Brücdenpfeiler
nicht faıler, wenn fie im Waijfer ftehen; ih weiß, marum das
Waijer dem Kolben einer Pumpe folgt; ich weiß, weshalb
das Eifen IOmilzt, wenn ih ihm Luft zuführe; ih weiß,
warum die Pflanze beffer wächit, wenn ich den AUder dünge;
ich weiß, id weiß, ich meiß; Das ift die Devife der neuen Zeit,
mit der fie das technifche Verfahren von Grund aus ändert,
Yım wird nichts mehr vollbracht, weil ein Meifjter ih im
Befib eines perfönlichen‘ Könnens befindet, fondern weil jedermann,
 der [ich mit dem Gegenitande befchäftigt, die Gejebe
fennt, die dem tehnifhen Vorgang zugrunde liegen und deren
forrefte Befolgung auch jedermann den Erfolg verbürgt. War
früher gearbeitet worden nach Regeln, fo vollzieht {ich jebt die
Tätigkeit nach Gefeßen, deren Ergründung und Unmendung als
die eigentliche Aufgabe des mifjfen|haftlidhen Berfahrens
erfcheint. Die Technik tritt damit in eine bedingungsloje Ubhängigkeit
 von den Iheoreti{dhen Naturwijjen| haften, deren
Vortichritte allein noch über das Ausmaß ihrer eigenen Lei:
        <pb n="90" />
        30 Die Grundlagen der Hochkapitaliftifdhen Wirt[haft.

Itungsfähigfeit ent{dheiden. Man kann deshalb auch deutlic
mahrnehmen, wie die Etappen der modernen Technik be
timmt werben durch die großen, eppchemachenden Ereigniiie
im Gebiete der naturmijfenjhaftlihen Erkenntnis, Die erite
Station bilden die Gejebe der Mechanik,’die durch Galilei unt
Newton ihre vorläufig definitive Feftitellung erfahren; danr
möchte id) einen zweiten Markitein feßen in die 1780er Sahre
in welchen Lavoifier die Theorie der Verbrennung begründet;
das dritte große Ereignis, das für die Entwidlung der Tenif
beitimmend wird, fällt in das Xahr 1828 (Synthefe des Harn
Itoffes durch Wöhler); während endlich die lebte bejonder?
fruchtbare Epoche der modernen Technik eingeleitet wird durck
die Uufftellung des Gefeges von der Erhaltung der Energie
durch Robert Mayer im Jahre 1841.
Das materiale Prinzip der modernen Technik aber it:
Emanzipation von den Schranken der lebendigen
Natur: das bedentet in etwas anderer Fajfung foviel, wie
Crfaß der Natur durch die Kunft, des Perfönlichen durch das
Sachliche, der Qualität durch die Quantität, Und zivar LäB1
lich diefe Wandlung verfolgen in allen Elementen der Technik:
Kräfte, Stoffe, Berfahrungsweifen find ihr aleichermaben an:
heimgefallen.
Zwar nußte die Menfcdhheit vor dem 19. Jahrhundert auch
[chon Waffer und Wind neben den tierifchen und men/|chlichen
Organismen al8 treibende Kräfte. Wber ganz abgefehen da:
von, daß fie weit zurüdtraten an Bedeutung hinter den vr:
ganifierten Kraftfpendern: was fie diefen ähnlich erfcheinen
ließ, war ihre Gebundenheit an Ort und Zeit. Die Launen
der Nirlein und des Windgottes ent{chieden allein, ob und in
welcher Richtung und wann die Menjchen des Waifers und
des Windes Kraft nuben follten. Erijt Teit die Spannung des
Wafferdampfes und des elektrifjchen Stromes in ihrer Ber:
mwendbarkeit für die Technik erfannt war, erfchloß fich der
Menichheit in der toten Natur eine Aräftemtelle, über die {ie
        <pb n="91" />
        Die neue Zechnik.

91

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nach Quantität und Qualität beliebig verfügen Lonnte. Der
Übergang zu Dampf und Elektrizität als treibenden Kräften
t alfo recht eigentlich ein Wit der Emanzipation, der ganz
befonders deutlich auf die Eigenarten modern-naturwifjenhaftlicher
 Betrachtung fich zurücführen läßt.
Und wie die mechanijhe Kraft, fo beherr{cht der anorgani]che
Stoff die.neue Zeit: das Eifen, der Künftliche Dünger, die
Anilinfarbe aufm. (87 AL.
Über was mun das Wichtigjte it: auch die modernen Ber-Tahrungsmweifen,
 die Arbeitsmethoden atınen denjelben
Geijt. Auch fie drängen nach Befreiung von den Schranken
der organifchen Welt. Deutlich tritt dieje Tendenz zutage in
allen Hemifhen Fndujtrien, die ja doch recht eigentlich
auf dem Gedanken einer Künftlidhen Synthefe nüblicher Stoffe
Aufgebaut find. WazZ ehHedem das geheimnisvolle Weben des
Waldes, die Blüte der Pflanze, der Organismus des Tieres
Zutage fürderten, das entiteht jebt auf Kommando in der Retorte
 oder der Muffel des Chemikers: Wohlgerüche und Wohl
gelhmäcde, Farben und Faferjtoffe, Düngemittel und Be:
leuchtungsmaterial.
Bedeutfam find vor allem die Vorgänge auf dem Gebiete
der Eijenerzeugung. In den 1780er Jahren hürgert fich das
Kokverfahren im Hochofenprozeffe ein; 1784 tritt das Puddelverfahren
 an die Stelle des Herbfrijchens, und {eitdem Datiert
die unausgefebte Revolutionierung der Eifeninduftrie, die num
erit auf wijfenjchaftlidher Grundlage aufgebaut und in eine
böllig anorganijche Induftrie umgewandelt wird.
Sit das Hemifche Verfahren vornehmlich dazu beftimmt,
tieri{che und pflanzliche Organismen bei der Erzeugung von
Sebranchsgütern entbehrlich zu machen, [o läuft das ma:
[Hinelle Verfahren in feiner Grundidee darauf hinaus, die
Süterherftellung von der Mitwirkung des lebendigen Menjchen
Zu befreien. Das Sfonomijche Prinzip der Mafchine beruht, wie
wir fahen (fiehe oben Seite 16) in der Arbeitserfeßung. Die

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        <pb n="92" />
        92 Die Grundlagen der Hochkapitaliftiiden Wirtjdhaft.

Majchine ijt eine Borrichtung zum Zweck, irgendeine Arbeit aus
zuführen, die ohne fie der Menih ausführen müßte. Das Ydeal
einer vollfommenen Mafjchinerie it der automatifch wirkende u
Mechanismus, den der Menfch nur noch zu bedienen hat N
Dem 18. Jahrhundert gehören die epodhemachenden Erd
findungen ar, von denen die neue tedhnifche Entwichung der x
Induftrie ihren Anfang nimmt: 1760 bis 1770 mird die Spinn N
mojchine erfunden (Bigh, Hargraves, Arkwright); 1785 bist
1790 der mechani]he Webftuhl (Cartwright); 1790 wird die €
Dampfmajchine vollendet,
Um bie prafti[dhe Tragweite diejer neuen Technikn
richtig zu ermefjen, wird man unter]heiden müjfen die Be‘ X
deutung, die die Untwendung der wijfen|haftlidhen Methode !
als joldhe befibt, von den Wirkungen, die der Übergang von
der organijchen zur anodrganijchen Natur bei den technifchen €
Vornahmen im Gefolge hat. Über die Zujammenhänge zwi |
jchen dem wijfenfhaftlicdhen Berfahren und den großen Lei
itungen der modernen Technik wird folgendes auszufagen fein.
Zunächft erfährt eine gänzlidhe Umgeftaltung dasjenige, was
ich die Art des Befibes des tedhnijcdhen Xönnens nennen möchte.
Diejes wird durch die Einbürgerung des wijfen] Haftlichen Ver
fahrens gleihjam objeftiviert. Wir Jahen früher: jedes
Kunftverfahren ruht in der Perfönlichkeit des „Meifters“ ein:
ge/chloffen; es Iebt mit ihm, e3 {tirbt mit ihn. Nur was der
Lernende ihm abgelaufcht und abgefhaut hat, das dauert über
jeinen Zod hinaus, {Hlägt Wurzel abermals in einer Berfün
lichfeit, um mit diejer wiederum zugrumde zu gehen. Das
wiffen]haftlidhe Verfahren {teht demgegenüber verfelbitän
digt, objektiviert, als ein für jedermann beliebig faßbares und
erteichbares Wifjen außerhalb jeder ausführenden Berfönlich
feit. Einmal durch Wort und Schrift fejtgelegt, Yt e8 ein un
vergänglidhes Eigentum aller fünftigen Gejdhlechter. Damil
ijt e8 aber in doppelter Hinficht von der Zufälligkeit des rein
er/önlidhen befreit: fofern feinem aänzlichen Verluft vor: *
        <pb n="93" />
        Die neue Technik.

93

1S- gebeugt ijt, fodann aber jofern e8 nicht notwendig eines becal
 Mimmten, an Ort und Zeit gebundenen Individiums bedarf,
ıDCUM 5a8 betreffende Verfahren anzuwenden: folange die geat.
 Werbliche Tätigkeit, auch Jhon die moderne Kapitaliftijche In-St
 daftrie, noch im Stadium der Empirie ich befand, fönnten neue
er Andufteiezweige in einem Lande nur begonnen werden, wenn
'n’ Man Menfchen dahin verpflanzte, die das Geheimnis mit |ich
6 Migen: die Berufung der Humiliaten-Mönche durch zahlreiche
Me Städte im Mittelalter, die Hereinziehung brabantifdher Tuch-Macher
 nach England, italieni] her Seidenfpinner und -weber
inch Frankreich, die ganze Emigrantenpolitik der Hohenzollern
\6* Teden eine deutliche Sprache dafür, daß in damaliger Zeit die
de technifche Kunft noch an den Künftler gebunden war. Dann
vn bleibt fie eine Zeitlang an die Produkte gebunden: dann [orgt
cn fin Qand etwa dafür, daß beftimmte Majcdhinen nicht ins Aus-DV
 larıd fommen: England im 18. Jahrhundert. Und Heute braucht
»* Eine Nation ihre jungen Ingenieure und Techniker nur an die
1. deutfchen Hochfchulen zu fenden, um alle Weisheit im Kern
6 fig zu beliebiger Berwendung im eigenen Lande zu verfhaffen.
Und wie die Ausübung und Erhaltung der technifchen Kunft
vr durch das wijfen{haftlidhe Verfahren von der Zufälligkeit des
05 Sndividuellen befreit werden, Jo in noch viel höherem Maße
1% Auch die Vermehrung des technijhen Xönnens. An Stelle des
cr berfuchsweifen Taftens, das, wie wir ahen, aller Empirie
CH eigentümlich ijt, tritt mun das planmöäßige und methobijche
Suchen auf @rund der Kenntnis von den Zujammenhängen
der bisherigen Verfahrungsweijen; an Stelle des Probierens
Tritt das Experiment, aus dem Finder wird der Erfinder und
‚das Erfinden fJelbit wird aus einer gelegentlich geübten diletlantijhen
 Befchäftigung geiftvoller Pfarrer und ingeniöjer
VBarbiere zu der berufsmäßigen Tätigkeit gelehrter Zachmänner.
it Man ermelfe, wie fie das Tempo der Neuerungen in einem
in Aller Empirie unbekannten und unerreichbaren Maße zu fteivs
 Dern imitande jein mußte!

1%
        <pb n="94" />
        94 Die Grundlagen der hHochkapitaliftijchen Wirt[chaft.

