Kultur, eine Absage an den Individualismus schlechthin, sine Umwertung im Sinne des reinen und vollen, unbedingten Kollektivismus muß unserer gesamten Kultur den Untergang bringen, Es gibt keine Gesamtkraft ohne Entfaltung der Einzelkraft. Die Einzelkräfte schaffen die Gesamtkraft. Die Einzelkräfte hemmen und binden heißt die Gesamtkraft ersticken und lähmen. Bei den Naturgebilden, den Organismen, geht der Weg vom Ganzen zum einzelnen, in der menschlichen Ge- meinschaft geht umgekehrt‘ der Weg vom einzelnen zum Ganzen. Wer das verkennt, greift an die Wurzeln des Lebens. Kar Freiheit oder Organisation des sittlichen Gedankens in der Wirtschaft. Vom Standpunkt des evangelischen Christentums. Dastor Dr. rer. pol. Der uhl, Volkswirt RDV.. Hannover, Die Vollendung des sittlichen Gedankens liegt in der svangelischen Hoffnung, daß der Mensch durch den Glauben immer mehr in die Liebe hineinwächst. Volkswirtschaftlich zesprochen heißt das, daß der einzelne Mensch nicht nur in der „Erwerb s“-Wirtschaft, sondern auch in der „Widmung s“-Wirtschaft steht. Jeder arbeitet nicht aur für sich, sondern auch für andere, zum mindesten;: für seine Angehörigen, tatsächlich sogar für viele Notleidende, Arbeitslose. Wer eine solche innere Verpflichtung nicht spürt, steht dem Ssittlichen Gedanken in der Wirtschaft Iiremd gegenüber, . Natürlich setzt dieser sittliche Gedanke in der Wirt- schaft ein individualistisches Prinzip voraus, das mit den biblischen Worten zu begründen ist: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. (2. Thess. 3, 10.) Aber der Mensch ist nicht ein wirtschaftlicher Robinson, der zu iso- ‘;jerter Betätigung verurteilt ist. Unser eigener Wirtschafts- kreis berührt oder überschneidet viele andere; darum muß eder als Mittelpunkt seines eigenen Kreises bei der Ver- ängerung des Aktionsradius Sich die Frage vorlegen, in- wieweit seine Ausdehnung letzte Menschenrechte der an- ıjegenden Lebenskreise verletzen könnte. Nur diese ernste, tiefe Selbstprüfung kann das individualistische Prinzir, das zugleich das Prinzip der Freiheit ist, vor dem Vorwurf be- wahren, daß es zu einem Kampf aller gegen alle führen müsse. Fs ist nicht zu leugnen, daß es Menschen gibt, die eine Ethik für das Wirtschaftsleben mehr oder weniger resig- niert ablehnen, weil die scheinbar naturgesetzliche Eigen- gestaltigkeit des Wirtschaftslebens für sittliche Willensent- 6