zwischen beiden Vorgängen. Damals machte sich der Bürgerstand frei von der einseitigen politischen Bevor- nundung. der bevorrechteten Klassen. Heute erstrebt die Arbeiterschaft die Anwendung der politischen Demokratie auch auf einem Gebiet, für das ein Hineintragen der Politik überhaupt das Ende der Entwicklung bedeuten würde, Die Verwirklichung der Wirtschaftsdemokratie in der deutschen Wirtschaft und in jeder ähnlichen modernen Wirtschaft würde bedeuten, daß die individuelle Initiative und Verant- wortung durch einen Kollektivwillen ersetzt würden, der die Initiative töten und das Verantwortungsgefühl ausschalten würde, . Eines ist sicher: Es wäre das Verfehlteste, was die Wirtschaft tun könnte, wenn sie gegenüber der Wirtschafts- demokratie eine Vogel-Strauß-Politik betriebe. Das Problem ist so ernst, daß es der Zusammenfassung aller aufbauenden Kräfte bedarf, um die wirtschaftsdemokrati- schen Tendenzen in die notwendigen Schranken zurück- zuweisen. . In erster Linie hat sich die Wirtschaft selbst zur Wehr gesetzt, ja sie ja das Objekt der Bestrebungen ist und diese Be- strebungen an. ihren Grundfiesten rütteln. Dr. August Weber 1at in seinem Vortrag sehr deutlich darauf hingewiesen, daß in dem letzten Jahrzehnt, nicht die deutsche Wirtschaft oder ihre Führer versagt, haben, sondern daß weit mehr und viel größere Fehler an anderen Stellen gemacht worden sind... Das deutsche Unternehmertum habe bewiesen, in der Vergangenheit und in der Gegenwart, daß alle Sozialisie- rungsbestrebungen durch die Ueberlegenheit der Produk- ‘jonsweise der Privatwirtschaft :illusorisch werden, Das deutsche Unternehmertum will diese Privatwirtischaft aicht aufgeben: Es will für sie kämpfen, nicht aus mate- riellen Gründen, sondern deswegen, weil es sie für die ein- zige Wirtschaftsform hält, die alle Möglichkeiten erschöpft, lie einzig und allein konkurrenzfähig mit dem Auslande ist ınd die ganz allein der führenden Persönlichkeit ermög- .icht, sich mit ihren Ideen und ihrer Energie für das und in dem Unternehmen auszuleben. Weil aber die Wirtschaftsdemokratie auch ein eminent politisches Problem ist, deswegen muß die Abwehr nicht nur von der Wirtschaft ausgehen, sondern auch die aufbauenden politischen Kräite müssen sich energisch gegen diese Bestrebungen zur Wehr setzen. Die Sozialdemokratie in Deutschland ‚ist mit der wirtschaftlichen Doktrin des Marxismus groß geworden; nachdem diese Doktrin sich als eine auf falschen Voraussetzungen aufgebaute Illusion erwiesen hat, greifen die Sozialdemo- kratie und die Gewerkschaften zu der Idee der Wirt- schaftsdemokratie, um ihre in mancher Weise erschütterte politische Ideologie von der wirtschaftlichen Seite her mit einem neuen Impuls zu füllen und sie dadurch zu stützen. 7