YAber nicht nur werden die Zufälligkeiten des Beftandes unk
der Vermehrung technifchen Könnens durch die Nußbarmachunds
der Wifjen] haft befeitigt: e&amp;amp; verfchwinden auch die Zufälligte
feiten der Mursführung mehr und mehr. Das technifhe Können
wird ficherer, Kontrollierbarer, exakter. Begreiflichern,
weije. Denn nun, da alle Zufammenhänge des Produktiondit
prozefjes begriffen werden, ijt e8 erft möglich, Schädlichkeitelr
planmäßig zu vermeiden oder auszumerzen, Lücden dort auf
zufüllen, wo das Verfahren Joldhe aufweift. Ganze Induftriefi
zweige [ind erft zu vechter Slüte gelangt, nachdem die Chemif“
und neuerdings die Bakteriologie Mittel an die Hand gabeninı
mit Stetigfeit unter Meidung aller vorher unkontrollierbare
Störungen die Produktion zu vollziehen. Man denke an di
Brauerei. Zahlreiche Meßwerkzeuge [pezieller Art und Dimer'et
[ionierung, eigentümliche Xontrollvorgänge, präzife Indike'di
toren, Megijtrierapparate, Hemifche Proben, pOylikalifche Hi? b:
vorrichtungen, wie 3. B. Polarifationsinjtrumente, Speitro)
jfope, Manometer, Bremsdynamometer u{w. {tehen der mot
dernen Technik gegenwärtig zur Verfügung, um jene Sicher
heit in der Ausführung der Produktion zu erreichen.
Die lebte Bemerkung führt uns [hon hinüber zu der ander!
örage: der Bedeutung, welche das materiale Prinzip der mo
dernen Technik für die Praxis hat. Denn offenbar äußet!£
jich in der eben befprochenen Verbolllonmmung der Maß- undn
Wägemethoden bereits jene Tendenz, die wir als eine deim
Technik unjerer Tage eigentümliche erkannten: der Tendenz:
lich von allem Organifchen zu emanzipieren, das in diejenlb:
Salle der Menfch ift. Alle frühere Zeit war zur Beurteilung,
beftimmter Aggregat- oder Wärmezuftände, zur Meffung undh
Wägung im wefentlidhen auf die menfqhlichen Hähigkeiten, zFe,
fühlen, zu {Hmeden, zu riechen, zu fehen, angewiefen. Seht
tritt an Stelle diejer fubjektiv zufälligen, die objektiv exakte Cry
mittelung der Schwere, Länge, Wärme, Die, Dauer durdır
wijjenfchaftlich genau fonftruierte Maß- und Wiegeapparate
        <pb n="95" />
        Die neue Zechnifk.

95

c8 Nas Emanzipatorijche äußert Jich hier in doppelter Hinjicht:
1 chuNie Technik wird frei von der zufälligen Veranlagung beitimmıJälligter
 Rerfönlichkeiten mit befonders feiner Zunge, empfindjamen
Önte ergo, Haren Yugen und offenen Ohren und ebenf{o von der
(ichelnaturperanlagten Zufälligfeit der Ausführung, die | olange be-‘tion#itechen
 Bleibt, als lebendige Menjchen, durch deren Adern wareiteles
 Yıurt fließt, die Funktionen ausüben.
tan? Damit Haben wir auch fchon den Punkt getroffen, in dem
uftriefich die prinzipielle Bedeutung aller vervbollfommneten MagemifGinerie
 änßert: fie vermag den Vollzug irgendeiner Vor
yabelitahme zu einer Eraktheit zu entwideln, deren der Menich
“Dareiemals fähig it. Auch das feinfte Werkzeug, der delikatefte
an DU Seiffel oder Meißel in der Hand des Arbeiters Kann doch nie
imelVeiyas anderes leilten, als manuelle Fähigkeiten unterftüßen:
nbilt"die Arheitsmafchine dagegen fennt diefe Schranken nicht. Sie
Silf? Deaucht nicht mehr den Kontakt zwilden Auge und Hand, auf
‚eHt0 Dem alle Verfeinerung manueller Gef chicklichkeit beruht: fie kann
* MV)0 fein fAhneiden, fo ficher und regelmäßig eine Verrichtung
che Nieherholen, wie niemals die men[ liche Hand es vermöchte: fic
MNebt eben in volllobmımener Fornt die Arbeit des Urbeiters,
under! Roynn man in diejem Falle Jagen, daß die mechanifche Lech»
mn den Arbeitsprozeß von der qualitativen Bejchränktheit alles
ßen! Örganifchen emanzipiert, fo beobachten wir in andern Fällen,
M pie e8 die von der vrganifchen Natur in dem Körperlicdhen Uus-=
 Delmaß ihrer Individualitäten gezogenen Schranken der quan-Denältitgtiven
 Leiftung find, die die moderne Technik durchef
 em bricht, Darin liegt doch wohl die prinzipielle Bedeutung der
und Bermendung mechanijcher Kräfte, daß fie eine beliebige Hän-{
 undiung von Energie und deren unbehinderte Ronzentration auf
1, 8 tinen Lunkt zulaffen, mährend der menfchliche und tierifche
Seh a amiems nur immer über eine bejdhränkte Menge von Kraft
&amp;gt; C'berfügt, die Tih auch [hmer durch ein Zujammenwirken mehtÖ
 tere Organismen vergrößern läßt. Es ift Jelbftoerftändlich, daß
tat er die Arbeitäverrichtung felbit einer (Arbeits-) Maichine
        <pb n="96" />
        96 Die Örundlagen der hochkapitaliftildhen Wirtfchaft.

übertragen fein muß, ehe eine }0 Hohe Kraftentfaltung, wie fi
beifpielsweije in der Spannung des Wafferdampfes erziel
werden Kann, eine prafti{che Wirkung finden kann: erft mußt
die Spinnmaf[chine den Spinnprozeß von den menfchlichen O1
ganen auf ein Spftem toter Aörper übertragen haben, ehe ein
Kraft Nuben bringen Konnte, die dreitaufend Spindeln ang
treiben vermag. Worin die {pezififch befreiende Wichmng de‘
Dampfes als treibende Kraft — verglichen mit Wind un)
Waller — fih äußert, wurde bereits ausgeführt.
Des weiteren aber ijt e&amp;amp; eine großartige Emanzipatiot
von Raum und Zeit, die ein Verzicht auf die Mitwirkung
organifierter Materie im Gefolge hat. Bom Raum, den alle
Pilanzenwuchs beanfprucht und der nun entbehrlich wird
wenn aus mineralijchen oder Jonftigen anorganifchen Stoffel
Sebranuchsgüter hergeftellt werden, die denjelben Dienft ver
vichten wie ehedem das Holz, das im Walde fichH ausbhreitett.
Dder das Tier, Das zu [einer Fütterung ein Stüc Erdoberfläct
bedurfte. Man kann etwa folgende Rechnung aufjtellen: Un
der Erde wurden im Jahre 1926 106 Millionen Pferde ge
zählt; die mit Hafer beftandene Fläche betrug 59 Millione*
Hektar. Dagegen belief fich die Zahl der in den Lokomotive!
der Erde gebundenen Pferdekräfte auf 110 Millionen. Rechner
wir die Dampfpferdefraft gleich 3 natürlidhen Pferdekräften
io wären 330 Millionen Pferde erforderlich, um die Dampf
fräfte der Lokomotiven zu erfeben, alfo mehr als dreimal
[oviel als der Heutige Pferdebejtand beträgt. Da auch die heut
lebenden Pferde notwendige Arbeit verrichten, jo wären ohm
die Lokomotiven etwa 440 Millionen Pferde notwendig. Di
Weltanbanufläche für Hafer müßte alfo auf etwa 250 Millionet
Hektar, D. h. um etma den fünffachen Umfang des Deutfchet
Neiches, ausgedehnt werden, wollte man die in den Lofomo
tiven wirfjamen Dampfpferdekräfte durch natürliche Pferde et
jeben. Dabei ift das Areal, das der Heuerzenaung dient, nod
nicht einmal mit gerechnet.
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Die neue Zecdhnik.

X aber follte alles das Holz wachfen, daz etwa das heute
jerbrauchte Eifen zu erfeben Hätte? Alle Wälder der Erde
müßten abgeholzt werden und würden dennoch nicht Hin
teidhen, den Bedarf zu deden. Ganz abgejehen davon, daß
onomifch eine enorme Verteuerung des Materials eintreten
müßte, die [hon längft vor der phyjijchen Erjhöpfung der Ber-Dendung
 Einhalt tun mürde. Im Rahmen unfjerer Heutigen
Rechtsordnung würde die @rundrente eine joldhe Höhe erteidhen,
 wenn die Technik nicht bis zu einem gewijfen Grade
&amp;gt;ntanzipierte, daß eine wirtjdhaftlidhe Entwidhumng, wie fie das
19, Jahrhundert erlebt hat, ganz undenkbar wäre.
In Rücklicht auf die Zeit wirkt die moderne Technik emanpatorifch,
 infofern jie zunäcdft, mas wir [don fejtjtellen fonn«
ten, die organi]/dhen Schranken des tierijdhen oder menfHlihen
Organismus durch Erzielung größerer Gefcdhwindigkeit bei der
Yütererzeugung oder im Transport durchbricht. Wber auch
überall dort äußert [ich die nämliche zeiterfparende Wirkung,
DD das natürliche Wachstum der Pflanze oder des Tieres entjehrlich
 gemacht wird, aljo wiederum ein Erjaß pflanzlicher
der tierijcher Organismen durch anorganijche Gebilde, Um
abermals das wichtige Beifpiel des Eijens heranzuziehen: der
Tragbalfen oder der Schiffsmaft aus Eifen oder Stahl werden
'n wenigen Wochen Hergeftellt, während der Holzitamm Jahrzehnte
 gebraucht Hätte, um die erforderlidhe Dide zu erreichen.
Die Pferde, die zur Befpannung der Wagen Verwendung
Hinden, bedürfen mindejtens drei- bis vierjährige Pflege, wähtend
 der elektri[he Motorwagen oder das Automobil in eben»
‚obiel Tagen fertiggejtellt werden.
Endlich aber — und das ift vielleicht die wichtigjte Hraktijdhe
Aonjequenz des modernen, naturwijjen{Haftlich begründeten
Verfahrens — wird durch feine Anwendung die Bafis für das
gefamte techni{he Können in einer ungeahnten Weife ver
breitert. Wie wir wifjen, betrachtet die moderne Technologie
den Produktionsprozeß aleichfam Losgelöft von dem ausfüh-ZSZSombart,
 Gemerbemweien I.

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97
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        38 Die Grundlagen der hochkapitalijtilchen Wirt{chaft,

renden Organe, dem Menfchen. Dadurch vermag fie ihn derart
 in feine Elemente aufzulöfen, daß nicht die Rückficht auf
die [Hhaffende Hand, [ondern lediglich anf eine zwedmäßige
Kaufolfolge der einzelnen Vorgänge dabei den Ausf cOlag gibt.
Das arbeitszerlegende Verfahren wird damit erft methodilc
anwendbar. Und die Wifjenfchaft Jorgt dann weiter dafür, indem
 {te Kunftvolle, mafchinale VBorridhtungen erfinnt, daß die
betreffende Teilverrichtung im Produktionsprozeß, die Jich bei
der rationalen Auflöfung ergeben Hat, nun auch exakt aus
führbar wird, troßdem fie gar nicht mehr der natürlichen Betätigung
 der menfchlihen Organe entfpricht. An die Stelle
der durch die lebendige Per[önlichkeit notwendig gebundenen
organijchen Öliederung der Produktionsprozeffe tritt die nur
im SHindlik auf den gewollten Erfolg zwedmäßig mechani|c
eingerichtete Gliedbildung, wie es Reuleaux ausgedrückt Hat.
Sebt begreifen wir auch erft, warum die Entwicklung der Ma-[chinerie
 in unferem Jahrhundert eine {vo rapide fein Konnte.
Sie ijt einer eigentümlichen und richtigen Wendung in der
Auffajfung des Mafchinenerfinders zuzuichreiben, welche darin
befteht, baß nicht mehr die Mafjchine die Handarbeit oder gar
die Natur nachzuahmen {ucht, fondern beftrebt ijt, die Aufgabe
mit ihren eigenen, von den natürlichen oft völlig verfchiedenen
Mitteln zu Iöjen. Ift aber einmal erft die Schranke des Gebundenfeins
 an die Naturbefhaffenheit der men|chlichen Drgane
 gefallen, {o eröffnen ji dem technifdhHen Xönnen unermeßliche
 Weiten. Und darin liegt vor allem die epochale
Bedeutung, die wir dem Eintritt der Wiffenfhaft in den Dienit
der Technik zufdhreiben miüfjjen. Die Produktion wird jeßt
eine Synthefe beliebiger Stoffe und Kräfte, wie fie für men{chliche
 ‚Zwede geeignet {ih darbieten. Die Neuerfchaffung der
Erde nimmt damit ihren Anfang. ,
Nun würde man aber die Bedeutung, die die moderne Tech:
nif für den @ang des WirtjhHaftslebens und der gefamten
Kultur Europas nur unvollfommen einihäken, wollte man
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Die neue Technik.

nicht der Wirkung gedenken, die fie auf die Geftaltung der
Beyölkferungsverhältnijfe ausgelibt hat. Hier ft nämlich
die Tatfache feftzufjtellen, daß die Bevölkerung Europas, dank
der Fortfehritte auf dem Gebiete der Hygiene, die auch Forts
|Oritte der Technik Jind, während des verfloffenen Jahrhunderts
‘ch in einer nie vorher dagewefenen Weije vermehrt Hat. Die
Bevölferungszunahme drückt fich in folgenden Ziffern aus. Die
Zahl der Einwohner Europas beirug:
1800 180 Millionen
1850 266 „
1914 7
Die Indezziffern [ind folge:
1800 +00
1850 „7
1914 251
In denjenigen Ländern, in denen der Hochkapitalismus techt
zigentlich zur Entfaltung gelangt ift: England und Wales,
Deut{GHland und Vereinigte Staaten, vermehrte fich die Bevölferung
 während des 19. Jahrhunderts noch tajdher. Sie betrug:
Anfang Mitte
des des 1910
19. Sahrh. 19. Fahıh.
in England und Wales. 8892536 17927609 36075269
im Deutfhland. . . . . 24833396 35 130398 64925993
in den Vereinigten Staaten 5308000 23192000 91972266
Insgefamt 39033932 76250007 1929783528
Der Inder lautet alsdann für die Bevöllerungszunahme
dieler drei Länder:

99

1800 100
1850 195
1910 495
Dieje Ziffern geben erjt den AUuffchluß, warum der Kapitaliamug
 in dem genannten Zeitraum fich fo vajcdh und mächtig
jat entwideln fönnen.
        <pb n="100" />
        100 Die Grundlagen der hHochkapitalijtifchen Wirt{hHaft.

