Die Entwickelungsphasen d. gewerbl. Technik im allgem. 17

einem schweren Baumstrunke, welcher mittels eines daran
befestigten horizontalen Balkens von einem Ochsenpaar im
Kreise gedreht wird. Von diesen Urtypen der Mahlmaschine
gehen dann die zahllosen Verbesserungen und Verfeinerungen
Schritt für Schritt weiter: die Mahlsteine vervollkommnen
sich und ihre Bewegungen, Sieb- und Reinigungsvorrich—
lungen werden dem Mechanismus eingeordnet, die Zu—
führung und Abführung des Materials wird automatisch
bewirki. Und mit der Vervollkommnung der Mahlvorrichtung
parallel geht die Nutzbarmachung immer stärkerer und freierer
Kraftquellen: zu Ciceros Zeit wurden Wasserräder als Mo⸗
toren an Stelle der Sklavinnen eingeführt, seit dem 12. Jahr—
hundert datieren die Windmühlen. Heute haben wir die
Dampfmühle, in der der steinerne Mühlstein durch die
eiserne Walze ersetzt ist, und in der das Prinzip der Ma—
schinerie in höchster Vollendung zur Anwendung gebracht ist.
Immerhin werden die gewaltigen Fortschritte der Ma—
schinentechnik seit dem Ende des XVIII. Jahrhunderts nicht
nuͤr als gleichmäßige Weiterführung des bisherigen Ent—
wicklungsganges angesehen werden dürfen, man wird viel—
mehr, um sie in ihrer prinzipiellen Bedeutung zu verstehen,
betonen muüßen, daß in die zweite Hälfte des XVIII. Jahrhunderts
 eine Reihe von Ereignissen auf dem Gebiete der
Technik fällt, die tatsächlich berufen waren, den Beginn einer
neuen Ära des Maschinenwesens zu datieren. Sie beziehen
sich einnal auf die Entwicklung der Arbeitsmaschinerie.
Diese erreicht gerade in jener Zeit zwei bedeutungsvolle
Etappen: sie wird vollendet für einige der wichtigsten Pro—
duktionszweige (Textilindustrie, Papierfabrikation) und sie
erobert dasjenige Gebiet, das den eigentlichen Stützpunkt
für ihre weitere Vervollkommnung erst abgab: die Her—
stellung wiederum von Maschinen. Erst von dem Augen—
blick an, wo dieser Punkt erreicht war, konnte ein rascheres
Sombart, Gewerbewesen J.