schöpferischen Fähigkeiten zugunsten der politischen oder bürokratischen -Fähig- keiten der neuen Funktionäre zurück- Ireten soll. Daß dieser, Gedanke überhaupt aus- gesprochen werden kann. beruht auf der völligen Ver- kennung der modernen Wirtschaft. Auch in den größten- teils durchorganisierten Schlüsselindustrien bedeutet Wirtschaften nicht Verwalten und büro- kratisches‘: Abwickeln gegebener Betriebs- gepilogenheiten, sondern schöpierisches Handeln und Aufbauen, Nirgends ist dies deutlicher zutage getreten als in den Wirtschaftszweigen, in denen in Auswirkung Wissellscher planwirtschaftlicher Ideen Selbstverwaltungskörper errich- tet worden sind, Der erste staatliche Eingriff in die wirt- schaftliche Organisation des Bergbaues wurde auf dem Gebiet der. Kaliwirtschaft vollzogen. Hier besteht auf Grund des Kaliwirtschaftsgesetzes als oberstes Organ der Reichskalirat, der nach gemeinwirtschaftlichen Grund- sätzen die Kaliwirtschaft Jeiten soll. Sein Arbeitsgebiet soll die Festsetzung der Inlandsverkaufspreise, die Be- stimmung von Durchschnittslöhnen und die Genehmigung ler Syndikatsverträge umfassen. Die Kalirrüfungs- stelle, die zur Hälfte mit Arbeitnehmervertretern besetzt ist, hat die vorbereitenden Arbeiten und Gutachten durch- zuführen, außerdem noch die besonderen. Maßnahmen in der Kaliwirtschaft — Beteilizungsziffern, Stillegungen, Quoten- üibertragungen usw. — vorzunehmen. Vor dem Kriege vesaß Deutschland in der Kaliwirtschaft ein beinahe rest- loses Monopol. Andererseits war Kali für die deutsche und außerdeutsche Landwirtschaft ebenso notwendig wie die. übrigen Düngemittel — Kalk Stickstoff, Phosphor- säure —. Daran hat sich auch in der Nachkriegszeit bis in die jüngste Gegenwart verhältnismäßig wenig geändert. Zwar mußten die elsässischen Kalilager abgetreten werden. Durch Verständigung über den Absatz mit der franzö- sischen Kaliindustrie ist aber das deutsche Monopol nur zum Teil erschüttert worden zumal die Produktion in Polen, Rußland und in den USA, «bisher nur geringe Aus- dehnung besitzt. Allerdings machen sich neuerdings An- zeichen bemerkbar, daß sich das in Zukunft ändern wird. Nun haben die eben veröffentlichten Untersuchungen des Enquete-Ausschusses in geradezu krasser Weise die Nachteile, ja die Nutzlosigkeit des Selbstver- waltungskörpers in der Kaliwirtschaft bestätigt. Die ganze Entwicklung in der‘ Kaliindustrie seit 1910 ist nichts anderes ale ein warnendes Zeichen, zu welchen Ver- hältnissen ein übertriebenes Eingreifen der Gesetzgebung in die Wirtschait führen kann. Darüber hinaus hat der Bericht des Enquete-Ausschusses gegen den Selbstverwaltungskörper .schroff Stellung ge- 74