Die Vermehrung der Bevölkerung Hat einerfeits erft den
für die Produktion im großen notwendigen Abjaß ermöglicht,
 andrerfeits hat fie das Menjhenmaterial gefhaffen,
aus dem Der Kapitalismus die für feine Entfaltung unentbehrlichen
 Arbeitermaffen Jih befchaffen konnte, an denen
e5 ihm bis zum Ende der frühkapitaliftifchen Periode ge»
fehlt hatte.

Schlagwortverzeichnis

TE Entwidlung der
v8
Arbeitsmittel 12 ff.
Arbeitsteilung 11{ff.
Arbeitszerlegung 97.
Betrieb 19ff.
Bevölferungsverhältntije
45, 56f., 991.
Colbertigmus 70ff.
Emanzipation (ber Tecdhnif)
 von den Schranfen
 bder lebendigen
Matur 90ff.; ihre Be
beutung 94ff.
yabrit 27.
Sronhofwirtidhaft 52ff.
Srühkapitalismus 76ff.
Gewerbe, Begriff 5. Siehe
im übrigen bas Inebaltsverzeichnis.


Gemwerbefreiheit 81ff.
Großbetrieb 25ff.
Sandiverk, Begriff ung
AWefjen 30ff.; Arter
be8 ©. 36; Erijtenz
bedingungen des H
36ff.; Ge{dhichte 51 ff,
54ff.
Rapitalismus, Kapital,
Wirtichaftsiy[tem: Begriff
 und Wefjen 38ff.;
Jubjektive Vorausjetzungen
 42; objektive
Bedingungen 43ff.;
Huflommen des RK.
64 ff.
Kooperation 23f.
Manufaktur 26, 77,
Malicdhine 16ff.
Merkantilismus 704.

Difen-Wirtihaft 47{f.
a der Arbeii
19ff.
Notationsprinzip 15f.
Speztalijation 21$.
Stabt, Stabtmirtichaft im
Mittelalter 55 ff., 59 ff.
Standort der gewerblichen
 Produktion 78.
Tedhnik, Entmidiung im
allgemeinen 7ff.; feif
bem Ende des 18, Fahr
hHunderts 88ff.
Werkzeug 13.
Wirtichaftsiyjtem 27ff.
Wilfenihaftlidhes Berfahren
 (in der Technik)
897., 92f.
Zunft, Zunftorbnung im
Mittelalter 58f,, 621.
        <pb n="101" />
        Frühjahr © 1929

Literatur zur Nationalökonomie
in Auswahl

WALTER DE GRUYTER &amp;amp; CO. /BERLIN W 10

. THEORETISCHE NATIONALÖKONOMIE
UND FINANZWISSENSCHAFT

Die Problematik des wirtschaftlichen Prinzips. Von Dr. Hermann
Halberstaedter. Groß-Oktav. 90 Seiten. 1925. (Sozialwissenschaftliche
Forschungen 1, 3) ...- „++ + RM.2.50
„Es ist ein großes Verdienst des Verfassers, die Untersuchung dieser wichtigen
 Fragen in Angriff genommen und damit auch andere zur Beschäftigung
mit ihnen angeregt zu haben.‘ Weltwirtschaftliches Archiv.

Finanzwissenschaft. Von Dr. R. van der Borght, Präsident des Statistischen
Reichsamts i. R., stellvertretendes Mitglied’ des Preußischen Staatsrats.
I. Allgemeine Abteilung. (Sammlung Göschen Bd. 148.) Geb. RM. 1.50
IE Besondere Abteilung. 1. und 2, Hälfte (Sammlung Göschen Bd. 391
und 776.) +. ++ ‚4.04 «+ « Geb. je RM, 1.50
„Mit bekanntem Geschick führt der Verfasser in leichtverständlicher wissen”
Schafilicher Weise. den Leser in den spröden Stoff der Verbrauchs- und Ver
Rehrssteuern ein und macht auch den Laien durch Beschränkung auf das
Wesentliche mit Geschichte, Wesen und rechtlicher Gestaltung sämtlicher in
dieses Gebiet fallender Steuerarten bekannt.‘ Ostsee-Zeitung.

Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Untersuchungen zur Gegenstandstheorie
 und Kategorienlehre der Geldwirtschaft. Von Dr. Josef F.Feilen.
Groß-Oktav. 144 Seiten. 1923. (Sozialwissenschaftliche Forschen l, E
„4.50
„Wenn die Sozialwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft durch irgendein
Produkt ihre Existenz rechtfertigen wollte, so hätte sie in dem vorkiegenden,
von ihr herausgebrachten Werk einen unübertrefflichen Kronzeugen, Man muß
die Arbeit Feilens als eine wertvolle Bereicherung der Geldliteratur bezeichnen,
was bei der Fülle auch unter wissenschaftlicher Flagge segelnder Halbheiten
und Wiederholungen etwas bedeuten will.‘ Bergisch-Märkische Zeitung.

Der schwankende Geldwert. Seine Ursachen und Folgen und Vorschläge
zu seiner Beseitigung. Von Irving Fisher, Professor der Nationalökonomie
an der Yale-Universität, New Haven, Connecticut. Groß-Oktav. 48 Seiten,
1924. . 0. -«- een 50 © DM 2Z-—
„„Fishers Abhandlung ist sehr anschaulich geschrieben und betrifft unstreitig
ein hbedeutsames Prohlem .*% Finanz-Archiv.

Neuere russische Wert- und Kapitalzinstheorien, Von Dr. Hans-Jürgen
Seraphim, Privatdozent an der Universität Breslau. Grofß-Oktav. 194 Seiten.
1925. (Sozialwissenschaftliche Forschungen 1, 4.) . +... RM. 6.—
„Das Werh bietet viele interessante Fragen und macht es dem deutschen
Leser insbesondere möglich, die neuere russische Wert- und Kapitalzinstheorie
vom Standbunkt russischer Charakteristik zu verfolgen.‘ Bankwissenschaft.
        <pb n="102" />
        Volkswirtschaftliche Theorie der landwirtschaftlichen Preis“
steigerungen in Deutschland von 1895 bis 1913, Eine Studie über die
Beziehungen zwischen Agrarwirtschaft und Industriewirtschaft. Von Dr
Folkert Wilken. Groß-Oktav. 259 Seiten. 1925. (Sozialwissenschaftliche
Forschungen Il, 2) +. 20 RM. 5,—.,
‚Das Buch- behandelt fast ausschließlich die Viehwirtschaft und beschräntt
sich auch hier vornehmlich auf Fleisch und Milch. Die Entwicklung des viehwirtschaftlichen
 Angebotes, seiner ‚natürlich-technischen Grundlagen, der Er
zeugungskosien in Verbindung mit der Einträglichkeit der deutschen Landwirt
wirtschaft überhaupt werden sorgfältig und an Hand reichen statistischen Zahlen
stoffes sowie unter Verwertung eines großen Schrifitums dargestellt, Ebenso det
Einfluß des Absatzes viehwirtschaftlicher Erzeugnisse auf den Preis und dit
Entwicklung der Nachfrage, besonders die Wandlungen des Fleischbedarfes. I*
25 Anlagen ist außerdem reicher Zahlenstoff, der nicht nur einfach amtliche»
Quellen entnommen; ist, vorgelegt.‘ Zeitschr. f. Volkswirtschaft ı, Sozialpolitik. 4
Robert Liefmanns Gesetz des Ausgleichs der Grenzerträge, Kritik
und Beweisführung. Von Dr. Oskar Klug. Groß-Oktav. VIL, 256 Seiten-*
1929. (Sozialwissenschaftliche Forschung I, 9)... ..’. RM. 10.—
Als Ganzes ist diese Arbeit ein Beitrag zur K lärung der Frage nach det
Möglichkeit der theoretischen Nationalökonomie wie überhaupt der Wissenschaft
als Wissenschaft und nach ihren Grundprinzipien,
Die mathematische Schule in der Nationalökonomie. Bd. I: 1. Teil:
Die italienische Schule (bis 1914). Von Dr. Otto Kühne. Privatdozent an
der Universität Greifswald, Croß-Oktay. XIV, 308 Seiten, 1928, (Sozialwissenschaftliche
 Forschungen I, 8) .......... RM. 16.—
Die vorliegende Arbeit versucht, die mathematische Analyse der Wirtschafts“
wissenschaften anf ihre Leistungsfähigkeit und Unentibehrlichkeit für die Dat“
stellung und Erklärung wirtschaftlicher Phänomene hin zu Prüfen, und unter‘
sucht, wie sie hierfür vorteilhaft zu gestalten ist, An dem besonders markanten
Beispiel der italienischen Nationalökonomie untersucht der Verfasser die wich
Hgsten Tendenzen, denen die Entwichlung der mathematischen Schule gefolgt ish
Theorie der Indexzahlen, Beitrag zur Logik des statistischen Vergleichs:
Von Dr. phil. Paul Flaskämper, Privatdozent der Statistik an der Universitäl
Frankfurt a. M. Groß-Oktav, X, 200 Seiten, 1928, (Sozialwissenschaftliche
Forschungen 1,7) 20 RMT—
Der Verfasser erörtert in diesem Buche die verschiedenen Formen der I. ndeX:
vifern und ihre theoretische Bedeutung, indem er die allen Indexzahlen —
gleichgültig, auf welches Sachgebiet sie angewendet werden — zugrunde liegende
Logik herausstellt unter Beiseitelassung aller technischen und materiellen Probleme
Hermann Conrings (1608-—1681) Staatenkunde,. Ihre Bedeutung fül
die Geschichte der Statistik unter besonderer Berücksichtigung der Conringschen
 Bevölkerungslehre, Von Reinold Zehrfeld, Ratsassessor in Bautzen.
Groß-Oktav. 1645. 1926. (Sozialwissenschaftl. Forschungen ], 5.) RM. 5.—
„Wer sich den geistigen Genuß verschaffen will, aus dem heutigen Bestand
der Staatenkunde, der Statistik, der Bevölkerungslehre einen Rückblick auf dit
Interessanien Anfänge dieser Wissenschaften zu Werfen, dem kann das gut ge
schriebene Buch mit seinem reichen Inhalt empfohlen werden.‘
Preußisches Verwaltungsblatt.
Mirabeau und seine „Monarchie Prussienne‘'. Von Dr. Hanns Reißner.
Groß-Oktav. VI, 112 Seiten, 1926. (Sozialwissenschaftliche Forschungen
 1, 6) er RM 4A—
Mirabeaus politische Habilitationsschrift „De la Monarchie Prussienne sous
Frederic le Grand‘‘. untersucht der Verfasser hinsichtlich ihrer Bedeutung für
die Geschichte der Staatswissenschaften, Er wersteht Mirabeaus Kritik am
Friderizianischen Preußen ihrem positiven Gehalte nach als politisches Glaubens:
bekenntnis Mirabeaus zum Ideal des freien, rationalen konstitutionell-monar:
chischen Gemeinschaftsstaates und reiht sie als Markstein in die Geschichte
der Entwicklung sozialwissenschaftlichen Denkens im 18. Jahrhundert — yon
der utobischen Sozialphilosobhie zu einer praktikablen Sozialpolitik — ein.
        <pb n="103" />
        IN. PRAKTISCHE
VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE

