Die Entwickelungsphasen d. gewerbl. Technik im allgem. 13

jeder Kategorie dann wiederum das einzelne Werkzeug, bis
zu jener delikaten Nuancierung, wie wir sie heute etwa in
der Uhrenindustrie zu betrachten Gelegenheit haben. Die
leiseste Unterscheidung der Arbeitsverrichtung wird begleitet,
unterstützt, ermöglicht durch das entsprechend ihr angepaßte
Werkzeug. Und es liegt auf der Hand, wie sehr die fort—
schreitende Zerlegung der Arbeit die Ausbildung der Werk—
zeugtechnik fördern muß, um wie viel besser bei jeder neuen
Vereinfachung der Teilverrichtung — denn auf Vereinfachung
läuft doch alle Zerlegung hinaus — das entsprechende
Werkzeug der menschlichen Hand angepaßt werden kann und
wie auf der anderen Seite jedes neue verfeinerte Werkzeug
die Arbeitsleistung wiederum steigern muß.
Mit dieser fortschreitenden Differenzierung des Hand—
werkszeuges und seiner Funktionen im engen Zusammen—
hange steht nun aber die zunehmende Vervollkommnung in
der Benutzung des Werkzeugs. Schon in eine frühere
Periode der Entwicklung fällt, wie wir aus immer zahl—⸗
reicheren Werkzeugfunden schließen dürfen, die Verwendung
der Schwungkraft zur Handhabung des Werkzeugs. Wie
wir schon hervorzuheben Gelegenheit hatten, muß diesem
Fortschritt in der Nutzung ehedem nur durch Druck oder
Stoß bewegter Werkzeuge eine ganz besondere Bedeutung
für die Kulturentwicklung beigelegt werden. Nun erst treten
die Axt und der Hammer in den Dienst des Menschen, die,
wie wir wissen, geradezu als Symbole seines schöpferischen
Wirkens auf Erden dienen können und übrigens unseren
Vorfahren auch gedient haben. An die Stelle des Schabens,
Stechens, Schneidens, Kratzens tritt das Hauen. Und
unsere Kultur ist nicht erschabt, erstochen, erschnitten oder
erkratzt: sie ist herausgehauen aus Erde und Stein, aus
Wald und Dickicht! Wie aber an der Pforte aller Kultur
die Nutzung der Schwungkraft, so steht an der unsrigen ein