Mülheim-Ruhr, den 29. August 1929. Post Speldorf. , Die Wirtschaftsdemokratie wird den Untergang des Deutschtums vollenden. es An KK oO Für die Freiheit der Schlüsselindustrie. Von Dr. M. Schlenker, Düsseldorf „Wirtschaftsdemokratie‘“ ist alles andere als ein klar umrissenes Programm: es ist ein schillerndes Schlagwort, das offenbar den Rahmenbegriff für neue Maßnahmen der „kalten Sozialisierung“ abgeben soll, "Freffend haben dies die. Väter -des neuen Wirtschaftsprogramms selbst gekenn- zeichnet. Wenn die deutschen Gewerkschaften die For- derung der Wirtschaftsdemokratie aufstellen, so bedeutet das für sie keinen Verzicht auf das sozialistische Ziel und keinen Ersatz für den Sozialismus, sondern es bedeutet eine Ergänzung der sozialistischen Idee in der Richtung der Klärung des Weges zur Verwirklichung‘ Wenn der Kapitalismus. nicht gebrochen werden kann, so soll er auf alle Fälle gebogen werden, Für spätere Generationen wird es unverständlich sein, warum das Schlagwort der Wirtschaftsdemokratie in unseren Tagen derartiges Aufsehen erregen und. den Blätterwald der Presse in ungeahnter. Stärke zum Aufrauschen bringen konnte. Denn ihrem Wesen nach ist „Wirtschaftsdemo- kratie“ zu tödlichster Unfruchtbarkeit verurteilt. Die Stoßkraft des neuen Programms’ richtet sich in erster Linie gegen zwei Wirtschaftsgruppen, einmal gegen die Banken. in deren Händen letzten Endes die Finan- zierungsmöglichkeit der gesamten Wirtschaft liegt, und gegen die Schlüsselindustrien, die den Gruad- stock des industriellen Lebens bilden, nämlich Bergbau, Eisen- und Stahlerzeugung, Industrie der chemischen Grund- stoffe, Elektrizitätswirtschaft usw. Wenn das neue Pro- gramm, soweit man diesen Ausdruck überhaupt brauchen kann, in den Selbstverwaltungskörpern wichtige Formen sieht, in denen die demokratische Wirtschaftsauffassung realisiert werden kann, so bedeutet das nichts anderes, als daß durch parteipolitisch durchsetzte Ausschüsse, deren Wesen der stündliche Kompromiß ist, das Unter- nehmertum mit seinen kaufmännischen und 73