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«Volkswirtschaftslehre. Von Professor Dr. Carl Johannes Fuchs. Fünfte
Auflage, 162 Seiten. 1925. (Sammlung Göschen Bd. 133.) Geb. RM. 1.50
„Diese knappe Volkswirlschaftslehre dürfte unstreitig zum Besten gehören»
Was in solch konzentrierter Form darüber geschrieben worden ist, Die Einleitung
 gibt Grundbegriffe, im ersten Abschnitt wird die- Entstehung der Volks-Wirtschaft,
 im zweiten die moderne Volkswirtschaft geschildert, Dabei wird
Überall, soweit dies möglich ist, bis an die Entwicklung der neuesten Zeit
herangeführt.“ Deutsche Volkserziehung,

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5)

WIRTSCHAFTSPOLITIK UND -VERWALTUNG

Veltwirtschaftliche Studien, Vorträge und Aufsätze. Von Hermann
Schumacher, o. Professor an der Universität Berlin. Grofi-Oketav, X,
574 Seiten. 1911... ..- ne» dt ZZ

“Olkswirtschaftspolitik. Von Dr. R. van der Borght. Vierte, (apa
Auflage, durchgesehen von Dr. Adolf Günther, Professor an der Universität
Innsbruck. 152 Seiten. 1927. (Sammlung Göschen Bd. 177.) Geb. RM. 1.50
Das Buch ist ein außerordentlich zeitgemäßes Werk; es ist erstaunlich, in
Wie vielseitiger Weise der Begriff ‚Wirtschaftspolitik‘ in dem kleinen Werk mit
Einzelgebieten des praktischen Lebens verbunden ist, so mit Fachausbildung,
Ärbeiterschutz, Bodenvermehrung und -verbesserung, Eigentum, Unternehmungsformen,
 Weitbewerb, Gewerbe, Handel, Umsatz und Verbrauch, mit Preis-Bestellung,
 Geld- und Kreditwesen und — xzulelzt, nicht zumindest — mit dem
Verkehrswesen, Wer das Buch gelesen hat, kann mit geweitetem Auge am
Allgemeinwohl mitarbeiten, kann mit klarerem Urtleilsvermögen seine Entwickhing
 verfolgen.“
Verkehrs- und Betriebswissenschaft in Post und Telegraphie,

eutschland unter dem Dawes-Plan, Entstehung, EN
Wirtschaftliche Wirkungen der Reparationslasten, Von Professor Max Sering,
Universität Berlin. Oktav. VII, 237 Seiten, 1928 ..... . RM. 10.—
Der weithin bekannte Volks- und Weltwirtschafller nahm im Auftrage der
Reichsregierung als Sachverständiger an der Weltwirtschaftskonferenz zu. Genf
teil und ist ganz besonders berufen, die volks- und weltwirtschaftlichen Aus-Wirkungen
 des Dawes-Abkommens nach jeder Richtung hin zu untersuchen
Und darzustellen, Nachdem sich die Reparationen auch in der Form der Dawes-Sahlungen
 als schwerstes Hindernis der normalen Entwicklung der deutschen
Volkswirtschaft wie der Weltwirtschaft überhaupt herausgestellt haben und eine
Revision des Dawes-Abkommens immer dringlicher wird, ist eine Untersuchung
dieses Problems nach seinem nunmehrigen Stande von ganz besonderer Wichtigkeit,

ühalt und Tragweite der von den Sachverständigen der Reparationskommission
 erstatteten Gutachten. Referat, erstattet dem Vorstand
and Ausschuß des Zentralverbandes des deutschen Bank- und Bankier-Fewerbes
 am 10. Mai 1924. Von Dr. Georg Solmssen, Geschäftsinhaber
der Disconto-Gesellschaft und Direktor des A, Schaaffhausen’schen Bank-Vereins
 A.-G. Großs-Oktav, 66 Seiten. 1924. ..... «++ RM.2,50
„Der Verfasser versteht es vortrefflich, die Kernpunkte des Planes heraus-Augreifen
 und an den Voraussetzungen wie an den Methoden maßvolle, aber
Srundsätzliche Kritik zu üben, wobei er die Ergebnisse der Untersuchungen von
Moulton und Mc Guire sinngemäß auf die neuen Verhältnisse überträgt, Die
Schrift ist als erste allgemein unterrichtende Einführung sehr brauchbar und auf
Yichtig zu empfehlen.‘ Zeitschrift für Volkswirtschaft und Sozialpolitik,
        <pb n="104" />
        Die Genfer Protokolle, Ihre Geschichte und Bedeutung für das Staats
leben Deutsch-Österreichs. Von Dr. Rudolf Freund. Groß-Oktav. 108 Seiten
1924, (Sozialwissenschaftliche Forschungen V,2.) ...... RM.3.-Diese
 kleine monographische Studie liefert dem, der sich mit dem Zusammet
bruch der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Kolonisierung Deutsch
Österreichs beschäftigt, unentbehrliches, interessantes Material.“
Industrie- und Handels-Zeitung-Die
 Stellung der drei großen Dominien im Britischen Reich nact
dem Kriege. unter besonderer Berücksichtigung der Wirtschaftspolitil
ihrer Ministerpräsidenten. Von Dr. Willy Neuling. Groß-Oktav. X, 108 Seiten:
1927, (Sozialwissenschaftliche Forschungen IV, 4.) . ..... RM.4.—
„Die Entwicklung der Nachkriegspolitik in den großen britischen Dominieh
im Widerstreit zwischen kulturellem Zusammengehörigkeitsgefühl, militärische
Anlehnungsbedürfnis und wirtschaftlichen Interessen ist in der Schrift 8%
herausgearbeitet, Angesichts der Bedeutung, die die britische Reichspolitik f@
Europa und insbesondere die kontinental-europäischen Zusammenschluß
bestrebungen hat, dürften die Ausführungen besonders interessieren.“
Deutsche Wirtschaftszeitung:
Der britischeMandatstaat Palestina im Rahmen der Weltwirtschaft
Von Dr. Hans-Joachim Seidel. Oktav. 136 Seiten. 1925 . . . RM. 6.
‚Das Buch stellt eine sehr fleißige Arbeit dar, die sehr viel, zum Teil neu®
Material zusammenstellt, für das jeder, der sonst dieses Gebiet bearbeitet, #*
dankbar sein wird“ ‚Jüdische Zeitung für Ostdeutschland.
Sibirien in Kultur und Wirtschaft. Von Kurt Wiedenfeld, 1926
(Moderne Wirtschaftsgestaltungen Heft 3.) .......... RM.2.7
Der Verfasser gibt eine kurze Schilderung des weiten Landes, zu der er d
größten Teil des Materials auf einer Studienreise gewonnen hat, die er vo
zinigen Jahren durch die wirtschafts- und siedlungsfähigen Teile des eige!"
lichen Sibiriens an und abseits der sibirischen Bahn geführt hat.

Wie schaffen wir dem deutschen Volke Arbeit und Brot? Dr?
Vorträge, gehalten in Köln am 1. März 1926 anläßlich der General
versammlung der versinigung von Banken und Bankiers in Rheinland uf‘
Westfalen e. V. von Dr. u Solmssen, Geschäftsinhaber der Discont0
Gesellschaft, Berlin, Dr, Paul Silverberg, Generaldirektor der Rheinische”
Aktien-Gesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, Köll
Professor Dr. Christian Eckert, Geh. N Keplerun srat, geschäftsführend®
Vorsitzender des Kuratoriums der Universität Kö. Oktav. 83 Seite,
E26 0 RR RM 2A
„Wenn drei so anerkannte Wirtschaftsführer das Wort ergreifen, so erwarte
man mit Recht einen Gewinn, Einen solchen Gewinn wird auch jeder, der &amp;amp;
Zusammenstellungen der drei Vorträge gelesen hat, davontragen, Wir könnt
deshalb die Broschüre nur bestens empfehlen.‘ Der Deutsche Ökonomist.
Allgemeine Wirtschaftsgeographie. Von Professor Dr. Karl Dove
86 Seiten. 1921. (Sammlung Göschen Bd. 835.) . . . .Geb. RM. 1,5
Kommunale Wirtschaftspflege. Von Dr. jur. A. Riefs, Stadtrat in Berlit
Zweite Auflage, 149 Seiten, 1924. (Samml. Göschen Bd, 534.) Geb. RM. 1.3
„Das treffliche Buch, dessen Anschaffung jedem, der mit Kommunalpoliti?
irgendwie in Beziehung steht, nur empfohlen werden kann, zeigt eine auße"
ordentlich große Vertrautheit des Verfassers yuit den Problemen der Kommunal
wirtschaft und allen ihren Nachbarzweigen in der Verwaltung,“
Kommunales Echo.
Die deutsche Stadt und ihre Verwaltung. Eine Einführung in di®
Kommunalpolitik der Gegenwart. In Vene mit Baurat Carl Geuser!
A in Düsseldorf. Dr. Leon WeSPy enator und Stadtschulf?
in Hannover, Dr. jur., Dr.-Ing. e. h. Ernst Scholz, Reichsminister a. D-M.
 d. R., in Berlin, Professor Dr. Hugo Lindemann, Staatsminister a. D
in Köln, herausgegeben von Dr. Otto Mast, Oberbürgermeister a. D., M.d.R
in Duisburg-Ruhrort.
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EEE und Verwaltung im allgemeinen Finanzen und
Steuern; Bildungs- und Kunstpflege ; esundheitspflege. Zweite,
verbesserte und erweiterte Auflage, 160 Seiten. 1926. (Sammlung
Göschen Bd. 617) ++ + + 2... Geb. RM. 1.50
Il. Bd. : Wirtschafts- und Sozialpolitik, Zweite, verbesserte und erweiterte
Auflage. 160 Seiten. 1926. (Samml. Göschen Bd. 662.) Geb. RM. 1.50
Technik: Städtebau, Tief- und Hochbau. Mit 48 Abbildungen.
Zweite, verbesserte Auflage, 120 Seiten, 1926. (Sammlung Göschen
Bd. 668). + 200000 HN . Geb. RM. 1.50
Die drei gefällig ausgestatteten Bändchen füllen eine Jühlbare Lücke in der
erwaltungsrechtlichen Literatur aus und werden von den Studierenden des
aats- und Verwaltungsrechts, von den in der Ausbildung Befindlichen wie von
fen in der Praxis Stehenden gern und mit Nutzen zur Hand genommen werden,“
Frankfurter W ohlfahrisblätter.

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AGRARPOLITIK UND AGRARWESEN

\grarpolitik. Von Dr. August Skalweit, 0- Professor der Volkswirtschaftslehre
 an der Universität Kiel. Zweite, veränderte und erweiterte Ausgabe,
üjroß-Oktav. XIL, 507 Seiten. 1924. (Handbuch der Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften Bd. 17.) . - - + - RM. 13.—, geb. RM, 14.50
„Es ist für den Fachmann wie für den praktischen Landwirt ein auSge-'eichnetes
 Nachschlagewerk, das namentlich über agrargeschichtliche Fragen,
echtliche Besitzuerhältnisse am Boden, innere Kolonisation und Landarbeitervage
 reiche Belehrung bietet. In leicht lesbarem, Flüssigem Stile geschrieben,
zreilt es die wichligeren aktuellen Fragen heraus. Es kann der Fachwelt zur
Drientierung über die gemeinsamen Grundfragen aller Agrarpolitik nur wärmstens
empfohlen werden.‘ Archiv für Sozialwissenschaft,

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Agrarwesen und Agrarpolitik. Von Professor Dr. W. 4 Mein? Neubearbeitet
 von Dr. August Skalweit, o. Professor an der niversität Kiel.
Dritte Auflage. 1928. (Sammlung Göschen Bd. 592 / 593.)
L. Boden und Unternehmung. 124 Seiten + + + + ‚Geb. RM. 1.50
IL, Kapital und Arbeit in der Landwirtschaft. Verwertung der landwirtschaftlichen
 Produkte. Organisation des landwirtschaftlichen Berufsstandes.
132 Seiten + + + « ee 00 4 + + ‚Geb. RM. 1.50
Agrarkrisen und Agrarzölle. Von Professor Dr. M. Sering. Oktay,
108 Seiten. 1925 . . + ee Hu + RM, 4.50
„Der Verfasser, dessen überragende Bedeutung als Agrarpolitiker so allgemein
bekannt ist, daß es zwecklos wäre, darauf noch aufmerksam zu machen, schenkt
mit dieser Schrift der Öffentlichkeit eine zvorurteilslose und dabei überaus klare,
weite Kreise, die nur nach sachlicher Wahrheit suchen, sicherlich überzeugende
Darstellung des Problems.‘ Zeitschrift für Rechts- und Staatswissenschaft.

