Die Entwickelungsphasen d. gewerbl. Technik im allgem. 15

stetig steigende Veränderung der Dinge einem Fließen ver—
zlich und sie in den Spruch zusammendrängte Alles fließt',
so können wir die zahllosen Bewegungserscheinungen in dem
wunderbaren Erzeugnisse des Menschenverstandes, welches
wir Maschine nennen, zusammenfassen in das eine Wort:
Alles rollte“. Aber diese Worte Reuleaux' eröffnen in einer
anderen Richtung unserer Betrachtung eine neue Perspektive:
in ihnen wird das Rotationsprinzip — und mit Recht —
vor allem für ein Gebilde, eine Form des Arbeitsmittels
in Anspruch genommen, „welches wir Maschine nennen“.
Unser Interesse wird nunmehr durch die Frage in Anspruch
genommen: welches ist das in der Maschine überhaupt zum
Ausdruck kommende Prinzip? ist die Maschine etwas Wesens⸗
auderes als das Werkzeug? bezugsweise worin unterscheidet
sich eine Maschine von einem Werkzeug? Eine Maschine
ist ein Arbeitsmittel oder ein Komplex von solchen, welches
derart eingerichtet ist, daß es eine Arbeit, die sonst der
Mensch verrichten müßte, an Stelle des Menschen ausführt,
ein Arbeitsmittel also, welches nicht — womit wir die
Maschine scharf gegen das Werkzeug abgrenzen — mensch—
liche Arbeit unterstützt, sondern menschliche Arbeit ersetzt.
Man hat häufig unsere Zeit als Maschinenzeitalter „so
geschmeichelt, wie verflucht“. Dachte man dabei daran, eine
besonders rasche Entwicklung der Maschinerie als unserer
Zeit charakteristisch hinzustellen, so läßt sich dagegen nichts
einwenden. Zuweilen begegnet man aber sogar in wissen—
schaftlichen Auslassungen auch heute noch der Vorstellung:
als ob um die Wende des XVIII. Jahrhunderts die Ma—
schine überhaupt erst in die Erscheinung getreten und die
Jahrhunderte vorher eine maschinenlose Zeit gewesen seien.
Diese Annahme ist ganz und gar verkehrt. Die Maschine
ist fast so alt, möchte man sagen, wie das Werkzeug; sie be—
gleitet den Menschen auf allen Etappen der Kultur und