konjunkturlose Wirtschaft dürfte das Moltke-Wort vom ewigen Frieden wirklich zutreffen, daß sie „ein Ideal und vielleicht nicht einmal ein schönes“ ist Solange wir eine koniunkturlose Wirtschaft aber nicht haben, muß man. in besseren Zeiten {für schlechtere mit sorgen. Bisher hat man die. Kohlenwirtschaft innerhalb des kon- junkturellen Auf und Ab. der übrigen Wirtschaft preislich viel zu Starr geregelt: dadurch schnitt ‘man dem Bergbau die Wellenberge der Koniunktur ab, ließ ihn aber an den Wellentälern mitleiden und beeinträchtigte so die finanzielle Beweglichkeit und leider auch die Kredit- fähigkeit eines wesentlichen Teils der deutschen Wirt- Schaft bedenklich. Ich bin» mit Professor Schmalen- bach und andern der Ansicht, daß man mit dieser Rege- lung der Volkswirtschaft und Der saldo auch den Verbrauchern keinen Vorteil] erweist, zumal die Gefahr ungesunder Koniunkturausschläge zweifellos verstärkt wird, wenn man im Wirtschaftsorganismus den Regulator der Preise der Schlüsselindustrien zu starr festhält. _ Um die mit der Zwangspreisregelung und der Zwangs- Syndizierung verbundenen Nachteile zu vermeiden, die ja bei der jetzigen Handhabung insbesondere dem Reichs- wirtschaftsminister eine. beispiellose Verantwortung auf- laden, liegt der Gedanke nahe und ist wohl auch an maßgebenden Stellen. bisweilen erwogen worden, das Kohlenwirtschaftsnetz vorübergehend zu Suspendieren und eine. Zeitlang den natürlichen Kräfteausgleich wirken zu lassen. Ich glaube, daß eine Solche Lösung in einer innerlich gesunden und gekräftigten Volkswirtschaft wahrscheinlich das Richtige wäre. Ich fürchte aber, daß unser geschwächter Wirtschaftskörper Sich die mit einer derartigen Gewaltkur verbundene Kräftevergeudung. und Wertevernichtung nicht leisten kann. Man wird also mit dem KWG. weiter rechnen müssen. Im Rahmen kritischer Betrachtungen zur Wirtschafts- demokratie möchte ich daher zu diesem Gesetz folgendes sagen: Der für die Kritik entscheidende Punkt, ob die wirtschaftliche Selbstverwaltung durch die beteiligten Kreise möglich ist, kann nach den Erfahrungen des KWG. noch nicht abschließend beurteilt werden, weil. sie bisher überhaupt noch nicht ernstlich versucht ist. So sind diese zehn Jahre des KWG. für die Frage der Bewährung seines Grundprinzips ohne Be- weiskraft. Wegen der vorerwähnten ungünstigen Wirkungen zwangswirtschaftlicher Maßnahmen auf Moral und Verantwortungsgefühl sind sie sogar für die Frage der Erziehung zur wirtschaftlichen Selbstverwaltung und Selbstverantwortung mehr als verloren, d. h. eher schädlich gewesen. VER — 75