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Organisation der Pflanzenzucht und des Saatbaus in der deutschen
Landwirtschaft. Von Dr, Karl Heinrich Evers. Großs-Oktav. 63 Seiten.
1924. (Sozialwissenschaftliche Forschungen 11, 1.) + +++. RM. 2.—
‚Das vorliegende Heft stellt eine sehr gründliche und anerkennenswerte Arbeit
auf einem wichtigen Spezialgebiet der Agrarpolitik dar,“
Zeitschrift des Preußischen Statistischen Landesamtes,

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Landwirtschaft und Agrarverfassung der Süd-Ukraine (Neu-Ruß«-land)
 unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung. Von Dr.
Fr. Veit. Groß-Oktav. XVIIL 128 Seiten. 1927. (Sozialwissenschafitliche
Forschungen 11, 3.) + + RM, 6m
Der Verfasser hat drei Jahre praktischen Schaffens als Assistent der Nansenschen
 Wiederaufbaustation in der Süd-Ukraine benutzt, um die agrarischen
Verhältnisse der am Nordufer des Schwarzen Meeres gelegenen fruchtbaren
Schwarzerdregionen zu erforschen. Seine Schrift gibt wertvolle Aufschlüsse über
die Grundlagen der Wirtschaft im Gebiete der Räteherrschaft.

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        Die finnischen Gemeinheitsteilungen im 18. Jahrhundert. (Beiträß
zur Agrargeschichte Finnlands,) Von Yrjö J. von Schrowe, Helsingfor®
Groß-Oktav. Mit 5 Kartenbeilagen, XV, 153 Seiten. 1928. (Sozialwisser
schaftliche Forschungen II, 4...) „00000004 RM. 68
Der vorliegende Sachkundige Beitrag zur Agrargeschichte Finnlands ist a%
mehrjährigen gründlichen Aktenstudien aufgebaut und umfaßt den Zeitraum de
zweiten Hälfte des 78, Jahrhunderts, Der Verfasser gibt einen gründlichen Et
blick in die Entstehung des A Erarreformplanes, seiner wechselvollen Schichse!
in den Händen der verschiedenen Reformbegeisterten und der Ereignisse, weich
Finnland dieser Reformbewegung verdankt, Für die Erkenntnisse der Agratı
verhältnisse Osteuropas, die für Deutschland und die anderen Länder wicht
genug sind, wird dieses Buch einen sehr wertvollen Beitrag liefern.
INDUSTRIE

Das rheinisch - westfälische Kohlensyndikat, Von Kurt Wiedenfeld:
Oktav. VII, 172 Seiten und Anlagenheit. 1912. (Moderne Wirtschafts‘
gestaltungen Heit 1.) ..... 00h. RM.
„Das mit zahlreichen Tabellen ausgestattete und klar geschriebene Buch dat
Wohl als die bisher beste wissenschaftliche Arbeit über das volkswirtschaftlich
so bedeutsame Syndikat gelten.‘ Frankfurter Zeitung.

Die Ruhrhäfen, ihre Industrie und ihr Handel, Von Joh. Kempkens,
1914, (Moderne Wirtschaftsgestaltungen Heft 2.) ... . RM. 6.76
„Dem Verfasser des Heftes ist es gelungen, unter geschickter Benutzung de!
für seine Arbeit zur Verfügung stehenden Quellen eine von gutem Verständme
für den einschlägigen Stoff zeugende Darstellung über die Entwicklung de!
Ruhrhüfen und ihre Beziehungen zu Handel und Industrie zu geben.“
Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen.

Die Organisation des Ruhrbergbaues unter Berücksichtigung der Beziehungen
 zur Eisenindustrie. Von Diplomkaufmann Dr. Ernst Ledermannf,
Volkswirt R.D.V. Mit 3 Figuren. Groß - Oktav. IX, 322 Seiten. 1927.
{Moderne Wirtschaftsgestaltungen Heft 12)... „A RM. 12.—
Dem Verfasser standen bei der Abfassung der vorliegenden Arbeit die besten
Unterlagen zur Verfügung; im besonderen sucht er die Entwicklungstendenzen
festzustellen, um einen Rahmen Für vestlose Orientierung in diesem umfang
reichen Problem-Komblex zu schatten.

Die oberschlesische Montanindustrie vor und nach der Teilung
des Industriebezirks, Von Paul Deutsch. X, 96 Seiten. 1926. (Moderne
Wirtschaftsgestaltungen Heft 9.) . , 2...) +0 000. « RM. 3,60
„Das Buch zeichnet sich durch Sorgfältige Feststellungen über die Oberschlesischt
Montanindustrie aus und kann unsern Lesern empfohlen werden.‘
Stahl und Eisen,
Die Organisationsbestrebungen in Stabeisenfabrikation und Stabeisenhandel,
 Von W. Adler. Oktav. X, 146 Seiten. 1920, (Moderne
Wirtschaftsgestaltungen Heft 6.) , ..... 1° 61 0x + + RM.4.50
Auf Grund einer eingehenden geschichtlichen Darstellung der Organisationsbestrebungen
 in Stabeisenfabrikation. und -handel Sucht diese Arbeit die wirt-Schaftllichen
 Ergebnisse und Lehren der bisherigen Entwicklung zusammenzufassen
 und die Möglichkeit der Lösung des Problems im Zusammenhang mit
der Ausgestaltung der Gesamtorganisation der Eisenindustrie darzulegen.

Die Kupferversorgung Deutschlands und die Entwicklung ‚der
deutschen Kupferbörsen. Von E. Reinhardt. Mit 4 Diagrammen. 1914.
(Kölner Studien zum Staats- und Wirtschaftsleben Heft 4.) ., RM. 3.20
        <pb n="107" />
        Die Arbeitsleistung im deutschen Kalibergbau unter besonderer Besen
 tücksichtigung des hannoverschen Kalibergbaues, Von Dr. Wilhelm Röpke,
68 Groß-Oktav. . 80 Seiten. 1922. (Sozialwissenschaftliche Forschungen
AI 1 20200. + RM. 150
„Ein ausgesprochenes Lehrtalent spricht aus der klaren Systematik, mit welcher
der Marburger Privatdozent diese Arbeitszeit-Lohn-Leistungs-Funktion durch
die tatsächlichen, natürlichen und sozialen Bedingungen des Kalibergbaues ein-Brenzt,
 ohne sich in wilde Deduktionen und Assoziationen zu verlieren,“
Archiv für Soztalwissenschaft.

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“Die deutsche Kunstseiden= und Kunstseidenfaserindustrie in den
Kriegs- und Nachkriegsjiahren und ihre Bedeutung für unsere Textil-Wirtschaft.
 Von Dr. Carl Königsberger, 172 Seiten. 1925: (Sozialwissenschaftliche
 Forschungen Ill, 5) + + ++ N RM. 5.—
„Die Entwicklungsperioden der Vorkriegszeit werden im vorliegenden Buch
kur kurz (in der Einleitung) skizziert, während die Arbeit in der Hauptsache
Sich mit der Kriegs- und Nachkriegsentwicklung dieses Industriezweiges be-Schäftigt.
 Das Werk wird allen Interessenten als unentbehrliches Hilfsmittel
Willbkbmmen sein‘ Chemiker-Zeitung,

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Konkurrenzmöglichkeiten der deutschen Feinkeramik am :Weltmarkt
 unter besonderer Berücksichtigung der Porzellanindustrie,
Von Kurt Rein. 1914. (Kölner Studien zum Staats- und Wirtschaftsleben
Heit 6.) } 4 2.000000. . RM. 2.20
Kartelle und Konzerne. Bericht für den Vorbereitungsausschufs der. Weltwirtschaftskonferenz.
 Mit Anhang : Gegenwartsfragen industrieller Organisationen.
 Von Dr. jur. et phil. Kurt Wiedenfeld, Ministerialdirektor, Professor
an der Universität Leipzig. Oktav, VII, 83 Seiten. 1927. (Moderne Wirtschaftsgestaltungen
 Heft 10) 0. 7A RM. 3.—
Da die Berichte, welche‘ dem Vorbereitungsausschuß der Weltwirtschaftskonferenz
 ‚erstattet worden sind, durch das Sekretariat des Wölkerbüundes nur in
Englischer und französischer Sprache veröffentlicht wurden, ist die vorliegende
Ausgabe des deutschen Originals des vom Verfasser erstatteten Berichtes für alle
Te der Wirtschaft theoretisch öder Draktisch Interessierten von außerordentlicher
Zdeutiuneg.

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Die moderne Kartellorganisation der deutschen Stahlindustrie,
Von Dr. Walter Krüger, Oktav. 182 Seiten. 1927. (Moderne Wirtschaftsgestaltungen
 Heft 11)... + € An RM.B—
„Der Zweck der Arbeit, in großen Umrissen einen Überblick über Entstehung
sowie Struktur des modernen Verbandswesens der deutschen Stahlindustrie zu
vermitteln, wird voll erreicht.“ Die Wirtschaft.

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Die Reorganisation der englischen Eisenindustrie. Von Dr. Heinrich
Niebuhr. Grofßs-Oktav. 138 Seiten, 1923. (Sozialwissenschaftliche Forschung
 IN, 4 ta HH + + + RM. 4.50
„Die Arbeit ist sehr gut disponiert und geichnet sich durch sicheren. Blick
für das nationalökonomisch Wesentliche und klare Darstellung aus, Sie bietet
ein geschlossenes und anscheinend auch zuverlässiges Bild der Konzentrationsbewegung.
 in der englischen Eisenindustrie und kann als eine wirkliche Be:
reicherung der Literatur bezeichnet werden .!* Jahrbücher für N. alionalökonomie.

HANDEL

Das Handelswesen. Von Dr. Wilhelm Lexis. Dritte, vermehrte Auflage,
besorgt von Professor Dr. Karl Muhs. .
]. Das Handelspersonal und der Warenhandel. Dritte, vermehrte Auflage.
 118 Seiten, 1923. (Sammlung Göschen Bd, 296.) Geb. RM. 1.50
1l. Die Eifektenbörse und die innere Handelspolitik, Dritte, vermehrte
Auflage: 110 Seiten. 1923. (Sammlung Göschen Bd. 297.) Geb. RM. 1.50
        <pb n="108" />
        Die Markthallen und ihre Hilfskräfte als Faktoren der Leben?
mittelversorgung in unseren Großstädten. Von H, Krüer. 1914
(Kölner Studien zum Staats- und Wirtschaftsleben Heft 5.) , . RM. 2.8
Die Filialbetriebe im Detailhandel unter hauptsächlicher Berück
sichtigung der kapitalistischen Massenfilialbetriebe in Deutsch
land und Belgien. Von J. Hirsch. 1913. (Kölner Studien zum Staatsund
 Wirtschaftsleben Heft 1.) 00... RM. Lö

Grundlagen der Handelspolitik, Von Heinrich Sieveking, Professor af
der Universität Hamburg, Dritte, gänzlich umgearbeitete Auflage, (Samm'
lung Göschen Bd. 245.) . ... .. +... .Geb. RM. 1.4
Deutsch = italienische Handelsbeziehungen, Von Rudolf Schneiders
108 Seiten. 1926. (Moderne Wirtschaftsgestaltungen Heft 8.) . RM. 4-—
„Jeder Kaufmann, der am Güteraustausch mit Italien interessiert ist, wit‘
das Werk gem lesen.“ Badische Wirtschafts-Zeitung.

