16 Die gewerbliche Arbeit u. ihre Organisation.

wächst in langsamer, schrittweiser Entwicklung zu der heute
erreichten Vollkommenheit heran.
Wir haben uns nach dem Vorgang Reuleaux' jetzt daran
gewöhnt, als erste Maschine, also als den „ersten schüchter⸗
nen Versuch des Menschen, zwei außer ihm stehende Körper
zu einer bestimmten gegenseitigen Bewegung zu zwingen“,
den Feuerquirl zu betrachten. Dann fällt aber der Aunfang
der Maschinenentwicklung in eine Zeit, in der die Menschen
das Feuer bloß erst zu religiösen, noch nicht zu gewerblichen
Zwecken nutzten, also in eine außerordentlich frühe Periode
der Kultur. Aber auch andere, ohne allen Zweifel machi⸗
nale Vorrichtungen reichen in die Dämmerung entlegenster
Zeiten zurück: Pfeil und Bogen, Spindel, Töpferscheibe, von
der die Drehbank sich ableitet, unterschlächtige Wasserräder,
Wagen und Wagenräder, der Pflug sind Maschinenvorrich—
tungen, die wir schon frühzeitig im Besitze der Menschen
finden. Und aus den ersten Anfängen sehen wir die Ma—
schine sich langsam zu höheren Formen entwickeln. Ein
vortreffliches Schulbeispiel für diesen organischen Entwick—
lungsgang der Maschinerie bietet die Geschichte der Mehl—
bereitungsverfahren, also der Müllereitechnik.
Wir wissen, daß schon außerordentlich früh machinale
Vorrichtungen zur Zerkleinerung der Getreidekörner be—
standen haben. So muß es bei den Chinesen früh üblich
geworden sein, an der Keule, mit der in dem steinernen
Mörser die Körner gestampft wurden, einen horizontalen
Hebelarm anzubringen, der mittels Zapfen ungefähr in der
Mitte seiner Länge zwischen zwei mit Löchern versehenen
Steinen beweglich eingelagert war. Eine andere, auch noch
primitive, aber schon entwickeltere Mahlmaschine bietet uns
das Bild einer alten ostindischen Mühle dar. Dort ist der
Mörfer bereits ein breiter Kessel aus Stein, welcher auf
einem steinernen Postament ruht. Die Keule besteht aus