in ihrer schöpferischen Gegensätzlich- keit und untrennbaren Einheit auf. Der ur- sprüngliche Individualismus geht mit dem guten kollek- tivistischen Gepäck wahrhaft nationaler und sozialer Ver- antwortung ‚einher, während immer verkannt‘ wird, daß der kollektivistische Gedanke im Sozialismus sich nur an den kräftigen Stützen eines gesunden Individualismus aufrecht- erhält. Auf den neuen, rein kollektivistischen Menschen, auf den“ sozialistischen Men- Schen, warten wir noch.‘ Wir werden auf ihn bis in alle Ewigkeit warten. Der demokratische Gedanke im Staats- und Wirtschaiftsleben. Von Prof. M. Wundt. Jena, Jede Staatsform hat das Bestreben, sich über die ihr eingeordneten Verbände und Körperschaften auszudehnen und sie nach ihrem Vorbilde zu gestalten. Es kommt darin die überragende Bedeutung des Staates für das mensch- liche Gemeinschaftsleben zum Ausdruck. indem keine ihm eingeordnete Lebensform sich seiner Einwirkung entziehen kann und jede, wenn auch rascher oder langsamer, mehr oder weniger, die jeweilige Gestalt des Staates an sich nehmen wird, Das haben wir ja deutlich in den seit der Revolution verflossenen Jahren bemerken können; die demokratische Staatsform setzte sich allmählich auch auf allen andern Lebensgebieten durch, und sie bestimmt heute nicht nur die dem Staate einge- gliederten, kleineren politischen Gebilde, wie Länder und Gemeinden, die ja von dem staatlichen Willen selbst ent- scheidend in ihrem Aufbau bestimmt werden, sondern auch solche Lebensformen, die an sich, wie man meinen sollte, sich unabhängig vom staatlichen Willen entwickeln könn- ten und die trotzdem mehr und mehr dem Vorbilde des Staates sich anpassen und dessen Einrichtungen nach- ahmen, obwohl diese ihren Bedürfnissen vielleicht noch weniger entsprechen. Besonders deutlich ist dies auf den Gebieten der Wirtschaft und des geistigen Lebens. Beide stehen ohne Zweifel unter zum Teil. völlig andern Be- dingungen als der Staat. Es ist deshalb in keiner Weise gesagt, daß selbst eine für den Staat günstige Form sich auch in ihrem Bereiche bewähren müsse, Und trotzdem erweist sich der Einfluß des Staates als so stark, daß auch sie, teilweise unter starker Verkennung ihres eigentlichen Lebensgehaltes, sich den politischen Einrichtungen anpassen, Das muß sich natürlich um so ungünstiger auswirken, wenn die Staatsform in ihrem Werte so umstritten ist wie die demokratische, Man kann dies Verhältnis aber auch noch von einer andern Seite ansehen. Indem die Staatsform auch auf ver- schiedene andere, an sich von ihr unabhängige Gebiete {4