VERKEHR

Allgemeine Verkehrsgeographie. Von Professor Dr. K. Dove. 95 Seiten.
1921. (Sammlung Göschen Bd, 834.) . .... 7. Geb. RM. 1.5
Die Güterschiffahrt auf der Saale und Unstrut, Von J, Remme
1918, (Moderne Wirtschaftsgestaltungen Heft 5). ...... RM. 25
Einfluß des Weltkrieges auf Schiffahrt und Handel in der Ostsee
Von Dr. Rudolph Firle. Grofs-Oktav. II, 110 Seiten. 1922. (Sozialwisser“
schaftliche Forschungen IV, 2.) . 11. .».x5.00. RM,2-—
„Nach einer kurzen Betrachtung über die Schiffahrts- und Handelsverhältnisst
In der Ostsee, in der die Bedeutung Rußlands nachdrücklich hervorgehobet
wird, wird die Lage der Ostseeschiffahrt während des Krieges mit Angabe viele
sonst kaum erreichbarer Einzelheiten behandelt. Im Weiteren sind die vet
heerenden Folgen des Versailler Vertrages aufs eindringlichste dargestellt, D*
Lage des Ostseehandels und -verkehrs unter den Egegenwärtigen Umständen —
vorläufige Sperrung des Landverkehrsweges zwischen Rußland und Deutschland —
mit all den sich daraus ergebenden Problemen findet ihre ausdrückliche Würdt
gung im letzten Hauptteil des empfehlenswerten Werkes
Wirtschafisdienst des Hamburger Weltwirtschafts-Archivs.
Der Wiedereintritt Deutschlands in die Weltschiffahrt. Von Dr
Hermann Pantlen, Reichsarchivrat, Groß-Oktav. 84 Seiten. 1927. (Sozialwissenschaftliche
 Forschungen IV, 50) 0 RM. 4.—
Die durch die Friedensverträge bedingte Auslieferung der deutschen Handels
Flotte war ein besonders in die Augen fallendes Beispiel dafür, daß viele Be:
stimmungen der Veriräge den Siegern wenig genutzt und die Zahlungsfähigkeil
der Besiegten stark beeinträchtigt haben, Der in harter Arbeit erkämpflt
Wiedereintritt Deutschlands in die Weltschiffahrt ist ein Lichtpunkt in unseret
trüben Zeit und gibt uns die Hoffnung, daß auch andere Gebiete überseeische?
Betätigung, wie Überseehandel und K olomniakwirtschaft, sich wiederherstellen lassen.

Das amerikanische Schiffahrtsproblem unter besonderer Berücksichtigung
 der Entwicklung von Schiffahrt und Schiffbau durch den Weltkrieg
und die Tätigkeit des „U. S, A. Shi ping Board“, Von Dr. Fritz von Twardowski.
 Groß -Oktav. VIN, 175 Seiten. 1922. (Sozialwissenschafttiche
Forschungen IV, 1.) BR RM3—
„Der Verfasser gibt eine ausführliche geschichtliche Darstellung der Ent
wicklung der Handelsflotte, des Schiffbaues und der Außenhandelsbeziehungen,
verfolgt die wirtschaftlichen und Politischen Triebkräfte, die ihre Entwicklung
entscheidend beeinflußt haben, um zum Schluß den heutigen Zustand zu be
leuchten sowie die Aussichten zu erörtern.“
Zeitschrift des Preußischen Statistischen Landesamtes
        <pb n="109" />
        1% Die Organisationsformen des Weltfunkverkehrs. Von Professor Fritz
0 Beckmann. VIII, 166 Seiten. 1925. (Moderne Wirtschaftsgestaltungen
Heft 7.) .. En „400... RM. 8,50
„„Demjenigen, dessen Interesse am Funkwesen über den Rundfunk hinausgeht,
 sowie dem wirtschaftlich orientierten Techniker kann das vorliegende Buch
nur bestens empfchlen werden Elektrotechnik und Maschinenbau,

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BANK= UND BÖRSENWESEN

10
50 Die Konzentrationsbewegung im deutschen Bankgewerbe, Ein Beitrag
 zur Organisationsentwicklung der Wirtschaft unter dem EN der
Konzentration des Kapitals. Mit besonderer Berücksichtigung der Nachkriegszeit.
 Von Dr. Willy Strauß. Großs-Oktav. 180 Seiten. 1928. (Sozialwissenschaftliche
 Forschungen IV, 6) +. .0.0.00007000 108 RM. 6.50
Die vorliegende Arbeit ist eine untersuchende Darstellung der Wirkung der
Inflationszeit und der sie einleilenden und abschließenden Perioden auf die
Bankkonzentration; dabei werden die besonderen Arten der Konzentration, die
Kapitalerhöhung und Ausdehnung des Filialsystems außer Betracht gelassen.
Die Arbeit gewinnt deshalb besondere Bedeutung, weil die reine Konzentration
von Bankunternehmen seit 15 Jahren keine umfassende Darstellung mehr gefunden
hat sie selbst aber nunmehr einen wesentlich anderen Status aufzuweisen hat,

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Vorschuß- und Kreditvereine als Volksbanken. Praktische Anweisung
zu deren Einrichtung und Gründung. Von Schulze-Delitzsch. Neunte,
neubearbeitete Auflage von Dr. Hans Crüger und Reinhold Letschert.
Groß-Oktav, XXI, 455 Seiten. 1926. (Handbibliothek für das deutsche
Genossenschaftswesen I. Bd.) . . +... - «RM. 15ö.—, geb. RM. 17.—
„Das Werk enthält in gedrängter und doch klarer Form alles Wissenswerte
über das Kreditgenossenschaftswesen und stellt ein unentbehrliches Handbuch
/ür den Praktiker dar“ Zahlungsverkehr und Bankbetrieh
Kredit- und Bankwesen. Von Prof. Dr. W. Lexis und Prof, K. Muhs,
Zweite Auflage. 148 Seiten. 1924. (Samml. Göschen Bd. 733.) Geb. RM. 1.50
Die Beschaffung von Krediten im Auslande, Vortrag, gehalten in der
Juristischen Gesellschaft zu Berlin am 14. März 1925, Von Dr. Georg
Solmssen. Oktav. 34 Seiten. 1925. ,. 2... «+++ ++ RM. 1.25
‚Eine lesenswerte Broschüre, besonders im gegenwärtigen Zeitpunkt, wo die
Frage der Auslandskredite auch für die Tschechoslowakei aktuell zu werden bezinnt.
 Der Verfasser versteht es, seinen Stoff gut geordnet und anziehend vur-Zutragen,
 und die Lektüre dieser Schrift ist dem Laien wie dem Fachmann
Rarm zu empfehlen.‘ Die Wirtschaft.
Finanzwirtschaft gegen Parteiwirtschaft. Von Dr. Georg Solmssen,
Vortrag, gehalten vor dem Eisen- und Stahlwaren-Industriebund in Elberfeld
 am 19. November 1925. 31 Seiten. 1925 .. «+ «+ RM. 1.20
„Der Vortrag enthält eine freimütige, eindrucksvolle Kritik der unheitvollen
Einwirkung parteipolitischer Einflüsse auf die Gestaltung unserer Finanzwirtschaft.
 Im Interesse einer Aufklärung aller Volkskreise über die wirklichen Ursachen
 der heute in Deutschland auf finanzpolitischem Gebiete bestehenden Mißstände
 ist der vorliegenden Schrift die denkbar weiteste Verbreitung dringend
zu wünschen.‘ Bank-Archiv
Amerikas internationale Kapitalwanderungen. Von Dr. jur. Dr. phil.
Kurt Freiherr von Reibnitz, Staatsminister a. D. Groß-Oktav. VII, 123 Seiten,
1926. (Sozialwissenschaftliche Forschungen IV, 3) +... RM. 5.—
„Die vorliegende Schrift gibt eine ausführliche und quellenmäßig gut belegte
Übersicht über die Kapitaleinfuhr und -ausfuhr der Vereinigten Staaten seit der
Unabhängigkeitserklärung, Ste bietet einen interessanten Beitrag zur Geschichte
der internationalen Kapitalwanderungen, der die Beachtung aller verdient, die
an diesem Gegenstand interessiert sind.‘ Weltwirtschaftliches Archiv.

‚24
        <pb n="110" />
        Die deutsche, englische und französische Kriegsfinanzierung. Von
Dr. Robert Knauß. Grofs-Oktav, 194 Seiten, 1023. (Sozialwissenschaftliche
 Forschungen V, 1) 1.0000, A RM, 5.—
„Die heutige Finanzlage in Deutschland, England und Frankreich ist nur be
genauer Kenntnis der Kriegsfinanzpolitik dieser drei Länder zu verstehen, Diest
Kenntnis eröffnet zugleich Ausblicke auf die aktuellen Weltprobleme wie die def
Reparation und der interalliierten Verschuldung. Verfasser vorliegender Schrift
hat in tiefgründiger Arbeit die verschiedenen Methoden, die der Kriegsfinanzte:
rung der drei Länder zugrunde lägen, sowie die Gründe derselben dargelegt.
Literarisches Zentralblattt,

PRIVATWIRTSCHAFT

Finanzierung der Unternehmungen, Von Professor Dr. Friedrich
Leitner, 108 Seiten. 1927. (Sammlung Göschen Bd, 963.) Geb. RM. 1.50
„Die Darstellung beschränkt sich auf das Grundsätzliche der Finanzierung
möglichkeiten unter Berücksichtigung der neuzeitlichen Verhältnisse, In dem
Abschnitt über die Geldmütelbeschaffung bei den Unternehmungsformen werde?
englische und nordamerikanische Methoden vergleichsweise herangezogen.‘
Badische Wäirtschaftszeitung.
Wirtschaftsiehre der Unternehmung, Von Professor Dr. Friedrich
Leitner, Fünfte Auflage der „Privatwirtschaftslehre der Unternehmung”,
Groß-Oktav, VIIL, 375 Seiten.” 1926. ... RM. 12.—, geb. RM. 13.50
„Der Verfasser gibt in überaus hlarer und übersichtlicher Weise eine gult
Einführung in die Privatwirtschaftslehre der kaufmännischen Unternehmunget-Wir
 können die Anschaffung durchaus empfehlen.‘ Badische Wirtschaftszeitung.
Neue Wege wirtschaftlicher Betriebsführung. Von Dr. Alexander
Hellwig, Diplom-Kaufmann, und Frank Mäckbach, Diplom-Ingenieuf-Oktav.
 150 Seiten, 1928 .. 0000000000000 Geb. RM. 6.—
Die Verfasser haben gemeinsam in 70 Groß- und Mittelbeirieben der ver”
schiedensten Wirtschaftszweige eingehende Studien und Betriebsuntersuchunge?
angestellt und kommen auf Grund des hierbei gewonnenen Materials zu eind
Wmfassenden Darstellung der organischen Betriebs- und Wirtschaftsführung.

VERSICHERUNGSWESEN

Das Versicherungswesen. Von Professor Dr. P, Moldenhauer, (Sammlung
 Göschen Bd. 262 und 636.)
I. Allgemeine Versicherungslehre, Vierte, verbesserte Auflage, 152 Seiten.
1925 KM RR 4 2 4 + + 4 + , Geb. RM. 1.50
Il. Die einzelnen Versicherungszweige. Zweite Auflage, 130 Seiten. 1923.
Geb. RM. 1.50
Sozialversicherung. Von Professor Dr. Alfred Manes. Siebente Auflage:
139 Seiten, 1928. (Sammlung Qöschen Bd. 267) .. . Geb. RM. 1.50
Technik des Versicherungswesens. Von Dr. Hans Hilbert. (Sammlung
Göschen Bd, 741.) 157 Seiten, 1914 . . . . . Geb. RM. 1.50

GENOSSENSCHAEFTSWESEN

Handbibliothek für das deutsche Genossenschaftswesen, Herausgegeben
 von Hans Crüger.
1. Bd.: Vorschuß- und Kreditvereine als Volksbanken, Praktische Anweisung
 zu deren Einrichtung und Gründung, Von Schulze-Delitzsch.
 9. Auflage von Hans Crüger und Reinhold Letschert-Groß-Oktav.
 . XXIN, 455 Seiten. 1926... RM. 15.—, geb. RM. 17.—
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Aus dem Inhalt: Wirtschaftliche Grundlage und soziale Bedeutung der
Kredilgenossenschaften, — Erwerb der Mitgliedschaft und Ausscheiden, —
Die Organe der Kreditgenossenschaft und deren Zuständigkeit, — Beschaffung
des Betriebskapitals, — Die Arten der Kredutgewährung. — Das Verfahren bei
der Kreditgewährung, — Verkehr der Genossenschaft mit der Bankverbindung.
— Buchführung, Bilanz und Inventur, — Revisionen, — Zweigniederlassungen
der Kreditgenossenschaften.
VIE. Bd.: Musterformulare für den Geschäftsverkehr der Erwerbs- und
Wirtschaftsgenossenschaften, Herausgegeben vom Allgemeinen
Verbande der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und
Wirtschaftsgenossenschaften, e. V. Groß-Oktav. 122 Sn U
X, Bd. : Rechtsbuch für Genossenschaften, Von E, Scholz. Oro Dam
XII, 322 Seiten, 1909 2. .0.0.00000000000000400044 + RM. T—
Die übrigen Bände sind zurzeit vergriffen.

