14 Die gewerbliche Arbeit u. ihre Organisation.
anderes Prinzip der Werkzeugnutzung, von vielleicht noch
größerer, noch schöpferischerer Bedeutung. Man hat es
das Walzen- oder Rotationsprinzip genannt und es be—
steht in der Einführung der kontinuierlichen Drehbewegung
in die Technik.
In allen unseren Werkzeugen usw. lassen sich zwei For—
mations⸗Hauptperioden unterscheiden: die Periode, in welcher
das Werkzeug hin und her oder auf und ab bewegt wird,
also immer einen toten Rückgang machen muß, um einen
lebendig wirkenden Vor⸗ und Abwärtsgang auszuführen, und
die Periode der kontinuierlichen Bewegung nach vor— oder
abwärts. So unscheinbar der Fortschritt von der Periode
des toten Rückganges zur Periode der kontinuierlichen leben⸗
digen Bewegung zu sein scheint, so bedeutel er doch in wirt⸗
schaftlicher Beziehung gerade so viel, als der Fortschritt der
Pflanzen- und Tierformen der Grauwackenperiode zu jenen
der Kreideperiode. Und doch ist das Prinzip der kontinuier⸗
lichen Bewegung nach vor- und rückwärts erst der Anfang
des Rotationsprinzips: ehe die Bandsäge auftrat, hatte ein
Fortschritt darin bestanden, die Säge beim Auf- und Ab—
wärtsgehen in je einem Stamme oder in denselben Stamm
zweimal einschneiden zu lassen; und ehe der Kreisbohrer
in Aufnahme kam, hatte man das Hin- und Herbohren im
Halbkreise ebenfalls schon gekannt. Die erste bedeutsame
Anwendung des Rotationsprinzips in der Technik dürfte der
auf Rädern bewegte Wagen gewesen sein. Heute ist das
Prinzip in jeder Sphäre der Technik so sehr verbreitet, daß
es 1842 schon Jobard „das Kriterium der modernen Ge—
werbstätigkeit“ nannte, „weil jedes mechanische Verfahren,
jede Fabrikation, die nicht die fortwährende, ununterbrochene
Tätigkeit besitzt, noch im Zustande des embryonalen Werdens“
sei. Und Reuleaux kennzeichnet die Bedeutung dieses selben
Prinzips mit den Worten: „So wie der alte Philosoph die