Arbeitnehmer von einer So einseitigen Abhängigkeit der Arbeiterschaft nicht gesprochen werden darf, Der Unternehmer erscheint dem überschauenden Blick ebenfalls als abhängig. Abhängig aber nicht nur von der organisierten Arbeit, son- dern von allen Daten des Angebotes und der Nachfrage, ausgedrückt in Preisen, die in der übergroßen Mehrheit der Fälle einer „willkürlichen“ Beeinflussung nicht zugänglich sind. Damit ist auch schon gesagt, daß von ainer Anarchie der Produktion nicht. gesprochen werden kann. Daß der Unternehmer nur dann rentabel wirtschaf- tet, wenn er sich möglichst exakt dem Bedarf anzupassen sucht, ist nicht eine Fiktion klassischer Harmonievorstel- lungen, sondern Tatsache! Es ist selbstverständlich, daß auch irgendeine Kommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an diesen Sachverhalten nichts zu ändern wüßte. Dabei wäre eine solche Kommission zur Wirtschaftsführung aber wesentlich schlechter geeignet. Denn wenn die Handlungen des Unternehmers durch die koniunkturelle Verumständung auch weitgehend zwangsläufig bestimmt sind, so erfordert die Aufgabe der dauernden Anpassung an die unausgesetzten Veränderun- gen der Wirtschaft doch eine weitgehend souveräne Beherrschung der Betriebsmittel. Daß die darüber hinausgehenden Leistungen, die eine Weiterentwicklung des Wirtschaftslebens bedeuten, von Persönlichkeiten und nicht von Körperschaften ausgehen, bedarf nicht der Erwähnung. Gerade die letzteren Einwände müssen zum Teil auch jenen wirtschaftsdemokratischen Programmen gegenüber aufrechterhalten werden, die sich von den grundsätzlichen Fehlern des sozialistischen Programms freizuhalten wissen. Denn auch bei ihnen tritt eine gewisse Ueberschät- zung des Konstruktiven hervor, allerdings ge- mäßigt, ergänzt und. bereichert durch Zielsetzungen be- deutungsveller Art, wie etwa die in Kreisen der christlichen Gewerkschaften vielfach betonte Aufgabe der Erziehung zum wirtschaftlichen Konsum. Die gegen die wirtschaftsdemokratische Idee andeu- tungsweise vorgebrachten Argumente sind allgemein- zültiger Natur, doch muß ihnen angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftslage Deutschlands besondere Bedeutung zukommen, Die Empfindlichkeit unseres Wirtschaftskörpers gegen Experimente aller Art ist so stark zestiegen, daß solche Experimente nur dann begon- nen werden sollten, wenn über die Art ihrer Durchführung und die voraussichtlichen Erfolgsmöglichkeiten zureichende Klarheit besteht. Daß diese Klarheit im wirtschaftsdemo- kratischen Programm fehlt, ja daß sie fehlen muß, sollte nachgewiesen werden. Die Folgerung ist, daß einstweilen nichtan der Auflösung, sondern an der Ver- besserung der kapitalistischen Wirti- schaftsordnung gearbeitet werden muß.