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Das deutsche Genossenschaftswesen. Von Dr. Robert Deumer.
Erster Teil. Zweite Auflage, 137 Seiten, 1926. (Sammlung Göschen
EN
Zweiter Teil. Zweite Auflage. 156 Seiten. 1927. (Sammlung Göschen
Bd 787) 2 ee 4500. . Geb. RM. 1.50

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Der erste Band behandelt die Geschichte und Organisation des deutschen
Genossenschaftswesens unter besonderer Berücksichtigung der genossenschaftlichen
Zentralverbände, der zweite Teil befaßt sich mit der Organisation der Einzel-Zenossenschaft
 als genossenschaflliche und geschäftliche Unternehmung und ihrer
rechtlichen Struktur, mit den Zentralgenossenschaften und Verbänden sowie
mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Genossenschaften.

Hermann Schulze-Delitzsch. Leben und Wirken. Von F. Thorwart,
Frankfurt a. M.. Groß-Oktav. 1913. Unveränderter Nachdruck. VI,
359 Seiten. 1926 .. 2000000000044 4 1000000 + RM. 15,—
STATISTIK .

Nationalökonomie und Statistik. Eine Einführung in die empirische
Nationalökonomie. Von Dr. Rudolf Meerwarth;, a. o. Professor an der Universität
 Berlin. Groß-Oktav. XII, 506 Seiten. (Handbuch der Wirtschaftsund
 Sozialwissenschaften Bd. 7.) 1925 . . . RM. 17.—, geb. RM. 18.50
„Das Werk ist als Beitrag zur nationalökonomischen Quellenkunde ebenso
lesens- und beachtenswert, wie es jedem Nationalökonomen eine gute Schulung
in der kritischen Betrachtung des sich ihm bietenden statistischen Zahlenmaterials
darstellt, An Hand reichlicher statistischer Unterlagen wird der Verfasser in
klarer, sachlicher Form seiner Aufgabe gerecht, Das Werk ist recht instruktiv.“
Der Deutsche Ökonomist.

Statistik. Von. Professor Dr. Heinrich Bleicher. I. Allgemeines, Physikalische
 und Bevölkerungsstatistik. Mit 8 Abbildungen. Zweite, ergänzte
Auflage, Mit 8 Abbildungen, 154 Seiten, 1925. (Sammlung Göschen
Bd. 7146) 2.0.0... x 22.00.04. Geb, RM. 1.50

„Wer alles das beherrscht, was Bleicher in bewundernswerter Konzentration
der Darstellung in dem Rleinen Büchlein zusammengestellt hat, kann getrost!
auf dieser Grundlage weiterbauen.‘‘ Jahrbücher für Nationalökonomie.
        <pb n="112" />
        I. SOZIALWISSENSCHAFT
UND SOZIALPOLITIK

Soziologie. Geschichte und Hauptprobleme. Von Professor Dr. Leopo!
von Wiese, 98 Seiten. 1926. (Sammlung Göschen Bd. 101.) Geb, RM. 1.5
„Knapp, klar, ohne verwirrende Abschweifungen, ohne verflachende „„Populart
sierung‘* gibt die Schrift einen Abriß der Geschichte der Soziologie und zeig
die Aufgaben und Ziele dieser jüngsten Wissenschaft. Das Büchlein wird erfol£
reich dazu beitragen, die noch weitverbreitete völlige Unklarheit über das Wesen
der Soziologie zu beseitigen.‘ Berliner Tageblatt.

Soziologie. Von Eugen Rosenstock. I. Die Kräfte der Gemeinschaft.
Oktav, 264 Seiten. 1925 .......... "RM. 8.—, geb. RM. 9.5
„In dem vorliegenden Buche gibt Rosenstock etwas Grundsätzliches: eine AT
allgemeiner Theorie seines bisher nur in der Behandlung von Einzelfrage”
hervorgetretenen Standpünktes. Das Werk ist äußerst hlar, einfach und un
kombliziert geschrieben.‘ Der Firn.
Sozialpolitik. 1. Teil. Von Adolf Günther, Grofs-Oktav. 1922, (Handbuch
 der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Bd. IX.)
Geh. RM. 9.—, geb, RM. 10.56
Das Betriebsräteproblem. Von Dr. Kurt Be Malthlal den
VI, 250 S. 1926. (Sozialwissenschaftliche Forschungen Ill, 6.) RM. 9.—
„In überaus reizvoller und interessanter Weise sind die mannigfachen Bet
giehungen zwischen Belegschaft, Betriebsrat, Arbeitgeber und Gewerkschaft be
handelt, das heute so viel erörterte Führerproblem in der Arbeiterbewegung, das
im Verhältnis von Betriebsrat und Belegschaft in neuer Form entstanden ist.
Das Buch stellt eine wertvolle Bereicherung unserer Literatur dar. Es gibt ein
anschauliches Bild von dem Wandel, den die Betriebsverfassung seit 1915
durchgemacht hat.“ Soziale Praxis.

Motive der internationalen Sozialpolitik. Untersuchungen über ihrt
Entwicklung. Von Dr. Wilhelm Häfner. a XIV, 154 Seiten:
1922. (Sozialwissenschaftliche Forschungen Ill; 3.0 ..... RM.3.—
„Das Werk ist die vollständigste Materialsammlung, die auf diesem Gebiel
bisher erschienen ist, Es ist eine Leistung spezifisch deutscher Forschungsart
bereichert aber die einschlägige internationale Fachliteratur in ungewöhnlichen
Maße. Es verdient die Aufmerksamkeit der Sozialpolitiker aller Länder.‘

SOZIALE PRAXIS

Die städtischen Handels- und Verkehrsarbeiter und die Anfänge
städtischer Sozialpolitik in Köln bis zum Ende des18.Jahrhunderts
Von Bruno Kuske, 1914 . 0 .0000000000.000 404. RM. 3.—
{Kölner Studien zum Staats- und Wirtschafisleben. Heft 8.)
Arbeitsmarktpolitik, Von Dr. jur., Dr. phil, Ernst Berger, Ministerialral
im Reichsarbeitsministerium. 150 Seiten. 1926. (Sammlung Göschen
Bd. 928.) . 0000000040 HH 474. Geb. RM. 1.50
„Das Buch ist ein unentbehrlicher Führer für jeden, der sich mit den wirt
schaftlichen und sozialpolitischen Zusammenhängen der Gegenwart befaßt, ES
verdient deshalb die weiteste Verbreitung.‘ Reichsarbeitsblalt,

Die Entwicklung der sozialen Prage bis zum Weltkriege. Vo!
Professor Dr. Ferdinand Tönnies, Vierte, verbesserte Auflage. 152 Seiten;
1926. (Sammlung Göschen Bd. 353) ... 2... .. Geb. RM. 1.5
„Der wohlbekannte Verfasser gibt in knapper Form einen guten Überblick
über alle mit der sozialen Frage zusammenhängenden Erscheinungen der Vor
Kriegszeil.‘ Konsumpenossenschaftliche Rundschau.
        <pb n="113" />
        Der Soziallohn und seine wirtschaftliche Bedeutung, Von Dr. Gerhard
Braun. Grofs-Oktav. 56 Seiten. 1922. (Sozialwissenschaftliche Forschungen
 IL 3 2 00 „+ «+ RM. 1.20

„Das Für und Wider um den Familienlohn, Art und Höhe der Familienzulagen,
 die Organisation und Verbreitung der Ausgleichskassen in Deutschland
finden eine ausführliche Darstellung. Das Problem des Soziallohns wurde, SOweit
 es die deutschen Verhältnisse betrifft, völlig „‚voraussetzungslos‘‘ behandelt,
wenn auch die neuesten Erfahrungen noch wicht verwertet werden konnten.“
Snzcale Praxis.

Bevölkerungswissenschaft. Eine Einführung in die Bevölkerungsprobleme
der Gegenwart. Von Dr. Otto Most. Zweite, verbesserte Auflage. 147 Seiten,
1997 (Sammlung Göschen Bd. 69%) . - + + ‚Geb. RM. 1,50

„Es ist ein außerordentlich gut gelungener Versuch, eine kurze knappe
Inhaltsdarstellung über das Gesamtgebiet der Bevölkerungspolitik zu geben.
Reichhaltige Literaturnachweise am Ende erhöhen die Brauchbarkeit des Buches,
das warm embptohlen werden kann.“ Soziale Arbeit.

Sozialbiologie. Von Dr. Alexander Elster. Oktav. 1923, (Handbuch der
Wirtschafts- und Sozialwissenschaiten Bd. VIIL) Geh. 750g. RM. 9.—,
geb. RM. 10,50
Das Werk, das weit über das im engeren Sinne Fachwissenschaftliche
hinausgeht, behandelt zunächst Begriff und Aufgaben der Sozialbiologie, gibt
bn zweiten Teil die theoretische Grundlegung (Vererbungslehre, Bevölkerungsbolitik,
 sexuelle Frage, Eubiotik, Klasse, Familie, Rasse, Nation), erörtert im
Aritten Teil die Probleme von Menge und Verteilung der Bevölkerung, Ehe,
Frauentum, Geburten usw. und im letzien Teil die Fragen der ‚Störung und
Heilung (Seuchen, Tuberkulose, Alkoholismus. Sozialhypiene uswW.).

Die Lohnbewegung der Gewerkschaftsdemokratie. Von Adolf Weber
1914. (Kölner Studien zum Staats- und Wirtschaftsieben. Heft 7.) RM. 2.—

Wirtschaftsnot und Selbsthilfe der Deutschen Studentenschaft,
Von Hans Gehrig. Groß-Oktav. 112 Seiten. 1924 %. + +» + RM.4—

Fürsorge und Wohlfahrtspflege, Einführung in die soziale Hilfsarbeit.
Von Prof. Dr. Adolf Weber. Zweite Auflage. 130 Seiten, 1926. (Sammlung
 Göschen Bd. 346) +. 0 . . Geb. RM. 1.50

Die Wohnungsfrage, Von Professor Dr. L. Pohle. Zweite Auflage. (Sammlung
 Göschen Bd. 495 und 496) + 2.0. 4 + + + «Geb. je RM. 1.50
IL. Das Wohnungswesen in der modernen Stadt. 140 Seiten. 1920.
1. Die städtische Wohnungs- und Bodenpnolitik. 140 Seiten, 1920.

AUSWAHL EINSCHLÄGIGER
1URISTISCHER WERKE

Bürgerliches Gesetzbuch nebst Einführungsgesetz, Mit Einleitung,
Anmerkungen und Sachregister. Nach dem Tode des ersten Herausgebers
Dr. A. Achilles in Verbindung mit Dr. F. Andre, Geheimer Justizrat, 0.
Professor in Marburg, für die vorliegende At vertreten durch Gerichtsassessor
 Dr, Kieckebusch in Marburg, 0. Meyer, Oberlandesgerichtsräsident
 in Celle, Dr. O0. Strecker, Senatspräsident am Reichsgericht in
enzie, Dr. K. von Unzner, Staatsrat und Präsident des Obersten Landesgerichts
 in München, herausgegeben von M. Greiff, Wirkl. Geh. Ober-
        <pb n="114" />
        justizrat, Oberlandesgerichtspräsident in Breslau. Zwölfte, vermehrte und
verbesserte Auflage, mit Erläuterungen der Verordnung über das Erbbatrecht,
 des Gesetzes über die religiöse Kindererziehung und des Gesetzes
für Jugendwohlfahrt. Groß-Oktav. XVI, 1246 Seiten. 1927, (Guttentagsche
Sammlung deutscher Reichsgesetze Bd. 38/39.) ... . Geb. RM. 24.—
„Diese Handausgabe darf unter ihresgleichen einen hervorragenden Rang
beanspruchen, nicht nur wegen: ihrer Keichhaltigkeit, sondern. vor allem auch
Wegen ihrer gedrängten, klaren Übersichten und Vorbemerkungen, in denen die
Grundzüge der Rechtslchre in wenigen kurzen Sätzen Zusammengefaßt sind.‘
Leipziger Zeischrift für deutsches Recht.

HANDELSRECHT

Handelsgesetzbuch (ohne Seerecht). Mit den ergänzenden Vorschriften des
Bürgerlichen Gesetzbuches und einem Anhang, enthaltend das Einführungsre
 das Depotgesetz, die Bestimmungen über Börsentermin- und
ifferenzgeschäfte u. a. Nebst Erläuterungen, Im Anschluß an die Textausgabe
 von F, Litthauer, Von Dr. Albert Mosse, weil. Geh. Justizrat,
ÜÖberlandesgerichtsrat a, D. und 0. Honorarprofessor, Neubearbeitet von
von Dr. Ernst Heymann, Geh. Justizrat, o. Professor an der Universität
Berlin, Siebzehnte Auflage. Unter Mitwirkun von Dr. Karl August
Crisolti in Berlin. Oktav. VIII, 693 Seiten. 1926, (Guttentagsche Sammlung
deutscher Reichsgesetze Bd. 4) .... ++. « . Geb. RM. 14.—
„Der Litthauer-Mosse gehört zur deutschen Handelspflege, Das abgegriffent
und oft mißbrauchte Wort: ‚Es 8%t kaum einen deutschen Juristen, auf dessen
Schreibtisch er fehlt‘, wird an ihm zur Wahrheit, Wie nach Lithauers Tode
Mosse, so ist jetzt nach dem Tode Mosses Heymann in die Bresche getreten
und hat das Werk — ein wahrlich hohes Lob gerade bei diesem Buch — auf
der Höhe seiner Vorgänger gehalten.‘ Juristische Wochenschrift.

