Die Prinzipien der modernen Technik im besonderen. 19

so wunderbares sie auch geleistet hatte, war empirisch ge—
wesen, d. h. hatte auf der persönlichen Erfahrung beruht,
die von Meister zu Meister, von Geschlecht zu Geschlecht
durch die ebenso perfönliche Lehre übertragen worden war—
Von den Göttern, so glaubte man, war die als ein wunder—
bares Geheimnis erscheinende Kunst den ersten Menschen
überliefert worden, die sie nun als kostbares Vermächtnis
ihren Söhnen weitergaben. Dankbar nahm man hin, was
die Natur in unerforschlichem Wirken den arbeitenden Men—
schen darbot; in ihre Mysterien einzudringen, lag allen
früheren Kulturen fern. Man wußte, welche Handgriffe
man anzuwenden hatte, um die Wolle zu verspinnen, die
Brücken zu bauen, das Eisenerz zu schmelzen; damit begnügte
man sich. Als besonders glückliche Fügung, als Segnung des
Himmels pries man es, wenn jemandem der Zufall ein
Verfahren wies, das rascher und vollkommener zum Ziele
führte. Man nahm es hin und hütete es und gab es den
Nachkommen weiter, wie man einen Schatz vererbi, den man
bei Lebzeiten geschenkt erhalten hat. Danach konnte auch
alle Lehre nur eine Regellehre sein: Nachweis der Hand,
griffe, die anzuwenden seien, um einen bestimmten Erfolg
zu erzielen, einen bestimmten technischen Zweck zu erreichen.
In dieses Halbdunkel frommen Wirkens fällt nun der
grelle Schein naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Das kühn
——
scheiden-stolzen „Ich kann“. Ich weiß, warum die hölzernen
Brückenpfeiler nicht faulen, wenn sie im Wasser stehen; ich
weiß, warum das Wasser dem Kolben einer Pumpe folgt;
ich weiß, weshalb das Eisen schmilzt, wenn ich ihm Luft
zuführe; ich weiß, warum die Pflanze besser wächst, wenn
ich den Acker dünge; ich weiß, ich weiß, ich weiß: das ist
die Devise der neuen Zeit, mit der sie das technische Ver—
fahren von Grund aus ändert. Nun wird nichts mehr
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