Bank-= und Börsenrecht. Eine Sammlung von Gesetzen und Geschäftsbedingungen.
 Herausgegeben und eingeleitet von Dr. Arthur Nufßbaum,
Professor an der Universität Berlin. Taschenformat. XIl, 622 Seiten. 1927.
“Guttentagsche Sammlung Deutscher Reichsgesetze Bd. 169.) Geb. RM. 11.—
Die vorliegende Sammlung der verstreuten bank- und börsenrechtlichen Vorschriften
 fehlte bisher in der kaufmännischen und juristischen Bankpraxis
ebenso wie im handelsrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Unterricht, Ihr
Erscheinen wird daher vielseitig begrüßt werden. Die Sammlung berücksichtigt,
wie selbstverständlich, nicht nur die Gesetze und Verordnungen, sondern auch
die dem freien Verkehr entstammenden Rechtsbildungen, In der Systematischen
Einleitung ist auf die in Betracht kommenden Vorschriften des Bürgerlichen
Gesetzbuches und des Handelsgesetzbuches hingewiesen, Die Einleitung wird in
Verbindung mit den Gesetzestexten als Einführung in das weite, unübersichtliche
Gebiet des Bank- und Börsenrechtls von großem Nutzen sein.

Die Reichsgesetzgebung über das Münz- und Notenbankwesen.
Textausgabe mit Anmerkungen und Sachregister, früher herausgegeben
vom Reichsbankpräsidenten Dr. R, Koch, Siebente, völlig neubearbeitete
Auflage von Dr. Hjalmar Schacht, Präsident des Reichsbankdirektoriums.
Taschenformat. XVII, 617 Seiten. 1925: (Guttentagsche Sammlung
deutscher Reichsgesetze Bd, 26.) ..... » + « Geb, RM, 14.—
„Das Buch enthält sehr wertvolles Material über das Bankgesetz, das Privat
holenbankgesetz und das Münzgesetz. Als maßgebliches Werk der Münz- und
Bankgesetzgebung wird es für die Praxis unentbehrlich sein, Die Darstellungen
sind überall klar und übersichtlich.“
Zeitschrift für Handelswissenschaft u. Handelspraxis.
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ARBEITSRECHT

beiterschutz und Arbeitsrecht. (Erste Auflage von Dr. Adolf Günther.)
Zweite Auflage. I. Teil: Arbeitszeitschutz. Das Arbeitszeitnotgesetz und die
übrige arbeitszeitrechtliche Gesetzgebung des Reichs seit 9. November 1928.
Zrläutert von Dr. Richard Schneider, Archivar beim Reichstag, unter Mit-Virkung
 vvn Dr. Adolf Günther, 0, Professor an der Universität Innsbruck.
Taschenformat. 386 Seiten. 1927. (Guttentagsche Sammlung deutscher
Reichsgesetze Bd. 138a.) ... . +. Geb, RM. 7.50

Der Kommentar bringt die gesamte arbeitszeitrechtliche Gesetzgebung, und zwar
ticht nur die allgemeinen Bestimmungen für Arbeiter und Angestellte, wie ste
n der durch das Arbeitszeitnotgesetz abgeänderten Arbeitszeitverordmung enthalten
nd, sondern auch die für einzelne Gewerbezweige und Einzelbetriebe auf Grund
les 5 r20e der Gewerbeordnung erlassenen Verordnungen, ebenso die gesetzlichen
Bestimmungen, die für die jugendlichen und weiblichen Arbeitnehmer und die
Unter besonderen Gefahren für Leben und Gesundheit arbeitenden Gruppen von
Arbeitern ergangen sind.

as Arbeitsgerichtsgesetz. Textausgabe mit Einleitung und Sachregister
von Dr. Hans Depene, Magistratsrat, Vorsitzender des Kaufmannsgerichts
in Berlin. Taschenformat, 180 Seiten, 1927. (Guttentagsche Sammlung
Deutscher Reichsgesetze Bd. 168.3. - „+. .Geb. RM. 3.60

„Zur Einarbeitung ist das vorliegende Buch besonders brauchbar, weil es sich
dicht um einen Kommentar mit vielen Details handelt, sondern um eine Text-Usgabe
 mit einer ausführlichen, von einem hervorragenden Sachkenner ver-Aßien
 Einleitung.“ Wirtschaftliche Rundschau,

Aufmanns- und Gewerbegerichtsgesetz nebst Schlichtungsordnung
lach dem Stande vom 1. August 1924. Enthaltend: Ergänzungen und
\bänderungen des Kaufmanns- und Gewerbegerichtsgesetzes sowie der
Mnschlägigen Bestimmungen der ZPO. und Schlichtungsordnung über das
Verfahren vor den Arbeitsgerichten. Bearbeitet von Dr. Hans Depene,
Jbermagistratsrat, Vorsitzender des Kaufmannsgerichts Berlin. Taschenformat.
 168 Seiten. 1924, (Guttentagsche Sammlung deutscher Reichs-Yescetze
 Bd. 112a) . Geb. RM. 3.50

„Dem Verfasser gebührt aufrichtiger Dank aller am Verfahren vor Kauf-Manns-
 und Gewerbegerichten interessierten Praktiker, der Richter wie der Parteieraler,
 für seine sorgfältige und übersichtliche Zusammenstellung des jetzt
teltenden. Verfahrensrechts, Sein Buch ist für sie alle. ein unentbehrliches
Hilfsmittel. Juristische Wochenschrift,

Arbeiterschutz und Arbeitsrecht. (Erste Auflage bearbeitet von Dr,
Adolf Günther.) Zweite Auflage, 2. Teil: Gesetz über die Beschäftigung
Schwerbeschädigter nebst den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen.
Erläufert von Dr. Richard Schneider, Archivar beim Reichstag, unter it.
Wirkung von Dr. Adolf Günther, o. Professor an der Universität Innsbruck.
Taschenformat. 404 Seiten. 1928. (Guttentagsche Sammlung deutscher
Reichsgesetze Bd. 1380 „+ +. Geb. RM. 8.—

Der Kommentar berücksichtigt die Literatur und Judikatur des Rzichsarbeits-Serichts
 und der Landesarbeitsgerichte, außerdem die Beschlüsse des Schwerdeschädiglenausschusses
 bei der Reichsarbeitsverwaltung und die amllichen. Beründungen
 sowie die einschlägigen Bescheide des Reichsarbeitsministers bis in
lie neueste Zeit.
        <pb n="116" />
        STEUERRECHT

Reichsabgabenordnung vom 13. Dezember 1919 nebst Einführung“
verordnung vom 18. Dezember 1919 und Übergangsverordnung v9!
11. Oktober 1921. Von A. Niebert. Textausgabe mit Anmerkungen ul
ausführlichem Sachregister, Zweite, neubearbeitete Auflage, Taschenform?
1927. (Guttentagsche Samml.deutscher Reichsgesetze Bd. 143.) Geb.RM.12-„Dieses

 Werk will auf Grund der Ergebnisse der Praxıs der praktisch
Anwendung der RAbgO. dienen und auch für den Nichtjuristen verständk
sein, Daß dieser Zweck erreicht wird, dürfte dem Verfasser wicht bestritt
werden, Die Darstellung ist leichtverständlich und klar, Das Sachregister
gründlich bearbeitet, Jedenfalls wird das Buch, das einen mit der praktisch
Handhabung der RAbgO. vertrauten Verfasser erkennen läßt, nicht nur d
Steuerbeamten, sondern auch dem vechtsuchenden Publikum und seinen Beratı
ein willkommener guter Führer auf diesem Gebiet sein.“
Turistische Wochenschrift

Einkommensteuergesetz und Körperschaftssteuergesetz nebst d
zugehörigen Aus- und Durchführungsbestimmungen, Verordnungen
Erlassen. Von Adolf Hollaender, Taschenformat, XXXIX, 697 Seiten. 19%
(Guttentagsche Sammlung deutscher Reichsgesetze Bd.151.) Geb. RM. 24.

„Das auf die Bedürfnisse der Praxis abgestellie und ihnen gerecht werde?
Buch wird jedem gute Dienste leisten, der sich handelnd oder leidend auf d
äußerst unsicheren, ohne Hilfsmittel überhaupt nicht begehbaren Boden
heutigen Einkommensteuer zurechtfinden muß.‘ Juristische Rundschau“

Die Industriebelastungsgesetze vom 30. August 1924 nebst den Dur
führungsbestimmungen zum Gesetz über die Industriebelastung. _
Heinrich Hoepker. Taschenformat. XV. 200 Seiten. 1925. Mit Nachträg‘
(Guttentagsche Sammlung deutscher Reichsgesetze Bd. 159.) Geb. RM. 4

„Die Anmerkungen sind erschöpfend und führen den Leser mit Geschick
die schwierige und neue Materie ein. Rechtsanwälte sowie Kaufleute, für we
die Industriebelastung in Frage kommt, werden das mit einem gulen Sachret
ausgestattete Werk mit gleichem Nutzen gebrauchen!‘
Industrie- und Handels-Zeitungß
Umsatzsteuergesetz (neueste Fassung) mit den Ausführungsbestimmung«
Erläutert von Geh, Oberjustizrat Otto Lindemann, Ministerialdirektor !
Preußischen Justizministerium. Vierte und fünfte, vermehrte und v®
besserte Auflage. Taschenformat. 518 Seiten. 1926. (Guttentagsche Sam!
lung deutscher Reichsgesetze Bd, 132.) ....... . Geb. RM. 10.
„Es handelt sich um einen ausführlichen, gediegenen und klar abgefaßl
Kommentar, der den weiteren Vorzug besitzt, auf dem laufenden zu sein. )
Werk kann allen Interessenten nur warm empfohlen werden.‘
Industrie- und Handels-Zeitung

VERLAG VON WALTER DE GRUYTER &amp;amp; CS
IN BERLIN W 10 UND LEIPZIG

Räderdruck Leinz!
        <pb n="117" />
        ührung“
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Die neue Technik.

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oilte alles das Holz wacdhjen, das etwa das heute
Eifen zu erfeben Hätte? Alle Wälder der Erde
eholzt werden und würden dennoch nicht Hin
Bedarf zu deden. Ganz abgejehen davon, daß
ine enorme Verteuerung des Materials eintreten
„hon längft vor der phofijchen Erjhöpfung der Vers
Tee tun mürde. Im Rahmen unfjerer Heutigen
"ng würde die Örundrente eine jvoldhe Höhe er»
n die Technik nicht bi3 zu einem gewiffen Grade
;, Daß eine wirt!dhaftlicdhe Entwichung, wie Jie das
dert erlebt Hat, ganz undenkbar wäre.
Ht auf die Zeit wirft die moderne Technik emann{ofern
 fie zunächit, was wir [hon fertjtellen Konnnijden
 Schranken des tieri]chen oder men] hlichen
durch Erzielung größerer Gefchwindigkeit bei der
ung oder im Transport durchbricht. Über auch
äußert Jich die nämliche zeiterfparende Wirkung,
rliche Wachstum der Pflanze oder des Tieres ent:
tacht wird, alfo wiederum ein Erfaß pflanzlicher
er Organismen durch anorganifjche Gebilde. Um
+8 wichtige Beifpiel des Cijens heranzuziehen: der
dder der Schiffsmaft aus Eijen vder Stahl werden
Wochen Hergeftellt, während der Holzftamm Yahırııcht
 Hätte, um die erforderliche Dide zu erreichen.
‚ die zur Bejpannung der Wagen Verwendung
irfen mindefjtens dreis bis vierjährige Pflege, wäh
ftrifhe Motormagen oder das Automobil in eben
An fertiggeftellt werden.
+ jer — und das ijt vielleicht die wichtigjte praktifdhe
des modernen, naturwijjen]Haftlich begründeten
— wird durch feine Anwendung die Bafis für das
anijcdhe Mönnen in einer ungeahnten Weife ver
Bie wir wijfen, betrachtet die moderne Techrnologie
tionäprozeß gleichfam Iosgelöft von dem ausfühtt,
 Gemerbeweien I.

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